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VION

AMERIKA DIENST
4

Sonderdienst

15. Juni 1987

BERLINER MAUER NIEDERREISSEN FÜR DIE SACHE DES FRIEDENS
- Ansprache Präsident Reagans vor dem Brandenburger Tor -

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - In seiner am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor in
Berlin gehaltenen Rede forderte Präsident Reagan den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow auf, dieses Tor zu öffnen und die Mauer niederzureißen.
Er erklärte: "Nur' Freiheit führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt den Völkerhaß durch Einvernehmen und Frieden".
Reagan schlug darüber hinaus vor, Berlin wieder zu einem Zentrum der Luftfahrt zu machen, in der Stadt verstärkt internationale Konferenzen abzuhalten
und beide Teile der Stadt als Veranstaltungsort für eine Olympiade in Betracht
zu ziehen.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Herr Bundeskanzler Kohl, Herr Regierender Bürgermeister Diepgen, meine Damen und Herren.
Vor 24 Jahren hat Präsident John
F. Kennedy Berlin besucht und vor dem
Rathaus zu den Menschen dieser Stadt
und
der
ganzen
Welt
gesprochen.
Seitdem sind zwei Präsidenten in ihrer jeweiligen Amtszeit nach Berlin
gekommen. ich selbst unternehme heute meinen zweiten Besuch in diese
Stadt.
Wir

amerikanischen

Präsidenten

kommen nach Berlin, weil wir gerade
an diesem Ort von der Freiheit sprechen sollten. Aber ich muß gestehen,
daß es noch andere Dinge sind, die
uns hierhergeführt haben: das Gefühl
für Geschichte in dieser Stadt, die
mehr als 500 Jahre älter ist als unsere eigene Nation.
Die Schönheit
des Grunewalds und des Tiergartens.
Am meisten aber Ihr Mut und Ihre Entschlossenheit .
Vielleicht hat der Komponist Paul
Lincke die amerikanischen Präsidenten
richtig eingeschätzt.
Wissen Sie,

�ich komme heute hierher wie so viele
Präsidenten vor mir, weil, wo ich
auch hingehe und was ich auch tue:
"ich hab' noch einen Koffer in Berlin"
Unsere heutige Veranstaltung wird
in ganz Westeuropa und Nordamerika
ausgestrahlt.
ich denke, daß sie
auch im Ostblock zu hören und zu sehen sein wird.
ich möchte auch den Zuhörern in
Osteuropa
meine herzlichsten
Grüße
und die besten Wünsche des amerikanischen Volkes aussprechen. Denen,
die in Ost-Berlin zuhören, gebühren
einige besondere Worte.
Obwohl ich
nicht bei ihnen sein kann, richte ich
meine
Ansprache
selbstverständlich
ebenso an Sie wie an meine unmittelbaren Zuhörer. Ich stehe genauso zu
Ihnen wie zu ihren Landsleuten im Westen in dem festen, unerschütterlichen Glauben:
Es gibt nur ein
Berlin.
Hinter mir steht eine Mauer, die
die freien Sektoren dieser Stadt umschließt,
ein
Teil
der
massiven
Schranken, die den gesamten Kontinent
Europa spalten.
Südlich der Ostsee
schneiden
diese
Schranken
durch
Deutschland hindurch einen Riß aus
Stacheldraht, Beton, Hundelaufanlagen
und Wachtürmen. Weiter im Süden mag
es keine sichtbare, augenfällige Mauer geben.
Aber es bleiben trotzdem
noch die bewaffneten Wachposten und
Kontrolltürme - immer noch eine Einschränkung der Freizügigkeit, immer
noch ein Instrument, Menschen den
Willen eines totalitären Staates aufzuzwingen.
Es ist jedoch gerade in Berlin,
wo die Mauer am sichtbarsten aufragt;
sie spaltet die Stadt genau an der
Stelle, wo Zeitungsphotos und Fernsehschirme
diese
brutale
Teilung
eines Kontinents für das Bewußtsein

der Welt festhalten. Jeder Deutsche,
der vor dem Brandenburger Tor steht,
ist ein Mensch, der von seinen Landsleuten getrennt ist.
Jeder dieser
Menschen ist ein Berliner, der gezwungen ist, diese sichtbare Wunde zu
ertragen.
Präsident von Weizsäcker hat einmal gesagt:
Die deutsche Frage ist
so lange offen, wie das Brandenburger
Tor zu ist. Heute sage ich: solange
das Tor zu ist, solange wird diese
Mauer als Wunde forbestehen; es ist
nicht die deutsche Frage allein, die
offen bleibt, sondern die Frage der
Freiheit für die gesamte Menschheit.
ich komme jedoch nicht hierher,
um zu klagen.
Denn ich erkenne in
Berlin ein Signal der Hoffnung - im
Schatten dieser Mauer sogar ein Signal des Triumphes.
im Frühjahr 1945, als die Berliner aus ihren Luftschutzbunkern heraustraten, fanden sie Verwüstung vor.
Tausende von Kilometern entfernt bot
das Volk der Vereinigten Staaten seine Hilfe an; und im Jahr 1947 verkündete
Außenminister
George
Marshall
die
Schaffung
dessen,
was
als
Marshall-Plan bekannt werden sollte.
In diesem Monat vor genau vierzig
Jahren erklärte er: "Unsere Politik
richtet sich nicht gegen irgendein
Land oder irgendeine Doktrin, sondern
gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und
Chaos".
Gerade sah ich im Reichstag eine
Tafel, die an diesen 40. Jahrestag
des
Marshall-Plans erinnerte.
Ich
war beeindruckt von diesem Schild auf
einem alten, verfallenen Gebäudeteil,
der
gerade
wiederaufgebaut
wurde.
Ich weiß, daß Berliner meiner Generation sich daran erinnern können, solche Schilder im gesamten Westsektor
der Stadt gesehen zu haben.
Auf dem

- 2 -

�Schild
steht
ganz
einfach:
hilft der Marshall-Plan.
Zur
kung der freien Welt".

"Hier
Stär-

Eine starke und freie Welt - im
Westen ist dieser Traum Wirklichkeit
geworden.
Japan erhob sich aus den
Trümmern zu einer gigantischen Wirtschaftsmacht.
Frankreich,
Italien,
Belgien - nahezu jede Nation Westeuropas erlebte eine politische und
wirtschaftliche
Wiedergeburt.
Die
Europäische
Gemeinschaft wurde gegründet.
Im Westen Deutschlands und hier
in Berlin wurden Wunder vollbracht,
das "Wirtschaftswunder" fand statt.
Adenauer, Erhard, Reuter und andere
Politiker wußten um die praktische
Bedeutung der Freiheit - daß nur,
wenn
dem Journalisten
Redefreiheit
eingeräumt wird, die Wahrheit gedeihen kann, nur wenn Landwirte und Geschäftsleute wirtschaftliche Freiheit
genießen, kann Wohlstand entstehen.
Die deutschen Politiker setzten die
Zölle herab, entwickelten den freien
Handel und senkten die Steuern. Allein in den Jahren 1950 bis 1960 verdoppelte sich der Lebensstandard in
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
Berlin.

Aus der Zerstörung - aus bloßen
Ruinen - haben Sie, die Berliner, in
Freiheit eine Stadt wiederaufgebaut,
die wiederum als eine der großartigsten der Erde einzuordnen ist.
Die
Sowjets mögen andere Pläne gehabt haben. Aber meine Freunde, es gab einige Dinge, die die Sowjets nicht berücksichtigten: Berliner Herz, Berliner Humor und Berliner Schnauze.
In den fünfziger Jahren prophezeite
Chruschtschow:
"Wir
werden
Euch begraben". Aber heute erblicken
wir im Westen eine freie Welt, die
ein Niveau an Wohlstand und Wohlergehen erlangt hat, die in der Geschichte ihresgleichen suchen.
Die kommunistische Welt leidet unter Fehlschlägen,
technologischer
Rückständigkeit, einer Verschlechterung des
allgemeinen
Gesundheitszustandes.
Sogar eines der wichtigsten Grundbedürfnisse wird nicht befriedigt - Lebensmittel. Noch heute kann sich die
Sowjetunion nicht selbst ernähren.
Nach vier Jahrzehnten ist nun für
die
gesamte
Welt
klar:
Freiheit
führt zu Wohlstand. Freiheit ersetzt
den Völkerhaß durch Einvernehmen und
Frieden.
Freiheit siegt.

Wo vor vier Jahrzehnten nur Trümmer lagen, haben jetzt die Westsektoren Berlins die umfangreichste industrielle Produktion aller Städte in
Deutschland; Bürotürme, schöne Wohnanlagen
und
Siedlungen;
prächtige
Straßen und ausgedehnten Parks.
Wo
die Kultur einer Stadt zerstört zu
sein schien, gibt es heute zwei große
Universitäten,
Orchester
und
eine
Oper, zahllose Theater und Museen.
Wo einst Bedarf bestand, herrscht
heute Fülle - Lebensmittel, Kleider,
Autos, die wunderbare Warenwelt des
Ku'dämm.

Jetzt wird den Sowjets auch allmählich die Bedeutung der Freiheit
klar. Aus Moskau ist viel von einer
neuen Politik der Reform und Offenheit zu vernehmen. Einige politische
Gefangene sind freigelassen worden.
Bestimmte
ausländische
Nachrichtensendungen werden nicht länger gestört. Manche Wirtschaftsunternehmen
können jetzt freier von staatlicher
Kontrolle operieren.
Sind dies die Anfänge tiefgreifender Veränderungen im Sowjetstaat?
Oder sind es Scheingesten, die im

- 3 -

�Westen falsche Hoffnungen wecken oder
das sowjetische System festigen sollen, ohne es zu verändern? Wir sind
der Ansicht, daß Freiheit und Sicherheit zusammengehen - daß das Vorrükken der Menschenrechte die Sache des
Friedens nur vorantreiben kann. Die
Sowjets würden damit ein unmißverständliches Zeichen setzen, das die
Sache von Freiheit und Frieden dramatisch vorantreiben würde.
Generalsekretär Gorbatschow, wenn
Sie nach Frieden streben - wenn Sie
Wohlstand für die Sowjetunion und für
Osteuropa wünschen - wenn Sie die Liberalisierung wollen, dann kommen Sie
hierher zu diesem Tor.
Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor.
Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder.
Ich weiß um die Angst vor einem
Krieg und das Leid der Teilung, die
diesen Kontinent heimsuchen - und ich
verbürge mich für die Bemühungen meines Landes zur Überwindung dieser
Bürde.
Freilich bleibt es weiterhin
notwendig, uns der sowjetischen Expansion zu widersetzen.
Das heißt,
wir im Westen müssen eine starke Verteidigung aufrechterhalten.
Dennoch
streben wir nach Frieden.
Deshalb
werden wir darum ringen, die Waffen
auf beiden Seiten zu reduzieren.
Vor zehn Jahren begannen die Sowjets, das westliche Bündnis mit einer neuerlichen schwerwiegenden Bedrohung
herauszufordern:
zahllose
neue und gefährliche Nuklearraketen
des Typs SS-20, die in der Lage sind,
jede Hauptstadt in Europa zu treffen.
Das westliche Bündnis reagierte, indem es sich für eine Gegenstationierung einsetzte, bis daß die Sowjets
Verhandlungen über eine bessere Lö-

sung zustimmten - besonders der Abschaffung solcher Waffen auf beiden
Seiten. Viele Monate lang haben sich
die Sowjets geweigert, ernsthaft zu
verhandeln.
Als das Bündnis sich
darauf vorbereitete, seine Gegenstationierung
fortzuführen,
gab
es
schwierige Augenblicke - Augenblicke
heftiger Proteste wie die anläßlich
meines Besuches in dieser Stadt im
Jahr 1982 - und später zogen sich die
Sowjets vom Verhandlungstisch zurück.
Aber das Bündnis stand fest zusammen.
Und ich fordere diejenigen,
die damals protestierten - und die
heutigen Demonstranten - auf, sich
diese Tatsache zu merken:
Weil wir
stark blieben, sind die Sowjets an
den Verhandlungstisch zurückgekehrt.
Weil wir stark geblieben sind, besteht heute die Möglichkeit, nicht
nur die Zunahme der Waffen einzuschränken, sondern zum ersten Mal
eine gesamte Klasse nuklearer Waffen
von der Erdoberfläche zu beseitigen.
Gerade treffen sich die NATO-Minister in Island, um die jüngsten
Fortschritte zu überprüfen, die unsere Vorschläge hervorgebracht haben.
Ferner haben wir bei den Verhandlungen in Genf einschneidende Reduzierungen
strategische
Offensivwaffen
vorgeschlagen.
Und die westlichen
Verbündeten
haben
ihrerseits weitreichende Vorschläge zum Abbau der
Gefahr eines konventionellen Krieges
und vollständigen Abschaffung aller
chemischen Waffen unterbreitet.
Als
Teil
dieser
Anstrengungen
verbürge ich mich für die Aufrechterhaltung unserer
Fähigkeit zur Abschreckung
einer
möglichen
sowjetischen Aggression, auf welchem Niveau sie auch stattfinden mag.
Und
in Zusammenarbeit mit einigen unserer
Verbündeten betreiben die Vereinigten
Staaten
weiterhin die
Strategische

- 4 -

�Verteidigungsinitiative
- ein Forschungsprojekt,
das
Abschreckung
nicht auf die Androhung einer offensiven Vergeltung stützt, sondern auf
eine Verteidigung, die wahrhaft abwehrt; kurz gesagt, auf Systeme, die
die Bevölkerung nicht angreifen, sondern sie schützen.
Auf diesem Weg versuchen wir die
Sicherheit
Europas und der ganzen
Welt zu erhöhen.
Aber eins dürfen
wir nicht vergessen:
Ost und West
mißtrauen sich nicht, weil wir bewaffnet sind. Wir sind vielmehr bewaffnet, weil wir einander mißtrauen.
Und unsere Differenzen beziehen sich
nicht auf Waffen, sondern auf Weltanschauung. Als Präsident Kennedy vor
24 Jahren seine Ansprache vor dem
Rathaus hielt, war das freie Berlin
bedroht und belagert. Trotzdem kann
Berlin heute seiner Freiheit sicher
sein, trotz all des Drucks, der auf
dieser Stadt lastet.
Und die Idee
dieser Freiheit verwandelt die Erde.
Auf den Philippinen sowie in Südund Mittelamerika hat es eine Wiedergeburt der Demokratie gegeben.
Der
gesamte pazifische Raum bringt mit
Hilfe seiner Märkte ein Wunderwerk
nach dem anderen an wirtschaftlichem
Wachstum hervor. In den Industrienationen findet eine technologische Revolution statt - eine Revolution, die
von
schnellen,
dramatischen
Fortschritten im Bereich der Computertechnik und Telekommunikation geprägt
ist.
In Europa verweigert nur eine Nation den Beitritt zur freien Welt.
Der Weg ist auch anderen Ostblockstaaten versperrt...
Aber in diesem
Zeitalter des doppelten Wirtschaftswachstums, der Informationen und Innovation hat die Sowjetunion immer
noch die Wahl. Sie muß grundlegende
Veränderungen vornehmen oder sie wird

sich überleben.
Daher
besteht
heute
Hoffnung.
Wir im Westen sind bereit, gemeinsam
mit dem Osten an einer wahren Offenheit zu arbeiten - die Schranken niederzureißen, die die Menschen trennen, eine sicherere und freiere Welt
zu schaffen. Und sicherlich gibt es
keinen besseren Ort als Berlin, den
Angelpunkt von Ost und West, um damit
anzufangen.
Freie Berliner:
Heute vertreten
die Vereinigten Staaten wie in der
Vergangenheit die strikte Einhaltung
und volle Anwendung aller Teile des
Viermächte-Abkommens von 1971.
Lassen Sie uns diese Gelegenheit, den
750. Jahrestag dieser Stadt, zum Anlaß nehmen, um in ein neues Zeitalter
aufzubrechen - um nach einem noch
ausgefüllteren, reicheren Leben für
das Berlin der Zukunft zu streben.
Lassen Sie uns gemeinsam die Bindungen
zwischen
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
den
Westsektoren
Berlins aufrechterhalten und entwikkeln, wie dies im Abkommen von 1971
vorgesehen ist.
Und ich unterbreite Herrn Gorbatschow folgenden Vorschlag:
Bringen
wir die Ost- und Westteile der Stadt
enger zusammen.
Alle Bewohner der
gesamten Stadt Berlin sollen die Vorzüge genießen, die das Leben in einer
der größten Städte der Welt mit sich
bringt.
öffnen wir Berlin dem gesamten
Europa, Ost und West, gegenüber noch
weiter.
Durch eine Erweiterung des
lebenswichtigen
Zugangs
zu
dieser
Stadt auf dem Luftweg finden wir Wege,
den
kommerziellen
Luftverkehr
nach Berlin bequemer, vorteilhafter
und wirtschaftlicher zu machen. Wir
sehen dem Tag entgegen, an dem WestBerlin eines der wichtigsten Zentren

- 5 -

�der Luftfahrt im gesamten Mitteleuropa werden kann.
Gemeinsam mit ihren französischen
und britischen Partnern möchten die
Vereinigten Staaten es ermöglichen,
zusätzliche internationale Konferenzen in Berlin abzuhalten.
Es wäre
für Berlin nur angemessen, als Veranstaltungsort für die Konferenzen der
Vereinten Nationen zu dienen, oder
für Konferenzen über Menschenrechte
und
Rüstungskontrolle
oder
andere
Problemkreise, die eine internationale Zusammenarbeit verlangen.
Wenn wir den Horizont junger Menschen erweitern, dienen wir auch der
Stärkung der Hoffnung für die Zukunft.
Zur Erlangung dieses Ziels
möchten wir Sommeraustauschprogramme,
kulturelle Veranstaltungen und Programme für junge Berliner aus dem
Osten fördern.
Ich bin sicher, daß
unsere französischen und britischen
Freunde dasselbe tun werden. Und ich
hege die Hoffnung, daß in Ost-Berlin
eine entsprechende
Stelle gefunden
werden kann, die Besuche junger Menschen aus den Westsektoren ausweitet.
Und nun zu einem letzten Vorschlag, der mir sehr am Herzen liegt.
Der Sport stellt eine Quelle der
Freude und Weiterentwicklung dar, und
Sie werden bemerkt haben, daß die Republik Korea - Südkorea - ihre Zustimmung erteilt hat, daß einige Veranstaltungen der Olympiade von 1988
im Norden des Landes stattfinden können. Warum können nicht internationale sportliche Wettbewerbe verschiedenster Art in beiden Teilen dieser
Stadt abgehalten werden?
Und wie
könnte man besser die Offenheit dieser Stadt dokumentieren als durch das
Angebot, in naher Zukunft die Olympischen Spiele hier in Berlin, im Osten
und im Westen, abzuhalten?

Wie ich bereits erwähnt habe, haben Sie, die Berliner, in diesen vier
Jahrzehnten
eine
großartige
Stadt
wiederaufgebaut. Sie haben das trotz
vieler Bedrohungen getan:
Die Sowjets versuchten, zum Beispiel bei
Ihnen die Ostmark als Währung einzuführen. Es gab die Blockade. Trotz
der Herausforderungen der Mauer blüht
diese Stadt heute.
Was hält Sie hier?
Sicherlich läßt sich viel über
Ihre Stärke und Ihre Entschlossenheit
sagen.
Aber
ich glaube, dahinter
steht noch etwas anderes. Der gesamte Charakter Berlins, sein Lebensgefühl und seine Lebensart. Nicht nur
Idealismus - niemand könnte lange in
Berlin leben, ohne seiner Illusionen
völlig beraubt zu werden. Sie haben
die Schwierigkeiten
des Lebens in
Berlin erkannt, aber dennoch die Entscheidung getroffen, sie zu akzeptieren.
Dadurch wird diese großartige
und stolze Stadt ständig weiterentwickelt. Welch ein Gegensatz zu einer totalitären Umgebung, die keine
menschlichen Kräfte oder Hoffnungen
freisetzt.
Sie sprechen mit einer
mächtigen Stimme der Zustimmung - die
diese Stadt und ihre Zukunft bejaht,
ein "ja" zur Freiheit.
Das heißt,
das, was Sie in Berlin hält, ist die
Liebe - eine tiefe und aufrichtige
Liebe.
Hier treffen wir den Kern der Sache, den grundlegendsten Unterschied
zwischen Ost und West. Die totalitäre Welt bringt Rückständigkeit hervor, weil sie dem Geist Gewalt antut,
dem menschlichen Drang zuwiderläuft,
zu schaffen, zu genießen und zu verehren.
Für die totalitäre Welt stellen
sogar die Symbole der Liebe und des
Glaubens eine Herausforderung dar.

- 6 -

�Bevor die Ost-Berliner ihre Kirchen
wiederaufbauten, haben sie ein weitliches Monument errichtet, das die
Stadt dominiert - den Fernsehturm am
Alexanderplatz.
Seither haben die
Behörden daran gearbeitet, um das zu
korrigieren, was sie als den wesentlichsten Mangel des Turms ansagen;
sie behandelten den oberen Glasbereich mit verschiedenen Farben und
Chemikalien.
Dennoch erstrahlt dieser Bereich - der sich über das gesamte Berlin erhebt - auch heute noch
beim Sonneneinfall
im Zeichen des
Kreuzes. Dort in Berlin können Symbole der Liebe und des Glaubens genauso wie die Stadt selbst nicht unterdrückt werden.
Als ich gerade aus dem Reichstag
blickte
- dieser Verkörperung der
deutschen Einheit - fielen mir diese
an die Mauer gesprühten Worte auf,
die vielleicht von einem jungen Berliner stammen und eine Antwort auf
die deutsche Frage darstellen: "Diese Mauer wird fallen.
Glaube wird
Wirklichkeit".
Ja, quer durch Europa wird die
Mauer fallen.
Denn sie kann dem
Glauben nicht standhalten. Sie kann
der Wahrheit nicht standhalten.
Die Mauer wird der Freiheit nicht
standhalten können.
Vielen Dank.

* * * * * *
- 7 -

�</text>
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