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                  <text>AMERIKA DIENST
^7

^

"&amp;

2 6 . A u g u s t 1987

29

I N H A L T

DOKUMENTATION

Nitze warnt:

Viele INF-Probleme noch ungelöst

- USA-Today Interview mit Botschafter Paul Nitze -

NATO Botschafter Keel fordert Bekenntnis zum Bündnis
- Interview mit "Avianews international"

HINTERGRUNDMATERIAL

Probleme der Rüstungskontrolle
- Von Edward L. Rowny -

Begrenzung der Regierungsgewalt das Hauptmerkmal der amerikanischen Verfassung
- Interview mit Richter Clifford Wallace -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

\oN^

26. August 1987

29
NITZE WARNT:

VIELE INF-PROBLEME NOCH UNGELÖST

- USA-Today Interview mit Botschafter Paul Nitze WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben "beträchtliche Fortschritte" in Richtung auf ein Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) erzielt, "dennoch sind einige bedeutende Themenkomplexe noch nicht
gelöst", erklärte Botschafter Nitze.
In einem am 19. August 1987 mit USA Today gegebenen Interview warnte der
Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers der Vereinigten Staaten
zu Fragen der Rüstungskontrolle: "Bei zahlreichen Themen sind wir noch sehr
weit voneinander entfernt".
Nitze verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß gute Chancen für ein Abkommen über eine 50prozentige Kürzung der strategischen Waffen im Verlauf der
noch verbleibenden 17 Monate der Amtszeit Präsident Reagans bestünden.
Nachfolgend drucken wir das Interview im Wortlaut.
Frage:
Ein
Rüstungskontrollabkommen mit den Sowjets scheint in
greifbare Nähe gerückt zu sein, aber
es gibt noch ein Hindernis: Wie können wir sicherstellen, daß sie uns
nicht hintergehen?
Antwort:
Einige bestimmte Bereiche sind von der Verifizierung
ausgenommen - bestimmte Orte, die
nicht unter Vor-Ort-Inspektionen fallen.
Der springende Punkt bei der
Verifizierung ist, daß sie von beiden
Seiten sehr viel leichter akzeptiert
werden kann, wenn sie an bestimmten

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Orten und zu besonders abgestimmten
Zeiten
stattfindet.
Bestimmte gefährdete Orte hätte man hiervon gerne
ausgenommen.
Frage:
Wollen Sie damit andeuten, daß wir uns auch mit etwas weniger als der perfekten Verifizierung
zufriedengeben würden?
Antwort:
Ich denke, das trifft
zu.
Keine Verifizierung
ist perfekt. Aber der wichtigste Punkt ist,
eine von vollständigem Vertrauen getragene Verifizierung in den Berei-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�chen zu erreichen, die von Bedeutung
sind.
Frage:

Zum Beispiel?

Antwort:
Ich glaube nicht, daß
irgend jemand Ihnen garantieren kann,
daß niemand einfach eine Rakete hinter einem Baum mitten in Sibirien
versteckt hat. Aber falls sich eine
Rakete hinter einem Baum in Sibirien
befindet, wie wird man sie je einsetzen?
Man benötigt ausgebildetes
Personal, um sie zu bedienen; man benötigt
Unterbr ingungsmöglichkeiten
für dieses Personal. Man muß die Raketen erproben und man benötigt Ersatzteile.
Frage:
Und
zungseinrichtungen
gemacht werden?

diese
UnterStütkönnen
ausfindig

Antwort:
Wir
hoffen, daß das
Abkommen
über
Mittelstreckenraketen
zum vollständigen Abbau der amerikanischen
und
sowjetischen
Raketensysteme mittlerer und kürzerer Reichweite sowie der Lager- und Erprobungseinrichtungen in Europa führen
wird.
Sollte dies geschehen, dann
wäre jegliche Erprobung, Produktion
und Truppenausbildung zu diesem Zweck
- der verifizierbar wäre - eine Verletzung des Vertrages.
Frage:
Nehmen wir einmal an,
die Sowjets sagen, sie hätten einige
illegale Gefechtsköpfe in Belgien gesichtet.
Oder nehmen wir an, wir
hätten in einem Staat des Warschauer
Pakts Gefechtsköpfe geortet, die wir
inspizieren wollten.
Was wäre dann
zu tun?
Antwort:
über
genau
dieses
Problem diskutieren wir zur Zeit mit
unseren Verbündeten. Ähnlich gestaltete Vereinbarungen wie die zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten
- 2

Staaten könnten auch auf die Orte in
Ländern der NATO und des Warschauer
Pakts Anwendung finden, wo diese Waffensysteme zur Zeit stationiert sind.
Frage:
Sobald
der Vertrag
in
Kraft getreten ist, wird jede Seite
eine Inspektion vornehmen, um herauszufinden, wieviele Raketen vernichtet
werden müssen. Woher können sie wissen, daß ihre erste Inspektion alles
ausfindig macht?
Antwort:
Man
kann nie sicher
sein, daß alles ausfindig gemacht
wird, aber wir können uns heute auf
ein ziemlich ausgereiftes Nachrichtenwesen verlassen.
Jahrelang haben
wir immer wieder gesagt, die Sowjets
haben soundso viele SS-20 und soundso
viele SS-22, usw. Wir wissen ziemlich genau, wo sich diese Raketen befinden, wo die Wartungsdepots sind
und wo sie produziert werden.
Sie
werden uns eine Regierungsvereinbarung vorlegen müssen, in der in allen
Einzelheiten beschrieben ist, was sie
haben und wo es sich befindet. Dann
hätten wir das Recht zur Inspektion.

y

*

Frage:
Vor
kurzem
haben
die
Sowjets gesagt, daß sie sich zu VorOrt-Inspektionen
chemischer
Waffenfabriken bereit erklären würden. Sehen
Sie
darin
einen
ermutigenden
Fortschritt?
Antwort:
Ja, auf jeden Fall.
Aber damit wird das Problem nicht gelöst. Das Problem ist, daß chemische
Waffen in sehr kleinen Anlagen hergestellt werden können. Hier haben wir
also ein Problem, das zu berechtigter
Sorge darüber Anlaß gibt, wie man
wirklich vollständig darauf vertrauen
kann, daß
chemische
Waffen
nicht
heimlich hergestellt werden.
Frage:
Wenn
dieses
Abkommen
einmal in Kraft getreten ist, wieviel

t

�Zeit
benötigen
die
beiden
Seiten
dann, um alle betroffenen Raketensysteme zu vernichten?
Antwort:
Sie
können
relativ
schnell verschrottet werden. im Hinblick auf die Mittelstreckensysteme
glauben wir, daß dies binnen eines
Jahres geschehen könnte.
Frage:
Senator
Richard
Lugar
hat vor einigen Tagen gesagt, daß
seiner Meinung nach die Sowjets einen
Zeitraum von fünf Jahren anstreben,
während wir drei Jahre ins Auge gefaßt haben.
Antwort:
Ja, so sieht es zumindest derzeit aus. Aber Sie fragten nach der Zeitspanne, in der dies
meiner Auffassung nach erledigt werden könnte.
Frage:
Wie
greifbar
ist
ein
Abkommen über Mittelstreckenwaffen?
Antwort:
Bei
zahlreichen Themen sind wir noch sehr weit voneinander entfernt.
obwohl wir beträchtliche Fortschritte erzielen konnten,
sind einige bedeutende Themenkomplexe
noch nicht gelöst.
Frage:
Im
vergangenen
April
haben die Sowjets die Frage der amerikanischen
nuklearen
Gefechtsköpfe
auf den Pershing lA-Raketen aufgeworfen, die der Bundesrepublik Deutschland gehören. Wenn sie an einem Abkommen so sehr interessiert sind, warum haben sie dieses Thema kurz vor
Zwölf angesprochen?
Antwort:
Wenn sie geglaubt haben, mit diesem Thema, Uneinigkeit
zwischen den NATO-Ländern und den
Vereinigten Staaten zu stiften, könnten sie versuchen, dieses Thema geschickt dafür auszunutzen, daß man zu
der Aussage verleitet wird, der We-

sten wolle den Sowjets in dieser Frage nachgeben.
Ich glaube, es wäre
ein großer Fehler, dieses Thema dafür
zu benutzen.
Frage:

Warum?

Antwort:
Wir haben bei diesem
Thema seit Jahren auf dem Prinzip der
bilateralen
Verhandlungen
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion bestanden. wir werden über
die Systeme anderer Länder, wie der
britischen und französischen, die unabhängig
voneinander
über Nuklearstreitkräfte verfügen, nicht verhandeln, und wir werden die bestehenden
Regeln der Kooperation mit Verbündeten nicht durcheinanderbringen.
Die
Pershing lA-Raketen gehören den Deutschen, und die Gefechtsköpfe werden
entsprechend der seit langem bestehenden Regeln der Kooperation von uns
instand gehalten.
Frage:
Der
frühere NATO-Oberbefehlshaber General Bernard Rogers
hat gesagt, ein Mittelstreckenabkommen würde uns wegen der überlegenen
konventionelle Streitkräfte der Sowjets die Fähigkeit zur Abschreckung
nehmen.
Müssen wir daher in erheblichem
Umfang
konventionell
aufrüsten?
Antwort:
Wir haben immer schon
die Auffassung vertreten, daß eine
Verbesserung
des
konventionellen
Gleichgewichts erforderlich ist. Daran hat die NATO seit vielen, vielen
Jahren
gearbeitet.
Unsere Politik
war unbeirrbar auf dieses Ziel ausgerichtet, und dabei sollte es bleiben.
Ich glaube nicht, daß sich hieran
durch die jetzt angestrebten Abkommen
viel ändert.
Diese Abkommen werden
das nukleare Gleichgewicht und daher
auch die allgemeine Lage im Hinblick
auf die Sicherheit Europas verbessern.

- 3 -

�Frage:
Kommt es auf dieses Abkommen wirklich an? Die Sowjets können nun so viele Waffen größerer
Reichweite wie sie wollen hinzufügen,
und diese können auf Ziele in Europa
ausgerichtet sein.
Antwort:
Nun, das
ist wahr.
Aber wir arbeiten ebenfalls intensiv
an einem Abkommen, das nicht nur einen Zuwachs der interkontinentalstrategischen Waffen auf beiden Seiten
verhindern, sondern auch zu einer wesentlichen Verringerung
der Anzahl
der Systeme und der Gefechtsköpfe
führen würde.
Frage:
Besteht noch eine realistische Chance, in den verbleibenden 17 Monaten von Präsident Reagans
Amtszeit zu einem Abkommen über den
vorgesehenen
50prozentigen
Abbau
strategischer Waffen zu gelangen?
Antwort:

Wir glauben schon.

Frage:
Gibt es in Anbetracht
der Wahlen im kommenden Jahr einen
Stichtag, ab dem der Versuch zwecklos
wäre, ein Abkommen auszuhandeln?
Antwort:
Unserer
Auffassung
nach ist es wichtig zu versuchen, die
Verträge in eine endgültige Fassung
zu bringen, so daß sie dem Kongreß im
Februar oder März vorgelegt werden
können und noch genug Zeit für eine
Ratifizierung bleibt.
Im Jahr 1972
haben wir das SALT I-Abkommen im Mai
ausgehandelt, und es wurde noch vor
den Wahlen ratifiziert.
Frage:
Vor
kurzem legten die
Sowjets einen neuen Entwurf für ein
Abkommen über die strategischen Waffen vor. Unterschied es sich wesentlich von früheren Angeboten?

Vertragsform, und daher waren die Details in ihrer Meinung nach angemessenen
Formulierungen
ausgearbeitet.
Dies bietet uns die Gelegenheit, unseren seit einiger Zeit auf dem Verhandlungstisch liegenden Vertragsentwurf heranzuziehen und Arbeitsstäbe
damit zu beauftragen, die Formulierungen miteinander
zu vergleichen,
damit wir sehen, wo wir übereinstimmen und wo nicht. Daran arbeiten unsere Arbeitsstäbe derzeit.
Frage:
Die Sowjets
verknüpfen
SDI, also den "Krieg der Sterne", mit
jedem START Abkommen, also dem Abbau
strategischer Raketen. Kann das eine
ohne eine Übereinkunft über das andere erreicht werden?
Antwort:
Wir
hoffen
schon.
Wir würden es vorziehen, ausgereifte
Verträge sowohl in bezug auf die Verteidigung im Weltraum als auch auf
START vorzulegen. Diese sind um einiges schwieriger
auszuhandeln
als
ein Mittelstreckenabkommen.
Und sogar beim Mittelstreckenabkommen haben
wir noch immer Probleme.
Frage:

Was kann getan werden?

Antwort:
Außer
harter
Arbeit
und Arbeit mit einem gewissen Maß an
Optimismus im vollen Bewußtsein der
wirklichen Probleme, mit denen wir
uns
konfrontiert
sehen, weiß
ich
nicht, was zu tun ist, weil wir es
nämlich mit echten Problemen zu tun
haben.
Die Menschen neigen zu vorschnellem und übermäßigem Optimismus.
Sie glauben, daß alles schon erledigt
ist, wenn dies noch gar nicht der
Fall ist. Und es ist eben nicht der
Fall.

* * * * *
Antwort:

Nein.

Aber

es war

in

'

,

,

�v^°S?&lt;

AMERIKA DIENST
Dokumentation
26. August 1987

29

NATO BOTSCHAFTER KEEL FORDERT BEKENNTNIS ZUM BÜNDNIS
- Interview mit "Avianews International" BRÜSSEL - (AD) - Dem amerikanischen Botschafter bei der NATO, Alton G.
Keel, Jr., zufolge sollten die politisch Verantwortlichen in Europa und den
Vereinigten Staaten ihren Bürgern erneut versichern, daß die NATO Garant des
Friedens in Europa ist. In einem in der Juli/August-Ausgabe von "Avianews International" veröffentlichtem Interview bekräftigte Keel, "die Menschen müssen
Rückschau halten und aus dem Vermächtnis der Vergangenheit lernen... daß dieses Bündnis bei der Bewahrung des Friedens" und der Abschreckung von Aggression und Krieg "außerordentlich erfolgreich war". Im Lichte der derzeitigen
amerikanisch-sowjetischen Abrüstungsgespräche über die Reduzierung von Nuklearwaffen mittlerer Reichweite (INF), ist es für die Europäer wichtig zu begreifen, daß "die Vereinigten Staaten weder beabsichtigen, alle Nuklearwaffen
aus Europa abzuziehen noch ihre Verpflichtung gegenüber Europa nicht zu erfüllen oder irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen, die als Abkoppelung oder eine
Lockerung ihrer Verpflichtung verstanden werden könnten", erklärte der amerikanische Botschafter und fügte hinzu "und die Sowjets müssen diese Botschaft
vernehmen".
Frage:
Jetzt, da die Nuklearwaffen mittlerer Reichweite in Europa
vollständig abgebaut werden, scheint
die NATO keine Pläne für erhöhte Rüstungsausgaben im konventionellen Bereich zu haben oder trotz jüngster
Eingaben auf Ministerebene Kürzungen
solcher Waffensysteme aushandeln zu
wollen. Haben Jahrzehnte der Abhängigkeit von Nuklearwaffen die NATO
unfähig zur Wahrung des Friedens gemacht?

ich

Antwort:
Diese Auffassung kann
in keiner Weise teilen.
Meiner

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Embassy of the United States of America

Meinung nach müssen wir uns als erstes daran erinnern, daß die Erweiterung
konventioneller
Rüstungen
nie
eine Voraussetzung unserer Rüstungskontrollabkommen über Mittelstreckensysteme war. Es erübrigt sich zu sagen, daß es stets in unserem Interesse gelegen hat, die konventionellen
Streitkräfte zu verbessern und wir
haben es sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch in Europa öffentlich
immer wieder zu unserem Anliegen gemacht, daß für konventionelle Streitkräfte mehr ausgegeben werden muß.
Dies ist eine Tatsache, unabhängig

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�von einem Rüstungskontrollabkommen also einem Abkommen über Mittelstrekkensysteme (INF).
Wir
sind auf die Rüstungskontrollvorschläge für die sogenannten
INF eingegangen, da wir das Gefühl
hatten, daß es in unserem Sicherheitsinteresse lag. Wir, die Vereinigten Staaten, sind davon überzeugt
und wir, das Bündnis, sind davon
überzeugt. Das Bündnis hat natürlich
seit jeher den Abbau der SS-20 durch
die Sowjets und der älteren Generation der SS-40 ähnlicher Reichweite
befürwortet und von Anfang an angedeutet, daß wir zum Abbau der amerikanischen
Pershings
oder
GLCMs
(ground-launched
cruise missiles
landgestützte
Marschflugkörper)
bereit sind, wenn die Sowjets tatsächlich diese Streitkräfte mit ähnlichen
Fähigkeiten
abziehen
und
abbauen.
Schon lange vor der Stationierung haben wir diese Position vertreten, es
ist also eine seit langer Zeit bestehende Position des Bündnisses.
Aus
amerikanischer Sicht haben wir den
Abbau dieser Waffenkategorien vorgezogen.
Der in den vergangenen Monaten
erarbeitete neue Teil dieses Abkommens enthält nun den Konsens des
Bündnisses,
eine
Waffenkategorie,
nämlich die ausschließlich von den
Sowjets stationierten Mittelstreckensysteme kürzerer Reichweite - die sogenannten SRINF - abzubauen.
Diese
Ankoppelung an unsere bisherige Position bezüglich INF macht es unserer
Ansicht nach noch wichtiger für unsere Sicherheitsinteressen.
Ich möchte also nochmals betonen,
daß meiner Meinung nach zur Zeit
überhaupt keine Voraussetzungen für
eine
umfassende Modernisierung
der
konventionellen
Streitkräfte
bestehen. Ich denke, daß schon immer der

Wunsch und die Notwendigkeit zu einer
anhaltenden Verbesserung der konventionellen
wie
auch
der
nuklearen
Streitkräfte bestanden hat.
Dieses
Rüstungskontrollabkommen
beeinträchtigt dies in keiner Weise. Es macht
es aber auch nicht dringlicher oder
bedenklicher.
Frage:
Während
der
letzten
Sitzung
der
Verteidigungsplanungsgruppe hat General Altenburg, der
Vorsitzende
des
Militärausschusses
der NATO, die massive Modernisierung
konventioneller Rüstungen gefordert.
Er sagte, es sei dringend.
Glauben
Sie, daß er in seiner Eigenschaft als
echter
Militär
hierbei
übertrieben
hat und seine Bitte um mehr Geld nur
so effektvoll wie möglich vortragen
wollte?
Antwort:
Ich glaube nicht, daß
er massive Verbesserungen gefordert
hat. Meiner Meinung nach hat er gefordert, daß die NATO, dieses Bündnis, die westlichen Demokratien, die
Notwendigkeit
für
eine
anhaltende
Verbesserung
der
konventionellen
Streitkräfte erkennen müssen, ebenso
wie das krasse Ungleichgewicht, mit
dem wir uns in bezug auf die konventionellen
Streitkräfte der Sowjetunion und des Warschauer Pakts konfrontiert sehen.
Aus diesem Grund
müssen wir weiter modernisieren, müssen wir weiterhin für die Zuwendung
von Mitteln zur Modernisierung konventioneller Streitkräfte sorgen, und
wir müssen mehr als bisher tun. Die
Notwendigkeit
bestand
vor dem Rüstungskontrollabkommen und sie wird
auch nach dem Rüstungskontrollabkommen bestehen bleiben. Das Rüstungskontrollabkommen verbessert die Stabilität insgesamt.
Frage:
Ich möchte nochmals zur
Frage der Stabilität
zurückkommen.
Der
ehemalige Oberbefehlshaber
der

�NATO, General Rogers, hat kürzlich in
seiner letzten Pressekonferenz davor
gewarnt, die NATO-Partner würden im
Falle der Unterzeichnung eines INFAbkommens, wie er sich ausdrückte,
"den gefährlichen Weg der Entnuklearisierung einschlagen". Enthält dies
ein Körnchen Wahrheit, wo doch die
NATO also ihre einzige in Europa stationierte Rakete verschrotten wird,
die in der Lage ist, sowjetisches
Territorium zu erreichen?
Antwort:
Ich denke nicht, daß
wir mit diesem Abkommen den gefährlichen
Weg
der
Entnuklearisierung
oder
Abkoppelung
beschreiten.
Ich
meine jedoch, daß wir dieser Einschätzung gewahr sein sollten, sowohl
aus der Sicht der Europäer als auch
aus der Sicht der Sowjets, da solche
Einschätzungen aus der Sicht der Abschreckung
außerordentlich
wichtig
sind.
Wir müssen Maßnahmen vermeiden, die sich auf diese Einschätzung
gründen könnten.
Aus diesem Grund
sollten wir jetzt eine Verschnaufpause einlegen und nachdenken und entscheiden, welche Richtung wir einschlagen wollen, vor allem im nuklearen Bereich. Für die Europäer ist es
wichtig zu begreifen, daß die Vereinigten Staaten weder beabsichtigen,
alle Nuklearwaffen aus Europa abzuziehen noch ihre Verpflichtung gegenüber Europa nicht zu erfüllen oder
irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen,
die als Abkoppelung oder eine Lockerung ihrer Verpflichtung verstanden
werden könnten. Und die Sowjets müssen diese Botschaft vernehmen.
Ich
glaube daher nicht, daß dieses INFAbkommen uns auf einen gefährlichen
Weg geführt hat.
Frage:
Herr
Botschafter,
um
nochmals auf die amerikanisch-europäischen
Sicherheitsbeziehungen
zurückzukommen:
Ich würde gerne von
Ihnen hören, wie sich diese Ihrer

Meinung nach entwickeln werden.
Ist
es nicht ein unvermeidliches Resultat
eines INF-Abkommens, daß die Westeuropäer mehr für ihre Verteidigung
ausgeben müssen? Ich würde auch gerne von Ihnen einige Bemerkungen über
die
jüngsten
Vorschläge
zu
einer
deutsch-französischen Brigade hören.
Antwort:
Auch hier denke ich
nicht, daß die Europäer als Ergebnis
eines
INF-Abkommens
mehr
ausgeben
müssen.
Ich glaube, die Europäer
müssen unabhängig von einem INF-Abkommen mehr ausgeben.
Und meiner
Meinung nach befindet sich die Welt
in einer Lage, in der die Vereinigten
Staaten, die offensichtlich eine Supermacht sind, weltweite Verpflichtungen haben, und die Kosten dieser
Verpflichtungen steigen mit der Zeit
und werden sicherlich nicht geringer.
Die sowjetische Bedrohung nimmt
in keiner Weise ab, und vor allem
nimmt
sie
nicht
in
Europa
ab.
Schlicht und einfach heißt dies alles:
Ja - die Europäer werden mehr
tun müssen, aber nicht wegen des INFAbkommens.
Sie werden aufgund der
sich wandelnden Gegebenheiten auf der
Welt mehr tun müssen.
Einen nicht
unerheblichen Bestandteil dieser Gegebenheiten
bildet die
sowjetische
militärische Bedrohung und insbesondere die Bedrohung Europas. Die Vereinigten Staaten müssen mehr tun und
offensichtlich ist dies die Absicht
Präsident Reagans, der während seiner
gesamten Amtszeit dieses Ziel verfolgt hat.
Und dabei wird es auch
bleiben.
Bezüglich des Vorschlags für eine
deutsch-französische Brigade wird jede Art der militärischen Zusammenarbeit
zwischen
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
Frankreich
eine
deutsch-französische
Entscheidung
sein. Meiner Meinung nach wären die

- 3 -

�Sorgen des Bündnisses solche Befürchtungen, die bereits von den deutschen
und
französischen
Regierungsvertretern bei der Erörterung dieses Themenkomplexes
zum Ausdruck
gebracht
werden, oder zumindest dann, wenn sie
dieses zur Zeit nur in der Konzeption
bestehende Thema in der Öffentlichkeit diskutieren.
Diese Befürchtungen beziehen sich einerseits auf die
Tatsache, daß man aus der Sicht der
westlichen Sicherheit davon profitieren könnte, wenn sich die Franzosen
enger in das NATO-Bündnis einbeziehen
ließen. Dies ist nicht gleichbedeutend mit einer Integration in die
NATO-Struktur, da die Franzosen nicht
integriert sind und in jüngster Zeit
auch kein Interesse an einer Änderung
dieser seit langen bezogenen Position
gezeigt haben. Es erübrigt sich jedoch zu sagen, daß das Bündnis meiner
Meinung nach Verständnis dafür aufbringen würde, daß man von einer engeren Einbeziehung der französischen
Streitkräfte in diejenigen der NATO,
einschließlich der deutschen Streitkräfte, profitieren würde.
Frage:
Eines der von europäischer Seite gegen ein Mittelstrekkenabkommen
vorgetragenen
Argumente
besagt, es handele sich eigentlich
nicht um echte Abrüstung, wo doch
mehr als 4 000 amerikanische taktische Nuklearwaffen der Vereinigten
Staaten in Europa verbleiben werden.
Wie würden Sie hierauf antworten?
Antwort:
Wenn man eine offensichtlich im eigenen Sicherheitsinteresse
liegende
Initiative vorantreibt, denken einige, dies würde die
Sicherheit untergraben. und infolgedessen geht dies zu weit.
Auf der
anderen Seite gibt es die Denkrichtung, die besagt, dies ginge nicht
weit genug und sei keine echte Abrüstung. Meine Antwort an diese beiden
Denkrichtungen
lautet,
daß
Abrü- 4

stungsvorschläge letztlich am Schauplatz
der
Abrüstungsverhandlungen
formuliert, formell vorgeschlagen und
gebilligt werden und dort auch ihre
Zustimmung
erfahren.
Dies
trifft
insbesondere
auf die Nuklearwaffen
zu, weil hier Einigkeit darüber besteht, daß diese die Stabilität in
der Welt und die Aussichten auf Frieden verbessern und im Sicherheitsinteresse des Bündnisses insgesamt liegen. Dies gilt für die Mittelstrekkenwaffen.
Hier
wird
tatsächlich
über die Beseitigung von Waffensystemen aus Europa verhandelt, bei denen
das größte Ungleichgewicht herrscht nämlich die ballistischen Langstrekkenraketen für den unmittelbaren Vergeltungsschlag, die Westeuropa bedrohen.
Ein objektiver Beobachter muß
ganz einfach zu dem Schluß zu kommen,
daß dies die Stabilität festigt.
Frage:
Viele
Regierungen
in
Westeuropa
sind über die doppelte
Null-Lösung beunruhigt.
Vor kurzem
haben sie die Null-Lösung widerwillig
gebilligt, obwohl sie doch diejenigen
waren, die sie ursprünglich als eine
politisch ansprechende Idee willkommen hießen, die von den Sowjets nie
akzeptiert würde. Was sagt dies über
die Glaubwürdigkeit der NATO und die
Glaubwürdigkeit
ihrer
strategischen
Position aus?
Antwort:
Ich würde nicht behaupten, daß viele Regierungen über
die doppelte Null-Lösung beunruhigt
waren. Man muß fairerweise zugeben,
daß es einige qualvolle Debatten innerhalb
des
Bündnisses
gab,
die
schließlich in einer gemeinsamen Haltung zur sogenannten doppelten NullLösung mündeten, und es gab sicher
einen offenen Gedankenaustausch.
Im
Prinzip konzentrierte sich der Gedankenaustausch jedoch auf die Frage, ob
aus einer bestimmten Sicht von einer
Abkoppelung gesprochen werden konnte,

&lt;

»

�und ob es eine Bewegung oder einen
Trend gab, der nicht so sehr auf eine
Entnuklearisierung
Europas
hinauslief, als vielmehr auf einen Abbau
von amerikanischen Nuklearwaffen in
Europa.
Und die Europäer
sollten
hiervon durchaus auch betroffen sein.
Dies ist verständlich, weil wir uns
nicht nur vor solchen Betrachtungsweisen hüten müssen, sondern offensichtlich vor jedem derartigen Trend.
Man muß den Europäern zunächst
versichern, daß die Vereinigten Staaten kein Interesse - jedenfalls nicht
in absehbarer Zukunft - an einem Abzug ihrer Nuklearwaffen aus Europa
haben.
Ferner muß man ihnen versichern, daß dies von entscheidender
Bedeutung für unsere Strategie der
flexiblen Reaktion und besonders für
die nukleare Abschreckungsoption innerhalb dieser Strategie ist.
Ich
würde daher nicht sagen, die Europäer
hätten die doppelte Null-Lösung widerwillig akzeptiert.
Ich würde sagen, daß man die weitere Entwicklung
mit Sorge beobachtete, und das war
auch richtig so.
Darum müssen wir
jetzt Zeit für eine Verschnaufpause
einlegen und die Dinge noch einmal
überdenken.
Frage:
Um noch einmal auf diesen Punkt zurückzukommen, wollte ich
Sie fragen, ob Ihrer Meinung nach die
NATO durch Gorbatschow in die Defensive geraten ist? Während des Außenministertreffens im Juni in Reykjavik
sagte Lord Carrington, der Westen habe etwas besseres zu tun, als nur auf
die sowjetischen Vorschläge zu antworten. Und dennoch sieht es so aus,
als ob die NATO nach einer Strategie
sucht.
Sie ist auch mit Haushaltsengpässen konfrontiert.
Sehen Sie dies als eine beunruhigende Zeit für die NATO oder eine
Zeit, in der die Menschen - wie Sie

es ausdrückten - innehalten und die
Dinge noch einmal überdenken müssen?
Viele Leute glauben, die NATO sei
derzeit in keiner guten Verfassung.
Antwort:
Nun, diese Schlußfolgerung würde ich auf gar keinen Fall
ziehen. Ich würde sogar sagen, daß wenn Sie das einmal historisch betrachten - die NATO heute wahrscheinlich in einer besseren Position ist,
als im Verlauf ihrer Geschichte. Und
ich würde das keine beunruhigende
Zeit für das Bündnis nennen.
Ich
würde es eher als eine schwierige
Zeit für das Bündnis bezeichnen.
Die
Menschen
müssen
Rückschau
halten und aus dem Vermächtnis der
Vergangenheit lernen und sich selbst
und der Öffentlichkeit die Tatsache
vergegenwärtigen, daß dieses Bündnis
bei der Bewahrung des Friedens außerordentlich erfolgreich war, und daß
es Aggression und Krieg abschrecken
kann.
Daher müssen wir der Öffentlichkeit erneut versichern, wie die
amerikanischen Haltung aussieht. Die
Europäer müssen ferner zu erkennen
geben, daß sie die Bedeutung dieses
Bündnisses und die Bedeutung der amerikanischen Rolle in diesem Bündnis
verstehen.
Aus europäischer Sicht müssen die
Vereinigten
Staaten
den
Europäern
versichern, welche Bedeutung sie dem
Bündnis verleihen.
Ich glaube also
nicht, daß wir an einem kritischen
Punkt im Bündnis angelangt sind, wenn
man es unter dem Gesichtspunkt betrachtet, inwiefern die Frage ernsthaft in Erwägung gezogen wird, ob wir
eine Alternative zum Bündnis brauchen
oder nicht. Ich glaube, wir sind an
einem kritischen Punkt in der Geschichte angelangt, an dem unsere
Überzeugungen auf die Probe gestellt
werden.
Dies ist die beste Art, es
auszudrücken. Wir müssen für unsere

- 5 -

�Überzeugungen
eintreten.
Dieses
Bündnis hat seine Aufgaben erfüllt,
es hat den Frieden bewahrt und den
Krieg verhindert. Und wir, die politisch Verantwortlichen in Europa und
den Vereinigten Staaten, müssen die
Aufgabe
übernehmen, dieses Bündnis
unseren Bürgern gegenüber zu erklären, zu verteidigen und zu rechtfertigen.
Frage:
Eine letzte Frage, Herr
Botschafter.
Ich würde Ihnen gerne
eine grundsätzliche
Frage stellen,
die sich mit der sogenannten Zweibahnstraße
der
Rüstungskooperation
beschäftigt.
Es scheint, als ob es
während der vergangenen zwei Jahre
viel fruchtbarere Bemühungen innerhalb des Bündnisses gegeben hat, die
Produktion miteinander im Einklang zu
bringen.
Außerdem liegt die Gesetzesvorlage des Senators Nunn vor.
Sehen Sie auf diesem Gebiet raschen
Fortschritte oder glauben Sie, daß
die Westeuropäer immer noch wegen der
zweigleisigen
Produktion
und
ähnlichen Problemen dieser Art gelähmt
sind?
Antwort:
Ich
würde
nicht
so
weit gehen, von "raschen Fortschritten" zu sprechen, aber ich kann sagen, daß wir vorankommen, und hiervon
bin ich überzeugt.
Ich glaube, die
Europäer wissen die dringende Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit
ebenso zu schätzen wie die Amerikaner, und zwar nicht nur bei der Forschung und Entwicklung sondern letztlich auch bei der Produktion von Waffensystemen.
Damit würde die Zweigleisigkeit durchgängig von der Forschungs- und
Entwicklungsphase
bis
hin
zur
Produktions- und
Beschaffungsphase nahezu vermieden.
Sollte
es uns tatsächlich gelingen, das Ungleichgewicht bei der konventionellen
Rüstung auszugleichen, über die wir
zuvor gesprochen haben, werden wir,
- 6

das Bündnis, die vorhandenen Mittel
wirkungsvoller
und
wirtschaftlicher
nutzen müssen.
Es ist derzeit ganz deutlich, daß
der Warschauer Pakt uns bedauerlicherweise
in der Produktion übertrifft.
Aber das sollte nicht der
Fall sein.
Technisch sind wir ganz
klar überlegen. Wir sind in der Fertigung überlegen. Wir sind personell
in bezug auf Ausbildung, Einsatzfreudigkeit
und
Engagement
überlegen.
Daher
sollten
sie
uns
eigentlich
nicht in der Produktion übertreffen.
Und der Grund hierfür ist das Fehlen
einer gemeinsamen Vorgehensweise, die
vorhanden sein könnte. In der Konsequenz kommt es zu unnötiger und unwirtschaftlicher
Doppelarbeit.
Ich
glaube, man hat das inzwischen erkannt.
Die NATO-Verbündeten
haben
dies akzeptiert.
Es ist jedoch schwierig, die Erkenntnis und Akzeptanz dessen in die
Tat umzusetzen, weil letztlich jeder
von uns mit seinem eigenen Verwaltungsapparat zu tun hat.
Wir sind
souveräne
Staaten.
Wir
verfolgen
ganz sicher individuelle Interessen,
und die wirtschaftlichen sind nicht
die unbedeutensten. Es gibt innenpolitische,
industrielle
und
wirtschaftliche
Zwänge, die von jedem
Einzelnen von uns getragen werden
müssen. Die Vereinigten Staaten sind
davor nicht gefeit.
Es ist daher
nicht einfach, diese Erkenntnis in
die Tat umzusetzen.
Aber es geschieht bereits und meiner Meinung
nach wird dies fortgesetzt, und ich
glaube, Sie werden zunehmend Beispiele für diese Zusammenarbeit sehen.
Frage:
Können Sie einige konkrete Beispiele nennen, wo Ihrer Meinung nach gute Fortschritte zu erwarten sind?

�Antwort:
Derzeit gibt es zwei
oder drei Forschungsprogramme.
Das
deutlichste Beispiel ist eine mögliche Luft-Boden Rakete, die in ein
Kooperationsprogramm
münden
könnte.
Ich glaube, die Entwicklung von Flugzeugen ist ein Gebiet, das man jetzt
beobachten muß. Wir haben ganz sicher eine Chance zu mehr Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Flugzeugbaus.
Es
gibt
ungefähr
drei
Luft-LuftKampfflugzeuge, die derzeit von verschiedenen
europäischen
Regierungen
geprüft werden. Dies wird ein Gebiet
sein, wo - offen gesagt - der Zusammenarbeit
mehr
Aufmerksamkeit
geschenkt werden muß.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VON**

26. August 1987

29

PROBLEME DER RÜSTUNGSKONTROLLE
- Von Edward L. Rowny -

WASHINGTON -(AD) - Im folgenden veröffentlichen wir eine Stellungnahme von
Edward L. Rowny zu Problemen der Rüstungskontrolle. Der Verfasser ist Sonderberater von Präsident Reagan und des Außenministers der Vereinigten Staaten zu
Fragen der Rüstungskontrolle.

Der Wirbel um die sowjetischen
Rüstungskontrollmaßnahmen der vergangenen Wochen ist ein Anzeichen für
Michail Gorbatschows scheinbare Bereitschaft zu Fortschritten beim Abbau nuklearer Mittelstreckensysteme.
Es bestehen jedoch noch immer Zweifel, ob er wirklich am Abschluß eines
Abkommens
zur Begrenzung
strategischer Offensivwaffen - also der Waffensysteme mit der höchsten Schlagkraft - interessiert ist.

wjetunion zu bestimmten obergrenzen
bei Gefechtsköpfen auf ballistischen
Raketen,
müssen
noch
ausgehandelt
werden.
Aber das größte Hindernis,
das einem Fortschritt in Richtung auf
einschneidende
Reduzierungen
bei
strategischen Offensivwaffen im Wege
steht, ist, daß die Sowjets auf einem
Junktim zwischen dem Abkommen und Begrenzungen bei der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) der Vereinigten Staaten bestehen.

Zahlreiche
kritische
Themenbereiche, wie die Zustimmung der So-

Die Sowjets haben im vergangenen
Monat in Genf zwei Entwürfe zu einem

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Abkommen
auf den Verhandlungstisch
gelegt:
Zum einen ihre Antwort auf
den
amerikanischen
Vertragsentwurf
zur Begrenzung strategischer Rüstungen und zum anderen eine Erläuterung
der sowjetischen Position bei den Gesprächen über die Verteidigung
im
Weltraum.
Sollten die Sowjets einen
Vertragsentwurf zu Verhandlungen über
die Verringerung
strategischer
Rüstung (START) vorlegen, könnten Fortschritte
erzielt
werden.
Ob
die
START-Verhandlungen jedoch zu einem
Abkommen führen werden, hängt noch
davon ab, ob die Sowjets ihre starre
Position
aufrechterhalten,
wonach
einschneidenden
Reduzierungen
der
strategischen Nukleararsenale nur zugestimmt werden kann, wenn die amerikanische Seite sich zu entschieden
größeren Kürzungen bei SDI bereit erklärt, als diejenigen, die bereits im
ABM-Vertrag enthalten sind.

Die sowjetische Verzögerungstaktik
Warum verfolgen die Sowjets gerade bei dem Thema immer noch eine Hinhaltetaktik,
das
Herr
Gorbatschow
treffenderweise als die "Wurzel des
Problems"
der
amerikanisch-sowjetischen
Rüstungskontrollverhandlungen
bezeichnet hat? Warum setzen sie es
weiterhin als Pfand für ein amerikanischen Programm ein, das die Durchführbarkeit von Verteidigungssystemen
prüft, die bereits durch den ABM-Vertrag begrenzt sind?
Die Sowjets berufen sich gerne
darauf, daß das Problem die "Waffen
im Weltraum" sind.
Die Amerikaner
halten dem entgegen, daß das vordringlichste Problem darin besteht,
die strategische Stabilität wiederherzustellen und zwar durch die Reduzierung der ungeheueren Anzahl der
Nuklearwaffen mit der größten Durchschlagkraft, die heutzutage existie-

ren.
Es gibt keine Waffen im Weltraum,
in den Arsenalen der Supermächte befinden sich mehr als 20 000
Nuklearwaffen.
Es
liegt
auf
der
Hand, daß dieses Problem ohne weitere
Verzögerungen
angesprochen
werden
sollte.
Wenn die begründete Sorge der Sowjets der Entwicklungsrichtung
und
Geschwindigkeit zukünftiger Verteidigungstechnologien gilt, so haben die
Amerikaner bereits Schritte zur Berücksichtigung dieses Anliegens unternommen,
wir haben Maßnahmen zur
"Vorhersehbarkeit" vorgeschlagen, mit
denen sichergestellt würde, daß weder
die Vereinigten
Staaten
noch
die
UdSSR
vom
strategischen
Verteidigungsprogramm des anderen überrascht
wird.
Im Hinblick auf die sowjetische Sorge, daß die Vereinigten Staaten aus der Stationierung strategischer Verteidigungssysteme einen einseitigen Vorteil ziehen könnten, haben wir vorgeschlagen, daß die Ubergangsphase zu einer primär auf Verteidigung
beruhenden
strategischen
Beziehung gemeinsam verwaltet werden
soll.
Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten tun alles in ihrer Macht
stehende
zur
Berücksichtigung
der
sowjetischen Belange - das heißt alles, außer dem Verzicht auf SDI. Wir
werden aus einem höchst einfachen
Grund unsere Erprobung fortgeschrittener ballistischer Raketenabwehrsysteme nicht aufgeben: Eine wirksame
strategische Verteidigung könnte die
Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und die Welt sicherer machen.
Wenn das wahre Interesse der Sowjets darin besteht, das strategische
Verteidigungsprogramm der Vereinigten
Staaten zu durchkreuzen, so werden
wir ihnen diesen Gefallen nicht tun.
Präsident Reagan hat dies in Reykja-

- 2 -

�vik
klargemacht.
Obwohl sie sich
verhalten, als ob sie kein eigenes
strategisches
Verteidigungsprogramm
hätten, unternehmen die Sowjets umfassende Anstrengungen in diesem Bereich, die sich auf die gleichen
fortgeschrittenenen Technologien erstrecken, die im Rahmen von SDI erforscht werden. Das sowjetische Programm wurde lange vor unserem ins Leben gerufen und hat enorme Investitionen an Zeit und Geld verschlungen.
Offensichtlich gilt der sowjetische Einwand nicht der Verteidigung
an sich, sondern dem amerikanischen
strategischen Verteidigungsprogramm.
Die Sowjets fordern, daß die Vereinigten Staaten weiteren Kürzungen
der strategischen Verteidigungsaufgaben zustimmen, bevor jede Seite von
dem 50prozentigen Abbau der strategischen
Offensivwaffen
profitieren
kann, den Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow bereits bei
dem Gipfeltreffen in Genf im Jahr
1985 vorbehaltlos gebilligt haben.
Objektiv besteht kein Grund zur Unterstützung der sowjetischen Forderung nach einem Junktim dieser bedeutenden Reduzierungen mit größeren Begrenzungen bei der Verteidigung.
Die Vereinigten Staaten haben den
ABM-Vertrag
nicht der
Orwell'schen
Theorie
zufolge: "Verteidigung
ist
schlecht, Angriff
ist gut" unterschrieben.
Sie haben ihn vielmehr
aus dem Grund unterschrieben, weil
eine wirksame Verteidigung gegen ballistische Raketen zu jener Zeit technisch nicht durchführbar war und die
Stabilität verbessert werden könnte,
wenn beide Seiten drastische Kürzungen der Offensivwaffen vornehmen würden.
Die Vereinigten Staaten haben
den ABM-Vertrag in der Erwartung unterzeichnet, daß ein neuer Vertrag
mit einem wesentlichen Abbau der Offensivwaffen dieses "Ubergangsabkom-

men" von SALT I aufheben und
strategische Offensive umfassend
langfrisitig begrenzen würde.

die
und

Die
Vereinigten
Staaten
haben
dies damals mit dem Argument verdeutlicht, daß das NichtZustandekommen
eines solchen Abkommens im Verlauf
von fünf Jahren unsere höchsten nationalen Interessen gefährden und damit den Grund für einen Rücktritt vom
ABM-Vertrag liefern könnte. In Wirklichkeit hingen die im ABM-Vertrag
festgelegten Obergrenzen bei der Verteidigung von den obergrenzen bei der
strategischen
Offensive
ab
und
nicht umgekehrt.
Ein Vertrag zur Reduzierung von
Offensivwaffen wurde nie geschlossen
und somit sind die Erwartungen des
ABM-Vertrages in den vergangenen 15
Jahren nicht erfüllt worden.
Und
während die Vereinigten Staaten bei
ihren Offensiv- und Defensivprogrammen Zurückhaltung übten, begann die
UdSSR mit einem ungeheuerlichen Aufrüstungsprogramm
für
Offensivwaffen
und verfolgte eine aggressive strategische Verteidigung.
Heute
besitzt
die
Sowjetunion
grob geschätzt viermal so viele strategische Nuklearwaffen wie im Jahr
1972, als der ABM-Vertrag unterzeichnet wurde. Und dennoch bestehen die
Sowjets mit Blick auf SDI darauf, daß
sie diese Waffen nicht reduzieren
können, ohne den ABM-Vertrag zu "verstärken", was eine Beschönigung dafür
ist, den Vertrag noch restriktiver zu
machen, als er ohnehin schon ist.
Die Vereinigten Staaten halten den
ABM-Vertrag ein. Es ist das Verhalten der Sowjetunion - zum Beispiel
ihre offensive Aufrüstung
und die
Vertragsverletzung mit dem Radar von
Krasnojarsk - das den ABM-Vertrag unterläuft.

- 3 -

�SDI wird
im Einklang mit dem
ABM-Vertrag
durchgeführt.
Darüberhinaus haben die Vereinigten Staaten
den Vorschlag unterbreitet, daß im
Zusammenhang mit einer 50prozentigen
START-Kürzung bis zum Jahr 1994 keine
Seite vom ABM-Vertrag
zurücktreten
darf. Das amerikanische SDI-Programm
ist darauf ausgerichtet, festzustellen, ob eine Verbesserung der Stabilität durch eine wirksame Verteidigung gegen ballistische Raketen erzielt werden kann. Man kann sich nur
fragen, wieviele Offensivwaffen die
Sowjetunion benötigt, um sich gegen
das amerikanische Programm zu "verteidigen".
Obwohl wir über das sowjetische
strategische
Verteidigungsprogramm
besorgt sind, hält es die Vereinigten
Staaten nicht davon ab, in stabilisierender Weise einschneidende Reduzierungen bei strategischen Offensivwaffen anzustreben. Eine 50prozentige START-Kürzung kann sowohl den Interessen der Vereinigten Staaten als
auch der Sowjetunion dienen.
Die
Vereinigten Staaten messen diesen Reduzierungen vorrangige Bedeutung bei.

Kürzungen sollten jetzt vorgenommen
werden

men durchgeführt werden, das Vorhersehbarkeit und Vertrauen im Bereich
der strategischen Verteidigung schaffen würde.
Sie könnten vorgenommen
werden, ohne den potentiellen Beitrag
zu beschneiden, den strategische Verteidigung zur strategischen Stabilität leisten und somit zur Sicherheit
der Vereinigten Staaten, unserer Verbündeten und auch der UdSSR beitragen
könnte.
I
Sollte Herr Gorbatschow wirklich
die Absicht haben, die mit Präsident
Reagan ausgehandelten Abkommen über
Rüstungskontrolle mit einzubeziehen,
so steht ihm der Weg offen, nicht nur
in Richtung auf den Abbau der gesamten Kategorie nuklearer Mittelstrekkenraketen, sondern auch in Richtung
auf die Bewältigung des zentralen
Problems der
strategischen Waffen.
Um jedoch das Ziel der Reduzierung
strategischer
Waffen
erreichen
zu
können, wird er den Druck aufgeben
müssen, den er auf die Vereinigten
Staaten auszuüben versucht, um diese
zur Aufgabe ihres legitimen Anspruchs
auf Schutz vor einem ballistischen
Raketenangriff zu bewegen.

i

* * * * *

Es besteht eine Möglichkeit, das
Versprechen einschneidender Reduzierungen bei den strategischen Offensivwaffen beider Länder einzulösen.
Seit dem 8. Mai haben die Vereinigten
Staaten
einen
START-Vertragsentwurf
auf dem Verhandlungstisch liegen, der
auf die in Reykjavik gemachten Fortschritte aufbauen und Vorkehrungen
für die Halbierung der strategischen
Offensivwaffen
treffen würde.
Die
Kürzungen sollten jetzt vorgenommen
werden. Sollten sich die Sowjets bereit erklären, können die Reduzierungen im Zusammenhang mit einen Abkom- 4

i

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

4

26. August 1987

29

Begrenzung der Regierungsgewalt das Hauptmerkmal der amerikanischen Verfassung

interview mit Richter Clifford Wallace

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Berufungsrichter Clifford Wallace
zufolge ist einer der Hauptgründe für die Beständigkeit der amerikanischen
Verfassung die Tatsache, daß sie der Regierungsgewalt Grenzen auferlegt.

In einem kürzlich veröffentlichten Interview bemerkte der amerikanische Bundesrichter:
"Die Verfassung,
die zur Förderung der Demokratie in
unserem Lande beigetragen hat, ist
ein
Dokument
der
Einschränkungen.
Dies ist eines ihrer Hauptgrundsätze. "
Wallace war fünfzehn Jahre lang
am Neunten Berufungsgericht
tätig.
In den Vereinigten Staaten gibt es
zwölf
regionale
Berufungsgerichte,
die auf einer Ebene der Gerichtsbarkeit liegen, über der nur noch das

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Oberste Bundesgericht als höchste Instanz steht.
"Sie werden bei der Betrachtung
zahlreicher
Verfassungen
der
Welt
feststellen," fuhr Wallace fort, "daß
diese mit bestimmten Rechten, wie dem
Recht auf Bildung oder Arbeit, überladen sind."
"Es gibt auch in der amerikanischen Verfassung mit ihren Zusatzartikeln bestimmte Rechte, aber unsere
Verfassung ist in erster Linie darauf
ausgerichtet,
die
Regierungsgewalt

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�einzugrenzen, mit anderen Worten, die
Regierung zu kontrollieren und sie
nicht zum Instrument der Beherrschung
des Lebens der Menschen zu machen.
Gerade diese Begrenzungen sind besonders wichtig geworden."
Wallace verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß die Gewaltenteilung zwischen der Legislative, Exekutive und Jurisdiktion bei der Eingrenzung
der
Regierungsgewalt
von
allergrößter Bedeutung war. Die Verfassung, fuhr er fort, "sorgt dafür,
daß keine dieser Gewalten zu mächtig
wird und somit diktatorisch über das
Leben der Menschen herrschen kann."
"Die Regierung erfüllt ihre Aufgaben immer dann am besten, wenn sie
genau überwacht wird, damit die Menschen mehr Macht haben, ihre Rechte
im demokratischen Prozeß auszuüben.
Dies scheint mir eine wichtige Lektion zu sein, die erlernt werden
muß. "
"Sobald die Exekutive übermächtig
wird, wie dies in vielen Nationen der
Fall ist, leidet der demokratische
Prozeß darunter," erklärte Wallace.
Wallace vertrat ferner die Auffassung, Gerichte sollten nicht Sozialpolitik machen, sondern die Gesetze
auslegen.
Er
fügte
hinzu:
"Ich bin etwas besorgt über Wissenschaftler, die glauben, daß auf Lebenszeit ernannte und dem Wähler gegenüber nicht verantwortliche Richter
einen Sozialplan entwickeln sollen."
Wallace betonte, daß der Föderalismus, also die Trennung von Macht
zwischen der Bundes -, Landes und der
kommunalen
Regierung, ein weiteres
besonderes Merkmal der amerikanischen
Demokratie
ist.
Der Richter
fuhr
fort: "Die ursprüngliche Theorie sah
die
Einschränkung
der
Regierungs- 2

gewalt auf Bundesebene und den Verbleib der größten Machtbefugnisse bei
den Einzelstaaten vor. In dem Maße,
in dem dies immer noch geschieht, haben wir wieder eine Kontrolle, eine
vorherrschende Macht aus jedem Bereich fernzuhalten."
Wallace hob hervor, daß es in der
Geschichte der Menschheit kein Dokument zur Regierungsbildung gibt, das
länger seine Gültigkeit bewahrt hat
als die amerikanische Verfassung. Er
verwies auf den Erfolg der Verfassung, die in der Einflußnahme auf den
Versuch anderer Regierungen, eine Demokratie zu schaffen, ihren Niederschlag gefunden hat.
Gleichzeitig
warnte er davor, das politische System irgendeines Landes als uneingeschränktes Vorbild für ein anderes
Land anzusehen.
Wallace fügte hinzu:
"Ich zögere, das Wort Vorbild zu benutzen, da
ich aus meiner Erfahrung von den Besuchen anderer Länder weiß, daß diese
tatsächlich
ganz anders
entstanden
sind als wir. Sie haben eine andere
Vorgeschichte
und Philosophie.
Es
ist sehr schwierig, eine Gesellschaft
vollständig zu einer anderen zu verlagern, oder das Regierungssystem der
einen Gesellschaft auf eine andere zu
übertragen."
Wallace verwies darauf, daß es
mehr als eines Stücks Papier bedarf,
um die Verfassung zur Anwendung zu
bringen. Er fuhr fort: "Es ist die
Art und Weise, wie die Menschen verfassungsmäßig
konstituiert
werden,
und wir konstituierten uns, um etwas
ganz bestimmtes zu tun, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Wir waren von einer bestimmten Motivation
und einem Enthusiasmus geleitet, die
sich in über 200 Jahren nicht nennenswert
verringert
haben.
Diese
Motivation
und
Begeisterung
haben

&gt;

&lt;

�entscheidend zum Erfolg
fassung beigetragen."

unserer Ver-

"Dieses Dokument unserer Gründung
ist kein historisches Relikt geworden, sondern ist heute genauso lebendig bei der Leitung des Lebens unseres Volkes wie damals."
Wallace fügte hinzu, die Verfassung erfülle wegen der Beständigkeit
ihrer Ideen auch weiterhin ihre Aufgaben.
"Die Verfassung bildet als
Dokument ein Fundament von Prinzipien, und in dem Maße, wie wir uns
als
Land
verändern,
können
diese
Prinzipien auf neue faktische Gegebenheiten angewandt werden."
Der Richter äußerte die Auffassung, der demokratische Prozeß sei
keineswegs
ein amerikanisches oder
auch westliches Monopol, denn auf der
Basis
kultureller
und historischer
Vorbedingungen werde jedes Land seinen eigenen Weg bei der Konstituierung gehen. "Meiner Meinung nach ist
die Freiheit ein grundlegender Wert,"
fuhr Wallace fort. "Es ist eine Tatsache, daß in jedem Kulturkreis, wo
Menschen aus welchen Lebensumständen
und Überzeugungen auch immer eine Regierungsform entwickeln, eine bessere
Lebensqualität
erfahren,
wenn
sie
frei sind und wenn sie ein Interesse
an der Freiheit haben.
Es ist der
demokratische Prozeß, der dieses Ergebnis am besten gewährleistet."
"Es kommt nicht darauf an, ob eine andere Art von Verfassung ebenso
erfolgreich sein könnte. Ganz gleich
ob sie etwas auf die gleiche oder eine andere Art zustande bringen kann,
es kommt nur auf das Endresultat an,
nämlich die größtmögliche Summe von
Freiheiten für den Einzelnen durch
den demokratischen Prozeß."
+ + + + + +
- 3

�</text>
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