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                  <text>t'eosr.

VON

AMERIKA DIENST
4

10. Februar 1988
INHALT
DOKUMENTATION
Carluccl; Nukleargarantie In Europa wird aufrechterhalten
- Rede des amerikanischen Verteidigungsministers bei der
Wehrkundetagung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Shultz umreißt vorrangige Ziele der US-Außenpolitik im Jahr 1988
- Ausführungen des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Repräsentantenhauses -

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Babbitts Vision in seiner Heimatstadt und ihren Werten verwurzelt
- Biographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
B. Babbitt Dukakis favorisiert Liberalismus und vorsichtige Steuerpolitik
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Michael Dukakis Hart; Mann der Ideen strebt energisch nach demokratischer Nominierung
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Gary Hart Jesse Jackson: Wahlkampf mit Charisma und populistischem Image
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Robertson betont moralische und religiöse Werte
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Pat Robertson Simon folgt althergebrachter liberal-demokratischer Tradition
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Paul Simon -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

#

Dokumentation

6

10. Februar 1988
CARLUCCI: NUKLEARGARANTIE IN EUROPA WIRD AUFRECHTERHALTEN
- Rede des amerikanischen Verteidigungsministers bei der
Wehrkundetagung in München-

MÜNCHEN - (AD) - In seiner Ansprache bei der Eröffnungsveranstaltung der
25. Wehrkundetagung in München erklärte der amerikanische Außenminister Frank
Carlucci, "nukleare Ankopplung hängt nicht PO sehr vom Standort der Abschrekkungsstreitkräfte ab, sondern vielmehr davon, wie sowjetische Militärplaner
die Glaubwürdigkeit beurteilen, daß diese Streitkräfte im Falle einer sowjetischen Aggression auch eingesetzt werden. Die gesicherte Annahme, daß die
nukleare Reaktion der NATO eine glaubwürdige Option darstellt, bildet den Kern
der Abschreckungstheorie".
Carlucci dementierte, daß der im INF-Vertrag vorgesehene Abzug amerikanischer Mittelstreckenwaffen aus Europa die amerikanische Nukleargarantie verringert oder die Bindung an die dort stationierten strategischen Streitkräfte
der Vereinigten Staaten schwächt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
Vielen Dank, Herr Vorsitzender.
Ich freue mich, an diesem Treffen anläßlich des 25. Jahrestages der Wehrkundetagung In München heute, am 7.
Februar 1988, teilnehmen zu dürfen.
In der Geschichte der NATO haben wir
sowohl Kontinuität als auch Wechselfälle erlebt. An der Schwelle zum
fünften Jahrzehnt
ihres Bestehens
kann die NATO im Hinblick auf ihre
Zielsetzung
eine
außergewöhnliche
Kontinuität für sich beanspruchen:
wir haben den bewaffneten Angriff gegen das Territorium unserer Verbündeten erfolgreich abgewehrt.

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Aber kein Bündnis kann so lange
bestehen, ohne sich mit veränderten
Umständen auseinandersetzen zu müssen. Revolutionäre Veränderungen im
Bereich der Technologie zeigen zum
Beispiel jetzt tiefgreifende Auswirkungen. Mit der Technologie verändern sich die direkten Bedrohungen,
gerade weil sie uns neue Möglichkeiten für eine gemeinsame Verteidigung
eröffnet. Wir sollten sicherstellen,
daß wir die Technologie zu unserem
Vorteil anwenden, weil sie ein zentraler Faktor für den Erfolg der NATO
in den neunziger Jahren sein wird.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ebenso große Veränderungen haben
im politischen und wirtschaftlichen
Umfeld der NATO stattgefunden. Als
der Nordatlantikvertrag unterzeichnet
wurde, hing keine unserer Volkswirtschaften entscheidend vom Persischen
Golf ab, vielmehr waren die Vereinigten
Staaten
ein
ölexportierendes
Land. Heute haben sich die Umstände
grundlegend geändert. In den neunziger Jahren wird die NATO mindestens
so verwundbar für Unterbrechungen der
öllieferungen aus dem Persischen Golf
sein wie zu Beginn der siebziger Jahre - und in katastrophalem Maße verwundbar, wenn diese Schlüsselregion
urmittelbar an den Grenzen der NATO
unter sowjetische Kontrolle geraten
sollte.
Um das Ausmaß solcher Veränderungen zu begreifen, brauchen wir uns
nicht einmal die Anfänge der NATO vor
Augen zu führen: wir brauchen lediglich 25 Jahre zurückzugehen in die
Zeit, als Sie, Herr Vorsitzender, die
erste Wehrkundetagung leiteten.
Vor 25 Jahren unterhielten die
Vereinigten
Staaten ein wirksames
Bündnis mit dem Iran sowie Stützpunkte in Libyen und Marokko; unsere britischen Verbündeten besaßen Stützpunkte in Aden, Bahrain und auf Malta; in Afghanistan gab es keine sowjetischen Truppen, und Moskau hatte
keine Freundschaftsverträge mit den
Golfstaaten.
Aber mit zunehmender
Abhängigkeit der NATO vom Öl des
Golfs verschlechterte sich unser Zugang zu Stützpunkten und Luftverkehrswegen, während der Zugriff der
Sowjets stetig zunahm. Die Interessen der NATO dürfen nicht mehr von
Unruhen und Veränderungen in Regionen
außerhalb ihres Einflußbereiches isoliert betrachtet werden. Obwohl die
NATO selbst nicht außerhalb ihres
Territoriums militärisch tätig wird,
haben ihre einzelnen Mitglieder doch

erhebliche Beiträge zum Schutz unserer gemeinsamen Interessen geleistet.
Vor einigen Wochen habe ich die amerikanische Marine im Persischen Golf
besucht. Ich habe mit Genugtuung beobachten können, wie amerikanische
Schiffe und amerikanische Matrosen
gemeinsam mit der Flottenstärke einiger europäischer Verbündeter die Interessen des Bündnisses auf diesem
wichtigen Seeweg schützen.
Diese gemeinsamen Anstrengungen
im Golf durch Streitkräfte mehrerer
Mitglieder des Bündnisses bedeuten
für uns einen wichtigen historischen
Gewinn. Er wird sicherlich die Abschreckung gegen eine der gefährlichsten Bedrohungen für die Uberlebensfähigkeit des Bündnisses stärken den militärischen Vormarsch der Sowjets in den Persischen Golf.
Vor sechs Jahren haben wir im
NATO-Rat und im Planungsausschuß das
Problem von Operationen "außerhalb
des Bündnisgebietes" erörtert.
Der
dabei erzielte Konsens war nützlich
und könnte in gewisser Weise die gegenwärtigen gemeinsamen Anstrengungen
in der Golf-Region hervorgebracht haben. Ich möchte vorschlagen, daß wir
Maßnahmen ergreifen, um unseren Konsens durch weitere Gespräche zu stärken und eventuell über die Übereinkunft von 1982 hinauszugelangen.
Weiter entfernte Regionen gewinnen ebenfalls zunehmend an strategischer Bedeutung.
Die Vereinigten
Staaten sind im Fernen Osten mit
starken Nationen eng verbunden. Europa sollte aber nicht behaupten, daß
dadurch
amerikanische
Streitkräfte
einen weniger großen Beitrag zur NATO
leisten.
Dies sollte vielmehr als
weitere Quelle der Stärke angesehen
werden, mit deren Hilfe ein weltweites Bündnissystem für Frieden und Demokratie hervorgebracht wird.

�Die Anerkennung dieser weltweiten
Sicherheitsinteressen ist eines der
vielen wertvollen Charakteristika unseres gerade abgeschlossenen INF-Vertrages. Dank der Festigkeit Präsident Reagans und mit Unterstützung
der unerschütterlichen Entschlossenheit des Bündnisses werden die sowjetischen SS-20 nicht nur in Europa,
sondern auch in Asien beseitigt werden. Dieses Ergebnis fördert in Europa, Amerika und Asien Unterstützung
für eine Strategie, bei der Rüstungskontrolle ud Verteidigung gemeinsamen
Sicherheitsinteressen dienen.

setzt würden. Die gesicherte Annahme, daß die nukleare Reaktion der
NATO eine glaubwürdige Option darstellt, bildet den Kern der Abschrekkungstheorie.

Ich möchte in diesem Zusammenhang
auf einen besonderen Kritikpunkt eingehen, der in Europa gegen den INFVertrag erhoben worden ist - die Besorgnis darüber, daß die Beseitigung
dieser Raketen die amerikanische Nukleargarantie verringern würde.
Es
heißt, die Beseitigung dieser Raketen
würde das "Junktim" mit amerikanischen strategischen Streitkräften
schwächen. Aber Ich möchte hier eine
andere Version dieses Arguments darlegen, die vorgebracht wurde, als wir
die INF-Systeme dislozieren wollten.
Zu jener Zeit hieß es, daß die Stationierung der INF-Raketen die nukleare Ankopplung zunichte machen würde,
weil diese Mittelstreckensysteme eine
neue "Brandmauer" zwischen den taktischen
und
interkontinentalen
Streitkräften errichten.

Wir benötigen für die nukleare
Abschreckung überlebensfähige, militärisch wirkungsvolle Systeme, mit
denen bestimmte Ziele zerstört werden
können, einschließlich der tief im
Gebiet der Sowjetunion befindlichen
Ziele. Das "Junktim" wird durch die
sowjetische Erwartung geschaffen, daß
sich das Bündnis in seinem eigenen
Interesse zum Einsatz dieser Nuklearwaffen im eventuellen Ernstfall entscheiden würde. Wenn wir über "strategische" Nuklearwaffen der Vereinigten Staaten reden, als ob diese eine
eigene Kategorie bildeten, könnten
wir unter sowjetischen Planern Zweifel über das Ausmaß aufwerfen, in dem
die interkontinentalen Systeme zur
Unterstützung der Kurzstreckensysteme
dienen. Wenn wir die Kurzstreckensysteme abschaffen, rufen wir dieselben
Zweifel hervor.
Aus genau diesem
Grunde haben wir seit einiger Zeit
die enge Interdependenz zwischen den
amerikanischen
Nuklearstreitkräf ten
interkontinentaler Reichweite und den
Mittel- und Kurzstreckensystemen betont. Ich kann diese generelle Einheit der amerikanischen nuklearen Abschreckung nur wiederholen und erneut
bestätigen.

Diese beiden Befürchtungen treffen nicht den Kern des Problems. Der
INF-Vertrag
beseitigt
weder
ein
"Junktim" noch eine "Brandmauer" in
unserer Strategie der nuklearen Abschreckung. Die nukleare Ankopplung
hängt nicht so sehr vom Standort der
Abschreckungsstreitkräfte ab, sondern
vielmehr davon, wie sowjetische Militärplaner die Glaubwürdigkeit beurteilen, daß diese Streitkräfte bei
einer sowjetischen Aggression einge-

Die NATO-Strategie der flexiblen
Reaktion hat mit ihrer Betonung ihres
Spektrums differenzierender Reaktionen den großen Vorteil, daß sie die
Glaubwürdigkeit der nuklearen Komponente unserer Abschreckung verbessert. Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß die nuklearen Streitkräfte, mit denen Ziele in der Sowjetunion erreicht werden können bis hin zu und einschließlich der Interkontinentalraketen - ein integra-

- 3 -

�ler Bestandteil unserer Strategie der
flexiblen Reaktion bleiben. Wir dürfen nicht der Fehlannahme Vorschub
leisten, daß das Territorium des Aggressors ein Sanktuarium bleiben würde.
Um Wirkung zu zeigen, hat die
Strategie
der
flexiblen
Reaktion
stets erfordert, daß wir sowohl nukleare als auch konventionelle Stärke
aufrechterhalten.
Der
INF-Vertrag
verändert weder diese Voraussetzung
noch hindert er die NATO daran, ihr
gerecht zu werden.
Im Zeitalter nach INF können wir
die in Europa stationierten nuklearen
Systeme nicht vernachlässigen. Unsere Aufgabe besteht darin, das vereinbarte Programm
zur Modernisierung
dieser Systeme und Verbesserung ihrer
überlebensfähigkeit zu verwirklichen.
Diese
Anforderungen
gründen
sich
hauptsächlich auf die von der NATO Im
Jahr 1983 getroffene Vereinbarung von
Montebello, in Europa gelagerte Atomwaffen um 1 400 Gefechtsköpfe zu verringern und gleichzeitig Maßnahmen zu
ergreifen, um sicherzustellen, daß
die verbleibenden Atomwaffen überlebensf ähig und wirksam sind. Zu den
Modernisierungsprogrammen, die weiterhin für die NATO von vordringlicher Bedeutung sind, gehören:
Ein
Nachfolgesystem für die Boden-BodenRakete vom Typ LANCE sowie die Modernisierung der nuklearen Artillerie,
der Mehrzweckflugzeuge und Atombomben
der NATO. Dies sind Erfordernisse,
die von der NATO schon vor Abschluß
des INF-Vertrags und unabhängig von
diesem erkannt wurden und die keinerlei Beschränkungen durch den INF-Vertrag unterliegen. Sie sollten auch
nicht von der durch den Vertrag geschaffenen politischen Atmosphäre beeinträchtigt werden; geschähe dies,
so würde es eine Gefährdung des Rüstungskontrollprozesses selbst bedeu-

ten. Ich sehe dem im Frühjahr in Dänemark stattfindenden Treffen der Nuklearen Planungsgruppe erwartungsvoll
entgegen, um mit meinen Kollegen INF
und die Anpassungen nach INF zu diskutieren, darunter auch die amerikanischen Langstreckensysteme und die
auf der Vereinbarung von Montebello
beruhenden Programme.
Parallel zu diesen Programmen für
atomare Systeme muß das Bündnis energisch voranschreiten, um seine konventionellen Streitkräfte zu verbessern. Im Pentagon haben wir einen
Prozeß eingeleitet, durch den unsere
Prioritäten bei Forschung und Entwicklung sow«e bei Beschaffungsvorhaben auf Bereiche konzentriert werden,
in denen die NATO einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Sowjetunion besitzt. Mit dieser "Wettbewerbsstrategie" versuchen wir, unsere Stärken
in Bereichen wie etwa den StandoffWaffen auszuschöpfen und aus sowjetischen Schwächen Nutzen zu ziehen.
Außerdem können wir durch verbesserte Zusammenarbeit
zwischen den
NATO-Staaten mehr aus unseren Verteidigungsauf Wendungen machen. In allen
Bereichen unserer Verteidigungsprogramme - Forschung, Entwicklung, Produktion - reduziert die Rüstungszusammenarbeit unwirtschaftliche Doppelaufwendungen für Forschung und
Entwicklung, sie erhöht die Effizienz
der Produktion durch Kostenersparnis
und führt zu standardisierter und interoperabler Ausrüstung.
Um die begrenzten Mittel für die
Verteidigung so weit wie möglich auszuschöpfen, nüssen wir zudem Maßnahmen einleiten, die unsere Verteidigungsfähigkeit relativ kostengünstig
verbessern können. Eine Möglichkeit
besteht darin, sicherzustellen, daß
die NATO-Streitkräfte mit dem größtmöglichen Nutzen stationiert sind und

- 4 -

�sie, falls nötig, zu diesem Zweck umzugruppieren.
Eine weitere äußerst
erfolgversprechende
und
preiswerte
Maßnahme ist die sogenannte "TerrainVerbesserung" zur Stärkung unserer
Vorneverteidigung.
Ich bin mir der
Tatsache bewußt, daß es politische
Hindernisse geben mag, die den Weg zu
diesen innovativen Veränderungen verstellen.
Wir können jedoch nicht
länger - zugunsten eines kurzfristigen Opportunismus - kostengünstige
Verteidigungsmaßnahmen mit hoher Rentabilität ausschließen.
Ich sehe,
daß auch eine Reihe von Mitgliedern
des amerikanischen Kongresses hier
anwesend sind und bin davon überzeugt, daß sie mir in diesem Punkt
beipflichten werden.

trags benötiger. Dies nicht zu tun,
bedeutete für mich als Verteidigungsminister, unverantwortliche zu handeln.
Die Risikoteilung muß außerdem
die Bereitschaft einschließen, In einer Krise durch rechtzeitige Maßnahmen für
Verstärkung und erhöhte
Kampfbereitschaft zusammenzuarbeiten.
Ich würde es begrüßen, wenn Sie Vorschläge dazu unterbreiten könnten,
wie diese Zusammenarbeit zu verbessern wäre. Rechtzeitige Verstärkung
ist unerläßlich, um Kampfbereitschaft
dort zu demonstrieren, wo sie zählt am vorgesehenen Ziel des Angriffs.

Letzlich wird für alle Mitglieder
unseres Bündnisses die größte Herausforderung darin bestehen, den politischen Willen zur gemeinsamen Verteidigung aufrechtzuerhalten.
Dazu
gehört nicht nur das Teilen der Lasten, sondern auch das Teilen der Risiken.

Wir müssen miteinander auch darüber sprechen, wie unsere Strategie
und Streitkräfteplanung in Zukunft
auszusehen hat. Denn wenn wir heute
bei Forschung und Entwicklung zusammenarbeiten, arbeiten wir tatsächlich
bei der Schaffung von Waffensystemen
zusammen, die unseren Streitkräften
bis weit ins nächste Jahrhundert hinein dienen sollen.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, umfangreiche Streitkräfte hier in der Bundesrepublik
Deutschland und an anderen entscheidenden Frontlinien zu stationieren
und die Vereinigten Staaten sind ferner bereit, ihr Engagement durch atomare Streitkräfte zu unterstreichen.
Umgekehrt müssen die anderen Verbündeten ihren Teil der Lasten und Risiken akzeptieren.
Dazu gehört die
weitere Unterstützung des Systems von
Stützpunkten, von denen aus die amerikanischen Streitkräfte operieren und nicht eine Politik, die auf den
Abbau
von
Stützpunktvereinbarungen
hinausläuft. Dazu gehört auch, uns
zu gestatten, unsere Truppen mit den
Waffen - einschließlich modernisierter Gefechtsfeldwaffen - auszustatten, die sie zur Erfüllung ihres Auf-

Natürlich gibt es auf beiden Seiten des Atlantiks Stimmen, die uns
raten, uns von diesen Herausforderungen abzuwenden und dem Bündnis den
Rücken
zuzukehren.
Isolationismus
kann sich überall entwickeln - In
Kalifornien oder in der Türkei, von
der Iberischen Halbinsel bis nach
Skandinavien. Wir müssen uns bemühen, unsere Völker davon zu überzeugen, daß Isolationismus keine Antwort
darstellt.
Letztlich kann nur die
anhaltende Unterstützung der Menschen
in unseren Demokratien das Bündnis
zusammenhalten - bei Abrüstungsverhandlungen, bei unserer gemeinsamen
Antwort auf Krisen und bei der Abwendung eines Krieges. Ich stimme mit
dem Bundeskanzler überein, wenn er
sagt, daß die Freiheit unsere größte
Stärke ist.

- 5 -

�Wenn wir an der Verbesserung unserer Verteidigung und der Aufrechterhaltung einer durchdachten Strategie festhalten, dürfen wir uns nicht
von denjenigen ablenken lassen, die
behaupten, daß diese Anstrengungen
dem Streben nach Frieden "zuwider"
laufen. Wir, die im Nordatlantischen
Bündnis vereinten Nationen, sind die
größte Friedensbewegung in der Geschichte. Wir haben den Frieden in
Europa über 40 Jahre bewahrt und werden dies auch weiterhin tun, solange
jeder von uns den politischen Willen
aufbringen kann, stark und wachsam zu
bleiben.

* * * * *

-6

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
10. Februar 1988

SHULTZ UMREISST VORRANGIGE ZIELE DER US-AUSSENPOLITIK IM JAHR 1988
- Ausführungen des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Repräsentantenhauses WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge sind weitere Fortschritte
bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über die Verringerung strategischer Waffen sowie andere Aspekte der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
für die amerikanische Außenpolitik des Jahres 1988 von vorrangiger Bedeutung.
In Ausführungen vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses nannte
Shultz außerdem den Friedensprozeß in Mittelamerika und die Wiederbelebung der
Friedensbemühungen im Mittleren Osten, die "aktive Unterstützung unserer Verbündeten" in Ostasien, die Bemühungen um friedliche Lösungen der Konflikte im
südlichen Afrika sowie die Aufrechterhaltung und Stärkung der Bündnisbeziehungen als vordringliche Ziele.
Nachfolgend bringen wir die Erklärungen von Außenminister Shultz im Wortlaut:

Ich begrüße diese Gelegenheit,
Ihnen meine Gedanken zur Tagesordnung
der Vereinigten Staaten im Bereich
der Außenpolitik für das neue Kalender- und
Haushaltsjahr
mitzuteilen.
Wir treffen uns das sechste Mal zu
diesem Zweck, und das Ihnen demnächst
zur Entscheidung vorliegende Budget
wird die Mittel und Grundlagen bereitstellen, wenn die nächste Administration ihre außenpolitischen Initiativen festlegt.

Fortschritte in der Außenpolitik

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Amerikas
breitgefächerte
außenpolitische Interessen und Ziele sind
so alt wie unsere Nation selbst:
Förderung des Wohlstandes im Inland;
Schutz unserer Nation gegen Aggression oder Subversion; Bekämpfung von
Handlungen, durch die der Rechtsstaat
und die innere Stabilität ausgehöhlt
würden; Förderung unserer demokratischen Werte und der Menschenrechte.
Wenn wir diese außenpolitischen
Interessen und Ziele überprüfen und
den Fortschritt messen, den der Präsidenten bei ihrer Verwirklichung er-

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�zielt hat, dann können wir feststellen, daß diese Administration ein
eindrucksvolles Vermächtnis geschaffen hat. Diese Errungenschaften wären nicht möglich gewesen, wenn sich
der Präsident nicht von Anbeginn bewußt gewesen wäre, daß die demokratischen Werte, die wirtschaftliche
Vitalität und militärische Stärke der
Vereinigten Staaten den Schlüssel zum
Erfolg darstellen.
Im Jahr 1987 haben wir erhebliche
Fortschritte bei der außenpolitischen
Tagesordnung des Präsidenten erzielt.
Als Präsident Reagan im Dezember das
INF-Abkommen
mit
Generalsekretär
Gorbatschow unterzeichnete, erfüllte
er ein wichtiges rüstungskontrollpolitisches Ziel der NATO und verwirklichte die von ihm im Jahr 1981 erklärte Absicht, als er zum ersten Mal
die Null-Lösung präsentierte.
Außerdem vefolgten wir weiterhin
unseren Dialog mit den Sowjets auf
höchster Ebene zu unseren Hauptanliegen Menschenrechte und regionale sowie bilaterale Angelegenheiten.
Der Präsident hat die Grundlage
für ein stabileres und konstruktiveres
amerikanisch-sowjetisches
Verhältnis gelegt, das auf Stärke, Realismus und Dialogbereitschaft aufbaut.
Weltweit wurde der Demokratie in
eindrucksvoller Weise weiter Auftrieb
verliehen, und die Vereinigten Staaten haben den lebenswichtigen Prozeß
des Aufbaus demokratischer Institutionen ermutigt. Auf den Philippinen
haben wir die Regierung Aquino bei
ihren Bemühungen unterstützt, die von
ihr errungene Demokratie zu konsolidieren, indem wir den wirtschaftlichen Wiederaufbau gefördert und
Beistand bei der Bekämpfung der kommunistischen Untergrundbewegung geleistet haben.

In Korea haben die Wahlen eindeutig die Intensität der demokratischen
Einstellung
innerhalb
der
koreanischen Gesellschaft und die Entschlossenheit der neuen Führung gezeigt, eine solide Grundlage für demokratische Verfahrensweisen in der
Regierung zu schaffen. Auf den FijiInseln wurde eine zivile Interimsregierung wiedereingesetzt, die sich
dem Entwurf einer neuen Verfassung
und der Rückkehr dieser Nation zur
parlamentarischen
Demokratie
verschrieben hat. In Argentinien, Brasilien und ganz Lateinamerika haben
wir Hand in Hand mit neuen demokratischen Kräften gearbeitet. In Mittelamerika wären die Vereinbarungen
von Guatemala nicht möglich gewesen,
wenn die Vereinigten Staaten nicht
diplomatische Hartnäckigkeit mit militärischer Stärke für die Sache der
Hemokratie in die Waagschale geworfen
hätten.
In Afghanistan, Angola, Kambodscha und Nicaragua hat unsere entschlossene Unterstützung derjenigen,
die für ihre Freiheit kämpfen, unsere
Gegner zur Einsicht gezwungen, daß
Expansionismus und Aggression kostspielig sind und daß fremden und unterdrückerischen Regimen der Kampf
angesagt wird.
Dank der durch Macht und Diplomatie verliehenen Stärke haben wir
schwierige Krisensituationen im Mittleren Osten und andernorts durchgestanden.
Im strategischen Bereich
des Persischen Golfs schützt unsere
Politik des Umflaggens grundsätzliche
amerikanische Interessen während wir
außerdem im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Weg für die Beilegung des iranisch-irakischen Konflikts weisen.
Dieser Ansatz hat
sich als erfolgreich bei der Erhaltung der Sicherheit und Stabilität
befreundeter Staaten und bei der Ab-

- 2 -

�wehr
der
Erweiterung
sowjetischen
Einflusses im Golf erwiesen. Gleichzeitig hat er den freien Fluß von Öl
durch die Straße von Hormuz sichergestellt. Verbündete Staaten sind unserem Beispiel gefolgt (Frankreich,
Großbritannien, Italien, die Niederlande und Belgien).
Wir sind entschlossener denn je,
weiterhin durch unser Anti-Drogenprogramm Staaten bei der Vernichtung von
zur Drogengewinnung angebauten Pflanzen und dem Abfangen von Drogenlieferungen zu helfen und klären unsere
eigene Öffentlichkeit und andere über
die
Gefahren
des
Drogenmißbrauchs
auf. In mindestens 20 Staaten wurden
im Jahr 1987 die zur Drogengewinnung
angebauten Pflanzen zerstört. Weltweites Interesse und breitere Unterstützung
durch
unsere
Verbündeten
wurden durch die äußerst erfolgreiche
UN-Konferenz über Drogenmißbrauch und
Drogenhandel im vergangenen Juni hervorgerufen.
Der nationale Ausschuß
zum Drogenproblem schließt gegenwärtig seine Arbeiten an einer neuen nationalen Strategie ab, die ein verstärktes
internationales
Programm
einschließt, das die chemische Vernichtung von Coca-Pflanzen vorsieht.
Die Geißel des
internationalen
Drogenhandels
stellt uns vor eine
schwere Herausforderung - nicht nur
aufgrund der reinen Menge produzierter Drogen, sondern durch den vereinten Angriff von Drogenhändlern und
Rebellen auf Regierungen, deren Zusammenarbeit
lebenswichtig für unseren Erfolg im Kampf gegen diese Bedrohung ist.
Erst vergangene Woche
mußte die Regierung Kolumbiens wieder
den Preis für die Bekämpfung des Drogenhandels bezahlen, als Rauschgifthändler ihren Generalstaatsanwalt ermordeten. Lassen Sie sich nicht täuschen, dies ist ein langfristiges Bemühen.

Ebenso müssen wir entschlossen
und wachsam im Hinblick auf die moderne Barbarei des Terrorismus sein.
Ich kann heute jedoch mitteilen, daß
unsere Politik zur Terrorismusbekämpfung Früchte trägt.
Wir haben ein
besseres Verständnis terroristischer
Methoden gewonnen. Wir haben unsere
nachrichtendienstliche Aufklärung und
die Zusammenarbeit mit anderen betroffenen Ländern verbessert.
Wir
haben
die Sicherheitsmaßnahmen
zum
Schutz unserer Bürger im In- und Ausland verstärkt. Und wir sind zur Offensive übergegangen, um Terroristen
der Justiz zu überantworten, ihre
Operationen zunichte zu machen und
ihre Netze zu zerstören.
Die Statistiken sind positiv. Die Zahl amerikanischer Opfer und Anschläge auf
amerikanische
Interessen sind drastisch gesunken. Unsere Fortschritte
pind umfassend
- von verbesserten
operativen Strukturen im Inland bis
hin zu engerer Koordinierung mit den
Verbündeten in Übersee.

Die Tagesordnung für das Jahr 1988
1987 war also ein Jahr bedeutender
Fortschritte.
1988 verspricht
sogar noch ereignisreicher zu werden
und eine außergewöhnlich umfangreiche
außenpolitische Tagesordnung zu haben.
Ein Großteil unserer Tagesordnung
wird dabei auf den Initiativen für
Frieden, Sicherheit, Wohlstand
und
Demokratie aufbauen, die der Präsident in den vergangenen sieben Jahren
eingeleitet hat.

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und die Rüstungskontrolle
Eine vordringliche Aufgabe wird
darin bestehen, im Vorfeld des Moskauer Gipfeltreffens bei den START-

- 3 -

�Verhandlungen und anderen Komponenten
der vierteiligen Tagesordnung des
Präsidenten für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen energisch auf
Fortschritte zu drängen.
Wenn die
Sowjets bereit sind, sich den von uns
gemachten Bemühungen anzuschließen,
könten wir in der Lage sein, bei der
Abrüstung in diesem Jahr einen Riesenschritt nach vorn zu tun und ein
verifizierbares Abkommen zu erreichen, das die Stabilität durch die
Halbierung der strategischen Atomwaffen verbessert. Die Sowjets wissen,
daß wir bei SDI fest bleiben werden.
Wir hoffen, den wichtigen Erfolg
des Jahres 1987 zu konsolidieren, indem wir den Rat des Senats und dessen
Zustimmung zur Ratifizierung des INFVertrages einholen. Zusammen mit unseren Verbündeten und auf der Grundlage von lange vor dem INF-Vertrag
erstellten Programmen werden wir die
Modernisierung unserer konventionellen und nuklearen Streitkräfte vorantreiben. Gemäß den in der NATO vereinbarten Prioritäten werden wir weitere Fortschritte in der Rüstungskontrolle anstreben - insbesondere zur
Beseitigung der konventionellen Ungleichgewichte in Europa und der Erlangung eines wirklich verifizierbaren weltweiten Verbots chemischer
Waffen.
Aber so wichtig sie auch sein
mag, wird die Rüstungskontrolle doch
nicht unsere einzige Priorität mit
der Sowjetunion sein; wir werden weiterhin energisch Fragen der Menschenrechte verfolgen, und zwar sowohl
Einzelfälle als auch umfassendere
Prinzipienfragen, die in der Schlußakte von Helsinki sowie anderen internationalen
Vereinbarungen
über
Menschenrechte festgelegt sind.
Und von jetzt bis zum nächsten
Gipfeltreffen in Moskau werden Außen-

minister Schewardnadse und ich uns
regelmäßig zu Gesprächen über die
ganze
Bandbreite
unserer
Belange
treffen.

Der Friedensprozeß in Mittelamerika
Eins der ernstesten von diesem
100. Kongreß zu entscheidenden Fragen
lautet, wie wir unsere Unterstützung
für die in Nicaragua kämpfenden demokratischen Widerstandskräfte fortsetzen können.
Wenn die Demokratien
Mittelamerikas die Sandinisten erfolgreich zur Einhaltung des Abkommens von Guatemala veranlassen wollen, muß unsere Unterstützung für die
Demokratie ein sicheres Faktum und
keine unbekannte Variabel beim Ausgleich in der Region sein.
Heute kommt der Notwendigkeit von
Menschenrechten, freien Wahlen und
wirtschaftlicher Entwicklung in Mittelamerika genau die Aufmerksamkeit
zu,
die
amerikanische
Politiker
einstmals traditionelleren Problemen
der Diplomatie und nationalen Sicherheit zuteil werden ließen. Die amerikanische Politik ist Ausdruck unserer nationalen Überzeugung, wonach
Demokratie der einzig dauerhafte
Grundstein für Frieden und Wohlstand
ist - für unsere Nachbarn ebenso wie
für uns selbst. Hilfe für den nicaraguanischen Widerstand ist ein Grund
für den erfolgreichen Ablauf dieser
umfassenden Strategie in der Region.
Vor zehn Jahren war Costa Rica
die einzige, zivil regierte Demokratie der Region. Heute sind alle Militärdiktatoren der anderen vier Länder abgetreten. Drei dieser Länder
folgen dem Beispiel Costa Ricas mit
zunehmend offenen Gesellschaften und
zivilen Präsidenten, die durch ermittelt werden, zu denen sich mehrere
Kandidaten stellen. Seit zwei Wochen

�berichten die Machthaber des
Landes, die nicaraguanischen
nisten, nun überall, auch sie
sich öffnen und demokratische
sätze anerkennen.

fünften
Sandiwürden
Grund-

Ein demokratisches Nicaragua wäre
wirklich eine gute Nachricht für die
Vereinigten Staaten. Aber eine neue
Studie der RAND-Corporation kommt zu
dem Schluß, Nicaragua sei - insbesondere in militärischer Hinsicht - auf
dem Weg zu einem sowjetischen Satellitenstaat.
Der RAND-Studie zufolge
kann mit direkter und indirekter Nutzung von nicaraguanischem Territorium
durch die Sowjets gerechnet werden.
Ein demokratisches Nicaragua würde
der Sowjetunion nicht die Möglichkeit
zur
Errichtung
eines
Stützpunktes
bieten.
Ein demokratisches Nicaragua wäre
ebenfalls eine gute Nachricht für die
Nicaraguaner.
Eine weitere
Studie
meiner eigenen Behörde zeigt auf, wie
eng der Widerstand des Volkes gegen
die Sandinisten mit der Verweigerung
grundlegender
Menschenrechte
verknüpft ist.
Letzte Woche traf ich
mit ausgewiesenen Führern des nicaraguanischen
Widerstandes
zusammen.
Vor zehn Jahren wurden drei von ihnen
von Somoza inhaftiert. Vor acht Jahren war einer von ihnen Mitglied der
nach Somoza regierenden Junta, ein
weiterer war unter der Junta Minister, ein anderer Reporter von "La
Prensa", und drei weitere waren Politiker, die ihre Parteien auf Wahlen
vorbereiteten.
Dann unterzeichneten
die Sandinisten mit der Kommunistischen Partei der Sowjetunion ein
Zweiparteienabkommen,
besetzten
den
Staatsrat mit ihren eigenen Leuten
und verschoben die Wahlen um fünf
Jahre.
Ein demokratisches Nicaragua
würde keine führenden Persönlichkeiten ins Exil treiben oder etwa eine
Bilanz von 10 000 politischen Gefan-

genen aufweisen.
Das Problem besteht darin, daß
die starrköpfigen Politiker, die acht
Jahre lang mit Hilfe geschickt verknüpfter Macht und Propaganda eine
Monopolstellung
in
der
nicaraguanischen Regierung halten, sich nicht
plötzlich öffnen werden, um demokratischen Wettbewerb zuzulassen, wenn
es aufgrund unserer eigenen Politik
schon unmöglich ist, Freiheit in Nicaragua zu unterstützen. Die Weiterführung des jetzt sporadisch, aber
auf breiter Ebene auftretenden demokratischen Prozesses in Mittelamerika
erfordert die Mitarbeit aller.
Für
die Vereinigten Staaten ist es unbedingt erforderlich, daß wir den demokratischen Kräften in Nicaragua ausreichende Unterstützung gewähren, um
die militärische Unterstützung auszugleichen, die der Ostblock den Sandinisten leistet.
Es gibt in diesem Zusammenhang
eine Ironie des Schicksals.
Unsere
Debatte findet genau zu dem Zeitpunkt
statt, an dem der nicaraguanische Widerstand Unterstützung bei den Landsleuten erfährt, Einsatzfähigkeit demonstriert und die Sandinisten Unterstützung verlieren. Aus diesem Grunde arbeiten die Sandinisten so hart
daran, den Kongreß von einer Entscheidung
zugunsten
fortgesetzter
Hilfe abzubringen.
Wenn die Sandinisten bekommen,
was sie wollen - wenn der Kongreß unserer Bitte um zusätzliche, auf Fortschritte
im
Friedensprozeß
zugeschnittene Mittel nicht zustimmt
dann können wir sicher sein, daß es
keinen wahren Fortschritt in Richtung
auf eine gemäßigte Linie und Demokratie in Nicaragua geben wird.
Es gibt eine eindeutige Parallele
zwischen unseren Bemühungen in Mit-

- 5 -

�telamerika und unseren langfristigen
Bestrebungen, die Sowjets zum Thema
wahrer Rüstungsreduzierungen wieder
an den Verhandlungstisch zurückzubringen.
Wir wußten, daß wir durch Taten
und nicht nur durch Worte den Sowjets
klarmachen mußten, daß es in ihrem
eigenen Interesse lag, sich wieder an
den Verhandlungstisch
zu begeben.
Was in den siebziger Jahren nicht
möglich war, wurde 1987 möglich, weil
wir Stärke und Festigkeit im Bündnis
gezeigt haben.
Vor acht Jahren einigte sich die
NATO - als Reaktion auf die in den
späten siebziger Jahren erfolgte sowjetische Stationierung der Mittelstreckenrakten vom Typ SS-20 in Europa - auf eine zweigleisige Strategie: die Stationierung von Pershing
II und landgestützten Marschflugkörpern sowie amerikanisch-sowjetische
Verhandlungen, um ein Gleichgewicht
auf dem niedrigstmöglichen Stand herbeizuführen.
Im Jahr 1981 schlug
Präsident Reagan zur Abschaffung aller
Mittelstreckenraketen
längerer
Reichweite
die
"Null-Lösung" vor.
Wir und unsere Verbündeten standen zu
dieser Entscheidung. Wir nahmen die
Stationierungen - trotz sowjetischer
Einschüchterungsversuche
und
ihrem
einjährigen Ausstieg aus den Verhandlungen - Ende des Jahres 1983 auf.
Unsere Entschlossenheit hat die Sowjets zu Beginn des Jahres 1985 wieder an den Verhandlungstisch zurückgebracht. Wenn wir nach dieser erfolgreichen Methode dieselbe Entschlossenheit und Stärke bei unseren
strategischen Programmen und am Verhandlungstisch walten lassen, bestehen ernsthafte Aussichten für Erfolge
bei START.
Bei diesen anhaltenden Bestrebungen wurden Meinungen laut, der Aufbau

unserer militärischen Stärke und die
Stationierung unserer Raketen seien
Ursache, nicht Lösung des Problems.
Denken Sie nur an die "Anti-Atom-Bewegung". Und denken Sie auch daran,
wie sehr sie sich als falsch erwiesen
hat. Ich freue mich darüber, daß das
amerikanische Volk und seine gewählten Vertreter nicht darauf gehört und
uns Mittel zur Durchführung unserer
Strategie an die Hand gegeben haben.
Das hat funktioniert. Wir haben einen ersten Schritt erzielt - das INFAbkommen - und wir befinden uns im
Vorfeld noch größerer Errungenschaften in den Bereichen Rüstungskontrolle und Abrüstung.
In Mittelamerika haben wir, ebenso wie in Europa und Asien, unseren
Einfluß zugunsten politischer und
diplomatischer Zielsetzungen benutzt.
Wir haben denjenigen in Mittelamerika, die bereit sind, am Frieden zu
arbeiten, Mittel bereitgestellt, damit sie dies tun können. Und wie
auch bei INF und Afghanistan läuft
unsere Strategie erfolgreich ab. Die
Unterstützung
des
nicaraguanischen
Widerstandes ist heute der Bestandteil der Macht, der notwendig ist, um
die Sandinsiten zur Einhaltung der
Bedingungen des Abkommens von Guatemala für Frieden und Demokratie zu
veranlassen.
Neunzig Prozent der von der Regierung geforderten Mittel betreffen
nicht-militärische Unterstützung, wie
etwa Nahrungsmittel, Kleidung, Arzneimittel und deren Transport. Zehn
Prozent sind für Munition vorgesehen.
Und dieser Teil der Forderung wird
bis zum 31. März ausgesetzt, um herauszufinden, ob die Sandinisten sich
wirklich an die im August in Guatemala und im letzten Monat in San Jose
abgegebenen
Versprechungen
halten,
unwiderrufliche Schritte in Richtung
auf Demokratie in Nicaragua zu unter-

�nehmen.
Um diesbezüglich zu einem
Urteil zu gelangen, hat der Präsident
sich dazu verpflichtet, die Präsidenten der vier mittelamerikanischen Demokratien persönlich zu konsultieren.
Im vergangenen November und auch
letzte Woche hat der Präsident darauf
hingewiesen, daß er im Rahmen der
Aufnahme
ernsthafter
Verhandlungen
zwischen dem nicaraguanischen Widerstand und der sandinistischen Regierung meinen Eintritt in regionale Gespräche mit Vertretern aller fünf
Länder, einschließlich Nicaraguas, in
Erwägung ziehen würde. Ich bin dazu
bereit, wenn die Bedingungen stimmen.
Als Außenminister engagiere ich
mich für Diplomatie und die Durchführung von Verhandlungen selbst unter
den widrigsten Umständen. Als Praktiker weiß ich auch, daß Verhandlungen nur dann ehrlich geführt werden,
wenn beide Seiten glauben, etwas gewinnen zu können. Die Preisgabe der
Strategie und der Menschen, die die
Kommmunisten in die Defensive getrieben haben - in Nicaragua und in Mittelamerika überhaupt zum ersten Mal
in zehn Jahren - wird keine weiteren
Fortschritte
hervorbringen.
Anhaltender Fortschritt in Richtung auf
Demokratie in Nicaragua und Frieden
in Mittelamerika hängt entscheidend
von fortgesetzter amerikanischer Unterstützung für den nicaraguanischen
Widerstand ab.

Andere regionale Konflikte
Ebenso wie das Zusammenspiel von
diplomatischer Beharrlichkeit und politischer Festigkeit der Rüstungskontrolle und den Friedensprozessen in
Mittelamerika Auftrieb verliehen hat,
haben sie unseren Gegner in anderen
Teilen der Welt vor Augen geführt,
daß Expansionismus und Aggression ih-

ren Preis haben.
Beharrlichkeit
und
Festigkeit
sind auch der Weg zum Frieden in Afghanistan. Wir werden weicerhin Pakistan Unterstützung leisten und Moskau drängen, seine Truppen unverzüglich abzuziehen. Wir müssen sicherstellen, daß die Bestimmungen des
Genfer Abkommens über den Rückzug
glaubwürdig
und verifizierbar
sind
und keine Gefahr für den Widerstand
bedeuten.
Wenn wir zu unserer Zufriedenheit feststellen können, daß
die Sowjets diese Bedingungen erfüllt
haben, sind die Vereinigten Staaten
bereit, als Garant für die Genfer Abkommen ebenfalls zu unterzeichnen.
Die Vereinigten
Staaten
stehen
weiterhin uneingeschränkt und unerschütterlich zu den Zielen, die das
afghanische Volk und seine Anführer
auf dem Schlachtfeld, im Exil in Pakistan und anderen Ländern eindeutig
und wiederholt umrissen haben:
Rascher Abzug der sowjetischen Truppen,
wirkliche Selbstbestimmung, Neutralität und Rückkehr der Flüchtlinge.
Der jüngste Aufruhr in der West
Bank und im Gazastreifen belegt, daß
der Status quo im Friedensprozeß des
Mittleren Ostens keine Option ist.
Es ist an der Zeit, diesen Prozeß neu
zu beleben, indem Arabern und Israelis gezeigt wird, daß Verhandlungen
ein besseres Leben für die Menschen
in den besetzten Gebieten hervorbringen können, Sicherheit und Wohlergehen der Israelis garantieren und den
Weg zu einer ausgehandelten Beilegung
des Konfliktes aufzeigen. Wir müssen
unsere
Aufmerksamkeit
weniger
auf
Verfahrensweisen als auf die Substanz
lenken, um den Menschen zu beweisen,
daß ihren realen Sorgen mit einer
Verhandlungslösung Rechnung getragen
wird. Wir werden in unseren Konsultationen mit den politisch Verant-

- 7 -

�wortlichen Israels und der arabischen
Gemeinde
energisch
vorgehen
und
gleichzeitig versuchen, dem Friedens-prozeß Auftrieb zu verleihen.
Internationale Bestrebungen zur
Beendigung des Krieges zwischen Iran
und Irak sowie die Stabilität im Persischen Golf bleiben Themenkomplexe,
die weiterhin für uns an erster Stelle stehen. Wir streben eine umfassende Lösung für die Feindseligkeiten
zu Land, zu Wasser und in der Luft
an. Die Resolution 598 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
stellt einen verläßlichen Rahmen zur
Beendigung des Krieges ohne Sieger
oder Besiegte dar. Es handelt sich
hierbei um ein ausgewogenes Dokument,
das Taten von beiden Kombattanten
fordert. Der Irak hat seine Zustimmung zur uneingeschränkten Einhaltung
seiner Bedingungen gegeben, wohingegen sich der Iran der Einhaltung vehement widersetzt. Der Sicherheitsrat muß rasch vorgehen und gegen die
Regierung in Teheran Sanktionen verhängen, da sie sich nicht an die Resolution hält. Wir und einige andere
Mitglieder des Rates führen nahezu
täglich Konsultationen in dem Versuch, im Rat Einstimmigkeit für ein
Waffenembargo gegen den Iran zu erzielen. Während wir die Kooperation
der Sowjetunion für ein Embargo anstreben, werden wir weiterhin zu unseren Sicherheitsverpflichtungen stehen, die wir unseren Freunden in der
Region gegenüber geleistet haben und
wir werden in jedem einzelnen Fall
Unterstützung suchen, um der Lieferung von Waffen in den Iran Einhalt
zu gebieten.
Wir werden ferner alle unsere
Verbündeten in Ostasien aktiv unterstützen. Dies beinhaltet auch Unterstützung für Präsidentin Aquino bei
der Führung ihrer Nation auf dem Weg
zur Demokratie und Ankurbelung des

Wirtschaftswachstums,
während
die
Philippinen sich im Kampf mit den
aufrührerischen kommunistischen Rebellen befinden.
Wir unterstützen
die ASEAN-Länder und die kambodschanische
nichtkommunistische
Widerstandsbewegung bei ihren Bemühungen,
eine politische Lösung des kambodschanischen Konflikts herbeizuführen.
Diese Lösung muß den Abzug der vietnamesischen Truppen aus Kambodscha
und Selbstbestimmung des kambodschanischen Volkes beinhalten. Die Republik Korea kann mit unserer uneingeschränkten Unterstützung für die
internationale
Verurteilung
Nordkoreas für seinen grausamen Terroranschlag auf Flug 858 der koreanischen
Fluggesellschaft im vergangenen November rechnen. Die Republik Korea
kann sich auf unsere Zusammenarbeit
bei der Ausrichtung der Olympischen
Spiele im Jahr 1988 in einer sicheren
Atmosphäre verlassen.
Im südlichen Afrika werden wir
unsere Bemühungen zur Erlangung einer
Verhandlungslösung
fortsetzen,
die
den Abzug aller ausländischen Streitkräfte aus Angola und Namibia sowie
die Unabhängigkeit Namibias im Einklang mit Resolution 435 der Vereinten Nationen umfaßt. In den vergangenen Monaten haben mehrere Treffen
mit der angolanischen Führung stattgefunden. Erst vor einer Woche haben
die Angolaner beim letzten dieser
Treffen erkannt, daß dies den vollständigen und nicht den teilweisen
Abzug kubanischer Truppen aus ihrem
Land bedeuten müsse, den sie zunächst
vorgeschlagen hatten. Um dies zu bestätigen, nahmen Vertreter der kubanischen Regierung kurz an den Gesprächen als Mitglieder der angolanischen
Delegation teil. Dies ist eine bedeutende Entwicklung, die auf eine
Beilegung des Konfliktes zwischen Angola und Namibia hoffen läßt. Wir
erwarten jetzt von den Angolanern die

- 8 -

�Unterbreitung konkreter und realistischer Zeitpläne für den Abzug der
kubanischen Truppen, damit wir den
Südafrikanern diesen Vorschlag vorlegen können.
Die Apartheid ist der Kern vieler
der gravierenden Probleme im südlichen Afrika. Wir streben die friedliche
und
rasche
Beendigung
der
Apartheid an und fördern Verhandlungen zwischen allen Parteien, die zur
Schaffung einer demokratischen Gesellschaft mit gleichen Rechten für
alle Südafrikaner führen werden. Wir
sind nach wie vor der Überzeugung,
daß dies am besten durch eine Mischung von diplomatischem und politischem Druck einerseits und eine
Reihe konstruktiver Initiativen andererseits erreicht werden kann, einschließlich
starker
Unterstützung
amerikanischer Programme, die darauf
ausgerichtet
sind, den Opfern der
Apartheid zu helfen und die schwarzen
Afrikaner zu befähigen, ihre eigene
friedliche
Befreiung
zu
erlangen.
Die Vereinigten Staaten werden jede
Gelegenheit wahrnehmen, um zur nationalen Aussöhnung unter den Südafrikanern beizutragen.
Die Vereinigten Staaten werden
die mit diesen und anderen Konfliktherden der Welt verbundenen Menschenrechtsfragen in den zuständigen Foren
der Vereinten Nationen aktiv verfechten.
Wir wollen sicherstellen, daß
in den Gremien der Vereinten Nationen
den Rechten des Einzelnen, dem Recht
der freien Meinungsäußerung, der Versammlungsfreiheit,
dem
Recht
der
freien Religionsausübung
sowie den
anderen Grundrechten größere Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Zusammenarbeit der Verbündeten und
Verbesserung der bilateralen Beziehungen
Während wir auf eine Lösung der
vordringlichsten
Probleme der Welt
hinarbeiten, müssen wir die Beziehungen mit den Verbündeten aufrechterhalten und vertiefen, die für unsere
nationale Sicherheit und die Grundlage unserer Außenpolitik unerläßlich
sind.
Im Verlauf der vergangenen
sieben Jahre hat die Solidarität der
Verbündeten unsere Verteidigungshaltung gestärkt und den Rüstungskontrollprozeß vorangetrieben. Vom 2. 3. März wird sich Präsident Reagan in
Brüssel zu einen Treffen der NATO
Außen- und Verteidigungsminister zur
Erörterung von Sicherheitsfragen nach
INF aufhalten und auf höchster Ebene
das Gefüge von Konsultationen zwischen den Verbündeten fortführen, das
uns bisher so gut gedient hat.
Die Zusammenarbeit zwischen den
Verbündeten bei der Kontrolle von Exporten strategischer Güter in die
Länder des Warschauer Paktes hat sich
in den vergangenen Monaten erheblich
verbessert. Auf einem höchst erfolgreichen Treffen in Versailles letzte
Woche haben wir und unsere C0C0MPartner die uneingeschränkte Unterstützung bei der tatkräftigen Durchsetzung strategischer Exportkontrollen bekräftigt und unter Beweis gestellt, daß multinationale Zusammenarbeit der wirksamste Weg zur Vermeidung von Verletzungen unserer gegenseitigen Sicherheit sind, wie sie im
Falle
Toshiba/Kongsberg
geschehen
sind.
Der jüngste Besuch von Premierminister Takeshita hat die fundamentale
politische und wirtschaftliche Stärke
unserer Beziehung mit Japan noch unterstrichen. Der Vertrag über gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit

- 9 -

�zwischen den Vereinigten Staaten und
Japan bildet die Grundlage, auf die
sich unsere Beziehung gründet und ist
ein Faktor, der entscheidend zur Sicherheit der asiatischen Pazifikregion beiträgt. Wir werden mit der
Regierung Takeshita an der Aufrechterhaltung des internationalen Wirtschaftswachstums
zusammenarbeiten,
indem wir die Handelshemmnisse abbauen, den Zugang zu den Märkten verbessern und uns protektionistischen Bestrebungen widersetzen.
Zusätzlich zu ihren Beziehungen
mit den NATO-Partnern und Japan unterhalten die Vereinigten Staaten
ebensogute Beziehungen mit anderen
asiatischen und pazifischen Nationen,
•vor allem
Thailand,
Korea, den
Philippinen und Australien. Symbolisch für die unverminderte Stärke
des Bündnisses zwischen den Vereinigten Staaten und Thailand ist die
Schaffung
des
Kriegsreservelagers,
mit dessen Hilfe amerikanische Militärgüter für den Einsatz bei einem
die Nation bedrohenden Notfall in
Thailand gelagert werden können. Unsere Sicherheitsbeziehungen mit der
Republik Korea, die sich auf den Vertrag zur gegenseitigen Sicherheit von
1954 gründen und durch die beständige
Notwendigkeit zur Abschreckung von
Aggression auf der koreanischen Halbinsel weiterhin Gültigkeit behalten,
sind nach wie vor stark und effektiv.
Auf den Philippinen stehen für
uns wirtschafts- und sicherheitspolitische Interessen ohnegleichen auf
dem Spiel.
Unsere beiden Länder
blicken auf seit langem bestehende
enge Beziehungen zurück und teilen
eine gemeinsame Tradition, die beständiger amerikanischer Unterstützung bedarf.
Ferner schützen die
amerikanischen Einrichtungen in Subic
Naval Base und Clark Air Base bilaterale und multilaterale Sicherheitsin-

teressen.
Im Südpazifik trägt der
ANZUS-Pakt weiterhin zur kollektiven
Stärke und Geltung des westlichen Systems
von
Verteidigungsbündnissen
bei. In Australien haben wir einen
entscheidenden Verbündeten, zu dem
das Verhältnis trotz unserer Aufhebung der Sicherheitsgarantien gegenüber Neuseeland ungestört und tragfähig ist.
Über
unsere
Bündnisbeziehungen
mit den asiatischen Staaten hinaus
haben die Verbindungen mit China einen neuen Grad der Reife erreicht und
wir werden weiterhin an noch ungelösten Themenkomplexen zwischen unseren beiden Ländern arbeiten. Im März
werden ich mit Außenminister Wu zusammentreffen, um Möglichkeiten für
eine erweiterte Zusammenarbeit in bilateralen Angelegenheiten und die
amerikanisch-chinesische
Zusammenarbeit bei der Lösung vordringlicher
Probleme mit internationalen Konsequenzen zu erörtern.

Weltweite Probleme
Im Jahr 1988 müssen wir die gemeinsamen internationalen Bestrebungen zur Bewältigung anderer Probleme
mit weltweiten Auswirkungen verstärken.
Im wirtschaftlichen Bereich sehen
wir uns im In- und Ausland mit großen
Herausforderungen konfrontiert, denen
wir mit der entschiedenen Verpflichtung zu marktorientierten Maßnahmen
begegenen müssen. Wir müssen unseren
Widerstand gegen Protektionismus aufrechterhalten.
Ebenso wie mit dem
Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada und unseren weitreichenden GATT-Vorschlägen
müssen wir einen Weg wählen, der
Märkte öffnet und das materielle
Wohlergehen
aller
Handelsnationen

- 10 -

�steigert.
Wir erwarten die rasche
Unterzeichnung des Freihandelsabkommens durch den Senat.
Die Weltwirtschaft befindet sich
in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Neue Technologien und die
Revolution im Informationswesen versprechen, entwickelten und unterentwickelten Ländern gleichermaßen eine
Gelegenheit
zu beispiellosem wirtschaftlichem Fortschritt zu bieten.
Amerika und andere offene Gesellschaften sind in einer guten Verfassung, um aus den derzeit stattfindenden Veränderungen das Beste zu machen.
Aber zunächst müssen wir auf
das gegenwärtige Ungleichgewicht in
der Weltwirtschaft eingehen, das unsere glänzende Zukunft bedrohen könnte. Wir werden Maßnahmen erarbeiten,
die den Märkten beim Ausgleich der
internationalen Handelsstrukturen Unterstützung
gewähren,
Finanzströme
stabilisieren und schwere Rückschläge
beim stabilen Wirtschaftswachstum und
freierem Handel vermeiden.
Wir müssen ebenfalls weiterhin
die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von Freunden und Verbündeten
in Latein-Amerika, Afrika, Asien und
dem
Mittleren
Osten
unterstützen.
Die uns dabei zur Verfügung stehenden
Hilfsmittel umfassen bilaterale finanzielle und technische Unterstützung, Ausbildungsprogramme und tatkräftige Hilfestellung bei der wichtigen Arbeit multilateraler Instituttonen, wie der Weltbank, den regionalen Entwicklungsbanken, dem Internationalen Währungsfonds, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, UNICEF, und den einzelnen
spezialisierten Unterorganen der UNO.
Entscheidend
für das Erreichen
unserer Ziele auf den Gebieten Sicherheit, Wirtschaft und humanitäre
Fragen ist ein gerechtes und andau-

erndes Wachstum in den Entwicklungsländern. Dazu sind interne strukturelle Veränderungen in den Volkswirtschaften der Entwicklungsländer ebenso erforderlich wie Hilfe von außen,
die Handel, Kapitalfluß und Austausch
von
Technologie
begünstigt.
Wenn
dies geschieht, bestehen gute Aussichten auf eine Fortsetzung des in
den vergangenen Jahren zu beobachtenden gesunden Trends einer Stärkung
der
demokratischen
und
marktwirtschaftlich orientierten Institutionen
in der ganzen Welt.
Wir werden unsere aufrichtige und
entschlossene Hilfe für die neuen Demokratien
in
Latein-Amerika,
SüdKorea, den Philippinen und anderswo
bei deren Streben nach größerer innenpolitischer Stabilität fortsetzen.
Wir müssen anerkennen, daß die Errichtung demokratischer Institutionen
ein langsamer und oftmals anfälliger
Vorgang ist. Und dennoch ist in der
ganzen Welt ein steigender Trend zur
Demokratie in beeindruckendem Umfang
zu beobachten, womit
amerikanische
Werte und die Wirksamkeit unserer Politik erneut bestätigt wird.
Wir werden unsere entschiedenen
Anstrengungen
gegen
internationalen
Drogenschmuggel und Terrorismus energisch vorantreiben, und ich kann Ihnen versichern, daß wir diesen Themen
auch weiterhin eine hohe Priorität in
der Außenpolitik einräumen.
Diese Probleme von globaler Tragweite eignen sich nicht für einfache
einseitige Lösungen, sondern erfordern im Gegenteil eine beständige
multilaterale
Zusammenarbeit.
Die
Vereinten Nationen und ihre spezialisierten Unterorgane tragen zur Lösung
zahlreicher gemeinsamer Probleme in
der Welt bei, wie beispielsweise Drogenmißbrauch,
Luftpiraterie,
AIDSForschung, um nur einige zu nennen.

- 11 -

�Wir müssen unsere tatkräftige Unterstützung für diese Institutionen aufrechterhalten, und gleichzeitig unser
Streben nach bedeutenden Reformen des
UN-Systems zur Bereitstellung von
Mitteln fortsetzen.

einkunft gewährt unserem Etat für die
Außenpolitik im Haushaltsjahr 1988
nur wenig mehr Mittel als das sonst
der Fall gewesen wäre. Aber unser
Haushalt ist immer noch eine dürftige
und unbewegliche Angelegenheit.

Um es zusammenzufassen:
dies
wird ein außerordentlich arbeitsintensives Jahr:
damit im gesamten
Spektrum außenpolitischer Themen so
viele Fortschritte wie möglich erzielt werden; um das Erreichte, wo
wir nur können, zu verfestigen; um
sich intensiv mit anhaltenden Problemen zu befassen, wie wir dies müssen;
und um neue Initiativen zu ergreifen,
wo diese nützlich und vielversprechend scheinen. Ich werde mich jetzt
der praktischen Frage nach den erforderlichen Mitteln zur Erreichung unserer Ziele zuwenden.

In den kommenden Wochen werden
wir dem Kongreß einen Vorschlag über
die von uns beantragten Mittel für
die Außenpolitik
im Haushaltsjahr
1989 vorlegen.
Unsere Veranlagung
wird Sie nicht überraschen. Obwohl
ich die einzelnen Zahlen jetzt mit
Ihnen nicht besprechen kann, da der
Haushalt erst in zwei Wochen vom
Weißen Haus formell veröffentlicht
wird, genügt es wohl, wenn ich sage,
daß er sehr sparsam ausfallen und
sich an das Abkommen vom Haushaltsgipfel halten wird.

Der Haushalt für das Außenministerium 1988
Als wir im vergangenen Jahr um
diese Zeit zusammenkamen, habe ich in
aller Ausführlichkeit über die uns
durch den Haushalt für das Außenministerium auferlegten Probleme der Mittelvergabe gesprochen.
Etatprobleme
spielen tatsächlich immer noch eine
so große Rolle, daß ich nicht den
Gipfel mit Gorbatschow, sondern den
Haushaltsgipfel meine, wenn ich in
Gesprächen mit meinen Kollegen den
"Gipfel 1987" anspreche.
In den vergangenen Monaten beteiligten sich Außenministerium und Kongreß an einer intensieven und engen
Zusammenarbeit mit Exekutive und Legislative, um das Defizit beim Bundeshaushalt auf eine Weise abzubauen,
die unseren außenpolitischen Interessen keinen Schaden zufügt. Wir haben
Fortschritte erzielt.
Die während
des Haushaltsgipfels erzielte Über-

Wenn Sie Gelegenheit hatten, unseren Haushaltsentwurf und die Regierungsanhörungen zu unseren Vorschlägen zu prüfen, werden Sie nach meiner
Überzeugung mit mir übereinstimmen,
daß wir uns die Programme, die wir
unterstützen und die Mittel, die wir
zu ihrer Durchführung brauchen, sehr
genau angesehen haben. Unter Einbeziehung der erwarteten Inflation wird
die Kaufkraft unseres vorgeschlagenen
Haushalts sogar etwas geringer ausfallen als im laufenden Jahr, in dem
bereits eine erhebliche Kürzung gegenüber dem Niveau vergangener Jahre
verzeichnet wurde. Mit weniger Mitteln können wir es nicht schaffen.
Wir hätten gerne mehr gehabt.
Ich möchte klarstellen, daß der
zurückhaltende Haushaltsentwurf, den
wir vorgeschlagen haben, um den Forderungen des Haushaltsgipfels gerecht
zu werden, keine Einengung des Umfangs unserer außenpolitischen Interessen, der Stärke unserer Verpflichtung gegenüber Freunden, Verbündeten
und dem internationalen System, oder

�der Summe von Mitteln, die wir für
die
Durchführung
dieser
Interessen
und zur Erreichung dieser Verpflichtung notwendig erachten, widerspiegelt.
Unsere knappe Anforderung ist
das
Ergebnis
eines
beunruhigenden
Kompromisses zwischen unseren minimalen außenpolitischen Notwendigkeiten
und unserer Einsicht, daß wir unseren
Teil zum Abbau des Haushaltsdefizits
beitragen müssen. Wir können jedoch
unsere Interessen nicht verteidigen
und unsere wesentlichsten Verpflichtungen nicht erfüllen, ohne die angemessenen Mittel und die Beweglichkeit
zu besitzen, um sie zur Erlangung unserer höchsten Bedürfnisse von Priorität anzuwenden.
Im Gegenzug brauchen wir auf Ihrer Seite die Bereitschaft im Kongreß, der Exekutive den von uns benötigten Spielraum einzuräumen, um die
sehr
beschränkten
Mittel
effektiv
einzusetzen.
Ich will hier nicht in
Frage stellen, daß der Kongreß den
Geldhahn
kontrolliert.
Und
doch
sind, wie Sie wissen, die laut Kongreßunterlagen bereitgestellten Mittel vom Kongreß fast ausschließlich
für bestimmte Länder oder Programme
vorgesehen - 97 Prozent im Falle des
Wirtschaftsunterstützungsfonds und 99
Prozent für die auswärtigen Militärverkauf sprogramme.
Damit bleibt uns
kein Spielraum für die Vergabe angemessener Mittel an Länder, die uns
wichtige Stützpunkte und andere Verteidigungsanlagen zur Verfügung stellen, wie beispielsweise Kenia, Somalia, Portugal und die Türkei.
Und
damit bleiben so gut wie keine Mittel
für die Unterstützung der Sicherheit
so wichtiger Länder wie Bolivien,
Equador, der Dominikanischen Republik, Jamaika und Indonesien.

politischen
Interessen
vorantreiben
wollen, benötigen wir zur Gewährung
der von Ihnen bewilligten Gelder eine
größere Beweglichkeit innerhalb der
Struktur des Haushalts.
Die übertriebene Zweckbestimmung, die diese
Haushaltsfortschreibung
charakterisiert, und die Vielzahl der sie begleitenden Änderungen im Hinblick auf
Abläufe der Außenpolitik und Arbeitsvorgänge Außenministeriums sind keineswegs
unbedeutendere
Hindernisse.
Wenn diese beibehalten werden, bedrohen sie die Fähigkeit der Exekutive
zur Durchführung der Außenpolitik des
Landes.
Wir wissen, daß die Exekutive ihren Teil zur Erlangung der benötigten
Beweglichkeit
beitragen
muß.
Wir
müssen das Vertrauen des Kongresses
erhöhen, daß wir unsere finanziellen
Mittel gründlich und wirkungsvoll zur
Verwirklichung gemeinsamer Ziele verwalten.
Und
das
Außenministerium
würde Konsultionen mit dem Kongreß zu
diesem Zweck begrüßen.

Überparteiliche Zusammenarbeit
Während meines Amtes als Außenminister war ich ein energischer und
vernehmbarer Befürworter dreier Dinge
in der Außenpolitik.
Ich hoffe, aus
den Unterlagen wird hervorgehen, daß
ich meine heutigen Worte in die Tat
umgesetzt habe. Meiner Meinung nach
lauten die drei Wesensmerkmale jeder
erfolgreichen
außenpolitischen
Initiative:
- Klarheit der Absicht,
- Machterhaltung, und
- Unterstützung von allen Seiten.

Wenn wir das Haushaltsdefizit abbauen wollen - was wir tun müssen und unsere - lebenswichtigen - außen-

Darum war und bin ich ein ein
energischer und klarer
Befürworter

- 13 -

�von bedeutungsvollen Konsultationen
zwischen dem Kongreß und der Regierung.
Gegen Ende des vergangenen
Jahres haben einige Mitglieder des
Kongresses die Notwendigkeit einer
verstärkten überparteilichen Zusammenarbeit in der Außenpolitik betont.
Ich habe ihren Ansatz unterstützt.
Und ich bin nach wie vor bereit, in
diesem Jahr alles in meiner Macht
stehende zu tun, um die Grundlage für
echte überparteiliche Zusammenarbeit
zu schaffen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
10. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BABBITTS VISION IN SEINER HEIMATSTADT UND IHREN WERTEN VERWURZELTt
Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten B. Babbitt

WASHINGTON - (AD) - Bruce Babbit ist ein Präsidentschaftskandidat, über
den viele Amerikaner nur wenig wissen; dennoch weiß er, was er für die Amerikaner vollbringen will.

Babbitts Vision für Amerika geht
auf seine Wurzeln zurück: "die Stadt,
in der ich aufgewachsen bin, die Werte, die ich gelernt habe und die Menschen und Orte, die ich im Laufe der
Jahre kennengelernt habe.
Er glaubt
an die "einfachen
Grundsätze", nach denen seine Familie
als Siedler im Norden Arizonas gelebt
hat: "Arbeite hart, tue das Richtige
und setze Dich für die Dinge ein, an
die Du glaubst".
Der

49jährige

Rechtsanwalt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Babbitt, der sich selbst als "Kandidaten
ohne
spezifische
Wählerschaft" bezeichnet, führt seine Wahlkampagne für die Nominierung als Kandidat der Demokraten in einem Stil
durch, den sein Pressesprecher als
"Einsatz für Offenheit" charakterisiert.
Babbitt prognostiziert ein Amerika, das von einem Präsidenten angeführt wird, der bereit ist, "mit althergebrachten Ansätzen auszuräumen,
die unsere Politiker lähmen", ein
Präsident, dessen Führungsrolle das

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�"bedeutet, was das Wort ausdrückt,
der auch danach handelt und die Konsequenzen trägt".
Seine Botschaft ist wirtschaftspolitisch ausgerichtet. Der nächste
amerikanische
Präsident
muß
uns
Babbitt zufolge "die verschiedenen
Wege aufzeigen, mit denen die amerikanische Produktivität Auftrieb erfahren kann. Er muß das sogar tun,
wenn nicht jede Interessengruppe einen solchen Wandel befürwortet. Dies
ist der einzige Weg, damit Amerika
seine Wirtschaft - und seine Zukunft
- in den Griff bekommt".
Babbitt erklärt, er wolle die
amerikanische Wirtschaft von Grund
auf umstrukturieren, so daß sie eine
Wirtschaft wird, "die ihre Gewinne
und Verluste unter all denen aufteilt, die sie verursacht haben", und
ebenso eine Wirtschaft, die echte
Produktivität "belohnt".
Zur Verbesserung der amerikanischen
Wirtschaft
spricht
sich
Babbitt für Steuererhöhungen und für
Beschränkungen bei Leistungsansprücben und umfangreichen Sozialprogrammen aus, die feste oder fortwährenbd
steigende Beträge auszahlen. Er würde die Bundesregierung durch Überprüfung der Sozialausgaben nach Bedürftigkeit schrumpfen lassen, so daß den
Armen mehr zufällt als der Mittelklasse. Er würde die Steuern auf Sozialleistungen für Ehepaare mit einem
Einkommen von mehr als 32 000 Dollar
im Jahr erhöhen. Er würde eine Konsumsteuer von fünf Prozent erheben,
die praktisch einer nationalen Verkauf ssteuer
gleichkommt,
von
der
Grundbedürfnisse wie etwa Nahrungsmittel ausgenommen wären.
Um einen ausgeglichenen Handel
herbeizuführen, glaubt Babbitt daran,
daß "der Gesamtwert dessen, was man
- 2

in der Welt verkauft, dem Gesamtwert
dessen, was man einkauft, gleichkommen muß". Und er würde dieses Konzept des "Ausgleichs" auf den amerikanischen Haushalt anwenden. Babbitt
zufolge kann "der Staat nicht alles
für jeden leisten".
Auf internationaler Ebene würde
ein Weißes Haus unter Babbitt "vertrauensvoll nach draußen schauen,
weil die Welt auch auf uns schaut".
Ein Amerika unter Babbitt würde
Terroristen bestrafen.
"Wenn ein
Land Amerikaner umbringt und Amerikaner gegen ihren Willen gefangenhält, dann muß dieses Land dafür zahIen .
it

Was die Sowjets betrifft, so betrachtet Babbitt diese als mächtige
und gefährliche Gegner. "Die Werte
ihrer Politiker haben wenig mit den
unsrigen gemein", so hat er einmal
erklärt, "aber wir sollten uns auch
darüber klar werden, daß die Bedingungen unseres Wettbewerbs - ein
Kampf um Loyalitäten vieler Menschen
auf dieser Welt - ganz klar zu unserem Vorteil ausfallen".
Insgesamt
gesehen
gibt
sich
Babbitt sachkundig.
"Amerika darf
nicht Waffenhändlern unsere Diplomatie, Terroristen unsere Sicherheit,
Glücksspielern unsere Abteilung Mittelamerika, japanischen Händlern unsere Märkte und Amateuren das Weiße
Haus überlassen.
Ich möchte, daß
Amerika sich wieder um all dies kümmert".
Babbitt wurde 1938 geboren und
besuchte die Notre Dame University,
die er 1960 mit dem B.A. in Geologie
abschloß. Nach dem Erwerb eines M.A.
in Geophysik
an der Universität
Newcastle in England schrieb er sich
an der Harvard Law School ein.

�Babbitt kombinierte sein Studium
der Rechtswissenschaften mit Sommeraufenthalten in Südamerika, zunächst
mit einer auf kommunaler Ebene arbeitenden Gruppe im Caracas, Venezuela,
später als Leiter eines studentischen
Work Camps in den peruanische Anden.
Er kehrte 1965 zurück und machte sein
Examen in Rechtswissenschaften.
In
den Tagen von Martin Luther Kings
Kampagne für Bürgerrechte in Selma,
Alabama, nahm er gemeinsam mit Dr.
King an Kundgebungen teil.
Nach Abschluß seines Studiums arbeitete Babbitt als Rechtsanwalt im
Amerikanischen Büro für Wirtschaftsförderung.
1969 eröffnete er eine
Kanzlei in Arizona, wo er sich im
Kampf gegen Betrügereien mit Land,
öffentliche Korruption und das organisierte Verbrechen einen Namen machte. Er arbeitete ferner daran, das
Wahlrecht für die Navajo-Indianer
durchzusetzen.
Babbitt
heiratete
seine Frau Harriet, eine Prozeßanwältin, im Jahre 1969. Die Babbitts haben zwei Jungen.
Babbitt wurde im Jahr 1975 zum
Staatsanwalt
von Arizona gewählt.
1978 wurde er Gouverneur, als der amtierende Gouverneur zurücktrat und
dessen Nachfolger starb. Später wurde Babbitt selbst in dieses Amt gewählt. Als Gouverneur gelang Babbit
der Ausgleich des Haushalts in seinem
Staat, er weigerte sich, Probleme nur
mit Geld zu lösen und drängte die republikanisch beherrschte Legislative,
die Gesundheitsversorgung für die Armen zu verbessern, gleichzeitig die
Steuern auf einem niedrigen Stand zu
halten und die Wirtschaft zu deregulieren. Es heißt, daß Babbitt große
Leistungen bei der Bewältigung von
Detailfragen vollbracht hat, indem er
sich auf diese konzentrierte und sich
darüber informierte.
*****
- 3 -

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s

?&gt;

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
10. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DUKAKIS FAVORISIERT LIBERALISMUS UND VORSICHTIGE STEUERPOLITIK
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Michael Dukakis -

WASHINGTON - (AD) - Michael Dukakis ist Gouverneur von Massachusetts, der
vielfach als liberalster Staat der Nation bezeichnet wird. Es überrascht
nicht, daß er In vielen Bereichen, insbesondere der Außenpolitik, eine klassisch liberale Denkweise verfolgt.

Sein Liberalismus macht ihn zu
einer Kraft, auf die man in seinem
Heimatstaat wie auch im Rahmen demokratischer Parteipolitik im ganzen
Land zählen kann. Auf beiden Ebenen
haben in den vergangenen Jahrzehnten
liberale Aktivisten starken Einfluß
ausgeübt.
In der nationalen Politik muß
sich der Einfluß des Liberalismus auf
die gesamte amerikanische Wählerschaft von 1988 erst noch zeigen.
Die meisten Meinungsumfragen weisen
darauf hin, daß die Wählerschaft als

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Ganzes erheblich konservativer ist
als der linke Flügel der Demokratischen Partei.
Darüber hinaus vertreten die meisten Gegner von Dukakis bei den Vorwahlen der Demokraten im Großen und
Ganzen eine ähnliche Position wie er.
Eine Frage, die er noch beantworten
muß, lautet: Was hat er, was die anderen nicht haben? Eine weitere Frage ist, ob der Anflug von Vorsicht,
den er als Gouverneur bei der Steuerpolitik hat walten lassen, ihn mit
einigen liberalen Gruppen in Konflikt

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�geraten läßt, die mehr Investitionen
für heimische Sozialprogramme befürworten.
Dukakis innenpolitisches Programm
umfaßt im Falle seiner Wahl zum Präsidenten innovative Lösungen für nationale
Wirtschaftsprobleme,
einschließlich der Kooperation zwischen
Regierung und Industrie.
Er fordert die verbesserte Durchsetzung des Einkommenssteuergesetzes,
mit dem, wie einige sagen, im Jahr 40
Milliarden Dollar an zusätzlichen
Steuereinnahmen gewonnen würden.
Er hat ebenfalls starkes Interesse an der Verbesserung des Krankenversicherungssystems für alle amerikanischen Bürger - einem vielbeachteten sozialen Problem - bekundet.
Bei der Außenpolitik hält Dukakis
die Beschneidung von Forschungsmitteln für Präsident Reagans Strategische Verteidigungsinitiative, die
Abschaffung oder Einschränkung von
Programmen für Interkontinentalraketen und eine verringerte Aufrüstung
bei den amerikanischen Seestreitkräften für erforderlich.
Er ist gegen die Finanzierung des
anti-sandinistischen Widerstandes in
Nicaragua und betrachtet ein starkes
amerikanisches
Wirtschaftshilfeprogramm in der Region als Mittel zur
Bekämpfung des Kommunismus in Mittelamerika.
Im Mittleren Osten spricht er
sich gegen die fortgesetzte Umflaggung kuwaitischer Handelsschiffe von
Seiten der Amerikaner aus, befürwortet ein Handelsembargo gegen Iran und
Irak
und
unterstützt
erhebliche
Hilfsleistungen an Israel und Ägypten.
Dukakis hat erklärt, er befürwor-

te den Abzug amerikanischer Truppen
aus Korea, bis sich die Menschenrechtslage verbessert hätte, sieht
jedoch in jüngster Zeit dort Fortschritte.
Als Sohn fleißiger und erfolgreicher griechischer Emigranten scheint
Dukakis von Jugend an seiner Bestimmung für ein Regierungsamt sicher gewesen zu sein.
Dukakis zeichnete sich bereit in
der High School als Führungspersönlichkeit aus und besuchte Anfang der
fünfziger Jahre Swarthmore, ein kleines, aber angesehenes College mit
philologischer Ausrichtung in der Nähe von Philadelphia.
Genau zu dieser Zeit wirkte Senator Joseph McCarthys Jagd auf Kommunisten in der amerikanischen Regierung auf eine Generation von Intellektuellen abschreckend und provozierte heftige liberale Gegenreaktionen an vielen Colleges.
In Swarthmore war Dukakis als Liberaler aktiv. Bei einer Gelegenheit
schnitt er schwa rzen Studenten die
Haare, als ortsansässige Friseure
dies verweigerten.
Nach dem College und einem kurzen
Aufenthalt in der amerikanischen Armee besuchte er die Harvard Law
School und wandte sich bald In den
Außenbezirken von Boston der Politik
zu.
1962 wurde er für einen Sitz im
Repräsentantenhaus von Massachusetts
mit einem Programm der "guten Regierung" gewählt.
1970 bewarb sich Dukakis im Staat
Massachusetts für das Amt des Vizegouverneurs und verlor. Vier Jahre
später kandidierte er für das Amt des

- 2 -

�Gouverneurs und gewann diese Wahl.
Als Gouverneur kosteten ihn seine
Redlichkeit und seine intellektuellen
Denkansätze im Regierungsamt paradoxerweise
einige Unterstützung.
Er
brach mit der Tradition, indem er
sich weigerte, zahlreiche Regierungsämter mit Wahlkampfheifern zu besetzen und stellte statt dessen Fachleute ein, woraufhin sich einige seiner
Verbündeten gegen ihn stellten.
Darüber hinaus sah er sich gezwungen, die Ausgaben zu kürzen und
Steuern zu erhöhen, um dem Staat
steuerpolitisch eine stabile Grundlage zu verschaffen.
Im Jahr 1978 hatte er die Liberalen durch seine Ausgabenpolitik und
die Konservativen durch sein liberales Programm verschreckt.
In diesem
Jahr verlor er die Wahl an einen Gegner der Republikaner.
Entmutigt
besuchte Dukakis die
Kennedy
School
of
Government
in
Harvard, aus der er als pragmatischerer und ruhigerer Politiker hervorging, mit einer positiveren Haltung
zum privaten Unternehmertum.
Er erklärte, in seiner ersten
Amtszeit "jung und ungestüm" gewesen
zu sein und wurde 1982 erneut zum
Gouverneur gewählt.
Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit
übernahm Dukakis die Macht in einem
Staat, dem ein wirtschaftlicher Aufschwung bevorstand.
Viele Beobachter führen den Boom
auf verschiedene Gründe zurück:
die
Wirtschaftspolitik
der
Reagan-Ära;
die Tatsache, daß Massachusetts bereits eine ausgezeichnete, aber nicht
ausreichend genutzte wirtschaftliche
Grundlage hatte, die für Wachstum

prädestiniert
war;
eine
geringe
Grundsteuer, gegen die sich Dukakis
zwar aussprach, die ihm jedoch von
seinen Wählern aufgezwungen wurde sowie Dukakis eigene Politik als Gouverneur.
Auf jeden Fall hat Dukakis wie
jeder Gouverneur von dem aufkeimenden
Wachstum des Staates und seiner niedrigen Arbeitslosenquote (ca. 3,2 Prozent) profitiert und erarbeitet gegenwärtig
ein nationales
Programm,
dem der wirtschaftliche Erfolg von
Massachusetts zugrundeliegt.
Dukakis geht in seiner Kampagne
der Ruf der Integrität voraus, er
gilt
als
steuerpolitisch
redlich,
verfolgt bei Problemen einen rationalen geschäftsmäßigen Ansatz, und seine Auffassung ist im allgemeinen liberal.
Damit wird er sicherlich erhebliche Unterstützung bei den Vorwahlen
der Demokratischen Partei gewinnen.
Die Frage ist, ob er diese bei den
Vorwahlen auch auf konservative demokratische Wähler und bei der allgemeinen Wahl auch auf alle Amerikaner
ausdehnen kann.
Darüber hinaus gilt Dukakis bei
vielen als reserviert, ein Nachteil
zu einer Zeit, in der der Erfolg einer politischen Kampagne vom Fernsehimage eines Politikers abhängen kann.
Um landesweite Unterstützung zu
gewinnen, wird er "den Durchschnittsamerikaner" davon überzeugen müssen,
daß er kein engstirniger Theoretiker
und genügend pragmatisch, realistisch
und zäh ist, um die Interessen des
Landes im Ausland zu vertreten.

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

10. Februar 1888

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
HART:

MANN DER IDEEN STREBT ENERGISCH NACH DEMOKRATISCHER NOMINIERUNG

- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Gary HartWASHINGTON - (AD) - Trotz seiner persönlichen Probleme, Über die in allen
Medien ausführlich berichtet wurde, ist Gary Warren Hart der New York Times
zufolge dennoch "eine der intelligentesten Persönlichkeiten in der amerikanischen Politik".

Seine Kandidatur für die Präsidentschaft kündigte er mit den Worten
an: "Ideen besitzen Macht. Im Grunde sind Ideen die Quintessenz des Regierens." Sein Programm faßt er in
drei Worten zusammen:
investiere,
reformiere und engagiere Dich.

aufzubauen.

Hart fordert das Streben nach einer "strategischen Investitionswirtschaft", um die Wirtschaft "wiederzubeleben" und Schulen, Fabriken, landwirtschaftliche Betriebe, Forschungszentren, Energieproduktion und öffentliche
Dienstleistungen
wieder

In der Außenpolitik fordert der
Kandidat eine Politik des "aufgeklärten Engagements". Demnach müssen die
Vereinigten Staaten die Führung in
einer Welt übernehmen, in der, wie er
erklärt, "wir unseren Willen selten
anderen aufzwingen können".
Isola-

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Er propagiert die Idee einer militärischen Reform und ruft zu einer
starken und gleichzeitig kostengünstigen Verteidigung mit preiswerteren
und wirkungsvolleren Waffen.

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�tionismus lehnt er ab. Er glaubt an
die dringende Notwendigkeit, dem sowjetischen Expansionismus Einhalt zu
gebieten und fügt hinzu, daß "wir ein
Ende von Moskaus Streben nach Hegemonie wahrscheinlich nicht erleben."
Zu Fragen der Dritten Welt erklärt Hart: "Wenn wir die Entwicklungsländer für ihren Aufbruch zur
Selbstbestimmung gewinnen, wird sich
Amerikas Sicherheit erhöhen."
Nach Harts Auffassung sollte die
Wirtschaftspolitik genutzt werden, um
Amerikas Bündnisse zu stärken.
Er
drängt ebenfalls auf die Übernahme
einer "Führungsrolle" durch die Vereinigten Staaten bei der Überwindung
von Handelsungleichgewichten.
Wenn
ein Land unfaire Handelspraktiken anwendet, so Hart, sollten automatisch
Sanktionen verhängt werden.
Hart war gegen die Entwicklung
der MX-Rakete und die Strategische
Verteidigungsinitiative.
Er unterstützte die Verhandlungen über den
SALT II-Vertrag und hat sich für den
INF-Vertrag ausgesprochen.
Hart zufolge muß der nächste Präsident dem Abbau der amerikanischen
Staatsverschuldung eine hohe Priorität einräumen. Er muß ebenfalls danach streben, die Bedrohung zu beseitigen, die durch den möglichen Einsatz nuklearer Waffen gegeben ist,
und muß das beste Bildungssystem in
der Welt aufbauen.
In der Bildungspolitik fordert
Hart eine Leistungsprüfung für Lehrer. Er befürwortet Anreize des Bundes für Lehrer, damit diese mit wirtschaftlich benachteiligten Schülern
arbeiten, sowie die Schaffung eines
Dienstes zur Unterrichtung der Analphabeten. Der Kandidat würde ebenfalls gerne das Studium von Fremd-

sprachen und Ingenieurwesen ankurbeln.
Harts Bewerbung um das Amt des
Präsidenten wurde zu einem langwierigen Prozeß. Dies ist sein zweiter
Versuch, ins Weiße Haus zu kommen.
Als er sich 1984 mit einem Programm
der "neuen Ideen" bewarb, lag er als
zweiter dicht hinter dem von den Demokraten nominierten Walter Mondale.
Im April des Jahres 1987 verkündete Hart abermals seine Kandidatur.
Eine
nationale
Unterstützung
auf
breiter Basis und, wie die Washington
Post es beschrieb, eine "klare Aussage" verliehen seiner neuen Kandidatur
zusätzlichen Auftrieb.
Die Kandidatur des ehemaligen
Spitzenreiters unter den Demokraten
wurde wesentlich von seinem Privatleben bainträchtigt. Nach zweimaliger
Trennung von seiner Frau, mit der er
seit 30 Jahren verheiratet ist, wurde
Hart von Gerüchten und Gerede über
außereheliche Affären und Frauengeschichten
während
der
15jährigen
Amtszeit in öffentlichen Ämtern bedrängt.
Er wurde wiederholt hierzu befragt und forderte Journalisten im
Frühjahr 1987 schließlich auf, ihm
nachzustellen.
"Wenn mich irgendjemand beschatten möchte, soll er nur
weitermachen;
er wird sich sehr
langweilen." Journalisten, die daraufhin Harts Washingtoner Stadtwohnung beobachteten, fanden Zug um Zug
heraus, daß Hart eine Beziehung zu
Donna Rice unterhielt, einem Fotomodell aus Miami. Es gab ebenfalls Berichte über eine lange Beziehung mit
einer anderen Frau in Washington.
Unter den intensiven und forschenden Blicken der Presse verlor
Hart viele seiner Sympathisanten. Er
stieg aus dem Wahlkampf aus und kehr-

- 2 -

�te nach Colorado zurück.
Nach
sechsmonatiger
politischer
Abstinenz erklärte Hart im Dezember
1987, daß er für die Präsidentschaft
"wieder im Rennen ist" und fügte hinzu:
"Ich habe die Macht der Ideen
und ich kann dieses Land regieren."
Er gab an, sich verkalkuliert zu haben und zuvor besser nicht aus dem
Rennen gegangen zu sein.
Hart erklärte, er sei zur Rückkehr in den Wahlkampf 1988 veranlaßt
worden, weil die für Amerika benötigten "neuen Ideen" und die "neue Richtung" von keinem anderen die demokratische Nominierung anstrebenden Kandidaten geliefert würden.
"Laßt das
Volk über das Schicksal meiner Kandidatur entscheiden," erklärte er.
Hart, der vor seinem Ausstieg aus
dem Rennen der am meisten bekannte
Kandidat der Demokraten war, gehörte
nach seinem Wiedereintritt
in den
Meinungsumfragen zu den führenden Bewerbern. Seitdem hat sich seine Position verschlechtert. Einer im späten Januar durchgeführten Meinungsumfrage zufolge liegt er unter den sieben
demokratischen
Kandidaten
auf
Platz vier.
Harts
Wahlkampagne
ist
durch
jüngste
Anschuldigungen
beeinträchtigt worden, wonach sein Wahlkampf
ein Bundeswahlgesetz verletzt hätte,
das Beitragszahlungen von Unternehmen
und Einzelpersonen über 1 000 Dollar
verbietet. Harts Wahlkampfleiter erklärte hierzu, Hart habe keine Kenntnis über Beitragszahlungen, die über
die gesetzlich zulässige Summe hinausgingen.
Hart wurde als Mann des Mittleren
Westens in Ottawa, Kansas, im Jahr
1936
geboren.
Er
besuchte
das
Bethany Nazarene College (mittlerwei-

le als Southern Nazarene University
akkreditiert) in Oklahoma, wo er zum
Pfarrer in der Nazarene Kirche ausgebildet wurde, einer protestantischen
Konfession. Hart traf seine Frau Lee
in Bethany, und sie heirateten im
Jahr 1958.
Im gleichen Jahr schrieb er sich
in der Yale Divinity School ein, wo
er
als
freiwilliger
studentischer
Mitarbeiter während
des Präsidentschaf tswahlkampfs John F. Kennedys im
Jahr 1960 tätig war. Später schrieb
er sich an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Yale Universität
ein und legte 1964 sein Examen ab.
Beim amerikanischen Justizministerium
war er zunächst als Anwalt tätig und
danach als Assistent von Innenminister Steward Udall.
Hart kehrte 1967 nach Denver zurück, um seinem Beruf als Rechtsanwalt nachzugehen.
Er war ebenfalls
beim Präsidentschaftswahlkampf Robert
Kennedys 1968 tätig.
1970 wurde er zum Leiter des Präsidentschaftswahlkampfes des demokratischen
Herausforderers
George
McGovern im Jahr 1972 bestellt. Nach
dem erfolglosen Wahlkampf McGoverns
kehrte Hart nach Colorado zurück, wo
er bis zur Wahl in den amerikanischen
Senat im Jahr 1974 seinem Beruf nachging. Dort war er über zwei Amtsperioden von je sechs Jahren tätig,
während derer er aktiv in den Ausschüssen für Haushalts-, Umwelt- und
Arbeitsbeschaffungsfragen mitarbeitete.
Hart trat im Alter von 44 Jahren
als Oberleutnant zur See in die Marine-Reserve ein.
Er hat fünf Bücher geschrieben,
darunter auch zwei Romane.

- 3 -

�Die Harts haben zwei Kinder, John
(21) und Andrea (22). Beide haben
ihr Collegestudium unterbrochen, um
beim Wahlkampf des Vaters mitzuhelfen.
Lee war als Englischlehrerin an
der High School und als Grundstücksmaklerin tätig.
Sie hat das berufliche Streben ihres Mannes sehr stark
unterstützt und war während seiner
politischen Karriere tatkräftig für
ihn im Einsatz.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist Harts
Wahlkampf im Jahr 1988 ein gewagtes
Unterfangen. Der Vorsitzende der Demokraten in Colorado, Floyd Ciruli,
glaubt, Hart würde nun seine Bestimmung erfüllen.
Ciruli erklärt, seiner Meinung nach werde "es seine Karriere entweder beenden oder ihr eine
neue Starthilfe verleihen".

* * * * * *

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Hintergrundmaterial

"VON**

10. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
JESSE JACKSON: WAHLKAMPF MIT CHARISMA UND POPULISTISCHEM IMAGE
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten -

WASHINGTON - (AD) - Der ordinierte Baptistenpfarrer und führende Bürgerrechtler Jesae Jackson, zur Zeit einziger schwarzer Bewerber um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat einer großen Partei, bringt das Charisma und
die rhetorischen Fähigkeiten eines erfahrenen Predigers in seinen Wahlkampf
ein.

Als führender Sprecher der amerikanischen Schwarzen stellt Jackson
eine Kraft dar, mit der In der demokratischen Partei und in der nationalen Politik zu rechnen ist.
Zu öffentlichen Problemen vertritt er Positionen, die im Vergleich
zu den meisten Amerikanern auf der
linken Seite des politischen Spektrums und auch verglichen mit den Liberalen in der Demokratischen Partei
etwas weiter links angesiedelt sind.
Er genießt aber Unterstützung sowohl
unter Schwarzen als auch Weißen.

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Jacksons
innenpolitisches
Programm sieht die Stärkung der Sozialhilf eprogramme vor, darunter eine erhebliche Entlastung der Kleinbauern,
erhöhte Staatsausgaben für Ernährung,
eine
nationale
Krankenversicherung
und ein umfangreiches, aus Bundesmitteln bestrittenes Programm zur Aufklärung der Bevölkerung über AIDS.
Jackson
befürwortet
außerdem
steuerliche Anreize, um amerikanische
Firmen zur Expansion Innerhalb der
Vereinigten Staaten zu ermutigen
anstatt Arbeitsplätze ins Ausland zu

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�verlagern - sowie gesetzgeberische
Maßnahmen, die es Arbeitnehmern erleichtern würden, ineffiziente Fabriken aufzukaufen und zu versuchen, sie
wieder profitabel zu machen.
In der Außenpolitik unterstützt
Jackson ein Moratorium für Atomtests,
Truppenreduzierungen in Europa und
weniger militärische Einflußnahme der
Vereinigten
Staaten
in
Übersee.
Jackson lehnt die weitere Finanzierung der Strategischen Verteidigungsinitiative von Präsident Reagan ab.
Jackson unterstützt die Souveränität und sichere Grenzen für Israel,
befürwortet andererseits jedoch einen
unabhängigen Staat für die Palästinenser. Er ist für eine internationale Friedenskonferenz über den Mittleren Osten, an der auch Anhänger von
Jassir Arafats PLO teilnehmen sollen.
Der im Jahr 1941 geborene Jackson
wuchs im von Rassentrennung geprägten
Süden auf, bevor dieser durch die
Bürgerrechtsgesetzgebung der fünfziger und sechziger Jahre umgestaltet
wurde.
Obwohl die Rassentrennungsgesetze
aus Jesse Jacksons Kindheit und ein
großer Teil der Gesellschaft, die
sich darin widerspiegelte, nicht mehr
existieren, haben diese Erfahrungen
seinen Charakter geprägt.
Nachdem man in seiner Kindheit
versucht hatte, ihn zur Bedeutungslosigkeit
zu
verurteilen,
suchte
Jackson während seiner Karriere im
öffentlichen Leben das Rampenlicht.
In ihrem Verlauf erweckte er bei einigen seiner Mitstreiter und bei Beobachtern den Eindruck, daß sich seine Karriere sowohl auf rhetorischen
Fähigkeiten als auch auf Realitätssinn gründete.
Jackson hat jedenfalls eindeutig die Fähigkeit demon-

striert, bei einer breitgefächerten
populistischen
Wählerschaft
anzukommen.
Jackson hat seine Kindheit als
arm bezeichnet. Die Presse zitierte
ihn einmal folgendermaßen: "Ich mußte stehlen, um zu überleben."
In einem Interview erklärte sein
Stiefvater Charles Jackson jedoch,
die Familie habe seinerzeit ein relativ angenehmes Leben im Umfeld der
schwarzen Gemeinde geführt. "Wir waren nie arm," sagte er. "Wir mußten
nie von der Sozialhilfe leben, weil
ich nie arbeitslos war... Meine Familie mußte keinen Tag hungern."
In der Oberschule tat Jackson
sich beim Football-Spiel hervor und
wurde als Führernatur angesehen. In
den frühen sechziger Jahren besuchte
Jackson ein College für Schwarze in
Greensboro, North Carolina und engagierte sich neben seinem Studium bei
Protesten gegen die Rassentrennung In
der Stadt Greensboro.
Nach Abschluß des Soziologiestudiums
studierte
er Theologie am
Chicago Theological Seminary.
Im Jahr 1965 wurde die von Martin
Luther King Jr. geleitete Southern
Christian
Leadership
Conference
(SCLC) auf ihn aufmerksam. Diese Organisation kämpfte damals erfolgreich
gegen die Rassentrennung und andere
Formen rassischer Diskriminierung.
Bei seinem raschen Aufstieg in
den Reihen dieser Organisation befaßte Jackson sich vornehmlich mit Wirtschaftsboykotts als Methode, um Unternehmen
dazu
zu zwingen, mehr
schwarze
Arbeitnehmer
einzustellen
und
verstärkt
Geschäftsbeziehungen
mit von Schwarzen betriebenen Firmen
anzuknüpfen.

�Landesweit bekannt wurde Jackson
am Tag von Kings Ermordung, dem 4.
April 1968.
Unmittelbar nach dem
Mord hielt Jackson in blutbefleckter
Kleidung eine Pressekonferenz ab und
erklärte, er sei der Letzte gewesen,
mit dem King vor den tödlichen Schüssen gesprochen habe.
Einige der dort anwesenden Mitarbeiter Kings bestritten jedoch, daß
Jackson als Letzter mit King gesprochen hatte oder daß er nahe genug gestanden hätte, um das Blut des Märtyrers auf seinem Hemd zu haben. Andere
Zeugen
unterstützten
jedoch
Jacksons Behauptungen.
Während andere Mitarbeiter Kings
nach dessen Ermordung noch in Memphis
weilten, reiste Jackson nach Chicago
und trat in mehreren Fernsehprogrammen auf, womit er bei manchen den
Eindruck erweckte, als sei er der Erbe Dr. Kings. Die Episode bleibt umstritten und wirft immer noch einen
Schatten auf sein öffentliches Wirken.
Im Jahr 1971 verließ Jackson die
Southern
Christian Leadership Conference und gründete die People United to Save Humanity (PUSH - etwa
Vereinigtes
Volk
zur Rettung
der
Menschheit), eine Organisation, die
sich der Verbesserung der Bildung und
wirtschaftlichen Lage der amerikanischen Schwarzen verschrieben hatte.
Als Anführer von PUSH und anerkannter Sprecher der Schwarzen trug
Jackson zur Beendigung des Lehrerstreiks in St. Louis im Jahr 1978 und
zu Verhandlungen zur Beilegung eines
Ausstands
der
Feuerwehrleute
in
Chicago im Jahr 1980 bei.
Außerdem
führte
er
eine
originelle,
auf
schwarze
Jugendliche
ausgerichtete
Antidrogenkampagne durch.

Jackson wurde auch international
bekannt. So reiste er 1984 nach Kuba
und erreichte durch diesen Besuch die
Freilassung einer Gruppe politischer
Gefangener Castros.
Im salben Jahr
reiste er nach Syrien, um sich für
die Freilassung eines amerikanischen
Luftwaffenangehörigen
einzusetzen,
der von den Syrern gefangengehalten
wurde.
Im Jahr 1984 bewarb sich Jackson
um die Präsidentschaft.
Seine Wahlkampagne wurde nicht von Erfolg gekrönt, aber viele Beobachter schreiben ihr einen enormen Einfluß auf den
demokratische Wahlkampf und die Wahlplattform der Partei zu, in der die
Sache der Minderheiten energisch vertreten wurde.
Jackson bezeichnet seine potentielle Wählerschaft als "Regenbogenkoalition". Damit spielt er auf die
Tatsache an, daß er nicht nur die Unterstützung der Schwarzen sucht, sondern die aller rassischen und ethnischen Gruppen - Hispano-Amerikaner,
Weiße, Asiaten, Indianer und anderer
Gruppen -, Arbeitnehmern mit geringem
Einkommen, Behinderten - all jener,
die seiner Meinung nach vom Amerika
des Wohlstands und der weißen Mittelklasse vernachlässigt werden.
Jacksons
politische
Stärke besteht in der Bereitschaft, die Nöte
der Benachteiligten anzusprechen sowie in seiner charismatischen Persönlichkeit.
Seine politische Schwäche
kommt in der weitverbreiteten Haltung
zum Ausdruck, er habe nicht genug Regierungserfahrung, um Präsident zu
sein - und in dem Eindruck unter vielen seiner möglichen Anhänger, ein
Schwarzer könne 1988 nicht zum Präsidenten gewählt werden.

ner
- 3 -

Die Schwarzen, die den Kern seiStärke in einer Wahl ausmachen,

�stellen nur 12 Prozent
nischen Bevölkerung.

der amerika-

In einer Zeit, in der viele Großstädte der Vereinigten Staaten von
schwarzen Bürgermeistern regiert werden und in der Schwarze, wie etwa der
Abgeordnete William Gray, einflußreiche Stellungen im Kongreß einnehmen,
hat Jesse Jackson nie ein öffentliches Amt innegehabt.
Jacksons öffentliche Rhetorik ist
bisweilen etwas vage und hochtrabend
und eher dem Stil der Kanzel angemessen als einer politischen Kampagne,
die
auf
Probleme
eingehen
muß.
Trotzdem kann das Charisma seiner
Persönlichkeit und der emotionale Widerhall seiner Sympathien für die zu
kurz Gekommenen nicht geleugnet werden.

* * * * *

- 4

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'VON

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4

10. Februar 1888

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

ROBERTSON BETONT MORALISCHE UND RELIGIÖSE WERTE
Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Pat Robertson -

WASHINGTON - (AD) - Bei seinem als Außenseiter aufgenommenen Präsidentschaft swahlkampf rechnet der ehemalige Fernsehprediger Pat Robertson, der ein
von moralischen Werten geleitetes Amerika in Aussicht stellt, mit der Unterstützung der engagierten und tatkräftigen amerikanischen Minderheit fundamentalistischer Christen.

Der
57jährige
Marion
"Pat"
Robertson - vormals Oberleutnant beim
Marinecorps, Verfasser von fünf Büchern
und
Gründer
der
Christian
Broadcast Network, Inc., zu der auch
die CBN Universität gehört - vereint
seine leidenschaftliche Religiosität
und den politischen Hintergrund seiner Familie zu einem Wahlkampf, der
die tief verwurzelte Moralität der
Amerikaner hervorhebt.
"Wenn von Amerika die Rede ist,"
erklärt Robertson, "geht es nicht darum, wieviel die Bundesregierung aus-

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gibt oder nicht...
Wir haben es
nicht mit Hilfe einer gewaltigen Bürokratie in Washington geschafft, eine Nation aus dem Nichts zu schaffen,
sondern mit Hilfe von Menschen und
Werten, wie Familie und Unternehmergeist und eines tief
verwurzelten
Glaubens an Gott.
Darum ist diese
Nation so großartig."
Ein
von
Robertson
geführtes
Weißes Haus würde nicht für eine höhere Besteuerung eintreten.
An den
amerikanischen
Bundeshaushalt
würde
er die "Axt" anlegen. Robertson zu-

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�folge sollte die Regierung nicht von
der Kirche beinflußt werden, aber er
fordert in der Regierung eine Rückkehr zur "jüdisch-christlichen Lehre". Er verlangt die Einführung des
Schulgebets und die Unterweisung in
einer "religiös fundierten Moral".
Er tritt gegen die Abtreibung
ein, befürwortet ein hartes Vorgehen
gegen die Pornographie und spricht
sich beim Kampf gegen die AIDS-Epidemie - über die Betonung des Bürgerschutzes gegenüber Privatrechten hinaus - für eine Ausweitung von AIDSTests und
sexuelle Enthaltsamkeit
aus. Er würde eine höhere Geburtenrate befürworten, teilweise um die
erwerbstätige Bevölkerung zu vergrössern.
Robertson zufolge sollte Amerikas
Politik gegenüber anderen Nationen
von zwei Hauptprinzipien geleitet
sein:
"Das erste Prinzip ist der Schutz
von Leben, Freiheit und dem Streben
nach Glück für amerikanische Bürger. .. Das zweite ist Amerikas Engagement für die Freiheit jenseits seiner unmittelbaren Grenzen, für seine
Verbündeten und sogar für all jene
Menschen, die sich nach Frieden sehnen und bereit sind, dafür zu kämpfen
und ihren Preis dafür zu zahlen..."
Des weiteren würde er im Kampf
gegen den internationalen Terrorismus
für "bessere Geheimdienstoperationen
zur Informationsbeschaffung" eintreten und Libyens Häfen völlig isolieren, "von denen aus die Instrumente
des Terrorismus exportiert und importiert werden".
Er würde eine "offene Kampagne
für die Freiheit" gegen das sandinistische Regime in Nicaragua führen.
Seinen schriftlichen Ausführungen zu-

folge sollte "unsere Unterstützung
für die Vereinigte Nicaraguanische
Opposition (UNO) in Anerkennung der
hohen
moralischen
Grundsätze
der
Truman Doktrin öffentlich verbreitet
und offiziell verwirklicht werden."
Er würde die Vertreter der UNO zum
Beitritt der Vereinten Nationen auffordern.
Die amerikanischen Beziehungen zu
China würde Robertson "stärker in Aspekte des fairen Handels, regionaler
Sicherheit und Menschenrechte einbinden."
Die iranische Ölverladeinsel
Kharg im Persischen Golf würde er
zerstören.
Um sicherzustellen, daß Regierungen "in Übereinstimmung mit dem Willen ihrer Völker handeln", würde
Robertsons Weißes Haus Wahlen als den
besten - "wenn nicht sogar den einzigen Weg" - befürworten. Er glaubt,
das Vertrauen in die amerikanische
Außenpolitik könne wiederhergestellt
werden, "wenn wir nicht von den feinen Unterschieden zwischen Diktaturen
von links oder rechts vereinnahmt
werden." Er würde Präsident Reagans
Engagement fortsetzen und "Demokratie
und Freiheit aussähen, wo immer es
einen Boden gibt, der beackert werden
muß".
Robertson strebt zum ersten Mal
nach einem politischen Amt, aber Politik ist in seiner Familie nicht unbekannt . Sein Vorbild in bezug auf
die Bedeutung eines öffentlichen Amtes war sein Vater, der ehemalige
amerikanische Senator aus Virginia,
A. Willis Robertson. 20 Jahre war
Robertsons Vater im amerikanischen
Senat und 14 Jahre im Repräsentantenhaus tätig.
Robertson erklärt:
"Es ist mir
in Fleisch und Blut übergegangen, daß
wir Staatsdiener waren.
Und damit

- 2 -

�ist genau das gemeint, was es bedeuten sollte: zu dienen. Ich bin stolz
auf ihn, daß er mir das beigebracht
hat."

hat später behauptet:
"Ich hatte
vergessen, daß Ich der Sohn eines Senators war.
Jetzt war ich Gottes
Sohn."

Nachdem er an den Universitäten
Washington und Lee ein B.A. magna cum
laude abgelegt und seine Jurapromotion von der rechtswissenschaftlichen
Fakultät der Yale Universität erhalten hat, erwarb er ein M.A. in Theologie am Theologischen Seminar der
Stadt New York.

Er brach seine
ab, schrieb sich
Priesterseminar in
wurde der Assistent
Kirche
in
dem
Brooklyner Bezirk
in New York.

1954 heiratete Robertson, dessen
Familie Baptisten waren, die römischkatholische Adelia (Dede) Eimer aus
Columbus, Ohio. Danach beendete er
ein Sommerpraktikum bei einer New
Yorker Firma; Dede war eine angehende Krankenschwester in Yale. Beide
haben inzwischen vier Kinder.
Robertsons Ehefrau soll gesagt
haben, am Anfang ihrer 33jährigen Ehe
habe für sie eine "schwierige Anpassungsphase"
gestanden.
Robertson
fiel durch das Anwaltsexamen, versuchte sich als Managementpraktikant
bei der Firma Grace und trat dann gemeinsam mit zwei weiteren Absolventen
der Yale Universität einer Firma bei,
die versuchte, einen High-Fidelity
Lautsprecher auf den Markt zu bringen.

Geschäftskontakte
in einem kleinen
Manhattan ein und
des Pastors einer
heruntergekommenen
Bedford-Stuyvesant

Nachdem er in Bedford-Stuyvesant
mit "Ratten, Küchenschaben und Wanzen" gelebt hatte, zog Robertson In
Virginias Tidewater Region um und
kaufte für 70 Dollar eine verlassene
Fernsehstation.
Als Fernsehprediger
begann er eine neue Karriere und
führte eine erfolgreiche Spendenkampagne durch, die ihm schließlich zur
Gründung eines Fernsehimperiums und
eines philantrophischen Zentrums verhalf, zu dem eine Satellitenstation,
eine Schule für das Studium höherer
Fachsemester und ein Verlagszentrura
gehören.
Dieses Hauptquartier an den Ufern
Virginias wurde zum Sprungbrett für
Robertsons Präsidentschaftswahlkampf.

Er behauptet, er wollte "eine
Menge Geld verdienen".
In seiner
Autobiographie
ist
jedoch
weiter
nachzulesen, daß - nach dem Motto
"Laßt es von den Dächern erschallen"
"all das
inhaltslos
zu sein
schien." Seine Leere wurde bald danach durch eine religiöse, sein Leben
beinflussende Erfahrung abgelöst, die
seiner Meinung nach von der Mutter
gefördert wurde. Es geschah in einem
Restaurant in Philadelphia, wo er einen
niederländisch-amerikanischen
Prediger traf.
Die beiden beteten
auf dem Bürgersteig, und Robertson
- 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^VoN^

10. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

SIMON FOLGT ALTHERGEBRACHTER LIBERAL-DEMOKRATISCHER TRADITION
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Paul Simon -

WASHINGTON - (AD) - Paul Simon ist ein Demokrat der alten Schule und aus
demselben politischen Holz geschnitzt wie Franklin Roosevelt, Harry Truman und
Robert Humprey. Trotz der Bedenken der vergangenen Jahre über das wachsende
amerikanische Haushaltsdefizit bezeichnet Simon sich selbst noch als einen Liberalen, der vermehrte Ausgaben im Inland, vernünftigere Verteidigungsausgaben
und höhere Steuern als Haushaltsausgleich und zur Finanzierung von Programmen
befürwortet.

"Ich stehe hier als Demokrat",
erklärte er in einer Wahlkampf rede im
vergangenen Jahr.
"Ich reihe mich
nicht unter denjenigen ein, die von
der Demokratischen Partei die Verleugnung ihres Vermächtnisses verlangen, damit sie für die Wohlhabenden
und Mächtigen annehmbarer wird".
"Eine republikanische
genug", stellte er fest.

erschienenes Buch - sein elftes
trägt den Titel "Let's Put America
Back to Work". Seit 1950 hat er seine Ansichten über Verteidigungsausgaben beibehalten, als er erklärte,
"Eine gesunde Wirtschaft wird mehr
für die Bekämpfung des Kommunismus
tun als eine von Atombomben übersäte
Nation."

Partei ist

Er kündigt acht Milliarden Dollar
für ein staatliches Arbeitsbeschaffungsprogramm an. Sein im Jahr 1987

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Dennoch nimmt Simon für sich in
Anspruch, ein Konservativer in Sachen
Steuern zu sein. Er warnt, das Haushaltsdefizit sei eine Hypothek für
die Zukunft Amerikas und befürwortet

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sowohl einen Verfassungszusatz, der
einen ausgeglichenen Haushalt fordert
als auch die Amtsbefugnis des Präsidenten, bestimmte Posten der Bewilligungsgesetze zu streichen.
Simon, bekräftigt
eindringlich,
daß die von ihm verfochteten Positionen in sich konsistent sind. Seiner
Ansicht nach gehen Zahlungen zugunsten des Defizits eher zu Lasten der
Wohlhabenden als der Arbeitnehmer.
Eine Verringerung des Defizits würde
die Zinszahlungen kürzen und damit
Mittel zur Finanzierung von Arbeitsund Beschäftigungsprogrammen freisetzen, erklärt er.
Paul Simon wurde im Jahr 1928 in
Eugene, Oregon geboren. Er studierte
an der Universität von Oregon und am
Blair College in Nebraska. Bereits
als Student war er ein Verfechter der
Menschenrechte - ein Thema, das zu
jener Zeit von den meisten noch nicht
beachtet wurde. Seine Laufbahn begann
er als Zeitungsverleger in
Illinois, dem Staat, den er jetzt im
Senat der Vereinigten Staaten repräsentiert. Im Jahr 1948 nahm er die
Tätigkeit als Verleger auf, unterbrach sie jedoch vorübergehend, um
von 1951 bis 1953 in der US-Army zu
dienen.
Eine weitere Unterbrechung
seiner Verlegerlauf bahn erfolgte, als
er sich zur Wahl für das Repräsentantenhaus von Illinois stellte
und im Jahr 1955 gewählt wurde.
Im
Repräsentantenhaus
dieses
Staates saß er neben Jeanne Hurley,
einer
anderen
Volksvertreterin.
"Paul und ich waren ziemlich auf derselben Wellenlänge", äußerte sie über
ihre politischen Ansichten. Im Jahr
1960 heirateten die beiden. Sie haben einen Sohn und eine Tochter.
1963 wurde Simon in den Senat des
Staates Illinois gewählt.
Er ver-

kaufte seine Kette von Wochenzeitungen im Jahr 1966 und stellte sich
1969 erfolgreich der- Kandidatur als
Vizegouverneur.
Simon mußte seine einzige Wahlniederlage hinnehmen, als er sich
1973 mit Unterstützung der mächtigen
politischen Maschinerie der Demokratischen Partei Chicagos um das Amt
des Gouverneurs bewarb. Von seinen
Gegenern wurde er beschuldigt, eine
Marionette
dieser
Maschinerie
zu
sein. Es gelang ihm nicht, diese Anschuldigung zu widerlegen und er mußte bei der Abstimmung eine vernichtendene Niederlage hinnehmen. Später
erklärte er, seine große Unterstützung durch die Öffentlichkeit habe
der Maschinerie keine Wahl gelassen,
als ihn zu unterstützen; sie habe
ihm zu folgen, sagte er, nicht umgekehrt.
Simon legte in jenem Jahr sein
Amt nieder und unterrichtete an der
Sangamon State Universität, bis er im
Jahr 1975 für einen freien Sitz im
amerikanischen Repräsentantenhaus gewählt wurde. Bei allen Parlamentswahlen konnte er diesen Sitz behaupten, zog es jedoch vor, im Jahr 1985
gegen Charles Percy um dessen Sitz im
amerikanischen
Senat
anzutreten.
Simon gewann knapp.
Im Senat wie auch in jedem Amt,
in das er gewählt wurde, schrieb
Simon die Belange des Volkes auf sein
Banner. Er ist ein Verfechter von
Gesetzen zugunsten des Bildungswesens, vermißter Kinder, Behinderter,
älterer
Menschen
und
politischer
Flüchtlinge aus Ländern mit totalitärem Regime.
Er ist, was in politischen Kreisen häufig als "Populist" bezeichnet
wird. Er gesteht ein, daß er wenig
Charisma besitzt, seiner Auffassung

�nach wird jedoch die Kraft seiner
Überzeugung durch die Wähler kommen.
Ein Beobachter bei einer von Simons
Wahlkampfreden
sagte kürzlich, die
Rede des Kandidaten sei "geradeheraus, er nimmt kein Blatt vor den Mund
und sagt, wie es ist".

kann als das Weiße Haus , erklärte er.

Der Meinung eines anderen Beobachters nach "legt er die Karten offen auf den Tisch".
"Dieser Mann
hält meine Aufmerksamkeit gefangen".
Ein weiterer Beobachter bemerkte, "Er
spricht im Stil eines altmodischen
Liberalen und entschuldigt sich nicht
dafür - ich finde, das ist erfrischend" .
Aber Simons Besorgnis über innenpolitsche Belange hat zu Beschuldigungen geführt, er sei nicht geeignet, außenpolitische Angelegenheiten
in den Griff zu bekommen. Seine Positionspapiere
konzentrierten
sich
angeblich hauptsächlich auf innenpolitische Themen und ignorieren Probleme der Außenpolitik und der Verteidigung.
Simon ist der Überzeugung, dies
sei eine Frage der Betonung.
"Ich
will eine Regierung, die sich um die
Menschen kümmert", sagt er.
Seine Fliege und die dicken Brillengläser sind zum Markenzeichen seiner Präsidentschaftskandidatur geworden. Einige sagen, damit sähe er wie
ein Präsident aus. Andere behaupten
das Gegenteil.
Auf die Frage, warum er Präsident
werden wolle, antwortete Simon: "Ich
konnte Veränderungen beobachten, die
ich herbeigeführt habe - zum Beispiel
bei behinderten Kindern. Es ist mir
gelungen, Menschen zu helfen.
"Und es gibt keinen Ort, an dem
man mehr Dinge dieser Art vollbringen

- 3 -

* * * * * *

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carlucci: Nukleargarantie In Europa wird aufrechterhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz umreißt vorrangige Ziele der US-Außenpolitik im Jahr 1988&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Babbitts Vision in seiner Heimatstadt und ihren Werten verwurzelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Biographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten B. Babbitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dukakis favorisiert Liberalismus und vorsichtige Steuerpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hart: Mann der Ideen strebt energisch nach demokratischer Nominierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Gary Hart&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jesse Jackson: Wahlkampf mit Charisma und populistischem Image&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robertson betont moralische und religiöse Werte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Pat Robertson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Simon folgt althergebrachter liberal-demokratischer Tradition&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Paul Simon&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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