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                  <text>AMERIKA DIENST
"VoN^

6. J a n u a r 1988

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der Ereignisse In Afghanistan
- Juni bis Dezember 1987 Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besatzung
- Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums
Die Aufrüstung der Sandinisten
- Ein Hintersrundbericht Beginn des Wahlprozesses mit Vorwahlen und Parteiversammlungen
- Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Impfstoff gegen Typhus
- Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar -

Themenindex AMERIKA DIENST 1987

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�v^°5*&lt;

VION

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

4

6. Januar 1988

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Juni bis Dezember 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der
Ereignisse in Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte
der Sowjetunion; abgedeckt ist der Zeitraum von Juni bis Dezember 1987.

1. Juni
Berichten der Mujahedin an Agence
France Press (AFP) zufolge haben diese einer sechs Tage währenden, intensiven Land- und Luftoffensive sowjetisch-afghanischer Truppen gegen ihre
Stützpunkte in der Ostprovinz Paktia
Einhalt geboten. In der Region Jaji
fand ein Angriff von drei Seiten
statt, und 15 Sowjets wurden getötet,
als bei einem Zusammenstoß sowjetische Luftstreitkräfte die Mujahedin
einzukreisen und ein Lager in Jaji zu
stürmen versuchten. Angaben der Mu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

jahedin zufolge verloren sie 25 Mann
und einen Kommandanten, Abdul wahab;
es gab 80 Verwundete. Zwei Flugzeuge
und ein Kampfhubschrauber wurden abgeschossen und 150 regierungstreue
afghanische Soldaten gefangengenommen.

2. Juni
Bei einer Bombenexplosion in einem Bazar in Rawalpindi (Pakistan)
wurden 27 Personen - davon sieben
schwer - verletzt. Die Bombe wurde
möglicherweise von Saboteuren des af-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ghanischen Regimes gelegt.

11. Juni

3. Juni
In einem Kino in Peshawar (Pakistan) explodierte eine möglicherweise
von Saboteuren des afghanischen Regimes gelegte hochexplosive Bombe. Dabei wurden zwei Menschen getötet und
24 verwundet, fünf davon schwer.
Ein hoher Befehlshaber der Mujahedin in Kandahar, Mohammad Ishaq
alias Lala Malang, Angehöriger der
Hisb-e-Islami Gruppierung des Maulvi
Yunus Khalis, wurde getötet, als eine
Granate
seinen
Kommandostützpunkt
traf.

9. Juni
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge wurden im Monat Mai mindestens 29 sowjetisch-afghanische Militärflugzeuge
abgeschossen,
einschließlich
eines
militärischen
Transportflugzeuges am 29. Mai, in
dem sich möglicherweise 12 afghanische Piloten auf dem Weg von Kabul
zum Luftstützpunkt Bagram befanden.

10. Juni
Mujahedin nehmen eine wichtige
Gebirgsregion im Norden Herats ein,
von der aus die lebenswichtige Straße
von Towraghondi nach Herat zu übersehen ist, die als eine der wichtigsten
Nachschubrouten der im Westen Afghanistans
operierenden
sowjetischen
Streitkräfte gilt. Berichten der Mujahedin an die iranische Nachrichtenagentur IRNA zufolge waren nach 10
Tagen schwerer Kämpfe 15 Dörfer in
der Region befreit.

Radio Kabul berichtet vom Begräbnis des Brigadegenerals Abdul Qayyum
Siddiq, Leiter der politischen Abteilung bei den Streitkräften in der
Provinz Kandahar, mit allen militärischen Ehren. Er wurde erschossen,
als er gerade im Bezirk Arghandab
(Provinz Kandahar) Erklärungen zur
Politik der nationalen Aussöhnung abgab.
An seiner Beerdigung nahmen
hochrangige RegierungsVertreter, unter ihnen der Verteidigungs- und der
Innenminister, teil.
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge könnte eine Rakete der Mujahedin ein militärisches Transportflugzeug des Typs Antonov-26 beschädigt haben, bevor das Flugzeug eine
Notlandung unternahm.
Das Flugzeug
stürzte im Gebiet Shajui (Provinz
Zabul) ab. Alle Insassen wurden getötet, bevor es nach Kandahar zurückkehren konnte.
Normalerweise kann
eine AN-26 40 Passagiere aufnehmen.

14. Juni
Westliche Diplomaten zitieren Berichte, denen zufolge die Mujahedin
in der Nähe von Mazar-i-Sharif einen
weiteren mit einer AN-26 durchgeführten Militärtransport mit 43 Passagieren abgeschossen haben könnten.
15. Juni
Westliche
diplomatische
Kreise
berichten, der Verteidigungsminister
des Regimes, Generalmajor Mahammad
Rafi, habe Kandahar besucht, wo die
monatelange
sowjetisch-afghanische
Kampagne zur Säuberung der Region von
Mujahedin scheinbar nur wenig Fortschritte zeigte, nachdem sie im Juni
nahezu zum Stillstand kam, als eine

- 2 -

�große Zahl von Soldaten des Regimes
desertierte.
Diplomaten berichten,
daß die Armee des afghanischen Regimes seit Beginn der Kampagne vor drei
Wochen möglicherweise 1 000 Mann an
Verlusten zu verzeichnen habe, viele
von Ihnen jugendliche Studenten, die
aus den Schulen und Universitäten Kabuls heraus zwangsverpflichtet wurden.

30. Juni

Der entmachtete afghanische König, Zahir Shah, erklärt in einem in
Paris veröffentlichen Interview, er
sei bereit, ohne persönliche Ansprüche an der "Wiederherstellung der Unabhängigkeit" und "der Freiheiten"
des afghanischen Volkes mitzuarbeiten.
Der französischen Zeitschrift
"Defense Active" berichtet er, "eine
für das afghanische Volk akzeptable
Lösung" sei mit dem sowjetischen
Staatsmann Michail Gorbatschow möglich.

Westliche Diplomaten berichten,
sowjetische Streitkräfte hätten von
Sympatisanten der Mujahedin bewohnte
Gebiete in Kandahar dem Erdboden
gleichgemacht. Sie erklären, entlang
der 26 Kilometer langen Straße zum
Flughafen seien Häuser und Vegetation
eingeebnet worden, um ein Gefechtsfeld zu schaffen. Die Stadtbevölke
rung, vor dem Krieg fast 200 000 Menschen, ist inzwischen auf weniger als
40 000 gesunken.

1. Juli
Radio Kabul berichtet, eine von
Mujahedin gelegte Bombe sei in einem
Bus mit Regierungsangestellten explodiert. Dabei wird eine Person getötet und neun verwundet, zwei davon
schwer.

22. Juni
4. Juli
Westliche Diplomaten berichten,
Studenten und, wie es heißt, Sympathisanten
der
rivalisierenden
Splittergruppen Parcham und Khalq
hätten sich in der Universität von
Kabul ein Gefecht geliefert, bei dem
vier Studenten umkamen, einschließlich des Schwagers von Innenminister
Syed Mohammas Gulabzoi.

26. Juni
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge nehmen sowjetische Streitkräfte die Kampfhandlungen wieder
auf, nachdem es den Streitkräften des
afghanischen Regimes nicht gelungen
war, Mujahedin aus ihren Stützpunkten
in den Paghman-Bergen nur 15 Kilometer westlich von Kabul zu vertreiben.

Zwei möglicherweise von Saboteuren des Kabuler Regimes gelegte hochexplosive Autobomben gehen in einer
belebten Einkaufsgegend in Karachi
(Pakistan) hoch. Dabei werden mindestens 72 Menschen getötet und mehr
als 250 verletzt, unter ihnen Frauen
und
Kinder.
Pakistanische Regierungsbeamte beschreiben den Bombenanschlag als den blutigsten terroristischen Anschlag in der Geschichte Pakistans. Zahlreiche junge Pakistanis
gehen auf die Straße und rufen Parolen gegen die drei Millionen in Pakistan lebenden afghanischen Flücht1inge.

7. Juli
Ein Beamter des amerikanischen
Außenministeriums
erklärt,
afgha-

- 3 -

�nls;
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xuf&lt; Ige pi •' 'n die K; npfhubschrssfber
von L'yp L •;-. 25 jatzt eindeutig eine
geringere Holle boi den Kampfhandlungen.
Sowjet, Lech- afghanische
Flugzeuge
bombardieren das Dorf Gadai im Bezirk
Dajaur (Pakistan). Dabei werden fünf
Menschen, darunter eine Frau und drei
Kinder, getötet und zwei verletzt.

11. Juli
Der Führer des afghanischen Widerstandes, Maulvi Mohammad
Yunus
Khalis von der Hisb-e Island entkommt
nur knapp einem terroristischen Bombenanschlag, der möglicherweise von
der Geheimpolizei des Regimes in Kabul (KHAD) geplant war. Zwei seiner
Mitarbeiter werden von Glassplittern
verletzt und mehrere geparkte Autos
beschädigt, als die in der Nähe eines
Stützpfeilers für das Hauptgebäude
gelegte Bombe explodiert, ohne jedoch, wie beabsichtigt, das Gebäude
zum Einsturz zu bringen.

i. Juli
"' j&lt; st.I ich»
Di, loraate i l&gt; r i c h t e n ,
il3 »ich naci mehreren Joe tu n BchWe
•er Kämpfe uowj e t Ische Truppen aaj
. westlich von Kabul ,e!: ; n u a G:.
» Let i';.;-i ia- Haidan Bh* r garückzi
m, i/o sie /ersucht ha,ton
Streit
.'ät Li
der Mujahcdin
aus umorzeu.
ner der Gri nde für cc t Rü&lt; kz g bc
. e h l d a r ; \, daß •'.': • Lul Lv
•r Uujahedi l &lt; ' c. Au: i l

Lischer i ... Ii

in

Lufl 1

o' ligung
:;owj

hrankt.

IS. Juli
Bei
einer
Presse! onfe •e:i ; in
Washington fordert ein Fiihroi der Mi;
. ahedin t3ie Sowjetunion auf, i&gt; r En
gagement für den Frieden •/x demonstrieren, indem sie ihre Streitkräfte
aus
Afghanistan bedingungslos ab
i:ieht. Dr. Najibullah hafrai , Leiter
des politischen Komitees der Jaralat- *
e Islami, erklärt, die Sowjets be
nutzten Afghanistan als Testgelände
für neue Waffen und als Ausbildungsplatz für ihre Truppen. Zudem hofften sie, Afghanistan als Sprungbrett
für eine zukünftige Politik der Expansion zu benutzen.
Lafraie zufolge liegt mehr als 70
Prozent von Afghanistan In Trümmern
und fünf Millionen Flüchtlinge - die
größte Zahl in der Welt - seien nach
Pakistan und in den Iran geflüchtet.

16. Juli
Der
afghanische
Staatsmann
Najibullah empfängt den Sekretär des
Nationalrates der Indischen Komunistischen Partei.
Der kommunistische
indische Staatsmann leitet eine Delegation bei einem Freundschaftsbesuch
in Kabu1.

�1/. Juli
Radio Kabul behauptet, Mujahedin
hätten Gardez, die Hauptstad.. der
Provinz Paktia, beschossen.
Dabei
seien 6 Personen getötet und 11 vor
letzt worden.

18. Juli
Radio Kabul, zufolge werden drei
Menschen getötet und 10 weitere, unter ihnen zwei Kinder, verletzt, als
eine Bombe im Kabuler Wohngebiet Mic
rorayon explodiert. Für den Bombenanschlag werden Mujahedin verantwort
1 ich gemacht.
Radio Kabul berichtet, Mujahedin
hätten Raketen auf ein Kino in Bamian
abgefeuert, in dem sich Bürger zur
Diskussion des neuen Kntwurfs für ei
iip afghanische Verfassung zu sammenge
funden hatten.
Dabei werden sechs
Menschen, unter ihnen zwei Frauen,
getötet und 20 verletzt.
Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar berichtet, die Sowjetunion
habe seit der Revolution von April
19/8 Afghanistan mit 1,1 Milliarden
Dollar in Form von Projekthilfe, Verbrauchsgütern und Krediten Unterstützung geleistet. Der Gesamtumfang so
wjetischer Hilfe für Afghanistan be
lief sich vor und nach der Revolution
der Kommunisten im Jahr 1978 auf 3
Milliarden Dollar.
Von
Radio
Pakistan
zitierten
Quellen der Mujahedin zufolge werfen
sowjetische Streitkräfte in den Gebieten Dand und Panjwai (Provinz
Kandahar) Napalmbomben.

19. Juli
Radio Pakistan berichtet, die Mu-

jahedin hätten in einer drei Tage
währenden größeren Offensive gegen
sowjetisch-afghanische
Stützpunkte
auf
einem
40
Kilometer
langen
Straßenabschnitt zwischen Kabul und
Jalalabad mehr als 1 000 sowjetisch
afghanische Soldaten getötet.
Zwei
militärische Lager und 20 Militärstützpunkte nahe der Straße werden
dem Erdboden gleichgemacht und eine
große Zahl von Panzerfahrzeugen sowie
viel Munition zerstört.
Die Operation mit dem Decknamen
"Operation Avalanche" wird von der
Fernsehgesellschaft CBS übertragen.
Sie gilt bis heute als größter Kampf
gegen sowjetisch afghanische Truppen.

22. Juli
Bakhtar berichtet aus Kabul, daß
eine von Mujahedin gelegte Mine in
der Provinz Takhar nahe Taoqan in einem Bus explodierte und alle 22 Insassen umkamen.
Bei einer zehntägigen Zusammen
kunft von 1 200 Befehlshabern der Mu
jahedin in der afghanischen Westprovinz Ghowr wird eine Resolution ver
abschiedet, mit der die Wahl eines
Jihad Revolutionsrat gefordert wird,
der über die Zukunft Afghanistans
entscheiden soll. Der Rat sollte in
den nächsten sechs Monaten von Beamten der Provinzen und beauftragten
Vertretern aus verschiedenen Kriegs
gebieten gewählt werden. Ferner würden Mujahedin aller islamischer Gruppen eingeladen, ihre Meinung zu äussern. Die Resolution fordert dringend eine Einigung von Gruppen in und
außerhalb
Afghanistans.
Bei
dem
Treffen in Gowr nehmen hauptsächlich
Befehlshaber
der
Jamiat-e-Islami
Gruppierung
teil; nicht vertreten
sind verschiedene wichtige Befehlsha
ber aus dem Osten Afghanistans, die

�andere» Gruppen angehären.

tegisch wichtigen Tals blockiert hat
ten.

26. Juli
2. August
Radio Kabul berichtet, daß der
Vorsitzende der Komaission zur nationalen Aussöhnung i*m Bezirk Andarab
(Provinz Baghlan) von Mujahedin wäh
rend eines Gebets La einer Moschee
getötet wurde.

28. Juli
Dio Regierung Pakistans Lagt bei
der afghanischen Regierung ihre Be
schwerde über ,:woi Worfalle ein, bei
denen Artliieriegranaten im Stammes
gebiet
Bajaur einschlugen.
Dabei
wurden sechs Kensehen getötet und
fünf weitere vertatst.

29. Juli
Zwei hochexplosive Zeitbomben mit
einem Gewicht von Jeweils 15 Kilo,
die in zwei LkW- -Batterien angebracht
waren, werden einem Lastwagen mit Ka
buler Kennzeichen entnommen, der bei
einer Gaststatte in Peshawar (Pakt
stan) parkt. b'ünt Insassen des Last
wagens werden vorhattet.

30. Juli
Eine Shia Widerstandsgruppe, die
Harakat e Island,
berichtet,
ihre
Kämpfer hätten in nahezu drei Wochen
dauernden schweren Kämpfen im Sang
lagh Tal, 100 Kilometer westlich von
Kabul, 13 Plugzeuge und vier Hubschrauber abgeschossen und 100 Solda
ten des Regimes getötet. AFP berich
tet, die Kämpfe hätten begonnen, als
motorisierte Kinheiten der sowje
tisch afghanischen Armee die Ausgänge
des z'ir Verbindung des Nordens stra

Anläßlich
einer
Besuchsreise
sucht der Abteilungsleiter für poli
tische Angelegenheiten im amerikanischen
Außen:;,i ni sI erium,
Michae 1
Armacost, den pakistanischen Premier
minister Mohammad Khan Junejo in
Rawalpindi auf.
Dabei kommt es zu
einem Meinung h über &lt;'io bi
lateralm Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Pakistan so
wie über Afgh
n.

4. August
Der
Afg1
Ken
Islamischen
Presseagentur (AIP) zufolge werden 35
Mujahedin, unter ihnen der Befehlsha
ber einer Provinz, getötet und 20
weitere verwu
, als sie versuchen,
Soldaten des Kabuler Regimes in einen
Hinterhalt AU Locken. Diese schlagen
jedoch zurück. Ferner werden 2.'5 Re
giorungssoIdaton bei. Kampfhandlungen
in der Provinz Paktia getötet.

7. August
Durch eine vom Kabuler Regime ge
legte terroristische Bombe werden
zwei Personen getötet und 24 ver
letzt, als diese in einem Laden auf
der G.T. Straße in Peshawar (Paki
stan) explodiert.

8. August
Radio Kabul zufolge hat der Sonderberichterstatter bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, Professor Felix Ermacora, seinen
neuntägigen Besuch in Afghanistan be

- 6 -

�endet.
Er besuchte Gefängnisse und
Krankenhäuser in Kabul, wo er auch
mit verscbiedenen Regierungsvertretern zusammentraf. Ferner unternahm
er Besuche in die Provinzen Herat und
Balkh. In Kabul besuchte er das Zentralgefängnis Pul- e Charkhi und das
Ermittlungszentrum des Ministeriums
für Staatssicherheit. Er sprach mit
einer Reihe von Personen, die im Rahmen der Amnestie vom April 1987 freigelassen wurden.
Ermacora besuchte
auch die Gefängnisse in Herat und
Mazar-i-Sharif.
Westlichen diploma
tischen Quellen zufolge wurde ihm jedoch lediglich gestattet, zwei poli
tische Gefangene zu Einzelgesprächen
zu treffen.

9. August
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge fliehen über tausend Flüchtlinge als Folge von schweren Bombardierungen und einer sowjetisch-afgha
nischen Offensive gegen Mujahedin im
Norden der afghanischen Hauptstadt
nach Kabul. Die Flüchtlinge erklären, es seien bei den Bombardements
der sowjetisch afghanischen Truppen
viele Menschen getötet und zahlreiche
Häuser zerstört worden.
Westliche
DipLomaten
erklären
ferner, Mujahedin hätten in ganz Afghanistan im Monat Juli 42 Flugzeuge
und Hubschrauber abgeschossen.

11. August
In Mardan (Pakistan) explodieren
drei Bomben. Dabei werden 18 Menschen getötet und 45 verletzt. Zwei
Explosionen treffen eine Bushaltestelle und die dritte ein Sportstadion in der Stadt, die 65 Kilometer
von Peshawar entfernt liegt.

13. August
Radio Kabul berichtet, durch eine
Rakete der Mujahedin sei ein Transportflugzeug des Typs Antonov- 26 abgeschossen worden.
Darin befanden
sich sieben Insassen und von den Menschen in der Region Khost in der Provinz Paktia benötigte Gebrauchsgüter.
Das Flugzeug befand sich auf dem Weg
nach Kabul. Außer den sieben Passa
gieren, unter denen sich zwei Kinder
befanden, werden fünf Besatzungsmitglieder getötet.
Najibullah nimmt an einer Zusammenkunft im Storay Palast teil, wo
der 40. Jahrestag der Unabhängigkeit
Indiens begangen wird. Das Treffen
wurde vom Zentralkomitee der PDPA und
der Gesellschaft für afghanisch indische Freundschaft organisiert.

14. August
Durch eine von Terroristen gelegte Bombe werden in Peshawar (Pakistan) zwei Menschen getötet und 13
verwundet, zwei von ihnen schwer.
Die Bombe wurde in der Kanalisation
vor einer Häuserzeile mit belebten
Geschäften im Stadtzentrum gelegt.
Schon vorher war eine andere Bombe
auf dem Gelände der Universität explodiert und hatte einen Stromtransformator zerstört.
Berichten von AIP zufolge ist eine von Agenten des Kabuler Regimes
gelegte Bombe in der von Mujahedin
gehaltenen Marktstadt Kaga Bazaar, 40
Kilometer von Jalalabad entfernt, explodiert, wobei 17 Menschen getötet
und 20 verwundet wurden. Bei den Opfern handelt es sich hauptsächlich um
Bauern aus den umliegenden Dörfern,
die hier ihre Waren verkaufen wollten.

7 -

�16. August
Teherans Nachrichtenagentur IRNA
Derichtet, Ende Juli hätten Mujahedin
etwa einen Kilometer einer Pipeline
zerstört, mit der Kraftstoff von der
Sowjetunion nach Afghanistan transportiert wird. Die Mujahedin behaupten, diese Rohrleitung nach siebenstündigen Kämpfen gesprengt zu haben.
Dabei wurden zwei sowjetische Panzer
zerstört und drei sowjetische Militärberater sowie 16 Offiziere und
acht Soldaten des Kabuler Regimes getötet. Durch den Schaden an der Pipeline wird der Transport von Kraftstoff aus der Sowjetunion zum größten
Luftstützpunkt in Shindand (Provinz
Farah) unterbrochen.

17. August
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat die afghanische Regierung der Regierung des Iran eine scharf formulierte Protestnote übermittelt, mit
der Einspruch gegen den Beschuß durch
Granatwerfer, 23 mm Artillerie, Luftabwehr, Maschinengewehre und BodenBoden-Raketen am Grenzposten Islam
Qillah erhoben wird. Durch den vor
drei Tagen aufgenommenen Beschuß werden ein Offizier und ein Soldat
schwer verwundet und schwere Material Verluste und Schäden an militärischen Anlagen verursacht.

21. August
Bakhtar berichtet aus Kabul von
einem Besuch Najibullahs in Kandahar,
wo er mit Angehörigen der Streitkräfte, Geistlichen und Parteivertretern
zusammentrifft.
Der
afghanische
Staatschef hält Reden zur nationalen
Aussöhnung und verleiht einer ausgewählten Gruppe von Offizieren und
Soldaten Auszeichnungen für ihre Tap-

ferkeit im Kampf gegen die Mujahedin.

25. August

Westlichen Diplomaten zufolge ha
ben
sowjetisch-afghanische
Streitkräfte die Stadt Sheikhabad in der
Region
Shomali
in
fortgesetzten
schweren Kämpfen in dem Gebiet nahezu
zerstört. Fast 200 sowjetische und
afghanische
Soldaten
werden
bei
Sheikhabad und Qara Bagh getötet.
Anfang des Monats nahmen Mujahedin 17
sowjetische Soldaten gefangen, unter
ihnen ein hochrangiger Offizier, wodurch die Sowjets gezwungen wurden,
einen Gefangenenaustausch anzubieten.
Die Medien des Kabuler Regimes be
haupten, der Befehlshaber der Mujahedin, Aga Muhammad, sei in Paghman ge
fangengenommen und Munition und Rake
ten seien in großem Umfang erbeutet
worden..
Laut Radio Kabul hat der afgha
nische Staatsmann Najibullah an einer
Zeremonie zum Jahrestag der Gründung
der Luftwaffe und der Luftstreitkräfte der Demokratischen Republik Afghanistan (DRA) teilgenommen. In seiner
Rede verweist er darauf, in den neun
Jahren seit der Revolution von April
1978 hätten mehr als 100 afghanische
Piloten ihre Ausbildung an sowje
tischen
Luftfahrtakademien
abge
schlössen und mehr als 400 Angehörigen der Luftwaffe hätten Weiterbildungskurse besucht. Er bittet um eine stille Gedenkminute zu Ehren der
im Krieg getöteten Soldaten.
Er
nennt die Namen von 15 Off zieren in
den Rängen vom Leutnant bis zum
Oberst, die - neben anderen - im
Kampf gefallen sind.

26. August
AFP
8 -

berichtet, Mujahedin

hätten

�in der Nähe von Kandahar einen Militärstützpunkt
der
Regierung
fünf
Stunden lang mit Granaten beschossen.
Dabei seien Dutzende von Soldaten ge
tötet sowie Kraftstoff und Versorgungsgüter in die Luft gesprengt worden.

Drittens sollte eine für die Mujahedin akzeptable unparteiische Regierung mit der Aufgabe betraut werden, den sowjetischen Abzug zu überwachen. Die Sicherheitsangelegenheiten dieser vorläufigen und unparteiischen Regierung sollten während des
sowjetischen Truppenabzugs der afghanischen Armee obliegen, nachdem be
schlössen worden ist, daß die Be
fehlshaber aller Einheiten für die
Mujahedin akzeptabel sind und daß all
jene Offiziere, die nach dem Staats
streich von 19 78 zu den Mujahedin de
sertiert waren, ihre früheren Ränge
und Stellungen zurückerhalten.

Eine terroristische Bombe des Ka
buler Regimes explodiert in der Nähe
einer Bushaltestelle in Dera Ismail
Khan in Pakistan. Dabei wird eine
Person getötet und fünf weitere verletzt .

28. August
Radio Pakistan berichtet, mehr
als 150 Beamte des Kabuler Regimes,
unter ihnen Agenten des KHAD, seien
vergangene Woche bei einer Bombenexplosion in Jalalabad getötet worden.

31. August
In einer Diskussion mit Reportern
beim 63. Pressebegegnungsprogramm des
Journalistenverbandes von RawalpindiIslamabad (Nawaz Raza Gruppe) schlägt
der Ingenieur Gulbuddin Hekmatyar von
der Amir Hisb-e Islami in Afghanistan
ein vier Punkte umfassendes Friedensprogramm zur Beendigung des Krieges
in Afghanistan vor.
Ihm zufolge
sollten sowjetische Truppen aus den
Kriegsgebieten auf die Luftstützpunkte Bagram (Provinz Kabul), Shindand
(Provinz Farah), Dehdadi
(Provinz
Balkh), Dasht-e Abdan (Provinz Kunduz) und Kelagai (Provinz Baghlan)
zurückverlegt werden, von wo aus ihr
Abzug
beginnen
sollte.
Zweitens
sollten alle für den Krieg geschaffenen afghanischen Militär- und Milizposten abgeschafft und die Soldaten
auf die Stellungen zurückverlegt werden, die sie vor dem Krieg eingenommen hatten.

Viertens würde die "unparteiische
und vorläufige Regierung" unmittelbar
durch eine vorläufige Mujahedin Re
gierung abgelöst, die von in Iran und
Pakistan lebenden Flüchtlingen und in
den befreiten Gebieten Afghanistans
ansässigen Bürgern auf der Basis der
Verhältniswahl gewähl '&lt;, und von einer
repräsentativen "Shoor.a" (einem Beratergremium) gebildet wird.
Gulbuddin zufolge sei die Rolle
Zahir Shahs bei der Beendigung des
Krieges in Afghanistan eine sowje
tische Maßnahme mit dem Ziel, dem andauernden Jihad zu schaden und Zwie
tracht unter den Mujahedin zu sähen.
Er erklärt, der Shah sei vom afgha
nischen Volk vollständig abgelehnt
worden und könne daher für die Zukunft Afghanistans keine positive
Rolle spielen.

2. September
Berichten von Radio Kabul zufolge
trifft der pakistanische Oppositionsführer, Marshall der Luftwaffe a.D.
Asghar
Khan
von
der
Tehrik- iEstiqlal-Partei, mit Najibullah zusammen, der ihm die Regierungspolitik
der nationalen Aussöhnung erklärt.

- 9 -

�Asghar Khan ist auf Einladung der Nationalen Front der DRA in Kabul zu
einem Freundschaftsbesuch eingetroffen.
Das Mitglied des Zentralkomitees
der KPdSU und erste Stellvertretende
Außenminister der Sowjetunion, Julij
Woronzow, trifft mit dem Außenminister der URA, Abdul Wakil, zusammen.
Bei diesem Anlaß findet ein
Meinungsaustausch über bilaterale Angelegenheiten zwischen den beiden
Ländern sowie über internationale
Fragen statt. Der sich zu einem Arbeitsbesuch in Kabul aufhaltende sowjetische Minister diskutiert ferner
die Kabuler Politik der Nationalen
Aussöhnung.

7. September
Pakistan und das Regime in Kabul
nehmen in Genf ihre indirekten Ge
spräche über Afghanistan wieder auf.
Dies ist die vierte Phase der siebten
Gesprächsrunde.
Westliche Diplomaten berichten,
sechs Personen seien getötet und 30
verletzt worden, als auf dem Obstmarkt Share Nau in Kabul zwei Bomben
explodieren.

9. September
Westlichen diplomatischen Quellen
zufolge explodiert eine Bombe im Ministerium für Staatssicherheit, in
dem sich das Hauptquartier des afghanischen Geheimdienstes KHAD befindet.
Dabei kommt es zu erheblichem Sachschaden und zu einer nicht bekannten
Zahl von Toten.

10. September
Durch eine von Terroristen des
Kabuler Regimes gelegte Bombe werden
in Peshawar zehn Personen verletzt,
von denen sechs in Krankenhäuser eingeliefert werden müssen.
Bei einem terroristischen Bombenanschlag im Vorort Badamibagh von La
höre werden zwei Personen getötet und
25 verletzt, fünf von ihnen schwer.
Die Genfer Annäherungsgespräche
über Afghanistan werden vertagt, ohne
daß eine Übereinkunft erzielt worden
wäre. Der Vormittler der Vereinten
Nationen, Diego Cordovez, zeigt sich
enttäuscht darüber, daß keine Übereinkunft über den Zeitplan für einen
Truppenabzug erzielt worden ist, fügt
jedoch hinzu, die Unterschiede zwischen den KInste1lungen beider Seiten
hätten sich weiterhin verringert.
Der zu einem Besuch in Pakistan
weilende
belgische
Minister
Leo
Tindemans bestätigt den Standpunkt
seiner Regierung, die Wurzel der Probleme Afghanistans läge in der sowje
tischen Intervention in diesem Land.

12. September
Radio Pakistan berichtet, bei der
Explosion einer Mine auf der Straße
bei Parachinar im Bezirk Kurrum seien
ein Lieferwagen zerstört sowie fünf
Personen getötet und sieben verletzt
worden.

13. September
Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar berichtet, Mujahedin hätten
mit einer Reihe von Boden-Boden-Rake
ten nachts Wohngebiete in Jaialabad
beschossen. Dabei werden fünf Perso-

- 10 -

�nen getötet und elf verletzt.

16. September

Berichten von Bakhtar zufolge
wird auf dem Flug von Kabul nach Kunduz eine Maschine des Typs AN-26 in
der Nähe der Stadt Kunduz von einer
Rakete der Mujahedin getroffen. Dabei werden alle 13 Insassen getötet.

Bei der Explosion einer von Terroristen
gelegten
Bombe auf der
Straße bei Warsak in Peshawar werden
sieben Personen getötet und 3 7 verletzt, sechs von ihnen schwer. Die
Bombe ist in einem Lieferwagen untergebracht und beschädigt in der Nähe
befindliche Autos und Geschäfte.

14. September
AFP berichtet von einer großen
Operation mehrerer hundert Mujahedin
in der Südprovinz Kandahar, bei der
Dutzende von Milizposten zerstört
werden, die von dem im Jahre 1985 von
den Mujahedin desertierten und übergelaufenen
Befehlshaber
Esmatullah
Muslim errichtet worden waren. Im
Laufe der Woche unternehmen etwa 35
Mujahedin-Gruppierungen
(Angehörige
von sechs Widerstandsparteien) im
Verbund einen Angriff auf einem 70
Kilometer
langen
Straßenabschnitt
zwischen Kandahar und Spin Baldak in
der pakistanischen Provinz Baluchistan. Dabei werden 30 Angehörige der
Miliz getötet und 55 verwundet.
Die Mujahedin zerstören sechs Posten und nehmen einen Stützpunkt des
Regiments in Spin Baldak unter schweren Beschuß. Etwa ein Dutzend Milizposten geraten in Bedrängnis und Muslim fordert aus Kabul Verstärkung an.

15. September
Westliche
Diplomaten
erklären,
sowjetische Truppen hätten das Gebiet
entlang der Hauptstraße, die die Provinzen Kunduz, Badakhshan und Takhar
verbindet, verwüstet und auf einem
500 Meter breiten Streifen entlang
der Straße Häuser und Vegetation dem
Erdboden gleichgemacht.

Ein von seiner sechswöchigen Reise nach Afghanistan zurückkehrender
französischer
Journalist
berichtet
AFP in Paris, neun der Nord- und
Westprovinzen
Afghanistans
könnten
jetzt als von der Kontrolle des Kabuler Regimes "halbswegs befreit" ange
sehen werden.
Bertrand Gallet erklärt, der Befehlshaber der Mujahe
din, Ahmad Shah Mahsud, habe seine
Stellung im Norden Afghanistans in
den vergangenen Monaten gefestigt.
Er berichtet, die Situation im Norden
habe sich seit seinem letzten Besuch
im Jahr 1984 erheblich weiter entwikkelt. In den neun hauptsächlich von
Masuds Rat im Norden kontrollierten
Provinzen gebe es Gallet zufolge einen auf vier Ebenen operierenden Widerstand, bei dem Bauern ihre eigenen
Dörfer, eine Garnison mehrere Dörfer
und eine mobile Einsatztruppe ganze
Täler verteidigten. Die vierte Ebene
werde von einer Eliteeinheit gebildet, die "zentrale Gruppe" genannt
und in größeren Kämpfen gegen sowje
tische und afghanische Truppen einge
setzt wird.
Gallet erklärte, das
wichtigste Ziel des Rates im Norden
sei die Unterbrechung von Straßen,
die von Kabul in die Sowjetunion und
nach Pakistan führen.

17. September
Berichten von Bakhtar zufolge
treffen Raketen der Mujahedin Gardez,
wobei zwei Kinder getötet und vier

- 11 -

�verletzt werden. Die Raketen richten
in Wohngebieten und Moscheen der
Stadt und ihrer Umgebung erheblichen
Schaden an.

Schuld eingestanden und zugegeben,
sie seien vom KHAD, der Geheimpolizei
des Kabuler Regimes, entsandt worden.
Die pakistanische Polizei nimmt ihnen
Sprengstoff und Zeitzünder ab.

19. September
21. September
Kine von Terroristen gelegte Bom
be explodiert in einer Bushaltestelle
in Rawalpindi in Pakistan.
Dabei
werden vier Menschen getötet und 17
verletzt, davon zwölf schwer.

20. September
Radio Kabul berichtet, Najibullah
habe zu der Eröffnungssitzung der ersten landesweiten Versammlung des Ha
zara Volkes gesprochen. Dazu zählen
eine Million Menschen, die sich zum
Schiitentum bekennen. Er erklärt, in
der Fakultät für Religiöse Studien
würden eine schiitische Abteilung
eingerichtet sowie eine eigene Schule
für diese Religion eröffnet, Zeitungen in ihrer Sprache herausgegeben,
besondere Radioprogramme würden in
ihre Region Hazarajat übertragen und
mehr Hazaras zur Ausbildung in die
Sowjetunion geschickt.
Najib empfängt das Mitglied des
Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei
Bangladeshs, Matiul Rahman.
Dabei
wird die Erweiterung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der Demokratischen Volkspartei Afghanistans
(PDPA) und der Kommunistischen Partei
Bangladeshs diskutiert.
Radio Pakistan berichtet, 50 Afghanen seien von der Polizei der
Nordwestlichen
Grenzprovinz
(NWFP)
wegen subversiver Aktivitäten festge
nommen worden. Der Innenminister informiert die Nationalversammlung Pakistans, die Afghanen hätten ihre

Der pakistanische Premierminister
Mohammad Khan Junejo trifft Präsident
Reagan, als beide Staatsmänner in New
York Reden vor der Generalversammlung
der Vereinten Nationen halten. Während der Zusammenkunft bestätigt Prä
sident Reagan, die Vereinigten Staa
ten würden Pakistan bei seinen Pro
blemen mit Afghanistan unterstützen.
Beide kommen überein, daß der unmittelbare Abzug sowjetischer Truppen
aus Afghanistan absolut unerläßlich
sei.
Sie vereinbaren ferner, es
sollte in Zukunft in Kabul ein Regime
geben, das die Hoffnungen des afgha
nischen Volkes widerspiegelt.
Westlichen Diplomaten zufolge explodiert eine Bombe in einem Gebäude,
in dem sich das Büro der Luftfahrtge
Seilschaft Bakhtar und das Verkehrsministerium befinden. Die Zahl der
Toten wird auf drei bis acht ge
schätzt. Das Gebäude wird, wie auch
das Nachbarhaus, in dem Radio Afgha
nistan ansässig ist, evakuiert.

24. September
Der pakistanische Premierminister
Junejo erklärt der Vollversammlung
der Vereinten Nationen, das Afghanistan-Problem sei durch die Präsenz
ausländischer Truppen in diesem Land
hervorgerufen.
Wenn diese Afghanistan verließen, könne eine Übereinkunft über die zukünftige Regierung
des Landes rasch erzielt werden. Er
erklärt weiterhin, Pakistan würde eine Rückkehr zum Normalzustand in Af-

- 12 -

�ghanistan begrüßen, wenn
ment getroffen wird, das
ghanische Volk und auch
Drittel der Bevölkerung
bildenden fünf Millionen
Flüchtlinge im Iran und
akzeptabel ist.

ein Arrangefür das affür die ein
Afghanistans
afghanischer
in Pakistan

Bakhtar berichtet, 19 Personen,
unter ihnen Kinder, seien getötet
worden, als Mujahedin in Bezirk Shindand in der Provinz Herat Raketen abfeuern.
Berichten von Radio Kabul zufolge
weiht Najibullah die Militärpolitische Universität ein.
Ihm zufolge
ergibt sich ein Bedarf für eine solche Universität aus der Tatsache, daß
Streitkräfte der entscheidende Faktor
bei der Festigung der Macht des Volkes seien. Er erklärte ferner, die
Bedeutung dieser Rolle habe unter den
Bedingungen der nationalen Aussöhnung
noch zugenommen. Die militärpolitische Universität von Minsk unterstützt den Aufbau der Universität.

28. September
Berichten westlicher Diplomaten
zufolge ergeben sich 100 Soldaten des
afghanischen Regimes, als ihr Konvoy
in der Nähe von Ghazni von Mujahedin
angegriffen wird.

29. September
Westliche
Diplomaten
erklären,
sowjetische Soldaten hätten sich von
einigen exponierten Stützpunkten in
Afghanistan zurückgezogen, da die
verbesserte Luftverteidigung der Mujahedin die Nachschubbeschaffung erschwert. Zahlreiche sowjetische Soldaten seien nun in Darul Aman konzentriert, einem großen sowjetischen
Stützpunkt in unmittelbarer Nähe zu

Kabul.
Westlichen Diplomaten zufolge
gen Mujahedin einen Hinterhalt
einen großen sowjetischen Konvoy
der Straße von Logar nördlich
Pul-i-Alam und zerstören dabei 20
25 Panzer und andere Fahrzeuge.

lefür
auf
von
bis

30. September
Berichten der Kabuler Nachrichtenagentur Bakhtar zufolge wird bei
einer Routinesitzung des Revolutionsrates der DRA der Generalsekretär des
Zentralkomitees der PDPA, Najibullah,
einstimmig zum Präsidenten des Revolutionsrates der DRA und Vorsitzenden
des Präsidiums des Revolutionsrates
der DRA gewählt. Der amtierende Präsident Haji Mohammad Chamkani wird
zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden des DRA-Revolutionsrates ge
wählt.
Bakhtar berichtet, der afghanische Außenminister Abdul Wakil habe
in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen erklärt, der nicht erklärte Krieg gegen
sein Land habe die nationale Wirtschaft ruiniert. Er erklärt, 2 000
Schulen, 350 Brücken, 50 Kulturzentren, 131 Krankenhäuser, 224 Moscheen
und Gebetshäuser, 258 Produktionsstätten, Tausende von Lastwagen und
Tausende von Kilometern der Hauptstraßen und Kommunikationswege seien
zerstört. Ihm zufolge beläuft sich
der Gesamtschaden an der Wirtschaft
des Landes (in Milliarden Afghanis)
auf drei Viertel der Gesamtinvestitionen, die zur Entwicklung Afghanistans in den vergangenen 50 Jahren
ausgegeben wurden. Er erklärte, im
ganzen Land seien mehr als 3 200 Ausschüsse zur nationalen Aussöhnung gebildet worden. Etwa 83 000 Flüchtlinge seien zurückgekehrt, mehr als

- 13 -

�30 000 Mujahedin hätten ihre Waffen
niedergelegt, und nahezu 600 bewaffnete
Oppositionsgruppen
mit
etwa
53 000 Leuten stünden in Verhandlungen mit der Regierung.

5. Oktober

2. Oktober

6. Oktober

Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul berichtet, daß eine 5 000 Mann
starke Gruppe unter Führung von Abdur
Kasul Pahlawan in der Provinz Faryab
die Politik der nationalen Aussöhnung
akzeptiert und RegierungsVertretern
eine große Menge Waffen übergeben ha
ben.

Der pakistanische Außenminister
Sahibzada Yaqub Khan erklärt der Na
tionalversammlung, die Waffenliefe
rungen des Regimes in Kabul sowie die
Bombenanschläge seien vom Kabuler Re
gime angewandte Taktiken, um von der
pakistanischen Regierung die Aufgabe
ihrer Grundsatzpolitik im Hinblick
auf Afhanistan zu erzwingen.

3. Oktober

Radio Pakistan berichtet, afgha
nische Regicrungstruppen hätten 21
Panzergranaten auf Landi Khana in der
Nähe der Garnisonsstadt Landi Kotal
am Khyber Paß abgefeuert, wobei ein
Pakistani getötet und sieben weitere
Personen, unter ihnen zwei afgha
nische Flüchtlinge, verletzt werden.

Radio Pakistan meldet die Landung
von zwei Kamp fhubs ehr aubern der afghanischen Luftwaffe in Chitral, die
von den örtlichen Behörden aufge
bracht wurden. Ein Sprecher des pa
kistanischen Außenministeriums stellt
später klar, daß die beiden sowje
tischen Kampfhubsehrauber im Verwaltungsbezirk Mastuj in Chitral gelandet sind.
Auf Bitten der sowje
tischen Regierung, die erklärt, die
Verletzung des Luftraums sei versehentlich erfolgt, liefert die pakistanische Regierung die Besatzung an
die sowjetische Botschaft in Islamabad aus. Der Sprecher berichtet, die
Sowjets hätten die Kampfhubschrauber
beschädigt, um sie außer Gefecht zu
setzen.
Die Besatzung sagt aus, sie seien
Angehörige der Schutzbrigade des KGB
und von Alma A.ta in Kasachstan über
Wakhan nach Mastuj (Chitral) geflogen. Zu den sechs Besatzungsmitgliedern gehören ein Major und ein Hauptmann.

Bei einem Terroranschlag in einem
Gemüsemarkt in Islamabad werden vier
Personen verletzt.

7. Oktober
Eine amerikanische Journalistin
und Autorin eines Buches über ihre
Reisen im Inneren Afghanistans, erklärt bei einer Kongreßanhörung, afghanische Kinder würden ohne Zustimmung oder vorheriges Wissen ihrer Eltern zwangsweise zur Ausbildung in
die
Sowjetunion
geschickt.
Jan
Goodwin, die verantwortliche Redakteurin von Ladies' Home Journal in
New York und Autorin von "Caught in
the Crossfire" hatte bei einem Besuch
in Kabul Regierungsvertreter interviewt, die für das Programm im Herbst
1985 verantwortlich zeichneten. Ihren Aussagen zufolge werden alle zwei
Monate Kinder aus Kabuler- und Vorortschulen ohne vorherige Benachrichtigung ihrer Eltern in die Sowjet-

- 14 -

�union "verschifft".
Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul veröffentlicht das TASS- Interview mit Najib, in dem er erklärt,
2 000 Dörfer seien zum Regierungsla
ger übergewechselt und 83 000 Flüchtlinge zurückgekehrt. Ferner arbeiteten jetzt mehr als 6 000 bewaffnete
Oppositionelle für die Regierung.

8. Oktober
Bakhtar berichtet, sechs Anführer
der insgesamt 1 500 Mitglieder starken Oppositionsgruppen in der Provinz
Herat hättenh in den vergangenen
sechs Monaten Protokolle für einen
Waffenstillstand unterzeichnet. Ferner seien acht bewaffnete, 3 262 Mann
zählende Oppositionsgruppen dem Ruf
zur nationalen Aussöhnung gefolgt und
mit ihren Waffen zur Regierungsseite
übergelaufen.
Im selben Zeitraum
kehrten 800, insgesamt A 000 Personen
zählende Familien nach Hause zurück
und nahmen ihr Leben in unterschiedlichen Gebieten der Provinz Herat
wieder auf. Weiterhin wurden 25 Angehörige des Stammes der Jirgas aufgefordert, die nationale Aussöhnung
in ihrer Provinz voranzutreiben.
Westlichen
Diplomaten
zufolge
werden bei der Detonation der bisher
größten
Autobombe
im
Shahr-e-Nau
Wohngebiet in Kabul mindestens 27
Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Nach inoffiziellen Berichten
von Augenzeugen könnte sich die Zahl
sogar auf 72 Tote und mehr als 100
Verletzte belaufen.

10. Oktober
Radio Kabul berichtet, Najibullah
habe ein Dekret erlassen, das die
Streitkräfte, die Ministerien für na-

tionale Verteidigung, innere Angelegenheiten und Staatssicherheit ermächtigt, Waffen zu festgesetzten
Preisen von abtrünnigen Mujahedin zu
kaufen.

12. Oktober
Berichten von Radio Pakistan zufolge werden bei einer Bombenexplo
sion in einem Busbahnhof in Peshawar
11 Personen verletzt.
Ungefähr 15
Busse im Busbahnhof werden beschädigt.
Der sowjetische Botschafter in
Pakistan, Abdul-Rakham Ogly Wezirow,
bekräftigt in einer Ansprache vor dem
pakistanischen Institut für interna
tionale Angelegenheiten (PI1F) die
ernste Absicht seiner Regierung, ihr
"begrenztes Kontigent" aus Afgha
nistan abzuziehen, der Rückzug sei
jedoch abhängig von der vollständigen
Beendigung ausländischer Einmischung
in die inneren Angelegenheiten Afgha
nistans. Er erklärt, die Sowjetunion
habe den Wunsch, Afghanistan "als unabhängigen und neutralen Staat zu sc
hen, der freundschaftliche Beziehungen zu allen seinen Nachbarländern
unterhält".

13. Oktober
Armand Hammer kommt mit einer
Sondermaschine zu einem Besuch der
Demokratischen Republik Afghanistan
und Gesprächen mit Najibullah in Ka
bul an. Sie sprechen über die nationale Aussöhnung und erörtern jüngste
politische Entwicklungen.
Maulvi Yunus Khalis, Anführer der
Hezb-e-Islami, widerspricht in einem
Interview mit der kuweitischen Nachrichtenagentur (KUNA) in Islamabad
Beschuldigungen, zwei seiner Kommandeure hätten für 1 Million Dollar 16

- 15 -

�Stinger- Raketen an die iranische Re
gierung verkauft.

18. Oktober
Berichten der Nachrichtenagentur
Bakhtar in Kabul zufolge wird die
zweite Konferenz der PDPA über die
Politik der nationalen Aussöhnung un
ter Teilnahme von 67 7 gewählten Dele
gierten eröffnet.
Maulvi Yunus Khalis, 66, Angehöriger der Hezb e Island, wird ein
stimmig zum gewählten Leiter der sie
ben Parteien umfassenden afghanischen
Widerstandsbewegung gewählt. Der Posten des Sprechers, der alle drei Monate unter den sieben Widerstandsfüh
rern zu rotieren pflegte, wird abge
schafft und alle sieben Führer stimmen für Khalis als Anführer der Bewe
gung für einen Zeitraum von 18 Mona
ten.

21. Oktober
Westlichen
Diplomaten
zufolge
gibt es im Anschluß an die zweite na
tionale Konferenz der PDPA Berichte
von großangelegten Verhaftungswellen
und Kntlassungen von Parteiangehöri
gen, die dem ehemaligen afghanischen
Anführer Babrak Karmal treu ergeben
sind. Es gelangen wiederholt Berichte in die Hauptstadt, daß mehr als
2 000 PDPA Angehörige möglicherweise
aus der Partei ausgeschlossen werden
und zahlreiche bereits verhaftet worden sind.

22. Oktober

Pakistan verantwortlich. Seiner Aussage zufolge haben inhaftierte Terroristen zugegeben, von der Kabuler
Regierung finanziert und ausgebildet
worden zu sein. Er fügt hinzu, die
Überwachung sei verstärkt und neue
Gesetze erlassen worden, um die in
terroristische Aktivitäten verwickelten Personen strengstens zu bestrafen.

23. Oktober
Auf dem Badaber Scheme Platz in
der Nähe von Peshawar explodiert eine
von Terroristen gelegte Bombe, wobei
vier Menschen getötet und 17 verletzt
werden, sechs davon schwer. Die Bombe war unter einem Berg von Obst plaziert worden. Durch die Detonation
werden ein nahegelegenes Hotel und
ein Gemüseladen beschädigt.
Berichten westlicher Diplomaten
zufolge hat das Regime das Anwerben
von zum Teil noch nicht einmal 16jäh
rigen Jugendlichen wieder aufgenommen. Vertreter der Regierung und des
KHAD besuchen zahlreiche Schulen und
rekrutieren Jugendliche direkt aus
dem Klassenzimmer heraus.

24. Oktober
Bei einem zur Anhörung von Fällen
im Zusammenhang mit subversiver Tä
tigkeit einberufenen Sondertribunal
in Peshawar wird über einen afgha
nischen Staatsbürger und einen KHADAgenten die Todesstrafe für zwei Bombenanschläge verhängt.
Eine Explosion erfolgte in einem afghanischen
Flüchtlingslager und eine weitere in
der Nähe der Schulaufsichtsbehörde,
wobei 14 Personen verletzt wurden.

Tn einem Interview mit der BBC
macht der pakistanische Innenminister
Nasim Ahmed Ahir die Regierung in Kabul für terroristische Aktivitäten in
- 16 -

�27. Oktober
In Kabul stationierte westliche
Diplomaten berichten, ihren osteuropäischen Kollegen zufolge, die an dem
kürzlich beendeten zweiten PDPA-Kongreß teilgenommen hatten, würden in
Kürze 2 000 Karmal-Anhänger ausgewie
sen. Andere können zum Rücktritt gezwungen werden, wenn sie nicht einen
Kid über künftige Loyalität sowie die
Aufgabe der Parteibindungen ablegten.
Zu Beginn des Monats waren 15 enge
Vertraute von Karmal, einschließlich
seines Vetters Mahmud Baryalai, entlassen worden.
Die französische Botschaft in Is
lamabad erklärt AFP gegenüber, der
französische Journalist Alain Guillo
sei von der afghanischen Armee in der
nördliche Provinz Faryab gefangenge
nommen worden. Er wurde zusammen mit
Kommandeur Mohammad Amin von der
Harkat- e Inquilab- e Islami-Partei Ende letzten Monats gefaßt, als er mit
der Gruppe unterwegs war. Ein übergelaufener
Widerstandsführer
hatte
der afghanischen Armee einen Tip ge
geben.
Guillo
wurde
dann
nach
Shiberghan verschleppt.

den sind. Den schweizer und pakistanischen Experten zufolge sind die
Zahlen der afghanischen Opfer mit die
höchsten in der jüngsten Geschichte
und höher als die Zahl der Opfer, die
in einem konventionellen Krieg zu beklagen wären.

28. Oktober
Radio Pakistan berichtet, daß
zwei amerikanischen Fotojournalisten,
Lee Shapiro und James Lindelof, die
eine Dokumentation über den Krieg in
Afghanistan erstellten, in einem wie sich später herausstellt - sowje
tischen
Kampfhubschrauber-Hinterhalt
nördlich von Kabul ums Leben kamen.
Ihre Film- und Fotoausrüstung wurde
Berichten zufolge von sowjetischen
Soldaten
beschlagnahmt,
die
den
Kampfhubschrauber
zur
Durchsuchung
der
Leichen
verlassen
hatten.
Shapiro und Lindelot befanden sich
mit einer Gruppe von Mujahedin von
Gulbuddin
Hekmatyars
Hezbe-Islami
auf dem Rückweg von Nordafghanistan
nach Pakistan.

29. Oktober
Nach vorläufigen Schätzungen eines von afghanischen Flüchtlingen in
Pakistan erstellten Untersuchungsberichts sind seit Beginn des Widerstandes gegen das Regime in Kabul und
die Sowjets im Jahr 19 78 ca. 1,5 Millionen Afghanen getötet, ernsthaft
verwundet oder verletzt worden. Dr.
Marek Sliwinski von der Universität
Genf und Dr. Ijaz Gilani von Gallup
Pakistan leiteten die Untersuchung
und gelangten zu der Schlußfolgerung,
daß 9 Prozent der Ziffer, auf die
sich die afghanischen Bevölkerung vor
Ausbruch des Krieges belief oder jeder
elfte
Familienangehörige
der
Flüchtlinge in diesem Krieg getötet
und weitere 3,1 Prozent verletzt wor-

Streitkräfte der Mujahedin unter
dem Kommando von Ahmad Shah Mahsud
von Jamiat-e-Islami erobern die afghanische Garnison der Militärpolizei
von Keran (Provinz Badakhshan), wobei
29 Soldaten den Tod finden und 266
gefangengenommen werden. Die Mujahedin verlieren 14 Männer, 11 weitere
werden verwundet. Durch die nachfolgende Kapitulation der Miliz des Kabuler Regimes im Nachbartal Monjan
wird
ein wichtiger Versorgungsweg
nach Pakistan wieder geöffnet.

- 17 -

�30. Oktober
Die Nachrichtenagentur Bakhtar in
Kabul berichtet, der Revolutionsrat
habe ein Dekret erlassen, durch das
afghanischen
Flüchtlingen
Amnestie
gewährt und die Rückkehr ohne Strafverfolgung gestattet würde. Heimkeh
rern, die unter die Wehrpflicht fallen, würde eine sechsmonatige Schonfrist eingeräumt, während der sie das
Land verlassen könnten, sofern sie
dies wünschten.

31. Oktober
Dakht :ir
berichtet
ferner,
Najibullah sei in Begleitung einer
Delegation in die Sowjetunion abge
reist, um an den Feierlichkeiten anläßlich des /0. Jahrestages der Okto
berrevolution teilzunehmen.

2. November
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat der Revolutionsrat ein Dekret erlassen, mit dem das neue Gesetz über
Zusammenkünfte und
Handlungen der
Großen
Versammlung
verabschiedet
wird. Die Loya Jirga wird dem Dekret
gemäß zum alleinigen Zweck der Verabschiedung der Verfassung und Wahl des
Präsidenten des Landes abgehalten.

3. November
Radio Pakistan berichtet, Mujahe
din hätten drei Flugzeuge und zwei
Hubschrauber am internationalen Flughafen von Kabul abgeschossen.

5. November

Khalis, Anführer der Islamic Alliance
of Afghan Mujahidin und Leiter der
Hezb-e-Islaroi Afghanistans Versuche
einer nationalen Aussöhnung durch das
Regime in Kabul sowie Friedensbemühungen durch die Annäherungsgespräche
der Vereinten Nationen kategorisch
ab.
Seinen Worten zufolge wünsche
der Widerstand statt dessen direkte
Verhandlungen mit der Sowjetunion.

6. November
Laut Berichten von Radio Pakistan
haben
die
sowjetisch-afghanischen
Streitkräfte im Gebiet Moqur (Provinz
Ghanzi) chemisches Gas zum Einsatz
gebracht, was den Tod von vier Muja
hedin zur Folge hatte. Eine gepanzerte Einheit greift Positionen der
Meujahin an, wird jedoch zurückge
schlagen, wobei neun sowjetische und
afghanische Soldaten den Tod finden
und zahlreiche verletzt werden. Die
Mujahedin ziehen sich zurück und be
haupten, die sowjetish afghanischen
Truppen hätten chemische Gasgranaten
auf sie abgefeuert.

8. November
Radio Pakistan berichtet, Mujahe
din hätten zwei Transportflugzeuge
und einen Hubschrauber auf dem Gelände
des
Militärstützpunktes
Khost
(Provinz Paktia) zerstört. Die Flugzeuge waren zur Anlieferung von Versorgungsgütern für die Garnison ge
landet.
Berichten von Radio Kabul zufolge
hat der Revolutionsrat ein Dekret erlassen, das die Formierung und Eintragung von politischen Parteien als
Teil des nationalen AussöhnungsProzesses regelt.

In einer Pressekonferenz bei den
Vereinten Nationen lehnt Maulvi Yunus
- 18 -

�9. November

12. November

Der pakistanische Staatsminister
für auswärtige Angelegenheiten, Zain
Noorani, erklärt in einer Ansprache
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen, die anhaltende Präsenz ausländischer Truppen sei "die Wurzel
des Konflikts" in Afghanistan.
Er
eröffnete die neunte Jahresdebatte
der Vollversammlung über Afghanistan.
Seinen Ausführungen zufolge hat das
Regime in Kabul versucht, mit "in ununterbrochener Folge von den Propagandabehörden produzierten geschönten
Statistiken" das "mystische Bild" eines glaubhaften Regimes zu schaffen.

Im Anschluß an ein Treffen mit
Maulvi Yunus Khalis, dem neu gewählten Führer der sieben Parteien umfassenden Allianz, erklärt Präsident
Reagan,
der
Rückzug
sowjetischer
Truppen sei der "Schlüssel zur Lösung
der Afghanistan-Krise" und bis dies
geschehe werde "die Unterstützung,
die der Widerstand durch die Vereinigten Staaten erfahren habe, eher
verstärkt denn verringert". Er fährt
fort:
"Im Namen des amerikanischen
Volkes grüße ich den Vorsitzenden
Khalis, seine Delegation und das Volk
von Afghanistan selbst. Sie sind eine Nation von Helden. Gott schütze
Sie."

10. November
Tn einer Ansprache vor der Vollversammlung, der Vereinten Nationen
drängt der amerikanische Botschafter
Herbort Okun die Sowjetunion, "ihren
Worten Taten folgen zu lassen" und
ihre Truppen aus Afghanistan abzuzie
hen.
Er erklärt, wenn die Sowjetunion wirklich den Wunsch zur Lösung
des afghanischen Problems hege, könnte ;ie einem kurzfristig angelegten
Zeil plan
für
den
Rückzug
ihrer
"120 000 Truppen aus diesem Land zu
stimmen.
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedet zum neunten
Mal und mit der bisher größten Mehrheit eine Resolution, in der die Sowjetunion zum Abzug ihrer Truppen aus
Afghanistan aufgefordert wird.
Die
Abstimmung mit 123 zu 19 Stimmen bei
11 Enthaltungen dokumentiert gleichzeitig die Ablehnung der intensiven
Unterstützung seitens der Sowjetunion
und des Kabuler Regimes. Im letzten
Jahr ergab die Abstimmung 122 zu 20
Stimmen, bei 11 Enthaltungen.

Bai einer Bombenexplosion in einem Wohngebiet in Rawalpindi (Pakistan) werden neun Personen verletzt.

13. November
Ein Vertreter des amerikanischen
Außenministeriums erklärt in einer
Veranstaltung
für die Presse in
Washington, die Moral der Mujahedin
sei von einem "beständigen Hoch" gekennzeichnet, da die Sowjets in Afghanistan offensichtlich Rückschläge
erlitten haben. Seinen Worten zufolge habe der afghanische Widerstand im
Jahr 1987 "außerordentlich gut" funktioniert und würde seine "hervorragenden Leistungen" erwartungsgemäß im
Jahr 1988 fortführen. Er bekräftigt
ferner, die Bedeutung des Besuchs einer Delegation afghanischer Mujahedin
in den Vereinigten Staaten werde noch
durch die Tatsache unterstrichen, daß
sie zum ersten Mal von einem gewählten ständigen Leiter angeführt werde,
von Maulvi Yunus Khalis.

- 19 -

�14. November
Radio Pakistan berichtet, daß Mu
jahedin den Leiter des Geheimdienstes
KHAD, Brigadegeneral Abdul. Mannan,
bei ßinem Einsatz in der Nähe der
Stadt Ghazni ernsthaft verwundet ha
ben.

15. November
Berichten der afghanischen Pres
seagentur in Peshawar zufolge haben
130 Truppen des Regimes in Kabul die
Streitkräfte der Mujahedin unter dem
Kommando
von
Maulvi
Nizamuddin
Haqqani von Hezb e Islami (Khalis)
bei heftigen Kämpfen in der Provinz
Paktia unterstützt.
17. November
Hin Sowjetunionexperte der Rand
Corporation erklärt in Washington,
die Sowjetunion versuche mit Gorbatschows "Glasnost" (Offenheit) auf po
litischem Wege zu erreichen, was ihr
militärisch in Afghanistan versagt
bleibe.
Im Verlauf des vergangenen
Jahres hätten die Sowjets aufgrund
der von den Mujahedin in jüngster
Zeit benutzten hochmodernen Fiugab
wehrwaffen 300 Militärflugzeuge im
Wert von 2,5 Milliarden Dollar verloren. Wenn man die Kosten für die
Ausbildung der mit diesen Flugzeugen
verlorenen Besatzungen noch hinzurechne, bedeute dies für die Sowjets
eine erhebliche finanzielle Bela
stung. Der von den Sowjets hervorgerufene Eindruck von Kompromißbereitschaft zu Afghanistan bedeute lediglich, daß diese von ihren eigenen Bedingungen diktiert sei.
Radio Pakistan zufolge hält Präsident Zia ul-Haq in Wana (Bezirk
Süd Waziristan) eine Rede vor einer
großen Jirga (StammesVersammlung).

Vor den Stammesvertretern erklärte
er, man habe den Eindruck, die Sowjetunion sei am baldigen Rückzug ihrer Truppen aus Afghanistan interessiert, wolle aber gleichzeitig ihr
gewonnenes Terrain halten.
Der
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar zufolge erklärt der afgha
nische Außenminister Abdul Wakil in
einer Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, es seien
bis zu diesem Zeitpunkt 90 000 afgha
nische Flüchtlinge aus Lagern in Pa
kistan und Iran heimgekehrt, 30 000
Männer von 174 bewaffneten Gruppen
hätten sich der Regierung unterstellt.

18. November
Eine unabhängige internationale
Juristengruppe, die angebliche Menschenrechtsverletzungen in Afghani
stan untersucht hatte, kommt zu dem
Schluß, daß die Sowjetunion und ihr
Stellvertreterregime in Kabul Akte
des Völkermords gegen das Volk von
Afghanistan begangen haben. In ihrem
der Presse in Washington übergebenen
Schlußbericht wird betont, daß die
Durchführung der sogenanten nationa
len Aussöhnungspolitik
vom Januar
keinen Beitrag zur Wiedereinführung
der grundlegendsten Menschenrechte in
Afghanistan
geleistet
habe.
Die
Gruppe erklärt, daß sich weiterhin
mindestens 10 000 afghanische Flüchtlinge pro Monat nach Pakistan absetzten.
Die Saudi Gazette berichtet, daß
Mujahedin unter der Führung von Ahmad
Shah Mahsud
den sowjetisch-afghanischen Posten Tappeh- e-Khana (Provinz Badakhshan) erobert und dabei
mehrere hundert Soldaten, darunter
auch Sowjets, gefangengenommen haben.
Vor dem Fall dieses strategischen Postens hätten die Mujahedin einen
20 -

�zweiwöchigen Umweg über die Berge in
Kauf nehmen müssen, anstatt die normale zweitägige Route durch offenes
Gelände zu nehmen.
Eine von Terroristen gelegte Bombe explodiert
in einem Bus bei
Peshawar. Eine Person wird getötet,
19 verletzt, von denen 17 in ein
Krankenhaus eingeliefert werden.

rung müsse seinen Erklärungen zufolge
von einer Person geleitet werden, die
das Vertrauen der Mujabedin, der afghanischen Flüchtlinge und der gegenwärtigen Kabuler Regierung genieße.
Radio Kabul zufolge legen 100 Mujahedin im Bezirk Qarabagh (Provinz
Kabul) die Waffen nieder und nehmen
das Angebot der nationalen Aussöhnung
an.

19. November
24. November
AFP zufolge werden bei zwei Bombenangriffen von sechs MiG Kampfflugzeugen des Kabuler Regimes im Stammesbezirk von Bajaur nördlich von
Peshawar sechs Personen getötet und
20 verletzt.
Zu den Toten zählen
vier Pakistani und zwei afghanische
Flüchtlinge.

22. November
Laut Radio Pakistan erobern die
Mujahedin einen Sicherheitsposten bei
Charika (Provinz Parwan). Die sowje
tisch- afghanischen Truppen geben die
sem Bericht zufolge den Posten ohne
Widerstand auf. Vier Soldaten werden
gefangengenommen und Waffen erbeutet.
Radio Pakistan berichtet, der pakistanische Präsident Zia ul-Haq habe
in einer Pressekonferenz seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, daß das
sowjetische Angebot eines Truppenabzugs aus Afghanistan ernstgemeint
sei. Pakistan sei bereit, in diesem
Zusammenhang seine volle Zusammenarbeit anzubieten. Er schlägt vor, daß
die sowjetischen Truppen so bald wie
möglich aus Afghanistan abgezogen
werden sollen und diese Maßnahme mit
der Einsetzung einer geschäftsführenden Regierung unter der Kontrolle einer UN-Friedenstruppe gekoppelt sein
solle. Die geschäftsführende Regie-

Laut AFP beging Generalleutnant
Muhammad Nabi Azimi, auch erster
Stellvertretender
Verteidigungsminister, angeblich Selbstmord nachdem
eine Woche zuvor eine von ihm kommandierte Offensive zum Entsatz der be
lagerten Garnison Khost gescheitert
war. Ca. 300 seiner Männer seien angeblich zu den Mujahedin übergelaufen, weitere 300 seiea gefangengenommen und die verbleibenden in einer
Schlacht getötet worden, in der die
Mujahedin seinen Truppen zahlenmäßig
überlegen gewesen seien.
Es gibt
keine offiziele Bestätigung für diese
Meldung.
Najibullahs jüngerer Bruder Mohammad
Siddique
alias Siddiqullah
lief Ende des vergangenen Monats zu
den Truppen von Ahmad Shah Mahsud im
Pandschir-Tal über.
Er wurde von
seiner Frau und seinen Kindern begleitet.
Der Afghan Agency Press zufolge
erklärt der Führer der Hesb-e Islami,
Gulbuddin Hekmatyar, in einer Pressekonferenz, daß das afghanische Volk
nach Opferung von 1,2 Millionen Menschen die Sowjetunion dazu gezwungen
habe, sich zum Abzug ihrer Truppen
innerhalb einer kurzen Frist bereitzuerklären.

- 21 -

�25. November

29. November

Die
Kabuler
Nachrichtenagentur
Bakhtar meldet, 300 Mujahedin unter
der Führung von Sher Ahmad Abbas Quli
hätten in der Provinz Herat ihre Waffen niedergelegt, um sich dem Prozeß
der nationalen Aussöhung anzuschliessen.

Bakhtar berichtet, daß die Loya
Jirga (Große Versammlung) heute morgen in der Halle des Polytechnischen
Instituts von Kabul unter Teilnahme
von 1 500 gewählten Volksvertretern
sowie ausländischen und afghanischen
Gästen eröffnet wird.

26. November
AFP berichtet, Pakistan habe eine
vom Kabuler Regime für den 29. November
einberufene
Stammesversammlung
zur Verabschiedung der neuen Verfassung und Wahl eines Staatspräsidenten
als Farce abgelehnt.

28. November
Bei einem terroranschlag in einem
Bazar von Peshawar werden 20 Menschen
verletzt, darunter zwei Frauen Und
zwei Kinder. Die Bombe explodiert in
einem
Btekleidungsladen
des MenaBazars und vernichtet mehrere Läden
in der Umgebung.
Bakhtar berichtet, daß 650 bewaffnete und Unbewaffnete Mujahedin
unter Führung Von Samruddih ihren
Kampf aufgegeben und sich dem Prozeß
der nationalen Aussöhnung in der Provinz Jowzjan angeschlossen haben.
Laut Radio Pakistan erobern Hu ja
hedin nach einwöchigem Kampf die Garnison Sangcharak (Provinz Jowzjart),
125 Kilometer Von der sowjetischen
Grenze entfernt.
Etwa 200 Kabuler
Regierungssoldaten sind Berichten zufolge getötet, 21 Soldaten und Offi
ziere gefangengenommen worden.
Ein
Bomber wird abgeschossen, sieben Pan
zer Uhd gepanzerte Fahrzeuge zerstÖft.

AFP meldet, daß das Polytechnische Institut von vier gewaltigen
Explosionen erschüttert wird, nachdem
Hujahedin Raketen von den Hügeln im
Westen Kabuls abfeuern. Die Raketen
explodieren während Najibullahs An
spräche vor der Versammlung. Im weiteren Verlauf der stundelangen Rede
Najibullahs kreisen Flugzeuge über
Kabul.
Westliche Journalisten, die nach
Kabul zur Beobachtung der großen Versammlung
eingeladen worden waren,
fahren nach dem Raketenangriff durch
Kabul und beobachten, daß afghanische
und sowjetische Soldaten eine Zone
von zwei Quadratkilometern um das Polyttechnikum abgeriegelt haben.
In seiner Eröffnungsrede gibt Na
jibullah Zu, daß das 160 Kilometer
südöstlich von Kabul gelegene Khost
von den Mujahedin belagert wird und
Nacht für Nacht 50 tonnen Nahrungs
mittel eingeflogen Werden, um die
40 0000 Einwohner der belagerten Gar
nisonsStadt zu ernähren.
In einem interview mit dem Londoner Sunday Telegraph erklärt der pakistanische Präsident Zia ul-Haq, internationale Präsenz sei absolut unerläßlich» um sicherzustellen, daß
dfer Rückzug vollständig und ernstge
meint sei und um eine Rückkehr der
sowjetischen Truppen zu verhindern.
Zur Zusammensetzung der geschäftsfüh
renden Regierung schlägt der Präsident vor, je ein Drittel solle aus

- 22 -

�Hujahedin, afghanischen Flüchtlingen
und Vertretern des Kabuler Regimes
bestehen.

30. November
Bakhtar zufolge verabschiedet die
Loya Jirga den neuen Entwurf für die
Verfassung der Republik Afghanistan
(zuvor Demokratische Republik Afghanistan) , in dem die Bedeutung der nationalen Aussöhnung bekräftigt wird.
Die Loya Jirga wählt außerdem Dr. Najibullah einstimmig zum Präsidenten
der Republik Afghanistan.
Die New York Times meldet, der
afghanische Staatschef Najibullah habe einen zwölfmonatigen Zeitplan für
den Abzug der sowjetischen Truppen
aus Afghanistan vorgeschlagen.
Ihm
zufolge sei dieser Vorschlag bereits
mit der sowjetischen Seite "ausgehandelt" worden.

1. Dezember
In einer Rede vor Oberschülern in
Florida erklärt Präsident Reagan, er
werde
Generalsekretär
Gorbatschow
beim
bevorstehenden
Gipfeltreffen
mitteilen, daß es für die Sowjets an
der Zeit sei, ein Datum für den Abzug
ihrer Truppen aus Afghanistan festzusetzen.
Der Londoner Times zufolge werden
12 Menschen in einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Regierungssoldaten und privaten Bewachern eines
früheren Mujahedin-Kommandeurs getötet, der vor zwei Jahren zum Regime
übergelaufen und in den Rang eines
Generals befördert worden war. Die
Konfrontation
begann
als
General
Esmat Muslim, ein Delegierter der
Loya Jirga und Mitglied des Revolutionsrats der Regierung, versuchte,

gewaltsam eine Straßensperre zu passieren.
Bakhtar berichtet, der Charge
d'Affaires der pakistanischen Botschaft in Kabul sei ins Außenministerium zitiert worden, um eine Protestnote in Empfang zu nehmen. Der Note
zufolge waren am 28. November zwei
Menschen getötet und acht weitere
verletzt worden, nachdem
Boden-Boden-Raketen auf Grenztruppen in Dakka
und Grenzposten nahe Torkham abgefeuert worden waren.
Bakhtar zufolge greifen Mujahedin
Gebiete im Bezirk Khost (Provinz
Paktia) sowie in den Bezirken Sarkani
und Asmar (Provinz Kunar) mit Raketen
an und zerstören dabei Wohnhäuser und
töten mehrere Menschen.
Bakhtar berichtet über eine Pressekonferenz Dr. Najibullahs, des Präsidenten der Republik Afghanistan
(RA), in der dieser in- und ausländischen Journalisten, darunter auch
solchen aus dem Westen, die folgenden
Mitteilungen macht:
Die gesamte Auslandshilfe an Afghanistan belaufe sich auf 220 Millionen Dollar oder 11 Milliarden Afghanis für die sozio-ökonomische Entwicklung, 80 Prozent davon stammten
aus der Sowjetunion.
Die Sowjetunion stelle außerdem
"Gratishilfe" in Form von Primärgütern im Wert von Milliarden Afghanis
bereit.
In sieben Jahren seien 37 000
Flüchtlinge (im Durchschnitt 5 000
pro Jahr) heimgekehrt, während sich
diese Zahl in den neun Monaten seit
Verkündung der Politik der nationalen
Aussöhnung auf 100 000 Rückkehrer belaufen habe.

- 23 -

�In acht Jahren hätten sich 12 000
Angehörige oppositioneller bewaffne
ter Gruppen ergeben, während sich in
zehn Monaten nach Verkündung der Politik der nationalen Aussöhung 30 000
Personen "der Volkssouveränität** angeschlossen hätten. Die Zahl hätte
wesentlich höher liegen können, wenn
die pakistanischen und iranischen Behörden die Rückkehr von Flüchtlingen
nicht behindert hätten.
Der einseitige Waffenstillstand
sei bis 20. Juli 1988 verlängert worden. Der Gesamtzeitraum des Waffenstillstands belaufe sich damit auf
eineinhalb Jahre.
Der
einmalige
Mujahedin- Führer
Esmat Muslim sei krank und drogenund alkoholabhängig.
Dies sei auch
der Grund, warum er sich bei der Konfrontation mit Regierungstruppen an
einer Straßensperre vor der Loya
Jirga auf eine solche Art und Weise
benommen habe. Er sei früher bereits
in ärztlicher Behandlung gewesen und
befinde sich gegenwärtig im Kranken
haus.
In seiner Schlußrede vor der Loya
Jirga hatte Najibullah zuvor erklärt,
während des Krieges seien 10 000 junge Leute zur naturwissenschaftlichen
Ausbildung in die Sowjetunion ge
schickt worden.

2. Dezember
Eine gewaltige Autobombe explodiert vor dem alten Bezirksgericht in
Peshawar. Eine Person wird getötet,
11 weitere werden verletzt. Die Polizei nimmt einen Verdächtigen beim
Versuch fest, in das Stammesgebiet zu
fliehen.

3. Dezember
Radio Kabul zufolge empfängt Najibullah die Häuptlinge, Ältesten und
Vertreter
des
Zadran- Stammes
und
spricht mit ihnen über die Probleme
und Schwierigkeiten im Bezirk Khost.
An dem Treffen nimmt auch der Minister für Nationalitäten und Stammesangelegenheiten, Sulayman La'eq, teil.
Najibullah empfängt außerdem mehrere Älteste aus Kandahar, die als
Volksvertreter an der Loya Jirga
teilgenommen hatten.
Er weist die
zuständigen Gremien an, die Schwie
rigkeiten und Probleme der Menschen
von Kandahar zu lösen.

4. Dezember
In der Sendung ABC World News
Tonight erklärt der Direktor des Sowjetischen Instituts für weltwirtschaftliche und internationale Bezie
hungen, der gleichzeitig einer der
wichtigsten Berater Gorbatschows ist,
vor Journalisten, daß er den Abzug
der sowjetischen Truppen aus Afgha
nistan im Jahr 1988 erwarte.

5. Dezember
Radio Pakistan meldet den Abschuß
von sieben Artilleriesalven auf das
Gebiet nahe Ashakhel, nördlich von
Landi Kotal im Khyber-Bezirk. Dabei
seien vier pakistanische Frauen und
drei Kinder getötet worden.

6. Dezember
Radio Kabul zufolge werden im
Einklang mit Präsident Najibullahs
Amnestiedekret zur Freilassung von
5 000 Gefangenen 2 300 Häftlinge aus
dem Zentralgefängnis Pul-e Charkhi

- 24 -

�und weitere 94 aus dem Gefängnis von
Jalalabad entlassen.
Der Vorsitzende der Islamic Alliance of Afghan Mujahidin, Maulavi
Yunus Khalis, erklärt, daß die vom
pakistanischen Präsidenten Zia ul-Haq
vorgeschlagene Annahme einer Koalition mit den Kommunisten in Afghanistan der Annahme des Kommunismus
und dem Verrat an den afghanischen
Märtyrern und ihrem Kampf gleichkommen würde.

7. Dezember
Bakhtar berichtet, eine Gruppe
von 600 Männern unter Führung von Abdul Rahman habe die Beendigung des
Kampfes in der Provinz Herat versprochen.
AFP meldet, daß in dem ersten je
durchgeführten Raketenangriff auf eine pakistanische Garnisonsstadt ein
pakistanischer Soldat getötet und etwa zwei Dutzend verwundet worden seien, einige davon schwer. Afghanische
Truppen schießen Boden-Boden-Raketen
auf die Garnison Landi Kotal am Khyber-Pass ab, die etwa 50 Kilometer
von Peshawar entfernt liegt. Landi
Kotal ist das Hauptquartier der Miliz
und Armeeverbände an der Grenze.
Bald nach der Loya Jirga hatten
die Mujahedin ihre Aktivitäten an der
Hauptstraße zwischen Kabul und Torkham verstärkt. Nachdem die Mujahedin
die Straße an mehreren Stellen blokkiert haben, wird der Verkehr eingestellt.
Schwere Kämpfe werden aus
Dakka, Kama Daka, Monau und Nazian in
Afghanistan gemeldet, und die Leichen
von sechs während der Kämpfe getöteten Mujahedin werden nach Peshawar
zurückgebracht.
Am vierten Tag des
Beschüsses mit Mörsern und weitreichenden
Kanonen
aus
Afghanistan

schicken sich die Einwohner von Dörfern in der Umgebung von Landi Kotal
an, ihre Häuser zu verlacsen. Bewohner der Region veranstalten eine Demonstration gegen den Artilleriebeschuß aus Afghanistan.

8. Dezember
Bakhtar zufolge wird ein Protokoll für gegenseitige Zusammenarbeit
zwischen der Demokratischen Volkspartei Afghanistans (PDPA) und der Sozialistischen Partei des Jemen unterzeichnet .

9. Dezember
n

ie
westdeutsche
Tageszeitung
"Die Welt" berichtet, daß in den
nördlichen
Provinzen
Afghanistans
entlang der sowjetischen Grenze trotz
der Kabuler Schlagworte "Waffenstillstand" und
"nationale Aussöhnung"
neue Waffen gegen die Mujahedin eingesetzt werden. Einem Interview mit
einem Vertreter des Widerstandes zufolge, der nach einem dreimonatigen
Aufenthalt in der Provinz Balkh das
europäische Büro der Hezb-e-Islami in
Bonn besuchte, waren die Kämpfe angeblich so intensiv, daß viele sowjetische Dörfer am anderen Ufer des Amu
Darya evakuiert werden mußten.
Der Mujahid erklärt, die von den
Sowjets abgefeuerten Projektile führten zu beschleunigter Verwesung des
Körpers der getroffenen Personen.
Dies bedeute somit einen Angriff auf
den islamischen Glauben, demzufolge
der Körper eines im Heiligen Krieg
gefallenen Moslems nicht verfällt.
Die Sowjets verwendeten außerdem Bomben, die nur durch bestimmte Geräusche ausgelöst werden sowie Bomben,
die in der Luft explodierten und einen Regen scharfer Nägel auslösten.

- 25 -

�Die Sowjets verlegten sich zunehmend
auf Nachtoperationen unter Zuhilfenahme von Leuchtkugeln, durch die die
Mujahedin geblendet würden, da sie
nicht wie die sowjetischen Soldaten
mit Schutzbrillen ausgerüstet seien.

durchgeführt worden seien.
Regierungshubschrauber habe er selten be
obachtet.

Bakhtar zufolge übermittelt die
Loya Jirga eine Botschaft an UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar,
derzufolge trotz der Einschüchterungspolitik und sogar blutiger Akte
der Behörden Pakistans und Irans über
120 000 Flüchtlinge heimgekehrt seien.

Die Teheraner Nachrichtenagentur
IRNA berichtet, daß die Mujahedin einen massiven Angriff afghanischer und
sowjetischer Truppen zur Beendigung
der
dreimonatigen
Belagerung
von
Khost vereitelt hätten. In ihrem Ge
genangriff töteten oder verwundeten
die Mujahedin 300 afghanische Solda
ten. Die vereinten afghanisch- sowje
tischen Streitkräfte landen daraufhin
500 Soldaten einer Kommandoeinheit,
die von den Mujahedin unter hohen
Verlusten
zurückgeschlagen
werden.
Außerdem schießen sie drei Flugzeuge
ab, deren Piloten ums Leben kommen,
und zerstören fünf Panzer und mehrere
gepanzerte Fahrzeuge. Etwa 150 afghanische Soldaten und Offiziere,
darunter ein Oberst, ergeben sich den
Mujahedin. Insgesamt werden von den
Mujahedin nach ihren eigenen Angaben
seit Beginn der Schlacht um Khost 800
kommunistische Soldaten getötet, verwundet oder gefangengenommen.

Radio Kabul berichtet, daß unter
dem Präsidialdekret vom 30. November
515 Gefangene freigelassen werden;
260 aus dem Kabuler Zentralgefängnis
Pul-e Charkhi, 196 aus Gefängnissen
in der Provinz Balkh und 59 aus Ge
fängnissen in der Provinz Farah.
Radio Pakistan berichtet, Mujahedin hätten in einem Raketenangriff 90
sowjetische und afghanische Soldaten
in Kandahar getötet oder verwundet.

12. Dezember
Radio Kabul zufolge feuern Muja
hedin Raketen und Mörsergranaten auf
die Stadt Maimanah (Provinz Faryab)
ab, wodurch 10 Menschen getötet und
34 verwundet wurden.
In einem Interview mit AFP erklärt ein französischer Arzt, der
sich zu humanitärer medizinischer
Versorgung in Afghanistan aufhält,
die Schlacht um Khost halte an. Dies
sei nicht länger ein Guerrilla-Krieg,
da die Schlachten zwischen den Muja
hedin und den von den Sowjets unterstützten afghanischen Truppen über
drei Wochen hinweg getobt hätten. Er
selbst habe Tag und Nacht unter massiven Luftangriffen gearbeitet, die
unter Zuhilfenahme von Leuchtkugeln

13. Dezember

14. Dezember
In einem Interview erklärt der
Abteilungsleiter für Angelegenheiten
des Nahen Ostens und Südasiens im
amerikanischen
Außenministerium,
Robert Peck, die Vereinigten Staaten
hofften, daß 1988 das Jahr des Rückzugs der sowjetischen Truppen aus Afghanistan sein werde.
Das Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow vom 8. bis
10. Dezember in Washington habe die
Grundlagen für weitere diplomatische
Bemühungen zur Beilegung des Afgha
nistan-Problems geschaffen, die bei
der nächsten Runde der Genfer Annähe
rungsgespräche im Februar verfolgt

- 26 -

�werden sollten.

15. Dezember
Ein Sprecher des amerikanischen
Außenministeriums erklärt, die Vereinigten Staaten warteten weiterhin
auf die Verkündung des Zeitplans für
den Rückzug der sowjetischen Truppen
aus Afghanistan.
21. Dezember
Dem Staatssekretär für politische
Angelegenheiten
im
amerikanischen
Außenministerium, Michael Armacost,
zufolge hoffen die Vereinigten Staaten, daß die für Februar angesetzten
Genfer Annäherungsgespräche über Afghanistan die letzten sein werden.
Er äußert dies bei der Vorstellung
des jährlichen Lageberichts des Aussenministeriums zu Afghanistan, in
dem das Jahr 1987 aufgrund der Erfolge des Widerstands im Kampf gegen die
sowjetisch-afghanischen
Streitkräfte
als "das Jahr der Mujahedin" eingestuft wird.

* * * * *

- 27

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Januar 1987

AFGHANISTAN:

ACHT JAHRE SOWJETISCHER BESATZUNG

- Zusammenfassung eines Berichts des amerikanischen Außenministeriums

WASHINGTON - (AD) - Dem am 21. Dezember 1987 vom amerikanischen Außenminister ium veröffentlichten Bericht "Afghanistan: Acht Jahre sowjetischer Besetzung" zufolge ist der sowjetische Versuch, die Kontrolle über Afghanistan
zu erringen, gescheitert.
Der Konflikt hält an, aber "militärische, diplomatische und politische Ereignisse wenden sich zuungunsten der Sowjets".
Die Mujahedin haben als Freiheitskämpfer in vielen Bereichen die Initiative ergriffen, während die immer noch aktiven sowjetischen Streitkräfte nunmehr
eine eher reaktive Verteidigungshaltung eingenommen haben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Zusammenfassung des Berichts:

Mach acht Jahren brutalen Krieges
gegen das afghanische Volk sind sowjetische
Versuche,
die
Kontrolle
über Afghanistan
zu erringen, gescheitert. Der Konflikt zwischen den
sowjetischen
Besatzungstruppen
und
dem afghanischen Widerstand hält an,
hat sich jedoch verändert. Tod, Zerstörung und Leiden eines unschuldigen
Volkes bestehen fort, aber militärische, diplomatische und politische
Ereignisse
wenden
sich
zuungunsten
der Sowjets. Der Druck könnte Moskau
letztlich
dazu
veranlassen,
sein
schreckliches
und
letztlich
aus-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sichtsloses Unternehmen in Afghanistan zu beenden.
Im achten Jahr der sowjetischen
Besetzung ist die militärische Initiative in vielen Bereichen in die
Hände der Mujahedin übergegangen. Es
haben auf ihrer Seite in diesem Jahr
stärkere Kampfhandlungen mit saisonbedingten
Fluktuationen
stattgefunden. Das Regime verkündete im Januar
einen Waffenstillstand, der im Juli
und dann wieder im November verlängert wurde, seine Streitkräfte hielten ihre Verpflichtung zu dieser Waf-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�fenruhe jedoch nicht ein.
Die sowjetischen Truppen waren
ebenfalls aktiver, nahmen letztlich
aber eher eine Verteidigungshaltung
ein, die sich auf Reaktion beschränkte.
In der zweiten Jahreshälfte zogen sie sich von mehreren isolierten
Stützpunkten zurück. Den Sowjets und
ihren afghanischen Vasallen ist ihre
uneingeschränkte
Vorherrschaft
am
Himmel entglitten. Sie haben in der
Luft und am Boden zunehmend Verluste
erlitten. Kabuls Soldaten sind wiederholt zu Hunderten desertiert und
der
Umfang
der
Streitkräfte
wird
hauptsächlich durch massive Zwangsverpflichtungen aufrechterhalten.
Trotz in diesem Jahr erfolgter
Bemühungen
sind
die
sowjetischen
Stellvertreter
in Kabul dabei gescheitert, Anreize für ihre Gegner
oder prominente neutrale Personen zu
schaffen, um gemeinsam eine von Najibullah (Najib) und seiner Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
(PDPA) beherrschte Regierung zu bilden.
Im Januar hat Najib eine Kampagne
zur
"nationalen
Aussöhnung"
verkündet.
Angebote zur Beteiligung
daran sind dem früheren afghanischen
Herrscher Sahir Schah, einer Reihe
prominenter parteiloser organisierter
Afghanen und Führern der Widerstand bewegung übermittelt worden, die dieses Angebot aber zurückgewiesen und
eine
"Aussöhnung"
mit
der
sowjetischen Vorherrschaft (auch wenn sie
in afghanischem Gewand
daherkomm'.)
verweigert haben. Das Regime hat in
diesem Jahr vermehrt Konzessionen gemacht, die jedoch für das afghanische
Volk auch nicht akzeptabel waren.
Das von Moskau gewählte Herrschaftsinstrument, die PDPA, ist geschwächt worden.
Die Zersplitterung
der Partei ist durch den Ausschluß
des
früheren
Parteiführers
Babrak

Karmal und
seiner Anhänger
weiter
fortgeschritten.
Obwohl Najib, auch
innerhalb
der Partei, nur geringe
persönliche
Unterstützung
erfährt,
ernannte er sich im September zum
Staatsoberhaupt.
Als
im
Dezember
durch eine unrechtmäßige, von Parteimitgliedern
durchsetzte
Versammlung
eine neue Verfassung geschaffen wurde, ließ sich Najib zum Präsidenten
wählen
Bei dieser Sitzung änderte
das Regime seinen Namen von "Demokratische Republik Afganistan" (DRA) in
"Republik Afghanistan" (RA).
Der afghanische Widerstand stellt
weiterhin in allen Teilen des Landes
eine Herausforderung für die Sowjets
und die Kontrolle des Regimes dar.
Im vergangenen Jahr ist er jedoch zu
einer noch größeren Bedrohung geworden.
Die militärischen Fähigkeiten
der Mujahedin haben in vieler Hinsicht zugenommen - eine verbesserte
Kooperation und Luftverteidigung bedeuteten, daß viele Landesteile effektiv von der Kontrolle der Sowjets/des
Regimes
befreit
wurden.
Die Moral der Mujahedin ist besser
denn je. Die politische Zusammenarbeit innerhalb der Allianz der sieben
Parteien umfassenden Widerstandsbewegung in Peshawar hat sich verbessert.
Im Oktober wählten die Mitglieder der
Allianz Maulavi Mohammed Yunis Khalis
von der Hesb-e-Islami-Partei für eine
Amtszeit von 18 Monaten zu ihrem
"Rais" oder Führer.
Die von den Vereinten Nationen
unterstützten Gespräche über Afghanistan wurden im Jahr 1987 fortgeführt.
Die
Annäherungsgespräche
zwischen Pakistan und dem Kabuler Regime - haben Meinungsverschiedenheiten über einen Zeitplan für den sowjetischen Rückzug - das einzige noch
ungelöste Problem - verringert.
Im
März und im September
verringerte
sich der Zeitraum zu den von Kabul

- 2 -

�vorgeschlagenen 16 Monaten und den
von Pakistan vorgeschlagenen acht Monaten. Gegen Jahresende schlug Najib
vor, Kabul könne möglicherweise 12
oder weniger Monate akzeptieren.
In der Diplomatie haben die Sowjets versucht, auf internationaler
Ebene die Legitimation der Regierung
zu verbessern, indem sie aus Kabul
Emissäre
zu
einem
sechsmonatigen
weltweiten diplomatischen Werbefeldzug entsandten.
Kabul verzeichnete
im Hinblick auf seine diplomatische
Anerkennung einige Gewinne, dennoch
scheiterten die Bemühungen als Ganzes.
Andere Länder verurteilen weiterhin die Besetzung und weisen sowjetische Behauptungen zurück, es gäbe eine andere Lösung der Probleme in
Afghanistan
als
den
sowjetischen
Rückzug.
Bei der Generalversammlung
im November sprachen sich 123 Nationen, die größte bis jetzt erzielte
Zah', für eine Resolution aus, mit
der der ;;nm\ttelbare und vollständige
Rückzug ausländischer Streikräfte aus
Afghani itan gefordert wurde. Die Resolution ist mit generell zunehmenden
Mehrheiten in jedem Jahr seit der sowjetischen Besetzung Afghanistans am
27. Dezember 1979 verabschiedet worden.

Washington haben Erwartungen geweckt,
daß die UdSSR einen annehmbaren Vorschlag zum Rückzug vorlegen würde.
Tatsächlich haben sich die Sowjets
geweigert, sich auf einen "eindeutigen Termin" für einen Truppenabzug
festzulegen.
Die Welt wird den sowjetischen Absichten weiterhin skeptisch gegenüberstehen, wenn die Sowjets nicht einer Regelung zustimmen
- die sie dann auch durchführen -,
die den bedingungslosen, schnellen
und vollständigen Abzug ihrer Truppen
vorsieht.

Perspektiven:
Die Aussicht auf
den Frieden hat erhebliche Anziehungskraft bei einem Volk, das neun
Jahre der Tyrannei und acht Jahre
ausländischer Besetzung erlitten hat.
Aber die Afghanen haben eindeutig erklärt, daß sie keinen Frieden zum
Preis einer fortgesetzten Fremdherrschaft akzeptieren werden.
Moskau
hat wiederholt erklärt,
le | itische Entscheidung zum Abzug is;: getroffen worden",
Öffentliche Erklärungen der Sowjets im Vorf&lt; Ld
Gipfeltreffens
zwischen
R igan
tu.tschow im Dezember in
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'V IO N **

6. Januar 1988

DIE AUFRÜSTUNG DER SANDINISTEN
- Ein Hintergrundbericht -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Dezember 1987 gehaltenen Rede deutete
der nicaraguanische Verteidigungsminister Humberto Ortega an, daß die militärische Aufrüstung der Sandinisten wesentlich umfangreicher ist als in der Vergangenheit vom amerikanischen Außenministerium angenommen wurde.

"Wir
haben gegenwärtig
250 000
Menschen zu unserer Verteidigung organisiert und bewaffnet. Wir werden
diese Bemühungen
nicht aufgeben."
Darüber
hinaus prahlte er:
"Bald
werden wir ca. 300 000 Menschen haben
und
wir
werden
versuchen,
etwa
600 000 angemessen ausgebildete und
organisierte Leute in den Reihen der
allgemeinen Verteidigung des Landes
zu haben." Die erstgenannte Zahl von
250 000 liegt um mehr als das Doppelte über der letzten Schätzung des
amerikanischen Außenministeriums vom
Oktober
1987.
Ortegas
Anspruch,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

letztlich eine Zahl von 600 000 militärisch ausgebildeten Personen zu erlangen, weckt erhebliche Zweifel an
der Ernsthaftigkeit der sandinisten
im Hinblick auf das Friedensabkommen
in Mittelamerika.
Ortegas Rede wurde augenscheinlich durch Fragen veranlaßt, die ihm
von
der
Tageszeitung
"Washington
Post" im Nachgang zu einem Interview
mit Roger Miranda Begoechea, einem im
Oktober 1987 in die Vereinigten Staaten übergelaufenen Major der Sandinistischen Volksarmee, gestellt wurden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zum Zeitpunkt seines Übertritts war
Miranda seit 1982 Chef im Sekretariat
des nicaraguanischen Verteidigungsministeriums und Mitglied des Zentralkomitees der Sandinisten. Das Sekretariat ist die einzige Organisation,
die Verteidigungsminister Ortega direkt unterstellt ist. Dadurch wurde
dem damaligen Major Miranda mehr exekutive Macht eingeräumt als dem Chef
des Generalstabs, einem Generalmajor.
Zweimal
hat
Verteidigungsminister
Ortega - vielleicht unbeabsichtigt Mirandas
Aussagen
erhärtet.
Zum
Zeitpunkt von Mirandas übertritt erklärte Ortega, Miranda sei der wichtigste und potentiell gefährlichste
Überläufer der Sandinistisschen Front
gewesen, den es jemals gegeben habe.
Ortegas Rede vom 12. Dezember verlieh
den Angaben Mirandas zusätzliche Beweiskraft, da sie stattfand, bevor
Ortega
exakt
wissen
konnte,
was
Miranda
in
einem
mit
Sperrfrist
versehenen Interview am 10. Dezember
gesagt hatte.
Bei seiner Flucht nahm Miranda
Dokumente mit, die seinen Angaben zufolge geheime Protokolle über militärische Zusammenarbeit mit der Sowjetunion enthalten. Die "Washington
Post" verwies darauf, daß diese "Verstärkungen bei Personal und von den
Sowjets gelieferter Ausrüstung vorsehen, die im Falle ihrer Verwirklichung in den nächsten sieben Jahren
etwa ein Fünftel der heutigen Bevölkerung unter Waffen stellen würden".

Miranda machte zusätzliche Angaben zu
folgenden Themen:

1. Militärische Themen
- Die Strategie der Sandinisten für
die anhaltende militärische Aufrüstung.
- 2

- Kubanische und sowjetische
ter in Nicaragua.
- Das Direktorat
Aufklärung.

für

Bera-

Militärische

- Ausrüstung, Struktur, Kommunikationswesen und Taktik der sandinistischen Armee.
- Abkommen mit der Sowjetunion über
Bestand
und
Instandsetzung
für
die sandinistische Luftwaffe.
- Neue Ausrüstung
ischen Marine.

der

sandinist-

- Verkauf
nordkoreanischer
an Nicaragua.

Waffen

- Kommunikations- und Informationssysteme des Verteidigungsministeriums.
- Abhörfähigkeiten in Nicaragua.
- Unterstützung der Guerilla in El
Salvador durch die Sandinisten.

2. Politische Themen
- Angaben zu Lebenslauf und Lebensführung hoher und mittlerer Vertreter der Sandinisten.
- Geschäftliche
Aktivitäten
Sandinisten-Commandantes.

der

Zu den wichtigsten Enthüllungen
gehört die Tatsache, daß die Sowjets
den Sandinisten die Lieferung von
Kampfflugzeugen des Typs MiG-21 versprochen haben, die nach 1991 erfolgen soll. Die Sandinisten haben ausserdem um Lieferung von zusätzlichen
Hubschraubern der Typen Mi-25 HIND-D
und Mi-17 HIP sowie eines Transportflugzeuges vom Typ AN-26 gebeten.

�Die
Sandinisten
beabsichtigen,
Armee und Miliz auf eine Gesamtstärke
von 500 000 Mann auszubauen.
Die
Lieferung einer großen Zahl zusätzlicher Schützenpanzer, Geschütze auf
Selbstfahrlafetten,
PanzerabwehrWaffen, Boden-Luft-Raketen sowie Flugabwehrgeschütze wird erwartet oder wurde schon ausgeführt. Für die Marine
werden drei neue 400-Tonnen Schiffe
aus der Sowjetunion erwartet.
Miranda zufolge sind die Commandantes der Sandinisten davon überzeugt, daß der einzige Weg zur Sicherung der Entwicklung ihres marxistischen Programms in Nicaragua darin
besteht, eine mächtige Armee aufzubauen.
"Man kann Vereinbarungen unterzeichnen, man kann den Anschein
von mehr Flexibilität im politischen
System erwecken, aber worüber sie
niemals
verhandeln werden
ist die
Entwicklung der sandinistischen Armee. Sie wissen, daß sich ihre Macht
langfristig auf den umfang dieser Armee
gründet,"
erklärte
er
der
"Washington Post".
Die Sandinisten
"verspüren keinerlei Wunsch, über die
Größe der Armee zu verhandeln, die
sie in Nicaragua zu unterhalten planen.
Ja, sie werden an Gesprächen
teilnehmen.
Aber nach Monaten der
Diskussion werden sie erklären, daß
sie keine Vereinbarung erzielt haben.
Meiner Meinung nach ist dies der verwundbarste Punkt - an dem sie die geringste Neigung zeigen, Frieden in
Mittelamerika herbeizuführen."
Laut Miranda fuhren die Sandinisten trotz des Friedensplans für
Mittelamerika
fort, die salvadoranischen Untergrundkämpfer zu unterstützen.
Auf Bitten des GuerrillaFührers Joaquin villalobos erklärte
sich Humberto Ortega im September
1987 bereit, salvadoranische Guerrillas in der Bedienung von Boden-LuftRaketen auszubilden. Gegen Ende Ok-

tober 1987 schlössen 15 salvadoranische
Guerrillas
einen
35tägigen
Lehrgang für die Bedienung verschiedener Boden-Luft-Raketen ab.
Die in
Managua durchgeführte Ausbildung war
von den sandinistischen Commandantes
gebilligt worden.
Die Operation für den Waffennachschub wird von einer unter dem Namen
"Das Büro" bekannten Geheimorganisation durchgeführt, die von Commandante Bayardo Arce geleitet wird. Waffen für Guerrilla-Gruppen in El Salvador, Costa Rica, Kolumbien und andere lateinamerikanische Länder kommen mit Linienflügen oder -schiffen
in Managua an, wo sie gelagert werden.

Der mittelamerikanische Friedensplan
als Waffe zur Entwaffnung der Widerstandskämpfer
Die
Sandinisten
beabsichtigen
nicht, die Friedensvereinbarungen von
Guatemala einzuhalten.
Den Sandinisten wurde von kubanischen und sowjetischen Beratern angeraten, von "Demokratie", "Pluralismus" und "Freiheit" zu reden. Das Ziel, einen marxistischen
Staat aufzubauen, solle
heruntergespielt
werden.
Dazu
Miranda:
"Sie (die Sandinisten) haben nicht den Willen, diesen Frieden
zu erlangen...
sie hatten mit den
Sowjets und Kubanern schon eine Vereinbarung
für die
(sandinistische)
Armee für die nächsten acht Jahre getroffen... Mit welchem Wunsch werden
sie denn dann von Frieden reden, wenn
sie gleichzeitig im Hinterkopf an die
Schaffung einer der mächtigsten Armeen Lateinamerikas denken - mit einer Bewaffnung, wie nur wenige andere
Armeen in Lateinamerika sie besitzen?... Die Sandinisten sind langsam
zu der Erkenntnis gelangt, daß der
Widerstand auf dem Lande eine Basis
der Unterstützung besitzt - eine be-

- 3 -

�deutende gesellschaftliche Basis. In
der Tat ist dies eine grundlegende
Tatsache, um zu erklären, warum sie
nach so vielen Offensiven der sandinistischen
Armee
immer
noch
dort
sind.
Der Widerstand auf dem Lande
bewegt sich wie ein Fisch im Wasser."
Als Reaktion auf ein etwaiges direktes
Singreifen
der
Vereinigten
Staaten in Nicaragua planen die Sandinisten Invasionen in Costa Rica und
Honduras sowie die Gefangennahme von
US-Amerikanern und Erbeutung amerikanischen Eigentums.

* * * * *

- 4

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

6. Januar 1983

BEGINN DES WAHLPROZESSES MIT VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN
- Wichtige Termine im Vorfeld der Wahlen 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Der lange Auswahlprozeß der republikanischen und demokratischen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten
Staaten 1988 umfaßt eine komplizierte Vielzahl von Vorwahlen in den Bundesstaaten, Parteiversammlungen und Parteikonventen.

Das Ziel dieser Veranstaltungen
ist die Benennung von Delegierten der
einzelnen Bundesstaaten für die nationalen Parteikonvente beider Parteien, die im Jahr 1988 für die Demokraten vom 18. bis 21. Juli in Atlanta und für die Republikaner vom
15. bis 18. August in New Orleans
stattfinden werden.
Jeder Bundesstaat bestimmt sein
eigenes System, die meisten wenden
jedoch eine der folgenden vier Arten
von Vorwahlen an:

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Vorwahl zur Auswahl von Delegierten, bei der die Namen der Präsidentschaftskandidaten
nicht
im
einzelnen
auf den
Stimmzetteln
erscheinen; es werden lediglich
Kandidaten
für den
Delegierten
beim
Parteikonvent
aufgeführt,
wobei diese ihre Präferenz für
einen
Präsidentschaftskandidaten
angeben können, aber nicht müssen.
Vorwahl mit Empfehlungen für einen
Präsidentschaftskandidaten,
bei der die Wähler auf
ihren
Stimmzetteln
sowohl
Präsident-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Schaftskandidaten als auch Delegierte für den Parteikonvent anKreuzen können, die entweder einen bestimmten Präsidentschaftskandidaten bevorzugen oder keine
Präferenz angeben.
- Rechtsverbindlicher Wettkampf mit
nur einem Gewinner, bei dem die
Ergebnisse der Wahl für den Präsidentschaftskandidaten
die Bezirksdelegierten
des
Präsidentschaftswahlkampfes in jedem Kongreßwahlbezirk
bestimmen
sowie
die Delegierten der Bundesstaaten
für den Gewinner im gesamten Bundesstaat.
- Vorzugsvorwahlsystem mit verhältnismäßiger
Vertretung, bei der
die Ergebnisse der Wahl des Präsidentschaftskandidaten
diesem
Kandidaten Delegierte im Verhältnis zum Wahlergebnis jedes einzelnen Kandidaten zuordnen.
Diese Prozesse der Vorwahlen werden in zahlreichen Staaten durchgeführt.
Dabei bilden Bürger Gruppen
zur öffentlichen Unterstützung eines
Kandidaten und wählen dann auf einer
Grundlage, die im Verhältnis zur Beliebtheit des Kandidaten steht, Gruppenmitglieder aus, die an den später
stattfindenden
Parteikonventen
der
Einzelstaaten teilnehmen, bei denen
dann die Delegierten für die nationalen Parteikonvente ausgewählt werden.
Nachfolgend
veröffentlichen
wir
die Termine der demokratischen (D)
und
republikanischen
(R) Vorwahlen
(primaries - p ) , Parteiversammlungen
caucus - C) und Parteikonvente für
die
amerikanischen
Bundessstaaten.
Wenn keine Parteizugehörigkeit angegeben ist, finden die Veranstaltungen
für beide Parteien zum selben Termin
statt.

- 2

�14. Januar
Michigan
27. Januar
Hawaii
29. Januar
Michigan
8. Februar
Iowa
16. Februar
New Hampshire
23. Februar
Süd-Dakota

(R) (Bezirkskonvent)
(R) (C)
(R) (Parteikonvent im Staat)
(C)
(P)
(P)

Minnesota
27. Februar
Kansas
28. Februar
Maine
1. März
Vermont
5. März
Süd-Carolina

(C)

(C)

Kansas

(R) (Parteikonvent im Staat)

Wyoming
8. März
Alabama

(C)
(P)

Arkansas

(P)

Florida

(P)

Georgia

(P)

Hawaii

(D) (C)

Idaho

(D) (C)

Kentucky

(P)

Louisiana

(P)

Maryland

(P)

Massachusetts

(P)

Mississippi

(P)

(R) (Bezirkskonvent)

(P) (unverbindlich)
(R) (P)

- 3

�Missouri
Nevada

Nord-Carolina
Oklahoma
Rhode Island
Tennessee
Texas
Virginia
Washington
10. März
Alaska
12. März
Süd-Carolina
14. März
Nord-Dakota
15. März
111 i no i s
19. März
Kansas
Wyoming
26. März
Michigan
29. März
Connecticut
4. April
Colorado
5. April
Wisconsin
16. April
Arizona
10. April
Utah
19. April
New York
Vermont
21. April
Nevada
25. April
Utah

�26. Apri 1
Pennsylvania

(P)

Vermont
3. Mai
District of Columbia

(R) (C)

Indiana

(P)

Ohio
10. Mai
Nebraska

(P)

West Virginia
14. Mai
Arizona
16. Mai
Delaware
17. Mai
Oregon
24. Mai
Idaho
7. Juni
Kalifornien

(P)

(P)

(P)

(R) (Parteikonvent im Staat)
(C)
(P)
(P)
(P)

Montana

(P)

New Jersey

(P)

Neu-Mexico
14. Juni
Nord-Dakota
16. Juni
Alaska

(P)
(P)
(R) (Parteikonvent im Staat)

******

- 5 -

�AMERIKA DIENST
^7

a

Wissenschaft und Technik
b. Januar 1938

NEUER IMPFSTOFF GEGEN TYPHUS
- Gute Schutzwirkung - geringe Kosten - leicht anwendbar -

WASHINGTON - (AD) - Massenimpfungen in Ländern der Dritten Welt sind wegen
der damit verbundenen technischen und organisatorischen Schwierigkeiten noch
immer ein Problem. Eine Ausnahme bildete bisher nur die Immunisierung gegen
Pocken. Diese gefürchtete Infektionskrankheit, die für Millionen von Menschen
Erblindung, Entstellung oder den Tod bedeutet hatte, konnte dank der Impfaktionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerottet werden.
Es sind
jetzt zehn Jahre her, daß der WHO der wohl letzte durch natürliche Ursachen
ausgelöste Fall aus Afrika (Merka in Somalia) gemeldet wurde.

Ein in gewisser Weise vergleichbares Ergebnis erhoffen sich Wissenschaftler der amerikanischen Medizinischen
Bundesforschungsanstalten
(National Institutes of Health - NIH)
von einem neuartigen Impfstoff gegen
Typhus.
Wie Dr. Charles Lowe vom
NIH-Institut für Kindergesundheit und
menschliche Entwicklung (National Institute of Child Health and Human
Development - NICHD) kürzlich berichtete, erwiesen sich die klinischen
Versuche mit dem in seinem Institut
entwickelten Impfstoff in Nepal als
überaus vielversprechend.
Innerhalb

United States Information Service
Embassy of the United States of America

von 17 Monaten gingen in den für die
Erprobung
ausgewählten
Dörfern
die
Erkrankungsziffern
im Vergleich
zu
den Kontrollgruppen, die ein Placebo-Präparat erhielten, um 75 Prozent
zurück.
Die Vakzine wird aus einer zukkerähnlichen Substanz in der Außenhülle des Typhusbakteriums gewonnen.
Schon eine einzige Dosis bewirkt Immunität - und der dafür benötigte
Impfstoff kostet nur einen Cent, d.h.
nicht einmal zwei Pfennige.
Demgegenüber haben die beiden anderen ge-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�genwärtig verfügbaren Impfstoffe erhebliche Nachteile:
Der eine, der
aus kompletten Bakterienzellen gewonnen wird, erfordert zwei bis drei Injektionen, hat schwere Nebenwirkungen
(verursacht u.a. Schwellungen, Fieber, Kopfschmerzen) und erfordert alle zwei bis drei Jahre Auffrischungsimpfungen zur Erhaltung der Immunität. Pro Dosis kostet er 1,25 Dollar.
Der zweite Impfstoff wird in Pillenform verabreicht.
Aber es müssen
drei oder vier Dosen gegeben werden,
um einen Schutz zu erreichen, der etwa dem entspricht, der durch die neue
Vakzine mit nur einer einzigen Dosis
erzielt wird. In Entwicklungsländern
sind jedoch Impfungen mit Mehrfachdosen schwer durchführbar.
Ebenso machen die erwähnten Nebenwirkungen der
erstgenannten Vakzine ihre Anwendung
schon allein aus diesem Grund in Ländern der Dritten Welt praktisch unmöglich. Ein weiterer ganz wichtiger
Vorteil des neuen Impfstoffes:
Er
braucht nicht gekühlt zu werden, was
bei den meisten anderen Vakzinen ein
schwerwiegender Hinderungsgrund ist,
um -ue z.B. in tropischen Ländern mit
eineiT nur unzulänglich funktionierenden Gesundheitswesen und lückenhafter
Infrastruktur einzusetzen.
In Entwicklungsländern erkranken
jährlich ungefähr 50 Millionen Menschen am Typhusfieber, viele sterben
darein. Das Risiko ist dort am größten,
wo
Nahrung
und
Wasser
mit
menschlichen Ausscheidungen verunreinigt: sind, oder in Entwicklungsländern, wo Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Hochwasser Kanalisation und
Kläranlagen beschädigen oder zerstören.
Der neue Impfstoff wurde von einer
internationalen
Forschergruppe
aus den USA, Schweden, Frankreich und
Nep. •' an 7000 freiwilligen Versuchs- 2

personen im Alter zwischen fünf und
44 Jahren erprobt. Die Wissenschaftler kontrollieren auch künftig den
Antikörper-Spiegel bei den Probanden,
um Erfahrungen darüber zu sammeln,
wie lange der Schutz anhält.
In
Frankreich und Mexiko wurden die Vakzine bereits zugelassen.
Dr. Lowe
erwartet die Genehmigung für die Vereinigten Staaten nach Abschluß der
Nepal-Studie im März 1988. Ein ebenfalls am NICHD entwickelter, aber
noch wirksamerer Impfstoff gleichen
Typs, der
das Immunsystem
stärker
stimuliert, soll helfen, Kinder unter
zwei Jahren und ältere Menschen besser gegen eine Typhuserkrankung zu
schützen.

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1987
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst 1987
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themen
kreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 25

Mittelamerika

7, 17, 28, 30, 31, 36, 37,

Südafrika

8, 35

Martin Luther King

2

Vereinigte Staaten
Haushalt 1987/88
Botschaft zur Lage der Nation
Reagans Jahreswirtschaftsbericht
Strategie zur Nat. Sicherheit
Tran/Geiseln - Waffenaustausch
icht der Tower-Kommission
'. Jahrestag "Stimme Amerikas"
Marshall-?lan
Nominierungen
Amb. Burns Nachruf
Handelsminister Baldrige Nachruf
Unabhängigkeitstag
Amerikanische Verfassung
Privatisierungskommission
Reagan-Besuch in Bonn
Berliner Mauer
Prokl. "Tag der Deutsch-Amerikaner"
weltfrieden
Shultz/Informationsfluß

1 -

2
4
5
5, 6, 7, 8
9, 11
9
9
21, 22
10, 21, 28, 36, 40
24
27
24
29, 33
31
23
28
35
30
36

�Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Abrüstung/Rüstungskontrolle

Reagan/Gorbatchow Gipfeltreffen
Ost-West-Beziehungen
Spionage Moskauer Botschaft
Null-Lösung
SDI
NATO
INF
ABM
Kern- u. Weltraumwaffen

3, 5, 10, 11, 13, 15, 16, 17,
18, 20, 22, 24, 26, 27, 29,
37, 38, 42, 43
39, 42, 43, 44
30, 33
14
16
11, 37, 42
11, 23, 29, 31
9, 12, 15, 18, 27, 29, 32,
33, 34, 35, 38, 39, 40, 43, 44
10, 13, 19, 32
35

Internationale Probleme
Wirtschaft, Handel u. Finanzen
Wirtschaftsgipfel Venedig
Sonderausgaben zum Wirtschaftsg.
Terrorismus
Kommunismus
Drogen
Menschenrechtsverletzungen
Tschernobyl
Persischer Golf
Ozonloch

10, 14, 15, 16, 17, 18, 22,
25, 26, 34, 37, 38, 41
22, 23
21. Mai u. 1. Juni 1987
4, 22, 24
2
8, 9, 20, 21, 39
10
17
21, 22, 26, 34, 37, 38
42

Wissenschaft und Technik
Rauchen
NASA
Weltraum allgemein
Forschung
AIDS
Krebs

1
2, 4, 15, 22, 34, 40, 44
5, 21
3, 7, 23, 43
12, 13, 16, 21, 40, 41
11, 14, 24

�Reden und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
18. Januar 1987
Die vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland:
Moderne Gesellschaftssysteme und ihre Herausforderungen
(Tönnissteiner Kreis)

11. Februar 193 7
Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:
Mythen und Verpflichtungen
(industrie-Club, Düsseldorf)

1.

April 1987
Die wiedergeborene Null-Lösung
(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times
veröffentlicht)
AD Nr. 12

8.

April 1987
Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollen
AD Nr. 13 - 8. April 1987

15. April 1987
Glasnost und der Konsens im Westen
- Ansprache in Berlin -

5.

Mai 1987
Burt: Deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Schlüssel zur
Rüstungskontrolle
- Rede in Ansbach -

20. Mai 1987
Glasnost und das Bündnis
- Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik -

25. Juni 1987
Der Marshall-Plan: Politik der Vision
- Rede aus Anlaß des 40. Jahrestages der Verkündung des
Marshall-Plans in Berlin -

- 3 -

�4.

November 1987
Die Weltwirtschaft: Perspektiven für eine geteilte Verantwortung
- Rede vor der Amerikanischen Handelskammer in der Bundesrepublik
(Atlantik-Brücke, Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar,
Stuttgart)

16. November 1987
Ist die NATO noch zeitgemäß
- Rede vor der Hanns-Seidel-Stiftung in München AD Nr. 41, 19. November 1987

25. November 1987
Die Revolution im Informationswesen und die deutsch-amerikanischen
Beziehungen
- Rede auf dem Bertelsmann-Forum, Gütersloh Sonderdienst 25. November 1987

- 4 -

�Sonderdienste

26. März 1987
Die sowjetische Militärmacht 1987
(Sechste Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums)

15. Juni 1987
Berliner Mauer niederreißen für die Sache des Friedens
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor

14. August 1987
Reagan optimistisch über Abschluß eines Abrüstungsabkommens
- Fernsehansprache des Präsidenten -

27. August 1987
Reagan: Offenheit bei sowjetischen Militärangelegenheiten
- Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen -

3.

Dezember 1987
Chronologie der Entwicklung im Bereich der Mittelstreckenwaffen (IMF)
- 1977 bis 1987 -

7.

Dezember 1987
Hintergrundmaterial zum Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und
Generalsekretär Gorbatschow in Washington
- 7. bis 10. Dezember 1987 -

* * * * * *

- 5 -

�</text>
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