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                  <text>AMERIKA DIENST
"V

^

c$

29. J u l i 1987

27

I N H A L T

INFORMATION

Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige
- Erklärung von Präsident Reagan -

DOKUMENTATION

Vereinigte Staaten "befriedigt" über sowjetische Unterstützung für
Null-Lösung
- Präsident Reagan zum amerikanischen INF-Vorschlag -

HINTERGRUNDMATERIAL

Die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen
- Sonderbericht des amerikanischen Außenministeriums -

Die INF-Verhandlungen - Eine Antwort an Moskau
- V o n Max Kampelman -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
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Information

A&lt;

29. Juli 1987

27

ZUM TODE VON HANDELSMINISTER MALCOLM BALDRIGE
- Erklärung von Präsident Reagan -

WASHINGTON - (AD) - Zum Tode von Handelsminister Malcolm Baldrige, der am
25. Juli 1987 an den Folgen eines Unfalls verstarb, veröffentlichte das Weiße
Haus die folgende Erklärung des amerikanischen Präsidenten:

Die Nation hat durch den tragischen und viel zu frühen Tod von Minister Baldrige einen schweren Verlust erlitten.
Als erfahrener Geschäftsmann und
anerkannte Führungspersönlichkeit war
er ein begabter und engagierter Diener des Staates, dem nichts wichtiger
war als seinen Beitrag für Amerika zu
leisten, und genau das tat er auch.
Unter seiner Leitung spielte das Handelsministerium
eine
Schlüsselrolle
bei der Wiedergeburt unseres Wohlstandes, und wir alle schulden Mac
Baldrige dafür großen Dank.

Er war ein loyales Mitglied des
Kabinetts, dessen von gesundem Menschenverstand geprägte Erfahrung ich
oft vertraut und sehr geschätzt habe.
Mac und ich teilten eine besondere
Affinität für den Westen, und ich
werde seine Freundschaft sehr vermissen.
Nancy und ich sind ehrlich betrübt, und wir möchten Midge und der
Familie Baldrige unser tiefstes Beileid aussprechen. Sie werden in der
nächsten zeit in unseren Gedanken und
Gebeten bei uns weilen.

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
V,DN

*

Dokumentation

29. Juli 1987

27

VEREINIGTE STAATEN "BEFRIEDIGT" ÜBER SOWJETISCHE UNTERSTÜTZUNG
FÜR NULL-LÖSUNG
- Präsident Reagan zum amerikanischen INF-Vorschlag -

WASHINGTON - (AD) - Bei der Vorstellung des amerikanischen Vorschlages,
die Anzahl der Mittelstreckenraketen sowohl längerer als auch kürzerer Reichweite abzubauen, verlieh der amerikanische Präsident seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß "die Sowjets nun ihre Unterstützung für beide Konzepte bekundet haben".
Im Rahmen einer Ansprache in Washington führte der Präsident zu diesem
Vorschlag, der am 28. Juli 1987 bei den Genfer Verhandlungen eingebracht wurde, folgendes aus:

Heute unterbreitet unsere Delegation bei den Genfer Gesprächen über
nukleare Mittelstreckenraketen einen
formellen
amerikanischen
Vorschlag,
der zwei schon früher von den Vereinigten
Staaten gemachte Vorschläge
enthält.
Im November 1981 versprachen wir die Abschaffung der gesamten
Kategorie
von Mittelstreckenraketen
längerer Reichweite.
Am 15. Juni
schlugen wir dann formell vor, auch
die
Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite abzuschaffen.
Wie einige
unter Ihnen vielleicht wissen, hat
die Sowjetunion bis zur vergangenen

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Embassy of the United States of America

Woche auf einem möglicherweise wesentlichen Hindernis für unseren Vorschlag der doppelten Null-Lösung bestanden - auf dem Recht, einige ihrer
gegenwärtig
in Asien
stationierten
INF-Raketen zu behalten.
Vorigen Mittwoch verkündete Generalsekretär Gorbatschow jedoch, daß
er bereit sei, diese Forderung fallenzulassen.
Der von uns heute unterbreitete Vorschlag würde die Anzahl der Mittelstreckenraketen sowohl
längerer als auch kürzerer Reichweite
auf Null reduzieren, und wir sind be-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�friedigt darüber, daß die Sowjets nun
ihre Unterstützung für beide Konzepte
bekundet haben.
Zwei lebenswichtige Elemente sind
ebenfalls darin eingeschlossen:
Die
Zerstörung der von diesem Vertrag erfaßten Raketen und Abschußvorrichtungen und das Verbot einer Umrüstung
dieser Systeme und Abschußvorrichtungen zu anderen Waffenarten.
In Genf bleibt noch vieles zu
tun, aber ich fühle mich durch die
Tatsache
ermutigt, daß
das
Klima
jetzt
für einen historischen Vorschlag dieser Art aufnahmefähig ist.
Die Vereinigten Staaten sind stolz
darauf, daß sie in der Lage sind,
diesen Vorschlag zu unterbreiten.
Ich kann nur noch hinzufügen, daß
auch noch andere Abrüstungsverhandlungen stattfinden, die strategische
und nukleare Langstreckenwaffen betreffen. Wir haben unseren Vorschlag
in Form eines Vertragsentwurfs zu
START auf den Verhandlungstisch gelegt.
Wir hoffen, daß die Sowjetunion desgleichen tun wird und ihre
Ansichten zu diesem Thema formell zum
Ausdruck bringt. Wie Sie sehen können, besteht unser Ziel nicht in Rüstungskontrolle, sondern in Rüstungsreduzierung,
und trotz der Skepsis,
auf die wir bei der Ankündigung dieser Pläne stießen, bewegen wir uns in
diese Richtung.

* * * * * *
- 2

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

29. Juli 1987

27

DIE VERHANDLUNGEN ÜBER NUKLEARE MITTELSTRECKENRAKETEN
- Sonderbericht des amerikanischen Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - (Der folgende Sonderbericht zu den Verhandlungen über
nukleare Mittelstreckenraketen (INF) wurde im Juli 1987 vom amerikanischen
Außenministerium veröffentlicht.)

Abkürzungen
INF - Nukleare Mittelstreckenraketen
GLCM - Landgestützte Marschflugkörper
NST - Verhandlungen über Kernund Weltraumwaffen
LRINF - INF längerer Reichweite
SRINF - INF kürzerer Reichweite

Einleitung
Auf

dem

Weg

zu

einem

ameri-

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kanisch-sowjetischen
INF-Abkommen,
das den Sicherheitskriterien der NATO
genügen würde, sind bedeutende Fortschritte erzielt worden. Ein solches
Abkommen würde - zum ersten Mal in
der Geschichte - ganze Kategorien nuklearer Raketensysteme drastisch reduzieren
oder gänzlich
abschaffen.
Trotz dieser Fortschritte bleiben jedoch noch mehrere schwierige Probleme
bestehen.
Die Lösung dieser Probleme, darunter das der Verifizierung,
wird noch sehr harte Verhandlungen
erfordern.
Die Vereinigten Staaten
werden weiterhin ihr Teil zur Lösung

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�dieser Probleme beitragen, jedoch muß
die Sowjetunion erst noch ein gleiches Maß an Engagement zeigen.

27. April 1987 ihren eigenen Vertragsentwurf vor, der viele gleichgeartete Elemente enthielt.

Diese Fortschritte sind durch die
energische und einheitliche Antwort
der NATO auf die im Jahr 1977 begonnene destabilisierende Stationierung
der SS 20-Raketen in Europa durch die
Sowjets ermöglicht worden.
im Jahr
1979 beschloß die NATO den "Doppelbeschluß" als Antwort auf das wachsende
Ungleichgewicht im INF-Bereich:
(1)
Stufenweise
Stationierung
amerikanischer LRINF-Raketen in Europa und
(2) gleichzeitige Verhandlungen mit
den Sowjets zur Schaffung eines weltweiten Gleichgewichts bei diesen Raketen auf dem niedrigstmöglichen Niveau. Trotz erheblicher sowjetischer
Anstrengungen
zur Aushölung
dieses
Beschlusses blieb die NATO standhaft.
Der Zusammenhalt und die Entschlossenheit der NATO haben entscheidend
dazu beigetragen, die Sowjets davon
zu überzeugen, ernsthaft über INF zu
verhandeln.

Mitte April 1987 traf Außenminister Shultz in Moskau mit Generalsekretär
Gorbatschow
und
Außenminister
Schewardnadse
zusammen.
Im
Verlauf dieser Treffen schlug Herr
Gorbatschow die weltweite Abschaffung
amerikanischer und sowjetischer INFRaketen
kürzerer
Reichweite
vor.
(Die Vereinigten Staaten haben keine
SRINF-Raketen
stationiert; die Sowjetunion besitzt über 100 dieser Raketen. )

Jüngste Entwicklungen
Im Anschluß an eine Ankündigung
von Präsident Reagan vom 3. März 1987
legten die Vereinigten Staaten bei
den Gesprächen über Kern- und Weltraumwaffen in Genf einen Vertragsentwurf zu INF vor.
Der amerikanische
Entwurf reflektierte die grundlegende
Struktur der Obereinkunft, die vom
Präsidenten
und
Generalsekretär
Gorbatschow während ihres Treffens in
Reykjavik vom Oktober 1986 erzielt
worden war - eine gleiche weltweite
Obergrenze von 100 Gefechtsköpfen auf
LRINF-Raketen
für
die
Vereinigten
Staaten und die UdSSR, wovon keine in
Europa stationiert sein dürften, sowie Beschränkungen für SRINF-Raketen
als integraler Bestandteil eines INFAbkommens.
Die Sowjetunion legte am

Die Vereinigten Staaten führten
daraufhin
intensive
Konsultationen
mit
ihren NATO-Verbündeten
zu den
möglichen Auswirkungen einer Null-Lösung bei den SRINF durch. im Rahmen
des Treffens des Nordatlantikrats vom
11. bis 12. Juni 1987 unterstützten
die Außenminister der NATO die verifizierbare, weltweite Abschaffung aller amerikanischen und sowjetischen
SRINF-Raketen,
vorausgesetzt,
diese
sei wirksam zu verifizieren, bilde
den integralen Bestandteil eines bilateralen INF-Abkommens und schlösse
die sowjetischen SS-12 und SS-23 Raketen ein.
Die Vereinigten Staaten
unterbreiteten diesen SRINF-Vorschlag
am 16. Juni bei NST in Genf und betonten darüberhinaus die weiterbestehende Präferenz der Vereinigten Staaten für die weltweite Abschaffung der
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen.

Der amerikanische Vertragsentwurf
Der
Text dieses
amerikanischen
Vertragsentwurfs, den die Vereinigten
Staaten am 4. März 1987 den Sowjets
in Genf zu unterbreiten begannen,
sieht gegenwärtig vor:

- 2 -

�Die stufenweise Reduzierung der
LRINF-Raketensysteme
auf
eine
temporäre
weltweite
Obergrenze
von
jeweils
100 Gefechtsköpfen
auf LRINF-Raketen für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion - wovon keine in Europa
stationiert sein dürfen - bis zum
Jahr
1991.
Die amerikanischen
LRINF-Gefechtsköpfe
wären
auf
amerikanischem Territorium, einschließlich Alaska, erlaubt, die
sowjetischen
LRINF-Gefechtsköpfe
wären im asiatischen Teil der Sowjetunion zulässig.

haben von Beginn der Verhandlungen an
betont, daß jedes INF-Abkommen wirksam verifizierbar sein muß, wenn es
die Stabilität
verbessern und das
Kriegsrisiko verringern soll.
Die
Vereinigten Staaten verfolgen in dieser Hinsicht drei Ziele:
- Stärkung des Vertrauens in das
Abkommen, das an sich schon zu
größerer Sicherheit und Stabilität in Europa und Asien beitragen
wird.
- Abschreckung
von
Verletzungen
durch erhöhte Wahrscheinlichkeit
ihrer Aufdeckung.

Die
weltweite
Abschaffung
der
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen (einschließlich der
sowjetischen SS-23 und SS-12) als
integraler Bestandteil eines INFAbkommens.

- Die Möglichkeit einer schnellen
Entdeckung von Vertragsverletzungen, wodurch eine
zeitgerechte
Warnung
vor einer
potentiellen
oder realen Bedrohung der Sicherheit der Verbündeten ermöglicht
wird.

Eine umfassende Verifizierungsregelung. Die Vereinigten Staaten haben mit voller Unterstützung ihrer Verbündeten - seit Beginn der INF-Verhandlungen im Jahr 1981 betont, daß
sie die weltweite Abschaffung aller
amerikanischen
und
sowjetischen
LRINF-Raketen vorziehen würden. Dies
würde die Verifizierung eines INF-Abkommens sehr erleichtern. Zusätzlich
betonen die Vereinigten Staaten, daß
die INF-Verhandlungen bilateral sind
und keine Systeme von Drittländern
beinhalten oder die Kooperation der
Vereinigten Staaten mit ihren Verbündeten betreffen.

Um diese Ziele zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten eine Verifizierung sregelung
vorgeschlagen,
durch die die Einhaltung der Vertragsbestimmungen gefördert ur1 die
verbotene Produktion, Lagerung oder
Stationierung
von
vertraglich
beschränkten Systemen und damit in Verbindung stehender Ausrüstung entdeckt
werden sollen. Diese Verifizierungsregelung besteht aus sechs Grundelementen:

Verifizierung
Eine Reihe wichtiger Fragen muß
vor dem Abschluß eines INF-Abkommens
gelöst werden. Eine der wichtigsten
betrifft die Verifizierung. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
- 3 -

- Bestimmung von Gebieten und Einrichtungen, in denen durch den
Vertrag beschränkte Raketensysteme untergebracht sein müssen mit
einem Verbot, sie andernorts zu
stationieren.
(Dies ist zwingend
erforderlich, da die durch einen
INF-Vertrag zu beschränkenden Systeme mobil sind und sonst praktisch überall stationiert werden
könnten.)

�- Gegenseitiger Austausch von spezifiziertem, umfassendem Zahlenmaterial
über
vertraglich
begrenzte Systeme sowie der dazugehörigen Einrichtungen und Geräte
vor Inkrafttreten des Vertrages.
- Einvernehmliche
dieser Daten.

Fortschreibung

- Spezielle Verfahren zur Verifizierung
von Vernichtung, Abbau
und Umrüstung von LRINF Systemen,
einschließlich
Vor-Ort-Inspektionen.
- Vor-Ort-Inspektionen/Uberwachung.
Dieser Bestandteil beinhaltet 1.)
eine einmalige, umfassende Inspektion kurz nach Inkrafttreten
des Vertrages zur Bestätigung der
Grunddaten über vertraglich begrenzte Systeme; 2.) Inspektionen
zur Verifizierung des Abbaus von
Systemen, die gemäß der Verfügungen des Vertrages reduziert werden sollen; 3.) kurzfristig anberaumte Inspektionen entsprechend
"deklarierter"
Einrichtungen
in
den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion; 4.) kurzfristig anberaumte
Inspektionen
anderer
amerikanischer
und
sowjetischer
Einrichtungen; und 5.) kontinuierliche
Überwachung
bestimmter
kritischer Einrichtungen zur Produktion,
Endmontage,
Reparatur
und Lagerung von vertraglich begrenzten Systemen in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
- Anwendung
und
Nichtbehinderung
von nationalen technischen Verifikationsmaßnahmen,
eine Bedingung zur Übertragung der technischen Meßdaten von Raketenflügen;
Verbot
der Verschlüsselung
und
das Verbot von Täuschungsmaßnah-

men, die der Verifizierung
derlaufen.

zuwi-

Die Vereinigten Staaten sind sich
bewußt, daß
Verifizierungsmaßnahmen
nie lOOprozentig sicher sind, glauben
jedoch,
daß
umfassende
Verifizierungsmaßnahmen
mit klar
umrissenen
und
zwingenden
Verifizierungsverpflichtungen - wie sie im amerikanischen
Vertragsentwurf
enthalten
sind - das beste Mittel der Gewährleistung dafür bilden, daß die Sowjets die Verfügungen des Vertrages
nicht verletzen.
Die Sowjetunion hat einigen der
von den Vereinigten Staaten geforderten grundsätzlichen Bestandteile des
Verifizierungspakets prinzipiell zugestimmt, einschließlich des Datenaustauschs,
der
Vor-Ort-Inspektion
bei Abbau und Vernichtung sowie VorOrt-Inspektionen
der
LRINF-Bestände
und dazugehörigen Einrichtungen. sie
muß jedoch noch zahlreiche wichtige
Einzeldaten zur Verfügung stellen sowie Vor-Ort-Inspektionen verdächtiger
Gelände zustimmen.

Die deutschen Pershing IA
Die Sowjets haben kürzlich zum
ersten Mal die Forderung aufgestellt,
daß amerikanische Gefechtsköpfe auf
deutschen Pershing IA-Raketensystemen
Bestandteil eines amerikanisch-sowjetischen Abkommens über den Abbau von
SRINF-Raketen sein müssen.
Die amerikanische
Position
ist eindeutig:
Die INF-Verhandlungen sind bilaterale
Verhandlungen und erstrecken sich daher ausschließlich auf amerikanische
und sowjetische Raketen und betreffen
nicht Systeme von Drittländern oder
bestehende Muster der Zusammenarbeit
mit den Verbündeten. Die NATO-Partner unterstützen diese Position voll
und ganz. Die Sowjets haben das The-

&gt;

�ma
der
deutschen
Pershing
bisher
nicht angeschnitten; zu einem solch
späten Zeitpunkt legen sie damit die
Vermutung nahe, sie versuchten, dem
erfolgreichen Abschluß der INF-Verhandlungen künstlich neue Hindernisse
in den Weg zu legen.

Vorausschau
Die Lösung dieser und anderer
ausstehender Probleme wird sich als
schwierig erweisen.
Die Vereinigten
Staaten werden weiterhin ihren Beitrag zur Lösung dieser Probleme leisten, aber die Sowjetunion muß noch
unter Beweis stellen, daß sie es
ebenso ernst meint.

Hintergrund

die sowjetische Entwicklung der SS-20
Raketen - trugen in den siebziger
Jahren zur Verlagerung der Situation
bei.
Die im Jahre 1977 begonnene Stationierung der SS-20 stellte sowohl
einen qualitativen und quantitativen
Wandel für die europäische Sicherheit
als auch eine Bedrohung für die Sicherheit unserer asiatischen Freunde
und Verbündeten dar.
Die SS-20 ist
zielgenauer als die SS-4 und die
SS-5. Ferner ist die SS-20 mobil und
kann schnell neu disloziert werden.
Schließlich trägt die SS-20 drei unabhängig steuerbare Gefechtsköpfe im
Gegensatz zu dem Einzelgefechtskopf
der Vormodelle, ihre Abschußeinrichtungen
können
schnell
nachgeladen
werden und zusätzliche Raketen abfeuern.
Bis Juli 1987 hatten die Sowjets weltweit 441 Raketen des Typs
SS-20 mit einer Gesamtzahl von 1 323
Gefechtsköpfen stationiert.
Darüber
hinaus haben die Sowjets weiterhin
112 Raketen des Typs SS-4 disloziert.

Nukleare Aufrüstung der Sowjetunion,
in den fünfziger und frühen
sechziger
Jahren
stationierte
die
UdSSR
gegen
Westeuropa
gerichtete
SS-4 und SS-5 Raketen. Bis Mitte des
Jahres 1977 waren ca. 575 in Stellung
gebracht.
Im Verlauf der fünfziger
Jahre dislozierten die Vereinigten
Staaten eine geringere Anzahl ungefähr entsprechender Raketen - Mace,
Thor und Jupiter - in Großbritannien,
Italien, der Bundesrepublik und der
Türkei.
Anfang der sechziger Jahre
zogen die Vereinigten Staaten diese
Systeme jedoch einseitig ab und motteten sie ein. Wir waren dazu aufgrund der überlegenen amerikanischen
strategischen Streitkräfte in der Lage, die eine angemessene Abschreckung
gegen
sowjetische Aggressionen und
Einschüchterung Westeuropas darstellte.

Mit dem Anwachsen der Zahl sowjetischer SS-20, denen keine in Europa
stationierten amerikanischen Raketen
gegenüberstanden, nahm die Besorgnis
der
europäischen
NATO-Staaten
zu,
Moskau könne - fälschlicherweise
glauben, die amerikanischen strategischen Streitkräfte könnten von der
Verteidigung des Bündnisses in Europa
abgekoppelt werden.
Solch ein Fehlschluß könnte die NATO-Strategie der
nuklearen Abschreckung und der flexiblen Reaktion in Frage stellen, die
seit vier jarhzehnten den Frieden in
Europa bewahrt hat.
Westeuropäische
Politiker betonten die Notwendigkeit
einer starken Reaktion der NATO.

Zwei
kritische
Entwicklungen
das Erlangen eines ungefähren strategischen
Gleichgewichts der Sowjetunion mit den Vereinigten Staaten und

Reaktion der NATO.
Nach intensiven Konsultationen mit dem gesamten
Bündnis entschied sich die NATO im
Dezember
1979
für
eine
simultan

- 5 -

�durchgeführte
"zweigleisige"
tion, den Doppeibschluß.

Reak-

- Ein "Gleis" bestand in der Umkehr
des bei INF bestehenden Ungleichgewichts durch die im Jahr 1983
einsetzende Stationierung von 572
amerikanischen
INF
längerer
Reichweite in Westeuropa - 108
Pershing II-Raketen und 464 bodengestützte
Marschflugkörper
(GLCM) - über einen Zeitraum von
fünf Jahren.
Obwohl diese Zahl
nicht genau der Anzahl der sowjetischen
Gefechtsköpfe
bei
den
SS-20 entspricht, wäre dies eine
Reaktion, die ausreicht, um eine
glaubwürdige
Abschreckung
aufrechtzuerhalten.
Im
Dezember
1986 hatten die Vereinigten Staaten 316 LRINF - 108 Pershing II
und 208 GLCM - stationiert.
- Das zweite "Gleis" verlangte von
den Vereinigten Staaten, mit den
Sowjets Verhandlungen zur Errichtung eines weltweiten Gleichgewichts bei den amerikanischen und
sowjetischen
LRINF
auf
dem
kleinstmöglichen
Stand
durchzuführen.
Ein jegliches Abkkommen
über LRINF müßte außerdem amerikanische
und sowjetische
SRINF
weltweit auf einem gleichen Stand
beschränken, um die Umgehung eines Abkommens über LRINF durch
Aufrüsten bei den Kurzstreckensystemen zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten und die NATOVerbündeten betonten, sie seien
bereit, die Stationierungen amerikanischer LRINF einzuschränken,
zu ändern oder sogar umzukehren,
wenn das Ergebnis der Verhandlungen dies rechtfertigt.
Das
"Zweite
Gleis".
Die Sowjets weigerten sich anfangs, zu verhandeln und stellten die Bedingung,
die NATO müsse zunächst ihre Pläne

zur Stationierung der LRINF aufgeben.
Die Sowjets schlugen dann ein "Moratorium" zur Stationierung von INF in
Europa vor.
Damit wäre ihr Monopol
bei den LRINF bestätigt worden, das
die NATO gerade als unannehmbar zurückgewiesen hatte. Nur nachdem Moskau erkannt hatte, daß die NATO entschlossen war, in Ermangelung verhandelter Beschränkungen mit den Stationierungen fortzufahren, stimmten die
Sowjets schließlich
im Herbst des
Jahres 1981 Verhandlungen über INF zu.
Prinzipien
der
amerikanischen
Vorgehensweise bei den INF-Verhandlungen.
Die
amerikanische
Vorgehensweise bei den INF-Verhandlungen
hat sich auf der Grundlage weitreichender Konsultationen mit den Bündnispartnern
entwickelt
und
basiert
auf fünf grundlegenden Prinzipien:
- Ein Abkommen muß für den Gleichstand von Rechten und Begrenzungen
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sorgen.
- Das Abkommen darf nur amerikanische
und sowjetische
Systeme
betreffen.
- Begrenzungen müssen weltweit gelten und damit das Übergreifen der
Bedrohung von einer Region auf
eine andere verhindern.
- Die konventionelle Verteidigungsfähigkeit der NATO darf nicht geschwächt werden.
- Jedes Abkommen muß wirksam
fizierbar sein.

veri-

Verhandlungen.
Die
formellen
Gespräche mit der Sowjetunion wurden
im November
1981 aufgenommen.
Zu
diesem Zeitpunkt schlugen die Vereinigten Staaten vor, daß alle ameri-

�kanischen
und
sowjetischen
LRINF,
einschließlich
der
sowjetischen
SS-20, SS-4 und SS-5 sowie der amerikanischen Pershing II und GLCM verboten oder abgeschafft werden sollten.
Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag
zurück.
Obwohl
diese
weltweite
"Null-Lösung" weiterhin das bevorzugte Ergebnis der Vereinigten Staaten
ist, haben wir im im März 1983 ein
Interimsabkommen für die beiderseitige weltweite Begrenzung aller Gefechtsköpfe auf LRINF vorgeschlagen,
die
unter
dem
geplanten
amerikanischen Dislozierungsniveau von 572
liegen.
Die Sowjets haben die INF-Verhandlungen im November 1983 verlassen
und damit gegen die Stationierung der
ersten
amerikanischen
LRINF-Raketen
in Europa protestiert, obwohl sie im
Verhandlungszeitraum
die
Stationierung ihrer SS-20 fortgesetzt hatten.
Vom Beginn der Verhandlungen bis zu
dem Punkt, an dem die Sowjets den
Verhandlungstisch verließen, zielten
die
sowjetischen Vorschläge darauf
ab, die Stationierung einer einzigen
amerikanischen Pershing II oder GLCM
zu verhindern und gleichzeitig den
Sowjets die Aufrechterhaltung eines
umfangreichen Arsenals von SS-20 im
westlichen
Militärgebiet der UdSSR
zuzugestehen und mit der Aufrüstung
bei den SS-20 in Asien fortzufahren.
Im Rahmen der sowjetischen Vorschläge
wären Hunderte amerikanischer Flugzeuge aus Europa abgezogen worden,
die für die konventionelle Verteidigung der NATO unerläßlich sind.
Als Vorwand für dieses unausgewogene Ergebnis behaupteten die Sowjets, ihre SS-20 schafften den Ausgleich für die unabhängigen Nuklearstreitkräfte
Großbritanniens
und
Frankreichs. Zusammen mit der sowjetischen Weigerung, die im asiatischen
Teil der Sowjetunion
stationierten

SS-20 in die Verhandlungen einzubeziehen, steigerte sich dies zur Berufung auf das Recht seitens der Sowjetunion, mit den gesamten Streitkräften
aller
anderen
Atomstaaten
gleichzuziehen und somit die nukleare
Überlegenheit über sie alle zu erlangen. Die NATO hat diese sowjetische
Forderung wiederholt zurückgewiesen.
Im Januar 1985 erklärten sich die
Sowjets zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bereit.
Im März 1985 haben die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion mit einer neuen Serie von
Rüstungskontrollverhandlungen
- den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen - begonnen, zu denen auch
INF zählt.
Im November 1985 haben die Vereinigten Staaten angeboten, ihre in
Europa stationierten Pershing II und
GLCM auf 140 Abschußvorrichtungen der zum 31. Dezember 1985 stationierten Anzahl - zu begrenzen, wenn die
Sowjets die Zahl der in Reichweite
der europäischen NATO-Staaten stationierten Abschußvorrichtungen für die
SS-20 auf 140 begrenzen würden und
wenn
sie gleichzeitig
proportional
einen Abbau der in Asien stationierten SS-20 vornehmen würden.
Die Sowjets wiesen diesen Vorschlag zurück.
Beim Gipfeltreffen
im November
1985 in Genf kamen Präsident Reagan
und Generalsekretär Gorbatschow überein, die Erarbeitung eines Interimabkommens
für
INF zu beschleunigen.
Bei ihrer Zusammenkunft im Oktober
1986 in Reykjavik haben sich die beiden Staatschefs im Prinzip auf eine
beiderseitige
weltweite
Begrenzung
von 100 Gefechtsköpfen auf LRINF-Raketen für jede Seite geeinigt, von
denen keine
in Europa stationiert
sein
sollten.
Die
verbleibenden
LRINF-Raketen würden jeweils im asiatischen Teil der Sowjetunion und auf

- 7 -

�amerikanischem
Territorium
stationiert werden. Damit wäre Europa zum
ersten Mal seit den fünfziger Jahren
frei von LRINF-Raketen.
In Reykjavik gaben die Sowjets
ferner ausdrücklich ihr seit langem
bestehendes Ansinnen auf, daß britische und französische Streitkräfte in
ein
INF-Abkommen einbezogen werden
sollten. Darüber hinaus vereinbarten
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
grundsätzlich, Kurzstrekkensysteme als integralen Bestandteil
eines
INF-Abkommens
einzubeziehen.
Trotzdem
bestand
Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik auf einem
"Pakef'-Abkommen, bei dem INF an den
Abbau strategischer Waffen sowie an
Bereiche der Verteidigung im Weltraum, besonders an die Strategische
Verteidigungsinitiative,
gekoppelt
wird.
im Nachgang zum Treffen in Reykjavik unterbreiteten die Vereinigten
Staaten in Genf einen Vorschlag, der
die in Reykjavik vereinbarte gemeinsame Basis zur Grundlage nahm.
Im
November 1986 unternahmen auch die
Sowjets weitere Schritte, indem sie
einen Vorschlag
vorlegten, der in
Teilen die in Reykjavik erzielten
Fortschritte widerspiegelt.
Dennoch
bestanden die Sowjets bis Ende Februar 1987 weiterhin darauf, daß es im
Bereich von INF kein einzelnes Abkommen geben könne. Am 28. Februar 1987
änderte Generalsekretär
Gorbatschow
den Kurs und verkündete, daß die Sowjetunion jetzt zu einem separaten
INF-Abkommen bereit sei - eine Abkehr
von der seit dem Treffen in Reykjavik
von Oktober 1986 gehaltenen sowjetischen Position.
Die Vereinigten
Staaten nutzten diese Entwicklung und
unterbreiteten im März in Genf einen
Vertragsentwurf zu INF.
Der amerikanische Vertragsentwurf spiegelt die
Grundstruktur eines INF-Abkommen wi-

der, wie es von den beiden Staatschefs in Reykjavik vereinbart wurde.
Die Sowjetunion legte ihren eigenen
Entwurf am 27. April vor. Auf der
Basis dieser beiden Texte erarbeiten
amerikanische und sowjetische Unterhändler in Genf gegenwärtig einen gemeinsamen Vertragsentwurf.

* * *

�Reichweiten von Raketen

Waffenkategorie

Reichweite
über 5 500 km

Strategische Nuklearstreitkräfte

500 - 5 500 km
1 000 - 5 500 km
500 - 1 000 km

Nukleare Mittelstreckenwaffen
INF-Raketen längerer Reichweite
INF-Raketen kürzerer Reichweite

unter 500 km

Nukleare Kurzstreckensysteme

Stationierte Mittelstreckenraketen
Stand: 31. Dezember 1986

System

Ungefähre
Reichweite

Abschußanlagen
(Raketen)

Gefechtsköpfe

SS-20
SS-4

5 000 km
2 000 km

441 (441)
112 (112)

1 323

Pershing II
GLCM

1 800 km
2 500 km

108 (108)
52 (208)

108
208

LRINF
UdSSR

USA

112

SRI NF
UdSSR

SS-12
SS-23

USA

keine

900 km
500 km

* * * * *

- 9 -

100 (mehr)
100 (mehr)
werden gegenwärtig stationiert

�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

*

29. Juli 1987

27

DIE INF-VERHANDLUNGEN - EINE ANTWORT AN MOSKAU
- Von Max Kampelman -

Der Autor ist Berater des amerikanischen Außenministeriums und Leiter der
amerikanischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen über Kernwaffen im
Weltraum. Der nachfolgende Artikel erschien erstmalig am 21. Juli in der "New
York Times".

WASHINGTON - (AD) - In jüngster
Zeit haben einige sowjetische Regierungsvertreter,
hauptsächlich
mein
sowjetischer Kollege Juli M. Woronzow
die Vereinigten Staaten beschuldigt,
sie würden kurz vor dem Abschluß eines Abkommens über Mittelstreckenwaffen (INF) immer wieder Hindernisse
aufwerfen. Es gibt neue Hindernisse,
aber sie sind nicht auf die amerikanische Haltung zurückzuführen. Unsere Haltung befindet sich im Einklang mit den von uns seit der Aufnahme der INF-Verhandlungen im Jahre
1981 vertretenen Grundsätzen, und sie

United States Information Service
Embassy of the United States of America

repräsentiert eine gerechte ur.J ausgewogene Behandlung der Rechte und
Interessen beider Seiten,
Das Problem ist vielmehr die unerklärliche
sowjetische Entscheidung, ein Abkommen zu verzögern.
Nach den 28 Monaten der andauernden Verhandlungen haben sich unsere
Differenzen
erheblich
verringert.
Wir haben Übereinstimmung über die
Grundlinie eines Abkommens erzielt einen beiderseitigen Abbau auf 100
Gefechtsköpfe auf LRINF, von denen
keine in Europa stationiert werden

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sollen.
Amerika ist bereit, solch einem
ersten
Schritt
zuzustimmen, obwohl
wir es vorziehen würden, diese Raketen völlig abzuschaffen.
Wir haben
ferner dem Vorschlag von Generalsekretär Michael S. Gorbatschow zugestimmt, die amerikanischen und sowjetischen Kurzstreckenraketen weltweit
abzuschaffen.
Die jüngsten Anstrengungen um einen Aufbau auf dieser gemeinsamen Basis waren bis vor einigen Wochen produktiv.
Seitdem
sind
die
sowjetischen Bemühungen in Genf faktisch
zum Stillstand gekommen.
Das trifft
nicht nur auf INF zu, sondern auch
auf die Verhandlungen über die Verringerung
strategischer
Rüstungen
(START).
Herr Gorbatschow erklärte den Bereich der strategischen Waffen zur
"Wurzel des Problems", und wir stimmen dem zu. Herr Gorbatschow ist mit
Präsident Reagan bei den Gipfeltreffen in Genf und danach in Reykjavik
übereingekommen, daß ein Abbau von 50
Prozent erfolgen sollte. Obwohl wir
vor neun Wochen in Genf bei START einen Vertrag unterbreitet haben, müssen uns die Sowjets noch ihren eigenen Vertrag vorlegen, und wir fragen
uns, ob Herr Gorbatschow etwa seine
Meinung geändert hat oder erwartet,
daß die Welt sich mit seinen Worten
statt mit seinen Taten zufrieden gibt.
Das verbleibende Problem in allen
Bereichen unserer Verhandlungen kann
gelöst werden, nicht jedoch durch
Krittelei
oder
Schuldzuweisungen.
Die Sowjets sollten wieder zur Sache
kommen.
Ein von den Sowjets erwähntes
"Hindernis"
bei
INF
betrifft
die
Pershing 1A-Raketen der Bundesrepu-

blik Deutschland.
Seit fast zwei
Jahrzehnten
führen die Vereinigten
Staaten
ein
gemeinsames
Programm
durch, im Rahmen dessen die Deutsche
Luftwaffe 72 Pershing lA-Raketen stationiert, deren nukleare Gefechtsköpfe von amerikanischen Einheiten verwaltet werden.
Seit Anbeginn der INF-Verhandlungen vertraten die Vereinigten Staaten
die Ansicht (der die Sowjets nun im
Prinzip zustimmen), daß die Verhandlungen
aufgrund
ihres
bilateralen
Charakters keine Systeme von Drittländern abdecken können.
Sie können
offensichtlich auch keine mit unseren
Verbündeten
eingegangenen
Bereiche
der Kooperation betreffen. Die NATOVerbündeten haben diese Haltung voll
und ganz unterstützt.
Während der fünf Verhandlungsjahre haben die Sowjets niemals Begrenzungen
bei
den
bundesdeutschen
Pershing
lA-Raketen und deren Gefechtsköpfen vorgeschlagen.
Sie haben eine solche Forderung auch weder
1985 beim Gipfeltreffen in Genf noch
beim Treffen in Reykjavik 1986 oder
kürzlich im April beim Besuch von
Außenminister
George P. Shult 7. in
Moskau
erhoben.
Jetzt
plötzlich
stellen sie diese Forderung, fünf vor
zwölf. Man muß sich fragen, wer hier
Hindernisse gegen ein Abkommen in
letzter Minute aufbaut?
Ein weiteres sowjetisches "Hindernis" betrifft die Umrüstung - die
Umwandlung einer vertraglich begrenzten Rakete in einen anderen Raketentyp. Hierzu möchte ich zunächst bemerken, daß eine wichtige Art und
Weise der Umrüstung unmöglich wird,
wenn die Sowjets unserem Vorschlag
einer
weltweiten Abschaffung
aller
INF-Raketen
(längerer
und
kürzerer
Reichweite)
zustimmen:
die amerikanischen Pershing lB kürzerer Reich-

�weite, zu denen die Pershing II umgerüstet werden könnten, würden verboten.
Da die Sowjets diesem Vorschlag
noch nicht zugestimmt haben, sieht
unser Vertragsentwurf vor, daß die
zur Abschaffung vorgesehenen INF-Raketen zerstört oder umgerüstet werden
sollen.
Beide
Seiten
hätten
das
Recht, zu wählen, wie sie ihre Raketen abbauen würden. Dadurch würde es
keine Raketensysteme mehr geben und
die jeweils andere Seite könnte dies
durch Vor-Ort-Inspektionen verifizieren.
Umrüstung ist ein seit langem
anerkanntes Mittel
zur Verwirklung
von Rüstungskontrollbegrenzungen und
eines, das die Sowjets früher selbst
vorgeschlagen
und angewandt haben.
Aber wenn die Sowjets in diesem Fall
aus verschiedenen Gründen keine Umrüstung zulassen wollen, können wir das
Problem auch lösen, indem wir bis auf
Null gehen. .
Ein drittes "Hindernis" betrifft
den Standort, d.h. wo die Vereinigten
Staaten
nach Vertragsabschluß
ihre
verbleibenden 100 LRINF stationieren
würden (angenommen, wir gehen nicht
bis auf Null).
Die Sowjets wollen
die
amerikanische
Stationierung
in
Alaska verhindern, von wo aus die Raketen
sowjetisches Territorium erreichen
könnten.
Dieses
Problem
stellt sich natürlich nur, weil die
Sowjets darauf bestehen, daß beide
Seiten 100 Gefechtsköpfen auf ihren
Raketen behalten anstatt sie abzuschaffen, wie
es
die
Vereinigten
Staaten und praktisch jedes andere
Land außerhalb des Warschauer Paktes
vorziehen würde. Bei einer Null-Lösung würde das Problem verschwinden.
Wegen der Reichweite, Mobilität
und
Transportfähigkeit
der
sowjetischen SS-20 stellt die Stationierung dieser Raketen irgendwo im asia-

tischen Teil der Sowjetunion eine Bedrohung
für unsere Verbündeten in
Asien und Europa dar, die wir als
gleichbedeutend mit einer gegen uns
selbst gerichteten Bedrohung betrachten.
Wir können nicht akzeptieren,
daß die Vereinigten Staaten davon absehen
werden,
solch
einer
sowjetischen
Bedrohung
entgegenzutreten.
Herr Gorbatschow hat mit seinem in
Reykjavik
unterbreiteten
Vorschlag,
unsere 100 Gefechtsköpfe sollten sich
in den Vereinigten Staaten befinden,
Alaska überhaupt nicht erwähnt.
Es
stellt sich also wiederum die Frage,
wer hier Hindernisse in letzter Minute aufwirft.
Herr Gorbatschow hat kürzlich erklärt, daß die Sowjetunion tatsächlich bereit ist, die letzten 100 Gefechtsköpfe auf INF abzuschaffen und
die "Null-Lösung" zu verwirklichen,
aber nur, wenn die Vereinigten Staaten ihre Flugzeuge mit nuklearen Fähigkeiten aus dem Fernen Osten abziehen. Aber der Verhandlungsgegenstand
sind Mittelstreckenraketen, und die
Vereinigten Staaten haben keine Mittelstreckenraketen im Fernen Osten.
Die Flugzeuge mit nukleren Fähigkeiten, die wir seiner Ansicht nach abschaffen sollten, werden zahlenmäßig
von sowjetischen Flugzeugen mit nuklearen Fähigkeiten übertroffen, die
Herr Gorbatschow mit seinem Vorschlag
nicht begrenzen will.
Die Vereinigten Staaten bleiben bereit und würden
es vielmehr vorziehen, all ihre INFRaketen weltweit abzuschaffen, wenn
die Sowjets das auch tun würden.
Und schließlich behaupten die Sowjets, die NATO versuche ein INF-Abkommen in zweifacher Hinsicht zu untergraben - indem sie ihren verbleibenden Kernwaffenbestand modernisiere
und gleichzeitig ein Junktim von INF
mit nuklearen Gefechtsfeldwaffen und
konventionellen Streitkräften fordere.

- 3 -

�In bezug auf das erste Argument
entschied die NATO im Jahr 1983 ihren
Bestand an Nuklearwaffen in Europa
einseitig auf das seit Jahrzehnten
niedrigste Niveau von 4 600 zu reduzieren und das verbleibende Arsenal
zu modernisieren, um die Aufrechterhaltung einer wirksamen Verteidigung
der NATO sicherzustellen. Daher entschied sich die Nato nicht - wie die
Sowjets geltend machen - für die Aufrüstung, sondern die Abrüstung, wie
wir seit vier Jahren immer wieder betonen.
Was das Junktim anbetrifft, so
sind es die Sowjets, die mehrmals auf
dem Junktim eines INF-Abkommens mit
Übereinkünften in anderen Bereichen
bestanden haben und es war Amerika,
das für den Abschluß eines INF-Vertrages
ohne
irgendeine
Art
von
Junktim plädierte.
Und dies bleibt
auch weiterhin unsere Position.
Die Vereinigten Staaten sind immer wieder die Seite gewesen, die
diese
Verhandlungen
vorangetrieben
haben. wir waren es, die als erste
Verhandlungen
einberufen haben und
wir haben den ersten Vorschlag unterbreitet als die Verhandlungen im Jahr
1981 eröffnet wurden. Wir haben wiederum den ersten Vorschlag vorgelegt,
als die Verhandlungen im
Jahr 1985
wieder
aufgenommen wurden, nachdem
die Sowjets die Verhandlungstisch unter Protest verlassen hatten.
Wir
waren die Seite, die als erste einen
INF-Vertragsentwurf auf der Grundlage
der in Reykjavik erarbeiteten Richtlinien unterbreiteten, und wir werden
die Arbeit unserer beiden Seiten bei
der
endgültigen Formulierung
eines
gemeinsamen
Vertragstextes
weiter
vorantreiben.
Bedauerlicherweise
scheinen
Sowjets die Bremsen anzuziehen.

letzter Minute haben sie das Thema
der deutschen Pershings angeschnitten, sie haben entscheidende Einzelheiten über ihre Position zur Verifizierung zurückgehalten.
Und sie haben es nicht nur abgelehnt, sich den
wichtigsten noch verbleibenden Problemen bei INF zu stellen, sondern
sie behandeln auch weder die START
Reduzierungen noch die anderen zentralen Bestandteile unserer Beziehung
wie zum Beispiel die Menschenrechte
oder Probleme auf regionaler Ebene.
Wir stehen zu unserer Verpflichtung, in Genf so bald wie möglich verifizierbare Rüstungskontrollabkommen
auszuhandeln.
Wir sind bereit, die
verbleibenden Themenkomplexe in konstruktiver Weise anzusprechen.
Aber
wir müssen bei unserem Wunsch nach
Abkommen sicherstellen, daß wir nicht
den Taktiken der Sowjets der letzten
Minute erliegen, die darauf ausgerichtet sind, Abkommen hervorzubringen, die unseren sicherheitsinteressen zuwiderlaufen. Die Sowjets sollten
sich
keinen
Fehlkalkulationen
hingeben.
unsere Position gründet
sich auf wohlüberlegte und traditionelle Prinzipien. sie ist das Ergebnis enger Konsultationen mit unseren
Freunden und Verbündeten.
Trotz der
von den Sowjets in den Weg gelegten
neuen Hindernisse werden wir von unserem Ansatz nicht abweichen.
Es hat mich gefreut, daß mein sowjetischer
Kollege seine Ansichten
vor einem amerikanischen Publikum zur
Diskussion gestellt hat und daß unsere Presse seine Meinung gedruckt hat.
Ich habe vor, der sowjetischen Presse
meine Ansichten zur Veröffentlichung
anzubieten und hoffe, daß sie ebenso
verfahren wird.

die
in

* * * * *

4 -

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