<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="2027" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/2027?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T01:24:17+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="2038">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/3bc6709594bba27006d2828bcfdaabef.pdf</src>
      <authentication>7bcb20657bd97a3387c7afc3dfca4925</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="10135">
                  <text>AMERIKA DIENST

3 . Februar 1988

INHALT
DOKUMENTATION
INF-Vertrag wird atomaren Druck verringern
- Verteidigungsminister Carlucci vor dem auswärtigen Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Amt des Vizepräsidenten hat für Bush Vor- und Nachteile
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
George Bush Poles Image bei den Wählern; Praktisch, zäh, mitfühlend
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Robert Dole Haig hat schon viele Erfahrungen im Weißen Haus gesammelt
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Alexander Haig Gephardts Wahlkampf; Persönlicher Elan und weltpolitische Themen
- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Richard Gephardt
Du Pont erläutert seine Vision von der Zukunft Amerikas
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Pierre S. du Pont IV -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Geringerer Kokainkonsum unter amerikanischen Jugendlichen
- Aber Rauschgiftschmuggel nimmt zu - Härtere Gangart gegenüber
Verbrauchern -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�:eOS7&gt;

'VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

^

3. Februar 1988

INF-VERTRAG WIRD ATOMAREN DRUCK VERRINGERN
Verteidigungsminister Carlucci vor dem auswärtigen Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Äußerungen Verteidigungsminister Carluccis vor dem Senatsausschuß fUr auswärtige Angelegenheiten zufolge wird der INF-Vertrag den
Druck auf die amerikanischen Nuklearstreitkräfte sowie auf Komponenten der
Führungsinfrastruktur der NATO verringern.
In seiner Aussage vor dem Ausschuß erklärte Carlucci am 1. Februar 1988,
"dies sollte die Überlebensfähigkeit von Luftwaffenstützpunkten, Häfen, Depots
und anderen Einrichtungen, die für die konventionelle Verteidigung der NATO
entscheidend sind, verbessern".
Die Ausführungen des Ministers haben folgenden Wortlaut:

Ich begrüße die Gelegenheit, vor
diesem Ausschuß zum INF-Vertrag Stellung nehmen zu können.
Dieser Vertrag ist eine bedeutende Errungenschaft in der Rüstungskontrolle; noch
wichtiger: er unterstützt unsere Sicherheitspolitik
insgesamt, In der
die Rüstungskontrolle nur eine Komponente darstellt.

Ein Erfolg in der Rüstungskontrolle
Der INF-Vertrag ist das unmittelbare Ergebnis der Stärke und Solida-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

rität der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.
In seiner Aussage
der vergangenen Woche hat Außenminister Shultz beschrieben, wie diese
Eigenschaften, die in den bisweilen
turbulenten Jahren der INF-Stationierungen und Verhandlungen zum Tragen
kamen, ein Abkommen hervorbrachten,
das unsere strengsten Normen erfüllt.
Der INF-Vertrag spiegelt die Philosophie
der
Reagan-Administration
wider, derzufolge Rüstungskontrollabkommen die Anzahl der Waffen verringern sollten, anstatt lediglich ihre

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zunahme zu begrenzen. Indem er dieses Prinzip erfüllt, schreibt der
Vertrag wichtige amerikanische Verhandlungsgrundsätze fest.
Er sieht
Reduzierungen der destablisierendsten
sowjetischen Systeme vor. Er enthält
asymmetrische Reduzierungen auf gleichen Niveaus. Die Systeme von Drittstaaten sind nicht einbezogen. Inspektionen vor Ort sind ein Schlüsselinstrument seiner Verifizierung.
All diese Prinzipien stellen wichtige
Präzedenzfälle dar, auf denen in weiteren
RUstungskontrollVerhandlungen
aufgebaut werden kann.
Besonders wichtig ist die durch
diesen Vertrag geschaffene Verifizierungsregelung. Ihre Ziele sind dreifacher Natur:
Erstens die Sicherstellung von Vertrauen in unsere Fähigkeit, die Einhaltung des Vertrags
durch die Sowjets zu überwachen;
zweitens einen Beitrag zur Abschrekkung von sowjetischen Vertragsverletzungen zu liefern, indem die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung erhöht
und es den Sowjets erschwert wird,
eine unentdeckte Vertragsverletzung
zu begehen; drittens die rechtzeitige
Aufdeckung
jeglicher
sowjetischer
Vertragsverletzungen
zu gewährleisten, damit wir - Exekutive und Legislative gemeinsam
- angemessene
Schritte ergreifen können, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten und
der Verbündeten zu schützen.
Unser
wichtigstes
Mittel
zur
Überwachung der Einhaltung des INFVertrags durch die Sowjets sind nationale technische Mittel.
Diese
Mittel werden jedoch durch eine Reihe
einzigartiger kooperativer Verifizierungsmaßnahmen ergänzt.
Zu diesen
Maßnahmen gehören umfassender Datenaustausch, Beschränkungen der Stationierungsorte der betroffenen Systeme
innerhalb des Dreijahreszeitraums für
deren Beseitigung, Anzeigeeinrichtun-

gen auf bestimmten Stützpunkten für
Interkontinentalraketen
des
Typs
SS-25, um die Nationalen Technischen
Mittel besser zur Geltung zu bringen
sowie eine Vielzahl von Inspektionen
vor Ort, die weit über den Beseitigungszeitraum hinaus reichen.
Die
Verifizierungsregeln
des
Vertrages
dienen dem Ziel, ein angemessenes
Gleichgewicht zwischen dem Schutz
amerikanischer
Sicherheitsinteressen
und der effektiven Fähigkeit aufrechtzuerhalten, sowjetische Betrugsmanöver aufzudecken.
Die Verifizierungsregelungen werden durch andere Vorschriften des
Vertrags ergänzt und verstärkt. Das
Verbot der Flugerprobung, das Herstellungsverbot und geographische Beschränkungen werden es der Sowjetunion erschweren, heimlich eine militärisch bedeutsame Streitmacht von
INF-Raketen zu stationieren. Sollten
die Sowjets es dennoch vorziehen, den
Vertrag zu verletzen, wird sich dies
als kostspielig, kompliziert und
davon sind wir überzeugt - feststellbar erweisen, bevor eine erhebliche
militärische Bedrohung amerikanischer
Interessen hervorgerufen würde.
Die
Verifizierungsbestimmungen
künftiger
Rüstungskontrollabkommen
müssen den besonderen Erfordernissen
eines jeden Abkommens angepaßt sein.
START zum Beispiel betrifft Reduzierungen auf vereinbarte Niveaus quer
durch mehrere Waffenkategorien, anstatt eine gesamte Kategorie zu beseitigen. Deshalb wird eine noch umfassendere
Verifizierungsregelung
notwendig sein. Trotzdem bilden die
im
INF-Vertrag
festgeschriebenen
Grundsätze wie etwa Inspektionen vor
Ort einen wichtigen Präzedenzfall.

�Vorteile des INF-Vertrags für die
Sicherheit
Obwohl die Erfolge bei der Erfüllung unserer Rüstungskontrollnormen
und bei der Schaffung von Präzedenzfällen für künftige Abkommen bedeutend sind, ist aus meiner Sichtweise
als Verteidigungsminister am wichtigsten, ob der INF-Vertrag zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beiträgt. Dies tut
der Vertrag eindeutig in zweifacher
Hinsicht.
Erstens wird die Beseitigung gegenwärtig existierender und künftiger
sowjetischer INF-Raketen die militärische Bedrohung der NATO verringern. Den Vorschriften des INF-Vertrags zufolge wird die Sowjetunion
eine Streitmacht an stationierten Raketen beseitigen, die zum Abschuß von
über 1 600 atomaren Gefechtsköpfen in
der Lage ist. Dazu gehören sowjetische Systeme kürzerer Reichweite,
die außerdem zur konventionellen oder
chemischen
Kriegführung
eingesetzt
werden können. Damit wird die Fähigkeit der Sowjets reduziert, rasche
Schläge in ganz Westeuropa durchzuführen, ohne ihre strategischen Waffen einsetzen zu müssen. Zusätzlich
zur Verringerung des Drucks auf unsere eigenen atomaren Streitkräfte und
Komponenten zu deren Führung sollte
dadurch auch die Überlebensfähigkeit
von
Luftwaffenstützpunkten,
Häfen,
Depots und anderen für die konventionelle Verteidigung der NATO entscheidende Einrichtungen verbessert werden.
Da viele der sowjetischen INF-Raketen weite Teile Asiens erreichen
können, wird der INF-Vertrag auch die
Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten in diesem Teil der Welt erhöhen.
Im Austausch für die Beseitigung

sowjetischer INF-Raketen werden die
Vereinigten Staaten auf ihre bisher
stationierten Pershing Il-Raketen und
landgestützten Marschflugkörper mit
ungefähr 400 atomaren Gefechtsköpfen
verzichten. Damit wird ein Teil unserer Fähigkeit beseitigt, Ziele in
Osteuropa und der westlichen Sowjetunion mit in Europa stationierten Systemen zu bedrohen. Trotzdem bleibt
die von der NATO vereinbarte Strategie der flexiblen Reaktion gültig und
glaubwürdig. Eine Vielzahl nuklearer
Systeme wird bei der NATO verbleiben,
einschließlich der Mehrzweckflugzeuge, der Kurzstreckenraketen vom Typ
Lance, und nuklearer Artillerie sowie
amerikanischer und britischer strategischer Streitkräfte.
Mit diesen
Streitkräften, die gegebenenfalls modernisiert werden, behält die NATO
ein breites Spektrum von Vergeltungsmöglichkeiten zur Aufrechterhaltung
der Abschreckung bei. Die amerikanische Verpflichtung zur Verteidigung
Europas wird nicht geschmählert.
Die
Stärkung
der
politischen
Glaubwürdigkeit der NATO als Ganzes
ist ein zweiter wichtiger Aspekt, in
dem der INF-Vertrag die Sicherheit
der NATO zu unterstützen verspricht.
Abschreckung basiert nicht nur auf
der militärischen Fähigkeit der NATO,
sondern auch auf deren gemeinsamen
politischen Willen.
Die Erfahrung
mit dem INF-Vertrag hat den Sowjets
gegenüber veranschaulicht, daß unsere
Nationen die politische Entschlossenheit besitzen, die schweren Entscheidungen zur Gewährleistung unserer Sicherheit zu fällen und zu ihnen zu
stehen.
Mit anderen Worten, trotz
Moskaus unnachgiebiger Kompromißlosigkeit hat die NATO bei der Durchführung beider Teile des Doppelbeschlusses von 1979 zusammengehalten,
indem sie unsere INF-Raketen stationierte und den Vorschlag einer doppelten Null-Lösung nachhaltig unter-

- 3 -

�stützte.
Nachdem die Sowjets die
Stärke und Solidarität des Bündnisses
in Friedenszeiten beobachtet haben,
ist es nun weniger wahrscheinlich,
daß Moskau zu dem falschen Schluß
kommt, es könne das Bündnis in Krisenzeiten oder einem Krieg entzweien.

Die Zukunft der Abschreckungsfunktion der NATO
Der INF-Vertrag sollte sich nicht
zu einem Schritt hin zu einer Entnuklearisierung Europas entwickeln oder
als solcher verstanden werden. Die
Verteidigungsminister der NATO waren
sich einig, daß das Bündnis eine ausgewogene Mischung von atomaren und
konventionellen Fähigkeiten zur Aufrechterhaltung der Abschreckung beibehalten muß. Atomare Waffen müssen
auch weiterhin ein Gegengewicht zur
zahlenmäßigen Überlegenheit der konventionellen Streitkräfte des Warschauer Paktes bilden, die verbleibenden
kriegsschauplatzgebundenen
atomaren Streitkräfte der Sowjetunion
ausgleichen und das Territorium der
Sowjetunion und des Warschauer Paktes
bedrohen können, um so vor einem
Krieg abzuschrecken. Die Vereinigten
Staaten und andere NATO-Regierungen
haben sich darüber verständigt, daß
vor den Verhandlungen über den Abbau
der verbleibenden atomaren Streitkräfte der NATO in Europa dort ein
sicheres und stabiles Gleichgewicht
der konventionellen Streitkräfte hergestellt werden sollte.
Die NATO hat bereits vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens umfangreiche einseitige Kürzungen im
Bereich nuklearer Waffen vorgenommen.
1980 wurden 1 000 Sprengköpfe ersatzlos abgezogen.
Als Ergebnis des
NATO-Beschlusses von Montebello aus
dem Jahr 1983 wurden weitere 1 400
Gefechtsköpfe abgezogen und und für

jeden stationierten Gefechtskopf der
Pershing II und Marschflugkörper wurde ein zusätzlicher Gefechtskopf entfernt. Im Ergebnis hat sich die Anzahl von atomaren Gefechtsköpfen der
NATO in Europa seit 1979 um 2 400
vermindert. Der INF-Vertrag wird sogar noch zu weiteren Reduzierungen
führen.
Im Montebello-Beschluß einigten
sich die Verteidigungsminister der
NATO darauf, Schritte zur Sicherstellung
des
Reaktionsvermögens, der
Uberlebensfähigkeit und der Wirksamkeit der nach den einseitigen Kürzungen der NATO verbleibenden Streitkräfte zu unternehmen. Der Oberbefehlshaber der NATO in Europa wurde
um
Empfehlungen zur bestmöglichen
Struktur dieser Streitkräfte gebeten,
um die Abschreckung mit einer minimalen Anzahl nuklearer Waffen aufrechtzuerhalten.
Seine Empfehlungen umfaßten die Modernisierung . bereits
vorhandener Systeme, verbesserte Stationierung nuklearer Streitkräfte innerhalb Europas und eine verstärkte
Uberlebensfähigkeit
dieser
Streitkräfte und ihrer Leitung, Kontrolle
und Kommunikation.
Die auf den Beschluß von Montebello zurückgehenden Verbesserungsmaßnahmen, die den INF-Vertrag zur
Folge hatten, sind unabhängig von
diesem Abkommen erforderlich, und die

Verteidigungsminister der NATO haben
ihre weitere Gültigkeit bekräftigt.
Einige unserer Waffen, wie beispielsweise die Lance-Raketen und die atomaren Artilleriegranaten, sind 15 bis
30 Jahre alt. Eine Vielzahl der Verbesserungsmaßnahmen sind von den Vereinigten Staaten oder anderen betroffenen Nationen schon durchgeführt
worden oder werden derzeit angewandt.
Zu den noch durchzuführenden Verbesserungsmaßnahmen gehören die Entwicklung
eines
Nachfolgemodells
der

- 4 -

�Lance-Rakete, die einen Teil unserer
nuklearen Abwurfbomben
durch taktische
Luft-Boden-Raketen
ersetzen
sowie die Produktion von genügend modernen Artilleriegranaten, so daß ältere Granaten ausgemustert werden
können. Keines dieser Programme wird
durch den INF-Vertrag eingeschränkt,
weil das Abkommen die Mehrzweckflugzeuge oder die atomaren Streitkräfte
mit einer Reichweite von unter 500
Kilometern nicht begrenzt.
In bezug auf die konventionellen
Streikräfte war die Notwendigkeit der
Beseitigung
schwerwiegender
Mängel
bereits bekannt, bevor die Sowjets
begannen, den INF-Vertrag ernsthaft
zu verhandeln. Die laufenden Bemühungen um eine Verbesserung der konventionellen Verteidigung sollen die
Abhängigkeit der NATO von der Androhung eines frühen Gebrauchs nuklearer
Waffen zur Abschreckung einer konventionellen Aggression durch den Warschauer Pakt vermindern. Sie dienen
zur Unterstützung der Fähigkeiten der
NATO auf Gebieten wie Verstärkung,
Angriff auf die nachfolgenden Streitkräfte, Durchhaltevermögen und Luftverteidigung. Diese Bemühungen müssen auch in der Zeit nach dem INFVertrag fortdauern.
Obwohl der INF-Vertrag wichtige
Vorteile für die Sicherheit der NATO
liefern wird, könnten einige Anpassungen zur Sicherstellung erforderlich sein, daß die verbleibenden
Streitkräfte der NATO den vollen Umfang der von der Strategie des Bündnisses geforderten Abschreckungsfähigkeit gewährleisten. Solche Anpassungen werden derzeit von der Nuklearen Planungsgruppe der NATO erwogen,
der ich ebenfalls angehöre. Sie beinhalten die mögliche Neuverteilung
vorhandener Bestände und Veränderungen bei Planung und Verfahrensweisen.
Wie die vom Bündnis unabhängig vom

INF-Vertrag
verfolgten
Programme
stünden sämtliche Abänderungen voll
und ganz im Einklang mit dem Abkommen
und würden die tatsächlich daraus
folgenden Kürzungen nuklearer Streitkräfte nicht aushöhlen.
Der INF-Vertrag erhöht den Verteidigungsbedarf
nicht
der
NATO.
Vielmehr steigert er das Bewußtsein
über die Risiken bestehender Lücken.
Das Bündnis wird sich bei der Verwirklichung dieses Programms zwei
wichtigen Herausforderungen stellen
müssen, die zur Sicherung der Abschreckungsfähigkeit seiner verbleibenden Streitkräfte notwendig sind.
Die erste Herausforderung besteht in
der bestmöglichen Verwendung begrenzter Mittel und einer ausgewogenen
Lastenteilung. Obwohl der Verteidigungshaushalt
wahrscheinlich
beschränkt sein wird, möchte ich doch
sicherstellen - und auch meine Kollegen, die Verteidigungsminister des
Bündnisses dazu ermutigen -, daß den

von mir angesprochenen Programmen
über nukleare und konventionelle Verteidigung ein besonderer Stellenwert
eingeräumt wird, wenn sie mit anderen
Prioritäten konkurrieren.
Die zweite Herausforderung liegt
darin, sich durch den INF-Vertrag
nicht in einem falschen Gefühl der
Sicherheit zu wiegen. Wir sind bereits Zeuge von Bemühungen der Sowjets geworden, den Vertrag dazu zu
benutzen, die Unterstützung für notwendige Modernisierungsmaßnahmen ausserhalb ihrer Reichweite zu beschneiden, obwohl wir eindeutig erwarten
können, daß die Sowjetunion ihre eigenen verbleibenden Streitkräfte verstärkt. Das ist eine Standardtaktik
der Sowjets, die eines der strategischen Primärziele Moskaus widerspiegelt: Die Länder Westeuropas davon zu überzeugen, sich von den Vereinigten Staaten zu distanzieren und

- 5 -

�ihre Vorbereitungen im militärischen
Bereich zu vernachlässigen. Die Aufgabe der Staats- und Regierungschefs
der NATO besteht darin, ihre jeweilige Öffentlichkeit davon zu überzeugen, daß sie ihre Sicherheit nicht
auf sowjetische Versprechungen stützen dürfen. Die Sowjetunion respektiert Stärke; sie verachtet Schwäche
und nutzt diese aus. Wenn die Mitglieder der NATO sich entscheidenden
Bestrebungen zur Modernisierung ihrer
Verteidigung aus Angst vor Verstimmungen mit Moskau widersetzen, fordern sie letztlich eine sowjetische
Vorherrschaft heraus.

Die Rolle anderer ROstungskontrollabkommen
Obwohl der INF-Vertrag ein eigenständiges und wertvolles Werk ist,
können andere Rüstungskontrollabkommen den Vertrag und die dadurch geschaffenen Vorteile dennoch vervollständigen und stützen. Unsere vorrangige Priorität ist ein START-Abkommen für den 50prozentigen Abbau
strategischer Nuklearwaffen.
Solche
einschneidenden und umfassenden Begrenzungen könnten Moskaus Fähigkeit
beschränken, die mit dem INF-Vertrag
vorgesehene Abschaffung der SS-20 mit
einer Aufstockung ihrer Interkontinentalraketen (ICBM) und seegestützten
ballistischen
Raketen
(SLBM)
wettzumachen.
Gleichzeitig
würde
durch anhaltende Modernisierung der
verbleibenden
strategischen
Waffen
der Vereinigten Staaten ihre andauernde Glaubwürdigkeit als wichtigster
Garant der Sicherheit des Bündnisses
gewährleistet.
Eine weitere wichtige Priorität
der Vereinigten Staaten ist die Aushandlung eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte in Europa. Obwohl die MBFR-Gespräche durch sowje-

tische Unnachgiebigkeit in eine Sackgasse geraten sind, hat die NATO neue
Verhandlungen für ein Abkommen gefordert, das Streitkräfte "vom Atlantik
bis zum Ural" einbezieht, um der
durch die Vorteile des Warschauer Paketes in Europa bestehenden Bedrohung
zu begegnen.
Solch ein Abkommen
sollte ein stabileres Gleichgewicht
konventioneller Streitkräfte auf einem niedrigeren Niveau hervorbringen,
bei gleichzeitiger Ausschaltung der
Fähigkeit des Warschauer Paktes zu
Überraschungsangriffen und offensive
Operationen in großem Stil.
Dazu
sind
einschneidende,
asymmetrische
Reduzierungen notwendig, für die der
INF-Vertrag einen wichtigen Präzedenzfall darstellt.
Bei der Weiterführung dieser anderen Verhandlungen müssen wir eine
wichtige Lektion der INF-Verhandlungen berücksichtigen: Ohne anhaltende
Bestrebungen zur Verbesserung der Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und
der NATO werden die Sowjets nur einen
geringen Anreiz haben, ihre Vorteile
auf dem Verhandlungswege aufzugeben.
Das Ergebnis der INF-Verhandlungen
gibt den Verfechtern der einseitigen
Abrüstung unrecht. Wenn die Gegner
von INF mit der Verhinderung unserer
Stationierungen Erfolg gehabt hätten,
sähen wir uns jetzt einem sowjetischen Monopol von INF-Raketen gegenüber anstelle eines Vertrages, der
diese auf beiden Seiten beseitigt.
Rüstungskontrolle kann Bestrebungen
zur Aufrechterhaltung einer wirkungsvollen militärischen Haltung vervollständigen, jedoch keinen Ersatz dafür
bieten.
Wir sollten uns ebenfalls vor
falschen
Hoffnungen
hüten,
eine
grundlegende
Wandlung
sowjetischer
Ziele habe den INF-Vertrag hervorgebracht und werde nun den Weg zu weiteren Abkommen ebnen. Der Lohn für

- 6 -

�den INF-Vertrag sollte dem zugesprochen werden, dem er zusteht: der
Entschlossenheit und Solidarität des
westlichen Bündnisses.

Die Rolle des Kongresses
Dem Senat obliegt nun die wichtige Aufgabe, seinen Rat und seine Zustimmung zur Ratifizierung des INFVerträges zu geben.

hungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten würden geschwächt. Damit könnte die Fähigkeit
des Bündnisses untergraben werden,
seine Zielstrebigkeit und Entschlossenheit zu erhalten, wenn es darum
geht, der sowjetischen INF-Fähigkeit
entgegenzutreten und in anderen existentiellen Bereichen der NATO-Verteidigung Fortschritte zu erzielen.

Wie ich bereits andeutete, würde
die Ratifizierung der NATO beträchtliche Vorteile im Bereich der Sicherheit verschaffen. Eine gesamte Kategorie von Nuklearraketen würde endgültig verschrottet und damit die sowjetische Bedrohung für unsere Freunde und Verbündeten in Europa und
Asien abgebaut.
Die Abschreckungsstrategie der NATO bliebe unangetastet, und die Solidarität des Bündnisses würde gestärkt. Die Beseitigung aller INF-Raketen zusammen mit
anhaltenden Bemühungen zur Aufrechterhaltung einer wirkungsvollen Kräfteverteilung bei den nuklearen und
konventionellen Streitkräften würde
zur Sicherheit des Bündnises beitragen und gleichzeitig eine glaubwürdige Abschreckung auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau erlauben.
Wenn der Vertrag nicht ratifiziert oder auf andere Weise behindert
wird, bliebe die Bedrohung durch sowjetische INF-Raketen bestehen. Tatsächlich würden die Sowjets wahrscheinlich diese Streitkräfte aufrüsten, die bereits erprobten Nachfolgemodelle der SS-20 und die landgestützten Marschflugkörper des Typs
SSC-X-4 stationieren sowie mit der
ununterbrochenen Dislozierung ihrer
kürzlich eingeführten SS-23 fortfahren. Die Solidarität des NATO-Bündnisses und die in der Sicherheitspolitik bestehenden bilateralen Bezie- 7 -

* * * * * *

�\ \

^/-v-*

'S

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

SrioN ^

3. Februar 1988

DIE WAHLEN IM AMERIKA 1988
AMT DES VIZEPRÄSIDENTEN HAT FÜR BUSH VOR- UND NACHTEILE
Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush

WASHINGTON - (AD) - George Bush ist ein Seifmade-Millionär, der im Leben
das Beste aus einem gelungenen Start gemacht hat.

Er hat im Verlaufe seiner

Karriere vielfach Einfallsreichtum gezeigt und ist unter den Präsidentschaftsbewerbern der jüngsten Zeit einer der wenigen echten Kriegshelden.

Er ist darüber hinaus Vizepräsident der Vereinigten Staaten und, den
meisten Meinungsumfragen zufolge, der
führende Bewerber um die Nachfolge
von Präsident Ronald Reagan.
Aber auf diese führende Rolle
kann er sich nicht verlassen. Neben
dem Hinweis auf seinen Vorsprung deuten die Meinungsumfragen ebenfalls
darauf hin, daß er Teile der amerikanischen Öffentlichkeit immer noch
davon überzeugen muß, daß er ein
starker und wirkungsvoller Inhaber
des höchsten Amtes im Staate sein
würde.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Zu Bushs Vorzügen gehören, neben
seiner Vizepräsidentschaft, ein geachteter Character, eine im allgemeinen beliebte Persönlichkeit und eine
beeindruckende Reihe hoher Ämter, die
er zuvor innehatte.
Seine möglichen Schwächen sind
das Fehlen eines umfassend bekanntgemachten neuen Programms, mittelmäßige
rhetorische Fähigkeiten, die Tatsache, daß er die meisten seiner früheren Positionen durch Ernennung und
nicht durch Wahl erlangt hat und paradoxerweise
seine
Vizepräsidentschaft.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die amerikanische Vizepräsidentschaft ist ein ungewöhnliches Amt.
Obwohl sein Inhaber durch den Tod eines Präsidenten zur Führungsposition
aufsteigen kann, ist das Amt selbst
von jeher mit wenigen durch die Verfassung vorgeschriebenen Verantwortlichkeiten ausgestattet.
Außerdem hat ein amtierender Vizepräsident
die meisten Maßnahmen
seines Präsidenten zu unterstützen,
gleichgültig ob er mit diesen übereinstimmt oder nicht und ob diese
Maßnahmen beliebt sind oder nicht.
Sie sind zwangsläufig ein Teil seines
Programms.
Vielleicht ist teilweise auch aus
diesen Gründen seit der Wahl von
Martin Van Buren im Jahr 1836 kein
amtierender Vizepräsident mehr zum
Präsidenten gewählt worden.
Positiv ist zu vermerken, daß das
Amt des Vizepräsidenten wegen der gedanklichen Verbindung zu einem äusserst populären Präsidenten in den
achtziger Jahren Bush politischen
Nutzen bringt.
Bushs dargelegte Auffassungen zu
innen- wie
außenpolitischen
Themen
sind, wie die Reagans, konservativ.
Wirtschaftspolitisch unterstützt Bush
den Reaganschen Ansatz der freien
Marktwirtschaft. Er steht hinter den
Contras in Nicaragua und ist für das
mit der Sowjetunion geschlossene Abkommen zur Beseitigung der Mittelstreckenwaffen in Europa (INF) sowie
für weitere Abrüstungsschritte.
In der Innenpolitik hat Bush die
Republikaner dazu aufgerufen, ihre
Anziehungskraft auf Schwarze und andere Minderheiten zu verstärken, die
für gewöhnlich mit den Demokraten
sympathisieren. Bush hat die ReaganAdministration indirekt wegen deren
- 2

Umweltpolitik und wegen der Moral in
der Regierung kritisiert - Themen von
großer Bedeutung bei den Wählern des
Mittelstandes.
Bush wurde im Jahr 1924 als Sohn
des erfolgreichen New Yorker Geschäftsmannes
und
Finanzfachmanns
Prescott Bush geboren, der erst spät
in seinem Leben in die Politik einstieg und vor seiner Pensionierung
zehn Jahre Mitglied des amerikanischen Senats war.
Bush trat im Alter von 18 Jahren
freiwillig in die Marine ein und wurde der jüngste amerikanische Marineflieger im Zweiten Weltkrieg.
Er
flog 58 Kampfeinsätze gegen die Japaner im Pazifik und wurde mit dem
Flieg^rverdienstkreuz sowie anderen
Orden ausgezeichnet.
Im Jahr 1944 geriet Bushs Flugzeug während eines Kampfeinsatzes unter feindlichen Beschuß. Bush setzte
seine Bomben über dem Ziel ab und
rettete sich mit dem Fallschirm über
dem Ozean. Krank und verletzt trieb
er auf eine von den Japanern besetzte
Insel zu, bis er von einem amerikanischen Unterseeboot gerettet wurde.
Sein
Studium
der
Volkswirtschaftslehre nahm Bush 1945 an der
Yale Universität auf und erreichte
seinen Abschluß nach zweieinhalb Jahren mit Auszeichnung.
Nach seiner Zeit bei Yale ging
Bush mit der Hilfe und Unterstützung
eines Freundes
der Familie nach
Texas, um sich dort mit den Besonderheiten der Ölindustrie im Arbeitsprozeß vertraut zu machen. Bush wurde
schließlich der Mitbegründer einer
unabhängigen Ö'lfirma, der Zapata Petroleum.
Bush trat als sehr konservativer

�Republikaner
in
die
Politik
ein.
1964 führte er einen harten Wahlkampf
um einen Sitz im amerikanischen Senat
gegen einen beliebten demokratischen
Amtsinhaber und verlor.
Aber dann
wurde er aus einem wohlhabenden Bezirk in Houston in den Jahren 1966
und abermals 1968 in den Kongreß gewählt.
1970 bewarb er sich erneut
für den Senat in Texas und verlor
wiederum, diesmal gegen einen konservativen Demokraten.
Präsident
Nixon
ernannte
Bush
1971 zum amerikanischen Botschafter
bei den Vereinten Nationen. 1973 berief Nixon ihn zum Chef des Republikanischen Nationalen Komitees - eine
Position, die er während der die Partei entzweienden Watergate-Affäre behielt.
Unter Nixons Nachfolger Gerald
Ford war Bush in einer Phase der Normalisierung amerikanisch-chinesischer
Beziehungen Chef des amerikanischen
Verbindungsbüros in Peking. Ford hat
ihn dann zum Direktor des amerikanischen Geheimdienstes CIA ernannt,
wo er nach einer Serie von Skandalen
und Untersuchungen durch den Kongreß
zur Wiederherstellung der Moral beitrug.
Bush trat 1980 zum ersten Mal in
den Wahlkampf um das Amt des Präsidenten ein.
Während der Vorwahlen
der Republikaner
in New Hampshire
wurde er in einer entscheidenden Debatte von Ronald Reagan ausmanövriert, womit sich seine Hoffnungen
auf die Nominierung durch die Republikaner zerschlagen hatten.
Reagan hat Bush später als Vizepräsident Schaftskandidaten
ausgewählt. Er nannte Bush den besten Vizepräsidenten in der Geschichte der
Nation.

Als Vizepräsident folgte Bush dem
Beispiel seines Amtsvorgängers Walter
Mondale in dem Versuch, den Umfang
seines Amtes auszuweiten.
Er hatte
Zugang zu allen wichtigen Informationen, die den Präsidenten erreichen,
sowie ungehinderten Zugang zu Reagan
selbst.
Neben weiteren Aufgaben
führte
Bush den Vorsitz der Arbeitsgruppe
für Deregulierung im Weißen Haus, wo
er dazu beitrug, die Regulierungsgewalt der Bundesregierung wieder in
Ordnung zu bringen - ein Ziel von
höchster Priorität im Regierungsprogramm.
Als Vorsitzender der Arbeitsgruppe für Süd-Florida leitete Bush ein
Programm beim Kampf gegen Drogenschmuggel nach Florida.
Bushs Rolle als Vizepräsident ist
derzeit beim Eintritt in die republikanischen Vorwahlen die Quelle seiner
politischen
Hauptverantwortung
ebenso wie sein Vorteil.
Von republikanischen Herausforderern wird er
gedrängt zu erörtern, welchen Rat er
Präsident Reagan zum geplanten Verkauf von Waffen an den Iran gegeben
hat, was zur Iran-Contra-Affäre führte.
Wenn Bush behauptet, tief in die
Iran-Initiative verstrickt gewesen zu
sein, wird er mit einer mißlungenen
Politik in Verbindung gebracht. Wenn
er dagegen sagt, er habe wenig darüber gewußt, erweckt er den Eindruck,
er gehöre nicht zum engsten Kreis des
Präsidenten.
Ob Bushs Vorzüge ihm zur Präsidentschaft verhelfen, hängt vom Wesen
und der Stärke der Opposition gegen
ihn ebenso ab wie von seiner eigenen
Geschicklichkeit, während des anstehenden
Präsidentschaftswahlkampfes

- 3 -

�die Antworten auf die Fragen zu seiner Rolle bei der Iran-Contra-Affäre
und zu seinem Programm für die Nation
zu formulieren.

* * * * * *

- 4-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,oN &amp;

3. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

DOLES IMAGE BEI DEN WÄHLERN: PRAKTISCH, ZÄH, MITFÜHLEND
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Robert Dole -

WASHINGTON - (AD) - Es ist ein vielschichtiges Bild, das Senator Robert
Dole angesichts seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner von sich zu entwerfen sucht.

Einen Teil davon macht seine
Stellung als Führer seiner Partei Im
amerikanischen Senat aus - als nüchterne, konservativ eingestellte und
praktisch veranlagte Führungspersönlichkeit, die weiß, wie man Ergebnisse erzielt und Wahlen gewinnt.

Ein weiterer Teil ist der körperbehinderte Außenseiter, der verwundete Kriegsveteran - der Mann, der die
harten Seiten des Lebens kennengelernt hat, aber dennoch niemals aufgibt und immer wieder einen neuen
Versuch wagt.

Ein anderer Teil ist der Amerikaner Bob Dole - ein typischer Bürger,
der in einem typischen Umfeld des
Mittleren Westens aufwuchs; hart für
das von ihm Erreichte arbeiten mußte,
der den Mann auf der Straße versteht
und seine Sprache spricht.

Es hat sich gezeigt, daß all diese Images den wahren Bob Dole zeigen,
aber zusammengenommen vermitteln sie
ein Bild der Kampagne, mit der Dole
hofft, die Führungsposition seines
größten Rivalen bei der Nominierung von Vizepräsident George Bush, der

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aus einer begüterten Oberschichtfamilie stammt und öfter in Ämter berufen
als gewählt worden ist - zu erschüttern.
Beim Kampf um Stimmen in New
Hampshire und anderen Staaten, in denen Parteiversammlungen und Vorwahlen
stattfinden werden, stellt Dole sich
als Alternative zu dem favorisierten
Vizepräsidenten und betont dabei seine langjährige politische Erfahrung
und seiner führende Rolle im Kongreß.
"Vor einem Jahr wurde behauptet,
es gäbe keine Alternative", erklärte
er kürzlich bei einer Kundgebung in
New Hampshire. "Jetzt erkennen die
Leute, daß es doch eine gibt, und daß
sie Bob Dole heißt. Er kennt die
Probleme. Bei den Verhältnissen, aus
denen er stammt, können die Leute sagen: er ist einer von uns. Er besuchte öffentliche Schulen. Er hat
im Leben harte Zeiten durchgemacht.
Ihm wurde nichts geschenkt. Er ist
einer von uns, und darin besteht der
Unterschied".
In Wahlkampfbroschüren wird Dole
als "zäher Konservativer mit gesundem
Menschenverstand" bezeichnet, der im
Kongreß die Befürworter so wichtiger
Initiativen der Reagan-Administration
anführte wie etwa des Verfassungszusatzes für einen ausgeglichenen Haushalt, des Steuerindexes, der Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI), der Hilfe für Freiheitskämpfer
in Nicaragua und Afghanistan und des
Feldzuges zur Eindämmung der Regierungsausgaben.
Darin wird ferner
"Doles anhaltende Unterstützung für
eine gesunde Wirtschaftspolitik und
eine starke nationale Verteidigung"
gelobt.
über eine gesunde Wirtschaftspolitik hat Dole seine eigene Meinung.
Vor kurzem erklärte er gegenüber ei-

nem Zeitungsreporter, als Präsident
würde er seine Prioritäten beim Abbau
des Haushaltsdefizits setzen. "Meiner Ansicht nach ist das Defizit der
Staatsfeind Nummer Eins" ... "Wenn
ich gewählt werde, wird das meine erste Anordnung im Amt sein", erklärte
Dole.
Der 64jährige Bob Dole wurde in
Russell (Kansas) geboren, in einer
Stadt mit etwa 5 000 Einwohnern im
Nordwesten
dieses
Präriestaates.
Sein Vater besaß eine kleine Molkerei, in der er von Farmern abhängig
war, die in den Jahren der Depression, als der junge Senator aufwuchs,
oft nicht bar zahlen konnten und
manchmal Hühner gegen Molkereiprodukte eintauschten.
"Entweder hat man gearbeitet,
oder man hat nicht überlebt", erinnerte sich kürzlich Doles Bruder
Kenny, der immer noch in Russell
lebt. Kenny zufolge standen ihr Vater Doran Dole und auch seine Söhne
jeden Tag um fünf Uhr auf. "Er verteilte die Arbeit... alles, was wir
kannten, war Arbeit", erklärte der
Bruder des Senators einem Reporter.
Senator Dole, der am 9. November
letzten Jahres nach Russell zurückkehrte, um seine Kandidatur für die
Präsidentschaft bekanntzugeben, erklärte in einer Rede "die von den
Menschen in Russell über die Jahre
hinweg bezeugte Güte war die Quelle
meiner Inspiration und Stärke".
Die Menschen, die diese Stadt erbaut haben, waren Dole zufolge "Optimisten und Pioniere, sie haben mit
Hilfe ihres Erfindergeistes und harter Arbeit ein Leben in der Wildnis
möglich gemacht.
Der Geist dieses
Ortes hat mich mein Leben lang begleitet".

- 2 -

�Nach Beendigung seiner Schulzeit
in Russell studierte Senator Dole zunächst Medizin an der Universität
Kansas. Er unterbrach sein Studium,
um im Zweiten Weltkrieg in die Armee
einzutreten.
In Italien wurde er
1945 als Zugführer schwer verwundet.
Es waren drei Jahre Krankenhausaufenthalt nötig, um die Wunden des
Krieges zu heilen, und Dole war seit
der Zeit rechts halbseitig behindert.
Er habe "immer noch nicht viel Gefühl
in den Fingern", wie er Patienten eines Rehabilitationszentrums in NeuEngland anläßlich seiner diesjährigen
Kampagne in New Hampshire erklärte.
"Ich brauche ein Hilfsgerät, um ein
Hemd anzuziehen".
Aber seine Botschaft war nicht von Selbstmitleid
gekennzeichnet:
"Man muß viele Dinge kompensieren", erklärte er. "Man kompensiert,
indem man seinen Verstand anstelle
dessen benutzt, was man nicht hat.
Sie dürfen nicht aufgeben. Manchmal
dauert es eine gewisse Zeit, aber geben Sie nicht auf... Sie müssen in
die Zukunft schauen und dürfen die
Hoffnung nicht verlieren".

blikanischen Partei, und 1976 war er
Kandidat seiner Partei für das Amt
des Vizepräsidenten
bei Präsident
Gerald Ford. Er wurde im November
1984 zum Führer der Mehrheitspartei
im Senat gewählt.
Doles
zweite
Frau,
Elizabeth
Hanford Dole, mit der er seit 1975
verheiratet ist, war Verkehrsministerin bis zu ihrem Rücktritt im letzten
Jahr, um ihren Mann bei seiner Wahlkampagne
zu
unterstützen.
Doles
Wahlhelfer haben ihre Arbeit für ihren Mann gewürdigt, die es ihm erlaubt, seine Aufgaben in Washington
zu erfüllen und sich gleichzeitig um
die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikner zu bewerben.
"Sie ist ein sehr wichtiger Faktor", erklärte ein Wahlhelfer. "Wenn
es Elizabeth Dole nicht gäbe, könnte
Bob Dole seinen Verpflichtungen im
Senat nicht weiter nachkommen".

Nach dem Krieg und seiner Genesung nahm Dole sein Studium an der
Universität
von Arizona auf und
schloß es 1952 an der Washburn Municipal University in Topeka (Kansas)
in Rechtswissenschaften ab.
Mit 26 Jahren wurde Dole ins Repräsentantenhaus von Kansas gewählt;
zwei Jahre später wurde er Staatsanwalt in Russell County.
In diesem
Amt blieb er bis zu seiner Wahl in
den Kongreß im Jahr 1960. Er hatte
acht Jahre sein Amt im Repräsentantenhaus inne, bis er 1968 in den Senat gewählt wurde.
Zu Beginn der
siebziger Jahre wurde er Vorsitzender
des nationalen Ausschusses der Repu- 3 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

3. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
HAIG HAT SCHON VIELE ERFAHRUNGEN IM WEISSEN HAUS GESAMMELT
Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Alexander Haig -

WASHINGTON - (AD) - Wenn Alexander Haig 1988 bei seiner Präsidentschaftskandidatur Erfolg hat, wird er nicht als Fremder ins Weiße Haus kommen. Zweimal hatte er dort bereits Schlüsselpositionen in republikanischen Regierungen
inne.

Während
der
Reglerungszeit
Richard Nixons stand er als Nixons
Stabschef während
der sogenannten
"Watergate-Affäre" im Mittelpunkt der
Unruhen. In dieser Position war er
dafür verantwortlich, das Alltagsgeschäft im Weißen Haus zu bewältigen,
während Nixon dazu gezwungen war, den
überwiegenden Teil seiner Zeit damit
zu verbringen, seine vom Verfall bedrohte Regierung zu verteidigen.
Gleich zu Beginn der Reagan-Administration war Haig der Außenminister
des neuen Präsidenten. Aufgrund sei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ner vorherigen Tätigkeit im Weißen
Haus war ihm die Rivalität zwischen
Außenminister und Nationalem Sicherheitsberater um die führende Rolle in
der Außenpolitik sehr genau bewußt.
Obwohl er von Reagan die Zusicherung
erreichen wollte, daß die Außenpolitik vom Außenministerium geleitet
würde, leisteten ihm ranghohe Beamte
des Weißen Hauses Widerstand.
Regelmäßig geriet er mit Mitarbeitern im Weißen Haus aneinander,
und zwar in erster Linie wegen seiner
Bemühungen, seine Ansichten über den

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Präsidenten durchzusetzen und weniger
aufgrund
von substantiellen politischen Angelegenheiten.
1982 trat
er überwiegend wegen dieser Meinungsverschiedenheiten zurück.
Haigs bestimmtes Vorgehen fiel
besonders ins Auge, als der Präsident
am 30. März 1981 angeschossen wurde.
Während sich Reagan im Krankenhaus
befand und Vizepräsident Bush nach
Washington zurückeilte, um die Regierungsgeschäfte vorübergehend zu übernehmen, erklärte Haig gegenüber den
beim Weißen Haus akkreditierten Journalisten: "Ich habe mit sofortiger
Wirkung bis zur Rückkehr des Vizepräsidenten und im engen Kontakt mit ihm
die Kontrolle hier übernommen. Wenn
etwas geschähe, würde ich mich natürlich mit ihm in Verbindung setzen."
Diese Mitteilung sollte klarstellen, daß Haig als hochrangiges Kabinettsmitglied zeitweise die Machtbefugnisse im Weißen Haus übernommen
hatte. Er wurde aber ernsthaft kritisiert, weil er angeblich versucht
hatte, die verfassungsmäßig verankerte Abfolge der Machtbefugnisse zu
verletzen und Macht zu übernehmen,
die ihm nicht zustand.
Haig behauptet, für das Amt des
Präsidenten sei sein Selbstbewußtsein
kein Nach- , sondern ein Vorteil, hat
sich aber nachdrücklich bemüht, dieses Image herunterzuspielen, indem er
nicht mehr so sehr wie ein ehemaliger
Soldat auftrat. Er ist ebenfalls der
Meinung, daß er aufgrund seiner beruflichen Erfahrung nicht unbedacht
in einen Krieg hineinrutschen würde
und außerdem eher zur Regierungsübernahme befähigt wäre.
"Ich glaube,
eine höhere Qualifikation als alle
anderen Kandidaten beider Parteien in
dem Wahlkampf zu besitzen," stellt er
fest.

Seine Auffassungen zu zentralen
Themen der Außenpolitik sind klar umrissen. Er ist gegen das von Präsident Reagan und dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow im vergangenen Jahr unterzeichnete Abkommen
über die Beseitigung von Mittestrekkenraketen aus Europa (INF). Er ist
der Auffassung, dieses Abkommen würde
die Gefahr der seit langem bestehenden Überlegenheit des Warschauer Paktes gegenüber der NATO bei den konventionellen Streitkräften noch erhöhen, und warnt davor, daß es die politische und psychologische Auswirkung einer Abkoppelung der europäischen Verbündeten von den Vereinigten Staaten hätte.
Er drängt auf besondere Vorsicht
bei Jen Verhandlungen über einen Vertrag zum Abbau der strategischen Waffen (START).
Er befürwortet die
großzügige Gewährung von Militärhilfe
für die anti-sandinisticchen Rebellen
in Nicaragua. Er ist einer der entschiedensten Befürworter enger Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Israel. Er lehnt die derzeit
im Kongreß debatierten Handelsbeschränkungen ab und hat wiederholt
dazu aufgerufen, den Haushalt durch
Kürzungen bei den Inlandsausgaben
auszugleichen.
Alexander Haig wurde 1924 in
Philadelphia geboren. Man sagt, sein
starker Wille gehe darauf zurück, daß
er viele Aufgaben eines Erwachsenen
bewältigen mußte, nachdem sein Vater
verstarb, als AI erst zehn Jahre alt
war. Seine Frau Patricia, mit der er
seit 1950 verheiratet ist, erklärt:
"Er mußte erkennen, daß es für ihn
kein Sicherheitsnetz gab." Um einen
Teil seiner Studiengebühren an der
Universität von Notre Dame aufbringen
zu können, ging er bis zur Zulassung
an der amerikanischen Militärakademie
einer Arbeit nach.

- 2 -

�Haig war bei der Besetzung Japans
nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt
und trat während des Koreakonfliktes
in die Kampfhandlungen ein.
Dort
wurde er mit drei Orden ausgezeichnet. Er durchlief einen beständigen
dienstgradmäßigen Aufstieg und nahm
während des Vietnamkrieges erneut an
den Kämpfen teil, wo ihm das Militärverdienstkreuz verliehen wurde - Amerikas zweithöchste militärische Auszeichnung.
Zwischen diesen beiden Kriegen
bekleidete er eine Vielzahl von Regierungsämtern, einschließlich einer
Position unter dem früheren Außenminister Cyrus Vance, als dieser Stellvertretender
Verteidigungsminister
war.
Während der Nixon-Administration stieß er zum Stab des Nationalen
Sicherheitsberaters Henry Kissinger
und
genoß den Ruf, verschiedene
Standpunkte miteinander in Einklang
zu bringen, ohne andere zu beleidigen. Er hatte ein Gespür für das Anzapfen undichter Stellen im Weißen
Haus und bei der Vorbereitung der
Bombardierung Kambodschas sowie bei
den vietnamesischen Friedensgesprächen.

Haig verließ die NATO während der
Carter-Administration und wurde Präsident der United Technologies Corporation.
Für kurze Zeit bewarb er
sich im Jahr 1980 für das Amt des
Präsidenten.
Haig hat seit seinem
Rücktritt vom Amt des Außenministers
kein öffentliches Amt mehr bekleidet.
Aber er besteht darauf, daß die Themen, die zu seinem Ausscheiden aus
der Regierung führten, ihm nun zur
Rückkehr
als
Präsident
verhelfen
sollten.
"Einen Außenminister, der
für seine Überzeugungen auch geradestand, wollte niemand haben," erklärte Haig.
"Mit einem Außenminister,
der sich während Irangate so verhalten hätte, wären wir von dieser Krise
verschont geblieben."

Haig wurde im Jahr 1970 Stellvertretender Nationaler Sicherheitsberater. Kissinger lobte ihn in dieser
Position als "stark in Krisenzeiten,
entschieden im Urteil, geschickt bei
bürokratischen Streitigkeiten und unermüdlich bei seiner Arbeit".
Für kurze Zeit ging Haig als
Stellvertretender Stabschef des Heeres zurück ins Pentagon, wurde aber
erneut als Stabschef ins Weiße Haus
berufen, als die Watergate-Krise ihren Höhepunkt ereichte. Als Präsident Ford das Amt übernahm, ernannte
er Haig zum Kommandeur der amerikanischen Streitkräfte in Europa und
später zum Oberbefehlshaber der NATO.

- 3-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

3. Februar 1988

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

GEPHARDTS WAHLKAMPF:

PERSÖNLICHER ELAN UND WELTPOLITISCHE THEMEN

- Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten
Richard Gephardt WASHINGTON - (AD) - Als er am 23. Februar 1987 seine Bewerbung um die Norainierung als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei ankündigte,
tat der Kongreßabgeordnete Richard Gephardt dies mit dem Elan, der Entschlossenheit und dem Optimismus, die für ihn typisch sind.

"Mit Ihrer Hilfe," verkündete er
den bei
diesem Anlaß anwesenden
Freunden und Förderern, "beabsichtige
ich als Erster durchs Ziel zu gehen...
Wir werden dies erreichen,
indem wir morgens als Erste mit der
Arbeit beginnen und abends als Letzte
aufhören."
Ein politischer Kolumnist schrieb
einmal über Gephardt, als dieser in
einem NichtWahljahr in 30 Staaten für
sich warb: "Er kann nicht rasten und
er kann keiner Herausforderung widerstehen."
Jenem Kolumnisten zufolge

United States Information Service
Embassy of the United States of America

hat der Kongreßabgeordnete "rote Haare, ein jungenhaftes Gesicht und einen Motor, der nie stillsteht".
Gephardt verkündete seine Kandidatur an demselben, unweit seines Zuhauses in St. Louis gelegenen Ort, an
dem der frühere Präsident Harry S.
Truman - ein weiterer Politiker aus
dem Staate Missouri, dessen Name Elan
und Optimismus verkörpert - im Jahr
1948 den von ihm trotz äußerst
schlechter Chancen errungenen Wahlsieg über den Republikaner Thomas E.
Dewey annahm.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Seit Beginn
seines Präsidentschaftswahlkampfes hat der 46jährige
Rechtsanwalt, dessen politische Karriere im Jahr 1971 mit seiner Wahl
zum Stadtrat von St. Louis begann,
unermüdlich daran gearbeitet, sich
einen landesweiten Ruf zu verschaffen
und die Unterstützung der Wähler zu
gewinnen.
Er hat sich zu vielen vorrangigen
Themen zu Wort gemeldet und Positionspapiere zu Themen wie Gesundheitswesen, Bürgerrechte, Steuerreform, Reduzierung des Haushaltsdefizits und Bildungswesen verfaßt. Am
bekanntesten wurde er jedoch aufgrund
seiner aggressiven Haltung zum Abbau
des Ungleichgewichts im Welthandel
und zur Beseitigung der amerikanischen Handelsdefizite.
"Etwas stimmt nicht", erklärt er,
"wenn es Japan und Korea gestattet
wird, einen Handelsüberschuß von 65
Milliarden Dollar mit den Vereinigten
Staaten zu erzielen, während es den
Rindfleischproduzenten in Iowa und
den Reisbauern in Louisiana verwehrt
ist, ihre Produkte in diesen Ländern
zu verkaufen."
Gephardt findet besonderen Anklang bei der arbeitenden Bevölkerung
- Bauern und Automobilarbeitern zum
Beispiel -, deren Lebensunterhalt vom
Verkauf in den Vereinigten Staaten
hergestellter Produkte abhängt. Seiner Meinung nach können die Vereinigten Staaten nicht auf die Wiedergewinnung
ihrer industriellen Macht
hoffen, solange sie nicht "mit den
gleichen Chancen" wie Japan, Südkorea
und
anderen
Ländern
ausgestattet
sind, die weit mehr Waren in die Vereinigten Staaten verkaufen als sie
von diesen beziehen.

den

Er brachte einen Gesetzentwurf vom Repräsentantenhaus verab-

schiedeten sogenannten Gephardt-Zusatz - mit der Zielsetzung ein, die
erheblichen Handelsüberschüsse dieser
Staaten zu reduzieren.
Von Kritikern wie etwa Zeitungskommentatoren und anderen Befürwortern des freien Handels wurde dieses
Gesetz als protektionistische Maßnahme bezeichnet, die einen Handelskrieg
auslösen könnte.
In einer unlängst in Iowa gehaltenen
Wahlkampfrede
reagierte
Gephardt auf diese Vorwürfe in der
für ihn charakteristischen Weise:
"Meine Damen und Herren, lassen Sie
mich Ihnen sagen, daß wir uns in einem Handelskrieg befinden. Wir müssen die Zeitungskommentatoren in ihren Plüschbüros vergessen und an die
Automobil- und Landarbeiter sowie an
die arbeitende
Bevölkerung dieses
Landes
insgesamt
denken, die in
Schwierigkeiten stecken."
Dieser populistische Ansatz unterscheidet sich von der in seinen
früheren Reden vertretenen Haltung,
in denen er statistischen Erläuterungen breiten Raum gewährt und die Notwendigkeit von Produktionskontrollen
zur Verbesserung der Agrarpreise betont hatte.
Der Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses Thomas Foley, einer
von ca. 70 Kollegen Gephardts im Repräsentantenhaus, die seine Kandidatur unterstützen, hat dafür die folgende Erklärung:
"Früher hatten Sie einen Kongreßabgeordneten oder Stadtrat vor sich,
dessen Hauptaugenmerk der Gesetzgebung und deren Zustandekommen galt.
Während des Großteils seiner politischen Karriere handelte er in einem
geschlossenen Universum - im Kongreß
oder im Stadtrat. Als er Präsident-

- 2 -

�Schaftskandidat wurde, betrat er eine
völlig andere Welt."
Gephardts Stärke wird entscheidend durch die Unterstützung einer
Reihe demokratischer Kollegen aus dem
Repräsentantenhaus geprägt, von denen
ein Dutzend während der Kongreßferien
zum Jahresende in Iowa um Stimmen für
ihn warben.
Als Mitglied des Repräsentantenhauses bläst ihm jedoch im Kampf um
die
Präsidentschaftskandidatur
der
Demokraten der Wind ins Gesicht; der
letzte zum Präsidenten gewählte Abgeordnete war James Garfield, der als
Kompromißkandidat der Republikaner im
Jahr 1880 nominiert wurde.

cherungswesen ist er außerdem Vorsitzender der Gruppe demokratischer Abgeordneter im Repräsentantenhaus, der
vierthöchsten Führungsposition dieser
gesetzgebenden Körperschaft.
Eine
Führungsrolle
strebt
Gephardt nicht nur für sich selbst,
sondern auch für sein Land an. "An
der Schwelle zur neuen Welt des 21.
Jahrhunderts sind wir entschlossen,
Amerika wieder an die Spitze zu setzen - in der Wirtschaft, in nationaler Stärke, im Engagement für die
Durchsetzung der Menschenrechte und
für das überleben der Menschheit",
erklärte er bei der Ankündigung seiner Kandidatur.

In seiner Jugend, die er in St.
Louis verbrachte, war Dick Gephardt,
der Sohn eines Milchwagenfahrers

und

einer
Rechtsanwaltssekretärin
begeisterter Camper und Baseball-Spieler und tat sich besonders bei den
Pfadfindern hervor.
Nach Abschluß seines Studiums an
der Northwestern University und der
juristischen Fakultät der University
of Michigan diente er sechs Jahre in
der Missouri Air National Guard als
Hauptmann und Offizier für juristische Angelegenheiten. Seit 20 Jahren ist er mit seiner Frau Jane verheiratet, mit der er drei Kinder,
Matthew (16), Christine (14) und
Katherine (9), hat.
Nach zwei Amtsperioden als Stadtrat, in denen er einen vornehmlich
von Arbeitern und verschiedenen Rassen geprägten Bezirk vertrat, wurde
Gephardt im Jahr 1976 ins Repräsentantenhaus
gewählt
und
gewann
seitdem jede Wahl mit über 66 Prozent
der Stimmen. Als Mitglied des Finanzausschusses sowie der Unterausschüsse für Handel und Sozialversi- 3 -

* * * * *

�reo s&gt;.

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
3. Februar 1888

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
DU PONT ERLÄUTERT SEINE VISION VON DER ZUKUNFT AMERIKAS
- Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten
Pierre S. du Pont IV WASHINGTON - (AD) - Dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner,
Pierre du Pont, zufolge leisten Wahlkampagnen mehr als nur die Auswahl des
Präsidenten. Er ist der Ansicht, sie liefern "eine Entscheidung des Volkes
zum Kurs, den das Land in Zukunft einschlagen soll".

Mit seiner Kampagne gibt Du Pont
den Bürgern einen sehr detaillierten
Abriß der Richtung, In die er als
Präsident das Land führen würde.
Bei seiner Vision der Zukunft
Amerikas würden die staatlichen Subventionen in der Landwirtschaft abgeschafft, die Strategische Verteidigungsinitiative
(SDI) stationiert,
Schüler
weiterführender
Schulen
stichprobenartig auf Drogenkonsum untersucht, und Verkehrssündern würde
für zwei Jahre der Führerschein entzogen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

In einem von Du Pont geführten
Amerika würden all denen staatliche
Darlehen gewährt, die einen CollegeAbschluß erwerben oder sich einer
Weiterbildungsmaßnahme
anschließen
wollen.
Er würde Stipendien vergeben, mit deren Hilfe Kinder aus armen
Familien Privatschulen besuchen könnten. Seiner Ansicht nach sollte die
Legalisierung der Abtreibung den gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten überantwortet werden.
Wenn der frühere Gouverneur des
Staates Delaware 1988 zum Präsidenten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�gewählt würde, würde
ben zufolge jeder
nische Versorgung
Einkommen unterhalb
liegt.

er seinen AngaFamilie medizigewähren, deren
der Armutsgrenze

Du Pont möchte Sozial- durch Arbeitsprogramme für die "Arbeitsfähigen" ersetzen. In diesen Programmen
würden 90 Prozent des Mindestlohns
gezahlt. Sein Motto lautet: "Keine
Arbeit, kein Lohn". Er will ferner
das
Sozialversicherungssystem
für
pensionierte Arbeiter überholen.
Bei der Außenpolitik befürwortet
Du Pont die Hilfe für die Contras in
Nicaragua, und er hat die Vereinigten
Staaten aufgefordert, ihre diplomatischen Beziehungen zum sandinistischen
Regime
abzubrechen.
Er
spricht sich für eine starke amerikanische Unterstützung Israels aus.
In den Beziehungen zur Sowjetunion würde er eine harte Linie verfolgen. Als "schlechten Vertrag" bezeichnet er das INF-Abkommen.
Ihm
zufolge "gefährdet es unsere Freiheit" und leistet nichts zur Abschaffung nuklearer Gefechtsköpfe.
Der Kandidat würde ebenfalls bei
den Verteidigungsausgaben eine harte
Linie verfolgen.
Er erwartet die
Schließung von 100 als überflüssig
angesehenen Stützpunkten in den Vereinigten Staaten. Ferner unterstützt
er die gegenwärtige Politik der Vereinigten Staaten, Geleitschutz für
Öltanker im Persischen Golf bereitzustellen.
Die New York Times bezeichnet du
Ponts politische Linie als "gemäßigt
liberal". Er verspricht die Weiterführung der "Reagan-Revolution". Obgleich seit jeher Republikaner, hat
er doch in seinem Heimatstaat Delaware die beträchtliche Unterstützung

derer erfahren, die traditionell Anhänger der Demokraten waren.
Um bei der Präsidentschaftswahl
im Rennen zu bleiben, muß sich du
Pont bei den Parteiversammlungen in
Iowa und New Hampshire gegen die drei
Spitzenkandidaten der Republikaner George Bush, Robert Dole und Jack
Kemp - behaupten. Bis jetzt lag er
bei Meinungsumfragen hinter diesen
Kandidaten.
Pierre du Pont wurde 1935 geboren; er wird gern "Pete" genannt und
bezeichnet sich selbst als "Durchschnittsbürger" .
Du Pont stammt jedoch aus einer
wohlhabenden
Familie der amerikanischen Oberschicht. Seine Vorfahren
kamen vor 200 Jahren aus Frankreich
nach Amerika, wo sie das größte Chemieunternehmen der Welt, die E.I. du
Pont de Nemours, gründeten.
Du Pont erklärt, er sei stolz auf
seinen Namen und das Erbe der Familie. Obwohl er Millionär ist, spielt
er seinen Wohlstand und seine Herkunft bei der Wahlkampagne herunter.
"Ich glaube nicht, das dies zählt",
erklärt er. "Ich glaube, was in Amerika zählt, ist nicht, wer man ist,
sondern was man ist - nicht der Name
zählt, sondern die Fähigkeiten".
Du Pont diente dreieinhalb Jahre
als Offizier bei der amerikanischen
Marine. Sechs Jahre lang war er im
Familienunternehmen
Ingenieur
für
Qualitätskontrolle.
Im Jahr 1969 wurde er für ein
Jahr ins Repräsentantenhaus des Staates Delaware gewählt. Von 1971 bis
1977 war er Mitglied im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten. Danach war er acht Jahre lang Gouverneur von Delaware. In dieser Eigen-

- 2 -

�schaft erntete er großes Lob für die
Schaffung neuer Stellen und den Ausgleich des Haushalts in diesem Bundesstaat.
Du Pont absolvierte die Phillip's
Exeter Academy, 1956 erwarb er an der
Universität Princeton ein B.A. in Ingenieurwesen, und 1963 beendete er
sein Studium an der Harvard Law
School.
Als Anhänger der Episkopalkirche
vermeidet du Pont Wahlkampfaktivitäten am Sonntag. Er mißt der Familie
eine große Bedeutung bei. Du Pont
hat es sich zur - bis jetzt nicht gebrochenen - Regel gemacht, keine
Presse im "Patterns" genannten Familienwohnsitz in Wilmington (Delaware)
zuzulassen.
Seine Frau Elise ist Rechtsanwältin. Erst nachdem ihre vier Kinder
die höhere Schule abgeschlossen hatten, nahm sie mit 40 Jahren ihr Studium der Rechtswissenschaften wieder
auf. 1979 schloß sie es an der University of Pennsylvania ab.
Elise du Pont kommt aus wohlhabendem Haus und stammt von Benjamin
Franklin ab.
Sie bezeichnet sich
selbst als Feministin. In Präsident
Reagans erster Amtsperiode war sie
Stellvertretende Beauftragte bei der
Behörde für internationale Entwicklung. Sie stellte sich - jedoch ohne
Erfolg - 1984 für den Kongreß zur
Wahl.
Der 52jährige du Pont nennt als
seine Hobbies Segeln und Tennisspielen. Ferner liest er gern, vorzugsweise Thriller von Autoren wie etwa
John le CarrS und Ian Fleming, und er
malt Landschaften.

* * * * *

- 3

�'J&gt;^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
3. Februar 1988

GERINGERER KOKAINKONSUM UNTER AMERIKANISCHEN JUGENDLICHEN
- Aber Rauschgiftschmuggel nimmt zu - Härtere Gangart gegenüber
Verbrauchern WASHINGTON - (AD) - Der neueste Jahresbericht des amerikanischen Bundesministeriums für Gesundheitswesen und soziale Dienste (Department of Health
and Human Services - HHS) über den Konsum illegaler Drogen unter Oberstufenschülern läßt bemerkenswerten Rückgang in bezug auf Kokain erkennen. Wie Minister Otis R. Bowen auf einer Pressekonferenz bekanntgab, bekannter sich 42
Prozent der befragten Schüler dazu, im vergangenen Jahr dann und wann Drogen
in irgendeiner Form genommen zu haben. Seit Beginn der Umfragen vor L3 Jahren
sei dies, so Bowen, der niedrigste Stand. Dabei komme dem Rückgang des Kokainkonsums um 20 Prozent bei Oberstufenschülern, College-Studenten uid jungen
Erwachsenen die größte Bedeutung zu. Dieser Wandel sei vor allen auf das besser ausgeprägte Risikobewußtsein der jungen Menschen zurückzuführen, zu dem
die Regierung, die Medien und die Elternorganisationen durch Aufklärung und
Information viel beigetragen hätten.

Dr. Donald Ian Macdonald, Präsidialberater für Fragen des Drogenmißbrauchs und Administrator des Amtes
"Alkohol, Drogenmißbrauch und geistige Gesundheit" im HHS, berichtete,
daß im Jahr 1986 ca. 34 Prozent der
Oberstufenschüler den gelegentlichen
Konsum
von
Kokain
für
gefährlich
hielten.
Im Jahr 1987 waren es 48
Prozent. Der verblüffende Anstieg um
14 Prozent zeige einen wichtigen Bewußtseinswandel bei dieser Schülergruppe an.
Mehr als früher hätten
erkannt, wie gefährlich es ist, mit
Kokain zu experimentieren. Eine ähn-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

liche, allerdings weniger stark ausgeprägte Tendenz sei auch in bezug
auf alle übrigen Droger zu beobachten.
Diese Entwicklung bedeute aber
nicht
"Entwarnung".
Bowen
verwies
darauf, daß z.B. Crack - eine reinere
Form des Kokains, die auch durch
Rauch inhaliert werden kann - dem Kokaintrend nicht folge.
Nach
Dr.
Lloyd D. Johnston vom Institut für
Sozialforschung
der
Universität
Michigan scheine jedoch der Anstieg
des Crackkonsums unter jungen Amerikanern gebremst worden zu sein.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Gelegentlichen
Marihuana-Konsum
in den vergangenen 12 Monaten gaben
etwa 36 Prozent der befragten Schüler
der Oberstufen zu; 1986 waren es noch
39 Prozent. Täglich wurde die Droge
von 3,3 Prozent genommen (gegenüber
10,7 Prozent 1987, dem Jahr mit dem
höchsten Verbrauch).
Dies sei seit
Beginn der Umfrage der bisher niedrigste Stand, sagte Bowen. Aber die
Studie beziehe nicht die Gewohnheiten
jener 20 Prozent ein, die vorzeitig
von den Oberschulen abgehen.
Bei
dieser Gruppe vermute man den stärksten Konsum an Drogenmißbrauch.
An den Trink- und Rauchgewohnheiten der besagten Gruppe hat sich dem
Bericht zufolge in den letzten drei
Jahren nichts geändert. Fünf Prozent
der befragten Oberstufenschüler (insgesamt 16 000 in 130 öffentlichen und
privaten Oberschulen, verteilt über
alle Bundesstaaten) trinken täglich
Alkohol, mehr als 37 Prozent hätten
zumindest einmal in den vorangegangenen 14 Tagen fünf oder mehr harte
Drinks hintereinander zu sich genommen. Und zum Zeitpunkt der Entlassung aus der Oberschule sei für 19
Prozent tägliches Rauchen bereits Gewohnheit.
In seiner wöchentlichen Rundfunkansprache vom 16. Januar 1988 ging
Präsident Ronald Reagan auf die Ergebnisse dieser Umfrage und die AntiDrogen-Kampagnen der letzten Jahre
besonders ein - Kampagnen, die unter
der Schirmherrschaft von Nancy Reagan
standen und die beachtliche Erfolge
einbrachten.
Alles in allem werde
jedoch künftig, wie Dr. Macdonald in
einem Interview Anfang Januar erklärte, die "Verantwortung des Konsumenten" mehr als bisher im Vordergrund
stehen. Dies bedeute, daß der Drogenkonsument
daraus
Konsequenzen
nicht nur für sich selbst, sondern
auch für andere zu tragen habe. Denn

er unterstütze damit den Drogenhändler, den Produzenten und die Drogenkriminalität. Dem müsse ein Ende gemacht werden.
Macdonald sprach sich für gesetzliche Maßnahmen verschiedener amerikanischer Bundesstaaten aus, Personen
unter 21 Jahren, bei denen Alkohol
oder Rauschgift gefunden werden, die
Fahrerlaubnis vorläufig zu entziehen.
In New York würden die Wagen von Personen, die man beim Drogenkauf erwische, beschlagnahmt - ein Verfahren,
das inzwischen einige andere Städte
übernommen haben.
In der Wirtschaft werden bei Neueinstellungen immer häufiger Drogentests verlangt. Und fast die Hälfte
der vom Verband "Business Roundtable"
befragten Firmen läßt unter bestimmten Umständen auch Personen testen,
die bereits bei ihnen beschäftigt
sind. Auch immer mehr Schulen ergriffen strengere Maßnahmen gegen
drogenanfällige Schüler, sagte Macdonald. Beispielsweise würden in einer Oberschule in Atlanta (Georgia)
Schüler, die mit Drogen erwischt werden, eingesperrt, ihren Eltern übergeben und vorübergehend von der Schule verwiesen.
Außerdem werde verlangt, daß sie über die Herkunft des
Rauschgifts Angaben machen und sich
einer
Beratung
unterziehen.
Wie
kürzlich die New York Times berichtete, mischten sich in einigen Schulen
von New Jersey junge Polizeibeamte
unter die Schüler und traten als Drogenkäufer auf. Die Aktion führte im
Monat Dezember 1987 zu 36 Festnahmen.
26 waren Jugendliche, die man ihren
Eltern übergab.
Die Polizeiverwaltung müsse Verständnis dafür haben,
meinte Macdonald, "daß wir nicht Jugendliche mit Kriminellen zusammen
einsperren wollen. Aber wir wollen
andererseits der Gesellschaft eindeutig klarmachen, daß der Drogenkonsum

�aufhören muß".
Die Bestrafung von Konsumenten
ist verhältnismäßig neu im Maßnahmenkatalog der Vereinigten Staaten zur
Drogenbekämpfung, für den nach wie
vor Milliarden Dollar aufgewendet
werden und der von Beschlagnahme und
Verbot, Strafvollzug bei Händlern,
Zerstörung der Anbauflächen, bis zu
Therapiemaßnahmen zur Vorbeugung und
Erziehung reicht. Durch das im Oktober 1986 von Präsident Reagan unterzeichnete Gesetz wurden die Bundesmittel für den Kampf gegen Drogen im
Jahr 1987 um weitere 1,7 Milliarden
auf 3,9 Milliarden Dollar aufgestockt.
Für
Anti-Drogen-Programme
an
Schulen wurden allein 203 Millionen
Dollar zur Verfügung gestellt. Ende
1987 hatten sich 1 206 Schulen und
239 Schulbezirke offiziell der Kampagne des
Bildungsministeriums in
Washington angeschlossen, die unter
dem Motto steht: "Drogenfreie Schulen: Die große Herausforderung".
Ein Drittel des Etats für 1987,
d.h. 1,37 Milliarden Dollar, wurden
für
Maßnahmen
zum
Abfangen
von
Rauschgift möglichst schon an den
Grenzen, insbesondere an der Grenze
zu Mexiko verwendet. Es gelang, im
ersten Halbjahr 1987 fast dreieinhalb
Tonnen Kokain zu konfiszieren - mehr
als das Vierfache der Menge, die im
gleichen Zeitraum des Vorjahres beschlagnahmt wurde. Bei Marihuana und
Heroin stiegen die beschlagnahmten
Mengen um 150 Prozent.
Vorläufige
Daten der Zollbehörden und der Drogenfahnder der Bundesbehörde (Drug
Enforcement Administration - DEA) belaufen sich auf 74 Tonnen beschlagnahmen Kokains im Fiskaljahr 1987,
gegenüber 32,5 Tonnen im Jahr zuvor.
Für Marihuana melden die beiden
Behörden einen Rückgang der beschlag-

nahmten Menge auf 1 362 Tonnen gegenüber ca. 1 830 Tonnen im Jahr zuvor.
Die Zollbehörde schreibt dies dem
verstärkten Anbau im Inland und dem
lukrativeren und einfacheren Kokainschmuggel zu. An Heroin wurden 507
kg beschlagnahmt, nahezu dieselbe
Menge wie 1986.
Im Jahr 1987 nahm die DEA 21 000
Verhaftungen vor, 2 500 mehr als im
Jahr zuvor.
In Zusammenarbeit mit
den Vollzugsbehörden der Einzelstaaten wurden mehr als sechs Millionen
für die Marihuana-Gewinnung angebaute
Pflanzen zerstört (1986 waren es ca.
4,7 Millionen), dazu 95,5 Millionen
Cannabis-Pflanzen geringer Ergiebigkeit (gegenüber 125 Millionen im Jahr
zuvor). An Geld und Sachwerten wurden von Drogenhändlern 730 Millionen
Dollar beschlagnahmt, 180 Millionen
mehr als 1986.
Dennoch nimmt die
Menge der in die USA eingeschleusten
Drogen zu, wird vermutet. Die Öffentlichkeit toleriere heute Drogenkonsum entschieden weniger als Ende
der siebziger Jahre, sagte Macdonald.
Man erkenne eine neue Entschlossenheit, das Land drogenfrei zu machen.
Einer Roper-Umfrage zufolge bewerten die Amerikaner Drogenmißbrauch
an zweiter Stelle unmittelbar nach
AIDS als vordringliches gesellschaftliches Problem, das Handeln erfordere.
Inzwischen gibt es mehr als
9 000 Eltern- und Bürgergruppen, die
sich der Drogenbekämpfung verschrieben haben und im ganzen Land sehr aktiv sind. Auch die Medien und bekannte Filmstars beteiligen sich immer stärker.
Dr. Donald Jan Macdonald unterstrich, daß die Vereinigten Staaten schwerlich andere Staaten zu strikteren Maßnahmen anhalten
könnten, solange nicht im eigenen
Land hart durchgegriffen und der Konsument genauso verantwortlich gemacht
werde wie die Händler.

- 3 -

* * * * * *

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10130">
              <text>03.02.1988</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10131">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10132">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10133">
              <text>Amerikadienst 03.02.1988</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="10134">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;INF-Vertrag wird atomaren Druck verringern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Verteidigungsminister Carlucci vor dem auswärtigen Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Amt des Vizepräsidenten hat für Bush Vor- und Nachteile&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doles Image bei den Wählern: Praktisch, zäh, mitfühlend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Robert Dole &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Haig hat schon viele Erfahrungen im Weißen Haus gesammelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Alexander Haig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gephardts Wahlkampf: persönlicher Elan und weltpolitische Themen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Richard Gephardt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Du Pont erläutert seine Vision von der Zukunft Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kurzbiographie des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Pierre S. du Pont IV&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Geringerer Kokainkonsum unter amerikanischen Jugendlichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aber Rauschgiftschmuggel nimmt zu - Härtere Gangart gegenüber Verbrauchern&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
