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                  <text>AMERIKA DIENST

2 . Dezember 1987

42

I N H A L T

DOKUMENTATION

Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache

HINTERGRUUNDHATERIAL

Die Bedeutung von SDI
- Ein Überblick -

Die Reduzierung der strategischen Waffen
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Antarktisches "Ozonloch* hat weltweite Auswirkungen
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritt

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
%

^

at

Dokumentation

42

2. Dezember 1987

REGIONALE KONFLIKTE BEIM GIPFEL IM BRENNPUNKT
- Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an die Nation bekundete Präsident Reagan am 28. November die Absicht, dem sowjetischen
Verhalten in regionalen Konflikten auf der Tagesordnung des Gipfels erste
Priorität einräumen zu wollen.
Der Präsident erklärte, sein Appell an
Gorbatschow werde lauten, "wo auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen gewaltsam ihre Interessen durchzusetzen suchen - in Nicaragua, Afghanistan,
Angola, Kambodscha oder anderswo - sollten sie dem Einhalt gebieten und die
Völker in diesen Ländern ihr eigenes Schicksal wählen lassen". "...das Verhalten der Sowjets in diesen Regionen bleibt ein Haupthindernis für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rundfunkansprache im Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
ich möchte mit Ihnen über mein bevorstehendes Treffen mit Generalsekretär
Gorbatschow sprechen.
Aber zunächst
hoffe ich, daß Sie gemeinsam mit mir
das tun werden, was viele von uns gemeinsam mit ihren Familien erst vor
zwei Tagen getan haben - innehalten,
um das zu betrachten, wofür wir dankbar sein müssen.
Amerika befindet sich heute im
Frieden. Trotz mancher Höhen und Tiefen ist unsere Wirtschaft immer noch
stark und steigerungsfähig. Und wenn

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das Erntedankfest immer noch die Zeit
ist, in der wir besonders der vom
Glück weniger Begünstigten gedenken
sollten, dann müssen wir in diesen
Zeiten wirtschaftlichen Wachstums sicherlich dafür danken, daß die Zahl
der in Armut lebenden Amerikaner auf
ihren niedrigsten Stand der letzten
fünf Jahre gefallen ist.
Mit dem Wirtschaftswachstum hat
auch die private Wohltätigkeit zugenommen. Private Spenden für wohltätige Zwecke haben in jedem der vergangenen vier Jahre neue Rekordzahlen

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�erreicht. Wer würde daran zweifeln,
daß wir unserem Schöpfer gegenüber
eine
große Dankesschuld
abzutragen
haben?
Nach 200 Jahren herrschen in
unserem Land immer noch Freiheit und
- Güte.
Wie Sie wissen, werde ich mich in
zehn Tagen in Washington mit Generalsekretär Gorbatschow treffen.
Wenn
alles klappt, werden wir gemeinsam
ein Abkommen unterzeichnen, mit dem
zu ersten Mal in der Geschichte eine
gesamte Kategorie amerikanischer und
sowjetischer
Raketen
abgeschafft
wird.
Aber dieses Abkommen muß im
Zusammenhang mit unseren umfassenderen Beziehungen zur Sowjetunion gesehen werden.
Unsere Regierung hat seit ihren
Anfängen darauf bestanden, daß vier
wesentliche Bereiche mit den Sowjets
behandelt werden. Die Menschenrechte
sind
einer
davon.
Menschenrechte
charakterisieren
schließlich
unsere
Nation.
In diesem Bereich haben wir
gewisse Fortschritte erzielt. In der
Sowjetunion
sind einige politische
Gefangene
freigelassen worden; die
Zahl der Auswanderer ist leicht angestiegen, und es wird über die Gewährung
beschränkter
wirtschaftlicher
Freiheiten für die Völker der Sowjetunion gesprochen.
Dennoch ist all
dies viel zu wenig.
Und Menschenrechte werden ein Punkt auf der Tagesordnung bleiben, wenn ich Herrn
Gorbatschow treffe.
Die Erweiterung bilateraler Beziehungen,
besonders
menschlicher
Kontakte, ist der zweite von uns hervorgehobene Bereich. Auch hier haben
wir nach meinem ersten Genfer Gipfeltreffen mit Herrn Gorbatschow gewisse
Fortschritte, insbesondere beim Kulturaustausch,
verzeichnet.
Das
Bolschoi-Ballett
hat
eine
Tournee
durch die Vereinigten Staaten unter-

nommen.
Und
viele
amerikanische
Künstler wiederum haben die Sowjetunion besucht.
ich denke besonders
an die historische Rückkehr des Pianisten Wladimir Horowitz nach Moskau
im vergangenen Jahr, seinen ersten
Besuch in Rußland nach mehr als 60
Jahren.
Regionale
Konflikte bilden den
dritten wesentlichen
Punkt in den
amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, und die amerikanische Haltung
ist ganz einfach zu erklären:
Wo
auch immer die Sowjets oder ihre Vasallen
gewaltsam
ihre
Interessen
durchzusetzen suchen - in Nicaragua,
Afghanistan, Angola, Kambodscha oder
anderswo - sollten sie dem Einhalt
gebieten und die Völker in diesen
Ländern ihr eigenes Schicksal wählen
lassen.
Und ich versichere Ihnen,
daß ich diesem Thema auf der Tagesordnung des Gipfels erste Priorität
einräumen werde. ich werde daran erinnern, daß das Verhalten der Sowjets
in diesen Regionen ein Haupthindernis
für die Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bleibt.
Damit
komme
ich
zum
vierten
Hauptpunkt unseres Programms - meinem
Streben nach einer besseren Möglichkeit zur Abschreckung von Agression
und dauerhaften Erhaltung der Sicherheit statt der Drohung mit Vergeltung
durch nukleare Offensivwaffen.
Eine
Antwort darauf
ist unsere Strategische
Verteidigungsintiative
oder
SDI, unsere Arbeit an einem Verteidigungssystem, das uns und unseren Verbündeten
einen Schutzschild
bietet
und dabei niemanden bedroht.
Eine
zweite Antwort waren die Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets
- Verhandlungen, die das INF-Abkommen
hervorgebracht
haben,
das
Herr
Gorbatschow
und
ich
unterzeichnen
wollen.
Mit diesem Abkommen wird,
wie ich bereits sagte, eine gesamte

- 2 -

�Kategorie sowjetischer und amerikanischer
Mittelstreckenwaffen
abgeschafft. Für jeden auf unserer Seite
abgebauten Gefechtskopf werden die
Sowjets nahezu vier abschaffen.
Da die Sowjets ein Register der
Verletzung von Rüstungskontrollabkommen vorzuweisen haben, bestehen wir
auf dem strengsten System zur Verifizierung in der Geschichte der Rüstungskontrolle. Und wir werden weiterhin die Sowjets zu Fortschritten
bei den START-Gesprächen drängen, in
deren Rahmen wir einen SOprozentigen
Abbau der strategischen Waffenarsenale beider Seiten vorgeschlagen haben.
Aber die Sowjets müssen ihre Taktik
aufgeben,
den
Abbau
strategischer
Waffen als Pfand für ihre Bemühungen
zur Lähmung unseres SDI-Programms zu
betrachten.
Lassen Sie mich Ihnen versichern,
daß SDI kein Faustpfand ist. Es ist
der Weg zu einer sichereren Zukunft.
Wir müssen uns darüber
im klaren
sein, daß die Sowjets unsere Gegner
sind und unsere Gegner bleiben werden
- die Gegner all derer, die an die
Freiheit des Menschen glauben. Dennoch müssen wir in unseren Bemühungen, die Sache der Freiheit voranzutreiben, mit den Sowjets sachlich,
aus einer Position der Stärke heraus
und im Namen des Friedens verhandeln.
Vielen Dank
fürs Zuhören, bis
nächste Woche, und Gott schütze Sie.

* * * * *

- 3 -

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Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE BEDEUTUNG VON SDI
- Ein Überblick -

"Völlig unannehmbar ist die sowjetische Taktik, Reduzierungen als Faustpfand für Maßnahmen einzusetzen, die unsere Strategische Verteidigungsinitiative zunichte machen ... Wir werden SDI nicht zum Tauschobjekt machen."
Präsident Reagan am 4. November 1987

Die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) Präsident
Reagans
verkörpert unsere größten Hoffnungen
auf eine sicherere Welt - eine Welt,
in der unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten nicht länger auf
Abschreckung durch die Androhung von
Massenvernichtung gegründet ist.
Die
Reagan-Administration
hat
stets über eine klar umrissene Strategie verfügt, um der Bedrohung durch
die sowjetische Aufrüstung mit offensiven
Atomwaffen
entgegenzutreten.
Unser Ziel besteht darin, den Frieden
sicherer zu machen und ein stabiles

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strategisches Gleichgewicht
stig zu gewährleisten.
Diese
Strategie
wichtige Bestandteile:

langfri-

enthält

drei

- Modernisierung unseres strategischen Abschreckungspotentials, da
wir uns zur Erhaltung des Friedens weiterhin auf die Androhung
von
Vergeltung
mit
Atomwaffen
stützen.
- Das streben nach einschneidenden,
gleichgewichtigen und wirksam ve-

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�'

rifizierbaren
Reduzierungen
der
amerikanischen
und
sowjetischen
Atomwaffen.

- SDI hat dazu beigetragen, daß die
Sowjets Anfang 1985 zu den Verhandlungen
über Atomwaffen zurückkehrten, die sie Ende 1983
abgebrochen hatten.

- Mit
Hilfe
der
amerikanischen
Strategischen
Verteidigungsinitiative die Suche nach einem sichereren und moralisch vorzuziehenden
Mittel zur Abschreckung
des Krieges voranzutreiben, indem
wir zur Verbesserung unserer Sicherheit zunehmend auf Verteidigungssysteme vertrauen.
SDI ist ein Forschungs- und Technologieprogramm mit dem Ziel, bis zu
den frühen neunziger Jahren zu zeigen, ob wirksame Verteidigungssysteme
gegen ballistische Raketen für die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten machbar sind.
Die aussichtsreichsten Konzepte stützen sich auf
gestaffelte Verteidigungssysteme für
das Abfangen der Raketen des Angreifers in jeder Flugphase - in der Antriebsphase, mitten im Flug und in
der Endphase.

- SDI unterstreicht die Integrität
jeglichen neuen Rüstungskontrollabkommens, indem es für die Sowjets die Anreize zum Betrug verringert.
Das Register sowjetischer Verletzungen früherer Rüstungskontrollabkommen macht diesen Aspekt besonders bedeutungsvoll.
- SDI bietet
den
Sowjets
einen
starken Anreiz, auf den Vorschlag
des Präsidenten zur 50prozentigen
Reduzierung
der
strategischen
Waffen einzugehen.
Selbst wenn eine 50prozentige Reduzierung
der strategischen Waffen
erreicht ist, wird SDI weiterhin unerläßlich sein, um die Sowjets zu
weiteren Reduzierungen zu bewegen.

- unser Engagement für SDI ist unerschütterlich.
Der
Präsident
hat erklärt:
"SDI ist kein Verhandlungsgegenstand.
Es ist ein
Eckpfeiler
unserer
Sicherheitsstrategie für die neunziger Jahre
und darüber hinaus.
Wir werden
es erforschen.
Wir werden es
entwickeln. Und wenn es fertiggestellt ist, werden wir es stationieren. "
SDI dient
dender Ziele:

einer

Reihe

entschei-

- Mit SDI suchen wir nach einen defensiven Mittel zur Abschreckung
von Aggressionen, das auf Systemen beruht, mit denen die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten vor einem Angriff mit ballistischen Raketen geschützt werden.
- 2 -

- Schließlich bildet SDI eine Versicherung gegen einen versehentlichen Raketenabschuß oder künftige Drohungen mit ballistischen
Raketen - seien sie atomar, konventionell oder chemisch bewaffnet - durch Länder, die alle Gesetze
der
Staatengemeinschaft
mißachten.
- Die möglichen Vorteile von SDI
wiegen die Kosten bei weitem auf.
Die Ausgaben für SDI vom Haushaltsjahr 1984 bis einschließlich
1988 werden sich auf etwa 12 Milliarden Dollar oder annähernd 13
Dollar jährlich pro Kopf der amerikanischen Bevölkerung belaufen
- ein geringer Preis für eine sicherere Zukunft.

�Die Bedeutung von SDI wird durch
die seit langem bestehenden, umfangreichen Programme der Sowjets zur
strategischen Verteidigung noch betont.

Abschreckung untergraben würden,
Dies hätte verheerende Auswirkungen auf die Sicherheit des Westens,

- Im Unterschied zu unseren eigenen
bescheidenen Ausgaben haben die
Sowjets
in den vergangenen 10
Jahren etwa 200 Milliarden Dollar
für ihre strategischen Verteidigungsprogramme aufgewendet, ungefähr ebenso viel wie für ihre
strategischen Offensivstreitkräfte.
Zu den Programmen der Sowjets gehören:
- Das
einzige
Verteidigungssystem
gegen ballistische Raketen der
Welt, das um Moskau herum stationiert ist und von den Sowjets
ständig verbessert wird.
- Der Bau eines großen phasengesteuerten
Radars
nahe
Krasnojarsk, das den ABM-Vertrag von
1972 verletzt.
- Forschung, Entwicklung und Erprobung, einschließlich eines mit 1
Milliarde Dollar pro Jahr ausgestatteten
Programms
für LaserWaffen -, das 10 000 erfahrene
Wissenschaftler und Techniker beschäftigt.
Wir können den Sowjets kein Monopol auf strategische Verteidigungssysteme einräumen.
- Wenn beide Seiten sie besitzen,
können
strategische
Verteidigungssysteme stabilisierend wirken und die Drohung des Krieges
verringern. Wenn die Sowjets sie
allein
besitzen, werden
solche
Systeme den Frieden bedrohen, da
sie die Glaubwürdigkeit unserer
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

2. Dezember 1987

42

DIE REDUZIERUNG DER STRATEGISCHEN WAFFEN
- Eine Übersicht der amerikanischen Regierung -

- (AD) - Die Vereinigten Staaten messen den Bemühungen zur Erlangung eines
ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens mit der Sowjetunion über
einschneidende Reduzierungen der strategischen Atomwaffen höchste Priorität
bei. insbesondere liegt unsererseits die Betonung auf den gefährlichsten Waffen - den schnell fliegenden ballistischen Raketen, darunter besonders die
großen Interkontinentalraketen (ICBMs) mit Mehrfachgefechtsköpfen.

Als einen konkreten Schritt zu
diesem
Ziel haben die Vereinigten
Staaten bei den Verhandlungen über
nuklear-strategische
Waffen
(START)
in Genf am 8. Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt.
Dieser Entwurf
spiegelt
die
von
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow im vergangenen Oktober in
Reykjavik erzielten Bereiche grundsätzlicher Übereinstimmung wider und
sieht eine Reduzierung der strategischen Offensivwaffen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion um
ca. 50 Prozent vor.

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Der amerikanische Vertragsentwurf
liefert eine solide Grundlage für die
Schaffung eines fairen und dauerhaften START-Abkommens.
Er sieht unter
anderem vor:
- Amerikanische und sowjetische Reduzierungen auf ein Maximum von
1 600 stationierten ballistischen
Raketen und schweren Bombern mit
höchstens
6 000
Gefechtsköpfen
innerhalb einer Frist von sieben
Jahren
nach
Inkrafttreten
des
Vertrages.

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�- Untergrenzen
für
Gefechtsköpfe
auf schnell fliegenden ballistischen Raketen, insbesondere derjenigen
auf
ICBMs,
denjenigen
Nuklearsystemen mit der destabilisierendsten und gefährlichsten
Wirkung.
- Eine 50prozentige Reduzierung des
heutigen Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen auf
eine für beide Parteien gültige
Höchstgrenze.
- Ein Verbot mobiler ICBMs, das auf
von diesen hervorgerufenen Bedenken bezüglich Verifizierung und
Stabilität beruht.
- Eine ausführliche Verifizierungsregelung mit dem ziel, die beiderseitige Einhaltung des Abkommens so umfassend wie möglich sicherzustellen.
Der von den Sowjets am 31. Juli
vorgelegte Vertragsentwurf
bedeutet
eine willkommene Abkehr von der sowjetischen Praxis der Vergangenheit,
sehr allgemein abgefaßte Dokumente zu
präsentieren, die lediglich grundlegende Prinzipien enthielten. in seinem Aufbau ähnelt er dem amerikanischen Entwurf, und er enthält einige gemeinsame Sprachregelungen. Dies
hat die Erstellung eines gemeinsamen
Vertragsentwurfs, der die noch ungelösten Probleme umreißt, erleichtert.
Der sowjetische Entwurf hat jedoch bei den wichtigsten noch zu lösenden Fragen, einschließlich der Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme, keinerlei Bewegung signalisiert.
Zusätzlich hat er Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen
von
Begrenzungen
der
strategischen
Verteidigung
abhängig
gemacht, die über die bereits im ABMVertrag vereinbarten hinausgehen und
- 2

unserer Meinung nach eine Fortführung
sowjetischer Bemühungen zur Lähmung
der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) bedeuten.
Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß er keinerlei Maßnahmen
hinnehmen kann und will, die zur Beseitigung oder Lähmung von SDI führen
würden - eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms, das für die Stärkung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten in der
Zukunft sowie die Sicherung des langfristigen
strategischen
Gleichgewichts großartige Aussichten enthält.
Im
Rahmen
ihres
Washingtoner
Treffens im September haben die Aussenminister Shultz und Schewardnadse
vereinbart, bei den Genfer Verhandlungen die Bemühungen zur Erlangung
eines Abkommens zur 50prozentigen Reduzierung der strategischen Offensivwaffen zu intensivieren. Während des
Ministertreffens - und seither bei
den Genfer Verhandlungen - wurden
Fortschritte bei noch ungelösten Fragen erzielt.
Zum Beispiel schlugen
die Sowjets eine Begrenzung auf 1 540
Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs vor,
obwohl dieser Ansatz die Entwicklungen neuer, noch bedrohlicher, schwerer
ICBMs keinerlei
Beschränkungen
unterwirft.
Während ihrer Treffen im Oktober
(22. bis 23. Oktober in Moskau und
30. Oktober in Washington) hielten
die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse intensive Gespräche zu
START ab. Die Sowjets schlugen folgende neue Untergrenzen vor:
3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen
(ICBMs), 1 800 bis
2 000 Gefechtsköpfe auf seegestützten
ballistischen Raketen (SLBMs) sowie
800 bis 900 Gefechtsköpfe auf luftgestützten
Marschflugkörpern
(ALCMs).
Dieser Vorschlag
stellt nicht die

�notwendige Freiheit für eine Mischung
bereit, die die
stabilisierenderen
Systeme begünstigen würde, und er
würde von den Vereinigten Staaten
verlangen, ihre SLBMs und ALCMs um
über 50 Prozent zu verringern und
gleichzeitig
bei den ICBMs aufzurüsten.
Wenn jedoch die im sowjetischen Vorschlag enthaltenen Zahlen
auf die Struktur hindeuten sollen,
die die Sowjets für ihre eigenen
Streitkräfte wünschen, dann sollten
die Sowjets in der Lage sein, die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Untergrenzen zu akzeptieren.

te, wenn die Sowjets nun dazu bereit
sind, sich diesem Ziel mit dem gleichen Ernst zu widmen wie die Vereinigten Staaten und wenn sie ihr Beharren auf Maßnahmen aufgeben, die
SDI lähmen würden.

Beim Washingtoner Treffen verabredeten beide Seiten, daß Generalsekretär Gorbatschow
im Dezember die
Vereinigten Staaten besuchen wolle,
um ein INF-Abkommen zu unterzeichnen
und daß Präsident Reagan in der ersten Hälfte des Jahres 1988 die Sowjetunion besuchen werde, unter anderem mit der Absicht, ein START-Abkommen zu unterzeichnen.
Beide Seiten
vereinbarten, intensiv auf solch einen
Vertrag
hinzuarbeiten.
START
wird in den Gesprächen mit Generalsekretär Gorbatschow bei dessen Besuch im Dezember einen hohen Stellenwert einnehmen.
Trotzdem
bleiben wichtige Meinungsverschiedenheiten bestehen, einschließlich der Untergrenzen bei bestimmten Arten von Gefechtsköpfen auf
ballistischen Raketen, einer vertraglich
festgelegten
Begrenzung
des
Wurfgewichts und dem Verbot mobiler
ICBMs.
Ein weiterer Streitpunkt ist
das sowjetische Beharren auf einem
Junktim zwischen den START-Reduzierungen
und weiteren
Beschränkungen
der Verteidigung gegen ballistische
Raketen.
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ein START-Vertrag nächstes Jahr fertiggestellt werden könn- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik

2. Dezember 1987

42

ANTARKTISCHES "OZONLOCH" HAT WELTWEITE AUSWIRKUNGEN
- Schutzabkommen von Montreal nur ein erster Schritte -

WASHINGTON - (AD) - Die Meßergebnisse für die Ozonkonzentration in der
Stratosphäre über der Antarktis zwischen August und Oktober 1987 waren alarmierend.
Dr. Peter Wilkniss, der Direktor für die Polarforschungsprogramme
der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten, erklärte
bei Anhörungen vor einem Unterausschuß des amerikanischen Senats, er fürchte
um die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter in dieser Region.

Die durchschnittliche Dichte der
Ozonschicht
in
den
antarktischen
Luftmassen betrug kaum mehr die Hälfte des Normalwertes, der in Höhen
zwischen 12 und ca. 35 km zu erwarten
wäre.
In diesem Bereich der Atmosphäre
sammeln
sich
Ozonmoleküle
(dreiatomiger
Sauerstoff), die für
den Schutz von Menschen, Tieren und
Pflanzen auf der Erde - einschließlich des Planktons im Meer - gegen
gefährliche
ultraviolette
Strahlen
von der Sonne eine wichtige Rolle
spielen.
Wird die stratosphärische
Ozonschicht zu dünn, dringt zu viel
UV-Licht bis zur Erdoberfläche durch.

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Mehr Fälle von Hautkrebs, grauem Star
und Schädigung des Immunsystems beim
Menschen sind nur einige der Folgen.
Die Entdeckung des in der antarktischen Frühlingszeit besonders auffälligen "Ozonlochs" durch britische
Forscher im Jahr 1979, die 1985 in
einer wissenschaftlichen Zeitschrift
darüber
berichteten, wurde anfangs
mit
zweifeln
begegnet.
Aber
die
Nachprüfung von Meßdaten aller Art,
auch solcher von Instrumenten in Forschungssatelliten,
bestätigte,
daß
diese Entwicklung
sogar schon gut

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�zehn Jahre lang erfaßt, aber zunächst
als Meßfehler mißdeutet und in ihrer
Bedeutung nicht erkannt worden war.
Amerikanische Forschergruppen befassen sich seit 1985 mit dem Ozonschwund über dem Südkontinent.
in
diesem Jahr wurde diesem Problem von
weltweiter Bedeutung besonders intensiv
nachgegangen.
Meßstationen am
Boden, Wetterballons, Daten aus Satelliten
und
"fliegende
Laboratorien", zu denen ein Flugzeug vom Typ
DC-8 und ein Höhenforschungsflugzeug
vom Typ ER-2 umgebaut wurden, dienten
wissenschaftlichen Beobachtungen speziell im Hinblick auf den Ozonabbau.
Nicht nur Forschergruppen amerikanischer Universitäten und anderer
Institute, sondern auch Laboratorien
in Chile, Argentinien, Frankreich,
Großbritannien und Neuseeland beteiligten sich an den Studien, die die
US-Behörde
für Luft- und Raumfahrt
(NASA)
koordinierte.
Vom
chilenischen Punta Arenas, der südlichsten
Stadt der Erde aus, flogen die beiden
Flugzeuge
insgesamt
25
Einsätze.
Dreizehn entfielen auf die DC-8 mit
jeweils etwa 40 Wissenschaftlern an
Bord. Mit der ER-2 dagegen war der
Pilot allein unterwegs.
Es wurden
Höhen bis 22 000 Meter erreicht. Im
Vergleich dazu wurde die DC-8 relativ
niedrig geflogen.
Nur gelegentlich
stieg sie bis ca. 15 000 Meter. Sie
sondierte die Atmosphäre über der
Antarktis in allen Himmelsrichtungen
bis zum Südpol - in einem Bereich,
der wegen der gefährlichen Winde von
militärischen und kommerziellen Flugzeugen stets gemieden wird.
Die oft riskanten Einsätze der
ER-2 brachten die wichtige Erkenntnis, daß sich im Gegensatz zu anderen
Gebieten der Erde, wo die Luft in so
großer Höhe klar ist, über der Antarktis in extremer Kälte Wolken aus

feinsten Eispartikeln bis weit in die
Stratosphäre hinauf halten.
Selbst
in 22 000 Meter Höhe gibt es keine
freie Sicht.
Erst seit kurzem weiß
man, daß die Eispartikel wegen ihrer
Oberflächen geeignet sind, chemische
Reaktionen, die u.a. Ozon zerstören,
um ein vielfaches zu beschleunigen.
Das mag einer der Gründe sein, weshalb in Verbindung mit weltweiten meteorologischen Vorgängen die stratosphärische Ozonkonzentration über der
Antarktis im Winter und am Frühlingsanfang so drastisch zurückgeht.
Zu den Hauptfeinden des Ozons in
der Stratosphäre zählen die Chlorfluorkohlenwasserstoffe (FCKW).
Nach
ihrer Freisetzung - etwa als Treibgas, aus Kühlmitteln oder aus Schaummaterial - bewegen sie sich zunächst
völlig reaktionsträge und somit unbehelligt durch die Troposphäre langsam
aufwärts.
Erst unter den besonderen
Bedingungen der Stratosphäre beginnen
sie mit anderen Gasen, Molekülen und
freien Atomen zu reagieren.
Allmählich gelingt es der Forschung, die komplizierten Reaktionen
im Zusammenhang mit dem Abbau des
Ozons in der Stratosphäre zu entschlüsseln.
Nach Ansicht von Prof.
Michael McElroy, der die Abteilung
für Geo- und Planetenforschung an der
Harvard-Universität
(Cambridge,
Massachusetts) leitet, versteht man
heute die Vorgänge unter den besonders extremen Bedingungen
für die
Ozonschicht über der Antarktis zu etwa 80 Prozent. "Es gibt keinen Zweifel mehr, daß chlorhaltige Industriegase für eine dramatische großräumige
Veränderung in der Stratosphäre verantwortlich sind", sagte er.
Aber
man könne nicht einfach darüber hinweggehen, wenn die Ozonschicht etwa
zwei Monate lang über fast zehn Prozent einer Hemisphäre stark verdünnt
bleibe. Und es gebe keinen Grund für

- 2 -

*

&lt;

,

?

�die Annahme, daß diese Ozonverluste
in absehbarer Zeit wettgemacht würden.
Dr. Wilkniss berichtete, daß die
Wissenschaftler in der Antarktis atmosphärische
Konzentrationen
von
Chlormonoxyd (einer aus CFKW-Verbindungen abgespaltenen Substanz) gefunden hätten, die etwa das Hundertfache
der Konzentrationen betragen, die in
der übrigen Welt gemessen werden.
(Dies ist ein wichtiger Hinweis auf
spezielle atmosphärische Bedingungen
für chemische Reaktionen in dieser
Region.) Besonders starken Ozonabbau
beobachtete man in ca. 15 000 Meter
Höhe, wo nur noch drei Prozent der
als normal angesehenen Werte zu ermitteln waren. im Durchschnitt habe,
so Dr. Robert Watson (Leitender Wissenschaftler für das Ozonprojekt der
NASA), im September 1987 die Ozonkonzentration
in
stratosphärischen
Schichten über der Antarktis nicht
einmal mehr 50 Prozent der vor etwa
zehn Jahren geltenden "Normalwerte"
betragen.
im Jahr 1985 wurde nach
Winterende ein Rückgang um 4 0 Prozent, im Jahr 1986 um 35 Prozent verzeichnet. Daß ungewöhnliche Vorgänge
im Spiel
sein müssen, sieht Dr.
Watson beispielsweise in dem Rückgang
der Ozondichte um zehn Prozent über
einem drei Millionen Quadratkilometer
großen Gebiet an einem einzigen Tag.
Chemische Substanzen allein könnten
dies niemals bewirken, meinte er.
Die Auswertung der Daten dürfte
mindestens noch ein halbes Jahr in
Anspruch nehmen.
Dann werden erste
wissenschaftliche Berichte in Fachzeitschriften erscheinen.
Die Forscher sind sich darüber einig, daß es
falsch wäre, anzunehmen, die über der
Antarktis beobachteten chemischen Reaktionen könnten sich andernorts, etwa in der Atmosphäre über den gemässigten Zonen, nicht ereignen. Dr. F.
Sherwood Rowland (Universität Kali-

fornien), der 1974 zusammen mit Dr.
Mario J. Molina zum ersten Mal vor
den Halogenverbindungen gewarnt hatte, verwies u.a. auf Beobachtungen in
Europa und den Vereinigten Staaten:
In der Schweiz, wo im Raum von Arosa
seit 1931 Ozonmessungen durchgeführt
werden, zeigte sich, daß jedes Jahr
im März die Werte um etwa neun Prozent unter dem Durchschnitt liegen.
Und von Meßstationen in Norddakota
und Maine im Norden der USA werden
jeden Winter bemerkenswerte Ozonverluste registriert.
Das im September 1987 von 46 Nationen in Montreal (Kanada^ unterzeichnete Protokoll der Vereinten Nationen über die Kontrolle von Chlorfluorkohlenwasserstoffen
bezeichnet
Rowland als einen wichtigen ersten
Schritt, der aber vor dem Jahr 2000
relativ geringe Auswirkungen auf die
Chlormengen in der Atmosphäre haben
werde.
Das Protokoll sieht vor, daß
die meisten Signatarstaaten, insbesondere
die
Industrieländer,
die
CFKW-Produktion
bzw. den Verbrauch
bis 1990 auf dem jetzigen Stand einfrieren und im nächsten Jahrzehnt um
50 Prozent verringern.
Dagegen wird
Entwicklungsländern
eine
Weiterführung des Verbrauchs für ein Jahrzehnt
zugestanden, damit sie Lücken in bestimmten Technologien, z.B. in der
Kühltechnik, schließen können. Wegen
der langen Lebensdauer der CFKW-Verbindungen in der Atmosphäre, für die
bis zu 110 Jahre angesetzt werden,
müßten
jedoch Rowland
zufolge die
Emissionen vollständig aufhören, um
den gegenwärtigen Stand der Chlorkonzentrationen in etwa zu halten.

Zusammenarbeit mit der Sowjetunion
Im Rahmen der am 2. November 1987
bekanntgegebenen
Zusammenarbeit
der
Vereinigten Staaten mit der Sowjet-

- 3 -

�union in der Klimaforschung über 30
gemeinsame Projekte spielen auch der
Abbau
des
stratosphärischen
Ozons
über der Antarktis und die amerikanischen
Satellitenbeobachtungen
zur
weltweiten Überwachung der Ozondichte
eine wichtige Rolle. Die Ozonmessungen über der Antarktis werden koordiniert, ermittelte Daten ausgetauscht;
für ein- und zweidimensionale Modelle
für Ozon und andere Spurengase sowie
Messungen der CFKW-Aufnahme wurde Zusammenarbeit
vereinbart.
Außerdem
ist ein gemeinsames Experiment auf
der &gt; Heiss-Insel
(Franz-Josef-Land)
zum Studium der Beziehungen zwischen
stratosphärischen
Aerosolen in der
Arktis und
ihrer Auswirkungen auf
Ozon in der Stratosphäre vorgesehen.

* * * * * *

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Regionale Konflikte beim Gipfel im Brennpunkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans wöchentliche Rundfunkansprache&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung von SDI&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Reduzierung der strategischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Antarktisches "Ozonloch" hat weltweite Auswirkungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schutzabkommen von Montreal nur &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;ein erster Schritt&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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