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                  <text>AMERIKA DIENST
^ON

*

28 O k t o b e r 1987

38

I N H A L T

Dokumentation
Reagan verhängt Handelsembargo gegen Iran
- Erklärung des Präsidenten Reagan: US-Streitkräfte bleiben im Golf "solange wie nötig*
- Pressekonferenz im Weißen Haus Reagan; Wirtschaftshilfe fördert Demokratie und Pluralismus
- Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der
Außenpolitik Shultz: Führende NATO-Politiker sehen Fortschritte bei
INF-Gesprächen
- Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier -

Hintergrundmaterial
Handelssanktionen gegen Iran
- Eine Übersicht des Weißen Hauses Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten Staaten
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST

\ %

VON

e

Dokumentation
28. Oktober 1987

38

REAGAN VERHÄNGT HANDELSEMBARGO GEGEN IRAN
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Mit einer am 26. Oktober veröffentlichten Erklärung
verfügte Präsident Reagan ein Embargo für alle amerikanischen Importe aus dem
Iran sowie ein Verbot für den Export von 14 amerikanischen Produktkategorien,
die möglicherweise militärische Verwendung finden könnten, in den Iran. Der
Präsident erklärte, diese wirtschaftlichen Maßnahmen würden "nach erfolglosen
Versuchen zum Abbau der Spannungen" mit dieser Nation getroffen.
Reagan verwies weiter darauf, die "von mir eingeleiteten Maßnahmen sind
ein direktes Ergebnis von Aktionen der iranischen Regierung, einschließlich
ihrer unprovozierten Angriffe auf amerikanische Streitkräfte und Handelsschiffe".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
bot
für
iranische Waren
wird
so
schnell wie möglich in Kraft gesetzt
Ich habe den Finanzminister und
werden.
Die zusätzlichen Kontrollen
den Außenminister angewiesen, Maßnahfür Exporte in den Iran werden in etmen für ein Embargo auf alle amerikanischen Importe aus dem Iran zu erwa einer Woche bis zu zehn Tagen in
greifen.
Gleichzeitig verfügen wir
Kraft treten.
ein Exportverbot von vierzehn umfassenden amerikanischen ProduktkategoDer Kongreß selbst ist in diesem
rien, die möglicherweise militärische
wichtigen Bereich schnell und entVerwendung finden könnten.
Wie es
schlossen vorangekommen, und die Addas Gesetz erfordert, haben wir den
ministration sieht einer engen ZusamKongreß zu diesen Aktionen konsulmenarbeit mit dem Kongreß gerne enttiert, und im Augenblick wird der
gegen, um sicherzustellen, daß jegliKongreß von uns über diese Maßnahmen
che zukünftige Gesetzgebung unserem
formell unterrichtet. Das Importverallgemeinen Ziel dient, die Sicher-

United States Information Service
D 5300 Bonn 2

Telex: 8-85432

�heitsresolution 598 der Vereinten Nationen anzuwenden
und Frieden und
Stabilität in der Golf-Region wiederherzustellen.

Worten eindeutig ablehnend.

* * * * *
Die von mir eingeleiteten Maßnahmen sind ein direktes Ergebnis von
Aktionen
der
iranischen Regierung,
einschließlich
ihrer
unprovozierten
Angriffe
auf amerikanische Streitkräfte und Handelsschiffe, ihrer Verweigerung einer Annahme der UN-Sicherheitsresolution 598, ihrer fortgesetzten Aggression gegen friedliche
Nationen im Persischen Golf und ihrer
Unterstützung
des Terrorismus dort
und in anderen Teilen der Welt. Diese Maßnahmen werden so lange in Kraft
bleiben, wie der Iran auf seiner aggressiven Mißachtung der grundlegendsten internationalen Verhaltensnormen
besteht.
Ich möchte besonders betonen, daß
wir diese wirtschaftlichen Maßnahmen
lediglich nach wiederholten, aber erfolglosen Versuchen
zum Abbau der
Spannungen mit dem Iran und als Reaktion auf das anhaltende und zunehmend
kriegerische Verhalten der iranischen
Regierung treffen. Sie bedeuten keine Auseinandersetzung mit dem iranischen Volk. Wie ich bereits vielfach
erwähnt habe, nehmen die Vereinigten
Staten die Revolution im Iran als
Tatsache hin und respektieren das
Recht des iranischen Volkes auf die
Wahl der von ihm gewünschten Regierung.
Die Vereinigten
Staaten
hoffen
auf normalere Beziehungen mit dem
Iran, wenn die Aggressivität des Iran
und die Spannnungen in der Region abnehmen.
Wir haben dem Iran diese
Punkte wiederholt auf diplomatischem
Wege und auch mit öffentlichen Erklärungen zur Kenntnis gebracht. Leider
war die Reaktion der iranischen Regierung bis heute in Taten wie in
- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN^

38

28. Oktober 1987
REAGAN:

US-STREITKRÄFTE BLEIBEN IM GOLF "SOLANGE WIE NÖTIG"
- Pressekonferenz im Weißen Haus -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 22. Oktober 1987 während einer
vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt, daß die
amerikanischen Seestreitkräfte zur Sicherung der freien Schiffahrt im Golf
bleiben werden "solange dies nötig ist". Er warnte gleichzeitig die Iraner
vor "provokativen Akten gegen uns oder andere".
Zu den Aussichten eines Gipfeltreffens mit Generalsekretär Gorbatschow zur
Unterzeichnung eines INF-Abkommens sagte der Präsident, "wir haben weder Informationen darüber noch ein Datum, zu dem er nach Washington kommen wird".
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Präsident:
Ich
möchte
zunächst
eine Erklärung abgeben.
Ich möchte
mit der Erklärung beginnen, daß ich
wirklich froh bin, daß Nancy wieder
zuhause ist und es ihr wirklich gut
geht.
In den vergangenen Tagen haben
wir Amerikaner die Turbulenzen an der
Börse beobachtet. Es ist wichtig für
uns zu verstehen, was geschieht und
daß wir darauf ruhig und besonnen reagieren.
Obwohl wir nach mehreren
Tagen der Kursverluste zwei Tage mit
Kurssteigerungen erlebt haben, können

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wir nicht davon ausgehen, daß die
übermäßige
Unbeständigkeit
an der
Börse vorüber ist. Es scheint jedoch, daß das System funktioniert.
Obwohl
einiger
Grund
zur
Sorge
bleibt, besteht auch ein Handlungsbedarf.
Und heute abend plane ich die
folgenden Schritte, um dieser Herausforderung zu begegnen.
Erstens werde ich mich mit den
Führern beider Parteien im Kongreß
treffen, um ein Verfahren für die Gespräche zur Reduzierung des Defizits
auszuarbeiten, das sowohl produktiv

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�als auch konstruktiv ist. Ich ernenne Stabschef Howard Baker und meinen
Finanzminister Jim Baker zusammen mit
dem Direktor meines Haushaltsbüros,
Jim Miller, zu Leitern der Arbeitsgruppe des Weißen Hauses.
Und ich
ersuche
Sprecher
Jim
Wright, den
Mehrheitsführer im Senat Robert Byrd,
den Minderheitsführer Bob Dole sowie
den Minderheitsführer im Repräsentantenhaus, Bob Michel, ihre Vertreter
zu benennen, so daß dieses Verfahren
unverzüglich beginnen kann.
Zweitens stelle ich alle Bereiche
zur Diskussion, ausgenommen die Sozialversicherung, und zwar ohne weitere Vorbedingungen.
ich appelliere
an die Führer im Kongreß, das gleiche
zu tun.
Um diesem Verfahren Erfolg zu bescheren, wird in dieser Situation von
allen Seiten ein Beitrag verlangt.
Es muß ein Paket erarbeitet werden,
das Steuern und Ausgaben so niedrig
wie möglich hält.
Ich kann heute
abend die endgültigen Zahlen für das
Defizit des Haushaltsjahres 1987 verkünden, die eine Reduzierung von 228
Milliarden Dollar im Jahr 1986 auf
148 Miliarden Dollar in diesem Jahr
anzeigen, was einen Defizitrückgang
um 73 Milliarden Dollar bedeutet.
Dieser Wandel hat sich nicht lediglich aufgrund eines einmaligen Anstiegs der Steuereinnahmen vollzogen,
sondern aufgrund
einer Reduzierung
der Ausgaben.
Drittens appelliere ich an die
Mitglieder des Kongresses, sich mir
anzuschließen
und
unseren
Wirtschaftspartnern deutlich zu signalisieren, daß die Handelsmärkte offenbleiben und nicht geschlossen werden
sollten und daß die Vereinigten Staaten allen Rufen nach protektionistischen Maßnahmen widerstehen werden.
- 2

Und viertens setze ich eine Projektgruppe ein, die in den kommenden
30-60 Tagen die Verfahren an den Börsen untersuchen und Empfehlungen für
möglicherweise notwendige Änderungen
unterbreiten wird - diese Dreiergruppe wird von Senator Nick Brady geleitet.
In früheren Zeiten hat dieses
Land, wenn es sich mit Herausforderungen konfrontiert sah, diese dadurch gelöst, daß es sich zusammenschloß, und auch jetzt sollten wir
alle genau prüfen, wo wir stehen, als
Land und als Einzelpersonen. Es können und werden weiterhin Anpassungen
vorgenommen werden, damit dieses Land
auf dem Weg der fiskalischen Vernunft
und
anhaltenden
wirtschaftlichen
Stärke bleibt.
Frage:
Der
Kurseinbruch
an
den
Börsen zeigt, daß eine Vertrauenskrise
bezüglich
der
wirtschaftlichen
Stabilität und der Führung unserer
Regierung besteht.
Ist diese Furcht
berechtigt, und wie ernst ist die Gefahr einer Rezession oder etwas noch
schlimmerem?
Antwort:
Nun, zunächst waren alle
Indices - der Index, der dazu benutzt
wird, um zu beurteilen, ob wir wirtschaftlich gesund sind etc. - in 10
der vergangenen 11 Monate aufwärts
und auf weiteres Wachstum gerichtet.
Und mit unserer großen Beschäftigungsquote, der Tatsache, daß wir
eine zweistellige Inflationsrate gesenkt haben und mit dem bei uns bestehenden Wohlstand könnte bei diesen
Ereignissen an der Börse eine Rezession nur dann zustande kommen, wenn
genügend Leute, ohne die Situation zu
verstehen, in Panik verfielen und
sich dazu entschließen würden, Käufe
von Dingen zurückzustellen, die sie
normalerweise tätigen würden.
Dies

�könnte zu einer Rezession führen.
etwas ist schon einmal geschehen.

So

Aber ich glaube nicht, daß für so
etwas ein echter Grund besteht. Meiner Meinung nach war dies eine seit
langem überfällige Korrektur, und ich
weiß nicht, welche Faktoren zu diesem
gewissermaßen
panikartigen
Stadium
geführt haben. Wir werden dies jedoch eingehend beobachten.
Ich bin
sehr mit dem einverstanden, was die
Börsenleitung in den nächsten drei
Tagen unternehmen wird - der Handel
wird weitergehen, aber die Zeiten
werden um zwei Stunden gekürzt werden, um jedermann die Chance zu geben, die große Zahl an Aufträgen zu
verarbeiten.
Aber dies ist meiner Meinung nach
nur eine Angelegenheit der Börse und
überhaupt kein Anzeichen für eine Rezession oder schwere Zeiten.
Frage:
Ich möchte Sie noch fragen,
warum Sie ihre Ansicht zu Steuererhöhungen von "nur über meine Leiche" zu
"jede Erhöhung so niedrig wie möglich
halten" geändert haben?
Antwort:
Nun, ich werde mich mit
den Führern des Senats treffen, weil
es nach über sechseinhalb Jahren der
Bemühungen - meinerseits -, das Defizit zu senken und den Weg für einen
ausgeglichenen Haushalt zu ebnen, wie
dies vom Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
vorgesehen war, höchste Zeit dc&lt;iür
ist.
Und falls dies ein Faktor bei
der Bildung von Vertrauen seitens des
Bürgers war, dann werde ich ihnen dabei entgegenkommen.
Nun, sie werden
ihre Tagesordnung haben. Sie werden
ihr Programm haben.
Aber ich habe
meine eigenen.
Ich habe zu Beginn
des Jahres ein Haushaltsprogramm vorgelegt, und wie sie dies jedes Jahr
seit meinem Amtsantritt getan haben,
haben sie es einfach beiseite gelegt

und sich geweigert,
berücksichtigen.

es

auch

nur

zu

Mein Programm enthielt jedoch 22
Milliarden
Dollar
an
zusätzlichen
Steuereinnahmen.
Ich sagte: zusätzliche Steuereinnahmen. Es gibt andere Wege, die man beschreiten kann und
die nicht abschreckend auf die Wirtschaft wirken, wie dies bei Steuern
der Fall sein kann.
Aber ich habe
gesagt: nun gut, ich werde ihnen zuhören, was ihnen als Antwort auf dieses Problem vorschwebt.
Ich erwarte
jedoch von ihnen auch, daß sie sich
anhören, was mir vorschwebt. Und die
Masse dieser 22 Milliarden Dollar hat
nichts mit Steuern zu tun. Tatsächlich könnte ich heute schon behaupten, daß wir 5,5 Milliarden dieser 22
Milliarden Dollar schon haben, und
der Kongreß hat erklärt, ich könnte
sie nicht zur Senkung des Defizits
verwenden.
Das ist das Spektrum von
Aktivposten und Schulden, die wir nur
in den letzten Wochen erreicht haben.
Frage:
Herr Präsident, Ihre Politik im Persischen Golf hat zu verbreiteter
Unsicherheit
und
Furcht
beigetragen, daß Vergeltung auf beiden Seiten zu einer Eskalation von
Feindseligkeiten und mehr Terrorismus
führen wird.
Haben sie sich verschätzt? Und gibt es für diese Politik eine Grenze? Ich möchte nach Ihrer Antwort noch eine Frage stellen.
Antwort:
Ich meine, wir haben uns
keineswegs
verschätzt.
Wir
sind
nicht dort, um einen Krieg vom Zaun
zu brechen.
Und wir sind dort, um
die Schiffahrt neutraler Nationen in
internationalen Gewässern zu schützen, die dem Völkerrecht zufolge für
jeglichen Verkehr offen sein sollen.
Andererseits haben die Iraner in
ihrem irrationalen Verhalten Angriffe
- wie dies auch bei dem jüngsten Vor3 -

�fall geschah -, gegen Kuwait durchgeführt und eine ölverladeplattform vor
der Küste, auf die sie offensichtlich
eine
Seidenraupen-Rakete
abgefeuert
haben, dadurch beschädigt. Wir haben
gesagt, daß wir uns im Falle eines
gegen uns gerichteten Angriffs verteidigen werden. Und wir werden uns
dieser Aufgabe sicherlich weiterhin
widmen.
inzwischen haben sich eine
Reihe anderer Staaten mit uns zusammengetan, um die Seewege offenzuhalten. Ich sehe jedoch nicht, das dies
zu einem Krieg oder ähnlichem führt.
Und ich denke nicht, daß es irgendeinen Grund zur Panik gibt.
Meiner
Meinung nach haben wir sehr gut gehandelt.
Frage:
Herr Präsident, sie haben
erklärt, daß Ihrer Meinung nach das
Gesetz über die Kriegsvollmachten des
Präsidenten (War Powers Act) nicht
verfassungskonform
ist.
Sind
Sie
denn der Meinung, daß Sie das Recht
haben, nur die von Ihnen ausgesuchten
Gesetze zu befolgen?
Antwort:
Nun,
andere
Präsidenten
haben dies auch so gehalten. Tatsache ist, daß wir einen Teil dieses
Gesetzes einhalten - obwohl wir das
nicht so nennen -, aber wir haben
Konsultationen mit dem Kongreß abgehalten, ihm Bericht erstattet und
mitgeteilt, was wir unternehmen - und
dies im voraus, wie im Falle dieses
jüngsten Schlages.
Aber es gehören
noch andere Teile zu diesem Gesetz,
die unserer Meinung zu sehr in unsere
Rechte und Strategien etc. eingreifen
würden.
Lassen sie mich ausführen, daß es
seit dem Jahr 1798 über 200 militärische Aktionen der Vereinigten Staaten
im Ausland gegeben hat.
In unserer
gesamten Geschichte waren wir jedoch
lediglich in fünf erklärte Kriege
verwickelt.
In 62 dieser über 200

Fälle handelte der Kongreß - entweder
durch die Bewilligung von Mitteln für
diese Aktionen oder die Verabschiedung von Resolutionen oder die Ratifizierung von Verträgen durch den Senat oder ähnliches.
Aber in der
Mehrheit - etwa 140 - dieser Fälle
handelten
amerikanische
Präsidenten
eigenständig, indem sie amerikanische
Truppen einsetzten, weil sie der Meinung waren, daß dies für unsere nationale Sicherheit und unser Wohlergehen nötig war.
Frage:
Herr Präsident, trotz ihrer
vorhergehenden Antwort - Sie und Ihre
Berater haben klargestellt, daß neue
Steuern möglich sind, wenn sie diese
Verhandlungen mit dem Kongreß aufnehmen.
Und viele unter uns sind nun
erstaunt.
Im Jahr 1984 versprachen
Sie, die Steuern nicht zu erhöhen,
und Sie werden sich erinnern, daß in
dem gleichen Jahr Walter Mondale erklärte, es sei an der Zeit, dem amerikanischen Volk reinen Wein einzuschenken.
Er sagte, Mr. Reagan und
ich werden beide die Steuern erhöhen,
der
Unterschied
bestehe darin, so
sagte er, daß Sie dies niemandem sagen
würden.
Verstoßen
Sie
jetzt
nicht gegen Ihr eigenes Wahlkampfversprechen, wenn Sie über neue Steuern
verhandeln?
Antwort:
Nein.
Und ich stehe nun
an einem Platz, wo ich meiner Meinung
nach diese Dinge oder künftige Maßnahmen nicht weiter besprechen kann,
weil ich ungefähr ein Viertel Jahrhundert lang Verhandlungen für eine Gewerkschaft gegen die Arbeitgeber geführt habe. Und man redet nicht vorher über seine Strategie oder darüber, was man tun wird und was nicht,
sonst ist es müßig, überhaupt an Verhandlungen teilzunehmen.
Ich werde
Ihnen also nur sagen, daß ich in diesen Verhandlungen
darauf
hinweisen
werde, daß ich, wie ich eben schon

�sagte, auf meiner Seite 22 Milliarden
Dollar habe.
Nun, die gesamte von
uns allen angestrebte Reduzierung beträgt 23 Milliarden Dollar. Und der
Großteil meiner
Summe besteht aus
Einnahmen, die nicht von steuern oder
ähnlichem herrühren. Lassen Sie mich
aber noch etwas erklären, das wir alle, wie ich denke, verstehen sollten
- warum ich eine so starke Überzeugung
bezüglich
der
Steuersituation
und der Zuflucht zu Steuererhöhungen
zur Beseitigung eines Defizits besitze, wenn dies nichts dazu beitragen
wird.
In all diesen Jahren, in diesen
59
Monaten
des
Wirtschaftsaufschwungs, sind unsere Einnahmen - also, meiner Meinung nach rührt dieser
Aufschwung
hauptsächlich
von
den
Steuersenkungen her, die wir zu Anfang meiner Administration durchgeführt haben. Aber in diesem gesamten
Zeitraum betrug der Anteil der Einnahmen am Bruttosozialprodukt Jahr
für Jahr etwa 19 Prozent. Dabei ist
das BSP in dieser Zeit enorm angestiegen. Wenn wir also heute Einnahmen erzielen, die immer noch 19 Prozent dieses größeren BSP betragen,
würde dies anzeigen, daß die Einnahmen ausreichend sind.
Das Problem
besteht jedoch darin, daß das Defizit
- nun, vielleicht sollte ich besser
sagen, daß
der
Ausgabenanteil
am
Bruttosozialprodukt ungefähr 23 bis
24 Prozent beträgt, so daß dies also
ansteigt, während die Einnahmen anteilsmäßig gleich bleiben. Und dies
ist etwas, was wir in Betracht ziehen
sollten, wenn wir den Wohlstand aufrecht erhalten wollen.
Ich sage dies im Hinblick
Steuern
und
Einnahmequellen.
dürfen keine nachteilige Wirkung
die Wirtschaft haben.
Frage:

Daran

anschließend,

auf
Sie
auf

Herr

Präsident, sind Ihrer Meinung nach
einige
Arten
von
Steuern
weniger
schädlich
als
andere?
Sagen
wir
"Sündensteuern" - auf Alkohol und Tabak?
Sind diese für die Wirtschaft
weniger schädlich als vielleicht eine
Erhöhung der Einkommensteuer?
Antwort:
Lassen Sie mich nur antworten, daß es einige Steuern gibt,
wie etwa die Einkommensteuer, die
eine direktere Wirkung auf die Wirtschaft haben als andere Steuern. Ich
werde aber nicht weiter darüber sprechen, was wir in dieser Hinsicht tun
werden.
Frage:
Herr Präsident, lassen Sie
uns bei diesen Thema bleiben, wenn
dies möglich ist. Am Montag (dem 19.
Oktober) sagten Sie, daß trotz des
Kurseinbruchs an der Börse die Wirtschaft gesund sei. Am Mittwoch (dem
21. Oktober) sagten Sie, daß sich die
Entwicklung umgekehrt habe. Nun sind
Sie heute bereit, sich mit dem Kongreß zu treffen.
Worauf ist diese
Kehrtwendung nach Monaten der Zurückweisung
eines Haushaltsgipfels zurückzuführen?
Antwort:
Nein, ich habe mich nicht
geweigert.
Wir haben, wie übrigens
in jedem Jahr, wie dies gesetzlich
vorgeschrieben
ist, einen Haushalt
vorgelegt.
Und dieser Haushalt hat
Einnahmen vorgesehen, wie ich eben
erläutert habe.
Der Kongreß wollte
sich diesen Haushalt noch nicht einmal ansehen. Und die Art und Weise,
in der wir unseren Haushalt entwikkeln unterscheidet sich von der Arbeitsweise des Kongresses.
Mit den
Männern und Frauen, die die Programme
durchführen müssen, den Abteilungsleitern
und
Kabinettsmitgliedern,
verbringen wir Wochen und täglich
Stunden und schöpfen aus ihrem Detailwissen, um zu entscheiden, wiviel
Geld sie benötigen, um die Aufgaben

- 5 -

�zu erfüllen, die uns der Kongreß mit
dem Programm auferlegt hat.
Dann
leiten wir dies an den Kongreß weiter.
Und diese Kongreßabgeordneten,
die von der Durchführeung dieser Programme keine Ahnung haben, haben gerade abgestimmt, um ein Programm für
eine bestimmte Aufgabe zu verabschieden. Dann drehen sie sich um und sagen, oh nein, Sie brauchen ja Millionen Dollar mehr zur Erreichung des
Ziels als Sie beantragt haben.
Nun, meiner Meinung nach ist dies
schlecht organisiert, und wir bemühen
uns seit langem darum, Wege zu finden, um die Ausgaben zu reduzieren.
Mit
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Programm, mit der verabschiedeten Sequestrationsvorschrift
müssen wir uns
nun zusammensetzen und eine Entscheidung fällen.
Frage:
Wenn ich daran anschließen
dürfte - ich frage mich, ob es erst
einer Krise bedurfte, um Sie zu der
Bereitschaft zu bringen, sich mit dem
Kongreß zu treffen und ob Sie, wenn
Sie sich schon früher getroffen hätten, nicht die Marktkrise dieser Woche hätten abwenden können?
Antwort:
Nein, ich denke, daß die
Krise schon solange besteht, wie ich
Haushaltsentwürfe
vorlege, die sie
noch nicht einmal anschauen.
Wenn
sie unsere Haushaltsentwürfe geprüft
hätten, dann hätte im vergangenen
Jahr das kumulative Defizit - wenn
sie unseren Haushalt
verabschiedet
hätten - 207 Milliarden Dollar weniger betragen als schließlich der Fall
war.
Frage: Zurück zum Golf, Herr Präsident.
Wieviel Kooperation erhalten
Sie von der Sowjetunion bei der Wiederherstellung von Stabilität im Golf
und bei der Beendigung des Kriegs
zwischen Iran und Irak?

Antwort:
Nun, die Sowjetunion hat
mit uns zusammen die Resolution 598
verabschiedet. Das war, wie Sie wissen, die Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.
Sie
haben sie mit uns zusammen unterstützt. Nun, der Iran ist der einzige von beiden, der sich bis heute
weigert, diese Resolution anzuerkennen.
Wir bemühen uns immer noch
energisch für ihre Durchführung, bevor wir uns dem zweiten Schritt zuwenden - nämlich, was wir tun werden,
falls sie nicht akzeptieren.
Wir
halten uns da noch zurück, weil der
Generalsekretär der UNO sich immer
noch bemüht, den Iran zur Zusammenarbeit zu bewegen. Wenn der Iran dazu
nicht bereit ist, dann werden wir im
Sicherheitsrat die Verabschiedung der
zweiten Bestimmung, einem Waffenembargo gegen den Iran, zu gewärtigen
haben.
Aber sie waren kooperativ und haben die Resolution anerkannt.
Frage:
Und welches sind die Aussichten für eine von den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gemeinsam
geförderte Friedenskonferenz?
Antwort:
Nun, lange Zeit haben wir
die Meinung anderer geteilt, wonach
sich die arabischen Staaten technisch
immer noch mit Israel im Kriegszustand befinden, daß diese und Israel
sich an einen Tisch setzen könnten
und sollten. Einige haben große Anstrengungen unternommen, wie z. B.
König Hussein von Jordanien - wie
weit ist er gegangen, um dies zustande zu bringen. Aber es hat einfach
nicht
funktioniert.
Und
zunehmen
wurde die Ansicht vorgebracht, wir
sollten
eine
internationale
Gruppe
bilden, um ihnen dabei zu helfen,
sich
an einen Tisch zu setzen und
Frieden zu bringen. Und schließlich

�sind wir dazu übergegangen, dies zu
sondieren. Das hat der Außenminister
gerade im Nahen Osten getan. Und bis
jetzt zieht Israel es vor, diesen weg
nicht einzuschlagen.
Frage:
Zu Beginn dieser Woche haben die Vereinigten Staaten eine iranische Bohrinsel im Golf angegriffen.
Trotzdem feuerte der Iran wiederum
eine Seidenraupen-Rakete auf Kuwait.
Glauben Sie wirklich, daß Sie den
Ayatollah aufhalten können?
Antwort:
Nun, der Ayatollah befindet sich im Krieg, und wenn er seine
provokativen Akte gegen uns oder andere fortsetzt, dann nimmt er ein
großes Risiko in Kauf, weil wir reagieren werden. Wir werden nicht ruhig dort sitzen und sind der Überzeugung, auf der Grundlage von all dem,
was er gesagt und getan hat, daß er
das noch einmal getan hätte, was er
das erste Mal tat, wenn wir nicht zurückgeschlagen hätten, wie wir dies
unlängst getan haben.
Wir werden
versuchen, ihm klarzumachen, daß es
ein bißchen zu teuer ist, wenn er so
weitermacht.
Frage:
Herr Präsident, daran anschließend - als diese ganze Operation begann, hatten die Vereinigten
Staaten fünf Schiffe im Golf. Heute
haben Sie mehr als 30 in diesem Gebiet.
Können Sie irgendeine Grenze
des
amerikanischen
Engagements
im
Persischen Golf nennen und uns sagen,
wie lange diese Begleitaktion weitergehen soll?
Antwort:
Nein,
ich
kann
Ihnen
nicht sagen, wie lange dies noch dauern wird, aber ich kann Ihnen sagen,
daß wir genauso eine Flotte im Mittelmeer und in der Karibik unterhalten - wie auch an anderen Orten. Wir
unterhalten dort eine Flottenpräsenz
seit 1949.
Und wir müssen daran

festhalten solange es nötig ist, zu
handeln, um internationale Gewässer
für Handel und Wirtschaft offenzuhalten.
Und keine Nation besitzt das
Recht, diese zu schließen, insbesondere wenn es sich bei den Beteiligten
nicht um Feinde handelt, mit denen
sie sich im Kriege befindet, sondern
um neutrale Staaten.
Frage:
Glauben Sie, es wäre eine
gute Idee, wenn Sie mehr Banken dazu
bewegen könnten, ihre Zinssätze zu
senken, wie einige das diese Woche
getan haben, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wirtschaft wiederherzustellen?
Antwort:
Nun, ich denke, sie haben
das eigenständig getan, und ich denke, daß dies eine sehr weise Entscheidung war.
Frage:
Was ist mit den Unternehmen
- glauben Sie, daß die Unternehmen
einige Preise senken und etwas weniger Gewinn machen sollten, um den
Verkauf zu stimulieren und damit unsere Wirtschaft anzukurbeln?
Antwort;.
Ich werde keinerlei solche Vorschläge machen.
Ich denke,
daß das die Aufgabe der Unternehmen
selbst ist. Und wie ich schon sagte,
es bestehen keinerlei Anzeichen einer
sich verschlechternden Wirtschaftslage.
Wir haben heute die höchste Beschäftigungsquote in der gesamten Geschichte der Vereinigten Staaten.
Frage:
Herr
Präsident,
ich
habe
gehört, was Sie heute abend mitzuteilen hatten, und es ist mir immer noch
nicht klar, ob Sie einem Kompromißpaket zum Haushalt zustimmen werden,
das höhere Steuern beinhaltet. Werden Sie dies tun?

- 7 -

�Antwort:
Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, kann ich nicht im vorhinein diskutieren, was ich tun werde
oder nicht, aber ich kann Ihnen sagen, daß ich meine Meinung nicht geändert habe, niemals steuern hinzunehmen, die schädliche Auswirkungen
auf die Wirtschaft haben werden. Und
die meisten Steuererhöhungen
haben
eine solche Wirkung.
Steuern sind nicht die politische
Maßnahme - oder das Problem - des Defizits. Das Defizit ist auf zu hohe
Ausgaben zurückzuführen.
Jeder einzelne Dollar zusätzlicher Staatseinnahmen seit 1980 - und das heißt,
einschließlich unserer Steuersenkungen
jedem
Dollar
zusätzlicher
Staatseinnahmen
stehen 1,25
Dollar
zusätzlicher Ausgaben gegenüber.
Frage:
Offensichtlich
liegt
ihnen
diese Angelegenheit sehr am Herzen.
Antwort:

Ja.

Frage:
Sie waren einer der stärksten Befürworter der angebotsorientierten Wirtschaft.
Was ist falsch
gelaufen?
Antwort:
Was ist wo falsch gelaufen?
Bei der
angebotsorientierten
Wirtschaft?
Frage:
Warum befinden wir uns dann
in solch einem wirtschaftlichen Chaos?
Antwort:
Weil mehr als ein halbes
Jahrhundert lang, das ausschließlich
von Kongreß bestimmt war - und zwar
beide Häuser des Kongresses von einer
Partei - man das Prinzip der öffentlichen Verschuldung, ausgehend
von
der
sogenannten
"Keynesianischen
Theorie" verfolgt hat - offene öffentliche Verschuldung auf der Grundlage der Behauptung, daß dies zur
Aufrechterhaltung des Wohlstands er-

forderlich gewesen sei - und es nicht
schädlich sei, da wir unsere eigenen
Schuldner waren. Und einige von uns
sagten Jahr um Jahr, daß es so lange
weitergehen würde, bis die Dinge ausser Kontrolle gerieten. Und sie müssen ihren Glauben daran aufgeben,
ich glaube, ich muß ihnen verdeutlichen, daß Maynard Keynes nicht einmal
einen Abschluß in Wirtschaftswissenschaften hatte.
Frage:
Antwort:

Die Demokraten Was?

Frage:
Waren
es
die
Demokraten,
die dafür verantwortlich waren?
Antwort:
Nun, Sie können nachsehen, wer in beiden Häusern des Kongresses in den vergangenen 50 Jahren
die Mehrheit hatte.
Frage:
Herr Präsident, Sie haben
sich in den vergangenen sechs Monaten
bei
ihren
öffentlichen
Auftritten
stets ein Vergnügen daraus gemacht zu
sagen, daß Sie gegen jegliche Steuererhöhung, die über Ihren Schreibtisch
geht, ein klares Veto einlegen werden.
Sie haben das in dieser oder
jener
Form zum Ausdruck gebracht.
Werden Sie es nun, angesichts der
Krise in der Wall Street in dieser
Woche, nicht mehr sagen?
Antwort:
Sie versuchen alle, mich
zu der Aussage zu bewegen, was ich
machen werde, wenn ich mich mit den
anderen an den Tisch setze. Und ich
werde Ihnen sagen, welche Schritte
meiner Meinung nach für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten unbedingt erforderlich sind. Zufälligerweise bin ich immer noch davon überzeugt, daß die Besteuerung die ganzen
Probleme verursacht hat, die wir hatten, als ich mein Amt übernahm.

�Frage:
Aber es klingt, als seien
Sie grundsätzlich immer noch gegen
eine
Steuererhöhung
eingestellt,
gleichgültig, ob Sie es nun Anhebung
der Staatseinnahmen oder Steuererhöhungen nennen.
Antwort:
Nein.
Es gibt zahlreiche
Quellen für Staatseinnahmen, die wir
angeführt haben.
Ich befürworte die
Bezahlung
bestimmter
Dienstleistungen, daß es Dinge gibt, die von der
Regierung für, sagen wir, eine bestimmte Gruppe von Menschen getan
werden, eine Dienstleistung, die erbracht wird.
ich finde nicht, daß
die Steuerzahler für die Dienstleistung zahlen sollten, wenn sie auf
eine bestimmte Gruppe begrenzt ist.
Diese Gruppen sollten einen Beitrag
für diese Dienstleistung entrichten.
Frage:
Sind Sie
Steuererhöhungen?

immer

noch

gegen

Antwort:
Sie werden es herausfinden, wenn ich mich dort hinsetzen
werde.
Frage:
Während Ihre Kommentare zur
Haushaltslage in den vergangenen Tagen und auch heute abend eher versöhnlich waren, haben Sie zu Beginn
der Woche dem Kongreß draußen auf dem
Rasen hinter dem Weißen Haus eindeutig die Schuld an dem Defizit zugewiesen.
Trägt das Weiße Haus nicht
auch seinen Teil an diesem Chaos?
Antwort:
Einen
Moment
mal.
Der
Präsident
der
Vereinigten
Staaten
kann keinen Pfennig ausgeben.
Nur
der Kongreß kann die Ausgabe von Geldern bewilligen.
Und seit nunmher
sechs Jahren habe ich den Kongreß
wiederholt um weniger Geld gebeten
und er hat im Gegenzug mehr bewilligt
- mehr Geld zum Ausgeben und zwar auf
solche Weise, daß ich dagegen kein
Veto einlegen kann, wenn sie alles in

einen Topf werfen anstelle von Zuwendungen in Haushaltsfortschreibungen wir hatten seitdem ich hier bin kein
Defizit - oder einen Haushalt. Nein
- dem Kongreß obliegt die Befugnis
und wir müssen ihn überzeugen, daß
die von uns angeforderten Mittel ausreichen, um die Programme so zweckmäßig zu unterstützen, wie von denjenigen vorgesehen, die sie ausarbeiten und durchführen. Und jeder Haushaltsplan, den ich dem Kongreß vorgelegt habe, wurde von ihm auf die lange Bank geschoben und mit wurde gesagt, er sei ein totgeborenes Kind.
Und kurz nach dem Ersten eines Fiskaljahres sehen wir uns dann mit Resolutionen konfrontiert, die ungefähr
13 Haushaltsvorlagen enthalten.
Ich
bin der Überzeugung, daß es absolut
gerechtfertigt ist, wenn ich sage,
daß der Präsident nicht dafür verantwortlich ist.
Sie können bis ins
Jahr 1931 zurückgehen - seitdem haben
wir immer defizitär gewirtschaftet.
Frage:
über
Ihren
AIDS-Ausschuß
sind Kontroversen und Unmut laut geworden.
Selbst
Kardinal O'Connor,
eines der prominentesten Mitglieder
dieses Ausschusses hat erklärt, daß
er seine Zeit im Kampf gegen diese
Seuche besser damit verbringen könnte, auf lokaler Ebene dagegen anzukämpfen.
Was werden Sie in diesem
Zusammenhang unternehmen?
Antwort:
Nun, die paar, die abgesprungen sind, werden wir ersetzen.
Wir haben einen neuen Vorsitzenden
für die Kommission ernannt. Wir sind
der Auffassung, daß die Kommission
eine Vielzahl von Fähigkeiten besitzen sollte, da sie sich mit einem
außerorentlich komplexen Problem befaßt. Daher versuchen wir, so viele
Vertreter wie möglich aus dem Geschäftsleben, dem medizinischen Bereich, aus dem Gesundheitswesen und
so weiter für unsere Sache zu gewin-

- 9 -

�nen.
Und es sind noch zwei Stellen
offen.
Ich gebe mich noch immer der
Hoffnung hin, daß wir Neues hinzulernen und herausfinden, was wir bei der
Bekämpfung dieser schrecklichen Seuche noch tun und besser tun können.
Wir haben unser Mittel zur Bekämpfung von AIDS in jedem Jahr neu
aufgestockt. Und im nächsten Jahr das heißt, im derzeitigen Fiskaljahr,
da der 1. Oktober ja bereits verstrichen ist - werden wir mehr als 1 Milliarde Dollar
für AIDS aufwenden.
Daher benötigen wir meiner Meinung
nach eine Kommission - jemanden, der
uns behilflich ist und uns berät, wie
wir diese Mittel am besten verwenden.
Frage:
Glauben Sie, daß der Ausschuß
seinen Bericht
termingerecht
vorlegen wird?
Antwort:
Ich hoffe
aus, daß er es kann.

und

gehe

Frage:
Wären Sie im Anschluß daran
bereit, wieder nach Kanada zu gehen
und einige der kanandischen Gesetzgeber zusammenzurufen und mit ihnen zu
sprechen, wie Sie das gerade jetzt
hier getan haben?

davon

Frage:
zurück
zu Wirtschaft
und
Handel und
Ihren Ausführungen des
heutigen Abends zum Thema Handel.
Viele Wirtschaftswissenschaftler sind
der Auffassung, daß ein rascher, todsicherer Weg, der Wirtschaft zu einem
starken Aufschwung zu verhelfen, in
der Schaffung eines tatsächlich gemeinsamen Marktes für Nordamerika läge. Sie haben jetzt diese Gespräche
mit Premierminister Mulroney in die
Wege
geleitet
und
Finanzminister
Baker hat die Verhandlungen kürzlich
zu Ende gebracht, aber das Abkommen das kanadisch-amerikanische Handelsabkommen wird vehement abgelehnt
insbesondere in Kanada und in einigen
Teilen der Vereinigten Staaten. Besteht eine Möglichkeit, daß sich Ihr
Büro dahinterstellt und den notwendigen Druck ausübt?
Antwort:
daß ich

besteht darin, daß es zur Zeit ein
Parlament in Kanada gibt, das auch
noch darüber entscheiden muß.
Und
soweit ich das verstehe, ist es bezüglich einiger weniger Punkte etwas
zurückhaltend.
Meiner Meinung nach
ist das Handelsabkommen, das wir mit
diesem Land erzielt haben, einer der
größten Meilensteine der Geschichte
in diesem Bereich.
Wir sind zwei
großartige Partner - und wir sind die
Größten - wir sind^ vom Volumen her
gesehen
die größten
Handelspartner
der Welt. Und dies wäre ein außerordentlicher Schritt nach vorne für alle von uns.

Sie können darauf wetten,
dahinterstehe.
Das Problem
- 10

Antwort:
Ich bin nicht so sicher,
ob es mir mit ausländischen Gesetzgebern besser gelingt als mit unseren
eigenen.
Frage:
Jetzt, wo das INF-Abkommen
unmittelbar
vor
seinem
Abschluß
steht, wären die strategischen Waffen
an der Reihe. Die Sowjets haben ihre
Bereitschaft erklärt, diese Raketen
in dem von uns gewünschten Maße abzubauen, wenn Sie einigen Begrenzungen
bei der Erprobung strategischer Verteidigungswaffen
zustimmen
würden.
Zahlreiche
Experten
haben erklärt,
daß dafür
keine Verlangsamung des
Programms
in unmittelbarer
Zukunft
erforderlich sei.
Warum haben Sie
ihre Unterhändler angewiesen, daß sie
dieses Problem mit den Sowjets nicht
einmal diskutieren sollten?
Antwort:
Wenn man es zum Verhandlungsgegenstand macht, wird es ein
Verhandlungsgegenstand.
Und wir haben gesagt, daß dies, eine wahre Ver-

�teidigung
gegen Nuklearwaffen, den
wichtigsten Faktor darstellen kann,
der hoffentlich
eines Tages diese
Waffen überflüssig werden läßt - ich
habe meine eigenen Worte kürzlich aus
dem Munde von Herrn Schewardnadse gehört, als er mir gegenüber das erwähnte, was ich bereits unzählige Male in den Parlamenten und gesetzgebenden Gremien der Welt geäußert habe
- ein Nuklearkrieg kann nicht gewonnen und darf niemals gekämpft werden.
Und das Beste zur Erlangung dieses
Ziels ist die Perfektionierung dieses
Plans, von dem wir glauben, daß er
perfektioniert werden kann, und dann
der Welt sagen zu können: wir haben
eine Verteidigung gegen Nuklearraketen und werden sie der Welt zugänglich machen, wenn die Welt ihre Nuklearwaffen aufgibt.
Frage:
Angesichts der Wahrscheir.
lichkeit eines Gipfels hier in d^n
Vereinigten Staaten zur Unterzeichnung des Vertrages über Mittelstrekkenraketen - welche Art von Gipfeltreffen
sehen
Sie
mit
Herrn
Gorbatschow voraus? was soll er von
diesem Land sehen, was wollen Sie ihm
zeigen und auf welche Weise denken
Sie, daß dadurch die Beziehungen der
Supermächte beeinflußt werden?
Antwort:
Uns liegen weder Einzelheiten oder Termine vor noch wissen
wir, ob er kommt. Wir glauben, daß
es dazu kommen wird, und ich wünsche
es mir sehr. Ich hoffe auch, daü er
dann Zeit haben wird, sich viel von
Amerika anzusehen - er war nie zuvor
in diesem Land.
Und ich glaube, es
wäre gut, wenn er Dinge sehen könnte,
deren Inszenierung er uns nicht vorwerfen könnte. Er soll alles sehen.
Ich habe daran gedacht, es wäre
nett - nach dem was ich über ihre
Häuser am Strand weiß - ihn in unsere, im Jahr 1872 erbaute 1 500 Fuß

große Lehmhütte einzuladen, um ihm zu
zeigen, wie ein Kapitalist seine Ferien verbringt.
Frage:
Bitte nehmen Sie zur Bestätigung von Bork Stellung. Sie haben
gesagt, sie werden dem Senat, wenn er
Bork zurückweist, jemanden geben, den
sie genausowenig mögen. Das scheint
mir eine herausfordernde Bemerkung.
Sowohl Sie als auch der Senat haben
ihre verfassungsmäßigen Pflichten erfüllt.
Die Menschen üben mit ihrer
Meinungsäußerung ihre demokratischen
Privilegien aus.
Die Mehrheit der
Senatoren
und den
Meinungsumfragen
zufolge auch die Mehrheit des amerikanischen Volkes hat Bork zurückgewiesen.
Obwohl es schien, daß ihre
Herausforderung auf den Senat abzielte, haben Sie nicht in Wirklichkeit
die
funktionierende
Demokratie
in
Amerika herausgefordert, während sie
überall auf der Welt Demokratie postulieren?
Antwort:
Meiner Ansicht nach gab
es bei dieser Wahl eines Richters und
dem, was sie hier als Demokratie bezeichnet haben, keine Verfahrensweisen, wie sie hätten sein sollen. Wir
haben
keinen politischen
Vertreter
gewählt, der mit Wählerstimmen aus
seinem Amt entfernt werden könnte.
Zum ersten Mal in der Geschichte gab
es
private
Interessengruppen
von
vielfältiger
Schattierung, die auf
Einzelne Druck ausgeübt haben, eine
bestimmte Wahl zu treffen.
Ich habe
damit gemeint, ich werde versuchen,
jemand anderes zu finden, wenn er bei
der Wahl verliert.
Die fähigsten
Köpfe der Rechtsprechung, unter ihnen
der ehemalige Justizminister, haben
Borks Qualifikationen bezeugt.
Ich
werde versuchen, jemanden zu finden,
der ebenso qualifiziert ist.
Meiner Ansicht nach wurde
Angelegenheit politisiert, und

- 11 -

diese
Rich-

�ter Bork war einer der ersten, der
erklärte, abgesehen von seiner Person
sollten wir sicherstellen, daß dieser
Prozeß der Bestätigung eines vom Präsidenten
vorgeschlagenen
Kandidaten
durch den Senat nicht in einen politischen Wettbewerb verwandelt und so
getan wird, als ob das Volk darüber
abstimmen sollte.
Und ich glaube,
wenn sie die Qualifikationen der Personen, die sich für ihn ausgesprochen
haben mit denen seiner Gegner vergleichen, schneiden die Befürworter
weit besser ab.

ist sehr frustrierend für mich, weil
ich in diesem Kampf auf der anderen
Seite stand, lange, bevor es ein
Kampf wurde. Und ich möchte noch betonen, daß der Vorsitzende von CORE des Komitees zur Rassengleichheit einer der Zeugen war, die sich für
Richter Bork ausgesprochen haben.
Frage:

Vielen Dank, Herr Präsident.

* * * * *
Frage:
Sie sagen, die Sache wurde
politisiert. Sie wurde nicht von Anfang an politisiert, weil ich mich an
den Fall von vor zwei Jahren erinnere, als Senator Paul Trible den Verband schwarzer Rechtsanwälte in Virginia bat, einen Schwarzen als obersten Richter vorzuschlagen.
Und ich
zitiere hier
den Brief
von Paul
Trible, "schlagen Sie jemanden vor,
der die konservative Auffassung Präsident Reagans teilt".
Und wie Sie
wissen,
ist
es
schwierig,
einen
Schwarzen zu finden, der das tut.
Und dann sagen Sie, Interessengruppen
hätten Druck ausgeübt - macht das
nicht Amerika aus, die Interessengruppen? Ich weiß nicht, ob Sie über
die Bürgerrechtsbewegung, Frauen oder
wen auch immer sprechen - sie sind
amerikanische Bürger, und stehen ihnen nicht gewisse Rechte zu? Beantworten Sie mir bitte diese Frage.
Antwort:
Wenn das so wäre, hätten
wir bereits früher entschieden, Richter mittels einer öffentlichen Wahl
zu wählen. und man hat entschieden,
daß dies wahrscheinlich nicht der Weg
sei, um diejenigen mit den besten
Qualifikationen zu finden. Zur Frage
der Rassengleichheit bin ich mir darüber im klaren, daß manche glauben,
ich hätte in dieser Hinsicht Vorurteile und sei ein Rassist. Und das
- 12 -

�AMERIKA DIENST
V,oN

4

Dokumentation

28. Oktober 1987

38

REAGAN: WIRTSCHAFTSHILFE FÖRDERT DEMOKRATIE UND PLURALISMUS
- Rede des Präsidenten vor der Gruppe zur Finanzierung der Außenpolitik WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte am 21. Oktober, amerikanische Wirtschaftshilfe helfe den Entwicklungsländern dabei, "dem Unternehmertum
und den Chancen der eigenen Bevölkerung den Weg zu ebnen".
Der Präsident griff den Kongreß vor allem wegen dessen anhaltender Kürzungen seiner Forderungen für den Bereich Auslandshilfe im Haushalt an und erklärte, daß wirtschaftliche Hilfsleistungen den Ländern dabei helfen, "ihre
eigenen Institutionen des Pluralismus und der Demokratie zu schaffen" und sich
damit gegen Subversion und Aggression zu schützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
In diesem Jahr gedenken wir der
42 Jahre andauernden Friedens in der
Welt; das heißt nicht, daß keine Konflikte stattgefunden hätten - natürlich gab es die. Aber es bedeutet,
daß die Menschheit seit 42 Jahre keine Weltkriege mehr von der Art erfahren hat, wie sie in der ersten Hälfte
dieses Jahrhunderts zweimal die zivilisierten Völker heimgesucht haben.
Dieser Frieden ist nicht ohne Opfer zustande gekommen. Junge Amerikaner haben für seine Erhaltung gekämpft und ihr Leben gegeben, und er

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ist auch nicht ohne Entschlußkraft
hervorgebracht worden.
Er ist entstanden, weil Amerika bereit war, die
Verantwortung einer Führungsrolle auf
sich zu nehmen.
Niemand als die hier heute Anwesenden hat ein besseres Verständnis
davon, daß wir - ob es uns gefällt
oder nicht - in der freien Welt die
Führung übernehmen, und daß dies keine von uns erbetene Rolle ist.
Es
ist eine Rolle, die uns durch die Geschichte und die Hoffnungen all jener
auferlegt worden ist, die auf der

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Tel • 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ganzen Welt nach Frieden streben. Es
heißt, daß geographische Lage das
Schicksal bestimmt, aber ich möchte
behaupten, daß mehr als dies das
Schicksal ausmacht.
Wir sind eine
Weltmacht mit weltweiten Interessen
und weltweiter
Verantwortung.
Wir
können diese Grundwahrheit ignorieren, ihr aber nicht entrinnen, und
jeglicher Rückzug von unseren Pflichten gefährdet sowohl unsere nationalen Ideale als auch unsere nationalen
Interessen.
Alle Amerikaner sind sich über
die grundlegenden Zielsetzungen unserer Außenpolitik einig.
Wir wollen
die Demokratie fördern, weil sie das
Richtige ist, und weil es bei demokratischen Regierungen weniger wahrscheinlich ist, daß sie in Aggressionen verwickelt werden.
Wir wollen
eine wachsende Weltwirtschaft, in der
das
freie
Unternehmertum
funktioniert, weil dies genau die Welt ist,
in der die Menschen das beste und,
ich würde sagen, in materieller und
geistiger Hinsicht das annehmbarste
Leben führen. Und wir wollen mit unseren Freunden und Verbündeten dafür
arbeiten, regionale Konflikte zu vermeiden und die Sicherheit befreundeter Nationen zu verbessern. •
Diese Ziele stehen mit etwas in
Zusammenhang, das dauerhafter ist als
die täglich veraltenden Schlagzeilen
oder engstirnige Politik der Sonderinteressen, die allzu oft die Tagesordnung
in
Washington
beherrscht.
Sie stehen mit dem in Zusammenhang,
was wir das nationale Interesse nennen - das jeden Amerikaner angeht.
Dennoch ist in den vergangenen Jahren
jede alte und vielfach vorgebrachte
Ausrede, um keine Hilfe für diese
Ziele zu gewähren, mit zunehmender
Sympathie im Kongreß angehört worden.
Diese Ausreden kennen sie.

Wir können uns keine Auslandshilfe mehr leisten.
Es ist Verschwendung, Geld in
diese armen Länder zu pumpen, oder
Freunde kann man nicht kaufen andere Länder nehmen das Geld und
verachten uns dafür.
Diese Ausreden machen ihrem Namen
Ehre - sie sind völlig falsch.
Geld geben, ohne im Gegenzug etwas dafür zu erhalten?
Die Wahrheit
ist, daß wir gegenwärtig, wie auch in
der Vergangenheit, sehr wenig für die
Auslandshilfe ausgeben, wenn man den
gesamten Regierungshaushalt zugrundelegt.
In den späten vierziger und
frühen fünfziger Jahren haben wir zu
Zeiten des Marshall-Planes 11 Cents
eines jeden Dollar im Bundeshaushalt
für Auslandshilfe ausgegeben.
Diese Zahl ist vor zwanzig Jahren
bereits auf 4 Cents pro Dollar gefallen und weiter zurückgegangen bis in
die jüngste Zeit, in der wir weniger
als 2 Cents jedes Dollars zur Unterstützung unserer Außenpolitik ausgeben.
Und es ist genau dieses Geld, das
sich besonders auszahlt. Gibt es jemanden, der die Ansicht vertritt, wir
in Amerika würden dasselbe Leben und
ebensolche Sicherheit genießen, wenn
wir die Uhr zurückdrehen und den
Marshall-Plan ungeschehen machen würden?
Heute geht unsere Hilfe für die
wirtschaftliche
Entwicklung an die
Länder der Dritten Welt, die 35 Prozent unserer Exportgüter aufnehmen mehr als der Gesamtumfang amerikanischer Waren, die von West- und Osteuropa, der Sowjetunion und China zusammen importiert werden.
Und mit
jeder exportierten Milliarde Dollar
erhalten wir den Amerikanern 26 000

- 2 -

�auch - Demokratie. Wahre, volle und
sichtbare Demokratie.

Arbeitsplätze.
Ebensolche Bedeutung hat Lateinamerika, das im nächsten Jahrhundert
die Schlüsselrolle für unseren Frieden und Wohlstand einnehmen wird, die
Europa in diesem Jahrhundert zufällt.
Wenn wir das jetzt außer acht lassen,
werden wir später dafür zahlen müssen.
Wir steht es daher mit dem Vorwurf, wir verschwendeten unser Geld
mit dem Versuch, Freunde zu kaufen?
Die Wahrheit ist, daß das von uns für
die Förderung der Sicherheit ausgegebene Geld bedeutet, daß unsere Verbündeten auf der ganzen Welt wie auch
wir nicht nur die eigene, sondern unsere gemeinsame Sicherheit verteidigen können.
Und wir sollten nicht vergessen,
daß wir keine Freunde kaufen.
Wir
helfen unseren Freunden. Wir helfen
ihnen, dem Unternehmertum
und den
Chancen der eigenen Bevölkerung den
Weg zu ebnen, ihre eigenen Institutionen des Pluralismus und der Demokratie zu errichten, und wir helfen
ihnen, sich gegen von außen angefachten Druck und Subversion zu verteidigen.
Und jeder, der Zweifel darüber
hegt, wie etwa die Völker Mittelamerikas dazu stehen, hätte vergangene
Woche hier im Weißen Haus sein sollen, als Präsident Duarte aus El Salvador im Namen der Menschen seines
Landes von der Tribüne stieg, an der
Fahnenwache
vorbei
über den Rasen
ging, um die amerikanische Flagge zu
ehren und zu küssen. Oder vielleicht
hätten sie mit unserer früheren UN Botschafterin
Jeane
Kirkpartrick
letzte Woche in Managua sein sollen,
als diese dort von der jubelnden Menge begrüßt wurde. Jemand sagte dazu:
"Wir wollen das, was sie für Nicaragua fordert". Und genau das will ich

In den letzten Wochen hat der
Kongreß die Finanzierung der Außenpolitik soweit eingeschränkt, daß damit
jetzt das Interesse und die Sicherheit unserer Nation geschädigt werden. Wir mußten bereits unsere Beziehungen zu den Verbündeten im Bereich der wirtschaftlichen und militärischen
Unterstützung
drastisch
einschränken.
Und das geschieht angesichts erhöhter Ausgaben für nationale Programme.
Zum Beispiel stieg
der gesamte Bundeshaushalt im Jahr
1987 um fast 2 Prozent; im Gegensatz
dazu wurde die Auslandshilfe 1986 um
29 Prozent und 1987 um weitere 11
Prozent abgebaut.
Der Kongreß setzt bei der Verteilung des Geldes seine eigenen Prioritäten, läßt hingegen die Prioritäten
und Verpflichtungen, die diese Nation
bei der Gestaltung der nationalen
Sicherheit hat, außer acht. Wenn besondere
Interessen berührt werden,
verhält sich der Kongreß nur allzu
oft wie Annie in dem Musical 'Oklahoma' - er kann nicht nein sagen.
Für das in diesem Oktober beginnende Finanzjahr habe ich einen sehr
bescheidenen
Vorschlag
eingebracht,
mit dessen Hilfe wir immer noch den
in vergangenen Jahren durch Kürzungen
verursachten Schaden wettmachen und
auf einen Finanzierungsstand zurückkehren könnten, der unsere Sicherheit
nicht gefährdet.
Aber der Kongreß
kürzt jetzt wiederum, und die von den
Ausschüssen
sowohl des Senats als
auch des Repräsentantenhauses bewilligten Beträge - die jetzt dem Ausschuß zur Bewilligung des Verteidigungshaushaltes vorliegen - sind um
15 Prozent niedriger als der Betrag,
den wir zur notwendigen Durchführung
unserer Arbeit als Minimum fordern.

- 3 -

�Wie es jetzt steht, ist der für
die Auslandshilfe
vorgesehene Teil
des Haushalts einer der wenigen, die
zurückgegangen sind; alle anderen Titel sind angestiegen.
Und erst in
jüngster Zeit wurde noch mehr Schaden
angerichtet, als der Senat dem Gesetz
über die Genehmigung der Gelder für
das Außenministerium 86 Zusatzartikel
hinzufügte.
Es ist Zeit, daß der
Kongreß
die
besonderen
Interessen
beiseite schiebt und das nationale
Interesse zum Maß aller Dinge erhebt.
Deshalb bin ich heute hierher gekommen, um Ihnen allen für das zu
danken, was Sie tun. Wenn wir diese
Botschaft
übermitteln,
können
wir
einige
Ansichten
ändern.
Es
ist
nicht so, daß man auf dem Capitol
Hill nicht das Richtige tun will.
Die meisten tun es. Aber sie brauchen manchmal eine Ermutigung.
Und
wie ich oft gesagt habe: Um sie zu
erleuchten, muß man ihnen zuvor kräftig einheizen.
Ich könnte mit diesem Thema und
einigen anderen Punkten fortfahren,
aber ich möchte hier nur einige Zahlen der letzten Jahre anführen, die
für Sie von Interesse sein könnten.
Für jeden Dollar, den sie im Verteidigungshaushalt gekürzt haben, sind
zwei Dollar zusätzlich in nationale
Programme geflossen.
Und bei der
Verteidigung sind etwa 125 Milliarden
Dollar gekürzt worden.
250 Milliarden Dollar sind zusätzlich in die nationalen Ausgaben geflossen.
Ich denke, wir sind zu diesem
Thema einer Meinung. Und ich möchte
Ihnen sagen, daß es mir jetzt viel
besser geht, wo ich mich bei Ihnen
bedanke und Ihnen wünsche, daß Gott
Sie bei dem schützen möge, was Sie
tun. Vielen Dank.

- 4

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

38

28. Oktober 1987
SHULTZ:

FÜHRENDE NATO-POLITIKER SEHEN FORTSCHRITTE BEI INF-GESPRXCHEN
- Pressekonferenz im NATO-Hauptquartier -

WASHINGTON - (AD) - US-Außenminister Shultz hat anläßlich einer Pressekonferenz im Brüsseler NATO-Hauptquartier am 24. Oktober 1987 mitgeteilt, er habe
am Vortage führenden Politikern des Bündnisses über seine Moskauer Gespräche
berichtet. Die NATO-Politiker "teilen den Eindruck andauernder Fortschritte"
bei den INF-Verhandlungen, erklärte er. "Wir sehen dem Abschluß eines INFVertrages entgegen."
Nachfolgend geben wir die Pressekonferenz im Wortlaut wieder:
Ich komme gerade von mehr als
zweieinhalbstündigen
Konsultationen
mit meinen NATO-Kollegen. Generalsekretär Carrington teilte uns zu Anfang dieses Treffens mit, dies sei
das 56. Konsultationstreffen speziell
zu INF und damit zusammenhängenden
Fragen seit Beginn dieser Verhandlungen.
Ich sagte ihm, manchmal fühlte
ich mich, als ob ich an 75 dieser
Treffen teilgenommen hätte. Trotzdem
hat es sich wie immer gelohnt.
Ich
gab meinen Kollegen eine vollständige
Beschreibung der Treffen in Moskau,
und ich denke, daß jeder dazu Stellung nahm und seine Einschätzung aussprach. Meiner Meinung nach kann gesagt werden, daß wir alle den Eindruck andauernder Fortschritte teilen. Dies ist sehr erfreulich, ins-

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Embassy of the United States of America

besondere deshalb, weil wir alle den
Grund dafür erkennen können - nämlich
unsere Strategie, die bis zum HarmelBericht zurückgeht, und die wir, in
den Worten eines der Mitglieder, mit
"aktiver
Geduld"
umgesetzt
haben.
Wir werden diesen Kurs weiterverfolgen.
Es ist eine Frage der Beständigkeit, und wir sehen dem Abschluß
eines INF-Vertrages entgegen. Dieser
scheint klar erkennbar zu sein, und
gleichzeitig sehen wir, wie andere
Bereiche damit in Einklang kommen.
Ich würde sagen, daß die Beteiligten
ihr Interesse an der Entwicklung im

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�Bereich der Menschenrechte sowie auf
regionaler Ebene und selbstverständlich im Bereich der Rüstungskontrolle
zum Ausdruck brachten.
Es war also
ein sehr fruchtbarer Morgen, und ich
möchte allen meinen Kollegen hiermit
danken - fast alle nahmen an diesem
Treffen teil. Wir hatten einen guten
Austausch.
Frage:
Sind die Vereinigten Staaten bereit, ein INP-Abkommen ohne ein
Gipfeltreffen zu unterzeichnen?
Antwort:
ich
meine, wir
wollen,
daß es unterzeichnet wird, und ich
meine auch, es wäre gut, wenn dies im
Rahmen eines Gipfeltreffens geschähe.
Wenn aber auf absehbare Zeit kein
Gipfeltreffen
stattfindet, um dies
zeitgerecht zu tun, werden wir uns
nach anderen Wegen dafür umsehen.
Die Betonung liegt hier auf der Substanz und auf der Ausführung, aber es
ist ein sehr bedeutendes Abkommen,
und meiner Meinung nach ist es wünschenswert, wenn dies überhaupt möglich ist, es in Gegenwart der zwei
höchsten Politiker zu tun, die letztlich dafür verantwortlich sind.
Frage:
Bedeutet
dies, daß
Ihrer
Meinung nach die Sowjets ein INF-Abkommen nicht verzögern würden, bis
sie ihrer Ansicht zur strategischen
Verteidigungsinitiative
zum
Durchbruch verholfen haben?
Antwort:
Ich glaube, es gibt dafür
keine Anzeichen. Ich habe mir flüchtig das Protokoll der Pressekonferenz
angesehen,
die
Herr
Schewardnadse
nach meiner Abreise in Moskau gegeben
hat. Jemand fragte ihn etwas ähnliches, und er gab darauf etwa die
gleiche Antwort, die ich gerade gegeben habe.
Frage:
Gibt
es
Anzeichen
dafür,
daß
Herr
Gorbatschow
eventuell

Schwierigkeiten mit seinem Politbüro
und führenden Kräften innerhalb der
Sowjetunion haben könnte?
Antwort:
Ich kann dazu eigentlich
nichts Substantielles sagen.
Er ist
ein sehr eindrucksvoller, starker und
energischer
Mann,
wenn
man
ihn
trifft.
Soweit ich dies beurteilen
kann, scheiden weiterhin Mitglieder
des Politbüros aus demselben aus, die
schon lange vor ihm dazugehörten.
Ich kann dazu nichts sagen.
Er hat
viel von seiner Zeit für das Gespräch
mit mir verwendet.
Wir haben verschiedene Fragen erörtert.
Er hat
sehr vertraulich darüber gesprochen.
Frage:
Seit Sie Moskau verließen,
haben die Sowjets eine Tass-Nachricht
zu dem gestrigen Treffen veröffentlicht.
Darin sind zwei Vorschläge
enthalten, auf die Sie vielleicht reagieren könnten.
Der eine ist ein
Vorschlag Herrn Gorbatschows, wonach
ab 1. November ein Moratorium für Arbeiten in Verbindung mit Produktion,
Erprobung und Stationierung von Mittelstreckenraketen längerer und kürzerer
Reichweite
verkündet
werden
soll.
Der andere ist ebenfalls ein
Vorschlag von ihm, wonach - Tass zufolge - ein einseitiges einjähriges
Moratorium bezüglich aller Arbeiten
am Radarsystem
von Krasnojarsk
in
Kraft treten soll. Als Gegenleistung
würde er einen ähnlichen Schritt in
bezug auf das amerikanische Radar in
Schottland akzeptieren.
Könnten Sie
zu diesen Vorschlägen Stellung nehmen?
Antwort:
Ja, das kann ich.
Der
erste ist natürlich von der Art, daß
kein Fisch anbeißen würde.
Und es
ist der andauernde Prozeß, mit dem
man zu sehen versucht, ob man das Ergebnis, das wir mit Hilfe des Vertrages zu erreichen versuchen, nicht
auch erreichen kann, bevor der Vertrag vereinbart ist. Wir werden wei-

�teemachen bis wir ein Abkommen haben,
das wir gegenseitig erarbeitet haben,
und dann werden wir entsprechend handeln.
Was nun das Radar von Krasnojarsk
angeht, so stellt es eine eindeutige
Verletzung
des
ABM-Vertrages
dar.
Wir sprechen weiter über die Einhaltung des ABM-Vertrages.
Es bedeutet
eine klare Verletzung.
Der Vertrag
stipuliert, daß solch ein phasengesteuertes Radar, wenn ein neues gebaut wird, an der Peripherie eines
Landes erbaut und nach außen gerichtet sein muß.
Dieses System jedoch
steht im Landesinneren und ist nach
innen gerichtet.
Was immer man zu
seinem Zweck behaupten mag, es ist
eine Verletzung. Die Einstellung der
Arbeiten sind nicht das Entscheidende. Der entscheidende Punkt ist, daß
es nicht dort stehen sollte. Was nun
unsere beiden von ihm erwähnten Radar Systeme angeht, so besagt der ABMVertrag eindeutig, daß bestehende Radarsysteme zulässig sind und daß diese modernisiert werden können. Genau
dies tun wir.
Ich kann also diese
Gleichstellung nicht akzeptieren.
Frage:
Haben die europäischen Verbündeten enttäuscht darüber reagiert,
daß Ihre Treffen in Moskau nicht zu
einem Gipfeltreffen
geführt haben,
und haben sie die Position der Administration zu SDI unterstützt, das
wieder einmal den Weg zu versperren
scheint?
Antwort:
Natürlich
sind
alle an
der Frage des Gipfeltreffens interessiert.
Meiner Meinung nach ist es
mehr die Tatsache, daß Fragen gestellt werden, wie dieser Umschwung
der Ereignisse zu erklären ist, wenn
man bedenkt, daß es auf die sowjetische Initiative in Washington zurückzuführen ist, ein Gipfeltreffen für
den Herbst dieses Jahres anzukündi-

gen.
Die Voraussetzungen haben sich
nicht so entscheidend geändert, abgesehen von der Tatsache, daß ein INFAbkommen in noch greifbarere Nähe gerückt ist und bei START weitere Fortschritte erzielt worden sind. Meiner
Meinung nach konzentrierten sich die
Diskussionen mehr auf Inhalt und Substanz der stattfindenden Verhandlungen und hier herrschte die generelle
Ansicht vor, daß die Entwicklungen,
von denen ich berichtet habe und die
Herr Schewardnadse in seiner gut besuchten
Pressekonferenz
erläuterte,
entsprechend verliefen und sich Fortschritte abzeichneten.
Und auf eben
dies konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit.
Bei
unserem
Treffen
sind wir kaum auf die Strategische
Verteidigungsinitiative
eingegangen,
aber ich habe im großen und ganzen
das Gefühl, wenn wir lernen, wie wir
uns gegen ballistische Raketen verteidigen können, dann ist damit schon
viel erreicht. Und sicherlich ist es
für den Präsidenten ein Anliegen, daß
ein stabileres Gleichgewicht von Angriff und Verteidigung höchst wünschenswert ist. Was ist denn letztlich so gut an einer Welt, in der unsere Sich'theit von unserer Fähigkeit
abhängt, uns gegenseitig in 30 Minuten auszuradieren?
Ich glaube, wir
können Besseres leisten, und eben das
versucht der Präsident.
Frage:
In Moskau hätten bei INF
Fortschritte erzielt werden können;
die Sowjets sind jedoch nicht erschienen.
Können Sie uns Ihre Ansicht erläutern, warum sie nicht darauf eingegangen sind?
Antwort:
Gestern morgen fand die
Sitzung
einer Arbeitsgruppe statt;
man hatte sich auf eine bestimmte
Zeit für den Beginn der Sitzung geeinigt und die sowjetische Seite ist
nicht erschienen.
Im Verlauf der
zweitägigen Sitzungen in Moskau, ein-

- 3 -

�schließlich der allerletzten, die wir
im Anschluß an mein Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow hatten, haben
wir selbst dort weiterhin Fortschritte bei INF und einer Vielzahl von
Themen erreicht, durch die wir uns in
Moskau
hindurchgearbeitet
hatten.
Wir haben einige sehr wichtige Themenkomplexe erledigt und ich glaube,
beide Seiten hatten das Gefühl, daß
wir die Anzahl der verbleibenden Themen ganz allmählich, aber entscheidend verringert haben.
Es ist nur
noch eine Frage von Wochen, diese
Probleme ganz vom Tisch zu schaffen.
Frage:
ist das Thema der deutschen
PIA erneut angeschnitten worden?

teidigung
im
haben,
die
deckten...

Weltraum
unterbreitet
sich
jedoch
nicht

Antwort:
Ich habe gesagt, daß unsere Vorschläge offensichtlich unterschiedlich sind. Aber wenn wir unsere Fähigkeit, in anderen Bereichen
eine Einigung oder Annäherung zu erzielen, in Gegensatz dazu stellen, so
liegt es vielleicht daran, daß wir
unterschiedliche Zielsetzungen haben.
Das erschwert den Kompromiß, der zur
Erlangung eines Abkommens erforderlich ist. Das heißt natürlich nicht,
daß wir das nicht können und wir werden es weiter versuchen.
Aber ich
habe dies nur als eine mögliche Erklärung dafür vorgebracht, warum es
dort schwieriger war.

Antwort:
Wir haben eine zufriedenstellende Lösung zur Bewältigung dieses Themas ausgearbeitet und die zufriedenstellende
Lösung
beinhaltet,
daß dieses Thema in dem Vertrag nicht
erwähnt wird.
Wir sehen dies als
eine Angelegenheit zwischen uns und
der Bundesrepublik Deutschland. Aber
auf der Grundlage der von Bundeskanzler Kohl einseitig abgegebenen
Erklärung konnten wir eine Verfahrensweise ausarbeiten, mittels derer man
sich mit den Gefechtsköpfen in amerikanischem
Besitz dann auseinandersetzten wird, wenn sie sozusagen unbelastet von ihrer Beziehung zu dem
zugehörigen System sind.
Man wirr*
mit ihnen genauso verfahren wie mit
anderen
ähnlichen
Gefechtsköpfen.
Wie genau dies geschehen soll habt.i
wir
sehr sorgfältig
ausgearbeitet,
und meiner Meinung nach ist das Ergebnis offensichtlich zur Zufriedenheit der Sowjets ausgefallen, zu unserer Zufriedenheit und zur Zufriedenheit der Bundesrepublik Deutschland. Dieses Problem ist also bewältigt.

Antwort:
Ich weiß
nicht, ob es
eine Voraussetzung für ein Gipfeltreffen ist oder nicht. Ich weiß jedoch, daß sich Herr Gorbatschow offensichtlich zu dem Zeitpunkt, als
wir die einzelnen Probleme und die
Lage besprachen, nicht auf die Festsetzung eines Termins einlassen wollte. Wir schienen beide die Möglichkeit eines Gipfeltreffens in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr unbedingt offen halten zu wollen und haben während unserer Unterredung die
Möglichkeit
eines
Nachfolgetreffens
in Moskau im Frühjahr oder im weiteren Verlauf des Jahres 1988 erörtert.
Herr Gorbatschow ist sich also der
Termine vollständig gewahr und wir
werden einfach abwarten müssen.

Frage:
In Moskau haben Sie gesagt,
daß beide Seiten Vorschläge zur Ver-

Frage:
Gestern abend sagte
Fitzwater, der Sprecher des

- 4

Frage:
Werden
irgendwelche
neuen
Verteidigungsinitiativen erforderlich
sein, um die unterschiedlichen Zielsetzungen harmonisieren zu können, da
dies jetzt eine der Voraussetzungen
für ein Gipfeltreffen ist?

Marl in
Weißen

�Hauses, daß Herrn Gorbatschows Gesinnungswandel und die gescheiterte
Festsetzung des Termins Fragen über
die von ihm verfolgten Absichten laut
werden lassen. Würden Sie mit dieser
Bewertung übereinstimmen und sind Sie
jetzt alle besorgt, daß der Gesinnungswandel von Herrn Gorbatschow die
Verfolgung des sowjetischen Dialogs
erschwert?
Antwort:
Für Spekulationen
dieser
Art habe ich nicht sehr viel übrig.
Ich berichte Tatsachen und Tatsache
ist, daß wir uns getroffen haben und
bei der ganzen Bandbreite entscheidender Probleme beträchtliche Fortschritte erzielt worden sind.
Dies
ist von besonderem Interesse.
Seit
die Sowjets ihren Vorschlag zu einem
Gipfeltreffen im Herbst 1987 unterbreiteten und dem gestrigen Treffen
mit Herrn Gorbatschow scheint sich
einiges verändert
zu haben.
Wenn
überhaupt, so sind die gestern vorgelegten Bedingungen günstiger, könnte
man sagen, als noch vor einem Monat
oder so in Washington.
Worauf das
gestrige
Verhalten
zurückzuführen
ist, weiß ich auch nicht. Ich werde
es also einfach dabei belassen.
Frage:
Zwei Fragen zur Verifizierung. Erstens, sind sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im
Hinblick auf den Zeitplan für den Abbau von Mittelstreckenraketen kürzerer und längerer Reichweite nähergekommen?
Und die zweite Frage ist,
haben Sie bei Ihrem heutigen Treffen
mit den NATO-Ministern mit den Ländern
gesprochen, die
amerikanische
INF-Streitkräfte aufnehmen, wie Sie
die Inspektionsrechte der Sowjets in
der Praxis handhaben werden, wenn und
falls ein Abkommen erzielt wird?
Antwort:
Zur ersten Frage lautet
die Antwort ja, wir haben uns auf das
sogenannte schrittweise Vorgehen ge-

einigt.
Das
ist
definitiv.
Zur
zweiten Frage möchte ich sagen, daß
wir uns durch das Inspektionsverfahren und die Vor-Ort-Inspektion bekanntgegebener und ehemals bekanntgegebener Einrichtungen hindurcharbeiten, die natürlich die Einrichtungen
der Stationierungsländer einschliessen. Das alles ist in der NATO ausgearbeitet worden und wir diskutieren
die Frage, wieviele Inspektionen jede
Seite forden kann.
Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, sie haben einen Vorschlag
entgegengehalten, und daran arbeiten
wir jetzt. Verhandlungen durchlaufen
solch einen Prozeß. Er wird auf eine
professionelle und gute Art und Weise
durchgeführt.
Wir befinden uns natürlich in engen Konsultationen mit
den Regierungen der Länder, in denen
Stützpunkte bestehen, und es werden
keine Schritte ohne deren Einwilligung unternommen.
Frage:
Zwei Fragen.
Erstens, wie
stehen die Aussichten für einen Gipfel zwischen Präsident Reagan und den
Verbündeten in Brüssel oder anderswo,
der von dem Gipfeltreffen mit Gorbatschow abhängt; und zweitens, glauben
Sie, Herr Gorbatschow ist sich der
Tatsache bewußt, daß im kommenden
Jahr in den Vereinigten Staaten Wahlen stattfinden?
Antwort:
Ich denke, er weiß, daß
diese stattfinden werden.
Trotzdem
deuten alle von mir wahrgenommenen
Anzeichen - und ich habe seine Erklärungen wohl richtig wiedergegeben darauf hin, daß wir beide auf den Abschluß eines INF-Abkommens drängen.
Ich für meinen Teil sehe Bestandteile
eines
Abkommens
über
strategische
Waffen sich abzeichnen, dem eine ungeheure Bedeutung zukäme.
Natürlich
muß ich sagen, daß die damit in Zusammenhang stehenden Probleme der Ve5 -

�rifizierung im Vergleich die B e g e bungen zur Verifizierung bei INF wie
ein Kinderspiel aussehen lassen. Das
wird sehr viel schwieriger werden,
aber die Bestandteile liegen vor uns,
und der Generalsekretär scheint bereit zu sein, daran zu arbeiten.
Frage:
Was INF betrifft, besteht
bereits Übereinstimmung mit der anderen Seite, wann die weitere Stationierung
zusätzlicher
NATO-Mittelstreckenwaf fen eingestellt wird, nach
der Unterzeichnung oder nach der Ratifizierung des INF-Vertrages?
Die
zweite Frage lautet: haben Sie in
Moskau auch Fortschritte zur Frage
weiterer Verhandlungen beider Seiten
über den Abbau konventioneller Waffen
in Europa erzielt?
Antwort:
Ich habe darauf bereits
im Hinblick auf den vom Generalsekretär am 1. November
unterbreiteten
Vorschlag geantwortet.
Es wäre sehr
unklug von uns - und ich bin sicher,
er versteht das - uns nach dem mutmaßlichen Vertrag zu richten, bevor
er auch nur unterzeichnet oder ratifiziert ist. So kann man nicht verhandeln. Und natürlich wird der Vertrag Bestimmungen enthalten, die sich
mit der Frage der stufenweisen Durchführung der Reduzierungen befassen.
Ob die Verbündeten nach der Unterzeichnung dazu eine bestimmte Position beziehen wollen, bleibt abzuwarten. Darüber wird zur Stunde diskutiert.
So stehen also die Dinge.
Wie lautete Ihre zweite Frage?
Frage:
Ob Sie in Moskau ebenfalls
Fortschritte bei den künftigen Verhandlungen beider Seiten über einen
Abbau der konventionellen Streitkräfte erzielt haben.
Antwort:
Dieses Thema wurde diskutiert. Die Sowjets wollen weiterhin
den Bereich der Nuklearwaffen in die-

se Gespräche einbeziehen, was die
Bündnispartner zurückgewiesen haben,
und wir lehnen dies ebenfalls ab.
Aber grundsätzlich handelt es sich
hier um eine Angelegenheit des Bündnisses, nicht um ein bilaterales Problem.
Wir
sind natürlich bereit,
diese Probleme zu besprechen, aber
darüber wird man in Wien diskutieren.
Unser
Botschafter
Ledogar
und die
Botschafter der anderen NATO-Staaten
und ihre Kollegen des Warschauer Paktes diskutieren darüber, und das ist
der Stand der Dinge.
Frage:
Wie
sehen
Ihre
nächsten
Schritte zu INF und Gipfel aus?
Antwort:
Die nächsten Schritte zu
INF werden in Genf unternommen werden.
Ich bin bereits heute morgen,
vor dieser Pressekonferenz, mit Botschafter
Glitman
zusammengetroffen,
und wir haben weitere Vorgehensweisen
besprochen; es gibt viele Impulse.
Wir werden diese Probleme bearbeiten,
und ich erwarte von ihm regelmäßig
neueste Berichte über den Verlauf der
Verhandlungen.
Herr
Schewardnadse
und ich sind gestern abend vor meiner
Abreise aus Moskau übereingekommen,
daß wir unsere beiden Chef-Unterhändler bitten werden, uns zum Ende dieser und dann wieder zum Ende der
nächsten Woche einen Bericht vorzulegen. Mit anderen Worten, wir drängen
auf ein Ende hin, wollen uns aber natürlich die Zeit nehmen, um sicherzustellen, daß die Dinge auf eine befriedigende
Art und Weise beendet
werden.
Soviel zum Stand der Dinge
bei INF.
Und wir werden weiterhin an Fortschritten im Bereich der strategischen Waffen arbeiten.
wir wollen
den Prozeß der Überprüfung des Themas
Verifizierung anheizen, so daß wir
später nicht das Gefühl haben müssen,
zwar ein Abkommen zu haben, aber den-

�noch Frustration über die Verifizierung aufkommt, weil wir uns nicht
früh genug damit beschäftigt haben.
Wir müssen das jetzt angehen.
Das
werden wir tun und auch an anderen
Bereichen arbeiten, die ich hier erwähnt habe.
Was die Frage des Gipfels betrifft, so stehen die Dinge so, daß
eine Übereinkunft zwischen den beiden
Staatsoberhäuptern
in Genf
erzielt
wurde, man wolle sich gegenseitig sozusagen zu Hause besuchen.
Es ist
eine Einladung an Herrn Gorbatschow
ergangen, und wenn er bereit ist, sie
anzunehmen, werden wir bereit sein,
ihn zu empfangen.
Frage:
Ich weiß, daß Ihre Besprechungen mit dem Präsidenten vertraulich sind, trotzdem verlautete gestern abend aus Washington, Sie und
Botschafter Nitze hätten den Präsidenten gedrängt, beim Problem SDI
flexibler zu sein...
Antwort:
Dieser
Bericht
entbehrt
jeder realistischen Grundlage.
Ich
habe während meines Aufenthalts in
Moskau zweimal mit dem Präsidenten
gesprochen, ihm Bericht erstattet und
mir seine Ansichten angehört. Darüber fanden jedoch keine Diskussionen
statt. Sowohl Botschafter Nitze - er
nickt mit dem Kopf, weil er meinen
Aufführungen zustimmt, und weil er
weiß, was ich sagen will - als auch
ich sind einhellige Verfechter der
Idee, daß es wichtig für die Vereinigten Staaten und für unsere Freunde
ist, zu lernen, wie wir uns gegen
ballistische
Raketen
verteidigen,
wenn wir das können.

ven Fragen, aber wenn sich die Möglichkeit
herausstellen
sollte, ein
INF-Abkommen
bei
einem
Gipfel
in
einem Drittland, an einem Ort wie
Genf etwa, zu unterzeichnen, wäre das
möglich?
Antwort:
Ich glaube, es ist vordringlich, das INF-Abkommen hervorzubringen.
Und wir müssen abwarten,
was sich im Hinblick auf ein Gipfeltreffen ergibt - ich habe die Situation so gut ich kann, beschrieben und angesichts dessen müssen wir sehen, was zusätzlich benötigt wird,
damit es von den beiden Staatsoberhäuptern oder anderen auf irgendeine
Weise unterzeichnet wird.
Auf jeden
Fall stellt sich diese Frage erst in
der Zukunft.
Die maßgebenden Dinge
des Augenblicks sind: erstens, etwas
zustande zu bringen, das unterzeichnet werden kann; zweitens, wir werden
sehen, wie sich die Geschichte im
Hinblick auf ein Gipfeltreffen entwickelt. Aber wir wollen es zu Ende
bringen, und das will auch die Sowjetunion allem Anschein nach, und ich
bin sicher, wir werden einen Weg finden, um das zu tun.

Frage::
Sie haben angedeutet, es
bestünde im Hinblick
auf künftige
Gipfeltreffen
ein
Abkommen,
sich
wechselseitig zu Hause zu besuchen.
Ich weiß, sie mögen keine spekulati- 7 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
I7

Hintergrundmaterial

et

28. Oktober 1987

38

HANDELSSANKTIONEN GEGEN IRAN

Eine Übersicht des Weißen Hauses (Die folgende Übersicht über die Handelssanktionen gegen Iran wurde am 26. Oktober 1987 vom Weißen Haus veröffentlicht.)

Neue Sanktionen
Als Reaktion auf die fortgesetzte
Unterstützung
terroristischer
Anschläge durch den Iran und dessen unprovozierte Angriffe auf amerikanische Streitkräfte und unter amerikanischer Flagge fahrende Schiffe sowie
die neutrale Schiffahrt im Golf allgemein benutzt der Präsident die ihm
durch Abschnitt 505 des Gesetzes über
internationale Sicherheit und Zusammenarbeit (international Security and
Cooperation Development Act) verliehenen Befugnisse zum Verbot jeglicher

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Importe aus dem Iran. Durchführungsbestimmungen zu diesem Beschluß werden
vom Finanzministerium
erlassen
werden.
Diese Maßnahmen werden
genden Gründen ergriffen:

aus

fol-

- Die Regierung des Iran hat die
Resolution
598 des
Sicherheitsrats
der Vereinten Nationen nicht befolgt
und hält weiterhin an der Führung des
Krieges gegen den Irak fest.
-

Der

Großteil

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

der

Exporterlöse

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�des Iran wird durch Rohöl erzielt,
während Kaviar, Pistazien und einige
Textilprodukte geringere Erträge erbringen.
- Die amerikanischen Importe aus
dem Iran erreichten im Jahr 1986 insgesamt einen Wert von 600 Millionen
Dollar, und zwar 500 Milionen Dollar
für öl und 100 Millionen Dollar für
andere Importe.
Der vom Iran im
Zeitraum von Januar bis Juli 1987
durch den Verkauf von öl an die Vereinigten Staaten erzielte Erlös wird
auf 1 Milliarde Dollar geschätzt.
- Die Importe iranischen Rohöls
in die Vereinigten Staaten und ihre
Territorien betrugen im Jahr 1986
durchschnittlich 90 000 Faß pro Tag
(bpd); in den ersten sieben Monaten
des Jahres 1987 schnellten sie auf
durchschnittlich
250 000 bpd empor
(allein im Juli 1987 620 000 bpd).
Für den August werden die Einfuhren
auf 4 68 000 bpd und für September auf
345 000 bpd geschätzt.
Dieser Anstieg laßt sich teilweise durch die
gestiegene iranische Produktion zur
Erzielung höherer Einnahmen für die
Kriegsanstrengungen erklären.
Der
Präsident
verkündet
heute
(26. Oktober 1987) seine Absicht, zusätzliche
Exportkontrollen
für
14
weitergefaßte Kategorien von militärisch nutzbaren Artikeln einzuführen.
Dadurch erhöht sich die Zahl derjenigen Artikel, deren Export in den Iran
schon heute laut Exportverwaltungsgesetz kontrolliert wird (siehe Liste
am Ende dieser Übersicht).
Am 23. Januar 1984 stufte der
amerikanische Außenminister den Iran
als einen Staat ein, der wiederholt
den internationalen Terrorismus unterstützt hat. Deshalb wurden gemäß
Abschnitt 6 des Exportverwaltungsgesetzes von 1979 (EAA) und seiner Zu- 2

satzartikel außenpolitisch begründete
Exportkontrollen gegen den Iran verhängt.
Diese erstreckten sich auf
Flugzeuge, Hubschrauber sowie dazugehörige Teile und Komponenten, Außenbordmotoren mit 45 oder mehr PS,
Grundstoffe für die Herstellung chemischer Waffen, Artikel zur Verbrechensbekämpfung sowie alle Güter und
technischen Daten, die der nationalen
Sicherheitskontrolle
unterliegen,
wenn sie für einen militärischen Endverbraucher
oder
zum militärischen
Endverbrauch bestimmt sind.
Zusätzlich wurden am 25. September 1987
Atemgeräte und dazugehörige Tauchausrüstungen
der Liste
kontrollierter
Exportartikel
hinzugefügt.
Vorschriften
verschiedener
Statuten
schließen jegliche nukleare Zusammenarbeit größeren ümfangs mit dem Iran
aus.
Diesen Kontrollen, wie auch den
heute neu verkündeten Kontrollen liegen Ereignisse
zugrunde, die sich
nach den Vereinbarungen von Algier
aus dem Jahr 1981 zugetragen haben.
Sie stehen nicht mit den Handelskontrollen und der Einfrierung iranischer Vermögenswerte
zusammen, die
während
des Geiseldramas
im Jahr
1979-1980 gegen den Iran verhängt
wurden.
Diese frühreren Exportkontrollen wurden im Anschluß an die
Übereinkunft von Algier im Jahr 1981
aufgehoben.
Aufgrund unserer Politik der Neutralität im Krieg zwischen Iran und
Irak besteht weiterhin ein Embargo
für militärische Güter.
Weiterhin unterliegen die folgenden Produktkategorien Exportkontrollen für den Iran:
Mobile Kommunikationsausrüstungen
Boote,

einschließlich

Schlauch-

�booten
Radgetriebene,
Zugmaschinen

geländegängige

Große Dieselmotoren
Nichtstrategische
und -komponenten

Flugzeugteile

Tragbare Elektrogeneratoren
Alle Bootsmotoren (Außen- und Innenbordmotoren jeglicher Leistung)
Andere
Bootsausrüstungen
(Oberflächen- und
Tragflügelboote
sowie
akustische ünterwasserdetektoren)
Ausrüstungen
tographie

zur

Unterwasserpho-

Tauchfähige Systeme
Atemgeräte
Druckkabine

für

Flugzeuge

mit

Sonarausrüstungen
Elektronische Testgeräte
Verschlüsselungsgeräte

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

28. Oktober 1987

38

RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN DER VEREINIGTEN STAATEN
- Eine Übersicht des US-Außenministeriums (Die folgende Übersicht über die Rüstungskontrollinitiativen der Vereinigten
Staaten wurde am 20. Oktober 1987 vom US-Außenministerium veröffentlicht.)
Verhandlungen
zur
Verringerung
der Rüstungen bilden einen Hauptbestandteil der Strategie dieser Administration, um einen sicheren Frieden
zu schaffen und die nationale Sicherheit zu gewährleisten. Mit Rüstungsreduzierungen streben wir danach, die
strategische Stabilität auf niedrigeren Niveaus der militärischen Streitkräfte zu verbessern und dadurch das
Konfliktrisiko zu senken. Die Vereinigten Staaten versuchen, solche Verringerungen
bei
den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (START,
INF sowie Verteidigung im Weltraum)
in Genf sowie in anderen Verhandlungsforen zu erreichen.
In diesen
Foren haben die Vereinigten Staaten
Initiativen unterbreitet, um die Welt
zu einem sichereren Ort zu machen.
Strategische
Offensivwaffen:
Die
Vereinigten Staaten messen ihren Bemühungen zur Erzielung eines gleichgewichtigen und wirksam verifizierba-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ren Abkommens mit der Sowjetunion
über
einschneidende
Reduzierungen
strategischer
Atomwaffen
höchste
Priorität bei. Als einen konkreten
Schritt zu diesem Ziel haben die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) in Genf am 8.
Mai 1987 einen Vertragsentwurf vorgelegt. Der amerikanische Vertragsentwurf spiegelt grundsätzlich die Bereiche
wider,
in denen
Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow
im vergangenen
Oktober
in
Reykjavik
Übereinstimmung
erzielt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hatten.
Er sieht den 50prozentigen
Abbau amerikanischer und sowjetischer
strategischer Atomwaffen bis auf eine
Höchstgrenze von 1 600 stationierten
Interkontinentalraketen und schweren
Bombern mit bis zu 6 000 auf beiden
Seiten Gefechtsköpfen vor, mit angemessenen Untergrenzen und in einem
Zeitraum von sieben Jahren nach Inkrafttreten des Vertrages.
Der amerikanische Vertragsentwurf
setzt zusätzlich zu den Obergrenzen
bestimmte Beschränkungen bei den destabilisierendsten und gefährlichsten
Nuklearsystemen fest - den schnell
fliegenden ballistischen Raketen, besonders den sowjetischen schweren Interkontinentalraketen (ICBMs).
Deshalb haben wir Grenzen und Untergrenzen für bestimmte Typen von Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und
eine Grenze für Wurfgewichte ballistischer Raketen vorgeschlagen.
Unser Vorschlag umfaßt außerdem detaillierte Bestimmungen, die darauf abzielen, jeden Zweifelsfall bei den
bereits vereinbarten Punkten auszuschalten sowie ausführliche Bestimmungen
zur
Verifizierung
einschließlich Inspektionen vor Ort -,
mit denen sichergestellt werden soll,
daß jede Seite auf die vollständige
Einhaltung des Abkommens durch den
Vertragspartner vertrauen kann.
Am 31. Juli haben die Sowjets
einen Vertragsentwurf vorgelegt, der
in seinem Aufbau dem amerikanischen
ähnlich ist und der einige gemeinsame
Sprachregelungen
enthält.
Dieser
sowjetische Entwurf hat jedoch bei
den wichtigsten, noch
ausstehenden
Problemen keinerlei Bewegung angeboten; dazu gehören auch die Untergrenzen für die gefährlichsten Raketensysteme.
Er machte weiterhin Verringerungen strategischer Offensivwaffen
von Beschränkungen für die strategische Verteidigung abhängig, die über
- 2

die im bereits bestehenden ABM-Vertrag vereinbarten hinausgehen.
Im
Rahmen
ihrer
Washingtoner
Treffen
im September
verständigten
sich die Außenminister
Shultz und
Schewardnadse darauf, die Bemühungen
bei den Genfer Verhandlungen zu intensivieren,
um
eine
Übereinkunft
über
die
50prozentige
Reduzierung
strategischer Offensivwaffen zu erlangen.
Die Minister kamen außerdem
überein, daß solche Reduzierungen ein
wichtiges Thema
ihrer Rüstungskontrollgespräche im Rahmen ihres im Oktober in Moskau stattfindenden Treffens bilden solle. Während des Ministertreffens - und seither bei den
Genfer Verhandlungen - wurden bei den
ausstehenden Problemen einige Fortschritte erzielt; beispielsweise haben die Sowjets nun eine Begrenzung
auf 1 540 Gefechtsköpfe auf schweren
ICBMs vorgeschlagen.
Trotzdem
bleiben
grundlegende
Probleme bestehen, darunter die von
den Vereinigten Staaten vorgeschlagene Untergrenze für die Gesamtzahl der
Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen, die vertraglich festgelegte Begrenzung der Wurfgewichte sowie das
Verbot mobiler ICBMs.
Ein weiteres
Problem ist das andauernde sowjetische Beharren auf einem Junktim zwischen
START-Verringerungen
und der
amerikanischen Zustimmung zu weiteren
Beschränkungen
für
Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen. In
diesem Bereich werden die Vereinigten
Staaten keinerlei Maßnahmen akzeptieren, mit denen die Strategische Verteidigungsinitiative
(SDI)
gelähmt
oder gänzlich beseitigt würde. Aufgrund der Aussichten, die sie als
sichereres
Mittel der
Abschreckung
bietet, ist SDI für die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten unverzichtbar.

�Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ihr Vertragsentwurf zu
START eine solide Grundlage für die
Schaffung eines faireren und dauerhaften Abkommens liefert, um zum ersten Mal in der Geschichte einschneidende Verringerungen
der strategischen
Atomarsenale der
Vereinigten
Staaten und der UdSSR zu erlangen.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß ein START-Vertrag kurzfristig verwirklicht werden könnte, wenn
die Sowjets bereit wären, sich diesem
Ziel ebenso ernsthaft zu widmen wie
die Vereinigten Staaten.
Mittelstreckenwaffen
(INF):
Während
der Septembertreffen
zwischen
den Außenministern Shultz und Schewardnadse in Washington haben sich
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion grundsätzlich auf den Abschluß
eines Vertrags verständigt,
der eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer INF (Reichweite: 500 - 5 500 Kilometer) beseitigen
würde.
Die Genfer Unterhändler beider Seiten wurden angewiesen, intensiv an der Lösung noch verbleibender
technischer Fragen zu arbeiten und
alsbald einen Vertragsentwurf zu erstellen. Die Minister werden sich am
22. und 23. Oktober in Moskau treffen, um die Fortschritte für ein INFAbkommen sowie andere Elemente der
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.
Ein INF-Abkommen könnte
diesen Herbst im Rahmen eines Gipfeltreffens
zwischen
Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow unterzeichnet werden.
Diese Fortschritte wurden durch
die westliche Entschlossenheit ermöglicht,
am
NATO-Doppelbeschluß
von
1979 festzuhalten, der eine Reaktion
auf die Stationierung von SS-20 Raketen durch die Sowjets darstellte.
Die Entschlossenheit der NATO zur Um-

kehrung des Ungleichgewichts im INFBereich durch die Stationierung amerikanischer
INF-Raketen
längerer
Reichweite bei gleichzeitiger Bereitschaft zu Verhandlungen mit den Sowjets, um ein Gleichgewicht bei INF
auf dem niedrigstmöglichen Niveau zu
erreichen, zahlt sich heute aus.
Das voraussichtliche INF-Abkommen
stimmt in den Hauptbereichen der Verhandlungen mit den seit langem von
den Vereinigten Staaten vertretenen
Positionen
überein.
Dieser
Erfolg
ist eine direkte Konsequenz des unerschütterlichen Einsatzes des Präsidenten für wahre Rüstungsreduzierungen und der Solidarität der Verbündeten bei der Unterstützung dieser Ziele:
Mittelstreckenraketen längerer
Reichweite (LRINF): Seit der Aufnahme formeller Gespräche mit der Sowjetunion im November 1981 haben die
Vereinigten Staaten die Abschaffung
aller amerikanischen und sowjetischen
LRINF-Systeme angestrebt.
Dies entsprach dem ursprünglichen Vorschlag
des Präsidenten einer "Null-Lösung",
der zuerst im Jahr 1981 erfolgte. Im
Juli
1987
stimmten
die
Sowjets
schließlich
der Beseitigung
dieser
Systeme zu.
Mittelstreckenraketen kürzerer
Reichweite
(SRINF):
Seit
Aufnahme
der Verhandlungen haben die Vereinigten Staaten darauf bestanden, daß ein
INF-Abkommen die SRINF begrenzen müsse, um die Umgehung einer Übereinkunft zu den LRINF durch eine sowjetische Aufrüstung mit Systemen kürzerer Reichweite zu verhindern.
Die
Vereinbarung
der Beseitigung
aller
amerikanischen und sowjetischen SRINF
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens erfüllt diese amerikanische
Forderung.

- 3 -

�Reduzierungen
weltweit:
Die
Vereinigten
Staaten
bestehen
seit
langem darauf, daß jegliche Begrenzung von INF-Systemen weltweit gelten
muß, um eine Verlagerung der Bedrohung von einer Region in eine andere
zu verhindern.
Die Sowjets haben
dies im Kontext der weltweiten Beseitigung beider Kategorien amerikanischer
und sowjetischer
INF akzeptiert, die unter dem Terminus "weltweite doppelte Null-Lösung" bekannt
ist.
Während diese und weitere Grundsatzvereinbarungen
mit den Sowjets
erreicht wurden, haben die Vereinigten Staaten jedoch klargestellt, daß
bilaterale Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR weder
die Streitkräfte von Drittstaaten begrenzen noch bestehende Kooperationsprogramme mit unseren Verbündeten beeinträchtigen können.
Obwohl
die Vereinigten
Staaten
und die Sowjetunion sich prinzipiell
auf den Abschluß eines INF-Abkommens
verständigt haben, bedürfen bedeutende Fragen weiterhin einer Lösung,
insbesondere die wichtigen Einzelheiten der Verifizierungsverfahren und
des Zeitplans für die Reduzierungen.
Die wirksame Verifizierung ist unentbehrlich, um sicherzustellen, daß ein
INF-Abkommen dauerhaft zu Frieden und
Stabilität beiträgt.
Demgemäß haben
wir die strengste Verifizierungsregelung vorgeschlagen, die jemals für
ein Rüstungskontrollabkommen angewendet wurde.
Die Genfer Delegationen
beider Seiten sind sehr darum bemüht,
verbleibende Probleme zu lösen.
Probleme der Verteidigung im Weltraum:
Während
ihrer
Washingtoner
Treffen im September haben die Außenminister Shultz und Schewardnadse sowie Experten beider Seiten ihre Positionen zu Fragen der Weltraumvertei-

digung entwickelt, wobei die Kluft
zwischen ihnen nicht verringert werden konnte. Sowohl bei den im April
1987 abgehaltenen Treffen von Außenminister Shultz in Moskau als auch im
Anschluß daran bei den Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen in Genf
legten die Vereinigten Staaten einen
neuen Vorschlag zu Problemen der Verteidigung im Weltraum vor.
Dieser
neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:
- die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion würden die Verpflichtung
eingehen, sich bis 1994 nicht vom
ABM-Vertrag zurückzuziehen.
- Während dieses Zeitraums würden
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion alle Vorschriften des ABMVertrags strikt einhalten und gleichzeitig die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie Tests weiterführen, die dem ABM-Vertrag zufolge erlaubt sind.
- Diese Verpflichtung wäre abhängig von der Anwendung 50prozentiger
Reduzierungen strategischer Offensivwaffen auf gleiche Niveaus innerhalb
von sieben Jahren nach Inkrafttreten
eines START-Abkommens.
- Jede Seite hat das Recht, sich
aus Gründen höchster Interessen oder
des materiellen Bruchs dieses, des
START- oder
des
ABM-Vertrags, den
vorgeschlagenen Vertrag zu kündigen.
- Nach 1994 hätte jede Seite das
Recht, moderne
Verteidigungssysteme
zu stationieren, sofern die Vertragsparteien keine anderweitige Regelung
beschließen.
Als Reaktion auf die vorgebrachten sowjetischen Anliegen haben die
Vereinigten
Staaten
außerdem
Vorschläge unterbreitet, um gegenseitig

- 4 -

�das Vertrauen und die Berechenbarkeit
der
Erforschung
moderner
strategischer
Verteidigungstechnologien
zu
stärken.
In dieser Hinsicht haben
die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß sie selbst und die Sowjetunion jährlich Daten über geplante
Aktivitäten im Bereich der strategischen Verteidigung austauschen sollten. Darüber hinaus bemühen wir uns
darum, daß die Vereinigten Staaten
und die UdSSR gegenseitige Informationsgespräche über ihre jeweiligen
Bemühungen bei der strategischen Verteidigung und Besichtigungen der damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen durchführen, wie wir dies
bereits mit unserer Initiative der
Offenen Labors vorgeschlagen haben.
Schließlich haben wir vorgeschlagen,
gemeinsam vereinbarte Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung
der Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung anzuwenden.
Atomtests:
Im Rahmen des Washingtoner Ministertreffens im September
1987
vereinbarten
die
Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion, am 1.
Dezember 1987 umfassende und stufenweise Verhandlungen
über Atomtests
aufzunehmen. Als ersten Schritt werden beide Seiten wirksame Verifizierungsmaßnahmen
vereinbaren, die es
ermöglichen sollen, den Schwellenvertrag sowie den Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken zu
ratifizieren.
Nach Erfüllung dieser
Verifizierungsanliegen und Ratifizierung der Verträge würden die Vereinigten Staaten und die UdSSR umgehend
in Verhandlungen über Möglichkeiten
zur schrittweisen Durchführung eines
Parallelprogramms - in Zusammenhang
mit einem Programm zur Reduzierung
und
letztlichen
Beseitigung
aller
Atomwaffen - eintreten, um Atomtests
zu begrenzen und schließlich ganz abzuschaffen.

Zentren zur Reduzierung des nuklearen Risikos:
Am 15. September 1987
unterzeichneten
die
Außenminister
Shultz und Schewardnadse ein Abkommen
zur Errichtung von Zentren zur Reduzierung des nuklearen Risikos in ihren jeweiligen Hauptstädten.
Dieses
Abkommen, das unmittelbar auf eine
amerikanische Initiative zurückgeht,
stellt eine praktische Maßnahme dar,
die
die
internationale
Sicherheit
durch die Verringerung des Konfliktrisikos
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion erhöhen
wird, das durch Zufälle, Fehlinterpretation oder falsche Berechnungen
entstehen könnte. Die Zentren werden
eine Rolle beim Austausch von Informationen und Ankündigungen spielen,
die gemäß den bestehenden und möglichen zukünftigen Rüstungskontrollabkommen und Vereinbarungen vertrauensbildender Maßnahmen erforderlich sind.
Nichtverbreitungsvertrag:
Vom
28.
- 30. Juli 1987 hielten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die
neunte Rund der andauernden Konsultationsserie zur Nichtverbreitung von
Atomwaffen ab, die im Dezember 1982
begonnen hatte. Diese Konsultationen
deckten ein breites Spektrum von Fragen ab, einschließlich der Aussichten
auf
Stärkung
der
internationalen
Nichtverbreitungsregelung, Unterstützung
des
Nichtverbreitungsvertrags
und des beiderseitigen Wunsches der
Vereinigten Staaten und der UdSSR zur
Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde.
Diese Konsultationen
sind keine Verhandlungen sondern eher
Gespräche
zur
Überprüfung
unterschiedlicher Themen gemeinsamen Interesses.
Die Vereinigten
Staaten
und die Sowjetunion sind beide außerordentlich
daran
interessiert, die
gefährliche Verbreitung von Atomwaffen zu verhindern und haben sich darauf geeinigt, diese Konsultationen
als Forum
für Gespräche und einen

- 5 -

�Meinungsaustausch zu benutzen.
Die
nächste Gesprächsrunde ist vorläufig
für Januar 1988 in Washington angesetzt.
Chemische
Waffen:
Im April
1984
haben die Vereinigten Staaten bei der
Genfer Abrüstungskonferenz, an der 40
Nationen teilnahmen, einen umfassenden Vertrag vorgelegt, der das Verbot
der Entwicklung, Herstellung, des Gebrauchs, Transfers und der Lagerung
chemischer Waffen mit verschiedenen
Mitteln zu verifizieren sucht und damit sofortige und obligatorische VorOrt-Inspektionen
in
Zweifelsfällen
verbindet. Beim Genfer Gipfeltreffen
vom November 1985 vereinbarten Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow die Intensivierung bilateraler Gespräche über alle Aspekte eines
umfassenden weltweiten Verbots chemischer Waffen und dessen Verifizierung. Seitdem haben wir sechs Runden
bilateraler Gespräche zu einem Vertrag über chemische Waffen abgehalten.
Eine siebte Runde ist für Dezember 1987 anberaumt.
Die bilateralen Vertragsgespräche
haben einige Meinungsverschiedenheiten abgebaut, und die Sowjets gaben
schließlich im März 1987 den Besitz
chemischer Waffen zu.
(Tatsächlich
besitzen die Sowjets das bei weitem
größte Arsenal an chemischen Wafen,
das sie zudem auch regelmäßig modernisiert haben.) Trotzdem bleiben bedeutende Meinungsverschiedenheiten in
wichtigen
Bereichen bestehen, einschließlich der Beseitigung von Produktionsstätten für chemische Waffen,
der Überwachung der chemischen Industrie zum Schutz vor Aktivitäten, die
einem solchen Vertrag zufolge verboten sind, der Verfahren für unangemeldete Inspektionen in Verdachtsfällen,
Durchführungsbestimmungen
zum
Vertrag, Kostenverteilung und technischer Unterstützung.

Zusätzlich zu den Vertragsgesprächen arbeiten wir mit Verbündeten und
anderen befreundeten Nationen sowie
mit den Sowjets zusammen, um die
Weiterverbreitung
chemischer
Waffen
zu verhindern.
Besonders als Reaktion auf die andauernde Verwendung
chemischer Waffen im Krieg zwischen
Iran und Irak haben die Vereinigten
Staaten und siebzehn andere westliche
Industrienationen seit 1985 Konsultationen abgehalten, um Exportkontrollen für mit chemischen waffen in Verbindung zu bringende Artikel abzustimmen und andere Mechanismen zu
entwickeln, die der illegalen Verwendung chemischer Waffen und deren gefährlicher Verbreitung in andere Länder
Einhalt
gebieten.
Wir
haben
ebenfalls in bilateralen Gesprächen
mit den Sowjets über die Weiterverbreitung chemischer Waffen Exportkontrollen und politische Schritte geprüft, um die Verbreitung chemischer
Waffen einzudämmen.
Konferenz
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE):
Nach fast
dreijährigen
Verhandlungen
hat die
Stockholmer
KVAE-Konferenz
mit
35
Teilnehmerstaaten im September 1986
eine Reihe konkreter Maßnahmen verabschiedet, die der Verbesserung von
Offenheit und Berechenbarkeit militärischer Aktivitäten in Europa dienen
sollten.
Diese auf Vorschläge der
NATO zurückgehenden Maßnahmen sehen
die vorherige Benachrichtigung über
alle militärischen Aktivitäten oberhalb einer Größenordnung von 13 000
Soldaten oder 300 Panzern vor, sowie
die Beobachtung militärischer Aktivitäten oberhalb einer Grenzevon 17 000
Soldaten und die jährliche Vorankündigung
bevorstehender
militärischer
Aktivitäten.
Das Abkommen
enthält
ebenfalls Bestimmungen für Vor-Ortinspektionen in der Luft und am Boden

�zwecks Verifizierung.
Trotz
ihres
bescheidenen
Umfangs
stimmten
die
Sowjets damit zum ersten Mal einer
Inspektion auf ihrem eigenen Staatsgebiet zur Verifizierung eines internationalen
Sicherheitsabkommens
zu.
Die Vereinigten Staaten sehen sich
durch die bis zu diesem Zeitpunkt demonstrierte Art der Durchführung ermutigt, in der sich insgesamt sowohl
Buchstaben als auch Geist des Stockholmer Dokuments widerspiegeln.
Am 30. August 1987 haben die Vereinigten Staaten - unter den Bestimmungen des Stockholmer Dokuments
erfolgreich die erste jemals durchgeführte Vor-Ort-lnspektion eines sowjetischen
Manövers
abgeschlossen.
Die Vereinigten
Staaten
betrachten
den erfolgreichen Abschluß dieser Inspektion als Schritt im Prozeß der
Verbesserung von Offenheit sowie bei
der Bildung von Vertrauen und Sicherheit in Europa.
Im September hat
Großbritannien ein Manöver in der DDR
inspiziert, an dem sowjetische und
DDR-Truppen teilnahmen; Anfang Oktober führte die Sowjetunion eine ähnliche Inspektion bei einem Manöver in
der Türkei durch, an dem US-Truppen
beteiligt waren.
Beiderseitige und Ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR):
Am 5. Dezember 1985 legte die NATO bei de t
MBFR-Verhandlungen eine wichtige neue
Initiative vor, die auf Anliegen des
Ostblocks
eingeht.
Der
Vorschlag
stellte den Wunsch des Westens nach
einer Datenübereinkunft über den augenblicklichen Stand der Streitkräfte
noch vor Unterzeichnung des Vertrages
zurück.
Die Sowjets hatten geltend gemacht, daß diese westliche Forderung
das Haupthemmnis
für ein Abkommen
sei.
Der Vorschlag forderte ferner
einen zeitlich begrenzten, in einer

ersten Phase durchgeführten Abzug von
5 000 amerikanischen und 11 500 sowjetischen Soldaten, dem eine dreijährige Verpflichtung aller dort Truppen
unterhaltenden Parteien folgen sollte, ihre Truppenstärke nicht zu erhöhen.
In diesem Zeitraum würden die
verbleibenden Streitkräfte durch nationale technische Maßnahmen verifiziert, sowie durch vereinbarte Einund Auslaßpunkte, den Austausch von
Daten und 30 jährliche Vor-Ort-Inspektionen. Bis jetzt haben die Sowjets nicht konstruktiv auf die Initiative des Westens reagiert.
NATO-Arbeitsgruppe auf höchster Ebene für konventionelle
Rüstungskontrolle:
Diese Arbeitsgruppe
legte
dem Nordatlantikrat am 11. Dezember
1986 ihren Bericht über Tendenzen der
konventionellen Rüstungskontrollpolitik der NATO vor. Bei dieser Sitzung
verabschiedeten die NATO-Minister die
"Erklärung von Brüssel", in der die
Bereitschaft der NATO zu neuen Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt
dargelegt wird, die darauf ausgerichtet sind, ein "verifizierbares, umfassendes und stabiles Gleichgewicht
konventio.oller Streitkräfte auf niedrigerer Ebene" in ganz Europa vom
Atlantik bis zum Ural herzustellen.
Im Februar 1987 nahm die NATO Gespräche mit dem Warschauer Pakt zur Erarbeitung eines Mandats für neue Verhandlungen auf.
Im Juli legten Vertreter der NATO den Entwurf eines
Mandats für Verhandlungen vor, das
die 23 Nationen von NATO und Warschauer Pakt direkt einschließen und
sich auf ihre konventionellen Streitkräfte zu Lande in ganz Europa vom
Atlantik bis zum Ural erstrecken würde.
Diese Verhandlungen würden im
Rahmen des KSZE-Prozesses stattfinden, aber in bezug auf Themen, Teilnahme und Verfahren eigenständig sein.

- 7 -

�Chronologie:

1. Januar 1986 bis 20. Oktober 1987

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN

Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
Runde
Runde
Runde
Runde

IV
V
VI
VII

Runde

VIII

16. Januar
- 4. März
1986
8. Mai
- 26. Juni
1986
18. September - 13. November
1986
15. Januar
- 6. März
1987
(INF dauerten bis 26. März)
Aufnahme am 23. April (INF) und 5. Mai 1987
(START und Gespräche über Verteidigung im Weltraum)

Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa (multilateral)
Runde
Runde
Runde
Runde

IX
X
XI
XII

- 15. März
1986
Januar
April
- 23. Mai
1986
Juni
- 18. Juli
1986
- 19. September 1986
August
Ein Abkommen wurde geschlossen

28.
15.
10.
19.

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Erste Runde der Nachfolgekonferenz:
4. November - 20. Dezember 1986
Zweite Runde der Nachfolgekonferenz:
27. Januar
- 11. April
1987
Dritte Runde der Nachfolgekonferenz:
4. Mai
- 31. Juli
1987
Vierte Runde der Nachfolgekonferenz:
22. September - 21. November 1987
(voraussichtlicher Abschlußtermin)

Abrüstungskonferenz (multilateral)
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen:
13. Januar
- 31. Januar
1986
Früh Jahrssitzung:
4. Februar
- 25. April
1986
Sommersitzung:
10. Juni
- 29. August
1986
Konsultationen der Vorsitzenden des Auschusses für chemische Waffen:
24. November
- 17. Dezember 1986
RumpfSitzung des Ausschusses für chemische Waffen:
6. Januar
- 30. Januar
1987
Früh Jahrssitzung:
2. Februar
- 30. April
1987
Sommersitzung:
8. Juni
- 26. August
1987
- 8

�Beiderseitige und Ausgewogene Truppenreduzierungen
Runde
Runde
Runde
Runde
Runde
Runde

38
39
40
41
42
43

(multilateral)

- 20. März
1986
30. Januar
1986
15. Mai
3 Juli
25. September - 4 Dezember 1986
1987
- 19. März
29. Januar
- 2. Juli
1987
14. Mai
24. September - 3 Dezember 1987
(voraussichtlicher AbSchlußtermin)

Zentren zur nuklearen Risikoverringerung
Runde I:
Runde II:

13. Januar
1987
3. - 4. Mai 1987
(ein Abkommen wurde ad referendum geschlossen)
Das Abkommen wurde am 15. September 1987 in Washington unterzeichnet

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RÜSTUNGSKONTROLLSITZUNGEN AUF EXPERTENEBENE

Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen
11. - 12. August
1986 in Moskau
5. - 6. September 1986 in Washington
2. - 5. Dezember 1986 in Genf auf Unterhändlerebene
Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen
6. 11. -

7. August
1986 in Moskau
12. September 1986 in Washington

Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa
14. - 15. August

1986 in Stockholm

Gespräche über den Vertrag über chemische Waffen
28.
15.
1.
28.
16.
20.

Januar
April
Juli
Oktober
Februar
Juli

- 3. Februar
- 25. April
- 18. Juli
- 18. November
- 5. März
- 7. August

1986
1986
1986
1986
1987
1987

in
in
in
in
in
in

Gen
Genf
Genf
New York
Genf
Genf

Konvention über biologische und toxische Waffen
Expertensitzung :

31. März - 15. April 1987 in Genf

- 9 -

�Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen
5. 4. 7. -

6. März
1986 in Bern
5. September 1986 in Bern
8. Oktober
1987 in Bern

Atomtests
Erste Sitzung
Zweite Sitzung
Dritte Sitzung
Vierte Sitzung

Fünfte Sitzung :
Sechste Sitzung:

25. Juli
- 1. August
1986 in Genf
4. September
- 18. September 1986 in Genf
13. November
- 25. November 1986 in Genf
22. Januar 1987, am 9. Februar unterbrochen,
am 16. März wiederaufgenommen, am 20. März in
Genf beendet
18. Mai
- 29. Mai
1987 in Genf
13. Juli
- 20. Juli
1987 in Genf

Zentren zur nuklearen Risikoverringerung
5. - 6. Mai 1986 in Genf
25. August 1986 in Genf
Gespräche über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen
15. - 18. Dezember 1986 in Washington
28. - 30. Juli
1987 in Moskau

- 10 -

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