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                  <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst

3. Dezember 1987

CHRONOLOGIE DER ENTWICKLUNG IM BEREICH DER MITTELSTRECKENWAFFEN (INF)
- 1977 bis 1987 -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Anfang 1977

28. Oktober 1977

Die Sowjetunion beginnt mit der
Stationierung von Mittelstreckenraketen des Typs ss-20 im europäischen
Teil der UdSSR.

In einer Rede vor dem internationalen Institut für Strategische Studien in London lenkt Bundeskanzler
Helmut Schmidt die Aufmerksamkeit der
NATO auf die Bedrohung durch die sowjetischen SS-20.

Die SS-20 ist eine moderne mobile
ballistische Rakete mit drei unabhängig
steuerbaren Gefechtsköpfen und
einer Reichweite, die von Stützpunkten tief in der UdSSR ganz Westeuropa
erfaßt.

Er verweist darauf, Parität bei
den strategischen Atomwaffen zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR
bedeute "die Vergrößerung der Bedeutung
des Ungleichgewichts
zwischen
Ost und West bei taktischen und kon-

�ventionellen Waffen". Die Stationierung der SS-20 verstärke dieses Ungleichgewicht zwischen NATO und Warschauer Pakt.

zende
Unterstützungsprogramme
Streitkräftemodernisierung
und
stungskontrolle.

von
Rü-

6. Oktober 1979
Ende 1977
Die Nukleare Planungsgruppe (NPG)
der NATO beschließt die Bildung der
Hochrangigen Beratergruppe (HLG), deren Aufgabe in der Untersuchung der
langfristigen Erfordernisse zur Nachrüstung des Bündnisses im INF-Bereich
im Einklang mit seiner Doktrin der
flexiblen Reaktion besteht.
Es wird zwischen zwei Kategorien
von INF unterschieden: solche längerer Reichweite
(LRINF) und solche
kürzerer Reichweite (SRINF).

Generalsekretär Breschnew schlägt
das Einfrieren der Zahl stationierter
sowjetischer SS-20-Raketen vor, falls
die NATO keine gleichgearteten Systeme
stationiert,
weil
"jetzt
ein
Gleichgewicht besteht".
Zu diesem Zeitpunkt sind 130 SS20-Raketen
mit
390
Gefechtsköpfen
stationiert.
Keinerlei amerikanische
ten sind stationiert.

INF-Rake-

12. Dezember 1979
Frühjahr 1979
Die NATO ruft einen Sonderausschuß für Rüstungskontrolle und damit
zusammenhängende Angelegenheiten (SG)
ins Leben, um die Leitlinien zukünftiger
Rüstungskontrollbemühungen
in
bezug auf INF zu formulieren.
(Der
SG wurde nach dem NATO-Doppelbeschluß
von Dezember 1979 in Besondere Beratungsgruppe [SCG] umbenannt).

Sommer 1979
Die Arbeit von HLG und SG wird in
der integrierten Entscheidungsvorlage
zusammengefaßt, in der die Grundziele
der INF-Politik des Bündnisses als
"Abschreckung und Stabilität auf der
Grundlage einer Triade von Streitkräften, die Koppelung dieser Streitkräfte und das wichtige politische
Prinzip der strategischen Einheit des
Bündnisses" definiert werden.
Das Dokument

fordert

sich ergän-

Die NATO verabschiedet einstimmig
eine "zweigleisige" Strategie, um der
Stationierung von SS-20-Raketen durch
die Sowjets entgegenzutreten.
Zum
einen
werden
Rüstungskontrollverhandlungen mit der UdSSR angestrebt, um das Gleichgewicht
im
INF-Bereich
auf
dem
niedrigstmöglichen Niveau wiederherzustellen.
In Ermangelung
eines Rüstungskontrollabkommens wird die NATO andererseits mit der im Dezember 1983 beginnenden Stationierung von 464 amerikanischen
landgestützten
Marschflugkörpern (GLCM) und 108 ballistischen Pershing II-Raketen eine INFNachrüstung in Westeuropa durchführen.

Anfang 1980
Die Vereinigten Staaten
bieten
Verhandlungen über INF an, die von
den Sowjets abgelehnt werden.

�Juli 1980

18. November 1981

Während des Besuchs von Bundeskanzler Schmidt in Moskau verkünden
die Sowjets ihre prinzipielle Einwilligung, an INF-Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten teilzunehmen.

In einer Grundsatzrede, in der er
einen Rahmen für Verhandlungen über
Reduzierungen in allen Waffenkategorien
fordert,
schlägt
Präsident
Reagan
die
"Null-Lösung"
vor
und
stimmt der Aufhebung der geplanten
Stationierung amerikanischer INF-Raketen zu, falls sich die Sowjetunion
bereiterklärt, alle ihre SS-4, SS-5
und SS-20-Raketen zu beseitigen.

Oktober 1980
Die Sowjetunion
behauptet, bei
den INF-Raketen "besteht jetzt ein
Gleichgewicht.
Annähernd 200 sowjetische
SS-20-Raketen
mit
600 Gefechtsköpfen sind zu diesem Zeitpunkt
stationiert.
Keine
amerikanischen
INF-Raketen sind stationiert.

Oktober - November 1980
In Vorgesprächen wird keine Einigung über den Schwerpunkt der INFVerhandlungen zwischen amerikanischen
und
sowjetischen Unterhändlern erzielt.

30. November 1981
In Genf werden formelle Verhandlungen über
INF aufgenommen.
Die
Vereinigten Staaten streben die weltweite
Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen LRINF-Raketen sowie damit einhergehenden Beschränkungen für SRINF-Raketen an.

11. Dezember 1981
Die Vereinigton Staaten legen den
Sowjets in Genf formell den Vorschlag
einer "Null-Lösung" vor.

Januar 1981
Die
Reagan-Administration
übernimmt
die
Regierungsgeschäfte
und
leitet eine Überprüfung der amerikanischen Rüstungskontrollpolitik ein.

Frühjahr 1981
Bei einem Treffen des Nordatlantikrats
der
NATO
bekräftigen
die
Außenminister den Doppelbeschluß von
1979.
In Vorbereitung auf Verhandlungen, die zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahres stattfinden sollen, werden die Konsultationen der
Verbündeten fortgeführt.

- 3-

Dezember 1981
Die Sowjets schlagen eine Übereinkunft vor, mit der für jede Seite
eine Obergenze von 300 "Mittelstrekken"-Raketen und nuklearfähigen Flugzeugen in Europa festgelegt würde.
Dabei sollen die unabhängigen britischen
und
französischen Nuklearstreitkräfte auf amerikanischer Seite
verbucht werden.

März 1982
Die Sowjets verkünden ein "Moratorium" für die Stationierung ihrer
-SS-20-Raketen
in
der
europäischen

�UdSSR.
im Zuge der Fertigstellung
ihrer im Bau befindlichen Raketenstiitzpunkte im europäischen Teil der
UdSSR werden weitere Raketen stationiert.
Außerdem wird mit dem Bau
neuer Stützpunkte im asiatischen Teil
der UdSSR begonnen; mit den dort stationierten Raketen können NATO-Ziele
erreicht werden.

Juni 1982
Amerikanische und sowjetische Unterhändler entwickeln ein informelles
Paket von Elementen, die in ein mögliches INF-Abkommen einbezogen werden
sollten, das unter dem Namen "Waldspaziergang" bekannt wird.
Dieser Plan würde:
1.

Eine gleiche Anzahl von
schußvorrichtungen
in
festsetzen.

2.

Die Stationierung amerikanischer
Pershing H-Raketen ausschließen.

3.

INF-AbEuropa

Die zahl der im asiatischen Teil
der UdSSR stationierten SS-20-Raketen einfrieren.

Dieses Paket wird
abgelehnt.

später

von

Moskau

Keine amerikanischen
sind stationiert.

INF-Raketen

Dezember 1982
Die UdSSR schlägt öffentlich eine
Untergrenze für INF-Raketen in Europa
vor, die ausdrücklich mit dem Niveau
britischer und französischer Raketen
verbunden sein und dazu dienen soll,
die Stationierung amerikanischer INFRaketen in Europa zu verhindern.
Die
sowjetische
Forderung
nach
Einbeziehung der unabhängigen nuklearen Abschreckungsstreitkräfte
Großbritanniens und Frankreichs würde der
UdSSR
ein
rechtlich
sanktioniertes
"Recht"
auf
nukleare
Streitkräfte
einräumen, die denjenigen aller anderen
Nuklearmächte
zusammengenommen
entsprechen.
Dies käme einer sowjetischen Forderung nach weltweiter militärischer Überlegenheit und politischer Hegemonie gleich.
Die UdSSR leitet außerdem eine
Propagandakampagne ein, die sich auf
ein angebliches "Moratorium" bei der
Stationierung ihrer SS-20-Raketen im
europäischen
Teil
der
Sowjetunion
konzentriert.
Der sowjetische Vorschlag würde die unbegrenzte Stationierung von SS-20 im asiatischen Teil
der UdSSR gestatten.

August 1982
31. Januar 1983
Der sowjetische Verteidigungsminister Dimitri Ustinow erklärt: "Heute besteht weiterhin ... ein annäherndes
Gleichgewicht
der
Streitkräfte."
über 300 sowjetische SS-20 mit
über 900 Gefechtsköpfe sind bis zu
diesem Zeitpunkt stationiert.

&gt;

Während eines Besuchs in Berlin
verliest Vizepräsident George Bush
einen
"offenen
Brief"
Präsident
Reagans an die Europäer, in dem dieser ein Treffen mit dem sowjetischen
Generalsekretär Juri Andropow und die
Unterzeichnung eines Abkommens vorschlägt, das alle landgestützten amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen vom Erdball verbannt.

*

�Februar 1983
Die Vereinigten Staaten wiederholen die im November 1981 nach Konsultationen mit den Verbündeten und mit
deren Zustimmung für die Erlangung
eines Abkommens mit den Sowjets in
den
INF-Verhandlungen
beschlossenen
Kriterien:
1.

Gleiche Rechte und
für die Vereinigten
die UdSSR.

Begrenzungen
Staaten und

2.

Ausschluß unabhängiger nuklearer
Abschreckungsstreitkräfte
von
Drittstaaten,
d.h.
Großbritanniens und Frankreichs, von jeglichem Abkommen.

3.

Verabredete
Begrenzungen
müssen
weltweit angewandt werden; keine
Verlagerung sowjetischer INF-Raketen längerer Reichweite von der
europäischen UdSSR in deren asiatischen Teil.

4.

Keine Schwächung des konventionellen
Abschreckungspotentials
der NATO.

5.

Wirksame Verifizierungsmaßnahmen.

29. März 1983
Die Vereinigten Staaten präsentieren bei den INF-Gesprächen in Genf
einen formellen Vorschlag für ein
Zwischenabkommen.

Gefechtsköpfe auf INF-Abschußvorrichtungen festsetzen würde, und zwar eine möglichst niedrige Anzahl, wobei
Null weiterhin das Endziel sein soll.

April 1983
Der
sowjetische
Außenminister
Andrej Gromyko nennt die "Zwischenlösung" der Vereinigten Staaten unannehmbar.
Er bekräftigt die sowjetische Position, derzufolge keinerlei
amerikanische Stationierungen stattfinden dürfen und die sowjetischen
Stationierungen
an
die
zahl
britischer
und
französischer
strategischer Systeme gekoppelt sein müssen.

3. Mai 1983
Generalsekretär
Andropow
deutet
die Bereitschaft an, INF-Gefechtsköpfe wie auch Raketen bei den INF-Gesprächen zu zählen.
Er wiederholt,
daß die Zahl sowjetischer SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR an
die von den Sowjets
festgestellte
Zahl der britischen und französischen
strategischen Systeme gekoppelt würde.
Er weigert sich, die im asiatischen Teil der UdSSR stationierten
Systeme zu berücksichtigen, wohin aus
der europäischen UdSSR abgezogene sowjetische
Raketen
verlegt
werden
könnten, die dann die Freunde und
Verbündeten der Amerikaner in Asien
und Europa bedrohen würden und potentiell
schnell
in die
europäische
UdSSR zurückverlegt werden könnten.

30. März 1983
19. Mai 1983
Präsident
Reagan verkündet öffentlich, die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten seien bereit, ein
"zwischenabkommen"
über
INF-Raketen
anzunehmen, das weltweit gleiche Niveaus amerikanischer und sowjetischer

Die Vereinigten Staaten legen einen Vertragsentwurf auf den Verhandlungstisch, der den Vorschlag eines
Zwischenabkommens vom 29. März enthält.

- 5 -

�August 1983

Oktober 1983

Generalsekretär Andropow schlägt
die Reduzierung von INF-Raketen und
Abschußvorrichtungen auf das von den
Sowjets definierte Niveau der britischen und französischen Kräfte vor,
falls die Vereinigten Staaten auf die
Stationierung ihrer Pershing II und
Marschflugkörper verzichten.

Generalsekretär Andropow schlägt
eine modifizierte Fassung seines Vorschlags vom Dezember 1982 vor, indem
er verkündet, daß die "UdSSR bereit
ist, die Zahl ihrer SS-20 im europäischen Teil der UdSSR auf 40 mit 120
Gefechtsköpfen zu reduzieren, um die
von den Sowjets festgestellte zahl
britischer
und
französischer
Gefechtsköpfe wettzumachen".

22. September 1983
Bei den Genfer Verhandlungen bieten die Vereinigten Staaten drei neue
Elemente ihres vorgeschlagenen Zwischenabkommens an:
1.

2.

3.

Die Vereinigten
Staaten würden
den Gedanken ernsthaft erwägen,
nicht die Gesamtzahl aller von
den Sowjets weltweit stationierten
INF-Systeme durch amerikanische Stationierungen in Europa
wettzumachen.
Die
Vereinigten
Staaten würden sich jedoch das
Recht
vorbehalten,
andernorts
Stationierungen
vorzunehmen, um
eine gleiche weltweite Obergrenze
zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit,
ihre
Reduzierungen
von
Pershing II und GLCMs in angemessener Weise zu verteilen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, Vorschläge zur Einbeziehung
landgestützter Flugzeuge in Erwägung zu ziehen.

26. September 1983
Präsident Reagan bekräftigt die
drei neuen Elemente des vorgeschlagenen Zwischenabkommens in einer Rede
vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen.
- 6

Generalsekretär
Andropow
bietet
das Einfrieren der im asiatischen
Teil der UdSSR stationierten SS-20
an, nachdem ein INF-Abkommen zur Begrenzung der in Europa stationierten
Systeme durchgeführt ist - solange
die vereinigten Staaten keine ähnlichen Systeme in dieser Region stationieren. Andropow verkündet außerdem "zusätzliche Flexibilität" in der
Frage der zählweise von atomwaffentragenden Flugzeugen mittlerer Reichweite, gibt aber keine Einzelheiten
an.

*

Andropow verkündet, daß der Beginn der Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
"es
unmöglich
machen
wird,
die
INF-Gespräche
weiterzuführen".
Das sowjetische Verteidigungsministerium erklärt, die UdSSR bereite
sich darauf vor, als Teil "geplanter
Gegenmaßnahmen" gegen die Stationierung amerikanischer Raketen "operativ-taktische" Raketen in der Deutsehen Demokratischen Republik und der
Tschechoslowakei zu dislozieren.
Die Vereinigten Staaten erklären,
der Andropow-Vorschlag enthalte Mängel, weil er weiterhin darauf bestehe, daß die UdSSR für britische und
französische strategische Streitkräfte durch die Stationierung ihrer eigenen INF-Systeme kompensiert werden

(

�müsse und daß es keinerlei amerikanische Stationierungen geben dürfe.
Der
sowjetische
Vorschlag,
im
asiatischen Teil der UdSSR stationierte
INF-Raketen
einzufrieren,
scheint der Sichtweise der Vereinigten Staaten Rechnung zu tragen, dergemäß die INF-Raketen weltweit in Betracht gezogen werden müssen.
Die
Vereinigten Staaten bitten um Einzelheiten für den sowjetischen Vorschlag
zu den Flugzeugen.

•

Die Vereinigten Staaten stellen
fest, daß die sowjetische Drohung einer
Beendigung
der
Verhandlungen,
falls die Vereinigten Staaten Raketen
in Europa stationieren, ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten
zwei Jahre
lang verhandelt haben,
während die Zahl der sowjetischen
SS-20 drastisch anstieg.

420 Gefechtsköpfen
zustimmen.

auf

INF-Raketen

23. November 1983
Die Anlieferung der ersten Komponenten amerikanischer landgestützter Marschflugkörper läuft in Großbritannien
und
der
Bundesrepublik
Deutschland an.
Damit beginnt die
Durchführung
der
INF-Stationierung
gemäß dem zweiten Teil des NATO-Doppelbeschlusses von 1979.
Die sowjetische Delegation bricht
die Genfer Verhandlungen ab.
Die Vereinigten
Staaten
bieten
die Wiederaufnahme der Gespräche an,
wann immer die Sowjets zur Rückkehr
bereit sind.

30. November 1983
27. Oktober 1983
Im kanadischen Montebello verständigen sich die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten darauf, die
nuklearen Fähigkeiten der NATO auf
dem niedrigstmöglichen Niveau zu erhalten, das mit Sicherheit und Abschreckung vereinbar ist. Dazu würde
der Abzug von 1 400 amerikanischen
nuklearen Gefechtsköpfen aus Europa
innerhalb von mehreren Jahren gehören.
Dies zusätzlich zu den 1 000
Gefechtsköpfen, die nach dem Doppelbeschluß der NATO vom Dezember 1979
abgezogen wurden.

15. November 1983
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
weiterhin der "Null-Lösung" den Vorzug geben, schlagen die Vereinigten
Staaten vor, daß beide Seiten einer
gleichen
weltweiten Obergrenze von

360 sowjetische
Gefechtsköpfen sind
punkt stationiert.

SS-20 mit
zu diesem

1 080
Zeit-

November 1983
Die
formellen
INF-Verhandlungen
werden
in Abwesenheit
der
sowjetischen Delegation vertagt.

24. November 1984
Am Tag des amerikanischen Erntedankfestes kündigt Präsident Reagan
an, daß sich die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion auf erneute Verhandlungen verständigt haben, bekannt
als Gespräche über Kern- und Weltraumwaffen (NST), die sich mit offensiven Atomwaffen sowie Fragen der
Weltraumverteidigung befassen sollen.

- 7 -

�7 . - 8 . Januar 1985
Außenminister George Shultz und
sein
sowjetischer
Kollege
Andrej
Gromyko treffen sich in Genf, um eine
Tagesordnung für neue umfassende Rüstungskontrollverhandlungen festzulegen, die sich auf strategische Atomwaffen (START), INF sowie die Weltraumverteidigung erstrecken.

gleichem Niveau mit den britischen
und französischen Systemen zulassen
würden.
Generalsekretär Gorbatschow verkündet außerdem ein einseitiges sowjetisches Moratorium für die Stationierung von INF-Raketen in der UdSSR.
Trotzdem geht die Stationierung von
Raketen in bereits im Bau befindlichen Stützpunkten weiter.

12. März 1985
Mai - Juli 1985
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR nehmen in Genf die NST-Gespräche auf.
Die Vereinigten Staaten
streben die Beseitigung oder Reduzierung der INF auf die niedrigstmögliche zahl mit gleichen weltweit gültigen Begrenzungen an.

März - April 1985

Die Vereinigten Staaten bemühen
sich weiterhin, die Sowjetunion fest
und konstruktiv in die Verantwortung
zu nehmen und weisen auf ihre Flexibilität im Hinblick auf jeglichges
Ergebnis hin, durch das gleiche weltweite INF-Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und die UdSSR erzielt werden.

Zu Beginn der neuen INF-Verhandlungen bekräftigen die Vereinigten
Staaten ihre Haltung und ihre Vertragsentwürfe von 1982 zur weltweiten
Beseitigung der INF-Raketen und von
1983 für ein Zwischenabkommen über
gleiche
INF-Begrenzungen
auf niedrigstmöglichem Niveau.

Die UdSSR beharrt auf einer Beendigung
der
Stationierung
und
dem
Rückzug bereits stationierter amerikanischer INF sowie der Forderung,
daß INF-Begrenzungen für sowjetische
Systeme die britischen und französischen Streitkräfte berücksichtigen.

In den neuen NST-Gesprächen hält
die UdSSR ihre Position von 1983 aufrecht, indem sie die amerikanische
Stationierung von INF ablehnt und auf
einem Junktim
zwischen den sowjetischen SS-20 und den britischen und
französischen strategischen Systemen
besteht.

3. Oktober 1985

Die sowjetische Delegation legt
einen Vorschlag für ein bilaterales
Moratorium der Stationierung von INF
sowie einen Vorschlag für nachfolgende "Reduzierungen" vor, die zu Null
amerikanischen
INF
führen
würden,
aber
sowjetische
INF-Raketen
auf

Während eines Besuchs in Paris
verkündet Generalsekretär Gorbatschow
Bestandteile eines Gegenvorschlags zu
dem im März 1985 bei NST unterbreiteten
amerikanischen
Vorschlag.
Er
fordert ein Einfrieren der stationierten
amerikanischen
und
sowjetischen INF, gefolgt von "den einschneidendsten"
Reduzierungen
und
kündigt
an, daß
die
sowjetischen
SS-4-Raketen
beseitigt
und
einige
SS-20-Raketen
gefechtsuntüchtig
gemacht werden.

- 8 -

»

'

�31. Oktober 1985
Präsident Reagan verkündet, daß
die Vereinigten Staaten bei den Genfer Gesprächen einen neuen Rüstungskontrollvorschlag
vorlegen
werden.
Dieser Vorschlag schließt INF ein und
baut auf "positiven Elementen" des
sowjetischen Gegenvorschlags von 3.
Oktober 1985 auf, insbesondere der
Möglichkeit eines separaten INF-Abkommens unabhängig von strategischen
Fragen oder Problemen der Weltraumverteidigung.

1. November 1985
Die Antwort der Vereinigten Staaten auf den sowjetischen Gegenvorschlag enthält die folgenden Punkte
zu INF:
1.

2.

obwohl sie der vollständigen Beseitigung der amerikanischen und
sowjetischen INF den Vorzug geben,
schlagen
die
Vereinigten
Staaten - als zwischenschritt die Begrenzung der Stationierung
von
amerikanischen
INF-Abschußvorrichtungen in Europa auf 140
Pershing
II
und
landgestützte
Marschflugkörper
(GLCMs)
vor.
(Jedes GLCM hat vier Raketen.)
Diese zahl soll bis zum 31. Dezember 1985 stationiert werden.
Dieser Vorschlag fordert ferner
Reduzierungen
der
sowjetischen
Anzahl von SS-20-Raketenabschußvorrichtungen in Reichweite der
NATO auf 140. (Jede SS-20-Rakete
besitzt drei Gefechtsköpfe.)
Innerhalb dieser Begrenzung für
Abschußvorrichtungen, könnten die
Vereinigten Staaten und die UdSSR
über eine vereinbarte Zahl von
420 bis 450 Gefechtsköpfen in Europa verfügen.

3.

Um gleiche weltweit gültige Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer
INF-Gefechtsköpfe
zu
erreichen, müssen die Sowjets die
SS-20-Abschußvorrichtungen
in
Asien (die außerhalb der Reichweite der NATO in Europa liegen)
im gleichen Verhältnis reduzieren, wie die Anzahl der Abschußvorrichtungen
innerhalb
der
Reichweite der NATO in Europa.

4.

Für SRINF sollten angemessene Beschränkungen
vereinbart
werden,
damit die Sowjets ein Abkommen
über LRINF nicht durch Aufrüstung
mit SRINF umgehen können.

21. November 1985
Auf dem Genfer Gipfeltreffen vereinbaren Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow,
sich
auf
mehrere Probleme der Rüstungskontrolle zu konzentrieren, einschließlich
der
"Idee eines
INF-Zwischenabkommens".

15. Januar 1986
In einem Schreiben an Präsident
Reagan
unterbreitet
Generalsekretär
Gorbatschow
einen
Rüstungskontrollvorschlag, der in Zusammenhang mit
einer vollständigen Beseitigung der
Atomwaffen innerhalb von 15 Jahren
die Forderung beinhaltet, die amerikanischen und sowjetischen LRINF in
Europa in den nächsten 5 bis 8 Jahren
zu beseitigen.
In Gorbatschows Schreiben wird
weiter vorgeschlagen, die britischen
und
französischen
Atomstreitkräfte
nicht gegen die amerikanischen LRINF
in Europa aufzurechnen, sondern sie
auf dem derzeitigen Niveau einzufrieren.
Außerdem soll die Weitergabe

�amerikanischer
Atomwaffensysteme
an
Drittstaaten untersagt werden.
Der
sowjetische Vorschlag
eines Abbaus
der in Europa stationierten SS-20-Raketen spricht weder die östlich des
Urals
stationierten
sowjetischen
LRINF-Raketen an noch beschränkt er
die sowjetischen SRINF.

24. Februar 1986
In
einer
Erklärung
Präsident
Reagans wird verkündet, daß gewisse
Aspekte
des sowjetischen Rüstungskontrollvorschlags von Januar 1986 zu
diesem
Zeitpunkt
nicht
angemessen
sind. Ein Bereich, in dem er hoffe,
"unmittelbare Fortschritte" zu erzielen,
seien
die
INF-Verhandlungen.
Der Präsident stellt fest, daß die
Vereinigten Staaten in Genf schon einen konkreten Plan vorgelegt haben,
der
die Beseitigung
amerikanischer
Pershing II und GLCM sowie der sowjetischen SS-20-Raketen sowohl in Europa als auch in Asien vorsieht.

2. März 1986
Die sowjetischen Vorschläge zur
Einbeziehung unabhängiger britischer
und französischer Nuklearsysteme in
ein
bilaterales
amerikanisch-sowjetisches Abkommen werden vom Sonderberater des Präsidenten zu Rüstungskontrollangelegenheiten, Paul Nitze,
öffentlich kritisiert und zurückgewiesen.
Er bekräftigt die Hauptelemente des amerikanischen Vorschlags
für
gleiche weltweite
Begrenzungen
für LRINF und damit einhergehende Beschränkungen für SRINF.

30. September 1986
Die Vereinigten Staaten und die
UdSSR
kündigen
an, daß
Präsident

Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik treffen werden.

11. - 12. Oktober 1986
In Reykjavik
verständigen
sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf gleiche weltweite Obergrenzen von 100 LRINF-Gefechtsköpfen
für jede Seite, von denen keine in
Europa stationiert werden dürfen.
Die Sowjets bieten außerdem ein
Einfrieren ihrer SRINF-Systeme während der Dauer der Verhandlungen zu
deren Reduzierung an.
Gleichzeitig
verlangen sie jedoch, daß die amerikanischen SRINF-Systeme auf dem gegenwärtigen Niveau, d.h. Null, "eingefroren" werden.
Prinzipiell stimmen sie ebenfalls einigen wichtigen
Verifizierungselementen zu.
Die Sowjets stellen jedoch ein Junktim zwischen einem INF-Abkommen und der amerikanischen Zustimmung von Begrenzungen
ihrer
Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) her. Diese Begrenzungen gehen über die im ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 vorgesehenen
hinaus.

23. Oktober 1986
Die Vereinigten Staaten legen einen Vorschlag vor, in dem die in
Reykjavik
erzielten
Bereiche
der
Übereinstimmung
ihren
Niederschlag
finden.
7. November 1986
Die
UdSSR
unterbreitet
einen
neuen INF-Vorschlag, in dem sie die
Verpflichtung vom Genfer Gipfel des
Jahres 1985 zum Abschluß eines INFZwischenabkommens
zurückzieht.
Der
Vorschlag enthält außerdem die Weige-

�rung, die in Reykjavik erzielte Übereinstimmung zu akzeptieren, daß INF
von Fragen der Rüstungskontrolle im
strategischen
Bereicht
zu
trennen
ist. Die Sowjets beharren ferner auf
dem Junktim zwischen einem INF-Abkommen und Begrenzungen für SDI.

kanische
und sowjetische
SRINF
innerhalb der Reichweite sowjetischer SS-23 bis SS-12 (Scaleboard) Raketen auf dem bestehenden sowjetischen Niveau.
5.

Verbot der Entwicklung und Stationierung von SRINF-Raketen mit
einer
Reichweite, die
zwischen
der der amerikanischen Pershing
II (der LRINF-Rakete mit der kürzesten Reichweite) und der sowjetischen Scaleboard (der SRINF-Rakete mit der längsten Reichweite)
liegt.

6.

Folgeverhandlungen
über
zusätzliche Begrenzungen für SRINF. Ansonsten würden die Reduzierungen
sechs Monate nach Erzielung eines
ersten INF-Abkommens beginnen.

7.

Austausch von Daten vor und nach
der Durchführung der Reduzierungen.

8.

Vor-Ort-Beobachtung der Beseitigung von Waffen und ein wirksames
Überwachungsverfahren
für
Einrichtungen,
einschließlich
Inspektionen vor Ort im Anschluß an
die Beseitigung der Waffen.

9.

Verhandlungen über die Einzelheiten der Verifizierung, die parallel zu den Verhandlungen über die
Reduzierung der Waffen stattfinden sollen.

15. - 16. November 1986
in Camp David erzielen Präsident
Reagan und Premierministerin Thatcher
Übereinstimmung, daß einem INF-Abkommen mit Begrenzungen für SRINF - mit
wirksamer Verifizierung - Priorität
eingeräumt werden sollte.

15. Januar 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
unterbreiten die Vereinigten Staaten
folgenden Vorschlag:
1.

2.

Stufenweise
Reduzierung
der
LRINF-Gefechtsköpfe auf weltweit
100 LRINF-Gefechtsköpfe für jede
Seite bis Ende 1991.
Die verbleibenden sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe
dürfen demgemäß im
asiatischen Teil der Sowjetunion,
die der Vereinigten Staaten auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaskas, stationiert
werden.
Reduzierung
der
amerikanischen
und sowjetischen LRINF-Gefechtsköpfe in Europa auf Null bis Ende
1991.

3.

Das Abkommen über die Reduzierung
der INF darf nicht von der Lösung
anderer
Probleme außerhalb der
INF-Verhandlungen
abhängen, wie
beim Genfer Gipfel im November
1985 verabredet.

4.

Weltweite Begrenzungen für ameri-

28. Februar 1987
Generalsekretär
Gorbatschow
erklärt
die sowjetische
Bereitschaft
zur
Unterzeichnung
eines separaten
Abkommens
zur
Beseitigung
sowjetischer und amerikanischer INF-Raketen in Europa in einem Zeitraum von
fünf Jahren und verzichtet damit erneut auf die sowjetische Forderung,

- 11 -

�daß jene Raketen Teil eines umfassenden
Rüstungskontrollpakets
sein
müßten.
Diese
sowjetischen
Bedingungen
scheinen mit den in Reykjavik vereinbarten nahezu identisch zu sein. Jeder Seite würde die Beibehaltung von
100 Gefechtsköpfen außerhalb Europas
gestattet - der Sowjetunion im sowjetischen Teil Asiens und den Vereinigten Staaten auf ihrem Territorium.

3. März 1987
Präsident
Reagan
erklärt,
Gorbatschows Erklärung vom 28. Februar, in der die sowjetische Bereitschaft zum Abschluß eines Abkommens
über Reduzierungen der
INF-Systeme
getrennt von Vereinbarungen in den
beiden anderen Bereichen der NST-Verhandlungen
verkündet wurde, "räumt
ernsthafte
Hindernisse
für
Fortschritte auf dem Weg zu INF-Reduzierungen beiseite".
Er fügt hinzu:
"Um diese neue
Möglichkeit voll auszuschöpfen, habe
ich unsere Unterhändler angewiesen,
morgen in Genf mit der Vorlage unseres INF-Vertragsentwurfs zu beginnen.
Ich hoffe, daß die Sowjets dann gemeinsam mit uns ernsthafte Diskussionen über die Einzelheiten aufnehmen
werden, die für die Umsetzung der
einzelnen Bereiche einer grundsätzlichen Übereinkunft in ein konkretes
Abkommen unerläßlich sind.
Und ich
möchte betonen, daß die Frage der Verifizierung das wichtigste der noch
zu lösenden Probleme ist. Weil wir
einem
wahren
und
dauerhaften
Rüstungsabbau verpflichtet sind und die
vollständige Einhaltung sicherstellen
wollen, werden wir weiterhin darauf
bestehen, daß jedes Abkommen wirksam
verifizierbar ist."

4. März 1987
Die Vereinigten
Staaten unterbreiten ihren Entwurf eines amerikanisch-sowjetischen
INF-Verträges,
der die Reduzierung der LRINF-Gefechtsköpfe jeder Seite auf 100 weltweit vorsieht, mit Null in Europa,
wie von den beiden führenden Politikern in Reykjavik vereinbart.
Die
Vereinigten
Staaten
machen
jedoch
deutlich, daß sie weiterhin der vollständigen
Beseitigung
der amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
den Vorzug geben.

12. März 1987
Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die Vereinigten Staaten einen
Vertragsartikel vor, der einen umfassenden Ansatz für die Verifizierung
eines
INF-Abkommens vorsieht.
Die
Grundelemente des amerikanischen Ansatzes zur Verifizierung sind:
1.

Eine Vorschrift für die Nutzung
und
Nichtbehinderung
Nationaler
Technischer Mittel (NTM), die Bedingung
der
Übertragung
technischer Meßdaten von Raketenflügen, ein Verbot der Verschlüsselung und ein Verbot von Verschleierungsmaßnahmen zur Behinderung der Verifizierung.

2.

Spezifizierung von Bereichen und
Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag begrenzte Systeme lokalisiert sein müssen und Verbot ihrer Stationierung an anderen Orten.

3.

Gegenseitiger
Austausch
einer
festgelegten
umfassenden
Reihe
von Daten zu damit verbundenen,
vertraglich
begrenzten
Systemen
sowie
ihren
Unterstützungseinrichtungen und -ausrüstungen.

�4.

Gegenseitige
ser Daten.

Fortschreibung

die-

5.

Spezielle Verfahren zur Vernichtung, Zerlegung und Umrüstung der
LRINF-Systeme, einschließlich Inspektionen vor Ort.

6.

Vor-Ort-lnspektion
und
Überwachung bei Inkrafttreten des Vertrages und im Anschluß, um die
Einhaltung der vertraglich festgelegten
Begrenzungen
sicherzustellen.

dieser Vereinbarung würde zunächst in
der Formel von Reykjavik bestehen,
wonach je 100 Gefechtsköpfe auf Mittelstreckenraketen längerer Reichweite auf sowjetischer Seite in Asien
und auf amerikanischer Seite in den
Vereinigten Staaten stationiert würden. "
Beide
Seiten stimmten
überein,
daß die Reduzierungen der INF-Systeme
in ungefähr
vier bis fünf Jahren
durchgeführt
und daß ein Abkommen
"Vorschriften für sehr strenge und
peinlich genaue Verifizierung beinhalten muß".

26. März 1987
Die
verlängerte
Sitzungsperiode
der
amerikanisch-sowjetischen
NSTVerhandlungen wird beendet. Die Vereinigten Staaten widersprechen einem
sowjetischen Vorschlag, die Verhandlungen über SRINF von einem ersten
INF-Abkommen zu trennen und erklären
dazu, dies sei ein Rückschritt gegenüber den Vereinbarungen, die im Prinzip während der amerikanisch-sowjetischen INF-Verhandlungen der Jahre
1981-83 erzielt und in Reykjavik bekräftigt
wurden.
Der
sowjetische
Vorschlag würde der UdSSR praktisch
ein Monopol auf diese Systeme zubilligen und es den Sowjets freistellen,
ihre schon bestehende SRINF-Streitmacht auszubauen und damit jegliches
INF-Abkommen zu umgehen.

Zu
den
SRINF-Systemen
erklärt
Shultz, beide Seiten stimmten darin
überein, daß es weltweite Begrenzungen geben müsse.
Nach Ansicht der
Vereinigten Staaten müßten alle Beschränkungen dem "Prinzip der Gleichheit" folgen.
Shultz stellt fest, die Sowjets
hätten ihre Absicht erklärt, nach der
Unterzeichnung
eines
INF-Abkommens,
die gegenwärtig in der DDR und der
Tschechoslowakei stationierten SRINFSysteme abzuziehen und zu vernichten
und daß die UdSSR in den Verhandlungen über die verbleibenden Raketen
die Reduzierung der SRINF auf Null
innerhalb
eines Jahres
vorschlagen
werde.

23. April 1987
15. April 1987
Außenminister George Shultz beendet dreitägige Gespräche mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister Schewardnadse in Moskau.
Shultz erklärt, daß durch harte
Verhandlungen die Aussicht auf Erlangung eines INF-Abkommens in greifbare
Nähe gerückt ist: "Die Grundstruktur

Präsident
Reagan appelliert
an
die Sowjetunion, die Fortschritte bei
den INF-Verhandlungen durch eine Reaktion auf die amerikanischen Vorschläge
zur
Verifizierung
zu beschleunigen.
Der Präsident erklärt,
die sowjetische Zustimmung zu einer
vollständigen Beseitigung der INF-Systeme würde die Verifizierung der
Vertragseinhaltung vereinfachen.

- 13 -

�Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stimmen beide Seiten überein, die landgestützten LRINF-Systeme auf 100 Gefechtsköpfe für jede Seite zu reduzieren, von denen keine in Europa
stationiert
sind.
Reagan erklärt,
"ein Ergebnis von Null LRINF - die
Beseitigung dieser ganzen Kategorie
von Raketen -" bleibe die bevorzugte
Lösung für die vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten.

27. April 1987
Die Sowjetunion legt einen Vertragsentwurf für INF vor, in dem die
in
Reykjavik
erzielten
grundsätzlichen Vereinbarungen zu den landgestützten LRINF-Raketen ihren Niederschlag finden.
Durch den sowjetischen Vorschlag
würden die LRINF auf jeder Seite nach
fünf Jahren in Europa auf einen stand
von Null abgebaut sein, und im sowjetischen Teil Asiens würde die Anzahl
der
Gefechtsköpfe auf
sowjetischen
LRINF auf 100 Gefechtsköpfe begrenzt
werden, die außerhalb der Reichweite
der Vereinigten Staaten stationiert
sind. Ferner würden damit auf amerikanischem
Territorium
stationierte
amerikanische Gefechtsköpfe auf LRINF
auf
100 solcher Gefechtsköpfe begrenzt, die außerhalb der Recihweite
der Sowjetunion disloziert sind und
somit Stationierungen in Alaska verhindert.

12. Juni 1987
in einem im Anschluß an das Treffen des Nordatlantik-Rates der NATO
in Reykjavik veröffentlichten Kommunique erklären die Außenminister ihre
Unterstützung für die weltweite und
wirkungsvoll verifizierbare Beseitigung aller amerikanischen und sowje- 14

tischen landgestützten SRINF mit einer Reichweite von 500 bis 1 000 km
zum integralen Bestandteil eines I N F Abkommens.
Das Kommunique verlangt von der
Sowjetunion, ihre Forderung nach der
Beibehaltung eines Teils ihrer SS-20
aufzugeben und verleiht dem Wunsch
erneut Ausdruck, alle amerikanischen
und sowjetischen landgestützten INF
längerer Reichweite im Einklang mit
der
traditionellen
Zielsetzung der
NATO abzuschaffen.
Den Außenministern zufolge stellt
das INF-Abkommen einen wichtigen Bestandteil in einem stimmigen und umfassenden
Konzept der Rüstungskontrolle und Abrüstung dar, das in
Übereinstimmung mit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion folgende
Punkte umfassen würde:
1.

Einen
im Rahmen der
laufenden
Genfer Verhandlungen zu erzielenden 50prozentigen Abbau strategischer Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion;

2.

weltweite
Waffen;

3.

die Errichtung eines stabilen und
gesicherten Niveaus konventioneller Streitkräfte durch Behebung
der Ungleichgewichte in ganz Europa;

4.

greifbare und verifizierbare Reduzierungen
amerikanischer
und
sowjetischer landgestützter atomarer
Raketensysteme
kürzerer
Reichweite, die zu gleichen obergrenzen führen, im Einklang mit
der
Schaffung
eines
Gleichgewichts im konventionellen Bereich
und
der weltweiten
Beseitigung
chemischer Waffen,

Beseitigung

chemischer

�16. Juni 1987
Die vereinigten Staaten legen bei
den Genfer INF-Gesprächen formell ihre Haltung zu SRINF dar. Diese Haltung fordert die weltweite Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen SRINF-Raketensysteme.

Zwei
unverzichtbare
Elemente
sind
ebenfalls darin enthalten: die Vernichtung der von diesem vertrag erfaßten Raketen und ihrer Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung dieser System und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten".

3. August 1987
23. Juni 1987

)

Generalsekretär Gorbatschow verkündet einen Wandel der sowjetischen
Haltung zu INF. Die Sowjets akzeptieren im wesentlichen die "weltweite
doppelte Null-Lösung" und verkünden
ihrerseits
1.

2.

die Bereitschaft, als Teil eines
Abkommens
mit
den
Vereinigten
Staaten alle "Mittelstreckenraketen" im sowjetischen Teil Asiens
zu beseitigen, einschließlich der
100 LRINF-Gefechtsköpfe auf diesen Raketen, wenn auch die Vereinigten Staaten diese Raketen
und Gefechtsköpfe aufgeben;
die Bereitschaft zur Beseitigung
"einsatzfähiger taktischer Raketen (SRINF)", wenn die Vereinigten Staaten dasselbe tun.

28. Juli 1987
Als Reaktion auf die Erklärung,
die Sowjetunion sei nunmehr bereit,
die ursprünglich von den Vereinigten
Staaten vorgelegte weltweite Null-Lösung bei INF zu akzeptieren, bemerkt
Präsident Reagan: "Der heute (von unseren Genfer Unterhändlern) unterbreitete Vorschlag würde peinlich genaue und wirksame Verifizierungsmaßnahmen vorsehen und die Weitergabe
vorhandener amerikanischer und sowjetischer INF und ihrer Abschußvorrichtungen an Drittstaaten verhindern.

Der
sowjetische
Unterhändler
Alexej A. Obukow erklärt, die UdSSR
ziehe einen Kompromiß bei der Lösung
amerikanisch-sowjetischer
Meinungsverschiedenheiten über die bundesdeutschen Pershing 1A in Erwägung.
Die Sowjets hatten diese Raketen als
"Haupthindernis" für ein INF-Abkommen
bezeichnet und ihre Beseitigung gefordert.
Der
amerikanische
Unterhändler
Max Kampelman erklärt, "wir werden im
Rahmen der bilateralen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion keine Verfügung in
dieses Abkommen aufnehmen, die unsere
Verbündeten betrifft".

7. August 1987
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse beschuldigt in seiner
Rede vor der Abrüstungskonferenz (mit
40 Teilnehmerstaaten) die Vereinigten
Staaten
und
die
Bundesrepublik
Deutschland, ein INF-Abkommen durch
"juristische
Täuschungsmanöver"
zu
blockieren, um die Ausnahme der 72
Pershing 1A aus einem solchen Abkommen zu rechtfertigen.

26. August 1987
Aufgrundder
Zustimmung der Sowjets zu dem amerikanischen Vorschlag, beide Seiten sollten alle ih-

�re landgestützten LRINF und SRINF beseitigen, legen amerikanische Unterhändler in Genf einen überarbeiteten
Vorschlag
zur
Verifizierung
eines
INF-Abkommens vor.
Der neue amerikanische Plan unterscheidet sich in folgenden Punkten
von dem früheren Vorschlag:
1.

Die Bestimmung entfällt, der zufolge Inspektoren sich außerhalb
der Einrichtungen zur Raketenproduktion
und -montage
aufhalten,
um die Produktionsstätte verlassende Raketen zu zählen.
Diese
Bestimmung ist nicht länger erforderlich, da Produktion, Flugerprobung und Modernisierung der
weltweiten doppelten Null-Lösung
zufolge verboten wären.

2.

Der neue Vorschlag begrenzt ferner
Ad-hoc-lnspektionen
solcher
Einrichtungen, in denen Mittelund Kurzstreckenraketen gelagert
werden, um sicherzustellen, daß
sie wie vorgesehen verschrottet
werden.

3.

Ferner
könnten
Uberraschungsinspektionen von Einrichtungen für
landegestützte
Raketen
längerer
Reichweite
in
den
Vereinigten
Staaten
und
der
Sowjetunion
durchgeführt werden, um sicherzustellen, daß dort keine Mitteloder
Kurzstreckenraketen
versteckt sind.

1. alle ihre LRINF und SRINF gemäß
dem vorgesehenen INF-Vertrag verschrotten,

2.

sich bei der Verschrottung ihrer
Raketen an den noch zu vereinbarenden Zeitplan halten,

3.

die Vertragsbestimmungen
ten.

einhal-

27. August 1987
Die Sowjetunion begrüßt die Erklärung
Bundeskanzler
Kohls.
Ein
Sprecher
des sowjetischen Außenministeriums erklärt, die Möglichkeit
zum Abschluß eines neuen Abkommens
zwischen den Supermächten sei nun
"realistisch" und begrüßt den jüngsten amerikanischen Vorschlag zur Verifizierung eines solchen Vertrages.
Er fügt hinzu, die Sowjetunion sehe
gegenwärtig "keine Probleme" bei der
Gewährleistung der Vertragseinhaltung
durch beide Seiten.

14. September 1987

26. August 1987
Bundeskanzler Kohl erklärt, die
Bundesrepublik Deutschland werde ihre
72
Kurzstreckenraketen
vom
Typ
Pershing 1A abbauen und sie nicht
durch modernere Waffen ersetzen, wenn
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

Bei den Genfer INF-Verhandlungen
legen die vereinigten Staaten ein Inspektionsprotokoll vor, das im einzelnen die Verfahrensweisen niederlegt, die zur wirksamen Verifizierung
der Einhaltung des INF-Vertrages
der die Beseitigung aller amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen
vorsieht - notwendig erachtet werden.
Die
neuen
amerikanischen
Vorschläge fordern die einschneidendsten
Verifizierungsmaßnahmen
in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Folgenden Bestandteilen des Vorschlags
kommt eine Schlüsselrolle zu:
1.

- 16 -

Die Bedingung, daß alle INF-Raketen und ihre Abschußvorrichtungen

�geographisch auf vereinbarte Gebiete beschränkt werden oder während der Abbauphase ein vorher
bekanntgegebener
Transfer
zwischen diesen Gebieten stattfindet;
Ein detaillierter, und falls erforderlich,
auf
den
neuesten
Stand
gebrachter
Datenaustausch
über Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen und Raketenstützpunkten, die Anzahl der Raketen und Abschußvorrichtungen in
diesen Einrichtungen und Stützpunkten sowie technische Parameter solcher Raketensysteme;
Benachrichtigung über die Bewegung von Raketen und Abschußvorrichtungen zwischen bekanntgegebenen Einrichtungen;
Eine grundlegende Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Anzahl
von Raketen und Abschußvorrichtungen bei bekannten Einrichtungen zur Unterstützung von Raketen
und Raketenstützpunkten vor deren
Beseitigung.
Vor-Ort-lnspektion zur Verifizierung der Verschrottung von Raketen und Abschußvorrichtungen.
Kurzfristig anberaumte Nachfolgeinspektion bekanntgegebener Einrichtungen während der Abbauphase
zur Verifizierung der Restbestände, bis zur Verschrottung aller
Raketen;
Kurzfristig
anberaumte
obligatorische
Ad-hoc-Inspektion
bestimmter
Einrichtungen
in
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, bei denen vertragswidrige Aktivitäten im Zusammenhang
mit Raketen durchgeführt werden
könnten.

8.

Die
Bedingung
einer
separaten
"Abschluß"-Inspektion, um sicherzustellen, daß in einer Einrichtung die mit INF in Zusammenhang
stehenden Aktivitäten tatsächlich
beendet sind, wenn eine Einrichtung außer Betrieb und von der
Liste bekannter Einrichtungen gestrichen ist.

18. September 1987
Nach
einer
Zusammenkunft
in
Washington erklären die beiden Außenminister
Shultz und
Schewardnadse,
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hätten eine Grundsatzvereinbarung
über
den Abschluß eines
INF-Vertrages erzielt.
Die amerikanische und die sowjetische Delegation in Genf werden angewiesen, eingehend
an der Lösung
noch ausstehender technischer Probleme zu arbeiten und baldmöglichst den
Entwurf für einen Vertragstext zum
Abschluß zu bringen.
Es wird eine Erklärung abgegeben,
derzufolge - zur Unterzeichnung eines
Vertrages über Mittel- und Kurzstrekkenraketen und Behandlung der gesamten Bandbreite der Beziehungen zwischen beiden Ländern - im Herbst 1987
ein Gipfeltreffen zwischen Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
stattfinden
wird.
Der
endgültige Termin soll bei den Gesprächen im Oktober festgelegt werden

22. - 24. Oktober 1987
Bei einer in Moskau stattfindenden Zusammenkunft zwischen hochrangigen amerikanischen und sowjetischen
Regierungsvertretern werden für den
Abschluß
eines INF-Vertrages Fortschritte
erzielt.
Generalsekretär

- 17 -

�Gorbatschow weigert sich, den Termin
für
einen
amerikanisch-sowjetischen
Gipfel festzulegen.

29. Oktober 1987
Die Sowjetunion ändert ihre Haltung und erklärt, sie habe sich mit
den Vereinigten Staaten auf die Modalitäten eines noch vor Jahresende
stattfindenden
Gipfeltreffens
geeinigt.
Der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse
trifft zu Gesprächen
mit Präsident Reagan und Außenminister Shultz in Washington ein.

30. Oktober 1987
Während der Zusammenkünfte zwischen den Außenministern Shultz und
Schewardnadse kommen die Vereinigten
Staaten und Sowjetunion uberein, daß
Generalsekretär Gorbatschow am 7. Dezember 1987 die Vereinigen Staaten
besuchen und gemeinsam mit Präsident
Reagan einen Vertrag zur Beseitigung
einer
gesamten
Kategorie
amerikanischer und sowjetischer INF-Raketen
unterzeichnen wird.
Shultz und Schewardnadse vereinbarten ferner, engen Kontakt mit ihren jeweiligen Genfer Delegation zu
halten, um so baldige Fortschritte
zum Abschluß des INF-Vertrages sicherzustellen.

* * * * *

- 18

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