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AMERIKA DIENST

^

#

^7-ioN ^

39

4 . November 1987

I N H A L T

Dokumentation
Gipfeltreffen am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten
- Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite

Reagan fuhrt INF-Fortschritte auf "Zusammenhalt* des
Bündnisses zurück
- Rede des Präsidenten in West Point -

Wissenschaft und Technik
Drogen:

Der Konsument macht sich strafbar

- Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
"VON

^

Dokumentation

39

4. November 1987

GIPFELTREFFEN AM 7. DEZEMBER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite -

WASHINGTON - (AD) - Einer am 30. Oktober 1987 in Washington veröffentlichten gemeinsamen Erklärung zufolge werden sich Präsident Reagan und der
sowjetische Staatschef Gorbatschow am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten
treffen.
Der Erklärung ist zu entnehmen, daß beide Spitzenpolitiker die "gesamte
Bandbreite amerikanisch-sowjetischer Beziehungen" behandeln und "den Vertrag
über die vollständige Abschaffung amerikanischer und sowjetischer Mittel- und
Kurzstreckenraketen unterzeichnen".
Nachfolgend veröffentlichen wir diese Erklärung im Wortlaut:
Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow bauen auf den in
den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
erzielten
Fortschritt, einschließlich des Austauschs auf höchster
Ebene
und
den
Diskussionen
zwischen
den
Außenministern
Schewardnadse
und
Shultz
in
Washington vom 30. Oktober sowie auf
ihre Gespräche in Moskau, und sie haben vereinbart, ab dem 7. Dezember
1987 in Washington zusammenzutreffen.
Der Präsident und der Generalsekretär messen der Abhaltung eines be-

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deutsamen Treffens größte Bedeutung
bei, das die gesamte Bandbreite von
den zwischen beiden Ländern bestehenden Problemen behandelt - Rüstungsreduzierungen, Menschenrechte und humanitäre
Angelegenheiten,
Beilegung
regionaler Konflikte und bilaterale
Beziehungen - und beim gesamten Spektrum dieser Probleme Fortschritte erzielt.
Beide Seiten haben sich auf einen
Aktionsplan für die weitere Entwicklung
des
amerikanisch-sowjetischen
Dialogs geeinigt, der die nachfolgend

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�genannten Punkte umfaßt.
Sie haben vereinbart, so bald wie
möglich den Vertrag über die vollständige
Abschaffung
amerikanischer
und
sowjetischer Mittel- und Kurzstreckenraketen zu schließen.
Bei ihrer Zusammenkunft in den
Vereinigten Staaten werden der Präsident und der Generalsekretär zusätzlich zur Überarbeitung der gesamten
Bandbreite
amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen, den Vertrag über die
vollständige
Abschaffung
amerikanischer und sowjetischer Mittel- und
Kurzstreckenraketen
unterzeichnen;
das Programm für künftige Kontakte
zwischen den Spitzenpolitikern beider
Länder festlegen und eingehend die
Erarbeitung von Instruktionen an Delegationen erwägen - für einen zukünftigen Vertrag über den 50prozentigen Abbau amerikanischer und sowjetischer Offensivwaffen und die Beachtung und Beibehaltung vom ABM-Vertrages während eines vereinbarten Zeitraums.
Der Präsident und der Generalsekretär planen ein weiteres gemeinsames
Treffen in der ersten Hälfte des Jahres 1988 in der Sowjetunion, bei dem
ebenfalls Fortschritte bei der gesamten
Bandbreite
amerikanisch-sowjetischer
Beziehungen
erzielt
werden
sollen.
Aus diesem Grunde werden
beide Seiten am baldigen Abschluß eines Vertrages arbeiten, der die Vereinbarung
zum
50prozentigen
Abbau
strategischer Offensivwaffen verwirklicht und beim Besuch des Präsidenten
in Moskau unterzeichnet werden könnte.
Die Außenminister
Schewardnadse
und Shultz werden eng zusammenarbeiten, um eingehende und schnelle Vorbereitungen des bevorstehenden Gipfeltreffens in Washington sicherzustellen.
* * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

39

4. November 1987
REAGAN FÜHRT INF-FORTSCHRITTE AUF "ZUSAMMENHALT" DES BÜNDNISSES ZURÜCK
- Rede des Präsidenten in West Point -

WEST POINT - (AD) In einer Ansprache vor Kadetten der amerikanischen Militärakademie in West Point hat Präsident Reagan am 28. Oktober 1987 die "bedeutenden positiven Schritte" in Richtung auf ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen über Mittelstreckenwaffen (INF) als unmittelbares Ergebnis des "Zusammenhalts" innerhalb der NATO bezeichnet. Reagan erklärte darüber hinaus, er
sei bereit, die amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen "fortzusetzen und zu
intensivieren", fügte aber gleichzeitig hinzu, ein Gipfeltreffen sei "keine
Voraussetzung für Fortschritte bei der vorliegenden Tagesordnung".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache des Präsidenten in ihren wesentlichen Auszügen:

Von Anbeginn hat unsere Administration darauf bestanden, die Beziehungen dieses Landes zur Sowjetunion
auf Realismus, nicht auf Illusionen
zu gründen. Dies mag wie eine Binsenwahrheit klingen, aber bei unserem
Amtsantritt bedurfte der historische
Hintergrund
einer
Neuformulierung.
Und diese Neuformulierung nahmen wir
vor.
Wir sagten die Wahrheit über die
massive sowjetische Aufrüstung.
Wir
sagten die Wahrheit über Afghanistan
und Polen. Wir sagten die Wahrheit

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über Wirtschaftswachstum und Lebensstandards - daß nicht die Demokratien
von
rückständigen
Volkswirtschaften
geprägt sind und daß nicht der Westen
tatsächlich von einem Rückgang der
Lebenserwartung betroffen ist.
Wir
sagten die Wahrheit über den moralischen Unterschied zwischen ihrem System und unserem.
Beim Amtsantritt meiner Administration waren die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten im Verfall begriffen.
Heute ist die Situation
eine gänzlich andere. Besoldung und

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�Ausbildung unserer Streitkräfte sind
beträchtlich verbessert.
Die Marine
wurde ausgebaut. Waffensysteme aller
Art wurden
aufgrund
der
neuesten
technologischen Erkenntnisse modernisiert. Als Ergebnis unserer Bemühungen werden Sie die Einführung von
über
400
neuen
Systemen
erleben.
Außerdem haben wir mit den Arbeiten
für einen dramatischen Neuanfang bei
militärischer
Strategie
wie
auch
Technologie begonnen. Unsere Strategische Verteidigungsinitiative bietet
die Hoffnung, ballistische Raketen
überflüssig zu machen und gleichzeitig die Abschreckung sicherzustellen,
indem sie unser Leben schützt, nicht
bedroht.
Kurz gesagt: wir
haben
Schwäche durch Stärke ersetzt.
Vor diesem Hintergrund möchte ich
mich nun der speziellen Thematik zuwenden. Die Tagesordnung unserer Beziehungen zur Sowjetunion hat sich
auf vier entscheidende Bereiche konzentriert: Erstens, die Menschenrechte, weil wir als Amerikaner uns der
Freiheit verpflichtet fühlen; zweitens, auf dem Verhandlungsweg herbeigeführte Lösungen regionaler Konflikte; drittens, Ausbau der Kontakte
zwischen unseren Völkern und viertens, die Rüstungskontrolle.
In einigen Bereichen dieses vierteiligen Programms haben wir Fortschritte
erzielt.
Auf
kultureller
und wissenschaftlicher Ebene sowie in
anderen Bereichen hat der bilaterale
Austausch seit meinem Genfer Treffen
mit Herrn Gorbatschow im Jahr 1985
einen dramatischen Aufschwung erfahren.
Bei den Menschenrechten waren
ebenfalls
positive
Entwicklungen
wahrzunehmen.
Einige politische Gefangene
sind
freigelassen
worden.
Die Zahl der Ausreisenden ist etwas
angestiegen. Und natürlich redet man
in der Sowjetunion über Reformen über eine zunehmend großzügige Ausle-

gung sowjetischer Gesetze und Wirtschaftsreformen, die der Initiative
des Einzelnen größeren Auftrieb verleihen könnten.
Wir hegen keine Illusionen. obwohl im sowjetischen System ein Wandel
stattgefunden
hat, bleibt das
nicht von demokratischen Institutionen
kontrollierte
Einparteiensystem
intakt. Dennoch begrüßen wir die erfolgten Veränderungen.
Und wir fordern sie auf, noch mehr Veränderungen
vorzunehmen.
Bei den regionalen Konflikten ist
die sowjetische Haltung hingegen besorgniserregend.
Wer nach Beweisen
für den anhaltenden Expansionismus ja Imperialismus - der Sowjets sucht,
braucht nicht weiter als nach Nicaragua oder Afghanistan zu blicken. Wir
verfolgen bei diesen regionalen Konflikten eine gradlinige Politik. Wir
werden weiterhin gemeinsam mit den
Sowjets versuchen, politische Lösungen für regionale Konflikte zu erarbeiten - Lösungen, mit denen ausländische Truppen abgeschafft und das
Schicksal von Nationen in die Hände
ihrer
eigenen Völker
zurückgegeben
wird.
In Nicaragua unterstützen wir
den Friedensplan, wie er im vergangenen August von den Präsidenten Mittelamerikas vereinbart wurde und der
auf der Einführung einer vollständigen und echten Demokratie in Nicaragua besteht.
Darüber hinaus müssen
die Streitkräfte des Ostblocks und
Kubas dieses Land verlassen: das ist
zur Sicherung unserer eigenen Sicherheit unerläßlich.
Was den demokratischen Widerstand
in Nicaragua betrifft, so hat er
jetzt seit sieben Jahren Jahr für
Jahr gekämpft, Opfer gebracht und gelitten. Es sind die Widerstandskämpfer - tapfere, vielfach noch jugendliche Mitglieder des Widerstandes -

- 2 -

�die verhindert haben, daß die kommunistischen
Sandinisten
ihre
Macht
festigen konnten und die sie zum gegenwärtigen
Friedensplan
gezwungen
haben. Es sind, kurz gesagt, die Widerstandskämpfer, die Nicaragua wenigstens eine Chance für echte Freiheit gegeben haben.
Ich weiß, daß Sie, meine Freunde,
mir zustimmen werden, wenn ich sage,
daß wir diese tapferen Männer und
Frauen, diese Soldaten, nicht aufgeben dürfen.
Ich möchte Ihnen versprechen, daß Nicaragua seine Freiheit erhalten wird, und wir werden
dem Widerstand bei der Fortführung
seines tapferen Kampfes helfen, bis
die Freiheit sicher ist.
Damit komme ich zum letzten Punkt
unseres Programms amerikanisch-sowjetischer Beziehungen und Rüstungskontrolle. In diesem Bereich stehen wir
mit unserem Realismus und unserem
Einsatz kurz vor der Hervorbringung
historischer
Ergebnisse.
Im
Jahr
1977 haben die Sowjets zum ersten Mal
ihre SS-20 stationiert.
Die „SS-20
stellte eine qualitativ neue und unprovozierte Bedrohung gegenüber unseren Freunden und Verbündeten dar, sie
ist eine Nuklearrakete mit drei Gefechtsköpfen, die binnen Minuten nach
ihrem Abschuß Westeuropa und einen
Großteil Asiens erreichen kann. Sie
erinnern sich, daß die NATO über keine vergleichbare Waffe in ihrem Arsenal verfügte, mit der dieser neuen
Streitmacht begegnet werden konnte.
Bis 1979 hatten die Sowjets etwa
130 INF-Raketen mit 390 Gefechtsköpfen
stationiert.
Generalsekretär
Breschnew erklärte, "jetzt besteht
ein Gleichgewicht".
Im März 1982
verkündeten sie ein "Moratorium" für
die Stationierung neuer INF-Raketen
in Europa.
Aber dabei handelte es
sich nur um ein Täuschungsmanöver,

und bis August 1982 war die Zahl sowjetischer INF-Raketen auf über 300
mit mehr als 900 Gefechtsköpfen angestiegen.
Wie reagierte nun der Westen darauf?
1977
nahm
Bundeskanzler
Schmidt eine Führungsrolle bei der
Forderung
nach
der
Stationierung
NATO-eigener INF-Raketen ein, um dieser neuerlichen sowjetischen Bedrohung entgegenzutreten. Und im Dezember 1979 traf die NATO ihren Doppelbeschluß.
Erstens würden die Vereinigten Staaten mit den Sowjets verhandeln und versuchen, sie zum Abzug
ihrer SS-20 zu bewegen.
Zweitens würden die Vereinigten
Staaten, solange die Sowjets dies
verweigerten, eine begrenzte Anzahl
ihrer eigenen INF-Raketen - Pershing
II und landgestützte Marschflugkörper
- in Europa stationieren.
Es ist muß betont werden, daß das
Ziel dieser Entscheidung nicht die
Stationierung amerikanischer Raketen
an sich war. Sie war nur ein Mittel
zum Zweck. Um den zur Zeit des NATODoppelbschlusses amtierenden französischen
Präsidenten Valery Giscard
d'Estaing zu zitieren, war " ... die
Stationierung der Pershing II in Europa ... eine taktische Übung mit dem
wünschenswerten Ziel, die Sowjets zum
Abbau ihrer SS-20 zu zwingen".
Ohne Zweifel wollten die Sowjets
die Entschlossenheit der NATO testen.
Und wahrhaftig mußte die Stationierung unserer INF-Raketen trotz scharfer politischer Proteste und sogar
Massendemonstrationen erfolgen.
Ich erinnere mich an meine Bonner
Rede von 1982. Tausende von Demonstranten marschierten mit Sprechchören auf. Und ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren: Welche Iro-

- 3 -

�nie.
Dies alles, die Stationierung
der Raketen, gegen die sie demonstrierten, geschah doch zur Sicherung
des Friedens, nach dem sie strebten
und der Freiheit, in der sie lebten.
Dennoch hielt die NATO fest zusammen.
Angesichts der von uns demonstrierten stärke, mit der wir,
wenn dies erforderlich werden sollte,
die Glaubwürdigkeit unserer Abschrekkungshaltung
sichern würden, indem
wir auf Gewalt mit Gewalt reagieren,
kehrten die Sowjets schließlich an
den - zuvor verlassenen - Verhandlungstisch zurück und nahmen ernsthafte Gespräche über die Möglichkeit
des Abzugs ihrer eigenen INF-Raketen
auf.
Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß das in greifbare Nähe gerückte Abkommen auf dem Vorschlag basiert, den die Vereinigten Staaten in
Konsultation mit ihren Verbündeten im
Jahr 1981 vorgelegt haben - der NullLösung.
Mit der Null-Lösung wird
ganz einfach die Abschaffung dieser
gesamten Kategorie amerikanischer und
sowjetischer INF-Raketen gefordert.
Diesem
Abkommen zufolge werden
die Sowjets viermal soviele nukleare
Gefechtsköpfe abbauen müssen wie die
Vereinigten Staaten.
Darüber hinaus
müssen die Sowjets nicht nur ihr gesamtes Arsenal an SS-20 und SS-4,
sondern auch ihre Kurzstreckenraketen
der Typen SS-12 und SS-23 verschrotten. Wie ich bereits sagte, werden
all diese Raketen abgeschafft. Aber
wie werden wir wissen, daß die Sowjets ihre Raketen wirklich verschrottet haben? Wie Sie wissen, haben die
Sowjets bereits ein langes Register
von Verletzungen früherer Rüstungskontrollabkommen.
Offen
gesagt,
zweifeln wir an ihren Worten.
Ich stimme zu, daß jeder Vertrag

eine wirksame Verifizierung vorsehen
muß,
einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen von Einrichtungen vor und während der Reduzierungen sowie kurzfristig anberaumte Inspektionen im Anschluß daran. Insgesamt gesehen sind
die von uns vorgelegten Verifizierungsmaßnahmen die einschneidendsten
in der Geschichte der Rüstungskontrollverhandlungen.
Ich werde mich
nicht mit weniger zufrieden geben.
Gleichzeitig mit den Fortschritten bei INF haben wir einschneidenden
Reduzierungen bei amerikanischen und
sowjetischen
strategischen
Waffen
höchste
Priorität
beigemessen.
Selbst Herr Gorbatschow hat strategische Waffen als die "Wurzel des Problems"
der
Rüstungskontrolle
beschrieben und wir stimmen mit ihm
überein. Aus diesem Grund haben wir
die Verhandlungen über strategische
Waffen in Genf vorangetrieben.
Bei
unserem Vorschlag, die strategischen
Arsenale um die Hälfte zu reduzieren,
sind große Fortschritte erzielt worden. Die Sowjets müssen jedoch aufhören, Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen als Faustpfand
für Maßnahmen einzusetzen, die unser
SDI-Programm zunichte machen würden insbesondere, da die Sowjets bereits
Milliarden für ein eigenes strategisches Verteidigungsprogramm ausgeben.
Und das bringt mich zu den Ereignissen der letzten Woche in Moskau.
wie Außenminister shultz berichtete, hat er mit Außenminister Schewardnadse
und
Generalsekretär
Gorbatschow lebhafte, zum Teil sogar
erhitzte Diskussionen geführt.
Das
war keine Überraschung.
Die ganze
Bandbreite der Themen auf unserer Tagesordnung wurde abgedeckt.
Es wurden wichtige Schritte in Richtung auf
ein
INF-Abkommen
unternommen
und
Fortschritte auch in anderen Berei-

- 4 -

'

�chen erzielt, nicht nur bei der Rüstungskontrolle.
Wie ich heute bereits bekanntgegeben habe, wird Aussenminister Schewardnadse am 30. Oktober nach Washington kommen und zur
Fortsetzung dieser Gespräche mit mir
und Außenminister
Shultz zusammentreffen.
Lassen Sie mich wiederholen, was
ich bereits gesagt habe. Für die politisch Verantwortlichen und für Nationen können Gipfeltreffen nützlich
sein - Gelegenheiten zu offenen Gesprächen und eine Brücke für bessere
Beziehungen. Es wäre gut, wenn Herr
Gorbatshow unser Land einmal selbst
sehen könnte. Ich bin zu einer Fortführung
und Intensivierung
unserer
Verhandlungen bereit, aber ein Gipfeltreffen ist nicht die Voraussetzung für Fortschritte bei der vorliegenden Tagesordnung.
Wenn der Generalsekretär zu einem
Besuch der Vereinigten Staaten bereit
ist, werden ich und das amerikanische
Volk ihn willkommen heißen.
Wir dürfen nicht vergessen, daß
wir an diesem Punkt nur als stabiles
Bündnis angelangt sind - ein Bündnis,
das sich aus der NATO, dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk zusammensetzt. Wenn wir weiterhin echte Ergebnisse sehen und die Sowjets von
ernsthaften Verhandlungen überzeugen
wollen, muß dieser Zusammenhalt fortbestehen.
Einige haben das Argument vorgebracht, wenn die INF-Raketen abgebaut
sind, hätte sich unsere Verpflichtung
gegenüber Europa abgeschwächt.
Dies
ist jedoch schlicht unrichtig.
Wir halten unsere uneingeschränkte Verpflichtung gegenüber der NATOStrategie aufrecht, Aggressionen auf
jeder Ebene abzublocken.
In Europa

selbst werden wir eine große Anzahl
von Nuklearwaffen unterschiedlichster
Kategorien
stationiert
lassen, bis
hin zu landgestützten Systemen - sowie Flugzeugen
und
Unterseebooten,
die als Trägersysteme für Nuklearwaffen eingesetzt werden können. Und in
Konsultationen mit unseren NATO-Partnern sind wir übereingekommen, daß
weitere Reduzierungen von Nuklearwaffen nur im Zusammenhang mit erheblichen Fortschritten im Kräfteverhältnis bei den chemischen und konventionellen Streitkräften stattfinden können.
Im
Verlauf
dieser
jahrelangen
Verhandlungen
sind neue Realitäten
ins Spiel gekommen - neue Realitäten,
die
neue
Möglichkeiten
eröffnen.
Insbesondere konnten wir in jüngster
Zeit
das
Entstehen
einer
Bereitschaft, ja sogar eines gewissen Eifers unter einigen unserer europäischen Verbündeten beobachten, bei der
Bereitstellung ihrer eigenen Verteidigung eine größere und besser koordinierte Rolle zu spielen. Wir Amerikaner begrüßen dies.
In den vergangenen vier Jahrzehnten hat 3ie NATO in der Tat ein Bündnis zwischen einer Vielzahl von Partnern und einem sehr überlegenen Partner verkörpert.
Heute jedoch haben
unsere europäischen Verbündeten sich
aus den Ruinen des Krieges zu neuer
Lebensfähigkeit, Wohlstand und wachsender Einheit als ein Kontinent erhoben.
Und deswegen möchte ich unterstreichen, daß das Bündnis jetzt
mehr und mehr zu einem Bündnis zwischen gleichen Partnern und tatsächlich
zwischen
Kontinenten
werden
sollte. Um die Worte des ehemaligen
Außenministers Henry Kissinger zu zitieren, ist es an der Zeit für unser
Land, " ... den Gedanken einer europäischen Identität bei der Verteidung
zu begrüßen, der letztlich die atlan-

- 5 -

�tische Zusammenarbeit anspornen muß".
Dies also ist die Abrechnung, die
ich
Ihnen
heute
vorlegen
wollte.
Denn, meine Damen und Herren in West
Point, ich glaube, das ist es - eine
Abrechnung - die wir, die politisch
Verantwortlichen im zivilen Bereich
Ihnen, die die Last unserer Entcheidungen zu tragen haben, von Zeit zu
Zeit schulden.
Aber ich bin nicht nur hierhergekommen, um Ihnen Informationen zu geben. Ich bin auch gekommen, um Hilfe
von Ihnen zu erbitten.
Wenn wir ein INF-Abkommen mit den
Sowjets erzielen, wenn seine Bestimmungen erfüllt und die INF-Raketen
vernichtet worden sind, werden Sie
Ihren Posten als Zugführer und Truppenkommandeure einnehmen - und selbst
dann, wenn ich und die anderen Mitglieder
der Administration
bereits
für einige Jahre ihr Amt niedergelegt
haben werden, steht
Ihre Karriere
erst am Anfang.
ich bitte Sie daher, die Zukunft
der Republik zu bewahren. Setzen Sie
den Mut und die Festigkeit ein, die
diese Akademie Sie beim Umgang mit
Ihren Gegnern lehrt.
Benutzen Sie
all Ihre Gechicklichkeit als Soldaten
und Ihren guten willen als Amerikaner, um die wachsende Beziehung mit
unseren Freunden und Verbündeten zu
erhalten und zu fördern.
Und verleugnen Sie nie - niemals - die Werte, für die diese Akademie und unser
Land stehen: Pflicht. Ehre. Vaterland.
Als Oberbefehlshaber war ich in
den vergangenen sieben Jahren immer
wieder von der hohen beruflichen Qualifikation unserer Offiziere und dem
Pflichtbewußtsein der Soldaten beeindruckt, die ich bei Geländeübungen

getroffen habe. Aber derjenige, der
mich am tiefsten beeindruckt hat, ist
ein
Angehöriger
des
amerikanischen
Heeres, den ich nie persönlich kennengelernt habe.
Er hieß Sean Luketina und war 23
Jahre alt. Er hatte nicht das Privileg, diese Akademie besuchen zu dürfen. Er war ein Feldwebel, ein Soldat, wie diejenigen, über die Sie das
Kommando führen werden.
In diesem Monat, im Oktober vor
vier Jahren, kämpfte Sean Luketina
bei der Invasion von Grenada.
Er
wurde verwundet - schwer verwundet.
Er wurde in ein Krankenhaus in Puerto
Rico evakuiert, wo sein Vater, ein
Heeresoffizier im Ruhestand, ihn besuchte.
Immer wieder verlor er das
Bewußtsein.
In einem Moment, in dem
er bei Bewußtsein war, fragte ihn
sein Vater: "Sean, war es das wert?"
"Ja, Vater," antwortete er.
Und dann fragte sein Vater ihn:
"Würdest Du es wieder tun, mein Sohn?"
Feldwebel Luketina sah seinem Vater in die Augen und sagte nur: "Zum
Teufel, ja, Vater."
Pflicht.
Ehre.
Vaterland.
Sean Luketina starb für die Sache, der die Armee dieser Republik
stets gedient hat, vom Hunger und
blutgetränkten Schnee in Valley Forge
bis hin zu der schweren Bürde der
Wachsamkeit an den Grenzen Deutschlands und Koreas. Es ist die Sache
des Lebens, wie Gott das Leben vor bestimmt hat.
Es ist die Sache der
menschlichen Freiheit.
Und so erklingen noch heute die
stolzen Worte wie vor 25 Jahren,
ebenso wie sie in dieser Akademie
noch in 25 Jahren erklingen werden,

�und 25 Jahre danach.
Vaterland.

Pflicht.

Ehre.

Erlauben sie mir die Bemerkung,
daß ich heute etwas empfinde, das
auch General MacArthur empfunden haben muß. Ihre Jugend, ihr Optimismus
geben mir Stärke. Und wenn ich auf
Ihre jungen Gesichter blicke, fühle
ich mich wie jemand, der von der Bühne abtritt, noch fast bevor Sie Ihren
ersten Auftritt hatten - in meinem
Herzen hege ich großes Vertrauen in
die Zukunft unseres Landes. Denn ich
weiß, daß Sie die Zukunft verteidigen
werden.

* * * * *

- 7 -

�AMERIKA DIENST
%

'"v"

Wissenschaft und Technik

&lt;&amp;

04. November 1987

39

DROGEN:

DER KONSUMENT MACHT SICH STRAFBAR

Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze
WASHINGTON - (AD) - Immer mehr amerikanische Bundesstaaten gehen dazu
über, den Gebrauch von Rauschgiften ebenso unter Strafe zu stellen wie den
Handel mit Drogen. In drei Staaten sind bereits Gesetze in Kraft, denenzufolge z.B. bei Personen unter 21 Jahren der Besitz von Alkohol oder illegalen
Drogen automatisch zum Entzug des Führerscheins für ein Jahr führt. Die Gerichte von New York gehen dazu über, Kraftfahrzeuge von Personen zu beschlagnahmen, die beim Kauf von Kokain in allen seinen Handelsformen erwischt werden.
Aufgrund der bisherigen Erfahrungen müsse in der Öffentlichkeit klipp
und klar gesagt werden, daß die Konsumenten für ihr Handeln selbst verantwortlich seien, erklärte Dr. Ian Macdonald, der Sonderberater Präsident Reagans
für Maßnahmen zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs.
Dr. Macdonald erörterte die erweiterte Offensive der Vereinigten
Staaten im Kampf gegen Rauschgift mit
Experten aus juristischen, medizinischen und sozialen Berufen sowie mit
Journalisten im Rahmen einer Fernsehsatellitenübertragung des USIA-Worldnet-Programms
(Washington).
Angeschlossen waren Stationen in Bogota,
Caracas, Mexico City und Santo Domingo.
Während bei Personen, die keine
Drogen
nehmen, Vorbeugungsund Aufklärungsmaßnahmen am wirksamsten zu
sein
scheinen, dürften Konsumenten

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von Rauschgift eher auf persönliche
Verluste, Strafverfolgung und Kritik
im sozialen Umfeld reagieren.
Immer
deutlicher zeige sich, daß "wir es
uns nicht länger leisten können, bei
anderen Drogenkonsum zu dulden", sagte Macdonald.
Und immer mehr setze
sich die Erkenntnis durch, daß man
selbst Verantwortung mittrage, wenn
man einem anderen weiterhin
freie
Hand lasse, durch sein Verhalten sich
selbst oder seine Familie, seine Firma oder sein Land zu gefährden.
Umfragen

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jüngster

Zeit

in

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�amerikanischen Familien und bei Oberschlülern deuten auf eine abflachende
Kurve für Einsteiger in den Kokainkonsum hin. Jedoch gebe es auch Anzeichen dafür, daß unter den schätzungsweise 12 Millionen Menschen, die
innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten Kokain nahmen, mehr als früher
dies regelmäßig und unter Gebrauch
größerer Mengen tun. Auch werde, so
Macdonald, über ernstere Folgen für
die Gesundheit berichtet - Notaufnahmen in Krankenhäuser, Eingliederung
in Therapieprogramme, bis hin zu Todesfällen.

großer Erfolg beschieden sein", meinte Dr. Macdonald.

Aus
dieser
Entwicklung
ergebe
sich - zumindest in den Vereinigten
Staaten - die Botschaft an alle, daß
"Kokain gefährlich ist und süchtig
macht", sagts Macdonald. "Leider machen aber die bereits Abhängigen die
Erfahrung, wie schwer es ist, den
Konsum dieser Droge zu beherrschen und sie sehen sich im Dilemma."
Eine härtere Haltung inbezug auf
Drogenkonsum ist auch aus neuen Gesetzen erkennbar, die im Hinblick auf
die Produktion von Drogen mit ähnlicher chemischer Zusammensetzung wie
illegale
Drogen
erlassen
werden.
Diese Art synthetischer Drogen ("designer drugs") sind mittels legaler
chemischer
Reagenzien
herstellbar.
Wie Macdonald erklärte, werden die
Gesetze so geändert, daß synthetisch
hergestellte Drogen, die verbotenen
Rauschmitteln sehr ähnlich sind, bis
zum Beweis des Gegenteils vom ersten
Tag an als illegal.gelten. Notwendig
sei auf jeden Fall eine umfassende
Strategie, die sowohl den Rechtsvollzug als auch die Drosselung des Konsums einbeziehe. Wenn man die Menschen nicht davon überzeugen könne,
gar nicht erst in den Drogenkonsum
einzusteigen oder die Abhängigen zum
Aussteigen
zu
veranlassen,
dürfte
"unseren anderen Anstrengungen kein
- 2 -

* * * * *

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I

4

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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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          <name>Creator</name>
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              <text>Amerikadienst 04.11.1987</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen am 7. Dezember in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung der amerikanischen und sowjetischen Seite&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan fuhrt INF-Fortschritte auf "Zusammenhalt" des&lt;br /&gt;Bündnisses zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in West Point&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogen: Der Konsument macht sich strafbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Immer mehr US-Bundesstaaten erlassen entsprechende Gesetze &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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