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                  <text>AMERIKA DIENST

•
2 1 . O k t o b e r 1987

37

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan lobt amerikanische Bundesbank und internationale Kooperation
- Erklärung des Präsidenten zu den Finanzmärkten Reagan: Operation der Vereinigten Staaten "überlegte und gemäßigte
Antwort* an den Iran
- Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vergeltungsschlag
im Golf Shultz: Friedenspläne müssen in Nicaragua verwirklicht werden
- Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses Rowny: SDI "kein Verhandlungsgegenstand"
- Rede vor Ehemaligen des National War College -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle wichtigstes Thema bei Shultz-Besuch in Moskau
- Informationsgespräch mit Botschafter Nitze Begrenzungen von Atomwaffentests
- Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung -

* * * * * *

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Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
r/

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•""-

Dokumentation

Ä&lt;

21. Oktober 1987

37

REAGAN LOBT AMERIKANISCHE BUNDESBANK UND INTERNATIONALE KOOPERATION
- Erklärung des Präsidenten zu den Finanzmärkten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan sprach sowohl der amerikanischen
Zentralbank als auch hochrangigen bundesdeutschen und japanischen Regierungsvertretern am 20. Oktober sein Lob aus für ihre feste Zusage, sich auf den Finanz- und Devisenmärkten für Stabilität einzusetzen.
Er befürwortete ferner Diskussionen mit den Führern beider
Kongreß über eine Paketlösung zum Abbau des Haushaltsdefizits.

Parteien

im

Nachfolgend veröffentlichen wir diese Erklärung im Wortlaut:

Ich möchte Ihnen meine Stellungnahme verlesen.
ich denke, Sie alle
wissen, daß die Börse mit einem Zuwachs von 102,27 Punkten schloß und
604 Millionen Aktien gehandelt wurden.
Ich komme gerade von einem
Treffen
mit meinen Finanzberatern,
und wir haben die Entwicklungen der
letzten Tage auf den Finanzmärkten
sowie die bisher von uns unternommenen Aktionen und Optionen für zusätzliche Maßnahmen eingehend geprüft.
Wir standen in ständigem Kontakt
mit den Wirtschaftspolitikern beider

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Embassy of the United States of America

Länder, den Börsen der Welt und ihren
Teilnehmern.
Trotz anhaltender Besorgnis freue ich mich, daß die von
der Bundesbank unternommenen Maßnahmen einen heilsamen Effekt auf die
Börsen hatten.
Die Zinssätze sind
allgemein gefallen.
Ich freue mich
ebenfalls über die heute von zwei
Banken
unternommenen
wichtigen
Schritte zur Senkung ihrer PrimaRaten.
Ich bin der Ansicht, daß auf den
Märkten noch Spielraum für einen weiteren Rückgang der Zinssätze besteht

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�und ich bin besonders erfreut darüber, daß der Rentenmarkt fest und
die Devisenkurse stabil sind.
Gestern
haben
Finanzminister
Baker und sein bundesdeutscher Kollege Stoltenberg erneut unsere Übereinkunft mit der Bundesrepublik bestätigt, zur Schaffung nicht-inflationären Wachstums und stabiler Wechselkurse die Wirtschaftspolitik zu koordinieren.
Finanzminister
Miyazawa
gab eine Erklärung in gleichem Sinne
ab, in der er die Absicht Japans bekräftigte, mit anderen Industrieländern wirtschaftlich zusammenzuarbeiten und eine Wirtschaftspolitik zu
verfolgen, die ein anhaltendes Wachstum der japanischen Wirtschaft hervorbringen wird.
In einem Telefongespräch mit dem
designierten japanischen Ministerpräsidenten Takeshita hat dieser heute
morgen erklärt, seine höchste Priorität sei die Erhaltung stabiler Wirtschaftsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten
verpflichten sich weiterhin auf das
Louvre-Abkommen, und heute habe ich
die erste Sequestrationsverfügung unter dem Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
unterzeichnet.
Trotzdem glaube ich, daß es vorzuziehen ist, wenn sich nach Möglichkeit die Exekutive und die Legislative über eine Paketlösung zum Abbau
des Haushaltsdefizits einigen.
Demgemäß verfüge ich, daß zu diesem
Zweck Gespräche mit den Führern beider Parteien im Kongreß unternommen
werden.
Die wirtschaftliche
Basis
dieses Landes bleibt solide, und unsere Bürger sollten nicht in Panik
verfallen. Ich habe großes Vertrauen
in die Zukunft.
* * * * *

�AMERIKA DIENST
-4-

^

Ä«

Dokumentation
21. Oktober 1987

37
REAGAN: OPERATION DER VEREINIGTEN STAATEN
"ÜBERLEGTE UND GEMÄSSIGTE ANTWORT" AN DEN IRAN

- Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vergeltungsschlag im Golf WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge sind die am 19. Oktober 1987
gegen eine zu militärischen Zwecken genutzte iranische Bohrinsel im Persischen
Golf gerichteten Operationen der Vereingten Staaten "eine überlegte und zugleich gemäßigte Antwort" auf die "rechtswidrige Anwendung von Gewalt gegen
die Vereinigten Staaten und auf zahlreiche Verletzungen der Rechte anderer
friedlicher Nationen" durch den Iran.
In einer vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung verwies der Präsident
darauf, daß die unverfrorenen Attacken des Iran... auf unter amerikanischer
Flagge fahrende Schiffe "trotz zahlreicher Botschaften seitens der Regierung
der Vereinigten Staaten an die Regierung Irans, in denen vor den Konsequenzen
gewarnt wurde", erfolgte.
Nachfolgend bringen wir die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut.
Kraft meines Amtes als Oberbefehlshaber
der
Streitkräfte
haben
amerikanische Kriegsschiffe um 7.00
Uhr Washingtoner Ortszeit einen Angriff auf eine zu militärischen Zwekken genutzte iranische Bohrinsel
in
internationalen
Gewässern
im Persischen Golf ausgeführt. Diese Bohrinsel ist zu mehreren iranischen Angriffen gegen die nicht am Krieg beteiligte Schiffahrt genutzt worden.
Die durch keinerlei Provokation ausgelösten Anschläge auf amerikanische
und andere Schiffe friedlicher Nationen und insbesondere das vorsätzliche

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Embassy of the United States of America

Legen von Minen und Abfeuern von Seidenraupen-Raketen, die unter amerikanischer
Flagge
fahrende
Schiffe
trafen, erfolgten trotz zahlreicher
Botschaften seitens der Regierung der
Vereinigten Staaten an die Regierung
Irans, in denen vor den Konsequenzen
gewarnt wurde.
Die Operation gegen die zu militärischen Zwecken genutzte iranische
Bohrinsel erfolgte im Anschluß an Beratungen mit führenden Kongreßabgeordneten und befreundeten Regierungen. Sie ist eine überlegte und an-

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�gemessene Antwort auf die rechtswidrige Anwendung von Gewalt gegen die
Vereinigten Staaten und auf zahlreiche Verletzungen der Rechte anderer
friedlicher Nationen. Sie ist die im
Einklang mit dem Gesetz stehende Ausübung des Rechts auf Selbstverteidigung, das in Artikel 51 der Charta
der Vereinten Nationen verbrieft ist
und in diesem Sinne haben wir den
Präsidenten des Weltsicherheitsrates
informiert.
Die Vereinigten Staaten wünschen
keine militärische Konfrontation mit
dem Iran, die Regierung Irans sollte
sich jedoch keinen Illusionen bezüglich unserer Entschlossenheit und Fähigkeit, unsere Schiffe und Interessen gegen nicht provozierte Angriffe
zu schützen, hingeben. Wir haben die
Regierung Irans von unserem Wunsch
nach einer unverzüglichen Beendigung
der Spannungen in der Region und der
Beendigung des Krieges zwischen Iran
und Irak durch die unverzügliche Anwendung von Resolution 598 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen
informiert.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

21. Oktober 1987

37

SHULTZ:

FRIEDENSPLXNE MÜSSEN IN NICARAGUA VERWIRKLICHT WERDEN

- Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Shultz zufolge müssen die Vereinigten
Staaten "sicherstellen, daß der Wright-Reagan-Friedensplan und die Vereinbarung von Guatemala" in Nicaragua verwirklicht werden. Dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses gegenüber erklärte Shultz am 13. Oktober 1987
ferner, es dürfe "keine sowjetische oder kubanische Militärpräsenz in Nicaragua geben" und das Land solle "keine militärische oder subversive Bedrohung
für seine Nachbarn oder die Region darstellen.
Nachfolgend geben wir den Wortlaut der Rede wieder.

Ich bin froh über diese Gelegenheit zu einer gemeinsamen kritischen
Würdigung der Entwicklungen in Mittelamerika.
Bevor ich mich jedoch
den Einzelheiten widme, möchte ich
unsere Botschaft klar zum Ausdruck
bringen. Es ist eine eindeutige und
einfache Botschaft:
- Die Vereinigten Staaten befürworten Frieden
und Demokratie in
Mittelamerika.
Präsident Reagan
hat sich dort entschlossen und
sehr geschickt für Frieden und
Demokratie eingesetzt.
Und als

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Embassy of the United States of America

Ergebnis haben wir einige bemerkenswerte
Fortschritte
festgestellt.
Im August wurde in Guatemala von
den fünf Präsidenten Mittelamerikas eine Vereinbarung getroffen.
Diese Vereinbarung eröffnet eine
Chance für weitere Fortschritte.
Es besteht immer noch eine Bedrohung für die Demokratie, und unsere nationalen Sicherheitsinteressen sind weiterhin sehr groß.
Deshalb ist es umso wichtiger,
daß wir zur Durchführung dieser

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�Vereinbarung einen
trag leisten.

soliden

Bei-

- Die bis heute erzielten Fortschritte wurden erreicht, weil
die Diplomatie auf stärke beruhte.
Heute steht sie an vorderster Front. Wenn wir jedoch weiterhin Fortschritte machen wollen, dann ist es wichtig, den
Druck und die Anreize, die uns
überhaupt erst so weit gebracht
haben, aufrecht zu erhalten.

Fortschritte in Mittelamerika
Manchmal frage ich mich, wieviele
Menschen sich noch daran erinnern,
daß in den Jahren 1980/81 die meisten
Experten der Meinung waren, es sei zu
spät, um die Gewalt in El Salvador
und den Aufruhr in Nicaragua zu beenden. Die Sowjetunion und Kuba zogen
direkten Nutzen aus diesen, unseren
Gestaden so nahen Konflikten.
Meinungen wurden laut, die Vereinigten
Staaten
könnten
letztlich vor die
Wahl gestellt werden, entweder Truppen einzusetzen, um den Kommunismus
in Mittelamerika zu stoppen - oder
die Sowjetunion nach und nach zur beherrschenden
Macht zwischen Panama
und Mexiko werden zu lassen.
Diese Geschichte
und Gegenbehauptungen
hörungen vor diesem
send dokumentiert.
damals gedacht wurde
stehen.

von Behauptungen
ist mit den AnAusschuß umfasSie zeigt, wie
und wo wir heute

Der Präsident verstand, der Kommunismus könne Mittelamerika genauso
wenig Freiheit oder Wohlstand bringen, wie er dies in Kuba vermochte.
Deshalb beschloß er, die Mittelamerikaner zu unterstützen, die willens
waren, für Demokratie und Menschenwürde zu arbeiten und, falls nötig,
- 2

zu kämpfen.
Durch unsere Unterstützung der Bemühungen
Mittelamerikas
zur Erlangung von Freiheit und Wohlstand würden wir auch unsere eigene
Sicherheit schützen.
Diese Entscheidung war der erste
Schritt, um das Steuer in Mittelamerika herumzuwerfen.
Ein Land nach
dem anderen erlebte zu Beginn dieses
Jahrzehnts eine bemerkenswerte Erholung aus fast katastrophalen Verhältnissen.
Heute bieten
demokratisch
gewählte Regierungen in El Salvador,
Honduras und unlängst in Guatemala
ihren Bürgern die Aussicht auf eine
bessere Zukunft. Costa Rica genießt
weiterhin Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, wie dies schon seit Jahrzehnten der Fall ist.
Wir können auf die Rolle unseres
Landes bei diesen Fortschritten stolz
sein. Und ich meine genau dies: Die
Amerikaner insgesamt, Demokraten und
Republikaner, können stolz auf die
Beiträge unseres Landes sein. Unsere
Strategie bestand darin, Reformen und
Freiheit zu unterstützen, sie genoß
bedeutende überparteiliche Unterstützung, und sie hat funktioniert.
Denken Sie an das, was in El Salvador
geschehen
ist:
Konfrontiert
mit der Guerrilla-Offensive des Jahres 1981 hat diese Administration die
amerikanische Militärhilfe erhöht
aber wir haben ebenso die amerikanische Unterstützung für die Initiativen der Carter-Administration zur
Förderung der Landreform und der Menschenrechte fortgeführt.
Wir haben
Entwicklung,
Demokratie,
Diplomatie
und Verteidigung als Teile eines zusammenhängenden
Ganzen
unterstützt.
Viele Probleme bleiben bestehen, aber
heute wissen die salvadoranischen Demokraten, daß sie auf die politische
und materielle Unterstützung der Vereinigten Staaten zählen können.

�Die
Nationale
Überparteiliche
Kommission hat dieses umfassende Konzept für ganz Mittelamerika weiterentwickelt.
In den letzten Jahren
haben überparteiliche Mehrheiten im
Kongreß konsequent die erhöhten Mittel bewilligt, die für das Funktionieren dieser demokratischen Entwicklung unabdingbar waren.

Hinter den Friedensmaßnahmen
Vor
diesem allgemeinen Hintergrund haben drei Entwicklungen eine
bedeutende Chance für den Frieden
hervorgebracht.

Während die Vereinigten Staaten
und ihre Nachbarn ihre Zusammenarbeit
für die Demokratie aufnahmen, wurde
es zunehmend augenfällig, daß Nicaragua an einer Zusammenarbeit nicht interessiert war. Der Grund war damals
derselbe wie heute:
Die kommunistischen Sandinisten bilden bei diesem
demokratischen Trend eine eklatante
Ausnahme.
Als Somoza im Jahr 1979 floh,
wurde in intensiven Verhandlungen unter Mitwirkung der OAS eine Koalitionsregierung gebildet, die der Demokratie verpflichtet war. Aber die
Demokraten Nicaraguas sahen sich bald
einer neuen Diktatur ausgesetzt, die
dieses Mal von einer bewaffneten kommunistischen
Minderheit
gesteuert
wurde. Heute ist die Hilfe des Ostblocks an die nicaraguanischen Kommunisten höher als die gesamte amerikanische Hilfe an ganz Mittelamerika
und zehn mal so hoch, wie die amerikanische
Hilfe an
den
nicaraguanischen Widerstand.
Die Geschichte verzeichnet also
Fortschritte wie auch anhaltende Gefahr. Die mittelamerikanischen Demokratien haben an Zusammenhalt und
Entschlossenheit
zugenommen.
Aber
Nicaragua bleibt ein Hindernis für
die Einheit Mittelamerikas, ein Hemmschuh für die regionale Entwicklung
und ein Mittel, um die Rivalität zwischen Ost und West auf das amerikanische Festland zu tragen.
- 3 -

- Die erste besteht im Erfolg der
demokratischen Kräfte des nicaraguanischen
Widerstandes.
Seit
Januar sind sie durch ihre verbesserte militärische Leistungsfähigkeit zu einer ernsten Herausforderung für die Kommunisten
geworden. Im Mai wurde durch ihre erweiterte politische Führung
bestätigt, daß sie eine Kraft für
wahre
Demokratie
in
Nicaragua
sind.
- Die zweite ist der Wright-ReaganFriedensplan.
Am
5.
August
stellten Präsident Reagan und der
Sprecher des Repräsentantenhauses
Wright
klar, die
grundlegenden
amerikanischen
Sicherheitsziele
in Mittelamerika seien keine Angelegenheit parteilicher Auseinandersetzungen.
Sie
stimmten
überein, daß die amerikanischen
Interessen ein demokratisches Nicaragua erfordern, das keine militärische Bedrohung seiner Nachbarn oder eine Basis für sowjetische und kubanische Aktivitäten
darstellt, die der Sicherheit unseres Landes abträglich sind.
- Die dritte ist die Vereinbarung
von Guatemala. Am 7. August trafen sich die Präsidenten Arias
von Costa Rica, Azcona von Honduras, Cerezo von Guatemala und
Duarte von El Salvador mit Nicaraguas Präsident Ortega in Guatemala,
um
über
ein
regionales
Friedensabkommen
zu
sprechen.
Gedrängt durch den Konsens unter
seinen Nachbarn und die Realitäten der
sich
verschlechternden

�inneren Lage Nicaraguas unterzeichnete Ortega zusammen mit den
demokratischen Präsidenten.

Die Vereinbarung von Guatemala
Die Vereinbarung
von Guatemala
verleiht einer auf Freiheit gegründeten Vision regionalen Friedens Ausdruck. Diese Vision hängt entscheidend von der gleichzeitigen Durchführung einer Reihe gegenseitiger Verpflichtungen ab.
Wie Präsident Reagan am 7. Oktober vor der OAS sagte, ist "Demokratie die Grundlinie" dieser Verpflichtungen.
Die Vereinbarung von Guatemala verpflichtet
die fünf Unterzeichnerstaaten Mittelamerikas, einschließlich Nicaraguas, innerhalb von
90 Tagen nach der Unterzeichnung, also bis zum 7. November, zur Demokratisierung.
Ihr zufolge muß Demokratisierung
vollständige
Pressefreiheit, vollständigen politischen Pluralismus und die Aufhebung jedweder
Ausnahmezustände enthalten.
Jede Regierung muß gleichermaßen
alle notwendigen Schritte zur Erlangung
eines
wirksam
ausgehandelten
Waffenstillstands und des Prozesses
der nationalen Aussöhnung unternehmen.
Jede Regierung muß ein Amnestiegesetz erlassen, das sich auf bewaffnete und unbewaffnete politische
Oppositionsgruppen erstreckt.
Die
Unterzeichner
verpflichten
sich, die Nutzung ihres nationalen
Territoriums zur militärischen Versorgung von Streitkräften zu verweigern, die andere Regierungen zu destabilisieren trachten.
Die Unterstützung irregulärer Truppen ist zu
beenden, mit Ausnahme der für die Umsiedlung der Kombattanten und die
freiwillige Rückführung von Flüchlin-

gen erforderlichen Hilfsleistungen.
Die Einhaltung der Vereinbarung
ist von einer internationalen Kommission zu überprüfen (die aus den Generalsekretären der Organisation Amerikanischer Staaten und der Vereinten
Nationen sowie den Außenministern der
fünf
Mittelamerikanischen
Nationen
und den acht Nationen der CONTADORAund der Unterstützungsgruppe zusammengesetzt ist). Die endgültige Entscheidung bleibt jedoch Mittelamerika
selbst vorbehalten.
Die im Friedensplan festgelegten
Schlüsseldaten sind der 7. November
1987, an dem der Demokratisierungsprozeß und die Feuereinstellung vollständig in Kraft treten sollen und
der 7. Januar 1988, an dem deren Ergebnisse ausgewertet werden sollen.
Die Vereinbarung
von Guatemala
besteht nicht aus einer Reihe isolierter unilateraler Verpflichtungen,
sondern ist vielmehr ein Regionalplan
mit überlappenden und sich gegenseitig verstärkenden bindenden Zusagen.
Um zu gewährleisten, daß deren Anwendung sich nicht einseitig vollzieht,
sind diese Verpflichtungen von allen
Vertragsparteien gleichzeitig durchzuführen.
Wenn ein Teil scheitert,
bricht die gesamte Struktur zusammen.
Wenn kein Waffenstillstand ausgehandelt und keine umfassende Amnestie
erlassen wird, bleiben alle anderen
Maßnahmen in der Schwebe. Wenn der
Plan erfolgreich verwirklicht werden
soll müssen wir sicher sein, daß für
die komplexen Prozesse der Demokratisierung und der nationalen Aussöhnung
feste aber durchführbare
Kriterien
bestehen, die Fortschrittsbestrebungen zeitlich ernsthaft begrenzt werden und das Bewußtsein für die Kosten
eines Scheiterns der Vereinbarung geschärft wird.

�Mit anderen Worten, die Vereinbarung von Guatemala ist ein sehr ehrgeiziges Dokument.
Ihr Erfolg ist
nicht
von
vorneherein
garantiert.
Aber sie ist ein kühner Schritt in
die richtige Richtung.

Diplomatische Bemühungen der Vereinigten Staaten
Können
die Vereinigten
Staaten
zur Verwirklichung der Vereinbarung
von Guatemala beitragen? Die Antwort
darauf ist, daß es zweifelsohne in
unserem
Interesse
liegt, zumindest
den Versuch zu unternehmen. Wir werden und müssen diese Vereinbarung in
vollem Umfang und mit aller Kraft unterstützen.
Als Demokratien haben wir und die
freien
Nationen
Mittelamerikas
gleichgerichtete
SicherheitSinteressen. Gemeinsam sehen wir uns der Bedrohung des Kommunismus auf dem Kontinent ausgesetzt.
Die Vereinbarung
von Guatemala behandelt diese strategischen Sicherheitsbelange nicht ausdrücklich.
Aber wir dürfen nicht
vergessen, daß das
nicaraguanische
Regime von der Sowjetunion bewaffnet
wird, daß seine Sicherheit im Inland
von
Tausenden militärischer, nachrichtendienstlicher und polizeilicher
Berater aus Kuba und den Ostblockstaaten abhängt und Nicaragua nur 900
Meilen von unserer südlichen Grenze
und 300 Meilen vom Panamakanal entfernt liegt.
Die sowjetischen und
kubanischen
militärischen
Verflechtungen mit Nicaragua - militärische
Einrichtungen, Berater, Hilfsleistungen, Entwicklungsstand der Waffen sind Themen von vordringlichem und
direktem Interesse für uns, und sie
müssen bewältigt werden.
Politische Demokratie in Nicarague würde unsere Besorgnis fast gänz-

lich ausräumen, da keine wirklich demokratische Regierung ihre Nachbarn
angreifen oder die militärische Nutzung ihres Territoriums durch die Sowjetunion gestatten würde. Wir können jedoch unsere strategischen Interessen nicht in der bloßen Hoffnung
aufs Spiel setzen, daß sich in Nicaragua ein positiver innenpolitischer
Wandel vollziehen wird.
Es liegt in
unserer Verantwortung, sicherzustellen, daß der Wright-Reagan-Friedensplan und die Vereinbarung von Guatemala verwirklicht werden, daß die sowjetische oder kubanische Militärpräsenz in Nicaragua abgebaut wird und
Nicaragua
keine
militärische
oder
subversive Bedrohung für seine Nachbarn oder die Region darstellt.
Zur Unterstützung der Vereinbarung von Guatemala und des WrightReagan-Plans haben wir unsere diplomatischen Konsultationen in Mittelamerika intensiviert.
Der Präsident
hat Botschafter Morris Busby, einen
herausragendeden
Karierrediplomaten
im Auswärtigen Dienst zum Sondergesandten für die Region ernannt.
In
Zusammenarbeit mit dem Staatssekretär
für Inneramerikanische Angelegenheiten, Elliot Abrams, steht er in ständigem Kontakt mit den Hauptbeteiligten dieser Verhandlungen.
Zur Gewährleistung
der
in der
Vereinbarung
geforderten
demokratischen Reformen haben wir ferner eine Reihe diplomatischer Verbindungen
in Lateinamerika und Europa geknüpft.
Ich bin bei der Vollversammlung der
Vereinten Nationen mit meinen Kollegen aus Lateinamerika zusammengekommen.
In den kommenden Wochen sind
mehrere hochrangige bilaterale Besuche vorgesehen.
Die Generalversammlung der Organisation Amerikanischer
Staaten wird im nächsten Monat tagen.
Und wenn die Zeit gekommen ist, werden sie auch mich in Mittelamerika

- 5 -

�und als er sich weigerte, zu gehen, wurde er inhaftiert.

sehen.

Überwachung des Demokratisierungsprozesses

- Vor zwei Sonntagen, am 27. September 1987, wurden 18 meist jugendliche Mitglieder der Christlich-Sozialen Partei von der regimetreuen Polizei auf dem Weg zu
einer Feier anläßlich des Jahrestages der Parteigründung verhaftet.
Die Polizei erklärte, sie
seien wegen "Umgehung des Militärdienstes"
in
Haft
genommen
worden, aber der ehemalige Präsident von Venezuela, Luis Herrera,
bezeichnete es als einen "offenkundigen Akt politischer Verfolgung".

Die Sandinisten tragen die Verantwortung für die rapide Ausbreitung
des bewaffneten Widerstands, da sie
dem nicaraguanischen Volk nicht gestatteten, in Frieden zu leben. Dies
ist das Kernstück der Realität, die
es zu verändern gilt. Wenn es Frieden und Demokratie in Nicaragua und
regionale Stabilität und Ruhe in Mittelamerika geben soll, müssen alle
Nicaraguaner
in politischer, wirtschaftlicher und religiöser Freiheit
leben können.
Daß eine Umkehrung dieser Größenordnung ohne Kampf stattfindet, ist
unwahrscheinlich.
Das Regime in Nicaragua hat keinerlei Verständnis dafür gezeigt, daß Proteste und aktive
politische Organisierung und Mitgliederwerbung normale Bestandteile dessen sind, was eine Demokratie ausmacht.
Diejenigen, die sich in Nicaragua für die Demokratie einsetzen,
gehen damit ein persönliches Risiko
ein, wie der nachfolgenden Chronologie von Ereignissen entnommen werden
kann.
- Am 15. August 1987, nur acht Tage
nach der Unterzeichnung der Vereinbarung
von Guatemala, löste
die Polizei des Ortega Regimes
einen friedlichen Marsch in Managua auf.
Dr. Alberto Saborio,
Präsident
der
nicaraguanischen
Anwaltskammer wurde verhaftet und
mißhandelt, weil er gegen den
Einsatz von Polizeihunden gegen
die Marschierer protestiert hatte. Dr. Lino Hernandez, dem Leiter
der unabhängigen Menschenrechtskommission wurde ein Viehtreiberstock in den Magen gerammt

- Und dann dürfen wir das Erbe der
Vergangenheit
nicht
vergessen.
Im Juni 1985 wurde der Generalsekretär der Sozialdemokratischen
Jugendorganisation eines absurden
Vergehens bezichtigt:
Er allein
habe gleichzeitig 16 Männer der
Polizei
Ortegas
angegriffen.
Nach
seiner Verurteilung
durch
ein politisches Gericht befindet
er sich zur Verbüßung einer dreijährigen Haftstrafe immer noch im
Gefängnis.
Das Risiko der Verfolgung und
noch schlimmerer Verbrechen ist nicht
auf aktive Politiker beschränkt. Ich
möchte nur zwei von all denen nennen,
die es gewagt haben, eine führende
Rolle bei der Unterstützung der Vereinbarung von Guatemala zu übernehmen:

- 6 -

- Pablo Antonio Cuadra, im Jahr
1912 in Managua geboren, ist seit
mehr als 50 Jahren einer der führenden
Dichter
Nicaraguas
und
spielt seit 30 Jahren eine Rolle
als Förderer
jüngerer Schriftsteller.
Unter Somoza wurde er
zweimal in Haft genommen.

�viel Tamtam wieder in den Äther
ging. Sein Sender ist jedoch in
solch einem schlechten zustand,
daß der Ton fast überall in Managua nicht gehört werden konnte,
ganz zu schweigen vom übrigen
Land.

- Bismarck Carballo ist ein 1950 in
der Provinz Masaya geborener nicaraguanischer
Priester,
der
Sprecher der Erzdiözese von Managua war und zum ersten Mal an die
Öffentlichkeit trat, als er von
der Entscheidung der Bischofskonferenz las, Angehörige einer proSomoza Kundgebung im Jahr 1977 zu
exkommunizieren.

- Oder sie kann auch in Form eines
falschen Eindrucks von Offenheit
auftreten. Wieviel Wahrheit enthält die Überschrift "Regierung
läßt politische Häftlinge frei",
wenn die Regierung, wie im heutigen Nicaragua, noch immer neunoder zehntausend politische Gefangene
festhält?
Und
welche
Auswirkungen hat dies auf die Demokratie, wenn die Regierung immer noch das Recht für sich in
Anspruch nimmt, sie willkürlich
wieder gefangen zu nehmen?

Das
Ortega-Regime
verweigerte
diesen beiden Männenr ihre Stimme in
der Öffentlichkeit:
Cuadra, als La
Prensa, deren Mitherausgeber er war,
geschlossen wurde: und Carballo, als
er öffentlich diskredidiert und gezwungen wurde, mehr als ein Jahr im
Exil zu leben.
Seit dem 1. Oktober 1987 schreibt
Cuadra wieder - beflügelt von dem
neuerwachten Geist der Freiheit, die
er für sein geliebtes Nicaragua erhofft.
Auch Carballo ist zurück und
leitet Radio Catolica.
Daß diesen
beiden Männern nun die Freiheit gewährt worden ist, zu publizieren und
zu
senden
ist
ein
entschiedener
Schritt nach vorne.
Einzelne Schritte wie diese sind
jedoch leicht rückgängig zu machen,
besonders in einem totalitären System, in dem Gewalt viele Formen annimmt:
Sie kann in der Form auftreten,
daß die Anführer einer Organisation in Freiheit belassen, aber
ihre Anhänger inhaftiert werden.
Wie im Falle der Unabhängigen Liberalen Partei, deren Hauptanführer frei, 200 der aktiven Parteimitglieder aber im Gefängnis sind.
- Sie kann in Form der verdeckten
Zensur auftreten. Wie es mit Radio Catolica geschehen ist, das
am 2. Oktober 1987 mittags mit

Das Verhalten des Ortega-Regimes
bei der Erfüllung seiner Verpflichtung zur Freiheit
kann nicht nur
daran gemessen werden, was mit einigen wenigen geschieht, unabhängig davon, wie prominent sie sind.
Die
Einhaltung der Verpflichtungen muß an
der
Rückkehr
18
ausgewiesener
Priester
gemessen werden und zwar
nicht
nur
der
bekanntesten,
wie
Carballo; an der Freilassung aller
der Tausenden Nicaraguaner, die aus
politischen Gründen inhaftiert sind,
nicht nur Hernandez und saborio. Bis
dies geschieht, steht das Regime in
Nicaragua nur an zweiter Stelle hinter Kuba, was Niederträchtigkeit und
die Verweigerung der Freiheit für
seine Bürger anbetrifft.
in der Tat
befinden sich, abgesehen von Kuba, in
Nicaragua mehr
Menschen aus politischen Gründen im Gefängnis als in
allen anderen Ländern der westlichen
Hemisphäre zusammengenommen.
Wenn die Bereitschaft des OrtegaRegimes ernst gemeint ist, muß sie an

- 7 -

�der Abschaffung jeglicher Zensur und
jeglichen auf Radio, Fernsehen und
gedruckte Medien ausgeübten versteckten Drucks, nicht nur bei der bekannten Zeitung
La Prensa
und
Radio
Catolica, gemessen werden. Es reicht
nicht aus, das Recht auf Widerspruch
den Buchstaben nach zu bestätigen:
das Regime muß auch die Störung von
Radiosendungen beenden, neue Lizenzen
an Radiostationen und Zeitungen vergeben, die darum ersuchen und den Erwerb oder Import von Druckmaschinen,
Papier, Druckerschwärze und anderen
zur Ausübung der Meinungsfreiheit unerläßlichen Materialien erlauben.
In der
Vergangenheit
hat
das
Ortega-Regime all diese grundlegenden
Notwendigkeiten
des
demokratischen
Lebens durch anhaltende Unterdrückung
in Gestalt von Legalismus und Bürokratie direkt oder indirekt verweigert.
Das Risiko besteht nunmehr
darin, daß das Regime diese verstekkte Kontrolle dazu benutzt, die Unklarheiten im Zeitplan für den Frieden, im amerikanischen Haushalt und
im Sitzungskalender
des Kongresses
auszunutzen, in dem Versuch, den Widerstand
zu vernichten, ohne eine
echte Hinwendung zur Demokratie in
Nicaragua zuzulassen.

Nationale Aussöhnung
Der entscheidende Prüfstein der
Vereinbarung von Guatemala wird daher
in der Bereitschaft des Ortega-Regimes bestehen, den Widerstand und die
politischen
Oppositionsparteien
in
einen Dialog einzubeziehen, der zu
einer unumstößlichen politischen Öffnung führt, die nicht willkürlich zunichte gemacht werden kann.
Die Vereinbarung
von Guatemala
ist vernünftigerweise von der Erkenntnis getragen, daß zwei Voraus-

setzungen erfüllt werden müssen, um
die Kämpfe zu beenden und bewaffnete
Gegner in friedliche politische Rivalen zu verwandeln: ein ausgehandelter
Waffenstillstand und eine vollständige Amnestie. Beides gemeinsam garantiert den Rebellen garantiert, daß
sie in ihre Heimat zurückkehren und
am demokratischen politischen Leben
ihrer Länder teilnehmen können. Aus
diesem Grund forderte La Prensa in
einem am Tag ihres Wiedererscheinens
(1. Oktober) veröffentlichten Leitartikel eine
"vollständige Amnestie,
Aussöhnung durch einen Dialog mit den
bewaffneten
Rebellen
und
uneingeschränkte Aufhebung des Ausnahmezustands,
der
seit
1982
im
Lande
herrscht".
Um der Vereinbarung von Guatemala
Folge zu leisten, haben Präsident
Duarte und Präsident Cerezo direkte
Verhandlungen mit den Führern der Rebellen in deren Ländern aufgenommen.
Die in dieser Woche in Spanien stattfindenden Gespräche sind seit Jahren
die ersten offiziellen Kontakte zwischen der Regierung Guatemalas und
den Rebellen. in El Salvador hat die
Regierung gemeinsam mit den Guerillas
zwei gemischte Kommissionen gebildet.
In einer von ihnen soll der Waffenstillstand
ausgehandelt werden, in
der anderen wird über Anmestie und
nationale Aussöhnung diskutiert.
Am vergangenen Dienstag erklärte
Präsident Duarte nach einem persönlichen zusammentreffen mit den Führern der salvadorianischen Guerilla,
ein zentraler Gedanke der Vereinbarung von Guatemala bestehe darin, daß
die Länder Mittelamerikas ihre Meinungsverschiedenheiten
unter
sich
beilegen.
"Wir Salvadorianer dürfen
nicht als Entschuldigung für fehlende
Gespräche mit den Rebellen in El Salvador anführen, es sei besser, mit
Kuba oder der Sowjetunion zu verhan-

�Macht zur Unterstützung der
Diplomatie

dein", stellte er fest.
Präsident Duarte erklärte weiter,
"darüber hinaus sollte Nicaragua keine Entschuldigungen der Art vorbringen, das Land werde nur mit den Vereinigten Staaten verhandeln und nicht
mit den nicaraguanischen Rebellen,
die in Nicaragua kämpfen... Die Entscheidung liegt nicht bei den Vereinigten Staaten... Die Nicaraguaner
müssen
die
Entscheidung
treffen.
Deshalb
fordere
ich
(Präsident
Ortega) auf, einen Dialog mit allen
Nicaraguanern aufzunehmen".
Wenn Präsident Ortega bereit ist,
die Vereinbarung von Guatemala sowohl
mit Worten als auch mit Taten zu verwirklichen, sollte er eine vollständige Anmestie gewähren; er sollte direkt mit der Widerstandsbewegung einen Waffenstillstand aushandeln; und
er sollte mit seinen Politikern vertrauensbildende Maßnahmen entwerfen,
damit
der
Waffenstillstand
einer
vollständigen und friedlichen politischen Wiedereingliederung des Widerstands in ein freies Nicaragua den
Weg bahnen kann.
Die Vereinbarung
von Guatemala
fordert
Waffenstillstand,
Amnestie
und
Demokratie
als
gleichzeitig
durchzuführende Maßnahmen.
In einfachen Worten bedeutet dieser komplizierte Prozeß, daß
Kugeln
eingetauscht werden, aber nur gegen verbriefte politische Rechte und Wahlen.
Wenn die Regierung Ortega es dem Widerstand nicht ermöglicht, auf offenem Wege nach Nicaragua zurückzukehren und sich frei zur Teilnahme an
der Politik zusammenzuschließen, dann
bedeuten
gleichzeitig
anzuwendende
Maßnahmen auch, daß Nicaraguas Nachbarn nicht verpflichtet sind, dem Widerstand militärische und politische
Unterstützungsaktivitäten
in
ihren
Ländern zu verweigern.

Vor weniger als einem Jahr bewilligte der
Kongreß dem
nicaraguanischen Widerstand 100 Millionen Dollar an Hilfsleistungen.
Durch vorsichtige und wohlüberlegte Verwendung
dieser Gelder - unter Aufsicht des
Kongresses und insbesondere der beiden Geheimdienstausschüsse - hat die
Widerstandsbewegung
erhebliche
Vorteile erlangt.
ihre Kampfeinheiten
sind in der Lage, auf der gesamten
nicaraguanischen Landfläche zu operieren. Sie haben die Verwundbarkeit
dieses
angeschlagenen
Regimes
und
seiner modernen sowjetischen Ausrüstung demonstriert.
Die öffentliche
Unterstützung ist für die Guerillas
in manchen Gebieten so groß, daß das
Regime ganze Dörfer gewaltsam umgesiedelt hat, um sie an der Unterstützung der Widerstandsbewegung zu hindern.
Der Widerstand hat die Vereinbarung von Guatemala begrüßt und ist
bereit, einen Waffenstillstand auszuhandeln.
Das Ortega-Regime hat sich
bis
jetzt
geweigert
und
versucht
statt dessen, die Kämpfer mit ihren
politischen
Führern
zu
entzweien.
Wenn
der
Waffenstillstand
Wirkung
zeigen soll, kann er nicht einfach
ausgerufen
werden;
die
Kämpfenden
selbst müssen sich über die Bedingungen einigen.
Aber die Regierung Ortega stellt
nicht das einzige Hindernis für eine
wirksame Durchführung der Vereinbarung von Guatemala dar. Der Zeitplan
ist ein weiteres Problem.
Die Vereinbarung
fordert die Durchführung
des Waffenstillstandes und der Regelungen für den Demokratisierungsprozeß im November, die Auswertung der
Ergebnisse soll hingegen erst im kommenden Januar erfolgen. Wenn der Wi-

- 9 -

�derstand keine neuen Gelder erhält,
wird dieser Zeitplan zugunsten der
Kommunisten
arbeiten.
Irgendwann
wird sich die Widerstandsbewegung einem modernen sowjetischen Waffenarsenal und kubanischen Beratern gegenübersehen und gleichzeitig seine Ressourcen erschöpft haben.
Wenn dies
geschieht, werden die von den Sowjets
weiterhin in wachsender Zahl gelieferten Kampfhubschrauber, Raketenwerfer, Langstreckenartillerie und Minen
die Hoffnung auf Demokratie zerstören
und den Kommunisten einen militärischen Sieg sichern.
Deshalb sind fortdauernde Hilfsleistungen an die
Freiheitskämpfer
der
Schlüssel
zur
Demokratisierung
und vollständigen Verwirklichung der
Vereinbarung von Guatemala.
Unsere
Unterstützung der Widerstandsbewegung
hat die Vereinbarung erst möglich gemacht.
Ihre weitere Verfügbarkeit
dieser Mittel ist ebenso unerläßlich,
um sicherzustellen, daß die Vereinbarung von Guatemala auf eine Art und
Weise durchgeführt wird, die einen
ausgehandelten
Waffenstillstand
und
eine Hinwendung zur Demokratie in Nicaragua sichert.
Aus diesen Grunde wird der Präsident vor dem Erntedankfest eine Abstimmung über zusätzliche Hilfsleistungen für die Widerstandsbewegung
fordern. Diese Hilfe, die über einen
Zeitraum von 18 Monaten hinweg gewährt und 270 Millinonn Dollar betragen soll, ist zur Unterstützung des
Abkommens und zur Sicherung seiner
Dauerhaftigkeit notwendig.
Wie der
Präsident am 7. Oktober vor der OAS
erklärte, wird "diese Hilfe fortgeführt, bis die Sandinisten in Verhandlungen mit den Freiheitskämpfern
eine Übereinkunft für einen Waffenstillstand erzielen und in Nicaragua
echte Demokratie
hergestellt ist".
Die Form unserer Hilfe wird aus-

schließlich von den Ereignissen bei
der Durchführung der Vereinbarung abhängen. Wenn die Vereinbarung erwartungsgemäß funktioniert, wird sie auf
die
friedliche
Wiedereingliederung
des Widerstands in ein freies Nicaragua abzielen; wenn nicht, wird sie
die Fortdauer des Kampfes für die
Freiheit bis zu seinem Erfolg fortzuführen.

Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten haben es
in der Vergangenheit allzu häufig
versäumt, sich mit den Hoffnungen der
Menschen in Mittelamerika auf Freiheit und ein besseres Leben zu identifizieren.
Allzu häufig schien unsere Regierung gleichgültig, wenn demokratische Werte auf dem Spiel standen.
Jetzt ist ein Prozeß gegenseitiger Maßnahmen in Gang gesetzt worden,
der das Ortega-Regime zu einem tiefgreifenden sozialen und politischen
Wandel
in
Nicaragua
verpflichtet.
Wir wissen jedoch noch nicht, ob Erwartungen realistisch sind, daß sich
dieser Wandel vollzieht.
Aber wir
werden ganz entschieden unseren Teil
dazu betragen.
Wir müssen zweifeln
und Unsicherheit an der Fähigkeit und
dem Engagement der Vereinigten Staaten ein Ende machen, die durch die
wiederkehrende Folge wechselnder politischer
Entscheidungen
und durch
zögerliche und uneinige Debatten noch
verschärft werden.
Es liegt nicht in unserem nationalen
Interesse,
aufgrund
einer
bloßen Hoffnung oder Vermutung dem
durch eine glaubwürdige Widerstandsbewegung auf die Regierung Ortega
ausgeübten Druck ein Ende zu bereiten.
Es wäre unverantwortlich, der
Demokratisierung in Nicaragua Tür und

- 10 -

�Tor zu öffnen und dann zuzulassen,
daß diese wieder zugeschlagen werden.
Wir können Nicaragua nicht ohne die
notwendigen Mittel für einen friedlichen politischen Kampf gegen seine
kommunistischen Gegner überlassen.
Wenn in Nicaragua eine Demokratisierung stattfindet, so deshalb, weil
tapfere Nicaraguaner es wagten, sich
der Sache der Freiheit zu verpflichten.
Wir haben ihre Sache unterstützt; sie ist auch zu unserer Sache
geworden. Wenn das Regime in Nicaragua seinen Verpflichtungen im Hinblick auf eine Demokratisierung nicht
in gutem Glauben nachkommt, müssen
wir sicherstellen, daß unsere Freunde
sich selbst überlassen bleiben. Unsere
anhaltende
Unterstützung
ist
notwendig, wenn Diplomatie Erfolg haben soll.
Deshalb sollten wir über alle
Parteigrenzen hinaus die vollständige
Durchführung
der
Vereinbarung
von
Guatemala fordern, und wir sollten
tun, was wir tun müssen, um die existentiellen Interessen in dieser Region zu schützen.
Laßt uns nach
Frieden und Freiheit streben, und wir
wollen denen, die dafür in Nicaragua
kämpfen, unsere anhaltende Unterstützung gewähren, bis ihr Kampf zu Ende
ist. Wir wollen unsere Macht hi ter
die Diplomatie der Demokratie in Nicaragua stellen, damit unsere Sicherheitsinteressen
und unsere moralischen und politischen Zielsetzungen
sich in diesem Resultat vereinigen.

* * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

37

21. Oktober 1987

ROWNY:

SDI "KEIN VERHANDLUNGSGEGENSTAND"

Rede vor Ehemaligen des National War College

COLORADO SPRINGS - (AD) - Dem amerikanischen Berater für Rüstungskontrollfragen, Edward Rowny, zufolge können Fortschritte bei der Reduzierung offensiver Atomwaffen erzielt werden, "sobald die Sowjets einsehen, daß die Bestrebungen der Freien Welt zum Schutz vor einem Angriff mit ballistischen Raketen
kein 'Verhandlungsgegenstand' sind".
Vor ehemaligen Studenten des National
War College in Colorado Springs erklärte Rowny am 16. Oktober 1987, der sowjetische Außenminister Schewardnadse habe unlängst vorgeschlagen, den ABM-Vertrag strikt einzuhalten. "Dies würde tatsächlich bedeuten, daß wir SDI aufgrund jeglicher von den Sowjets gewählten Interpretation des ABM-Vertrages begrenzen müßten."
Nachfolgend bringen wir Rownys Äußerungen im Wortlaut:
Während das Treffen zwischen den
Außenministern
Shultz
und
Schewardnadse in der kommenden Woche
immer näher rückt bietet sich dieser
Zeitpunkt an, um eine Bestandsaufnahme des Erreichten und noch zu Erreichenden in der Rüstungskontrolle vorzunehmen. Meiner Meinung nach haben
wir mit harter Arbeit bereits viel
erreicht.

ersten Mal eine ganze Kategorie von
Atomwaffen nicht nur begrenzen, sondern wirklich beseitigen würde. Nach
seiner Fertigstellung wird dieses Abkommen eine bedeutende politische und
diplomatische Errungenschaft darstellen, wenn wir seine Endphase mit den
gleichen realistischen Leitprinzipien
angehen, die uns zu dem derzeitigen
Stand geführt haben.

Durch amerikanische Entschlossenheit, unterstützt von der Solidarität
der Verbündeten, ist ein INF-Abkommen
in greifbare Nähe gerückt, das zum

Auf dem Weg zur Fertigstellung
eines INF-Abkommens können wir uns
auf beide Enden der Rüstungskontrollskala konzentrieren.
Selbst während

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wir noch an einem INF-Abkommen arbeiten, müssen wir unsere Bemühungen zur
Beseitigung des konventionellen Ungleichgewichts verdoppeln.
Außerdem
genießen
erhebliche
Verringerungen
der strategischen Offensivwaffen weiterhin unsere höchste Priorität.

Verstärkte Aufmerksamkeit für konventionelles Ungleichgewicht
Das
konventionelle
Ungleichgewicht bildet weiterhin eine wichtige
Quelle der militärischen Instabilität
zwischen Ost und West. In Mitteleuropa haben die Sowjets 30 Divisionen
in vorgeschobenen Stellungen stationiert, die mit Panzern, Artillerie
und gepanzerten Fahrzeugen für offensive
Operationen
vorgesehen
sind.
Das konventionelle Ungleichgewicht in
Europa leitet sich nicht allein von
großen
quantitativen
Vorteilen
in
Schlüsselbereichen der Kampffähigkeit
der Sowjets und des Warschauer Pakts
her,
sondern
ebenso
von
geographischen Asymmetrien; die Streitkräfte des Warschauer Pakts können
leicht durch Truppen aus der Sowjetunion verstärkt werden.
Die
massive
Aufrüstung
der
Streitkräfte der Sowjetunion und des
Warschauer Pakts, durch die Westeuropa bedroht wird, läßt sich weder
durch politische noch durch militärische Gründe rechtfertigen. Die Sowjets behaupten, daß zwischen Ost und
West
ein
stabiles
konventionelles
Gleichgewicht herrscht.
In besonderen Gebieten und bei bestimmten Waffensystemen
genießt der Warschauer
Pakt jedoch eine Überlegenheit von
bis zu 3:1 gegenüber den konventionellen Streitkräften des Westens.
Keine Handlung der Sowjets könnte
eine skeptische Welt mehr von einer
Xnderung
der
sowjetischen
strate-

gischen ziele überzeugen als erhebliche Reduzierungen dieser massiven
Streitkräfte und ernsthafte Bemühungen der Sowjets, auf unsere Besorgnisse bezüglich der konventionellen
Stabilität einzugehen.
Im Bemühen um konstruktive Verhandlungen
über
konventionelle
Streitkräfte hat die NATO vor kurzem
die Einrichtung zweier Verhandlungen
ausschließlich
über
konventionelle
Sicherheit gefordert, die im Rahmen
der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa
stattfinden
sollen.
Eine dieser Verhandlungen,
an der alle 35 KSZE-Teilnehmerstaaten
beteiligt sein sollen, würde die Arbeit der Stockholmer Konferenz über
sicherheits- und
vertrauensbildende
Maßnahmen
fortsetzen.
Die andere,
auf die 23 Mitgliedsstaaten von NATO
und Warschauer Pakt begrenzte, würde
die Schaffung eines stabileren konventionellen Gleichgewichts zwischen
den beiden Bündnissystemen zum Ziel
haben. Sie würde die Beendigung destabilisierender
militärischer
Ungleichgewichte sowie die Verringerung
der Fähigkeit zu Überraschungsangriffen und ausgedehnten Offensivoperationen anstreben.
Die Reaktion der NATO auf die
Herausforderung durch die konventionelle Macht der Sowjets und des Warschauer Pakts muß darin bestehen, ihre konventionelle Verteidigungsfähigkeit zu stärken und zu verbessern.
Zu diesem Zweck hat das Bündnis eine
Initiative zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung (CDI) unternommen.
Falls
diese
energisch
verfolgt wird, könnte CDI ebenso wie
die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten zu erheblichen Verbesserungen der Verteidigungsfähigkeit durch technologische
Entwicklungen führen.

�Der Westen
besitzt mit seinem
freien Ideenaustausch und der Mobilität von Kapital und Facharbeitskräften einen unübertroffenen vorteil.
Koordinierte
und
höchst
effektive
Forschungs- und
Entwicklungsanstrengungen könnten die Wirksamkeit der
konventionellen Streitkräfte der NATO
revolutionieren.
Ohne eine wesentliche Erweiterung der Personalstärke
- der teuersten Komponente der westlichen Streitkräfte - könnten solche
Anstrengungen uns bei der Beseitigung
des gegenwärtig bestehenden konventionellen Ungleichgewichts unterstützen.

Die Bedeutung eines START-Abkommens
Bei den Verhandlungen über die
Verringerung strategischer Rüstungen
(START) besteht nunmehr die Möglichkeit, offensive strategische Nukleararsenale einschneidend zu verringern.
Bei ihrer Zusammenkunft im vergangenen Monat bestätigten die Außenminister Shultz und Schewardnadse erneut ihren Einsatz für einen 50prozentigen Abbau strategischer Waffen.
Dieser Problemkreis hat für Präsident
Reagan höchste Priorität und wurde
von Generalsekretär Gorbatschow als
"Kernproblem"
der
Rüstungskontrolle
bezeichnet.
Wenn diese Bestätigung in ein
wirkungsvolles
START-Abkommen
umgesetzt werden soll, müssen die Sowjets
bei zwei wichtigen Punkten Entgegenkommen zeigen.
Erstens im Bereich der Untergrenzen.
Ein Abkommen über einen einschneidenden Abbau strategischer Offensivwaffen um 50 Prozent allein das heißt, 1 600 Trägersysteme und
6 000 Gefechtsköpfe - wird kein stabiles strategisches Verhältnis garantieren. Demgemäß enthält der von

uns in Genf zu START vorgelegte Vertragsentwurf zusätzlich zu der Gesamtgrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
drei Untergrenzen.
Mit diesen Maßnahmen würde die Gesamtzahl der Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen
auf 4 800 begrenzt, Gefechtsköpfe auf
ICBMs auf 3 300, und es gäbe 1 650
Gefechtsköpfe
auf erlaubten ICBMs,
außer
denen
auf
silo-gestützten
leichten
und
mittleren
ICBMs
mit
sechs oder weniger Gefechtsköpfen.
Diese Untergrenzen würden den gegenwärtig
bestehenden,
bedeutenden
Vorteil der Sowjets bei ballistischen
Raketen verringern, besonders bei den
bei
einem
Erstschlag
wirkungsvoll
einsetzbaren großen ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen.
Die Untergrenzen
würden nach den Verringerungen bei
den Streitkräften ein Gleichgewicht
herstellen.
Darüber hinaus würden
sie zukünftige nachteilige Veränderungen beim Aufbau der Streitkräfte
verhindern.
Der wichtigste Faktor ist, daß
Untergrenzen benötigt werden, um sicherzustellen, daß Verringerungen bei
strategischen
Waffen
stabilisierend
sind und zu verhindern, daß bei den
Arsenalen der Zukunft eine Konzentration auf ballistische Raketen erfolgt.
Als Reaktion auf unsere geplanten Untergrenzen haben die Sowjets vorgeschlagen, jeden Bereich
der Triade auf 60 Prozent des Gesamtumfangs abzubauen.
Aber ohne eine
zusätzlich Obergrenze auf Gefechtsköpfe ballistischer Raketen ist diese
Methode in höchsten Maße unangemessen.
Damit würde den Sowjets nach
generellen 50prozentigen Verringerungen bei START die Beibehaltung strategischer Streitkräfte gestattet, die
sich ausschließlich aus ballistischen
Raketen zusammensetzt.
Darüber hinaus würde damit der Sowjetunion die
Beibehaltung einer hohen Konzentra-

- 3 -

�tion von Gefechtsköpfen auf mit Mehrfachgefechtsköpfen
ausgestatteten
ICBMs erlaubt. Ein Vertrag, der solche eine Zusammensetzung der Streitkräfte nach erfolgten Verringerungen
zuläßt, würde nicht die strategische
Stabilität stärken.

Warum SDI nicht eingetauscht werden
sollte
Ein zweiter Bereich sowjetischer
Unnachgiebigkeit gegen wirkungsvolle
Verringerungen bei strategischen Rüstungen ist das sowjetische Beharren
auf einem Junktim. Sie bestehen weiterhin darauf, ein mögliches STARTAbkommen zum Faustpfand für eine amerikanische Zustimmung zur Beschränkung unserer Erforschung von Systemen
zur Verteidigung gegen einen Angriff
ballistischer
Raketen
zu
machen.
Diese Kopplung ist ungerechtfertigt.
Sie macht die Abschaffung oder zumindest die ernsthafte Beschneidung
der amerikanischen Strategischen Verteidigungsinitiative zu einer Bedingung für ein START-Abkommen.
Trotzdem ziehen sowohl wir als auch die
Sowjets großen Nutzen aus einem wohlformulierten Abkommen mit 50prozentigen Verringerungen bei START.
Bei
50prozentigen
Verringerungen
würden
wir die strategischen Nuklearwaffen,
die den Sowjets Anlaß zur Besorgnis
geben, abbauen. Sie müßten dann ihre
ICBM-Streitkräfte, die uns Grund zur
Sorge bieten, verringern.
Da damit
beide Seite einen Vorteil erzielen
würden, gibt es keinen Grund, ein
START-Abkommen
als
Faustpfand
für
Einschränkungen unseres SDI-Programms
zu benutzen.
Bei der Zusammenkunft im September stellte uns der um "Flexibilität"
bestrebte Außenminister Schewardnadse
vor zwei Alternativen.
Wir könnten
entweder zehn Jahre lang am ABM-Ver-

trag
"strikt
festhalten", wie
er
"1972 unterzeichnet und ratifiziert"
worden sei oder einer Anzahl von Vorrichtungen zustimmen, die nicht in
den Weltraum gebracht würden, wenn
sie
bestimmte
"Leistungsparameter"
überschritten, wir sind besorgt darüber, daß die Sowjets hier alten Wein
in neue Schläuche gegossen haben.
Obwohl wir den sowjetischen Vorschlag
noch nicht eindeutig beurteilen können, können wir keine Alternative akzeptieren, die uns auf ein SDI-Programm nach sowjetischen Bedingungen
beschränken würde.
Ebensowenig können wir unsere Forschung in höchstem
Maße restriktiven und nicht-verifizierbaren Beschränkungen unterwerfen,
die enger gefaßt sind als der ABMVertrag,
in diesem
Vertrag
wird
"Forschung" weder erwähnt noch eingeschränkt.
Bei den Problemen der strategischen Offensivwaffen und der Verteidigung gegen ballistische Raketen
ist die Politik Präsident Reagans
eindeutig. Wir müssen weiterhin bei
den Sowjets darauf dringen, daß einschneidende Verringerungen bei strategischen
Offensivwaffen,
besonders
bei den am meisten destabilisierenden, Vorteile in sich bergen.
Die
Sowjetunion würde gern über bestimmte
Beschränkungen bei der SDI-Forschung
im Austausch gegen ein START-Abkommen
verhandeln.
Wenn wir uns auf solch
ein Manöver mit den Sowjets einlassen, gingen wir das Risiko ein, SDI
zu lähmen.
SDI ist und bleibt ein zielgerichtetes Programm, mit dem das Problem der Verteidigung gegen ballistische Raketen untersucht wird, das
die Basis für einen gemeinsamen Übergang
zu
einem
stabileren
strategischen Verhältnis liefern könnte.
Wir müssen die Sowjets von dem Irrtum
befreien, daß sie ihr Ziel erreichen

�können.
Wir sollten nicht vergessen, daß
es zusammen mit der Entschlossenheit
der NATO zu INF SDI war, das die Sowjets im Januar 1985 wieder zurück zu
den Verhandlungen über Nuklearwaffen
gebracht hat, nachdem sie den Verhandlungstisch im Dezember 1983 verlassen hatten. Lassen sie uns klarstellen, daß SDI kein Verhandlungsgegenstand ist, sondern ein Programm,
zu dessen Fortsetzung wir fest entschlossen sind.
Als solches bietet
es den Sowjets einen starken Anreiz,
einschneidenden
Verringerungen
bei
strategischen
Waffen
zuzustimmen.
Sogar wenn die jetzt bei START zur
Verhandlung
stehenden
SOprozentigen
Reduzierungen erzielt sind, wird SDI
ein wesentlicher Anreiz für die Sowjets
sein, weitere Verringerungen
vorzunehmen.
Darüber
hinaus würde
SDI die Integrität neuer Rüstungsabkommen unterstreichen, indem es den
Sowjets
den
Anreiz
zur
Täuschung
nimmt.
Wir wollen auch die Funktion von
SDI als Absicherung gegen das starke
sowjetische Engagement bei ihrer eigenen
strategischen
Verteidigung
nicht außer acht lassen.
Wenn wir
ihnen das Monopol bei der Verteidigung lassen, würde damit der Frieden
und die Freiheit des Westens durch
Aushöhlung der Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung bedroht.
Entgegen
sowjetischer Propaganda sollte klar
sein, daß es keine Wahl gibt zwischen
einer Welt mit oder ohne strategische
Verteidigungssysteme.
Die freie Welt
muß sich entscheiden, ob sie den Sowjets gestatten will, die einzige
Macht mit einer Verteidigung gegen
ballistische Raketen zu sein.

Wie kann eine genaue Verifizierung
der Reduzierung von INF grantiert
werden?
Die Sowjets sind Meister von Verhandlungen kurz vor Toresschluß. Im
Verlauf der kommenden Wochen könnten
sie mit dem Versuch enormen Druck
ausüben, uns zu einem voreiligen Verzicht auf die noch ausstehenden Einzelheiten eines INF-Vertrages und dabei insbesondere der bedeutenden Verifizierungsbestimmungen zu bringen.
Sie werden den Versuch unternehmen,
uns zu einem Kompromiß unserer Position zu bewegen, um den "Prozeß" in
Gang zu halten.
Wir werden unser Möglichstes tun,
damit sich diese Erwartung für die
Sowjets nicht erfüllt.
Einer der
schlüssigsten Grundsätze der Außenpolitik Präsident Reagans besagt, daß
jedes Rüstungskontrollabkommen wirksam verifizierbar sein muß, wenn es
die Stabilität verbessern und einen
anhaltenden Beitrag zu Frieden und
Sicherheit leisten soll.
Der Präsident hat eindeutig klargestellt, daß
er sich nicht mit weniger begnügen
wird.
Die Vereinigten Staaten verfolgen
bei der Verifizierung eines INF-Rüstungsbegrenzungsabkommens
drei
grundlegende Ziele:
Erstens, Vertrauen
men zu gewährleisten.

in das Abkom-

Zweitens, die Sowjets von Verletzungen des Vertrages abzuhalten, indem die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung solcher Vertragsverletzungen
erhöht wird.
Drittens, schnelle und eindeutige
Aufdeckung
jeglicher
sowjetischer
Verletzungen zu gestatten und damit
die frühzeitige Warnung vor einer

- 5 -

�möglichen oder tatsächlichen Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten
Staaten und der Verbündeten zu verbinden.

- Detaillierter und - falls erforderlich
aktualisierter
Austausch von Daten über den Standort der Raketenunterstützungseinrichtungen und Raketenstellungen
sowie die Anzahl der Raketen und
Abschußvorrichtungen
auf
diesen
Einrichtungen und Stützpunkten.

Am 14. September 1987 haben wir
in Genf ein Inspektionsprotokoll mit
den Einzelheiten der von uns für die
Verifizierung der wirksamen Einhaltung eines INF-Vertrages für notwendig erachteten Vorgehensweise vorgelegt, eine Übereinkunft, die den Abbau aller amerikanischen und sowjetischen INF-Raketen vorsieht - die
"weltweite
doppelte
Null-Lösung".
Unser
Verifizierungsvorschlag
würde
die
überzeugendsten
Vorbeugungsmaßnahmen gegen Täuschungsversuche
in
der Geschichte der Rüstungskontrolle
verwirklichen.
Die Sowjets haben ihre Zustimmung
zu unserem Verifizierungsplan einschließlich der bisher nie dagewesenen Vor-Ort-Insepktion in groben Zügen
erklärt.
Aber
bekanntlich
"steckt der Teufel im Detail".
im
weiteren Verlauf der
Verhandlungen
werden wir darauf bestehen, daß sich
die Sowjets zu wirksamen, in allen
Einzelheiten und schriftlich vorgelegten
Verifizierungsmaßnahmen
verpflichten.
Selbst mit einem Abkommen über
den
vollständigen weltweiten Abbau
der
INF-Raketen
verlangen
Vorbeugungsmaßnahmen
gegen
Täuschungsversuche eine anspruchsvolle Serie von
Verifizierungsmaßnahmen.
Lassen Sie
mich Ihnen die Kernstücke des in Genf
vorgelegten Plans nennen:
- Die Voraussetzung, daß alle INFRaketen und Abschußvorrichtungen
geographisch in vereinbarten Gebieten
stationiert würden oder
sich während des Abzugszeitraums
auf dem Transport zwischen diesen
Gebieten befinden.

- Ankündigung
der Transporte
von
Raketen und Abschußvorrichtungen
zwischen
den
bekanntgegebenen
Einrichtungen.
- Eine grundlegende Vor-Ort-Inspektion zur Verifizierung der Anzahl
von Raketen und Abschußvorrichtungen auf bekanntgegebenen Raketenunterstützungseinrichtungen
und Raketenstellungen.
-

Vor-Ort-Inspektion zur Verifizierung der Vernichtung von Raketen
und Abschußvorrichtungen.
- Nachfolgende,
kurzfristig
anberaumte Inspektion der bekenntgegebenen Einrichtungen während des
Reduzierungszeitraums zur Verifizierung
restlicher
Systeme bis
zum vollständigen Abbau aller Raketen.

- Kurzfristig
anberaumte, obligatorische
ad-hoc-Inspektion
bestimmter
Einrichtungen
in
den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, auf denen vertragswidrige Raketenaktivitäten durchgeführt werden könnten.
- Voraussetzung einer unabhängigen
"Abschlußinspektion" zur Gewährleistung, daß in der Tat alle mit
INF-Raketen verbundenen Aktivitäten beendet worden sind, wenn ein
Standort stillgelegt und von der
Liste der bekanntgegebenen Einrichtungen gestrichen worden ist.

�Sobald die Sowjets erkennen, daß
das amerikanische Volk fest hinter
einer wirksamen Verifizierung steht,
werden wir meiner Meinung nach rasch
ein Ende der Verzögerungstaktik in
letzter Minute seitens der Sowjets
beobachten können. Die Verifizierung
ist der endgültige Prüfstein dafür,
ob die sowjetische Seite sich einem
lohnenden INF-Abkommen wirklich verpflichtet fühlt.

Schlußfolgerung
Wir nähern uns der nächsten entscheidenen Phase in unserer Beziehung
zur Sowjetunion in der klaren Erkenntnis unserer grundlegenden ziele.
Wir haben umfassenden Einblick in die
sowjetischen
Verhandlungspraktiken
gewonnen und sind uns bewußt, daß wir
die Risiken und Möglichkeiten sorgfältig gegeneinander abwägen müssen.
Vielleicht werden wir tatsächlich ein
Abkommen erzielen können, das zu einer stabileren, weniger gefährlichen
Welt führt. Aber selbst wenn wir so
erfolgreich zusammenkommen, muß unser
Volk verstehen, daß dies kein Grund
zur Euphorie ist.
Angesichts eines
fast
fertigen INF-Abkommens
dürfen
wir die Hände nicht in den Schoß legen. Wir befinden uns erst am Anfang
unserer Aufgabe, die sowjetische militärische Bedrohung abzubauen - es
gilt noch ein großes Stück Arbeit zu
bewältigen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

21. Oktober 1987

37

RÜSTUNGSKONTROLLE WICHTIGSTES THEMA BEI SHÜLTZ-BESÜCH IN MOSKAU
- Informationsgespräch mit Botschafter Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Bei seinem Treffen mit dem sowjetischen Außenminister
Schewardnadse in Moskau am 22. und 23. Oktober 1987 wird Außenminister Shultz
hauptsächlich "die gesamte Skala der Rüstungskontrollfragen" ansprechen. Botschafter Paul Nitze zufolge werden Menschenrechtsfragen sowie bilaterale und
regionale Probleme weitere Themen sein.
Der Sonderberater von Präsident
Reagan und Shultz in Rüstungskontrollfragen erklärte am 14. Oktober
im
amerikanischen
Außenministerium
ausländischen Journalisten gegenüber,
die amerikanischen und sowjetischen
Delegationen arbeiteten in Genf an
der Vervollkommnung eines vereinbarten Vertragsentwurfs zu INF (Mittelstreckenraketen).
Die
Unterhändler
hofften, bis zum Besuch von Außenminister Shultz in Moskau ihre Meinungsverschiedenheiten über die vorgeschlagene Sprachregelung des Vertrages "weitgehend ausgeräumt" zu ha-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ben. Die große Hoffnung, so erklärte
Nitze, "bestünde darin, daß sie bis
dahin gänzlich ausgeräumt werden können" .
Auf
Fragen
zur Struktur
eines
INF-Abkommens sagte er, dieses würde
den Haupttext und mehrere Zusatzprotokolle umfassen, wovon eines die
Frage
der
Verifizierung
behandeln
würde.
Nitze
räumte
ein,
daß
die
Pershing lA-Raketen der Bundesrepublik Deutschland eine der Fragen sei-

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�en, die von den Unterhändlern noch
gelöst werden müßten.
Dazu gehöre
insbesondere die Erzielung einer Vereinbarung
"über das Verfahren zur
endgültigen Vernichtung der INF-Raketen" auf amerikanischer und sowjetischer Seite, erklärte der Botschafter, sowie auch "der Gefechtsköpfe,
die wir gegenwärtig für die deutschen
Pershing 1A bereit halten".
Was den "zeitlichen Rahmen" zur
endgültigen Beseitigung der Wiedereintrittsflugkörper (RVs) auf beiden
Seiten, einschließlich der RVs für
die deutschen Pershing IA-Raketen angehe, so versuchten beide Seiten "die
definitiven Einzelheiten der Durchführung" zu erarbeiten, erklärte er.
Die Sowjets seien nicht der Ansicht,
die Pershing IA-Raketen bildeten ein
"unüberwindliches
Problem",
fügte
Nitze hinzu.
Die Sprachregelung des Vertrages
wird auf die Beseitigung der amerikanischen
Gefechtsköpfe
verweisen,
"einschließlich
der
amerikanischen
Gefechtsköpfe
für
die
deutschen
Pershings, jedoch nur dann, wenn die
von Bundeskanzler Kohl genannten Bedingungen erfüllt sind".
Falls noch verbleibende Fragen zu
INF während des kommenden Treffens in
Moskau zu lösen seien, erklärte der
Botschafter, so hoffe man, daß diese
"schnell" gelöst würden, so daß eine
Vereinbarung über Zeit und Ort eines
Gipfeltreffens Reagan-Gorbatschow erreicht werden kann. Dies würde dann
den Weg für die beiden politisch Verantwortlichen
ebnen, um
sich
auf
Fortschritte für ein START-Abkommen
zu konzentrieren.
Botschafter Nitze, der den Außenminister in die Sowjetunion begleiten
wird, erklärte, "Wenn wir das INF-Abkommen bald abhandeln, könnten wir

uns auf die verbleibenden Probleme
konzentrieren, bei denen wir im Hinblick auf die Erlangung eines STARTAbkommens
unterschiedlicher
Meinung
sind". Auf die Frage, ob ein STARTAbkommen
vor
Ende
der
Regierung
Reagan
geschlossen
werden
könnte,
antwortete Nitze: "Daran glaube ich.
Genau daran arbeiten wir".
Nitze verwies darauf, "die nächste größere Aufgabe ist die Erlangung
eines START-Abkommens" und fügte hinzu, "die Sowjets stimmen zu, daß dies
wichtig ist". Er erklärte, er glaube
nicht daran, daß die verbleibenden
Probleme "unlösbar" sind.
Beim
Treffen
von
Shultz
und
Schewardnadse vom 15. bis 17. September in Washington stimmten die Sowjets laut Nitze dem 50prozentigen
Abbau vom gegenwärtigen Stand der
Wurfgewichte auf ihren schweren Raketen zu. Die Vereinigten Staaten warten jedoch noch darauf, daß sie dies
formell in einem Brief oder einer Erklärung vorlegen.
Nitze verwies auf drei Bereiche,
in denen zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten unterschiedliche Auffassungen bestehen. Die Sowjets glauben Nitze zufolge zum Beispiel nicht daran, daß Untergrenzen
bei Gefechtsköpfen
notwendig
sind.
Die Haltung der Vereinigten Staaten
fordert eine Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen, mit Untergrenzen
von
4 800
Gefechtsköpfen
auf
ballistischen Raketen.
Innerhalb dieser Untergrenze von
4 800 haben die Vereinigten Staaten
weiterhin 3 300 Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen
vorgeschlagen
sowie eine weitere Untergrenze von
1 650 "auf die erlaubten Gefechtsköpfe von schweren Raketen und solchen
Systemen mit mehr als sechs Gefechts-

- 2 -

�köpfen", erklärte Nitze. Die Vereinigten Staaten e*rachten solche Untergrenzen als "notwendig, um sicherzustellen, daß ein Abbau wirklich zunehmende Stabilität nach sich zieht".
Obwohl sich die beiden Supermächte im Prinzip über Regelungen zur Verifizierung einig sind, müssen sie
dennoch, so betonte der Botschafter,
"Details ausarbeiten, wie diese auf
eine Art und Weise konzipiert werden
können, so daß man überzeugt sein
kann, daß beide Seiten die Durchführung des Abkommens mit großem Vertrauen überwachen können".
Die im September in Washington
abgehaltenen Gespräche gaben den Sowjets eine Möglichkeit, ihre Haltung
im Hinblick auf die strategische Verteidigung
und den ABM-Vertrag von
1972 eindeutig darzulegen, erklärte
Nitze, aber es gab keinen Fortschritt
bei "einer Lösung unserer Meinungsverschiedenheiten".
Da die Sowjets
weiterhin ein START-Abkommen mit Problemen der Verteidigung im Weltraum
koppeln,
"bestehen zwischen
beiden
Seiten Meinungsverschiedenheiten".
Nach den Gesprächen in Moskau
wird
Außenminister
Shultz
nach
Brüssel reisen, um mit den Mitgliedern des Nordatlantischen Bündnisses
zusammenzutreffen, wie er es auch in
der Vergangenheit nach einer wichtigen Zusammenkunft getan hat.
Nitze
nannte dies einen Prozeß der Konsultationen, nicht eine Bestrebung, die
Zustimmung
der NATO-Verbündeten
zu
INF zu erlangen. Nitze fügte hinzu,
"die Folge von Konsultationen zwischen den Mitgliedern des Nordatlantischen Bündnisses war äußerst hilfreich und stellt ein wichtiges Element der Stärke des Bündnisses dar".
* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C&amp;

21. Oktober 1987

37

BEGRENZUNGEN VON ATOMWAFFENTESTS
Übersicht des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung

- (AD) - In den vergangenen vier Jahrzehnten hat ein starkes nukleares Abschreckungspotential die Sicherheit der Vereinigten Staaten garantiert und dazu beigetragen, die Freiheit ihrer Verbündeten und Freunde zu erhalten. Solange die Vereinigten Staaten sich zu ihrer Sicherheit auf Atomwaffen verlassen müssen, müssen sie gewährleisten, daß diese Waffen betriebssicher, geschützt, verläßlich, wirksam und überlebensfähig sind - mit anderen Worten:
daß das Abschreckungspotential der Vereinigten Staaten glaubwürdig ist. Dies
erfordert ein gewisses Maß an unterirdischen Tests.
Insbesondere und in Übereinstimmung mit bestehenden Verträgen führen die
Vereinigten Staaten solche Tests zu folgenden Zwecken durch:
- Um die Wirksamkeit unseres nuklearen Abschreckungspotentials sicherzustellen.
Durch Tests wird
die Fortführung unseres Programms
zur Modernisierung dieser Waffen
ermöglicht, die aufgrund der andauernden Ausweitung und Verbesserung sowjetischer strategischer
Offensivsysteme und der Tatsache
erforderlich ist, daß die älteren
strategischen Waffen der Vereinigten Staaten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben.
- Um deren Verläßlichkeit

aufrecht

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu
erhalten.
Atomwaffentests
sind notwendig, um Verschlechterungen oder andere Probleme zu
erkennen, die bei gelagerten Waffen auftreten können.
zum Beispiel wurde es den Vereinigten
Staaten durch Tests ermöglicht,
Probleme beim Gefechtskopf
der
von Polaris-U-Booten abgefeuerten
ballistischen
Raketen
auszumerzen, die unser seegestütztes Abschreckungspotential
neutralisiert haben könnten, wenn wir sie
nicht behoben hätten. Tests von
gelagerten Waffen sind erforder-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lieh, um zu bestätigen, daß die
Waffen, auf die wir zur Erhaltung
des
Friedens
angewiesen
sind,
weiterhin
ein verläßliches und
glaubwürdiges Abschreckungspotential bilden.
- Um die Uberlebensfähigkeit zu sichern. Atomwaffentests gestatten
es den Vereinigten Staaten, ihre
militärischen und Führungsmittel
echter atomarer Wirkung auszusetzen. Dies ermöglicht es den Vereinigten Staaten, die Uberlebensfähigkeit
ihrer
Ausrüstung
zu
verbessern und damit die Glaubwürdigkeit ihrer Abschreckung zu
erhöhen.
- Um Betriebssicherheit und Schutz
zu
verbessern.
Atomwaffentests
gestatten
es
den
Vereinigten
Staaten, die Charakteristika bezüglich
Betriebssicherheit
und
Schutz weiter zu verbessern, die
Explosionen aus Versehen oder die
unbefugte Anwendung von Atomwaffen
verhindern.
Beispielsweise
haben
Atomwaffentests
zu
Konstruktionen geführt, die modernste Vorrichtungen gegen die Benutzung durch Terroristen beinhalten sowie gegen die Verseuchung durch radioaktives Material
im unwahrscheinlichen Fall eines
Unfalls.
Ein Umfassendes Testverbot (CTB)
bleibt das langfristige Ziel der Vereinigten Staaten.
Solange die Vereinigten Staaten und ihre Freunde und
Verbündeten sich jedoch zur Abschrekkung von Aggressionen auf Atomwaffen
verlassen müssen, wird weiterhin ein
gewisses Maß an Atomwaffentests erforderlich sein.
Wir glauben, daß
ein solches Verbot im Kontext einer
Zeit gesehen werden muß, in der wir
uns nicht auf die atomare Abschrekkung verlassen müssen, um die welt-

weite Sicherheit und Stabilität zu
garantieren und in der wir breite,
einschneidende und verifizierbare Rüstungsreduzierungen,
erheblich
verbesserte
Verifizierungsfähigkeiten,
erweiterte vertrauensbildende Maßnahmen und ein stabileres Gleichgewicht
bei den konventionellen Streitkräften
erreicht haben werden.
Die vordringlichste Priorität der
Vereinigten Staaten bei der Begrenzung von Atomwaffentests gilt den
notwendigen
Verbesserungen
bei der
Verifizierung des nichtratifizierten
Schwellenvertrags (TTBT) und des Vertrags über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken (PNET) . In den vergangenen Jahren hat der Präsident die
folgenden Initiativen in die Wege geleitet, um dieses Ziel zu verwirklichen:
- Im Jahr 1983 versuchen die Vereinigten Staaten mehrmals erfolglos, die Sowjetunion in Gespräche
zur
Verbesserung
grundlegender
Verifizierungsverfahren von TTBT
und PNET einzubinden.
- September
1984.
Der
Präsident
schlägt direkte Messungen der Explosionskraft amerikanischer und
sowjetischer Atomwaffentests vor
Ort, d.h. in den jeweiligen Testgebieten, vor.
- Juli 1985.
Der Präsident lädt
sowjetische Experten - ohne Vorbedingungen - ein, das amerikanische Testgelände zu besuchen
und dort die Sprengkraft eines
amerikanischen
Tests zu messen
und zu diesem Zweck beliebige Instrumente mitzubringen, die der
UdSSR zur Erfüllung dieser Aufgabe erforderlich erscheinen.
- Dezember
1985.
Der
Präsident
schlägt ein Treffen technischer

�Experten
vor, um
amerikanische
und sowjetische Ansätze zum Thema
Verifizierung zu diskutieren.
- März 1986.
Der Präsident lädt
die Sowjets ein, das Testgebiet
in Nevada zu besuchen, um mit
amerikanischen Experten die Verifizierung zu diskutieren, CORRTEX
- ein direktes, hydrodynamisches
System zur Messung der Sprengkraft vor Ort, das von den Vereinigten Staaten vorgezogen wird
- zu prüfen und um einen Test zu
beobachten.
Seit Juli 1986 haben amerikanische und sowjetische Experten in
Genf sechs Sitzungsrunden zu Fragen
in Zusammenhang mit Atomwaffentests
abgehalten, die letzte fand vom 13.
bis 20. Juli 1987 statt.
In diesen
Expertentreffen
zu
Atomwaffentests
haben die Vereinigten Staaten ihre
Sorgen zur Verifizierung von TTBT und
PNET vorgetragen.
Wir haben ferner
die CORRTEX-Technik und ihre Anwendung für Sprengkraftmessungen vor Ort
beschrieben. Die UdSSR hat ihre Ansichten zu einem umfassenden Verbot
von Atomwaffentests unii zu seismischen Techniken der Sprengkraftschätzung vorgetragen.
Unlängst hat sie
ihren Vorschlag für gemeinsame Experimente in Atomtestgebieten zur Verbesserung der Verifizierung vorgetragen.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich für wirkungsvolle und verifizierbare Abkommen mit der Sowjetunion über die Begrenzung von Atomwaffentests, mit deren Hilfe die Sicherheit
aller Nationen verbessert
werden könnte. Aus diesem Grunde hat
der Präsident einen praktischen stufenweisen Prozeß vorgeschlagen.
Er
schlug vor, die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion sollten unmittelbar Verhandlungen
über Atomwaffen-

tests aufnehmen, um zunächst Probleme
der Verifizierung von zwei bestehenden, aber nicht ratifizierten Verträgen, dem Schwellenvertrag
und dem
Vertrag
über
Atomexplosionen
zu
friedlichen zwecken, zu lösen. Wenn
unser Anliegen der Verifizierung berücksichtigt wird und die Verträge
zur Ratifizierung
gelangen, werden
die Vereinigten Staaten vorschlagen,
daß wir gemeinsam mit der Sowjetunion
in Verhandlungen über Möglichkeiten
zur Durchführung eines stufenweisen
gleichlaufenden Programms - zusammen
mit einem Programm zum Abbau und der
letztlichen Abschaffung aller Nuklearwaffen zur Begrenzung und als
Endziel der Beendigung von Nukleartests eintreten.
Beim Abschluß der Zusammenkünfte
vom 15 bis 17. September erklärten
Außenminister Shultz und der sowjetische
Außenminister
Schewardnadse:
"Die amerikanische
und die sowjetische
Seite sind übereingekommen,
vor dem 1. Dezember 1987 umfassende
stufenweise Verhandlungen über Atomwaffentests aufzunehmen, die in einem
einzelnen Forum durchgeführt werden.
Als ersten Schritt werden sich beide
Seiten bei diesen Verhandlungen auf
wirksame Verifizierungsmaßnahmen einigen, die eine Ratifizierung
des
amerikanisch-sowjetischen
Schwellenvertrages von 1974 und des Vertrages
über Kernexplosionen zu friedlichen
Zwecken
von
1976
ermöglichen
und
daranzugehen, weitere mittelfristige
Begrenzungen über Atomtests auszuhandeln, die dann zur endgültigen Zielsetzung
einer
völligen Abschaffung
von Atomtests als Teil eines wirkungsvollen Abrüstungsprozesses führen.
Mit diesem Prozeß würde unter
anderem als erste Priorität das Ziel
eines Abbaus von Nuklearwaffen und
letztlich deren Abschaffung verfolgt.
Zum zweck der Ausarbeitung verbesserter Verifizierungsmaßnahmen für die

- 3 -

�amerikanisch-sowjetischen
Vertrage
von 1974 und 1976 beabsichtigen beide
Seiten die Konzeption und Durchführung gemeinsamer Experimente zur Verifizierung auf dem Testgelände der
jeweils anderen Seite. Diese Verifizierungsmaßnahmen werden in angemessenem Maße bei nachfolgenden Abkommen
über die Begrenzung von Atomwaffentests angewandt werden."

* * * * *

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