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^7

AMERIKA DIENST

&lt;#

1 2 . November 1987

40

I N H A L T

INFORMATIONEN
Präsident Reagans neuer Verteidigungsminister
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci Neuer Nationaler Sicherheitsberater mit 'Entschlußkraft*
- Kurzbiographie von Generalleutnant Colin Powell -

DOKUMENTATION
Reagan: INF-Vertrag muß langfristig im Interesse der NATO liegen
- Worldnet-Ansprache des amerikanischen Präsidenten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
UN-Resolution: Gemeinsam gegen AIDS
- Offenheit, tatkräftige Programme, Zusammenarbeit - Experten und
Politiker sind gefordert NASA-Starttermine bis 1995
- Bemannte und unbemannte Missionen für Forschung, Verteidigung und
Wetterbeobachtung -

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
Information
12. November 1987

40

PRÄSIDENT REAGANS NEUER VERTEIDIGUNGSMINISTER
- Ein Kurzporträt von Frank Carlucci -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge, der seinen jetzigen nationalen Sicherheitsberater für das Amt des Verteidigungsministers nominiert hat,
ist Frank Carlucci "der am besten qualifizierte Mann in den Vereinigten Staaten, um die Arbeit von Cap (Weinberger) weiterzuführen".

Im Lauf seiner langen und hervorragenden
Laufbahn
im
öffentlichen
Dienst erwarb Carlucci sich den Ruf
eines "guten Zuhörers und Mitarbeiters, der politische Entscheidungen
umzusetzen versteht".
Im Falle seiner Bestätigung d m c h
den Senat wird er in das Pentagon als
Nachfolger Caspar Weinbergers zurückkehren, zu dessen Mitarbeitern er als
Stellvertretender Minister schon früher gehörte. Weinberger hatte am 5.
November 1987 seinen Rücktritt angekündigt .

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Embassy of the United States of America

Bekannt
als Verwaltungsfachmann
und Krisenmanager der Reagan-Administration ist Carlucci seit elf Monaten Berater des Präsidenten in Angelegenheiten
der nationalen
Sicherheit. Er hatte diesen Posten während
der
Iran-Contra-Ermittlungen
übernommen .
Außerdem
hatte
Carlucci
schon
hochrangige Positionen beim Geheimdienst
CIA, im Gesundheitsministerium, Amt für Haushaltsplanung (OMB),
dem Büro für wirtschaftliche Chancengleichheit (OEO) und dem auswärtigen

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�Dienst inne, wobei er sowohl republikanischen wie auch demokratischen Administrationen diente.
Carlucci wurde im Jahr 1930 in
Scranton,
Pennsylvania,
geboren.
Nach dem Besuch der Wyoming Seminary
College
Preparatory
School
in
Kingston, Pennsylvania, ging er zur
Universität Princeton, wo er im Jahr
1952 den Grad
eines Bachelor
in
Business Administration erwarb.
Nach dem Besuch des College diente er als Geschützoffizier in der Marine auf der USS Rombach. Er wurde
im Jahr 1955 im Rang eines Leutnants
entlassen. Danach führte er im Jahr
1956 weiterführende Studien im Fach
Business Administration an der Universität Harvard durch.
Nach seinem Eintritt in den auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten im Jahr 1956 diente Carlucci als
Vize-Konsul und Wirtschaftsattache in
Johannesburg.
Im Jahr 1960 wurde er
nach Zaire (der damaligen Demokratischen Republik Kongo) versetzt, wo
er
zunächst
Vize-Konsul
und
anschließend zweiter Sekretär zuständig
für politische Angelegenheiten war.
Nach
einer
Dienstzeit
im
Washingtoner Außenministerium als zuständiger Referent für den Kongo im
Jahr 1962 diente Carlucci kurzzeitig
in Tansania. Von 1965 bis 1969 hatte
er verschiedene Verwaltungsposten an
der amerikanischen Botschaft in Brasilien inne.
Während
seiner
diplomatischen
Laufbahn wurde er mit dem Superior
Service
Award
ausgezeichnet,
der
höchsten Auszeichnung des auswärtigen
Dienstes. Für seinen Dienst in Brasilien erhielt er außerdem den Superior Honor Award.

Auf Initiative des damaligen Direktors des Büros für wirtschaftliche
Chancengleichheit
(OEO),
Donald
Rumsfeld, eines alten Freundes, beschäftigte sich Carlucci anschließend
mit dem Kampf gegen die Armut.
In
den Jahren 1969 und
1970 war er
Rumsfelds Nachfolger als Direktor des
OEO.
1971 wurde Carluci von Präsident
Nixon zum beigeordneten Direktor des
Amtes für Haushaltsplanung berufen.
Dessen
damaliger
Direktor,
Caspar
Weinberger, beförderte ihn nach einem
Jahr zu seinem Stellvertreter.
Von
1972 bis 1974 war er Unterstaatssekretär für Gesundheit, Bildung und Sozialwesen.
Von 1975 bis 1978 diente Carlucci
unter den Präsidenten Ford und Carter
als Botschafter der Vereinigten Staaten in Portugal. Im Jahr 1978 wurde
er zum Stellvertretenden Direktor der
Central intelligence Agency ernannt.
Er übte diese Funktion bis 1981 aus,
als er nach der Wahl Reagans zum
Stellvertretenden
Verteidigungsminister unter Caspar Weinberger berufen wurde.
1983 wechselte Carlucci in die
Privatwirtschaft über und wurde Präsident von Sears World Trade Inc.,
einer in Washington ansässigen Firma,
die sich mit dem weltweiten Ankauf
und Vertrieb von Rohstoffen und Fertigprodukten beschäftigt. Als Reagan
ihn zum Nationalen Sicherheitsberater
ernannte, war er Aufsichtsratsvorsitzender dieses Unternehmens.
Carlucci
drei Kinder.

ist verheiratet

* * * * *

und

hat

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

12. November 1987

40

NEUER NATIONALER SICHERHEITSBERATER MIT "ENTSCHLUSSKRAFT"
- Kurzbiographie von Generalleutnant Colin Powell -

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Reagan am 5. November 1987 zum neuen
Sicherheitsberater ernannte Generalleutnant Colin Powell wird von seinen Kollegen für seinen "scharfen Intellekt" und seine "pragmatische Entschlußkraft"
geschätzt.

Der 50jährige Powell war seit Januar 1987 stellvertretender Berater
des Präsidenten zu Fragen der nationalen Sicherheit und im Nationalen
Sicherheitsrat
(NSC)
direkt
Frank
Carlucci unterstellt, der von Präsident Reagan am 5. November zum neuen
Verteidigungsminister ernannt wurde.

zu, daß Powell und Carlucci bei der
"Umstrukturierung und Leitung des Nationalen Sicherheitsstabes" eng zusammengearbeitet
hätten
und
"mit
Powell an der Spitze des Nationalen
Sicherheitsrates wird ein nahtloser
Übergang geschaffen und das gute Team
bleibt bestehen".

"General Powell hat eine hervorragende Laufbahn im militärischen Bereich sowie auf der höchsten Ebene
unserer Regierung absolviert", sagte
der Präsident bei Bekanntgabe der Ernennung. Präsident Reagan fügte hin-

Vor seiner Tätigkeit beim NSC war
Powell von 1986-1987 Kommandierender
General des 5. Korps der U.S. Army in
der Bundesrepublik Deutschland.
Von
1983-1986 war er der ranghöchste Militärberater
von
Verteidigungsmi-

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�nister Weinberger und brachte sein
Fachwissen und seinen Rat in militärische Operationen wie den Luftangriff
auf Libyen im Jahr 1986 ein.
Powell wird aufgrund seiner langjährigen militärischen Erfahrung im
Gelände als "echter Soldat" angesehen. Er hatte unter anderem in Fort
Leavenworth, Kansas, und Fort Carson,
Colorado, Schlüsselpositionen
inne.
Für eine im Jahr 1963 in Vietnam erlittene Verwundung wurde er mit dem
"Purple Heart" ausgezeichnet.
Powell, der als erster Schwarzer
den höchsten nationalen Sicherheitsposten übernimmt, machte im Jahr 1958
seinen Studienabschluß am City College in New York und wurde damals zum
Leutnannt ernannt. Er durchlief die
Ränge im Heer in rascher Folge. Zusätzlich zum Purple Heart erhielt er
zahlreiche militärische Auszeichnungen wie die Distinguished
Service
Medal und den Bronze Star.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12. November 1987

40

REAGAN: INF-VERTRAG MÜSS LANGFRISTIG IM INTERESSE DER NATO LIEGEN
- Worldnet-Ansprache des amerikanischen Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 4. November 1987 über "Worldnet", den Satellitenfernsehsender des US-Informationsamts, übertragenen Ansprache zu den
gegenwärtigen Verhandlungen über Mittelstreckenwaffen (INF) hat Präsident
Reagan erklärt, jeder Vertrag über Atomwaffen mit der Sowjetunion werde "realistisch sein und langfristig im Interesse aller Mitgliedsstaaten des Bündnisses liegen, ansonsten wird kein Vertrag unterzeichnet". Ein solcher Vertrag
"wird strengste Vorschriften für die effektive Verifizierung enthalten, einschließlich Vor-Ort-Inspektionen von Einrichtungen vor und nach den Reduzierungen sowie kurzfristig anberaumte Inspektionen danach".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut:

Ich grüße Sie.
Ich spreche zu
Ihnen hier aus Washington über die
Satellitenkanäle von "Worldnet" und
"Stimme Amerikas". Dies ist wiederum
ein anschauliches Beispiel für die
dramatischen Auswirkungen der Technologie auf unser Leben.
Die Wissenschaft verkürzt Entfernungen, überwindet Hindernisse und öffnet Grenzen. Heute arbeiten Menschen miteinander in weit voneinander entfernten
Ländern, sie treiben Handel, ja sie
spielen sogar miteinander über diese
Entfernungen.
Wie man es noch vor
einem Jahrhundert kaum für möglich

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gehalten hätte, stehen wir im Begriff,
eine
echte
Gemeinschaft
vielleicht sogar eine Familie - freier Menschen zu werden, die verbunden
sind durch menschliche Werte und demokratische
Ideale
und
die
einen
Wohlstand teilen, der eng mit unserem
gemeinsam Handel und unserer Wirtschaftstätigkeit verflochten ist.
In einer früheren Epoche dieses
Jahrhunderts, als Faschismus und Kommunismus auf dem Vormarsch waren,
glaubten manche, das Licht der Demokratie könne ausgelöscht werden.
Es

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�wurde befürchtet, die Xra der parlamentarischen
Regierungssysteme,
der
politischen
und
wirtschaftlichen
Freiheit, könnte sich als kurzes Zwischenspiel
der Geschichte
erweisen
und genauso verschwinden, wie die
griechische Demokratie und die Römische Republik untergegangen sind.
Nun, ohne die in großspurigen
Truppenaufmärschen
und
politischen
Massenspektakeln zur Schau gestellte
Macht mag unsere Sache außergewöhnlich gefährdet und zerbrechlich erschienen sein.
Heute sollte jedoch
klar sein, daß der Mut und der Elan
freier
Menschen
zu
leicht
unterschätzt werden. Dies gilt ebenso für
unsere Entschlossenheit zur Zusammenarbeit, zur Bestimmung
gemeinsamer
Ziele und zum gemeinsamen Handeln zu
unserer Verteidigung.
Victor Hugo hat einmal geschrieben:
"Die Menschen entbehren nicht
der Stärke; sie entbehren des Willens." Nun, in meinem Leben habe ich
immer wieder Beweise gesehen, die
mich in der Überzeugung bestärkt haben, daß diejenigen, die in Freiheit
leben, ganz bestimmt den Willen haben, selbst unter enormem Druck und
selbst in fast aussichtslosen Situationen frei zu bleiben.
Diejenigen
unter uns, die den Zweiten Weltkrieg
erlebten, haben diesen Willen bei den
Briten
gesehen,
deren
unbeugsamer
Geist selbst unter schwersten Bombardements nicht gebrochen wurde.
Wir
sahen ihn bei den französischen Truppen und der Resistance, die für die
Befreiung ihrer Heimat kämpften, bei
den Soldaten der polnischen Heimatarmee in Warschau, bei den moralischen Helden auf dem gesamten Kontinent, auch in Deutschland selbst,
die oft unter Aufopferung des eigenen
Lebens Widerstand gegen den Nazismus
leisteten.
wir sahen ihn auch bei
denen, die alles riskierten, um Ju- 2

den, oft wildfremde Menschen, vor den
Todeslagern zu retten. Wir sahen ihn
in der Normandie, wo Amerikaner sich
mit Menschen aus ganz Europa vereinten, um den Atlantikwall zu durchbrechen und in das Landesinnere vorzustoßen. Sie vereinigten sich in einem gewaltigen Kreuzzug, um den Kontinent von Hitlers Nationalsozialismus und all den mit ihm verbundenen
Schrecken zu befreien.
Ja, und in den vier Jahrzehnten
seit dem Ende des zweiten Weltkriegs
haben die freien Völker der Welt weiterhin ihren Mut bewiesen und, was
ebenso wichtig ist, wie nie zuvor ihre Solidarität untereinander demonstriert.
Das Nordatlantische Bündnis, ein dauerhafter Triumph der Einheit und Zusammenarbeit freier Völker, hat den Frieden auf dem europäischen Kontinent über vier Jahrzehnte bewahrt.
Es ist ein Schild
der Demokratie und das großartigste
Abschreckungsmittel gegen Kriege in
der Geschichte.
Vier Jahrzehnte Frieden in Europa
sind kein Zufall gewesen. Diejenigen
haben sie verdient, die in Uniform
Wache hielten, und diejenigen von uns
haben sie bezahlt, mit deren Steuern
unsere verbündeten Streitkräfte bemannt, ausgerüstet und mit den konventionellen und atomaren Waffen versorgt werden, die zur Abschreckung
einer Aggression notwendig sind. Wir
alle mußten unser Teil dazu beitragen, sonst hätte es nicht funktioniert.
Aber
es hat funktioniert.
Das Bündnis wurde vorbereitet, um jeder Herausforderung entgegenzutreten.
Die Botschaft an jeden, der den Frieden bedrohen könnte, war schlicht und
direkt:
"Daran dürft ihr nicht einmal denken."
Und als unser Wille auf die Probe
gestellt wurde, haben wir uns als

�Verbündete zusammengefunden, als Menschen, deren Schicksale unlösbar miteinander verknüpft sind, und wir ha.ben als Einheit gehandelt, um der
Herausforderung
zu begegnen.
Dies
war nicht leicht, aber wir haben getan, was notwendig war, um unseren
Ländern die Freiheit zu erhalten und
den Frieden zu bewahren.
Dies gilt
sicherlich für die Reaktion des Bündnisses auf die ungeheure Ausdehnung
der sowjetischen Militärmacht in den
späten siebziger Jahren, insbesondere
die Einführung der neuen SS-20 Mittelstreckenraketen.
Die Sowjets stationierten
ihre
ersten SS-20 im Jahr 1977. Diese mit
drei Gefechtsköpfen ausgerüstete Waffe könnte jeden Punkt in Westeuropa
und einen Großteil Asiens erreichen.
Obwohl die NATO keine vergleichbare
Waffe als Gegenmittel besaß, hatte
sich bis August 1982 die Zahl der sowjetischen INF-Raketen auf über 300
mit über 900 Gefechtsköpfen erhöht.
Was wir damals erlebten, war ein
Versuch, das militärische Kräfteverhältnis in Europa aus dem Gleichgewicht zu bringen und die Sicherheitsbindungen
zwischen Europa und den
Vereinigten Staaten zu untergraben.
Unser Zusammenhalt wurde auf die Probe gestellt, und hätte das Bündnis
nicht entschlossen
gehandelt, dann
wären daraus langfristig ernsthatte
und sogar katastrophale Konsequenzen
entstanden.
Aber wir haben gehandelt. Im Dezember 1979 beschlossen die führenden
Politiker des Westens, "zweigleisig"
vorzugehen:
Erstens würden die Vereinigten
Staaten mit den Sowjets verhandeln,
um sie zu überzeugen, ihre neuen Raketen wieder abzubauen.

Zweitens würde die NATO - solange
die Sowjets ihren Kurs weiterverfolgten und die Stationierung ihrer Raketen aufrechterhielten - in Europa eine begrenzte Anzahl von Pershing II
und bodengestützten Marschflugkörpern
dislozieren. Das Ziel des Bündnisses
waren jedoch weniger Raketen anstatt
mehr.
Unser Plan hing von unerschütterlicher
Solidarität
und
Festigkeit
selbst angesichts immensen Drucks ab,
und
dieser
Druck
wurde
ausgeübt.
Hätten diejenigen, die mit dem Ziel
des Einfrierens der Atomwaffen und
einseitiger Abrüstung protestierten,
die Oberhand gewonnen, so wäre Europa
heute dazu verdammt, im Schatten sowjetischer atomar bewaffneter INF-Raketen zu leben. Es muß der Demokratie zugute gehalten werden, daß der
politische Mut und Weitblick der verantwortlichen europäischen Politiker
obsiegte. Diese Entschlossenheit ermöglichte die Erlangung eines historischen Abkommens - eines Abkommens,
durch das eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer INF-Systeme von der Erde verbannt wird.
Das bevorstehende Abkommen basiert auf dem Vorschlag, den die Vereinigten Staaten in Abstimmung mit
den Spitzenpolitikern der Verbündeten
im Jahr 1981 vorgelegt haben - der
"Null-Lösung".
Der Planung zufolge
sollen die Sowjets viermal soviele
Gefechtsköpfe beseitigen wie die Vereinigten Staaten. Nicht nur das gesamte Arsenal sowjetischer
Raketen
der Typen SS-20 und SS-4 wird vernichtet, sondern auch die SS-12 und
SS-23 Kurzstreckenraketen.
Das wird
die erste beiderseitige Reduzierung
von Nukleararsenalen in der Geschichte der Welt sein.
Darüber
schaffenden

- 3 -

hinaus können die abzusowjetischen
Kurzstrek-

�kenraketen nicht nur nukleare, sondern auch chemische und konventionelle Gefechtsköpfe tragen.
So machen
wir im Hinblick auf den Abbau dieser
Bedrohung Europas einen vielversprechenden Anfang.
Solche Errungenschaften sind weder das Ergebnis von Wunschdenken
noch werden sie durch laute Xußerung
des Verlangens nach Frieden wahrscheinlicher.
Anhaltender
Fortschritt entsteht aus nüchternem Realismus, energischen Anstrengungen und
Prinzipientreue. Ich kann Ihnen versichern, daß jeder von mir unterzeichnete Vertrag entweder realistisch sein und im langfristigen Interesse aller Mitglieder des Bündnisses
liegen wird, oder es wird überhaupt
kein Abkommen unterzeichnet.
Zum Beispiel hat die Sowjetunion
ein langes Register der Nicht-Einhaltung
bisheriger
Rüstungskontrollabkommen.
Somit wird jeder neue Vertrag unanfechtbare Bestimmungen für
eine wirksame Verifizierung enthalten, einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen der Einrichtungen vor und während der Reduzierungen und kurzfristige Inspektionen im Anschluß daran.
Die von uns vorgelegten Verifizierungsmaßnahmen
sind die einschneidensten in der Geschichte der Rüstungskontrollverhandlungen.
Niemar
von uns im Bündnis darf sich mit weniger zufriedengeben.
Rüstungskontrolle - wenn sie mit
Sorgfalt, zur Sicherstellung der anhaltenden Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung, sowohl auf nuklearer als
auch auf konventioneller Ebene durchgeführt wird - liegt im Interesse aller westlichen Länder.
Und jedes
INF-Abkommen sollte nicht als Ende
eines Prozesses, sondern als dessen
Beginn, als erster großer Schritt,
betrachtet werden.

Wir haben mit den Sowjets über
mögliche Reduzierungen der Arsenale
unserer strategischen Waffen verhandelt, denen wir höchste Priorität
beimessen. Es ist wiederum ein amerikanischer Vorschlag, der das Kernstück der Verhandlungen bildet - ein
ernsthaftes Angebot zur Reduzierung
der Arsenale
unserer
strategischen
Waffen um die Hälfte.
Erhebliche
Fortschritte sind erzielt worden, und
eine weitere Bewegung ist zu erwarten, wenn seitens der Sowjets Fexibilität erkennbar ist.
Völlig unannehmbar ist jedoch die
sowjetische Taktik, diesen Abbau der
Offensivwaffen
als
Faustpfand
für
Maßnahmen
einzusetzen,
die
unsere
Strategische
Verteidigungsinitiative
zunichte machen.
Wir wollen nicht
ohne jegliche Gegenleistung auf SDI
verzichten, das Hoffnung auf eine
sicherere Welt bietet, in der beide
Seiten stärker auf ihre Verteidigung
- die niemanden bedroht - vertrauen
als
auf
Offensivstreitkräfte.
Es
sollte unserer Aufmerksamkeit nicht
entgangen
sein,
daß
die
Sowjets
selbst Milliarden in ein eigenes Programm zur strategischen Verteidigung
investiert haben.
In jüngster Zeit war viel über
Reformen zu vernehmen, die jetzt in
der
Sowjetunion
eingeführt
worden
sind.
Man sagt, Glasnost habe eine
neue
Sra
eingeleitet.
Wer
würde
nicht hoffen wollen, daß diese Berichte der Wahrheit entsprechen und
der Optimismus gerechtfertigt
ist?
Ein wacher Verstand gebietet uns jedoch, daß wir bei der Entscheidung
darüber, was Wirklichkeit oder Illusion ist, nach greifbaren Verhaltensänderungen - nach Taten, nicht nach
Worten - Ausschau halten.
Wir werden zum Beispiel die Menschenrechtslage
in der
Sowjetunion

�eingehend
beobachten.
Es ist nur
schwer vorstellbar, daß man einer Regierung, die Freiheit im eigenen Land
weiterhin unterdrückt und das Vertrauen
ihres
eigenen
Volkes
mißbraucht, trauen kann, wenn es darum
geht, Abkommen mit anderen einzuhalten.
In diesem Jahr wurde es in der
Tat einigen sehr prominenten Persönlichkeiten gestattet, die Sowjetunion
zu verlassen.
Das ist eine bessere
Bilanz als die vergangenen Jahre,
dennoch gibt es immer noch viele weitere Fälle von Auswanderungswilligen
oder geteilten
Familien.
Und wir
sollten uns vor Augen führen, daß eine Verweigerung des Rechts auf Auswanderung nur einen geringen Teil der
Probleme im repressiven sowjetischen
System
ausmacht.
Ein
Zugeständnis
der Rede-, Religions- und Pressefreiheit, die Freilassung aller Gefangenen aus Gewissensgründen und eine Beendigung der Praxis, geistig völlig
gesunde
politische
Dissidenten
in
psychiatrische Kliniken einzuweisen,
ferner die Zulassung einer wahren Opposition und Freiheit der politischen
Wahl: diese Dinge - die wir alle als
selbstverständlich betrachten - würden das Zeichen setzen, daß ein wahrer Wendepunkt erreicht worden ist
und auch auf internationaler Ebene
Hoffnung auf einen positiven Wan lel
wecken.
Wenn es eine Beobachtung
gibt, die in der heutigen Welt Bedeutung hat, dann, daß Frieden und Freiheit Hand in Hand gehen. Je mehr die
sowjetische Führung ihr System öffnet
und ihr Volk befreit, umso wahrscheinlicher wird es, daß die Spannnungen zwischen Ost und West abnehmen.
Wenn wir uns das vor Augen führen, hoffen wir auch, in der sowjetischen
Außenpolitik
Veränderungen
wahrnehmen zu können. Mit der Besetzung Afghanistans haben sich die So-

wjets ganz klar in eine höchst prekäre Situation manövriert. Das afghanische Volk hat sich als das tapferste überhaupt erwiesen. Es kann sich
bei seinem Kampf um Unabhängigkeit
der Sympathie und Unterstützung aller
freien
Nationen
weiterhin
sicher
sein.
Die sowjetische Führung kann
die Anerkennung aller Menschen guten
Willens auf der Welt dadurch gewinnen, daß sie ihr Land aus einer Situation befreit, in der sie nicht gewinnen können, indem sie ihre Kampfhubschrauber am Boden lassen, sofort
ihre Truppen abziehen und es dem afghanischen Volk gestatten, sein eigenes Schicksal zu wählen. Solche Maßnahmen würden nicht als Rückzug, sondern als ein mutiger und positiver
Schritt gewertet.
Ein weiteres Zeichen - näher bei
Ihnen zu Hause und auf Ihrer Seite
des Atlantiks - wäre eine Lockerung
des sowjetischen Zugriffs auf Osteuropa. Warum sollten die Völker Europas wie jetzt mit Stacheldraht, Wachtürmen und Maschinengewehren geteilt
bleiben?
Warum sollten nicht alle
Europäer frei reisen, sich gegenseitig besuchen oder miteinander in Geschäftsbeziehungen
treten
dürfen?
Sollte
nicht die
Breschnew-Doktrin
letztlich aufgegeben werden?
Warum
sollten, vier Jahrzehnte nach dem
Krieg, noch 17 Millionen Deutsche wie
Gefangene in ihrem eigenen Land behandelt werden?
Eine wirkliche Öffnung und Anerkennung ihrer souveränen
Unabhängigkeit würde von allen Völkern Ost- und Mitteleuropas begrüßt
und keineswegs die Sicherheit der Sowjetunion oder eines anderen Landes
bedrohen.
Vor einigen Monaten habe ich Berlin
besucht.
Ich
stand
an
der
furchtbaren Mauer, die so mächtig die
Narbe symbolisiert, die den europäischen Kontinent teilt.
Es ist an

- 5 -

�der Zeit, daß diese Wunde heilt und
diese Narbe verschwindet.
wäre das
keine wunderbare Aussicht für die
Welt, wenn sich eines Tages Herr
Gorbatschow und ich in Berlin treffen
und gemeinsam die ersten Steine dieser Mauer abtragen könnten - und wir
könnten weitere Mauern einreißen, bis
das Mißtrauen zwischen unseren Völkern und die Narben der Vergangenheit
vergessen sind.
Vor einigen Monaten habe ich mir
den mutigen Kampf vor 40 Jahren ins
Gedächtnis zurückgerufen, mit dem der
europäische Kontinent befreit wurde.
Wir müssen zugeben, daß die Völker
der Sowjetunion in diesem heldenhaften Kampf tapfer gefochten und so immense Opfer gebracht haben, um den
gemeinsamen Feind zu besiegen. Nach
dem Krieg wurden wir zu Gegnern und
manchmal sogar erbitterten Feinden.
Das hätte nicht geschehen müssen unc
braucht nicht weiter so zu bleiben.
Jede Doktrin, die lehrt, oder jeder
Politiker, der behauptet, die Geschichte ginge ihren vorgezeichneten
Weg und Konflikte zwischen Völkern
und
Systemen seien
unausweichlich,
hat unrecht.
wir unterliegen nicht
etwa Kräften, die sich außerhalb unserer Kontrolle befinden. Wir, alle
Menschen in jedem Land, können die
Welt, in der wir leben, gestalten und
die Zukunft bestimmen.
Wir in d&lt; i
westlichen
Demokratien
haben gene )
das getan. Gemeinsam haben wir einen
freieren und wohlhabenderen Lebensstil und eine Gemeinschaft
freier
Menschen geschaffen. Ich bin sicher,
daß Sie mir zustimmen - die Tür steht
all denen offen, die den Weg mit uns
zusammen gehen wollen.
Der
deutsche
Dichter
Heinrich
Heine hat geschrieben, "Macht Euch
nicht über unsere Träumer lustig...
Ihre Worte werden als Samen der Freiheit aufgehen". Heute scheint unsere

Vision nicht nur einer friedlicheren
Welt, sondern einer Welt, in der demokratische Rechte in jedem Land genossen werden, noch mehr in den Mittelpunkt und fast in greifbare Nähe
gerückt zu sein. Wir werden weiterhin danach Ausschau halten und Hoffnungen
hegen, dennoch
müssen
wir
wachsam sein.
Stärke und Lebensfähigkeit des Bündnisses bleiben wesentliche Faktoren, auch wenn ein Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion neue Chancen
für den Frieden eröffnet. Genau diese von der NATO demonstrierte Stärke
ist eine Voraussetzung für einen solchen Fortschritt. Schwäche, Verwundbarkeit und Wunschdenken können zunichte machen, was durch Entschlossenheit erreicht worden ist.
Dennoch kann dies eine Zeit tiefgreifenden Wandels sein. Wie Ihnen
sicherlich bekannt sein wird, hat Generalsekretär Gorbatschow meine Einladung angenommen, Anfang Dezember zu
einem Gipfeltreffen nach Washington
zu kommen. wir werden dann persönlich das breite Spektrum der Themenkomplexe erörtern, von denen ich heute zu ihnen gesprochen habe. In der
Tat erwarte ich, daß wir im Verlauf
unserer
Besprechungen das Abkommen
über
amerikanische und
sowjetische
INF-Raketen unterzeichnen werden.
Unsererseits
bleibt
die
Verpflichtung
der Vereinigten
Staaten
gegenüber dem Bündnis und der Sicherheit Europas uneingeschränkt bestehen
- unabhängig davon, ob wir ein INFAbkommen
unterzeichnen oder nicht.
Mehr als 300 000 amerikanische Soldaten bei Ihnen auf dem Kontinent sowie
unsere unerschütterliche Garantie der
nuklearen
Abschreckung
untermauern
dieses
Gelöbnis.
Diejenigen,
die
voll Sorge darüber
sind, daß wir
vielleicht
davon abweichen
könnten
oder die Abschreckung geschwächt wür-

�de, haben in beiden Punkten unrecht.
Durch diesen Erfolg werden unsere
Bande eher gestärkt denn geschwächt.
Solch ein historischer Abbau von Nuklearwaffen, wie er jetzt in unmittelbare Nähe gerückt zu sein scheint,
wird greifbarer Widerhall der Einheit, Stärke und Entschlossenheit des
Bündnisses sein.
Was unsere Fähigkeit zur Wahrung
des Friedens anbetrifft, wird die
NATO-Strategie der flexiblen Reaktion
weiterhin gewährleisten, daß Aggressionen auf jeder Ebene unterbunden
werden.
Eine auf Nuklearwaffen unterschiedlichster Kategorie gegründete wirksame Abschreckung, bis hin zu
landgestützten und Trägersystemen auf
Flugzeugen und Unterseebooten, dient
immer noch dem Schutz Europas und
bleibt dort stationiert.
Und wir
sind mit unseren Verbündeten übereingekommen, daß Fortschritte im Kräfteverhältnis bei den chemischen und
konventionellen
Streitkräften
vor
jeglichem
weiteren Abbau
nuklearer
Streitkräfte
in Europa
stattfinden
müssen.

,

»

Das Bündnis hatte bereits seit
einiger Zeit ein Modernisierungsprogramm für unsere Streitkräfte in die
Wege geleitet, so daß eine glaubwürdige Abschreckung
langfristig ai!'rechterhalten werden kann. Aus diesem
Grund
konzentrieren
sich
die
wichtigsten Initiativen auf die Verbesserung der konventionellen Stärke
der NATO. Und nachdem 18 Jahre lang
einseitig
von jeglicher
Produktion
chemischer
Waffen Abstand
genommen
wurde, werden bei unseren bescheidenen chemischen Waffenbeständen jetzt
Fortschritte
erzielt.
Die Sowjetunion besitzt allerdings das bei weitem umfassendste Arsenal chemischer
Waffen der Welt.

Aber ebenso wie wir bei den INFVerhandlungen vorgehen, versuchen wir
auch im chemischen und konventionellen Bereich die Diskrepanzen, mit denen wir uns konfrontiert sehen, auf
dem
Verhandlungswege
zu
beheben.
Tatsächlich
haben
die
Vereinigten
Staaten mit Unterstützung der Verbündeten im Jahr 1984 ein durchgreifendes Verbot chemischer Waffen vorgeschlagen.
Im Hinblick auf die konventionellen Streitkräfte ist das Bündnis bereit - sofern der Osten uns auf halbem Wege entgegenkommt - mit gegenseitigen und ausgewogenen Truppenreduzierungen, den sogenannten
MBFR,
einen Truppenabbau
in Mitteleuropa
vorzunehmen.
Gleichzeitig wird
in
Wien ein Abkommen zwischen Ost und
West angestrebt, das erneute Verhandlungen über konventionelle Stabilität
vom Atlantischen Ozean bis zum Ural
zwingend erforderlich macht.
Wie Sie sehen können, ist unsere
gemeinsame Tagensordnung im Sicherheitsbereich breitgefächert und ehrgeizig. Ein INF-Abkommen ist ein bedeutender erster Schritt, jedoch nur
der erste, in Richtung auf unser umfassenderes Ziel.
Es darf kein Zweifel daran bestehen, daß die Bürger der Vereinigten
Staaten voll und ganz verstehen und
zu würdigen wissen, daß wir in der
Sache des Friedens Partner mit Ihnen,
den Völkern der uns verbundenen westlichen Demokratien, sind. Aus diesem
Grund
begrüßen
wir
die
jüngsten
Schritte, die wir als neue Bereitschaft, ja sogar als gewissen Eifer
unter
einigen unserer
europäischen
Verbündeten
betrachten, im Bereich
der europäischen Verteidigung die Kooperation und Koordinierung untereinander zu intensivieren. Die wachsende Kooperation
zwischen
Frankreich

�und der Bundesrepublik
Deutschland
ist ein positives Zeichen, ebenso wie
die Modernisierung der unabhängigen
nuklearen
Abschreckung
in
Großbritannien und Frankreich, die beide
lebenswichtige Bestandtile des westlichen Sicherheitssystems sind.
In
der vergangenen Woche haben die Aussen- und
Verteidigungsminister
der
Westeuropäischen
Union eine beeindruckende
Erklärung
veröffentlicht.
In ihr wurde erneut die Bedeutung der
Aufrechterhaltung
unserer
nuklearen
und konventionellen Abschreckung bekräftigt und eine positive westeuropäische Identität für den Bereich der
Verteidigung
im Rahmen des Atlantischen
Bündnisses bestätigt.
wir
begrüßen diese Entwicklungen.
Im Verlauf der vergangenen vier
Jahrzehnte
wurden
die
Vereinigten
Staaten allzu häufig als überlegener
Partner im Bündnis gesehen.
Heute,
da die Wirtschaftsmacht Westeuropas
mit der der Vereinigten Staaten absolut vergleichbar ist, ist schon seit
langem die Zeit gekommen, in der wir
uns
selbst
als
gleichberechtigte
Partner
einschätzen.
Und
eine
gleichberechtigte Partnerschaft sollte unsere Bindungen nicht schwächen,
sondern stärken.
Sie sollte unsere
Möglichkeiten nicht begrenzen, sondern erweitern.
In den vergangenen vier Jahrzehn ten waren die Menschen in den Vereinigten Staaten und Europa die Antriebskraft für Fortschritt und Freiheit auf diesem Erdball. Und in einigen
wenigen
Jahren,
wenn
die
Menschheit buchstäblich in ein neues
Jahrtausend eintritt, werden wir den
Grundstein für eine Zukunft in Wohlstand und Freiheit gelegt haben. Die
Prophezeiungen
derjenigen
Zweifler
und Despoten haben sich als falsch
erwiesen
- und
zwar
als
absolut
falsch -, die in frühen Epochen die-

ses Jahrhunderts dachten, Demokratie
würde bald ausgestorben sein.
Wir
haben sichergestellt, daß es in den
vor uns liegenden Jahrhunderten die
freien Menschen sein werden, die die
Geschicke der Menschheit lenken werden, und lassen Sie mich prophezeien, daß eines Tages Freiheit und Gerechtigkeit diesen Planeten beherrschen werden. Freiheit ist nicht nur
das Geburtsrecht einiger weniger, sie
ist das von Gott gegebene Recht aller
seiner Kinder in jedem Land.
Sie
läßt sich nicht erzwingen.
Es wird
Freiheit geben, weil die Freiheit das
einzig wahre ist und weil Freiheit
funktioniert.
Es wird Freiheit geben, weil Kooperation und guter Wille
unter den freien Menschen obsiegen
werden.
Vor einigen Jahren vernahm ich
die Geschichte eines älteren Ehepaares - Natalia und Nels Mortensen das in der kleinen Stadt Marstal auf
der Insel Aerö in Dänemark lebt. In
den letzten 40 Jahren haben sie das
Grab eines jungen Mannes gepflegt,
den sie nie kennengelernt haben. Sie
jäten das Unkraut und pflanzen Blumen
und immer weht eine kleine amerikanische Fahne. Wenn sie verschlissen
ist, wird sie durch eine neue ersetzt.
Sie wachen über die letzte Ruhestätte des Feldwebels der amerikanischen Luftwaffe Jack Wagner, der
den Tod fand, als sein Flugzeug am
20. Juni 1944 in der Nähe von Aero
abgeschossen wurde, das damals besetztes Gebiet war.
Jack Wagners
Körper wurde einige Tage später ans
Ufer gespült, und die Nachricht darüber verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der kleinen Gemeinde.
Als
die Besatzungstruppen der Nationalsozialisten den jungen Amerikaner beerdigen wollten, sahen sie, daß nahezu
die ganze 2 000 Einwohner zählende
Gemeinde sich seit den frühen Morgen-

�stunden an seinem Grab versammelt
hatte, um dem jungen Piloten ihre
letzte Ehre zu erweisen. Der Weg war
von Blumen gesäumt.
Und als die
Truppen den jungen Jack Wagner seiner
Ruhestätte übergaben, hielt die Bevölkerung einen Trauergottesdienst ab
und legte rote, weiße und blaue Blumen auf sein Grab, zusammen mit einer
Schleife, auf der zu lesen stand:
"Wir danken Dir für das, was Du getan
hast."
Jack war ein 19 Jahre alter Amerikaner aus snyder County in Pennsylvania. Die dänischen Einwohner hatten ihn nie persönlich kennengelernt,
aber sie wußten, daß dieser junge
Mann sein Leben für sie gelassen hatte.
Er war genug um das Schicksal
anderer Menschen besorgt, denen er
niemals begegnet war, um das höchste
Opfer für ihre Freiheit zu erbringen.
Die Mortensens haben das nie vergessen. Sie kümmern sich immer noch um
sein Grab, als sei er ein Familienmitglied gewesen.
und in gewisser
Weise war er das. Ebenso wie wir alle Teil der Familie freier Menschen
sind.
Viele junge Menschen aus all unseren Ländern haben ihr Leben zur
Wahrung der Freiheit gelassen, die
wir heute genießen.
Viele unserer
Kinder
leisten noch ihren Die r ?t.
Sie stehen gemeinsam an den Bastionen
der Freiheit. Wir sorgen uns um jeden einzelnen von ihnen, als sei er
oder sie unser eigen Fleisch und
Blut.
Laßt uns soviel Mut aufbringen, wie sie aufbringen; laßt uns von
eben dem Stolz erfüllt sein, von dem
sie erfüllt sind.
Ich danke Ihnen, daß sie
Augenblick mit mir gemeinsam
haben. Gott schütze Sie.

diesen
erlebt

* * * * *

- 9 -

�AMERIKA DIENST
VON

^

Wissenschaft und Technik
12. November 1987

40

UN-RESOLUTION:

GEMEINSAM GEGEN AIDS

Offenheit, tatkräftige Programme, Zusammenarbeit
Politiker sind gefordert -

Experten und

WASHINGTON - (AD) - Eine "historische Resolution" nannte Charles Redman,
Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, den Beschluß der Vollversammlung der Vereinten Nationen vom 26. Oktober 1987, weltweit alles zu tun, um
die Immunschwächekrankheit AIDS zu bekämpfen und geeignete Vorbeugungsmaßnahmen durchzusetzen.
Staaten aller politischen Systeme hätten sich bereit erklärt, das AIDS-Sonderprogramm der Weltgesundheitsorganisation (WHO), einer
Organisation der Vereinten Nationen, nach Kräften zu unterstützen.

WHO-Generaldirektor Dr. Halfdan
Mahler verwies darauf, daß der Kampf
gegen AIDS und mit AIDS in Zusammenhang stehende Probleme "sowohl von
jeder einzelnen Regierung als auch
von der internationalen Gemeinschaft
vordringlich behandelt werden muß...
AIDS ist nicht nur eine Krankheit,
ein medizinischer Zustand, ein Gesundheitsproblem.
AIDS ist eine Bedrohung für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung, für Menschen
in der produktivsten Phase ihres Lebens, für Familien und das Leben in
der Familie, für Mütter und ihre Kin-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der - für ganze Kulturen und Bevölkerungsgruppen".
Im
November
1986
hatten
Dr.
Mahler und Dr. Jonathan Mann, der Direktor des AIDS-Sonderprogramms der
WHO, eine weltweite Kampagne zur Förderung von Information und Zusammenarbeit eröffnet.
Als ein wichtiges
erstes Ergebnis sei, so Dr. Mahler,
die Bereitschaft von bisher 91 Ländern (40 in Afrika, 30 im Mittleren
Osten, in Asien und Ozeanien, 15 in
Nord- und Südamerika und sechs in Europa) zu werten, mit der WHO bei der

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Tel.: 0228-339 2035
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�Einrichtung, Verbesserung und straffung nationaler Programme zusammenzuarbeiten.
Insgesamt 149 Länder verfügten nunmehr über nationale AIDSKomitees. An der offiziellen Meldung
von AIDS-Fällen an die WHO beteiligen
sich inzwischen 126 Länder (Stand vom
21. Oktober 1987: 62 445 Fälle weltweit). Auf Betreiben der WHO wird in
nächster
Zeit eine
"Weltkommission
für AIDS" gebildet, der Wissenschaftler, Politiker, Pädagogen, Sozialwissenschaftler sowie Vertreter der verschiedenen Fachgebiete der sozialen
Berufe und der Medien angehören sollten, "um alles zu beobachten und zu
überwachen, was auf internationaler
Ebene in bezug auf AIDS vor sich
geht".
Epidemiologen, Laborfachleute, Experten für Planung sowie für
Informations- und Fortbildungsprojekte haben sich bisher in 250 Arbeitseinsätzen mit den Problemen in einzelnen
Regionen
befaßt.
Die
WHO
richtete eine Virusbank ein, über die
internationale Wissenschaftler im Interesse der Forschung Studienmaterial
und Proben austauschen können.

ben, in Krankenhäusern, Schulen, im
öffentlichen Dienst und in vielen anderen wichtigen Bereichen tätig seien.
Die Inlandsmärkte der Entwicklungsländer, aber auch ihre Arbeitsmärkte erlitten Einbußen, was u.a. zu
einem Rückgang von Investitionen aus
dem Ausland
führen könne.
Kinder
fallen der Seuche zum Opfer, Zukunftshoffnungen
werden
zunichte.
Mühsam errungene Erfolge der WHO und
anderer Organisationen in der Eindämmung
der Kindersterblichkeit
seien
gefährdet, sagte Kopp. Darüber hinaus reduzierten die Aufwendungen für
AIDS zwangsläufig Gelder und Personal
für andere Programme im Gesundheitsund Erziehungswesen, aber auch für
Programme auf vielen anderen Gebieten.
Projekte
der
Auslandshilfe
durch internationale Banken und Industrieländer seien, so werde befürchtet, in der Durchführung nicht mehr
gesichert.

Dr. C. Everett Koop, ranghöchster
Arzt der Vereinigten Staaten ("Surgeon General"), gab in seiner Ansprache vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu bedenken, daß AIDS
eine Gefahr für die Gesellschaft als
Ganzes, nicht nur für eine oder mehrere abgrenzbare Gruppen darstelle.
Aus diesem Grund seien alle verfügbaren Informationen offenzulegen, damit
sie erfolgreich als Arbeitsbasis genutzt werden könnten.

Aber auch in den Industrieländern
zeichneten sich, wie Dr. Koop unterstrich, schlimme Konsequenzen ab. So
wurden in den USA bislang 43 000
AIDS-Fälle
gemeldet,
25 000
AIDSKranke verstarben.
Man befürchte,
daß
schätzungsweise
1,5
Millionen
Amerikaner
infiziert
seien.
Sie
könnten
das HIV-Virus weitergeben,
ohne selbst Krankheitssymptome zu haben. Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen sei zu erwarten, daß bei 30
bis 50 Prozent der Virusträger innerhalb von sieben Jahren nach der Infektion die Krankheit zum Ausbruch
komme.

Für die Entwicklungsländer wirke
sich die AIDS-Seuche noch katastrophaler aus als für die Industrieländer.
Denn sie treffe Menschen im
besten Alter, die normalerweise für
die Kinder, die Alten, die Kranken
sorgten, die in ihrem Lande in der
Landwirtschaft,
in
Industriebetrie-

AIDS
verursache
"astronomische
Kosten", sagte Dr. Koop. Die Behandlung eines einzigen Patienten könne
50 000 Dollar
und mehr erfordern.
"Wir schätzen, daß bis 1991 die Therapiekosten für AIDS allein in den
USA acht bis 16 Milliarden Dollar pro
Jahr erreichen". Wohl gebe es bemer-

- 2

�kenswerte Fortschritte in der Forschung - man habe in sechs Jahren
über AIDS mehr gelernt als in 40 Jahren über Poliomyelitis (spinale Kinderlähmung) oder in noch längerer
Zeit über Keuchhusten. Aber die Wissenschaft könne keine Wunder vollbringen. Und selbst wenn es gelänge,
einen Impfstoff zu entwickeln, dauere
es wegen der langen Inkubationszeit
Jahre, bis man definitiv sagen könne,
ob er wirksam sei oder nicht.
Deshalb müsse man mit gleicher
Intensität auch andere Aufgaben anpacken, die im AIDS-Umfeld gestellt
sind.
Eine davon sei sogar schon in
kurzer Zeit zu lösen - nämlich die
Gewährleistung HIV-freier Blutkonserven.
"Könnten wir dies, wenn alle
zusammenarbeiten,
bis
etwa
1991
schaffen?",
fragte
Dr. Koop fordernd...
"Die Technologie und die
Mittel dafür haben wir."

Neue Forschungsergebnisse
Seit der Einführung von Bluttests
zum Nachweis von HIV-fnfektionen im
Jahr 1985 ist in den Vereinigten
Staaten die Gefahr einer AIDS-Infektion durch Spenderblut drastisch zurückgegangen. Dennoch kann unter Umständen
ein
Virusträger
unerkannt
bleiben.
Wie Dr. Gerald
Sand" r,
(Präsidium des Amerikanischen Rc en
Kreuzes) erklärte, könne dies vielleicht bei einem unter 10 000 Blutspendern der Fall sein.
Unbekannt ist nach wie vor, bei
welcher Virenkonzentration mit einer
Infektion zu rechnen ist.
Wissenschaftler des amerikanischen Nationalen
Krebsforschungsinstituts
(NCI)
halten jedenfalls bei Spenderblut die
Anwendung neuer Tests für erforderlich, die bereits eine Antigen-Produktion als frühen Hinweis auf be-

stimmte Proteine aus dem AIDS-Virus
erkennen lassen. Die Forscher fanden
mit solchen Tests in einer Studie an
Homosexuellen Zeitdifferenzen bis zu
14 Monaten zwischen einer ersten positiven Reaktion, d.h. Bildung von
Antigenen, und dem späteren Nachweis
der Bildung von Antikörpern gegen die
AIDS-Viren.
Für den letztgenannten
Prozeß hatte man bisher eine Latenzzeit von nur drei bis 12 Wochen angenommen. Die neuen Antigen-Tests sind
allerdings
komplizierter
und kostspieliger als die Bluttests auf Antikörper. Leider sagen auch sie nichts
darüber aus, wie groß die Wahrscheinlichkeit
ist, daß eine
infizierte
Person AIDS überträgt, oder ab welcher
Antigen-Konzentration
im Blut
mit einer Weitergabe der Infektion
gerechnet werden muß.
Unterschiede in der Inkubationszeit, d.h. der Zeit von der Infektion
bis zum ersten Auftreten von Krankheitssymptomen, entdeckte eine amerikanische Forschergruppe von der Universität Georgia (Athens, Georgia) in
Zusammenarbeit mit englischen Kollegen. Während diese Periode bei Kindern bis zum vierten Lebensjahr im
Durchschnitt nur knapp zwei Jahre betrug und auch bei Personen über 60 vermutlich u.a. beeinflußt von deren
gesundheitlichem Gesamtzustand - wenig länger war, zeigten sich bei den
übrigen Altersgruppen auffallende Unterschiede
zwischen den Geschlechtern:
Männliche Personen erkrankten
nach etwa fünf bis sechs Jahren,
weibliche Personen dagegen erst nach
ca. neun Jahren. Worauf diese unterschiedliche Inkubationszeiten zurückgehen könnten, wird gegenwärtig untersucht .
Bei der Durchführung verschiedener anderer Studien in Kliniken von
New York, Florida und Kalifornien
fiel auf, daß Frauen der Krankheit

- 3 -

�nach ihrem massiven Ausbruch offenbar
früher erliegen als Männer. Während
bei letzteren eine durchschnittliche
Uberlebenszeit von 12 bis 14 Monaten
ermittelt wurde, betrug diese bei
Frauen nur knapp sieben Monate. Hier
könnte allerdings der Umstand eine
Rolle spielen, daß weibliche Patienten meist aus der Drogenszene kamen,
ihre körperliche Widerstandsfähigkeit
schon seit längerer Zeit beeinträchtigt war, und daß die Mehrzahl erst
sehr spät einen Arzt aufsuchte. Einer Erhebung des Gesundheitsamtes der
Stadt New York zufolge starben dort
seit 1982 mehr Personen aus der Gruppe der Fixer an AIDS (53 Prozent) als
aus der Gruppe der homo- und bisexuellen Männer (38 Prozent).
inzwischen liegen auch Beobachtungen über die längerfristige Wirkung
des
Medikaments
"Retrovir"
(AZT-Azidothymidin) vor. Wie Mediziner der Universität Miami berichten,
setzten gegen Ende des ersten Behandlungsjahres
nach
anfänglicher
Gewichtszunahme
und Verbesserung der
Immunlage bei den mei-ten Patienten
erneut Gewichtsverlust und Ausbreitung
opportunistischer
Infektionen
ein. Bei fast 70 Prozent mußte wegen
schwerer Nebenwirkungen, insbesondere
Anämie, die eigentlich notwendig Dosis reduziert werden. Zur Bekämpfung
einer der häufigsten Begleiterkr. kungen, der parasitären Lungenentzi•*•düng "Pneumocystis carinii", erproben
gegenwärtig Wissenschaftler der Universität Kalifornien (San Francisco)
und
des
Sloan-Kettering-Krebsforschungszentrums in New York eine Behandlung mit dem Präparat "Pentamidinisothionat" in Aerosolform.
Die
Toxizität wird durch diese ARt der
Applikation verringert, die Wirksamkeit gegen die Infektion erhöht.

Pflege
Amerikanische Gesundheitsexperten
beklagen einen schwerwiegenden Mangel
an Einrichtungen
zur Pflege AIDSKranker. Auch gebe es zu wenig Fachpersonal für Diagnose, Therapie und
Beratung von Personen mit AIDS. Die
medizinischen
Hochschulen
sollten
mehr
Ausbildungsmöglichkeiten
für
Xrzte, Zahnärzte, Krankenschwestern,
andere Assistenzberufe und Sozialarbeiter
schaffen, damit AIDS-Kranke
und ihre Familien besser betreut werden können.
Und gerade im Hinblick
auf AIDS sollte dem Drogenproblem
noch mehr Aufmerksamkeit zugewendet
werden, als dies bisher schon der
Fall sei. Dies gelte vor allem für
jene Gruppe von Drogenabhängigen, die
sich Rauschgifte intravenös spritzen.
Dr. C. Everett Koop äußerte sich
besorgt über Berichte, daß sich hier
und dort Xrzte, Schwestern oder anderes im Gesundheitswesen tätiges Personal weigere, sich mit AIDS-Patienten oder Personen, die ihrer Ansicht
nach
AIDS-infiziert
sein
könnten,
überhaupt zu befassen.
"Dieses Verhalten
einer
fehlinformierten
und
ängstlichen Minderheit könnte das Gefüge der traditionellen, auf den hippokratischen Eid gegründeten Medizin
zerstören", sagte Koop.
"So etwas
dürfen wir nicht geschehen lassen.
Wir dürfen uns nicht von jenen abwenden, die unsere Hilfe brauchen. Genau so wichtig ist es, daß wir selbst
die Hoffnung nicht aufgeben oder unsere Länder und deren Volkswirtschaften dem Wüten dieser Pandemie einfach
überlassen.
Sicherlich gibt es Menschen, die wir nicht retten können.
Aber ich bin überzeugt, daß unsere
wissenschaftlichen
Anstrengungen
im
Verein mit Sachkenntnis und Erziehung
zu richtigem Verhalten dieser schrekklichen Krankheit schließlich 'Einhalt' gebieten werden."
* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. November 1987

40

NASA-STARTTERMINE BIS 1995
- Bemannte und unbemannte Missionen für Forschung, Verteidigung und
Wetterbeobachtung -

WASHINGTON - (AD) - In einem offiziellen Manifest gab die amerikanische
Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) am 22. Oktober 1987 ihr Programm für
bemannte und unbemannte Missionen für die nächsten Jahre bekannt. Demnach ist
der erste Start des Raumtransporters DISCOVERY, mit dem nach dem CHALLENGERUnglück vom Januar 1986 der bemannte Raumflug wiederaufgenommen werden soll,
für den 26. Juni 1988 vorgesehen. Die vier Astronauten an Bord werden u.a.
die Aufgabe haben, einen TDRS-Satelliten der NASA, der wichtige Funktionen für
Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung erfüllt, im Orbit abzusetzen. Noch im
gleichen Jahr sollen zwei, 1989 und 1990 insgesamt sieben militärische Nutzlasten mit Raumtransportern in den Weltraum gebracht werden.

Für 1989 sind vier seit langem
vorbereitete
wissenschaftliche
Missionen
in
Verbindung
mit
"Space
Shuttle"-Einsätzen geplant.
So soll
im April das Projekt MAGELLAN beginnen. Es hat zum Ziel, mit Radar hoher Bildauflösung die Oberfläche des
Planeten Venus möglichst genau zu
kartieren.
Im Juni folgen entsprechend dem Terminplan ASTRO-1, ein Observatorium für Beobachtungen im ultravioletten Spektralbereich, und das
Weltraumteleskop.
Gemeinsam mit der
Europäischen Weltraumorganisation ESA
mit einem Kostenaufwand von 1,3 Mil-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

liarden Dollar entwickelt, soll das
"Hubble-Teleskop" der Forschung sehr
viel detailliertere und weiter reichende Einblicke in die Tiefe des
Universums geben, als dies mit allen
anderen Instrumenten möglich ist.
Im Oktober 1989 will die NASA den
GALILEO-Satelliten starten. Bei diesem Gemeinschaftsprojekt mit der Bundesrepublik Deutschland geht es um
die erste umfassende Beobachtung bzw.
Sondierung des Planeten Jupiter und
seiner
Monde
über
einen
längeren
Zeitraum.
12 Monate
später
soll

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�ULYSSES in den Weltraum gebracht werden.
Das Forschungsgerät, von NASA
und ESA gemeinsam entwickelt, wird
die nördliche Polregion der Sonne unter die Lupe nehmen.
Dies ist ein
Gebiet, das noch nie direkt beobachtet werden konnte, weil sich alle
bisher gestarteten Satelliten in der
Umlaufebene der Planeten um die Sonne
bewegen.

nisch-kanadischen
Radar-Satelliten
für die Beobachtung und Fernerkundung
von Festland, Meeresgebieten und Eismassen auf der Erdoberfläche.

Der Raumtransporter wird im Jahr
1990 außerdem
dazu benutzt, einen
englischen Nachrichtensatelliten, eine europäische Plattform für Langzeitexperimente im Weltraum und ein
Observatorium zur Erfassung von Gammastrahlung sowie zur Lokalisierung
von Gammastrahlen-Quellen in der Erdumlaufbahn
abzusetzen.
Über
1990
hinaus liegen noch keine Terminangaben für bemannte Raumflüge vor.
Bis Ende 1995 sind von der NASA
48 Starts unbemannter Raketen mit militärischen Nutzlasten, Wettersatelliten und einigen Forschungssatelliten vorgesehen. Mit einer DELTA-Rakete will man im Februar 1989 einen
EXPLORER-Satelliten für die Untersuchung
der
kosmischen
Hintergrundstrahlung in den Weltraum bringen.
Ein Jahr später folgt ein Satellit
zur Beobachtung von Röntgenstrahlung
und im August 1991 ein Forschungsgerät für den Bereich extrem kurzwelliger Ultraviolettstrahlung.
So wird
es möglich, einen "Himmelsatlas" für
das elektromagnetische
Spektrum zu
erstellen und die Strahlungsquellen
zu katalogisieren.
Vorläufig nur geplant sind für
Februar 1993 eine Mission, die zu einem
Redezvous
mit
einem
Kometen
führt, im März 1993 der Start eines
Mondsatelliten für geologische Beobachtungen und die Untersuchung des
Mondmagnetfeldes, und schließlich im
Juni 1994 der Start eines amerika- 2 -

* * * * * *

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