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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

4

20. Januar 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Kampelman;

Vereinigte Staaten zu Halbierung strategischer Waffen

bereit
Erklärung zur Wiederaufnahme der NST-Gespräche -

HINTERGRUNDMATERIAL
Der INF-Vertrag:

Die richtigen Lehren ziehen

- Von Richard R. Burt -

Empfehlungen zur langfristigen Sicherheitsstrategie
- Bericht über "selektive Abschreckung " -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NASA geht auf Sicherheit
- Shuttle-Start eventuell im August -

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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Dokumentation

**

20. Januar 1988

KAMPELMAN:

VEREINIGTE STAATEN ZU HALBIERUNG STRATEGISCHER WAFFEN BEREIT
- Erklärung zur Wiederaufnahme der NST-Gespräche -

GENF - (AD) - In der am 14. Januar 1988 begonnenen neunten Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen (NST) haben die Vereinigten Staaten
ihre Bereitschaft erklärt, das Ziel des START-Vertrages - die Reduzierung
strategischer Waffen um 50 Prozent - weiterzuverfolgen. Dies erklärte Botschafter Max Kampelman kurz nach seiner Ankunft in Genf am 13. Januar. Die
Vereinigten Staaten arbeiteten auf die Fertigstellung eines START-Vertrages
"zum frühestmöglichen Zeitpunkt, möglichst rechtzeitig für eine Unterzeichnung
beim nächsten Gipfeltreffen in Moskau in der ersten Jahreshälfte" hin.
Die Erklärung Botschafter Kampelmans hat folgenden Wortlaut:

Die
amerikanische
Delegation
sieht erwartungsvoll dem Beginn der
neunten Runde der Gespräche über Nuklear- und Weltraumwaffen mit der Sowjetunion entgegen, die morgen, am
14. Januar, beginnt.
Unsere Verhandlungen, die vor 34
Monaten an diesem Ort begannen, waren
schwierig aber produktiv. Als Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow am 8. Dezember 1987 den 129
Seiten umfassenden INF-Vertrag unterzeichneten, wurde
ein bedeutender
Fortschritt erzielt. Die Beseitigung

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einer ganzen Kategorie sowjetischer
und amerikanischer Atomraketen mit
Reichweiten zwischen 500 und 5 500
Kilometern geht weit über jedes in
der Vergangenheit geschlossene Rüstungskontrollabkommen hinaus.
Der
Vertrag stellt eine dramatische Demonstration dafür dar, daß geduldiges, realistisches und ernsthaftes
Verhandeln zu einer Übereinkunft führen kann, die im Interesse beider
Seiten liegt und einen entscheidenden
Beitrag zur weltweiten Stabilität und
zum Weltfrieden leistet.

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�Die amerikanische Delegation ist
jedoch heute nicht deshalb nach Genf
zurückgekehrt, um über die Errungenschaften von gestern zu sprechen.
Dasselbe geduldige, realistische und
ernsthafte Verhandeln, das einen guten INF-Vertrag hervorgebracht hat,
hat ebenso zu bedeutenden Fortschritten in den anderen Bereichen dieser
Verhandlungen über Nuklear- und Weltraumwaffen geführt. Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow haben
die beträchtlichen Fortschritte zur
Kenntnis genommen und auf ihnen aufgebaut, die hier in Genf in Richtung
auf den Abschluß eines START-Vertrages erzielt wurden, durch den die
strategischen Offensivwaffen um 50
Prozent reduziert würden. Die beiden
Politiker haben uns beauftragt, auf
den Abschluß eines START-Verträges
zum frühestmöglichen Zeitpunkt hinzuarbeiten, möglichst rechtzeitig für
eine Unterzeichnung während des nächsten Gipfeltreffens in Moskau in der
ersten Jahreshälfte.
Die amerikanische Delegation ist bereit, dieses
Ziel weiterzuverfolgen und ihren Teil
der Verantwortung zu übernehmen.
Dies wird keine leichte Aufgabe
sein. Trotzdem arbeiten beide Seiten
bereits auf der Grundlage eines gemeinsamen Vertragsentwurfs. Wir haben auf unserer Übereinkunft aufgebaut, unsere strategischen Waffen um
50 Prozent zu reduzieren, indem wir
dieser Übereinkunft wichtige Zahlen
hinzugefügt haben. Wir haben uns auf
gleiche Obergrenzen von 1 600 Trägersystemen mit nicht mehr als 6 000 Gefechtsköpfen, und innerhalb dieser
Obergrenze von 6 000 auf eine Begrenzung von 4 900 Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen und eine Begrenzung auf 1 540 Gefechtsköpfe auf
den sogenannten schweren Raketen geeinigt.
Es wird eine 50prozentige
Reduzierung des Wurfgewichts geben.
Durch diese Zahlen werden unsere vi-

talen
Sicherheitsinteresses
geschützt, während wir zu bedeutenden
Reduzierungen übergehen.
Weiterhin
bestehen
erhebliche
Meinungsverschiedenheiten, die gelöst
werden müssen. Und wir sind uns auch
der enormen Herausforderung gewahr,
eine Übereinkunft über einschneidende
und wirksame Verifizierungsmaßnahmen
zu erzielen, die über die im INF-Vertrag vereinbarten hinausgehen müssen.
Ein zweites Ziel dieser Verhandlungen besteht darin, auf einen Vertrag im Bereich der strategischen
Verteidigung hinzuarbeiten.
Sowohl
die Vereinigten Staaten als auch die
Sowjetunion - wie von Generalsekretär
Gorbatschow unlängst bestätigt wurde
führen umfangreiche Forschungsarbeiten durch, um zu klären, ob mit
Hilfe moderner Technologien Verteidigungssysteme gegen ballistische Atomraketen entwickelt werden können.
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow haben sich darauf verständigt, daß keines unserer beiden
Länder sich innerhalb eines bestimmten, noch nicht definierten Zeitraums
vom ABM-Vertrag zurückziehen wird.
Unserer Meinung
nach bedeutet
dies, daß unsere grundlegenden Forschungs-, Entwicklungs- und
Erprobungsprogramme innerhalb dieses bestimmten Zeitraums andauern werden.
Vor Zustandekommen einer Gelegenheit
zu umfassenden Konsultationen zwischen uns wird keine Seite möglicherweise entwickelte moderne Verteidigungssysteme stationieren. Wir würden mit diesen Konsultationen gerne
schon heute beginnen. In jedem Fall
sind wir mit den Sowjets übereingekommen, damit spätestens drei Jahre
vor Ende des festgelegten Zeitraums
zu beginnen, nach dessen Ablauf es
jeder Seite freistehen wird, ihre
Handlungsweise selbst zu bestimmen,

- 2 -

�falls sich die Seiten bis dahin nicht
anderweitig verständigt haben.
Die Vereinigten Staaten sind voll
und ganz davon überzeugt, daß im Bereich der strategischen Verteidigung
die Stabilität zwischen unseren Ländern und in der Welt gestärkt würde,
wenn wir uns auf Maßnahmen verständigen könnten, um die Berechenbarkeit
im Bereich der strategischen Verteidigung zu verbessern. Wir werden die
sowjetische Delegation in eine Diskussion über die Frage einbinden, wie
diese Berechenbarkeit auf eine Art
und
Weise
gesichert
werden
kann,
durch die Abschreckung gestärkt, Vertrauen gebildet und damit das Atomkriegsrisiko verringert werden kann.

Konteradmiral Dean Sackett zur Seite
stehen wird, der als Delegierter der
Vereinigten Stabschefs das Amt des
Stellvertreters inne hat; und Henry
F. Cooper, der die Verhandlungsgruppe
über Nuklear- und Weltraumwaffen leiten wird und dessen Assistent William
Courtney bis vor kurzem Mitglied des
Arbeitsstabs des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus war.
Ich
werde weiterhin die Aufgabe als Leiter der amerikanischen Delegation bei
diesen Gesprächen wahrnehmen.

Die zu Beginn dieser entscheidenden Verhandlungsrunde vor uns liegenden Aufgaben sind eindeutig.
Wir
müssen
auf
den
bereits
erzielten
Fortschritten aufbauen und die noch
bestehenden
wichtigen
Meinungsverschiedenheiten ausräumen.
Die Vereinigten Staaten werden ernsthaft,
konstruktiv und in gutem Glauben verhandeln. Es gibt jedoch keine Garantien für einen Erfolg.
Wir streben
Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion an, die unsere beiderseitige Sicherheit sowie auch die Sicherheit der gesamten Welt verbessern.
Wir würden es begrüßen, wenn die Sowjetunion sich uns beim Streben nach
derartigen
Abkommen
anschlösse.
Solch
eine
gemeinsame
Anstrengung
birgt eine echte Erfolgschance.
Meine Damen und Herren, ich möchte meine Ausführungen beenden, indem
ich Ihnen hiermit formell die amerikanischen Botschafter vorstelle, die
für ihre jeweiligen Verhandlungsgegenstände in dieser Runde die primäre
Verantwortung tragen werden. Es sind
dies Read Hanmer, der die START-Verhandlungsgruppe leiten wird und dem

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

^

20. Januar 1988

DER INF VERTRAG:

DIE RICHTIGEN LEHREN ZIEHEN

- Von Richard R. Burt -

(Der folgende Artikel des amerikanischen Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland erschien am 7. Januar 1988 im Wall Street Journal)

Derzeit wird die Debatte über den
neuen amerikanisch-sowjetischen Vertrag zur Beseitigung der nuklearen
Mittelstreckenraketen auf allen Ebenen geführt. In den kommenden Monaten werden amerikanische Senatoren,
Regierungsvertreter, europäische Politiker und Experten auf beiden Seiten des Atlantiks eine Reihe von Themen erörtern, die das gesamte Spektrum der Auswirkungen des Abkommens
auf das militärische
Gleichgewicht
zwischen NATO und Warschauer Pakt bis
zu der Frage umspannen, ob der Vertrag ausreichend verifiziert werden

tion Service

üTfraiwn

kann.
Dies sind wichtige Aspekte und
sie verdienen die Aufmerksamkeit, die
ihnen zweifelsohne zuteil wird.
Es
ist jedoch von entscheidender Bedeutung, daß die Ratifizierungsdebatte
über die Frage hinausgeht, wie sich
der
INF-Vertrag
auf
die
amerikanischen
und
sowjetischen
nuklearen
Streitkräfte
auswirkt
und
darüber
hinaus auf einen weiteren wichtigen
Themenkomplex
eingeht:
die Frage,
welche Lehren Politiker und Öffentlichkeit im Westen aus dem Vertrag

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�und dem Prozeß seiner Verwirklichung
ziehen.
Die Erfahrung hat uns gelehrt,
daß sowohl in den Vereinigten Staaten
wie in Westeuropa eine beunruhigende
Tendenz besteht, aus Rüstungskontrollvereinbarungen
die
falschen
Schlüsse zu ziehen. Dies war vor 15
Jahren der Fall, als die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion Abkommen
zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen (das sogenannte SALT I
oder "Zwischenabkommen") sowie zur
drastischen Einschränkung der Stationierung antiballistischer Raketensysteme (ABM-Vertrag) abschlössen. Zu
jener Zeit haben zahlreiche Beobachter, unter Ihnen auch Vertreter der
Nixon-Administration, diese Verträge
als positiven Beweis dafür gepriesen,
daß die Sowjetunion sowohl das amerikanische Konzept von der ausreichenden Streitkräftezahl wie auch die nukleare Doktrin der Gesicherten Zerstörungsfähigkeit übernommen hätten.
Aber dem war nicht so. Als in
den siebziger Jahren amerikanische
Militärprogramme wie MX oder B-l vernachlässigt wurden, fuhr die Sowjetunion mit einer beispiellosen strategischen Aufrüstung fort, die den Sowjets die Fähigkeit verschaffen sollte, einen nuklearen Konflikt mit dem
Westen auszutragen und möglicherweise
zu gewinnen.
Sowohl linksgerichtete wie auch
konservative europäische Politiker,
zu denen gleichermaßen Befürworter
wie Kritiker des Vertrages zählen,
haben bereits damit begonnen, die
falschen Lehren aus dem neuen INFVertrag zu ziehen. Heißt das, es wäre es ein strategischer Fehler, fortzufahren und den INF-Vertrag zu ratifizieren? Keineswegs. Die doppelte
Null-Lösung, mit ihrem günstigen Verhältnis von 4:1 beim Abbau von Mit-

telstreckenraketen längerer und kürzerer Reichweite und ihren Bestimmungen für Vor-Ort-Inspektionen liegt im
westlichen Interesse. Es ist jedoch
wichtig, daß die Ratifizierungsdebatte der Öffentlichkeit auf beiden Seiten des Atlantiks dazu verhilft, falsche Lehren zu erkennen und die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Auf der linken Seite des politischen Spektrums behaupten Vertreter
der Sozialisten in Nordeuropa jetzt,
der Vertrag sei das Produkt einer gemäßigten Linie der Sowjetunion und
des unnachgiebigen Drängens der Friedensbewegung auf einseitige nukleare
Abrüstung. Aber nichts wäre skandalöser und käme Orwellschen Visionen
politisch näher als die Bemühungen
der Friedensbewegungen, in letzter
Minute zumindest einen Teil des Verdienstes für den Vertrag zu beanspruchen. Mit ihrem erbitterten Widerstand gegen die beiden ursprünglichen
INF-Entscheidungen der NATO im Jahr
1979 und die tatsächliche Stationierung der Raketen im Jahr 1983 hat die
Friedensbewegung
gerade
jene Entscheidungen abgelehnt, durch die das
INF-Abkommen
erst
möglich
wurde.
Hätten die westlichen Regierungen in
den frühen achtziger Jahren auf die
Demonstranten in Europa oder deren
Freunde in Amerika gehört, wären die
Genfer Verhandlungen ins Stocken geraten, und die Sowjetunion besäße
heute noch ein totales Monopol bei
den INF-Raketen.
Es ist ebenfalls schwer zu verstehen, warum Moskau große Anerkennung für das Zustandekommen des Vertrages zuteil werden soll.
Herr
Gorbatschow hat Ronald Reagans Vorschlag von 1981 zur Vernichtung aller
Mittelstreckenraketen
schließlich
erst akzeptiert, nachdem die Sowjetunion
sämtliche
Alternativen
zu
ernsthaften Verhandlungen erschöpft

- 2 -

�hatte.
Vor der amerikanischen Stationierung im Jahr 1983 wollten die
Sowjets Westeuropa mit der Androhung
einer neuen "Eiszeit" in den OstWest-Beziehungen einschüchtern, während sie insgeheim die europäischen
Befürworter einer einseitigen nuklearen Abrüstung zu weiteren Anstrengungen ermutigten.
Nach der Stationierung verließen sie demonstrativ die
Genfer Verhandlungen.
In einem letzten verzweifelten Versuch, die NATO
einzuschüchtern und vom Kurs abzubringen, trafen sie "Gegenmaßnahmen",
beispielsweise durch die Stationierung von SS-22-Raketen in der DDR und
der Tschechoslowakei.
Erst nachdem
die Sowjets erkannt hatten, daß ihre
Drohungen ihr Ziel völlig verfehlt
hatten, sind die sowjetischen Unterhändler in Genf endlich zur Sache gekommen.
Das eigentliche Verdienst für das
INF-Abkommen kommt somit weder der
Friedensbewegung noch Herrn Gorbatschow zu;
es gebührt
stattdessen
Ronald Reagan und seinen Verbündeten
Margaret Thatcher, Helmut Kohl,
Bettino Craxi, Wilfried Martens und
Ruud Lubbers - jenen politisch Verantwortlichen, die sich den Sowjets
und den Befürwortern der einseitigen
Abrüstung
während
des
schwierigen
"Jahres der Rakete" 1983 gemeinsam
entgegenstellten.
Teile
der
europäischen
Linken
ziehen ebenfalls eine andere gefährliche militärische Lehre aus dem INFAbkommen:
Der Vertrag ebne den Weg
zur endgültigen "Entnuklearisierung"
Europas. Kaum daß die Tinte auf dem
Papier des Abkommens zur doppelten
Null-Lösung trocken ist, argumentieren
linksorientierte
sicherheitspolitische Sprecher in der Bundesrepublik und andernorts schon, Verhandlungen über nukleare Kurzstreckenraketen sollten bei den nächsten Abrü-

stungsschritten Vorrang haben, wobei
sie das Ziel einer dreifachen NullLösung verfolgen, also den Abbau amerikanischer und sowjetischer Raketen
mit Reichweiten unter 500 Kilometern.
Einige Mitglieder der oppositionellen
Sozialdemokraten in der Bundesrepublik
haben
den
INF-Vertrag
sogar
schon
dahingehend
interpretiert,
Westeuropa könne völlig ohne die hier
stationierten amerikanischen Atomwaffen auskommen.
Ein entnuklearisiertes Europa wäre für den Westen der Gipfel strategischer Torheit. Durch die Preisgabe
der nuklearen Abschreckung der NATO
wäre Westeuropa der vollen Wucht der
sowjetischen
konventionellen
Invasionsfähigkeit
ausgeliefert.
Durch
das INF-Abkommen mit dem daraus folgenden Abbau von ca. 400 amerikanischen nuklearen Gefechtsköpfen in
Europa wird die Strategie der flexiblen Reaktion des Bündnisses nicht
verändert. Dies war auch nicht beabsichtigt.
Die Vereinigten Staaten
werden auch nach der vollständigen
Durchführung
des INF-Vertrages die
Stationierung von 4 000 Nuklearwaffen
in ganz Europa aufrechterhalten.
So wie die Linke einige falsche
Vorstellungen über die Bedeutung des
Vertrages hat, trifft dies auch für
viele auf der konservativen Seite des
politischen Spektrums in Europa zu.
Einige bundesrepublikanische Konservative behaupten zum Beispiel gerne,
der
Vertrag
"singularisiere"
ihr
Land, weil nach dem Abbau der Mittelstreckenwaffen die sowjetischen Kurzstreckenraketen in der DDR immer noch
in der Lage wären, Ziele in der Bundesrepublik Deutschland zu treffen.
Es wird ebenfalls hervorgehoben, daß
dem Vertrag zufolge viele der verbleibenden amerikanischen Nuklearwaffen in der Bundesrepublik atomare Artilleriegranaten sein würden, die im

- 3 -

�Konfllktfall auf deutschem Boden eingesetzt werden könnten.
"Je kürzer
die Reichweite, umso toter die Deutschen,"
lautet
ein Ausspruch
von
Volker Rü'he, einem führenden deutschen Christdemokraten, um diese anscheinend ungerechte Situation zu beschreiben.
Aber die westdeutsche "Singularisierung" ist ein Hirngespinst.
Das
INF-Abkommen hat im wesentlichen den
Status quo in Europa wiederhergestellt, wie er Mitte der siebziger
Jahre vor der Stationierung der SS20-Raketen
bestand.
Gegenüber den
sowjetischen Kurzstreckenraketen, deren Anzahl sich in der Zwischenzeit
nicht wesentlich verändert hat, war
die Bundesrepublik damals genau so
verwundbar wie heute.
Und dennoch
hat früher niemand behauptet, die
Bundesrepublik sei als nukleares Ziel
ausgewählt worden.
In Wirklichkeit
werden durch das Argument der Singularisierung die Auswirkungen des INFVertrages höchstens dramatisiert. So
wie die Bundesrepublik nach der Vernichtung
von
Mittelstreckenraketen
auch weiterhin einem sowjetischen Nuklearangriff
gegenüber
verwundbar
ist, so trifft dies ebenso auf das
übrige Westeuropa und ganz bestimmt
auch auf die Vereinigten Staaten zu.
Die Vorstellung, daß die verbleibenden amerikanischen Nuklearwaffen in
Europa nur auf deutschem Boden eingesetzt werden könnten, ist ebenfalls
falsch.
Nach dem Abzug der Mittelstreckenraketen werden die Vereinigten Staaten weiterhin eine beträchtliche Anzahl nuklearer Kampfmittel in
Europa auf See und in den Vereinigten
Staaten selbst besitzen, mit denen
Ziele in ganz Osteuropa und in der
Sowjetunion bedroht werden können.
Es trifft zu, daß sich die Bundesrepublik
wegen ihrer geographischen
"Frontstellung"
und
ihres
- 4

nicht-nuklearen Status' in einer ausserordentlich exponierten Position in
Mitteleuropa befindet.
Die Präsenz
amerikanischer
Nuklearstreitkräfte
war ein wichtiges Mittel zur Verringerung dieser Gefährdung.
Wenn die
NATO nun in absehbarer Zukunft mit
dem Abbau dieser Präsenz beginnen
sollte, könnte sich die Bundesrepublik
tatsächlich
"singularisiert"
vorkommen.
Einige Europäer - vorwiegend die
Franzosen - haben eine andere, genauso irreführende Schlußfolgerung aus
dem Ergebnis des INF-Vertrages gezogen. Ihrer Auffassung nach würde damit der erste Schritt zu einem vielleicht unvermeidbaren Abbau amerikanischer Macht in Europa getan.
Mit
dem Hinweis auf Engpässe im Haushalt
in Washington und einem angeblich
neuen Unilateralismus in der amerikanischen
Politik
prophezeien sie,
dem Abbau
von Mittelstreckenwaffen
werde schon bald ein beträchtlicher
Rückzug amerikanischer Truppen folgen.
Nur ein Bruchteil der Erfahrungen
mit dem INF-Vertrag rechtfertigt die
Ängste der Rechten oder die Hoffnungen der Linken, die Argumente bezüglich des amerikanischen Rückzugs aus
Europa oder der Beseitigung des amerikanischen
nuklearen
Schutzschilds
nähren. Die Besorgnis über die europäische
Sicherheit
veranlaßte
die
Carter-Administration, die Stationierung von INF-Systemen zu billigen;
die Sorge um den Zusammenhalt der Allianz bewog die Reagan-Administration
dazu, diese bis zum Ende durchzustehen. Während dieser Phase haben beide Administrationen der Stärkung amerikanischer konventioneller wie auch
nuklearer Streitkräfte in Europa den
Vorrang gegeben.
Selbst heute, wo
sich Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben abzeichnen, behalten ameri-

�kanische Streitkräfte in Europa auch
weiterhin
die höchste
militärische
Priorität. Das INF-Abkommen signalisiert also kein nachlassendes amerikanisches Interesse an Europa. Genau
das Gegenteil ist der Fall. Der Vertrag ist nicht, das Ergebnis amerikanischer Schwäche, sondern amerikanischer Stärke; nicht des Unilateralisraus, sondern der Führungskraft.
Insgesamt gesehen wird der Mittelstreckenvertrag
weder
zu
einer
Entnuklearisierung Europas oder Abkoppelung
der
Vereinigten
Staaten
führen, noch zu einer größeren Gefährdung der Bundesrepublik durch die
sowjetische Militärmacht.
100 Prozent der amerikanischen Truppen und
90 Prozent der derzeit in Europa stationierten Nuklearwaffen werden auch
nach Verwirklichung dieses Vertrages
hier verbleiben.
Die Bündnisstrategie der flexiblen Reaktion wird auch
weiterhin
gültig
und
glaubwürdig
sein.
Die Bundesrepublik wird von
einem nuklearen Angriff weniger stark
bedroht sein, als sie es heute ist.
Das westliche Bündnis wird unter Beweis gestellt haben, daß sich Einigkeit
und Entschlußkraft auszahlen.
Dies sind die richtigen Lehren aus
den Erfahrungen mit dem INF-Vertrag.
Dies sind die Lehren, die in der Debatte über die Ratifizierung des INFVertrages den Ausschlag geben sollten. Und dies sind die Lehren, die
den zukünftigen Ansatz zu Rüstungskontrolle und Verteidigung des Westens bestimmen sollten.

- 5 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

3

20. Januar 1988
EMPFEHLUNGEN ZUR LANGFRISTIGEN SICHERHEITSSTRATEGIE
- Bericht über "selektive Abschreckung" -

WASHINGTON - (AD) - Ein unabhängiges Forum namhafter amerikanischer Experten zu Verteidigung und Außenpolitik hat der Reagan-Administration einen Bericht zur sogenannten langfristigen "integrierten Strategie" vorgelegt, die
den Sicherheitsbelangen der nächsten 20 Jahre Rechnung tragen soll.
Die kommenden Jahrzehnte werden voraussichtlich drastische Veränderungen
mit sich bringen, stellte die Kommission in ihrem Bericht vom 12. Januar 1988
fest, mit dem sie ihre Empfehlungen der Öffentlichkeit bekanntgibt.
Diesem
Bericht zufolge muß die von ihr entwickelte Strategie Truppenstruktur, neue
Technologien, Mobilität, Stützpunkte, konventionelle und Nuklearwaffen, extreme Bedrohungen sowie die Konfliktherde der Dritten Welt umfassen. Die aus 13
Mitgliedern bestehende Kommission zur Integrierten Langzeitstrategie wurde gegründet, um dem Verteidigungsminister und dem Nationalen Sicherheitsberater
des Präsidenten eine Strategie zur Gewährleistung einer glaubwürdigen Verteidigung bis ins 21. Jahrhundert an die Hand zu geben.
Nachfolgend bringen wir den Bericht in Auszügen.

HAUPTTHESEN DER KOMMISSION
Um Streitkräfteentwicklung, Waffenbeschaffung und Rüstungskontrollverhandlungen Rechnung tragen zu können, muß unsere Strategie langfristig
ausgelegt
sein.
Die vom Pentagon
heute ausgewählten Waffensysteme werden unseren Streitkräften bis weit
ins nächste Jahrhundert dienen. Rüstungsabkommen müssen über Jahre hinweg ausgehandelt werden und bleiben
jahrzehntelang in Kraft.

griert sein. Wir sollten keine isolierten Entscheidungen zu Fragen über
neue
Technologien,
militärische
Struktur, Mobilität und Stützpunkte,
konventionelle und Nuklearwaffen, extreme Bedrohungen und Konfliktherde
der Dritten Welt treffen. Wir müssen
unsere Pläne und Streitkräfte zu einer Vielzahl von Konflikten in Einklang bringen, von der niedrigsten
Intensität
bis zur höchsten Wahrscheinlichkeit und hin zur apokalyptischen und unwahrscheinlichsten Vision.

Ferner muß unsere Strategie inte-

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�Die nächsten zwei Jahrzehnte
Die vor uns liegenden Jahrzehnte
werden
voraussichtlich
drastische
Veränderungen
mit
sich
bringen:
China, vielleicht Japan und andere
Länder werden zu führenden Militärmächten. Militärisch schwächere Länder werden moderne Waffensysteme beschaffen und damit den relativen Vorteil der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte verringern. Rüstungskontrollabkommen könnten spürbare Auswirkungen auf nukleare und
konventionelle Streitkräfte zeitigen.
Die
vorrangigen
amerikanischen
Interessen sehen sich weiterhin einer
Bedrohung an Fronten ausgesetzt, die
in sehr viel geringerer Entfernung zu
unseren Gegnern liegen als zu den
Vereinigten Staaten.
Unsere Fähigkeit zur Abschreckung von Aggressionen auf diesen entfernten Schauplätzen wird noch durch die Unsicherheit
über Verbündete und Freunde beeinträchtigt, die uns Zugang zu Stützpunkten und Uberflugrechte gewähren
oder an unseren Verteidigungsvorbereitungen teilhaben, um auf doppeldeutige
Warnsignale
zu
reagieren.
Unsere Probleme des Zugangs können
sich als Resultat von Konflikten in
der Dritten Welt noch verschlechtern,
die zu einer Bedrohung amerikanischer
Stützpunkte oder einer sowjetischen
Expansion in Bereichen führen, die
zuvor frei von sowjetischen Truppen
waren.
Im Verlauf der nächsten zwanzig
Jahre wird die Militärtechnologie eine entscheidende Veränderung erfahren. Wir haben uns bei der Abschrekkung von Angriffen auf unsere Verbündeten auf nukleare und andere moderne
Waffen gestützt, selbst als die Sowjets
unseren
nuklearen
Vorsprung
aufhalten. Wenn die Sowjetunion weiterhin mehr in die militärische For-

schung im investiert als wir, wird
der qualitative Vorteil untergraben,
auf den wir uns so lange verlassen
haben.

Eine integrierte Langzeitstrategie
Die Strategie gründet sich auf
eine Vielzahl von Grundsätzen, von
denen
einige
radikale
Anpassungen
fordern, andere eine Bestätigung der
Kernelemente der derzeitigen Verteidigungsanstrengungen.
Wir sollten ein breiteres Spektrum von Eventualitäten in Betracht
ziehen als die beiden extremen Bedrohungen, die die Politik des Bündnisses und die Streitkräfteplanung seit
langem beherrschen:
Der massive Angriff des Warschauer Pakts auf Mitteleuropa und ein nuklearer Großangriff der Sowjetunion. Durch Konzentration auf diese beiden Extremfälle
tendieren unsere Planer zu einer Vernachlässigung der Angriffe, die selektive militärische Reaktionen erfordern und des Risikos, daß einige
Bündnispartner in einer solchen Situation abspringen.
Bei der Unterstützung der Verteidigung unserer Verbündeten und der
Verteidigung
unserer Interessen im
Ausland können wir uns nicht auf Bedrohungen stützen, die darauf ausgerichtet sind, unsere eigene Vernichtung zu provozieren, wenn sie verwirklicht werden.
In Friedenszeiten
würde eine auf solche Bedrohungen gegründete Strategie die Unterstützung
der nationalen Verteidigung unterminieren.
In Krisenzeiten könnte der
Rückgriff auf solche Bedrohungen aufgrund
mangelnder Unterstützung
der
Öffentlichkeit
katastrophal
scheitern. Wir müssen militärisch wirksame Antworten zur Verfügung haben, mit
denen die Vernichtung begrenzt werden

- 2 -

�kann, wenn wir nicht der Vernichtung
dessen die Tür öffnen wollen, was wir
verteidigen.
Wir müssen zu einer Diversifizierung und Stärkung unserer Fähigkeit
kommen,
selektive
nichtnukleare
Streitkräfte
dort
rechtzeitig
zum
Einsatz zu bringen, wo sie zur Abwendung von Aggressionen benötigt werden. Um dies zu erreichen müssen wir
und
unsere Verbündeten
entstehende
Technologien in bezug auf Präzision,
Kontrolle und Aufklä'rung ausschöpfen,
die unsere konventionellen Streitkräfte mit selektiveren und wirksameren Fähigkeiten zur Zerstörung militärischer Ziele versehen können.

kanische Truppen benötigen und um gegebenenfalls
eine massive
Invasion
aufzuhalten. Verbesserungen der britischen und französischen Nukklearstreitkräfte können zur gemeinsamen
Verteidigung beitragen.
Zur Wahrung der Interessen der
Vereinigten Staaten und der Bündnispartner in der Dritten Welt ist ein
größerer nationaler Konsens über Mittel und Ziele erforderlich.
Unsere
Maßnahmen sollten folgende Punkte beinhalten:
- Militärhilfe
auf höheren Ebene
und mit weniger Gesetzesvorbehalten, die seine Wirksamheit beeinträchtigen.

Sowohl unsere konventionelle als
auch unsere nukleare Kräfteverteilung
sollte sich auf ein Mischung offensiver und defensiver Systeme stützen.
Zur
Abschreckung
eines
Nuklearangriffs und um die Reduzierung von Offensivwaffen sicherer zu machen, ist
strategische
Verteidigung
erforderlich. Zur Abschreckung oder Reaktion
auf einen konventionellen Angriff benötigen wir die Fähigkeit zu einer
konventionellen Gegenoffensive in der
Tiefe des gegnerischen Territoriums.
Die Kontrolle des Weltraums in
Kriegszeiten gewinnt zunehmend an Bedeutung.
In einem
konventionellen
Krieg müssen unsere Fähigkeiten im
Weltraum
- die für Kommunikation,
Aufklärung und die Kontrolle unserer
Streitkräfte
entscheidend
sind
überlebensfähig
oder ersetzbar gemacht werden.
Der Gegner muß davon
abgehalten werden, den Weltraum ungehindert
zur
Zielerfassung
unserer
Streitkräfte zu nutzen.
Wir werden Fähigkeiten für einen
selektiven
Nuklearschlag
zur
Abschreckung eines begrenzten Nuklearangriffs auf verbündete oder ameri-

- Vielseitige, mobile Streitkräfte,
die minimal von Stützpunkten in
Übersee abhängig sind und einen
gezielten, kontrollierten Schlag
gegen entfernte militärische Ziele ausführen können.
- Verbündete, die uns bei der Verteidigung gemeinsamer Interessen
über die Grenzen der NATO hinaus
unterstützen.
- In
besonderen
Fällen
amerikanische
Unterstützung
antikommunistischer Rebellen, die sich
gegen ein von außen aufgezwungenes gegnerisches Regime oder ein
Regime auflehnen, das seine Nachbarn bedroht.
Die freie Welt
wird nicht frei bleiben, wenn ihre einzigen Optionen in Stillhalten oder Rückzug bestehen.
Unsere
Rüstungskontrollpolitik
sollte zunehmend Betonung auf Reduzierungen im konventionellen Bereich
legen.
Sorgfältig erarbeitete Reduzierungen der Nuklearwaffen könnten
zu einem sichereren Gleichgewicht bei
offensiven und defensiven Streitkräf-

- 3 -

�Umständen auf einen massiven Nuklearangriff
reagieren und
ihn
somit
abschrecken,
der
darauf
ausgerichtet ist, unsere Nuklearstreitkräfte und andere Ziele zu
vernichten.

ten führen. Abbau der großen Vorteile der sowjetischen Seite bei Panzern, Artillerie und anderem schwerem
Gerät würde sowohl zur Sicherheit der
NATO als auch zu einer Belebung der
sowjetischen Wirtschaft beitragen und
daher im Interesse beider Seiten liegen.
Zur Abschreckung von Vertragsverletzungen muß die Einhaltung von
Rüstungskontrollabkommen verfizierbar
und von der Mobilisierungskapazität
der Industrie sowie dem politischen
Willen getragen sein, im Falle eines
Scheiterns des Vertrages wirksam zu
reagieren.

Mehr noch als in den vergangenen
40 Jahren werden die Vereinigten
Staaten in Zukunft ihre Bündnispartner zur Verteilung der Risiken und Lasten der gemeinsamen
Verteidigung benötigen.
Wir streben die Begrenzung der
sowjetischen Expansion in jeder
Region der Welt an.

Angesichts der Risiken und Unwägbarkeiten, denen sich unsere Nation
und unsere Verbündeten in der Zukunft
gegenübersehen, sollten die Etats für
Verteidigung
und Militärhilfe
entsprechend unserem Wirtschaftswachstum
kontinuierlich angehoben werden. Der
Verteidigungshaushalt der Vereinigten
Staaten sollte in den kommenden Jahren von den hier umrissenen strategischen Prioritäten geleitet sein und
Einsparungen in einigen Bereichen sowie erforderliche Aufstockungen
in
anderen gestatten. In Zeiten, in denen das amerikanische Verteidigungsbudget keinen Zuwachs erfährt, müssen
wir die kontinuierliche Verbesserung
des Geräts unterstützen, das unsere
Schiffe, Flugzeuge und andere "Plattformen" wirksamer macht - wie zum
Beispiel moderne nichtnukleare Munition, konventionell
bestückte taktische Raketen, Sensoren und Kommunikationssysteme .
Die oben genannten Prinzipien implizieren Wandel. Aber unsere Strategie enthält auch viele Aspekte, die
sich nicht ändern werden:
- Wir müssen eine Mischung überlebensfähiger strategischer Offensivwaffen und Führungsfähigkeiten
aufrechterhalten, die unter allen

In einigen kritischen, bedrohten
Regionen müssen wir Truppen in
vorgeschobenen Stellungen stationieren.
Als Verstärkungsfähigkeit werden
wir mobile aktive und Reserveeinheiten in den Vereinigten Staaten
aufrechterhalten.
Mit zahlenmäßig den Sowjets unterlegenen
Streitkräften
müssen
wir nicht nur weiterhin besseres
Gerät einführen, sondern auch den
hohen Qualitätsstandard, hervorragende Ausbildung und die ausgezeichneten
Führungsqualifikationen der Männer und Frauen beibehalten, die in unseren Streitkräften dienen ...

KONFLIKTHERDE DER DRITTEN WELT UND
AMERIKANISCHE INTERESSEN
... Die amerikanischen Streitkräfte sind generell keine Kombattanten.
Die Rolle der amerikanischen
Streitkräfte als Kombattanten in Konflikten der Dritten Welt muß als Ausnahme betrachtet werden. Solche Aus-

- 4 -

�nahmen werden zweifelsohne vorkommen,
wie zum Beispiel im Jahr 1983 in Grenada und 1986 in Libyen, und es würde
genau das Gegenteil bewirken, wenn
die Vereinigten Staaten eine Doktrin
des
"Nichteinsatzes" ihrer Streitkräfte in der Dritten Welt verfolgen
würden.
Die
Hauptrolle
unserer
Streitkräfte dort liegt in der Ausweitung amerikanischer Programme der
Militärhilfe.
Vorrangig
bedeutet
dies,
militärische
und
technische
Ausbildung, Aufklärung und logistische Unterstützung zur Verfügung zu
stellen.
Die Vereinigten Staaten sollten
antikommunistische
Revolten
unterstützen.
In sorgfältig ausgewählten
Situationen,
in
denen
vorrangigen
amerikanischen
Zielen gedient
sein
und amerikanische Unterstützung das
Ergebnis begünstigen könnte, sollten
die
Vereinigten
Staaten
antikommunistischen
Rebellionen
Hilfestellung leisten, besonders denjenigen,
die gegen Nachbarländer
bedrohende
Regimes gerichtet sind ...
Militärhilfe erfordert eine neue
Gesetzgebung und zusätzliche Mittel.
Die Wirtschafts- und Militärhilfe der
Vereinigten Staaten - die Hilfsprograrame für das Ausland, mit denen
amerikanischen Freunden und Verbündeten geholfen werden soll, die Ursachen der Instabilität zu beheben haben sich als unzureichend und unflexibel erwiesen.
Für Forderungen
der Regierung hat der Kongreß wiederholt nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt und hat bis zu 86 Prozent der Militärhilfe für fünf Länder
vorgesehen.
Im Haushalt des Jahres
1987 hat der Kongreß zum Beispiel aus
einer Gesamtsumme von 5 Milliarden
Dollar für weltweite Militärhilfe 62
Prozent für Ägypten und Israel veranschlagt, 17 Prozent für Griechenland
und die Türkei und 6 Prozent für Pa-

kistan.
Angesichts der offensichtlichen Notwendigkeit, Mittel für El
Salavador, Honduras und die Philippinen
bereitzustellen, bleiben der
Regierung weniger als 10 Prozent für
die übrige Welt. Und selbst hier beschnitt der Kongreß den Spielraum des
Präsidenten bei der Behandlung von
Konflikten, durch die sich amerikanische Interessen bedroht sehen . . .
Die Vereinigten Staaten müssen
gemeinsam mit Ihren Verbündeten in
der Dritten Welt "Kooperativstreitkräfte" gründen.
Bedauerlicherweise
haben wir in dieser Hinsicht von der
Sowjetunion einiges zu lernen.
Die
sowjetischen Bestrebungen zur Förderung und Verteidigung ihrer Interessen in weniger entwickelten Ländern
werden typischerweise
von der uns
vertrauten Truppe von Gesinnungsgenossen aus dem Ostblock unterstützt Kubanern, Nicaraguanern, Vietnamesen,
Nordkoreanern,
Osteuropäern.
Diese
Kooperativstreitkräfte
werden
von
Moskau gelenkt und finanziert, auch
wenn sie von dort nicht streng kontrolliert
werden.
Unterstützung
könnte auch von quasi Verbündeten wie
Libyen oder der PLO gewährt werden,
deren
Interessen
gelegentlich
von
denen der Sowjetunion abweichen, die
jedoch bei anderen Anlässen für harten Dienst bereitstehen. Die gesamte
Operation birgt enorme Vorteile für
die Sowjetunion, sowohl bei der Minimierung
ihrer eigenen Risiken der
Konfrontation mit dem Westen als auch
bei der Bereitstellung von Truppen,
die sich hervorragend in diese Umgebung einfügen ...
Ebenso wie in den Industrienationen sollte die amerikanische Strategie auch in der Dritten Welt danach
trachten,
unseren
technologischen
Vorteil zu maximieren.
In einigen
Fällen werden sich die für den Kampf
mit den Sowjets entwickelten Techno-

- 5 -

�logien als enorm nützlich erweisen.
Auch hier werden wir dem Einsatz von
intelligenten Raketen den Vorzug geben, die selektiv wirken und den
zwangsläufig enstehenden Schaden für
die Zivilbevölkerung verhindern. Moderne Technologien im Ausbildungsbereich werden uns auch wirksamere Mittel an die Hand geben, unseren Freunden bei der Bekämpfung von Terrorismus und Rebellion zur Seite zu stehen. ..
Die Vereinigten Staaten müssen
Alternativen zu den Stützpunkten in
Übersee
entwickeln.
Zweifelsohne
werden
in einigen Bereichen die
Stützpunkte weiterhin von entscheidender Bedeutung sein - besonders,
wenn unser Problem darin besteht, uns
gegen eine mögliche sowjetische Aggression zu verteidigen. Wir sollten
jedoch normalerweise bei der Verteidigung unserer Interessen in der
Dritten Welt nicht von Stützpunkten
abhängig sein. Es hat sich als zunehmend schwierig und politisch kostspielig erwiesen, Stützpunkte dort
aufrechtzuerhalten.
Auch hier kann unsere Technologie
von Nutzen sein. Kostengünstige Satelliten im Weltraum können bis zu
einem gewissen Grad die Aufgaben der
Stützpunkte in Übersee im Kommunikationsbereich und bei der Nachrichtenerfassung ersetzen. Wir können für
die Aufklärung bemannte oder unbemannte Flugzeuge mit extrem großer
Reichweite bauen. Auch bei den Marinestreitkräften bieten sich einige
beeindruckende Optionen. In internationalen Gewässern oder in der Hoheitsgewässern unserer Verbündeten aber dennoch außer Sichtweite - können unsere Operationen sehr viel sicherer durchgeführt werden als von
Stützpunkten an Land aus. Einer der
interessantesten von uns untersuchten
Ansätze ist der Einsatz von gängigen

Container-Handelsschiffen zur Unterstützung besonders zusammengestellter
Einheiten, wobei in den Containern
das gesamte benötige militärische Gerät transportiert wird...

BEHERRSCHUNG DER TECHNOLOGIE
... Wir können jedoch bereits
jetzt die Entscheidung treffen, welchen Programmen die höchste Priorität
in der neuen Langzeitstrategie beigemessen werden sollte. Im allgemeinen
sind darin Programme enthalten, die
unsere Fähigkeit stärken, auf Aggression mit kontrolliertem, selektivem
Einsatz der Kräfte zu reagieren.
Weiterhin umfassen sie Programme, die
in unterschiedlicher Weise die Flexibilität steigern und die zukünftigen
Präsidenten zur Verfügung stehenden
Optionen erweitern.
Ferner sollten
wir - mehr als dies in den vergangenen Jahren der Fall war - der Aufstockung der Mittel für Grundlagenforschung und moderne Entwicklungen
höchste Priorität einräumen.
Von den diese Kriterien erfüllenden Programmen erscheinen vier von
besonderer Vordringlichkeit:

- 6 -

- Integration "getarnter" (Stealth)
Systeme in unsere Kräfteverteilung.
- "Intelligente" Waffen - präzisionsgelenkte Munition, die große
Reichweiten und hohe Genauigkeit
kombinieren.
- Ballistische Raketenabwehr und
- für Kriegsoperationen erforderliche Weltraumfähigkeiten...

�KOMBINATION DER EINZELELEMENTE DER
STRATEGIE
Die weiterhin gültigen Zielsetzungen der amerikanischen Politik.
Wir leben in einer Welt, deren Nationen zunehmend wirtschaftlich, kulturell und politisch miteinander verflochten sind - gelegentlich explosionsartig verflochten, wie in den
wiederholten
umfangreichen
Migrationsbewegungen von Flüchtlingen seit
dem Zweiten Weltkrieg, die politischer, religiöser und rassischer
Verfolgung entkommen wollten. Es ist
eine Welt, in der militärische wie
auch wirtschaftliche Macht sich immer
weiter ausdehnt und in der die Vereinigten Staaten auch in Zukunft mit
Nationen rechnen müssen, die ihren
Zielen gegenüber zutiefst feindlich
gesinnt sind.
Die Vereinigten Staaten streben
keine Expansion ihres Territoriums
auf Kosten der Sowjetunion oder irgendeines anderen Landes an.
Noch
birgt einer unserer Verbündeten die
Gefahr einer Invasion der Sowjetunion
oder der von ihr beherrschten Territorien. Dennoch bestehen die Sowjets
darauf, daß wir, unsere Verbündeten
und andere Länder - die schwachen
ebenso wie die starken - mit einem
Angriff drohen. Solche Verdächtigungen oder Vermutungen sind integraler
Bestandteil des sowjetischen Machtsystems:
Sie müssen eine feindliche
Welt postulieren, um die Legitimität
ihres Regimes zu rechtfertigen. Es
erübrigt sich zu sagen, daß wir einen
grundlegenden Wandel ihrer antagonistischen Haltung begrüßen würden.
Selbst
wenn
Perestroika
und
Glasnost die Absicht signalisieren
sollten, diesen Wandel herbeizuführen, wird er nicht leicht zu bewerkstelligen sein. Der Argwohn und die
feindselige Einstellung der Sowjet-

union haben ihre Wurzeln in 70 Jahren
sowjetischer und 400 Jahren zaristischer Geschichte.
Eine Lockerung
der Kontrolle über die von ihnen beherrschten Staaten an ihren Grenzen
kann die Kontrolle andersdenkender
Nationalitäten innerhalb ihrer Grenzen gefährden.
Wir sollten uns
nichts vormachen. Die westlichen Demokratien können den Fortschritt kaum
fördern, indem sie einfach die Sowjets davon überzeugen, daß wir sie
nicht angreifen wollen oder indem sie
versuchen, jegliche Fähigkeiten zur
Offensive - und damit zum Gegenangriff - abzubauen. Solche Bemühungen
würden lediglich ein Mißverständnis
bezüglich der innenpolitischen Rolle
widerspiegeln, die äußeren Bedrohungen unter sowjetischer Herrschaft zukommt, und könnten eine Aggression
ermutigen. Die Sowjets fühlen sich
durch die Selbständigkeit der freien
Länder an ihren Grenzen bedroht.
Die Vereinigten Staaten haben an
der fortdauernden Selbständigkeit einiger von uns sehr weit entfernt gelegener Verbündeter ein entscheidendes Interesse - In Europa und dem
Mittelmeerraum, im Mittleren Osten
und Südwestasien, in Ostasien und dem
Pazifik sowie in der westlichen Hemisphäre.
Stützpunkte, Häfen und
Luftraum werden von uns genutzt, um
diesen Verbündeten dabei zu helfen,
sich selbst und einander zu verteidigen. In einigen Fällen, in denen ihre Gefährdung durch einen benachbarten Gegner besonders groß ist, ist es
ein seit langem bewährtes Element der
amerikanischen
Strategie,
unsere
Truppen in vorgeschobenen Stellungen
zu stationieren. Wir tun dies jedoch
auf Einladung von Verbündeten, die
souverän und von uns unabhängig sind
sowie zu den von diesen genannten Bedingungen. Sie können uns jederzeit
zum Abzug auffordern.
In einigen
Fällen haben sie dies getan und, im

- 7 -

�Gegensatz zu aen Sowjets, haben wir
uns diesem Wunsch immer gefügt.
Die Tatsache, daß wir souveräne
Verbündete anführen, deren Interessen
unter gegebenen Umständen und am jeweiligen Ort von unseren abweichen
können, wirkt sich unmittelbar auf
die Verteidigung aus; sie bedeutet,
daß es selbst dort, wo sich verdichtende aber noch verschwommene Anzeichen für eine Gefährdung unserer gemeinsamen
Interessen
existieren,
schwierig sein könnte, eine einheitliche Antwort der Verbündeten zu erhalten und diese rechtzeitig zur Abwendung der Gefahr umzusetzen.
Für
einen Diktator oder eine von einer
Diktatur
beherrschte
unfreiwillige
Koalition ist es weniger schwierig,
sich auf die Durchführung militärischer
Operationen
vorzubereiten.
Dabei stellen die Sowjets jetzt und
auch in der Zukunft nicht die alleinige Gefahr für unsere Interessen dar.
Im sich wandelnden Umfeld der
kommenden 20 Jahre werden die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
auf formeller und informeller Ebene
gezwungen sein, ihre Fähigkeit zur
wirksamen, selektiven und rechtzeitigen Entfaltung militärischer Stärke
zu verbessern, um jede einzelne eines
breiten Spektrums möglicher Aggressionen gegen ihre wichtigsten gemeinsamen Interessen zu vereiteln - und
dadurch
solche
Aggressionen
abzuschrecken.
Wir müssen den notwendigen tagespolitischen Entscheidungen bezüglich
der nationalen Sicherheit eine langfristige Perspektive hinzufügen.
In
den kommenden beiden Jahrzehnten werden voraussichtlich scharfe Zäsuren
wie auch schrittweise Veränderungen
eintreten, die in ihrer Gesamtwirkung
revolutionär
sind:
Neue
führende
Militärmächte,
neue
Technologien,

neue Konfliktherde und neue Chancen
zur Zusammenarbeit. Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, werden
wir vielseitiger und anpassungsfähiger Streitkräfte bedürfen.
Eine integrierte Strategie.
Da
unsere Probleme in der realen Welt
nicht isoliert und die Haushalte immer mit Kompromissen verbunden sind,
müssen wir Strategien für ein breites
Spektrum
von Konflikten erstellen:
von extrem begrenzten, am wenigsten
intensiven und am ehesten wahrscheinlichen bis hin zu den umfassendsten,
apokalyptischen
and
am
wenigsten
wahrscheinlichen.
Wir streben an,
die
schlimmsten
Konflikte
weniger
wahrscheinlich zu machen, aber dies
kann nur dann geschehen, wenn nicht
unsere Schwäche auf einer höheren
Ebene - oder eine fehlende Reaktion
auf höherer Ebene, die die politisch
Verantwortlichen der Demokratien anzuwenden bereit wären - dazu einlädt,
den Einsatz zu erhöhen.
Um echte
Stabilität zu gewährleisten, müssen
wir unsere Gegner versichern, daß wir
militärischen Aggressionen auf jeder
Ebene der Gewaltanwendung gegen unsere vorrangigen Interessen mit militärischer Macht entgegentreten.
Größere
Kriege
entstehen
aus
kleineren, und eine lokal begrenzte
Aggression (z. B. eine sowjetische
Invasion am Persischen Golf) könnte
das Kräftegefüge drastisch verändern.
"Innere" und "äußere" Konflikte lassen sich nicht gänzlich voneinander
trennen.
Der Schatten einer sowjetischen Intervention könnte zum Beispiel das Ergebnis einer inneren Auseinandersetzung über die Machtnachfolge im Iran beeinflussen.
(In der
Vergangenheit benutzten die Sowjets
ein "freies Aserbeidschan" als Marionette, um ihre Vorbereitungen einer
Intervention im Iran und in der OstTürkei zu tarnen, die sie als strate-

- 8 -

�gische Einheit zu betrachten scheinen.) Selbst Terrorismus kann große
Auswirkungen auf unsere Fähigkeiten
zur Bewältigung größerer Gefahren haben, indem er verwundbare Verbündete
destabilisiert, Verbündete
entzweit
und im Innern die öffentliche Meinung
spaltet.
Politische
Erklärungen
zur Abschreckung und Bekämpfung von Aggressionen sollten aufeinander abgestimmt
sein.
Wir können einen Angreifer
nicht von seinem Plan abbringen, wenn
er der Überzeugung ist, daß wir weder
willens noch fähig sinu, zurückzuschlagen. Unser Wille wird durch häufig abgegebene Erklärungen über "gegenseitige Abschreckung" in Frage gestellt, die unseren Wunsch implizieren, daß die Sowjets zur Abschreckung
gegenüber den Vereinigten Staaten in
der Lage sein sollen, es sei denn,
die Vereinigten Staaten würden angegriffen.
Solche Erklärungen untergraben
die grundlegende
Verpflichtung, derzufolge wir in Beantwortung
einer ausschließlich gegen einen Verbündeten gerichteten sowjetischen Aggression konventionelle und, im Falle
ihres Versagens, atomare Waffen einsetzen werden. Ebenso könnte die sowjetische Führung durch in Europa zu
hörende Erklärungen fehlgeleitet werden, wonach selbst das Gewinnen eines
konventionellen Krieges "unannehmbar"
wäre. Wenn solche Erklärungen darauf
hinauslaufen, daß eine Auseinandersetzung mit Atomwaffen der Zivilbevölkerung weniger Schaden zufüge als
präzise gezielte konventionelle Waffen oder daß solche konventionellen
Waffen
"der
Zivilbevölkerung
mehr
Schaden als der Zweite Weltkrieg" zufügen würden, dann sind sie eindeutig
falsch.
Sollten sie bedeuten, daß
der Westen weder zur Anwendung nichtatomarer noch atomarer Waffen bereit
ist, dann legen sie nahe, daß wir
überhaupt nicht reagieren würden und

höhlen somit unsere Fähigkeit der Abschreckung aus. Das Problem besteht
darin, wie ein nichtatomarer oder
atomarer Angriff wirksam abgeschreckt
werden kann. Wir und unsere Verbündeten würden eine Aggression lieber
abschrecken als bekämpfen, ein Bluff
ist jedoch in einer Krise weniger
wirkungsvoll und gefährlicher als die
Fähigkeit und der Wille, konventionelle und - falls nötig - atomare
Waffen mit zumindest einer groben Abstufung einzusetzen, durch die die
von uns verteidigten Werte erhalten
werden.
Offensive
und
Defensive
(aktiv
wie auch passiv) ergänzen einander
auf jeder Konfliktebene. Wie unsere
offensiven Fähigkeiten einen Gegner
davon abhalten können, Streitkräfte
für den Durchbruch von Verteidigungsstellungen zu konzentrieren, so ergänzen aktive und passive Verteidigung (etwa Beweglichkeit und Tarnung)
einander.
Entscheidungen über militärische
Systeme bilden ein Ganzes und sollten
nicht
isoliert
behandelt
werden.
Dieses Gefüge muß in Rüstungskontrollverhandlungen,
in der Streitkräfteplanung und in der Definition
der
militärischen
"Erfordernisse"
während
des
Beschaffungsverfahrens
berücksichtigt werden.
Die
Notwendigkeit
der
Berücksichtigung eines breiteren Spektrums
wahrscheinlicherer
und
wichtigerer
Eventualfälle.
Die
Politik
des
Bündnisses und dessen Waffenmodernisierung hat sich, wie bereits erwähnt, im großen und ganzen auf die
zwei
extremen
Möglichkeiten
eines
massiven
Angriffs
des
Warschauer
Pakts mit konventionellen Waffen und
eines
uneingeschränkten
tödlichen
Atomwaffenangriffs
der
Sowjetunion
gegen verstreut liegende militärische

- 9 -

�Ziele konzentriert.
Die erste Möglichkeit lenkt das Augenmerk der Verbündeten von den Verpflichtungen ab,
die grundsätzliche Voraussetzung des
Bündnisses sind - daß ein Angriff auf
einen
möglicherweise
verwundbaren
Verbündeten ein Angriff auf alle ist
-, und läßt das sowjetische Interesse
außer acht, andere Verbündete zum
Ausstieg aus diesem Konzept zu veranlassen.
Die zweite Möglichkeit geht
davon aus, die Sowjets machten sich
kaum Sorgen über die Heraufbeschwörung ihrer eigenen Vernichtung, da
uns dies keinen Anreiz geben würde,
selektives Verhalten und Zurückhaltung zu üben.
Die
sowjetischen
Militärplaner
haben jedoch ein Bewußtsein dafür
entfaltet, daß das Politbüro im Falle
der Anwendung militärischer Gewalt
einen starken Anreiz besitzt, dies
selektiv zu tun und die Streitkräfte
unter politischer Kontrolle zu halten.
Es soll vermieden werden, daß
durch ihren Atomangriff ihren einmarschierenden Truppen der Weg verstellt
oder das in Besitz zu nehmende zerstört wird.
Insbesondere wollen sie
nicht die Zerstörung der Sowjetunion
riskieren. Als revolutionär für den
Charakter des Krieges schätzen sie
die gegenwärtig stattfindende Revolution in der Mikroelektronik ein, die
den strategischen Einsatz nichtatomarer Waffen zuläßt. Ihre in 40 Jahren
vorgenommenen
Investitionen
in den
Schutz ihres nationalen Führungssystems sowie ihre besondere Aufmerksamkeit in bezug auf die kriegsmäßige
Nutzung des Weltraums und anderer
Führungsraittel
zeigen, daß sie es
ernst damit meinen, Gewalt für politische Zwecke zuenken und unter Kontrolle zu halten. Wenn wir die extremen
Möglichkeiten
zur
primären
Grundlage
unserer
Planung
machen,
werden wir weniger rasen zu einer
vielseitigeren, selektiveren und kon-

trollierteren Fähigkeit gelangen.
Es wird immer möglich sein, blind
in solch eine Apokalypse hineinzuschlittern, und deshalb werden wir
stets auch Abschreckung für die extremen
Möglichkeiten
gewährleisten
müssen.
Es
bedarf
jedoch
keiner
großen
Atomstreitmacht,
um
die
menschliche Gesellschaft zu vernichten.
Wir müssen unsere Bemühungen
hauptsächlich einem breiten Spektrum
plausiblerer und wichtigerer Möglichkeiten widmen.
Veränderungen
in
sicherheitspolitischen
Umfeld.
Unsere
zentrale
Herausforderung
seit
dem
Zweiten
Weltkrieg
hat darin bestanden, in
formellen und informellen Bündnissen
mit anderen souveränen Staaten eine
Aggression gegen unsere vorrangigen
Interessen an Orten abzuwehren und
damit abzuschrecken, die unseren Gegnern geographisch näher liegen als
uns.
Das
"militärische
Gleichgewicht", d. h. vergleichbare Zahlen
von
Panzern, Geschützen, Panzerabwehrwaffen etc. auf Seiten des Warschauer Pakts und der NATO (selbst
nach Bereinigung aufgrund qualitativer
technologischer
Unterschiede)
kann das Problem nicht ausreichend
beschreiben.
Das
Problem
besteht
nicht einfach in der Entfernung, sondern in rechtzeitigem politischem Zugang auf dem Weg zu und innerhalb einer bedrohten Region sowie darin,
einheitliche vorbereitende Reaktionen
souveräner Verbündeter zu erhalten,
um mehrdeutige Anzeichen einer heraufziehenden Gefahr zu beantworten.
Für
das
Atlantische
Bündnis
stellt der Zusammenhalt ein Problem
dar. Bei der Behandlung von Ländern
wie Nicaragua und Libyen ist es vielleicht nicht überraschend, daß die
Verbündeten bei der Einschätzung Ihrer Interessen unterschiedlicher Mel-

- 10 -

�nung sind. Aber selbst an den Flanken der NATO und im Persischen Golf,
wo die lebenswichtigen Interessen unserer europäischen Verbündeten zur
Verhinderung
einer
sowjetischen
Machtübernahme unmittelbarer und massiver präsent sind als die unsrigen,
hat sich das Problem ständig verschärft. In den jüngsten Stützpunktverhandlungen haben Spanien und Portugal wenig Rücksichtnahme auf ihre
Rolle bei der Verstärkung der Türkei
oder verbündeter Streitkräfte im Golf
gezeigt. Und einige NATO-Länder an
der Nordflanke mit geringen eigenen
Streitkräften haben Maßnahmen abgelehnt, die ihrer eigenen rechtzeitigen Verstärkung dienen würden; sie
rechtfertigen diese Ablehnung mit der
weit hergeholten Begründung, die Sowjets benötigten die Versicherung,
daß sie nicht das Opfer eines unprovozierten Angriffs würden. Die wachsende Zahl europäischer Befürworter
der
"nichtoffensiven
Verteidigung"
würde diese Versicherung noch dadurch
verstärken, daß jegliche "offensiven"
Waffen abgebaut würden. Dies würde
nicht den feindlichen Angriff verhindern, sondern den Gegenangriff.
Während unsere Möglichkeiten des
rechtzeitigen Zugangs seit den fünfziger Jahren abgenommen haben, haben
die Sowjets ihre inneren Verbindungswege dazu benutzt, ihre Fähigkeit,
konventionelle Streitkräfte schnell
an Orten an ihrer Peripherie zum Einsatz zu bringen, auszubauen und ihren
Zugang zu Luftraum und Stützpunkten
an ihrer Peripherie systematisch verbessert.
Daraus ergibt sich eine
drastische Verbesserung ihrer Fähigkeit, Machtmittel an entscheidenden
Schauplätzen, wie etwa dem Persischen
Golf, zum Einsatz zu bringen, während
unsere sich absolut gesehen verringerte.
In den kommenden 20 Jahren
und an anderen Konfliktschauplätzen
werden
zunehmend
gut ausgerüstete

kleinere Mächte sowie auch neue führende Militärmächte uns wahrscheinlich einen noch stärkeren Anreiz bieten, eine vielseitigere und selektivere Streitmacht zu entwickeln.
Wir haben eine Vielfalt präziser
Waffen mit langen und kurzen Reichweiten
entwickelt
und
wichtige
Schritte unternommen, um die Robustheit und Wirksamkeit unserer Führungs-, Kommunikations- und Aufklärungsmittel sowie die Ausbildung unserer Streitkräfte
zu verbessern.
Erhebliche Fortschritte in der Mikroelektronik haben bereits revolutionäre Auswirkungen auf die Möglichkeit
gehabt, die Wirksamkeit von Angriffen
auf militärische Ziele zu erhöhen und
die Wirkung dabei weitgehend auf diese Ziele zu begrenzen. Diese Fortschritte haben die Möglichkeit der
breitangelegten Kampfführung und die
Aufrechterhaltung
der
politischen
Kontrolle enorm verbessert. In den
kommenden ein oder zwei Jahrzehnten
wird sich diese Entwicklung noch verstärken.
Am wichtigsten aber ist,
daß diese großen Veränderungen den
wirksamen Einsatz von einer oder einigen wenigen nichtatomaren Waffen
für viele Arten von Aufträgen ermöglichen, für die in der Vergangenheit
Tausende nichtatomarer Waffen oder
Atomwaffen benötigt wurden.
Wie schon an anderer Stelle des
vorliegenden Berichts erwähnt, wären
wir bei der Führung unserer für die
Niederschlagung
einer
sowjetischen
Invasion benötigten konventionellen
Streitkräfte in erheblichem Umfang
auf weltraumgestützte Systeme angewiesen, wie auch die Sowjets eigene
Satelliten als grundlegende Stütze
ihrer Invasion verwenden würden. Jede Seite hätte gute Gründe, ihr eigenes Weltraumsystem zu schützen und
das der anderen Seite zu schwächen.

- 11 -

�Die Dynamik unseres privaten Sektors verschafft uns einen speziellen
Vorteil bei der Verwertung der von
den neuen Technologien
angebotenen
Vorzüge.
Trotzdem haben wir und unsere Verbündeten häufig viel Zeit bei
der praktischen Einführung der Fähigkeiten vergeudet, die zur Bekämpfung
der
zunehmenden Gefahren notwendig
sind, die in der wachsenden Stärke
der Sowjets und anderer potentieller
Gegner zum Ausdruck kommen.
Kriege an der sowjetischen Peripherie und in der Dritten Welt.
Uns und den Sowjets werden starke Anreize geboten, die durch die neuen
Informationstechnologien
geschaffene
größere Wirksamkeit und die selektive
Fähigkeit konventioneller Waffen auszunutzen sowie die Zerstörungskraft
zu begrenzen, um damit bei der anderen Seite ein Interesse daran zu wekken, die Vernichtung ebenfalls in
Grenzen zu halten. Bei der Anwendung
von Kernwaffen besaßen beide Seiten
sogar einen noch stärkeren Anreiz,
sich auf Technologien zur Kontrolle
zu stützen, da der Verlust der Kontrolle in diesem Fall die katastrophalsten Auswirkungen hätte.
Beide
Seiten haben zunehmend Anstrengungen
investiert, um die Uberlebensfähigkeit
ihrer
Führungsmittel
unter
kriegsmäßigen Bedingungen zu sichern.
Ausrüstung,
Ausbildung,
Anwendungsweisen von Aufklärung und Operationsmethoden wurden von uns hauptsächlich für den Eventualfall eines
weltweiten massiven Angriffs der Sowjetunion entwickelt und stellen für
uns keine gute Vorbereitung auf Konflikte in der Dritten Welt dar. Bestandteile
solcher
Konflikte
sind
wahrscheinlich Terrorismus, Sabotage
und andere Arten "unterschwelliger"
Gewalt.
Die Unterstützung verbündeter Staaten bei der Reaktion auf solche Arten der Gewalt wird verstärkt

die Anwendung von Informationstechnologien erfordern, die auch für selektive Operationen in Konflikten höherer Intensität an Bedeutung gewinnen.
Die Notwendigkeit der Anwendung voti
Gewalt für politische Zwecke und der
Unterscheidung zwischen zivilen und
und legitimen Zielen wird hier noch
offensichtlicher.
Insbesondere werden wir optische und elektronische
Aufklärungsraittel
sowie
Kommütlikations- und Führungsmittel und präzise
Zielsteuerung der Waffen benötigen,
um die Schädigung von Nichtkombattanten so gering wie möglich zu halten.
Wir werden moderne Technologien für
die Ausbildung lokaler Streitkräfte
benötigen.
Diese werden sowohl für
die Erlangung politischer Unterstützung vor Ort wie auch für die Unterstützung in den Vereinigten Staaten
und in anderen Ländern des Westens
wichtig sein.
Die Nord- und Südflanke der NATO
besitzen eine schwächere Verteidigung
als die Mitte.
Von entscheidender
Bedeutung für die Verteidigung der
Mitte sind beide jedoch politischen
Problemen unterworfen, die die rechtzeitige Heranführung von Verstärkungen behindern.
Die Verteidigung der
Nordflanke hängt entscheidend von der
schnellen Verstärkung aus den Vereinigten
Staaten
und
den
anderen1
NATO-Ländern ab; zunehmende Beschränkungen von Aktivitäten der Vereinigten Staaten und der NATO insgesamt iri
Norwegen begrenzen unsere Fähigkeit
zur raschen Entfaltung militärischer
Macht zur Verteidigung der Region.
Im Süden besitzt die Türkei sowohl
für die Verteidigung amerikanischer
und
anderer
Marinestreitkräfte
im1
östlichen Mittelmeer wie auch für die
Verteidigung
unserer Interessen am
Persischen Golf eine Schlüsselfunktion.
Der entscheidenden Bedeutung
der Türkei sollte durch verstärkte
Militärhilfe seitens der Vereinigten

- 12 -

�Staaten und anderer NATO-Länder sowie
auch seitens Ländern wie Japan Rechnung getragen werden, die lebenswichtige Interessen in den Gebieten haben, zu deren Verteidigung die Türkei
beitragen würde.
Im Persischen Golf selbst müssen
die bei der Erlangung rechtzeitigen
Zugangs bestehenden großen Entfernungen und politischen Schwierigkeiten
überwunden werden, um eine glaubwürdige Verteidigung der Region aufzubauen.
Technologische Verbesserungen
sowie eine größere Bereitschaft der
Verbündeten, die politischen Risiken
bei der Erlangung dieses Zugangs zu
teilen, würden unsere Fähigkeiten zur
Abschreckung von Angriffen erheblich
stärken.
Südkorea und Japan werden zunehmend in der Lage sein, sich selbst
gegen eine konventionelle Invasion zu
verteidigen.
Die amerikanische Präsenz In beiden Staaten trägt nicht
zuletzt deshalb zur Abwendung möglicher Gefahren, wie etwa einer sowjetischen (oder chinesischen) Invasion
oder der Anwendung von Atomwaffen
bei, weil sie ebenfalls von großer
Bedeutung für die Stärkung unserer
Fähigkeit ist, rechtzeitig Bedrohungen in anderen Gegenden des Pazifiks
entgegenzutreten.
Seit langem entspricht es der Politik
des Atlantischen Bündnisses,
daß wir im Falle des Versagens nichtatomarer
Streitkräfte
bereit
sein
müssen, atomare Machtmittel einzusetzen, um eine konventionelle Invasion
aufzuhalten. Diese Machtmittel sollten jedoch wirksam und selektiv sein
- unter Kontrolle gehalten werden und
keinen selbstmörderischen Bluff darstellen. In jedem Fall benötigen wir
die Fähigkeit, mögliche Atomangriffe
auf die Streitkräfte der Vereinigten
Staaten und der Verbündeten abzu-

schrecken. Dies sollte eine stärkere
Rolle bei der Verteidigung gemeinsamer Interessen außerhalb nationaler
und
Bündnisgrenzen
einschließen,
wenn, wie im Persischen Golf, entscheidende Interessen der Verbünden
eindeutig mit den unsrigen übereinstimmen. Eine größere nukleare Rolle
bei der Verteidigung anderer europäischer Verbündeter, wie sie für
Briten
und
Franzosen
vorgeschlagen
wurde, wird wie In unserem Fall eine
wirksame
und
selektive
atomare
Streitmacht erfordern, die zur Niederwerfung einer sowjetischen Invasion in Bündnisterritorium einsetzbar
ist.
Franzosen und Briten besitzen
Optionen in dieser Richtung.
Die
einheitliche
Nutzung
von
Ressourcen für die Sicherheit.
Bei
der Einführung
von Waffensystemen,
die zur Bewältigung der zunehmend fähigen Streitkräfte
der Sowjetunion
und weniger starker Gegner in der
Dritten Welt benötigt werden, ergaben
sich in der Vergangenheit Verzögerungen.
Wie
die
Packard-Kommission
feststellte, hingen diese Verzögerungen mit der bürokratischen und sporadischen Bewilligung von Mitteln für
Beschaffung, Forschung und Entwicklung sowie unzulänglicher angemessener und frühzeitiger Erprobung zusammen. Um diese Verzögerungen zu überwinden, sollten wir die Prototypenentwicklung und die Erprobung von Systemen beschleunigen, durch die unsere Streitkräfte vielseitiger und selektiver gestaltet würden.
Ebenso wichtig werden jedoch klar
umrissene "Anforderungen" sein, die
mit
einer einheitlichen
nationalen
Strategie zusammenhängen.
Auf einer
Langzeitstrategie beruhende "Anforderungen" sind entscheidend, um einen
vorgegebenen Haushalt optimal zu nutzen.

- 13 -

�Die um sich greifenden latenten
Gefahren, die von uns und unseren
Verbündeten zu bewältigen sind, geben
keinen Anlaß zu der Annahme, daß wir
unser heutiges Niveau des Verteidigungsetats sicher halten, geschweige
denn reduzieren können. Wenn jedoch
knappere Budgets ein zunehmendes R i siko mit sich bringen, so sollten wir
kurzfristig bei den unwahrscheinlichen extremen Angriffen ein größeres
Risiko in Kauf nehmen, um das Risiko
von wahrscheinlicheren Konflikten in
Gegenwart und Zukunft zu verringern.
Statt der Beschaffung verschiedenartiger großer "Plattformen" Priorität
einzuräumen, sollten wir die stetige
Verbesserung von Sensoren sowie Führungs- und Aufklärungsmitteln anstreben, durch die die Effektivität unserer Schiffe und Flugzeuge vervielfacht werden kann.
Daneben müssen
wir die Ressourcen bereitstellen, die
zur
Aufrechterhaltung
von
Ausbildungsstand, Moral und den hervorragenden Führungsqualitäten der Männer
und Frauen in den Streitkräften benötigt werden.
Rüstungskontrollabkommen und das
weiterbestehende
Problem,
militärische Macht rechtzeitig und selektiv
gegen Aggressionen
zum Einsatz zu
bringen.
Sorgfältig
ausgearbeitete
und durchsetzbare Rüstungskontrollabkommen können zur Verminderung des
Kriegsrisikos
beitragen, indem sie
militärische
Bedrohungen
für
eine
Reihe von Eventualfällen verringern
und gleichzeitig unsere Fähigkeit zur
selektiven
und wirksamen Anwendung
von Gewalt erhalten oder verbessern.
Jüngste Vorschläge der Sowjets und
mancher im Westen, die Erprobung von
Raketen, atomaren Gefechtsköpfen, Satellitenabwehrsystemen
und
aktiven
Verteidigungssystemen
einzustellen,
gingen von der Voraussetzung aus,
dies würde den qualitativen Rüstungswettlauf bremsen, der angeblich wi-

derum den quantitativen Rüstungswettlauf antreibt. Solche Beschränkungen
würden jedoch gerade die gegenteilige
Wirkung der beabsichtigten haben; sie
würden die Schaffung eines glaubwürdigen
Abschreckungspotentials
erschweren. Wie schon an anderer Stelle des vorliegenden Berichts ausgeführt wurde, könnte ein sorgfältig
ausgearbeitetes Abkommen über Selbstverteidigungszonen
im Weltraum den
Schutz
weltraumgestützter
Sensoren
sowie Führungs- und Kommunikationssysteme
erleichtern.
Ein
Abkommen,
durch das der sowjetische Vorsprung
bei den nichtatomaren Streitkräften
drastisch reduziert würde, ist von
führenden
Persönlichkeiten
beider
amerikanischen Parteien und von vielen namhaften Europäern vorgeschlagen
worden.
Sein Zweck würde darin bestehen, die Fähigkeiten von NATO und
Warschauer Pakt zum rechtzeitigen und
wirksamen Einsatz von Streitkräften
an kritischen Gefahrenpunkten einander anzugleichen.
Damit würden die
auf geographischen Gegebenheiten und
den größeren Anstrengungen der Sowjets im konventionellen Bereich beruhenden
grundlegenden
Asymmetrien
zwischen Ost und West behandelt.
Die im vorliegenden Bericht empfohlene Strategie sollte als Leitlinie für Rüstungskontrollverhandlungen
sowie für nationale und Bündnisentscheidungen über Verteidigung dienen.
Eine solche Strategie der selektiven
Verteidigung scheint jedenfalls langfristig eher in der Lage zu sein, eine Gemeinsamkeit der Interessen mit
Gegnern aufzubauen als rücksichtslose
Drohungen mit der Auslöschung ihrer
Bevölkerung.
Unsere
Rüstungskontrollpolitik muß einheitlich mit einer lebensfähigen langfristigen Strategie des Bündnisses verbunden sein.

- 14 -

* * * * *

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&lt;

*

�^e°s7&gt;

VON

AMERIKA DIENST
4

Wissenschaft und Technik
20. Januar 1988

NASA GEHT AUF SICHERHEIT
- Shuttle-Start eventuell Im August -

WASHINGTON - (AD) - Nach dem gegenwärtigen Stand der Unter.TUchungc i z.-.-a
Bruch eines Halterings am Schwenkmechanismus der Feststoff raketend.'ise kann
frühestens in etwa drei Wochen näheres zu den Startplänen für dt»n Riumtransporter DISCOVERY gesagt werden. Auf einer Pressekonferenz am 11. Januar 1988
erklärte Richard Truly, NASA-Direktor für den bemannten Raumflug, daß jetzt
günstigstenfalls ein Termin im August 1988 in Frage käme.

Wie die Auswertung des Brenntests
vom 23. Dezember 1987 inzwischen ergab, ist der Ring eine oder zwei Sekunden nach Beendigung des Tests gebrochen.
Er hält einen Hitzeschild
zum Schutz des Schwenkmechanismus für
die Düse, der zum Steuern der Trägerrakete während der ersten beiden Minuten nach dem Start dient. Wie Vertreter der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) erklärten, würde ein
Vorfall dieser Art bei einem Start
den
Ablauf
nicht
beeinträchtigen.
Aber die Beschädigung des Ringes insbesondere
das Aufbrechen
seiner

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schichtenstruktur infolge der extremen Hitze - erfordere technische Änderungen.
Truly zufolge konnte die NASA das
Haltering-Problem
verhältnismäßig
schnell klären, weil eine im August
letzten Jahres erfolgreich erprobte
Alternativ-Ausführung
zur
Verfügung
stand. Bei dem gebrochenen Ring habe
es sich um eine neuere Version gehandelt, von der man sich weitere Verbesserungen
versprochen hatte.
In
den kommenden Wochen müsse geklärt
werden, welche Ausführung zufrieden-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�stellender funktioniere. Die im März
beginnenden weiteren Tests, so ein
NASA-Sprecher, dürften den Ingenieuren die Möglichkeit geben, alle noch
offenen Probleme zu lösen - ob sie
den Haltering oder andere Teile beträfen.
Mit der Ursache für die Explosion
der Raumfähre CHALLENGER im Januar
1986 hat die jetzt beobachtete Fehlfunktion des Halterings nichts zu
tun. Damals wurde durch einen undichten 0-Ring am Verbindungsteil
zwischen zwei Segmenten der Feststoffrakete die Katastrophe ausgelöst. Die NASA und ihre Vertragsfirmen haben seitdem daran gearbeitet,
dieses Problem auszuschalten und die
Konstruktionen insgesamt zu verbessern. Die bisherigen Testergebnisse,
das
Haltering-Problem
ausgenommen,
seien "ausgezeichnet", sagte Truly;
auch hätten alle Haupttriebwerke die
Zulassungstests
für
den
nächsten
Raumtransporter-Flug bereits bestanden. NASA-Administrator Dr. James C.
Fletcher wies auf der Pressekonferenz
Behauptungen zurück, der Starttermin
könne unter Umständen von politischen
Erwägungen im Zusammenhang mit den
Präsidentschaftswahlen
beeinflußt
werden.
Denn "Flugbereitschaft bedeutet, daß der Raumtransporter nur
dannfliegen wird, wenn er so sicher
ist, wie wir ihn machen können".
Sicherheit sei, wie die NASA auch
als Reaktion auf den von ihrer internen Ad-hoc-Kommission verfaßten Bericht feststellte, seit der Katastrophe vom 28. Januar 1986 oberstes
Gebot. Diese Kommission hatte sich
z.T. kritisch zu den Sicherheitsmaßnahmen der NASA geäußert und 72 Empfehlungen vorgelegt.
Ihr Bericht
gründete sich auf Informationen aus
der Zeit zwischen November 1986 und
Februar 1987.
Er wurde im August
1987 dem NASA-Management

Die Veröffentlichung am 5. Januar
1988 erfolgte, nachdem Auszüge aus
dem Bericht durch einen Artikel in
einer in Atlanta (Georgia) erscheinenden Zeitung publik geworden waren.
Auf alle in dem Bericht angesprochenen Fragen sei die NASA direkt
eingegangen, verlautete jetzt. Fast
alle empfohlenen Änderungen, auf die
übrigens auch die Rogers-Kommission
und Kongreß-Ausschüsse aufmerksam gemacht hatten, seien zur Zeit der Ausarbeitung des Berichts bereits im
Gang gewesen oder seien inzwischen
durchgeführt worden.
Mit einem speziellen Problem, das
mit der Montage zusammenhänge, werde
man sich jetzt noch eingehender befassen:
Eine geringe Menge heißen
Gases sickerte beim Brenntest im Dezember durch eine geklebte Sperre
zwischen zwei Isolierelementen und
drang bis zu einem Cummi-0-Ring im
Düsenteil vor. Der Ring hatte das
Gas abgeblockt und wies selbst keinerlei Beschädigungen auf.
Jedoch
sei es sehr wünschenswert, wurde bei
der NASA erklärt, daß die Konstruktion der Verbindung zwischen
Düse
und Mantel ein Durchsickern heißen
Gases zum O-Ring verhindere, selbst
wenn dieser O-Ring nicht die Funktion
einer Dichtung habe. Winzige Gas-Kanäle durch die Klebesperre bildeten
sich dann, wenn kleine Mengen Luft,
die während der Montageprozesse im
System eingeschlossen werden, freigesetzt würden. Um die Möglichkeit des
Lufteinschlusses zu verringern, werde
man nun die Arbeitsgänge bei der Montage weiter verbessern.

zugeleitet.

- 2 -

* * * * * *

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