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                  <text>AMERIKA DIENST
Sonderdienst
27. August 1987

REAGAN:

OFFENHEIT BEI SOWJETISCHEN MILITÄRANGELEGENHEITEN

- Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�LOS ANGELES - (AD) - Präsident Reagan hat die sowjetische Führung zu mehr
"Glasnost" im militärischen Bereich aufgefordert und auf Schritte gedrängt,
die zum guten Willen des Kreml bei "seinen eigenen Entscheidungen bezüglich
der schwerwiegenden Abrüstungsangelegenheiten und der militärischen Position"
wie auch zu größerem Verständnis der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
beitragen würden.
In seiner am 26. August 1987 in Los Angeles gehaltenen Ansprache drängte
der Präsident die Sowjets unter anderem, das sowjetische Volk und die Welt
insgesamt über Umfang und Zusammensetzung der sowjetischen Streitkräfte zu informieren und im Obersten Sowjet die Diskussion über Militärpolitik und Waffensysteme zu eröffnen.
Nachfolgend drucken wir die Rede Präsident Reagans im Wortlaut.

Es ist mir eine große Ehre und
ein Vergnügen heute abend bei Ihnen
zu sein. Ich danke Ihnen für diese
Gelegenheit, vor der Versammlung der
Town Hall of California sprechen zu
können, und es freut mich, daß meine
Ausführungen
gleichzeitig
bei
der
Chautauqua Konferenz in New York vernommen werden können, an der Bürger
der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion teilnehmen.
Ostküste oder
Westküste - wir alle verfolgen das
gleiche Ziel:
Einen von mehr Freiheit und Offenheit gekennzeichneten
Dialog zwischen den Völkern aller Na-

tionen zu fördern und gemeinsam die
Sache des Friedens und der Freiheit
in der Welt voranzutreiben.
Im Februar 1945, bei seinen ersten Begegnungen mit Roosevelt und
Stalin
in
Jalta,
war
Winston
Churchill von eben diesen Beweggründen geleitet.
Er hatte das Gefühl,
daß die Zeit drängte und sagte zu
seiner Tochter:
"Ich kann mir nicht
vorstellen, daß zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit der Schmerz der Welt je so groß
und so weitverbreitet gewesen ist.

�Heute abend wird die Sonne über grösserem Leid untergehen als die Welt je
zuvor gesehen hat."
Es sei nicht nur das Elend des
Zweiten Weltkriegs, das ihn entsetze,
erklärte Churchill, sondern er hege
auch große Angst, daß "...neue Kämpfe
sich aus denen ergeben könnten, die
wir erfolgreich beenden".
in bezug
auf das Treffen der Großmächte in
Jalta fügte er hinzu:
"Wenn (wir)
streiten, werden unsere Kinder zugrunde gerichtet."
Heute wissen wir, daß die Großmächte in Jalta eine Einigung erzielten; schwierige Themenkomplexe wurden
aufgeworfen und gelöst; Abkommen wurden earbeitet; im engeren Sinne war
die Gipfelkonferenz erfolgreich und
die Treffen brachten greifbare diplomatische Ergebnisse hervor.
Eines
dieser Ergebnisse war die Durchsetzung der in der Atlantik-Charta verankerten Rechte, die "die Gewähr dafür bieten wird, daß alle Menschen in
allen Ländern
ihr Leben frei von
Furcht und Not führen können". Auch
das Recht auf Selbstbestimmung der
osteuropäischen Nationen wie zum Beispiel Polen wurde so - zumindest auf
dem Papier - garantiert.
Aber nur
wenige Monate später bewahrheiteten
sich Churchills schlimmste Befürchtungen: die in Jalta verabschiedeten
Garantien für Freiheit und Menschenrechte in Osteuropa wurden zunichte
gemacht, und mit dem Ende der Demokratie in Polen wurde auch die fira
der
Zusammenarbeit
der Verbündeten
beendet.
Was darauf folgte, ist uns als
die
Nachkriegszeit
bekannt.
Eine
Zeit der Spannungen und häufig gefährlichen
Konfrontationen
zwischen
Ost und West - unser "langer Kampf im
Zwielicht der Dämmerung", wie Präsident Kennedy es bezeichnete.

Und
so traten die Großmächte,
weit davon entfernt, den Hader und
das menschliche Leid auf der Welt zu
beenden, die so große Betroffenheit
bei Churchill verursacht hatten, vor
40 Jahren in das Zeitalter des Kalten
Krieges
ein.
in
Erkenntnis
der
ernsthaften Bedrohung unserer eigenen
Sicherheit und der Freiheit unserer
Verbündeten in Westeuropa entwarf das
Volk
der
Vereinigten
Staaten
die
Hauptbestandteile der amerikanischen
vom
Zweiparteiensystem
getragenen
Außenpolitik für die kommenden vier
Jahrzehnte.
Im Jahr 1947 wurde mit
dem Marshall-Plan der Wiederaufbau
Europas in die Wege geleitet; ebenfalls im Jahr 1947 wurde dank der
Truman-Doktrin
die
Unabhängigkeit
Griechenlands und der Türkei hergestellt und das Prinzip des Beistands
für Nationen geschaffen, die sich im
Kampf für die Demokratie und gegen
das Aufzwingen totalitärer Regime befinden.
In den seither vergangenen 40
Jahren war die Außenpolitik von acht
amerikanischen
Regierungen
und
20
Kongressen stets von einem Prinzip
geleitet: Ablehnung von Totalitarismus, Befürwortung demokratischer Reformen und der Menschenrechte sowie
der Förderung von weltweitem Wohlstand und Freiheit - und dies alles
gegründet auf eine starke Verteidigung und das entschiedene Eintreten
für unsere Verbündeten und Freunde.
Als diese Regierung ihr Amt antrat, waren wir uns dieser seit langem bestehenden ziele gewahr.
Aber
wir waren uns auch bewußt, daß sehr
viel getan werden mußte, um deren
Wirksamkeit und Resonanz wiederherzustellen.
Struktur und Zweck der
amerikanischen
Außenpolitik
waren
seit den siebziger Jahren in Auflösung begriffen.

- 2 -

�Aber während wir am Wiederaufbau
der
herkömmlichen
geradlinigen
und
mächtigen
Position der Vereinigten
Staaten in der Welt arbeiteten und
einer Außenpolitik, die mehr als 40
Jahre lang die Sicherheit der Verbündeten
gewährleistet
hatte, erneute
Wirksamkeit verleihen wollten, versuchten wir auch das Patt des Kalten
Krieges zu durchbrechen. Wir wollten
mit
neuen
Initiativen
Fortschritte
erzielen, die dazu beitragen könnten,
die Welt der Nachkriegszeit zu gestalten, wir suchten mehr als einen
unsicheren Weltfrieden auf der Spitze
des Vulkans potentieller
nuklearer
Zerstörung.
Wir suchten nach etwas
jenseits der anerkannten Einflußbereiche und spannungsgeladenen Distanz
zwischen der totalitären und der demokratischen Welt. Mit anderen Worten, wir suchten Mittel und Wege, um
die großen, die Nachkriegszeit verdunkelnden
Wolken
zu
vertreiben,
statt sie hinzunehmen:
der Gefahr
des nuklearen Holocaust und der Ausweitung der totalitären Herrschaft.
Bei der Auseinandersetzung
mit
der
nuklearen Bedrohung haben die
Vereinigten Staaten erklärt, sie verfolgten nicht länger reine Rüstungskontrolle - die Verwaltung, Begrenzung oder das kontrollierte Wachstum
bestehender Arsenale.
Anstelle dessen streben die Vereinigten Staaten
zusammen mit den NATO-Partnern einschneidende
verifizierbare
Reduzierungen dieser Arsenale an - also einen Abbau von Rüstungen und nicht nur
Rüstungskontrolle. Um dieses Ziel zu
erreichen, sind wir über den Status
quo hinausgegangen
- einen reinen
modus vivendi der Rüstungskontrolle.
Zusätzlich zur Eröffnung der Verhandlungen über den Abbau bestimmter
Waffenkategorien haben wir einen völlig neuen Weg zur Überwindung der

Angst vor einem Atomkrieg beschritten.
Wir haben ein neues Programm
verabschiedet,
um defensive
Mittel
der Abwehr eines ballistischen Raketenangriffs zu erforschen. Damit haben wir versucht, die Abschreckung
aufrechtzuerhalten, während wir uns
gleichzeitig von dem Konzept der gegenseitigen
versicherten
Zerstörung
hinwegbewegen wollten, die veraltet
ist. Wir wollten nicht länger einen
Vorteil daraus ziehen, immer mehr Offensivwaffen und immer mehr Gefechtsköpfe zu bauen, sondern die Welt von
dem Alptraum der militärischen Großmächte befreien, die sich gegenseitig
als Faustpfand nuklearer Vergeltung
in Schach halten.
Mit anderen Worten, wir haben versucht, einen Verteidigungsschild aufzubauen, der den
Einsatz
ballistischer
Raketen wirkungslos machen
soll.
Dies stand
hinter unserer Entscheidung, das SDIProgramm voranzutreiben, und ich bin
davon übereugt, es war die richtige
Entscheidung zur richtigen Zeit.
Aber bei unserem Streben nach Rüstungskontrolle
und defensiver Abschreckung haben wir niemals die Tatsache außer acht gelassen, daß Nationen nicht geteilter Meinung
sind,
weil sie bewaffnet sind; sie sind bewaffnet, weil sie bezüglich außerordentlich
wichtiger
Angelegenheiten
des menschlichen Lebens und der Freiheit geteilter
Meinung sind.
Die
grundlegenden
Unterschiede
zwischen
totalitärer und demokratischer Herrschaft sind bestehen geblieben. Wir
konnten sie weder beschönigen noch
konnten wir uns weiterhin mit den anerkannten Einflußsphären zufriedengeben, mit einer nur zur Hälfte freien
Welt.
Deshalb haben wir versucht,
die Sache der persönlichen Freiheit
bei jeder sich bietenden Gelegenheit
voranzutreiben.
Gelegentlich bedeutete dies Unterstützung der Liberalisierung, gelegentlich
Unterstützung

- 3 -

�der Befreiung.
Bei regionalen Konflikten haben
wir zum Beispiel eine neue Politik
der Unterstützung demokratischer Rebellen bei ihrem Kampf zur Durchsetzung der Selbstbestimmung und Menschenrechte in ihren Ländern ausgearbeitet - diese Theorie wurde erstmals
mit unserer Entscheidung in die Tat
umgesetzt, dem Volk von Afghanistan
bei seinem Kampf gegen die sowjetische Invasion
und Besetzung zur
Seite zu stehen.
Auf diese Theorie gründete sich
auch unsere Entscheidung, dem Volk
von Nicaragua bei seinem Kampf für
die Ziele der Revolution von 1979 zu
helfen und diese Regierung zur Einhaltung
ihres
Versprechens
zu
veranlassen,
eine
Demokratie
herbeizufüh- ren. Unsere derzeitigen
Bemühungen, die Freiheitskämpfer in
Angola zu un- terstützen, sind das
jüngste Beispiel dieser Politik.
Im Bereich der Menschenrechte haben wir direkt an die Sowjetunion appelliert.
Im Fall Andreij Sacharow
konnten wir beobachten, daß wahrer
Frieden auf der Welt nur geschaffen
werden kann, wenn die Regierungen die
Menschenrechte ihrer Bürger einhalten
und anerkennen.
In ähnlicher Weise
haben wir im Rahmen der bilateralen
Beziehungen - kulturellen und politischen Austauschprogrammen zum Beispiel - versucht, die Sowjets zu einer
Öffnung
dieser
Programme
für
größere und unterschiedlichere Gruppierungen zu bewegen.
Allen diesen Bestrebungen lag unsere Verpflichtung
gegenüber
einer
unvoreingenommenen
Bevölkerung
zum
Wesen der totalitären Herrschaft und
für das vornehmste Ziel der amerikanischen Außenpolitik zu Grunde: Frieden - ja - aber auch Weltfrieden.

Wir weigerten uns zu glauben, es käme
einer kriegerischen Handlung gleich,
den entscheidenden moralischen Unterschied zwischen Demokratie und Totalitarismus öffentlich zu verkünden.
Und in meiner Ansprache vor dem britischen Parlament im Jahr 1982, als
ich die friedliche Verbreitung der
menschlichen Freiheit zum vornehmsten
Ziel der amerikanischen Außenpolitik
erklärte, betonte ich auch, daß die
Geschichte ihre Impulse aus der Sache
der Demokratie und der Freiheit auf
der Welt herleitet. Und ich verlieh
meiner
Hoffnung Ausdruck, daß das
vermehrte
Scheitern
dirigistischer
Volkswirtschaften den Ruf nach politischen Wandel mit sich bringen würde. Mit anderen Worten, ich forderte
einen "Kreuzzug für die Freiheit",
der die Demokratie verbreiten und demokratische
Institutionen
auf
der
ganzen Welt fördern würde.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
sind wir der Meinung, daß Bekräftigungen dieser Art in der Öffentlichkeit für die Wahrung und Verbreitung
des Friedens nicht nur vonnöten waren, sondern entscheidend zur Verringerung der Spannungen auf der Welt keineswegs deren Vergrößerung - und
der Verwirklichung des Friedens beitragen.
Unvoreingenommenheit
und
Realismus bezüglich der Sowjets haben
zum Friedensprozeß beigetragen; sie
dienten als Signal für unsere sowjetischen Gegenspieler, jeder Versuchung zur Ausnutzung westlicher Illusionen zu widerstehen, da solche Illusionen nicht länger vorhanden sind.
Unsere Außenpolitik ist also der
Versuch gewesen, sowohl die herkömmlichen Elemente der
amerikanischen
Nachkriegsstrategie erneut zu bekräftigen als auch die Theorien der gegenseitigen
versicherten
Zerstörung
oder Eindämmung zu überwinden - es
war unser Ziel, den toten Punkt, an

- 4 -

�dem wir angelangt waren, zu überwinden und eine Vorwärtsstrategie zu erarbeiten - eine Vorwärtsstrategie für
den Weltfrieden und für die Freiheit
auf der Welt.
Wir haben die Abschreckung oder
Eindämmung nicht aufgegeben - aber in
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten haben wir etwas gesucht, das noch
über diese Theorien hinausgeht. Wir
haben die Abschaffung der nuklearen
Bedrohung und das Ende der Bedrohung
durch den Totalitärismus angestrebt.
Heute können wir beobachten, wie
diese Strategie - eine Stratgie der
Hoffnung - in der Praxis Anwendung
findet. Die Reduzierung von Nuklearwaffen rückt in greifbare Nähe. Die
Strategische
Verteidigungsinitiative
(SDI) nimmt Gestalt an, und unser Angebot, den Nutzen der strategischen
Verteidigung zu teilen, bleibt für
alle bestehen, einschließlich der Sowjetunion. Bei regionalen Konflikten
wie in Afghanistan und Mittelamerika
haben die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten bisher allzuwenig echte
Bereitschaft zum Frieden mit wahrhafter Selbstbestimmung für ihre Völker
gezeigt.
Aber die Freiheitskräfte
nehmen beständig an Stärke zu und
üben immer größeren Druck auf die totalitären Kräfte aus. Der Weg zu einem von Freiheit getragenen Frieden
steht offen, wenn Moskau sich dazu
entschließt, anderen keine sogenannten Revolutionen mehr aufzuzwingen.
In einem anderen Bereich teilen
wir das Interesse der Sowjetunion an
einer politischen Beilegung des Krieges zwischen Iran und Irak; wir hoffen, daß wir trotz unserer Differenzen gemeinsam darauf aufbauen können.
Und schließlich können wir in der Sowjetunion
selbst
eine
Tendenz
zu
größerer Offenheit beobachten, vielleicht sogar zu Fortschritten bei der

Wahrung der Menschenrechte
wirtschaftlichen Reformen.

und

zu

All diese Entwicklungen beschäftigen uns; wir denken über Ihre Bedeutung nach; wir fragen uns, ob wir
tatsächlich in eine neue Phase der
Ost-West-Beziehungen eintreten.
Ist
eine
weitreichende
und
dauerhafte
Veränderung
der
spannungsgeladenen
Distanz der Nachkriegszeit jetzt möglich?
Haben wir endlich jene Gelegenheit zur Beendigung der Leiden des
20. Jahrhunderts, die Churchill stets
vor Augen hatte?
Dies
sind
zweifelsohne
unsere
Hoffnungen.
Ehrlicherweise
müssen
wir jedoch zuzugeben, daß wir auch
von Ängsten und tiefen Sorgen erfüllt
sind.
Und während wir die interessanten Veränderungen in der Sowjetunion anerkennen, wissen wir auch,
wie weit die Sowjets noch immer von
jedwedem westlichen Vorbild der Demokratie entfernt sind.
Wir wissen,
was eine echte Demokratie ausmacht;
wir verstehen deren eigentliche Bedeutung.
Demokratie beinhaltet das Prinzip
der Rechtsstaatlichkeit für die politisch Verantwortlichen ebenso wie für
die Bürger.
Hierzu gehört die Begrenzung der Macht des Staates über
das Volk. Unter Demokratie verstehen
wir geordnete Diskussionen und bedeutungsvolle Abstimmungen.
Demokratie bedeutet Befreiung für die Gefangenen aus der Leibeigenschaft einer herrschenden Elite, die von sich
behauptet, die Wünsche des Volkes
besser zu kennen als das Volk selbst.
Trotz
der
derzeit
bestehenden
Hoffnung gibt es immer noch Unsicherheiten. Daher sind wir uns der Tatsache bewußt, daß wir uns mit der
Sowjetunion auseinandersetzen müssen,
so wie sie war und wie sie heute ist,

- 5 -

�und nicht, wie wir sie uns wünschen.
Und dennoch können wir uns damit
nicht zufrieden geben. Die sich uns
bietende Gelegenheit ist zu großartig, um sie einfach verstreichen zu
lassen.
Darum haben wir im vergangenen Jahr unsere eigenen Erwartungen
zur Herausforderung für die Sowjets
gemacht - als Mittel, uns und der
Welt zu beweisen, wie ernst sie es
mit den grundlegenden Verbesserungen
meinen.
Aus diesem Grund haben wir
Wegweiser
und
Hinweisschilder
für
bessere Beziehungen mit der Sowjetunion aufgestellt.
Seit zwei Jahren haben wir die
Sowjets gedrängt, sich an Diskussionen über ein gemeinsames Vorgehen bei
der Umrüstung auf eine defensive Abschreckung zu beteiligen, die niemand
bedroht. Im April dieses Jahres haben wir dazu aufgerufen, einen Termin
für den raschen und vollständigen Abzug aus Afghanistan noch in diesem
Jahr festzusetzen; im Juni forderten
wir die Sowjets auf, gemeinsam mit
uns die Teilung Berlins erträglicher
zu machen und mit dem Abriß der Mauer
zu beginnen; im Juli drängten wir die
Sowjets,
die
Selbstbestimmung
der
Völker in Osteuropa anzustreben und
die
Breschnew-Doktrin
aufzuheben.
Dies sind natürlich bedeutsame demokratische
Schritte.
Aber
Schritte
wie diese sind für eine grundlegende
Verbesserung der Beziehungen zwischen
Ost und West unerläßlich.
Heute möchte ich der sowjetischen
Führung einen weiteren Schritt vorschlagen,
einen
realistischen
Schritt, der unseren Bemühungen um
einen Abbau der Rüstungen sehr förderlich wäre.
Wir stehen kurz vor
einem historischen Abkommen, das eine
ganze
Waffenkategorie
abschaffen
könnte. Wenn es unterzeichnet wird,
werden wir uns nicht auf Vertrauen

verlassen, sondern darauf, was wir
mit unseren eigenen Augen über dessen
Verwirklichung sehen können. Wie die
Russen sagen, "Dowerjai no Prowerjai"
- vertraue, aber prüfe. Und das werden wir tun.
Aber wirksame Verifikation erfordert mehr als ausschließlich technische Mittel.
Selbst Vor-Ort-Inspektionen sind kein Allheilmittel, besonders jetzt, da wir uns mit dem
ehrgeizigen Vorhaben der Rüstungskontrolle befassen. Wir müssen die Einhaltung bestehender Abkommen anstreben, die allzu häufig von der Sowjetunion verletzt werden. Wir benötigen
auch mehr Offenheit, eine Abkehr von
der Geheimniskrämerei, von der die
sowjetischen
Militärangelegenheiten
so lange gekennzeichnet waren.
Ich sage der sowjetischen Führung: Es ist an der Zeit, für etwas
"Glasnost" in Ihrem militärischen Bereich.
Veröffentlichen sie erstens
eine genaue Aufstellung Ihrer Militärausgaben, ebenso wie wir das tun.
Geben Sie zweitens dem sowjetischen
Volk und der Welt den Umfang und die
Zusammensetzung
der
sowjetischen
Streitkräfte
bekannt.
Stellen Sie
drittens im Obersten Sowjet die grossen Fragen der Militärpolitik
und
Waffensysteme zur Diskussion, genau
wir wir das tun. Diese Schritte würden
zu einem besseren Verständnis
zwischen uns beitragen, und auch zu
einer
positiven
Bewertung
unserer
Entscheidungen über die schwerwiegenden Abrüstungsangelegenheiten und der
militärischen Position führen.
Das
unmittelbare
Abrüstungsprogramm ist klar. Wir können eine Vereinbarung über Mittelstreckenraketen
zügig unter Dach und Fach bringen.
Es gibt Fragen, die noch geklärt werden müssen.
Unsere Delegation in
Genf hat bereits den Weg zur Verein-

- 6 -

�fachung der Verifikationsbestimmungen
geebnet, nachdem wir uns auf die
vollständige
Beseitigung
amerikanischer und sowjetischer Mittelstrekkenwaffen verständigt haben.
Wir
haben ebenfalls wiederholt
darauf hingewiesen, daß die in letzter Minute nachgeschobene Forderung
der Sowjets bezüglich der deutschen
Pershing lA-Raketen jeder Grundlage
entbehrten.
Bundeskanzler Kohl hat
heute sogar dieses künstliche Hindernis beseitigt. Wir haben deshalb die
Hoffnung, daß die Sowjetunion den Beweis antreten wird, ob hinter der in
letzter Zeit so oft wiederholten Rhetorik Substanz steckt - und sie wirklich eine stabilisierende Vereinbarung über Mittelstreckenwaffen will.
Falls dem so ist, wird sie auf unsere
Vorschläge
konstruktiv
antworten,
statt vor einer Vereinbarung zusätzliche Hindernisse in den Weg zu legen.
Wir müssen ferner zügig auf das
Ziel einer 50prozentigen Reduzierung
der strategischen Nuklearwaffen hinarbeiten, worauf Herr Gorbatschow und
ich uns im vergangenen Herbst in
Reykjavik geeinigt haben.
Das wäre
eine großartige Leistung.
Lassen Sie mich kurz auf etwas
eingehen, das die Sache all dieser
Verhandlungen voranbringt. Ich glaube, es ist von vorangiger Bedeutung,
daß sich westliche Berichterstatter
und Redakteure die wirkliche Leistung
dieser Verhandlungen vor Augen führen.
Ich möchte zum Beispiel darauf
hinweisen, daß das Wirtschaftsmagazin
"The Economist" kürzlich einen Artikel nach dem Motto "Ob Sie das glauben wollen oder nicht" veröffentlichte, in dem es seine Leser daran erinnerte, daß es ja die Vereinigten
Staaten waren, die als erste die
Null-Lösung
bei
den
Verhandlungen
- 7

über Mittelstreckenwaffen und den 50prozentigen Abbau der strategischen
Waffen vorschlugen.
Ich würde ganz
einfach sagen:
Je eher die Sowjets
begreifen, daß ihre Versuche, die Medien in bezug auf diese Verhandlungen
zu manipulieren, zum Scheitern verurteilt sind, umso größer sind die
Chancen, schließlich zu einer Unterzeichnung
der Vertragsdokumente
zu
kommen.
Wie den meisten von Ihnen bekannt
sein wird, stehen daher bei unseren
Verhandlungen mit den Sowjets vier
Punkte auf unserer Tagesordnung: Menschenrechte, Rüstungskontrolle, Lösung regionaler Konflikte, und bilaterale Themenkomplexe. Wir müssen in
allen Punkten Fortschritte erzielen,
wenn sich die Beziehungen insgesamt
fortschrittlich
entwickeln
sollen.
Lassen sie mich auf unsere ernste
Sorge über die sowjetischen Aktionen
in einem dieser Bereiche hinweisen:
regionale Konflikte.
Es ist eine
Tatsache, daß die sowjetischen Besatzungstruppen
in
Afghanistan
immer
noch einen Krieg der wahllosen Bombardierung und des Massakers an der
Zivilbevölkerung
gegen
ein
moslemisches Volk führen, dessen einziges
Verbrechen in der Liebe zu ihrem Land
und ihrem Glauben besteht.
In Mittelamerika wurden die Waffenlieferungen aus Ländern des Ostblocks im vergangenen Jahr rapide gesteigert, und
zwar um mehr als 100 Prozent.
Während also die Sowjetunion über
Reformen im eigenen Land spricht, hat
sie ihre Bemühungen verdoppelt, anderen ein zum Scheitern verurteiltes
System aufzuzwingen.
Ich möchte betonen, daß es eine Gewissensfrage gegenüber dem Westen ist, solche Aktionen klar und deutlich anzusprechen,
und daß die sowjetischen Aktionen in
diesem Bereichen der Politik mit der
allergrößten Sorge beobachtet werden.

�Ich kann diesen Punkt nicht genug betonen.
Aber lassen Sie mich nochmals unterstreichen, daß der Fortschritt,
den wir in den Ost-West-Beziehungen
beobachten konnten, von der neuen in
die amerikanische Außenpolitik eingebrachten Stärke und Entschlossenheit
sowie
der
Geradlinigkeit
unserer
Friedensinitiativen
herrührt.
Wir
beobachten
ferner
eine
sowjetische
Führung, die eher bereit zu sein
scheint, die Probleme anzusprechen,
die Ost und West seit so langer Zeit
getrennt haben, und die Abkommen zum
beiserseitigen Nutzen anstrebt.
Vielleicht ist das Wachstum der
Demokratien in der ganzen Welt das
endscheidende Maß
für diese neuen
Entschlossenheit.
Noch
vor
einem
Jahrzehnt wurde die Demokratie in
ganz Lateinamerika angegriffen - heute leben mehr als 90 Prozent der Lateinamerikaner in Staaten, die bereits demokratisch
sind oder sich
entschlossen darauf zubewegen.
Eine kürzliche Sitzung der Vollversammlung
der Vereinten Nationen
über Afrika rief zu mehr persönlicher
Freiheit und einer Verminderung der
Regierungsgewalt auf, um den wirtschaftlichen Fortschritt voranzutreiben. In den vergangenen Jahren konnten wir ebenfalls erhebliche Fortschritte in Richtung auf eine Demokratisierung
in Nationen
wie
den
Philippinen und Süd-Korea beobachten.
Sogar ein Land wie China hat Offenheit für wirtschaftliche Reformen gezeigt.
Vor allem sind die althergebrachten Lösungensvorschläge des 20. Jahrhunderts zur Minderung der Leiden in
der Welt - Lösungen, die nach immer
mehr Regierungsgewalt in den Händen
einer immer kleineren Elite rufen -

überall unter Beschuß geraten, besonders bei den Intellektuellen.
Die
neue Idee eines Zusammenhangs zwischen
wirtschaftlicher
und
politischer Freiheit als dem Hauptinstrument des sozialen Fortschritts findet
immer mehr Anklang.
Wenn
ich
auf
die
verangenen
sechseinhalb Jahre zurückblicke, muß
ich mir einfach die tiefgreifenste
Veränderung vor Augen führen, die ich
beobachten konnte:
die aufregenden
und neuen Aussichten für die Sache
der Demokratie. Es überwiegt ein Gefühl der Stärke und Hoffnung; die
Planwirtschaft hat bei den Intellektuellen
an Attraktivität verloren;
und überall streben die Nationen und
Völker nach der Erfüllung ihres jahrhundertealten Strebens nach Selbstverwaltung und Selbstbestimmung.
Vielleicht werden wir uns endlich
über das Stadium der spannungsgeladenen Distanz der Nachkriegszeit hinaus
entwickeln, und das in Jalta zwar
eingegangene aber nie gehaltene Versprechen erfüllen. Vielleicht ist es
nicht zu viel verlangt, einen ersten
Schritt hin zu demokratischer Herrschaft und freien Wahlen zu verlangen. Und ich hoffe, dieses Thema bei
der Vollversammlung der Vereinten Nationen noch ausführlicher vortragen
zu können.
Wir könnten dann den Augenblick
erleben, den Churchill damals vorhergesehen hat; den Augenblick, in dem
die Welt die Gelegenheit wahrnehmen
könnte, die sie vor vier Jahrzehnten
versäumt hat; die grenzenlose Freiheit zu erlangen; eine Gelegenheit,
die
schrecklichen
Leiden
des 20.
Jahrhunderts und die zweifache Bedrohung eines nuklearen Krieges und der
totalitären
Ideologie
zu
beenden.
Vor
allem
die
Gelegenheit,
die
Menschheit wachsen und gedeihen zu

- 8 -

�sehen in einer Regierungsform, die
Churchill von allen schlechten Regierungsformen als die beste bezeichnete: Demokratie.
Dies
ist die Gelegenheit, die
sich uns bietet; wir müssen sie jetzt
ergreifen, für uns und für zukünftige
Generationen.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.

* * * * *

- 9 -

�</text>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
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              <text>Reagan: Offenheit bei sowjetischen Militärangelegenheiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Reagans zu Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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