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                  <text>AMERIKA DIENST
^7-oN

1 6 . Dezember 1987

44

I N H A L T
DOKUMENTATION
Verhandlungen über strategische Waffen sollen intensiviert werden
- Gemeinsame AbSchlußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
Reagan: 'Fortschritte* bei Gesprächen über START-Vertrag erzielt
- Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des
Gipfeltreffens Enge Konsultationen mit den Europäern über INF
- Rede Präsident Reagans vor dem CSIS Amerikaner und Sowjets vereinbaren gemeinsames Verifizierungsexperiment
- Gemeinsame Erklärung der Außenminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Der INF-Vertrag
- Ein kurzer Abriß des US-Amtes für Rüstungskontrolle

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technische Vorvereinbarungen über Raumstation
- NASA wählte die Vertragsfirmen aus -

Wir wünschen unseren Beziehern ein
frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein
friedliches und erfolgreiches Neues Jahr

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST y
VON

*

Dokumentation
16.

44

. '87

VERHANDLUNGEN ÜBER STRATEGISCHE WAFFEN SOLLEN INTENSIVIERT WERDEN
Gemeinsame ^bsch'ußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow -

WASHINGTON - (AD) Präsident Reagan und Generalsekretär Gc
Ihr Washingtoner Gipfeltreffen mit einem Appell an ihre unterhandlet in Genf
abgeschlossen, die Arbeiten an einem Vertrag zur 50prozentige i Reduzierung
strategischer Raketen "zum frühestmöglichen Zeitpunkt abzuschließen, am best-n
zeitig genug, um den Vertrag in der ersten Hälfte des Jahres 198(3 "u unt\e\zeichnen".
lachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame Schlußerklärung

Der
Präsident
der
Vereinigten
Staa'-.en
von
Amerika,
Ronald
w.
Reagan, und der Generalsekretär des
Zentralkomitees
der
Kommunistischen
Partei der Sowjetunion, Michail S.
Gorbatschow, haben sich vom 7. bis
10. Dezember 1987 in Washington getroffen.
Teilnehmer an diesem Treffen waren auf amerikanischer Seite Vizepräsident George Bush; Außenminister
George
P. Shultz; Verteidigungsminister Frank c. carlucci; Stabschef
Howard H. Baker; Präsidentenberater

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in fori lau :

General Colin L. Powell; d-sr E i
des
Außenminist&lt;:. riums ,
Bouschaf t*.-1
Max M. Kampelman,- der Botschafter Z'.r
besonderen Verwendung und Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers
in
Riistungskontrollf ragen,
Paul H. Nitze; der Sonderberater d' s
Präsidenten und des Außenministers in
Rüstungskontroi 1fragen,
Botschaft-t
Edward L. Rowny; der Vorsitzende der
Vereinigten
Stabschefs,
Admiral
William J. Crowe, Jr. ; der amerikanische Botschafter in der UdSSR, Ja;:k
F. Matlock; die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Angelegenheiten im
Rozanne L. Ridgway.

Außenministerium,

Auf
sowjetischer
Seite
nahmen
teil:
Das Mitglied des Politbüros
des Zentralkomitees der KPdSU, Außenminister Eduard A. Schewardnadse; das
Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU, Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Alexander N.
jakowlew;
Sekretär
des
Zentralkomitees der KPdSU Anatoli F. Dobrynin;
der Stellvertretende Vorsitzende des
Ministerrates der UdSSR, Wladimir M.
Kamenzew; der Chef des Generalstabs
der Streitkräfte der UdSSR und Erste
Stellvertretende Minister für Verteidigung der UdSSR, Marschall Sergej F.
Achromejew; der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der
KPdSU, Anatoli S. Tschernajew; der
Leiter der Allgemeinen Abteilung des
Zentralkomitees der KPdSU, Waleri I.
Boldin; der Stellvertretende Außenminister
der
UdSSR,
Alexander
A.
Bessmertnich;
der
Botschafter
der
UdSSR in den Vereinigten Staaten von
Amerika, Juri V. Dubinin; das Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR, Viktor P. Karpow;
der Botschafter zur besonderen Verwendung, Alexei A. Obukov.
In Verlauf des offiziellen Besuchs, der während des Genfer Treffens der beiden Staatsmänner im November 1985 vereinbart worden war,
hielten der Präsident und der Generalsekretär
umfassende
und detaillierte Gespräche über das gesamte
Spektrum der beide Länder betreffenden Fragen ab, darunter die Reduzierung von Waffen, Menschenrechte und
humanitäre Fragen, die Beilegung regionaler Konflikte und die bilateralen Beziehungen. Die Gespräche waren
offen und konstruktiv und spiegelten
sowohl
die
fortbestehenden
Unterschiede zwischen beiden Seiten wider
als auch ihr Verständnis dafür, daß

diese Unterschiede keine unüberwindlichen Hindernisse für Fortschritte
in Bereichen beiderseitigen Interesses darstellen.
Sie bekräftigten ihr starkes Engagement für einen aktiven, die ganze
Bandbreite des Verhältnisses umfassenden Dialog.
Beide Staatsmänner unterzogen die
bis jetzt bei der Verwirklichung der
in Genf und Reykjavik vereinbarten
breitgefächerten Tagesordnung erzielten Fortschritte einer Überprüfung.
Sie waren besonders zufrieden über
den Abschluß bedeutender Vereinbarungen in einigen Bereichen dieser Tagesordnung in den vergangenen zwei
Jahren.
Der Präsident und der Generalsekretär bekräftigten die grundsätzliche
Bedeutung ihrer Treffen in Genf und
Reykjavik, bei denen das Fundament
für konkrete Schritte in einem Prozeß
gelegt wurde, durch den die strategische Sicherheit verbessert und das
Konfliktrisiko
verringert
werden
soll. Sie werden sich weiterhin von
ihrer ernsthaften Überzeugung leiten
lassen, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf.
Sie sind entschlossen, jeden Krieg zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, ob nuklear oder konventionell,
zu verhindern. Sie werden nicht nach
militärischer Überlegenheit streben.
Beide Staatsmänner erkannten die
besondere Verantwortung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion an,
nach realistischen Wegen zur Verhinderung einer Konfrontation zu suchen
und ein dauerhafteres und stabileres
Verhältnis zwischen ihren Ländern zu
fördern. zu diesem zweck vereinbarten sie, den Dialog zu intensivieren
und aufkommende Tendenzen zu kon-

�struktiver
Zusammenarbeit
in allen
Bereichen ihrer Beziehungen zu ermutigen, sie sind davon überzeugt, daß
sie damit auch, gemeinsam mit anderen
Nationen, zu einer Zeit zum Aufbau
einer sichereren Welt beitragen werden, in der die Menschheit in das
dritte Jahrtausend eintritt.

I.

RÜSTUNGSKONTROLLE

Der INF-Vertrag
Die
beiden Staatsmänner
unterzeichneten den Vertrag über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und
kürzerer Reichweite zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.
Dieser vertrag ist von historischer Bedeutung sowohl aufgrund
seiner Zielsetzung - der Beseitigung
einer ganzen Kategorie amerikanischer
und sowjetischer
Atomwaffen
- als
auch wegen des innovativen Charakters
und Umfangs seiner Verifizierungsbestimmungen.
Diese gemeinsame Errungenschaft leistet einen erheblichen
Beitrag zu größerer Stabilität.

Die Verhandlungen über Nuklear- und
Weltraumwaffen
Der Präsident und der Generalsekretär diskutierten die Verhandlungen
über Reduzierungen der strategischen
Offensivwaffen.
Sie nahmen die erheblichen Fortschritte zur Kenntnis,
die im Hinblick auf den Abschluß eines Vertrages zur Durchführung des
Prinzips einer 50prozentigen Reduzierung erzielt wurden.
Sie vereinbarten, ihre Verhandlungsführer in Genf
zu instruieren, auf die Fertigstellung des Vertrages zur Reduzierung
und Begrenzung der Strategischen Offensivwaffen und aller damit verbundenen Dokumente zum frühestmöglichen

Zeitpunkt
hinzuarbeiten, am
besten
zeitig genug, um den Vertrag während
des
nächsten
Treffens
der
beiden
Staatschefs in der ersten Hälfte des
Jahres 1988 zu unterzeichnen. In Anerkennung der Tatsache, daß Bereiche
der Übereinstimmung wie auch unterschiedlicher Meinungen detailliert im
gemeinsamen Vertragstext-Entwurf enthalten sind, vereinbarten sie, ihre
Unterhändler anzuweisen, die Lösung
dieser Fragen innerhalb des gemeinsamen
Vertragstext-Entwurfs
zu
beschleunigen, darunter die frühzeitige
Übereinkunft
über Vorschriften
für
die wirksame Verifizierung.
Dabei
sollten
die
Unterhändler
auf den Vereinbarungen über eine 50prozentige Reduzierung aufbauen, die
in Reykjavik erzielt und anschließend
weiterentwickelt
wurden
und
sich
jetzt in den vereinbarten Teilen des
gemeinsamen
START-Vertragstext-Entwurfs widerspiegeln, der in Genf entwickelt wird, darunter die Übereinkunft über Obergrenzen von maximal
1 600 strategischen offensiven Trägersystemen,
6 000
Gefechtsköpfen,
1 540 Gefechtsköpfen auf 154 schweren
Raketen; darunter die vereinbarte Regel über den Nachweis für schwere
Bomber und deren nukleare Bewaffnung
sowie eine Vereinbarung, daß als Ergebnis der Reduzierungen das gesamte
Wurfgewicht der ICBMs und SLBMs der
UdSSR auf ein Niveau verringert wird,
das etwa 50 Prozent unter dem derzeitigen Stand liegt und daß dieses Niveau von keiner Seite überschritten
wird.
Eine solche Vereinbarung wird
in beiderseitig befriedigender Weise
festgehalten.
Die folgenden Fragen sollten
vordringlich behandelt werden:

als

(a) Die zusätzlichen
Schritte,
die notwendig sind, um sicherzustellen, daß die Reduzierungen die stra3 -

�tagische Stabilität verbessern werden.
Dazu wird eine Obergrenze von
zusammengenommen 4 900 Gefechtsköpfen
auf ICBMs und SLBMs innerhalb der Gesamtobergrenze von 6 000 gehören.
(b) Die Regeln zur Ermittlung der
Zahl von atomar bewaffneten luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs)
langer
Reichweite, die
jedem
Typ
schwerer
Bomber
zugeordnet
werden
kann.
Die Delegationen sollen konkrete Regeln in diesem Bereich definieren.
(c) Die Regeln zur Ermittlung der
Anzahl
existierender
ballistischer
Raketen.
Die Seiten gehen von der
Annahme aus, daß die bestehenden Typen ballistischer Raketen mit der
folgenden
Zahl
von
Gefechtsköpfen
stationiert sind. In den Vereinigten
Staaten:
Peacekeeper
(MX):
10;
Minuteman III: 3; Minuteman II: 1;
Trident I: 8; Trident II: 8; Poseidon: 10. In der Sowjetunion: SS-17:
4; SS-19: 6; SS-18: 10; T.S-24: 10;
SS-25: 1; SS-11: 1; SS-13: 1; SS-N-6:
1; SS-N-8: 1; SS-N-17: 1; SS-N-18: 7;
SS-N-20: 10 und SS-N-23: 4. Es werden Verfahren entwickelt werden, um
die Verifizierung der Zahl der Gefechtsköpfe
auf stationierten
ballistischen Raketen jedes Typs sicherzustellen. Falls eine der Seiten die
Anzahl der für einen Typ ballistischer Raketen gemeldeten Gefechtsköpfe ändert, werden beide Seiten
sich gegenseitig vorab informieren.
Es soll außerdem eine Übereinkunft
darüber geben, wie Gefechtsköpfe auf
künftigen Typen ballistischer Raketen, die von dem Vertrag über die Reduzierung und Begrenzung der Strateyischen Offensivwaffen erfaßt werden,
gezahlt werden.
(d) Die Parteien sollen eine beiderseitig annehmbare Lösung in der
Frage der Begrenzung der Stationie-

rung von weitreichenden atomar bewaffneten SLCMs finden.
Solche Begrenzungen werden nicht die Zählung
der weitreichenden nuklear bewaffneten SLCMs innerhalb der Grenzen von
6 000 Gefechtsköpfen und 1 600 strategischen
offensiven
Trägersystemen
berühren.
Beide Parteien verpflichteten sich, obergrenzen für solche
Raketen festzusetzen und beiderseitig
annehmbare und wirksame Methoden zur
Verifizierung solcher Grenzen anzustreben, zu denen die Verwendung Nationaler Technischer Mittel, kooperativer Maßnahmen und Inspektionen vor
Ort gehören könnten.
(e) Aufbauend auf den Bestimmungen des Vertrags über die Beseitigung
ihrer Raketen mittlerer und kürzerer
Reichweite sollen zu den Maßnahmen,
mit deren Hilfe die Vorschriften des
Vertrags über die Reduzierung und Begrenzung der Strategischen Offensivwaffen
verifiziert
werden
können,
mindestens gehören:
1. Austausch von Daten, darunter
Erklärungen jeder Seite über zahl
und Standort der vertraglich begrenzten Waffensysteme
und der
Einrichtungen,
in denen
solche
Systeme sich befinden sowie Benachrichtigungen in angemessener
Form.
Zu diesen
Einrichtungen
gehören Standorte und Einrichtungen zur Produktion und Endmontage, Lagerung, Erprobung und Stationierung von durch diesen Vertrag erfaßten Systemen.
Solche
Erklärungen werden zwischen beiden Seiten vor der Vertragsunterzeichnung ausgetauscht und nach
seinem
Inkrafttreten
in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben.
2. Grundinspektionen, um diese
Angaben sofort nach Inkrafttreten
des Vertrages zu verifizieren.

�8. Maßnahmen zur verbesserten Beobachtung von Aktivitäten zur Reduzierung und Beschränkung strategischer
Offensivwaffen
durch
Nationale Technische Mittel. Dazu würden die Offenlegung von
vertraglich beschränkten Objekten
auf
Raketenbasen,
Bomberstützpunkten und U-Boothäfen an Orten
und zu Zeiten, die von der inspizierenden Partei gewählt werden
können, zählen.

3. Vor-Ort-Beobachtung
der zur
Erreichung der vereinbarten Grenzen notwendigen Vernichtung strategischer Systeme.
4.
Ständige
Vor-Ort-Uberwachung
der
unmittelbaren Umgebung
und
der Ein- und Ausgänge wichtiger
Produktions- und
Unterstützungseinrichtungen,
um
den
Ausstoß
dieser Anlagen zu bestätigen.
5. kurzfristig anberaumte Inspektion vor Ort von:
(i) bekanntgegebenen
Standorten
während des Prozesses der Reduzierung auf vereinbarte Grenzen;
(ii) Standorten, in denen von
diesem Vertrag betroffene Systeme
nach Erreichung der vereinbarten
Grenzen verbleiben;
(iii) Standorte, in denen sich
solche
Systeme
früher
befanden
(bekanntgegebene ehemalige Standorte) .
6. In Einklang mit vereinbarten
Verfahrensweisen
das Recht zur
Durchführung
kurzfristig
anberaumter Inspektionen von Standorten, an denen von einer Seite die
potentielle verdeckte Stationierung, Produktion, Lagerung oder
Instandsetzung strategischer Offensivwaffen vermutet wird.
7. Regelungen für das Verbot der
Tarnung oder anderer Handlungen,
durch die die Verifizierung durch
nationale technische Mittel
behindert wird.
Solche Vorschriften würden ein verbot der Verschlüsselung telemetrischer Daten
beinhalten
sowie
vollständigen
Zugang zu allen während eines Raketenfluges
gesendeten
telemetrischen Daten gewährleisten.

Die
Staatsmänner
beider
Länder
trugen den Vorbereitungen des Vertrages über Strategische Offensivwaffen Rechnung und wiesen ihre Delegationen in Genf an, ein Abkommen auszuarbeiten, mit dem beide Seiten sich
verpflichten, den ABM-Vertrag, so wie
er im Jahr 1972 unterzeichnet wurde,
einzuhalten und gleichzeitig ihre erforderliche
Forschung,
Entwicklung
und Erprobung fortzuführen, wie sie
der ABM-Vertrag gestattet und sich
für einen bestimmten Zeitraums nicht
vom ABM-Vertrag zurückzuziehen.
intensive Diskussionen über die Stabilität im strategischen Bereich sollen
nicht später als drei Jahre vor Ende
des zu bestimmenden Zeitraum beginnen, und danach wird jede Seite vorbehaltlich anderslautender beiderseitiger Vereinbarungen - den weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten frei
bestimmen können.
Eine solche Vereinbarung muß denselben rechtlichen
Status haben wie der Vertrag über
Strategische Offensivwaffen, der ABMVertrag und ähnliche, rechtsverbindliche Abkommen. Dieses Abkommen wird
auf eine für beide Seiten zufriedenstellende Art und Weise aufgezeichnet
werden.
Deshalb weisen beide Seiten
jetzt
ihre Delegationen an, diese
Fragen vorrangig zu behandeln.
Beide Seiten sollen bei der Entwicklung
der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im strategischen

- 5 -

�Bereich Möglichkeiten zur Sicherstellung der Berechenbarkeit unter der
Bedingung
strategischer
Stabilität
diskutieren, um das Risiko eines Nuklearkrieges zu verringern.

Andere Rüstungskontrollfragen
Der Präsident und der Generalsekretär haben eine große Bandbreite anderer Fragen der Rüstungsbegrenzung
und -reduzierung
besprochen.
Beide
Seiten betonten die Bedeutung produktiver Verhandlungen zu Fragen der Sicherheit und von Fortschritten in den
wichtigsten Bereichen der Rüstungsbegrenzung und -reduzierung durch beiderseitige, verifizierbare Abkommen,
die Sicherheit und Stabilität verbessern.
Atomtests
Beide Statsmänner begrüßten die
am 9. November 1987 erfolgte Aufnahme
umfassender,
stugfenweiser
Verhandlungen im Einklang mit der am 17.
September 1987 in Washington abgegebenen gemeinsamen Erklärung der Aussenminister der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion.
Die amerikanische und die sowjetische Seite sind
übereingekommen,
vor dem 1. Dezember 1987 umfassende
schrittweise Verhandlungen aufzunehmen, die in einem einzigen Forum
durchgeführt werden. Bei diesen Verhandlungen werden sich beide Seiten
als ersten Schritt auf wirkungsvolle
Verifizierungsmaßnahmen einigen, die
eine Ratifizierung des amerikanischsowjetischen
Schwellenvertrages
von
1974 und des Vertrages über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von
1976 ermöglichen werden, weitere Verhandlungen
über
unmittelbare
Beschränkungen bei Atomtests vorantreiben, die schließlich zum Endziel ei-

ner
vollständigen
Einstellung
von
Atomtests als Teil eines wirkungsvollen Rüstungskontrollprozesses führen
werden. Mit diesem Prozeß würde unter anderem als erste Priorität das
Ziel einer Reduzierung von Nuklearwaffen und letztlich deren Abschaffung verfolgt. zum Zweck der Ausarbeitung verbesserter Verifizierungsmaßnahmen für die amerikanisch-sowjetischen Verträge von 1974 und 1976
beabsichtigen beide Seiten die Planung
und
Durchführung
gemeinsamer
Versuche zur Verifizierung auf dem
Testgelände der jeweils anderen Seite.
Diese
Verifizierungsmaßnahmen
werden
in angemessenem Umfang bei
weiteren Beschränkungen von Atomtests
verwendet werden, die in Zukunft erzielt werden können.
Die beiden Staatsmänner begrüßten
ebenfalls
die prompte Vereinbarung
beider Seiten für einen Austausch von
Experten zum Besuch des Testgeländes
der jeweils anderen Seite im Januar
1988 und zur Ausarbeitung und späteren Durchführung
eines Gemeinsamen
Versuchs zur Verifizierung auf dem
jeweils
anderen
Testgelände.
Die
Richtlinien für das Experiment sind
in der Erklärung des amerikanischen
und des sowjetischen Außenministers
vom 9. Dezember 1987 niedergelegt.
Beide Staatsmänner verwiesen auf die
Bedeutung dieser Vereinbarungen für
die Entwicklung wirkungsvollerer Maßnahmen zur Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Schwellenvertrages von 1974 und des Vertrages
über Atomexplosionen zu friedlichen
Zwecken von 1976.

Nichtverbreitung von Kernwaffen
Der Präsident und der Generalsekretär
bestätigten das
fortdauernde
Engagement
der vereinigten
Staaten
und der Sowjetunion für die Nichtver-

�breitung nuklearer Waffen und insbesondere für die Stärkung des Atomwaffensperrvertrages.
Beide
Politiker
drückten
ihre Befriedigung
darüber
aus, daß sich sei" ihrer letzten Zusammenkunft auch andere Parteien an
den Vertrag gehalten haben und bekräftigten erneut ihre Absicht, gemeinsam mit anderen Staaten zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen,
um eine allseitige Einhaltung des
Vertrages herbeizuführen.
Der Präsident und der Generalsekretär bekundeten ihre Unterstützung
der internationalen Zusammenarbeit im
Bereich der nuklearen Sicherheit und
der
Bemühungen
zur
Förderung
der
friedlichen Nutzung von Kernenergie
unter verstärktem schütz der IAEO und
angemessener
Exportkontrollen
für
nukleare
Materialien,
Geräte
und
Technologie.
Die
Politiker
sind
übereingekommen, daß bilaterale Konsu L1-. itionen über die Nichtverbreitung
konstruktiv und nützlich waren und
fortgeführt werden sollten.

Zentren
gerung

zur

nuklearen

Risikoverrin-

Beide Politiker begrüßten die am
15. September 198 7 in Washington erfolgte Unterzeichnung des Abkommens
zur Errichtung von Zentren zur nuklearen Risikoverringerung in ihren
Hauptstädten.
Das Abkommen wird unverzüglich verwirklicht werden.

Chemische Waffen
Die Staatsmänner bekundeten ihr
Engagement für die Aushandlung einer
ver ifizierbaren, umfassenden und wirkungsvollen
internationalen
Konvention über das Verbot und die Zerstör m g chemischer Waffen.
Sie begrüßten den bisher erzielten Fortschritt

und bestätigten erneut die Notwendigkeit zu eingehenderen Verhandlungen
für den Abschluß einer wahrhaft weltweiten
und
verifizierbaren Konvention, an der alle Staaten, die chemische
Waffen
besitzen,
beteiligt
sind.
Die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion sprechen sich im Hinblick auf chemische Waffen sowohl auf
bilateraler als auch auf multilateraler Basis für größere Offenheit und
eingehendere
Vertrauensbildung
aus.
Sie haben vereinbart, regelmäßige Expertengespräche
über das wachsende
Problem der Verbreitung und Nutzung
chemischer Waffen fortzusetzen.

Konventionelle Streitkräfte
Der Präsident und der Generalsekretär haben die Bedeutung diskutiert,
die der Aufgabe zukommt, den Grad der
militärischen Konfrontation in Europa
im Bereich der Streitkräfte und d-^r
konventionellen
Waffen
abzubauen.
Beide Politiker sprachen sich für den
baldigen Abschluß der Arbeit in Wien
über das Mandat für Verhandlungen zu
diesem Thema aus, so daß zum frühestmöglichen
Zeitpunkt
substantielle
Verhandlungen im Hinblick auf die Erarbeitung konkreter Maßnahmen aufgenommen werden können.
Sie erkennen
ferner die Anwendung der Bestimmungen
der Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa als
wichtigen Faktor zur Förderung der
gegenseitigen Verständigung und Verbesserung der Stabilität an und sprachen sich für die Fortführung und
Konsolidierung dieses Prozesses aus.
Der Präsident und der Generalsekretär
haben
vereinbart,
ihre
jeweiligen
Vertreter anzuweisen, die Anstrengungen zur Erlangung von Lösungen für
noch anstehende Probleme zu intensivieren.

- 7 -

�Ferner wären die wiener Verhandlungen (über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Mitteleuropa) Gegenstand der Diskussion.

Folgetreffen der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa
Es wurde von beiden Seiten Entschlossenheit bekundet, gemeinsam mit
den anderen 33 Teilnehmerstaaten der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in
Europa
(KSZE),
die
Wiener KSZE-Folgekonferenz zu einem
erfolgreichen
Abschluß zu bringen,
der sich auf ausgewogene Fortschritte
in allen wichtigen Teilen der Schlußakte von Helsinki und des Madrider
Schlußdokuments gründet.

II. MENSCHENRECHTE UND
HUMANITXRE FRAGEN
Die Politiker führten eine eingehende und lebhafte Diskussion über
Menschenrechte und humanitäre Frage
und deren Stellenwert im amerikanischen-sowjetischen Dialog.

III. REGIONALE FRAGEN
Der Präsident und der Generalsekretär führten eine umfassende, offene
und sachliche Diskussion über regionale Fragen, wie etwa Afghanistan,
den
iranisch-irakischen
Krieg, den
Mittleren Osten, Kambodscha, den Süden Afrikas, Mittelamerika und andere
Bereiche.
Sie
bekannten
sich
zu
ernsthaften Unterschieden, waren sich
jedoch über die Bedeutung ihres regelmäßigen Meinungsaustausches einig.
Beide Politiker gingen auf die zunehmende Bedeutung einer Beilegung regionaler Konflikte ein, um internationale Spannungen abzubauen und die

Ost-West-Beziehungen
zu
verbessern.
Sie vereinbarten, es solle das ziel
des Dialogs zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in diesen
Bereichen sein, die an diesen regionalen Konflikten beteiligten Parteien
bei der Suche nach friedlichen Lösungen zu unterstützen, die ihre Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit
fördern.
Beide Politiker
betonten
die Bedeutung einer Stärkung der Rolle der Vereinten Nationen und anderer
internationaler Institutionen, um ZUi
Lösung
regionaler
Konflikte beizutragen.

IV. BILATERALE ANGELEGENHEITEN
Der Präsident und der Generalsekretär haben den Stand der bilateralen
Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in seinen
Einzelheiten besprochen. Sie erkannten den Nutzen einer fortgesetzten
Erweiterung und Stärkung von Kontakten, Austausch und Zusammenarbeit auf
bilateraler Ebene an.

Bilaterale Verhandlungen
Nach Prüfung des Standes der laufenden
Verhandlungen
zwischen
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bei einer Reihe besonderer bilateraler Fragen forderten beide Politiker zu eingehenderen Anstrengungen ihrer Vertreter auf, die darauf
abzielen, für beide Seiten vorteilhafte Abkommen in folgenden Bereichen
zu erlangen: Handelsschiffahrt, Fischerei, Seenotrettung, Radionavigationssysteme,
amerikanisch-sowjetische Seegrenzen und Zusammenarbeit
im Transportwesen
und anderen Bereichen.
Mit
Befriedigung
verzeichneten
sie ihre Übereinstimmung über den im

�Rahmen des amerikanisch-sowjetischen
Luftverkehrsabkommens erfolgten Ausbau
des
direkten
Passagierflugdienstes, einschließlich der gemeinsamen Bedienung der Linie New YorkMoskau durch pan American Airways und
Aeroflot sowie über Erneuerung des
amerikanisch-sowjetischen
Abkommens
über die Weltmeere.

Menschliche
programme

Kontakte

und

Austausch-

Beide
Politiker
verzeichneten
Fortschritte bei der Durchführung des
amerikanisch-sowjetischen Allgemeinen
Austauschabkommens in den Bereichen
Erziehung, Wissenschaft, Kultur und
Sport, das bei ihrem Genfer Treffen
im November 1985 unterzeichnet wurde,
und sie vereinbarten die Weiterführung von Bemühungen, um Hindernisse
für weitere Fortschritte in diesen
Bereichen zu beseitigen.
Sie drückten ihre Befriedigung darüber aus und
bekundeten ihre Absicht, im Januar
1988 gemeinsam den 30. Jahrestag des
ersten Austauschabkommens zu begehen.
Beide Politiker bestätigten die
Bedeutung
von
Kontakten
und
Austauschprogrammen zur Erweiterung der
Verständigung zwischen ihren Völkern.
Sie verzeichneten mit besonderer Befriedigung Fortschritte bei der Entwicklung menschlicher Kontakte, wie
sie im Rahmen der bei ihrem Genfer
Treffen von 1985 ins Leben gerufenen
Initiative erfolgten - ein Prozeß, an
dem in den vergangenen zwei Jahren
Zehntausende amerikanischer und sowjetischer
Bürger
beteiligt waren.
Die
Staatsmänner
bestätigten
ihren
anhaltenden Einsatz für den Ausbau
dieser Kontakte, auch im Bereich des
Jugendaustauschs.

Initiative zu weltweiten Klima- und
UmweltVeränderungen
Unter Bezugnahme auf die im November 1985 in Genf erzielte Übereinkunft zur Zusammenarbeit bei der Erhaltung der Umwelt haben beide Politiker eine bilaterale Initiative gebilligt, deren Rahmen gemeinsame Studien zu weltweiten Klima- und Umweltveränderungen mittels einer Zusammenarbeit in beide Seiten betreffenden
Bereichen unternommen werden sollten.
Darunter
Schutz
und Erhaltung des
stratosphärischen
Ozons
und
durch
verstärkten Datenaustausch gemäß dem
amerikanisch-sowjetischen
Umweltschutzabkommen und dem Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union Sozialistischer
Sowjetrepubliken über eine Zusammenarbeit bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums zu friedlichen
Zwecken. in diesem Zusammenhang wird
eine eingehende Studie über das Klima
der Zukunft erstellt werden.
Beide
Seiten
werden weiterhin
umfassende
internationale und bilaterale Zusammenarbeit im zunehmend wichtigen Bereich
weltweiter
Veränderungen
von
Klima und Umwelt fördern.

Bereiche der Zusammenarbeit
Der Präsident und der Generalsekretär haben die weitere Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaftlern
der
Vereinigten Staaten, der Sowjetunion
und anderer Länder zur Nutzung der
kontrollierten thermonuklearen Fusion
zu friedlichen Zwecken unterstützt.
Sie bekräftigen die Absicht der Vereinigten Staaten und der UdSSR, unter
der Schirmherrschaft der internationalen Atomenergiebehörde mit der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM)
und Japan zusammenzuarbeiten, um im
Viererverbund das Konzept für einen
Test-Fusionsreaktor zu erarbeiten.

- 9 -

�Beide Politiker verzeichneten mit
Befriedigung die im Rahmen des bilateralen Abkommens über die friedliche
Nutzung
von
Kernenergie
erzielten
Portschritte
zur
Errichtung
einer
ständigen
Arbeitsgruppe
im Bereich
Sicherheit von Kernreaktoren, und
sie erklärten ihre Bereitschaft zur
Entwicklung einer weiteren Zusammenarbeit in diesem Bereich.

Handel
Beide Seiten erklärten ihre einhellige Unterstützung für die Erweiterung
beiderseitig
vorteilhafter
Handels- und
Wirtschaftsbeziehungen.
Sie haben ihre Handelsminister angewiesen, die amerikanisch-sowjetische
gemeinsame Wirtschaftskommission einzuberufen, um konkrete Vorschläge zur
Verwirklichung dieser Zielsetzung zu
entwickeln, auch im Rahmen des Langfristigen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union sozialistischer Sowjetrepubliken zur Förderung wirtschaftlicher,
industrieller und technischer Zusammenarbeit.
Beide Seiten kamen üborein, daß wirtschaftlich lebensfähige
Joint Ventures, die sich im Einklang
mit den Gesetzen und Verordnungen
beider Länder befinden, bei der weiteren Entwicklung von Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle spielen könnten.

Der Präsident und der Generalsekretär
vereinbarten
die
Entwicklung
bilateraler
Zusammenarbeit
bei der
Bekämpfung des internationalen Drogenhandels.
Sie kamen überein, daß
EU diesem Zweck zu Beginn des Jahres
1988 erste Konsultationen in angemessenem Rahmen stattfinden sollten.
Sie
vereinbarten
ferner,
auf
jüngsten Kontakten aufzubauen und eine wirkungsvollere Zusammenarbeit zu
entwickeln, um die Sicherheit des
Luft- und
Seeverkehrs
zu
gewährleisten.

Diplomatische Vertretungen
Beide
Politiker
tauschten
ihre
bnaiichten über Wege zur Förderung umFauaendei Kontakte und einer zusamiiMuuibftit in Beieichen aus, die die
aik'ischen Regionen betreffen.
Sie
erklärten ihre Unterstützung für die
Entwicklung einer bilateralen und regionalen Zusammenarbeit zwischen den
Ländern der arktischen Regionen in
Ji^sen Bereichen, einschließlich der
Koordination
der
wissenschaftlichen
Forschung und des Umweltschutzes in
der Region.

Beide Seiten waren sich über die
Bedeutung angemessener, sicherer Einrichtungen für ihre jeweiligen diplomatischen und konsularischen Vertretungen einig und betonten die Notwendigkeit, Probleme über die Funktionsweise von Botschaften und Generalkonsulaten konstruktiv und auf der Basis
der Gegenseitigkeit anzugehen.

V. WEITERE ZUSAMMENKÜNFTE

Beide Politiker begrüßten den Abschluß von Verhandlungen zur Instituilisieiung des von den Vereinig»•&lt;:!". Städten, der Sowjetunion, Franke n uud Kanada gemeinsam betriebe. ii we! Lraiimgeötützten weltweiten Bf—
kundungs- und
Rettungssystems

Der Präsident und der Generalsekretär kamen überein, daß offizielle
Kontakte auf allen Ebenen weiter ausgebaut und intensiviert werden sollten, mit dem Ziel der Herbeiführung
praktischer und konkreter Ergebnisse
in allen Bereichen des amerikanischsowjetischen Verhältnisses.

10 -

�Generalsekrtär
Gorbatschow
erneuerte die von ihm bereits beim
Genfer
Gipfeltreffen
an
Präsident
Reagan
ausgesprochene
Einladung
zu
einem Besuch der Sowjetunion.
Der
Präsident nahm dankend an.
Der Besuch wird in der ersten Hälfte dos
Jahres 1988 stattfinden.

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

16. Dezember 1987

44

REAGAN:

"FORTSCHRITTE" BEI GESPRXCHEN ÜBER START-VERTRAG ERZIELT

Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des Gipfeltreffens -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Erklärung vor der Abreise von Generalsekretär Gorbatschow aus Washington am 10. Dezember 1987 erklärt, das mit der Sowjetunion unterzeichnete INF-Abkommen "sollte als ein Anfang betrachtet werden, nicht als Ende". "Auf dem Weg zum Abschluß eines Vertrages über strategische Waffen (START) sind einige Fortschritte erzielt worden. "
Bei derselben Gelegenheit erklärte Gorbatschow:
"Heute sind die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten dem gemeinsamen Ziel verstärkter internationaler Sicherheit nähergekommen.
Aber dieses Ziel muß noch erreicht werden.
Es bleibt noch viel zu tun."
Die Ansprachen Reagans und Gorbatschows haben folgenden Wortlaut:
Präsident
Reagan:
Herr
Generalsekretär.
Die letzten Tage waren
in der Tat ereignisreich für uns beide wie auch für unsere Landsleute,
die dem Verlauf unserer Gespräche gefolgt sind.
Ich freue mich nach Erledigung unserer Tagesordnung berichten zu können, daß dieser Gipfel ein
klarer Erfolg gewesen ist. Wie der
Stern auf der Spitze des Weihnachtsbaums der Nation, dessen Licht seit
dem Abend Ihrer Ankunft, Herr Generalsekretär, leuchtet, so hat dieser
Gipfel den Horizont mit Hoffnung für
alle Menschen guten Willens erhellt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Es ist nun, da wir auseinandergehen,
die Aufgabe beider Seiten, sicherzustellen, daß der Glanz nicht verblaßt
und wir unsere Verpflichtungen weiterhin erfüllen, wenn wir die nächsten Schritte zur Verbesserung der
Beziehungen zwischen unseren Ländern
und Völkern einleiten.
Ich bin überzeugt, daß sowohl der
Generalsekretär wie auch ich selbst
auf unsere Treffen mit dem Gefühl zurückblicken können, etwas erreicht zu
haben. Wir haben bewiesen, daß Gegner selbst angesichts grundsätzlicher

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Telex: 8-85432

�philosophischer
Unterschiede
offen
und
respektvoll
miteinander
reden
und, wenn sie ausdauernd genug sind,
Bereiche
der
Gemeinsamkeit
finden
können.
Wir haben die gewichtigen
Unterschiede, die zwischen uns stehen, nicht außer acht gelassen; viele
davon bleiben selbstverständlich weiterhin bestehen.
Einer meiner Vorgänger,
Präsident
Franklin
Roosevelt, hat einmal gesagt: "Geschichte kann nicht durch Wunschdenken umgeschrieben werden."
in diesem Geist
waren unsere Gespräche freimütig und
dazu
angetan,
einen
gedankenvolle
Meinungsaustausch über die entscheidenden uns bedrängenden Fragen zwischen unseren Regierungen zu eröffnen.
Unsere Gespräche über das Themas
Menschenrechte
haben
unterstrichen,
welchen Stellenwert wir in den westlichen Demokratien der Wahrung der
Grundfreiheiten beimessen.
Ich bin
befriedigt darüber, daß wir bei diesem Gipfel diesen Bereich tiefempfundener Bedeutung diskutiert und die
Fortführung des Dialogs über die Menschenrechte auf höchster Regierungsebene sichergestellt haben.
Unsere Diskussion der regionalen
Konflikte war nicht minder aufrichtig.
Diese Konflikte fordern immer
noch einen hohen Zoll an Menschenleben und bilden eine schwere Belastung
der Ost-West-Beziehungen.
Der Generalsekretär und ich nahmen dabei verschiedene Standpunkte ein - und zwar
unverblümt -, und allein aus diesem
Grund waren unsere Gespräche in diesem
Bereich
nützlich.
überdies
stimmten wir darin überein, daß es
notwendig ist, wahre politische Lösungen für diese Konflikte anzustreben. Bis jetzt können wir uns jedoch
nicht mit dem Erreichten zufrieden
geben. Wir müssen nun bei der Suche
nach politischen Lösungen vorwärtsdrängen, mit denen die Sache des

Friedens und der Freiheit für die unter diesen Kriegen leidenden Menschen
gefördert wird. Die Tür ist geöffnet
worden, und sie wird für ernsthafte
Gespräche über die Beendigung dieser
regionalen Konflikte offenbleiben.
Was
offene
Türen
angeht,
so
stimmten Herr Gorbatschow und ich darin überein, daß freiere und umfangreichere persönliche Begegnungen sowie der Abbau künstlicher Schranken
zwischen den Völkern der Sowjetunion
und
der
Vereinigten
Staaten
wünschenswert sind.
Wie ich in meiner
Begrüßungsansprache sagte, sollte die
Tatsache, daß zwischen unseren beiden
Regierungen Meinungsverschiedenheiten
bestehen, unsere Völker nicht davon
abhalten, Freunde zu sein.
Natürlich war die größte Errungenschaft dieses dreitägigen Treffens
die Unterzeichnung eines Vertrags zur
Beseitigung
einer
ganzen
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer Atomwaffen.
Ein anderer meiner Vorgänger, ein Präsident, den ich seit meiner Jugend bewundere, nämlich Calvin
Coolidge, hat einmal gesagt:
"Geschichte wird nur durch Taten gemacht." Nun, es bedurfte enormer Anstrengungen und fast übermenschlicher
Ausdauer
seitens
der
Unterhändler
beider Parteien, aber das Endprodukt
ist ein Vertrag, der wirklich Geschichte machen wird.
Er liegt im
Interesse unserer beiden Völker, aber
ich kann nicht umhin, zu glauben, daß
die Menschheit insgesamt der große
Gewinner ist. Endlich haben wir damit begonnen, diese tödlichen Waffen
wirklich zu beseitigen, statt lediglich ihr Anwachsen zu begrenzen.
So stolz wir auf den INF-Vertrag
auch sind, sollte er als ein Anfang
betrachtet werden, nicht als Ende.
Weitere Reduzierungen von Waffen sind
jetzt möglich.
Ich freue mich, daß

�auf dem Weg zum Abschluß eines Vertrages über die Reduzierung strategischer Waffen
in den vergangenen
drei Tagen einige Fortschritte erzielt wurden.
Einzelne Abkommen werden für sich
genommen nicht zu dauerhaftem Fortschritt führen.
Wir benötigen ein
realistisches Verständnis unserer gegenseitigen Absichten und Ziele, ein
Verfahren für die Behandlung von Meinungsverschiedenheiten in praktischer
und aufrichtiger Art und Weise, und
es erfordert Geduld, Kreativität und
Ausdauer, um das zu erreichen, wofür
wir uns auf den Weg gemacht haben.
Als ein Ergebnis dieses Gipfels wurde
der Rahmen für den Aufbau einer solchen Beziehung gestärkt.
Ich bin fest entschlossen, von
diesem Rahmen Gebrauch zu machen.
Mein Ziel - das meiner Meinung nach
auch das Ihre ist - liegt in einer
konstruktiveren
Beziehung
zwischen
unseren Regierungen - und zwar eher
in langfristigen denn in vorübergehenden
Verbesserungen.
Gemeinsam
können wir eine Zukunft für unsere
Völker schaffen, die von mehr Sicherheit und Wohlstand, und eine Welt,
die von mehr Frieden gekennzeichnet
ist. Wir sind uns beide der schwierigen Herausforderungen und der besonderen
Verantwortung
bewußt, die
diese Aufgabe mit sich bringt.
Während des Zweiten Weltkriegs,
als so viele junge Russen an der
Front
dienten, wurde
das
Gedicht
"Warte auf mich" zu einem Gebet auf
den Lippen der russischen Familien,
die den Tag herbeisehnten, an dem die
Familie glücklich wiedervereint wäre.
Die Sache des Friedens und der Freiheit in der Welt ist noch immer offen, Herr Generalsekretär.
Sie war
lange genug offen.

Herr Generalsekretär Gorbatschow,
Frau Gorbatschow.
Es war gut, daß
Sie nach Amerika gekommen sind.
Es
war eine Freude für meine Gattin und
für mich, Sie hier empfangen zu dürfen.
Ihr Besuch war von kurzer Dauer, aber ich hoffe doch, daß Sie ein
besseres Verständnis des Geistes und
Wesens der Vereinigten Staaten mit
nach Hause nehmen und wenn sie nach
Moskau zurückkehren, wäre ich Ihnen
dankbar, wenn Sie dem sowjetischen
Volk
die
besten
Wünsche
für
ein
friedliches
und erfolreiches
neues
Jahr
von unserem Volk
übermitteln
würden.
Vielen Dank und gute Reise.

Generalsekretär
Gorbatschow:
Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Mrs. Reagan, meine Damen und Herren,
in diesen letzten Stunden vor
unserer Abreise stellen wir mit Zufriedenheit fest, daß der Besuch in
Washington, insgesamt gesehen, unsere
Hoffnungen erfüllt hat.
Hinter uns
liegen drei Tage intensiver Arbeit,
nüchterner und offener Diskussionen
über die herausragenden Probleme der
sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
sowie über die bedeutenden Aspekte
der
gegenwärtigen
internationalen
Lage.
Es
ist
viel
erreicht
worden.
Insbesondere möchte ich nochmals den
Schritt hervorheben, der in der Geschichte des Nuklearzeitalters seinesgleichen sucht:
Die Unterzeichnung des Vertrags, in dessen Rahmen
die beiden militärisch und strategisch größten Mächte die Verantwortung zur tatsächlichen Zerstörung eines Teils ihrer Nuklearawaffen übernommen haben. Wir hoffen, auf diese
Weise den Prozeß der nuklearen Abrüstung in Gang zu setzen.

- 3 -

�In unseren Gesprächen mit Präsident Ronald Reagan haben wir bei den
Kernfragen
dieses
Prozesses
Fortschritte erzielt, indem wir uns auf
substantielle Reduzierungen bei den
strategischen Offensivwaffen der Welt
geeinigt haben, obwohl noch ein gutes
Stück Arbeit vor uns liegt. Wir hatten einen
fruchtbaren Gedankenaustausch, der zu einer Klärung der jeweiligen Position im Hinblick auf regionale Konflikte, Verbesserung unserer bilateralen Kontakte und Menschenrechte beigetragen hat.
in einigen dieser Bereiche werden wir aller Voraussicht nach schon bald definitive Lösungen ausarbeiten können,
die sowohl unseren Vorstellungen als
auch denen •'er anderen Länder gerecht
werden.
Ein nützliches Ergebnis der
Washingtoner Gespräche war, daß es
uns gelungen ist, eine Art Tagesordnung für gemeinsame zukünftige Bemühungen zu formulieren.
Dadurch wird
der Dialog zwischen unseren beiden
Ländern auf eine Grundlage gestellt,
die besser einzuschätzen und zweifellos konstruktiv ist.
Während dieser Besuch sich auf
meine Gespräche mit dem Präsidenten
der Vereinigten Staaten konzentrierte, möchte ich in keiner Weise die
Bedeutung der Zusammenkünfte mit Mitgliedern des Kongresses, anderen politischen Entscheidungsträgern, Persönlichkeiten
des öffentlichen Lebens, Vertretern des Geschäftslebens,
aus Wissenschaft und Kultur sowie der
Medien
schmälern.
Solche Kontakte
tragen dazu bei, zu einem besseren
und tiefergehenden Verständnis voneinander zu gelangen und sie bieten
vielfältige Möglichkeiten, die eigenen
Ansichten,
Beurteilungen
und
selbst
vorherrschende
Klischeevorstellungen zu überprüfen.
Alles dies ist von Bedeutung, sowohl in der Politik an sich als auch

in dem Prozeß, unsere Völker und Lander einander näher zu bringen. Diese
Treffen haben den Eindruck noch verstärkt, daß sich in der amerikanischen
Gesellschaft
zunehmend
der
Wunsch nach besseren sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
abzeichnet.
Mit anderen Worten, wir konnten hier
eine Bewegung
beobachten, die der
Einstellung entspricht, die im sowjetischen Volk sein langem vorherrscht.
Indem ich Abschied von Amerika
nehme, freue ich mich gleichzeitig
auf ein erneutes Wiedersehen, in der
Hoffnung, dann nicht nur die Hauptstadt zu sehen, sondern auch von
Angesicht
zu Angesicht mit diesem
außergewöhnlichen
Volk
zusammenzutreffen, um mit einfachen Amerikanern plaudern
und einen
lebhaften
Gedankenaustausch vornehmen zu können.
Meiner Überzeugung nach wird alles, was wir im Verlauf unserer Zusammenkünfte und Gespräche erreicht
haben, mit der Zeit beträchtlich zu
einer Verbesserung des Klimas in der
ganzen Welt und in Amerika beitragen,
in dem Sinne, daß es zu einer richtigeren und toleranteren Einschätzung
meines Landes - der Sowjetunion - geführt hat.
Heute sind die Sowjetunion und
die Vereinigten Staaten dem gemeinsamen Ziel verstärkter internationaler
Aber dieSicherheit nä'hergekommen.
ses Ziel muß noch erreicht werden.
Es bleibt noch viel zu tun und wir
müssen uns ohne weitere Verzögerungen
an &lt;3ie Arbeit machen.
Herr Präsident, verehrte Bürger
der Vereinigten Staaten. Wir danken
für Ihre Gastfreundschaft und wünschen allen Amerikanern Erfolg, Gesundheit und Frieden.
Ich danke Ihnen. Auf Wiedersehen.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

&amp;

16. Dezember 1987

44

ENGE KONSULTATIONEN MIT DEN EUROPÄERN OBER INF
- Rede Präsident Reagans vor dem CSIS -

WASHINGTON - (AD) - Bei den Verhandlungen, die zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über Mittelstreckenwaffen (INF) führten, haben die europäischen Außen- und Verteidigungsminister
die Anstrengungen der Vereinigten
Staaten einhellig unterstützt, einschließlich "unserer Vorlage der Null-Lösung", die letztlich akzeptiert wurde, erklärte Präsident Reagan am 14. Dezember 1987 in seiner Rede vor dem Institut für Strategische und Internationale
Studien in Washington.
"Unsere Verbündeten haben uns beigestanden, und wir
haben ihnen beigestanden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Vielen Dank. Es ist mir eine Ehre, hier vor dem Institut für Strategische
und
internationale
Studien
(CSIS) zu sprechen, und erst recht zu
diesem Zeitpunkt, im 25. Jahr seines
Bestehens.
In den vergangenen 25
Jahren hat das CSIS einen außergewöhnlichen Umfang an Intelligenz und
Scharfblick in unsere nationale Sicherheitpolitik eingebracht, der seine Wurzeln gleichermaßen
im Hochschulbereich, der Diplomatie und dem
Geschäftsleben hat. Sie haben - intellektuell und moralisch - immer die
höchsten Ansprüche gestellt. sie ha-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ben immer das Prinzip der Überparteilichkeit
hervorgehoben
und betont,
daß sich jede erfolgreiche Außenpolitik nicht auf einen Konsens der Republikaner oder Demokraten, sondern auf
einen Konsens aller Amerikaner stützen muß.
Daß ich heute hierher gekommen
bin, um mit Ihnen, den Fachleuten auf
diesem Gebiet, über Rüstungsreduzierungen zu sprechen - würde es Sie
überraschen, zu erfahren, daß es mich
an eine Anekdote erinnert?
Die Geschichte handelt von einem Mann, der

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Telex: 8-85432

�nach seinem Tod zum Himmelstor kommt,
wo Petrus ihn willkommen heißt und zu
ihm sagt: "Sie sind der jüngste Neuzugang von der Erde. Die Leute, die
schon einige zeit hier sind, möchte
gern hören, was dort unten passiert.
Können Sie dazu etwas erzählen?"
"Vielleicht", antwortete der Mann.
"Ich bin der einzige überlebende des
Hochwassers von johnstown. in dieser
Eigenschaft bin ich herumgereist und
habe bei vielen Gelegenheiten im ganzen Land Reden gehalten, in denen ich
die Schrecken und den Umfang der Katastrophe
beschrieben
habe.
Vielleicht würde sie das interessieren".
"Ich glaube schon", antwortete Petrus.
So erhielt er sein Publikum und
Petrus erklärte, ohne etwas über das
Thema zu sagen, es würden interessante Geschehnisse auf der Erde beschrieben, stellte ihn dann vor, und
als er zum Rednerpult ging, trat
Petrus zurück
und sagte:
"Dieser
Mann mit dem Bart in der zweiten Reihe außen heißt - Noah".
Aber es versteht sich von selbst,
daß unsere Nation bei jedem von Ihnen
eine große Dankesschuld
abzutragen
hat. Und ich würde gern einige Worte
des Dankes an jemanden richten, der
während seiner Amtszeit als Ihr Präsident dieser Institution und dieser
Nation unermüdlich gedient hat: Joe
Jordan, würden Sie sich bitte erheben?
Und auch an ein weiteres Mitglied, eines, dem wir als dem Gründer
dieser
Institution
unseren
Dank
schulden und dem wir bei seinen Vorbereitungen für seine Tätigkeit als
Ihr zukünftiger Präsident alles Gute
wünschen. Der frühere NATO-Botschafter und mein ehemaliger Sonderberater, David Abshire, soll sich bitte
erheben. Und ich freue mich auch, im
Publikum meinen ehemaligen Nationalen
Sicherheitsberater, Bud McFarlane, zu

erblicken.
Gerade habe ich von der Notwendigkeit
gesprochen, unsere
Politik
auf einen amerikanischen Konsens zu
stützen, weder auf eine einseitige
noch auf eine parteiliche Übereinkunft über die Ziele unserer Nation
in der Welt, sondern auf einen Konsens, der wahrhaft in dem Willen und
den Werten des amerikanischen Volkes
selbst verwurzelt ist. Bestimmte Aspekte dieses Konsens wurden uns von
unseren Gründervätern übergeben - vor
allem unsere Liebe zum Frieden und
unsere enge Bindung an die Freiheit,
Freiheit nicht nur für uns allein,
sondern, um mit Lincoln zu sprechen:
"Auch die Hoffnung, daß eine Zeit
kommen wird, in der die Bürde von den
Schultern
aller
Menschen
genommen
wird".
Was jedoch den Konsens über einen
besonderen politischen Weg betrifft,
mit dem diese amerikanischen Werte in
die Tat umgesetzt werden - diesen politischen Konsens müssen wir mit jeder wichtigen Entwicklung in unserer
Außenpolitik
selbst
hervorbringen.
Deshalb bin ich heute hierher gekommen.
Der von mir und Generalsekretär
Gorbatschow vergangene Woche unterzeichnete Vertrag bedeutet, wie Sie
wissen, eine historische Errungenschaft und einen wichtigen Schritt
hin zu einer sichereren Welt.
Aber
es besteht die Hoffnung auf noch
größere Fortschritte, die unsere Sicherheit stärken und die Ost-West-Beziehungen auf eine solidere Grundlage
stellen können. Und ich möchte Ihnen
dazu einige meiner Gedanken mitteilen.
Zunächst einmal zum historischen
INF-Vertrag selbst. Jeder von Ihnen
kennt natürlich den Hintergrund, wie
er sich im vergangenen Jahrzehnt ent-

�wickelt hat.
Aber erlauben Sie mir
dazu einige Ausführungen, da es wichtige punkte hervorzuheben gilt.
Im Jahr 1977 haben die Sowjets
erstmalig
ihre
SS-20
stationiert.
Dabei handelte es sich nicht um eine
weitere
taktische
Waffe
kürzerer
Reichweite, ähnlich denen, die sich
bereits in den Waffenarsenalen befanden und die zum beschränkten Gebrauch
auf dem Gefechtsfeld bestimmt waren.
Dabei handelte es sich auch nicht um
eine
weitere
Interkontinentalwaffe
längerer Reichweite wie die bereits
im Besitz der Vereinigten staten und
der
Sowjetunion
befindlichen.
Die
SS-20 war eine neue bedrohliche nukleare Mittelstreckenrakete
und in
der Lage, Ziele in Asien und überall
in Westeuropa zu treffen - Minuten
nach dem Start. Sie ist fähiger und
ausgereifter als ihre Vorgänger.
Die NATO hat auf dem Gebiet keine
vergleichbare Waffe als Gegengewicht
zu dieser neuen Bedrohung.
Trotzdem
haben die Sowjets diese neuen Waffen
kontinuierlich stationiert. Bis 1979
hatten sie etwa 130 INF-Raketen mit
etwa 390 Gefechtsköpfen disloziert,
im Jahr 1982 waren es bereits 300 Raketen mit mehr als 900 Gefechtsköpfen. Für unsere Freunde und Verbündeten in Europa und Asien stellten
diese Raketen eine massive und völlig
neue Dimension der Bedrohung dar
und damit komme ich zu meinem ersten
Punkt.
Mit
dem
von
mir
und
Herrn
Gorbatschow unterzeichneten INF-Vertrag wird nicht beabsichtigt, oberflächliche Verschiebungen in den Arsenalen der Supermächte vorzunehmen,
im Sinne von Zügen auf einem Schachbrett. All das jüngst vernommene Gerede über Zahlen, zahlen und nochmals
Zahlen könnte viele zu dieser Annahme
veranlaßt haben. Dennoch sollten wir

uns vor Augen führen, daß der Vertrag
etwas wirklich Greifbares hervorbringen will:
nicht die Neuordnung von
Zahlen, sondern die Abschaffung einer
ernsthaften Gefahr für unsere NATOVerbündeten und unsere eigenen Truppen in Europa sowie auch für unsere
Freunde und Verbündeten in Asien.
Wir erinnern uns alle daran, daß
es Bundeskanzler Helmut Schmidt war,
der in der NATO eine Führungsrolle
übernahm, als es darum ging, dieser
neuen Bedrohung zu begegnen. Bei einer Zusammenkunft im Jahr 1979 verabschiedete die NATO ihren berühmt gewordenen Doppelbeschluß.
Der erste
Schritt: die Stationierung einer begrenzten Anzahl unserer eigenen INFRaketen.
Der zweite Schritt:
die
Nutzung der mit den NATO-eigenen Stationierungen
demonstrierten
Einheit
und Stärke, um die Sowjets wieder an
den Verhandlungstisch zurückzubringen.
Das ziel dieser Entscheidung der
NATO war niemals die ständige Stationierung amerikanischer INF-Raketen.
Die amerikanischen Stationierungen wurden immer als Mittel zum Zweck
betrachtet. Der zur Zeit des Doppelbeschlusses von 1979 amtierende französische Präsident Giscard d'Estaing
schrieb kürzlich, "die Stationierung
war eine taktische Übung mit dem bevorzugten ziel, die Sowjets zur Abschaffung ihrer SS-20 zu zwingen".
Zweifellos beabsichtigten die Sowjets, die Entschlossenheit der NATO
auf eine Probe zu stellen.
Und natürlich mußte die Stationierung unserer Pershing II und landgestützten
Marschflugkörper unter scharfem Protest und sogar Massendemonstrationen
erfolgen.
Ich erinnere mich an meine Rede
in Bonn im Jahr 1982. Tausende von

- 3 -

�Demonstranten
marschierten
singend
über einen Fluß.
Und ich mußte unwillkürlich denken: Was für eine Ironie. Genau für die Sicherung des von
ihnen gewünschten Friedens hat sich
die NATO zur Stationierung der Raketen entschlossen, gegen die sie jetzt
protestieren, und eben diese von ihnen bekämpften Raketen helfen dabei,
ihre Freiheit zum Protest zu sichern.
Dennoch stand die NATO fest zusammen. Es wurde mit der Stationierung unserer Raketen begonnen.
Und
als wir Stärke zeigten und als klar
wurde, daß wir nicht einzuschüchtern
waren - erst danach nahmen die Sowjets ernsthafte Verhandlungen auf.
Der INF-Vertrag stellt den Höhepunkt
- den historischen Höhepunkt - dieses
langen und mühseligen Prozesses dar.
Einen
ersten
und
wichtigen
Schritt zum Aufbau eines dauerhafteren Friedens. zwei abschließende Bemerkungen über den Prozeß selbst.
Erstens ergibt sich aus dem, was
ich gerade beschrieben habe (...) daß
dies nicht allein eine Anstrengung
der Amerikaner, sondern ganz eindeutig eine Anstrengung des Westens war.
Von Anbeginn hatte die NATO erklärt,
daß wir bereit sein sollten, die Stationierungen der NATO auszusetzen, zu
verändern oder rückgängig zu machen,
wenn die Sowjets die Bedrohung durch
ihre SS-20 abschaffen würden.
Bei
allen Außenministertreffen der NATO
seit 1980 haben europäische Außenund
Verteidigungsminister
die
Anstrengungen der Vereinigten Staaten
zum Abschluß eines Vertrages einhellig unterstützt, einschließlich unserer Vorlage der Null-Lösung. Und bei
einer Reihe von Punkten in diesem
Prozeß haben unsere Verbündeten um
Veränderung oder Neugestaltung unserer Position bei den Verhandlungen
gebeten.
Unsere Verbündeten
haben
uns beigestanden, und wir haben ihnen

beigestanden.
Zweitens wird der Vertrag der
NATO eine wirksame nukleare Abschrekkung belassen, wie dies bereits vor
der ersten Stationierung sowjetischer
SS-20 im Jahr 1977 der Fall war. In
ihrem Abschlußkommunique des Treffens
vom vergangenen Monat haben die NATOVerteidigungsminister - eben die mit
der Absicherung der Sicherheit der
Verbündeten betrauten Regierungsvertreter - erklärt, der Vertrag "ist
durch die im Verlauf der letzten Jahre demonstrierte Entschlossenheit und
Solidarität der verbündeten Regierungen ermöglicht worden. Wir sind zuversichtlich, daß der INF-Vertrag in
naher Zukunft unterzeichnet und ratifiziert werden wird".
Und Premierministerin Thatcher nannte den Vertrag - und ich zitiere hier ihre unnachahmlichen Worte - "ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, ein zusätzliches Zeiches guten Willens und eine
schöne Art und Weise, das Jahr zu beenden". Angesichts der Tatsache, daß
mit dem Vertrag Ziele der NATO erreicht werden und daß er die einhellige Unterstützung unserer NATO-Verbündeten hat, aber, was noch wichtiger ist, angesichts unserer Pflicht
zur Erlangung eines sichereren Friedens durch unsere Arbeit zur Verbreitung der Freiheit, müssen wir am Ende
diesen Vertrag als Errungenschaft von
historischer
Bedeutung
würdigen.
Niemand hat vor dieser ersten Stationierung gedacht, die NATO sei "entnuklearisiert" worden.
Niemand hat
geglaubt, daß die Vereinigten Staaten
und Westeuropa auf irgendeine Art und
Weise voneinander abgekoppelt worden
seien. Ebensowenig können diese Vorwürfe gegen den Vertrag vorgebracht
werden.
Ich weiß, daß manche in Europa
und in den Vereinigten Staaten
vielleicht sogar einige der hier An-

- 4 _

�wesenden - diesen Vertrag skeptisch
betrachten. ich begrüße die Anhörungen zu seiner Ratifizierung im Senat
als ein Forum, in dem jedes mit dem
Vertrag
verbundene
Anliegen untersucht werden kann. Ich bin überzeugt
davon, daß die Anhörungen durch ihren
Verlauf
selbst Besorgnis
ausräumen
und zum erforderlichen Konsens beitragen werden. Erlauben Sie mir, Ihnen in der Zwischenzeit einige Beobachtungen darzulegen, die meiner Ansicht nach einen wichtigen Teil dieses Dialogs ausmachen sollten.
Innerhalb von drei Jahren werden
wir gemeinsam mit den Sowjets all unsere
INF-Raketen
vollständig
verschrotten.
Dabei werden die Sowjets
etwa viermal soviele stationierte Gefechtsköpfe vernichten wie die Vereinigten Staaten. Die Sowjets werden
nicht nur ihre SS-20 und SS-4 abbauen, sondern ebenfalls ihre ballistischen Kurzstreckenraketen der Typen
SS-12 und SS-23. Diese Kurzstreckenraketen
können mit chemischen und
konventionellen
Gefechtsköpfen
bestückt und gegen militärische Ziele
innerhalb der NATO eingesetzt werden
- besonders gegen solche Häfen, Depots und Landebahnen, die für den
Nachschubplan der NATO wichtig sind.
Damit wird es in drei Jahren keine
amerikanischen oder sowjetischen INFRaketen in Europa, in Asien und auf
der ganzen Welt mehr geben. Eine gesamte Kategorie nuklearer Waffen wird
abgeschafft sein.
Das System der Verifizierung wird
das strengste in der Geschichte der
RüstungskontrollVerhandlungen
sein
und weitreichende Auswirkungen haben.
Zum ersten Mal werden die Sowjets
Vor-Ort-lnspektionen
zulassen, einschließlich
kurzfristig
anberaumter
Inspektionen. Wir werden die Fähigkeit erlangen, auf Verdacht hin sofort zu Ihnen zu gehen. Und sie kön- 5

nen bei uns dasselbe tun.
Das
ein bemerkenswerter Durchbruch.

ist

Was wir hier vor uns sehen, ist
ein neuer Ansatz in den Ost-West-Beziehungen - ein wirkungsvoller, verifizierbarer Vertrag, der nicht nur zu
einer Rüstungskontrolle führt, sondern zu den ersten Reduzierungen von
Nuklearwaffen
in
der
Geschichte.
Bundeskanzler Kohl hat den INF-Vertrag - und ich zitiere hier seine
Worte "einen großen Erfolg für das
Atlantische Bündnis" genannt.
Wir sollten jedoch gemeinsam über
den Vertrag hinausschauen um unsere
Strategie für die Zukunft zu betrachten.
Es ist
jedoch zunächst
einmal
klar, daß es unerläßlich ist, die
Stärke des Bündnisses zu erhalten.
Lassen Sie mich Ihnen von unserer
Seite versichern, daß unsere amerikanischen Soldaten in Westeuropa stationiert
bleiben
werden.
Und
ich
frage
mich,
welche
überzeugendere
Form
einer
"Ankopplung"
es
geben
könnte als diese Hunderttausende von
Amerikanern und ihre Familien, die
unter unseren europäischen Verbündeten leben und arbeiten?
Lassen wir weiterhin keinen Zweifel darüber aufkommen, daß unser Engagement für die NATO-Strategie der
flexiblen
Reaktion
fest
bestehen
bleiben und sicherstellen wird, daß
eine Aggression auf keinem Niveau erfolgreich sein kann. wir werden insbesondere in der Luft und zur See eine moderne nukleare Abschreckung aufrechterhalten.
Unser Engagement für
die ständige Bereitschaft der NATO,
wenn dies notwendig wird, auf jedwede
Form der Aggression zu reagieren,
bleibt ebenfalls bestehen.
Wie Sie wissen, tun wir, was wir

�können, um die nukleare Bedrohung zu
verringern.
Darüber
hinaus dränge
ich auf einen wirksam verifizierbaren
START-Vertrag, mit dem amerikanische
und sowjetische strategische Waffen
um 50 Prozent abgebaut werden.
und
während
des gerade
abgeschlossenen
Gipfels wurden in diesem Bereich weitere Fortschritte erzielt.

diesem Jahr in West Point erklärt habe, schien die NATO in den vergangenen 40 Jahren ein Bündnis zwischen
einzelnen
Partnern
und einem viel
stärkeren Partner zu sein. Die NATO
muß jedoch zunehmend ein Bündnis zwischen Gleichgestellten werden, vielmehr noch ein Bündnis zwischen zwni
Kontinenten.

Als
weiteren
wesentlichen
Bestandteil unserer Strategie für eine
sichere Zukunft werden wir unser SDIProgramm
weiter
vorantreiben.
Wie
ich vergangenen Donnerstag (10. Dezember) in meiner Rede an die Nation
erklärt habe, werden wir eine strategische
Verteidigung
stationieren,
wenn diese zur Stationierung bereit
ist.

Mit den Worten eines Mitglieds
unseres Kuratoriums, Henry, Kissinger,
müssen die Vereinigten Staaten - und
ich zitiere hier - "im Verteidigungsbereich
eine europäische
Id^nti t.xt'.
begrüßen, die letztlich dte Kooperation im Atlantischen Bündnis beflügeln wird.

Das ist die amerikanische Position. Im Hinblick auf unsere Verbündeten haben wir in den vergangenen
Jahren zunehmend die Bereitschaft erlebt, innerhalb des weiter gesteckten
Rahmens des Bündnisses für Westeuropa
eine größere, enger koordinierte Rolle anzustreben.
Wir haben zum Beispiel die Veröffentlichung einer Erklärung
der Westeuropäischen
Union
zur europäischen Sicherheit erlebt,
eine französisch-deutsche Zusammenarbeit
im
Verteidigungsbereich
und
Schritte Großbritanniens und Frankreichs zur Modernisierung ihrer unabhängigen nuklearen Abschreckung.
All dies begrüßen wir. Ich. möchte gerade darauf hinweisen, daß es
die Sowjets von 1981 bis zum Beginn
des Jahres 1986 für einen, jeden INFVertrag zur Bedingung gemacht haben,,
daß französische und britische Nuklearstreitkräfte
einbezogen
werden.
Wir haben uns dieser Forderung vehement und erfolgreich widersetzt. Wir
haben erklärt, unter keinen Umständen
für unsere Verbündeten verhandeln zu
können.
Wie ich bereits früher in

In diesem Sinne werden wir und
unsere Verbündeten bald Verhandlungen
mit dem Osten über eine Behebung des
Ungleichgewichts bei den konventionellen Streitkräften in Europa aufnehmen, während wir natürlich alle
notwendigen Schritte unternehmen, um
unsere
eigenen
konventionellen
Streitkräfte
zu stärken.
Und wir
messen der Beseitigung des gegenwärtig' zugunsten der Sowjets bestehenden
Ungleichgewichts bei den chemischen
Waffen, eine gleichermaßen hohe Priorität bei, sowohl bei den Verhandlungen als auch im Hinblick auf die Modernisierung unserer eigenen Streitkräfte, und wir handeln hier in dem
Verständnis, daß dieses Ungleichgewicht vor weiteren Reduzierungen bei
den nuklearen Streitkräften der NATO
behandelt werden muß.
Obwohl ich heute fast ausnahmslos
über Rüstungskontrolle gesprochen habe, möchte ich betonen, daß unser
Verhältnis mit den Sowjets viel mehr
umfaßt. Rüstungskontrolle stellt nur
einen Punkt auf der in vier Teile gegliederten Tagesordnung dar, der wir
uns in Genf, Reykjavik und Washington
gewidmet haben und auf der wir auch

- 6 -

�in Moskau bestehen werden. Die anderen drei Punkte lauten: echte Kooperation in bilateralen Angelegenheiten, solide und dauerhafte Verbesserungen bei den Menschenrechten, und,
was regionale Konflikte angeht, eine
Beendigung
weltweiter
sowjetischer
Anstrengungen,
gewaltsam
totalitäre
Regime zu errichten.
Einheit,
Stärke,
Beharrlichkeit
und Einmütigkeit - dies sind die Lektionen der INF-Verhandlungen, und sie
müssen die Grundlage bilden, auf der
wir und unsere Verbündeten neue Verhandlungen aufnehmen.
Dennoch sollten wir zur gleichen
Zeit, in der wir auf Offenheit und
Realismus bestehen - darauf, wenn Sie
so wollen, daß wir mit den Füßen fest
auf dem Boden bleiben - keine Angst
davor haben, zu träumen und unsere
Herzen beflügeln zu lassen.
"Verspottet
nicht
unsere
Träumer",
schreibt Heinrich Heine, "Ihre Worte
sähen die Freiheit".
Wer hätte in
der schwierigen Zeit der späten siebziger und frühen achtziger Jahre - in
der Zeit der Demonstrationen für einen Atomwaffenstopp hier und Massendemonstrationen in Europa - gedacht,
daß
ein
Vertrag,
wie
ihn
Herr
Gorbatschow und ich vergangene Woche
unterzeichnet haben, jemals erzielt
würde.
Wir
wollen dennoch
realistisch
sein, aber auch große Träume träumen.
Und wir wollen uns daran erinnern,
daß vielleicht das wichtigste Anliegen für die Rolle unserer Nation auf
der Welt dieses ist: als Amerikaner
ist es unsere Pflicht, den Frieden zu
sichern und gleichzeitig unermüdlich
für die Freiheit zu arbeiten.
Vielen Dank.

Gott schütze Sie.

* * * * * *
- 7 -

�AMERIKA DIENST
\ o N

Dokumentation

4

16. Dezember 1987

44

AMERIKANER UND SOWJETS VEREINBAREN GEMEINSAMES VERIFIZIERUNGSEXPERIMENT
- Gemeinsame Erklärung der Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz und sein sowjetischer Kollege
Schewardnadse veröffentlichten am 9. Dezember 1987 eine gemeinsame Erklärung,
derzufolge die beiden Supermächte ein gemeinsames Experiment zur Verifizierung
von Atomtests durchführen werden. Dieses Experiment soll der Verbesserung der
Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag von 1974 und den Vertrag über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von 1976 dienen.
Die Erklärung der Außenminister hat folgenden Wortlaut:

Im Einklang mit der am 17. September 1987 in Washington verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zu den
Problemen in Zusammenhang mit Atomtests sind die Vereinigten Staaten
und die UdSSR damit befaßt, ein gemeinsames Verifizierungsexperiment zu
entwerfen. Dieses Experiment soll so
bald wie möglich auf dem Versuchsgelände des jeweiligen Vertragspartners
(in Semipalatinsk bzw. in Nevada) zum
Zweck der Ausarbeitung verbesserter
Verifizierungsmaßnahmen
für
den
Schwellenvertrag
von 1974 und den
Vertrag
über
Atomexplosionen
zu

United States Information Service
Embassy of the United States of America

friedlichen Zwecken von 1976 durchgeführt werden.
Diese Verifizierungsmaßnahmen werden in angemessenem Ausmaß
für
zukünftige
Vereinbarungen
über die Begrenzung von Atomtests Anwendung finden, die in der Folgezeit
erzielt werden könnten.
Für
das
gemeinsame
Verifizierungsexperiment wird jede Seite der
anderen die Gelegenheit bieten, die
Sprengkraft von einer oder zwei Explosionen auf dem Versuchsgelände jeder Seite zu messen. Die Sprengkraft
soll nicht unter 100 Kilotonnen und

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nahe bei 150 Kilotonnen liegen.
Zum Zweck des gemeinsamen Verifizierungsexperiments wird jede Seite auf der Grundlage strikter Gegenseitigkeit - die Gelegenheit haben, die
Sprengkraft der Explosionen zu Verifizierungszwecken zu messen, und zwar
unter
Anwendung
folgender
Mittel:
teleseismischer Methoden sowie, auf
dem Versuchsgelände des Partners, hydrodynamischer Methoden zur Messung
der Sprengkraft durch einen stationären Satelliten.
Zur Bestimmung der
Sprengkraftnorm sieht das Experiment
die Messung der Sprengkraft auf hydrodynamischem Wege im Sprengschacht
vor.
Das gemeinsame Verifizierungsexperiment ist nicht dazu ausgelegt,
statistisch relevante Ergebnisse zu
liefern. Vielmehr wird es so durchgeführt werden, daß alle anderen von
beiden Seiten ausgesprochenen Bedenken im Hinblick auf die Methoden behandelt werden, die von der jeweils
anderen Seite zur Verifizierung des
Schwellenvertrags von 1974 und des
Vertrags
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen Zwecken von 1976 vorgeschlagen wurden. Beide Seiten haben
außerdem vereinbart, daß das Experiment ausreichende Informationen ergeben wird, um diese Bedenken zu zerstreuen, indem ein Beispiel für die
Wirksamkeit der in dem gemeinsamen
Ver ifizierungsexperiment
angewandten
Verifizierungsmethoden geliefert sowie ihre Durchführbarkeit und Unaufdringlichkeit
veranschaulicht
wird.
Das Experiment wird somit die Grundlage für die Vereinbarung solcher Verifizierungsmaßnahmen
liefern,
die
von jeder Seite zur Verifizierung der
Einhaltung der Bestimmungen der Verträge von 1974 und 1976 angewandt
werden könnten.
Es wurde Einverständnis darüber erzielt, daß in Zukunft
jede
Seite
berechtigt
sein
- 2

wird, jede einzelne oder alle dieser
vereinbarten
Verifizierungsmaßnahmen
anzuwenden.
Um eine Vereinbarung über besondere technische und organisatorische
Parameter des gemeinsamen Verifizierungsexperiments zu entwickeln und zu
erlangen, sind beide Seiten übereingekommen, Ad-hoc-Arbeitsgruppen
für
ihre Verhandlungen zu bilden.
Um sich
auf
die
Planung
und
Durchführung des gemeinsamen Verifizierungsexperiments
vorbereiten
zu
können, haben beide Seiten verabredet, Delegationen auszutauschen, die
das Testgelände der jeweils anderen
Seite besuchen. Diese Besuche, - in
der UdSSR auf dem Versuchsgelände von
Semipalatinsk und in den Vereinigten
Staaten auf dem Versuchsgelände von
Nevada, werden im Januar 1988 als
Vorbereitung auf die nächste Genfer
Verhandlungsrunde stattfinden.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,DN &amp;

16. Dezember 1987

44

DER INF-VERTRAG
Ein kurzer Abriß des US-Amts für Rüstungskontrolle -

- (AD) - (Die folgende Übersicht wurde am 8. Dezember 1987, dem Tag der
Unterzeichnung des Vertrags zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und
der Sowjetunion über die Beseitigung der Mittelstreckenraketen kürzerer und
längerer Reichweite durch Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow,
vom US-Amt für Rüstungskontrolle (ACDA) veröffentlicht.)

Der INF-Vertrag verpflichtet die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zur Beseitigung aller landgestützten
ballistischen
Systeme und
Marschflugkörper mit Reichweiten zwischen 500 und 5 500 Kilometern und
gibt beiden Seiten das Recht, Verifizierungsmaßnahmen
durchzuführen, um
die Einhaltung des Vertrages zu überwachen.
Der INF-Vertrag besteht aus vier
Hauptdokumenten, in denen die grundsätzlichen
Verpflichtungen
und die
Mittel zur Durchführung dieser Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

pflichtungen definiert werden.
Dies sind:
- Die Vertragsartikel, denen zufolge die Vereinigten Staaten und
die
UdSSR verpflichtet
werden,
innerhalb von drei Jahren alle
ihre Systeme mittlerer und kürzerer Reichweite abzuschaffen und
solche Systeme von diesem Zeitpunkt
verboten
sind.
Außerdem
sind diesen Artikeln gemäß Regelungen für die Vereinfachung einer wirksamen Verifizierung der

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Tel.: 0228-339 2035
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�Vertragseinhaltung zu akzeptieren.
- Die Regierungsvereinbarung (Memorandum of Understanding) über die
Daten, das die Daten mit Stand
vom 1. November 1987 enthält, die
vor Unterzeichnung durch die Parteien im Hinblick auf Orte, Zahlen und Charakteristika der Raketensysteme mittlerer und kürzerer
Reichweite beider Seiten ausgetauscht wurden.
- Das Inspektionsprotokoll, in dem
die Verfahren für die Durchführung der vereinbarten Inspektionen vor Ort, darunter kurzfristig
anberaumte Inspektionen und die
ständige Überwachung von Ein- und
Ausgängen, festgelegt werden.
- Das
Beseitigungsprotokoll,
das
eine
detaillierte
Beschreibung
der vertraglich geregelten Verfahren zur Vernichtung von Raketen, Abschußvorrichtungen, Unterstützungseinrichtungen,
Unterstützungsgebäuden und Unterstützungsgerät enthält.

Die grundsätzlichen Vertragsverpflichtungen
Der Vertrag sieht vor, daß die
Parteien
alle
ihre
Raketensysteme
mittlerer und kürzerer Reichweite beseitigen und verbietet den Parteien,
nach diesem Zeitpunkt solche Systeme
herzustellen.
Er gebietet zusätzlich
die Beseitigung der mit diesen Raketen in Zusammenhang stehenden Einrichtungen.
Die Mittelstreckensysteme sind in zwei Phasen innerhalb von
drei Jahren zu beseitigen; die Kurzstreckenraketen müssen innerhalb eines Zeitraums von 18 Monaten beseitigt werden.
Die im vertrag

genannten Mittel-

streckensysteme
sind
die
amerikanischen Pershing II und landgestützten Marschflugkörper (GLCM) sowie die
sowjetischen SS-20, SS-4 und SS-5.
Die im Vertrag genannten Systeme kürzerer Reichweite sind die amerikanische Pershing IA und die sowjetischen SS-12 und SS-23. Die Regierungsvereinbarung zu den Daten unterteilt diese Systeme in zwei Kategorien:
stationierte und nichtstationierte Systeme. Jede Seite hat mit
Stand vom 1. November 1987 Daten zu
Zahl, Orten und technischen Charakteristika ihrer INF-Raketensysteme geliefert.
Wenn diese Daten nach Inkrafttreten
des Vertrages auf den
neuesten Stand gebracht worden sind,
werden sie durch Inspektion verifiziert.
über die besonders aufgelisteten
zu vernichtenden amerikanischen und
sowjetischen INF-Raketensysteme hinaus definiert der Vertrag diese Kategorie von Systemen allgemeiner durch
ihre Reichweite (d. h. 500 - 5 500
Kilometer) und verpflichtet jede Seite, solche Systeme während der - unbegrenzten - Vertragsdauer weder herzustellen noch zu besitzen.
Nach Inkrafttreten des INF-Vertrags darf keine Seite Raketen mittlerer oder kürzerer Reichweite herstellen oder im Flug erproben oder
Abschußvorrichtungen für sie herstellen. Während es beiden Seiten jedoch
verboten ist, Raketen kürzerer Reichweite
überhaupt
abzuschießen, wird
ihnen innerhalb der ersten sechs Monate der Vertragsdauer gestattet, bis
zu
100 Mittelstreckenraketen
abzuschießen, allerdings nur zum Zwecke
ihrer Vernichtung.
Solche Abschüsse
zu Vernichtungszwecken dürfen nicht
auf eine Art und Weise durchgeführt
werden, die nützliche
Erkenntnisse
für die Entwicklung von Raketen hervorbringt. Außerdem unterliegen die-

- 2 -

�ten
und
nichtstationierten
Abschußvorrichtungen
zu den Vernichtungseinrichtungen zu transportieren.
Die
verbleibenden
nichtstationierten Raketen kürzerer Reichweite müssen innerhalb
eines Jahres zu den Vernichtungseinrichtungen transportiert werden.

se Abschüsse der Inspektion vor Ort.
Der Vertrag gibt beiden Parteien
das Recht, ein System einzurichten,
das die ständige Anwesenheit von Inspektoren zur Überwachung von Raketeneinrichtungen auf dem Territorium
des Vertragspartners vorsieht.
Die
Vereinigten
Staaten werden in dem
Fall das Recht haben, solch eine Inspektion
einer
sowjetischen
SS-20Einrichtung in Wotkinsk durchzuführen, während den Sowjets gestattet
wird, eine amerikanische Einrichtung
für Pershing
II-Raketen
in Magna,
Utah, zu inspizieren.

Der dreijährige Reduzierungszeitraum

- Der Transfer von INF-Raketen zwischen ihren genehmigten Standorten hat innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu erfolgen.
Der Vertrag fordert ferner, daß
die Vereinigten Staaten und die UdSSR
die Benachrichtigung von vertragsrelevanten Handlungen vornehmen. Diese
umfassen:

Um die Verifizierung zu vereinfachen, sieht der Vertrag eine Reihe
von Verpflichtungen
zur
Begrenzung
der
INF-Aktivitäten
innerhalb
des
dreijährigen
Reduzierungszeitraums
vor, darunter die folgenden:
- Mittelstreckensysteme
und
ihre
Abschußvorrichtungen
dürfen
nur
in ihren festgelegten Stationierungsgebieten
oder
Unterstützungseinrichtungen, wie etwa Lagerungs-,
Instandsetzungs- oder
Beseitigungseinrichtungen
untergebracht sein oder zwischen diesen
in der vereinbarten Weise
verlegt werden.
Alle zugelassenen Orte sind durch geographische
Lage und Größe im Datenaustausch
benannt und definiert.
Befindet
sich
irgendein
vertraglich begrenzter Gegenstand an einem vertraglich nicht zugelassenen Ort,
so bedeutet dies eine Verletzung
des Vertrags.
- Innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Vertrags sind alle stationierten Raketen kürzerer
Reichweite sowie alle stationier-

- Ursprungs- und Bestimmungsort von
im Transfer befindlichen Raketen
und
Abschußvorrichtungen,
einschließlich
von
in
bestimmten
Zeitabständen zu liefernden Informationen über ihren Standort.
- Daten über die Eliminierung von
Stationierungsgebieten,
Stützpunkten
und
Unterstützungseinrichtungen.
- Datum, Ort, Anzahl und Typ von
Raketen und Abschußvorrichtungen,
die auf einem dafür bestimmten
Gelände vernichtet werden sollen.
- Datum, Ort und Typ von Raketen,
die durch Abschuß vernichtet werden sollen.
Nachdem
der
Vertrag
in Kraft
tritt, werden die Daten auf den neuesten stand gebracht.
Im Anschluß
daran
erfolgt
die Benachrichtigung
über Änderungen dieser Daten in vorgeschriebenen Zeitabständen.

- 3 -

Alle

diese

Benachrichtigungen,

�einschließlich der fortgeschriebenen
Daten und Inspektionen werden durch
die Zentren zur nuklearen Risikoverminderung übermittelt.

Beseitigungsverfahren
Der Vertrag
und das Protokoll
über die Beseitigung enthalten die
allgemeinen
Richtlinien
und spezifischen Verfahren für die Beseitigung
von
Raketen,
Abschußvorrichtungen,
Unterstützungseinrichtungen und -gerät.
- Raketensysteme
werden
in vollständigen
Organisationseinheiten
abgebaut, um die Aufgabe der Verifizierung zu erleichtern.
- Die
Vernichtung
erfolgt
schließlich in beiderseitig
einbarten Einrichtungen.

ausver-

- im Einklang mit den oben genannten Bestimmungen können maximal
100 Mittelstreckenraketen
durch
Abschuß vernichtet werden.
- Die
wichtigsten
Unterstützungseinrichtungen
werden an ihrem
Standort vernichtet.

Verifizierungsverpflichtungen
Während die Vereinigten Staaten
zur Überwachung des Vertrags weiterhin ihre Nationalen Technischen Mittel (NTM) anwenden, besteht ein zusätzliches wichtiges Mittel zur Erleichterung der Verifizierung in dem
neu
in
den
Vertrag
aufgenommenen
Recht auf Inspektionen vor Ort.
Die Inspektionen vor Ort umfassen
folgende Typen:
- Grundinspektionen

-

Sie

tragen

zur
Verifizierung
des
anfänglichen Austauschs fortgeschriebener Daten bei und enthalten das
Recht
auf
vor-Ort-lnspektionen
vereinbarter und in der Regierungsvereinbarung
aufgeführter
Standorte innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten des Vertrags. Dies erstreckt sich - zusätzlich zu den Standorten in der
Sowjetunion - auch auf Einrichtungen
und
Stützpunkte in der
Deutschen Demokratischen Republik
und der Tschechoslowakei, wo die
Sowjetunion Raketensysteme kürzerer Reichweite stationiert hat.

,

- Abschlußinspektionen - Nach Beseitigung der Stützpunkte und Raketenunter stützungsei nri cht ungen, ha
ben die Vereinigten Staaten das
Recht zur Durchführung von Inspektionen, um festzustellen, daß
vertraglich verbotene Handlungen
beendet worden sind.
Falls die
Vereinigten
Staaten
dies
wünschen, können sie in allen diesen
Standorten
eine
Abschlußinspektion durchführen.
- Beseitigungsinspektionen
Die
Vereinigten
Staaten
haben
das
Recht, die Vernichtung von Raketen und Abschußvorrichtungen am
Ort der Beseitigung zu beobachten.
Das Verfahren zur Beseitigung ist im Protokoll über die
Beseitigung
vorgeschrieben
und
die
Vereinigten
Staaten
sind
durch die Inspektionen in der Lage, die Durchführung dieser Verfahren
zu
beobachten.
Dieses
Recht zur Beobachtung der Beseitigung von Raketen und Abschußvorrichtungen ist nicht durch irgendeine Quote begrenzt.
- Kurzfristig anberaumte Inspektionen - Nach Inkrafttreten des Vertrags haben die Vereinigten Staa-

.

�ten und die UdSSR 13 Jahre lang
das Recht, eine bestimmte Anzahl
kurzfristig
anberaumter
Inspektionen vereinbarter Standorte pro
Jahr durchzuführen.
Damit haben
die Vereinigten Staaten in den
ersten drei Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages - das heißt,
bevor alle Systeme beseitigt worden sind - das Recht auf jährlich
20 kurzfristige Inspektionen von
gegenwärtig noch in Betrieb befindlichen Stützpunkten und Einrichtungen, sowie derjenigen, die
bis dahin beseitigt sein werden.
In den ersten fünf Jahren nach
der vollständigen Beseitigung von
INF-Raketensystemen
können
die
Vereinigten Staaten 15 vor-OrtInspektionen pro Jahr durchführen.
Im Verlauf der nächsten
fünf Jahre können die Vereinigten
Staaten
zehn entsprechende Inspektionen pro Jahr durchführen.
Überwachung der Ein- und Ausgänge
von Produktionsstätten - Im speziellen
Fall
der
sowjetischen
SS-25 ICBMs, die in einer Einrichtung zusammengebaut wird, in
der früher SS-20-Raketen montiert
wurden, hat die Sowjetunion ausdrücklich ihr Einverständnis gegeben, den Vereinigten
Staaten
den Bau eines permanenten Uberwachungssystems in den Einrichtungen zur Endmontage der SS-25
in Wotkinsk in der Nähe des Urals
zu gestatten oder in jeder anderen Einrichtung, in der in Zukunft die Endmontage der SS-25
vorgenommen werden könnte.

spektionen vor Ort zur Verifizierung der Einhaltung des INF-Vertrags haben sich die Parteien dazu verpflichtet, keinen Einfluß
auf die NTM der anderen Seite zu
nehmen sowie spezifische Schritte
zur
Verbesserung
der
Fähigkeit
der anderen Seite zu unternehmen,
Überwachungen mittels NTM durchzuführen.
Die besondere Verifizierungskommission - Die Vereinigten Staaten
und die UdSSR haben sich ferner
darauf geeinigt, eine besondere
Verifizierungskommission zu gründen, die auf Bitte jeder Seite
zur Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Einhaltung des
Vertrags einberufen werden kann.

Ratifizierung und Dauer des Vertrags
Alle
Vertragsdokumente
einschließlich
der
Regierungsvereinbarung über den Datenaustausch, das Inspektionsprotokoll sowie das Beseitigungsprotokoll unterliegen der Ratifizierung.
Der
INF-Vertrag
ist von unbegrenzter
Dauer.
Jede Partei kann
sich vom Vertrag zurückziehen, sollte
sie zu dem Schluß gelangen, daß aussergewöhnliche, im Zusammenhang mit
dem Inhalt des Vertrags stehende Ereignisse ihre vornehmsten Interessen
gefährden.

Detaillierte Verfahren zur Durchführung aller der oben genannten Inspektionen sind im Inspektionsprotokoll enthalten.
- Nationale Technische Mittel - Zusätzlich zur Genehmigung von In- 5 -

* * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

16.Dezember 1987

44

TECHNISCHE VORVEREINBARUNGEN ÜBER RAUMSTATION
- NASA wählte die Vertragsfirmen aus -

WASHINGTON - (AD) - Die US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) hat
jetzt Vorverträge an vier amerikanische Firmen zum Bau einer Raumstation vergeben. Die Anfang Dezember von NASA-Administrator Dr. James C. Fletcher bekanntgegebenen Vereinbarungen mit der Boeing Aerospace Company, McDonnell
Douglas Astronautics Company, General Electric Company und Rockwell International (Rocketdyne Division) bilden die Vorstufe zu offiziellen Verträgen,
die eine Laufzeit von ca. zehn Jahren hätten und Aufwendungen von ca. fünf
Milliarden Dollar erforderten. Einzelheiten werden noch ausgehandelt.

Gegenüber
Journalisten
verwies
Fletcher jedoch darauf, daß der Bau
einer Raumstation, der auf der Basis
vorliegender Pläne auf 14 Milliarden
Dollar veranschlagt wird, von Budgetbewilligungen abhänge, die der amerikanische Kongreß erst nach den Gesprächen
und Abmachungen
mit dem
Weißen Haus zum Abbau des Haushaltsdefizits
verabschieden
könne.
Die
jetzt vorgesehene Station, die Mitte
der
neunziger
Jahre
betriebsbereit
sein soll, ist erheblich kleiner als
die ursprüngliche Version.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Gerüstkonstruktion, Kontrollsysteme und Vorrichtungen zur Aufnahme von Nutzlasten und anderer Untersysteme würden von einer Firmengruppe
unter Führung von McDonnell Douglas
entwickelt (Kosten: ca. 1,9 Milliarden Dollar).
Boeing erhielt den Zuschlag für den Bau von zwei Druckmodulen, in denen Astronauten leben und
arbeiten können (Kosten: 750 Millionen Dollar).
General Electric hatte
als einziger Anbieter Pläne für die
Konstruktion
einer
freifliegenden,
unbemannten
Forschungsplattform
zum
Einsteuern in eine polare Umlaufbahn

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�vorgelegt
(Kosten:
800
Millionen
Dollar).
Und Rocketdyne machte das
Angebot, die Systeme zur Stromversorgung zu entwickeln und herzustellen
(Kosten:
1,6
Milliarden
Dollar).
Die erste Stufe der Errichtung einer
Raumstation, die sich über insgesamt
elf Jahre erstreckt, wäre damit technisch gesichert. in der zweiten stufe würden einige Erweiterungsbauten
vorgenommen (Kosten: ca. 1,5 Milliarden Dollar).
Den jetzt vorliegenden Plänen zufolge soll die Raumstation der Forschung für wissenschaftliche und kommerzielle
Zwecke
dienen
und
als
Startplattform für künftige Flüge zum
Mond und Mars benutzt werden. In die
Gerüststruktur, die an beiden Enden
mit Solarzellen bestückte Stromkollektoren trägt, sind im Zentrum vier
Druckmodule eingefügt.
zwei liefern
die USA, die beiden anderen Japan und
die Europäische Raumfahrtbehörde ESA.
Mit der Montage der Station im Orbit
soll 1994 begonnen werden. Die Teile
werden in ca. 19 Raumtransporterflügen in die Erdumlaufbahn gebracht.
Die Raumstation bietet acht Personen
Unterkunft.

Die Verhandlungen mit Kanada hinsichtlich einer Beteiligung sind bisher am weitesten gediehen.
Kanada
wird den mechanischen Arm beisteuern,
der für die Montagearbeiten erforderlich ist.
Mit Japan und Westeuropa
wird derzeit noch über den Zugang zu
Stationselementen und zu Forschungsdaten verhandelt.
Wie NASA-Administrator Fletcher erklärte, würden die
Vereinigten
Staaten ungeachtet
des
Fortgangs der Gespräche mit den internationalen Partnern die Raumstation in Angriff nehmen.
Er zweifle
aber nicht daran, daß "sie an Bord
kommen werden".

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verhandlungen über strategische Waffen sollen intensiviert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Abschlußerklärung zum Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: "Fortschritte" bei Gesprächen über START-Vertrag erzielt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen Reagans und Gorbatschows zum Abschluß des Gipfeltreffens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enge Konsultationen mit den Europäern über INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans vor dem CSIS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner und Sowjets vereinbaren gemeinsames Verifizierungsexperiment&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung der Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der INF-Vertrag&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein kurzer Abriß des US-Amtes für Rüstungskontrolle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technische Vorvereinbarungen über Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NASA wählte die Vertragsfirmen aus&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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