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                  <text>AMERIKA DIENST
'V, D N #

17. Februar 1988

INHALT

DOKUMENTATION
Shultz umreißt Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Ansprache von Außenminister Shultz -

INFORMATION
"Thomas A. Edlson-Prels" für Erfinder
- P r ä s i d e n t Reagan s c h l ä g t Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Aspirin senkt Herzinfarkt-Risiko
- Ergebnis e i n e r F ü n f - J a h r e s s t u d i e an 22 000 Personen

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

*

17. Februar 1988

SHULTZ UMREISST STAND DER AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN

BEZIEHUNGEN

- Ansprache von Außenminister Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge stellt die jüngste Bewegung im Verhältnis zur Sowjetunion "einen hoffnungsvollen Auftakt langfristig
angelegter und zielstrebiger Bemühungen zur Schaffung eines neuen Musters konstruktiverer Beziehungen dar".
In seiner am 5. Februar 1988 vor der Henry M. Jackson Schule für Internationale Studien in Seattle gehaltenen Ansprache erklärte Shultz, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen "werden stets einzigartig sein" und es sei
unwahrscheinlich, daß sie "jemals dessen verlustig gehen, was nach wie vor ein
von starkem Argwohn und großen Gegesätzen geprägtes Element ist".
Nachfolgend bringen wir die Rede von Außenminister Shultz in wesentlichen
Auszügen.

Scoop Jackson war der Überzeugung, der Westen müsse bezüglich der
Sowjetunion eine realistische Haltung
einnehmen.
Er setzte Vertrauen in
die Fähigkeit des Westens, die Stärke
zur Bewältigung dieser Realität aufzubringen.
Wenn wir unsere Stärke
und
unseren Realismus
beibehielten
und geradeheraus die Unstimmigkeiten
zwischen Ost und West angingen, könnten wir seiner Auffassung nach letztlich die Bedingungen für neue amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
schaffen, die sowohl Frieden als auch
Freiheit sicherstellten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Diese Sicht des Problems und seine Lösung hat sich als gut erwiesen.
Amerika hat seine Stärke wiedergewonnen und ist realistisch geblieben.
Dies wiederum hatte
einschneidende
Auswirkungen auf den Gang, umfang und
die Produktivität der amerikanischsowjetischen Beziehungen. Der Tempowechsel im Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion findet auch als Teil eines umfassenderen
Wandels
unserer
Welt
statt.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Diese Veränderungen
sind gelegentlich
unauffällig,
gelegentlich
drastisch.
Die
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen haben Einfluß auf
diese Veränderungen und sind in hohem
Maße davon betroffen.
Die sich abzeichnenden Merkmale
des weltweiten Wandels sind überall
um uns herum auszumachen:
- Die
Geschwindigkeit
technologischer Innovationen und der Mittel zur Verbreitung dieser Technologien in weltweitem Umfang.
Wissenschaftliche,
wirtschaftliche und politische Belange haben jetzt eine weltweite Dimension erhalten.
- Wachsende wirtschaftliche Interdependenz zusammen mit dem Entstehen neuer Zentren wirtschaftlichen Wohlstands,
insbesondere
in Asien.
- Die Verteilung politischer Macht,
obwohl Schlüsselelemente der bipolaren Welt der Nachkriegszeit
fortbestehen.
- Und der gemeinsame Nenner aller
dieser Veränderungen:
Das Gebot
des Wissens - seine Entdeckung,
Weitergabe als Information sowie
die für seine Anwendung erforderliche Bildung.
Die Geschwindigkeit menschlicher
Transaktionen
wird beschleunigt. Offenheit und
Kommunikation sind der Schlüssel
zur Schaffung und
Beherrschung
dieses Wandels.
Das Ergebnis unter dem Strich ist
eine starke und ermutigende Tendenz
zu Demokratie, Offenheit und Freiheit, sowohl in als auch unter den
Nationen. Die Länder, die in diesen
Tagen wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Fortschritt zu verzeich-

nen haben, sind diejenigen, die grössere Freiheit der Märkte und innerhalb ihrer politischen Institutionen
auf ihr Banner geschrieben haben. In
einer Welt, in der Information und
Innovation die Triebfeder der heutigen Zeit sind, fallen Gesellschaften,
die Innovation unterdrücken und den
freien Informationsfluß beschränken,
mehr und mehr zurück.
Die Veränderungen, die zur Zeit
in der Sowjetunion stattfinden, sind
in diesem Sinne außerordentlich reaktiv, ein zögerlicher und banger Versuch, mit der Dynamik und Kreativität
des Westens Schritt zu halten.
In
diesen Tagen hören wir viel vom "neuen Denken". Wir sollten uns jedoch
vergegenwärtigen, was dies bedeutet.
Es ist das Bestreben, die Realität
einer Welt in den Griff zu bekommen,
die nicht von der Sowjetunion und ihren Verbündeten gestaltet wird, sondern der Gemeinschaft freier Nationen
- und der Macht der Freiheit.
Eine Konsequenz dieses Wandels
birgt neue Hoffnung auf ein mögliches
Ende des bitteren Experiments mit dem
Totalitarismus, das für weite Teile
des 20. Jahrhunderts die Hoffnungen
der Menschheit für eine auf Frieden
und Freiheit gegründete menschliche
Gemeinschaft
zunichte gemacht hat.
Aber dieses Experiment ist noch nicht
beendet
und muß bewältigt werden.
Das bedeutet, daß die amerikanischsowjetischen Beziehungen in den vor
uns liegenden Jahrzehnten eines unserer Hauptanliegen bleiben werden.
Die Frage, mit der wir uns konfrontiert sehen ist, ob wir ein amerikanisch-sowjetisches Verhältnis gestalten können, das uns beiden gestattet, unsere Energien weniger auf
gegenseitige Konfrontationen zu verschwenden, sondern auf die Bewältigung der Herausforderungen des weit-

�weiten Wandels, und zwar in unseren
Ländern
sowie auch als bedeutende
Mächte in einem komplexen internationalen Umfeld auszurichten.
Die nach dem Zweiten Weltkrieg
entstanden Welt war bipolar.
Die
Gravitation, die durch die Konzentration wirtschaftlicher
und militärischer Macht in zwei so unterschiedlichen Systemen wie denen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
ausgeübt wurde, war unerhört stark.
Die Macht beider dieser ehemaligen
Verbündeten bestand vornehmlich darin, die Handlungsfreiheit des anderen einzuschränken.

und Verbesserungen des Lebensstandards in der unmittelbaren Nachkriegszeit haben gemeinsam mit dem Eindruck
amerikanischer Schwäche nach unserem
Abzug aus Vietnam vorübergehend die
wachsenden Probleme des Systems und
ihre Bedeutungslosigkeit als Modell
für die sich entwickelnde Welt verschleiert.
Die politisch
der Sowjetunion
einer Verlagerung
tion" und gingen
aggressiv vor:

- Die
Sowjets
legten
weiterhin
übermäßige Betonung auf militärische Stärke, mit einer militärischen
Aufrüstung,
die
selbst
nach der Erlangung strategischer
Parität keinerlei Anzeichen eines
Nachlassens sichtbar werden ließ
und die offensichtlich auf sowjetische Expansion zu Lasten der
Sicherheit anderer Nationen ausgerichtet war.

Der zentrale Punkt der amerikanischen Außenpolitik nach 1945 war
die Begrenzung des Mißbrauchs sowjetischer Militärmacht.
Die Eindämmungspolitik
versuchte das Problem
direkt in den Griff zu bekommen und
führte zur Gründung der NATO und eines weltweiten Systems von Bündnisbeziehungen.
Amerikanische Bestrebungen, das Weltwirtschaftssystem wiederzubeleben trugen dazu bei, Moskau
Expansionsoptionen zu verweigern.

- Moskau verließ sich weiterhin auf
Macht - oder die Bereitstellung
der Machtmittel - um ihren Einfluß im Ausland zu vergrößern.
Die Tendenz erreichte mit der Invasion in Afghanistan im Jahr
1979 ihren Höhepunkt, aber keinesfalls ihr Ende.

Aber die in der Nachkriegszeit
entstandene bipolare Welt wurde durch
die auf weltweiter Ebene sich beschleunigenden Veränderungen ständig
unterhöhlt - Veränderungen, durch die
politische, wirtschaftliche und militärische Macht breit gestreut wurde.
Das strikt zentralisierte sowjetische
System mit seinem Beharren auf der
Aufrechterhaltung eines Informationsmonopols konnte mit vielen der wichtigsten Tendenzen nicht zur Deckung
gebracht werden.
Dennoch hat die Sowjetunion im
großen und ganzen bis vor kurzem die
Augen vor der Bedeutung dieser Tendenzen verschlossen. Die sowjetische
Errungenschaft strategischer Parität

Verantwortlichen in
sprachen daher von
der "Kräftekorrelaim In- und Ausland

- In der Zeit nach Stalin und den
letzten Jahren der Breschnew-Führung erreichte die Unterdrückung
von Dissidenten im Inland ihren
Gipfel, entgegen der feierlichen
internationalen
Unterfangen
der
Sowjetunion und trotz der wachsenden Tendenz zu Demokratie und
Offenheit überall auf der Welt.
Ende der siebziger Jahre begannen
die Sowjets jedoch, sich den im Umbruch
befindlichen
Realitäten
zu

- 3 -

�stellen.
Selbst
die
Sowjets beschreiben diesen Zeitraum jetzt als
einen der Stagnation und des Irregeleitetseins.
Die Vereinigten Staaten versuchten ihrerseits zunächst, die eindimensionale Entspannung aufrechtzuerhalten, die nicht als Hemmschuh für
sowjetischen Unilateralismus gedient
hatte.
Aber im Anschluß an diese
Phase des Zögerns reagierte Amerika.
Mit der Wahl Ronald Regans verliehen die Amerikaner im Jahr 1980
ihrer Bereitschaft Ausdruck, alles
Erforderliche zu tun, um sowjetischen
Expansion!smus einzudämmen, selbst in
einer Welt, die sich in hohem Maße
von der unterschied, wie sie nach den
Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges
entstanden war.
Vom ersten Tage an hat Präsident
Reagan eine dreigliedrige Strategie
verfolgt.
Von entscheidender Bedeutung war
die Wiederherstellung amerikanischer
Stärke
Modernisierung
unserer
Streitkräfte, Bildung von Vertrauen
und Einheit unserer Blindnisse, Ankurbelung unserer Wirtschaft, Ermutigung
der Verbreitung von Demokratie und
Freiheit auf der ganzen Welt. Dafür
waren und sind die Entschlußkraft und
Wachsamkeit des Westens erforderlich
und dies wird auch in Zukunft so
bleiben.
Wir versuchten, die neugewonnene
Stärke Amerikas im Einklang mit einer
realistischen Würdigung
des Wesens
der sowjetischen Gesellschaft und ihrcv
Politik zum Tragen zu bringen.
Statt sich nur auf die militärische
Aufrüstung zu konzentrieren, die ein
Symptom des Ost-West-Konfllktes ist,
versuchte
die
Reagan-Administration
vielmehr, die gesamte Bandbreite von

Themen in Angriff zu nehmen, die das
Verhältnis belasteten.
- Wir begnügten uns nicht mit halben Schritten bei der Rüstungskontrolle, sondern setzten uns
die Erlangung von Abkommen zum
Ziel, mit denen die Arsenale tatsächlich verringert, die Sicherheit verbessert und die wirksam
verfizierbar sein würden.
- Statt erfolglos über die Intervention sowjetischer Streitkräfte
und sowjetischer Vasallen in Entwicklungsländer zu schimpfen, arbeiteten wir mit denjenigen zusammen, die zur Verteidigung ihrer Freiheit und der Beweisführung bereit sind, daß der Preis
für Abenteurertum hoch und nachhaltig ist.
- Statt Menschenrechte als unangenehmen, nachträglichen
Gedanken
abzutun, erkannten wir an, daß
diese
Probleme beständiger und
positiver
Teil
internationaler
Beziehungen sind, denen wir in
unserer Sicht der Welt und für
unsere Sicherheit zentrale Bedeutung beimessen.
Wir haben sie
zum
integralen Bestandteil des
Dialogs gemacht, dem der ihm gebührende Stellenwert in Diskussionen auf allen Ebenen zukommt.
Statt bilaterale Beziehungen als
Anreiz oder Vergünstigung für sowjetische Schritte in anderen Bereichen
anzusehen, haben unsere Begegnungen
ein hohes Maß gegenseitigen Nutzens
erreicht.
Unsere Betonung von Stärke und
Realismus haben den Dialog mit Moskau
nicht verhindert.
Tatsächlich versuchten wir, diesen Dialog produktiv
zu gestalten, indem wir die Sowjets
von der Bedeutung eines Wandels in

�ihrem Verhalten bei Themen überzeugen
wollten, an denen die Vereinigten
Staaten - und die Welt insgesamt ein legitimes Interesse haben.
Wir
haben darauf bestanden, daß der Dialog das gesamte Spektrum solche Interessen abdeckt, von Rüstungskontrolle und regionalen Konflikten bis
hin zu Menschenrechten und bilateralen Angelegenheiten, und wir haben
die amerikanischen Ziele in jedem
dieser Bereiche klar umrissen.
Wir
haben betont, daß alle der umfassenden Themenkomplexe dieser Tagensordnung in engem Zusammenhang stehen, in
der Überzeugung, daß stabile und konstruktive
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen erzielt und aufrechterhalten werden können, wenn Moskau zu
konkreten Schritten zur Lösung der
kritischen Probleme bereit ist. Die
Sowjets scheinen diese Realität in
zunehmendem Maße zu begreifen.
Wir sind uns der Tatsache bewußt,
daß sich ungewöhnliche Umstände ergeben können, in denen Fortschritte in
einem Bereich von denen in anderen
Bereichen
abhängig
gemacht
werden
müssen, insbesondere angesichts sowjetischer Handlungen, von denen die
Grundlage eines stabilen Friedens untergraben wird.
Dennoch können wir unmöglich erwarten, mit einer Politik, die gebietet, daß kein Problem gelöst werden
kann, solange nicht alle gelöst sind,
irgend etwas zu erreichen. Die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
sind zu schwierig und komplex, als
daß dies zu einer praktischen Option
gemacht werden könnte.
Die Mängel eines undifferenzierten Junktims als Instrument der Politik sind über die Jahre offensichtlich geworden.
Eine solche Politik
beraubt uns der Möglichkeit, realistische Vereinbarungen anzustreben, die
- 5

westlichen
Interessen
dient.
Sie
überläßt den Sowjets die Initiative,
das Tempo und den Umfang der Beziehungen zu uns und unse:cn Verbündeten
zu bestimmen.
Sie durchbricht die
Beständigkeit und Disziplin, die für
die
erfolgreiche
Verfolgung
einer
langfristigen
Strategie
für
eine
friedlichere und demokratischere Welt
unentbehrlich sind.
Und was am wichtigsten ist: So,
wie es in der Vergangenheit gehandhabt wurde, hat das Junktim nie funktioniert. Wenn sich die Sowjetunion
zum Beispiel aus Afghanistan zurückzieht, wird sie dies nicht tun, weil
die Vereinigten Staaten ein Getreideembargo verhängten oder Rüstungskontrollvereinbarungen
blockieren, die
der westlichen Sicherheit
dienlich
sind.
Stattdessen wird die Sowjetunion das Schicksal Afghanistans zurück in die Hände des afghanischen
Volkes legen, weil die Afghanen mutig
und entschlossen gekämpft haben und
weil die Weltgemeinschaft unter Führung der Vereinigten Staaten letztlich dort reagiert hat, wo eine Reaktion wirksam ist - unmittelbar auf
dem Boden, mit materieller und politischer Unterstützung.
Trotz solcher Untaten wie des sowjetischen Abschusses eines koreanischen Verkehrsflugzeuges
im Jahr
1983 und sowjetischer Spionageaktivitäten
gegen
unsere
Botschaft
in
Moskau hat Präsident Reagan auf unserer Tagesordnung beharrt, unsere Abrüstungsunterhändler in Genf belassen
und unseren Dialog mit Moskau auf
höchster Ebene weiterverfolgt.
Ein
Ergebnis dessen ist der INF-Vertrag,
der unsere Verhandlungsziele erfüllt
und einen eindrucksvollen Beitrag zur
Sicherheit
der Vereinigten
Staaten
und der Verbündeten leisten wird.
Am

Ende

der

ersten

Amtsperiode

�des Präsidenten hatten die Vereinigten Staaten und der Westen damit begonnen, neue Bedingungen auszuarbeiten.
Noch bevor Mikhail Gorbatschow
Generalsekretär wurde, hatte die Sowjetunion begonnen, auf diese zu reagieren. Nachdem der Versuch, den Westen durch Drohungen und Boykott zu
RUstungskontrollverhandlungen zu den
sowjetischen Bedingungen zu zwingen,
fehlgeschlagen war, kehrten die Sowjets im Jahr 1985 zu den Gesprächen
Über
Nuklear- und
Weltraumwaffen
(NST) an den Verhandlungstisch zurück.
Innerhalb
der
Sowjetunion
selbst hatten die Realitäten der im
Wiederaufstieg begriffenen, selbstbewußten Vereinigten Staaten, eines Umschwungs zugunsten von Demokratie und
freiem Unternehmertum in den Entwicklungsländern, der Unfähigkeit sowjetischer Vasallenregime, ihren Zugriff
zur Macht zu konsolidieren und des
anschwellenden Chors internationaler
Verurteilung
sowjetischer
Menschenrechtspraktiken zu einer Vertrauenskrise geführt.
Zunehmend
wurde es den sowjetischen Bürgern - und endlich auch
den politisch Verantwortlichen - bewußt, daß das
sowjetische
System
nicht mehr funktionierte und daß die
Sowjetunion Gefahr lief, noch mehr
ins Hintertreffen zu geraten.
Der
Prozeß, sich den heutigen Realitäten
anzupassen, beschleunigte sich noch
mit dem Amtsantritt von Generalsekretär Gorbatschow.
Was konkrete Resultate auf der
umfassenden Tagesordnung, die von der
Reagan-Administration verfolgt wurde,
anbetrifft, so ist die Bilanz zunehmend stattlich.
- Die Sowjetunion hat unseren realistischen und umfassenden Rahmen
zur praktischen Behandlung der
Ost und West trennenden Probleme
- 6

akzeptiert.
Durch
Einbeziehung
des gesamten Spektrums der Probleme in die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, hat dieser
Rahmen unserem Dialog
Struktur
und Richtung - eine Tagesordnung
- geliefert.
Sicherlich reicht
der Dialog allein nicht aus; was
zählt, ist ein Wandel im sowjetischen Verhalten. Die Schaffung
des Rahmens war jedoch ein bedeutender Schritt zu den in der Folgezeit erzielten Fortschritten.
- Wir haben den INF-Vertrag abgeschlossen, der sowohl aufgrund
seiner Zielsetzung - der Beseitigung
einer
gesamten
Kategorie
amerikanischer
und
sowjetischer
Raketen - als auch aufgrund seiner beispiellosen Verifizierungsmaßnahmen bemerkenswert ist.
-

Wir haben bedeutende Fortschritte
auf dem Weg zum Abschluß eines
Vertrages erzielt, der die strategischen Atomwaffenarsenale der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion halbieren würde.
- Wir haben die Kommunikation zwischen den Regierungen verbessert,
indem wir dem Heißen Draht eine
neue Dimension gegeben und eine
Vereinbarung über die Errichtung
von Zentren zur Verringerung des
Nuklearen Risikos in Washington
und Moskau abgeschlossen haben.
- Wir sind Zeugen eines bescheidenen Fortschritts
bei Menschenrechten
und humanitären Fragen
geworden, und wir haben einen regelmäßigen Meinungsaustausch über
regionale Konflikte eingerichtet,
Themen, die die Sowjets früher
als Tabus oder als für die Rüstungskontrolle
zweitrangig
zurückwiesen.

�- Wir haben dem Projekt zu bilateralen,
kooperativen
Programmen
neues Leben eingehaucht, die von
menschlichen
Kontakten
zwischen
jungen Leuten bis hin zu verbesserten Flugverbindungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der
UdSSR
und
wissenschaftlichen,
kulturellen und Lehreraustauschprogrammen reichen.
Diese Programme tragen dazu bei, die von
den Sowjets seit langem aufrechterhaltenen künstlichen Schranken
abzubauen und können auf beide
Länder befruchtend wirken.
Dies ist ein hoffnungsvoller Auftakt zu langfristig angelegten und
zielstrebigen Bemühungen zur Schaffung eines neuen Musters konstruktiverer Beziehungen.
Die in der jüngeren Vergangenheit
erzielten
Vereinbarungen
sowie die
Aussichten auf künftige Fortschritte
beruhen in Wahrheit auf dem amerikanischen "neuen Denken" und auf Neuerungen sowohl in unserer breitangelegten Strategie sowie in unseren Lösungen für spezielle Probleme.
Alle die von mir gerade aufgeführten
Vereinbarungen
rühren
von
amerikanischen Initiativen und Ideen
her.
Und es gibt noch viele mehr,
wie etwa einschneidende Reduzierungen
der
strategischen
Atomwaffen,
die
Aussichten
für
Verhandlungslösungen
regionaler Konflikte und Veränderungen der sowjetischen Praktiken im Bereich der Menschenrechte, die den
westlichen
Interessen gute Dienste
erwiesen haben.
Überdies ist der gegenwärtig in
den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen stattfindende Prozeß in Gang
gekommen, weil er beim amerikanischen
Volk auf breite Unterstützung stößt.
Zum ersten Mal seit Jahren herrscht

über die amerikanische Politik gegenüber der Sowjetunion ein starker innenpolitischer Konsens.
Wenn dieser
Konsens bewahrt werdeu kann - und
dies sollte der Fall sein -, wird die
amerikanische Politik gegenüber der
Sowjetunion durch eine fast beispiellose Kontinuität und Stabilität gestärkt werden und sich weiterhin als
dynamisch und schöpferisch bei der
Suche nach Problemlösungen erweisen.
Ein besseres Verhältnis zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
liegt sicherlich im Bereich des Möglichen. Ein solches Verhältnis würde
von der Offenheit gekennzeichnet, unsere Unterschiede anzuerkennen, der
Initiative, sie zu lösen, wo wir dies
können und der Fähigkeit, unsere Differenzen friedlich zu behandeln, wo
der Wettbewerb andauert, wie dies sicherlich der Fall sein wird. Während
eines seiner Besuche in Washington im
vergangenen Herbst mag der sowjetische
Außenminister
möglicherweise
Ähnliches gedacht haben. Er brachte
ein Argument vor, das mich tief beeindruckte.
Er stellte fest, daß in den letzten Jahren die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion in verschiedenen
Bereichen eine bemerkenswerte Anzahl
von Schritten unternommen hätten. Er
kam zu dem Schluß, wir seien an einem
Punkt angelangt, an dem unsere quantitativen Fortschritte einen qualitativen Wandel im Charakter unseres
Verhältnisses
ermöglichten.
Wir
schienen uns in Richtung auf ein normaleres Verhältnis zu bewegen, erklärte er.
Ich habe seither viel über die
Worte des Außenministers nachgedacht
und bin zu dem Ergebnis gekommen, daß
ich ihm zustimme und gleichzeitig widerspreche.

- 7 -

�Es fällt mir schwer, zu glauben,
daß unsere Beziehungen zur Sowjetunion jemals "normal" in dem Sinne
sein werden, in dem wir normale Beziehungen
zu den meisten
anderen
Staaten unterhalten.
Es gibt nur
zwei Supermächte auf der Welt.
Wir
unterscheiden uns enorm in unserer
Einstellung zur Rolle des einzelnen
in unseren Gesellschaftssystemen sowie in unseren Beziehungen zu anderen
Ländern. Das Verhältnis zwischen uns
wird immer einzigartig sein. Es erscheint
unwahrscheinlich,
daß
das
amerikani sch-sowjeti sehe
Verhältnis
jemals dessen verlustig gehen wird,
was nach wie vor ein von starkem Argwohn und großen Gegensätzen geprägtes
Element ist.
Auch denke ich nicht, daß die Akkumulation
einzelner Abkommen oder
kooperativer Vereinbarungen an sich
einen Quantensprung zu einem qualitativ verschiedenen Verhältnis erbringen werden.
Die
Verschiedenheiten
zwischen uns und das von diesen hervorgerufene Mißtrauen sind zu tief
verwurzelt.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß Abkommen allein einen solchen Abgrund nicht überbrücken können.
Ich bin jedoch davon überzeugt,
daß der Außenminister in einem Sinne
recht hatte. Man kann sagen, daß wir
an der Schwelle eines dauerhafteren
amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses stehen. Auf amerikanischer Seite
besteht zum ersten Mal seit vielen
Jahren ein starker Konsens in der
Frage, wie wir mit der Sowjetunion
umgehen
sollten.
Auf
sowjetischer
Seite mag - zum ersten Mal überhaupt
und aus Notwendigkeit - eine Bereitschaft vorhanden
sein, die sowjetische Sicherheit und andere Interessen auf eine Art und Weise zu überprüfen, die internationalen Normen
eher gerecht wird.

So interessant die gegenwärtig in
der Sowjetunion stattfindenden Veränderungen sein mögen, müssen wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wie
diese Veränderungen konkret die in
unserer breitgefächerten Tagesordnung
verankerten Interessen beeinflussen.
Wir müssen mit der Sowjetunion so umgehen, wie sie ist und nicht, wie wir
sie uns wünschen.
Das sowjetische
System beginnt gerade mit Versuchen,
die Wirtschaft zu reformieren.
Es
hat die Oberfläche struktureller politischer Reformen kaum angekratzt.
Wir haben noch keinerlei Veränderungen festgestellt, die darauf hindeuten, daß die Sowjetunion von ihrem
historischen
Ziel
abgerückt
sein
könnte, das internationale System zu
ihrem Vorteil zu verändern.
Deshalb sollten wir in genau dem
Maß den Wandel in der Sowjetunion begrüßen - und dem sowjetischen Volk
dabei Erfolg wünschen -, wie sich die
sowjetischen Anstrengungen zur Modernisierung
mit
den
amerikanischen
Hoffnungen auf eine sicherere Welt
und ein produktiveres amerikanischsowjetisches Verhältnis decken.
Wir
sind überdies davon überzeugt, daß
Fortschritte in den Bereichen, die
von größtem Interesse für die Vereinigten Staaten und die Welt sind,
auch den Menschen in der Sowjetunion
am meisten dienen würden.
Was also können wir realistisch
in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen während dieser Periode des
Wandels in der Sowjetunion und weltweit erwarten?
Unser Endziel hat sich nicht geändert - eine Sowjetunion, die mit
anderen Staaten und ihrem eigenen
Volk durch Dialog anstatt Einschüchterung
umgeht.
Dies
würde
eine
durchgreifende
Veränderung
darstellen, die einen guten Teil der ge-

- 8 -

�schlchtltchen Entwicklung der Weltpolitik. In diesem Jahrhundert umkehren
würde.
Dieses Ziel liegt noch in
weiter Ferne, und auf dem Weg zu seiner Realisierung werden wir mit vielen Unsicherheiten in bezug auf Umfang, Dauerhaftigkeit und Bedeutung
des Wandels in der Sowjetunion und im
internationalen
Umfeld
konfrontiert
sein.
Es wäre deshalb falsch und unrealistisch, wenn wir die Ablösung
des
internationalen
Sicherheitssystems in absehbarer Zukunft erwarten
würden.
Unsere Sicherheit, Freiheit
und unser Wohlstand werden weiterhin
auf atomarer Abschreckung, unserem
System der Bündnisse, unseren Bemühungen zur Ausdehnung und Stärkung
der Demokratie und einer freien Weltwirtschaft, vor allem aber auf unserer eigenen Stärke und unserem Willen
zur Verteidigung unserer Interessen
und Werte beruhen.

gungshaushalt - ebenso wie entschiedene Unterstützung der Bereiche Sicherheit und Wirtschaft - sind unerläßlich, wenn wir auch in Zukunft andere Optionen Moskaus verhindern wollen.
Gleichzeitig sehen wir bessere
Möglichkeiten denn je zuvor, ausgeglichene, wirkungsvolle und nachprüfbare Rüstungskontrollabkommen zu erzielen, die vorhandene Ungleichgewichte abbauen und größere Stabilität
und
Vorhersehbarkeit
der
militärischen Aspekte der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen mit sich bringen würden.

Wir können jedoch am Aufbau eines
Verhältnisses zur Sowjetunion arbeiten, das auch bei andauerndem Wettstreit weniger gefährlich sein wird.
Gleichmäßiger Fortschritt auf unserer
gesamten
vierteiligen
Tagesordnung
mit der Sowjetunion liefert einen
Plan zur Verwirklichung dieses Ziels,
einen Rahmen für Maßnahmen, mit denen
die
Internationale
Stabilität
gestärkt und die Bedingungen für künftige Fortschritte verbessert werden.
Auf militärischer Ebene haben wir
uns für die kommenden Jahre zum Ziel
gesetzt, uns den Konsequenzen der
massiven sowjetischen Aufrüstung seit
Mitte der siebziger Jahre zu stellen.
Dazu sind anhaltende und energische
Bemühungen
der Vereinigten
Staaten
und unserer Verbündeten bei der Modernisierung und Stärkung der konventionellen und nuklearen Abschreckung
erforderlich. Ein gesunder Verteidi- 9 -

- Das
INF-Abkommen
würde
einen
wichtigen Teil der sowjetischen
militärischen
Aufrüstung
der
siebziger Jahre vollständig beseitigen, die In der Stationierung von SS-20-Raketen und der
älteren
SS-4-Raketen
sowie der
Bedrohung durch sowjetische Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite bestand.
Die Ratifizierung und vollständige Durchführung des Vertrages wird ganz
erheblich zur westlichen Sicherheit beitragen.
- Der nächste Schritt ist ein nachprüfbares Abkommen zum 50prozentigen Abbau amerikanischer und
sowjetischer strategischer Offensivwaffen und die Schaffung eines
stabilen Gleichgewichts bei strategischen
Nuklearwaffen.
Wir
werden hart arbeiten, einen solchen Vertrag bis zum diesjährigen
Besuch
Präsident
Reagans
in
Moskau fertigzustellen.
Die Sowjetunion hat sich zu ähnlichen
Anstrengungen
verpflichtet.
Zahlreiche entscheidende Bestandteile des Vertrages sind bereits
in greifbare Nähe gerückt, doch
es bleibt noch viel zu tun, insbesondere im Hinblick auf Fragen
der Verifizierung.
In den kom-

�menden Monaten wird die Erarbeitung eines Vertrages in hohem
Maße von der Bereitschaft der Sowjetunion abhängen, bei der Lösung dieser vielschichtigen Probleme kooperativ und kreativ mit
uns zusammenzuarbeiten.
Um herauszufinden, ob sich das
strategische
Gleichgewicht
möglicherweise zunehmend auf einer
auf
Vertetdigungssystemen
beruhenden Abschreckung
statt ausschließlich auf die Androhung nuklearer Vergeltung gründen könnte, werden wir SDI auch weiterhin
energisch verfolgen.
Da sowjetische
strategische
Verteidigungsprogramme bereits existieren
und SDI in Zukunft das Fundament
für einen sichereren Weg zur Gewährleistung des internationalen
Friedens
bereiten
könnte, ist
dieses Programm unerläßlich.
- Wir und unsere Verbündeten werden
unsere Bestrebungen zur Schaffung
größerer Stabilität und Offenheit
bei den konventionellen militärischen
Streitkräften in Europa
unbeirrt fortsetzen.
Wir werden
uns auch weiter darum bemühen,
ein wirklich weltweites und verifizierbares
Verbot
chemischer
Waffen zu erreichen, die Weiterverbreitung nuklearer Waffen zu
verhindern
und
Schritt
für
Schritt realistische Fortschritte
im Hinblick auf Atomversuche anzustreben, wobei mit den erforderlichen Verbesserungen bei der
Verifizierung bestehender Begrenzungen des Schwellenvertrages und
des Vertrages über Nuklearsprengungen zu friedlichen Zwecken begonnen werden muß.
Nach wie vor werden wir auf konkrete sowjetische Schritte zum freieren Fluß von Menschen, Informationen

und Ideen drängen, wie er in der
Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr
1975 und den nachfolgenden Dokumenten
im Rahmen des Helsinki-Prozesses niedergelegt wurde.
Ohne die in den
vergangenen
Monaten
unternommenen
Schritte schmälern zu wollen, werden
wir beharrlich darauf bestehen, daß
immer noch getrennt lebenden Familien
die Zusammenführung mit ihren Angehörigen gestattet werden muß, daß Ausreisewilligen die Genehmigung erteilt
wird, daß Gläubige bei der Ausübung
ihrer Religion nicht behindert und
ihre Rechte durch entsprechende Institutionen geschützt werden sollten.
Die Menschenrechtsfrage wird für
die Amerikaner erst gelöst sein, wenn
frühere Verstöße behoben sind und
keine neuen vorkommen. In Anbetracht
des Wesens des sowjetischen Systems
mag diese Situation noch entfernt
sein, aber es kann und muß kontinuierliche Schritte in diese Richtung
geben. Osteuropa ist - wie Präsident
Reagan in seiner Berlin-Initiative im
vergangenen Juni festgestellt hat ein Ort, an dem wir einen wirklichen
Wandel der Politik erwarten.
Auf dem Gebiet regionaler Konflikte können wir nicht davon ausgehen, daß die Sowjetunion ihre traditionelle Neigung zur Erweiterung ihrer
politischen Einflußsphären
und
zur Ausdehnung ihrer militärischen
Macht auf andere Regionen der Welt
aufgegeben hat.
Daher müssen die
Vereinigten Staaten bereit sein, diejenigen zu unterstützen, die für ihre
Freiheit und Selbstbestimmung kämpfen
wollen. Wenn die Sowjetunion jedoch
zum Überdenken ihrer in der Vergangenheit
bezogenen
Position
bereit
ist, werden wir dazu beitragen, Frieden und nationale Aussöhnung für Regionen herbeizuführen, die derzeit
noch von Konflikten zerrissen sind.

- 10 -

�- Im Hinblick auf die zentrale Frage Afghanistan haben die Sowjets
die Vordringlichkeit des unverzüglichen Abzugs ihrer Truppen
und die Notwendigkeit der Gewährung der Selbstbestimmung fllr das
afghanische
Volk
eingestanden.
Wir erwarten von der sowjetischen
Führung, daß sie dieser Einsicht
Taten folgen läßt und unverzüglich einen Plan für den raschen,
vollständigen
und
unwiderruflichen Abzug ihrer Streitkräfte
bis zum Jahresende vorlegt.
- Ebenso werden wir die Sowjetunion
zur Mitarbeit bei konkreten Bemühungen drängen, ausgehandelte politische Lösungen in andere Regionen der Welt hineinzutragen,
wo sowjetische Vasallen gegen ihr
eigenes Volk und gegen ihre Nachbarn kämpfen.
Auf der Ebene der bilateralen Beziehungen haben wir durch Vereinbarungen
schon Rahmenbedingungen geschaffen, die konkreten amerikanischen Interessen dienen: bei der zivilen Luftfahrt, der Zusammenarbeit
im All und Austauschprojekten in den
Bereichen Kultur und Wissenschaft.
Im Verlauf des Washingtoner Gipfels
haben der Präsident und Generalsekretär Gorbatschow weitere Gebiete umrissen, auf denen beide Seiten einander viel zu geben haben. Hierzu gehören auch möglicherweise unschätzbare Maßnahmen
bei
der
Bewältigung
weltweiter
Veränderungen, zum Beispiel bilaterale
und multilaterale
Bemühungen bei der Erforschung der
Auswirkungen
globaler
Klimaveränderungen und der Umwelt, oder bei der
Erkundung der Aussichten von Kernfusion als unbegrenzte
Energiequelle
und bei der Nutzbarmachung von Gebieten wachsender Bedeutung, wie etwa
der Antarktis.

Was können wir tun, um unsere
Aussichten auf eine Verwirklichung
dieser Ziele zu maximieren?
Unsere Hauptaufgabe ist nach wie
vor Bedingungen zu schaffen, die Einfluß auf das sowjetische Verhalten
haben. Der Schlüssel hierzu ist die
Stärke und Wachsamkeit des Westens.
Wenn es uns gelingt, diese Bedingungen zu schaffen, werden die bereits
erstellten
Rahmenbedingungen
weiterhin ein bedeutendes Mittel zur
Verwirklichung dieses Ziels sein. Es
war nie zuvor so wichtig, daß beide
Seiten einen bestimmten gemeinsamen
Ansatz entwickeln, wenn wir jene qualitativ
neuen Beziehungen
schaffen
wollen, nach denen wir streben.
Während dem Besuch von Generalsekretär
Gorbatschow in Washington
habe ich bei einer Tischrede eine
Reihe von Richtlinier, angesprochen,
die beim Ausbau unserer bisherigen
Leistungen auf beide Seiten Anwendung
finden könnten.
Sie sind es wert,
wiederholt zu werden.

- 11 -

- Erstens: Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sind so bedeutend
wie einzigartig.
Sind
sind bedeutend, weil wir beide
aufgrund unserer Führungsrolle in
der Welt eine ungeheure Last tragen.
Sie sind einzigartig, weil
wir im Nuklearzeitalter trotz unserer fundamentalen Gegensätze zu
beiderseitigen
Verpflichtungen
aufgerufen sind. Wie Generalsekretär Gorbatschow in seinem Buch
geschrieben hat:
"Es gibt keine
Möglichkeit, voneinander
loszukommen."
- Zweitens:
Unsere Beziehung wird
auch weiterhin schwierig gestaltet sein. Wir haben entgegengesetzte
Philosophien,
politische

�Systeme und nationale Interessen.
Unsere
Grundwerte, Systeme und
Interessen
werden
fortbestehen,
auch wenn die Notwendigkeit zur
Zusammenarbeit wächst.

heutigen
unterscheiden,
ebenso
wie von der Nachkriegswelt der
vergangenen 40 Jahre, die unser
Denken so sehr geprägt hat.
- Damit kommen wir zum
sechsten
Punkt:
Die Erkenntnis, daß Offenheit für Ideen, Informationen
und Kontakte der Schlüssel zu
künftigen Erfolgen ist. Die konzeptionellen Durchbrüche in den
Bestimmungen
des
INF-Vertrages
zur Verifizierung und Inspektion
vor Ort sind nur ein Beispiel für
die
gewaltige
Anziehungskraft,
die die Offenheit bereits in einem
zentralen Bereich amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen
ausübt.

- Drittens: Wir müssen realistisch
bleiben und angesichts der Höhen
und Tiefen unserer Beziehung Extreme vermeiden, sei es durch
Feindseligkeit
oder
Euphorie.
Der beste Ansatz im Umgang miteinander ist Nlichernheit, Pragmatismus
und
Sachlichkeit
beim
Streben nach der Lösung konkreter
Probleme.
- Viertens:
Über
unsere
Unterschiede müssen wir deutlich und
offen miteinander reden.
Daher
haben wir den Sowjets gegenüber
immer wieder die zentrale Bedeutung betont, die wir den Menschenrechten beimessen, wie sie
in der Allgemeinen Erklärung und
der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind.
Die Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft stellten am 5. Dezember
fest: "Die Wahrung der Menschenrechte und der Freiheit ist unabdingbare Voraussetzung für Vertrauen, Verständnis und Zusammenarbeit." Wir haben auch in aller
Offenheit regionale Probleme angesprochen. Auch die Sowjets haben mit ihrer Meinung nicht zurückgehalten.
Und
wir
haben
Fortschritte erzielt. Wie Präsident Reagan erklärt hat, schulden
wir uns gegenseitig den Tribut
der
Aufrichtigkeit,
und
diese
Aufrichtigkeit wird Lösungen zeitigen.
- Fünftens: Wir müssen in die Zukunft schauen, ohne die Lehren
der Vergangenheit zu vergessen.
In fünf oder zehn Jahren wird die
Welt
sich grundlegend von der

•

Meine Tischrede schloß ich mit
dem Appell an die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion, dauerhafte Fortschritte für Beziehungen anzustreben,
die von mehr Offenheit, Vorhersehbarkeit, Stabilität und Konstruktiv!tat
geprägt sind.
In dieser Zeit des
Wandels bieten neue Muster der Beziehungen meiner Ansicht nach auch neue
Möglichkeiten zu Zusammenarbeit und
Fortschritten, und wir sollten uns
solche Gelegenheiten zunutze machen.
Der
Generalsekretär
hat
sich
nicht dazu geäußert, ob er mit mir
übereinstimmt oder nicht.
Ich bin
aber davon überzeugt, daß - wie die
Erfahrung gelehrt hat - ein nicht so
realistischer, unflexibler, und weniger zukunftsweisender Ansatz der Aufgabe nicht gewachsen ist.
Ich bin ferner der Auffassung,
daß wir für unseren Teil die Herausforderungen und die uns durch den
derzeitigen Elan in den amerikanischsowjetischen
Beziehungen
gegebenen
Möglichkeiten mit der gleichen Führungskraft, dem gleichen
Vertrauen
und den gleichen Neuerungen angehen

- 12 -

t

�können, die auch unsere nationale
Haltung zu Veränderungen auf anderen
Gebieten, von der Politik zur Technologie, bestimmt haben.
Wir erkennen heute an, daß in der
Sowjetunion ein möglicherweise wichtiges Experiment in die Wege geleitet
wird. Es beinhaltet die Möglichkeit
zu weit zufriedenstellenderen amerikanisch-sowjetischen Beziehungen als
wir sie in der Nachkriegszeit gekannt
haben - Beziehungen, die ein konstruktives Element in einer sich verändernden Welt sein können.
Amerikaner sind bereit, engagiert
und mit schöpferischer Kraft an der
Gestaltung dieser Beziehungen zu arbeiten. Dieses Ziel ist erreichbar,
wenn die sowjetische Führung bereit
ist, mit uns gemeinsam aus dem Wandel
zum Besseren eine fortdauernde Realität zu machen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

17. Februar 1988

"THOMAS A. EDISON-PREIS" FÜR ERFINDER
- Präsident Reagan schlägt Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor -

WASHINGTON - (AD) - Auf Wunsch Präsident Reagans soll ein Fonds mit zehn
Millionen Dollar eingerichtet werden, aus dem zehn Jahre lang Preise für die
Entwicklung von Technologien und Geräten gezahlt werden, die die Lebensqualität generell verbessern. Der Preis, nach dem Erfinder Thomas A. Edison benannt, könnte beispielsweise für Methoden vergeben werden, die die Vorhersage
von Naturkatastrophen erleichtern und aufzeigen, wie deren Auswirkungen zu
mildern wären. Weitere Schwerpunkte könnten die Verwertung und Beseitigung
von Müll und Abfall aller Art sowie die Entwicklung von Vorrichtungen sein,
die Behinderungen überwinden helfen.

Die Verlautbarung des Weißen Hauses vom 27. Januar 1988 besagt u.a.,
daß mit dem Preis humanitäre Ziele
gefördert und Fortschritte für das
"Allgemeinwohl" erreicht werden sollen.
Der Vorschlag wird im Rahmen
des Haushalts 1989 dem amerikanischen
Kongreß unterbreitet.
Im Besonderen
ist beabsichtigt,

- den Ideenaustausch unter den wissenschaftlichen
Disziplinen
zu
fördern;

- Erfinder
anzuspornen, sich auf
Gebieten zu betätigen, die der
Allgemeinheit
Nutzen
bringen
könnten,
kommerziell
aber zunächst wenig lohnend erscheinen;

Ein Gremium von 15 hervorragenden
Persönlichkeiten
aus
Wissenschaft,
Technik,
Kunst,
Regierungsbehörden
und Bürgerschaft, dessen Mitglieder
auf jeweils fünf Jahre, aber mit

United States Information Service
Embassy of the United States of America

das Interesse junger Menschen an
Wissenschaft
und Technik, aber
auch an den Möglichkeiten zu fördern, die Innovationen und Technik bieten.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Überlappender Amtszeit ernannt werden, soll einmal jährlich bis zu drei
preiswürdige Ziele nennen und die Höhe des dafür jeweils vorgesehenen
Geldpreises bestimmen.
Dieser kann
einige Millionen oder einige Hunderttausend Dollar betragen. Über einen
Zeitraum von vier Jahren können bis
zu sieben Projekte gleichzeitig laufen. Federführend werde das amerikanische Handelsministerium sein, erklärte Marlin Fitzwater als Sprecher
des Weißen Hauses.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
17. Februar 1988

ASPIRIN SENKT HERZINFARKT-RISIKO
- Ergebnis einer Fünf-Jahresstudie an 22 000 Personen WASHINGTON - (AD) - Daß Aspirin, seit Jahrzehnten als Schmerz- und Rheumamittel bekannt, unter Umständen auch eine vorbeugende Wirkung gegen Herzattakken haben könnte, wurde seit Ende der sechziger Jahre vermutet. Die seinerzeit in Angriff genommenen Studien waren jedoch, was Dauer und Personenkreis
betraf, nicht umfassend genug, um sichere Schlußfolgerungen zuzulassen. Dies
aber erlaubt eine kürzlich beendete Fünf Jahresstudie mit mehr als 22 000 Probanden, über die in der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" am
28. Januar 1988 berichtet wurde. Am Tag zuvor gaben amerikanische Wissenschaftler, unter ihnen Dr. Claude Lenfant, Direktor des Nationalen Herz-, Lungen- und Blutinstituts der "National Institutes of Health" (NIH), und Dr.
Lawrence Cohen, Professor für Innere Medizin am Klinikum der Yale-Universität,
auf einer Pressekonferenz in Washington bereits die wichtigsten Details bekannt .

Alle Teilnehmer an der Studie waren Arzte im Alter zwischen 40 und 84
Jahren (da Frauen allgemein weniger
infarktgefährdet sind, wurden weibliche Kollegen nicht einbezogen).
Alle Probanden mußten gesund sein;
frühere
Herz-Kreislauferkrankungen,
Gicht, Magengeschwüre und Störungen
der
Nieren- oder
Leberfunktionen
schlössen eine Teilnahme aus. So
blieben schließlich von mehr als
59 000 Ärzten, die sich gemeldet hatten, 22 071 übrig.
Sie wurden in
zwei Gruppen unterteilt. Die eine
mit 11 034 Probanden nahm seit 1981

United States Information Service
Embassy of the United States of America

jeden zweiten Tag eine Tablette mit
325 mg Azetylsalizylsäure (Aspirin)
ein, die zweite Gruppe erhielt ein
Placebo-Präparat ohne Medikamenteninhaltsstoff . Die Leitung der Studie
hatte
Dr. Charles
H. Hennekens
(Harvard-Universität und "Brigham and
Women's Hospital") in Boston; der
sich ebenfalls als Proband zur Verfügung stellte. Die gewählte Dosierung
stellt die niedrigst mögliche Konzentration für Gaben von Azytylsalizylsäure dar, um als Aggregationshemmer
für die Thrombozyten zu wirken.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dieser Effekt wurde ganz offensichtlich erreicht: Bei der erstgenannten Gruppe kam es im Verlauf der
fünf Jahre in 104 Fälle zu Herzattakken (fünf mit tödlichem Ausgang). In
der Placebogruppe wurden 189 Infarktfälle registriert, davon 18 mit tödlichem Ausgang. Das Medikament vermag also das Verklumpen von Blutplättchen und damit das Verstopfen
der für die Blut Versorgung des Herzmuskels so wichtigen Herzkranzarterien zu reduzieren. Das Herzinfarktrisiko verringerte sich um 47 Prozent . Noch nicht geklärt ist die
Frage, weshalb die Zahl der Schlaganfälle infolge von Gehirnblutungen in
der Aspirin-Gruppe mit 80 um zehn höher lag als in der Kontrollgruppe.
Die Wissenschaftler warnten auf
der Pressekonferenz dringend davor,
daß Laien nun ohne ärztliche Empfehlung und ärztliche Kontrolle Aspirin
einnehmen, um gegen einen Herzinfarkt
vorzubeugen.
"Ich hoffe, daß dies
jetzt nicht als Wundermittel für ein
ewiges Leben angesehen wird", sagte
Dr. Lenfant. Ärzte sollten das Präparat in erster Linie für Patienten
in Erwägung ziehen, bei denen Hochdruck,
hohe
Blutcholesterinwerte,
Diabetes oder die Häufung von Herzattacken in der Familie festgestellt
werden. Das gelte nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen mit bestimmten
Risikofaktoren.
Vorsicht
sei jedoch in jedem Fall geboten,
weil, wie die Schlaganfall-Statistik
aus der Studie zeige, bei manchen
Personen Aspirin möglicherweise die
Gefahr einer Gehirnblutung erhöhe.
Und dies könne katastrophale Folgen
haben. Auch rektale Blutungen oder
Reizungen der Magenschleimhaut werden
unter Aspirin-Medikation beobachtet.
Aus allen diesen Gründen sei ärztliche Kontrolle bei regelmäßiger Einnahme notwendig. Dann sei allerdings
in Verbindung mit der Ausschaltung

anderer Risikofaktoren wie Rauchen,
falscher Ernährung und Bewegungsmangel denkbar, daß in den USA pro Jahr
bis zu 100 000 Menschen weniger Opfer
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden. Diese machen derzeit 48 Prozent
der Todesursachen aus.

* * * * * *

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz umreißt Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Außenminister Shultz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Thomas A. Edison-Preis" für Erfinder&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagan schlägt Zehn-Millionen-Dollar-Fonds vor&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aspirin senkt Herzinfarkt-Risiko&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnis einer Fünf-Jahresstudie an 22.000 &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Personen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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