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                  <text>AMERIKA DIENST
"VON *

30. September

34

1987

I N H A L T

DOKUMENTATION
Freie Märkte stärken offenes Handeslsystem
- Rede Präsident Reagans bei der Jahresversammlung von IWF und
Weltbank INF-Abkommen dient Sicherheitsinteressen der Verbündeten
- Rede von Botschafter Paul Nitze vor der AAAS Frieden und Stabilität vorrangiges Ziel in der Golf-Region
- Präsident Reagans Erklärung zur Lage am Golf WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Brenntest mit voller Leistung
- Umkonstruierte Feststoffraketen für DISCOVERY-Flug in der
Erprobung -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
' V ^

Dokumentation

34

30. September 1987

FREIE MÄRKTE STÄRKEN OFFENES HANDELSSYSTEM
- Rede Präsident Reagans bei der Jahresversammlung von IWF und Weltbank -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich seiner Rede bei der Eröffnung der Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank erneuerte
Präsident Reagan am 29. September seinen Aufruf zur Unterstützung der Prinzipien freier Marktwirtschaft und freien Handels.
Reagan äußerte die eindringliche Bitte um Öffnung des internationalen Handels mit Agrargütern. Er formulierte erneut die Zielsetzung eines "offenen
und freien Handelssystems mit landwirtschaftlichen Produkten" bis zum Ende des
Jahrhunderts, die "einen tiefgreifenden Wandel in der Produktion und Verteilung von Nahrungsmitteln" mit sich bringen würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:

Ich freue mich darüber, heute zu
Ihnen sprechen zu können. Ich erinnere mich an unser erstes Zusammentreffen kurz nach meiner Ankunft in
Washington. Damals sprachen wir über
eine Revolution im ökonomischen Denken, eine Revolution, deren Inhalte
sich seit der Zeit bewährt haben.
Trotz der Fortschritte stehen wir immer noch vor erheblichen Herausforderungen.
Daher bietet sich jetzt,
beim
bevorstehenden
Eintritt
der
Menschheit ins 21. Jahrhundert, die
Gelegenheit, eine Beurteilung vorzunehmen und unsere Vorstellungen vom

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Embassy of the United States of America

Wirtschaftspotential der Welt darzulegen.
Eine Beurteilung und die Erarbeitung von Zielsetzungen sind natürlich
mit gutem Management gleichzusetzen.
Wenn es etwas gibt, auf dem die erwerbstätige Bevölkerung, die mit ihren Steuern zur Unterstützung unserer
Institutionen beiträgt, zu Recht bestehen kann, ist es genau das: gutes
Management. Die Welt blickt auf uns,
damit wir eine Führungsrolle übernehmen und durch Ehrlichkeit, Verantwortungsbewußtsein und vernünftige Ent-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Scheidungen Maßstäbe setzen.
Ich möchte diese Gelegenheit zum
Anlaß nehmen, um Ihnen allen für die
von Ihnen geleistete beispielhafte
Arbeit zu danken, und um besonders
Barber Conable und Michel Camdessus
meinen Dank für ihre hervorragende
Arbeit auszusprechen.
Als ich zum ersten Mal vor sechs
Jahren vor dieser Institution sprach,
litten die Vereinigten Staaten unter
wirtschaftspolitischen
Entscheidungen, die nur als schlechtes Management bezeichnet werden können. Inflation, Stagnation und Zinssätze von
21 Prozent waren an der Tagesordnung.
Gutes Management muß auf eine solide Grundlage gestellt werden. Und
vor
unserem
wirtschaftlichen
Umschwung haben Entscheidungsträger an
Lösungen geglaubt, die trotz bester
Absichten nicht praktikabel waren.
Statt einer Ermutigung für Unternehmertum und Produktion lag der Schwerpunkt auf bürokratischer Planung und
Umverteilung. Statt Forderungen nach
meßbaren Ergebnissen und präziser
Kalkulation der öffentlichen Ausgaben
wurden die Schleusen bei den Bundesausgaben geöffnet.
Im Privatsektor
wurden den produktiven, Arbeitsplätze
schaffenden Unternehmen Mittel verweigert und diese in fragwürdige, wenig wirkungsvolle und oft produktionshemmende Regierungsprogramme investiert. Dezentralisierte Entscheidungsprozesse im Privatsektor und in
den Verwaltungen der Städte und Einzelstaaten wurden durch Planungen auf
Bundesebene verdrängt und mehr Macht
und Ressourcen in der Bundesbürokratie zentralisiert.
Aber wie wir zu unserem Nachteil
herausfanden, sollte gutes Management
niemals mit erweiterter Kontrolle und
Macht der Regierung über die Wirt-

schaft einhergehen. Wenn gutes Management Bedeutung haben soll, muß es
ein Land näher an die Entfaltung all
seiner Möglichkeiten heranführen und
das Wohlergehen seiner Bevölkerung
verbessern.
Genau das ist offensichtlich Ende
der siebziger Jahre in den Vereinigten Staaten nicht geschehen. Die damals angewandte Politik führte zu
einem Rückgang der Produktivität,
einem Verfall des BSP, niedrigeren
Netto-Einkommen und einem dramatischen Anstieg der Armut. Im Jahr
1980 forderte das amerikanische Volk
einen grundlegenden Wandel und Reformen, die dieses Land wieder zurück
auf den Weg des Wachstums, der Expansion und
langfristigen Stabilität
führen sollten.
Unser Ziel bestand in der Steigerung wirtschaftlicher Aktivitäten
von Grund auf. Gutes Management hat
in diesem Zusammenhang nicht die Bedeutung zusätzlicher Kontrolle und
Autorität. Es bedeutet vielmehr das
Aufzeigen von Wegen zur Erlangung der
Zielsetzungen.
Für die Volkswirtschaft bedeutet es, Menschen Möglichkeiten zu eröffnen und ihnen Anreize
zu schaffen, effizienter zu arbeiten
und in Projekte zu investieren, die
die Volkswirtshaft aufbauen sowie in
Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen. Es muß sichergestellt werden,
daß übertriebene Vorschriften nicht
die Unternehmen abwürgen; es bedeutet, daß dem Privatsektor genügend
Mittel zur Verfügung stehen müssen,
um den Investitionsbedarf zu decken;
es bedeutet Wettbewerb auch mit ausländischen Firmen, und mehr als all
dies bedeutet es die Entfaltung von
Freiheiten und Möglichkeiten für den
Einzelnen und nicht mehr Macht für
den Staat.
Sie wissen sicher, daß ein Wirt-

�Schaftswissenschaftler als der einzige Akademiker bezeichnet wird, der
etwas in der Praxis funktionieren
sieht und sich dann ernsthaft darüber
Gedanken macht, ob es sich auch in
der Theorie durchführen läßt. Ob man
der Theorie zustimmt oder nicht - die
Ergebnisse lassen sich nicht leugnen.
Das Volk der Vereinigten Staaten
konnte jetzt 57 Monate anhaltenden
Wachstums miterleben, die bald den
längsten Zeitraum einer Expansion in
Friedenszeiten nach dem Krieg darstellen. Die Inflation, die im Jahr
1980 noch der Feind Nummer Eins war,
ist um etwa zwei Drittel abgebaut
worden.
Die Arbeitslosenquote ist
gefallen, und die Beschäftigungsrate
befindet sich auf dem höchsten Stand
in der Geschichte.
Die Zinssätze
sind niedrig. Die Produktivität ist
gestiegen und ebenso die Realeinkommen. Und wir haben schließlich den
im Jahr 1979 einsetzenden Anstieg der
Armut abgebaut.
Das Lob für diese Leistungen gebührt dem amerikanischen Volk, selbst,
weil - wie so oft - das Beste, was
die Regierung tun kann, darin besteht, sich nicht einzumischen. Und
genau das haben wir versucht.
Durch die expandierende Volkswirtschaft ist nicht nur das Wohlergehen unserer Bürger verbessert worden, sondern sie hat auch als Impuls
für den Fortschritt auf der ganzen
Welt gedient. Die in den vergangenen
sechs Jahren erfolgte Expansion des
Handels und der internationalen Geschäftsbeziehungen hat dazu beigetragen, unsere Preise niedrig, unsere
Industrie und den Fertigungsbereich
wettbewerbsfähig und unsere Volkswirtschaft aufstrebend
zu halten.
Gleichzeitig hat der expandierende
Handel mit den Vereinigten Staaten
vielen Ländern geholfen, einem wirtschaftlichen Sturm zu trotzen. Die

Exporterlöse der Vereinigten Staaten
haben in einigen Fällen die Sachlage
völlig verändert. Kernstück unserer
Beziehungen insbesondere mit den Entwicklungsländern
war bisher stets
Handel anstatt Entwicklungshilfe, gegenseitiger Nutzen anstatt Wohltätigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe anstatt Almosen.
Natürlich gibt es noch das Handelsdefizit - Anlaß zu berechtigter
Besorgnis sowohl hier als auch im
Ausland. Hier sind Korrekturen notwendig, und es gibt eindeutige Anzeichen dafür, daß sie im'Gange sind.
Es ist jedoch von wesentlicher Bedeutung, daß Politiker nicht auf selbstzerstörerische Maßnahmen verfallen.
Es gab eine Gruppe von amerikanischen
Politikern, die sich die Angst der
arbeitenden Bevölkerung zunutze machten, Protektionismus
befürworteten
und den Vorwurf erhoben, als Ergebnis
des Handelsdefizits würden Arbeitsplätze ins Ausland verlagert, die Arbeitslosenquote steigen und die Vereinigten Staaten entindustrialisiert
würden.
Das hört sich in einer Wahlkampfrede gut an, aber wie es einmal ein
Rechtsanwalt aus Virginia gegenüber
den Geschworenen seiner Heimatstadt
formulierte: "tain't so". Seit Ende
des Jahres 1982 ist die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten, sogar bei steigendem Handelsdefizit, um
vierzig Prozent gefallen. In Ländern
mit hohen Handelsüberschüssen, wie
etwa Japan und der Bundesrepublik
Deutschland, ist die Arbeitslosigkeit
angestiegen. Und eine Langzeitanalyse zeigt, daß wir uns in der verarbeitenden Industrie behaupten können.
Dabei muß berücksichtigt werden, daß
von Ende des Jahres 1982 bis heute
die Zahl der Arbeitsplätze in der
verarbeitenden Industrie in den Vereinigten Staaten in einer Zeit enor-

- 3 -

�mer Handelsdefizite um mehr als eine
Million gestiegen ist. Darüber hinaus sind die Reallöhne in der verarbeitenden Industrie, die in den Jahren 1977 bis 1981 um 7 Prozent gefallen waren, im Zeitraum von 1981 bis
1986 um 2,5 Prozent angestiegen.
Das Handelsdefizit ist für genau
die strukturellen Probleme symptomatisch, die wir als Manager angehen
müssen.
Selbstzerstörerischer Protektionismus ist darauf jedoch keine
Antwort. Ich versichere Ihnen, daß
jede protektionistische Gesetzgebung,
die auf meinen Schreibtisch gelangt,
mit einem Veto versehen an den Kongreß zurückgeschickt wird.
Ein Teil der Antwort ist hier im
Inland zu suchen. Wie ich bereits
beim Weltwirtschaftsgipfel in Venedig
im vergangenen Juni äußerte, ist es
unumgänglich, daß die Vereinigten
Staaten ihr Defizit im Bundeshaushalt
verringern. Heute werde ich eine Gesetzesvorlage unterzeichnen, in der
unsere Zielsetzungen zum Abbau des
Defizits als Teil einer erhöhten
Schuldengrenze der amerikanischen Regierung ihren Niederschlag findet.
Das war keine leichte Entscheidung.
Auf der einen Seite haben wir die
Verantwortung, unsere 200 Jahre währende Geschichte der Pflichterfüllung, Glaubwürdigkeit und des Verantwortungsbewußtseins gegenüber unseren
eigenen Bürgern und der Welt insgesamt fortzuführen.
Auf der anderen Seite wurden politische Debatten zwischen den Befürwortern einer Steueranhebung oder
eines Abbau der Verteidigungsausgaben
- oder beides - und denjenigen geführt, die sich für einen weiteren
Abbau der nationalen Ausgaben einsetzen, der das Defizit verringern und
unsere Wirtschaft stärken wird.

Wie ich bereits sagte, war dies
eine schwierige Entscheidung.
Sie
sollte als Zeichen dafür verstanden
werden, daß Amerika sich nicht seiner
Verantwortung entzieht. Aber jetzt,
nachdem die Entscheidung getroffen
ist, fordere ich die Länder mit einem
Handelsüberschuß auf, dasselbe zu tun
- den politischen Schneid zur Stimulierung ihrer Volkswirtschaften zu
haben, ohne das Feuer der Inflation
wieder anzufachen.
Es muß erkannt
werden, daß die Gesundung der Weltwirtschaft nicht nur von der amerikanischen Haushaltspolitik abhängt. So
wie das amerikanische Haushalts- und
Handelsbilanzdefizit abnimmt, müssen
andere Länder die Zügel in die Hand
nehmen, besonders im Hinblick auf Importe aus Entwicklungsländern.
Wir müssen unser Augenmerk auf
die
Erlangung
eines
ausgewogenen
Wachstums und auf offenere Volkswirtschaften
richten.
Finanzminister
Baker und die Finanzminister der anderen Industrieländer haben hart an
der Erschließung von Möglichkeiten
gearbeitet, um diese beiden Ziele zu
verwirklichen. Dies ist die wahre
Probe unserer Fähigkeit, die internationale Wirtschaft zu organisieren.
Sicherlich können wir ohne ein
offenes und gerechtes Welthandelssystem nicht erfolgreich sein. Mit dem
zunehmenden Tempo, in dem der Wandel
stattfindet, wird es wichtig, daß die
Richtlinien für den Handel und die
Spielregeln des internationalen Geschäftslebens dem letzten Stand entsprechen und daß wiederauftretende
Spannungsgebiete
bewältigt
werden.
Aus diesem Grund setzt sich unsere
Regierung außerordentlich für den Erfolg der Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen ein. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat GATT ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Ex-

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�pansion von Welthandel und Wirtschaftswachstum gespielt. Jetzt müssen neue Bereiche angesprochen werden, da Technologie und sich wandelnde Gegebenheiten das Potential und
den Umfang der Wirtschaftsbeziehungen
zwischen den Völkern der Welt erheblich vergrößern.
Dienstleistungen,
Investitionen und der Schutz geistigen Eigentums, die bisher nur das Inland betrafen, werden jetzt wirtschaftspolitische Aktivitäten, damit
zu einem Teil des Welthandels und
müssen in einem übergreifenden Handelsabkommen ihren Niederschlag finden.
Die
Management-Entscheidungen
müssen wir selbst treffen. Dies ist
eine Zeit immenser Möglichkeiten zur
Schaffung einer Welthandelsstruktur,
die die Menschheit zu neuen Höhen des
Unternehmertums, der Chancen und des
Wohlergehens führen wird. Einen guten Ansatzpunkt zur Erlangung dieses
lobenswerten Ziels bilden die umfassenden Vorschläge der Vereinigten
Staaten im Bereich der Landwirtschaft.
Seit allzulanger Zeit haben uns
unsere Maßnahmen im Bereich der Landwirtschaft beherrscht und nicht umgekehrt.
Wenn keine einschneidenden
gemeinsamen Maßnahmen erfolgen, könnte uns diese wachsende Last möglicherweise erdrücken. In den führenden Volkswirtschaften des Westens
sind die Subventionen in der Landwirtschaft von 10 bis 15 Milliarden
Dollar im Jahr 1970 auf 100 Milliarden Dollar im Jahr 1986 angestiegen.
Und das sind nur die direkten Kosten.
Milliarden Dollar werden von Regierungen für Kapitalinvestitionen in
der Landwirtschaft ausgegeben, die
innerhalb eines offenen Handelssystems völlig unnötig wären. Verbraucher in den Ländern mit Beschränkungen auf landwirtschaftlichen Importen
sind gezwungen, höhere Preise zu zah-

len und dabei die Einnahmen der Familie aufzuwenden, die einem besseren
Zweck zugeführt werden könnten.
Die unnötigen Kosten, Marktverzerrungen und die mangelnde Wirksamkeit
der
gegenwärtigen
Landwirtschaftspolitik bilden in den meisten
Ländern der westlichen Welt einen
Teil der wirtschaftspolitischen Landschaft. Aus genau diesem Grund, der
weiten Verbreitung des Problems, sind
wir der Auffassung, daß eine breit
angelegte, gemeinsame internationale
Lösung die einzige Antwort ist.
Wir bitten die Weltbevölkerung,
keine stückweisen Reformen sondern
einen tiefgreifenden Wandel in der
Produktion und Verteilung von Nahrungsmitteln und Faserstoffen zu erwägen. Wir schlagen vor, daß in den
nächsten zehn Jahren AgrarexportSubventionen,
Quoten,
nicht-tarifäre
Handelshemmnisse auslaufen und alle
Verzerrungen auf den kgrarmärkten abgebaut werden. Damit würden die Kosten für Nahrungsmittel verringert,
der Regierungshaushalt geschont, verschwenderische Praktiken abgeschafft
und das Wirtschaftswachstum auf einer
breitangelegten internationalen Ebene
angefacht. Zum Ende des Jahrhunderts
sehen wir ein weltweites offenes und
freies Handelssystems im Bereich der
Landwirtschaft voraus: die Menschen
aller Länder sollten sich verständigen, zusammenarbeiten und konkurrieren können, kaufen und verkaufen,
produzieren und vertreiben, wirksamere Möglichkeiten finden, um der weltweiten Herausforderung zu stellen,
wie wir unsere Nahrungsmittel sichern
können.
Unsere Leistungen im Bereich der
Landwirtschaft könnten eines Tages
als Vorbild dafür dienen, wie auf dem
gesamten Planeten die Grenzen für den
Handel aller Länder untereinander ge-

- 5-

�öffnet werden können - für ein weltweites freies und gerechtes Handelssystem, das die Menschheit vereint
und emporhebt. Wenn wir diese Zielsetzungen heute bekräftigen, sollten
wir betonen, daß wir gemeinsam - als
Menschheit - voranschreiten.
Kein
Land wird ausgenommen, kein Volk zurückgelassen werden.
Die Vereinigten
Staaten
verpflichten sich auch weiterhin darauf,
ihren Teil zur Zusammenarbeit mit den
Entwicklungsländern in ihrem Kampf um
das bessere Wohlergehen ihrer Völker
zu leisten.
Die Überwindung der dem Fortschritt in diesen ärmeren Ländern im
Wege stehenden Hindernissen ist vielleicht die größte Herausforderung an
unser Management, die sich uns heute
in der Welt stellt. Eine gemeinsame
Lösung für das Schuldenproblem ist
hier die einzig richtige Antwort.
Dazu gehören Partnerschaft unter den
Entwicklungsländern,
Handelsbanken
und internationale Finanzorganisationen.
Die immense von der Dritten Welt
getragene Schuldenlast ist nicht nur
ihr Problem; sie ist ebensosehr unser
Problem. Und heute wollen wir geloben: wir werden es gemeinsam lösen.
Zunächst sollten wir uns vor Augen halten, daß es dafür keine einfache Antwort oder schnelle Lösung
gibt. Diejenigen, die etwas anderes
raten, erliegen einem Fehlschluß oder
sagen nicht die Wahrheit. Jetzt ist
es an der Zeit für vernünftige Entscheidungsprozesse
und
verantwortungsvolles Management. Diejenigen,
die falschen Propheten folgen wollen
und Illusionen nachhängen statt eine
Lösung zu suchen, werden die Konseguenzen ihrer Taten zu spüren bekommen.

Die Vereinigten Staaten haben ein
konstruktives Programm vorgeschlagen,
mit dem die Schulden nicht beglichen
werden sollen, indem den Nationen der
Wohlstand entzogen wird, die bereits
arm sind, sondern durch eine Steigerung wirtschaftlicher Aktivitäten sowie durch Begleichung der Schulden
aus neuerworbenem Wohlstand. Vergangene Woche kündigte Finanzminister
Baker an, die Vereinigten Staaten
würden dieses Programm unterstützen
und erklärte, die Mittel der Weltbank
müßten aufgestockt werden. In Kürze
wird eine Reihe von Vorschlägen zur
Stärkung des IWF vorgelegt werden,
mit deren Hilfe wachstumsorientierte
Reformen gefördert werden sollen.
Aber dies allein wird nicht genügen.
Die Staatsoberhäupter der Schuldnerländer müssen schwierige Entscheidungen treffen.
Unser Motto muß
heißen: Wir können es schaffen.
Niemand sollte die Ansicht vertreten, manche Völker seien aufgrund
ihrer Kultur oder Rasse zu Armut und
Benachteiligung verurteilt.
Victor
Hugo schrieb dazu: "Den Menschen
fehlt nicht die Kraft, sondern der
Wille". Und der "Wille" entsteht aus
der Erkenntnis, daß man erreichen
kann, was man sich vornimmt und daß
große Taten möglich sind.
Was wir brauchen, sind Engagement
und wie bei jedem guten Management,
ein funktionsfähiges Modell. Solche
Modelle gibt es auf der Welt durchaus. In den vergangenen dreißig Jahren fanden außergewöhnliches Wachstum
und wirtschaftliche Fortschritte in
den Entwicklungsländern des Pazifischen Beckens statt, von denen es
einigen an allen wichtigen Bodenschätzen und auch an einer angemessenen geographischen
Lage mangelt.
Diese Völker haben große Schwierig-

�keiten überwunden, ihren Lebensstandard verbessert und sind zu einer
treibenden Kraft in der Weltwirtschaft geworden.
Sie haben dies
durch die Anwendung wirtschaftlicher
Konzepte erreicht, wie sie Amerikas
Wirtschaft in diesen vergangenen fünf
Jahren wiederbelebt haben. Steuerliche Maßnahmen und Regeln, mit deren
Hilfe Investitionen und Unternehmergeist ermutigt werden, sind das Geheimnis hinter diesem Wunder.
Und Schulden waren dementsprechend kein so ernsthaftes Hindernis
für das Wachstum im Pazifischen Bekken wie anderswo.
Der Erfolg, über den ich hier
spreche, steht völlig im Gegensatz zu
der Armut und dem Verfall, wie er in
den Ländern mit dirigistischen Entwicklungsmodellen sichtbar wurde. In
vielen Teilen Afrikas hat Kollektivismus sogar in den Ländern zu einem
Konjunkturrückgang geführt, die reich
an Bodenschätzen sind. Es besteht
jedoch Grund zu der Hoffnung, daß
sich das Blatt in Afrika gewendet
hat. Ein zunehmendes Engagement für
wirtschaftliche Reformen stellt eine
der vielversprechendsten Entwicklungen seit Jahren dar. Der Senegal,
Ghana, Kamerun und Malawi sind einige
der Länder, in denen marktorientierte
Reformen Anwendung finden. Diese Bemühungen werden vom IWF und der Weltbank unterstützt.
Die Vereinigten
Staaten tun, was sie können. Unsere
Bemühungen um die Wirtschaft der
afrikanischen Länder südlich der Sahara zielen darauf ab, dem Hunger
durch wirtschaftliches Wachstum, politische Reformen und die Entwicklung
des Privatsektors ein Ende zu bereiten. Ich hoffe, daß mit Hilfe gemeinsamer Unterstützung für die politischen Reformen in Afrika - einschließlich aktiver Teilnahme anderer
Geberländer und Institutionen - bis

zum Ende des Jahrhunderts dem Hunger
in Afrika ein Ende bereitet werden
kann.
Die guten Aussichten in einigen
afrikanischen Ländern stehen völlig
im Gegensatz zu der anhaltenden Misere in Äthiopien. Wir müssen zugeben,
daß Dirigismus und Dürre die Ursachen
einer menschlichen Tragödie waren,
die das Herz der Menschen auf der
ganzen Welt rührte. Trotz der Spenden an Nahrungsmitteln, Medikamenten
und anderen Hilfsprojekten für Äthiopien - die von hilfsbereiten Menschen
in den westlichen Ländern gegeben
wurden - hat die dortige marxistische
Regierung mit Unterstützung der Sowjetunion eine Richtung eingeschlagen,
die Hoffnungen für die Zukunft zunichte macht. Leider kehrt der Hunger in das Land zurück und es wird
immer klarer, daß ein tiefgreifender
Wandel stattfinden muß, wenn die
2 000 Jahre alte Gesellschaft überleben soll.
Äthiopien ist natürlich ein extremes Beispiel. Trotzdem besteht in
jedem Teil der Welt eine nicht zu
leugnende Beziehung zwischen Freiheit
und den Fortschritten der Menschen.
Je repressiver die Regierung, je mehr
Kontrolle durch die Regierung stattfindet, je ruinöser das Steuersystem,
umso eher wird eine Gesellschaft in
Armut
und
Verzweiflung
absinken.
John Dos Passos hatte nur zu recht
mit seiner Äußerung: "Der Marxismus
hat nicht nur bei bei der Förderung
der Freiheit des Menschen versagt.
Er hat bei der Produktion von Nahrungsmitteln versagt".
Chinesische Politiker haben das
verstanden, als sie ihrem Land den
Übergang zu einem freieren Wirtschaftssystem ebneten. In China finden jetzt weitverbreitete und umwälzende Reformen statt. Von 1979 bis

- 7 -

�1985 ist der Wert der Agrarproduktion
in China um das Doppelte des Wertes
der vergangenen fünfzehn Jahre gestiegen. Das Pro-Kopf-Einkommen der
Landbevölkerung hat sich mehr als
verdoppelt. Die gesamte Getreideernte ist von 300 Millionen Tonnen im
Jahr 1978 auf über 400 Millionen Tonnen im Jahr 1984 angestiegen.
Im
Jahr 1985 ist China zum ersten Mal in
25 Jahren zu einem Getreideexporteur
geworden. Ähnliche Fortschritte werden in anderen Teilen der Wirtschaft
verzeichnet, wo Reformen eingeführt
worden sind.
Auf der ganzen Welt erkennen die
Menschen, daß der Fortschritt ihre
Loslösung von rigider Kontrolle, hohen Steuern und von der Last stark
subventionierter
Staatsunternehmen
erfordert. In zahlreichen Industrie
und vielen Entwicklungsländern ist
die Abschaffung staatlicher Einflußnahme jetzt an der Tagesordnung. Anstatt Privatunternehmen als Gegner
anzusehen, betrachten die Regierungen
sie jetzt als große Hoffnung für
Fortschritt und Entwicklung. Steuersätze werden von Neuseeland bis
Frankreich, von Indien bis England
abgebaut. Regierungsunternehmen werden von Ghana bis Argentinien, von
den Philippinen bis Mexiko wieder in
die Privatwirtschaft überführt uri
von Subventionen befreit.
Der Antrieb zur Privatisierung
bildet eine unmittelbare Ergänzung
der Bemühungen zum Abbau der Schuldenlast. Die Umwandlung von Kreditforderungen in Beteiligungen kann
eine Methode zur Umgestaltung von
Verluste
bringenden
staatlichen
Dienstleistungsbetrieben in steuerzahlende
Privatunternehmen
bieten.
Die Schulden werden abgebaut und eine
Leistung der öffentlichen Haushalte
entfällt. Dem Staat steht es somit
frei, seine Mittel und Aufmerksamkeit

anderen Angelegenheiten zuzuwenden.
Meine von Botschafter William
Middendorf geleitete Präsidialkommission für wirtschaftliche Gerechtigkeit hat empfohlen, diese Methode
könne nicht nur zur Verringerung der
Schulden und Ankurbelung der Privatisierung angewandt werden, sondern
auch zur Ausweitung der Unternehmensbeteiligung von Arbeitnehmern. Kühne, innovative Ideen wie diese stehen
im Einklang mit der GesamtschuldenStrategie der Vereinigten Staaten und
verdienen es, ernsthaft erwogen zu
werden. Was wir heute nicht benötigen ist eine Haltung des Business-asusual. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin mit all jenen zusammenarbeiten, die ehrliche Anstrengungen
zur Lösung des Schuldendilemmas unternehmen.
So bedrückend
unsere Probleme
auch sind: Niemand sollte daran zweifeln, daß die Demokratie funktioniert.
Die ungezügelte Schaffenskraft freier Menschen ist die mächtigste, schöpferischste und moralischste Kraft auf unserem Planeten.
Und durch all die politischen Manöver
und öffentlichen Debatten hindurch,
durch die mühsamen Verhandlungen,
Kompromisse und Abstimmungen fühlt
jeder der Beteiligten, daß er oder
sie Teil von etwas viel Größerem, von
etwas Historischem ist. An jedem Tag
verdichten sich die Hinweise darauf,
daß die Zukunft auf Seiten der Freien
ist.
In der westlichen Hemisphäre
hat sich in den achtziger Jahren eine
Wende zur Demokratie vollzogen. Heute leben 90 Prozent der Bevölkerung
dieser Hemisphäre in Ländern, die
entweder demokratisch regiert werden
oder sich im Übergang zur Demokratie
befinden.
All jenen, die die Freiheit lieben, schlägt aufgrund der Rückkehr

�zur Demokratie auf den Philippinen
und der jüngsten Ereignisse in Südkorea das Herz höher. All dies sind
Gründe, darauf zu vertrauen, daß die
Menschheit sich wirklich auf dem Weg
in eine neue Sra der Freiheit und des
Wohlstandes, jener zwei sich gegenseitig verstärkenden Ziele, befindet.
Andres Bello, einer der großen
Denker des vergangenen Jahrhunderts,
hat einmal geschrieben: "Alle Wahrheiten berühren einander, von denen,
die den Weg der Planeten im Weltall
beherrschen ... bis hin zu jenen, die
die Aktionen und Reaktionen der politischen Kräfte betreffen. ... Fortschritte in einer Sparte ziehen Fortschritte in allen anderen nach sich,
alle sind verbunden und treiben sich
gegenseitig vorwärts."
Heute sind wir Teil dieses von
freien Männern und Frauen eingeleiteten Prozesses, der die Menschheit
vorwärts treibt. Die Weltbank, der
Weltwährungsfonds und jeder von Ihnen
spielen eine lebenswichtige Rolle und
es war eine Ehre für mich, heute zu
Ihnen zu sprechen.

* * * * *

- 9 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

30. September 1987

34

INF-ABKOMMEN DIENT SICHERHEITSINTERESSEN DER VERBÜNDETEN
- Rede von Botschafter Paul Nitze vor der M A S -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagans und Außenminister Shultz1 Sonderberater für Rüstungskontrollfragen, Botschafter Paul Nitze, sprach am 28. September anläßlich eines vom amerikanischen Verband zur Förderung der Wissenschaft (American Association for the Advancement of Science - AAAS) veranstalteten Kolloguiums über Wissenschaft, Rüstungskontrolle und nationale Sicherheit zum Thema "Die INF-Verhandlungen und die Sicherheit Europas".
Nachfolgend veröffentlichen wir seine Rede im Wortlaut:

Vor zwei Wochen gelang es den
Außenministern Shultz und Schewardnadse, erhebliche Hindernisse für
einen Rüstungskontrollvertrag mit der
Sowjetunion über Mittelstreckenwaffen
(INF) abzubauen. Bei dieser Zusammenkunft wurden die letzten grundsätzlichen Probleme gelöst. Das bedeutet noch kein Ende der Arbeit; die
entscheidenden
Verifizierungsmaßnahmen müssen noch ausgearbeitet werden,
und ganz zum Schluß könnten immer
noch Hindernisse auftreten.
Aber
wenn es uns gelingt, einen Vertrag
über
Mittelstreckenwaffen
abzu-

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schließen, zu ratifizieren und anzuwenden, wird er von erheblichem Nutzen für die Sicherheit unserer Verbündeten in Europa und in Asien und
damit auch für unsere eigene Sicherheit sein. Ich möchte Ihnen im folgenden den Stand der INF-Verhandlungen, die Aussichten für ihren Abschluß und die von uns angestrebten
Auswirkungen des Abkommens auf die
Sicherheit darlegen.
Historischer Hintergrund
Um die gegenwärtige Situation in

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�die richtige Perspektive zu rücken,
empfiehlt sich ein Rückblick auf den
Stand der INF-Verhandlungen vor viereinhalb Jahren.
Im Frühjahr 1983
legte die amerikanische Delegation in
Genf die fünf folgenden Kriterien
vor, die die Vereinigten Staaten als
grundlegend
für die Annehmbarkeit
eines Vorschlags zu den Mittelstrekkenwaffen betrachten:
Erstens müßte der Vorschlag gleiche Rechte und Begrenzungen für die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion vorsehen.
Zweitens müßten die Begrenzungen
bilateralen Charakter haben und nicht
durch Drittstaatensysteme kompensiert
werden können.
Drittens sollten sich die Begrenzungen auch auf Mittelstreckenwaffen
längerer Reichweite beziehen, wo immer diese auch stationiert sein mögen, um sicherzustellen, daß das Problem der Sicherheit nicht von Europa
in den Fernen Osten verlagert wird.
Viertens dürfte der Vorschlag
keine Schwächung des amerikanischen
Beitrags zur Abschreckung und Verteidigung im konventionellen Bereich der
NATO mit sich bringen,
Schließlich müßten alle Bestimmungen des Vertrages wirksam verifizierbar sein.
Keines dieser Kriterien wurde mit
dem damaligen sowjetischen Vorschlag
erfüllt. Die Sowjets schlugen vor,
britische und französische untersebootgestützte
ballistische
Raketen
(SLBMs), Mittelstreckenwaffen (IRBMs)
und Flugzeuge "mittlerer Reichweite"
sollten gemeinsam mit den amerikanischen Streitkräften in die Begrenzungen unserer Seite eingeschlossen
werden; die Einschränkungen wären al-

so nicht bilateraler Natur gewesen.
Aufgrund dieser sogenannten "Kompensierung" wären die Begrenzungen nicht
gleichwertig
gewesen;
sowjetischen
Kalkulationen zufolge wären den Vereinigten Staaten überhaupt keine Mitte Istreckenwaffen längerer Reichweite
zugestanden worden, während die Sowjets umfangreiche Streitkräfte behalten hätten. Die Null-Lösung hätte
nur auf unserer Seite stattgefunden.
Die Sowjets schlugen vor, das
INF-Abkommen sollte nur in Europa Anwendung finden; das Problem der Sicherheit hätte so in den Fernen Osten
verlagert werden können und aufgrund
der Reichweite, Mobilität und Transportfähigkeit der SS-20 wäre Europa
weiterhin einer nicht unerheblichen
Bedrohung ausgesetzt gewesen.
Die
Sowjets schlugen Reduzierungen bei
Mehrzweckflugzeugen vor; damit wäre
der amerikanische Beitrag im konventionellen Bereich der NATO verringert
worden. Schließlich mußten noch Problem der Verifizierung gelöst werden.
Heute,
vier
Jahre
später,
herrscht auf beiden Seiten Übereinstimmung über die Grundzüge eines Pakets, das vier dieser fünf Kriterien
erfüllt. Britische und französische
Systeme sind von diesem Paket ausgenommen.
Beiderseitige Begrenzungen
bei Null sind für amerikanische und
sowjetische INF längerer und kürzerer
Reichweite festgelegt worden. Diese
Systeme sind weltweit beschränkt, und
Mehrzweckflugzeuge sind von den Begrenzungen ausgenommen.
Zum fünften Kriterium der Verifizierbarkeit sind wir uns mit den Sowjets über die generellen Prinzipien
der Verifizierung einig, einschließlich der Vor-Ort-Inspektion, es bleiben jedoch noch Einzelfragen offen.
Daraus ist zu folgern, daß wir bei
INF bereits einen weiten Weg zurück-

- 2 -

�gelegt haben, es aber immer noch eine
Strecke zu bewältigen gilt.
Der gegenwärtige Stand
Das Paket, auf das sich beide
Seiten grundsätzlich geeinigt haben,
ähnelt der "Null-Lösung", wie sie von
Präsident Reagan zum ersten Mal im
Jahr 1981 vorgeschlagen wurde. Es
umfaßt die folgenden Vereinbarungen:
Abschaffung aller amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (zwischen
1 000 und 5 500 Kilometern) weltweit.
Abschaffung aller amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckenraketen kürzerer Reichweite (zwischen 500
und 1 000 Kilometern) weltweit.
Vernichtung aller abgebauten Raketen, das heißt, keine dieser Raketen wird in einen anderen Typ umgewandelt oder an ein anderes Land weitergegeben,
Verbot der Produktion, Modernisierung und Erprobungsflüge von Mittelstreckenraketen,
Verifizierung unter anderem durch
umfassenden Datenaustausch, Vor-OrtBeobachtung der Abschaffung von INFRaketen, wirksame Überwachung einschließlich Vor-Ort-Inspektion verbleibender INF-Raketen bis zu deren
Abschaffung sowie Beobachtung aller
angeschlossenen Einrichtungen.
Beide Seiten haben für den Vertrag
Formulierungen
vorgeschlagen,
die auf die weltweite Abschaffung von
Mittelstreckenraketen sowie auf andere Bestandteile ihrer jeweiligen
Position eingehen und einen gemeinsamen Vertragsentwurf erarbeitet. Bei
nicht beigelegten Meinungsverschiedenheiten zwichen beiden Seiten steht

der von der anderen Seite bevorzugte
Text in Klammern.
Im Verlauf der
Verhandlungen wird man sich mit der
Lösung dieser Meinungsverschiedenheiten befassen, so daß die Klammern
ausgelassen und ein vollständig ausgehandelter
Vertrag
hervorgebracht
werden kann.
Die Pershing
Deutschland

1A

der

Bundesrepublik

Das Haupthindernis beim Zusammentreffen Shultz-Schewardnadse betraf
die Pershing lA-Raketen der Bundesrepublik Deutschland und die Gefechtsköpfe der Vereinigten Staaten für
diese Raketen, die sich im Rahmen
einer festgelegten gemeinsamen Kooperationsstruktur mit der Bundesrepublik Deutschland in unserem Besitz
befinden.
Nachdem die Sowjets im
Verlauf von über fünf Jahren der INFVerhandlungen keine Begrenzungen dieser Systeme vorgeschlagen haben, forderten sie plötzlich im vergangenen
Frühjahr, diese amerikanischen Gefechtsköpfe sollten als abzuschaffende Systeme im Vertrag Niederschlag
finden. Dazu waren wir nicht bereit.
Während der zwei Jahrzehnte währenden Rüstungskontrollgespräche mit
den Sowjets vertraten die Vereinigten
Staaten die Auffassung, amerikanischsowjetische
Verhandlungen
beträfen
weder Drittstaatensysteme noch mit
unseren Verbündeten bestehende Kooperationsprogramme.
Unsere Gefechtsköpfe auf den Pershing-Raketen der
Bundesrepublik sind Teil dieses Kooperationsprogramms. Demzufolge werden wir mit den Sowjets keine Begrenzungen aushandeln, die Bedingungen
dieses amerikanischen-deutschen Vertrages verändern.
Obwohl wir diese kurzfristige
Forderung der Sowjets als künstliches
Hindernis betrachteten, mit dem Zwie-

- 3-

�tracht unter den NATOVerbündeten gesät werden sollte, wurde eine praktische Lösung durch eine im vergangenen
Monat abgegebene Stellungnahme Bundeskanzler Kohls möglich. Er erklärte, die Bundesrepublik würde ihre
Pershing-Raketen abbauen, wenn die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einen verifizierbaren INF-Vertrag abschließen und anwenden werden
und die Abschaffung amerikanischer
und sowjetischer Mittelstreckenraketen gemäß dem vereinbarten Zeitplan
durchgeführt würde.
Wir haben den Sowjets erklärt,
daß bei Erfüllung der von Bundeskanzler Kohl geäußerten Bedingungen seiner Aussage nach das Kooperationsprogramm im Bereich der Pershing-Raketen
beendet sein wird. Zu dem Zeitpunkt
werden die Gefechtsköpfe der Vereinigten Staaten für die deutschen Pershing-Raketen in Gefechtsköpfe umgewandelt werden, die keinem bestehenden Kooperationsprogramm unterliegen,
und sie werden abgezogen werden. Wir
sind mit den Sowjets übereingekommen,
daß die abgezogenen Gefechtsköpfe mit
Hilfe derselben Verfahrensweisen abgeschafft werden, wie sie für amerikanische und sowjetische Gefechtsköpfe von Mittelstreckenraketen Anwendung finden. Die Vorrichtungen für
die Kernexplosion und das Lenksystem
werden entfernt und den nationalen
Behörden übergeben werden; der verbleibende Gefechtskopf wird zerstört.
Dieses Ergebnis dient eindeutig
der Wahrung unseres Prinzips, bestehende Regeln der Zusammenarbeit nicht
durch ein bilaterales amerikanischsowjetisches Abkommen einzuschränken.
Die Sowjets haben erkannt, daß eine
Beendigung des amerikanisch-deutschen
Kooperationsprogramms
das Ergebnis
einer einseitigen Entscheidung wäre.
Wir haben im gesamten Verlauf der
Verhandlungen in engen Konsultationen

mit der Bundesrepublik Deutschland
gestanden, die dieses Ergebnis unterstützt.
Amerikanische
Verifizierung

Haltung

zur

Die vordringlichsten noch im Detail zu erörternden Themenkomplexe
sind der Zeitpunkt der Reduzierungen
sowie der entscheidende Bereich der
Verifizierung. Bei den Treffen zwischen Shultz und Schewardnadse haben
beide Seiten die Probleme der Verifizierung nicht in allen Einzelheiten
besprochen, da die Sowjets mehr Zeit
zur Prüfung der detaillierten, von
uns einige Tage zuvor in Genf unterbreiteten Vorschläge zur Verfügung
haben wollten.
Beide Seiten waren
sich jedoch über die Notwendigkeit
rascher Fortschritte in dieser Frage
einig.
Die jüngsten amerikanischen Vorschläge zur Verifizierung unterscheiden sich von den vorherigen, da sich
die verifizierbaren Begrenzungen verändert haben. Lassen Sie mich also
eine kritische Analyse des amerikanischen
Ansatzes
zur Verifizierung
eines zukünftigen INF-Abkommens vornehmen.
So nützlich das INF-Abkommen erscheinen mag und so erfolgreich wir
dabei vorgegangen sind, die Sowjets
zu einem Ergebnis zu bringen, das unserer ursprünglichen Zielsetzung entspricht, wäre das Abkommen dennoch
das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben ist, wenn es nicht wirksam
verifizierbar wäre. Wirksame Verifizierung ist die unabdingbare Gewährleistung für den nachhaltigen Beitrag
eines jedweden Abkommens zu Frieden
und Stabilität.
Vor einigen Monaten unterbreiteten die Vereinigten Staaten in Genf

�einen detaillierten Verifizierungsvorschlag zur Sicherstellung umfangreicher und wirksamer Maßnahmen für
die Verifizierung der INF-Obergrenzen, auf die man sich zu diesem Zeitpunkt geeinigt hatte - 100 Gefechtsköpfe auf INF-Raketen längerer Reichweite weltweit, von denen keine in
Europa
stationiert
sein
sollten.
Gleichzeitig teilten wir den Sowjets
mit, ein Abkommen zur Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen
INF-Raketen würde die Verifizierungsmaßnahmen vereinfachen.
Schließlich
würde mit solch einem Abkommen die
gesamte INF-Infrastruktur abgebaut,
und die Entdeckung nur einer einzigen
Rakete nach Beendigung der Reduzierungen würde den Beweis für die
Nichteinhaltung des Vertrages erbringen.
Nachdem die Sowjets der weltweiten Beseitigung dieser Raketen zugestimmt hatten, schlugen wir solch
einen vereinfachten Verifizierungsansatz vor. Wir teilten den Sowjets
mit, daß sich unser neuer Verifizierungsvorschlag auf folgende Annahmen
gründete:
Abbau aller INF-Raketen kürzerer
Reichweite innerhalb eines Jahres.
Abbau aller INF-Raketen längerer
Reichweite innerhalb von drei Jahren
und
Verbot der Modernizierung, Produktion und Erprobungsflüge von INFRaketen.
Vorbehaltlich der Zustimmung zu
diesen Bedingungen würden unsere vorgeschlagenen
Verifizierungsmaßnahmen
folgende Bestandteile enthalten:
Detaillierten und - sofern erforderlich - aktualisierten Austausch
von Daten über den Standort der Rake-

tenunterstützungseinrichtungen,
die
Anzahl der Raketen und Abschußvorrichtungen in diesen Einrichtungen
sowie technische Parameter dieser Raketensysteme.
Benachrichtigung über den Transport von Raketen und AbschußVorrichtungen zwischen bekanntgemachten Einrichtungen.
Eine Grundinspektion zur Verifizierung der Anzahl von Raketen und
Abschußvorrichtungen
in bekanntgemachten Einrichtungen.
Vor-Ort-Inspektionen zur Verifizierung der Vernichtung von Raketen
und Abschußvorrichtungen.
Kurzfristig anberaumte Inspektion
offengelegter Einrichtungen und
kurzfristig anberaumte Inspektion
bestimmter Einrichtungen in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion,
in denen dem Vertrag zuwiderlaufende
Raketenaktivitäten vermutet werden.
Mit
diesem
Verifizierungspaket
würden die einschneidendsten Verifizierungsmaßnahmen in der Geschichte
der Rüstungskontrolle in die Wege geleitet.
Von den Sowjets erwarten
wir, daß sie ihre Verpflichtung zur
intensiven Zusammenarbeit mit uns bei
der Erarbeitung einer Grundlage für
die wirksame Verifizierung des INFVertrages einhalten.
Aussichten für einen Vertragsabschluß
Wie stehen die Aussichten für
einen Vertragsabschluß? Es ist vielversprechend, daß keine Grundsatzprobleme offen geblieben sind. Dennoch sollte man nicht vergessen, daß
der Teufel häufig im Detail steckt.

- 5-

Auf dem Gebiet der Verifizierung

�bleibt noch sehr viel zu tun. Beide
Seiten müssen sich noch auf den Zeitplan der Reduzierungen einigen. Auch
hier scheint jedoch die offen gebliebene Frage technischen Charakter zu
haben - zum Beispiel, wie schnell
beide Seiten ihre Raketen sicher vernichten können - und wir sind übereingekommen, unseren INF-Delegationen
die erforderlichen Experten zur raschen Lösung dieser Frage zur Seite
zu stellen.
Der vielleicht vielversprechendste Aspekt ist, daß die Sowjets ebenso entschlossen zu sein scheinen wie
wir, so schnell wie möglich ein von
beiden Seiten akzeptiertes Abkommen
zu schließen. Wir haben uns dahingehend
geeinigt,
daß Außenminister
Shultz in der zweiten Oktoberhälfte
zur Erörterung noch verbleibenden
Fragen sowie aller anderen Themenkomplexe auf der breitgefächerten
amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung nach Moskau reisen wird. Ferner
haben wir uns auf ein Gipfeltreffen
zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow zwecks Unterzeichnung
eines
INF-Vertrages
im
Herbst dieses Jahres geeinigt. Unsere seit April letzten Jahres ohne
Unterbrechung in Genf tagende Delegation wird intensiv auf die Einhaltung
dieses Zeitplans hinarbeiten und hat
sich in eben dieser Woche zu einem
vorgezogenen Sitzungsplan bereit erklärt.
Auswirkung des Vertrages
Abschließend möchte ich eine immer häufiger erörterte Frage ansprechen: Würde ein INF-Vertrag in dem
von mir umrissenen Rahmen im Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten und der NATO liegen?
Seine Kritiker lassen zwei Hauptargumente unberücksichtigt. Das er-

ste von ihnen vorgebrachte Argument
ist, daß der Abzug amerikanischer
INF-Raketen aus Europa die NATO-Strategie der flexiblen Reaktion untergraben und die amerikanische Verteidigung von der NATO-Abschreckung abkoppeln würde.
Dieses Argument ist schwer zu akzeptieren, wenn man die Fähigkeiten
berücksichtigt, die der NATO verbleiben würden.
In Europa würden die
Vereinigten Staaten mehr als 4 000
nukleare Gefechtsköpfe für eine Vielzahl amerikanischer und bündniseigener Trägersysteme aufrechterhalten wie zum Beispiel Flugzeuge mit nuklearer Fähigkeit, bis hin zur F-III
mit einer größeren Reichweite als die
Pershing II, Kurzstreckenraketen und
nukleare Artillerie.
Ferner würden
der NATO weiterhin mehrere Hundert
SLBM-Gefechtsköpfe zur Verfügung stehen. Die britischen und französischen
Systeme
würden
stationiert
bleiben und die Modernisierungsprogramme könnten planmäßig durchgeführt
werden.
Und natürlich würden die
amerikanischen strategischen Streitkräfte weiterhin eine solide Grundlage der nuklearen Abschreckung darstellen.
Würden die Vereinigten Staaten
also von der NATO abgekoppelt? Angesichts der in Europa verbleibenden
Systeme sowie unserem umfassenden
Beitrag zur konventionellen Verteidigung der NATO, einschließlich der
mehr als 300 000 in Westeuropa stationierten
amerikanischen
Truppen,
scheint mir das Gerede von der Abkoppelung ungerechtfertigt.
Es erscheint nützlich, sich als
erstes die logische Grundlage für die
NATO-Entscheidung zur Stationierung
von LRINF-Raketen ins Gedächtnis zu
rufen. Mit seinem Doppelbeschluß von
1979 sprach sich das Bündnis zunächst

�für die Notwendigkeit kriegsschauplatzgebundener Raketen mit der Fähigkeit zur Bedrohung von Zielen auf
sowjetischem Territorium aus, als Reaktion auf die sowjetische Stationierung von Raketen mit geringerer
Reichweite als die der Interkontinentalraketen, d.h., der SS-20, die eine
Bedrohung der NATO-Länder von sowjetischem Territorium her darstellen.
Zweitens beschloß das Bündnis,
daß der Abbau der SS-20 und anderer
sowjetischer Raketen dieser Kategorie
Stationierungen der NATO unnötig machen würde. Mit anderen Worten, die
amerikanischen INF-Raketen waren dazu
gedacht, die Verbündeten der andauernden Wirksamkeit der Abschreckungsstrategie der NATO gegenüber den
SS-20 zu versichern. Wie die Verbündeten selbst klarstellten, wäre eine
solche Rückversicherung
angesichts
der anderen Beiträge der Vereinigten
Staaten zur Verteidigung der NATO
überflüssig, wenn die SS-20 entsprechend der Null-Lösung abgebaut würden.

gerückte INF-Vertrag weder die flexible Reaktion untergraben, noch die
Vereinigten Staaten von der NATO abkoppeln, noch zur Entnuklearisierung
Europas führen. Dagegen würde dieser
Vertrag das beträchtliche Ungleichgewicht der nuklearen Fähigkeiten abbauen, wie es von den Verbündeten Ende der siebziger Jahre erkannt wurde
und das Ungleichgewicht der von den
Bündnispartnern vorgeschlagenen Mittel beheben. Bis zum Abschluß dieses
Vertrages müssen wir noch einen weiten Weg zurücklegen, aber wenn es uns
gelingt, dieses Ziel zu erreichen,
wird damit den Sicherheitsinteressen
der Vereinigten Staaten und des Bündnisses gedient sein.

Das zweite, von Kritikern des zukünftigen
Vertrages
vorgebrachte
Hauptargument ist, daß er unaufhaltsam die vollständige Entnuklearisierung Europas anstreben würde. In der
Tat hat das Bündnis zugestimmt, daß
Nuklearwaffen weiterhin entscheidend
zur NATO-Strategie der Abschreckung
beitragen werden. Hochrangige NATOOffiziere sind sich angesichts des
weiterhin bestehenden beträchtlichen
Ungleichgewichts bei konventionellen
und chemischen Waffen der Fallstricke
weiterer Reduzierungen von Kernwaffen
in Europa wohl bewußt.
Sie sind
übereingekommen, daß Umfang und Wirksamkeit der Nuklearreserven des Bündnisses sich mit der Aufgabe der Abschreckung auf der niedrigstmöglichen
Ebene decken müssen.
Daher würde der in greifbare Nähe

- 7-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
30. September 1987

34

FRIEDEN UND STABILITXT VORRANGIGES ZIEL IN DER GOLF-REGION
- Präsident Reagans Erklärung zur Lage im Golf -

WASHINGTON - (AD) - Mit einer schriftlichen Erklärung forderte Präsident
Reagan die Sowjetunion am 24. September auf, die Verwirklichung des mit der
Sicherheitsresolution 598 des Vereinten Nationen geforderten Waffenstillstandes zu unterstützen.
Reagan erklärte ferner Frieden und Sicherheit zum "vorrangigen" Ziel der
Vereinigten Staaten in der Golf-Region. "Es liegt nicht in unserem Interesse,
den Iran oder irgendjemand anders zu provozieren", betonte der Präsident, verwies jedoch darauf, daß Washington weiterhin Druck für einen Waffenstillstand
ausüben, die Freiheit der Seefahrt in der Region verteidigen und den amerikanischen Verbündeten bei der Abwehr der iranischen Bedrohung helfen will.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung im Wortlaut:
Ich habe heute den beigefügten
Brief über die von unseren Streitkräften am 21. und 22. September 1987
gegen das iranische Schiff 'Iran Ajr'
unternommenen
Verteidigungsaktionen
an den Kongreß übermittelt. Wir betrachten diesen Zwischenfall als erledigt, und es werden gegenwärtig
Schritte zur Rückführung der 26 überlebenden Iraner sowie zur Überführung
der drei bei dem Zwischenfall getöteten Personen unternommen.
In den letzten vier Jahrzehnten
haben acht Präsidenten erkannt, daß
es im vorrangigen Interesse der Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

einigten Staaten liegt, der freien
Welt den Zugang zu den Energiequellen
des Persischen Golfs zu sichern und
eine feindliche Vorherrschaft in der
Golf-Region zu verhindern. Diese Interessen sind jetzt durch den iranisch-irakischen Krieg und durch das
anhaltend aggressive Verhalten des
Iran in der Region bedroht.
Der Irak hat seine Bereitschaft
erklärt, ohne Vorbedingungen eine gerechte Beilegung des Krieges auszuhandeln und die Sicherheitsresolution
598 der Vereinten Nationen anzuneh-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�men. Bis heute hat der Iran diese
Annahme verweigert. In der Zwischenzeit hat der Iran mit Hilfe militärischer Aktionen und terroristischer
Übergriffe seine Anstrengungen fortgesetzt, die friedlichen Nationen am
Golf einzuschüchtern, die Gewässer
für den neutralen Schiffsverkehr unpassierbar zu machen und eine zersetzende Mischung aus Religion und Politik in und außerhalb der Region zu
verbreiten.
Die Politik des Iran
schafft eine Bedrohung, durch die die
freie Schiffahrt und der freie Öltransport im Golf ernsthaft behindert
werden könnte.
Angesichts dieser Tatsachen müssen wir weiterhin konsequent unsere
begründete Politik der drei Schritte
im Golf verfolgen. Wir wollen
1.

zunehmend internationalen Druck
ausüben, um auf dem Verhandlungswege ein Ende des Krieges zu erlangen und seine Ausbreitung zu
verhindern;

2. weiterhin unerschütterlich unsere
Freunde, die friedlichen Nationen
am Golf, bei ihrer Verteidigung
gegen die Bedrohung aus dem Iran
unterstützen;
3.

auf vernünftige Art und Weise gemeinsame Bemühungen mit den Staaten des Rates für Zusammenarbeit
am Golf (Gulf Cooperation Council
- GCC) und anderen befreundeten
Ländern unternehmen, um Schiffe
unter amerikanischer Flagge zu
schützen und den Iran davon abzuhalten, die Freiheit der friedlichen Seefahrt ernsthaft zu gefährden.

Unser vorrangiges Ziel sind Frieden und Freiheit in der Region. Es
liegt nicht in unserem Interesse, den
Iran oder irgendjemand anders zu pro-

vozieren, obwohl wir uns bei Bedarf
verteidigen werden. Die Vereinigten
Staaten hoffen vielmehr, daß sich
normalere Beziehungen mit dem Iran
ergeben, wenn die Aggressivität des
Iran abnimmt und damit die Spannungen
in der Region abgebaut werden. Wir
haben diese Punkte wiederholt dem
Iran sowohl auf diplomatischem Wege
als auch mit öffentlichen Erklärungen
übermittelt.
Die Fortsetzung des iranisch-irakischen Krieges ist die Hauptursache
der zunehmenden Spannungen im Golf,
auf die unsere Streitkräfte und die
anderer Nationen reagiert haben. Wir
hoffen, daß der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen durch die baldige
Verwirklichung
von Resolution 598
eine auf dem Verhandlungswege erzielte
vollständige
Beilegung
dieses
Krieges hervorbringen kann. Wir hoffen, daß die Sowjetunion gemeinsam
mit dem Rat daraufhin arbeiten wird,
eine weitere Resolution anzunehmen
und daß sie den Prozeß nicht verzögert oder Möglichkeiten zur Erweiterung ihres Einflußbereiches auf Kosten des Friedens in der Region sucht.
Der Erfolg unserer Politik wird
zu einem großen Teil von der Konsequenz und Sorgfalt abhängen, mit der
wir diese durchführen. Unsere bisherige Entschlossenheit hat sich ausgezahlt - durch einen höheren europäischen Beitrag zum Schutz der freien Schiffahrt im Golf, durch die
stille, aber wichtige und wirkungsvolle Unterstützung der Bemühungen
unserer Marine und der anderer Nationen durch den GCC, mittels diplomatischer Bemühungen im Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen und durch eine
Abschreckung noch rücksichtsloserer
iranischer Übergriffe.
Wir müssen
weiterhin unser Bestes tun, um unsere
Interessen zu schützen und mit uns
befreundete Nationen - wie auch unse-

- 2 -

�re Gegner - der anhaltenden Entschlossenheit
und
Führungsposition
der Vereinigten Staaten zu versichern.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

BRENNTEST MIT VOLLER LEISTUNG
- Umkonstruierte Feststoffraketen für DISCOVERY-Flug in
der Erprobung -

Das Ergebnis des ersten Brennversuchs bei voller Leistung mit der umkonstruierten Feststoffrakete, die dem Raumtransporter beim Start zusätzlichen
Antrieb gibt, bezeichnete John Thomas, der Leiter des zuständigen NASA-Konstruktionsteams, als sehr befriedigend.
Die Inspektion des ersten Verbindungsteiles für die Hauptsegmente habe gezeigt, daß sich die Veränderungen bewähren. Am Verbindungsteil ("field Joint') waren keine heißen Gase durch die
neuartige Isoliermasse gedrungen. Die Dreifach-Ringdichtung hatte ebenfalls
ihre Funktion erfüllt. Und mit Ausnahme der Stellen, an denen sich heiße Aluminiumschlacke aus dem Treibstoff abgelagert hatte, hatte die Isoliermasse sogar ihre ursprüngliche Farbe. Zu derartigen Ablagerungen kommt es beim Start
eines Raumtransporters jedoch nicht, weil in diesem Fall die Schlacke mit den
Treibgasen ausgestoßen wird.
Der Brenntest war am 30. August
1987 auf einem Versuchsgelände der
Firma Morton-Thiokol in der Wüste des
US-Bundesstaates
Utah
durchgeführt
worden. Zwei Minuten lang, d.h. mit
der bei einem Start üblichen Dauer
und den dafür erforderlichen Mengen
an festem Treibstoff, brannte die horizontal montierte, 38 m lange Feststoffrakete mit einem riesigen Feuerschweif. Damit werde die erste Hürde
der für Juni 1988 geplanten Wiederaufnahme
der
Raumtransporterflüge
überwunden.
Drei bis vier weitere
volle Brennversuche sollen folgen -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der nächste Ende November.
Projektmanager Royce Mitchell bezeichnete den Versuch als den "kritischsten Test" seit Beginn des Programms zur Umkonstruktion, das nach
dem
CHALLENGER-Unglück
vom
Januar
1986 auf Vorschlag der Rogers-Kommission in Angriff genommen wurde. Die
in der Zwischenzeit erarbeiteten Änderungen
waren
in dem
getesteten
Feststoff-Booster zu 90 Prozent verwirklicht. So wurde z.B. die Abdichtung aus Synthesegummi zwischen den
großen Raketensegmenten von zwei auf

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�drei O-Ringe verstärkt und die Isolierung zwischen Brennkammer und Mantel verbessert. Es wurden Heizdrähte
eingebaut, um das Verbindungsteil bis
zum Start von außen her auf einer
Temperatur von 24 Grad Celsius zu
halten. Bei stärkerer Abkühlung besteht die Gefahr, daß das Dichtungsmaterial brüchig wird. Außerdem wurde das System der beim Zusammenfügen
der Segmente ineinandergreifenden Metallzungen und Metallklauen verbessert und mit zusätzlichen Sicherungen
versehen.

versuche
entsprechende
Belastungskomponenten eingeführt werden.
Der NASA-Direktor für bemannten
Raumflug, Richard Truly, betonte die
Bedeutung des jetzt erzielten Resultats, verwies aber zugleich darauf,
"Raumflug ohne Risiko" sei nicht realisierbar.
Er drückte ferner sein
großes Vertrauen in die im Rahmen des
gegenwärtigen Programms vorgenommen,
technischen Veränderungen aus.

* * * * *
Jede der beiden Feststoffraketen,
mit denen der Raumtransporter für den
Start ausgerüstet ist, besteht aus 11
Elementen. Sie werden im Herstellerwerk paarweise zu größeren - insgesamt vier - Segmenten zusammengebaut.
Ihre
Verbindungsstellen
bezeichnet
man als "factory joints".
Bei den
"field joints" handelt es sich um jene Verbindungen, die normalerweise
erst beim Zusammenbau der vier Hauptsegmente in Kap Canaveral entstehen.
Für den Ende August durchgeführten
Brenntest waren diese Montagearbeiten
in Utah ausgeführt worden. Und gegenwärtig
werden
"factory" wie
"field" -Verbindungsteile sehr gründlich untersucht.
Mit
insgesamt
520
Instrumenten
wurde der Ablauf des Versuchs in allen Einzelheiten
beobachtet.
Erst
nach Auswertung aller Meßdaten
wird
man darüber entscheiden, welche Art
von "künstlichen Pannen" beim nächsten Brenntest eventuell vorgegeben
werden sollen, um Aufschluß über weitere mögliche Gefahrensituationen zu
erhalten. NASA-Mitarbeiter verweisen
außerdem
darauf, daß beim letzten
Test bestimmte Belastungen , die sich
normalerweise durch das Gewicht von
Orbiter und externem Treibstofftank
ergeben,
nicht
auftraten.
Jedoch
sollen bei einem der nächsten Brenn- 2 -

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Freie Märkte stärken offenes Handeslsystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans bei der Jahresversammlung von IWF und Weltbank&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; INF-Abkommen dient Sicherheitsinteressen der Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Paul Nitze vor der AAAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frieden und Stabilität vorrangiges Ziel in der Golf-Region&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Reagans Erklärung zur Lage am Golf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brenntest mit voller Leistung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umkonstruierte Feststoffraketen für DISCOVERY-Flug in der Erprobung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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