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                  <text>AMERIKA DIENST

27. A p r i l 1938

17

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan;

Amerikanische Politik verändert Beziehungen zur Sowjetunion

- Ansprache des Präsidenten vor dem Rat für Auswärtige Politik von
West-Massachusetts -

HINTERGRUNDMATERIAL
Warum INF gut für die NATO Ist
- Von Generalleutnant Colin L. Powell -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

17

27. April 1988
REAGAN: AMERIKANISCHE POLITIK VERÄNDERT BEZIEHUNGEN ZUR SOWJETUNION
- Ansprache des Präsidenten vor dem Rat für Auswärtige Politik von
West-Massachusetts -

SPRINGFIELD, MASSACHUSETTS - (AD) - Einen "dramatischen Wandel" erfuhren
Präsident Reagan zufolge die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, weil
Washington darauf drängte, die "gesamte Bandbreite der wahren Gründe gegenseitigen Mißtrauens" zwischen Ost und West anzusprechen. In einer Ansprache vor
dem Rat für Auswärtige Politik von West-Massachusetts erklärte der Präsident
am 21. April 1988, seine vierte Zusammenkunft mit Generalsekretär Gorbatschow
stünde zu einem Zeitpunkt bevor, da die Verhandlungen über eine "beispiellose
Anzahl von Themen" Fortschritte machten, zu denen Abrüstung, Menschenrechte,
regionale Konflikte sowie Austauschprogramme im wissenschafliehen und kulturellen Bereich gehörten.
Nachstehend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:

Ich freue mich sehr, heute bei
Ihnen und insbesondere in dem Staat
zu sein, in dem Amerikas Kampf für
die Freiheit seinen Anfang nahm.
"Ich bin mir der Mühsal, des Blutes
und der Schätze sehr wohl bewußt, die
uns die... Unterstützung und Verteidigung dieses Staates kosten wird,"
schrieb John Quincy Adams im Jahr
1776, "und dennoch kann ich trotz all
der Schattenseiten den Strahl der Erleuchtung und des Ruhmes erblicken."
Historiker haben sich seit eh und
je gefragt, was es war, das Männer
wie Adams und jene zahlenmäßig unterlegene Gruppe von Kolonialisten glauben machte, sie könnten die Macht des
gewaltigsten Reiches auf Erden umstürzen. Wie angemessen schien es
da, wenn die britische Musikkapelle

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Embassy of the United States of America

fünf Jahre später in Yorktown spielte: "Die Welt steht auf dem Kopf."
Die Vorhersagen der klugen Köpfe
Europas haben
sich wahrlich als
falsch erwiesen. Der Mut, die Vision, ja, die Gabe einiger Farmer,
Kaufleute und Rechtsanwälte an diesen
Gestaden zu träumen, läuteten eine
Revolution ein, die heute bis in den
letzten Winkel dieser Welt reicht,
eine Revolution, die immer noch die
Herzen der Menschen erleuchtet und
mit dem Ruhm der menschlichen Freiheit erfüllt.
Sie alle können heute als Mitglieder des Rates für Auswärtige Politik und aktive Beobachter der Weltpolitik bestätigen, wie aussichtslos
zu Beginn dieses Jahrzehnts die Chan-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�r

cen für die Freiheit waren. Bitte
erinnern Sie sich:
die Demokratie
war in zahlreichen Ländern auf dem
Rückzug; es fand eine beispiellose
Aufrüstung statt; es gab die Geiseln
im Iran und die sowjetische Invasion
in Afghanistan; man sagte wirtschaftliche Engpässe und ein globales Chaos
voraus - von einer Verknappung an Lebensmitteln und Brennstoffen bis hin
zu einer Umweltkatastrophe. All dies
waren die kaum versiegenden Themen,
über die wir in den Medien so viel
erfahren konnten.
Durch die wirtschaftliche Erholung der Vereinigten Staaten und der
westlichen Demokratien hat dieses Gerede jedoch stark nachgelassen. Und
diese wirtschaftliche Erholung, die
in Massachusetts 1981 und 1982 durch
eine Verringerung der staatlichen und
lokalen
Steuersätze
vorweggenommen
wurde, basierte auf der Einsicht, die
den Kern der hier vor zwei Jahrhunderten begonnenen Revolution ausmachte: vertraue den Menschen, halte die
Regierung aus den Dingen heraus, und
lasse die Kraft und Dynamik freier
Menschen sich frei entfalten.
Aber ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen vorzutragen, daß
diese Idee des Vertrauens in die
Kraft menschlicher Freiheit und Übernahme wesentlicher Aufgaben durch den
Einzelnen nicht nur eine gute Basis
für unsere Wirtschaftspolitik war,
sondern sich auch als solide Grundlage unserer Außenpolitik erwiesen hat.
Genau dies gaben wir den Menschen;
deshalb betonten wir erneut, was die
Menschen instinktiv wußten, Experten
jedoch scheuten, öffentlich zuzugeben.
Unsere Erklärungen waren kurz und
bündig. Wir lehnten ab, was Jeane
Kirkpatrick "moralische Äquivalenz"
nannte; wir machten deutlich, daß
Freiheit besser als Totalitarismus,
Kommunismus schlecht und eine Zukunft
nuklearen Terrors unakzeptabel ist.
Wir erörteten, wir stünden zum Frieden ebenso wie zur Freiheit. Wir betonten, wir hielten am Traum unserer
Gründungsväter fest - dem Traum, daß

eines Tages jeder Mann, jede Frau und
jedes Kind in Würde und Freiheit leben können. Daher war unseres Erachtens die Politik des Containment
nicht länger ausreichend, und wir erklärten die Ausweitung menschlicher
Freiheit zu unserem Ziel. Wir sprachen uns für die Demokratie aus. Wir
erklärten, wir arbeiteten auf den Tag
hin, an dem die Menschen aller Nationen in den Genuß der Segnungen der
Freiheit gelangen.
Den Experten schien diese Art der
Offenheit zunächst als gefährlich und
sie hätte ihres Erachtens zu einer
Verschlechterung der sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
geführt.
Aber ganz im Gegenteil: jene Offenheit hat den Sowjets die Ausdauer und
Stärke des Westens vor Augen geführt;
sie hat ihnen zu verstehen gegeben,
daß wir im Hinblick auf sie und ihr
System keine Illusionen haben.

*

Durch die erneute Betonung von
Werten und die wiederholte Darlegung
dessen, wofür wir als Menschen und
als Nation stehen, haben wir natürlich einen moralischen und geistigen
Aspekt hervorgehoben. Dadurch haben
wir eine Hoffnung auf Zukunft und Demokratie zum Ausdruck gebracht, und
wir verdeutlichten, daß wir immer
noch die Gabe der Träume besitzen,
die diesen Kontinent und unser Land
bei seiner Entstehung geprägt hat.
Aber bei alledem haben wir auch
etwas Konkretes unternommen.
Lange
zuvor hatten wir erfahren, daß sich
die Sowjets nur dann zu ernsthaften
Verhandlungen bereit erklären, wenn
ihr Gegenüber zu einer festen Haltung
entschlossen ist. Wir wußten, das
geringste Anzeichen von Schwäche auf
unserer Seite die Sowjets würde dazu
veranlassen, ernsthafte Verhandlungen
zu beenden, Fortschritte auf diplomatischem Gebiet aufzuhalten und zu
versuchen,
jene
offensichtliche
Schwäche auszunutzen.
Wir waren also aufrichtig. Wir
erkannten unsere weitreichenden Meinungsverschiedenheiten
und
ihre

- 2 -

&lt;
*

�grundsätzliche moralische Tragweite
an. Auf diese Weise gaben wir zu,
daß die uns und die Sowjets entzweienden Unterschiede tiefgreifender und
einschneidender waren, als durch das
Zählen von Raketen oder Gefechtsköpfen zu ermessen ist. Wie ich zuvor
bereits erklärt habe, mißtrauen wir
einander nicht, weil wir bewaffnet
sind, sondern wir sind bewaffnet,
weil wir einander mißtrauen. Diese
Äußerungen habe ich bei unserem ersten Treffen in Genf gegenüber Generalsekretär Gorbatschow gemacht.
Daher haben wir uns dazu entschlossen, die gesamte Bandbreite der
wahren Gründe für dieses Mißtrauen
sowie die entscheidenden moralischen
und politischen Themen direkt mit den
Sowjets anzusprechen. In der Vergangenheit schienen die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sich allzu
oft auf ein Thema zu konzentrieren:
Abrüstung. Dies ist eine Stütze, die
nicht stark genug ist, um die gesamte
Plattform
sowjetisch-amerikanischer
Beziehungen zu tragen.
Also haben
wir nicht einfach eine einteilige,
sondern eine breit angelegte vierteilige Tagesordnung für die Rüstungskontrolle aufgestellt. Wir sprachen
über regionale Konflikte, insbesondere in Gebieten wie Afghanistan, Angola und Mittelamerika, wo die sowjetische Expansion zu eklatanten Konfrontationen geführt hat. Wir bestanden darauf, die Menschenrechtsfrage und die sowjetische Nichteinhaltung der Schlußakte von Helsinki
auf die Tagesordnung unserer bilateralen Gespräche zu setzen. Wir legten besonderen Wert auf menschliche
Kontakte und riefen die Sowjets dazu
auf, die künstlichen Schranken niederzureißen, die ihr Volk vom Rest
der Welt isolieren.
Auch das letzte Thema auf der Tagesordnung - die Rüstungskontrolle haben wir einer Überprüfung unterzogen. Wir erklärten, über die bloße
Festlegung neuer Obergrenzen hinausgehen zu wollen, die sogar eine noch
umfangreichere Aufrüstung bei den nuklearen Waffen ermöglicht hätte. Wir

bestanden auf einschneidenden Reduzierungen, nicht einfach Kontrolle
der Zahl von Waffen - Abrüstung und
nicht einfach Rüstungskontrolle.
Dieser Ansatz gegenüber den Sowjets hat nun Früchte getragen: öffentliche Aufrichtigkeit über ihr System und das unsrige und eine umfassende Tagesordnung, mit der die wirklichen Unterschiede zwischen uns offengelegt werden.
Wenn wir die wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Situation betrachten, erkennen wir, daß
der weltweite Vorstoß der Freiheit
der beste Indikator für die Position
der Vereinigten Staaten in der Welt
ist. Wenn wir die frei gewählte Regierang in der Republik Korea betrachten, die Siege der angolanischen
Freiheitskämpfer auf dem Schlachtfeld, die Öffnung Chinas und die Liberalisierung seiner Wirtschaft, die
fortschreitende Demokratisierung in
Lateinamerika, auf den Phlippinen und
auf jedem Kontinent - wo diese und
andere Indikatoren stark vertreten
sind, stärkt dies auch Amerika und
unsere Hoffnungen für die Zukunft.
Und dennoch haben die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen trotz
der Freiheit, die sich nun auf dem
Vormarsch
befindet,
einen
dramatischen Wandel erfahren - in ein
Zeitalter echten Engagements. In einem Monat werde ich in Moskau mit
Herrn Gorbatschow zum vierten Gipfel
seit 1985 zusammentreffen. Zwischen
unseren beiden Regierungen finden
Verhandlungen über eine beispiellose
Anzahl von Problemkreisen statt. Der
INF-Vertrag ist Wirklichkeit, und der
Senat sollte nun die Zustimmung zu
seiner
Ratifizierung
geben.
Der
START-Vertrag wird gerade ausgehandelt. Und ich weiß, daß jeder heute
an diese einmalige, überraschende
Tatsache denkt - die Sowjets haben
versprochen, im nächsten Monat mit
dem Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan zu beginnen.

- 3 -

Wenn

jemand

vor

einigen

Jahren

�vorhergesagt hätte, noch vor Ende
dieses Jahrzehnts wäre ein Vertrag
über die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Nuklearwaffen unterzeichnet, Gespräche über einen 50prozentigen Abbau aller strategischen Nuklearwaffen seien im Gange und die Sowjets hätten einen festen Termin für
den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan bestimmt, dann wäre dieser Jemand auf nicht geringe Skepsis gestoßen. Aber dies ist - unmittelbar
vor dem vierten Gipfel - genau der
Punkt, an dem wir stehen.
Ich möchte jetzt einige der Problemkreise ansprechen, die im Vorfeld
dieses Gipfels noch näher definiert
werden müssen und zunächst auf Afghanistan eingehen.
Die Geschichte verzeichnet wenige
Kämpfe, die so heroisch sind wie die
des afghanischen Volkes gegen die sowjetische Invasion. In acht Jahren
sind mehr als eine Millionen Afghanen
getötet worden. Mehr als fünf Millionen wurden ins Exil geschickt.
Und dennoch hat das afghanische Volk
trotz all seiner Leiden weitergekämpft - ein entschlossener patriotischer Widerstand gegen eine der
mächtigsten und modernsten Armeen.
Ihr Land ist zwar besetzt, aber nicht
erobert worden.
Jetzt haben die Sowjets erklärt,
sie hätten genug.
Der Wille zur
Freiheit hat den Willen zur Macht besiegt, wie er es immer getan hat und
meiner Ansicht nach auch in Zukunft
tun wird.
Aber ich möchte an dieser Stelle
darauf hinweisen, daß die nächsten
Monate keine Zeit der Selbstzufriedenheit sein werden, keine Zeit, um
die Hände in den Schoß zu legen und
sich zu beglückwünschen. Die Sowjets
haben kaum jemals ein Land verlassen
- und schon gar nicht in den vergangenen mehr als dreißig Jahren - das
sie einmal besetzt hatten. Sie haben
oft ihren Abzug versprochen, haben
dies aber im Laufe ihrer Geschichte
kaum jemals wirklich getan - und

wenn, dann nur unter dem Druck des
Westens.
Afghanistan war strategisch gesehen ein wichtiger Gewinn für die Sowjets. Die Errichtung von Luftstützpunkten an den afghanischen Grenzen
zu Iran und Pakistan hätten die Möglichkeiten der Sowjets verbessert,
ihre Macht in die Straße von Hormus
auszuweiten und unsere Fähigkeit bedroht, diesen wichtigen Schiffahrtsweg offenzuhalten.
Wir sind davon
überzeugt, daß sie immer noch hoffen,
ihr zweifelhaftes und zum Scheitern
verurteiltes Marionettenregime halten
zu können, und sie suchen immer noch
das benachbarte Pakistan zu bedrohen,
zu dessen Verteidigung wir uns seit
langem verpflichtet haben.
Uns stellt sich also die Frage:
Haben die Sowjets diese Ziele wirklich
aufgegeben?
Wir wissen es
nicht, und wir können es nicht wissen, bis sich der Vorhang senkt. Wir
müssen klar zu erkennen geben, daß
jede Ausbreitung von Gewalt seitens
der Sowjets oder ihrer Vasallen all
das Gute zunichte machen könnte, das
die Genfer Abkommen für die Ost-WestBeziehungen hoffen ließen.
Die Sowjets sind nunmehr aufgefordert, ihre Streitkräfte spätestens
bis 15. Februar nächsten Jahres vollständig abzuziehen. In der Zwischenzeit wissen sie, daß wir den Mudjahedin auf jede erdenkliche Art und Weise weitere Unterstützung zukommen
lassen, solange sie ihre Freunde In
Kabul unterstützen.
Ich möchte es wiederholen - wir
werden die Mudjahedin so lange unterstützen, wie die Sowjets dem Regime
in Kabul helfen. Die Sowjets kennen
unsere Haltung und wissen, daß diese
Tatsache Vorbedingung der Übereinkunft war.
Aber es handelt sich
hierbei um mehr als nur eine Haltung.
Meinerseits handelt es sich um eine
feste Verpflichtung - die von einer
einstimmigen Resolution des amerikanischen Senats gestützt wird.

- 4 -

�Von Anfang an zielte unsere Afghanistan-Politik darauf ab, diesem
Land wieder zu einem unabhängigen
blockfreien Status zu verhelfen, der
dem afghanischen Volk die Entscheidung über seine eigene Zukunft und
die sichere und ehrenhafte Rückkehr
der Flüchtlinge in ihr Land ermöglichen würde - dieselben Ziele, wie
sie im Laufe der Jahre immer wieder
in zahlreichen Resolutionen der Vollversammlung der Vereinten Nationen
formuliert wurden.

i

*

Aber dies sind nicht die einzigen
Ziele unserer Politik in dieser Region. Im weiteren Sinne beabsichtigt
unsere Politik die Förderung dessen,
was man als "normalere" Beziehungen
zwischen Ost und West bezeichnen
könnte.
Ebensowenig wie diese Sowjetunion, die ihr eigenes Volk unterdrückt, die von ihr mitunterzeichnete Schlußakte von Helsinki über die
Menschenrechte verletzt, die weiterhin das Recht auf Meinungsfreiheit,
freie Religionsausübung und Freizügigkeit unterdrückt - jemals ganz
normale Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und der übrigen freien
Welt haben kann, ebensowenig kann eine Sowjetunion, die ständig versucht,
sich in die Angelegenheiten anderer
Länder einzumischen, jemals ein normales Verhältnis mit uns eingehen.
Und genau das ist in Ländern wie Angola, Nicaragua und Äthiopien geschehen. Die Sowjetunion hat gegen den
Willen der Bevölkerung Satellitenregimes zur Regierungsgewalt verholfen
oder diese unterstützt.

mit aufgeblähten Bäuchen sehen oder
Geschichten von Familien hören zu
müssen, die auf ihrem kilometerlangen
Marsch zur Nahrungsmittelvergabe der
Reihe nach starben. Aber jetzt ist
die Hungersnot in ein Land der Hunger
zurückgekehrt.
Äthiopien leidet unter einer Dürrekatastrophe, und es leidet noch
stärker unter einer unzureichenden
Landwirtschaftspolitik. Aber nun ist
zu der Dürre und gescheiterten Politik ein drittes tödliches Element
hinzugekommen - der Krieg.
Die äthiopische Armee hat in
jüngster Zeit in ihrem andauernden
Krieg
gegen die Separatisten in
Eritrea erhebliche Niderlagen erlitten. Das Zusammenspiel von Dürre und
den Zerrüttungen des Krieges ist die
unmittelbare Ursache der Hungersnot
in diesem Teil des Landes. Aber das
äthiopische Regime hat vor kurzem
verfügt, daß alle ausländischen Helfer bei der Bekämpfung der Hungersnot
das Notstandsgebiet im Norden des
Landes verlassen müssen. Das führt
uns zu der erschreckenden Schlußfolgerung, daß Hunger und eine Politik
der verbrannten Erde als Waffe erwogen werden, um die Aufstände niederzuschlagen.

Keines dieser Regime hat den Menschen zu Frieden oder einem besseren
Leben verholfen. Jedes hat Unglück
und Härten mit sich gebracht. Jedes
lastet auf dem Gewissen der Menschheit und ganz besonders das Schicksal
Äthiopiens.

Das Thema Äthiopien steht seit
langem auf der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung, gewinnt jedoch
aufgrund der ungeheuren Katastrophe
für die Menschen zunehmend an Dringlichkeit. Wird die Welt Zeuge eines
weiteren Holocaust?
Wird sie eine
weitere Hungersnot aus politischen
Gründe erleben? Die Sowjets sind der
Hauptlieferant von Waffen und leisten
dem Regime in Addis Abeba die größte
Unterstützung. Ferner liefern sie in
diesem Jahr 250 000 Tonnen Nahrungsmittel.

Vor zwei Jahren glaubte die Welt,
die Hoffnungen aller mitfühlenden
Menschen seien verwirklicht worden
und die Hungersnot in Afrika habe ein
Ende gefunden. Die Menschheit hoffte, niemals wieder Bilder von Kindern

Sie können dieses Desaster im
Keim ersticken.
Ich appelliere an
sie, das äthiopische Regime von der
Abkehr von dieser Entscheidung zu
überzeugen - denn nur sie können dies
- und weitere Bemühungen zur Beendi-

- 5 -

�gung der Hungersnot zu gestatten.
Und ich möchte ferner meiner Hoffnung
Ausdruck verleihen, daß die Sowjetunion gemeinsam mit uns und anderen
besorgten Regierungen auf eine friedliche, ausgehandelte Beilegung dieses
Bürgerkrieges hinarbeitet.
In Äthiopien und praktisch in jedem anderen Land, dem die Sowjets ihr
Regime aufgezwungen haben, müssen die
Themen Menschenrechte und regionale
Konflikte im Kontext eines viel umfassenderen Themenkomplexes betrachtet werden - der sowjetischen Intentionen, Vorhaben und ihres Verhaltens
im eigenen Land wie auch weltweit.
Vor einigen Jahren berichtete der
französische Politologe und Publizist
Jean-Francois Revel über ein Gespräch, das ein Mitglied des französischen Kabinetts mit einem hochrangigen sowjetischen Regierungsbeamten
geführt hat. Revel zufolge erklärte
dieser sowjetische Regierungsbeamte
in einem Rückblick auf die Geschichte
der siebziger Jahre: "Wir nahmen Angola ein - und Sie haben nicht protestiert... Wir haben es zur Kenntnis genommen und in unseren Analysen
vermerkt."
Der sowjetische Regierungsbeamte fuhr fort: "Dann nahmen
wir Mocambique ein - lassen wir das
Thema, Sie wissen ja noch nicht einmal, wo das liegt. Dann nahmen wir
Äthiopien ein, ein entscheidender
Zug... Keine Reaktion... " Und er
fügte hinzu: "Dann nahmen wir Aden
ein und installierten dort einen
wichtigen sowjetischen Stützpunkt...
Aden. Auf der arabischen Halbinsel.
Im Herzen Ihres Nachschubzentrums.
Keine Reaktion." Und der sowjetische
Regierungsbeamte bemerkte abschliessend:
"So stellten wir fest: Wir
können Aden einnehmen."
Die Jahre der Passivität des Westens angesichts sowjetischer Aggression waren natürlich vor sieben Jahren zu Ende. Aber das heutige Problem ist, daß die Mentalität, die
eine solche "Analyse" hervorgebracht
hat, wie der sowjetische Regierungsbeamte sie bezeichnete, immer noch
vorherrscht. Solange dies der Fall

ist, wird die Welt
Frieden erleben.

keinen

wahren

Diese Lektion sollten wir auf dem
eigenen Kontinent, in Nicaragua, besser in die Tat umsetzten. Einige Monate bevor die Sowjets ihre Invasion
in Afghanistan begannen, halfen sie
auch den sandinistischen Kommunisten
in Nicaragua bei der Vereitelung einer demokratischen Revolution.
Die
Kommunisten
versprachen
Demokratie
und Menschenrechte, aber stattdessen
zwangen sie dem Land eine grausame,
schwerbewaffnete Diktatur auf und begannen einen geheimen Krieg der Subversion gegen die friedlichen Nachbarländer Nicaraguas.
Das Volk von Nicaragua griff zu
den Waffen gegen die Kommunisten und
hat einen heldenhaften Kampf geführt.
Aber anstatt dem nicaraguanischen Widerstand dieselbe kontinuierliche Unterstützung wie dem afghanischen Volk
zu gewähren hat unser Kongreß die
Hilfsleistungen
wiederholt
gestrichen. Selbst jetzt, da der Ostblock
Waffen im Wert von einer halben Milliarde Dollar pro Jahr nach Nicaragua
schleust, hat der Kongreß den Freiheitskämpfern die Unterstützung versagt, die sie benötigen, um die Sandinisten zur Erfüllung ihrer demokratischen Versprechen zu bewegen. Ich
denke, es ist an der Zeit, daß der
Kongreß die in Afghanistan gelernte
Lektion beherzigt.
Mit der Unterstützung der Freiheitskämpfer in ihrem Kampf gegen die
brutale Diktatur trägt Amerika zur
Verwirklichung seiner am höchsten
bewahrten Güter bei: Frieden, Freiheit, Menschenrechte und Demokratie.
Gleichzeitig sichern wir unsere eigene Freiheit, indem wir die Kosten der
sowjetischen Aggression in die Höhe
treiben und den Kampf für Freiheit
bis auf die entferntesten Grenzen
ausdehnen.
Manch einer argumentiert, die Sowjetunion nehme in diesen Tagen eine
Neubewertung ihrer Außenpolitik vor,
um sich auf die Reformen im Inneren

- 6 -

t

�zu konzentrieren. Zweifelsohne können wir Zeichen des Wandels ausmachen. Wenn sich jedoch ein solcher
Wandel vollzieht, so deshalb, weil
sie sich die Kosten der Aggression
und der tatsächlichen moralischen Unterschiede zwischen unseren Systemen
klargemacht haben. Wenn wir auf einen grundlegenderen Wandel hoffen
wollen, müssen wir weiterhin fest und
entschlossen bleiben. Wenn wir unsere Verantwortung bei der Festsetzung
dieser Ziele erfüllen und gleichzeitig unsere konstruktive Zusammenarbeit anbieten, dann könnte dies in
der Tat zu einem Wendepunkt in der
Geschichte der Ost-West-Beziehungen
werden.
Mit ihrer jetzt unter Beweis gestellten Bereitwilligkeit zur tatsächlichen Wahrung der Menschenrechte
und der Abkehr von militärischen Lösungen bei der Bewältigung dieser regionalen Konflikte würde die Sowjetunion auch auf Vertrauensbildung und
die Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern hinarbeiten. Regionale Konflikte und Menschenrechte sind eng miteinander verflochten. Dies sind Themen von moralischer Dimension. Dies sind Belange
der internationalen Sicherheit. Denn
wenn eine Regierung die Rechte seines
eigenen Volkes mißbraucht, so ist
dies ein bitteres Anzeichen ihrer Bereitschaft, Gewalt gegen andere anzuwenden.
Zwei der Grundrechte, deren Einhaltung wir von den Sowjets im Rahmen
der Schlußakte von Helsinki gefordert
haben, sind das Recht zur Ausreise
und das Recht der Freizügigkeit. Wir
können nicht umhin, die Ernsthaftigkeit einer Regierung zu bezweifeln,
die ihrem eigenen Volk mißtraut und
es gegen seinen Willen festhält.
Welchen geeigneteren Weg könnte es
zum besseren Verständnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geben, als freie und unmittelbare Kontakte zwischen unseren beiden
Völkern zu gestatten? Warum händigt
die sowjetische Regierung im neuen
Geist der Offenheit ihren Bürgern

keine Pässe aus? Ich bin davon überzeugt, daß ein solcher Schritt die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
entscheidend verbessern würde.
Natürlich ist der hiesige Rat für
Auswärtige Politik einer der wichtigsten Sponsoren des vom Informationsamt der US-Regierung (USIA) durchgeführten internationalen Besucherprogramms. Über die Bedeutung menschlicher Kontakte brauche ich Ihnen also nichts zu erzählen. Und ich möchte allen, die ausländischen Besuchern
Unterstützung
und
Gastfreundschaft
gewährt haben, meinen persönlichen
Dank aussprechen.
Ich habe in der Öffentlichkeit
häufig darüber nachgedacht, wie alle
Nationen und alle Völker sich rasch
in Einigkeit und Brüderlichkeit versammeln würden, wenn unser Planet je
von Mächten einer anderen Welt bedroht würde.
Sie hier beim Rat für Auswärtige
Politik sind sich der Erkenntnis,
wieviel
wir
als
Angehörige
der
menschlichen Rasse gemeinsam haben,
besser bewußt als jeder andere. Es
sind schließlich die Regierungen und
nicht die Völker, die Barrieren errichten und Mißverständnisse verursachen.
Als ich vor einigen Jahren eine
Ansprache vor den Vereinten Nationen
hielt, zitierte ich einige Sätze von
Gandhi, die er kurz nach seinem Besuch in Großbritannien zur Erlangung
der Unabhängigkeit Indiens sagte.
"Während dieser in Großbritannien
und Europa verbrachten drei Monate
habe ich keinerlei Erfahrung gemacht,
die mir das Gefühl vermittelt hätte,
daß letztlich Osten doch Osten und
Westen doch Westen ist. Im Gegenteil, ich konnte mich mehr denn je
davon überzeugen, daß die menschliche
Natur unabhängig von den jeweiligen
Gegebenheiten im Grunde gleich ist,
und man tausendfach mit Zuneigung belohnt wird, wenn man mit Vertrauen
und Zuneigung auf den anderen zugeht."

- 7 -

�1

Sie beim Rat für Auswärtige Angelegenheiten haben auf diesem Gebiet
viel Lobenswertes vollbracht.
Und
ich bin voller Zuversicht, daß die
beständig auf Stärke und Offenheit
gegründete amerikanische Außenpolitik
einen neuen Weg in Richtung auf eine
Welt aufzeigt, in der Vertrauen und
Zuneigung unter den Völkern eine alltägliche Realität sein werden. Meine
Vorbereitungen zur Reise nach Moskau
sind von dieser Hoffnung geleitet.
Ich danke für Ihre von Herzen kommende Unterstützung.

* * * * *

- 8

�AMERIKA DIENST
1?

"*"

Hintergrundmaterial

c&amp;

27. April 1988

17

WARUM INF GUT FÜR DIE NATO IST
- Von Generalleutnant Colin L. Powell -

Copyright (c): The American Legion Magazine 1988
WASHINGTON - (AD) - Der Generalleutnant des Heeres Colin L. Powell wurde
im vergangenen November zum Nationalen Sicherheitsberater ernannt. Sein nachstehender Aufsatz wurde in der April-Ausgabe des American Legion Magazine 1988
veröffentlicht:
Der Senat erörtert derzeit den
Vertrag über die nuklearen Mittelstreckenwaffen, den Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow während des Gipfels im vergangenen Dezember unterzeichnet haben. Wir sind
der Auffassung, daß der Vertrag die
derzeit stattfindende Prüfung sicher
bestehen wird. Es ist ein reeller
Vertrag.
Der INF-Vertrag stärkt die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
die seiner Verbündeten und stellt bei
unseren Bemühungen um die Sicherung
des Friedens einen Schritt nach vorn
dar. Er beweist die Solidität unseres in den vergangenen sieben Jahren
verfolgten Ansatzes bei der Wiederherstellung der militärischen Stärke
des Westens, bei gleichzeitiger Ver-

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folgung eines realistischen
mit der Sowjetunion.

Dialogs

Die Maßnahmen, welche zum INFVertrag führten, nahmen mit der Stationierung von SS-20 Raketen in den
späten siebziger Jahren ihren Auftakt, womit die Bedrohung Europas und
Asiens eine neue Dimension erreichte.
Die Sowjets wollten diese Bedrohung
wahrscheinlich gegen das Territorium
unserer Verbündeten - und nicht das
unsrige - richten, um so einen Keil
zwischen die Demokratien zu treiben.
Dies aber ließen wir nicht zu.
Mit ihrem Doppelbeschluß von 1979
entschied die NATO, als Gegenmaßnahme
eine begrenzte Anzahl amerikanischer
Pershing-II
und
landgestützter
Marschflugkörper in Europa zu statio-

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Telex: 8-85432

�nieren, und rief zu amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die
Vereinbarung von Obergrenzen für amerikanische und sowjetische INF-Systeme auf der niedrigstmöglichem Niveau
auf.
Die Sowjets führten eine umfassende
Propaganda- und
Einschüchterungskampagne in dem Versuch durch,
die Stationierungen der NATO aufzuhalten. Aber erst nachdem die NATO
mit der Stationierung ihrer eigenen
INF-Raketen begonnen hatte, waren die
Sowjets zu ersthaften Verhandlungen
bereit. Es ist den Verantwortlichen
im Bündnis zu verdanken, daß die NATO
zunächst solide Verhandlungsprinzipien erarbeitete und sich in all den
Jahren sowjetischen Lavierens fest
daran hielt.
Der Westen erreichte
seine Ziele auf folgende Weise:
- Wir bestanden darauf, daß jede
Vereinbarung zu einem Gleichgewicht zwischen den USA und der
Sowjetunion führen muß. Die Sowjets beharrten zunächst auf dem
Recht, mit den nuklearen Arsenalen der Vereinigten Staaten und
ihrer sämtlichen NATO-Verbündeten
in ihrer Gesamtheit einen Gleichstand zu erlangen.
Dann boten
sie einen Abbau in gleichem Umfang an, was zu einer Unterlegenheit der Vereinigten Staaten geführt hätte.
Doch der Westen
stand fest zu seinen Positionen,
und
die
Sowjets
akzeptierten
schließlich - auf der Basis des
Vorschlags der amerikanischen Regierung von 1981 - ein Gleichgewicht bei Null. Dies entsprach
dem Ziel der NATO und stellte eine wichtige Voraussetzung für andere Verhandlungen dar: Asymmetrische sowjetische Reduzierungen
zur Erzielung eines Gleichgewichts mit den Vereinigten Staaten.
- Sämtliche Vereinbarungen sollten
weltweite Gültigkeit haben, da
die sowjetischen INF-Raketen unsere Freunde und Verbündeten auf
zwei Kontinenten bedrohten. Jah- 2 -

relang boten die Sowjets einen
Abbau lediglich in Europa an.
Danach versuchten sie, im Gegenzug für Reduzierungen in Asien
einen Abbau amerikanischer mit
Nuklearwaffen
ausgerüsteter
Schiffe und Flugzeuge in jenem
Teil der Welt auszuhandeln. Wir
blieben fest und bekamen, was wir
wollten.
Obergrenzen für Raketen anderer
Länder kamen für uns nicht in
Frage. Jahrelang haben die Sowjets versucht, eine Reduzierung
der britischen oder französischen
Raketen oder Obergrenzen für deren weitere Aufstockung zu erreichen.
Beide Forderungen mußten
sie fallenlassen.

,
&gt;

- Um die Sowjets an einer Umgehung
der Reduzierung von SS-20-Raketen
durch den Ausbau ihrer INF-Systeme kürzerer Reichweite zu hindern, mußte es gleiche Einschränkungen auf diesem Gebiet geben.
Dem widersetzten sich die Sowjets
für einen längeren Zeitraum und
boten dann einen Abbau ihrer INFRaketen
nur
in
Europa
an.
Schließlich stimmten sie einer
weltweiten Vernichtung dieser Systeme zu.
- Ein INF-Abkommen konnte die konventionellen Fähigkeiten der NATO
nicht begrenzen.
Die Sowjets
forderten beträchtliche Kürzungen
bei den amerikanischen land- und
seegestützten Flugzeugen, die als
Träger nuklearer oder konventioneller Waffen in Frage kommen;
diese Flugzeuge spielen im NATOEinsatzkonzept für die konventionellen Streitkräfte eine wesentliche Rolle.
Wiederum lehnten
wir dies ab, und die Forderung
wurde schließlich fallen gelassen.
- Jedes Abkommen muß eine wirkungsvolle Verifizierung beinhalten.
Jahrelang
lehnten die Sowjets
dies ab und erklärten dann, die
Einzelheiten des Verifizierungsverfahrens könnten nach der Ver-

f

�tragsunterzeichnung
ausgehandelt
werden.
Wir bestanden darauf,
daß die Verifizierung ein integraler Bestandteil jedes Abkommens sein muß. Im Ergebnis hat
dieser Vertrag die schärfsten Verifizierungsbestimmungen in der
Geschichte der Rüstungskontrolle,
einschließlich
mehrerer
Formen
kurzfristig anberaumter Vor-OrtInspektionen. Dies ist ebenfalls
ein wichtiger Präzedenzfall für
andere Verhandlungen.
«
\

Aus dem Umgang des Westens mit
der INF-Frage lassen sich einige
nützliche Lehren für die Zukunft ziehen.
Die NATO war aufgrund ihrer
Stärke und Einheit über viele Jahre
erfolgreich;
wir wußten, was wir
wollten, und wir blieben fest, bis
wir es bekamen. Wenn sich die Befürworter eines Einfrierens der Atomwaffenpotentiale oder einseitiger Abrüstung durchgesetzt hätten, wären wir
jetzt stattdessen mit einem dauerhaften sowjetischen Monopol bei den INFRaketen konfrontiert.

über der konventionellen
kungsfähigkeit der NATO.

Der Vertrag beweist, wie die Sicherheit des Westens gestärkt wird,
wenn wir zur Bewältigung einer gemeinsamen Bedrohung zusammenarbeiten.
INF war das am häufigsten diskutierte
Thema in der Geschichte des Bündnisses. Bei verschiedenen Anlässen baten uns die Verbündeten um eine Abänderung unserer Verhandlungspositionen, und wir kamen diesen Wünschen
nach. Wie der Präsident es formulierte: "Unsere Verbündeten standen
die ganze Zeit auf unserer Seite, und
dies war umgekehrt genauso."

Eine andere Lehre lautet: Dieser
Vertrag verdeutlicht, daß der Westen
an vernünftigen Zielen festhält, und
nicht, daß sich die sowjetischen Ziele gewandelt hätten.
Wenn wir im
Hinblick auf die Sowjetunion realistisch bleiben, werden wir auch
weiterhin sicherstellen, daß die NATO
die modernen und glaubwürdigen nuklearen und konventionellen Streitkräfte aufrechterhält, die sie zur
Erwiderung einer Aggression auf jedem
Niveau benötigt.
i

I

Verstär-

Der INF-Vertrag stärkt die Fähigkeit der NATO, dies zu tun, in zweifacher Hinsicht.
Er beseitigt die
durch sowjetische INF-Raketen - und
insbesondere die SS-20 - geschaffene
Bedrohung unserer nuklearen Abschrekkungsstreitkräfte.
Und durch die
Vernichtung der sowjetischen Kurzstreckenraketen vom Typ SS-12 und
SS-23, die chemische und konventionelle sowie auch nukleare Gefechtsköpfe tragen können, beseitigt er
auch eine erhebliche Bedrohung gegen- 3 -

* * * * *

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: amerikanische Politik verändert Beziehungen zur Sowjetunion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten vor dem Rat für Auswärtige Politik von West-Massachusetts&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum INF gut für die NATO Ist&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Generalleutnant Colin L. Powell&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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