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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

&amp;

14. Oktober

36

1987

I N H A L T

INFORMATION
Zweiter Mann des Verkehrsministeriums zum Minister ernannt
- Reagan ernennt Burnley -

DOKUMENTATION
OAS trägt Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für
Nicaragua
- Ansprache Päsident Reagans vor der OAS -

Shultz betont Bedeutung des freien Informationsflusses
- Rede von Außenminister Shultz vor dem internationalen Rat

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Information

"VoN^

14. Oktober 1987

36

ZWEITER MANN DES VERKEHRSMINISTERIUMS ZUM MINISTER ERNANNT
- Reagan ernennt Burnley -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den zweiten Mann des Verkehrsministeriums, James H. Burnley IV, zu dessen neuem Leiter ernannt. Das Ministerium hat 100 000 Mitarbeiter und verfügt über einen Haushalt von 26,5 Milliarden Dollar.

Im Falle seiner Bestätigung durch
den Senat würde Burnley Nachfolger
von Elizabeth Dole, die am 1. Oktober
zurücktrat, um beim Präsidentschaftswahlkampf ihres Mannes, dem Führer
der Republikaner
im Senat, Robert
Dole, mitzuarbeiten.
In einer Feier im Weißen Haus erklärte Präsident Reagan am 8. Oktober
1987, der 39jährige Stellvertretende
Verkehrsminister sei ein tadelloser
Politiker
und
exzellenter
Verwaltungsfachmann.
"In nur wenigen Jahren ist Jim von einem prominenten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Prozeßanwalt in North Carolina zum
designierten Mitglied des Kabinetts
der Vereinigten Staaten aufgestiegen,
und für diesen Erfolg gibt es sicherlich Gründe. Jim hat ein langjähriges Interesse an und ein solides Verständnis der öffentlichen Politik",
sagte Reagan.
Bei seiner Dankadresse an den
Präsidenten für die Nominierung erklärte Burnley, 20 Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts würden
im Bereich Verkehr geschaffen.
Das
Wirtschaftswachstum des Landes hänge

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von einem
ab.

dynamischen

Verkehrssektor

"Die einzige Konstante im Verkehrsbereich war in den vergangenen
Jahren das schnelle Tempo des Wandels" , sagte er.
Burnley amtierte seit Doles Rücktritt kommissarisch als Minister und
seit 1983 Stellvertretender Minister.
1983 diente er dem Ministerium als
Berater. Von 1982 bis 1983 war er
Abteilungsleiter
im
Justizministerium.
Nach Washington kam er 1981
als Direktor der Organisation Volunteers in Service to America (VISTA) .
Er erhielt 1970 seinen Bakkalaureus der philosophischen Fakultät der
Universität Yale und schloß 1973 sein
Jurastudium
an
der
Universität
Harvard ab.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
36

14. Oktober 1987
OAS TRSGT VERANTWORTUNG ZUR GEWÄHRLEISTUNG DER FREIHEIT FÜR NICARAGUA
- Ansprache Präsident Reagans vor der OAS -

WASHINGTON - (AD) - Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) trägt
die Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für das Volk Nicaraguas, erklärte Präsident Reagan in seiner Ansprache vor der OAS am 7. Oktober 1987.
Unter Berufung auf die Aktionen der OAS im Jahr 1979, die zur Machtergreifung des sandinistischen Regimes beitrugen, bekräftigte der Präsident der
Gruppe gegenüber, die Mitgliedsstaaten müßten Vorsorge tragen, daß die Verfügungen des Friedensplans von Guatemala von der Regierung in Managua wortgetreu
in die Tat umgesetzt werden. Dem Präsidenten zufolge stelle das Verfahren,
die Einhaltung des Plans sicherzustellen, die gesamte Hemisphäre vor "eine
(ihrer) ernsthaftesten Herausforderungen", nämlich die Bestrebungen, "das Tor
der Freiheit für Nicaragua zu öffnen, seine Bande mit der Sowjetunion zu lösen
sowie die Erfüllung der von der OAS im Jahr 1979 gemachten Versprechen der Demokratie und Menschenrechte".
Nachfolgend geben wir die Ausführungen des Präsidenten wieder,
das gesprochene Wort.
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Ihre Exzellenzen, meine Damen
und Herren.
Es ist eine große Ehre für mich,
bei dieser Sitzung der Organisation
Amerikanischer Staaten zu Ihnen zu
sprechen.
Ich gestehe, daß es mich
mit großem Stolz erfüllt, heute hier
sein zu dürfen. Denn dies ist nicht
eine gewöhnliche diplomatische Veranstaltung, sondern die wohl zahlreichste Versammlung von Botschaftern aus
demokratischen
Ländern
in der Geschichte der Hemisphäre.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Es gilt

Während wir heute hier versammelt
sind, waren die Hoffnungen und Träume, die zur Erbauung dieses Saales
und
Schaffung
dieser
Organisation
führten, ihrer Erfüllung nie so nahe.
Das Werk unserer Vorväter, dessen im
Saal der Helden gedacht wird, stand
nie zuvor so kurz vor seiner Vollendung. Wir haben uns hier versammelt,
nicht als die Vertreter eines Landes,
eines
einzigen Kontinents, sondern
einer Hemisphäre, die sich der Sache
der menschlichen Freiheit und demokratischen Regierung verschrieben haben.

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dieses vergangene Jahrzehnt war
Zeuge des Triumphs der Freiheit in
beiden Teilen Amerikas.
Noch vor
zehn Jahren lebte die große Mehrheit
der Völker Lateinamerikas in Unterdrückung. Bis heute haben 90 Prozent
die Freiheit und Würde einer demokratischen
Regierung
kennengelernt.
Die Geschichte dieses demokratischen
Wandels ist eines der stolzesten Kapitel in der Geschichte der Menschheit.
Viele der heute hier Versammelten haben an dieser Geschichte
mitgeschrieben.
Es
ist
eine Geschichte von Mut, Staatskunst, Ausdauer, Heldentum und - ja, gelegentlich auch des Martyriums.
Es ist die Geschichte von Männern
wie Victor Paz Estenssoro, der Terroristen,
Drogenschmuggel
und
die
nackte Armut bekämpfte, um Boliviens
Freiheit zu erhalten.
Es ist die Geschichte von Raul
Alfonsin, der Argentinien aus Niederlage und Diktatur zu einer neuen Demokratie emporgehoben hat.
Es ist die Geschichte von Jose
Napoleon Duarte - inhaftiert, gefoltert und ins Exil verbannt, nachdem
er die Präsidentschaftswahlen in El
Salvador im Jahr 1972 gewonnen hatte.
Er hatte den Mut, nach Hause zurückzukehren und die Machtprobe zu bestehen.
Es ist die Geschichte all der
tapferen
Staatsmänner
Mittel- und
Südamerikas, die für die Einführung
und Aufechterhaltung der Demokratie
in ihren Ländern kämpfen.
Es ist auch die Geschichte des
einfachen Volkes, wie der Frau in El
Salvador, die bei ihrem Gang zur Wahl
in den Kugelhagel der Guerrilla geriet und verletzt wurde.
Stunde um
Stunde stand sie in der Schlange vor

der Wahlurne und wich nicht, um ihre
Wunden verbinden zu lassen, bevor sie
ihre Stimme abgegeben hatte.
Oder
der Großmutter, die von den Kommunisten gewarnt worden war, wenn sie
es wagen würde zu wählen, würde sie
bei ihrer Rückkehr vom Wahllokal umgebracht.
"Ihr könnt mich töten",
war ihre trotzige Antwort, "Ihr könnt
meine Familie töten, meine Nachbarn
töten, aber ihr könnt nicht uns alle
töten."
Das ist die Stimme des amerikanischen Kontinents, die stolze Stimme
der Nachfahren von Simon Bolivar, die
Freiheit als ihr Geburtsrecht fordern.
"Der Schleier ist zerrissen
worden",
schrieb
Bolivar
einmal.
"Wir haben das Licht bereits gesehen
und wir möchten nicht zurück in die
Finsternis gestoßen werden."
Ja,
der
gesamte
amerikanische
Kontinent ist weit in das Licht der
Freiheit
vorangeschritten, und wir
haben nicht vor, in die Schatten von
Unterdrückung und Tyrannei zurückzufallen. Aber bei allem Heldentum und
Durchhaltevermögen ist unsere Reise
noch nicht beendet.
Heute sind wir
aufgerufen, uns der
ernsthaftesten
Herausforderung zu stellen, mit der
sich unsere Hemisphäre je konfrontiert sah.
Diese Aufgabe wird von
all unseren Nationen dieselbe Staatskunst, denselben Mut und die uneingeschränkte Verpflichtung zur Freiheit
verlangen, die uns so weit gebracht
haben.
Ich spreche von den Bestrebungen
der demokratischen Nationen Mittel-,
Süd- und Nordamerikas, das Tor der
Freiheit
für Nicaragua zu öffnen,
seine Bande mit einer expansionistischen Kolonialmacht zu lösen und für
das nicaraguanische Volk die Erfüllung des vor der OAS im Jahr 1979 gegebenen Versprechens der Demokratie
und Menschenrechte sicherzustellen.

�Wir befinden uns heute an einem
Scheideweg.
Die Friedensvereinbarung
von Guatemala, ein von den fünf Präsidenten Mittelamerikas am 7. August
1987 unterzeichnetes historisches Abkommen, enthält viele der Bestandteile, die für anhaltenden Frieden und
dauerhafte Demokratie in der Region
erforderlich
sind.
Diese Übereinkunft ruft alle Parteien auf, die
Kampfhandlungen einzustellen und auf
echter Demokratie und Menschenrechten
in Nicaragua zu bestehen, einschließlich der Pressefreiheit, Religionsfreiheit, des Rechts, politische Vereinigungen zu bilden sowie umfassende, freie und gerechte Wahlen.
Die
Vereinbarung stellt eindeutig fest:
Demokratie ist die Grundlinie.
In
diesem Punkt kann es keinen Kompromiß
geben.
Aber während es Grund zur Hoff
nung gibt, besteht auch Anlaß zu
großer Vorsicht. Präsident Arias hat
erklärt, der Frieden
in Nicaragua
wird nur mit echter Demokratie überleben. "Wenn die Demokratie in Nicaragua nicht Fuß faßt", bekräftigte
er, "wird die bewaffnete Auseinandersetzung andauern." Und über die Sandinisten sagte er:
"Es trifft zu,
daß sie Marxisten sind.
Es trifft
zu, daß sie - sollte es ihnen gelingen, sich zu konsolidieren - versuchen werden, die Revolution zu exportieren, Costa Rica zu unterwandern
und den Versuch unternehmen werden,
in diesem Land subversiv tätig zu
werden."
Wir teilen die Hoffnungen und Bestrebungen
Präsident
Arias,
aber
ebenso seine Skepsis gegenüber den
kommunistischen
Sandinisten
- eine
aus einer
langen Liste sandinistischer Täuschungsmanöver und gebrochener Versprechen geborene Skepsis.
Meiner Meinung nach kann man es den
Skeptikern nicht verdenken, wenn sie

die Frage stellen:
Wo wird Daniel
Ortega denn am 7. November sein - dem
Tag, an dem die Vereinbarung in Kraft
trifft?
Wir dürfen nicht vergessen, daß
bereits eine mit den Sandinisten vertraglich
ausgehandelte
Übereinkunft
exisitiert, die noch vor dem Guatemala-Plan entstand - die Übereinkunft
aus dem Jahr 1979, mit der diese Organisation
in beispielloser
Vorgehensweise einer amtierenden Regierung
die Anerkennung entzog, nämlich der
Regierung von Anastasio Somoza, und
damit zur Machtergreifung der Sandinisten beitrug. Als Teil dieser Vereinbarung
stimmten
die
Sandinisten
zu, wahrhafte Demokratie mit freien
Wahlen und allen bürgerlichen Freiheiten einzuführen.
Jede der hier
versammelten Nationen ist als Mitglied der Organisation Amerikanischer
Staaten Vertragspartei dieser Vereinbarung.
Wir wissen, daß die Sandinisten
nie gewillt waren, diese Versprechen
einzulösen.
Und nur einige Monate
später beriefen die Sandinisten eine
Geheimversammlung ein und entwarfen
das unter dem Namen "Das 72-Stunden
Dokument" bekanntgewordene Papier, in
dem sie ihre Pläne zur Schaffung eines zweiten Kuba in Nicaragua darlegten. Und selbst als die Vereinigten
Staaten
der neuen
nicaraguanischen
Regierung
Millionen von Dollar an
Hilfsleistungen zukommen ließen, mehr
Hilfe als je einer anderen Nation gewährt wurde, waren die Sandinisten
eifrig mit dem Schmuggel von Waffen
an die kommunistischen Guerrillas in
El Salvador beschäftigt.
Aber obwohl die Sandinisten ihre
Verpflichtung für diese ausgehandelte
Übereinkunft nicht eingehalten haben,
muß
diese
Organisation
nicht
das
gleiche tun.
Diese Versprechen von

- 3 -

�Demokratie und Frieden waren auch unsere Versprechen - Versprechen an das
Volk von Nicaragua, daß seine Hoffnungen auf Frieden nicht enttäuscht
werden würden.
Wir gaben unser Ehrenwort, und dem können wir uns nicht
entziehen.
Diese Versprechen bilden
weiterhin die absolute Grundlage jeder ausgehandelten Regelung mit den
sandinistischen
Kommunisten.
Vollständige, freie und faire Wahlen und
die offene Gesellschaft, durch die
allein diese ermöglicht werden können, einschließlich aller Menschenrechte und der Ausweisung aller sowjetischen
und kubanischen Streitkräfte - dies müssen die unveräußerlichen Grundlagen
sein, auf denen
jedwedes weitere Abkommen mit den
Sandinisten aufzubauen hat.
Aus diesem Grund müssen wir, während wir weiterhin weiterhin auf Verhandlungen drängen, fest zu unserer
Verpflichtung stehen, Nicaragua eine
wahrhafte Demokratie zu bringen sowie
scharfsichtig und realistisch sein,
was den wahren Charakter der Sandinisten angeht.
Als Reaktion auf die
Übereinkunft von Guatemala haben die
Sandinisten einige wenige anfängliche
Schritte zu deren Einhaltung unternommen
diese
begrüßenswerten
Schritte sind jedoch nur ein Anfang.
La Prensa und Radio Catolica wurde
die Wiederaufnahme
ihrer Tätigkeit
gestattet, aber die anderen unabhängigen Zeitungen bleiben weiter geschlossen. Einem Dutzend anderer Radiostationen bleibt die Sendetätigkeit weiterhin untersagt.
Unlängst feierte die ChristlichSoziale Partei in Managua ihr 30jähriges Bestehen. Bei einer Demonstration innenpolitischer Opposition gegen die Sandinisten nahmen etwa 4 000
Personen an einer Versammlung teil.
Die Sandinisten gestatteten die Versammlung, aber sie nahmen sofort 18

Mitglieder
der
christlich-Sozialen
Partei aufgrund falscher Anschuldigungen fest. Der ehemalige Präsident
Venezuelas, Luis Herrera Campins, der
als Ehrengast daran teilnahm, nannte
die Festnahmen einen "eklatanten Akt
politischer Schikane".
Die
sandinisten
müssen
lernen,
daß Demokratie nicht heißt, eine Versammlung zu gestatten und dann die
Teilnehmer zu verhaften - sie bedeutet Hunderte solcher Versammlungen,
und zwar frei von Schikanierung, sei
es durch die Geheimpolizei oder durch
das, was von den Sandinisten als
"göttlicher
Mob"
bezeichnet
wird.
Demokratie bedeutet nicht, eine Zeitung oder eine Radiostation zu öffnen, sondern sie alle zu öffnen. Demokratie bedeutet nicht die Freilassung einiger politischer Gefangener,
sondern die Freilassung aller 10 000,
von denen einige schon seit acht Jahren im Gefängnis sitzen.
Demokratie
bedeutet nicht die selektive Gewährung einiger befristeter Freiheiten,
um die Weltmeinung zu besänftigen,
sondern dauernd gültige, umfassende
Menschenrechte, die von einer Verfassung garantiert und durch das System
der "checks and balances" einer demokratischen
Regierungsform
geschützt
werden.
Letztlich - und dies ist die
wichtigste Lehre von allen - heißt
Demokratie Rückgabe der Macht an das
Volk. Die Sandinisten müssen verstehen, daß sie nicht die Option besitzen, Diktatoren zu sein. Ihre einzige Option besteht darin, eine politische Partei zu führen und in begrenzten Amtszeiten zu dienen, wenn
das Volk sie in freien und fairen
Wahlen dazu bestimmt hat.
Was im nächsten Monat geschieht,
wird entscheidend sein - und wir alle
in der OAS sind dafür verantwortlich,

- 4 -

�darauf zu bestehen, daß die Sandinisten dem Frieden dadurch eine Chance
geben, daß
sie
ihre
Gesellschaft
wirklich öffnen. Mehr als jeder andere tragen die Mitglieder der OAS
eine besondere Verantwortung, um die
Führungsrolle bei der Verifizierung
der Vereinbarungen von Guatemala zu
übernehmen.
Wir
können nicht mit
Fassaden der Freiheit zufrieden sein,
die zu dem Zweck errichtet wurden,
die internationale Meinung irrezuführen, um dann schnell wieder abgebaut
zu werden, wenn der Druck nachgelassen hat. Wir müssen auf einer echten
Demokratie in Nicaragua bestehen nicht für eine Woche, nicht für einen
Monat oder ein Jahr -,sondern für immer.
Alles, was wir möchten, ist eine
echte Demokratie. Jeder, der weniger
verlangt, dient nicht der Sache des
Friedens in Nicaragua..
Und lassen
Sie mich noch sagen, daß hier keine
neuen
Forderungen
erhoben
werden.
All dies wird ja schon in der Übereinkunft von Guatemala und im WrightReagan-Friedensplan ausgeführt.
Sagen Sie - wie kann es Demokratie geben, wenn Tausende aus politischen
Gründen verhaftet werden?
Wie kann
es Demokratie geben, wenn Menschen,
die das Mißfallen der Sandinisten erregen, dadurch bestraft werden, daß
ihnen die Rationierungskarten vorenthalten werden, auf die sie Nahrungsmittel und andere Bedarfsartikel erwerben können? wie kann es Demokratie geben mit einer von überzeugten
Leninisten geleiteten Geheimpolizei,
die jeden Bürger mit Hilfe der sogenannten
"Blockkomitees"
überwacht?
Wie kann es Demokratie geben, wenn
die
gesamte Gesellschaft militarisiert wird, wobei das Militär von einer politischen Partei und ihren kubanischen und sowjetischen "Beratern"
kontrolliert wird?

Zur Demokratie gehören ganz bestimmte Charakteristika.
Alltägliche
Freiheiten - genauso wie die Tyrannei
aus alltäglicher
Unterdrückung besteht,
ist es aufrichtig, von Demokratie zu sprechen und gleichzeitig
die spezifischen Merkmale zu ignorieren, aufgrund derer wir sagen können,
ob
eine
Demokratie
wirklich
existiert?
Ich glaube nicht. Und deshalb muß der Marsch zur Demokratie in
Mittelamerika eben ein Marsch sein Schritt für Schritt vielleicht, aber
unaufhaltsam - hin zu demokratischer
Freiheit.
Einhergehend
mit
demokratischen
Reformen
fordert das Abkommen von
Guatemala die nationale Aussöhnung in
Nicaragua durch einen ausgehandelten
Waffenstillstand und eine vollständige Amnestie.
Gerade hat in dieser
Woche Präsident Duarte den Geist der
nationalen Aussöhnung in seinem Lande
beschworen
und
alle
Salvadorianer
folgendermaßen
dazu
aufgerufen:
"Vergebt all denen, deren Taten unseren Herzen Schmerz zugefügt haben."
Trotz der ihm und seiner Familie von
den Guerrillas zugefügten Gewalt hat
er Verhandlungen mit ihnen aufgenommen. Ebenso hat Guatemalas Präsident
Cerezo auf den Ruf zur Aussöhnung geantwortet, und seine Regierung wird
schon bald ein Treffen mit den dortigen Guerrillas abhalten.
Sie haben
dies getan, weil sie möchten, daß das
Abkommen von Guatemala funktioniert.
Wenn die Sandinisten wirklich die
Funktionsfähigkeit
dieses
Abkommens
wünschen, wäre es dann nicht an der
Zeit, daß sie mit den nicaraguanischen Freiheitskämpfern verhandelten?
Ich würde mich gern einen Augenblick lang an die Damen und Herren
von der Presse wenden. Während der
Prozeß der nationalen Aussöhnung voranschreitet,
trägt Ihr
Berufsstand
eine besondere Verantwortung dafür,

- 5 -

�daß die Regelungen des Friedensprozesses vollständig durchgeführt werden und die Demokratie eine dauerhafte Heimat in Nicaragua findet.
In
der Vergangenheit sind die Medien einige Male dafür kritisiert worden,
daß sie mit zweierlei Maß gemessen
haben.
Im Hinblick auf die weitere
Entwicklung
in
Nicaragua
kann
es
zweierlei Maß nicht geben, sondern
nur ein einziges und absolutes Maß die Demokratie. Sie müssen den Fortschritt der Demokratie in Nicaragua
aufmerksam beobachten.
Konzentrieren
Sie all Ihre ermittlerischen Fähigkeiten, all Ihre Skepsis auf die Regierung der Sandinisten.
Verlangen
Sie vollständige Aufdeckung.
Sehen
Sie zu, daß sie ihren Versprechungen
gerecht werden.
Dies könnte eine
Sternstunde des Journalismus werden,
wenn Sie mit Hilfe der Wahrheit zur
Befreiung eines Volkes beitrügen.
Wie ich schon sagte, bedeutet das
Abkommen von Guatemala eine positive
Bewegung in dem anhaltenden Bemühen
für Demokratie und Frieden in Nicaragua, das mit der von der OAS ausgehandelten Regelung im Jahr 1979 begann.
Aber obwohl das Abkommen ein
Schritt in die richtige Richtung ist,
behandelt es nicht die Sicherheitsbelange der Vereinigten Staaten in der
Region - die wachsende sowjetisch-kubanische Präsenz, die die Errichtung
eines Brückenkopfes auf dem amerikanischen Festland anstrebt und das
schnelle
und destabilisierende Anwachsen der sandinistischen Streitkräfte, die die demokratischen Nachbarn Nicaraguas bedrohen.
Diese
Sicherheitsbelange
werden
jedoch im Wright-Reagan-Friedensplan
angesprochen.
Die ersten Abschnitte
dieses Planes sehen ganz klar vor,
"daß es keine sowjetischen, kubanischen oder Qstblockstützpunkte in
Nicaragua gibt", und "daß Nicaragua
- 6

weder eine Bedrohung für seine Nachbarstaaten darstellt noch ein Aufmarschgebiet für Subversion in der
Hemisphäre bietet".
Das heißt, die sowjetischen und
kubanischen Streitkräfte müssen abziehen. Wir werden keine kommunistische Kolonialisierung des amerikanischen Kontinents dulden.
Freiheit
in Nicaragua, Befreiung von allen
einheimischen und ausländischen Tyrannen - dafür setzen sich die Vereinigten Staaten ein, mit einem Konsens beider Parteien über die Bedingungen, die im Sicherheitsinteresse
der Vereinigten Staaten liegen.
Und ich möchte hinzufügen, daß
diese Sicherheitsinteressen von allen
demokratischen Nationen unserer Hemisphäre geteilt werden. Ab dem ersten, von Simon Bolivar einberufenen
Kongreß der amerikanischen
Staaten
und seit dem Vertrag der ewigen Einheit, des Bundes und der Konföderation haben die Völker der amerikanischen Hemisphäre auf der Souveränität und Unabhängigkeit der Mitgliedsstaaten gegenüber ausländischem Imperialismus bestanden.
Heute gibt es
nur zwei kolonialistische Diktaturen
in den beiden Teilen Amerikas. über
eine von ihnen sagte John F. Kennedy
vor mehr als 20 Jahren, "Kräfte ausserhalb der Hemisphäre haben Kuba zum
Opfer des ausländischen Imperialismus
werden lassen, einem Instrument der
Politik anderer, einer Waffe in einem
von ausländischen Mächten diktierten
Bestreben zur Unterwanderung der anderen
amerikanischen
Republiken."
Heute ergreifen eben diese Kräfte Besitz von Nicaragua, aber der Kampf
gegen die Kolonialherrschaft ist angefacht, der das imperalistische Joch
abschütteln kann.
Tatsache
Grund gibt,

ist, daß es nur einen
aus dem die kommunist-

�ische Subversion der mittelamerikanischen
Demokratien
im
Augenblick
aufgehalten worden ist. Es gibt nur
einen Grund, warum für den im Friedensplan von Guatemala propagierten
Demokratisierungsprozeß noch Hoffnung
auf Erfolg besteht, und den liefern
die tapferen nicaraguanischen Freiheitskämpfer, die ihr Leben für Freiheit und Gerechtigkeit in ihrer Heimat opfern.
Die meisten sind junge Männer von
kaum
20
Jahren,
die
beim
Sturz
Somozas noch Kinder waren. Sie haben
die Versprechungen des Jahres 1979 von Freiheit und Menschenrechten
vernommen, aber sie kennen nur Tyrannei und erleben ihre Gesellschaft im
sich
verstärkenden
Würgegriff
der
neuen Diktatoren.
Sie mußten erleben, wie ihre Freiheit nach und nach
beschnitten, ihre Bauernhöfe konfisziert und ihre Priester verfolgt wurden. Sie haben miterlebt, daß willkürliche Verhaftungen, Schläge und
Mord im Namen des Regimes an der Tagesordnung sind.
Sie haben erlebt,
wie andere
junge Nicaraguaner
zum
Dienst unter sogenannten sowjetischen
und kubanischen "Beratern" verpflichtet und zu bloßen Schachfiguren in
einem Krieg wurden, der dem amerikanischen Kontinent ausländische Tyrannei aufzwingen sollte.
Diese Nicaraguaner haben wahrhaftig nur Tyrannei erlebt.
Sie haben
einen Diktator stürzen sehen, der von
neun Commandantes abgelöst wurde, die
viel schlimmer sind - und sie haben
sich dagegen aufgelehnt. Ihre Herzen
fordern Freiheit.
Im Geist der amerikanischen Freiheitskämpfer vergangener Jahrhunderte kämpfen sie für
Freiheit und Unabhängigkeit.
Es
gibt
inzwischen
mehr
als
15 000 nicaraguanische Freiheitskämpfer - dreimal soviele wie beim Sturz
Somozas - die flächendeckend in Nica-

ragua operieren.
Ohne die Freundschaft und Unterstützung des nicaraguanischen Volkes hätten sie nicht
überlebt.
Seit sieben Jahren haben
die Freiheitskämpfer die Konsolidierung des totalitären Regimes in Nicaragua verhindert.
Bis jetzt zielen
die
Milliarden
Dollar
sowjetischer
Militärhilfe an Managua hauptsächlich
darauf ab, die Freiheitskämpfer zu
besiegen und dann später die umliegenden Demokratien angreifen zu können.
Alle, die im öffentlichen Leben
stehen, sollten sich vor Augen führen, daß die Freiheitskämpfer - die
meisten von ihnen arme Bauern, die in
den Urwäldern Nicaraguas gegen eine
riesige Übermacht ankämpfen - mit ihrem Leben und ihrem Mut die Flut kommunistischer Expansion in Mittelamerika abgewehrt haben. Ohne die Freiheitskämpfer hätten die Sandinisten
niemals das Abkommen von Guatemala
unterzeichnet, und sähen sich keinem
Druck zur Durchführung von Reformen
ausgesetzt.
Ihr totalitärer Zugriff auf Nicaragua würde nur fester werden und sobald der Widerstand im Inland erstickt wäre, würden die Sandinisten
ihr Augenmerk bald auf ihre Nachbarn
richten.
Die ungeheure von kubanischen
und
sowjetischen
Beratern
ausgerüstete und personell besetzte
Militärmaschinerie würde ihre Schatten über ganz Mittelamerika werfen.
Ihre
nachweisliche,
nur
zeitweise
eingedämmte, Subversion der umliegenden Demokratien würde kontinuierlich
vorangetrieben.
Sogar jetzt, mitten
im Friedensprozeß, wo sich das Augenmerk der ganzen Welt auf die Sandinisten richtet, liefern sie weiterhin
Waffen an die kommunistischen Guerillas in El Salvador.

- 7 -

Wir

werden nicht einfach mit den

�Achseln zucken und zusehen, wie abertausende tapferer Männer und ihre Familien zu Flüchtlingen gemacht werden. Wir wollen die Aussöhnung dieser Nation erleben. Wir wollen, daß
die Freiheitskämpfer nach Hause zurückkehren und in Nicaragua in Frieden und Freiheit leben zu können.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten
hat diesen Menschen gegenüber eine
moralische Verpflichtung, der er sich
nicht entziehen kann. Ich bin diesen
Menschen gegenüber eine persönliche
Verpflichtung eingegangen und werde
mich ihr nicht entziehen. Sie kämpfen in den Urwäldern Nicaraguas nicht
nur für ihre eigene, sondern auch für
Ihre und meine Freiheit.
Ich möchte
feierlich geloben - so lange ich atme, werde ich für die Sache der nicaraguanischen Freiheitskämpfer eintreten, arbeiten und kämpfen.
Aber die anhaltende Unterstützung
des demokratischen Widerstandes ist
nicht nur eine moralische Verpflichtung - sie ist die wesentliche Garantie, daß die Sandinisten sich an die
demokratischen Bedingungen des Abkommens von Guatemala halten und daß die
demokratischen Länder der beiden Teile Amerikas vor sandinistischer Unterwanderung sichr sein werden. Wir
sollten uns fragen: Hätten die Sandinisten das Abkommen unterzeichnet,
wenn wir nicht zu den Freiheitskämpfern hielten? Wenn der amerikanische
Kongreß
im vergangenen Jahr gegen
Hilfsleistungen
für die Freiheitskämpfer gestimmt hätte, würden wir
dann heute über demokratische Reformen in Nicaragua sprechen? Die Antwort darauf lautet eindeutig "Nein".
Aus diesen Gründen werde ich ein
über einen Zeitraum von 18 Monaten
gestaffeltes 270 Millionen Dollar-Paket an neuer militärischer und humanitärer Hilfe für die Freiheitskämpfer fordern und erkämpfen.
Diese

neue Unterstützung wird so lange gewährt werden, wie die mit den Freiheitskämpfern in Verhandlungen stehenden Sandinisten ein Abkommen für
einen Waffenstillstand schließen und
bis in Nicaragua vollständige Demokratie herrscht. Sobald die Waffenruhe in Kraft getreten ist, wird nur
noch die zur Erhaltung der Freiheitskämpfer
als einer
funktionsfähigen
Einheit notwendige Unterstützung geleistet werden.
Dann werden wir und sie - erleben, ob die demokratischen Reformen in Nicaragua echt
sind.
Der beste Indikator hierfür
ist der Tag, an dem es den Freiheitskämpfern gestattet sein wird, straffrei für politische Macht zu kandidieren statt mit Hilfe von Waffen.
Wenn dies geschieht, werden unsere
Hilfsleistungen an die Widerstandsbewegung
entsprechend
abnehmen.
Und
die
finanzielle
Unterstützung
wird
dann zur Stärkung des sich im Gange
befindlichen Demokratisierungsprozesses umgeleitet werden.
In den kommenden entscheidenden
Monaten müssen die freien Länder der
beiden Teile Amerikas höchste Reaktionsbereitschaft zeigen. Wir müssen
unerschütterlich darauf beharren, daß
Demokratie die einzige Garantie für
den Frieden ist.
Aber der amerikanische Kontinent wäre nicht so weit
gekommen ohne den Mut, die Ausdauer
und den Einsatz für Freiheit, von denen ich bereits gesprochen habe. Ich
zweifle nicht daran, daß Freiheit
herrschen wird. Der große kubanische
Fürsprecher der Freiheit, Jose Marti
hat einmal gesagt, "Es gibt auf dieser Welt zwei Seiten: auf der einen
Seite stehen die, die Freiheit hassen, weil sie diese ausschließlich
für sich allein wollen; auf der anderen die, die Freiheit für sich selbst
und alle anderen wünschen".

- 8 -

�Freiheit für alle - das könnte
das Motto dieser Organisation sein.
Bei der Grundsteinlegung für dieses
Gebäude
sprach
der
brasilianische
Staatsmann Joaquim Nabuco vom besonderen
Schicksal der
amerikanischen
Hemisphäre und vom einzigartigen Auftrag der OAS: "Es scheint, daß eine
Fügung des Schicksals das westliche
Ufer des Atlantiks zu einem späten
Zeitpunkt der Geschichte zum gelobten
Land für eine großartige Neubelebung
der Menschheit werden läßt." Das ist
die feierliche Verpflichtung dieser
Organisation - Wache über dieses auserwählte Land zu halten, es von fremden
Mächten
und
kolonialistischem
Despotismus zu bewahren, so daß die
Menschen hier in Freiheit Wiederaufleben können.
Aus diesem Grund haben sich im
Jahr 1979 diese Organisation und viele amerikanische Länder an das nicaraguanische Volk gewandt und ihnen
echte Freiheit und die Wahrung der
Menschenrechte
versprochen.
Jetzt
müssen wir zu diesem Versprechen stehen, wie wir auch zu unserer Freiheitsliebe stehen - nicht nur für
einige wenige, sondern, um mit Jose
Marti zu sprechen: Freiheit für alle.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.

* * * * *
- 9 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
14. Oktober 1987

36

SHULTZ BETONT BEDEUTUNG DES FREIEN INFORMATIONSFLUSSES
Rede von Außenminister Shultz vor dem Internationalen Rat -

WASHINGTON - (AD) Außenminister Shultz zufolge liegen dem raschen technologischen Wandel der modernen Welt "die Auswirkungen der sogenannten 'Informationsrevolution' zugrunde" und diese Revolution wiederum gründet sich auf den
freien Informationsfluß.
Außenminister Shultz machte seine Ausführungen am
ersten Sitzungstag des internationalen Rats des Informationsamts der amerikanischen Regierung (U.S. Information Agency - USIA) am 8. Oktober 1987. Der
Rat setzt sich aus Meinungsbildnern aus der ganzen Welt zusammen, die zu einer
Erörterung der Auswirkungen der amerikanischen Politik und Maßnahmen im Ausland zusammenkamen.
Nachfolgend geben wir die Rede von Außenminister Shultz sowie die anschließende Diskussion mit den Teilnehmern des Rats im Wortlaut wieder.
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit zu einigen Ausführungen meinerseits und anschließender Diskussion mit solch einem erlesenen Publikum wie den heute hier Anwesenden.

lungen?
Warum nehmen sie möglicherweise die Richtung, die sie meiner
Meinung nach einschlagen werden? Was
bedeutet dies für unsere eigene Handlungsweise?

Ich habe mir überlegt nicht mit
einer Abhandlung der derzeitigen Ereignisse zu beginnen, sondern zunächst einige Worte über die Perspektiven zu sagen, die sich dieser Welt
meiner Ansicht nach aufzeigen - für
uns, die Vereinigten Staaten und die
anderen Länder der Welt. Welcher Art
sind die sich abzeichnenden Entwick-

Meinem Gefühl nach und aus meiner
Sicht haben wir heute im Vergleich zu
früher in gewisser Weise mehr Chancen, mehr Dinge befinden sich im Wandel, bieten sich mehr Möglichkeiten
für grundsätzlich positive, aber unterschiedliche Entwicklungen für das
kommende oder die nächsten fünf oder
zehn Jahre.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Lassen Sie mich einige Anzeichen
dafür nennen, wie diese Entwicklungen
sich aus meiner Sicht vollziehen.
Zunächst bestehen keine Zweifel an
der Tatsache, daß das revolutionäre
Wort in diesen Tagen, politisch gesehen, Freiheit heißt. Seine Bedeutung
ist sehr umfassend. In mehr als einem Land findet es seinen Ausdruck in
konstitutionellen
Vereinbarungen,
aber in einem sehr weiten Rahmen findet es seinen Niederschlag in der anerkannten Notwendigkeit für größere
Offenheit und mehr Raum zur freien
Meinungsäußerung der Menschen, wenn
eine Gesellschaft besser oder überhaupt gut funktionieren soll.
Ich denke, hierbei handelt es
sich um eine sehr tiefgreifende Entwicklung, die sich von dem unterscheidet, wie man die Dinge vor ungefähr fünf oder zehn Jahren charakterisiert hat.
Des weiteren kann man meiner Meinung nach dieselbe Beobachtung anstellen, wenn von wirtschaftlichen
Belangen die Rede ist. Die Menschen
beziehen nicht notwendigerweise einen
von ideologischer Einsicht geprägten
Standpunkt, sondern vielleicht eher
einen objektiven, praktischen, der
auch praktikabel ist.
Sie haben beobachtet, daß der
Versuch meist zum Scheitern verurteilt ist, ein Land wirtschaftlich
zentral zu lenken. Wenn man dezentralisiert und den Menschen individuell, in der Familie oder auf Unternehmensebene
Anreize
bietet
und
Marktsignale
setzt,
können
dramatische Ergebnisse erzielt werden.
Die Gegensätze sind überwältigend,
in diesen Tagen beschäftigt
uns Korea, da die Aussicht auf ein
politisches Wunder besteht, das mit
dem wirtschaftlichen Wunder in Süd-

korea einhergehen könnte. Weiterhin
besteht einer der schärfsten kleinen
Gegensätze.
Wenn ein Student der
Wirtschaftspolitik ein Experiment zur
Veranschaulichung der Ereignisse angestellt hätte, so hätte ihm dies
nicht besser gelingen können, als
Nord- und Südkorea vor einigen Jahrzehnten mit im Großen und Ganzen demselben
Bevölkerungshintergrund
und
einer ähnlichen Ausgangssituation nebeneinander zu stellen und dann das
weitere Geschehen abzuwarten.
Die Macht einer zunehmend auf
Marktsignale und Unternehmertum ausgerichteten, freieren Art der Organisation von Wirtschaftsaktivitäten hat
allem ihren Stempel aufgeprägt. Wir
können dies also als weitere Charakterisierung der Gegenwart, um nicht
zu sagen, Welle der Zukunft ansehen.
Wenn wir auf der Welt um uns
blicken, Rückschau halten und im Hinblick auf eine grobe Einschätzung des
Bruttosozialprodukts
der
Welt
und
dessen Verteilung durch die jeweiligen Länder vorausschauen, dann ist
natürlich das erste, dessen wir gewahr werden, daß es sehr viel mehr
Länder sind als vor 40 Jahren.
Wir können also die immer größere
Verbreitung des Bruttosozialproduktes
der Welt beobachten.
Damit möchte
ich nicht andeuten, daß unser Bruttosozialprodukt
in
den
Vereinigten
Staaten
nicht
zunimmt
und
andere
große Länder wie die Sowjetunion oder
Japan oder sonst ein Land kein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen haben,
aber andere Länder wachsen schneller,
sicherlich weil sie einen weiteren
Weg zurückzulegen und sehr viel haben, bei dem sie sich einfach dranhängen können.
Wir können
breitung
des

- 2 -

also die WeiterverBruttosozialproduktes

�der Welt beobachten und immer mehr
Länder, die Kapazitäten zur Verfügung
haben, um die wirtschaftlichen Grössenverhältnisse mit dem Pro-Kopf-Einkommen hervorzubringen, das etwas von
Bedeutung
unterstützen
kann.
Die
Verbreitung des Bruttosozialproduktes
der Welt geht also einher mit der
Verbreitung von Kapazitäten, um Maßnahmen in die Wege zu leiten.
Ich glaube, es ist von besonderer
Bedeutung, daß diese Verbreitung anhand der geistigen Kapazitäten gemessen wird.
Eines versuche ich immer
wieder, wenn ich eine Reise unternehme - ich habe es versucht, bevor ich
in der Regierung tätig war, und ich
bin darauf
zurückgekommen, seitdem
ich in der Regierung bin, nämlich wohin ich auch reise, mir etwas Zeit
zu nehmen und etwas von kulturellem,
historischem
oder
architektonischem
Interesse in dem Land zu besichtigen,
das ich gerade besuche.
Eines, was man daraus natürlich
ableiten kann ist, daß die Menschen
vor langer Zeit schon intelligent waren und viele Dinge vollbracht haben,
von denen man sich fragt, ob sie uns
heute gelingen würden und auch, daß
diese intelligenten Menschen überall
auf der Welt zu finden sind.
Was wir heute beobachten können
ist, daß die weit verbreiteten natürlichen intellektuellen Gaben weiter
ausgebildet und beruflich verwertet
werden, und die Menschen sich zunehmend bewußt werden, daß im modernen
Zeitalter die intellektuellen Fähigkeiten - das Wissen - von vorrangiger
Bedeutung sind.
Dieses wissen erlangt man nicht nur durch Intelligenz, sondern indem man sich weiterbildet.

Welt

Wir können also überall auf der
und besonders in der sich im

Entwicklungsstadium befindlichen Welt
eine große Betonung der intellektuellen Kenntnisse beobachten, Diese Art
von Fähigkeiten sind also weit verbreitet.
Zum Thema der Supraleitfähigkeit
habe ich eine interessante schematische Darstellung gesehen. Auf der
Achse dieser Graphik ist die Temperatur angegeben und Ihnen ist sicherlich bekannt, daß man ein desto besseres Ergebnis erzielt, je höher die
Temperatur ist, bei der man die Supraleitfähigkeit erreicht.
Auf dieser Achse hier ist die
Zeit angegeben. Wir können hier also
eine Progression der Punkte beobachten.
Irgendjemand hat etwas entdeckt
und neben jedem Punkt ist ein Land
angegeben. Zu meiner Freude kann ich
feststellen,
daß
die
Vereinigten
Staaten an zahlreichen stellen in
Klammern aufgeführt sind. Das interessante an dieser Graphik ist jedoch,
wie viele Länder auf dieser schematischen Darstellung insgesamt genannt
sind.
Sie können also aus dieser
Graphik die Verbreitung von Fähigkeiten und Kapazitäten auf der Welt ableiten.
Ich lege auf die Wissenskomponente hier besonderen Wert, da ich das
Gefühl habe und dies natürlich durch
das menschliche Wissen unter Beweis
gestellt wird, daß Initiative und
Energie stets den Schlüssel zur Entwicklung eines jeden Landes darstellten. Dies erfährt umso mehr an Gültigkeit, wenn wir um uns blicken und
die Geschehnisse beobachten.
Wenn wir den Bereich der Nahrungsmittelversorgung betrachten, sehen wir natürlich etwas, das die Nahrungsmittelproduktion
unerschöpflich
macht, nämlich die reichlich verschwenderischen Subventionen in den

- 3 -

�Entwicklungsländern, die zu übermäßiger Produktion in den Ländern führen,
in denen die Menschen wissen, wie
produziert wird.
Man kann jedoch einerseits auch
Veränderungen bei der Art und Weise
feststellen, in der die Agrarökonomie
in Afrika, China und vielleicht auch
in anderen Ländern wirtschaftlicher
organisiert wird, wohingegen die bisherige Philosophie darin bestand, den
Preis aufgrund des Nahrungsmittelbedarfs ganz unten zu halten, sogar unter den Produktionskosten.
Es überrascht niemanden, der je
ein
Lehrbuch
der
grundlegendsten
Wirtschaftszusammenhänge gelesen hat,
daß diese Formel nachteilig für die
Produktion ist.
Also wurde die revolutionäre Idee geboren, den Preis
oberhalb der Produktionskosten festzusetzen.
Dies hat
einschneidende
und unmittelbare Auswirkungen auf die
Produktion.

könnte zu einem Problem werden. Sicherlich wird es Regionen der Dürre
und ähnliche Dinge geben, mit denen
wir fertigwerden müssen, aber grundsätzlich ist es möglich, eine ausreichende Menge an Nahrungsmitteln zu
produzieren.
Wenn sie den Bereich der Rohstoffe betrachten, besteht seit Jahrzehnten und vielleicht seit Jahrhunderten
die Auffassung, daß man reich ist,
wenn man über viele Rohstoffe verfügt. Ich bin nicht gegen den Besitz
von Rohstoffen, aber ich denke, wir
haben in den vergangenen zwei Jahren
zunehmend eine Substitution von Rohstoffen durch Intellekt beobachtet.
Das heißt, die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erdenken, mit deren Hilfe
Dinge zusammengefügt werden, die den
Grundstoff für etwas bilden, das man
statt
des traditionellen
Materials
verwendet. Das wird nicht getan, um
den Rohstoff als Grundlage abzuschaffen, aber es hat diese Auswirkung.

Aus diesem Grund können wir also
tiefgreifende Veränderungen beobachten, aber ich wollte auf folgenden
Punkt abzielen:
So, wie ich Forschung im Bereich der Landwirtschaft
verstehe, und es finden eine ganze
Reihe von Veränderungen beim Anbau
und der Widerstandsfähigkeit von Nahrungsmitteln gegen alle möglichen Bedrohungen statt sowie der Fähigkeit,
das Angebaute zu nutzen, wirtschaftlich weiterzuverarbeiten und anzubieten, stellt dies alles einen gigantischen Wandel dar.

Die Kunststoffindustrie ist uns
vertraut, ihre Entwicklung und die
Wunder, die sie vollbracht hat sowie
der Ersatz, den sie jetzt für Metalle
bietet.
Ich denke, wir sind nicht
damit vertraut, daß Kupfer in vielen
Anwendungszweigen durch Glasfaseroptik ersetzt wird.

Man kann also ohne Übertreibung
annehmen, daß Malthus hier auf den
Kopf gestellt wird. Durch die Anwendung unseres Wissens haben wir jetzt,
und auch in Zukunft, denke ich, eine
Welt, in der die Fähigkeit, uns zu
ernähren,
kein
Problem
darstellt.
Die
Verteilung
der
Nahrungsmittel

Aus dem Gesundheitswesen und der
Biotechnik
lassen
sich
zahlreiche
weitere Beispiele anführen.
Meiner
Ansicht nach liegt all dem die sogenannte Revolution des Informationswesens zugrunde, die Fähigkeit, Informationen und Meinungen in einer dagewesenen Art und Weise aufzunehmen, zu

- &lt;

Ich glaube, daß sich unsere Denkweise über Rohstoffe verändert, und
das hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die Art des Aufbaus unserer Weltwirtschaft.

�ordnen und zu analysieren. Das wird
überall
auf
vielfältige
Weise
in
zahlreichen Anwendungsbereichen verwirklicht.
Wie Diplomatie durchgeführt wird,
wie Finanzmärkte funktionieren, die
Art und Weise eines Herstellungsprozesses in der verarbeitenden Industrie, die Art der Organisation eines
Unternehmens - all dies ist davon betroffen.
Bei diesem Spiel muß man
entweder mitspielen oder man bleibt
auf der Strecke.

damit nicht nur bestimmte Artikel
ferngehalten, sondern die gesamte Art
und Weise der Verarbeitung von Produkten im eigenen Land ist betroffen,
weil dann keine Teile mehr ins Land
gelangen, die fast zu einem normalen
Bestandteil der Funktionsweise unseres Handelssystems geworden sind.
Diese zusammenhänge werden komplexer mit den zunehmenden Ausdrucksmöglichkeiten von Märkten und Unternehmen, die nach der günstigsten Produktionsweise streben.

Ich denke nicht, daß hierbei um
Punkte gespielt wird, aber grundsätzlich ist es ein Spiel, das Regeln zugunsten des freien Informationsflusses aufstellt und sich von einem System unterscheidet, das Information
einschränken will, den Fluß hemmt und
Geheimnisse bewahrt.

Ich bin der Auffassung, daß diese
Revolution im Informationswesen die
Dinge grundsätzlich verändert und generell Auswirkungen auf mein eingangs
angesprochenes Thema "Freiheit" hat.
Das stimmt jedoch nicht ganz, weil
damit viele schwierige Probleme verbunden sind.

Die Macht dessen zeigt sich in
der Tatsache, daß es nicht angebracht
ist, über einen New Yorker Finanzmarkt, und erst recht nicht über andere Finanzmärkte zu sprechen.
Ich
will damit nicht sagen, daß sie keine
Bedeutung haben; sie sind große, bedeutende und wesentliche Bestandteile
- aber eindeutiger als jemals zuvor
sind sie Bestandteile eines Weltfinanzsystems.

Vom Standpunkt des Westens aus
betrachtet, messen wir dieser Technologie in vielen militärischen Anwendungsgebieten eine grundlegende Bedeutung bei.
Das soll so bleiben,
und wir wollen sie nicht an unsere
Gegner weitergeben.
Auf wirtschaftlicher Ebene findet dies in der Runde
des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) seinen Niederschlag,
wo das Thema Rechte an geistigem Eigentum eine zunehmende Bedeutung erlangt.

Wenn sie die Art der Herstellung
von Produkten betrachten, ist es nahezu
unmöglich, herauszufinden, wo
sie hergestellt werden, weil sie aus
Einzelteilen
aus
den
unterschiedlichsten Ländern zusammengefügt sind,
unabhängig davon, was ein modernes
Produkt ausmacht. Bedenken Sie hierzu bitte die Auswirkungen einer sogenannten "protektionistischen Gesetzgebung" .
Wenn der Zugang von Produkten in
irgendein Land behindert wird, werden

Wir beobachten, daß Menschen ihr
geistiges Eigentum nicht in ein Land
einbringen wollen, in dem das Recht
an geistigem Eigentum nicht gewahrt
wird. Hiermit gibt es ein neues Element im Handelssystem, das sich von
allem unterscheidet, worüber in frühen Wirtschaftsverhandlungen gesprochen wurde.
Es soll hier nur die
Probleme des Informationsflusses verdeutlichen.

- 5 -

�Zusammenfassend läßt sich an dieser Stelle sagen, daß die Welt und
die Vereinigten Staaten als ein Teil
dieser Welt ihre Richtung in einer
Weise ändern, die unsere werte und
Ideen und die unserer Freunde in der
westlichen Welt grundsätzlich bejahen.
Es ist an uns, diese Vorschläge
zu prüfen, und wir sollten unser
Bestes tun; sehen, was die Zukunft
für uns bereithält und uns fragen,
welche Haltung wir einnehmen sollten,
um daraus für uns und für die Menschheit insgesamt das Beste zu machen.
Natürlich bilden die Dinge, mit
denen wir uns in jüngster Zeit beschäftigt
haben, einen Bestandteil
dessen.
Diese Dinge betreffen die
langandauernden Bemühungen des Präsidenten um einen Abbau der Nuklearwaffen und um das Aufzeigen einer sicheren und wirkungsvollen
Möglichkeit
der
Abwehr
ballistischer
Raketen.
Generell
streben
wir
nach
einer
friedlicheren Welt, die in der Lage
ist, diese allzu häufig beobachteten
regionalen Spannungen zu lösen, die
die Atmosphäre vergiften und etwas
bedrohen können, das im weiteren Sinne eine Ursache der mangelnden Stabilität sein könnte.
Viele dieser Probleme bekämpfen
wir jeden Tag, aber ich dachte, durch
mein Erscheinen hier und meine Rede
vor dieser hochrangigen Gruppe nehme
ich die Möglichkeit wahr, ihnen wenigstens einige der Dinge darzulegen,
von denen ich glaube, daß sie eine
Zukunft betreffen, die teilweise genau hier beginnt, die uns aber noch
mehr dazu herausfordert, etwas vorauszudenken.
Ich habe mich über diese Gelegenheit gefreut, und werde gern auf Ihre
Fragen eingehen.
* * *

Frage:
Ich hege große Bewunderung für die moralischen Wertvorstellungen und die wohlwollende strategische Perspektive der
Vereinigten
Staaten, und jedes Mal, wenn ich Sie
sehe und höre, verstärkt sich dieses
Gefühl...
Im Jahr 1960 habe ich mir
die Frage gestellt, ob Amerika im
Hinblick
auf seine
internationalen
Belange unregierbar geworden ist, und
damals habe ich die Frage mit "Nein"
beantwortet.
Das stelle ich jetzt in Frage.
Ich bin besorgt darüber, daß Amerikas
Fähigkeit, ein Gleichgewicht zwischen
dem idealen und dem realen zustand
herzustellen, untergraben ist.

(

»

Antwort:
Das ist eine berechtigte Frage. Ich glaube, daß wir in
den meisten Augenblicken einen unglaublich
unorganisierten
Eindruck
bieten,
zumal
viele
Diskussionen
stattfinden und viel Kritik vorgebracht wird.
Wenn sie diese Details mit einem
gewissen Abstand betrachten und uns
über ein, zwei oder fünf Jahre hinweg
betrachten, scheinen wir doch meiner
Ansicht nach wenigstens eine im weitesten Sinne vernünftige Politik zustande gebracht zu haben.
Ich möchte hier ein Beispiel anführen, das gleichzeitig Vergangenes
aufgreift und sich auf die gegenwärtige Interessenlage bezieht.
In den
siebziger Jahren begann die Sowjetunion mit der Stationierung von auf
Europa gerichteten Mittelstreckenraketen und dislozierte daraufhin noch
mehr Raketen, die auf die asiatischen
Länder zielten.
Das rief in Europa und hier Besorgnis hervor und gab Anlaß zu vielen Diskussionen.
Schließlich traf
die NATO ihre Entscheidung, diesen

(

»

�sowjetischen Anstrengungen auf zweifache Art zu begegnen. Einmal sollten die eigenen Raketen entwickelt
und zur Abschreckung der sowjetischen
Bedrohung stationiert werden.
Ebenfalls sollte versucht werden, zu verhandeln, um die sowjetischen Raketen
abzuschaffen.
Natürlich werden wir
sie abschaffen, darin besteht unser
Ziel.
Diese
Entscheidung
und
ihre
Durchführung gaben seitdem Anlaß zu
Kontroversen, sowohl in unserem Land
wie auch bei unseren Verbündeten.
Diese Entscheidung wurde in ihren
wesentlichen Punkten von der CarterAdministration getroffen.
Sie wurde
von der Regierung Reagan aufgegriffen
und durchgeführt, hat Zeitabschnitte
großer Erschütterungen und Diskussionen hier erlebt, der Argumentation
darüber, ob die Einstellung des Präsidenten zur Rüstungskontrolle, die
besagt, wir sollen auf Null gehen,
vernünftig oder nur eine Entschuldigung sei, um überhaupt keine Rüstungskontrollabkommen
hervorzubringen, wie viele in diesem Land und
auch in Europa behaupteten.
Jedenfalls haben wir dazu gestanden, und die Stationierungen fanden
trotz großen Drucks und starker Opposition statt. Schließlich wurden die
Verhandlungen wiederaufgenommen, und
heute stehen wir vor ihrem erfolgreichen Abschluß.
Ich glaube immer daran, daß man
ein Abkommen nicht in der Hand hat
bevor es endgültig steht, und wir haben kein Abkommen. Aber wir sind ihm
sehr nahe. Wenn Sie in einem beliebigen Augenblick der heutigen zeit
eine Momentaufnahme machten, würden
Sie ein gewaltiges Maß an unterschiedlichen Meinungen beobachten.

Schauen Sie sich die heutigen
Meinungsverschiedenheiten an: Jetzt,
da wir bekommen, was wir von Anfang
an zu erreichen suchten, gibt es Leute, die behaupten, daß wir von Anfang
an das Falsche erreichen wollten.
Trotzdem genießen dieses mögliche Abkommen und der Beginn einer Reduzierung des nuklearen Waffenarsenals im
Großen und Ganzen breite Unterstützung.
Auf eine etwas merkwürdige Art
und Weise und mit vielerlei Debatten
während dieser ganzen Zeit haben wir
es doch geschafft, soweit zu kommen.
Wenn Sie unsere Wirtschaft betrachten, so gibt es viele Leute, die
sie andauernd kritisieren, obwohl sie
sicherlich
neue
Arbeitsplätze
schafft. Die Inflation ist weiterhin
niedrig, und unser Bruttosozialprodukt wächst trotz all der Nervosität
weiter.
Sie können dies in fast allen Bereichen feststellen. Natürlich neige
ich gegenwärtig fast dazu, mit Ihnen
einer Meinung zu sein aufgrund der
brutalen Maßnahmen, die gegenwärtig
von Senat und Kongreß gegen den auswärtigen Haushalt des Präsidenten unternommen werden, trotz der neuen Art
und Weise, mit der man uns jede Kleinigkeit vorschreiben will, die wir
unternehmen sollen.
Trotzdem werden
wir alle irgendwie tief durchatmen.
Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen
um uns, wir werden unser Ziel erreichen.
Frage:
Herr Außenminister, ich
komme aus der Türkei... als Entwicklungsland haben wir viele Probleme.
Zwischen beiden Ländern - ist ein
wirtschaftlicher
Durchbruch
notwendig, in unseren Beziehungen, bei der
Begrenzung der Textilquoten und in
anderen Bereichen. Ich will auf diese Frage nicht nochmals eingehen.

�Meine Frage bezieht sich auf die
Nachbarn der Türkei, Iran und Irak?
Seit acht Jahren herrscht Krieg mit
der Technologie des 20. Jahrhunderts,
der Krieg geht weiter mit Hilfe der
Rüstungsindustrie, und die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion liefern Waffen. Der Krieg geht weiter,
wer wird diesen Krieg beenden? Wann
wird dieser Krieg aufhören?
Während
des Mittagessens gab es nette Gespräche über besseres Verständnis, eine
glückliche Welt, lächelnde Menschen,
gute Handelsbeziehungen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten,
aber der Krieg geht weiter.
Antwort:
Ich
bin
fast
versucht, zu sagen, daß dies ihre Nachbarn sind und Sie etwas dazu unternehmen sollten (Gelächter). Ich denke aber an die Tatsache, daß sie in
dieser kleinen Welt, in der wir leben, jedermanns Nachbarn sind.
Was unternehmen wir also?
Nun,
natürlich besitzen wir auf diplomatischem Wege wenig Einfluß im Iran.
Trotzdem sind wir daran interessiert
und versuchen seit langem, eine konstruktive Kraft zu sein.
Grundsätzlich haben wir dem Iran
den Zugriff auf Waffen aus den Vereinigten Staaten verweigert. Es gab
wenige, von höchster publizistischer
Aufmerksamkeit
begleitete
Ausnahmen
von dieser Politik (Gelächter); aber
im Gesamtrahmen waren diese sehr geringfügig.
Ich denke, daß die jüngsten Bemühungen in den Vereinten Nationen die
in der ganzen Welt bestehende Haltung
des "wir haben genug" unterstreichen,
und vom Standpunkt der Vereinigten
Staaten waren wir froh, für diese Resolution stimmen zu können.

Wir würden diese Resolution gern
durchgeführt sehen. Wir unterstützen
die Bemühungen des Generalsekretärs.
Wenn sie nicht bald von Erfolg gekrönt werden, werden wir Zwangsmaßnahmen unterstützen. Wir hoffen, daß
andere dies ebenfalls tun werden, so
daß sie einstimmig beschlossen werden.
Einstimmig beschlossen werden
sie wirksamer sein.
Wir sind uns der Tatsache vollkommen bewußt, daß Embargos niemals
vollständig wirksam sind.
sie funktionieren nicht vollständig. Ich bin
jedoch ganz zuversichtlich, daß ein
breit unterstütztes Waffenembargo eine große Wirkung haben würde, obwohl
in einer Welt mit einem großen Waffenmarkt Leute mit viel Geld immer
etwas zu kaufen finden.
Es wird den Fluß stören, den Fluß
von Ersatzteilen, es wird zu einer
Verteuerung führen, sie werden nicht
zu dem Zeitpunkt dort eintreffen, an
dem sie benötigt werden usw. Es ist
also nicht inkonsequent, und dies ist
zweifellos der Grund, warum der Iran
darüber besorgt ist.
in der Zwischenzeit
haben die
Vereinigten Staaten die Probleme erkannt, die der Iran für seine Nachbarn darstellt, insbesondere im Golf,
und wir helfen unseren Freunden dort
durch unsere Präsenz der Einschüchterungstaktik des Iran zu widerstehen.
Der Präsident hat diese Entscheidung
getroffen, und unsere Marine hat dort
Stellung bezogen.
Eine Zeit lang wurden wir rhetorisch unterstützt, nicht auf andere
Weise.
Heute ist die Klugheit der
Entscheidung
des
Präsidenten
auf
breitere Anerkennung gestoßen. Großbritannien hat seine Präsenz verstärkt.
Frankreich hat seine Kräfte
verstärkt. Belgien ist dort präsent.
Ebenso Holland und Italien.

�Andere Länder überlegen sich gegenwärtig, wie sie helfen können.
Die diplomatischen Bemühungen dauern
an. Der Krieg ist nicht zu Ende, wir
haben ihn nicht ausgelöst, aber wir
tun unseren Teil.
Frage:
Herr Außenminister, die
ganze Welt applaudiert ihnen und der
Haltung der Vereinigten Staaten, wenn
Sie dem Sicherheitsrat sagen:
Wenn
Sie den Generalsekretär nicht unterstützen, werden die Vereinigten Staaten ein Embargo gegen den Iran und
angeblich auch gegen den Irak fordern.
Könnten Sie uns mitteilen, ob Sie
dazu bereit und in der Lage sind, bei
Ihrem nächsten Besuch in Moskau Ihren
Standpunkt
nachdrücklich
gegenüber
Schewardnadse klarzumachen?
Und schließlich, was das Wichtigste ist, wären die Vereinigten Staaten bereit, nach dessen Annahme ihre
mächtige Flotte zur Erzwingung eines
solchen Embargos einzusetzen? Vielen
Dank, Herr Außenminister.
Antwort:
Nun, über den Krieg
zwischen Iran und Irak haben wir viele Male mit den Sowjets gesprochen.
Fast in jedem Treffen, das ich mit
Herrn Schewardnadse hatte, haben wir
darüber
diskutiert.
Ich
zweifle
nicht daran, daß wir über dieses Thema sprechen werden, wenn ich diesen
Monat Moskau besuchen werde.
ich weiß natürlich nicht, wie genau sich die Situation zu jenem Zeitpunkt darstellen wird; es sollte aber
bis dahin dem Generalsekretär sicherlich möglich gewesen sein, die Instruktionen entgegenzunehmen, die wir
diese Woche hoffentlich
entwickeln
werden, sie eingehend zu untersuchen
und uns einen Bericht vorzulegen.

Dann werden wir sehen müssen,
welche Konsequenzen diesem Bericht zu
entnehmen sind. Wir hoffen, daß er
positiv sein wird, wenn aber nicht,
dann können wir meiner Meinung nach
nicht - das Image, daß der Sicherheitsrat einfach mitgezogen wird, wäre jedenfalls schlecht.
Ich denke,
jeder ist sich der möglichen Bedeutung vereinter Bemühungen bewußt.
Wenn man an die beträchtlichen
Bemühungen denkt, die die Sowjetunion
zur Stärkung der Vereinten Nationen
beschlossen hat, dann würde sie meiner Meinung nach dieses ziel untergraben, wenn sie diese Bemühungen
nicht unterstützt.
Deshalb schließe
ich die Möglichkeit, daß wir Fortschritte erzielen, nicht aus.
Nun, wie ein Waffenembargo durchgesetzt wird, hängt natürlich grundsätzlich von denjenigen ab, die verkaufen, usw.
Es hat keinerlei Diskussion über eine einseitige Blockade
seitens der Vereinigten Staaten oder
irgend etwas ähnliches gegeben.
Natürlich gibt es in den Iran
noch eine Menge anderer Wege außer
durch den Persischen Golf.
Waffen
werden also weiterhin fließen, wie
ich schon sagte, aber der Fluß wird
beträchtlich gestört werden.
Nun, ich glaube, ich muß mich
wieder an meinen Zeitplan halten.
Ich muß jedoch leider feststellen,
daß - wie im Fall der meisten Zuhörergruppen, und dies ist auch bei
noch kleineren Gruppen sehr frustrierend für mich - ich nicht jeden dazu
bringen kann, über die Tagespolitik
ein wenig hinauszuschauen, etwas in
die Zukunft zu blicken in bezug auf
das, was in unserer Welt geschieht,
und wie wir versuchen sollten, an
diese Ereignisse heranzugehen und was
dies für uns bedeuten würde.

�Aber
ich
werde
weitermachen,
trotz der Frustration, daß ich keinen
derartigen Eindruck bei Ihnen erwekken konnte, wie dies durch Ihre Fragen unterstrichen wurde. ich danke
Ihnen.

* * * * *

- 10 -

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zweiter Mann des Verkehrsministeriums zum Minister ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reagan ernennt Burnley&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;OAS trägt Verantwortung zur Gewährleistung der Freiheit für Nicaragua&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Päsident Reagans vor der OAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz betont Bedeutung des freien Informationsflusses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Shultz vor dem internationalen Rat&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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