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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

^

41

1 9 . November 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Ist die NATO noch zettgemäß?
- Rede des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt -

Shultz:

USA müssen Frieden in Nicaragua 'jede Chance* geben

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WIRTSCHAFT
Länderbericht über das voraussichtliche Volumen des Handels mit der
Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Frühbehandlung mit Interferon
- Neue Therapien in der Erprobung -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
r/

L?

""*•"

Dokumentation

\A

19. November 1987

41

IST DIE NATO NOCH ZEITGEMXSS?

MÜNCHEN - (AD) - In einer Ansprache am 16. November 1987 vor. der HannsSeidel-Stiftung in München bekräftigte Botschafter Richard Burt, daß zahlreiche Bundesbürger sowohl auf der linken wie der rechte Seite des politischen
Spektrums bedauerlicherweise die falsche Lehre aus dem bevorstehenden amerikanisch-sowjetischen Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) ziehen.
"In
Wahrheit aber ist diese Übereinkunft nicht ein Sieg für Gorbatschow, sondern
für die NATO. Sie ist zustande gekommen, weil das Bündnis den Mut hatte, den
Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb und angesichts sowjetischer Drohungen
fest zusammenhielt.
Die richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet,
Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für den Umgang mit den
Sowjets."
Nochfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede im Wortlaut:
Kaum eine Institution der Gegenwart ist je so eingehend untersucht
worden wie die NATO. Zeit ihres Bestehens wurden unter Politikern, Wissenschaftlern und Kommentatoren immer
wieder Themen wie "Befindet sich die
NATO in einer Krise" oder "Ist die
NATO in Auflösung begriffen?" diskutiert.
Die Kritik scheint in den
letzten Jahren an Umfang zugenommen
zu haben. Viele behaupten, der Nutzen der NATO als Instrument kollektiver Sicherheit habe sich überlebt und
sie könne keinen Beitrag mehr zur Lösung der Art von Problemen leisten,

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Embassy of the United States of America

mit denen sich die meisten ihrer Mitgliedsstaaten in den neunziger Jahren
konfrontiert sehen werden.
Gedanken, die NATO liege in den
letzten Zügen oder etwa, sie sei
nicht mehr zeitgemäß, möchte ich entschieden entgegentreten.
Ich kann
innerhalb des Bündnisses weder bedeutende strukturelle Probleme ausmachen
noch erkenne ich irgendwelche tragfähigen Alternativen. Damit möchte ich
natürlich nicht bestreiten, daß es
Probleme
gibt.
Tatsächlich
sieht
sich die NATO gegenwärtig einer Reihe

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Telex: 8-85432

�großer Herausforderungen ausgesetzt,
die teils von innen, teils von außen
an sie gestellt werden.
Die bedeutendste Herausforderung
von außen besteht in der geschickten
sowjetischen
Diplomatie.
Unter
Gorbatschow decken sich die Grundzüge
sowjetischer
Strategie
mit
der
Breschnews, insbesondere die Ausdehnung sowjetischer politischer Hegemonie auf ganz Europa durch die Abkoppelung Westeuropas von den Vereinigten Staaten. Was sich hingegen verändert hat, ist die sowjetische Taktik. In einer Zeit, in der Rüstungskontrolle in praktisch allen westlichen Staaten einen wichtigen innenpolitischen Stellenwert einnimmt, ist
die neue sowjetische Führung darum
bemüht, ihre Ziele jetzt durch Rüstungskontrolle zu erreichen, statt
durch die fortgesetzte Aufrüstung ihrer Streitkräfte.
Durch die Denuklearisierung
Europas
meinen
Gorbatschow und seine Berater, diese
Abkoppelung mit Hilfe ihrer konventionellen Überlegenheit erzielen zu
können.
Eine große Herausforderung, die
von innen an das Bündnis gestellt
wird, liegt im zunehmenden Kirchturmdenken in Europa und dem Unilateralismus in den Vereinigten Staaten.
In Europa befürwortet manch einer die
"Europäisierung"
dieses
Kontinents,
die eine verringerte Rolle der Vereinigten Staaten, atomwaffenfreie Zonen und Denuklearisierung impliziert.
Es werden Argumente vorgebracht wie
etwa, Europa dürfe nicht Gefahr laufen, zum Schlachtfeld der Supermächte
zu werden.
Das Spiegelbild dieses
Trends ist die wachsende Frustration
über die Europäer in den Vereinigten
Staaten, die wiederum Vorschläge zum
Abzug amerikanischer Truppen und Diskussionen über die Reduzierung der
amerikanischen Nuklearpräsenz in Eu-

ropa zur Folge hat. Weitere Herausforderungen lassen sich in der wachsenden Popularität der Rüstungskontrollrhetorik und in dem - besonders
in Europa - weitverbreiteten Glauben
erkennen, Rüstungskontrolle sei ein
Allheilmittel für Sicherheitsprobleme.
Kurzum: der in den fünfziger und
sechziger Jahren erarbeitete und in
den siebziger Jahren zunehmenden Belastungen
ausgesetzte
atlantische
Konsens ist nun in den achtziger Jahren in Gefahr. Von beiden Enden des
politischen Spektrums wird Druck auf
ihn ausgeübt.
Dies ist aus der gegenwärtigen
Debatte über den bevorstehenden INFVertrag klar ersichtlich.
Die von
vielen Europäern zum Ausdruck gebrachten Ansichten und Befürchtungen
haben, so scheint mir, weniger mit
dem Vertrag an sich zu tun als mit
den Lehren, die aus ihm zu ziehen
sind. viele Deutsche, sowohl aus dem
linken wie dem rechten Lager, ziehen
leider die falschen Lehren.
Erstens sind viele der Ansicht,
wir verdankten dieses Abkommen Generalsekretär Gorbatschow, und Glasnost
und Perestroika
trügen hier erste
Früchte. In Wahrheit aber ist diese
Übereinkunft
nicht
ein
Sieg
für
Gorbatschow, sondern für die NATO.
Sie ist zustande gekommen, weil das
Bündnis den Mut hatte, den Doppelbeschluß zu verabschieden, weil es unter äußerst schwierigen Bedingungen
die Stationierung der LRINF vorantrieb
und
angesichts
sowjetischer
Drohungen
fest
zusammenhielt.
Die
richtige Lehre aus den INF-Verhandlungen lautet, Festigkeit und Zusammenhalt sind eine Voraussetzung für
den Umgang mit den Sowjets.
in der Tat ist das vielleicht
wichtigste Resultat der INF-Verhand-

- 2 -

�lungen, daß der einseitigen Abrüstung
des Westens damit ein Ende bereitet
werden sollte. Wie sich die meisten
von Ihnen erinnern werden, gab es Anfang der achtziger Jahre eine ausgedehnte Debatte in den NATO-Ländern,
ob das Bündnis pershing II-Raketen
und Marschflugkörper stationieren und
damit eine glaubwürdige Verhandlungsposition in Genf schaffen solle, oder
ob wir die Bedrohung durch die SS-20
außer acht lassen, einseitig auf die
Stationierung verzichten und hoffen
sollten, daß die Sowjets auf die
gleiche Weise reagierten.
Der verlauf der INF-Verhandlungen hat eindeutig die Gültigkeit des ersten Arguments bestätigt. Es ist jetzt erwiesen, daß der wirksame Weg zur Rüstungskontrolle am Verhandlungstisch
zu finden ist und daß wir, um bei
Verhandlungen
mit
der
Sowjetunion
Fortschritte zu erzielen, starke und
energische Verteidigungsanstrengungen
aufrechterhalten müssen.
Der zweiten, oft im linken Lager
aus der Erfahrung mit INF gezogenen
falschen Lehre zufolge bedeutet dieses Abkommen einen Wendepunkt in der
Entwicklung
westlicher
Strategien,
einen ersten Schritt auf dem Weg zum
atomwaffenfreien Europa und zum Verzicht auf nukleare Abschreckung. ich
möchte eindeutig klarstellen, daß die
Vereinigten Staaten nicht die Absicht
hegen, diesen Weg einzuschlagen.
In
absehbarer Zukunft wird das Bündnis
weiterhin auf seine Strategie der
flexiblen Reaktion bauen, deren wesentlicher Bestandteil die nukleare
Abschreckung bleibt.
Nach dem Abschluß eines Vertrages über Mittelstreckenraketen
bleibt
immer
noch
eine erhebliche Anzahl und Vielfalt
nuklearer Trägersysteme der vereinigten Staaten - Flugzeuge, Raketen und
Schiffe - für die Verteidigung Europas erhalten.

Die dritte falsche Lehre, die
häufig im rechten Lager aus den Erfahrungen mit INF gezogen wird, besagt, die Abschaffung amerikanischer
LRINF sei der erste Schritt zu einem
Rückzug der Amerikaner aus Europa.
Nichts könnte weniger der Wahrheit
entsprechen. Die Vereinigten Staaten
werden ihre Truppen nicht aus Europa
abziehen. Trotz der Vorschläge einiger Politiker in Washington unterstützt die amerikanische Öffentlichkeit - wie jüngste Meinungsumfragen
bestätigt haben - einhellig unser Engagement und die starke amerikanische
Präsenz in Europa. Wichtig ist, daß
durch europäische Furcht vor einem
amerikanischen
Truppenabzug
nicht
Geister gerufen werden, die man nicht
wieder los wird.
Die
Christlich
Soziale
Union
tritt seit langem für ein starkes
Bündnis
und
gesunde
amerikanischdeutsche Beziehungen ein.
Sie sind
in
der
Vergangenheit
stets
gute
Freunde Amerikas gewesen und werden
dies, wie ich glaube, auch weiterhin
sein. In den vor uns liegenden Monaten müssen wir gemeinsam eine Aufgabe
angehen, die für die künftige Solidität des Bündnisses von existentieller
Bedeutung ist, das heißt, wir müssen
sicherstellen, daß die Öffentlichkeit
aus den Erfahrungen mit INF die richtigen Lehren zieht.
Nur wenn wir
dieses ziel mit Erfolg erreichen,
können wir eine feste Grundlage für
weitere Bemühungen zur Stärkung des
Bündnisses errichten.
Kritiker
des
Bündnisses
von
rechts und von links verweisen auf
einige
anhaltende
reale
Probleme.
Europäische Kritiker äußern zu Recht,
die Vereinigten Staaten hätten manchmal versäumt, Konsultationen mit ihren europäischen Partnern abzuhalten
und auch nicht immer die Ansichten
der Europäer in ihrer ganzen Band-

�breite berücksichtigt.
Amerikanische
Kritiker haben wiederum recht mit ihrem Hinweis darauf, die Europäer hätten es unterlassen, die weltweite
Verantwortung zu übernehmen, die ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entspricht.

Abzug von 100 000 amerikanischen Soldaten aus Europa in andere Gebiete
läßt sich nicht verwirklichen.
Dieser Ansatz würde keinesfalls die Europäer zu vermehrten Verteidigungsanstrengungen
anregen, sondern genau
das Gegenteil bewirken.

Trotzdem sollten wir uns bei der
Beurteilung der Probleme und Herausforderungen, mit denen sich die NATO
heute konfrontiert
sieht, folgende
Schlüsselfrage stellen: Gibt es als
tragfähige Alternative eine übergreifende Struktur, mit der die Sicherheit des Westens gleichermaßen garantiert werden kann?
Meine Antwort
darauf ist ein klares "Nein".

Was kann und soll nun unternommen
werden, um den wahren Herausforderungen entgegenzutreten, die sich der
NATO stellen?
Die Lösung liegt meiner Ansicht nach nicht in der Erfindung eines großartigen neuen Modells.
Vielmehr sollten wir unseren Völkern
gewisse
Grundprinzipien
vor
Augen
führen, die das Bündnis untermauern
und uns dieser Prinzipien - so kraftvoll und überzeugend wir dies vermögen - versichern.
Ich würde diese
fünf Grundsätze folgendermaßen definieren:

Es sind in der Tat von verschiedenen Seiten Alternativen zur gegenwärtigen Struktur gefordert worden.
Aber diese sind entweder politisch
unrealistisch oder nicht funktionsfähig, wenn es darum geht, die Sicherheit Europas zu garantieren.
Zum
Beispiel könnte die Alternative einer
völlig unabhängigen europäischen Verteidigungsgemeinschaft - deren Kernstück
die europäische
Abschreckung
und eine politische Struktur zur Kontrolle
dieser
Abschreckung
bilden
würde
- langfristig machbar sein,
aber sicherlich nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Desgleichen würde ein
entmilitarisiertes
Europa
Traum
manches
europäischen
Linken
- im
Schatten
sowjetischer
Militärmacht
nicht lange überleben. Aus ähnlichen
Gründen würde eine politische Verständigung mit der Sowjetunion nicht
die Sicherheit Europas garantieren.
Eine
Variante
wie
etwa
Helmut
Schmidts Vorschlag, in Europa die
Rolle der Amerikaner von Frankreich
übernehmen zu lassen, ist ebensowenig
durchführbar.
Frankreich ist weder
bereit noch in der Lage, solch eine
Verantwortung
zu
tragen.
Auch
Zbigniew
Brzezinskis Vorschlag zum

- Erstens ist das Engagement der
Vereinigten Staaten auf dem Kontinent
sowohl
im Hinblick auf
Truppen als auch
Nuklearwaffen
jetzt und in Zukunft entscheidend.
Für die Glaubwürdigkeit
der Strategie des Bündnisses muß
dieses
Engagement
ein
wesentlicher Bestandteil sein und nicht
nur Zeichen setzen.
- Zweitens wird nukleare Abschrekkung
stets unverzichtbarer
Bestandteil der Strategie des Bündnisses sein.
Das bedeutet, daß
die Präsenz amerikanischer Nuklearwaffen auf europäischem Boden
ebenso
wie
die
Beibehaltung
schlagkräftiger
strategischer
Streitkräfte
in
Mitteleuropa
durch
die
Vereinigten
Staaten
weiterhin ein wesentliches Element der westlichen
Sicherheit
bilden, auch bei unseren gegenwärtigen Bestrebungen zum Abbau
von Nuklearwaffen durch ausgehandelte Abkommen.

�- Drittens muß sich das Bündnis zur
Aufrechterhaltung
der
Strategie
der flexiblen Reaktion auf ausreichende konventionelle Streitkräfte
stützen
können.
Angesichts des derzeitigen Kräfteverhältnisses
ist eine gemeinsame
Anstrengung zur Behebung des bestehenden
konventionellen
Ungleichgewichts - sei es durch
Verstärkung der Streitkräfte oder
Rüstungskontrolle oder eine Kombination der beiden - unerläßlich.
- viertens muß es innerhalb des
Bündnisses
zu
einer
gerechten
Verteilung der Lasten kommen, die
nicht einfach in Zahlen gegeneinander aufgerechnet werden können.
Lasten nichtfinanzieller Art, wie
zum Beispiel die Dichte der stationierten
Streitkräfte
sowie
Häufigkeit und Umfang von Übungen
sollten ebenfalls berücksichtigt
werden.
Auch in bezug auf Verantwortlichkeiten
außerhalb
des
Bündnisgebietes muß in der NATO
eine
Lastenverteilung
erfolgen.
In
diesem
Zusammenhang
sollte
nicht unerwähnt bleiben, wie sehr
die amerikanische Regierung die
Entscheidung der Bundesregierung
zu schätzen weiß, als Ausgleich
für die Aktivitäten der Amerikaner und der anderen Bündnispartner im Persischen Golf Schiffe
der Bundesmarine ins Mittelmeer
zu entsenden.
- Fünftens und letztens muß das
Prinzip des gleichmäßig verteilten Risikos innerhalb des Bündnisses
aufrechterhalten
werden.
Von keinem Mitglied des Bündnisses oder einer Gruppe von Bündnispartnern
kann die Übernahme
erheblich größerer Risiken verlangt werden, als sie die anderen
NATO-Partner erwartungsgemäß tragen müssen.
Das Territorium der

europäischen Verbündeten darf weder als ausschließlicher Kriegsschauplatz
für einen nuklearen
oder konventionellen Konflikt in
Erwägung
gezogen
werden,
noch
darf es einen Automatismus geben,
der zur raschen und unvermeidlichen Eskalation eines strategischen Krieges in Mitteleuropa
führen würde.
Die Lösung besteht meiner Meinung
nach daher nicht darin, die bestehende Struktur der NATO zu ersetzen,
sondern sie vielmehr zu verstärken,
indem
diese
fünf
Grundsätze
als
Richtlinien Anwendung finden.
Wenn
wir in eine Welt nach INF eintreten,
werden wir unser besonderes Augenmerk
darauf richten müssen, daß uns die
zur Durchführung dieser Strategie erforderlichen Streitkräfte garantiert
zur Verfügung stehen.
Von
vordringlichster
Bedeutung
könnte sein, daß wir zu einer Zeit,
in der ein Abkommen über die Beseitigung nuklearer Waffen in greifbare
Nähe gerückt zu sein scheint, sicherstellen müssen, daß das Bündnis über
ausreichende
konventionelle
Streitkräfte verfügt.
Der Verstärkung der
konventionellen
Streitkräfte
sollte
höchste Priorität beigemessen werden.
Gleichzeitig müssen wir die Gewähr
dafür bieten, daß das Bündnis im Einklang mit dem Beschluß von Montebello
ein angemessenes Arsenal moderner nuklearer Fähigkeiten kürzerer, mittlerer und längerer Reichweite beibehält.
Der zur Verhandlung stehende
INF-Vertrag enthält keinerlei Verfügungen, die uns von der Aufrechterhaltung eines solchen Arsenals abhalten würden.
Ferner müssen wir einen umfassenden und einheitlichen Ansatz zur Rüstungskontrolle erarbeiten, der sich
mit den von mir formulierten fünf

- 5 -

�Grundsätzen deckt.
insbesondere im
Hinblick auf konventionelle Rüstungskontrolle sollten sich die Bestrebungen des Bündnisses auf die Hauptursache der Unsicherheit auf dem europäischen Kontinent - die Invasionsfähigkeit des Warschauer Pakts - konzentrieren.
Dieser Ansatz hat drei
eindeutige
Implikationen.
Erstens
müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf
die bedrohlichsten Elemente der Militärmacht des warschauer Pakts lenken,
das heißt, die gepanzerten Streitkräfte
der
Sowjetunion.
Zweitens
müssen die Reduzierungen einschneidend und stark asymmetrisch vorgenommen werden. Und drittens dürfen Reduzierungen
des Westens nicht auf
amerikanische
Streitkräfte
konzentriert sein, da die anhaltende Präsenz amerikanischer Truppen auf europäischem Boden für die Verteidigung
Europas ebenso entscheidend ist wie
die Präsenz der amerikanischen Nuklearwaffen hier.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß uns die NATO in den etwas mehr
als 40 Jahren seit ihrer Gründung gute Dienste geleistet hat und von einer alternativen Sicherheitsstruktur
für den Westen keine Rede sein kann.
Die vor uns liegende Aufgabe besteht
daher vielmehr in der Stärkung der
uns zur Verfügung stehenden Struktur
und in der Verbesserung unserer Strategie.
Unter den Teilnehmern dieser
Konferenz befinden sich einige der
engagiertesten Verfechter des Atlantischen Bündnisses und der deutschamerikanischen Beziehungen im besonderen. Wir freuen uns, daß Sie uns
in der vor uns liegenden Zeit mit Rat
und Unterstützung zur Seite stehen
werden.

* * * * *

�18. November 1987

41

SHULTZ:

USA MÜSSEN FRIEDEN IN NICARAGUA "JEDE CHANCE" GEBEN

- Ansprache von Außenminister Shultz vor der OAS -

WASHINGTON - (AD) - Vor der Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) erklärte Außenminister Shultz am 10. November 1987, die
Reagan Administration stelle bis nächstes Jahr keine weitere Unterstützung für
die Widerstandskämpfer in Nicaragua bereit.
"Das heißt nicht, daß wir die Hände in den Schoß legen, wenn die Sandinisten den militärischen Sieg zu erlangen suchen", fuhr Shultz fort.
"Wir
werden die Widerstandskämpfer angesichts hochentwickelter sowjetischer Waffen
und kubanischer Berater nicht ohne die erforderlichen Mittel sich selbst überlassen" .
Nachfolgend bringen wir die Ausführungen von Außenminister shultz im Wortlaut.
Herr Präsident, sehr geehrte Kollegen, Delegationsleiter, Herr Generalsekretär,
Herr
stellvertretender
Generalsekretär, meine Damen und Herren.
Der Charta der Organisation Amerikanischer Staaten zufolge ist es
der
"historische Auftrag Amerikas,
allen Menschen ein freies Land zu
bieten".
Der
demokratische
Wandel, der
sich
jetzt
in unserer
Hemisphäre
vollzieht, verleiht unserem gemeinsa-

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Embassy of the United States of America

men Auftrag neues Leben. Der brasilianische Präsident Sarney hat diesen
Wandel als das "erstaunlichste und
bewegendste politische Ereignis der
jüngsten Jahre bezeichnet".
Präsident Reagan zitiert es als "eines des
stolzesten Kapitel in der Geschichte
der Menschheit".
Zweifelsohne sollte dieser demokratische Wandel auch ein Augenblick
des Triumphes für unsere regionalen
Organisationen sein.
So sollte es sein, aber

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dem

ist

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�nicht so. Oder zumindest noch nicht.
Viele
unserer Mitgliedsländer
sind
demokratischer als je zuvor.
Aber
einige sind noch immer undemokratisch, und einige wenige sind mit System undemokratisch. Und überall auf
der Welt versuchen wir immer noch,
den durch geringes Wirtschaftswachstum und ungleich verteilte Entwicklungen entstandenen menschlichen Problemen Herr zu werden.
Beide Probleme - die politischen
wie die wirtschaftlichen - sind gravierend.
Beide tragen zu Spannungen
bei, die Einfluß auf die internationale
Sicherheit
haben.
In meinen
heutigen Ausführungen möchte ich diese beiden Problemkreise ansprechen.

Ankurbelung von Wirtschaftswachstum
und sozialer Entwicklung
Ich setze großes Vertrauen in eine bessere wirtschaftliche
Zukunft
für Lateinamerika. Die von uns seit
1982 gemeinsam unternommenen Anstrengungen stärken mein Vertrauen.
Dieses ist die fünfte Generalversammlung, an der ich als Außenminister
teilnehme. Seit den Tagen der Krise
im Jahr 1982 haben sich die Wirtschaftsstatistiken
über
die . Jahre
hinweg konstant verbessert.
Seit dem im Jahr 1985 in Seoul
ins Leben gerufenen Programm für anhaltendes Wachstum haben wir große
Anstrengungen unternommen.
Das Gesamtwirtschaftswachstum beläuft sich
jetzt ohne Unterbrechungen im dritten
Jahr auf über 3 Prozent - im Jahr
1986 erreichte es fast 4 Prozent.
Die Interamerikanische Entwicklungsbank berichtet, daß das Jahr 1986 für
zwei
Drittel ihrer
Mitgliedsländer
einen besseren Verlauf nahm als 1985.
Andere Indikatoren sind ebenfalls positiv: Die Exporterlöse steiqen wei- 2

terhin an, die Importe erholen sich,
die Lage auf dem Rohstoffmarkt verbessert sich, das reale Pro-Kopf-Einkommen ist angestiegen, es gibt Anzeichen für eine Erholung der Kapitalflucht, und die
Inflationsraten
sind niedrig.
Erneute Kreditvergabe und Hilfsleistungen an die Region seitens der
internationalen Finanz- und Entwicklungsinstitutionen beliefen sich im
Jahr 1986 auf mehr als 9 Milliarden
Dollar.
Im Verlauf der vergangenen
zwei Jahre sind über 9 Milliarden
Dollar an ausstehenden Handelsschulden
zurückgeflossen.
Das amerikanische Defizit im Handel mit Lateinamerika und der Karibik beläuft sich
weiterhin auf 15 Milliarden Dollar
jährlich. Auch dadurch ist ein wichtiger Beitrag zu den Wachstumsaussichten für Lateinamerika insgesamt
geleistet worden.
Als Antwort auf die besonderen
Probleme im Karibischen Becken haben
die Vereinigten
Staaten seit 1981
mehr als 7 Milliarden Dollar an bilateraler Wirtschaftshilfe zur Verfügung gestellt.
Dies ist fünf mal
mehr als die 1,4 Milliarden Dollar an
militärischer Hilfe, die wir zur Wahrung
lebenswichtiger
Sicherheitsinteressen ausgegeben haben. Selbst in
Fällen, in denen wir uns auf verfügbare offizielle Hilfsleistungen konzentriert haben, bleiben wir tragfähigen
Entwicklungen
verpflichtet.
Wir sind uns bewußt, daß solche Entwicklungen sich nur auf einen starken
Privatsektor gründen können und nicht
auf
langfristige
Abhängigkeit
von
ausländischer
Hilfe.
Entsprechend
haben wir versucht, einen Anreiz für
Investitionen zu schaffen, indem wir
im Rahmen der Initiative Karibisches
Becken eine Lockerung des Handels bewirkt haben. Das fruchtbare Ergebnis
war eine mehr als 30prozentiqe Zu-

�wachsrate bei amerikanischen Importen
nicht herkömmlicher Produkte aus den
Ländern des Karibischen Beckens in
den vergangenen drei Jahren bis 1986.
Weltweit liegt das Pro-Kopf-Einkommen jedoch noch weit unter dem Niveau, das erreicht worden war, bevor
die Finanzflüsse im Jahr 1982 zum
Problem wurden.
zusätzlich
trüben
die
derzeitigen
Entwicklungen
das
wirtschaftliche Bild. Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um
dies zu beheben. Der starke Abwärtstrend der Zinssätze hatte die lateinamerikanischen Forderungen für geleistete Dienste um ca. 5 Milliarden
Dollar pro Jahr verringert, aber die
Zinssätze sind wieder im Ansteigen
begriffen.
In den vereinigten Staaten unternehmen wir vermehrte Anstrengungen, um unserer Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu bringen.
Unter Präsident Reagan haben wir protektionistischen
Maßnahmen
vehement
widerstanden, dennoch üben die Verfechter des Protektionismus weiterhin
starken Druck aus.
Wir sind entschlossen, ein offenes Handelssystem
aufrechtzuerhalten.
Wir werden uns
weiterhin gegen solche Maßnahmen wehren und dafür benötigen wir Ihre Hilfe.
Wir sind der Überzeugung, daß die
internationalen
FinanzInstitutionen
der Weltbank und des Internationalen
Währungsfonds eine Schlüsselrolle bei
der Förderung des Wachstums übernehmen müssen.
Daher haben wir unsere
Zustimmung zur Teilnahme an den Verhandlungen über eine Kapitalaufstokkung der Weltbank gegeben.
Darüber
hinaus haben wir einen neuen ausländischen Reservefonds für den internationalen Währungsfonds vorgeschlagen, durch den unvorhergesehene Entwicklungen
wie geringere Rohstoffpreise, ein vermindertes Exportvolumen und höhere Zinssätze aufgefangen

werden.
Eine starke Weltwirtschaft erfordert anhaltende Wirtschaftsreformen.
Wie Ihnen sicherlich bekannt sein
wird, haben wir von den führenden
Überschußländern verstärkte Maßnahmen
erwartet.
Die Märkte geben einen
Hinweis darauf, daß die Vereinigten
Staaten zu lange die Lokomotive des
Weltwirtschaftswachstums
waren
und
sich in Wirklichkeit etwas übernommen
haben.
Auch hier ist Ihre aktive
Teilnahme vonnöten. sie können dazu
beitragen, unsere Handelspartner, von
der Bedeutung einer Verringerung ihrer Handelsüberschüsse zu überzeugen.
Sie können auch helfen, indem Sie mit
stärkerer Entschlossenheit die Wirtschaftsreformen durchführen, die für
zukünftiges
Wachstum
erforderlich
sind.
Wir alle, die wir in dieser
Hemisphäre leben, müssen an der Ankurbelung unserer Sparraten und der
Investitionstätigkeit
arbeiten
und
uns vor allem zu vermehrter Zusammenarbeit verpflichten, um die notwendigen Bedingungen zu schaffen, die bis
in die neunziger Jahre und darüber
hinaus anhaltendes Wachstum und den
Aufschwung
der Demokratie
sichern,
von dem Lateinamerika in den achtziger Jahren gekennzeichnet war.

Die Übereinkunft von Guatemala
Ich möchte mich jetzt der von
fünf unserer Mitgliedsstaaten ergriffenen Initiative zuwenden, in Mittelamerika Frieden durch Demokratie zu
schaffen.
Meine Regierung ist der
festen Überzeugung, daß das Guatemala-Abkommen entschiedenen Fortschritt
herbeiführen kann.
Unsere Organisation sollte keine Mühe scheuen, den
mittelamerikanischen Mitgliedsstaaten
bei ihren Bestrebungen zur Erlangung
des Friedens behilflich zu sein.

- 3 -

�Die Hand in Hand gehenden Forderungen der Übereinkunft von Guatemala
- Demokratie und nationale Aussöhnung
- fügen sich zu dem einzigen Weg zusammen, durch den dem Blutvergießen
ein Ende bereitet, uneingeschränkte
Teilnahme
am politischen Geschehen
und der Abbau des Ost-West-Konflikts
in der Region gewährleistet werden
können.
Die Verleihung des diesjährigen
Friedensnobelpreises an den Präsidenten
eines
unserer
Mitgliedsländer
spiegelt diese Realität wider.
Wir
beglückwünschen
Präsident
Arias.
Seine Auszeichnung ist gleichzeitig
die Anerkennung seiner fortgesetzten
Bemühungen, den demokratischen Wandel
der Region und den jahrelangen Kampf
des mittelamerikanischen Volkes und
der demokratischen Führung zu Ende zu
bringen.
Die Durchführung des GuatemalaAbkommens erweist sich als relativ
kompliziert, aber die ihm zugrunde
liegende Vision ist in Wirklichkeit
sehr einfach. Es ist die Vision eines auf Freiheit und Demokratie gegründeten regionalen Friedens.
Der
Demokratisierungsprozeß
muß
Pressefreiheit,
uneingeschränkten
politischen Pluralismus sowie freie Wahlen und die Aufhebung des Ausnahmezustands
beinhalten.
Wie
Präsident
Reagan vor dem Ständigen Rat der OAS
formulierte,
ist
"Demokratie
der
Grundpfeiler" der Übereinkunft von
Guatemala.
Parallel zu diesem Demokratisierungsprozeß muß ein Prozeß der nationalen Aussöhnung einhergehen.
jede
Regierung sollte alle eforderlichen
Schritte unternehmen, um einen wirksamen,
ausgehandelten
Waffenstillstand mit den bewaffneten Oppositionsgruppen zu erzielen und in einen
fruchtbaren Dialog mit ihren poli-

tischen
Gegener
einzutreten.
Zur
weiteren
Förderung
des
nationalen
Aussöhnungsprozesses muß jede Regierung außerdem ein Amnestiegesetz zur
"Gewährleistung der Unverletzlichkeit
des Lebens und der Freiheit in allen
ihren Formen" verabschieden.
Gleichzeitig mit der Einhaltung
dieser Verpflichtung zur Demokratisierung
und
nationalen
Aussöhnung
verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, Streitkräften, die
andere
Staaten destabilisieren, die Benutzung
ihres nationalen
Territoriums
für militärische Zwecke zu verweigern.
Ferner werden dritte Parteien
aufgerufen, ihre Unterstützung irregulärer Truppen aufzugeben, mit Ausnahme der Fälle, in denen sie für die
Umsiedlung der Kombattanten und die
freiwillige Rückkehr der Flüchtlinge
erforderlich ist.
Schließlich, und dies ist von
vorrangiger Bedeutung, ist die Übereinkunft von Guatemala nicht eine
Reihe
isolierter
unilateraler
Verpflichtungen:
Sie ist, wie in der
Übereinkunft
zu lesen steht, "ein
harmonisches und unteilbares Ganzes".
Sie ist ein Ganzes, das vollständig
von der gleichzeitigen Verwirklichung
gegenseitiger
Verpflichtungen
abhängt.
Damit das Abkommen Wirkung
zeitigen kann, müssen alle Seiten ihre Verpflichtungen erfüllen. Der Erfolg fordert einen ernstzunehmenden
Zeitplan für den Fortschritt und das
Bewußtsein darüber, welcher Preis für
ein Scheitern zu zahlen ist.

Sicherheitsbelange
Die Übereinkunft von Guatemala
behandelt strategische Sicherheitsbelange nicht ausdrücklich. Die sowjetischen und kubanischen militärischen
Verbindungen mit Nicaragua - mili-

�tärische Einrichtungen, Berater, unterschiedliche Hilfsleistungen, hochentwickelte Waffengattungen
- sind
Themen von lebenswichtigem und unmittelbarem
Interesse
für
uns.
Der
Frieden erfordert, daß wir uns mit
diesen Themen befassen. Ein vernünftiges Gleichgewicht unter den Streitkräften Mittelamerikas ist unabdingbar für anhaltenden Frieden.
Diese grundlegenden Sicherheitsziele in Mittelamerika erfahren in
den Vereinigten Staaten starke Unterstützung durch beide Parteien. Unsere beiden großen Parteien wünschen
ein demokratisches Nicaragua, das weder eine militärische Bedrohung für
seine Nachbarn noch eine Plattform
für der Sicherheit der Hemisphäre abträgliche, feindliche sowjetische und
kubanische Aktivitäten darstellt.
Politische Demokratie in Nicaragua würde sich größtenteils mit diesen Sicherheitsbelangen befassen, da
keine wirklich demokratische Regierung ihre Nachbarn angreifen oder die
Benutzung ihres Territoriums für militärische zwecke durch die Sowjetunion gestatten würde.
Wir sind also wieder bei der
grundlegenden Frage angelangt, die in
der Übereinkunft von Guatemala ausdrücklich
angesprochen
wird:
Wie
kann Demokratie in Nicaragua erzielt
werden?

Gebrochene Verprechen
Der Kampf für Demokratie in Nicargua ist nicht neu.
Im Jahr 1979
stimmte die Organisation Amerikanischer
Staaten
mit
überwältigender
Mehrheit - in eben diesem Saal - für
die Ablösung der Somoza-Diktatur und
forderte die "Wahrung der Menschenrechte aller Nicaraguaner ohne Aus-

nahme" sowie
wie möglich".

"freie

Wahlen

so

bald

Diese Forderung war Bestandteil
langwieriger
Verhandlungen
zwischen
den Regierungen auf unserem Kontinent
und der politischen Koalition, die
das Somoza-Regime bekämpfte.
In Besprechungen, Dokumenten und selbst in
vor dieser Organisation abgegebenen
Erklärungen bekräftigten die im Exil
lebenden
Juntamitglieder
und
ihre
Vertreter die Verpflichtung zu einer
pluralistischen Demokratie, gemischten Wirtschaft und einer blockfreien
Außenpolitik.
Einige
der
Regierungsvertreter
des heutigen Nicaragua trugen dazu
bei, diese politische
Vereinbarung
auszuhandeln.
Dennoch
bestätigen
eben diese politisch Verantwortlich
jetzt ihr absolutes Recht zur Gründung eines leninistischen Parteienstaates,
der
die
Wirtschaft
beherrscht und eine Verbindung mit dem
sowjetischen Block eingegangen ist.
Vor dem Sturz des Somoza-Regimes
haben die Sandinisten den Nicaraguanern wiederholt versichert, sie würden die Grundrechte und -freiheiten
aller
Nicaraguaner
schützen.
Die
wichtigsten dieser Zusagen finden ihren Niederschlag in einem Dokument
namens
"Gesetzesentwurf
über
die
Rechte und Sicherheiten der Nicaraguaner", das zum Grundgesetz der neuen nicaraguanischen Regierung werden
sollte.
Der Entwurf wurde noch zur
Amtszeit Somozas verbreitet, erhielt
dann am 21. August 1979 als Dekret
Nr. 52 Gesetzeskraft und stellt ein
umfassendes und feierliches versprechen der FSLN an das nicaraguanische
Volk dar.
Artikel 1 des Gesetzes garantiert
dem Volk von Nicaragua das "Recht auf
freie und vollständige Selbstbestim-

- 5 -

�mung zur Schaffung seiner politischen
Bedingungen".
Artikel
4 erklärt,
"Ausländer dürfen sich nicht in die
politischen Angelegenheiten des Landes einmischen". Es hat sich jedoch
gezeigt, daß das heute bestehende politische System von der kleinen, zur
Elite der sandinistischen Partei zählenden Minderheit und mit Hilfe Tausender Kubaner und anderer Ausländer
aus dem Ostblock bestimmt wird.
Den Artikeln 22, 23 und 25 des
Gesetzes kommt im Hinblick auf die
Aussichten einer Einhaltung der Übereinkunft von Guatemala besondere Bedeutung zu. Sie gewähren das Recht
auf
friedliche
Zusammenkünfte
und
Versammlungsfreiheit,
ferner
das
Recht, sich zu organisieren und politischen Parteien beizutreten, an öffentlichen Aktivitäten teilzunehmen,
Gesuche für die Abschaffung von Mißständen einzureichen, zu wählen und
bei Wahlen zu kandidieren.
Es hat
sich jedoch gezeigt, daß die Sandinisten noch fünf Jahre nach der Entmachtung Somozas keine Wahlen zuließen, und wenn, dann nur unter Bedingungen, die dazu angetan waren,
ein vorgefertigtes Ergebnis hervorzubringen.
Diese Tatsachen
liefern erheblichen Grund zur Skepsis darüber, ob
die Regierung von Nicaragua unter dem
Friedensvertrag die Absicht hegt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Es
bedeutet, daß die Leistungen der nicaraguanischen Regierung zur Erfüllung ihrer jüngst eingegangenen Verpflichtungen zur Freiheit nicht an
dem gemessen werden können, was einzelnen Bürgern - wie bekannt diese
auch sein mögen - widerfährt.
Es
müssen weitreichende und dauerhafte
Reformen
durchgeführt
werden,
um
sicherzustellen, daß dieses Mal Fortschritte für die Demokratie echt und
unwiderruflich sind.

Nationale Aussöhnung
Am Tag, an dem 'La Prensa' die
Wiederaufnahme ihres Erscheinens gestattet wurde (1. Oktober), forderte
sie in ihrem Leitartikel "völlige Amnestie, Aussöhnung durch einen Dialog
mit den bewaffneten Rebellen und uneingeschränkte Aufhebung des Ausnahmezustandes, unter dem sich das Land
seit 1982 befindet".
Diese drei Maßnahmen - ein ausgehandelter Waffenstillstand, vollständige Amnestie und die Aufhebung des
Ausnahmezustandes - sind unabdingbar,
wenn die heute bewaffneten Feinde ihre Differenzen als politische Rivalen
beilegen wollen. Diese Schritte würden möglicherweise die meisten Nicaraguaner - Flüchtlinge und politische
Exilanten,
junge
Widerstandskämpfer
und junge Männer, die für die Armee
der Sandinisten verpflichtet wurden davon überzeugen, daß sie wirklich in
ihre Heimat zurückkehren und an der
demokratischen Politik ihrer Länder
teilnehmen können.
Vollständig
und
gerecht
angewandt, könnten diese Maßnahmen einen
Teil der Skepsis darüber abbauen, ob
Präsident Ortega wirklich die Widerstandsbewegung und die Oppositionsparteien an einem Prozeß beteiligen
will, der zu Aussöhnung und unwiderruflicher
demokratischer
Öffnung
führt. Das ist die grundlegende Prüfung.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, er werde
sich zu indirekten Gesprächen mit der
Widerstandsbewegung
bereiterklären,
ist ein begrüßenswerter Fortschritt.
Wir begrüßen jeden noch so zaghaften
Schritt der nicaraguanischen Regierung, der darauf abzielt, die Kampfhandlungen und die ihnen zugrundliegenden Konflikte zu beenden. je direkter die Verhandlungen, umso größer
die Wahrscheinlichkeit eines Fort6 -

�Schritts.
Die Präsidenten Duarte und Cerezo
haben bereits in ihren jeweiligen
Ländern mit den Führern der Rebellen
direkte
Verhandlungen
aufgenommen.
Die Mitte Oktober in Spanien abgehaltenen Verhandlungen stellen seit mehr
als einer Generation die ersten offiziellen Kontakte zwischen der guatemaltekischen Regierung und den Guerillas dar.
In El Salvador fanden
häufiger - wenn auch mit Unterbrechungen - Dialoge statt, und die Regierung hat mit den Guerillas zwei
gemischte
Kommissionen
gebildet.
Eine von ihnen soll einen Waffenstillstand aushandeln, die andere Gespräche über Anmestie und nationale
Ausöhnung führen.
Die bis heute erzielten Ergebnisse lassen vermuten, daß die marxistisch-leninistischen Kräfte möglicherweise noch nicht bereit sind, Frieden
zu schließen. Bei der Eröffnungsversammlung der salvadorianischen Kommission für den Abschluß eines Waffenstillstands verweigerten die Guerilla-Führer Diskussionen über die
Bedingungen eines Waffenstillstandes.
Zu einem späteren Zeitpunkt lehnten
sie es ab, an Gesprächen zur Aussöhnung teilzunehmen, die für den 30.
Oktober in Mexiko City angesetzt waren,
in ähnlicher Weise wiesen die
guatemaltekischen Rebellen die Einladung der Regierung Cerezo zur Teilnahme am politischen Prozeß zurück.
Um die Übereinkunft von Guatemala
in Wort und Tat zu verwirklichen,
müssen Präsident Ortega und die Widerstandsbewegung auf eine Art und
Weise miteinander verhandeln, bei der
diese Bereiche direkt
angesprochen
werden.
Ein wirksamer Waffenstillstand kann nicht nur von einer Seite
ausgerufen
werden; diejenigen, die
auf beiden Seiten kämpfen, müssen

sich darüber einigen, was geschehen
soll. Dadurch würden die politischen
Führer in die Lage versetzt, vertrauensbildende Maßnahmen auszuarbeiten,
mit deren Hilfe der vollständigen und
friedlichen
politischen
Wiedereingliederung aller Nicaraguaner in ein
freies Nicaragua der Weg bereitet
werden könnte.
Eine vollständige Amnestie
ist
für einen jeden solchen Prozeß unabdingbar. Im September hat die Nationale
Konferenz der
(römisch-katholischer) Bischöfe Nicaraguas Amnestie
als Maßnahme definiert, mit der "beiden Seiten (geholfen werden soll),
die in der Vergangenheit an ihren
Brüdern begangenen Vergehen zu vergessen". Jede Amnestie muß auch auf
politische Gefangene, aktive Mitglieder der Widerstandsbewegung und jene,
die lieber aus ihrer Heimat geflohen
sind als daß sie unter einem totalitären Regime leben wollten, anwendbar
sein.
Die
Erklärung
Präsident
Ortegas vom 5. November, daß die Sandinisten bereit seien, etwa 1 000 politische
Gefangene
zu
begnadigen,
während Tausende hinter Gittern bleiben müssen, ist kaum ein Anfang.
Die Führer des demokratischen Widerstands
in Nicaragua
haben
die
Übereinkunft
von Guatemala
begrüßt
und Schritte zu deren Einhaltung unternommen.
Sie haben ihre Bereitschaft
erklärt, einen Waffenstillstand auszuhandeln und die jüngsten
Vorschläge aus Managua als nützlichen
Ansatzpunkt begrüßt. Wir alle müssen
hoffen, daß Präsident Ortegas jüngster Vorschlag sich als aufrichtig
erweisen und zum logischen nächsten
Schritt führen wird - direkten Verhandlungen von genau der Art, wie sie
die Präsidenten Cerezo und Duarte geführt haben.

- 7 -

�Amerikanische Unterstützung für den
Frieden
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten ist davon überzeugt, daß die
militärischen und politischen Erfolge
der nicaraguanischen Widerstandsbewegung
dazu
beigetragen
haben, dem
Frieden eine Chance einzuräumen. Wir
sind ferner der Überzeugung, daß die
Sandinisten ohne diesen Druck nicht
die von ihnen am 5. November angekündigten Schritte unternommen hätten.
Wir haben auch Verständnis dafür, daß
Frieden ein Prozeß ist. Als wir also
gebeten wurden, uns bis zum 5. November nicht um erneute Hilfe für die
Widerstandsbewegung zu bemühen - und
dem "Frieden eine Chance zu geben" haben wir unsere aktiven diplomatischen Bemühungen fortgeführt, diesen Forderungen aber Beachtung geschenkt.
Heute kann ich Ihnen mitteilen,
daß wir bis zum nächsten Jahr keine
weitere Militärhilfe für die Widerstandsbewegung fordern werden.
Das
heißt nicht, daß wir die Hände in den
Schoß legen, wenn die Sandinisten einen militärischen Sieg zu erlangen
suchen. Wir werden die Widerstandskämpfer
angesichts
hochentwickelter
sowjetischer Waffen und kubanischer
Berater nicht ohne die erforderlichen
Mittel sich selbst überlassen.
Wir
werden nicht zulassen, daß der Friedensprozeß zu einem Schutzschild für
die physische Ausrottung des nicaraguanischen Widerstandes wird.
Wir
werden
vielmehr
dem
Frieden
jede
Chance geben.
Wie
Präsident
Reagan
vor
dem
Ständigen Rat erklärte, wird die Hilfe der Vereinigten Staaten "weitergeführt, bis die Sandinisten in ihren
Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern ein Abkommen über einen Waffenstillstand schließen und die Demokra-

tie vollständig in Nicaragua verankert ist".
Die Form unserer Hilfe
wird von den Gegebenheiten bei der
Durchführung
der
Übereinkunft
von
Guatemala abhängen. Wenn es unseren
Hoffnungen gemäß funktioniert, werden
die Hilfsleistungen der friedlichen
Wiedereingliederung des Widerstandes
in ein freies Nicaragua zufließen;
wenn nicht, werden sie zur Weiterführung des Kampfes bis zu seinem Erfolg
Verwendung finden.
in den vor uns liegenden Wochen
und Monaten werden die Vereinigten
Staaten das Abkommen von Guatemala
auch auf andere Art und Weise unterstützen.
Präsident Reagan hat die
Delegationsleiter dieser Versammlung
gestern davon informiert, daß ich zu
gemeinsamen Gesprächen mit den Außenministern aller fünf Staaten Mittelamerikas, einschließlich des Vertreters der Sandinisten, bereit sein
werde, wenn unter der Vermittlung
Kardinal Obandos ernsthafte Verhandlungen zwischen den Sandinisten und
den Freiheitskämpfern geführt werden.
Vor und während eines solchen
Treffens werden wir natürlich weiterhin enge Konsultationen mit den mittelamerikanischen Demokratien und dem
nicaraguanischen
Widerstand
darüber
weiterführen, wie diese multilateralen Verhandlungen am besten zur nationalen Aussöhnung in Nicaragua beitragen könnten.

Die Rolle der OAS
Der OAS und ihren Mitgliedern
fällt im Hinblick auf Nicaragua eine
besondere Verantwortung zu.
Dieses Mal müssen wir im Gegensatz zu 1979 sicherstellen, daß die
für die Demokratie eingegangenen Verpflichtungen eingehalten werden. Die

�Menschen in Mittelamerika müssen weiterhin die Hauptrolle spielen.
Die
Übereinkunft von Guatemala ist ihr
Werk. Sie sind näher mit dem Problem
konfrontiert und auf direktere Art
und Weise beteiligt. Aber diese Organisation, die sich mit den Jahren
große Sachkenntnis über die Region
erworben hat, sollte eine wichtige
Quelle der Unterstützung sein.
Die Erhaltung des Friedens erfordert Beteiligung und Sachkenntnis in
der Region selbst.
Dieses Prinzip
einer
Vormachtstellung
der
Region
wird ausdrücklich in Artikel 23 der
OAS-Charta erwähnt, in dem die Mitgliedsstaaten
aufgefordert
werden,
Maßnahmen innerhalb der Region zu ergreifen, ehe sie sich mit strittigen
Fragen an die Vereinten Nationen wenden.
Es findet seinen Niederschlag
ebenfalls in Artikel 52 der Charta
der vereinten Nationen, in dem alle
Mitglieder
aufgerufen werden, jede
nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um Streitigkeiten mittels regionaler Organisationen zu lösen, bevor
sie dem Sicherheitsrat zur Kenntnis
gebracht werden.
Der Generalsekretär dieser Organisation ist Mitglied der durch die
Übereinkunft von Guatemala eingesetzten Kommission für Verifizierung und
Folgemaßnahmen.
Es werden große Anstrengungen und ein ernsthaftes Engagement aller Mitglieder der Organisation und auch des Generalsekretärs
und seiner Mitarbeiter nötig sein,
wenn sich diese Kommission an einem
gerechten und strukturierten Prozeß
beteiligen will, mit dessen Hilfe im
Rahmen
der
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte gemessen werden sollen.
Mir ist bewußt, daß manche Beobachter sich fragen, ob multilaterale
Organisationen in der Lage sind, bei
den Problemen der Hemisphäre, denen

höchste
Priorität
zukommt,
eine
Schlüsselrolle zu spielen. wir sind
der Ansicht, daß die OAS dies unter
Beweis gestellt hat. Die OAS hat bei
der
Überwachung der
Menschenrechte
Hervorragendes geleistet, am offensichtlichsten durch ihre Aktivitäten
und eindrucksvollen Berichte der Interamerikanischen
Menschenrechtskommission. Sie hat den demokratischen
Prozessen durch die Beobachtung von
Wahlen und andere technische Hilfsleistungen große Unterstützung erwiesen.
Sie hat versucht, den Ländern
zu helfen, die ihre Rechtssysteme
verbessern wollten.
Sie ist neue
Verpflichtungen im Kampf gegen den
Drogenmißbrauch
und
den
illegalen
Rauschgifthandel in dieser Hemisphäre
eingegangen,
insbesondere
mit
dem
erst letztes Jahr in Rio de Janeiro
vereinbarten Anti-Drogen Aktionsprogramm.
Und natürlich kann die OAS
zahlreiche Erfolge bei ihren Aktivitäten zur Friedenssicherung vorweisen, von denen viele in Mittelamerika
stattfanden.
Es trifft zu, daß die finanzielle
Lage der OAS nicht gut ist.
Das
spiegelt
zum Teil die umfassenden
wirtschaftlichen
und
finanziellen
Schwierigkeiten der Mitgliedsstaaten
wider. Wir haben dieses Problem bei
unserem Zusammentreffen in Cartagena
im Jahr 1985 besprochen. Nach diesem
Treffen habe ich Präsident Reagan empfohlen, wir sollten die Zustimmung
des Kongresses einholen, um unseren
vollen Anteil an diese Organisation
zu zahlen, was die Vereinigten Staaten seit mehreren Jahren unterlassen
haben.
Der Präsident hat dem zugestimmt.
Dann hat der Kongreß seine
Zustimmung erteilt, konnte aber angesichts der angespannten Haushaltslage
keine Mittel bereitstellen. Wir werden es weiter versuchen.

- 9 -

�Das amerikanische
Außenministerium hat in den vergangenen drei Jahren einschneidende Haushaltskürzungen
erfahren. Im vergangenen Jahr mußten
wir schwierige Anpassungen vornehmen,
die im Vergleich zu dem, was uns bevorsteht,
geringfügig
erscheinen
könnten.
Im kommenden Jahr müssen
wir noch größere Anpassungen vornehmen.
Diese drastische Kürzung der
finanziellen
Mittel
für auswärtige
Angelegenheiten hat uns unter anderem
dazu gezwungen, unser Angebot, bei
dieser Generalversammlung als Gastgeber
zu
fungieren,
zurückzuziehen.
Ich möchte wiederholen, was ich dem
Generalsekretär damals erklärt habe.
Diese Entscheidung ändert nichts an
unserem entschlossenen Engagement für
die Organisation amerikanischer Staaten.
Ich habe bereits in Cartagena
auf unseren Wunsch hingewiesen, daß
diese Organisation eine Kraft von
entscheidender Bedeutung sein muß.

Die neue Solidarität
Mit dem Erstarken der Demokratie
in dieser Hemispäre ist ein neues
Phänomen zutage getreten, eine neue
Solidarität unter den demokratischen
Staaten sowie unter Gruppen und Einzelpersonen, die der Demokratie verpflichtet sind. Die Zunahme bei der
Anzahl demokratisch gewählter Staatsund Regierungschefs in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik hat
auch zu einer verbesserten Kommunikation und Kooperation zwischen diesen
geführt. Wenn die Demokratie in einem Land unter Druck gerät, dann beeilen sich die demokratischen Politiker in der ganzen Hemisphäre, ihre
demokratischen Kollegen zu unterstützen.
Diese neue demokratische Solidarität tritt ebenso offensichtlich unter einfachen Bürgern zutage. Mit- 10

glieder politischer Parteien, Gewerkschafter, Bürgerrechtler und andere
vereinen sich über die Grenzen hinweg, um Erfahrungen auszutauschen und
sich gegenseitig
in ihrem Streben
nach demokratischen Regierungsformen
zu unterstützen. Wir haben ihnen gegenüber eine feierliche Verpflichtung
zur Bereitstellung des von ihnen geforderten politischen und wirtschaftlichen Rahmens - einer verantwortlichen, dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtigen
Regierung
und
wirtschaftlichen Chancen für alle.
Zusätzlich hat die Geschichte der
letzten 25 Jahre eindeutig gezeigt,
daß unsere Sicherheit und die Sicherheit aller freien Länder in ganz Amerika durch die Konsolidierung solcher
Regierungen gestärkt wird, die auf
ein demokratisches Mandat gegründet
sind, die Pflichten und schwierige
Entscheidungen
anerkennen,
denen
freie und souveräne Nationen unterworfen sind und die frei sind, ihre
eigenen Interessen zu verfolgen. Da
wir ebenfalls Demokratien sind, deckt
sich die Mehrzahl unserer Interessen;
wenn dies nicht der Fall ist, dann
können wir unserer Meinung nach die
Reife, den politischen Willen und die
Differenziertheit aufbringen, um unsere Meinungsverschiedenheiten in befriedigender Weise zu lösen.
Die vielversprechenden Aussichten
einer durch gemeinsame demokratische
Überzeugungen und Praktiken verbundenen Hemisphäre werden von uns hoch
eingeschätzt. Deshalb werden wir unermüdlich an der Verwirklichung dieses Ziels arbeiten. Wir werden durch
das ermutigt, was wir sehen.
Mehr
und mehr sprechen die Premierminister
der Karibik und die Präsidenten Lateinamerikas miteinander und mit uns
in Nordamerika die gleiche Sprache.
Es ist die Sprache der Demokratie.
Wir alle werden die gegen Monatsende

�in Haiti und Surinam stattfindenden
Wahlen genau beobachten, um festzustellen, daß sie wirklich den Willen
des Volkes widerspiegeln.
Und wir
werden weiterhin die Bemühungen zum
Wiederaufbau demokratischer Ordnungen
in Chile, Panama und Paraguay beobachten.
Heute befindet sich Mittelamerika
an einem besonders wichtigen Scheideweg.
Ein regionaler Rahmen für die
Verwirklichung der Demokratie ist von
den politischen Führern Mittelamerikas selbst entwickelt und vereinbart
worden.
Sie sind nicht davon überzeugt, daß das nicaraguanische Volk
zu einem Leben unter einer totalitären Regierung
verdammt
ist.
Wir
stimmen ihnen zu.
Sie sehen keinen
Grund für die Bevölkerung der mittelamerikanischen Demokratien, eine Zukunft dauernder Unsicherheit hinzunehmen. Wir stimmen ihnen zu.
Sie
sehen keinen Grund für Mittelamerika,
eine Zukunft großer, die spärlichen
Mittel aufsaugender Armeen hinzunehmen, eine Zukunft ständiger Wachsamkeit an den Staatsgrenzen, dauernder
Furcht, Überwachung und Zweifel. Wir
stimmen ihnen zu.

nen helfen, nur um zu gestatten, daß
sie gleich wieder zugeschlagen würde.
Wir müssen unsere vereinte Macht einsetzen, um die Diplomatie der Demokratie in Nicaragua zu unterstützen,
denn
unsere
Sicherheitsinteressen,
unsere moralischen Werte und unsere
politischen Ziele werden alle Teil
dieses Ergebnisses sein.
So wie wir uns dem 500. Jahrestag
der Entdeckung der neuen Welt durch
die alte nähern, haben wir eine historische Chance, eine Erklärung zur
Zukunft dieser Hemisphäre abzugeben,
eine Warnung an die Diktatoren auszusprechen, daß sie in diesem Teil der
Welt nicht willkommen sind und daß
sie in der Tat auf verlorenem Posten
stehen werden.
Nur dann werden wir behaupten
können, daß wir unserer Verpflichtung
als Mitglieder dieser großen Organisation Genüge getan haben, den Menschen ein Land der Freiheit zu bieten: der Freiheit für alle Menschen
in all unseren Ländern.

In dem Kampf, der heute diejenigen Nicaraguaner, die an die Demokratie glauben, von denen scheidet, die
von Totalitarismus und Diktatur überzeugt sind - nicht nur in Nicaragua,
sondern als Ideal für die gesamte Hemisphäre -, müssen wir an der Seite
der Demokraten stehen.
Die Sicherheit Mittelamerikas - und letztlich
die Sicherheit aller Demokratien
hängt davon ab.
Wir in der Organisation Amerikanischer Staaten tragen eine ganz besondere Verantwortung.
Nach den Ereignissen des Jahres 1979 wäre es
doppelt verantwortungslos, wenn wir
die Tür der Demokratisierung zu öff- 11 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
19. November 1987

41

LXNDERBERICHT ÜBER DAS VORAUSSICHTLICHE VOLUMEN DES HANDELS
MIT DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND IM JAHR 1987
- Herausgegeben vom Büro des US-Handelsbeauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Das Büro des Handeslbeauftragten der Vereinigten Staaten hat kürzlich den Länderbericht 1987 über das voraussichtliche Volumen des
Handels mit der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht.
Dieser Bericht
soll wesentliche, im Ausland bestehende Handelshemmnisse für amerikanische Exporte aufdecken sowie bisherige und zukünftige Maßnahmen zum Abbau dieser
Hemmnisse und zur Verbesserung des Handelsumfelds erläutern.
Im Rahmen der Bemühungen, das Bewußtsein für Handelshemmnisse zu schärfen,
aufgrund derer amerikanische Exporteure in bestimmten Bereichen der deutschen
Wirtschaft nur schwer konkurrieren können, erscheint uns die Veröffentlichung
des nachfolgenden Berichts nützlich.

Die Vereinigten Staaten sind der
größte, nicht zur Europäischen Gemeinschaft (EG) zählende Handelspartner der Bundesrepublik Deutschland.
Die Vereinigten Staaten haben im Jahr
1986 mehr als 10 Prozent des gesamten
Exportvolumens
der
Bundesrepublik
aufgenommen, und stellen 6,5 Prozent
der Gesamtimporte.

ist
der
teil
mit

Die
Bundesrepublik
Deutschland
der drittgrößte
Handelspartner
vereinigten Staaten und ihr Anam gesamten bilateralen Handels
den vereinigten Staaten beträgt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mehr als 6 Prozent. Der Handel zwischen beiden Ländern belief sich im
Jahr 1986 auf 36,5 Milliarden Dollar.
Das amerikanische Handelsdefizit
mit der Bundesrepublik ist seit 1981
stetig angestiegen. Im Jahr 1986 betrug es 15,7 Milliarden Dollar, gegenüber 12,3 Milliarden im Jahr 1985.
Das Volumen amerikanischer Exporte in
die
Bundesrepublik
Deutschland erreichte im Jahr 1980 mit 10,6 Milliarden Dollar seinen Höchststand und
stagnierte 1985 bei etwa 9 Milliarden
Dollar.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Im Jahr 1986 erhöhten sich die
amerikanischen
Exporte
jedoch
auf
10,4 Milliarden Dollar. Gleichzeitig
nahmen die Importe in die Vereinigten
Staaten stetig zu.
Sie stiegen im
Jahr 1986 auf 26,1 Milliarden Dollar,
gegenüber
21,2 Milliarden im Jahr
1985.
Zu den wichtigsten Exportgütern der Vereinigten Staaten für die
Bundesrepublik
Deutschland
zählten
1986
Büromaschinen,
Flugzeuge
und
Computer.
Hauptimportwaren
in die
Vereinigten Staaten waren Fahrzeuge,
Industriemaschinen und Motoren.
Amerikanische Direktinvestitionen
in der Bundesrepublik Deutschland beliefen sich zum Ende des Jahres 1986
auf 20,3 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu hatten deutsche Investitionen in den Vereinigten Staaten
einen Gesamtumfang von 17,4 Milliarden Dollar.

1. Normen, Prüfung, Kennzeichnung
und Zulassung
A.

Beschreibung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat in den Jahren 1986 und 1987 jeweils eine überarbeitete Verordnung
für medizinische Geräte herausgegeben,
über diese Verordnungen wurden
Hersteller und andere Interessenten
nicht gemäß dem Normenkodex des Allgemeinen
Zoll- und
Handelsabkommens
(GATT) unterrichtet.
Eine der überarbeiteten Bestimmungen bezieht sich
auf mehr als 100 private bundesdeutsche Normen, die auf ähnliche Weise
ohne
Berücksichtigung
nicht-bundesdeutscher Interessen erarbeitet wurden.
B.

nische Exporte medizinischer Geräte
(einschließlich
Bildgeräte) in die
Bundesrepublik Deutschland auswirken.
Die
Exporte amerikanischer medizinischer Ausrüstung in die Bundesrepublik erreichten 1986 einen Gesamtumfang von 263 Millionen Dollar.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben in
diesem Bereich eng mit der heimischen
Industrie
zusammengearbeitet.
Sie
erheben weiterhin Einspruch dagegen,
daß es die Bundesrepublik Deutschland
unterlassen hat, das GATT von der
Veröffentlichung von Richtlinien für
medizinische Geräte zu unterrichten.
Im Juni 1986 haben die Vereinigten
Staaten
der
Bundesrepublik
Deutschland einen Fragenkatalog mit
der Bitte um Klärung der Verordnungen
über medizinische Geräte übermittelt.
Die Antwort der Bundesrepublik vom
Oktober 1986 warf zusätzliche Fragen
des Verbandes der Hersteller von Gütern
für
die
Gesundheitsfürsorge
(Health Industry Manufacturers Association - HIMA) und des Verbandes der
Hersteller von elektrischen Geräten
(National
Electrical
Manufacturers
Association - NEMA) auf.
Im Juni
1987 wurde ein weiterer Fragenkatalog
an
die
Bundesrepublik
Deutschland
übersandt.
Amerikanische Firmen bewerten gegenwärtig
die
Auswirkungen
neuer
deutscher
Vorschriften,
die
sich
nachteilig auf die Exporte einiger
Geräte auswirken könnten. Diese Bewertung wird in Abstimmung mit amerikanischen Durchführungs- und Handelsbehörden vorgenommen.

Voraussichtliche Auswirkungen
2.

Die
überarbeiteten
könnten sich nachteilig

Verordnungen
auf amerika-

Staatliche Beschaffung

Beschaffung gemäß staatlichen Rieht-

�ternehmen.
Diese Unternehmen haben
keine großen
Dampfgeneratoren
oder
Stromtransformatoren
aus
den
Vereinigten Staten bezogen.

linien
A.

Beschreibung

Eine erhebliche Anzahl bundesdeutscher Ausschreibungen, die unter
den
staatlichen
Beschaffungskodex
fallen, entsprechen nicht den Anforderungen des Kodex, von minidestens
30 Tagen Frist zwischen Veröffentlichung
und endgültigem
Abgabetermin
des Angebots. Im Jahr 1986 entsprachen 65 von 370 Ausschreibungen (18
Prozent)
nicht
den
Anforderungen.
Von verkürzten Abgabeterminen waren
eine große Bandbreite von Produkten
betroffen, einschließlich Zubehör für
LebensmittelVerpackungen,
Industriekühlschränke, Dieselkraftstoff, Magnetplatten, Druckund Verpackungsmaschinen.
B.

Voraussichtliche Auswirkungen

Amerikanische
Unternehmen
sind
bei diesen Produkten weltweit führend. Wenn sie am Wettbewerb beteiligt werden, könnte Ihnen ein bedeutender
Marktanteil
der
staatlichen
Beschaffung zukommen. Dennoch liegen
die
voraussichtlichen
Auswirkungen
unter 5 Millionen Dollar pro Jahr.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Sofern erforderlich, tragen die
Vereinigten Staaten dem Bundesministerium für Wirtschaft die Probleme
der verkürzten Abgabefrist bei Ausschreibungen vor.

Elektrisches Großgerät
A.

Beschreibung

Regierungsstellen
(auf Bundes-,
einzelstaatlicher und kommunaler Ebene) sind zu etwa 66 Prozent Kapitaleigner deutscher Stromversorgungsun-

Deutsche Versorgungsbetriebe nehmen ihre Beschaffung im allgemeinen
aus einer Liste "in Frage kommender
Lieferanten" für bestimmte Ausschreibungen vor. Ausländische Firmen kommen weder für Dampfturbinen noch für
große
Stromtransformatoren
in
Betracht.
B.

voraussichtliche Auswirkungen

Die genaue Einschätzung der Gesamtauswirkungen
dieser
Handelsschranke
bereitet
Schwierigkeiten.
Dennoch könnten amerikanische Lieferanten in diesem Sektor Zuschläge erhalten, wenn ihnen der Wettbewerb erlaubt wäre. Der Umfang des deutschen
Marktes
für
Turbogeneratoren
und
Transformatoren wird auf etwa 350
Millionen Dollar im Jahr geschätzt.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten versuchen
jetzt
die
Bevozugung
inländischer
Produkte abzubauen und verhandeln erneut über den GATT-Kodex zur staatlichen Beschaffung. Die zweite Phase
dieser Verhandlungen über eine Erweiterung des Kodex auf neue Bereiche
wurde zu Beginn des Jahres 1987 aufgenommen.
Die Vereinigten Staaten drängen
die Bundesrepublik weiterhin, Behörden, die in beträchtlichenm Umfang
elektrisches Großgerät erwerben, in
den Kodex aufzunehmen. Vom Kodex erfaßten Behörden ist es nicht erlaubt,
Produkte
anderer Unterzeichner
des
Kodex zu benachteiligen.
Die Sonderkommission des Präsidenten hat Einlassungen der amerika-

- 3 -

�nischen Industrie über unfaire Handelspraktiken in diesem Sektor geprüft.
Die Regierung wertet gegenwärtig diese Vorwürfe unterstützendes
statistisches Material der Industrie
aus, um herauszufinden, wie dieser
Problemkreis mit den westeuropäischen
Ländern und Japan in Zukunft behandelt werden soll. Die Regierung wird
im Herbst 1987 weitere Maßnahmen in
Erwägung ziehen.

3.

Andere Handelhemmnisse

Staatliche Unterstützung für Verkehrsflugzeuge:
Subventionen
für
Entwicklung und Produktion, Kaufanreize, übermäßiger Druck auf die Auswahl der Verkäufer und die Beschaffung bei den nationalen Fluggesellschaften.

A.

Beschreibung

Im Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland, sie würde 1,65
Milliarden Dollar zur Förderung der
Programme für die Verkehrsflugzeuge
Airbus A 330 und A 340 bereitstellen.
Dieser Betrag wurde zusätzlich zu den
früher bereits für Luftfahrtprogramme
des Airbus-Konsortiums aufgewendeten
Milliarden Dollar gewährt.
Die mit diesen Programmen geförderten Flugzeuge stehen in direktem
Wettbewerb mit Flugzeugen von Boeing
und McDonnell Douglas.
Der Airbus
A 330 und A 340 konkurrieren mit der
Boeing 767 und anderen Typen sowie
mit der MD-11 von McDonnell Douglas.
Unzureichende Informationen über
die wirtschaftliche Analyse hinter
diesen Entscheidungen zur Förderung,
die Bedingungen für die Bereitstellung dieser Starthilfe und ihre Rückzahlung an die Regierung erschweren

Schätzungen, ob bei der Vergabe der
Subventionen eine Rückzahlung ernsthaft erwartet wurde. Die Vereinigten
Staaten stellen in Frage, daß diese
Programme auf der Grundlage normaler
Kriterien wirtschaftlich existenzfähig sind und im Einklang mit den Verpflichtungen
des
GATT-Luftffahrtabkommens stehen.
Bisher gewährte finanzielle Förderung
der
Bundesrepublik
an
den
deutschen Partner von Airbus Industries, die
Deutsche
Airbus
(eine
Tochtergesellschaft
von
Messerschmidt-Boelkow-Blohm oder MBB, die
ganz in deren Eigentum steht) konzentrierte sich auf die Entwicklungsphase einzelner Luftfahrtprogramme.
Am
3. Juni 1987 erklärte die Bundesrepublik Deutschland jedoch, sie würde
die Garantieleistungen für Schulden
im Gegenwert
von
1,06
Milliarden
Dollar nachkommen, die MBB bei der
Finanzierung der Produktionsphase für
den Airbus A 300 und A 310 gemacht
hatte.
Die Tilgung der durch Produktionskosten
entstandenen
Schulden
mittels
Subventionen
bedeutet
eine
eindeutige Abkehr von in der Vergangenheit üblichen Praktiken.
Obwohl
die Bundesrepublik erklärte, MBB würde die Schulden durch die Verkäufe
des Airbus A 300 und A 310 zurückzahlen, ist es höchst zweifelhaft, ob es
überhaupt zu genügend Verkäufen kommt.
Zusätzlich zu diesen Subventionen
für den Airbus besteht Grund zu der
Annahme,
daß
die
Bundesrepublik
Deutschland und andere Ländervertreter des Airbus-Konsortiums unter Zuhilfenahme
politischer
und
wirtschaftlicher Anreize Einfluß auf Verkäufe an Drittländer genommen haben,
um
dem
Airbus
gegenüber
amerikanischen Flugzeugen einen Vorteil zu
verschaffen.

- 4 -

�Die amerikanische Luftfahrtindustrie hat ferner die Beschuldigung
vorgebracht, daß staatliche Interventionen bezüglich der Entscheidungen
über die Auswahl der Anbieter von
Airbus-Bauteilen sowie Entscheidungen
über die Beschaffung von Triebwerken
und Flugzeugen durch nationale und
andere europäische Fluggesellschaften
amerikanische Exporte geschädigt hätten.
Die vereinigten Staaten
daß solche Praktiken nicht
GATT-Luftfahrtabkommen
im
stehen.
B.

glauben,
mit dem
Einklang

Voraussichtliche Auswirkungen

Schätzungen
der
amerikanischen
Flugzeugindustrie
zufolge
hat
die
Einführung des A 320 sie den Verkauf
von mehr als 150 Verkehrsflugzeugen
gekostet.
Geht man davon aus, daß
die amerikanischen Hersteller diese
Verkäufe getätigt hätten und unter
Berücksichtigung
des
von
amerikanischen Lieferanten zum A 320 beigesteuerten Wertanteils, hatten diese
Subventionen bis zum heutigen Tage
Auswirkungen im Umfang von ca. 3 Milliarden
Dollar
möglicher
amerikanischer Verkäufe.
Obwohl Berechnungen über die Auswirkungen
der Airbus-Programme auf
den
amerikanischen
Beschäftigungsmarkt
im einzelnen
nicht
möglich
sind, werden ca. 50 000 amerikanische
Arbeitsplätze
verloren gehen, wenn
die Airbus-Industries ihr Ziel von
600 Verkaufseinheiten des A 320 bis
1998 erreichen.
Zuverlässige Schätzungen über den durch andere AirbusProgramme verursachten Verlust amerikanischer Arbeitsplätze stehen nicht
zur Verfügung.
Das offensichtliche
Erlassen der staatlich garantierten
Darlehen für den A 300 und A 310
führt jedoch zu einer Erhöhung jedes

einzelnen Elements bei den Subventionen
dieser
Unterstützungsprogramme
und ihrer handelsverzerrenden Auswirkungen.
Ferner scheinen die aggressiven
Verkaufspraktiken
der
Airbus-Industrie bei zahlreichen Verkaufswettbewerben zu einem Druck auf die Preise
geführt zu haben.
Eine anhaltende
Gewinnspannenerosion könnte langfristig einschneidende Auswirkungen auf
die amerikanische Industrie haben.
Es gibt Beweise dafür, daß staatliche Interventionen für den Airbus
seitens der Bundesrepublik und anderer Länder bei Verkaufswettbewerben
in Drittländern und Europa und bei
Entscheidungen im Hinblick auf Bezugsquellen
für
Einzelteile
und
Triebwerke
beträchtliche
Umsatzverluste der amerikanischen Flugzeugindustrie ausgelöst haben. Fortgesetzte politische und wirtschaftliche Interventionen
zugunsten
des
Airbus
könnten weitere Umsatzverluste amerikanischer Flugzeughersteller, Exportrückgänge sowie Importerhöhungen zur
Folge haben.
C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben die
besonderen Praktiken der Airbus-partnerregierungen zum ersten Mal im Oktober 1984 im GATT-Flugzeugausschuß
angesprochen.
Die Vereinigten Staaten haben weiterhin gefordert, daß
Flugzeugsubventionen dem GATT-Subventionsausschuß zur Kenntnis gebracht
werden, wie dies in den generellen
Vereinbarungen und dem Subventionskodex vorgesehen ist.
Als Konsequenz
der
zunehmenden
Besorgnis über Aktionen, die aus der
Sicht der Administration nicht im
Einklang
mit
den
Verfügungen
des
Flugzeugabkommens
stehen,
beraumte

- 5 -

�die Sonderkommission des Präsidenten
im Herbst 1985 eine Überprüfung zum
Thema Airbus an. Der Rat für Wirtschaftpolitik (EPC) leitete auf Empfehlung
der Sonderkommission
eine
Reihe von Maßnahmen zur Behebung der
Situation in die Wege.
Als Ergebnis wurden im Frühjahr
1986 informelle Gespräche auf höchster Ebene zwischen den vereinigten
Staaten
und
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Frankreich
und
Großbritannien aufgenommen. Das Ziel war
die
Erarbeitung
einer
gemeinsamen
Auslegung der einzelnen Artikel des
Flugzeugabkommens,
insbesondere
von
Artikel 4, der staatlichen Druck und
staatliche
Anreize behandelt
sowie
von Artikel 6 über staatliche Subventionen und Fördermittel. Obwohl diese Gespräche auch nützlich waren, war
das Ergebnis aus der Sicht der Vereinigten
Staaten
unbefriedigend.
Daraufhin besuchte eine amerikanische
Delegation auf politischer Ebene die
Hauptstädte der drei Airbus-Partnerländer im Februar 1987 zur Erörterung
der einzelnen Regierungsinterventionen, die zu einer Verzerrung des
Markts
für kommerzielle Transportflugzeuge führen könnten.
Im Anschluß daran traf der Rat
für Wirtschaftspolitik folgende Entscheidungen: 1.) Den amerikanischen
Handelsvertreter durch die Einberufung einer Sondersitzung des Flugzeugausschusses unverzüglich zur Klärung und Unterstützung der Schlüsselverfügungen
des
Flugzeugabkommens
aufzufordern;
2.) Das amerikanische
Handelsministerium
zur
Durchführung
einer Studie über die Unternehmen des
Airbus-Industriekonsortiums
anzuweisen, einschließlich erhaltener Unterstützungen,
Programmkosten,
Preisfestsetzung der Airbus-Produkte sowie
deren Auswirkungen auf die amerikanische Industrie und 3.) die Handels- 6

behörden zur Überwachung derzeitiger
Airbus-Verkaufskampagnen auf unfaire
Praktiken aufzufordern.
Im Einklang mit dem Kabinettsbeschluß berief der amerikanische Handelsbeauftragte
im März 1986 eine
Sondersitzung
des GATT-Flugzeugausschusses zur Erörterung der amerikanischen Besorgnis über Artikel 4 und
6 ein. Seit damals sind eine Reihe
intensiver informeller Gespräche und
Konsultationen mit der EG-Kommission
und den Airbus-Partnerländern anberaumt worden.
Am 23. Juli 1987 überprüfte der
GATT-Flugzeugausschuß den Stand dieser Bemühungen offiziell. Obwohl im
Hinblick auf die Auslegung des Wortlauts von Artikel 4 im großen und
ganzen
Übereinstimmung
herrschte,
konnten bei der Auslegung der Verfügungen von Artikel 6 nur geringe
Fortschritte erzielt werden.
Die Vereinigten
Staaten
stehen
mit den anderen Parteien weiterhin
zur Erarbeitung einer ausgehandelten
Beilegung ihrer Differenzen in Verbindung.
Der Rat für Wirtschaftspolitik wird das Ergebnis dieser Bemühungen, die Studie des Handelsministeriums sowie die jüngsten Marktentwicklungen daraufhin überprüfen, ob
weitere
Schritte
zur
Verringerung
oder Beseitigung der handelsverzerrenden Auswirkungen der von den Airbus-Partner regier ungen
ergriffenen
Maßnahmen erforderlich sind.
Zugang zum Telekommunikationsmarkt
A.

Beschreibung

1.)

Beschaffung

Die Deutsche Bundespost erwirbt
ca. 60 Prozent des Fernmeldegeräts
für die Bundesrepublik.
Die Bundes-

�post legt bei allen Ausschreibungen,
die
technische Sachkenntnis erfordern, ein selektives Ausschreibungsverfahren zugrunde.
Nur gut eingeführte Unternehmen können an der Ausschreibung teilnehmen.
Die vorgehensweise der Bundespost
benachteiligt ausländische Unternehmen
ohne
Herstellungseinrichtungen
oder sonstige bedeutende technische
Repräsentanz in der Bundesrepublik.
Solche Unternehmen sind von der Teilnahme an der Entwicklung neuer Gerätespezifikationen ausgeschlossen oder
kommen nicht als Gerätelieferanten,
insbesondere
für Schalt- und Ubertragungsgeräte, in Frage.
Die
Bundespost
hat
sich
verpflichtet, ab 1985 10 Prozent der Beschaffung von Endgeräten dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Die deutschen Bestimmungen über
den Anschluß von Geräten an das Netz
sind sehr viel strenger als die in
den vereinigten Staaten angewandten.
Zahlreiche deutsche Normen und Vorschriften erstrecken sich bis auf das
Design und schließen Spezifikationen
ein, die über diejenigen hinausgehen,
die zur Verhinderung einer "Beschädigung des Netzes" erforderlich sind.

kanischen System ist das Verfahren
der Bundespost wie folgt:
1.)
im
Ausland
erstellte Prüfdaten
werden
nicht anerkannt; 2.)
Eigenzulassung
durch den Hersteller ist nicht gestattet;
3.)
erfordert die erneute
Zulassung nach geringfügigen Veränderungen am zugelassenen Gerät und 4.)
erlegt
unnötige
Wartungs- und
Installationsbestimmungen auf.
3.)

Dienstleistungen

Privatunternehmen können über das
öffentlich geschaltete Netz erweiterte Dienstleistungen anbieten, dürfen
diese
erweiterten
Dienstleistungen
jedoch ohne vorherige Genehmigung der
Bundespost nicht über geleaste Leitungen anbieten.
Der Weiterverkauf
geleaster Leitungskapazität ist nicht
gestattet.
Privatunternehmen können
erweiterte Dienstleistungen im Rahmen
des
öffentlich
geschalteten
Netzes
über
geleaste
Leitungen
anbieten.
Dies erhöht jedoch die Kosten des Anbieters
dieser
Dienstleistung
beträchtlich (verglichen mit den Kosten
von zum Pauschalpreis geleasten Leitungen) und können die angebotene
Dienstleistung unrentabel machen.

Dem von der Bundespost angewandten Verfahren zur Normenfestsetzung
mangelt es an Transparenz.
Anbieter
haben wenig Möglichkeiten, auf den
Entwurf der Normen und Vorschriften
Einfluß zu nehmen.

Privatunternehmen
beschweren
sich, daß sie der Bundespost eine detaillierte Beschreibung der jeweils
angebotenen
Dienstleistung
vorlegen
müssen.
Sie haben die Befürchtung,
die Bundespost könnte sich entscheiden,
eine
solche
Dienstleistung
selbst anzubieten und damit privaten
Wettbewerb ausschalten.
Die Bundespost bietet bereits bestimmte Dienstleistungen an, die Privatunternehmen
nicht auch anbieten dürfen.

Die Verfahrensweisen der Bundespost zur Prüfung, Zulassung sowie den
Anschluß von Endgeräten beschränken
den amerikanischen Zugang zum deutschen Markt. Im Gegensatz zum ameri-

Obwohl die Bundespost mengenabhängige Tarife für geleaste Leitungen
eingeführt hat, bevorzugen amerikanische
Unternehmen
kostenabhängige
Pauschaltarife.
Durch mengenabhängi-

- 7 -

�ge Tarife werden privater Initiativen
zur
Einführung
neuer
verbesserter
Dienstleistungen beträchtlich verringert.
In Zusammenhang mit der für das
Jahr 1988 geplanten Einführung des
neuen ISDN-Systems (integrated Services Digital Network) entwickelt die
Deutsche Bundespost gegenwärtig eine
neue Tarifstruktur.
Die neue Regelung bietet keine Garantie dafür, daß
die Bundespost sich selbst die gleichen Tarife in Rechnung stellen wird
wie ihren privaten Wettbewerbern.

B.

sich
Telekommunikationsexperten
aus
beiden Ländern zu informellen technischen Gesprächen mit dem ziel, in
Zusammenhang mit dem Marktzugang stehende Belange anzusprechen.
Diese
Gespräche
konzentrierten
sich vor allem auf drei Gebiete: 1)
Einweisung in die spezifischen Kriterien des bundesdeutschen Telekommunikationssystems; 2) Vorbringen amerikanischer
Sorgen
über
fehlenden
Marktzugang;
3)
Erläuterung
des
durch Deregulierung in den Vereinigten Staaten geschaffenen flexibleren
und wettbewerbsfähigeren Telekommunikationssystems.

Voraussichtliche Auswirkungen

Der Markt für Telekommunikationsausrüstungen
in der
Bundesrepublik
Deutschland wurde im Jahr 1986 auf
ein Gesamtvolumen von 4,9 Milliarden
Dollar geschätzt. Bis 1988 wird ein
Umfang von 5,7 Milliarden Dollar erwartet.
Im Jahr 1986 erreichten die
Exporte der Vereinigten Staaten in
die Bundesrepublik ein Gesamtvolumen
von
109
Millionen
Dollar.
Eine
durchgreifende
Liberalisierung
der
Haltung der Bundespost im Hinblick
auf Beschaffung, Normen und Dienstleistungen würde den größten Telekommunikationsmarkt Europas für amerikanische Unternehmen öffnen.

Insbesondere haben die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik dringend ersucht, bei der Öffnung ihres
Marktes in sechs wichtigen, vom amerikanischen
Wirtschaftsminister
im
Juli 1986 definierten Bereichen Fortschritte zu machen. Die Vereinigten
Staaten sind gegenwärtig damit befaßt, die Marktzugangsgespräche vom
Juni 1987 auszuwerten, um die nächsten Schritte zu erwägen.
Im Rahmen dieser Gespräche erklärte die Bundesrepublik ihre Absicht, in folgenden Einzelbereichen
eine Lockerung durchzuführen:
1.)

C.

Bisherige und zukünftige Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten haben mit
Vertretern
der
Bundesrepublik
Deutschland vier Gesprächsrunden über
das Problem des Marktzugangs abgehalten - die letzte fand im Juni 1987
statt.
Im Juni 1986 fanden außerdem
Konsultationen mit deutschen Vertretern über die zum 1. Januar 1988 zusammen mit der Einführung von ISDN in
Kraft tretende Telekommunikationsordnung (TKO) statt. Zusätzlich trafen

Beschaffung

Die
Bundesrepublik
Deutschland
hat sich verpflichtet, seit 1985 10
Prozent der Beschaffungen im Fernmeldebereich dem internationalen Wettbewerb zu öffnen.
internationale Ausschreibungen
werden
im offiziellen
Mitteilungsblatt der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht.
Einer Erklärung der Bundesrepublik Deutschland zufolge "haben alle
potentiellen und qualifizierten Lieferanten Zugang zu (mit der Ausarbei-

�tung von Spezifikationen beschäftigten) Arbeitsgruppen".
Die Bundesrepublik hat die EG außerdem aufgefordert, ihre Zustimmung zu einer Ausdehnung
der
GATT-Richtlinien
für
staatliche Beschaffungen auf die Beschaffung
von Fernmeldegerät durch
die
Post- und
Fernmeldeverwaltungen
zu geben.
Inzwischen ist die Deutsche Bundespost dabei, ihre Spezifikationen
für
Nebenstellenvermittlungsanlagen zu überarbeiten, um Beschränkungen bezüglich der Zahl von
Anschlüssen pro Anlage aufzuheben.

2.)
Normen, Prüfung,
Zulassung

Kennzeichnung,

Durch bilaterale Kontakte ermutigen die Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland, ihre Prüfund zulassungsverfahren für Endgeräte
zu lockern.
Die Bundesrepublik ist
gegenwärtig damit befaßt, ihre Zulassungsverfahren
in
einer
einzigen
Richtlinie zusammenzufassen, mit der
ein Recht auf Zulassung geschaffen
und
ein Einspruchsverfahren
eingeführt wird.

schlag über die Anerkennung von Prüfdaten, die Straffung der Zulassungsverfahren und Transparenz bilateraler
oder
regionaler
Normenabkommen
für
die
mögliche
Zustimmung
in
der
Uruguay-Runde berücksichtigen wird.
3.)

Dienstleistungen

Mitte des Jahres 1986 hat die
Bundesrepublik ihre Forderung aufgehoben, wonach 50 Prozent der Informationsverarbeitung
dem
Binnenmarkt
vorbehalten sein sollen. Die Bundespost
hat
bereits
mengenabhängige
Preise für geleaste Leitungen eingeführt.
Die Vereinigten Staaten fordern die Bundespost auf, zu einem
kostenabhängigen Tarifsystem zurückzukehren und Beschränkungen für geleaste Leitungen aufzuheben, die an
das
geschaltete Netz
angeschlossen
sind.

Die Bundesrepublik hat ferner ihre Bereitschaft
zum
Ausdruck
gebracht, die Anerkennung von in den
Vereinigten Staaten erstellten Prüfdaten für die Typenzulassung in Erwägung zu ziehen.
Dies gilt für bestimmte, in einer Typenzulassungsdirektive der EG aufgeführte Produkte.
Die Bundespost hat außerdem angeboten, für amerikanische Anbieter ein
Seminar
über deutsche Vorschriften
für das Fernmeldewesen und durchgeführte Liberalisierungsmaßnahmen abzuhalten.
Die
Bundesrepublik
Deutschland
ist ferner im Normenausschuß des GATT
vertreten, der einen von den Vereinigten
Staaten
vorgelegten
Vor- 9 -

�AMERIKA DIENST
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«

Wissenschaft und Technik
18. November 1987

41

AIDS-FRÜHBEHANDLUNG MIT INTERFERON
- Neue Therapien in der Erprobung -

WASHINGTON - (AD) - Der natürliche Wirkstoff Interferon, der versuchsweise
in der Krebstherapie angewandt wird, könnte auch für die Behandlung von AIDSKranken Bedeutung gewinnen. Diese Ansicht vertrat Dr. Anthony Fauci, der Direktor des Nationalen
Instituts für Allergie
und
Infektionskrankheiten
(Bethesda, Maryland), auf der Jahrestagung der Internationalen Gesellschaft
für Interferonforschung Anfang November 1987 in Washington.
Interferon ist
ein in der menschlichen Zelle gebildetes Glykoprotein, das die Vermehrung von
Viren, aber auch von einer Anzahl anderer Krankheitserreger, im Organismus
hemmt. Dank biotechnischer Verfahren kann Interferon inzwischen synthetisiert
werden, so daß es in ausreichenden Mengen verfügbar wäre.

Wie Fauci berichtete, habe man
sowohl bei AIDS-infizierten Personen,
die
noch
keine
Krankheitssymptome
zeigten, als auch bei AIDS-Patienten
mit
Kaposi-Sarkom
beobachtet,
daß
Alpha-Interferon
die
HIV-Vermehrung
hemmt (HIV - "Human Immunodeficiency
Virus", d.h. immunschwäche auslösendes Virus).
Bei
50 Prozent der
asymptomatischen Probanden, also Patienten
ohne
Krankheitssymptomen,
seien nach 12wöchiger Behandlung keine HIV-Viren mehr nachweisbar gewesen.
Bei Patienten mit den für das
Kaposi-Sarkom typischen Hautgeschwü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren brachten Injektionen mit AlphaInterferon
die
Oberflächenläsionen
zum Verschwinden.
Auch kam es bei
mindestens 50 Prozent der mit Interferon behandelten Personen zu einer
Rückbildung von Tumoren.
Nach bisherigen Erfahrungen sei
aber nur dann mit der Rückbildung der
häufig in Verbindung mit AIDS auftretenden
Kaposi-Tumoren
zu
rechnen,
wenn noch ein hoher T-Lymphozytenspiegel vorhanden sei, sich die AIDSInfektion somit noch in den ersten
Stadien befinde. Personen mit einem

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�niedrigen
T-Lymphozytenspiegel
reagierten wenig oder gar nicht auf die
Behandlung, sagte Fauci. Deshalb sei
der frühzeitige Beginn der Therapie
auf jeden Fall vor dem Zusammenbruch
des Immunsystems des Körpers überaus
wichtig.
Die Zerstörung der T-Lymphozyten
(spezielle
Gruppe
weißer
Blutkörperchen) durch AIDS-Viren sei
einer der Vorgänge, die zur Schwächung der Abwehrkraft gegen Krankheitskeime aller Art führten.
Laborstudien hatten bereits gezeigt, daß Interferon die Vermehrung
von AIDS-Viren und deren Fähigkeit
zur Zellzerstörung zu hemmen vermag.
Beim Vergleich der Zellkulturen von
Patienten mit Kaposi-Sarkom aus Gruppen, die nach verschiedenen Verfahren
behandelt wurden, wurde festgestell,
daß im etwa gleichen Infektionsstadium bei Personen unter InterferonTherapie die Virusaktivität wesentlich geringer war als bei Patienten,
die kein Interferon erhielten.

sich noch in der Erprobung. Es habe
den Anschein, so Fauci, daß Trimetrexat das Leben vieler AIDS-Opfer um
Jahre verlängern könne.
Und im Gegensatz zu den beiden anderen Medikamenten, die derzeit zur Behandlung
von Pneumocystis
carinii
angewandt
werden, sei seine Toxizität sehr viel
geringer und durch Änderung der Dosierung
leicht
regulierbar.
Nach
Meinung von Dr. Carmen Allegra, unter
deren Leitung die NCI-Studie durchgeführt wird, eignet sich das Präparat
zur Behandlung praktisch aller AIDSPatienten, was man von den übrigen
bisher verfügbaren Medikamenten nicht
sagen könne.

Körpereigene Auslösersubstanzen für
Virusaktivität?

Allerdings ist auch Alpha-Interferon nicht frei von Nebenwirkungen.
Es kann Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit
hervorrufen.
Jedoch
halten die Wissenschaftler angesichts
des Allgemeinzustandes von AIDS-Kranken Auswirkungen dieser Art für nicht
allzu besorgniserregend.

Neben Interferon, das in allen
Körperzellen gebildet wird und von
allen sogenannten Zytokinen bisher am
besten erforscht ist, gibt es noch
zahlreiche ähnliche Stoffe. Sie werden von speziellen Zellgruppen abgesondert. Bei immunologischen Prozessen verschiedenster Art treten sie in
Erscheinung, geben stimulierende oder
dämpfende Signale an andere Zellen
weiter. Allerdings tappt die Wissenschaft in bezug auf ihre Wirkungsmechanismen noch weitgehend im Dunkeln.

Dr. Fauci referierte ferner über
die
versuchsweise
Anwendung
von
Trimetrexat zur Bekämpfung einer der
häufigsten
opportunistischen
Infektionen bei AIDS-Kranken, nämlich der
parasitären
Lungenentzündung
Pneumocystis carinii.
Auf sie entfällt
der weitaus größte Anteil der Todesursachen bei Menschen, die an der unheilbaren Krankheit leiden. Das Präparat wurde von Forschern des Nationalen Krebsinstituts der Vereinigten
Staaten (NCI) ursprünglich für die
Krebstherapie entwickelt und befindet

Dr. James curran, der Direktor
für AIDS-Programme bei den Zentren
für Krankheitsüberwachung in Atlanta
(Georgia), vermutet, daß eines dieser
Zytokine eine Schlüsselrolle bei der
Aktivierung
von AIDS-Viren
spielen
könnte. Denn eine schlüssige Antwort
auf die Frage, weshalb AIDS-Viren
fünf bis sieben oder noch mehr Jahre
latent im menschlichen Körper verbleiben, ohne aktiv zu werden, gebe
es bisher nicht.
Auf einer Tagung
der "Association of American Medical
Colleges" in Washington berichtete er

- 2 -

�am 9. November 1987 über Laborversuche, die erstmals hätten erkennen
lassen, wie Zytokine (Proteinsubstanzen) aus dem Immunsystem des Körpers
die Ausbreitung von Viren in Gang
setzen können, die zur AIDS-Erkrankung führen.

ner tatsächlichen Infektion sei die
Gefahr größer, daß latente AIDS-Viren
aktiviert werden.

So wurde durch in vitro-Experimente
("im
Reagenzglas")
demonstriert, daß z.B. andere Virusinfektionen wie Hepatitis und Herpes das
AIDS-Virus
zu aktivieren vermögen.
Dies
lasse
vermuten,
daß
es
im
menschlichen Organismus - falls ein
ähnliches Phänomen existiert - vielleicht Faktoren gäbe, die das Tempo
der
virenvermehrung
gegenüber
der
Zerstörung des Immunsystems regulieren können. Jedoch sei noch keineswegs klar, ob einer der Faktoren, die
als Aktiviator der AIDS-Viren in frage kommen, in irgendeiner Weise besser kontrollierbar wäre als das AIDSVirus selbst. Auf jeden Fall sollte
man sich mit diesem Forschungsgebiet
gründlich befassen, meinte Curran.

* * * * * *

Dr. Fauci, der an den Studien und
der Abfassung des Berichtes selbst
beteiligt war, hatte bereits früher
gefordert,
HlV-infizierte
Personen
gegen andere Infektionen so gut wie
nur irgend möglich zu schützen. Denn
Neuinfektionen wären gleichbedeutend
mit weiteren Reizfaktoren für ihr Immunsystem und könnten die Produktion
von Zytokinen auslösen.
Er hob jedoch
hervor, daß
nach
bisherigem
Kenntnisstand gewöhnliche Infektionen
wie Schnupfen oder Erkältungskrankheiten AIDS nicht zum Ausbruch brächten, da sie normalerweise keine massive Reaktion des Immunsystems verursachten. Auch sollte niemand vor einer Schutzimpfung, z.B. gegen Hepatitis, zurückschrecken, da eine Hepatitis-Infektion vermutlich gravierendere Folgen hätte als immunologische
Prozesse nach einer Impfung. Bei ei- 3 -

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