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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

#

23. September 1987

33

INHALT

DOKUMENTATION
Aussichten für bessere Amerikanisch-Sowjestische Beziehungen
ermutigend
- Rede Präsident Reagans vor den Vereinigten Nationen Abkommen über Zentren zur Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges
unterzeichnet
- Erklärung von Reagan und Schewardnadse Reagan: Amerikanische Verfassung bringt friedliche Revolution hervor
- Proklamation des Präsidenten Reagan: Amerika braucht tatkräftige und informierte Bürger
- Ansprache des Präsidenten zum Verfassungstag Supermächte erzielen Grundsatzvereinbarung über INF
- Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächen Shultz-Schewardnadse HINTERGRUNDMATERIAL

INF-Abkommen hat keinen Einfluss auf flexible Reaktion der NATO
- Artikel über Anhörung im Senat -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

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^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

4

23. September 1987

33

AUSSICHTEN FÜR BESSERE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN ERMUTIGEND
- Rede Präsident Reagans vor den Vereinten Nationen

VEREINTE NATIONEN - (AD) - In seiner anläßlich der 42. Sitzung der Generalversammlung der vereinten Nationen gehaltenen Rede erklärte Präsident
Reagan am 21. September, geduldige Diplomatie könne zu einer Welt beitragen,
in der sowohl Frieden als auch Freiheit gedeihen und die Vereinigten Staaten
seien "durch neue Aussichten auf eine Verbesserung der Ost-West-Beziehungen
und insbesondere des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses ermutigt".
Der Präsident verwies darauf, daß es zwischen Washington und Moskau wahrscheinlich immer Meinungsverschiedenheiten geben werde, daß dies "uns jedoch
eine besondere Verantwortung auferlegt, Wege aufzuzeigen (...)
und der Welt
die Möglichkeit friedlicher Lösungen für politische Probleme zu geben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Gäste und Delegierte, ich möchte zunächst den von seiner Friedensmission in den Mittleren
Osten zurückgekehrten Generalsekretär
willkommen
heißen.
Hunderttausende
sind bereits in dem blutigen Kampf
zwischen Iran und Irak gefallen. Alle Menschen, die das Gute lieben,
werden dafür beten, daß dieses Blutbad bald ein Ende findet. Wir wünschen uns, daß der Generalsekretär
nicht nur ein Reisender in Sachen
Frieden, sondern auch der Mitbegründer eines andauernden Friedens zwi-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen diesen beiden Nationen sein
wird. Herr Generalsekretär, sie haben die volle Unterstützung der Vereinten Nationen.
Möge Gott Sie bei
Ihrer bevorstehenden Arbeit leiten.
Ebenso wie der
Generalsekretär
befinden sich die heute hier Versammelten auf einer Art Reise. Aus jedem Kontinent, von jeder Rasse und
aus fast allen Religionen kommen wir
in diesem großen Saal der Hoffnung
zusammen, um im Namen des Friedens
mit Diplomatie vorzugehen.
Diplomatie
ist natürlich ein schwieriges

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Handwerk mit vielen Schattierungen und dies so sehr, daß Diplomaten beim
Tode eines der listigsten Diplomaten
des 19. Jahrhunderts die Frage stellten:
"Was glauben Sie hat der alte
Fuchs damit gemeint?"
Aber wahre Führungsqualitäten als
Staatsmann erfordern nicht nur Geschick, sondern viel mehr - so etwas
wie Weitblick, der die Gegenwart und
die Möglichkeiten der Zukunft erfasst. ich bin heute hierher gekommen, um Ihnen meine eigene Sichtweise
der Zukunft dieser Welt darzulegen,
die, wie ich glaube, in ihren Grundzügen von allen Amerikanern geteilt
wird. Und ich hoffe, daß Andersdenkende es mir nicht übel nehmen, wenn
ich sage, wir in den vereinigten
Staaten glauben, der Ort, an dem man
zunächst mit der Gestaltung der Zukunft beginnen sollte, sei nicht auf
den Kontinenten und Meeren zu suchen
- obwohl Geographie natürlich eine
bedeutende Rolle spielt. Er befindet
sich auch nicht bei den nationalen
Reserven von Menschenleben und Maschinerie oder, auf der anderen Seite, auf dem finanziellen Sektor und
bei den Industriekapazitäten - obwohl
militärische
und
wirtschaftliche
Stärke natürlich entscheidend sind.
Wir beginnen mit etwas viel einfacherem und gleichzeitig viel tiefgreifenderem - dem Herzen der Menschen.
Auf der ganzen Welt lenkte das
Verlangen
des menschlichen
Herzens
die Richtung internationaler Politik
und straften den Mythos von Materialismus und historischem Determinismus
Lügen. Wir brauchen nur die Augen zu
öffnen, um die schlichten Hoffnungen
der Menschen wahrzunehmen, wie sie
unsere Zeit niederschreibt.
Im vergangenen Jahr waren es die
Menschen auf den Philippinen, die den
Geist der Demokratie wiederbelebt und

den Wahlprozeß neu eingeleitet haben.
Man sagt, sie hätten ein Wunder vollbracht, und wenn dies so ist, findet
gerade ein ähnliches Wunder - der
Übergang zur Demokratie - in der Republik Korea statt.
Haiti befindet
sich ebenfalls in der Ubergangsphase.
Manche
verzweifeln
angesichts
der
Konflikte oder Herausforderungen dieser
jungen, aufstrebenden
Demokratien, aber zunehmendes Leid gehört zu
jeder
Demokratie.
Die Vereinigten
Staaten haben es gespürt - wie auch
jede andere Demokratie auf der Erde.
Auch in Lateinamerika sind die
Stimmen der Freiheit zu vernehmen.
Es ist das Lied des nicht in Uniform
oder militärisch in Reih und Glied
marschierenden
Volkes, sondern
des
Volkes, das sich in seiner einfachen
Arbeitskleidung zu den Wahlen begibt.
Vor zehn Jahren lebte nur ein Drittel
der
Bevölkerung
Lateinamerikas und
der Karibischen Inseln in Demokratien
oder in Ländern, die sich im Ubergangsstadium befanden. Heute sind es
90 Prozent.
Aber diese weltweite Hinwendung
zur Demokratie ist nicht der einzige
Weg, auf den uns einfache Menschen uns, die wir als Gestalter der Geschichte bezeichnet werden - in die
Zukunft führen. Auf der ganzen Welt
entstehen
neue
Unternehmen,
neues
Wirtschaftswachtum und neue Technologien
in den Werkstätten einfacher
Menschen mit außergewöhnlichen Träumen.
Hier in den Vereinigten Staaten
hat der - durch Steuererleichterungen
und den Abbau von Vorschriften - wiederbelebte Unternehmergeist dem gegenwärtigen Wirtschaftswachstum neuen
Auftrieb verliehen.
Wissenschaftlern
am Massachusetts Institute of Technology (MIT) zufolge entstanden dreiviertel der seit dem Beginn unseres

�Aufschwungs
geschaffenen
mehr
als
13,5 Millionen neuen stellen in unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten - Unternehmen, die von
Menschen gegründet wurden, die ein
Risiko auf sich genommen haben. Und
vieles im Bereich unserer neuen Hochtechnologie wurde zuerst in den Garagen
aufstrebender
Jungunternehmer
entwickelt.
Aber Amerika ist weder
das einzige noch das beste Beispiel
für die Dynamik und die Träume, die
eine Befreiung der Märkte Wirklichkeit werden läßt.
In Indien und China haben freiere
Agrarmärkte zu einer Produktionsexplosion geführt.
In Afrika überdenken die Regierungen ihre Politik, und
wo sie den Bauern größere wirtschaftliche Freiheiten einräumen, hat sich
die
Getreideproduktion
erhöht.
Gleichzeitig haben in den Schwellenländern des pazifischen Raums freie
Märkte auf dem Dienstleistungs- und
Fertigungssektor sowie im Bereich der
Landwirtschaft zu erhöhtem Wachstum
und einem besseren Lebensstandard geführt.
Die
ASEAN-Länder,
Japan,
Korea und Taiwan, haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein wahres
Wirtschaftswunder vollbracht, und in
jedem dieser Länder ging die magische
Kraft von den Menschen aus, die als
Unternehmer erfolgreich waren.
In Lateinamerika
wird
dieselbe
Lektion der freien Märkte, besseren
Möglichkeiten und des Wachstums gelernt und angewandt. Der brasilianische Staatspräsident Sarney hat für
viele andere gesprochen, als er sagte:
"privatinitative
ist die Antriebskraft der wirtschaftlichen Entwicklung, in Brasilien haben wir gelernt, daß mit jedem Mal, mit dem der
Staat
zunehmend
in die Wirtschaft
eingreift, unsere Freiheit abnimmt".
Eine Politik, die die Träume der Menschen Wirklichkeit werden läßt, fin-

det also auf der ganzen Welt Verbreitung. Von Kolumbien über die Türkei
bis hin zu Indonesien senken Regierungen die Steuern, überprüfen ihre
Vorschriften und eröffnen Initiativen
neue Möglichkeiten.
In den Sälen dieses Gebäudes wurde viel über das "Recht auf Entwicklung" gesprochen. Aber es tritt immer klarer zutage, daß Entwicklung
selbst kein Recht ist. Sie ist ein
Produkt von Rechten - des Rechts auf
Eigentum, des Rechts auf den freien
Warenumschlag, auf Vertragsabschlüsse, des Rechts auf Befreiung
von
überhöhten
Steuern,
übertriebenen
Vorschriften und zuviel Regierungsgewalt.
Untersuchungen haben gezeigt,
daß in Staaten mit geringeren Steuern
ein größeres Wachstum hervorgebracht
wird als in solchen mit hohen Steuersätzen.
Das Phänomen der "schwarzen Wirtschaft" ist uns allen bekannt.
Der
Wissenschaftler Hernando de Soto und
seine Kollegen haben die Situation
eines Landes - Perus - untersucht und
ein Wirtschaftssystem der Armen beschrieben, das erdrückende
Steuern
und Vorschriften umgeht. Diese "inoffizielle Wirtschaft", wie sie von
den Wissenschaftlern
genannt wird,
ist der Hauptlieferant vieler Güter
und Dienstleistungen und oftmals die
einzige Möglichkeit zum Aufstieg. in
der Hauptstadt organisiert sie den
öffentlichen Nahverkehr und fast alle
Straßenmärkte. Und die Wissenschaftler kommen zu dem Schluß, daß dank
der inoffiziellen Wirtschaft "die Armen arbeiten und reisen können und
ein Dach über dem Kopf haben". sie
hätten hinzufügen können, daß die Armen durch ihre Tätigkeit als oder für
schwarze Unternehmer weniger arm geworden sind und die Nation selbst
reicher geworden ist.

- 3 -

�Die Anhänger dirigistischer Lösungen für die Entwicklung sollten
sich merken, daß der freie Markt den
anderen Weg zu einer Entwicklung eröffnet und zwar den einzig richtigen.
Es ist der Weg des Volkes. und im
Gegensatz zu anderen Wegen führt er
zum Ziel.
Hier ist meiner Ansicht
nach der Plan für die Zukunft der
Welt zu finden - in den Herzen der
Menschen, ihren Hoffnungen für sich
selbst und ihre Kinder, in ihren
Nachtgebeten und denen ihrer Familien.
Diese einfachen Menschen beherrschen die Erde, sie sind die wahren Erbauer der Welt und gestalten
die vor uns liegende Zukunft.
und
wenn sie letztlich triumphieren, was
sie meiner Ansicht nach tun werden,
werden wir schließlich eine Welt der
Demokratie kennenlernen - eine Welt,
in der
der
Geist der
Menschheit
schließlich die altbekannten Feinde
von Hunger, Krankeit, Tyrannei und
Krieg besiegt.

Tages ihre Schwerter zu Pflugscharen
macht, die Hoffnung auf den Frieden.
In keinem Teil der Erde braucht
der Frieden heute mehr Freunde als im
Mittleren Osten.
Dort wächst die
Sehnsucht der Menschen nach Frieden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin den Parteien ein aktiver Partner bei ihren Bemühungen sein, zusammenzufinden, um ihre Differenzen beizulegen und einen gerechten und dauerhaften Frieden aufzubauen.
Dieser Monat erinnert an den Beginn des Krieges zwischen Iran und
Irak vor acht Jahren. Vor zwei Monaten hat der Sicherheitsrat eine verbindliche
Resolution
verabschiedet,
die einen Waffenstillstand, Rückzug
der Truppen und Verhandlungen zur Beendigung des Krieges fordert.
Die
Vereinigten Staaten unterstützen die
Durchführung der Resolution 598 ebenso sehr wie wir die jüngste Mission
des
Generalsekretärs
unterstützen.
Wir haben die Annahme der Resolution
durch den Irak begrüßt und sind weiterhin enttäuscht über die mangelnde
Breitschaft des Iran, diese zu akzeptieren.

Dies ist meine Vision und Amerikas Vision. Ich weiß, daß einige in
diesem
Saal vertretene
Regierungen
anderer
Auffassung
sind.
Manche
glauben nicht an Demokratie oder an
politische, wirtschaftliche und religiöse Freiheit.
Einige glauben an
Diktatur - eines Mannes, einer Partei, Klasse, Rasse oder einer Führungselite.
Diesen Regierungen will
ich nur sagen, daß der Preis für Unterdrückung klar ist.
Ihre Volkswirtschaften werden immer mehr zurückfallen. Ihr Volk wird immer unruhiger werden. ist es nicht besser,
jetzt den Hoffnungen des Volkes Gehör
zu schenken als später
ihre Verwünschungen anhören zu müssen?

Ich
weiß,
daß
der
iranische
Staatspräsident morgen zu Ihnen darüber sprechen wird.
Ich möchte ihn
bei dieser Gelegenheit klar und unzweideutig auffordern, sich dazu zu
äußern, ob der Iran 598 akzeptiert
oder nicht. Wenn die Antwort positiv
ausfällt, wäre dies ein willkommener
Schritt und ein wichtiger Durchbruch.
Wenn sie negativ ausfällt, bleibt dem
Rat keine Wahl als die Verabschiedung
von Zwangsmaßnahmen.

Und dennoch besteht trotz unserer
Verschiedenartigkeit eine gemeinsame
Hoffnung, die uns alle auf diese gemeinsame Reise geschickt hat - die
Hoffnung, daß die Menschheit eines

Seit vierzig Jahren haben die
Vereinigten Staaten ihr lebenswichtiges Interesse an der Sicherheit im
Persischen Golf und in den angrenzenden Ländern klar herausgestellt. Die

�dort befindlichen ölvorräte sind für
die Volkswirtschaften der freien Welt
von
strategischer
Bedeutung.
Wir
setzen uns für den freien Verkehr
dieses Öls ein sowie dafür, daß die
Vorherrschaft
jedweder
feindlichen
Macht in der Region verhindert wird.
Wir streben keine Konfrontation
mit dem Iran oder irgendjemand anders
an. Unser Ziel besteht darin - und
es hat zu jedem Zeitpunkt darin bestanden - ein Mittel zu finden, um
den Krieg ohne Sieger und Besiegte zu
beenden. Die zunehmende Präsenz unserer Marine im Golf stellt keine
Parteiergreifung für die eine oder
andere Seite dar. Es ist eine Reaktion auf die erhöhten Spannungen und
eine Folge der Konsultationen mit unseren Freunden in der Region. Wenn
die Spannungen abnehmen, werden wir
auch unsere Präsenz abbauen.
Die Vereinigten Staaten sind mit
vielen
diplomatischen
Entwicklungen
der jüngsten Zeit zufrieden - der
einstimmigen Verabschiedung von Resolution 598, der Stellungnahme der
Arabischen Liga bei ihrem jüngsten
Treffen in Tunis und dem Besuch des
Generalsekretärs.
Trotzdem gibt es
weiterhin Probleme.
Die Sowjetunion hat bei der Ausarbeitung
und der Erzielung einer
Übereinkunft zu Resolution 598 Unterstützung geleistet.
Aber außerhalb
des Sicherheitsrates haben sich die
Sowjets anders verhalten.
Sie haben
den Abzug unserer Marine aus dem Golf
gefordert, obwohl sie seit 40 Jahren
dort präsent ist. Sie haben die falsche Anschuldigung erhoben, daß die
Vereinigten Staaten - und nicht der
Krieg selbst - auf irgendeine Weise
die Quelle der Spannungen im Golf
sind. Solche Behauptungen sind wenig
hilfreich.
Sie lenken die Aufmerksamkeit von der sich uns stellenden

Herausforderung
Krieges.

ab

-

dem

Ende

des

Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß die Sowjets gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates ernsthaft ein Ende des Konfliktes
anstreben werden, der niemals hätte
beginnen dürfen, seit langem beendet
sein sollte und inzwischen zu einer
der größten Tragödien der Nachkriegszeit geworden ist.
In einer anderen Region beobachten wir die andauernde sowjetische
Besetzung
Afghanistans.
Nach
fast
acht Jahren, einer Million Opfern,
fast vier Millionen ins Exil gezwungenen Menschen und heftigeren Kämpfhandlungen als jemals zuvor ist es
jetzt an der Zeit, daß die Sowjets
abziehen.
Das
afghanische
Volk
muß
das
Recht erhalten, seine eigene Zukunft
frei von ausländischem Zwang selbst
zu bestimmen.
Es gibt keine Entschuldigung für die Fortführung eines
brutalen Krieges oder die Einsetzung
eines Regimes, dessen Tage zweifelsohne gezählt sind.
Dieses Regime
bietet politische Vorschläge an, die
nur scheinbar Kompromisse sind, in
Wirklichkeit jedoch die Fortdauer der
Macht des Regimes sichern würden.
Solche Vorschläge haben die wichtigste Probe nicht bestanden: sie sind
vom afghanischen Volk zurückgewiesen
worden.
Die
Widerstandsbewegung
wird mit jedem Tag stärker. Sie ist
bei der Suche nach einer auf dem Verhandlungswege zu erzielenden Lösung
eine unentbehrliche Partei.
Die Völkergemeinschaft muß weiterhin
auf echter
Selbstbestimmung
beharren - auf unverzüglichem und
vollständigem sowjetischen Truppenabzug und der sicheren und ehrenvollen
Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Hei-

- 5 -

�mat. Es könnte der Versuch unternommen werden, in diesem Jahr einige wenige Länder zu einem geänderten Abstimmungsverhalten bewegen zu wollen,
aber ich bin davon überzeugt, daß
dieses Gremium wie in allen vorherigen Jahren mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit und Freiheit des afghanischen Volkes stimmen
wird.
Wir
haben
Generalsekretär
Gorbatschows
Bereitschaftserklärung
zum Truppenabzug zur Kenntnis genommen.
Im April habe ich die Sowjetunion aufgefordert, ein Datum in diesem Jahr für den Beginn des Abzugs zu
bestimmen. Ich wiederhole diese Forderung jetzt vor diesem Friedensforum. Sobald die Sowjetunion überzeugende Beweise für ihre Bereitschaft
zu einer echten politischen Beilegung
des Konflikts vorbringt, werden die
Vereinigten Staaten unverzüglich behilflich sein. Dies kann ich Ihnen
versichern.
Lassen Sie mich in dieser Angelegenheit eine abschließende Bemerkung
anführen.
Ungeachtet des ungeheuren
Drucks und der Einschüchterung, denen
sich Pakistan gegenübersah, hat es
afghanischen
Flüchtlingen
Zuflucht
gewährt.
Wir sind von Hochachtung
für den Mut Pakistans und des pakistanischen Volkes erfüllt.
Es verdient unsere volle Unterstützung.
Wie wir alle wissen, erschüttert
ein weiterer regionaler Konflikt Zentralamerika: Nicaragua.
An die heute hier anwesende sandinistische Delegation wende ich mich
mit den Worten:
Ihr Volk kennt den
wahren Charakter Ihres Regimes. Ihr
Volk mußte erleben, wie seine Freiheit unterdrückt wurde. Es mußte erleben, wie die Versprechungen von
1979 unerfüllt blieben. Es mußte er-

leben, daß die Reallöhne und Einkommen seit 1979 um die Hälfte - ja, in
der Tat um die Hälfte - gekürzt wurden, während sich Ihre Parteielite
einem Leben voller Privilegien und
Luxus hingibt.
Aus diesem Grund sehen Sie sich,
trotz der - alleine im vergangenen
Jahr - von sowjetischer Seite geleisteten Hilfe in Höhe von 1 Milliarde
Dollar und trotz der größten und am
besten ausgerüsteten Armee in Zentralamerika im eigenen Land mit einer
Volksrevolution
konfrontiert.
Aus
diesem Grund ist der demokratische
Widerstand in der Lage, tief im Innersten Ihres Landes ungehindert zu
operieren.
Aber
diese
Revolution
sollte keine Überraschung
für Sie
sein, denn es ist die Revolution, die
Sie dem Volk versprochen hatten, dem
Volk, an dem Sie dann verrat begangen
haben.
Das ziel der amerikanischen Politik in Nicaragua ist eindeutig.
Es
deckt sich mit dem Ziel des nicaraguanischen Volkes und der Freiheitskämpfer:
Demokratie - echte, freie,
pluralistische, konstitutionelle Demokratie.
Sie müssen begreifen, daß
weder wir noch die Völkergemeinschaft
eine "Scheindemokratisierung" akzeptieren werden, die darauf ausgerichtet ist, die Fortsetzung der Diktatur
zu verschleiern.
Dieses zweihundertste Jahr unserer eigenen Verfassung begehen wir in
dem Bewußtsein, daß echte Demokratie
von den Schutzvorrichtungen institutioneller Strukturen abhängt, die eine
Machtkonzentration
verhindern.
Das ist es, womit Rechte gesichert
werden. Die vorübergehende Lockerung
von Kontrollen - die später wieder
verschärft werden können - ist keine
Demokratisierung.

�Wiederum an die Sandinisten gerichtet, sage ich: Wir geben unsere
Hoffnung
nicht auf, daß Nicaragua
Teil des wahren demokratischen Wandels wird, den wir im Verlauf dieses
Jahrzehnts in ganz Zentralamerika beobachten konnten.
Unseren uneingeschränkten Beifall finden die im Abkommen
von
Guatemala
verankerten
Grundsätze, mit denen die Sicherheit
der zentralamerikanischen Demokratien
an demokratische Reformen in Nicaragua gekoppelt wird. Jetzt ist es für
Sie an der Zeit, die Militärmaschinerie zu verschrotten, die Ihre Nachbarn bedroht und Ihr eigenes Volk angreift.
Sie müssen ihre Unterdrükkung der politischen Aktivitäten im
Inland aufheben.
sie müssen freie
und gerechte Nationalwahlen abhalten.
Die Medien müssen wirklich frei sein
und nicht durch indirekte Maßnahmen
wie die Verweigerung von Zeitungspapier oder Bedrohung von Journalisten
und deren Familien zensiert oder eingeschüchtert oder lahmgelegt werden.
Exilanten muß die Rückkehr gestattet
werden, damit sie in ihrem Land ihre
Religion ausüben, leben, arbeiten und
sich politisch organisieren können.
Dann erst, wenn die religiöse Verfolgung beendet und in den Gefängnissen
nicht länger politisch Gefangene inhaftiert sein werden, wird nationale
Aussöhnung
und
Demokratie
nu'glich
sein.
Solange
dies
nicht
geschieht,
wird
"Demokratisierung" ein Betrug
bleiben.
Und
bis dies geschieht,
werden wir auf echte Demokratie drängen, indem wir diejenigen unterstützen, die dafür kämpfen.
Freiheit
in Nicaragua, Angola,
Afghanistan, Kambodscha, Osteuropa,
Südafrika oder sonstwo auf der Welt
ist nicht nur eine innenpolitische
Angelegenheit. Vor einiger Zeit hat
der tschechische Schriftsteller und

Regimekritiker Wazlaw Hawel die Welt
mit den Worten gewarnt: "Die Respektierung der Menschenrechte ist die
Grundvoraussetzung und einzig wahre
Garantie
für
den
Frieden".
Und
Andrej Sacharow erklärte in seiner
Ansprache
anläßlich
der
Verleihung
des Friedensnobelpreises:
"Ich bin
davon überzeugt, daß internationales
Vertrauen, gegenseitiges Verständnis,
Abrüstung und internationale Sicherheit ohne eine auf Informationsfreiheit, Gewissensfreiheit, das Recht zu
veröffentlichen, zu reisen und das
Land zu wählen, in dem man leben
möchte,
gegründete
offene
Gesellschaft undenkbar sind."
Freiheit dient dem Frieden.
Das
Streben nach Frieden muß der Sache
der Freiheit dienen.
Geduldige Diplomatie kann zu einer Welt beitragen, in der Frieden und Freiheit gedeihen können. Wir fühlen uns durch
neue Aussichten auf eine Verbesserung
der Ost-West-Beziehungen und insbesondere des amerikanisch-sowjetischen
Verhältnisses ermutigt.
In der vergangenen Woche kam der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse zu Gesprächen mit mir
und Außenminister Shultz in Washington zusammen.
Wir haben die ganze
Bandbreite der Themen diskutiert, bis
hin zu den fortgesetzten Bemühungen,
erstmalig einschneidende Reduzierungen bei den Nuklearwaffen auf amerikanischer und sowjetischer Seite zu
erzielen. Zum Beispiel habe ich bereits vor sechs Jahren die "Null-Lösung" für amerikanische und sowjetische Nuklearraketen
längerer
und
mittlerer
Reichweite
vorgeschlagen.
Ich bin sehr erfreut, daß wir nun
grundsätzliche
Einigung
über
einen
wahrhaft historischen Vertrag erzielt
haben, mit dem eine ganze Kategorie
von Nuklearwaffen auf amerikanischer
und sowjetischer Seite abgebaut wird.

- 7 -

�Ferner haben wir uns auf eine Intensivierung unserer diplomatischen Bemühungen in allen Bereichen von gegenseitigem Interesse geeinigt.
Mit diesem Ziel vor Augen werden
die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse in einem Monat wiederum
in Moskau
zusammenkommen, und ich
werde mich in diesem Herbst erneut
mit Generalsekretär Gorbatschow treffen.
Wir haben noch immer Meinungsverschiedenheiten,
die
wahrscheinlich
stets bestehen bleiben werden. Aber
dadurch wird uns eine besondere Verantwortung auferlegt, Wege - realistische Wege - aufzuzeigen, mit denen
unser
Konkurrenzkampf
ausgewogener
gestaltet werden könnte und mittels
derer wir der Welt ein konstruktives
Beispiel des unschätzbaren Wertes der
Kommunikation und der Möglichkeit zu
friedlichen Lösungen für politische
Probleme geben können.
In diesem Zusammenhang möchte ich
hinzufügen, daß wir mit unserer Strategischen
Verteidigungsinitiative
versuchen, einen Weg zur Bewahrung
des Friedens zu schaffen, indem wir
uns bei der Abschreckung auf Verteidigung - und nicht Angriff - stützen
und dafür eintreten, ballistische Raketen eines Tages zu verschrotten.
SDI hat die Aussichten auf echte Waffenreduzierungen
entscheidend
vergrößert.
SDI bildet einen wesentlichen Bestandteil unserer Bestrebungen
zur Gewährleistung
einer Welt mit
mehr Sicherheit und eines stabileren
strategischen Gleichgewichts.
Wir werden das Ziel der Waffenreduzierungen stets verfolgen, insbesondere das Ziel, auf das sich der
Generalsekretär und ich geeinigt haben - einen 50prozentigen Abbau unserer strategischen Nuklearwaffen. Wir
- 8

werden die Sowjets weiterhin zu einem
konstruktiveren
Verhalten
bei
der
Beilegung regionaler Konflikte drängen. Wir hoffen auf die Einhaltung
der Abkommen von Helsinki durch die
Sowjets.
Wir
hoffen
auf
größere
Freiheit für das sowjetische Volk in
seinem eigenen Land und auf vermehrten Austausch zwischen den Menschen
in ihren und unserem Land sowie die
tatsächliche Anerkennung
der
Freiheitsrechtes durch die Sowjets.
Wir sehen der Zeit entgegen, in
der die Dinge, die wir heute als
Quelle von Spannungen und sogar Gefahr ansehen, für die Zusammenarbeit
zwischen uns und der Sowjetunion beispielhaft werden können. So habe ich
zum Beispiel Zusammenarbeit beim Abbau der Schranken zwischen Ost und
West in Berlinund im weiteren Sinne
in ganz Europa vorgeschlagen. Lassen
Sie uns gemeinsam ein Europa schaffen, in dem Gewalt oder die Androhung
von Gewalt, etwa in Form von Mauern
oder Gewehren, nicht länger ein Hindernis für die freie Wahl des Einzelnen und ganzer Nationen darstellen.
Ich habe ferner von der Sowjetunion
offenere Informationen über ihre militärische Stärke, Politik und Programme gefordert, so daß unsere Verhandlungen über Rüstungsreduzierungen
mit größerem Vertrauen
fortgeführt
werden können.
Wir hören viel über den Wandel,
der sich in der Sowjetunion vollzieht. Wir sind an diesem Wandel ausserordentlich interessiert. Wir vernehmen das Wort "Glasnost", das mit
"Offenheit" übersetzt wird.
Im Englischen ist "Offenheit" ein weitgefaßter Begriff. Er bedeutet freien,
ungehinderten Austausch von Informationen, Gedanken und Menschen.
Er
beinhaltet politische und intellektuelle Freiheit in all ihren Dimensionen. Wir hoffen, zum Wohle der Men-

�sehen in der UdSSR, daß sich ein solcher Wandel vollziehen wird. Und wir
hoffen, zum Wohle der Sache des Friedens, daß er eine Außenpolitik mit
sich bringt, dank derer die Freiheit
und Unabhängigkeit anderer Völker geachtet wird.
Kein Ort könnte besser für Friedensdiskussionen
geeignet
sein als
dieser Saal. Der erste Generalsekretär, Trygve Lie, sagte über die Vereinten Nationen: "Angesichts der Gefahr eines Feuers und in Ermangelung
einer organisierten Feuerwehr zeugt
es nur von gesundem Menschenverstand,
wenn
sich
die
Nachbarn
zusammenschließen und ihre eigene Feuerwehr
aufbauen."
Sich zusammenzuschließen, um die
Flammen des Krieges zu ersticken dies war, gemeinsam mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
das Gründungsideal der Vereinten Nationen. Es ist die ständige Herausforderung
an uns, sicherzustellen,
daß die Vereinten Nationen diesen
Hoffnungen gerecht werden.
Wie der Generalsekretär vor einiger Zeit feststellte, hat sich das
Risiko der Anarchie auf der Welt vergrößert, da die Grundregeln der Charta der vereinten Nationen verletzt
worden sind. Die Vollversammlung hat
dies wiederholt im Hinblick auf die
Besetzung
Afghanistans
bestätigt.
Der Charta kommt auch heute noch konkrete praktische Bedeutung zu, da sie
sich auf alle Dimensionen der Hoffnungen des Menschen erstreckt, die
ich bereits angeführt habe - das Sehnen nach Demokratie und Freiheit,
nach weltweitem Frieden und Wohlstand.
Aus diesem Grund müssen wir die
Allgemeine
Erklärung
der Menschenrechte vor Entwürdigung wie im Falle
der unrühmlichen Resolution "Zionis- 9

mus ist Rassismus" schützen.
Wir
dürfen versuche zur Kontrolle der Medien und verschärfter Zensur unter
dem
Deckmantel
einer
sogenannten
"Neuen Weltinformationsordnung" nicht
zulassen.
Wir müssen
Bestrebungen
unterbinden, umstrittene und irrelevante Themenkomplexe in die Arbeit
spezialisierter und technischer Behörden einzubringen, in denen wir
Fortschritte bei den vordringlichen
Problemen des Terrorismus bis hin zu
Drogenschmuggel
und nuklearer
Verbreitung zu erzielen suchen, von denen wir uns alle bedroht sehen. Solche
Bestrebungen
untergraben
die
Charta und schwächen die Vereinten
Nationen.
Es sind bedeutende Reformen in
der
Verwaltung
und
beim
Haushalt
durchgeführt worden.
Sie haben geholfen.
Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet, in dem Maße
wie die Reformen voranschreiten, ihren Beitrag wieder zu entrichten. Es
bleibt jedoch noch sehr viel zu tun.
Die Vereinten Nationen wurden auf
große Träume und große Ideale gegründet. Gelegentlich sind sie vom rechten Weg abgekommen.
Nun ist es an
der Zeit, daß sie nach Hause zurückkehren.
Es war Dag Hammar skjold, der sagte:
"Am Ende aller politischen Bestrebungen muß das Wohlergehen des
Einzelnen in einem Leben in Sicherheit und Freiheit stehen."
Sollte
dies nicht unser Glaubensbekenntnis
für die vor uns liegenden Jahre sein?
Heute habe ich von einer Vision
und den ihrer Verwirklichung im Wege
stehenden
Hindernissen
gesprochen.
Vor mehr als einem Jahrhundert stattete der junge Franzose Alexis de
Tocqueville Amerika einen Besuch ab.
Nach diesem Besuch prophezeite er,
daß die Großmächte der Zukunft einer-

�seits die Vereinigten Staaten sein
würden, die, seinen Worten zufolge,
"mit der Pflugschar" geschaffen würden und andererseits Rußland, das,
wiederum in seinen Worten, "mit dem
Schwert" vorangehen werde.
Muß es
jedoch so sein?
Können Schwerter
nicht zu Pflugscharen werden? Können
wir und alle Nationen nicht in Frieden leben?

Spektrum des Willens und Einverständnisses der Menschheit und das ganze
menschliche Herz umfassen

Bei unserer besessen Auseinandersetzung mit den Antagonismen der Gegenwart vergessen wir häufig, wieviel
die Menschheit verbindet. Vielleicht
benötigen wir eine weltweite Bedrohung von außen, um uns dieses gemeinsame Bindeglied erkennen zu lassen.
Gelegentlich denke ich, wie rasch unsere weltweiten Meinungsverschiedenheiten sich in Luft auflösen würden,
wenn wir
uns mit einer
fremden,
außerirdischen Bedrohung konfrontiert
sähen. Und ich frage Sie, weilt diese fremde Macht nicht bereits unter
uns?
Was könnte für das weltweite
Streben unserer Völker abwegiger sein
als Krieg und die Bedrohung durch
Krieg?
Vor zwei Jahrhunderten versammelten sich die Amerikaner in Philadelphia, in einem wesentlich kleineren
Saal als diesem, um eine Verfassung
zu entwerfen. im Verlauf ihrer Erörterungen sagte einer von ihnen, daß
die neue Regierung, wenn ihr Erfolg
beschieden sein solle, auf die breiteste Grundlage gegründet werden müsse:
den Willen und die Zustimmung
des Volkes. Und so geschah es. und
so ist es bis heute geblieben.
Die Botschaft, die ich Ihnen heute vermitteln möchte, heißt, daß die
Träume des einfachen Volkes sich in
erstaunliche Höhen aufschwingen können. Wenn wir diplomatischen Pilger
ebensolche
Höhen erreichen wollen,
muß alles, was wir tun, das gesamte
- 10 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

**

23. September 1987

33

ABKOMMEN ÜBER
ZENTREN ZUR VERRINGERUNG DER GEFAHR EINES ATOMKRIEGES UNTERZEICHNET
- Erklärungen von Reagan und Schewardnadse -

Washington - (AD) - Präsident Reagan zufolge ergänzt das mit der Sowjetunion am 15. September 1987 unterzeichnete Abkommen zur Errichtung von Zentren
zur Risiko-Verringerung "unsere anhaltenden und vielversprechenden Bemühungen
in Genf, zum ersten Mal einen einschneidenden, ausgewogenen und wirkungsvoll
verifizierbaren Abbau der sowjetischen und amerikanischen nuklearen Arsenale
zu erreichen".
Nachstehend veröffentlichen wir die Erklärungen von Präsident Reagan und
Außenminister Schewardnadse im Wortlaut:
Präsident
Reagan:
Ich
bin
hocherfreut darüber, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
heute ein Abkommen zur Errichtung von
Zentren zur Risiko-Verringerung unterzeichnen werden.
Dieses Abkommen
ist ein weiterer nützlicher Schritt
bei unseren Bemühungen zur Verminderung der Gefahren eines Konflikts,
der andernfalls durch Zufall, Fehlkalkulation
oder
Mißverständnisse
ausbrechen
könnte.
Seit der Einrichtung des "heißen Drahts" im Jahr
1963 übertrifft das heutige Abkommen
bestehende Strukturen durch den Auf-

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Embassy of the United States of America

bau des völlig neuartigen
ten
Kommunikationswegs
Washington und Moskau.

und direkzwischen

Zentren
zur
Risiko-Verringerung
werden beim weiteren Abbau von Konfliktpotentialen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
eine wichtige Rolle spielen. Sie geben uns die Möglichkeit, die nach den
bestehenden vertrauensbildenden Maßnahmen erforderlichen Mitteilungen zu
übermitteln. Sie könnten ferner eine
Schlüsselrolle beim Austausch von Informationen
spielen, die für eine

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�wirkungsvolle Überprüfung
Rüstungskontrollabkommen
sind.

zukünftiger
notwendig

Was die Vereinigten Staaten betrifft, ist dieses Abkommen das Ergebnis
einer
engen
Zusammenarbeit
zwischen Exekutive, Kongreß und privaten Verbänden und Personen, um ein
pragmatisches Abkommen hervorzubringen, das uns dem gemeinsamen Ziel von
Frieden und Sicherheit näherbringt.
Ich möchte die uns durch die Senatoren John Warner und Sam Nunn seit
mehreren Jahren in Fragen der RisikoVerringerung zuteil gewordene hervorragende Beratung
und Verantwortung
ganz besonders hervorheben.
Ich möchte ebenfalls der amerikanischen Delegation bei den Zentren
zur Risiko-Verringerung Dank und Anerkennung
aussprechen,
insbesondere
dem Zweiten Vorsitzenden, dem früheren Stellvertretenden Verteidigungsminister Richard Perle, und meinem
Berater
für Sonderaufgaben, Robert
Linhard.
Ferner danke ich der sowjetischen Delegation
unter
Leitung
von Botschafter Alexej Obukow für Ihre Sachkenntnis und ihr Engagement
beim erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen.
Dieses Abkommen ergänzt unsere
anhaltenden
und
vielversprechenden
Bemühungen in Genf, um zum ersten Mal
einen
einschneidenden,
ausgewogenen
und wirkungsvoll verifizierbaren Abbau der sowjetischen und amerikanischen nuklearen Arsenale zu erreichen.
Sehr geehrter Herr Außenminister,
ich bin hocherfreut, daß Sie heute
dieses Abkommen unterschreiben, und
ich freue mich auf den Tag, an dem
Generalsekretär Gorbatschow und ich
bei unserem gemeinsamen Streben nach
Frieden sogar noch mehr Abkommen un-

terzeichnen können.

Außenminister
Schewardnadse:
Sehr geehrter Herr Präsident, meine
Damen und Herren, Genossen.
In den
jüngsten
sowjetisch-amerikanischen
Beziehungen
kommen
Ereignisse
wie
dieses nicht sehr häufig vor.
Das
Jahr 1987 erweist sich jedoch als ein
sehr fruchtbares Jahr.
Während des
Besuchs von Außenminister Shultz in
Moskau im vergangenen April haben wir
ein Abkommen über die friedliche Zusammenarbeit im Weltraum unterzeichnet. Heute unterzeichnen wir ein Abkommen zur Errichtung von Zentren zur
Risiko-Verringerung.
Unsere
heutigen
Unterschriften
unter
dieses Abkommen
kennzeichnen
einen klaren Schritt in der praktischen Durchführung der Übereinkunft,
den Mikhail Gorbatschow und Sie, Herr
Präsident, in Genf erzielt haben.
Sie beide erklärten, ein Atomkrieg
dürfe niemals geführt werden.
Wir
wollen hoffen, daß unser heute unterzeichnetes Abkommen uns diesem historischen Ziel näher bringt.
Dies ist ein Signal, das einen
Auftakt zu weiteren wichtigen Abkommen bilden könnte.
Ich meine damit
insbesondere Abkommen über den Abbau
der nuklearen Arsenale, worauf sich
der Generalsekretär des Zentralkommittees der KPdSU und der Präsident
der Vereinigten Staaten in Reykjavik
geeinigt haben. Die wichtigste Aufgabe ist nun, das möglichste zu tun,
damit es zum Segen unserer Völker und
der Menschen in der ganzen Welt hierzu kommt.

sto
beit
den
auch

- 2 -

Je schneller dies geschieht, debesser. Wenn wir dann gute Arin der uns zur Verfügung stehenZeit geleistet haben, werden wir
die Hoffnung haben können, daß

�die Zeit für uns arbeitet. Heute haben wir den Versuch unternommen, die
erdrückende Last der Angst, Unsicherheit und Sorge, derer die Menschen
müde geworden sind, ein wenig zu verringern.
Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, all denen herzlich zu
danken, die seit zwei Jahren mit Beharrlichkeit und Hingabe an den Vorbereitungen zu diesem Abkommen gearbeitet haben.
Ich möchte allen Diplomaten und
Experten meine Anerkennung aussprechen, desgleichen den Mitgliedern des
amerikanischen
Senats,
insbesondere
den Senatoren Nunn und Warner, die
mit viel Kraft und Ausdauer an der
Umsetzung dieser Idee gearbeitet haben.
Ich würde mir wünschen, daß
dieses kleine Stück Hoffnung der Auftakt zu Anstrengungen ist, den Durst
der Menschheit nach Frieden und Sicherheit zu löschen. Vielen Dank.

* * * * *

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Dokumentation

23. September 1987

33

REAGAN: AMERIKANISCHE VERFASSUNG
BRINGT FRIEDLICHE REVOLUTION HERVOR
- Proklamation des Präsidenten zum Tag der Staatsbürgerschaft

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat in einer Proklamation zum Tag der
Staatsbürgerschaft und der amerikanischen Verfassungswoche verkündet, die Verfassung erweise sich "weiterhin als friedliche Revolution bei der Gestaltung
von Freiheit und Wohlstand für die gesamte Menschheit".
Nachfolgend drucken wir den vom Weißen Haus am 13. August 1987 veröffentlichten Wortlaut der Proklamation, die den 17. September 1987 zum Tag der
Staatsbürgerschaft und die an diesem Tag beginnende Woche zur Woche der Verfassung erklärt.
Seit über drei Jahrzehnten haben
wir Amerikaner unsere verfassungsmässigen
Rechte
und
Pflichten
als
Staatsbürger der Vereinigten Staaten
jedes Jahr gefeiert, indem wir den
Tag der Staatsbürgerschaft und die
Woche der Verfassung begingen. Diese
traditionellen
Feiern
gewinnen
im
Jahr 1987 eine besondere Bedeutung,
da am 17. September vor 200 Jahren
die Verfassung unterzeichnet wurde.
In Erwartung dieses Ereignisses
wird die Kommission für das zweihundertjährige Jubiläum der amerikani-

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schen Verfassung den 16. September
1987 im Rahmen einer Staatsbürgerschaftsfeier besonders begehen.
An
diesem Tag werden sich Millionen von
Schülern Gedanken über die Segnungen
der durch unsere Verfassung verliehenen Freiheiten machen.
Eltern und
Erwachsene
können
sich
ihnen
anschließen, indem sie den Vätern der
Verfassung ihre Hochachtung erweisen
und sich in Dankbarkeit der durch die
Verfassung garantierten Vorrechte und
Pflichten
erinnern.
Um 13.00 Uhr
amerikanischer Zeit wird eine landesweite und internationale Radio- und

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Telex: 8-85432

�Fernsehsendung
alle Amerikaner
zum
Treuegelöbnis vereinen.
In der Sendung wird auch die Präambel der Verfassung verlesen. Ich hoffe, daß alle Amerikaner diese Gelegenheit wahrnehmen, sich der unschätzbaren Werte
unseres
Regierungsdokumentes
aufs
neue bewußt zu werden.
Diese Verfassungsgrundsätze haben
manch unruhige Zeit überstanden. Im
Jahr 1787 waren wir eine Nation von
mehr als vier Millionen Menschen in
13 unabhängigen Staaten, die sich an
der Ostküste aneinanderreihten. Diese Staaten waren nur dem Namen nach
"vereinigt"; ein loser Zusammenhalt
durch die Bestimmungen der Konföderation, einer während des Revolutionskrieges ausgearbeiteten Übereinkunft
gemeinsamer
Interessen der 13 ursprünglichen Kolonien.
Als schließlich der gemeinsame Feind besiegt
war, begann sich die allgemeine Konföderation aufzulösen. Viele Staaten
unterhielten
eine
eigene
Armee,
druckten
ihre eigene Währung, und
verlangten von anderen Staaten Gebühren für die Benutzung von Häfen und
Straßen.
Im Mai 1787 wurde in Philadelphia
eine
Konferenz
zu dem
alleinigen
Zweck
einberufen, die Bestimmungen
der Konföderation den "Anforderungen
der Regierung und dem Erhalt der
Union anzupassen".
Zahlreiche politisch
Verantwortliche
der
Nation
fürchteten, daß im Falle des Verzichts auf die Schaffung einer stärkeren Nationalregierung
die Nation
zusammenbrechen könnte, was zur Entwicklung von unabhängigen Republiken
oder zum Wiedereintritt ausländischer
Mächte
geführt
hätte.
Trotz
der
schlechten Ausgangsposition
war es
den Gründungsvätern durch zahlreiche
Zugeständnisse möglich, den Entwurf
für eine neue Nation auszuarbeiten.
In
dieser
friedlichen
Revolution

überantworteten die Staaten ihr lokkeres politisches Bündnis einer konföderierten Union unter der ersten
schriftlich niedergelegten nationalen
Verfassung
der
Geschichte.
Diese
Verfassung ist noch heute, 200 Jahre
später, der Welt ältestes angewandtes
Dokument
der demokratischen Regierungsform. Es erweist sich weiterhin
als friedliche Revolution bei der Gestaltung von Freiheit und Wohlstand
für die gesamte Menschheit.
In einer gemeinsam verfaßten Resolution hat der Kongreß am 29. Februar 1952 (36 U.S.C. 153) den 17.
September zum Tag der Staatsbürgerschaft erklärt. Er tat dies im Gedenken an die Unterzeichung der Verfassung und in Anerkennung all jener,
die durch Volljährigkeit oder Einbürgerung
Staatsbürger
geworden
sind.
Der Kongress hat den Präsidenten dazu
ermächtigt, alljährlich in einer Erklärung alle Regierungsbeamten aufzurufen, an diesem Tag die Flagge auf
allen Regierungsgebäuden zu hissen.
Der Kongreß hat ferner am 2. August
1956 (36 U.S.C. 159) in einer gemeinsam verfaßten Resolution beschlossen,
daß in jedem Jahr die am 17. September beginnende und am 23. September
endende Woche in Anerkennung der historischen Bedeutung der Verfassung
und ihrer entscheidenden Rolle in unserem Leben als Woche eben dieser
Verfassung begangen wird.
Daher erkläre ich, Ronald Reagan,
Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika, hiermit den 17. September
1987 zum Tag der Staatsbürgerschaft
und appelliere an die zuständigen Regierungsbeamten, die Fahne der Vereinigten Staaten an allen Regierungsgebäuden zu hissen. Ich fordere die
Regierungsbeamten
des
Bundes, der
Einzelstaaten und in den Kommunen sowie die Leiter von städtischen, erzieherischen und religiösen Organisa-

- 2 -

�tionen dazu auf, an diesem Tag Feiern
und Veranstaltungen durchzuführen, um
diesen Anlaß zu begehen.
Darüberhinaus erkläre ich die Woche vom 17. bis 23. September 1987
zur Woche der Verfassung und rufe alle Amerikaner auf, jene Woche mit angemessenen Feiern und Aktivitäten in
ihren Schulen, Kirchen und anderen
geeigneten Orten zu begehen.
Unterzeichnet am dreizehnten Tag
des August, im Jahre des Herrn neunzehnhundertundsiebenundachtzig und im
Jahre zweihundertundzwölf der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten
von Amerika.
Ronald Reagan

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. September 1987

33

REAGAN:

AMERIKA BRAUCHT TATKRÄFTIGE UND INFORMIERTE BÜRGER

- Ansprache des Präsidenten zum Verfassungstag -

WASHINGTON - (AD) - Am Rande einer Feier zum zweihundertsten Jahrestag der
amerikanischen Verfassung erklärte Präsident Reagan am 16. September 1987,
"tatkräftige und informierte Bürger seien entscheidend für die wirkungsvolle
Erfüllung" der Aufgaben des amerikanischen Regierungssystems.
Der zum eigentlichen Jahrestag am 17. September nach Philadelphia - dem
Ort, an dem die Verfassung begründet wurde angereiste Präsident unterstrich, alle Amerikaner seien verpflichtet, die Verfügungen der Verfassung zu
studieren und "sich aktiv am System der durch sie geschaffenen Selbstverwaltung zu beteiligen".
Nachfolgend drucken wir die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut:
Als George Washington zum ersten
Präsidenten der Vereinigten Staaten
gewählt worden war, belief sich die
Gesamtbevölkerung des Landes auf ungefähr vier Millionen. Heute gibt es
mehr als fünf Millionen Bundesbedienstete.
Die Zeiten haben sich geändert.
Die Hauptgrundsätze der Verfassung jedoch sind die gleichen geblieben. Sie ist immer noch unser Entwurf für die Freiheit.
Einer unser
fähigsten Staatsmänner, der Verfassungsrechtler
Daniel
Webster,
hat

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einmal geschrieben: "Selbst wenn wir
mitten in den Ozean geworfen würden,
wo wir kein Land oder vielleicht noch
nicht einmal die Sonne oder die Sterne sehen könnten, gäbe es eine Landkarte und einen Kompaß, die wir zu
Rate ziehen, prüfen und denen wir gehorchen können. Diese Landkarte ist
die Verfassung."
Vor zweihundert Jahren war die
bloße Vorstellung freier Selbstverwaltung
ein
neuer
Gedanke.
Aber
James Madison - ein Mann, den viele
als den "Vater der Verfassung" be-

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�zeichnen - drängte seine Mitbürger
dazu, sich dieser Idee nicht zu widersetzen, nur. weil sie neu war.
Seiner Argumentation zufolge gereichte es den Amerikanern zur Ehre, daß
sie nicht blindlings auf die Vergangenheit vertrauten, sondern bereit
waren, sich auf ihren "eigenen gesunden Menschenverstand" und ihre Erfahrung bei der Gestaltung der Zukunft
zu verlassen.
Es ist interessant, daß Madison
neben anderen die Verfassung verteidigen mußte, weil sie neu war. Die
Zeiten haben sich geändert.
Seit
mehr als 200 Jahren haben wir in gesetzlich verbriefter Freiheit gelebt
und vielleicht sind wir darüber zu
selbstzufrieden geworden.
Wir sollten niemals vergessen, wie selten und
wertvoll die Freiheit ist.
Tatkräftige und informierte Bürger sind entscheidend für die wirkungsvolle Erfüllung der Aufgaben des
amerikanischen
RegierungsSystems.
Wir alle haben eine Verpflichtung,
die Verfassung zu studieren und uns
aktiv am System der durch sie geschaffenen Selbstverwaltung zu beteiligen.
Diese Verpflichtung schulden
wir nicht nur uns selbst, sondern
auch unseren Kindern und Kindeskindern. Und es gibt keine bessere Gelegenheit als sich gerade jetzt - aus
Anlaß der Zweihundertjahrfeier - der
Verfassung und der darin enthaltenen
Werte erneut zu besinnen.
Wir
sollten niemals vergessen,
daß die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung "im festen Vertrauen
auf die Wahrung der göttlichen Vorsehung" handelten. Vor hundert Jahren
wurde
einem
anderen
Präsidenten,
Grover Cleveland, anläßlich der Einhundert jahrfeier der Verfassung die
gleiche Ehre zuteil wie mir heute:
die Verfassung zu ehren. Und seine
- 2

Worte haben heute die gleiche Gültigkeit wie damals.
Er erklärte: "Wenn wir auf jene
hundert Jahre zurückblicken und uns
die Ursprünge unserer Verfassung vor
Augen führen, wenn wir alle ihre Prüfungen und Triumphe betrachten, wenn
wir erkennen, wie vollständig die ihr
zugrundeliegenden
Grundsätze
jedem
nationalen Bedürfnis und jeder nationalen Gefahr gerecht werden, wie inbrünstig müßten wir mit Franklin ausrufen:
'Gott lenkt die Geschicke der
Menschheit'".

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
'^7

"V"

Dokumentation

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23. September 1987

33

SUPERMÄCHTE ERZIELEN GRUNDSATZVEREINBARUNG ÜBER INF
Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächen Shultz-Schewardnadse -

WASHINGTON - (AD) - In einer gemeinsamen Erklärung bestätigten die Außenminister Shultz und Schewardnadse am 18. September 1987 ihre erzielte Grundsatzvereinbarung über den Abschluß eines INF-Vertrages.
Der vom Weißen Haus und dem amerikanischen Außenministerium veröffentlichten Verlautbarung zufolge haben die beiden Außenminister drei Tage "gründlicher und fruchtbarer Erörterungen aller Aspekte" der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen beendet. Die Erklärung enthielt ferner die Ankündigung, "ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow findet im
Herbst 1987 statt" - der endgültige Termin müsse jedoch noch festgelegt werden.
Nachfolgend drucken wir den Wortlaut der Erklärung.
Die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse haben drei Tage gründlicher und fruchtbarer Erörterungen
aller Aspekte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern beendet.
Die beiden Außenminister überarbeiteten das gesamte Spektrum von
Fragen bezüglich der Rüstungskontrolle
nuklearer,
konventioneller
und
chemischer Waffen. Gemeinsam mit ihren Beratern führten die beiden Aussenminister insbesondere ausführliche
Verhandlungen zur Frage der Raketen
mittlerer
und kürzerer
Reichweite.
Im Verlauf dieser Verhandlungen wurde

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die
Grundsatzvereinbarung
zum
Abschluß
eines Vertrages erarbeitet.
Die Genfer Delegationen beider Seiten
wurden angewiesen, intensiv auf die
Lösung der verbleibenden technischen
Probleme hinzuarbeiten und unverzüglich einen Vertragsentwurf zu erstellen. Die beiden Außenminister waren
sich einig, daß ähnlich intensive Bemühungen zur Erarbeitung eines Vertrages über den 50-prozentigen Abbau
der strategischen Offensivwaffen im
Rahmen der Genfer Verhandlungen über
Kern -und Weltraumwaffen unternommen
werden sollten.

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�Im Anschluß an die Erörterung von
Fragen bezüglich der nuklearen Erprobung waren sich beide Seiten einig,
noch vor dem 1. Dezember 1987 mit umfassenden, schrittweisen Verhandlungen zu beginnen, die ausschließlich
in einem Forum geführt werden sollen.
Sie verabschiedeten getrennte Erklärung zu diesem Thema.
Die beiden Außenminister erörterten ferner regionale Themenkomplexe.
Beide
Seiten diskutierten eine
breitgefächerte Palette von Problemen
der bilateralen Beziehungen, E S wurde Einigung über ein von 1987 bis
1988 durchzuführendes Arbeitsprogramm
erzielt, das auf eine Intensivierung
der gemeinsamen Bestrebungen in einzelnen Bereichen der amerikanischsowjetischen
Zusammenarbeit
ausgerichtet ist.
Weiterhin
fand eine
fruchtbare
Erörterung von Themen zur Lage der
Menschenrechte und humanitärer Fragen
statt.
Die
Außenminister
Shultz
und
Schewardnadse waren sich einig, daß
ein zusätzliches Treffen zur Überarbeitung der in allen diesen Bereichen
erzielten
Ergebnisse
erforderlich
sei, einschließlich
der Bemühungen
der Delegationen bei den Genfer Verhandlungen über Kernund Weltraumwaffen.
Sie einigten sich darauf, daß
dieses Treffen in der zweite Oktoberhälfte in Moskau stattfinden soll.
Um einen Vertrag über Raketen
mittlerer und kürzerer Reichweite zu
unterzeichnen und um den gesamten Bereich von Themen zu den Beziehungen
zwischen den beiden Ländern abzudekken, wird ein Gipfeltreffen zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow stattfinden. Das Gipfel- 2

treffen wird im Herbst 1987 abgehalten, wobei der endgültige Termin während der Gespräche zwischen den beiden Außenministern im Oktober in Moskau festgelegt werden soll.

* * * * *

�«fc° s *&lt;

AMERIKA DIENST
4

Hintergrundmaterial

23. September 1987

33

INF-ABKOMMEN HAT KEINEN EINFLUSS AUF FLEXIBLE REAKTION DER NATO
- Artikel über Anhörungen im Senat -

WASHINGTON - (AD) - Senator Stephen J. Ledogar erklärte bei einer Senatsanhörung am 16. September, ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur weltweiten Abschaffung aller Mittelstreckenwaffen würde "in keinem Fall" die Fähigkeit der NATO ausschalten, gegenüber einer sowjetischen Aggression eine flexible Reaktion aufrechtzuerhalten.
Ledogar ging auf die gerade zwischen den Außenministern shultz und
Schewardnadse in Washington über INF abgehaltenen Gespräche ein und erklärte,
mit solch einem Abkommen würden auf sowjetischer Seite etwa 1 400 Gefechtsköpfe und auf seiten der NATO etwa 572 der bereits stationierten Gefechtsköpfe
abgeschafft. Im Bereich der taktischen Nuklearwaffen befänden sich im Arsenal
der NATO immer noch etwa 4 600 Gefechtsköpfe.
Ledogar, stellvertretender Ständiger Vertreter und Gesandter an der
amerikanischen
Vertretung
bei
der
NATO, ist von Präsident Reagan zum
Botschafter bei den Gesprächen über
konventionelle Waffen in Europa und
zum amerikanischen Vertreter bei den
in
Wien
stattfindenden
Gesprächen
über
beiderseitige
und
ausgewogene
Truppenverminderungen in Mitteleuropa
(MBFR) nominiert worden.
Bei der Anhörung anläßlich seiner
Bestätigung im Auswärtigen Ausschuß
des Senats erklärte Ledogar, die neu

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aufgenommenen Gespräche über konventionelle Waffen befänden sich in ihrer Vorbereitungsphase und würden innerhalb des durch die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) gesteckten Rahmens nach
der von den NATO-Außenministern aufgestellten
Vorgabe
stattfinden,
gleichzeitig jedoch "unabhängig und
autonom" sein.
Ledogars Prognosen zufolge wird
"die Zustimmung zu neuen Gesprächen
möglicherweise etwa gleichzeitig mit
dem Abschluß der gegenwärtig statt-

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�findenden
Wiener
ferenz erfolgen".

KSZE-Revisionskon-

Der Vorsitzende des Komitees, Senator Claiborne Pell, fragte Ledogar,
wie er sich die Überlegenheit des
Warschauer Paktes bei den konventionellen Waffen erkläre, wenn die Bevölkerung der NATO-Staaten, die Vereinigten Staaten ausgenommen, die der
Länder des Warschauer Paktes einschließlich
der Sowjetunion, übertrifft und wie er sich erkläre, daß
das
Bruttosozialprodukt
der
NATOStaaten, außer den Vereinigten Staaten, doppelt so hoch ist wie das der
Länder der Sowjetunion und des Warschauer Paktes.
Ledogar antwortete darauf, "der
Unterschied liegt in den freien und
totalitären Gesellschaften, weil totalitäre
Gesellschaftsformen
ihre
Neigung
demonstriert
haben,
einen
außergewöhnlichen Anteil ihres nationalen Wohlstandes für die Verteidigung und für militärische Zwecke aufzuwenden" .
"Der Warschauer Pakt produziert
in den meisten Waffenkategorien mehr
als wir, weil er den Vorteil zentralistisch organisierter Industriezweige hat. Trotzdem beginnt die NATO,
Fortschritte bei diesem Problem der
Rationalisierung unserer eigenen Beschaffungsprogramme zu erzielen, aber
ich sehe, offen gesagt, kaum Aussichten, daß die NATO-Staaten bei ihren
Verteidigungsausgaben einen bedeutenden Schritt nach vorn machen werden."
Pell erwog die Möglichkeit, ob
der Abzug von 100 000 amerikanischen
Soldaten der
"NATO Auftrieb geben
könne".
Ledogar antwortete darauf, "Ich
bin nicht sicher, daß dies ein Antriebsmittel. Man könnte argumentie-

ren, daß die NATO dadurch entmutigt,
zur Verzweiflung getrieben und dann
zu
Entgegenkommen
veranlaßt
wird.
Meiner Erfahrung nach ist dies keine
produktive Art und Weise der Behandlung unserer Verbündeten. Eine Möglichkeit zur Erhöhung gemeinsamer Bemühungen im Bereich der Verteidigung
läge bei gemeinsamen Programmen, die
unter Berücksichtigung von Prioritäten definitiv ausgearbeitet
werden
und in den politischen Hauptstädten
Unterstützung erfahren würden sowie
in gemeinsamen Schritten nach vorn;
nicht
in
gegenseitiger
Beschämung
oder gegenseitigem zwang".
Der Senator des Staates Rhode Island erklärte Ledogar, daß er im Anschluß an seine Bestätigung "darauf
aufmerksam machen müsse", daß viele
Menschen in Amerika "genug" von der
Tatsache haben, daß zahlreiche europäische Länder, die sich in einer
besseren wirtschaftlichen Lage befinden
als
die
Vereinigten
Staaten,
trotzdem auf die Vereinigten Staaten
vertrauen, wenn es darum geht, sich
zu schützen.
Der Kandidat antwortete, "diese
Botschaft dringt langsam zu unseren
Verbündeten durch".
Senator Daniel J. Evans bemerkte,
daß die MBFR-Gespräche in Genf in ihr
15. Jahr gehen.
Er fragte Ledogar,
ob wir im Hinblick auf 1988 "einen
höheren Gang einlegen oder Verhandlungen abhalten werden, die wirklich
zu etwas führen"?
Ledogar
antwortete,
"ich
sehe
keinen Grund für Optimismus im Forum
der
gegenwärtigen
MBFR-Gespräche".
Er erklärte weiter, er stimme Kritiken zu, die behaupten, es gäbe bei
der Organisation der MBFR-Gespräche
gewisse "Mängel".
Es besteht insofern ein geographisches Ungleichge-

- 2 -

�wicht im Bereich des Abbaus - besonders in Mitteleuropa -, als daß amerikanische Streitkräfte 6 000 Kilometer weiter nach Westen zurückweichen
müßten, die sowjetischen Truppen hingegen nur einige hundert Kilometer.
Ledogar verwies darauf, daß "es aussergewöhnlich
schwierig
war, einen
Vorschlag zu unterbreiten, der mit
unseren Sicherheitsinteressen im Einklang stand und trotzdem verhandelbar
war".
Er erklärte, es bestünde Hoffnung, daß die neuen Verhandlungen
über konventionelle Waffen - die von
einem
viel größeren
geographischen
Gebiet, dem gesamten Kontinent Europa, ausgehen und Frankreich und Spanien als Teilnehmer haben - "ihre
eigene Dynamik entwickeln werden, so
daß es möglich sein wird, das Ungleichgewicht so zu behandeln, entweder auf Europa-übergreifender Basis
oder je nach Region, und daß damit
eine verhandelbarere Formel hervorgebracht wird, als dies in der Vergangenheit der Fall war.
Ledogar prognostizierte, daß bei
einem Erfolg der Vorbereitungskonferenz im Frühjahr 1988 neue Verhandlungen
im
Bereich
konventioneller
Waffen aufgenommen würden.
Ledogar
erklärte dem Komitee ferner, das Verhältnis dieser neuen Verhandlungen zu
den MBFR-Gesprächen gebe uns für die
Zukunft Fragen auf.

* * * * *
- 3

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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 23.09.1987</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aussichten für bessere amerikanisch-sowjestische Beziehungen ermutigend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans vor den &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigten Nationen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Abkommen über Zentren zur Verringerung der Gefahr eines Atomkrieges unterzeichnet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Reagan und Schewardnadse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: amerikanische Verfassung bringt friedliche Revolution hervor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Amerika braucht tatkräftige und informierte Bürger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Präsidenten zum Verfassungstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Supermächte erzielen Grundsatzvereinbarung über INF&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung zu den Gesprächen Shultz-Schewardnadse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;INF-Abkommen hat keinen Einfluss auf flexible Reaktion der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über Anhörung im Senat&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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