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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

^

13. Januar 1988

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan;

Technologie schafft weltweite "Wirtschaft der Zukunft'

- Rede des Präsidenten vor dem City Club in Cleveland -

INFORMATION
Hoher Offizier und Abrüstungsexperte als Leiter der ACDA nominiert
- Kurzbiographie von William Burns -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Eldorado der biomedizinischen Forschung
- "National Institutes of Health" - Magnet für Wissenschaftler
aus aller Welt -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

2

13. Januar 1988
REAGAN:

TECHNOLOGIE SCHAFFT WELTWEITE "WIRTSCHAFT DER ZUKUNFT"

- Rede des Präsidenten vor dem City Club in Cleveland WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan ist der festen Überzeugung, daß eine
neue weltweite "Wirtschaft der Zukunft" im Entstehen begriffen ist, in der
"der Intellekt die Materie ersetzt" und "Erfindungen des Menschen Rohstoffe
überflüssig machen".
In einer Ansprache vor dem City Club in Cleveland erklärte Reagan am 11.
Januar 1988, diese neue Wirtschaft werde durch das explosionsartige Anwachsen
technologischer Erfindungen angetrieben, die durch ein weltweites Netz von Investitionen und Kommunikationsmitteln verbunden werden. Im neuen Zeitalter
des Informationswesens seien die weltweiten Investitionsströme dorthin gerichtet, wo die größte Stabilität und die meisten Chancen bestehen, und "in überwältigendem Maß fließen diese in die Vereinigten Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in leicht gekürz
ter Fassung:

Ich möchte zu Ihnen über einen
Bereich sprechen, für den Freiheit
ebenso unabdingbar ist wie für die
Rede, einen Bereich, in dem sie mit
den Jahren ständig an Bedeutung gewinnen wird. Hiermit meine ich die
sich entwickelnde Wirtschaft der Zukunft, eine Wirtschaft voll großer
Herausforderungen und noch größerer
Chancen, wenn wir nur den Mut haben,
sie anzunehmen, die Vorurteile und
Engstirnigkeit der Vergangenheit über
Bord zu werfen und uns der wirtschaftlichen Freiheit in der ganzen
weit zu öffnen.

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Embassy of the United States of America

Ich sprach soeben von der Wirtschaft der Zukunft, dabei nimmt diese
schon heute in Geist und Vorstellungen von Unternehmern rund um den Globus Gestalt an.
Sie entsteht in
kleinen und großen Unternehmen, in
Fabriken und Universitäten, in Forschungs- und
Entwicklungszentren.
Angetrieben vom explosionsartigen An
wachsen technologischer Erfindungen
und verbunden durch ein weltweites
Netz von Investitionen und Kommunika
tionsmitteln, verwandelt sie unser
Leben mit solch atemberaubender Ge
schwindigkeit, daß der sogenannte

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�"gesunde
Menschenverstand"
kaum
Schritt halten kann.
Die dramatischen Veränderungen, deren Zeugen
wir bisher geworden sind, stellen jedoch lediglich eine schwache Andeutung dessen dar, was noch folgen wird.
Ich werde sogleich auf die praktischen und unmittelbaren Auswirkungen auf unsere Wirtschaft zu sprechen
kommen, zunächst muß man jedoch verstehen, daß diese technologische Revolution in grundlegender Weise auch
eine moralische Revolution bedeutet.
Im Kern bedeutet sie eine Absage an
die Ratschläge der Verzweiflung, wie
wir sie in den siebziger Jahren so
häufig gehört haben.
Erinnern Sie sich noch an die
siebziger Jahre? Eine Zeit grassierender Inflation, exzessiver Besteuerung und wahnwitziger Zinsen, eines
Einbruchs beim Produktivitätswachstum
und stetiger Erosion der Investitionsanreize.
Aber noch übler als die Statistiken war eine Art Zusammenbruch des
Vertrauens.
In jenen Jahren machte
der Westen eine Erfahrung, die sich
nur als Vertrauenskrise im Hinblick
auf seine grundlegendsten Werte beschreiben läßt.
Zunehmend war von
einer sogenannten "Konvergenz" zwischen freier Welt und kommunistischem
Block die Rede. Manche behaupteten,
unsere Freiheiten seien ein Luxus,
den wir uns nicht mehr leisten könnten. Experten sprachen von begrenzten Ressourcen in einer schrumpfenden
Welt. In dieser Zukunft der Knappheit, so wurde uns gesagt, müßten die
freien Nationen einen zunehmenden
Teil ihrer wirtschaftlichen und politischen Freiheiten opfern und ein Anwachsen staatlicher Kontrolle hinnehmen.

Das amerikanische Volk erteilte
diesem Rat der Verzweiflung eine Abfuhr.
Es erkannte, daß die Krise
nicht die Werte betraf, sondern die
Führung, die nicht mehr an sie glaubte. Und es verlangte die Rückkehr zu
unseren Grundprinzipien - jenen Prinzipien der Freiheit und des Unternehmertums -, die dieses Land immer so
groß gemacht hatten.
Nun, der Weg zurück ist heute gut
dokumentiert: Wir senkten die Steuern, bezwangen die Inflation und befreiten unsere Wirtschaft von einschränkenden Vorschriften - und setzten dadurch die schöpferischen Energien des amerikanischen Volkes frei.
Das Ergebnis hätten sich die "Experten" vor acht Jahren niemals träumen
lassen:
etwa 14,5 Millionen neuer
Arbeitsplätze - mehr Arbeitsplätze
als in Europa und Japan zusammengenommen. Allein im vergangenen Jahr
wurden drei Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen.
Das Beschäftigungsniveau, der Prozentsatz aller
beschäftigten Amerikaner über 16 Jahre, befindet sich auf Rekordhöhe.
Gerade hier in Cleveland fiel unter
Bürgermeister Voinovich die Arbeitslosenrate von 15 Prozent im Jahr 1979
auf unter zehn Prozent. Landesweit
stieg
die
Beschäftigungsrate
der
Schwarzen seit November 1982 um 26
Prozent, mehr als das Doppelte der
Zunahme unter den Weißen. Der Wirtschaftskolumnist Warren Brookes betrachtete diese Bilanz und kam zu
folgendem Schluß: "An jeder Front Arbeitsplätze,
Einkommen,
selbst
Wohlstand der Haushalte - waren diese
Jahre 1981 bis 1986 wirtschaftlich
die besten fünf Jahre in der Geschichte der Schwarzen."
Die Gründung neuer Unternehmen
erlebt weiterhin einen starken Aufschwung.
Die Arbeitsproduktivität,
ein Maßstab für die Solidität der

- 2 -

�Wirtschaft, hat den Rückgang der
siebziger Jahre überwunden und erreicht jetzt historische Zuwächse:
durchschnittlich fünf Prozent jährlich seit 1982 - mehr als das Anderthalbfache des Durchschnitts der Nachkriegszeit.
So eindrucksvoll diese
Zahlen auch sein mögen, so tragen sie
doch mehr zur Vernebelung als zur Erhellung dessen bei, was den wahren
Charakter unserer Fortschritte ausmacht. Der Wandel, ist qualitativer,
nicht quantitativer Natur. Wir beschleunigen nicht lediglich die Prozesse der Industriellen Revolution wir gestalten sie grundlegend um.
Lassen Sie mich Ihnen nur ein
Beispiel nennen, den Halbleiter oder
Computer-Chip.
Ein Wissenschaftler
stellt den folgenden Vergleich an:
Wäre die Technologie im Automobilbau
in den vergangenen 20 Jahren so rasch
vorangeschritten wie die Halbleitertechnologie, so würde ein Rolls Royce
heute weniger als drei Dollar kosten,
mit einer Gallone Treibstoff drei
Millionen Meilen weit fahren, genügend Kraft entfalten, um einen Ozeandampfer anzutreiben, und sechs davon
fänden auf dem Kopf einer Stecknadel
Platz.
Dies ist mehr als ein explosionsartiges Anwachsen der Produktivität mit Operationen in der geheimnisvollen Welt der Quantenphysik signalisieren die Computer von heute einen
Quantensprung in der Weltwirtschaft.
Mit hoher Geschwindigkeit bewegen wir
uns von der Wirtschaft der Industriellen Revolution - einer Wirtschaft, die aus den Rohstoffen der
Erde gespeist wird und an diese gebunden ist - zur, wie es ein Wirtschaftswachswissenschaftler im Titel
seines Buches ausdrückte, Wirtschaft
des Geistes, in der menschliches Vorstellungsvermögen und schöpferische
Freiheit die kostbarsten Rohstoffe

sind.
Denken Sie noch einmal an diesen
kleinen Computer-Chip.
Jene Chips,
die treibende Kraft der modernen
Wirtschaft, werden aus dem in Sand
enthaltenen Silikon hergestellt, einer der weitverbreitetsten Substanzen
der Erde. Ihr Wert rührt nicht vom
Material her, aus dem sie bestehen,
sondern von der mikroskopisch kleinen
Architektur, zu der sie durch genialen menschlichen Intellekt geformt
wurde.
Zunehmend ersetzt in dieser neuen
Wirtschaft der Intellekt die Materie,
machen Erfindungen des Menschen Rohstoffe überflüssig.
Denken Sie zum
Beispiel an eine typische per Satellit übertragene Fernsehsendung, wie
etwa das Spiel der Browns vom Samstag. Dieser Satellit - ein Produkt
menschlichen Erfindergeistes - ersetzt Tausende von Tonnen Kupfer, die
aus der Erde geschürft und zu Draht
verarbeitet werden müssen.
Anstatt in einer Welt schrumpfender Rohstoffe eingesperrt zu sein,
sind wir im Begriff, über diese hinauszuwachsen, in ein neues Zeitalter
scheinbar grenzenloser Horizonte einzutreten.
Dies ist eine gute Nachricht für
die Menschheit - jedoch eine schlechte Nachricht für die Planwirtschaft.
Der zentral gelenkte Staat kann Me
talle abbauen oder Öl aus der Erde
pumpen.
Zwar weniger effizient als
eine freie Wirtschaft, kann er doch
große Fabriken und Fertigungsbänder
betreiben. Er kann jedoch nicht den
Unternehmergeist freisetzen. Er kann
nicht die Produkterprobung
freier
Märkte nachahmen, die Fülle von Experimenten, die Wissen und Fortschritt
erbringt. Keine Regierung kann den
Unternehmer hervorbringen oder diesen

- 3 -

�Funken des Erfindergeistes entzünden.
Alles, was Regierungen tun können,
ist, ihren Bürgern den Weg zu ebnen ihnen die Freiheit des Intellekts zu
geben.
Eine kürzlich erschienene Ausgabe
des Magazins "Fortune" faßte dies in
einem Beitrag mit dem Titel "Der Tod
des Sozialismus" zusammen.
Selbst
sozialistische Regierungen in Westeuropa senken heute die Steuern, während die Sowjetunion in dem Versuch,
nicht noch weiter zurückzufallen,
nach Wirtschaftsreformen strebt.
Vor über einem Jahrhundert prophezeite der englische Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph John
Stuart Mill, der Wettbewerb zwischen
sozialistischen und freien Marktwirtschaften würde letztlich dadurch entschieden, welches System "im Einklang
mit dem größten Maß an menschlicher
Freiheit und
Spontaneität" stehe.
100 Jahre danach kennen wir das Ergebnis.
Sozialistische und kommunistische Systeme haben ihre Freiheiten aufgegeben, und alles was sie mit
ihrem Opfer erkauft haben, sind Stagnation und Leid.
Anstatt Konvergenz stellen wir
also eine zunehmende Divergenz zwischen Freien und Unfreien fest. Dirigistische Wirtschaftssysteme stagnieren, während die Länder des freien
Marktes und der niedrigen Steuern mit
Riesenschritten in ein neues Zeitalter des Wachstums eintreten - in eine
neue Weltwirtschaft.
Noch stärker als in der Vergangenheit ist diese neue Weltwirtschaft
die Wirtschaft einer Welt.
Unter
Führung der Amerikaner haben Unternehmer ein weltweites elektronisches
Netz geschaffen, das 24 Stunden täglich einsatzbereit ist und annähernd
mit
Lichtgeschwindigkeit
Kapital,

Ideen, Waren und Dienstleistungen
rund um die Welt in Bewegung hält.
Forschung, Entwicklung, Produktion,
Marketing und Investitionstätigkeit
finden heute auf weltweitem Niveau
statt.
Nehmen Sie zum Beispiel die Firma
Boeing.
Mit Hauptsitz in Seattle
baut sie den Rumpf ihrer neuen 76 7
mit Komponenten aus Japan und Ita
lien, die Triebwerke werden von ame
rikanischen Arbeitnehmern in Ohio mit
Teilen aus Schweden, Frankreich, der
Bundesrepublik Deutschland und Italien zusammengebaut. Oder nehmen Sie
zum Beispiel Honda. Das Unternehmen
baut heute Automobile in Marysville,
Ohio, die in Taiwan verkauft werden,
und prüft gegenwärtig die Möglichkeit, seine in den Vereinigten Staaten hergestellten Automobile in Japan
zu verkaufen.
In dieser neuen Weltwirtschaftsordnung werden nationale Grenzen zunehmend überflüssig. In diesem neuen
internationalen Zeitalter des Informationswesens folgen Unternehmer dem
Fluß ihrer Investitionen und diese
fließen dorthin, wo die größte Stabilität herrscht, sich die besten Möglichkeiten abzeichnen - in überwältigendem Maße fließen sie in die Vereinigten Staaten.
Wir sind uns der Diskussion über
das Handelsdefizit bewußt, sollten
uns jedoch vor einfacher Buchführung
hüten.
Die Habenseite belegt, daß
dank
der
wachsenden,
dynamischen
Wirtschaft der Vereinigten Staaten
159 Milliarden Dollar an ausländischem Kapital ins Land geflossen
sind. Handelsdefizite und der Zufluß
ausländischen Kapitals
sind nicht
notwendigerweise ein Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche.
Während der
ersten 100 Jahre der Geschichte unse
rer Nation, als wir uns von einer Ag-

- 4 -

�rarkolonie zur industriellen Führungsmacht der Welt entwickelten,
hatten die Vereinigten Staaten ein
Handelsdefizit zu verzeichnen. Heute, da wir die führende Stellung in
dem weltweiten Wandel vom Industriezum Informationszeitalter einnehmen,
ziehen wir immer noch Investitionen
aus der ganzen Welt an.

Mexiko hat einen Handelsüberschuß bei
Waren zu verzeichnen. Der Handel der
Vereinigten Staaten, die stets eine
Lokomotivfunktion bei der Ankurbelung
der Wirtschaft erfüllt haben, befindet sich in den roten Zahlen, da wir
dank unserer wachsenden Wirtschaft in
der Lage sind, die Waren der anderen
zu kaufen.

Einige bezeichnen dies als Verschuldung. Dieser Denkweise zufolge
wäre jedoch jede Gelegenheit, bei der
ein Unternehmen Aktien verkauft, ein
Anzeichen von Schwäche und es wäre
sehr viel besser, ein Unternehmen zu
leiten, in das niemand investieren
möchte als eines, in das jeder investieren will. Nehmen wir zum Beispei 1 die Hochtechnologie und das
schnelle Wachstum
in Kalifornien.
Milton Friedman zufolge stellt die
Verschuldung Kaliforniens gegenüber
anderen Bundesstaaten und dem Ausland
die Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit weit in
den Schatten. Ist dies ein schlechtes Omen für Kalifornien? Im Gegenteil, man könnte sagen, es ist ein
Anzeichen von Stärke.

Diese
Ungleichgewichte
sollten
jedoch im Verlauf der Zeit reduziert
werden, und hier bieten sich zwei
Möglichkeiten an: Wir können uns wie
die anderen verhalten oder sie wie
wir. Wir können die Steuern erhöhen,
erneut Wirtschaftsbeschränkungen einführen und eine protektionistische
Gesetzgebung der Art verabschieden,
wie sie jetzt im Kongreß erörtert
wird.
Solche Maßnahmen werden das
Wachstum dieser Nation wirksam verlangsamen und
den internationalen
Handel lähmen. Wir werden die Produkte der anderen nicht kaufen können
und zweifelsohne wird niemand den
Wunsch hegen, Investitionen in unserem Land zu tätigen. Die Weltwirtschaft kann dann gemeinsam schrumpfen
und wir können uns schon jetzt auf
die Rufe der Experten gefaßt machen,
die dann zum wiederholten Male "Konvergenz" und die "Grenzen des Wachstums" predigen.

Historisch gesehen haben schnell
wachsende Wirtschaften häufig ein Defizit der Leistungsbilanz bei gleichzeitigen
Nettokapitalinvestitionen
aus dem Ausland zu verzeichnen. Dieser vorhersehbare und bis zu einem
gewissen Grad wünschenswerte Prozeß
ist durch das langsame Wachstum in
einigen Teilen Europas und die Notwendigkeit der hochverschuldeten Länder der Dritten Welt, für ihren
Schuldendienst Handelsüberschüsse zu
erwirtschaften, noch verschärft worden. Die Bundesrepublik Deutschland
hat in den vergangenen zehn Jahren
eine halbe Million Arbeitsplätze verloren und dennoch im Warenhandel einen Überschuß zu verzeichnen. Auch

Die andere Lösung wäre, daß sie
sich wie wir verhalten und eine Politik der niedrigen Steuern und der
Wachstumsförderung
verfolgen.
Den
Handel ermutigen, statt zu entmutigen
- ihn freier, fairer und vielfältiger
gestalten. Gemeinsam mit den anderen
Nationen an einem kooperativen Aufwärtstrend des Wachstums mitzuarbeiten, an dem alle teilhaben. Die Möglichkeiten der neuen Weltwirtschaft
ausschöpfen.
In der Tat können wir dies bereits beobachten. Einige der führen-

- 5 -

�den Industrienationen sind dem Beispiel der Vereinigten Staaten gefolgt
und haben zur Ankurbelung des Wachstums die Grenzsteuersätze gesenkt.
Diese Änderungen und andere Marktkräfte haben schon jetzt eine starke
Nachfrage nach amerikanischen Exporten ausgelöst - bei erwartetem anhaltendem Wachstum.
Ich möchte damit nicht behaupten,
daß es keine Probleme gibt - das Problem, das selbst ein Blinder ausmachen kann, ist das amerikanische
Haushaltsdefizit. Dieses Defizit ist
peinlich und bedauerlich und vielleicht am gefährlichsten, weil es den
vollständigen Zusammenbruch einer der
grundlegendsten Funktionen der Regierung der Vereinigten Staaten signalisiert.
Wir haben jedoch bereits einige
Fortschritte erzielt. Zum ersten Mal
in 14 Jahren hat die amerikanische
Regierung im letzten Jahr verglichen
mit dem Vorjahr in realen Zahlen weniger ausgegeben. Wir haben das Defizit des vergangenen Jahres um 75
Milliarden Dollar verringert und beide Häuser des Kongresses haben mit
mir einen Zweijahresplan zur Reduzierung
des
Defizits
unterzeichnet.
Dies sind Schritte in die richtige
Richtung, die einen ausgeglichenen
Haushalt zur Folge haben werden und
zwar ohne die Härten der linearen
Kürzungen des Gramm-Rudman-Ho11ingsGesetzes.
Aber es bleibt noch viel zu tun.
Wenn wir uns nicht vorsehen, werden
wir erneut in die Fehler der Vergangenheit verfallen - gebrochene Versprechen und ungebremste Ausgaben.
Es ist Zeit, die Wurzel des Problems
anzugehen - es ist an der Zeit, den
funktionsunfähigen
Haushaltsprozeß
wieder in Ordnung zu bringen.

Kurz vor Weihnachten hat der Kongreß ein großes Paket an meiner Tür
abgeliefert. Es war die 1 000 Seiten
umfassende
Haushaltsfortschreibung,
die alle Ausgaben der amerikanischen
Regierung bewilligt. Zum zweiten Mal
nacheinander hat der Kongreß keinen
einzigen der 13 Einzeletats rechtzeitig verabschiedet. Er hat sie nur zu
einer Billionen-Dollar Goldgrube aufgeschüttet .
Wie wäre es mit einem Vorsatz für
das neue Jahr:
ein Haushalt, der
glaubwürdig und zuverlässig ist. Ein
Ausgabenplan, der rechtzeitig vorliegt und durchführbar ist und die
Regierung nicht an den Rand des
Scheiterns bringt. 13 handliche Einzelhaushalte und nicht ein gigantisches Sammelsurium. Ich werde die
sen Vorsatz fassen und hoffe, die 535
Abgeordneten, die Ihre Vertreter im
Kongreß der Vereinigten Staaten sind,
werden sich dies ebenfalls zum Vorsatz machen.
Es gibt noch weitere Änderungen,
mit denen dieser Prozeß erneuert werden kann.
Die Verfassung verleiht
dem Präsidenten das Recht, ein Veto
einzulegen, und dem Kongreß die Be
fugnis, dieses Veto aufzuheben. Als
unsere Vorväter dieses historische
Dokument entwarfen, waren sie sich
des Dilemmas sicherlich nicht gewahr,
in dem sich der Präsident heute be
findet - entweder sein Veto gegen ein
für die Wahrnehmung der Regierungsge
Schäfte notwendiges Haushaltsgesetz
einzulegen oder ein Gesetz zu unterzeichnen, das wenig zur Förderung des
nationalen Wohlstands beiträgt.
Lassen Sie mich einige der bevorzugten Themen des Kongresses aufzählen:
Selbst in dieser Zeit von
Gramm-Rudman, in der unser Verteidigungshaushalt bis aufs äußerste ge
kürzt wird, hat der Kongreß entschie
6 -

�den, daß die Spargelforschung von
vordringlicher nationaler Notwendigkeit ist. Auch für Kernobst wurden
großzügig Mittel bereitgestellt, aber
das große Geld floß in die politisch
kalkulierten Projekte wie Straßen,
Autobahnen, Staudämme.

•

Kein Präsident sollte mit dem Angebot "Alles oder Nichts" konfrontiert werden. Es ist an der Zeit,
dem Präsidenten dasselbe Recht zu gewähren wie den 43 Gouverneuren - ein
selektives Veto. Bis dies geschieht,
wird der Kongreß die Verantwortung
dafür übernehmen müssen, daß ungerechtfertigte Zusatzartikel nicht zum
Bestandteil der notwendigen Gesetze
werden, die mir vorgelegt werden.
Im Verlauf dieser Jahre hat sich
unser Land zur Feier des Jahrestages
der Unterzeichnung und Ratifizierung
unserer Verfassung versammelt.
Je
mehr ich über dieses erhabene Dokument nachdenke, desto eher gelange
ich zu derselben Schlußfolgerung wie
George Washington, daß es sich hierbei um mehr als ein Produkt menschlichen Erfindungsgeistes handelt
daß auch, wie Washington glaubte, die
göttliche Vorsehung ihre Hand dabei
im Spiel hatte.

,

»

Zweihundert Jahre später dient
dieses Dokument nicht nur unserer Nation, sondern der ganzen Welt als
Leitfaden, da wir ins 21. Jahrhundert
eintreten.
Gelegentlich
vergessen
wir, daß der ursprüngliche Zweck der
verfassunggebenden Versammlung darin
lag, eine Lösung für die Handelskonflikte zu finden, die zu jener Zeit
die Vereinigten Staaten entzweiten.
Im Jahr 1787 warnte die Connecticut
Gazette, die Handelskonflikte zwischen Georgia und Virginia könnten zu
einer "Verarmung oder dem verhängnisvollen Zusammenbruch" des Handels in
Virginia führen.
Zwischen einigen

Staaten waren tatsächlich Kämpfe ausgebrochen. Blut war vergossen worden.
Die neue politische Einheit,
die in Philadelphia erzielt wurde,
war vielleicht ebenso bedeutend wie
der wirtschaftliche Durchbruch - die
Grundsätze, die Amerika zur größten
Freihandelszone der Welt machen sollten, zu einer kontinentalen Wirtschaft.
Als die Verfassung niedergelegt
wurde, dauerte es länger von Washington nach Richmond in Virginia zu reisen als heute von Washington nach
Tokio.
Die Anforderungen der neuen
Weltwirtschaft
überschreiten
politische Grenzen. Wie vielen von Ihnen
bekannt sein dürfte, haben Premierminister Mulroney und ich am Wochenende
nach Neujahr ein historisches Freihandelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada unterzeichnet - ein Abkommen, das meinen im Innersten gehegten Hoffnungen zufolge
den Weg zu dieser neuen Weltwirtschaft ebnen wird, in der nationale
Grenzen wie die Grenze zwischen den
Vereinigten Staaten und Kanada werden: eher ein Treffpunkt denn eine
Trennungslinie.
Die sich wandelnden wirtschaftlichen Realitäten - deren Produkte
zunehmend in Informationen bestehen,
die mit Lichtgeschwindigkeit um die
Welt übermittelt werden können - diese neuen wirtschaftlichen Realitäten
diktieren die Weltwirtschaft.
Aufgrund unserer Erfahrungen mit der
kontinentalen Wirtschaft sind wir in
einzigartiger Weise dafür geschaffen,
die Welt in ein neues Zeitalter der
wirtschafliehen
Zusammenarbeit
zu
führen und diese "Stadt auf dem Hügel", die Amerika ist, zu einer universellen Stadt zu machen.
Die Losung dieses neuen Zeitalters heißt Freiheit - freies Unter-

- 7-

�nehmertum, freier Handel, Freizügigkeit, die Freiheit zur Emigration.
Freiheit - die Freisetzung der kreativen Energien aller Menschen auf der
Welt. Das ist die Herausforderung,
die sich uns in den achtziger Jahren
stellt. Wir brauchen nur den Mut,
ihr zu begnen.

* * * * *

- 8 -

�AMERIKA DIENST
Information
13. Januar L988

HOHER OFFIZIER UND ABRÜSTUNGSEXPERTE ALS LEITER DER ACDA NOMINIERT
- Kurzbiographie von William Burns -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Reagan als neunter Direktor des USAmts für Rüstungskontrolle (ACDA) nominierte Generalmajor Willi.im Btrns jilt
vreithin als Verfechter eines pragmatischen Kurses In der Rüsttngskontrolle.
Gegenwärtig ist Burns zweiter Mann im Büro für militärisch-politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium und hat das Amt a'.s Leiter der
Unterabteilung für Rüstungskontrolle inne.

Im Falle seiner Bestätigung durch
den Senat würde Burns der Nachfolger
von Kenneth Adelman als Direktor der
ACDA.
Adelman hatte seinen Posten
nach dem Washingtoner Gipfel vom Dezember abgegeben.
Allgemein gilt Burns im Vergleich
zti seinem Vorgänger als gemäßigter
und weniger umstritten als einige der
wichtigsten Beteiligten am Prozeß der
Rüstungskontrolle.
Burns war an den Verhandlungen
über den von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow während des
Washingtoner Gipfels im vergangenen

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Jahr unterzeichneten IN?-Vertrag beteiligt.
Aus diesem G-und erwartet
man, daß er die Bemühungen der Administration um die Ratif izieiung dieses Vertrags durch den Senat wesentlich unterstützen wird. Die Anhörungen zur Ratifizierung beginnen am 25.
Januar.
Auf dem Capitol Hil L sind Spekulationen laut geworden, denen zufolge
die Nominierung von Burns auf Widerstand
konservativer Mitglieder des
Kongresses
wie
etwa
des
Senators
Jesse Helms treffen könnte.
Demgegenüber erklärte jedoch der Sprecher
des Weißen Hauses Marlin Fitzwater:

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�"Wir sind zuversichtlich, daß er bestätigt wird." Er beschrieb den Nominierten überdies als "hervorragenden Kandidaten".
Senator Clairborne Pell, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
des Senats, der über die Nominierung
von Burns abstimmen wird, äußerte die
Meinung, die zivile Rüstungskontrollbehörde solle nicht von einem Militär
geleitet werden. Burns wird jedoch
vor seinem Amtsantritt als Leiter der
ACDA seinen Abschied von der Armee
nehmen und auf seinen militärischen
Rang verzichten.
Dies wird jedoch
nicht vor seiner Bestätigung durch
den Senat geschehen.
Burns wird ebenfalls einen Beitrag zu den weiteren Verhandlungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zur Reduzierung der
strategischen Waffen (START) leisten,
wodurch die Zahl der Langstreckenraketen in den Arsenalen der beiden Supermächte verringert werden soll.
Diese Verhandlungen werden am 14. Januar in Genf wiederaufgenommen, wobei
die Unterhändler hoffen, einen zweiten Rüstungskontrollvertrag im Rahmen
des
für
das
Frühjahr
geplanten
Reagan-Besuchs zur Unterzeichnung in
der Sowjetunion vorbereiten zu können.
Im Rahmen seiner bisherigen Verwendungen hat Burns die von Präsident
Reagan 1983 Ins Leben gerufene Strategische Verteidigungsinitiative unterstützt. Mit dem SDI-Programm, das
sich gegenwärtig noch im Forschungsstadium befindet, soll die Bedrohung
durch
ballistische
Raketen abgeschafft werden.
Von November 1981 bis Juni 1984
war der designierte Leiter des US-Rüstungskontrollamtes Delegierter der
Vereinigten Stabchefs bei den INFVerhandlungen in Genf.

Davor hatte er von 1984 bis 1985
erneut eine Verwendung als stellvertretender Kommandant der Carlisle Kaserne in Pennsylvania beim US-Army
War College inne.
Im Februar 1985 kehrte er als Delegierter der Vereinigten Stabschefs
bei der INF-Verhandlungsgruppe
in
Genf ins Pentagon zurück und blieb
bis Dezember 1986 in dieser Position.
General Burns hatte von 1954 bis
heute verschiedene Funktionen im amerikanischen Heer inne; von 1981 bis
1982 war er Direktor der Sondergruppe
für Waffensysteme zur Truppenunterstützung in Fort Sill, Oklahoma; von
1980 bis 1981 diente er als stellvertretender Kommandant der Feldartillerie^chule
der
amerikanischen
Streitkräfte in Fort Sill, von 1978
bis
1980
in
der
Bundesrepublik
Deutschland als Verbindungsoffizier
beim U.S. Army Training and Doctrine
Command in Bonn; von 1976 bis 1978
war er Kommandeur der 42. Field Artillerie Group bei der U.S. Army
Europe und von 1972 bis 1976 Direktor
der wirtschaftspolitischen Abteilung
beim Institut für Studien zur nationalen und internationalen Sicherheit
am Army War College der Carlisle Käse rne.
General Burns schloß sein Studium
am LaSalle College im Jahr 1954 mit
dem B.A. ab; 1969 erwarb er den Magister für internationale Studien von
der Woodrow Wilson School of Public
and International Affairs an der Universität Princeton.
Burns wurde am 23. Juni 1932 in
Scranton, Pennsylvania, geboren. Er
ist verheiratet und hat vier Kinder.
Sein Wohnort ist Fort Myer, Virginia.

- 2 -

* * * * *

�ceoST&gt;

V,DN #

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
13. Januar 1988

ELDORADO DER BIOMEDIZINISCHEN FORSCHUNG
'National Institutes of Health" - Magnet für Wissenschaftler
aus aller Welt -

WASHINGTON - (AD) - Die Freiheit, zu forschen, und ein Arbeitsklima, das
den einzelnen fordert und fördert zugleich, sind offenbar ganz wichtige Voraussetzungen für überragende wissenschaftliche Leistungen. Die Entwicklung
der "National Institutes of Health" (NIH), der Biomedizinischen Forschungsan
stalten der Vereinigten Staaten in Bethesda (Maryland), und die Erfolge ihrer
Mitarbeiter haben dies in den letzten Jahrzehnten überzeugend demonstriert.

An
der. "Gesundheitsinstituten"
sind heute etwa 14 000 Personen beschäftigt. Mehr als 3000 sind Wissenschaftler - aber fast zwei Drittel
von ihnen gehören nicht den medizinischen Fachrichtungen an, sondern
sind Biologen, Biochemiker und Mikrobiologen verschiedenster Spezialisierung. Neuerdings zählen auch Ökologen und Sozialwissenschaftler zur
Kollegenschaft.
Sie alle wissen um
die Besonderheit und um die Vorzüge
ihrer Arbeitsstätte. Zwar locken erheblich besser dotierte Positionen in
der Industrie und an Universitäten.

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Aber die meisten ziehen die Atmosphä
re dieser "vollkommensten Form einer
Alma Mater" vor.
So
jedenfalls
charakterisierte
Dr. Roy Vagelos, ehemaliger NIH-Stipendiat, jetzt Vorstandsvorsitzender
der Fa. Merck &amp; Co., die "National
Institutes of Health" auf der Eröffnungsveranstaltung zu den Hundertjahrfeiern im vergangenen Jahr. Die
se zogen sich bis Ende 1987 hin meist waren es Begegnungen mit ehema
ligen
Kollegen,
insbesondere
mit
Gastforschern aus aller Welt.
Die

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�Veranutaltungen hatten aber auch »um
Ziel, der Öffentlichkeit die Schwerpunkte der hier betriebenen Forschungsarbeit und ihre Bedeutung für
die Erhaltung und Wiederherstellung
der Gesundheit zu erläutern. Junge
Menschen bekamen Gelegenheit, sich
über Karrieren in den vielfältigen
Fachgebieten zu informieren, sich
vielleicht auch von der Begeisterung
der "Aktiven" anstecken zu lassen.
Dieses in seiner Art wohl einzigartige Zentrum nahe der Bundeshauptstadt Washington bildet heute einen
der Hauptpfeiler für die Führungsposition Amerikas in der biomedizinischen Forschung.
Es wird ausschließlich mit Bundesmitteln finanziert, ist in der Verwendung der Gelder aber autonom. Und NIH-Direktor
Dr. James B. Wyngaarden wacht mit dem
Verwaltungsgremium darüber, Versuche
zu bürokratischem "Mikromanagement"
von draußen schon im Ansatz abzuwehren.
Die
wissenschaftliche
Aus- und
Weiterbildung von gut einem Drittel
aller Jungakademiker, die sich in den
USA für die immer stärker aufgefächerten Sektoren der Biomedizin spezialisieren, wird von hier aus gefördert.
Wer zumindest zeitweise in
Bethesda arbeiten will, muß durch besondere Leistungen während des Studiums und durch Publikationen bereits
aufgefallen sein. Aus den Instituten
selbst kommen Jahr für Jahr etwa
2 000 neue wissenschaftliche Berichte.
Fast 70 Amerikaner, die seit
1939 mit dem Nobelpreis für Medizin
und Physiologie ausgezeichnet wurden,
erhielten für ihre Arbeiten Unterstützung durch die "National Institutes of Health". Aus den Instituten
in Bethesda selbst sind vier dieser
Laureaten hervorgegangen.

Kur etwa ein Fünftel des Jahresetats, der derzeit 6,2 Milliarden
Dollar beträgt (und den der Kongreß
in der Regel großzügiger bemißt als
die Regierung in ihren Haushaltsansätzen), verbleibt in der Zentrale.
Mit den übrigen Mitteln werden Forschungsvorhaben
einzelner
Wissenschaftler und Laboratorien in anderen
Instituten im Lande, aber auch im
Ausland gefördert. So gehen von den
70 Millionen Dollar, die NIH jährlich
für internationale Aktivitäten bereitstellt, mehr als 30 Prozent an
ausländische Forscher. Das "Fogarty
International Center" fördert die Zusammenarbeit amerikanischer Wissenschaftler mit Kollegen in der ganzen
Welt. Derzeit sind die "National Institutes of Health" an 57 bilateralen
Abkommen mit 32 Ländern beteiligt.
Gastforscher aus dem Ausland und vorübergehend in den USA tätige Wissenschaftler aus mehr als 70 Ländern
leisten gegenwärtig Beiträge zu Untersuchungen auf nahezu jedem Gebiet
der Biomedizin.
Wanda Pifer, die Leiterin der
Auslandsabteilung, berichtet, daß zur
Zeit etwa 1600 ausländische Forscher
in den Laboratorien von Bethesda tätig seien und zwischen einem Jahr und
drei Jahren in den Vereinigten Staaten blieben. Seit 1969 nahmen mehr
als 130 ausländische Gelehrte von internationalem Ruf an dem Programm
"Scholars-in-Residence"
teil,
das
sich als besonders produktiv erwiesen
habe.
So veröffentlichte ein indischer Gelehrter in den letzten zwei
Jahren in Zusammenarbeit mit Forschern in den USA und Indien eine Anzahl wissenschaftlicher Berichte über
die Entwicklung von Lepra-Impfstoffen.
Ein britischer Forscher koordinierte die Arbeit einer internationalen Gruppe zur Entwicklung einer experimentellen Vakzine gegen die erworbene Immunschwächekrankheit AIDS.

- 2 -

�*

*

,
»

Dr. Robert
Gallo vom Nationalen
Krebsinstitut, in dessen Laboratorium
zum ersten Mal HIV-Kulturen gezüchtet
und damit Möglichkeiten zum Studium
der AIDS-Erreger und zur Entwicklung
von Antikörper-Tests geschaffen wurden, firmiert mt seinen Mitarbeitern
als die ":Regenbogen-Koalition" - so
bezeichnet wegen der zahlreichen Nationalitäten, die in der Gruppe vertreten sind.
Zwölf Fachinstitute, mit modernsten Laboratorien und technischen
Hilfsmitteln ausgestattet, dazu eine
Klinik mit 540 Betten, sind Kernelemente der "National Institutes of
Health".
Ihre Bibliothek verfügt
über die umfassendste Literatur der
Welt, was die biomedizinischen Wissenschaften angeht.
Schon in den
sechziger Jahren wurden Datenbanken
für die fortlaufende Aktualisierung
des "Index medicus"-Katalogs benutzt.
Und modernste Mittel der Nachrichtentechnik, einschließlich Satelliten,
werden eingesetzt, um Forschern in
aller Welt jederzeit Zugang zu den in
Bethesda gespeicherten Informationen
zu ermöglichen.
NEH arbeitet mit
1300 ausländischen Forschungszentren
eng zusammen. Für die Auswahl, technische Vorbereitung und Koordinierung
eigener
Studienprojekte
sind
in
Bethesda vier Sonderabteilungen eingerichtet.
In den "klassischen" NIH-Instituten befaßt man sich mit dem Studium
von Krebs unter allen nur erdenklichen Gesichtspunkten, von Herz-,
Lungen- und Blutkrankheiten, von Skelett- , Gelenk- und
Stoffwechselerkrankungen, von Allergien und Infektionen, neurologischen und muskulären
Erkrankungen, von Nieren-, Harnwegsund Hautkrankheiten, von endokrinen
Störungen und solchen der Nahrungsverwertung, mit der Erforschung von
Störungen des Hör-, Sprech- und Seh-

vermögens , mit der menschlichen Entwicklung und der Reproduktionsmedizin. Die Institute für Gerontologie,
die Untersuchung der Gesundheitsbeeinträchtigung durch Umweltbelastungen (dieses Institut ist in Research
Triangle Park, North Carolina, ansässig) und das Nationale Zentrum für
Pflegeforschung kamen erst in jüngerer Zeit hinzu.
Über die meisten
Ausbildungsplätze (fast dreimal mehr
als z.B. im Herz- oder Krebsinstitut)
verfügt das Institut für allgemeine
medizinische Forschung, wo man sich
mit Grundlagenproblernen befaßt - von
der Zellbiologie über Genetik und
Pharmakologie bis zu systemischen Re
aktionen des menschlichen Organismus
auf traumatische Einwirkungen und auf
Anästhesie.
In das Krankenhaus werden Patienten ausschließlich unter Gesichtspunkten der Forschung aufgenommen.
In den Instituten erarbeitet« Therapien für schwer behandelbare oder
seltene
Erkrankungen
werden
hier
erstmals erprobt. Nur durch die Vermittlung ihres Arztes können Patienten aus den USA oder anderen Ländern
nach Bethesda kommen, sofern ihre Erkrankung in den Rahmen der jeweils
laufenden
Forschungsprojekte
paßt.
Ist dies der Fall, können sie mit
kontinuierlicher Betreuung durch ihre
NIH-Ärzte rechnen.
NIH-Forschungsergebnisse
führten
z.B. zur Verringerung von Todesfällen
infolge Herzerkrankungen, Krebs und
Schlaganfall. Die hier entwickelten
Programme zur Gesundheitserziehung,
in denen Rauchen, hoher Cholesterinspiegel und Bluthochdruck als Risikofaktoren erklärt und herausgestellt
sind, führten im Verein mit besserer
medizinischer Versorgung und Vorbeugung bereits zu einem Rückgang der
Todesfälle durch Herzkrankheiten in
Nordamerika um 30 Prozent, in Belgien

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�und Japan um 25 Prozent.
Laut Dr. Peter Frommer vom Nationalen Herzinstitut steigt jedoch in
vielen anderen Teilen der Welt die
Sterblichkeitsrate durch Herzkrankheiten eher an. Dies gelte vor allem
für Entwicklungsländer und Länder des
pazifischen Raumes, die mehr und mehr
den westlichen Lebensstil übernähmen.
Japan bilde hier allerdings eine Ausnahme. Auf dem Gebiet der Therapie
haben amerikanische Forscher, wie
Frommer weiter berichtete, den Weg
zur Ausrottung rheumatischer Herzerkrankungen gewiesen. In den USA gebe
es sie so gut wie nicht mehr. Jedoch
zählten sie z.B. in Indien, Ägypten
und vielen Ländern der Dritten Welt
noch immer zu der häufigsten Form von
Herzkrankheiten.
Die Pionierarbeit,
die in Amerika auf dem weiten Feld
der Herzchirurgie geleistet wurde,
bedarf eigentlich gar keiner Erwähnung.
Das 1981 in Angriff genommene
Programm zur beschleunigten Entwicklung neuer Vakzine am Institut für
Allergie
und
Infektionskrankheiten
ist derzeit auf zehn Impfstoffe konzentriert. Sie gelten in erster Linie der Bekämpfung der Malaria, von
Typhus, Streptokokken-Pneumonie und
Infektionen mit Rotaviren. Streptokokken-Pneumonie hat in den letzten
Jahren in den Entwicklungsländern
zahlreiche Todesfälle bei Kindern
verursacht.
Ein Impfstoff für Erwachsene wurde in den USA bereits zugelassen. Aber er ist bei kleinen
Kindern wenig wirksam. Auf dem Gebiet der Rotaviren arbeiten amerikanische und japanische Forscher besonders intensiv. Die Erreger sind für
etwa 50 Prozent viraler Durchfallerkrankungen verantwortlich, die in der
Dritten Welt vielen Kleinkindern den
Tod bringen.

Wissenschaftler der "National Institutes of Health" und japanische
Forscher erzielten außerdem wichtige
Fortschritte
zur
Entwicklung
von
Schluckimpfstoffen
gegen
Cholera.
Bei Versuchen an Freiwilligen zeigte
sich, daß sie immun machen, jedoch
eine leichte Durchfallerkrankung auslösen. Jetzt sucht man nach Möglichkeiten, unerwünschte Nebenwirkungen
auszuschalten.
Cholera, Typhus und
andere, durch die Passagiere von Einwandererschiffen
eingeschleppte
Krankheiten waren übrigens im Jahr
1887 der Anlaß für die Einrichtung
eines kleinen Hygienelabors in einer
Mansarde
des
Marinehospitals
auf
Staten Island (New York), der "Urzelle" der Gesundheitsinstitute.
300
Dollar standen damals Joseph Kinyoun
zur Verfügung, der gerade von einem
Studienaufenthalt in Europa zurückge
kehrt war. Dort hatte er u.a. bei
Robert Koch, dem Begründer der expe
rimentellen Bakteriologie und Entdek
ker der Tuberkulose- und Cholera-Erreger, gearbeitet. Im Jahr 1891 wurde das Labor nach Washington verlegt,
1938
konnten
die
Institute
in
Bethesda bezogen werden.
AIDS ist gegenwärtig ein besonde
rer Schwerpunkt, und Forschungen ame
rikanischer Wissenschaftler, insbe
sondere von der "National Institutes
of Health", zu dieser Krankheit sind
in der ganzen Welt im Gang. Beispielsweise wurde auch der Einsatz
von AZT (Azidothymidin), des ersten
und bisher einzigen Medikaments, das
zur Behandlung AIDS-Kranker entwikkelt und zugelassen ist, an den NIH
erprobt. Aber das heißt nicht, daß
nun andere, als wichtig erkannte Aufgaben in den Hintergrund träten.

* * * * * *

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