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AMERIKA DIENST

26

2 2 . J u l i 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

UN-Resolution für gerechten und dauerhaften Frieden am Golf
- US-Außenminister Shultz vor dem Weltsicherheitsrat -

Verifizierung grundlegend für Reform des Agrarhandels
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter -

HINTERGRUNDMATERIAL

Wird Moskau die "echte Null-Lösung" akzeptieren?
•

- Von Kenneth L. Adelman -

HINWEIS: Wir bitten unsere Leser um Verständnis, wenn der
AMERIKA DIENST während der Urlaubszeit nicht immer mit der
gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen wird.
Ihre Redaktion
* * * * * *

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Dokumentation

22. Juli 1987

26

UN-RESOLUTION FÜR GERECHTEN UND DAUERHAFTEN FRIEDEN AM GOLF
- US-Außenminister Shultz vor dem UN-Sicherheitsrat VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Dem amerikanischen Außenminister
Shultz zufolge strebt die internationale Staatengemeinschaft nach einem gerechten und dauerhaften Frieden am Persischen Golf, "ohne Sieger und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers".
In seinen Ausführungen vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur
Erklärung der amerikanischen Haltung gegenüber der Resolution zum Konflikt
zwischen Iran und Irak erklärte Shultz am 20. Juli 1987 außerdem, daß der
Krieg "neue und ernste Gefahren für die regionale Stabilität, für das Wohlergehen der nicht am Krieg beteiligten Staaten und in der Tat für den Weltfrieden darstellt".
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:

Ich bin heute aus einem zwingenden Grund zum Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gekommen: um mich an
seiner entschlossenen Aktion zur Beendigung
des
verheerenden
Krieges
zwischen Iran und Irak zu beteiligen.
Dieser Konflikt hätte niemals begonnen werden dürfen.
Sein Andauern
sollte nicht gestattet werden. Meine
Regierung kann einfach nicht erkennen, wie den Interessen des Irak oder
des Iran oder der internationalen
Staatengemeinschaft durch die Verlängerung dieses gefährlichen und zerstörerischen Konflikts gedient sein

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könnte.
Im September wird dieser Krieg in
sein achtes Jahr gehen. Die blutigen
Kämpfe dauern nun schon länger als
der Erste oder der Zweite Weltkrieg.
Sie haben einen außergewöhnlich hohen
Tribut
an Menschenleben gefordert,
über eine Million Menschen - Zivilisten wie auch Soldaten - sind getötet oder verwundet worden.
Städte
sind durch Artillerie und Luftangriffe dem Erdboden gleichgemacht worden.
Chemische Waffen wurden benutzt, und
diese machen keinen Unterschied zwi-

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�sehen Kombattanten und Nichtkombattanten,
wodurch
dem
unendlichen
menschlichen Leid ein weiteres grauenhaftes Element hinzugefügt wird.
Die wirtschaftliche Infrastruktur
beider Länder wurde verwüstet.
Der
Konflikt hat das soziale und kulturelle Gefüge erschüttert, das die Lebensweise der Völker des Irak und des
Iran bestimmt. Dem reichen kulturellen Vermächtnis beider Nationen wurde
schwerer
Schaden
zugefügt.
Keiner
der Kriegführenden kann diesen Krieg
gewinnen, und beide Seiten zerstören
ihren wertvollsten Reichtum, ihre Jugend.
Trotz
jahrelangen
erbitterten
Kampfes kann keine Seite dieses zermürbende Patt durchbrechen. Sein Andauern und die Gefahr einer weiteren
Eskalation bedrohen auch die internationale Staatengemeinschaft im weiteren Sinne. . Der Konflikt stellt neue
und ernste Gefahren für die regionale
Stabilität, das Wohlergehen der nicht
am Krieg beteiligten Staaten und in
der Tat für den Weltfrieden dar.
Denken Sie nur an die zunehmende Zahl
von Angriffen auf die internationale
Schiffahrt im Golf.
Denken Sie an
die vermehrten Terrorangriffe und andere Formen der Aggression, die sich
gegen nichtkriegführende Staaten in
der Region richten.
Diese um sich
greifende Bedrohung darf nicht begünstigt werden.
Zu viele haben gelitten, und zu
viel steht auf dem Spiel. Im Namen
der Menschlichkeit, im Interesse der
kriegführenden und der nichtkriegführende Staaten der Region, im Namen
des Weltfriedens und der Sicherheit
hat sich die internationale Staatengemeinschaft
zusammengefunden,
um
Einhalt
zu gebieten.
Stoppt
den
Krieg jetzt.

- 2

Der Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen wurde ins Leben gerufen, um
gerade diese Art von Konflikten zu
unterdrücken.
Die heute zur Verabschiedung
vorliegende
Resolution
stellt eine wirkungsvolle Aktion der
internationalen
Staatengemeinschaft
dar, um einen sofortigen Waffenstillstand zu bewirken und den Rahmen für
einen
Friedensschluß
zu
schaffen.
Der Generalsekretär hat bei der Beschleunigung des beispiellosen Prozesses, der zur Verabschiedung dieser
Resolution gemäß den Bestimmungen von
Kapitel VII der UN-Charta führte,
eine
entscheidende Rolle gespielt.
Er hat die ständigen Mitglieder des
Sicherheitsrates aufgefordert, ihrer
besonderen Verantwortung gerecht zu
werden.
Dies haben wir getan, und
der Rat als Ganzes hat in dem kollegialen Geist gearbeitet, wie er den
Vorstellungen der Begründer der Vereinten Nationen bei deren Schaffung
entsprach.
Mit dieser bindenden Resolution
strebt die internationale Staatengemeinschaft
danach,
einen
systematischen Rahmen für einen gerechten
und dauerhaften Frieden ohne Sieger
und Besiegten, ohne Verlust nationalen Territoriums irgendeines Kriegsteilnehmers zu schaffen. Die Resolution ist peinlich ausgewogen.
Deshalb fordere ich die Regierungen der
Republik Irak und der Islamischen Republik Iran auf, ihre Bestimmungen
vollständig und umgehend einzuhalten
- in ihrem eigenen Interesse und in
Erwiderung
des eindeutigen
Mandats
der
internationalen
Staatengemeinschaft.
Die Resolution verlangt einen sofortigen Waffenstillstand, die Einstellung aller militärischen Handlungen und den unverzüglichen Abzug aller Streitkräfte hinter die international anerkannten Grenzen. Die Re-

�Solution leitet außerdem einen Heilungsprozeß ein, indem sie den baldigen Austausch von Gefangenen und internationale
Bemühungen
zur Unterstützung des Wiederaufbaus nach dem
Krieg fordert. Die Resolution überträgt dem Generalsekretär eine besondere Verantwortung beim Zustandekommen des Waffenstillstandes und des
Truppenrückzuges, der Entsendung einer Beobachtergruppe zur Bestätigung
und Überwachung von Waffenstillstand
und Rückzug sowie zur Beaufsichtigung
der Durchführung anderer Bestimmungen
der Resolution.
Es ist bedeutsam,
daß die Resolution die Entscheidung
des Rats enthält, sich wieder zu
treffen, um weitere Schritte zur Sicherstellung ihrer Befolgung in Betracht zu ziehen.
Als Erstes und
Vornehmstes muß das Töten aufhören.
Sofort.
Die Resolution wird gemäß den
strengsten Verfügungen der Charta der
Vereinten Nationen - Kapitel VII, Artikel 39 und 40 - verabschiedet. Im
Rahmen des Völkerrechts ist ihre Einhaltung daher
bindend.
Schon die
Verabschiedung dieser rechtsverbindlichen Entschließung ist ein historischer Schritt an sich. Und dennoch
ist ihre Annahme erst der Beginn.
Die Verantwortung für die Einhaltung
liegt
grundsätzlich
bei
Irak
und
Iran.
Unterstützt von den Mitgliedern des Sicherheitsrates und allen
anderen Organen der Vereinten Nationen wird der Generalsekretär - dem
wir volles Vertrauen entgegenbringen
- wirksame Maßnahmen zur Erleichterung
ihrer Durchsetzung
ergreifen.
Präsident Reagan hat dem Generalsekretär
seinen persönlichen Beistand
für die vor uns liegenden entscheidenden Wochen zugesagt. Die amerikanische Regierung ist bereit, sich mit
anderen zur Unterstützung seiner Bemühungen zusammenzutun.

Meine Regierung ist entschlossen,
diese bindende Resolution nicht zu
einer inhaltslosen Hülle werden zu
lassen, die Zweifel an der Wirksamkeit der Vereinten Nationen als Organisation für den Frieden aufkommen
läßt.
Wir sind voller Hoffnung und
Vertrauen, daß die heutige Entscheidung respektiert wird.
Gleichzeitig
unterstützen wir jedoch auch die entschiedene Anwendung von Maßnahmen zur
Durchsetzung
dieser
Entscheidung,
sollte die eine oder andere Partei
der
Aufforderung
dieses
Gremiums
nicht Folge leisten.
Die Regierungen von Irak und Iran
sind es ihren Völkern, ihren Kindern
und der übrigen Welt eher schuldig,
einen Weg zur Annahme dieser umfassenden Verfügung zu finden als diese
abzulehnen. Wenn sie diese befürworten, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten bis hin zur Rolle der Vereinten Nationen bei der Bewahrung des
Friedens in der Region. Meine Regierung
unterstützt
in vollem Umfang
diese mögliche Rolle der Vereinten
Nationen sowie andere internationale
Bestrebungen, die den Abbau von Gewalt und die Wiederherstellung von
Frieden, Stabilität und der gucen Beziehungen in dieser lebenswichtigen
Region der Welt zum Ziel haben.
Lassen Sie mich hier einige Worte
zur Haltung meiner Regierung gegenüber den sich im Konflikt befindlichen Parteien hinzufügen.
In der
Vergangenheit hatten wir sowohl mit
Irak als auch mit Iran gravierende
Meinungsverschiedenheiten.
Heute
pflegen wir gute Beziehungen mit dem
Irak.
über die von der iranischen
Regierung außerhalb ihrer Grenzen angewandte Politik und Praxis sind wir
ernsthaft besorgt. Zwar respektieren
wir das Recht des iranischen Volkes
zur Bestimmung
der eigenen Regierungsform, aber die Handlungsweise

- 3 -

�der Regierung in Teheran - bis hin
zur Unterstützung terroristischer Aktivitäten - läuft den Interessen unseres Landes und unserer Bürger ebenso zuwider wie den Interessen anderer
Länder und deren Bürger.
Wir sind
nach wie vor zur Diskussion mit dem
Iran über die gravierenden Probleme
bereit, die uns weiterhin trennen.
Eine positive Antwort des Iran auf
diese Resolution und eine Beendigung
der Aggressionen gegenüber
anderen
Staaten und deren Bürger würden viel
dazu beitragen, zukünftig bilaterale
Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen
zu ermöglichen.

und für den Frieden.
beendet werden.
Der
muß beginnen,

Herr Präsident, mit der Verabschiedung dieser Resolution hat die
internationale
Gemeinschaft
einen
kühnen Schritt nach vorne getan. Gemeinsam müssen wir jetzt weitere entscheidende
Schritte
folgen lassen,
bis unsere Ziele - Frieden und Stabilität am Golf - erreicht worden sind.
Wenn je die Notwendigkeit für den Sicherheitsrat und die Vereinten Nationen bestand, Maßnahmen zu ergreifen,
so ist es jetzt an der Zeit. Wir haben die Möglichkeit, das vornehmste
Ziel zu verwirklichen, für das das
System der Vereinten Nationen geschaffen worden ist:
Einen schwerwiegenden
Friedensbruch
beizulegen,
der die Stabilität und das wirtschaftliche Wohlergehen unserer internationalen Völkergemeinschaft gefährden.
Abschließend möchte ich betonen,
Herr Präsident, daß wir die vorliegende Entschließung unterstützen, da
wir als Ständiges Mitglied des Sicherheitrates die Verantwortung dafür
tragen, eine friedliche Beilegung gewaltsamer Konflikte anzustreben. Wir
unterstützen die Resolution, da sie
die Interessen des Iran wie auch des
Irak gerecht und umfassend anspricht.
Diese Resolution ist gegen den Krieg
r

- 4 -

Der Krieg muß
Heilungsprozeß

Herr Präsident, ich danke Ihnen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

22. Juli 1987

26

VERIFIZIERUNG GRUNDLEGEND FÜR REFORM DES AGRARHANDELS
- Worldnet mit dem US-Handelsbeauftragten Yeutter WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Clayton Yeutter
zufolge ist die Verifizierung des Abbaus von Produktionssubventionen ein
grundlegender Bestandteil der von Präsident Reagan vorgeschlagenen weltweiten
Reform des Agrarhandels.
In einer am 16. Juli 1987 über Worldnet ausgestrahlten Fernseh-Pressekonferenz mit europäischen Journalisten erklärte Yeutter: "Ich bin davon überzeugt, daß wir dazu eine zumindest ausreichend genaue Meßmethode entwickeln
können."
Wir veröffentlichen die Pressekonferenz des US-Handelsbeauftragten in Auszügen :

Auf eine einleitende Frage zur
Bedeutung des am 6. Juli bei den
GATT-Verhandlungen eingebrachten amerikanischen Vorschlags, der den totalen Abbau aller Subventionen und Handelsschranken im Agrarbereich bis zum
Jahr 2000 vorsieht, antwortete Botschafter Yeutter:
"Nun, er ist bedeutend, weil die
Welt des Agrarhandels heute völlig
aus den Fugen geraten ist. Das ist
bedauerlich, aber in einem evolutionären Prozeß hat sich dies in den
vergangenen 20 bis 30 Jahren so ent-

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wickelt.
In vielen Ländern, darunter den
Vereinigten Staaten, hat es sich ergeben, daß Subventionen und Einfuhrbeschränkungen sowie andere Arten von
Verzerrungen so weit in den Vordergrund getreten sind, daß bei den meisten Produkten auch nicht annähernd
ein freier und offener Handel besteht.
Dies ist nicht nur eine unglückliche Verzerrung der grundlegenden wirtschaftlichen Bedingungen sondern es fügt außerdem solchen Ländern
großen Schaden zu, die sich dies

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�wirklich nicht leisten können.
Wie Sie wissen, sind die meisten
weniger entwickelten Länder Agrargesellschaften, in denen die Landwirtschaft einen bedeutenden Stellenwert
einnimmt.
Diese Länder müssen landwirtschaftliche Produkte exportieren,
wenn
sie wirtschaftliches Wachstum
erzeugen wollen. Und sie können einfach nicht mit den Staatskassen der
Vereinigten Staaten, der Europäischen
Gemeinschaft und anderer konkurrieren, denen all diese enormen Subventionen zur Verfügung stehen. Von unserem Standpunkt aus betrachtet - dem
der Vereinigten Staaten, der EG und
anderer -, nehmen die Kosten dafür
astronomische Ausmaße an, und das ergibt keinen Sinn.
Zusätzlich zahlen
unsere Konsumenten die Zeche in vielfältiger Weise dadurch, daß Agrarprodukte viel teurer sind als sie sein
müßten, wenn wir einen freien und offenen Handel hätten."
Zum Thema des Abbaus von Unterstützungsmaßnahmen zur Erzielung von
Produktionseinschränkungen und deren
Folgen
für die Landwirte erklärte
Yeutter, daß relativ gesehen die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht
mehr unternehmen als die EG. Solche
Veränderungen seien auch nicht notwendigerweise schädlich für die Landwirte:
"Sie könnten kurzfristig gesehen nachteilig sein, aber ich bin
überzeugt, daß eine
durchgreifende
Reform landwirtschaftlicher Programme
nicht nur für die europäischen Steuerzahler und die europäischen Verbraucher, sondern
langfristig
auch
für viele europäische Landwirte gut
wären."
"Was die Vereinigten Staaten angeht, so werden wir im Jahr 1987 die
Anbauflächen erheblich einschränken weit mehr als in der EG an Anbauflächen eingespart wird.
Deshalb sage

ich, daß
die
Vereinigten
Staaten
schon jetzt einen erheblichen Beitrag
leisten."
Auf die Frage nach der Verifizierung von Subventionen, insbesondere
der versteckten, erklärte Yeutter:
'
"...dies wird
sicher eine der
großen
Herausforderungen
bei
der
Schaffung eines funktionsfähigen Systems
sein.
Mit
anderen
Worten:
Wenn wir eine durchgreifende Reform
der
landwirtschaftlichen
Produktion
in der weltweiten Handelspolitik erzielen wollen, dann bildet die Verifizierung oder die Meßmethode, wenn
Sie so wollen, einen wichtigen Teil
des Gesamtbildes."
Dabei habe die OECD schon einige
Meßmethoden entwickelt und die Regierungen Frankreichs und anderer Länder
befaßten
sich gegenwärtig
intensiv
mit diesem Problem.
Ferner beschäftigten sich das amerikanische Landwirtschaftsministerium
sowie
einige
akademische Institutionen in den Vereinigten Staaten eingehend mit der
Analyse dieser Frage.
"Ich
bin
überzeugt,
daß
wir
schließlich
zumindest eine hinreichend
genaue Meßmethode
entwickeln
können.
Zugegebenermaßen sind einige
Subventionen
schwierig
auszumachen
und zu quantifizieren.
Wir werden
eben das Beste in unserer Macht Stehende tun müssen.
Die Alternative
ist, gar nichts zu tun, und meiner
Meinung nach ist das einfach eine unannehmbare Lösung."
Auf die Frage, ob er eine Übereinkunft
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und den Europäern über den
Abbau landwirtschaftlicher Subventionen für durchführbar halte, solange
die Preise garantiert blieben, antwortete Yeutter:

�sten kann."
"Nein. Diese Art von Lösung ist
über die Jahre hinweg immer wieder
vorgelegt worden, hat nie zu einem
Ergebnis geführt und wird dies auch
niemals tun.
Ich bin persönlich davon überzeugt, daß wir uns nicht nur mit den
Randgebieten dieses Problems beschäftigen können.
Das Problem ist zu
ernst und zu wichtig für die gesamte
Welt. Wie ich in einer Reihe von Reden gesagt habe, müssen wir bei der
Handhabung des Agrarhandels einen Quantensprung nach vorn machen.
Wenn wir also etwas tun, das lediglich marginale, nominelle oder geringfügige Auswirkungen auf die Lage
hat, dann ist das einfach nicht gut
genug. Ich kann verstehen, warum einige Besorgnis über die Auswirkungen
eines drastischeren Vorschlages bestehen, weil dies offensichtlich in
allen
Ländern,
einschließlich
der
Vereinigten Staaten, eine politisch
sensible Frage.ist. Tatsache ist jedoch, daß es an der Zeit ist, das
Problem am Schopf zu packen.
Und
deshalb ist unser Vorschlag so durchgreifend und revolutionär.
Unserer
Meinung nach ist das, was wir heute
in der Landwirtschaft benötigen."
"Diejenigen in Europa, die sich
heute über den von uns unterbreiteten
Vorschlag Sorgen machen werden noch
viel größere Sorgen wegen des Wirtschaftskrieges haben, der stattfinden
wird, falls wir diese Situation nicht
energisch in den Griff bekommen. Was
nämlich geschehen wird ist, daß wir
in einen Subventionskrieg
zwischen
den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft und vielleicht
anderen
Ländern
eintreten
werden.
Ich glaube nicht, daß die Welt sich
eine Verschlechterung dieser Situation anstatt einer Verbesserung lei-

Auf die Frage nach der Bewertung
der EG-Entscheidung, die Sondersteuer
auf Fette und öle nicht einzuführen,
sowie nach möglichen Gegenleistungen
der Vereinigten Staaten erwiderte der
Handelsbeauftragte:
"Nun, sicherlich begrüßen wir die
Entscheidung...
weil dies zu einer
enormen Konfrontation
zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten
Staaten geführt hätte,
und eine solche Konfrontation liegt
in niemandes
Interesse.
Die Entscheidung, diesen Vorschlag auf den
Tisch zu legen, war also richtig richtig sowohl vom Standpunkt des europäischen Eigeninteresses betrachtet
als auch vom Standpunkt der Vereinigten Staaten.
Wir sollten diese Art von Programmen einfach nicht anwenden, um
die finanziellen Lasten unserer Agrarsysteme jemand anderem aufzuladen.
Ich wäre ebenso unglücklich, wenn die
Vereinigten Staaten versuchten, die
Last ihrer landwirtschaftlichen Programme auf den europäischen oder den
japanischen Steuerzahler oder ai ? jemand anderen abzuwälzen, wie ich es
über den Versuch der europäischen Regierungen bin, die Last den amerikanischen, brasilianischen oder argentinischen Exporteuren aufzuladen.
Dies ist einfach nicht der Weg,
die Agrarpolitik zu behandeln.
Es
ist ein Symbol für die in diesem gesamten Bereich bestehenden
krassen
Verzerrungen und ein klassisches Beispiel dafür, warum wir eine Agrarreform benötigen.
Die eigentliche Antwort besteht
für die EG darin, den Versuch zu unternehmen, ihren Finanzbedarf irgendwie aus ihren internen Ressourcen zu

- 3 -

�bestreiten bis wir mit Hilfe der Verhandlungen in der Uruguay-Runde zu
einer verbesserten weltweiten Agrarsituation gelangen können... Die EG
muß eine vorübergehende Lösung für
ihre Finanzprobleme finden, während
wir verhandeln.
Was wir tun sollten, ist, diese
Probleme langfristig am Verhandlungstisch zu lösen, so daß die Gemeinschaft es nicht mehr nötig hat, diese
Arten von Einnahmen zu erzielen, um
eine
Reihe
ungesunder
politischer
Maßnahmen zufrecht zu erhalten.
Niemand nimmt für sich in Anspruch, auf diesem Gebiet über jeden
Zweifel erhaben zu sein.
Ich meine
wahrhaftig nicht, daß unsere eigene
Agrarpolitik perfekt ist.
Ganz im
Gegenteil: Ich stehe dem, was in den
Vereinigten Staaten unternommen wird,
genauso kritisch gegenüber wie dem,
was in Europa getan wird. Ich möchte
Reformen überall erleben.
Das ist
die wahre Herausforderung, vor der
wir stehen."
Auf die Frage nach dem wachsenden
protektionistischen Druck in den Vereinigten Staaten antwortete Yeutter:

persönlich vorschlagen."
"Außerdem bin ich nicht so sicher,
daß
der
protektionistische
Druck wahrscheinlich zunehmen wird.
Dies hängt selbstverständlich zu einem erheblichen Ausmaß von den Handelszahlen ab.
Leider scheinen die
von uns vor zwei Tagen bekanntgegebenen Zahlen für den vergangenen Monat
anzudeuten, daß sich unsere Handelssituation wieder verschlechtert hat.
Ich messe monatlichen Zahlen jedoch
nicht allzu viel Bedeutung bei, weil
sie oft verzerrt sind."
"Das im Senat behandelte Handelsgesetz hat sicherlich eine Reihe von
Mängeln und, würde es in seiner jetzigen Form verabschiedet, würde der
Präsident dagegen sein Veto einlegen.
Ich muß aber sagen, daß ein ermutigender Aspekt des Gesamtbildes darin
besteht, daß die Teile des Gesetzes,
die den Handel betreffen - und dieses
Gesetz enthält eine Menge Vorschläge
von Ausschüssen, die relativ wenig
mit Handel zu tun haben - aufgrund
der Debatte im Senat sogar verbessert
worden sind, woraus ich entnehme, daß
der Protektionismus in den Vereinigten Staaten vielleicht doch nicht so
üppig wuchert, wie viele glauben."

"Man sollte den amerikanischen
Protektionismus nicht auf der Grundlage von Vorschlägen im Kongreß bewerten.
Diese Vorschläge sind noch
nicht Gesetz, und wir hoffen, daß
diejenigen,
die
protektionistisch
sind, niemals Gesetz werden."

Auf die Frage nach einer Reaktion
auf die mögliche Abschaffung aller
Subventionen und deren Substitution
durch
untragbare
Zollbeschränkungen
auf ausländische Produkte antwortete
Yeutter:

"Ich bin jedoch hoffnungsvoll,
daß wir jeglichem protektionistischem
Druck aus dem Kongreß widerstehen
können und daß sich letztlich eine
verantwortungsvolle Gesetzgebung herauskristallisiert.
Ist dies nicht
der Fall, dann hoffe ich, daß der
Präsident gegen solche Gesetze sein
Veto einlegen wird.
Ich werde dies

Unser Vorschlag behandelt Importbeschränkungen,
Exportsubventionen
und alle anderen Verzerrungen im Handel und zielt darauf ab, diese allmählich abzuschaffen. Was die Sicherung der Nahrungsmittel betrifft, so
haben daran offensichtlich alle Nationen
ein berechtigtes
Interesse.
Aber es stellt sich die Frage, an

- 4

�welchem Punkt man die Grenze zur unerläßlichen Sicherung der Nahrungsmittel ziehen soll und auf welche Art
und Weise diese erzielt werden soll.
Eine Methode besteht sicherlich
darin, alles im Inland zu produzieren
- auch wenn man dazu enorme Geldsummen in Form von Subventionen bereitstellen muß. Japan mit seinem Reis
liefert ein Beispiel für diese besondere Situation.
Die andere Methode
wäre, sie dort zu kaufen, wo sie rationeller
hergestellt, das Prinzip
des
verhältnismäßigen Vorteils genutzt und gelagert werden können.
Programme zur Lagerung können sicherlich ein Ersatz für die Produktion
sein, oder es wäre eine Verbindung
von Produktion und Lagerung möglich,
die durch langfristige vertragliche
Verpflichtungen ergänzt werden kann.
Die zentrale Frage in diesem Zusammenhang lautet aber auch: In welchem
Umfang sollte es einem Land gestattet
werden, auf internationaler Ebene die
Produktion und die Regeln des Handels
zu verzerren, um auf einem ihm angemessenen Niveau die Nahrungsmittel zu
sichern?
über dieses wichtige Thema
und darüber, wie und zu welchem Preis
die Sicherung der Nahrungsmittel erlangt werden kann, sollte auch bei
den Verhandlungen gesprochen werden.
Zu den von Botschafter Yeutter
hier angesprochenen Vorschlägen wurde
die Frage gestellt, ob amerikanische
Senatoren im Getreideanbaugebiet der
Vereinigten Staaten diese Vorschläge
so wohl akzeptieren oder ob sie ihre
Annahme ablehnen würden.
Es wurde
ferner die generelle Flexibilität der
Vorschläge angesprochen.
Botschafter
Yeutter
antwortete
darauf, für solche Prognosen sei es
zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh
und gab zu bedenken, die Verhandlungen nähmen eine beträchtliche Zeit-

spanne in Anspruch. "Wir hoffen, sie
in einigen Jahren abschließen zu können - je eher, desto besser.
Die
Welt braucht einen Abschluß bei dieser Art von Verhandlungen.
Je eher
wir auf internationaler Ebene ein Abkommen schließen und mit seiner Anwendung beginnen können, desto besser
für uns und speziell für die Entwicklungsländer, die Verbraucher auf der
ganzen Welt und natürlich für die
Steuerzahler in den Vereinigten Staaten und in Westeuropa".
"Wir wollen
ernsthafte, eingehende und umfassende
Verhandlungen abhalten. Aber ein Urteil können wir erst beim Abschluß
abgeben.
Der Senator
irgendwo in
Iowa wird auf der Grundlage entscheiden, was wir, die Vereinigten Staaten, als Gegenleistung für in diesem
Bereich erbrachte Konzessionen erhalten ."
Zur Flexibilität der Haltung der
Vereinigten Staaten erklärte Yeutter,
es sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt
noch zu früh, um diesen Punkt vor der
Welt preiszugeben, die Position sei
jedoch realistisch.
"Wenn wir, das
heißt die ganze Welt, bereit sind,
viel weniger zu akzeptieren als ein
freies
und
offenes
Handelssystem,
können wir ebenso gut bei unserer
jetzigen Position bleiben. Es stellt
sich die Frage, welche Zwischenlösung
es gibt. Mir scheint, daß alle davon
profitieren, wenn wir uns im Bereich
der Landwirtschaft einem freieren und
offenerem
Handelssystem
annähern
könnten".
Botschafter Yeutter ging in seinen weiteren Ausführungen auf die
Rolle des Programms PL-480 ein; das
Programm
'Nahrungsmittel
für
den
Frieden', im Rahmen dessen den Entwicklungsländern
landwirtschaftliche
Produkte als humanitäre Hilfsleistung
zur Verfügung gestellt werden, entweder als Zuwendung - das heißt, sie

- 5 -

�werden kostenlos gewährt - oder als
langfristige Kredite mit sehr niedrigen Zinssätzen, die sicher als Subvention gelten können.

die Europäische Gemeinschaft und andere über die Einstellung ihrer jeweiligen Programme zu verhandeln bereit sind.

Yeutter erklärte hierzu, die Vereinigten Staaten seien nicht bereit,
dieses Programm aufzugeben, weil es
so wichtig für die Entwicklungsländer
ist.
"Wir ermutigen vielmehr andere
Länder dazu, ihre Programme auszubauen. Es heißt, daß einige europäische
Länder wie etwa Frankreich dies tun
wollen, und das würden wir ermutigen". Von den in Genf unterbreiteten
Vorschlägen sind bona fide Hilfsprogramme
ausgenommen.
"Wir glauben,
daß diese angesichts des heute in der
Welt herrschenden Hungers immer noch
einen wesentlichen Bestandteil des
Gesamtbildes ausmachen.
Man möchte
hoffen, daß sie in 20 oder 30 Jahren,
in einem halben oder einem ganzen
Jahrhundert überflüssig werden. sicherlich sind sie heute notwendig.
Sie sollten ermutigt, angemessen definiert und von dem von uns in Genf
ausgearbeiteten Programm ausgenommen
werden.
Wir sind natürlich bereit,
ähnliche Programme Japans, der Europäischen Gemeinschaft und anderer Industrienationen auszunehmen".

Zur Frage, ob die Vereinigten
Staaten
ihr erhebliches Handelsbilanzdefizit abbauen können, indem sie
nur auf der Exportseite etwas unternehmen, erklärte Yeutter, "der Aufwärtstrend bei den Importen kann meiner Ansicht nach nicht länger anhalten.
Ich glaube, wir werden letztlich eine Verbesserung auf der Importseite erfahren, das heißt, einen
Rückgang beim Dollar-Wert der Importe
in die Vereinigten Staaten.
In den
Statistiken dieses letzten Monats war
dies jedoch nicht der Fall. Die Zeit
wird die Antwort auf diese Frage
bringen..."

Yeutter wurde weiter befragt, ob
man bereit sei, Programme zur Exportförderung
subventionierter
Exporte
nach Nordafrika und Osteuropa aufzugeben, worauf er erwiderte, man sei
bereit, alle Programme, die in irgendeiner Weise den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten verzerren,
aufzugeben, mit Ausnahme von Zahlungen, die nichts mit der Produktion zu
tun haben und die den Bauern ein Sicherheitsnetz bieten sollen sowie mit
Ausnahme
der bereits
beschriebenen
bona fide Hilfsprogramme.
Im Rahmen
der Verhandlungen über die Einstellung von Subventionsprogrammen wird
Yeutter zufolge erwartet, daß auch

Zum
Export
hingegen
erklärte
Yeutter, "im letzten Monat weisen die
Statistiken einen erheblichen Anstieg
der Exporte auf.
Hier zeigt sich,
daß es auf der Importseite noch erheblich mehr Verkrustungen gibt. Das
heißt, daß Japan und andere Hauptimporteure in die Vereinigten Staaten
die Wechselkursanpassung
absorbieren
und hartnäckig Marktanteile zu gewahren suchen". Zu den zusätzlichen Bemühungen
seitens
der
Vereinigten
Staaten gehören Botschafter Yeutter
zufolge der Abbau des Haushaltsdefizits, während die anderen Industrienationen in ihren jeweiligen Ländern
das Wirtschaftswachstum anfachen müssen. All diese Faktoren sind miteinander verknüpft.
Solange nicht wenigstens eine erhebliche Verbesserung
im
Handelsdefizit
hervorgebracht
wird, werden
sich die Vereinigten
Staaten, so Yeutter, ernsthaftem politischen Druck ausgesetzt sehen, der
eine protektionistische Richtung einnimmt. Man nehme in den nächsten Monaten eine Verbesserung an, die jedoch nicht sehr dramatisch sein wird.

- 6 -

�Auf die Frage, welche praktischen
Schritte zur Anwendung der Politik
Präsident Reagans unternommen werden
sollen, bis zum Ende dieses Jahrhunderts alle Kontrollen abzuschaffen,
verweist Yeutter auf die gegenwärtig
laufenden Verhandlungen, "wir sollten
das Programm in Genf bei den Verhandlungen der Uruguay-Runde auf den Verhandlungstisch
bringen.
Der
Vorschlag sieht definitive Auslauf-Pläne
für alle Teilnehmerstaaten vor, die
von Produkt zu Produkt oder von Land
zu
Land
unterschiedlich
ausfallen
können. Es gibt Flexibilität bei der
Organisation dessen in einem bestimmten europäischen Land, in Japan, den
Vereinigten Staaten, Kanada oder anderswo, und das muß durch Verhandlungen erzielt werden. Wenn jedoch ein
Abkommen erzielt wird, sollen dieses
Programm oder diese Verpflichtungen
für den Zeitraum einiger Jahre verbindlich sein.
Sie müßten dann dem
Kongreß zur Billigung vorgelegt werden, so daß sie dann etwa im nächsten
Jahrzehnt angewendet und ausgeführt
werden können. Natürlich müßte dies
dann auch bei den europäischen und
allen anderen sich daran beteiligenden Ländern der Welt der Fall sein.
Der Botschafter
wurde befragt,
wie die Vereinigten Staaten vorschlagen könnten, daß die Europäische Gemeinschaft ihre Subventionen an euopäischen
Bauern
einstellen sollte,
wenn der Betrag, den die Vereinigten
Staaten
investieren, um ihre zwei
Millionen Farmer zu subventionieren,
genau dem entspricht, den die EG zur
Finanzierung
ihrer
zehn
Millionen
Bauern ausgibt.
Yeutter bezeichnete
diesen Vergleich
als
bedeutungslos
und erklärte, das Problem bestehe
vielmehr darin, daß beide Seiten zuviel für landwirtschaftliche Programme ausgeben und damit den Welthandel
erheblich verzerren.
Die Korrektur

dessen müsse sich am Verhandlungstisch vollziehen, und beide Seiten
müßten diese Situation erheblich verbessern. Wenn sich eine dramatische
Bewegung
zur
Reformierung
dieser
Praktiken vollziehen soll, müsse diese herbeigeführt werden, weil es im
allseitigen Interesse liege.
Yeutter erklärte, "dies beinhaltet einen schmerzhaften Anpassungsprozeß.
Der Kern unseres Problems
weist darauf hin, daß wir bereits einen größeren Teil dieser Anpassung
vollzogen haben als Westeuropa. Wir
haben in den vergangenen Jahrzehnten
einen großen Teil unserer Farmer zur
Aufgabe ihrer Farmen und Annahme von
Beschäftigungsverhältnissen
in
der
Stadt bewegen können.
Unsere Farmen sind größer und rationeller
geworden.
In Westeuropa
und in einigen anderen Ländern hat
eine geringere Anpassung stattgefunden.
Aber diese Anpassung muß bei
uns allen stattfinden, wenn wir eine
ausreichend effiziente und rationelle
landwirtschaftliche Produktion haben
wollen. Wir erwarten nicht, daß sich
dies in Europa über Nacht vollzieht.
Aus diesem Grund sind wir bereit, den
entsprechenden Zeitrahmen zu diskutieren und darüber, wie das Ziel erreicht werden soll. Wir glauben ganz
einfach, daß es wenig Sinn hat, Millionen von Dollar für landwirtschaftliche Produkte auszugeben, die niemand kaufen will und Millionen Dollar, die die internationalen Handelspraktiken stark verzerren und unseren
weniger
entwickelten
Partnerländern
großen Schaden zufügen".
Der Botschafter wurde weiter befragt, ob die Verhandlungen im Bereich der Landwirtschaft mit anderen
Verhandlungen in anderen Bereichen zu
einem 'Paket' verbunden werden könnten. Yeutter äußerte sich dazu posi-

- 7 -

�tiv und erklärte, "wir würden im Verhandlungsprozeß nicht so viel erreichen, wie ich wünschte, daß wir erreichen würden, wenn die Landwirtschaft von allem anderen abgekoppelt
wird.
Als praktisches Verfahren bestünde der beste Weg und ein Weg, etwas wirklich historisches zu tun und
etwas wahrhaft bedeutungsvolles im
Bereich der Landwirtschaft herbeizuführen, darin, den Bereich mit anderen Bestandteilen der Verhandlungen
zu verbinden. Es wird möglich sein,
ein
Paket
zusammenzustellen,
das
drei, vier oder fünf dieser Verhandlungsgruppen beteiligt und ein bestimmtes Gleichgewicht
unter
allen
Hauptteilnehmern schafft.
Zur Frage der Kontrolle eines
vereinbarten Systems verwies Yeutter
darauf, daß eine solche Kontrolle im
Rahmen des Verhandlungsprozesses erarbeitet werden müsse und teilweise
vom Wohlwollen der Regierungen abhängt.
"Wir hoffen, daß alle von uns in
der entwickelten Welt über Gesellschaften mit ausreichend hohem Entwicklungsstand und Integrität verfügen und daß wir uns mit Hilfe von
Programmen dieser Art auf unsere Verpflichtungen vorbereiten.

könnte kompliziert und eventuell auch
schwierig werden, aber genau das ist
es ja, was den internationalen Handel
eigentlich
ausmacht.
Aus
diesem
Grunde haben wir ja Regierungen und
deshalb entwickeln wir internationale
Organisationen zur Erreichung dieser
Ziele. "
Der Frage, warum die Vereinigten
Staaten
im Textilbereich
Maßnahmen
ergriffen haben, die insbesondere die
Produktion der Europäischen Gemeinschaft und Italiens betreffen, wurde
mit dem Argument widersprochen, daß
die Vereinigten Staaten keine Maßnahmen verabschiedet haben, die Westeuropa Restriktionen auferlegen.
Für
diesen Bereich gebe es Vorschläge des
Kongresses
oder
andere
rechtliche
Verfügungen, von denen jedoch bisher
keine als Gesetz verabschiedet worden
sind.
"Das derzeitige Textilprogramm
betrifft Westeuropa oder die Nationen
der Europäischen Gemeinschaft überhaupt nicht, daher können hier im Moment auch keinerlei Probleme ausgemacht werden."

Aber
abgesehen davon
benötigen
wir eine Art offizieller Berichterstattung - vielleicht Berechnungen auf jährlicher Basis im Hinblick auf
die erzielten Resultate und darauf,
ob die ausgehandelten Abkommen die
Zielsetzungen Jahr für Jahr über einen Zeitraum von 10 oder 12 Jahren
hinweg erfüllen.

"In bezug auf die Halbleiter haben wir Sanktionen verhängt, da Japan
ein mit uns im letzten Herbst geschlossenes Abkommen nicht eingehalten hat.
Unserer Meinung nach ist
ein Abkommen ein Abkommen und wenn
unsere japanischen Freunde sich verpflichten, kein Dumping von Halbleitern gleichgültig auf welchen Märkten
vorzunehmen, dann sollten sie sich
auch daran halten.
Da sie aber das
Dumping von Halbleitern auf Drittmärkten fortgesetzt haben, sahen wir
uns zur Verhängung von Sanktionen gezwungen. "

Im Rahmen des GATT wird ein Mechanismus zur Überwachung dieses Prozesses in der Anpassungsphase erarbeitet werden müssen. Ich sehe hierin keinen beunruhigenden Aspekt. Es

Bezüglich der Maßnahmen zur Lösung des Exportproblems von Nudeln
erklärte Yeutter, daß sich diese noch
im
Verhandlungsstadium
befinden.
Nach dem Besuch seines Amtskollegen

�Kommissar Leclerq und des Landwirtschaf tsskommissars
bei der Gemeinschaft,
Kommissar
Andriesen,
in
Washington, hoffe er, die begonnenen
Verhandlungen sehr bald, das heißt im
Verlauf der nächsten Woche, wieder
aufnehmen und diesen Themenkomplex zu
einem befriedigenden Abschluß bringen
zu können.
"Bedauerlicherweise sind
wir noch sehr weit voneinander entfernt und ich kann zu diesem Zeitpunkt höchstens vorsichtig optimistisch sein."
Auf die Frage nach dem Stand der
amerikanischen
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit
erklärte
der
Botschafter:
"Sicherlich
ist
die
Wettbewerbsfähigkeit eine Herausforderung für die Vereinigten Staaten vor allem in bestimmten Produktbereichen". Einige der amerikanischen Industrien seien Ende der siebziger und
zu Beginn der achtziger Jahre, als
die Vereinigten Staaten einen großen
Handelsüberschuß hatten, doch etwas
selbstgefällig geworden.
"Der Dollar
war schwach und wir nahmen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit als
selbstverständlich hin."
"All dies hat sich in den vergangenen Jahren um 180 Grad gewendet.
Der Dollar stieg drastisch im Wert
und wir mußten sozusagen über Nacht
feststellen, daß wir
international
bei weitem nicht so konkurrenzfähig
waren, wie wir angenommen hatten zumindest nicht bei diesen Wechselkursen.
Natürlich
verschlechterte
sich unsere Handelssituation gravierend.
Nun stellt sich die Frage:
Können wir all dies rückgängig machen?
Und wenn ja, wie stellen wir
es an?
In gewissem Maße spielen
makroökonomische
Faktorn
wie
die
Steuer- und Währungspolitik eine Rolle"...
"und unsere Regierung oder
die europäischen Regierungen müssen
Antworten
zur
Verfügung
stellen.

Dies ist international gesehen Teil
des
wirtschaftlichen
Umfelds."...
"Wir alle müssen daran mitarbeiten,
zum Nutzen aller Geschäftsleute zusätzliche Stabilität in diesem Bereich zu schaffen...
Niemandem, der
mit internationalen Geschäften befaßt
ist,
gefallen
diese
gigantischen
Wechselkursfluktuationen,
die
Entscheidungen im Hinblick auf internationale Investitionen schwierig, wenn
nicht sogar unmöglich machen." Trotz
all dieser wichtigen Faktoren müsse
die langfristige Konkurrenzfähigkeit
gewährleistet sein.
"Meiner Meinung nach haben viele
amerikanische Unternehmen in den vergangenen drei oder vier Jahren auf
diese Herausforderung
reagiert und
ihre
Produktivität
enorm
gesteigert."...
"Meine Botschaft an Westeuropa und alle anderen Länder ist
daher: In der Zukunft werdet Ihr mit
sehr viel stärkerer Konkurrenz unserer
Geschäftsleute
rechnen müssen,
denn... wir in den Vereinigten Staaten sind heute sehr viel konkurrenzfähiger, als wir es noch vor zwei
oder drei Jahren waren. Wir in der
Regierung werden dabei so weit wie
möglich behilflich sein, ah r dies
ist eine Herausforderung für den Privatsektor, der meiner Meinung nach
bereits
auf
diese
Herausforderung
reagiert."
Die Frage, ob die Vereinigten
Staaten diese Vorschläge zu Agrarhandelsreformen aus der Überzeugung heraus vorgelegt haben, den Weltagrarhandel dadurch in einigen Bereichen
besser dominieren zu können, wurde
mit dem offenen Bekenntnis beantwortet, daß die Vereinigten Staaten sicherlich keine für sie nachteiligen
Vorschläge vorlegen würden. Alle Beteiligten müßten ihr Eigeninteresse
bei solchen Verhandlungen wahren, von
denen alle Länder in vielerlei Hin-

- 9 -

�Sicht profitieren könnten. Im Zusammenhang mit Agrarreformen solle man
nicht in schwarz-weiß Schemata denken
oder nur von Gewinnern und Verlierern
ausgehen. Von einer umfassenden Agrarreform
würden
Konsumenten
und
Steuerzahler sowie die international
konkurrenzfähigen Bauern - und auch
die Vereinigten Staaten in einigen
Bereichen - profitieren, "wenn unsere
Bauern auf die sich bietenden Möglichkeiten reagieren und sich auf das
Verhalten der Bauern in anderen Ländern der Welt einstellen." Der Markt
und die Bauern sollten die Entscheidungen, zum Beispiel über den Standort für Agrarerzeugnisse einer bestimmten
Produktkategorie,
treffen
und nicht die Regierungen, deren Beschlüsse zu der gegenwärtigen verzerrten Situation beigetragen haben.
Auf die Bemerkung, daß diese äussert überzeugende Begründung für eine
landwirtschaftliche
Null-Lösung
jedoch alle Handelsnationen und insbesondere die EG vor unüberwindliche
politische Probleme stellen würde und
die daran anschließende Frage, ob
dieser Vorschlag vor allem in Europa
nicht schlicht als Schachzug bei den
Verhandlungen angesehen werde, antwortete Botschafter Yeutter:
"Wenn
dieser Ansicht in Europa Glauben geschenkt würde, wäre es eine bedauerliche
Fehlinterpretation
unserer
Überzeugungen".
Er sei sich jedoch
dessen bewußt, wie brisant dieses
Thema überall, auch in den Vereinigten Staaten sei, da er selbst sein
ganzes Leben lang mit Landwirtschaft
befaßt gewesen sei und in den vergangenen 15 Jahren Tausende von Gesprächen mit Landwirtschafts- und Handelsministern sowie Agrarfirmen geführt und Europa häufig genug besucht
habe, um mit diesen politischen Problemen vertraut zu sein.
Daher unterschätze er die mit einer Reform
dieser
Größenordnung
einhergehenden

politischen Schwierigkeiten in keiner
Weise. Die Herausforderung liege daher darin, kreative und einfallsreiche Wege zur Überwindung dieser zweifelsohne bestehenden enormen Probleme
zu finden und sich nicht mit halben
Lösungen
zufrieden
zu geben.
Die
Probleme müßten mit Optimismus angegangen werden und es sei keine Zeit
für defätistische Einstellungen, da
in den vergangenen 30 Jahren am Agrarsektor
stets nur
herumgenörgelt
worden sei und die Situation sich
enorm verschlechtert habe. Wir alle,
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft hätten uns dieser Herausforderung bereits vor mehr
als einem Jahrzehnt stellen müssen,
denn damals wäre es einfacher als
heute gewesen. "Dies ist umso bedauerlicher, da wir vor zehn Jahren dieselben Gründe anführten, weshalb wir
die Probleme nicht in Angriff nehmen
konnten - nämlich, daß es politisch
zu schwierig sei. Wenn wir uns jetzt
wieder drücken, dann werden wir in
zehn Jahren zu hören bekommen: 'Wie
sind wir in dieses Chaos geraten?
Warum hat nicht bereits vor einem
Jahrzehnt jemand etwas dagegen unternommen? ' "
Auf die in diesem Zusammenhang
gestellte Frage nach bestimmten Terminen antwortete der Botschafter, daß
definitiv in dieser Woche keine Sanktionen verhängt würden, da dem Verhandlungsprozeß zunächst jede mögliche Chance eingeräumt werden müsse.
Sanktionen würden erst dann verhängt,
wenn die Verhandlungen offensichtlich
aussichtslos erschienen.
Als Termin
sei zunächst der 1. Juli festgesetzt
worden, dann habe man gehofft, in der
vergangenen Woche zu einer Einigung
zu kommen, als die beiden EG-Kommissare in Washington waren, und jetzt
wolle man einen weiteren Versuch unternehmen.
Bezüglich
des
genauen
Termins wolle er keine Angaben ma-

- 10 -

�chen, da er dies persönlich mit Kommissar Leclerq besprechen wolle und
nicht wünsche, daß dies durch die Medien gehe.
Auf die Bemerkung, daß die Beendigung der Subventionen sich vorteilhaft für den Steuerzahler auswirken,
dagegen die mit dieser Politik einhergehenen
unvermeidbaren
Soziallasten den Steuerzahler belasten würden, verwies der Botschafter darauf,
daß man je nach Art der Soziallasten
unterscheiden
müsse,
jedoch
jede
Strukturanpassung soziale Kosten mit
sich bringe, die realistischerweise
in den politischen Entscheidungsprozeß eingebracht werden müßten.
"Unser Vorschlag bietet eine Möglichkeit, diese besonderen Soziallasten in den Verhandlungsprozeß einzubinden.
Daher wurde auch ein Sicherheitsnetz, das nicht an die Produktion gebunden
ist, von unserem
Vorschlag ausgenommen."
Die erforderliche Strukturanpassung "wird sich
nicht über Nacht vornehmen lassen und
sie wird Geld kosten. Wir werden dafür Sorge tragen, daß in allen Ländern ein Sicherheitsnetz geschaffen
wird, durch das die Soziallasten in
das System eingebracht werden."

* * * * * *
- 11

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

C*

22. Juli 1987

26

WIRD MOSKAU DIE "ECHTE NULL-LÖSUNG" AKZEPTIEREN?
- Von Kenneth L. Adelman -

(Der Autor dieses am 9. Juli 1987 in der New York Times veröffentlichten
Artikels ist Leiter des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung. )

WASHINGTON - (AD) - Die Sowjetunion hat öffentlich vom Abschluß
eines Abkommens über atomare Mittelstreckenraketen
gesprochen,
das
rechtzeitig zu einem möglichen Gipfeltreffen im kommenden Herbst Zustandekommen solle. Wenn die Sowjets
es mit diesem Zeitplan ernst meinen,
können sie zu dessen Verwirklichung
insbesondere eines tun: mit uns zusammen auf die weltweite Beseitigung
sowjetischer SS-20 und SS-4 Raketen
und amerikanischer Pershing II und
landgestützter Marschflugkörper hinarbeiten.
Diese "echte Null-Lösung"

United States Information Service
Embassy of the United States of America

würde die Verhandlungen beträchtlich
beschleunigen und die Verifizierung
erheblich vereinfachen.
Wie die Dinge heute stehen, würde
es der INF-Vertrag, über den gegenwärtig verhandelt wird, den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erlauben, 100 Gefechtsköpfe auf diesen
Raketen zu behalten - auf unseren Raketen in den Vereinigten Staaten und
denen der Sowjetunion im asiatischen
Teil
dieses Landes.
Darauf haben
sich Präsident Reagan und Generalsekretär Michail S. Gorbatschow in Reyk-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�javik im vergangenen Herbst verstandigt.
Ein solches Resultat wäre gegenüber der heutigen Situation, insbesondere unter dem zahlenmäßigen Gesichtspunkt, eine erhebliche Verbesserung. Die Bedrohung durch die SS20 würde radikal vermindert, wobei
die Sowjetunion über 400 dieser Raketen mit über 1 200 Gefechtsköpfen
vernichten müßte, die gegenwärtig Europa und Asien bedrohen, sowie über
100 SS-4 (mit je einem Gefechtskopf).
Das ist mehr als das Sechsfache
der Gefechtsköpfe, die auf den von
uns zu beseitigenden Pershing II und
langestützten Marschflugkörpern stationiert sind. Es übertrifft die Anzahl der 572 Gefechtsköpfe, die wir
ursprünglich
nach Durchführung
des
NATO-Doppelbeschlusses zu stationieren geplant hatten, um mehr als das
Doppelte.
Außerdem wäre dies das erste Abkommen, durch das die offensiven Nuklearwaffen
beträchtlich
reduziert
würden.
Berücksichtigt man die Tatsache, daß noch vor sechs Jahren Reduzierungen
dieses
Ausmaßes
als
"nicht
verhandlungsfähig"
abgetan
wurden, dann ist der heutige Portschritt ein Verdienst westlicher Entschlossenheit.
"Fast Null" ist gut, und wir sind
bereit, dies als Zwischenschritt zu
akzeptieren. Aber die echte Null-Lösung - die totale weltweite Abschaffung der Raketen - wäre weit besser.
Warum?
Erstens wäre die echte Null-Lösung einfacher zu verifizieren und,
was ebenso wichtig
ist, einfacher
durchzusetzen.
Im allgemeinen

sind Verbote ein-

facher zu verifizieren als Begrenzungen.
Wenn Moskau also der totalen
Abschaffung
der
Raketen
zustimmt,
dann könnte die Verifizierung vereinfacht werden. Insbesondere wären einige der im Falle einer vertraglich
erlaubten Beibehaltung einer geringen
Anzahl von Raketen und Abschußvorrichtungen erforderlichen einschneidenderen
Verifizierungsbestimmungen
in unserem Vertragsentwurf unnötig,
wenn
Produktion, Stationierung
und
Lagerung verboten würden.
Ein totales Verbot würde außerdem
das Vertrauen erhöhen, indem es das
Problem der Vertragseinhaltung vereinfacht. Bei fast Null können immer
wieder Frage auftauchen, ob entdeckte
mobile Raketen zulässig oder unzulässig sind. Bei der echten Null-Lösung
läge jedoch eine eindeutige, jedem
Bürger einleuchtende Vertragsverletzung vor, wenn wir eine Mittelstrekkenrakete
entdecken
würde.
Dies
könnte uns dabei helfen, endlose Kontroversen über die Frage sowjetischer
Betrügereien zu vermeiden. Es sollte
ebenfalls weniger Druck geben - wie
den Druck, dem wir heute aus gewissen
Kreisen ausgesetzt
sind -, sowjetische Vertragsverletzungen zu ignorieren oder hinzunehmen.

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