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                  <text>^is^&lt;

AMERIKA DIENST

"V, "^ &lt;&amp;

9 . Dezember 1987

43

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Aus Vision wurde Realität
- Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow
vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens Reagan: Amerikaner und Sowjets teilen "Gemeinsamen Traum vom
Frieden
- Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bei INF-Vertrag keine "Auszeit" nötig
- Von Paul H. Nitze KSZE-Bilanz des Warschauer Pakts noch "voller Mängel"
- Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur Anwendung der KSZEVerpflichtungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hoffnung auf Ausrottung der Flußblindheit
- Neues Medikament könnte Infektionskette blockieren -

* * * * * *

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VON

Dokumentation

*

9. Dezember 1987

43
REAGAN:

AUS VISION WURDE REALITXT

- Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow
vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge "bestehen weiterhin tiefgreifende und grundsätzliche moralische Unterschiede" zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion, aber mit Blick auf das entscheidende Thema des
Mittelstreckenabkommens "sehen wir heute, was erreicht werden kann, wenn wir
alle am selben Strang ziehen". In seiner Ansprache aus Anlaß der feierlichen
Unterzeichnung des INFVertrages am 8. Dezember 1987 in Washington verlieh der
Präsident seiner Hoffnung Ausdruck, daß das Abkommen "den Beginn einer Arbeitsbeziehung darstellt, die uns zur Bewältigung auch anderer Probleme befähigt . .. " .
Generalsekretär Gorbatschow erklärte, der Vertrag "bietet eine einmalige
Gelegenheit, endlich auf den Weg zu finden, der von der drohenden Katastrophe
wegführt... und gemeinsam in eine atomwaffenfreie Welt aufzubrechen".
Nachfolgend bringen wir die Ausführ ungen Reagans und Gorbatschows im Wortlaut.
Rede davon, den Rüstungswettlauf zu
Präsident
Reagan:
Diese Zerekontrollieren. Zum ersten Mal in der
monie und der Vertrag, den wir heute
Geschichte wurde die Sprachregelung
unterzeichnen, bieten ein ausgezeich"Rüstungskontrolle" durch "Abrüstung"
netes Beispiel für die Belohnung von
ersetzt - in diesem Fall die vollGeduld.
Vor mehr als sechs Jahren,
ständige Vernichtung einer ganzen Kaam 18. November 1981, habe ich zum
tegorie
amerikanischer
und
sowjeersten Mal den Vorschlag unterbreitischer Atomraketen.
tet, der später als Null-Option bekannt wurde.
Es war ein einfacher
Vorschlag, fast könnte man sagen,
Dies hat natürlich eine grundentwaffnend einfach.
Anders als bei
sätzliche Änderung der Denkweise erfordert und gelegentlich benötigten
bisherigen Verträgen schrieb dieser
traditionelle Denkschemata ein gutes
Vorschlag nicht einfach den Status
Maß an Zeit, um sich mit der neuen
quo oder eine neue militärische AufSituation vertraut zu machen.
Die
rüstung fest. Es war nicht nur die

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�Reaktion war - milde gesagt - gemischt. Für einige war die Null-Option eine unmögliche Vision und unrealistisch,
für
andere
war
sie
schlicht und einfach ein Propagandaschachzug.
Mit Geduld, Entschlußkraft und Engagement haben wir diese
unglaubliche Vision Realität werden
lassen.
Herr Generalsekretär Gorbatschow,
ich
bin
sicher,
Ihnen
ist
Iwan
Krylows berühmte Fabel vom Schwan,
dem Krebs und dem Hecht bekannt. Vor
langer Zeit versuchten diese drei
wohl einmal, einen beladenen Wagen in
Gang zu setzen.
sie spannten sich
vor den Wagen.
Auch wenn er nicht
allzu schwer war, gelang es ihnen
doch nicht, ihn von der Stelle zu bewegen.
Denn der Schwan flog in die
Höhe, der Krebs kroch rückwärts und
der Hecht suchte das Wasser. Das Ergebnis war, daß sie nirgendwohin gelangten und der Wagen noch bis zum
heutigen Tage dort steht.
Zwischen unseren Nationen bestehen
weiterhin
tiefgreifende
und
grundsätzliche moralische Unterschiede, aber heute sehen wir zumindest in
dieser entscheidenden Frage, was erreicht werden kann, wenn wir alle am
selben Strang ziehen.
Die zahlen allein belegen den
Wert dieses Abkommens.
Auf sowjetischer Seite werden über 1 500 stationierte Gefechtsköpfe beseitigt und
alle bodengestützten Mittelstreckenraketen einschließlich der SS-20 werden vernichtet.
Auf unserer Seite
wird
unser
gesamtes
Arsenal
von
Pershing
II
und
bodengestützten
Marschflugkörpern mit mehr als 400
stationierten Gefechtsköpfen vernichtet. Zusätzliche Nachladeraketen auf
beiden Seiten werden ebenfalls verschrottet .

Aber die Bedeutung dieses Vertrages geht über die bloßen Zahlen hinaus, wir haben die Lehre eines alten
russischen Sprichworts befolgt, das
Ihnen sicherlich bekannt sein dürfte,
Herr Generalsekretär, auch wenn Ihnen
meine Aussprache gewisse Schwierigkeiten bereiten dürfte. Das Sprichwort lautet: "Dowerjai no prowerjai"
- "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist
besserJ"
Generalsekretär
Gorbatschow:
Das sagen Sie bei jedem Treffen.
Präsident
mir.

Reagan:

Es

gefällt

Dieses Abkommen enthält die einschneidendsten Verifizierungsregelungen in der Geschichte bis hin zu Bestimmungen für Inspektorenteams, die
sich tatsächlich auf dem Territorium
des anderen Staates aufhalten sowie
zahlreiche andere Formen von Inspektionen
vor
Ort.
Dieser
Vertrag
schützt die Interessen der Freunde
und Verbündeten Amerikas. Er verkörpert auch einen weitereren unerläßlichen Grundsatz:
Die Notwendigkeit
von Glasnost - also größere Offenheit
auch in militärischen Programmen
und bei den Streitkräften.
Wir können nur hoffen, daß dieses
geschichtemachende
Abkommen
nicht
reiner
Selbstzweck bleibt, sondern
den
Beginn
einer
Arbeitsbeziehung
darstellt, die uns zur Bewältigung
auch anderer dringlicher Probleme befähigt - Problemen bei strategischen
nuklearen Offensivwaffen, dem Gleichgewicht konventioneller Streitkräfte
in Europa, den zerstörerischen und
tragischen regionalen Konflikten, von
denen so viele Teile unseres Erdballs
heimgesucht werden sowie der Wahrung
der menschlichen und gottgegebenen
Rechte, die Er allen Menschen verliehen hat.

�Allen
heute hier Versammelten,
die so hart an der Verwirklichung
dieser Vision gearbeitet haben, möchte ich meinen herzlichen Dank und
Glückwünsche übermitteln - insbesondere den Botschaftern Glitman und
Obukow.
Um ein anderes russisches
Sprichwort zu zitieren - wie Sie sehen, werde ich noch zum Experten in
russischen Sprichwörtern - "Die Ernte
ist mehr das Ergebnis von Schweiß als
von Tau." Ich möchte also Herrn Generalsekretär
Gorbatschow
vorschlagen, daß wir ihm eine letzte Instruktion mit auf den Weg geben: Gönnen
Sie sich die wohlverdiente Ruhe.
Generalsekretär
Gorbatschow:
Das werden wir nicht tun.
Präsident
Reagan:
Nun,
Herr
Generalsekretär, möchten Sie vor der
Unterzeichnung des Vertrages einige
Worte sagen?
Generalsekretär
Gorbatschow:
Herr Präsident, meine Damen und Herren, Genossen.
Nachfolgende Generationen werden ihr Urteil über die Bedeutung des Ereignisses fällen, dessen Zeuge wir in Kürze werden. Aber
ich möchte doch das Wort ergreifen,
um zum Ausdruck zu bringen, was vor
uns liegt - die Unterzeichnung des
ersten Abkommens in der Geschichte
über die Beseitung von Nuklearwaffen,
das
umfassende
Bedeutung
für
die
Menschheit hat, sowohl aus der Sicht
der Weltpolitik als auch aus der
Sicht des Humanismus.

aufzubrechen, die für unsere Kinder
und Kindeskinder sowie deren Kinder
und Kindeskinder die Verheißung eines
erfüllten und glücklichen Lebens ohne
Furcht und ohne die sinnlose Verschwendung von Mitteln für Vernichtungswaffen in sich birgt.
Wir
können
stolz darauf sein,
diesen Schößling gepflanzt zu haben,
der eines Tages zu einem mächtigen
Baum des Friedens heranwachsen könnte.
Es ist jedoch wahrscheinlich
verfrüht, uns gegenseitig mit Lorbeer
zu bekränzen.
Wie der große amerikanische Dichter und Philosoph Ralph
Waldo Emersein einmal gesagt hat:
"Der Lohn einer gut verrichteten Tat
ist, sie getan zu haben."
Wir sollten uns also dadurch belohnen, daß wir uns an die Arbeit machen. Wir sind sieben Jahre lang einen Weg voll intensiver Arbeit und
Debatten
gegangen.
Ein
letzter
Schritt an diesen Tisch, und der Vertrag wird unterzeichnet werden.
Möge der 8. Dezember 1987 zu einem Datum werden, das in die Geschichtsbücher eingeht - ein Tag, der
den Wendepunkt markiert, an dem sich
die Epoche eines steigenden Atomkriegsrisikos in eine Epoche der Entmilitarisierung des menschlichen Lebens umkehrt.

Für jeden von uns und insbesondere für unsere beiden Länder bietet
der Vertrag, dessen Text nun hier auf
dem Tisch liegt, eine große Chance,
endlich auf den Weg zu finden, der
von der drohenden Katastrophe wegführt. Es ist unsere Pflicht, diese
Chance umfassend zu nutzen und gemeinsam in eine atomwaffenfreie Welt
- 3 -

(Der Vertrag wird unterzeichnet.)

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VON

4

Dokumentation

9. Dezember 1987

43
REAGAN:

AMERIKANER UND SOWJETS TEILEN "GEMEINSAMEN TRAUM VOM FRIEDEN'

- Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge "ist der gemeinsame Traum vom
Frieden" ein "starkes Bindeglied", das die Völker der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zusammenführt.
In einer im Anschluß an die Unterzeichnung des INF-Vertrages übertragenen
Ansprache an das amerikanische und das sowjetische Volk erklärte der Präsident, daß die Amerikaner "einen Frieden wollen, der den Traum aller Völker erfüllt, ihre Familien in Frieden und Sicherheit heranwachsen zu sehen. Und ich
glaube, daß wir einen solchen Frieden schaffen werden, wenn unsere beiden Länder Mut und Geduld aufbringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:
Ich möchte mich zunächst bei Ihnen allen bedanken.
Herr Generalsekretär Gorbatschow,
sehr geehrte Gäste, liebe Mitbürger
und Bürger der Sowjetunion. Der amerikanische
Philosoph
Ralph
Waldo
Emerson hat einmal geschrieben, daß
"es in Wirkllichkeit keine Geschichte
gibt, sondern nur eine Biographie".
Damit meinte er, es sei nicht ausreichend, Geschichte lediglich als Ansammlung von Kräften und Faktoren zu
verstehen.
Geschichte ist letztlich
eine Bilanz des menschlichen Willens,

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des menschlichen Geistes, des in den
Männern und Frauen dieser Erde verkörperten menschlichen Strebens, denen Gott die kostbare Seele und den
freien Willen verliehen hat.
Heute haben ich für die Vereinigten Staaten und der Generalsekretär
für die Sowjetunion das erste Abkommen in der Geschichte zur Beseitigung
einer gesamten Kategorie amerikanischer und sowjetischer Atomwaffen unterzeichnet.
Wir haben
Geschichte
gemacht. Und doch haben viele sogenannte Weise einmal vorausgesagt, daß

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�dieses Abkommen unmöglich zu erreichen sei - zu viele Kräfte und Faktoren stünden ihm entgegen.
Nun, wir
haben trotzdem auf unserem Standpunkt
beharrt. Wir sind ihm treu geblieben.
Und ich hoffe, der Generalsekretär wird mir verzeihen, wenn ich
enthülle, daß ich mich in den düstersten Zeiten, in denen es wirklich so
schien, als ob ein Abkommen unmöglich
sei, an den Worten eines großen Russen, Leo Tolstoi, aufrichtete, der
einmal geschrieben hat:
"Die stärksten Krieger sind diese beiden - zeit
und Geduld."
In den kommenden Tagen werden wir
weitere Waffenreduzierungen und andere Probleme diskutieren - und wieder
werden Zeit und Geduld nötig sein, um
Vereinbarungen zu erzielen. Wenn wir
jedoch
diese
Gespräche
aufnehmen,
sollten wir uns daran erinnern, daß
wahres internationales Vertrauen und
Sicherheit ohne offene Gesellschaften
mit Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, Pressefreiheit und Freizügigkeit undenkbar sind.
Wir werden
also die Menschenrechte und regionale
Konflikte ansprechen, denn die Rettung der gesamten Menschheit liegt
einzig und allein darin, daß alles zu
jedermanns
Anliegen
gemacht
wird.
Mit Zeit, Geduld und Willenskraft
werden wir meiner Überzeugung nach
diese Fragen lösen. Wir müssen sie
lösen, wenn wir wahren, sicheren und
dauerhaften Frieden erlangen wollen.
So
verschieden
unsere
Systeme
sind, so gibt es doch ein starkes
Bindeglied, das die Völker der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
zusammenführt. Es ist der gemeinsame
Traum vom Frieden. Vor über 40 Jahren kämpften wir als Verbündete in
einem großen Krieg. Am Tage, als die
Nachricht von der Kapitulation des
Feindes in Moskau eintraf, versammelte sich eine Menschenmenge vor der

amerikanischen Botschaft.
Dort applaudierten sie der Freundschaft einer Nation, die eine zweite Front eröffnet und den Völkern der Sowjetunion Nahrungsmittel, Munition und
Lastwagen geschickt hatte, als diese
bei der Zurückwerfung des Invasoren
unglaublichen Mut und Willen zeigten.
Ein
junger amerikanischer
Diplomat
erzählte
später
von
einem
sowjetischen Soldaten in der Menschenmenge, der immer wieder rief:
"Jetzt
ist es Zeit zu leben."
Zu oft wurde in den seiher vergangenen Jahrzehnten der Traum dieses
Soldaten - von einer Zeit zu leben ausgelöscht,
zumindest
was
wahren
Frieden zwischen unseren Ländern angeht. Und doch haben wir Amerikaner
nie aufgehört, für den Frieden zu beten.
In jedem Teil der Welt wollen
wir, daß dies eine Zeit zu leben ist.
Nur diejenigen, die uns nicht
kennen,
glauben,
die
Vereinigten
Staaten seien ein materialistisches
Land. Aber das wahre Amerika besteht
nicht aus mit Fleisch, Milch und allen Arten von Gütern angefüllten Supermärkten.
Es besteht nicht aus
Highways voller
Autos.
Nein, das
wahre Amerika ist ein Land des Glaubens und der Familie. Sie können es
in unseren Kirchen, Synagogen und
Moscheen finden - in unseren Häusern
und Schulen. Wie ein großer Schriftsteller es einmal ausgedrückt hat Amerika ist die Bereitschaft des Herzens, des universellen menschlichen
Herzens, denn Amerikaner kommen aus
allen Teilen der Erde, auch aus der
Sowjetunion. Wir möchten einen Frieden, der den Traum aller Völker erfüllt, ihre Familien in Frieden und
Sicherheit
heranwachsen
zu
sehen.
Und ich glaube, daß wir einen solchen
Frieden aufbauen werden, wenn unsere
Länder Mut und Geduld aufbringen.

�In den nächsten beiden Monaten
werden Menschen in der ganzen Welt
zwei große Glaubensfeste feiern
Chanukka und Weihnachten.
Eines ist
ein Fest der Freiheit, das andere das
Fest des Friedens auf der Welt und
des guten Willens den Mitmenschen gegenüber.
Meine große Hoffnung besteht darin, daß die Biographien unserer Zeit verzeichnen werden, daß
wir den Willen besaßen, dies als die
rechte zeit für diesen Gipfel gewählt
zu haben.
Vielen Dank und Gott segne Sie.

* * * * *

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Hintergrundmaterial

VoN^

9. Dezember 1987

43

BEI INF-VERTRAG KEINE "AUSZEIT" NÖTIG
- Von Paul H. Nitze -

- (AD) - (Der Autor des folgenden, am 7. Dezember 1987 in der Washington
Post veröffentlichten Artikels, ist Sonderberater des Präsidenten und des
Außenministers für Rüstungskontrolle.)

Mein
ehemaliger
Kollege
Frank
Gaffney hat in einem Zeitungsartikel
vorgeschlagen,
die
Administration
solle "beim INF-Vertrag eine 'Auszeit1 nehmen", um sich vier Fragen
bezüglich der Wirksamkeit dieses Vertrags zu widmen.
Eine Auszeit ist
nicht nötig; wir haben diese Fragen
immer bedacht, und die Antworten darauf sind positiv:
Beseitigt der Vertrag tatsächlich
die INF-Infrastruktur und -Fähigkeit der Sowjetunion?
Mit einem
Wort:
Ja. Der Vertrag verlangt

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von der Sowjetunion, alle INF-Raketen und Abschußvorrichtungen in
Gegenwart von amerikanischen Inspektoren zu beseitigen.
Ebenso
müssen bestimmte Unterstützungsgebäude und -einrichtungen gemäß
den vereinbarten Verfahrensweisen
beseitigt oder modifiziert werden, so daß sie für eine künftige
Unterstützung
von
INF-Systemen
unbrauchbar werden.
Nach der Beendigung der Raketenvernichtung werden Vertreter der Vereinigten Staaten in jeder ehemaligen

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�sowjetischen Stationierungs- oder Unterstützungseinrichtung für INF eine
Abschlußinspektion durchführen, um zu
gewährleisten, daß keinerlei iNF-relevante Handlungen mehr stattfinden.
Gewisse
Unterstützungsgebäude,
wie
etwa früher zum Abstellen von SS-20Transportfahrzeugen benutzte Garagen
oder gehärtete Silos, die zur Lagerung amerikanischer
GLCMs dienten,
können für andere Zwecke beibehalten
werden. Jede Seite wird jedoch während der nächsten 13 Jahre das Recht
auf kurzfristig anberaumte Inspektionen vor Ort besitzen, um sicherzustellen, daß diese Gebäude und alle
früher benutzten Einrichtungen keine
INF-relevanten Aufgaben erfüllen.
- Sind die von den Sowjets gelieferten Daten vollständig, folgerichtig und im Einklang mit den
von unserer Aufklärung erbrachten
Schätzungen in bezug auf die vertraglich begrenzten Systeme und
Aktivitäten?
Wiederum
ist die
Antwort ja.
Zusätzlich gewährt
uns der Vertrag das Recht, Grundinspektionen
in
allen
sowjetischen
Stationierungs- und
Unterstützungsei nrichtungen
durchzuführen, um die Richtigkeit dieser Daten zu verifizieren.
- Bestehen in der Vertragssprache
erhebliche
Doppeldeutigkeiten,
Lücken oder andere Regelungen,
die in Zukunft zu Debatten über
Bedeutung
und Auslegung
führen
könnten?
Notwendigerweise
ist
der INF-Vertrag lang und komplex
und umfaßt viele Einzelvorschriften. Es ist uns heute unmöglich,
alle
zukünftigen
Eventualitäten
vorauszusehen.
Aus diesem Grund
enthalten alle Rüstungskontrollverträge Regelungen für künftige
Konsultationen, um möglicherweise
auftauchende
Unstimmigkeiten
zu
klären.
In den Jahren der Ver-

tragserstellung wurden jedoch erhebliche Bemühungen unternommen,
um den Text so präzise und frei
von Vertragslücken zu gestalten
wie möglich.
- Besteht
eine wirksame
Regelung
für vor-Ort-Inspektionen verdächtiger
Einrichtungen?
Ja, zwar
keine perfekte, aber eine wirksame. Eine perfekte Regelung würde
jederzeitige und sofortige vorOrt-Inspektionen
überall
erfordern, ohne daß die Inspektion vom
Inspektionsort
abgelehnt
werden
kann. Wie Gaffney weiß, hat die
Administration
eine
solche Art
von Regelung während des vergangenen
Jahres eingehend
geprüft
und dann entschieden, daß es für
das vorliegende Abkommen unnötig
und sogar den amerikanischen Sicherheitsinteressen
abträglich
wäre,
sowjetischen
Inspektoren
solch unbegrenzten Zugang zu unseren
sicherheitsempfindlichsten
Einrichtungen zu gestatten.
Wir haben also kurzfristige vorOrt-Inspektionen ehemaliger INF-Stationierungs- und
Unterstützungseinrichtungen angestrebt und erreicht,
darunter die dauernde Beobachtung der
Ausgänge der Einrichtung, in der die
Montage der SS-20 stattfand, sowie
besondere Maßnahmen zur Verbesserung
unserer Fähigkeit, mit Aufklärungssatelliten die SS-25-Stützpunkte zu
überwachen, in denen illegale Aktivitäten
am
leichtesten
durchgeführt
werden könnten.
Wenn wir vermuten,
daß illegale Aktivitäten andernorts
stattfinden, so können wir die Sowjets in der vertraglich eingerichteten Besonderen Verifizierungskommission zur Rede stellen und Beweise dafür verlangen, daß unser Verdacht unbegründet ist.
Ist

dies

für

uns

eine Garantie,

�daß die Sowjets nicht an einem anderen Ort ihres Territoriums eine INFRakete verbergen können? Nein. Aber
sie können solche Raketen nicht erproben, sie können kein Betriebspersonal ausbilden oder die StützpunktInfrastruktur
unterhalten, die für
ihre Unterstützung benötigt wird, da
wir all dies mit hoher Wahrscheinlichkeit entdecken würden, ohne diese Mittel könnten die Sowjets jedoch
keine militärisch bedeutsame Fähigkeit aufrechterhalten.
Dies ist die
Definition wirksamer Verifizierung.
Noch ein letzter Punkt.
Gaffney
behauptet, aufgrund des durch einen
willkürlich
festgesetzten
Stichtag
entstandenen Zeitdrucks gefährde die
Administration ihre Bemühungen. Tatsächlich ist die von mir soeben geschilderte Verifizierungsregelung das
Ergebnis
sorgfältig
erwogener Vorschläge der Vereinigten Staaten, die
innerhalb der amerikanischen Regierung eingehend geprüft und mit den
Sowjets in den vergangenen Monaten
ausgehandelt wurden.
Die erhebliche
Bewegung, die in den letzten Wochen
in der Verifizierungsfrage stattfand,
bestand in der sowjetischen Annahme
unseres Vorschlags von Abschlußinspektionen, der sowjetischen Annahme
unserer Quote für kurzfristig anberaumte vor-Ort-Inspektionen und der
sowjetischen Zustimmung zu der von
uns vorgeschlagenen Methode der Überwachung ihrer ehemaligen Einrichtung
zur Endmontage der SS-20.

- 3 -

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Hintergrundmaterial

9. Dezember 1987

43

KSZE-BILANZ DES WARSCHAUER PAKTS NOCH "VOLLER MÄNGEL"
- Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur
Anwendung der KSZE-Verpflichtungen -

WASHINGTON - (AD) - Dem HalbJahresbericht der amerikanischen Regierung
über die Einhaltung der von der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE) auferlegten Verpflichtungen zufolge weist die Akte des
Warschauer Pakts über Menschenrechte und wirtschaftliche Zusammenarbeit trotz
einiger "positiver Tendenzen" insgesamt gesehen noch "zahlreiche Unzulänglichkeiten" auf.

Der Bericht stellte fest, daß sowjetischen Bürgern heute aufgrund von
"Glasnost" - der von der sowjetischen
Führung eingeleiteten Politik der Offenheit - bessere Möglichkeiten eingeräumt werden, ihrer Meinung über
offizielle wie auch inoffizielle Kanäle Ausdruck zu verleihen.
Ferner
wurde hervorgehoben, daß dem Ostblock
die
Sicherheitsverpflichtungen
der
KSZE zwar verwirkliche, sich dabei
jedoch buchstabengetreu an "den Wortlaut des Stockholmer Dokuments von
1986" hielt.

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Der
23. Halbjahresbericht, den
der Präsident der amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa vorlegte, enthält
eine Übersicht über die Durchführung
der KSZE-Grundsätze vom 1. April 1987
bis zum 1. Oktober 1987.
Der Zweck des Berichts ist, der
Kommission
bei ihrer
Aufgabe der
Überwachung und Ermutigung der Einhaltung der Schlußakte von Helsinki
und des Schlußdokuments von Madrid
behilflich
zu sein.
Die Berichte
sind zentraler Bestandteil der Bemü-

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Telex: 8-85432

�hungen der amerikanischen Regierung,
Fortschritte wie auch Unzulänglichkeiten bei der Verwirklichung der
KSZE-Zielsetzungen zu bewerten, die
in Verbesserung der Sicherheit, Erweiterung der Zusammenarbeit, Bildung
gegenseitigen Vertrauens und der Förderung der Menschenrechte bestehen.
Der
Halbjahresbericht
stellt
fest, daß die Schlußakte von Helsinki
ein "dauerhaftes Gefüge für die 35
Mitgliedstaaten darstellt, in dessen
Rahmen sie an der Lösung der humanitären, wirtschaftlichen, politischen,
wissenschaftlichen und militärischen
Probleme arbeiten, die Europa teilen.
Die Schlußakte mißt der Tatsache besondere Betonung bei, daß jeder Bereich den gleichen Stellenwert bei
der Verwirklichung des Ziels echter
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einnimmt".
"Das Ziel der westlichen Welt bestand stets in der Erhaltung und Verstärkung dieses Prozesses durch eine
gründliche Überprüfung der Anwendung
der Schlußakte von Helsinki und des
Schlußdokuments
von
Madrid
sowie
durch die Erarbeitung eines Konsens
über
ausgewogene
und
konstruktive
Schritte nach vorne."
In seiner Ansprache vor der KSZEPlenarsitzung am 23. Juni 1987 unterstrich der amerikanische Stellvertretende Außenminister John C. Whitehead
die Position der Vereinigten Staaten,
daß Sicherheit mehr als nur eine Frage des militärischen Gleichgewichts
bedeute.
Menschenrechte und Grundfreiheiten seien ebenso unerläßliche
Bestandteile
der
Sicherheitsgleichung.
Whitehead stellte besonders
die sowjetische Bereitschaft zur Einhaltung all ihrer Verpflichtungen aus
der Schlußakte von Helsinki in Frage.
Nachdem er eine Analyse der von Fortschritten und Mängeln gekennzeichne-

ten
Bereiche
vorgenommen
hatte,
schloß er mit der Feststellung, daß
die Bilanz unter dem Strich noch immer nicht zufriedenstellend sei.
Nachfolgend geben wir Kapitel
des Berichts im Wortlaut wieder:

1

Die Schlußakte der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) stellt ein dauerhaftes
Gefüge für die 35 Mitgliedstaaten
dar, in dessen Rahmen sie an der Lösung der humanitären, wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen
und militärischen Probleme arbeiten,
die Europa teilen.
Die Schlußakte
mißt der Tatsache besondere Bedeutung
bei, daß jeder Bereich den gleichen
Stellenwert
bei der
Verwirklichung
des Ziels echter Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa einnimmt. Das
Ziel
der
westlichen
Welt
bestand
stets in der Erhaltung und Verstärkung
dieses
Prozesses
durch
eine
gründliche Überprüfung der Anwendung
der Schlußakte von Helsinki und des
Schlußdokuments
von
Madrid
sowie
durch die Erarbeitung eines Konsens
über
ausgewogene
und
konstruktive
Schritte nach vorne.
Die Schlußakte trägt der Tatsache
Rechnung, daß Folgetreffen für die
Aufrechterhaltung der Verfügungen von
Helsinki als nachdrückliches Mittel
zur Bewältigung der Probleme in Europa unerläßlich sind. Die dritte dieser
Uberprüfungskonferenzen,
das
KSZE-Folgetreffen in Wien, begann am
4. November 1986.
Bei dem zweiten Folgetreffen, das
vom 11. November 1980 bis zum 9. September 1983 in Madrid stattfand, wurde ein Schlußdokument verabschiedet,
mit dem die ursprüngliche Schlußakte
von Helsinki aus dem Jahr 1975 bestätigt und weiter erläutert wurde. In
den Bereichen Menschenrechte, Gewerk-

- 2 -

�zu diplomatischen Missionen und Konsulaten sowie Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung wurden entscheidende
neue Verfügungen aufgenommen.
Der vorliegende ist der 23. Halbjahresbericht, den der Präsident der
amerikanischen Kommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa gemäß den Verfügungen des Öffentlichen
Rechts 94 - 304 vom 3. Juni 1976 vorgelegt hat.
Er enthält eine Übersicht über die Anwendung der KSZEGrundsätze vom 1. April 1987 bis zum
1. Oktober 1987. Die Berichte sind
zentraler Bestandteil der Bemühungen
der amerikanischen Regierung, Fortschritte wie auch Unzulänglichkeiten
bei der Verwirklichung der KSZE-Zielsetzungen zu bewerten, die in Verbesserung
der Sicherheit, Erweiterung
di-r Zusammenarbeit, Bildung gegenseitigen Ver'-.rauens und der Förderung
der Menschenrechte bestehen.

Übersicht über die Anwendung
Obwohl die Warschauer-Pakt-Staaton einige entscheidende Schritte unternahmen und positive Tendenzen vorherrschten, weist die Bilanz dieser
Regierungen im Hinblick auf die Einhaltung ihrer KSZE-Verpflichtungen in
den
Bereichen
Menschenrechte
und
wirtschaftliche
Zusammenarbeit
noch
gravierende Mängel auf. Der Ostblock
führte die von der KSZE auferlegten
Sicherheitsverpflichtungen
zwar
durch, hielt sich dabei jedoch buchstabengetreu an den Wortlaut des Dokuments von Stockholm aus dem Jahr
1986.
im internationalen Bereich stellte die Fortführung des Krieges gegen
das Volk von Afghanistan eine offene
Verletzung der Grundprinzipien dar,

den.
(Obwohl die Sowjets zu verstchenen gegeben haben, daß eine grundsätzliche Entscheidung zum Abzug sowjetischer
Truppen aus Afghanistan
getroffen worden ist, haben sie bei
den Annäherungsgesprächen der Vereinten Nationen bisher keinen annehmbaren Zeitplan für den Rückzug vorgelegt).
Die Sowjetunion hat diese
Grundsätze ferner durch die anhaltende
Unterstützung
der
Besetzung
Kamputscheas durch Vietnam und den
vietnamesischen Krieg gegen den Widerstand in Kamputschea untergraben.
Im Inland befand sich die Menschenrechtspolitik
im Zeitraum der
Berichterstattung im Fluß.
Während
sich die Situation in einigen Bereichen entscheidend verbesserte, hielten die Menschenrechtsverletzungen an
und der strukturelle und rechtliche
Apparat, durch den offizielle Repression erst möglich gemacht wird, bestand unverändert fort.
Die
Kampagne
der
sowjetischen
Führung für mehr Offenheit (Glasnost)
und eine "Demokratisierung" der sowjetischen
Gesellschaft
schuf neue
Möglichkeiten für die Bürger der Sowjetunion, ihrer Meinung über offizielle und inoffizielle Kanäle Ausdruck zu verleihen und gab den Anstoß
zu einer möglichen zukünftigen Lockerung der Gesetzgebung und anderen Reformen.
Es wurden weiterhin einige
politische
Gefangene
freigelassen.
Dennoch war diese Zeit auch von anhaltender Mißhandlung politischer Gefangener
und Unterdrückung
weniger
bekannter Nationalisten und religiöser
Aktivisten gekennzeichnet.
Da
die sowjetischen Behörden scheinbar
eher geneigt waren, einige Formen abweichender Meinungen zu tolerieren,
nahm die Zahl von Demonstrationen,
Petitionen und Protestschreiben zu.

- 3 -

�Während einige Demonstrationen friedlich vonstatten gehen konnten, wurden
andere gewaltsam aufgelöst, die Demonstrationsteilnehmer
festgenommen,
zum Teil geschlagen und häufig einem
Verhör unterzogen.
Entscheidende
Verbesserungen
in
der sowjetischen Politik konnten im
Bereich
der
Familienzusammenführung
beobachtet werden, obwohl Problembereiche weiterhin bestanden. Die Zahl
jüdischer
Auswanderer
erhöhte sich
beträchtlich und einigen schon seit
langem vergeblich um Ausreise nachsuchenden Juden wurde die Ausreise gestattet.
Dennoch warten auch heute
noch zahlreiche sowjetische Juden auf
die Ausreisegenehmigung. Auch im Bereich der Fälle amerikanisch-sowjetischer "getrennter Familien" wurden
Fortschritte erzielt
und ein entscheidender Sinneswandel konnte der
Tatsache entnommen werden, daß die
Mehrzahl der von der amerikanischen
Botschaft in Moskau bearbeiteten Einreiseanträge nicht auf der amerikanischen Liste stand, da den Antragstellern die Ausreisegenehmigung bereits bei ihrem ersten Antrag bei den
sowjetischen Behörden erteilt wurde.
Im Verlauf der vergangenen sechs Monate erhöhte sich die zahl der Personen, die Einreisevisa in die Vereinigten Staaten erhielten, um 200 Prozent und die Zahl derjenigen, denen
von
der
Amerikanischen
Botschaft
Flüchtlingsstatus
zuerkannt
wurde
(von denen 90 Prozent Armenier waren)
um nahezu 1 000 Prozent.
Die sowjetischen Behörden unterwarfen Reisen außerhalb des Landes
weiterhin strengen Beschränkungen, in
zwei Bereichen konnte während dieser
Zeit jedoch eine bemerkenswerte Lokkerung
beobachtet werden:
einigen
Sowjetbürgern wurde die Reise ins
Ausland
zum Besuch von Verwandten
nicht nur ersten Grades sondern auch

entfernterer Verwandter gestattet und
einigen wurde die Reise in die Vereinigten Staaten erlaubt, um Verwandte zu besuchen, die aus der Sowjetunion mit der Genehmigung ausgereist
waren, nach
Israel zu emigrieren,
beim Verlassen der UdSSR jedoch die
Vereinigten Staaten als Ziel wählten.
In den sowjetischen Medien wurden
zunehmend Informationen aus dem Ausland veröffentlicht bis hin zu Artikeln von amerikanischen Kommentatoren
und amerikanisch-sowjetischen Konferenzschaltungen
im
Fernsehen,
die
Diskussionen zwischen Amerikanern und
Sowjets zum Inhalt hatten.
Die sowjetischen Medien brachten auch Interviews sowie Meinungsumfragen amerikanischer
Regierungsvertreter
und
veranstalteten Pressekonferenzen für
sie.
Unter den übrigen Mitgliedstaaten
des Warschauer Pakts war die Anwendung der von der KSZE verfügten Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte unterschiedlich.
In einigen
Ländern konnten Verbesserungen beobachtet werden, aber die Lage ist insgesamt gesehen noch immer nicht zufriedenstellend.
Die Errungenschaften
der rumänischen Regierung im Bereich der Menschenrechte
blieben
hinter
ihren
KSZE-Verpflichtungen
zurück, obwohl
sich die Gesamtzahl der in die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik
Deutschland
und Israel
emigrierten
Rumänen erhöhte. Reisen aus dienstlichen Gründen waren weiterhin erschwert.
Einige
wissenschaftliche
Experten erhielten die Ausreisegenehmigung nur unter größten Schwierigkeiten und die rumänische Regierung
hielt die Zahl der Teilnehmer an mit
Reisen verbundenen kulturellen Austauchprogrammen nach wie vor begrenzt.

- 4 -

�In dieser Zeit gab die Behandlung
der Gläubigen in Rumänien für die
Vereinigten Staaten Anlaß zu größten
Bedenken.
Besonders
besorgniserregend waren die fortgesetzte Zerstörung von Kirchen und nicht erfüllte
Verpflichtungen zum Wiederaufbau oder
zur Renovierung von Kirchen. Angehörige
"nicht anerkannter" Glaubensrichtungen meiden weiterhin die Öffentlichkeit
und
so blieben ihnen
außergewöhnliche Verfolgung und Benachteiligungen erspart.
Veröffentlichungen antisemitischen Inhalts in
der Presse wurden nicht festgestellt.
Die baptistische Generalunion erhielt
5 000 anstelle der 10 000 versprochenen Cornilescu-Bibeln.
Es wurden zwar keine neuen politischen Gerichtsverfahren beobachtet,
aber dennoch gab es einige Fälle, in
denen Rumänen aus politischen Gründen
verhaftet wurden. Ion Puiu, der ehemalige Leiter der verbotenen rumänischen nationalen Bauernpartei, wurde vor dem Besuch von Generalsekretär
Gorbatschow
festgenommen und mußte
anscheinend
vor seiner
Freilassung
einige Wochen
in Haft verbringen.
Ein rumänischer Bürger wurde festgenommen und anschließend inhaftiert,
weil er versucht hatte, vor der Amerikanischen Botschaft für verstärkte
Wahrung der Menschenrechte zu demonstrieren.
Rumänien setzte seine Bestrebungen zur Kontrolle und Einflußnahme
auf die Medien fort, bis hin zu den
Schriften kurzfristig im Lande weilender westlicher Journalisten.
Die
Regierung reagierte auf Kritik von
außen höchst empfindlich, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung der
ungarischen Minderheit. Einigen amerikanischen und europäischen Korrespondenten wurde die Einreise nach Rumänien während des Besuchs von Generalsekretär Gorbatschow verweigert.

Obwohl in Polen keine Abkehr von
den Zeiten der Amnestie des Jahres
1986 bekannt wurde, blieb das unsichere Patt zwischen Regierung und Opposition bestehen.
Oppositionsgruppen waren geteilter Meinung darüber,
ob politische Gefangene weiterhin in
Haft seien.
Es lagen jedoch keine
Berichte vor, daß Personen länger als
48 Stunden aus politisch motivierten
Gründen
festgehalten
wurden.
Die
Verfolgung führender Oppositioneller
durch die Regierung wurde in Form von
beträchtlichen Geldstrafen und Festnahmen bis zu 48 Stunden fortgesetzt.
"Warngespräche", in denen man die Anführer vor den Konsequenzen der Teilnahme
an
kontroversen
Aktivitäten
warnte, wurden ein zunehmend verbreitetes Mittel, Widerspruch im Keim zu
ersticken. Viele der Oppositionellen
blieben
als
Ergebnis
ihrer
politischen Aktivitäten un- oder unterbeschäftigt.
Während des Papstbesuchs im Juni,
an den Feiertagen 1. und 3. Mai sowie
am 31. August, dem Jahrestag der Unterzeichnung der Gdansker Vereinbarungen, veranstaltete die Opposition
große Demonstrationen.
Das vorgehen
gegen diese Demonstrationen seitens
der Behörden unterschied sich beträchtlich von Stadt zu Stadt. Viele
Aktivisten behaupten, die Polizei habe besonders in kleinen Städten, die
westlichen
Beobachtern
nicht
so
leicht zugänglich waren, unverhältnismäßige Gewalt angewendet.
Der
Konsultativrat
des Staatsratsvorsitzenden trat während des Berichtszeitraums
zweimal
zusammen.
Obwohl es schwierig ist, eine direkte
Verbindung zwischen seinen Debatten
und staatlichen Handlungen herzustellen, haben die Behörden doch einige
Schritte
unternommen, um
von
den
Ratsmitgliedern angesprochene Bedenken zu behandeln.
Im Januar 1988

- 5 -

�wird ein Gesetz in Kraft treten,
durch das ein Vertrauensmann, genannt
"Sprecher für die Rechte der Bürger",
eingesetzt
wird.
Dieser Ombudsman
soll angeblich die Macht besitzen,
juristische Verfahren zu überprüfen
und die Verfassungsmäßigkeit polnischer Gesetze anzufechten.
Die
katholische
Kirche
bildet
weiterhin die einzige große und mächtige unabhängige Institution in Polen
und handelt als energischer Anwalt
der Menschenrechte und der Assoziationsfreiheit.
Kirche und Behörden
arbeiteten bei der Vorbereitung des
Papstbesuchs im Juni eng zusammen.
Im Vergleich zu den anderen Staaten des Warschauer Pakts ist die Menschenrechtslage in Ungarn weiterhin
von einem relativ geringen Ausmaß an
Repression
gekennzeichnet.
Im Berichtszeitraum wurde eine große Zahl
freier Stellen in kirchlichen Hierarchien mit staatlicher Zustimmung umgehend neu besetzt.
Einige Problembereiche blieben jedoch bestehen. So
wurden
einigen Oppositionellen
die
Pässe zunächst verweigert und dann,
nach Einsprüchen, für wesentlich kürzere Auslandsaufenthalte
als beantragt gewährt.
In einem Fall wurde
ein Bürger durch die Verweigerung eines passes und die spätere Genehmigung mit einer Gültigkeit von nur
drei Monaten daran gehindert, einer
Einladung zu einer einjährigen Lehrtätigkeit
an
einer
amerikanischen
Universität nachzukommen.
Einige
Untergrundzeitungen
(Samisdat) konnten weiterhin mit geringfügigen
Behinderungen
arbeiten,
während
Herausgeber
und Vertreiber
anderer Samisdat-Schriften in regelmäßigen Abständen Hausdurchsuchungen,
Geldstrafen und der Beschlagnahme von
Druckpressen, Material und Druckerzeugnissen ausgesetzt waren.
- 6

In der Deutschen Demokratischen
Republik wurde positive Bewegung in
bezug auf die Freiheit von Bürgern,
in den Westen zu reisen, sowie bei
den Beziehungen zwischen Staat und
Kirche festgestellt.
Die Gesamtsituation bei den Menschenrechten, den
Grundfreiheiten und humanitärer Zusammenarbeit
blieb eindeutig unbefriedigend.
Kontakte
mit
Bürgern
westlicher Staaten, die Familienzusammenführung, binationale Ehen, Auswanderung und Reisen in den Westen
bleiben für die meisten DDR-Bürger
schwierige Unterfangen.
Die in den vergangenen beiden
Jahren
feststellbaren
Erleichterung
bei Reisebeschränkungen durch die DDR
gestatteten einer Rekordzahl von DDRBürgern im Jahr 1986 Reisen in den
Westen.
Gleichzeitig ist die Zahl
derjenigen, denen die Auswanderung
gestattet wurde, beträchtlich gesunken.
Sollte der gegenwärtige Trend
anhalten, wird
die Gesamtzahl der
Auswanderer im Jahr 1987 nicht einmal
die Hälfte des Standes vom Vorjahr
erreichen.
Das Auswanderungsverfahren bleibt willkürlich; nur einem
Bruchteil
der
Auswanderungswilligen
ist dies gestattet worden, und viele
Antragsteller
sind
Strafmaßnahmen
ausgesetzt, die von Schikanierung bis
Inhaftierung reichen.
Bei der Bewachung der streng gesicherten Grenze seitens der DDR wurde keine Lockerung beobachtet. Trotz
der Errichtung eines ausgeklügelten
Frühwarnsystems, wie schon im vorigen
Halbjahresbericht
erwähnt, gibt es
immer noch vereinzelte Fälle einer
gelungenen Flucht. Die Zahl erfolgloser Fluchtversuche unterliegt der
Mutmaßung.
Im Licht der Feiern zum
750jährigen Bestehen Berlins und des
Honecker-Besuchs in der Bundesrepublik Deutschland schien es, als ob
die Behörden die Grenztruppen ange-

�wiesen hätten, nicht mehr das Feuer
auf Flüchtlinge zu eröffnen, ausgenommen bei Flüchtlingen aus Militär
und Polizei oder im Fall eines bewaffneten Angriffs.
Der letzte bekannte Gebrauch von Schußwaffen ereignete sich am 29. Juli.
In bezug auf die freie Religionsausübung
konnten
mehrere
positive
Entwicklungen
beobachtet
werden.
Große Versammlungen von Protestanten
und Katholiken fanden im Berichtszeitraum in Berlin und Dresden statt.
Nicht nur unternahmen die Behörden
keinerlei Versuch zur Störung dieser
Veranstaltungen, sie stellten dafür
sogar logistische Unterstützung bereit.
Beiden Veranstaltungen wurde
sowohl in der Berichterstattung der
staatlichen Medien als auch in der
ausländischen Presse breiter Raum gegeben.
Zum ersten Mal seit 1967 hat
die jüdische Gemeinde der DDR einen
eigenen Rabbi.
Im Juli verkündete die DDR aus
Anlaß des 38. Jahrestags ihrer Gründung am 7. Oktober 1949 die Freilassung nahezu aller inhaftierten in einer allgemeinen Amnestie, die vom 12.
Oktober bis 12. Dezember 1987 durchgeführt werde. Es wird erwartet, daß
praktisch alle politischen Gefangenen
in diesem Herbst freigelassen werden.
Es ist unklar, ob einer bedeutenden
Zahl von ihnen die baldige Ausreise
in die Bundesrepublik Deutschland gestattet werden wird. Bei vielen war
die Inhaftierung aufgrund von Ausreisebemühungen erfolgt.
Die Anwendung der KSZE-Bestimmungen durch die Tschechoslowakei war in
den vergangenen sechs Monaten durch
bescheidene
Verbesserungen
gekennzeichnet,
insgesamt bleiben jedoch
ernste Mängel bestehen.
Die Gewissensfreiheit ist weiterhin stark eingeschränkt, und die Verfolgung poli-

tischer, religiöser und kultureller
Aktivisten dauert an. Die Regierung
hielt offen am Verbot der Mitgliederwerbung für bestimmte Gruppen fest
(z. B. die Zeugen Jehovas) und intervenierte willkürlich in das Wirken
aller anderen religiösen Vereinigungen.
Obwohl den theologischen Seminaren weiterhin eine größere Zahl von
Einschreibungen gestattet wurde, werden sie nicht in der Lage sein, mit
der Zahl ausscheidender Priester mithalten zu können.
Die Genehmigung
eines Priesters kann jederzeit und
ohne
Erklärung
widerrufen
werden.
Das Angebot religiöser Literatur ist
unzureichend, und die Regierung bekämpft
aktiv
alle
Bemühungen,
es
durch Drucken
im "Untergrund" und
nichtgenehmigte Einfuhren aufzustokken.
Die politische und kulturelle Unterdrückung
hielt an.
Das Prager
Stadtgericht hat z. B. die Urteile
gegen die Führung der Jazz-Sektion
vom 10. - 11. März bestätigt.
Von
den fünf Verurteilten ist der Vorsitzende der Sektion, Karel Srp, weiterhin in Haft. Vladimir Kouril wurde
nach Verbüßung seiner Strafe Anfang
Juli entlassen. Die Urteile der anderen
Vorstandsmitglieder
Josef
Skalnik, Tomas Kriwanek und cestmir
Hunat - wurden zur Bewährung ausgesetzt.
Die harte Linie des Staates
gegen
unabhängige
Kulturinitiativen
ist in diesem Zeitraum nicht konseguent durchgeführt worden. Bestimmte
unabhängige Kulturveranstaltungen und
Kunstausstellungen
fanden
ungestört
statt; andere wurden von der Polizei
aufgelöst.
Im Fall der Jazz-Sektion
nahmen Vertreter des Kultusministeriums Verhandlungen mit Vertretern der
Jazz-Sektion im Hinblick auf die Möglichkeit der Gründung einer neuen,
beiderseits annehmbaren Organisation
auf, um sie zu ersetzen.

- 7 -

�In den Handlungen der bulgarischen Regierung zur Durchführung ihrer Verpflichtungen
im Rahmen der
KSZE wurde kein wesentlicher Wandel
festgestellt.
Sie
hielt
an
der
Praxis politischer Maßnahmen zur Verweigerung und Unterdrückung der ethnischen Identität der türkischen Minderheit in diesem Land fest, durch
die die freie Religionsausübung gehemmt und regimefeindliche Meinungen
mißbilligt und unter Strafe gestellt
werden.
Mehrere Fälle von Familientreffen
und -zusammenführung
wurden
positiv gelöst, obwohl in einigen anderen Fällen erhebliche Verzögerungen
bei der Ausstellung von Reisedokumenten auftraten, nachdem im Prinzip positive
Entscheidungen
angekündigt
worden waren.
Mehrmals wurde von
amerikanischen
Bürgern
bulgarischer
Abstammung berichtet, denen das Visum
zum Besuch Bulgariens verweigert wurde, obwohl vielen ehemaligen Bulgaren
gestattet
worden
ist, besuchsweise
zurückzukehren.
Trotz vermehrten Redens über und
einigen Beispielen von Glasnost dauerte die strenge Kontrolle der Medien
und
des
Informationsflusses
durch
Partei und Staat großenteils unvermindert an.
Die Arbeitsbedingungen
ausländischer
Journalisten
waren
schwierig, im Vergleich zum vorigen
Berichtszeitraum
waren
sie
jedoch
durch geringfügige Verbesserungen gekennzeichnet. Fortschritte wurden im
Bereich der bilateralen Kulturbeziehungen erzielt. Dies wird durch ein
amerikanisch-bulgarisches
Abkommen
zum Kulturaustausch betont, in dessen
Rahmen der Austausch einer amerikanischen Design-Ausstellung und einer
Ausstellung bulgarischer Grafik Ende
1987 stattfinden wird.
Die Bilanz der Sowjetunion und
der Staaten Osteuropas bei der Anwendung von Korb II blieb weiterhin un-

zureichend.
Die andauernde unterdurchschnittliche Wirtschaftsleistung
führte zu Bemühungen, die Produktivität zu verbessern.
Die Sowjets und
einige osteuropäische Staaten zeigten
großes Interesse an wirtschaftlicher
Umstrukturierung.
Die sich daraus
ergebenden Veränderungen zielten darauf
ab,
westliche
Investitionen,
Technologie und Managementfähigkeiten
zu erlangen und nicht darauf, die
allgemeinen
wirtschaftlichen
Bedingungen zu verbessern.
Die Bilanz bei wirtschaftlichen
Kontakten und Einrichtungen war uneinheitlich.
Die verschiedenen Reorganisationen
in Handels- und Wirtschaftsministerien führten zu einer
Verwirrung
von
Verantwortlichkeiten
und behinderten dadurch den Zugang zu
Endverbrauchern. Die zahl und Qualität von Hotelunterkünften und anderen
Einrichtungen erhöhte sich allgemein,
allerdings entsprachen die geforderten Preise denen in bedeutenden Industriestädten
der wichtigsten westlichen Länder.
Bei der Verfügbarkeit und Qualität von Wirtschafts- und Handelsinformationen
war
keine Verbesserung
festzustellen, und die
Forderungen
nach Gegengeschäften
wurden
weiter
hochgeschraubt. Diese Forderung wurde durch die Förderung von Gemeinschaftsunternehmen
begleitet.
Vom
Osten als Weg zur Erlangung westlicher
Investitionen und
Technologie
ohne die Verpflichtung zur Zahlung in
Hartwährungen angesehen, bieten die
Gemeinschaftsunternehmen
westlichen
Firmen immer noch nicht die Sicherheit, Möglichkeit zum Gewinntransfer
oder andere wirtschaftliche Anreize,
die notwendig sind, um diese Unternehmen attraktiv zu machen.
Das Interesse
sammenarbeit
in

- 8 -

an verstärkter
Wissenschaft

Zuund

�Technik blieb groß, und die Zahl bilateraler Abkommen erhöhte sich weiter. Obwohl die Sowjets und Osteuropäer ein wachsendes Bewußtsein für
Umweltprobleme demonstrierten, trugen
sie selbst sehr wenig zur Verbesserung der sich rapide verschlechternden Situation bei.
Im Bereich der Sicherheit war die
anfängliche Bilanz der Durchführung
der
detaillierten
Regelungen
des
Stockholmer Dokuments durch den Osten
ermutigend.
Obwohl
in dieser Anfangsphase der Anwendung von allen
Teilnehmerstaaten
einige
technische
Schwierigkeiten festgestellt wurden,
entsprach die östliche Praxis dem
Wortlaut und in einigen Fällen auch
dem Geist des Stockholmer Dokuments.
Im Berichtszeitraum wurden alle Vorschriften des Dokuments, einschließlich des Rechts auf Inspektion vor
Ort, erfüllt.

Das Wiener KSZE-Folgetreffen
Das dritte Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, das am 4. November
1986 in Wien eröffnet wurde, dauerte
auch nach dem vorgesehenen Abschlußtermin am 31. Juli 1987 noch an.
Die
bedeutendsten
Entwicklungen
des Wiener Treffens im Berichtszeitraum fanden während der dritten Runde
vom 5. Mai bis 31. Juli statt. Die
teilnehmenden Staaten unterbreiteten
weiterhin Vorschläge, und es wurden
Anstrengungen
unternommen, mit der
Erstellung eines Entwurfs für das
Schlußdokument zu beginnen. Bis zum
1. Oktober wurden
im Verlauf des
Treffens 152 Vorschläge auf den Verhandlungstisch gelegt.
Ein wichtiger Schritt wurde unternommen, als der Westen am 10. Juli

seinen Vorschlag für Sicherheitsverhandlungen vorlegte.
Der westliche
Vorschlag sieht zwei unterschiedliche
Verhandlungen im Rahmen des KSZE-Prozesses vor:
1) Die Wiederaufnahme
von Verhandlungen zwischen allen 35
Teilnehmerstaaten, die auf den Ergebnissen der Stockholmer Konferenz über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen aufbauen und diese erweitern soll; 2) davon unabhängige Verhandlungen zwischen den 23 Mitgliedstaaten der NATO und des Warschauer
Pakts mit dem Ziel, konventionelle
Stabilität in Europa auf einem niedrigeren
Streitkräfteniveau
zu
erreichen,
informelle Gespräche über
ein Mandat
für autonome Gespräche
über konventionelle Stabilität zwischen den Mitgliedern von NATO und
Warschauer Pakt finden gegenwärtig in
Wien statt und haben schon Fortschritte erbracht.
Fortschritte bei Korb II (Wirtschaftsfragen) wurden in der dritten
Runde nur schleppend erzielt. Obwohl
die formellen Sitzungen in Wien von
Forderungen der Staaten des Warschauer Pakts durchsetzt waren, man solle
mit der Ausarbeitung eines Entwurfs
für
das
Schlußdokument
beginnen,
blieben
bedeutende
Meinungsunterschiede zu Handel und industrieller
Kooperation bestehen.
Man hatte gehofft, daß der Osten
mit der Unterbreitung des westlichen
Sicherheitsvorschlags beginnen würde,
sich ernsthaft den westlichen Vorschlägen zum menschlichen Aspekt zu
widmen.
Bedauerlicherweise war dies
nicht der Fall. In der dritten Runde
blieben die Positionen von Ost und
West
beim
gesamten
Spektrum
von
Schlüsselfragen weit voneinander entfernt, insbesondere im Hinblick auf
menschliche
Begegnungen und
Fragen
der Menschenrechte.
Die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Partner haben -

- 9 -

�mit erheblicher Unterstützung einiger
neutraler und blockfreier Staaten weiterhin Probleme der Vertragseinhaltung betont und die Notwendigkeit
positiver Handlungen zu deren Beseitigung hervorgehoben, einschließlich
eines glaubwürdigen Mechanismus zur
Institutionalisierung notwendiger Reformen.
Die Diskussion über den sowjetischen Vorschlag zur Veranstaltung
einer Konferenz über humanitäre Zusammenarbeit in Moskau als Teil der
Folgeveranstaltungen nach Wien wurde
weitergeführt.
Die NATO-Länder einschließlich der Vereinigten Staaten
bekräftigten ihre Forderung an die
Sowjets, glaubwürdige Garantien des
Zugangs und der Offenheit für jeden
anzubieten, der an der Teilnahme an
einem solchen Treffen Interesse bekundet, darunter auch Einzelpersonen,
Vertreter nichtstaatlicher Organisationen und der Presse.
Der Leiter der amerikanischen Delegation, Botschafter Warren Zimmermann, stellte eine Reihe sehr präziser Fragen zu Zugang und Offenheit,
insbesondere zu den folgenden Bereichen:
Freizügigkeit
innerhalb der
UdSSR für sowjetische Bürger, die an
dem Treffen teilzunehmen wünschen;
Teilnahme der sowjetischen HelsinkiBeobachter; Teilnahme
ausländischer
Menschenrechtler, darunter auch ehemalige sowjetische Bürger; Organisierung öffentlicher und privater Treffen und Aktivitäten; Zugang sowjetischer
Bürger
zu
Delegationen,
nichtstaatlichen
Organisationen
und
Journalisten sowie Gewährung von Unterkunft, Büroräumen, Kommunikationseinrichtungen
usw. für nichtstaatliche Organisationen und die Presse.
Am
Ende
des
Berichtszeitraums
hatte die sowjetische Delegation noch
keine
detaillierten
Antworten
auf
- 10

diese Fragen erteilt.
Die Vereinigten Staaten bekräftigten außerdem das
Kriterium, daß die Sowjets ihr Verhalten im Bereich der Menschenrechte
erheblich verbessern muß, bevor Moskau als glaubwürdiger Bewerber um die
Ausrichtung eines solchen Treffens in
Betracht gezogen werden kann.
Der
stellvertretende
Außenminister Whitehead war der ranghöchste
amerikanische Besucher des Treffens
im Berichtszeitraum. Er hielt am 23.
Juni eine Ansprache vor dem Plenum.
Whitehead betonte den Standpunkt der
Vereinigten Staaten, daß Sicherheit
wesentlich umfassender ist als lediglich
die
Frage
des
militärischen
Gleichgewichts;
die
Menschenrechte
und
Grundfreiheiten
bilden
ebenso
wichtige
Bestandteile
des
Sicherheitsproblems.
Insbesondere stellte
Whitehead
die
sowjetische
Bereitschaft zur Einhaltung all ihrer in
Helsinki eingegangenen Verpflichtungen in Frage.
In einer kritischen
Würdigung der von Fortschritten und
Mängeln gekennzeichneten Bereiche gelangte er zu dem Schluß, daß die Bilanz insgesamt nocht unbefriedigend
sei.
Nach einer Sommerpause begann die
vierte Runde am 22. September in der
Hoffnung, daß ernsthafte Bemühungen
für den Entwurf eines Schlußdokuments
zu Anfang dieser Runde die Beendigung
des Wiener Treffens bis Jahresende
erlauben würde.
Von neutralen und
blockfreien Koordinatoren vorgelegte
Kompromißpapiere
lieferten
zusammen
mit noch nicht endgültig ausformulierten Entwürfen und Vorschlägen eine solide Grundlage für ernsthafte
Verhandlungen
über
den
Text
des
Schlußdokuments. Aufgrund der östlichen Hinhaltetaktik wurden jedoch in
Menschenrechtsfragen
praktisch
keinerlei Fortschritte erzielt, obwohl
Sprachregelungen zu Sicherheitsfragen

�erarbeitet wurden.
Dem amerikanischen
Standpunkt
zufolge
muß
das
Schlußdokument ein Gleichgewicht in
jeder Dimension widerspiegeln - in
der sicherheitspolitischen, der wirtschaftlichen
und der menschlichen.
Die vereinigten Staaten sind darauf
eingerichtet, solange zu bleiben, wie
es nötig ist, um von den Staaten des
Ostens im Bereich der Menschenrechte
und Grundfreiheiten eine verbesserte
Vertragseinhaltung
und
erweiterte
Verpflichtungen zu erlangen.

- 11 -

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

9. Dezember 1987

43

HOFFNUNG AUF AUSROTTUNG DER FLUSSBLINDHEIT
Neues Medikament könnte Infektionskette blockieren -

WASHINGTON - (AD) - Mit dem Medikament Ivermectin (Handelsname: Mectizan)
hofft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die zweite und zugleich wichtigste
Front zur Bekämpfung der Onchozerkose, der sogenannten Flußblindheit, aufbauen
zu können. Wie WHO-Generalsekretär Dr. Halfdan Mahler kürzlich bekanntgab,
werde Ivermectin, nachdem es offiziell zugelassen wurde, jetzt von der Herstellerfirma für geeignete WHO-Programme weltweit kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das amerikanische Arzneimittelunternehmen Merck, Sharpe &amp; Dohme in
Rahway (New Jersey) entschloß sich
angesichts der wirtschaftlichen und
geographischen Gegebenheiten für die
ca. 30 Länder der Dritten Welt, unter
deren Bevölkerung die Wurmkrankheit
Onchozerkose endemisch ist, zu diesem
spektakulären Schritt. In seinen Labors wurde 1975 die wirksame Verbindung entdeckt und in der Zwischenzeit
zum anwendungsreifen Präparat weiterentwickelt; es lähmt die im menschlichen Körper vagabundierenden Parasiten, tötet die Larven ab und unter-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bindet weitgehend die Fortpflanzung
der Knäuelfilarien.
Nach erfolgreicher
klinischer
Erprobung
im Jahr
1986 wurden in diesem Jahr erste
größere Feldversuche in einigen Gebieten Afrikas durchgeführt.
Schon seit 13 Jahren bemüht sich
die WHO, unterstützt vor allem durch
die Vereinigten Staaten, mit Insekten- und Larvenvernichtungsprogrammen
um die Ausrottung der Überträger der
Parasiten, die die verheerende Krankheit
beim
Menschen
hervorrufen.
"Schwarze Fliege" nennen die Bewohner

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Flußniederungen in den am meisten
betroffenen
Gebieten
Afrikas
die
Kriebelmücke (Simulium), die zur Regenzeit das Unheil bringt. Mit dem
Stich blutsaugender Weibchen gelangen
die Larven der Onchozerken in den
menschlichen Körper. In mehreren Monaten wachsen die Larven zu Fadenwürmern (Filarien) heran, die zunächst
das Bindegewebe und später auch Muskeln befallen.
Männliche und weibliche Würmer (letztere werden bis zu
50 cm lang) sammeln sich zu Knäueln
und bilden Knoten unterschiedlicher
Größe insbesondere in der Haut. Die
millionenfachen
Nachkommen
(Mikrofilarien) suchen vorzugsweise das unterhautgewebe auf, wo sie stark jukkende Entzündungen verursachen.
sie
sind dort nach ca. 18 Monaten nachweisbar.
Auf dem Lymphwege gelangen
die Filarien in die Augen.
So kann
es schon bei Kindern zu Bindehautund Hornhautentzündungen kommen. Mit
der Zeit bilden sich im Auge Vernarbungen und Wucherungen, als sekundäre
Folgen ergeben sich Glaukom und grauer Star.
Die Erblindung im frühen
Erwachsenenalter ist dann nicht mehr
aufzuhalten.
An dieser "Krankheit des armen
Mannes", wie Flußblindheit in Afrika
auch genannt wird, leiden - in verschiedenen Stadien - 18 bis 20 Millionen Menschen auf der Welt.
Auf
etwa 340 000 wird die Zahl der unheilbar Erblindeten, auf fast ebenso
viele die Zahl der jährlichen Neuinfektionen geschätzt. Nach Erhebungen
der WHO sind in Gebieten mit starkem
Befall im Durchschnitt 15 Prozent der
Dorfbewohner
blind.
Gefährdet
ist
vor allem die Bevölkerung in tropischen und tropennahen Regionen Westund Zentralafrikas, Mittel- und Südamerikas und des Mittleren Ostens.
Mancherorts ist es noch immer ein gewohntes Bild, daß sich ausgemergelte
Gestalten, von einem Kind geführt und

mit langen Stöcken eine Kette bildend, zur Arbeit auf die Felder tasten.
Fruchtbare Flußniedrungen sind
in einigen Gebieten entvölkert, die
Dörfer verlassen, weil ihre Bewohner
sich vor der schwarzen Fliege in Sicherheit zu bringen suchten.
Verständlich, daß Senator Edward
Kenney, der die Entwicklung von Ivermectin seit Jahren mit besonderem Interesse verfolgte, das inzwischen Erreichte als "Erhörung eines Gebetes
für die Dritte Welt" bezeichnete.
Denn im Gegensatz zu den beiden anderen bisher eingesetzten Medikamenten
(Diäthylcarbamazin und Suramin) mit
ihren oft äußerst schwerwiegenden Nebenwirkungen, die ohnehin eine Anwendung
vielerorts unmöglich machten,
sind solche Probleme bei Ivermectin
ausgeschaltet.
Das Medikament wird
eingenommen, im Gegensatz zu den beiden erstgenannten Präparaten genügen
zwei Dosen pro Jahr.
Ein wichtiges
Ergebnis der Feldversuche:
innerhalb
weniger Tage kann sich die zahl der
im Hautgewebe festgestellten Mikrofilarien auf weniger als zehn Prozent
verringern.
Erkrankte vermag ivermectin nicht
zu heilen, aber es dünnt zum mindesten die Infektionskette aus, könnte
sie vielleicht sogar
unterbrechen.
Diese ergibt sich aus dem Umstand,
daß Kriebelmücken beim Blutsaugen am
Menschen auch Mikrofilarien aufnehmen.
Die Insektenbekämpfungsaktionen
erweisen sich, wie bei der Malariabekämpfung
auch, als
immer
weniger
wirksam, weil die Parasitenüberträger
in vielen Gebieten Resistenz gegen
die Insektizide entwickelten.
Dr. Mahler hofft, daß bis zum
Jahr 2000 die Flußblindheit durch die
Kombination von Pestiziden und dem
neuen Medikament weitgehend ausgerottet werden kann. "Meist sind es ex-

�trem arme und oft ganz abgelegene Gebiete, wo die Krankheit
endemisch
ist", sagte Merck-Vorstandsvorsitzender Dr. P. Roy Vagelos. "Das erfordert besondere Initiativen und Großaktionen im öffentlichen Gesundheitswesen." Während sein Unternehmen das
Medikament zur Verfügung stelle, hätten sich internationale Gesundheitsorganisationen
und die
Regierungen
der einzelnen Länder um die Verteilung zu kümmern.
Letztere würden
aufgefordert, bei einer unabhängigen
Uberprüfungskommission
Vorschläge
über die Einrichtung von Verteilungssystemen und die Anwendung von Iver, mectin in ihren Gesundheitsprogrammen
• einzureichen.
Bei der Durchführung
seien sie der Unterstützung durch die
WHO sicher. In den USA wurden im August 1987 für die AID (US-Behörde für
Internationale
Entwicklung)
bereits
vier Millionen Dollar zur Ausarbeitung eines Verteilersystems für die
bedürftigsten Gebiete bewilligt.
Wie Dr. Mahler berichtete, werden
Feldversuche mit Ivermectin im großen
Maßstab in 12 Ländern West- und Zentralafrikas sowie Mittelamerikas in
Zusammenarbeit mit Merck fortgesetzt.
Sie sollen u.a. mögliche Nebenwirkungen erfassen helfen, wofür 2,5 Millionen Dollar bereitgestellt werden.
Besonderes Augenmerk gelte dabei der
Anwendung bei Schwangeren und bei
stillenden Müttern sowie bei Kindern
unter 12 Jahren. An den Ergebnissen
orientierten
sich die
Empfehlungen
der WHO an ihre Mitgliedstaaten für
den wirksamsten
Einsatz des Medikaments.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: aus Vision wurde Realität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reden von Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow vor der Unterzeichnung des INF-Abkommens &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Amerikaner und Sowjets teilen "Gemeinsamen Traum vom Frieden"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft des Präsidenten an das amerikanische und sowjetische Volk&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bei INF-Vertrag keine "Auszeit" nötig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul H. Nitze &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;KSZE-Bilanz des Warschauer Pakts noch "voller Mängel"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kapitel 1 des Halbjahresberichts zur Anwendung der KSZEVerpflichtungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hoffnung auf Ausrottung der Flußblindheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neues Medikament könnte Infektionskette &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;blockieren&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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