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                  <text>AMERIKA DIENST

1 0 . J u n i 1987

22

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Marshall-Plan leitete 'Zeitalter der Freiheit* ein
- Präsident Reagans Ansprache an die Jugend Europas Niedrigeres Rüstungsniveau zur Stabilisierung der Ost-WestBeziehungen angestrebt
- Erklärung der Gipfelpartner Öltransport muB im Golf fortgesetzt werden können
- Erklärung der Gipfelpartner Gipfelpartner erzielen Einigung über Sanktionen zur
Terror ismusbekämpfung
- Erklärung zum Terrorismus Schlußkommunique des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig
- Wortlaut der Erklärung -

WIRTSCHAFT
Teilweise Aufhebung der Handelssanktionen gegen Japan
- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Starttermin für nächsten Raumtransporter-Flug

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. Juni 1987

22
DER MARSHALL-PLAN LEITETE "ZEITALTER DER FREIHEIT" EIN
- Präsident Reagans Ansprache an die Jugend Europas -

VENEDIG - (AD) - In seiner am 5. Juni im "Worldnet", dem per Satellit übertragenen Programm des US-Informationsamtes (USIA), gehaltenen Rede an die Jugend
Europas bezeichnete Präsident Reagan den Marshall-Plan als Beginn eines "neuen
Zeitalters der Freiheit, eines neuen Zeitalters der Hoffnung und des Wohlstandes, die in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen - für die
ganze Welt ein Vorbild dessen, was der freie Mensch erreichen kann". Reagan
wies darauf hin, daß die durch das schnelle Entstehen moderner Technologien
beeinflußte Weltwirtschaft gegenwärtig tiefgreifenden Umwandlungen ausgesetzt
ist, die "nach Freiheit verlangen".
Der Präsident erklärte ferner, daß die vom 8. bis 10. Juni am Weltwirtschaftsgipfel in Venedig teilnehmenden sieben wichtigsten Industrienationen
ihren Beitrag zur Stärkung von Freiheit und wirtschaftlichem Wohlstand leisten
können, indem sie gemeinsame Maßnahmen anwenden, die neue Möglichkeiten und
Wachstum für die Wirtschaft hervorbringen.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Guten Tag. Ich spreche heute aus
Venedig über das Satellitenprogramm
"Worldnet" zu Ihnen.
Ich bin hierhergekommen, um anläßlich des 13.
Weltwirtschaftsgipfels
mit
den
Staats- und Regierungschefs von Japan,
Frankreich,
Kanada,
Italien,
Großbritannien und der Bundesrepublik
Deutschland zusammenzutreffen.
Unsere Aufgabe wird darin bestehen, festzustellen, wie wir uns als Gemeinschaft auf die Herausforderung eines
neuen Jahrhunderts vorbereiten können.
Wir richten unseren Blick in die

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Zukunft - und aus diesem Grunde möchte ich in den nächsten Minuten meine
Ausführungen besonders an die Jugend
Europas richten.
Gestatten Sie mir
als einem Menschen, dessen Leben den
größten Teil dieses Jahrhunderts umspannt, einige Beobachtungen über das
nächste Jahrhundert - über eine Zukunft der wachsenden Hoffnungen und
Möglichkeiten, in der Träume Wirklichkeit werden können, wenn wir nur
den Mut haben, sie weiterzuverfolgen.
Vor nicht allzulanger Zeit, im
vergangenen Jahrzehnt, war es Mode,

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Telex: 8-85432

�über das Zeitalter der Grenzen zu
sprechen.
Es wurde behauptet, die
Ressourcen der Welt gingen zu Ende,
die Welt stehe kurz vor dem Untergang, würde immer ärmer. Es war eine
Zeit der zurückgehenden Erwartungen,
in der die Menschen lernen mußten,
mit weniger auszukommen.

kann, wenn die totalitären Länder
keine Reformen durchführen - der einzige Kurs, den die Welt beim Eintritt
in das 21. Jahrhundert einschlagen
kann, besteht in der Wahl von Freiheit und freien Gesellschaften, die
das gesamte Potential der Menschheit
freisetzen.

In jenen Jahren machte die westliche Welt etwas durch, das nur als
Krise des Vertrauens in unsere Grundwerte beschrieben werden kann.
Es
waren zunehmend stimmen über die sogenannte "Annäherung" der freien Welt
und der kommunistischen Länder zu
vernehmen. Es wurde behauptet, Freiheit sei ein Luxus, den wir uns nicht
länger leisten könnten.
Angesichts
der Zwangslage einer kleiner werdenden Welt müßten die freien Nationen
immer mehr von ihren wirtschaftlichen
und politischen
Freiheiten abgeben
und
zunehmend staatliche
Kontrolle
akzeptieren.

Die Welt und ihre Wirtschaft befinden sich inmitten einer tiefgreifenden Umwandlung.
Manchmal vollzieht sich dieser Wandel so schnell,
daß man ihm kaum folgen kann, aber
lassen Sie mich Ihnen nur einige Beispiele für die technologische Revolution anführen.
Diese Beispiele sollen als Maß dafür dienen, wie weit
wir gekommen sind, sowie als Richtschnur, die uns den Weg weist.

Ich möchte Ihnen heute darlegen,
wie und warum das Gegenteil eingetreten ist, wie das "Zeitalter der Grenzen" durch eine Wiederbelebung politischer und wirtschaftlicher Freiheit
hinweggefegt wurde, wie unsere Volkswirtschaften in ein neues Zeitalter
eintraten, in dem sie die Grenzen der
materiellen Ressourcen überschritten.
Gegenwärtig ist nicht die "Annäherung", sondern der Unterschied zwischen den freien und unfreien Ländern
deutlicher geworden - während die totalitären Staaten zunehmend von "Offenheit" und "Liberalisierung" sprechen, sollten sie in Anerkenntnis
dessen, und sei es nur zum überleben,
ihren Gesellschaften
mehr
Freiheit
einräumen.
Und ich möchte heute zu Ihnen
darüber sprechen, wie dieser Unterschied
zwischen demokratischen und
totalitären Staaten nur noch zunehmen

Angesichts der Anstrengungen der
Zeitungen,
mit
den
offensichtlich
täglichen Durchbrüchen in den Labors
Schritt zu halten, ging in jüngster
Zeit oft der Begriff "Supraleitfähigkeit" durch die Schlagzeilen.
Erst
vor einem halben Jahr galt Supraleitfähigkeit
als
wissenschaftliches
Randgebiet, als Phänomen von geringem
praktischen Nutzen.
Jetzt vertreten
Wissenschaftler die Ansicht, es könne
unser Leben verändern.
"Es zeigt,
daß all die von uns gehegten Träume
Wirklichkeit werden können", erklärte
ein Forscher.
"Der Himmel ist die
Grenze".
Wissenschaftler
sprechen
von
Hochgeschwindigkeitszügen,
die
über
Gleise schweben. Autohersteller planen bereits elektrische Autos. Manche sind der Ansicht, Sonnenenergie
könnte konkurrenzfähig werden.
Alles, was mit Strom funktioniert, wie
etwa Motoren, Generatoren, Kabel und
Magnete, könnte auf verblüffende Art
und Weise
leistungsfähiger
werden.
Das bedeutet eine geringere Abhängigkeit von ausländischem öl, weniger

- 2 -

�Umweltverschmutzung und eine sauberere Umwelt - es würde wie eine Adrenalinstoß auf die Weltwirtschaft wirken, das Wachstum und die Schaffung
von Arbeitsplätzen vorantreiben und
die Lebensqualität aller verbessern.
Durch
Supraleitfähigkeit
wird
eine andere Revolution beschleunigt die täglich in der Computerindustrie
stattfindende Revolution.
Ein jüngster Vorstoß ist der neue HalbleiterChip. Bei bestimmten Aufgaben könnte
eine Handvoll dieser Chips, die pro
Stück etwa zwei Dollar kosten, Supercomputern im Wert von Abermillionen
Dollar überlegen sein. Der folgende
Vergleich stammt von einem Wissenschaftler.
Wenn die Technologie im
Automobilbereich so schnell fortgeschritten wäre wie die HalbleiterTechnologie
in den vergangenen 20
Jahren, so kostete diesem Wissenschaftler
zufolge ein Rolls Royce
jetzt weniger als drei Dollar, mit
einer Gallone Treibstoff könnte man
drei Millionen
Meilen zurücklegen,
genug Strom erzeugen, um einen Ozeandampfer anzutreiben, und sechs solcher Chips wären nur so groß wie ein
Stecknadelkopf.
Dies ist jedoch mehr als eine explosionsartige Entwicklung der Produktivität.
Die heutigen Computer
werden in der geheimnisvollen Welt
der Quantenphysik betrieben und signalisieren einen Quantensprung in der
Weltwirtschaft. Wir bewegen uns von
der Wirtschaft der industriellen Revolution - einer Wirtschaft, die sich
aus den materiellen Ressourcen und
Bodenschätzen der Erde versorgt und
an diese gebunden ist - zu einer
"Wirtschaft des Verstandes", wie das
Buch
eines
Wirtschaftswissenschaftlers betitelt ist, in der menschliche
Phantasie, Kreativität und Mut die
wertvollsten Grundstoffe bilden.

Denken Sie nur an diesen kleinen
Computerchip.
Solche Chips sind die
treibende Kraft der modernen Wirtschaft, aber sie werden aus dem Silikon des Sandes, einem der gewöhnlichsten Stoffe der Erde, gewonnen. Ihr
Wert besteht nicht in dem Material,
aus dem sie hergestellt werden, sondern in dem mikroskopischen Aufbau,
zu dem sie vom genialen menschlichen
Verstand zusammengefügt werden. Oder
nehmen
sie
dieses
"Worldnet"-Programm, das durch eine Satellitenschaltung
übertragen wird.
Dieser
Satellit
- Produktion
menschlichen
Erfindergeistes
- ersetzt
Tausende
von Tonnen aus der Erde gegrabenen
und zu Kabeln gedrehten Kupfers. Wir
bewegen uns von einem Zeitalter der
Objekte in ein Zeitalter der Gedanken, des Triumphes von Geist über Materie. Es ist der Verstand des Menschen - frei für Erfindungen, Experimente, Träume - der die Wirtschaft
und die Welt der Zukunft gestalten
wird.
Das
sind
allerdings
schlechte
Nachrichten für dirigistische Systeme.
Der zentral gelenkte Staat kann
aus dem Boden Metalle oder öl fördern.
Obwohl weniger produktiv als
eine freie Wirtschaft, kann er riesige Fabriken und Fließbänder betreiben.
Aber er kann nicht den Geist
des
Unternehmertums
hervorbringen.
Er kann nicht die Wagnisse freier
Märkte imitieren oder das innovative
Element von Experimenten, die Wissen
und Fortschritt mit sich bringen.
Keine Regierung kann den Unternehmer
schaffen, oder diesen Funken der Erfindung entzünden. Alles was sie tun
können, ist ihre Menschen freizugeben
- ihnen die Freiheit des Geistes und
der Seele zu gewähren.
Einige vertreten die Ansicht, daß
staatliche
Planung
wirkungsvoller
ist, da man sich auf Steuervergünsti-

- 3 -

�gungen und andere Subventionen für
Unternehmen verlassen kann.
Schätzungsweise 70 Prozent der nahezu 14
Millionen neu geschaffenen Arbeitsplätze sind aus neuen, kleinen und
wachsenden Firmen entstanden.
Eines
der
erfolgreichsten
Computer-Unternehmen in Amerika wurde von zwei
College-Studenten in der Garage hinter ihrem Haus gegründet.
Der fruchtbarste und am schnellsten wachsende Sektor einer
jeden
Wirtschaft ist der Bereich, der bis
jetzt erst als Traum in einem Kopf
oder als Eingebung in einem Herzen
besteht. Niemand kann jemals vorhersagen, wo der Wandel seinen Ursprung
haben wird oder etwa die Industrien
der Zukunft vorhersehen.
Keine Regierung würde je diese beiden jungen
Männer als Zielgruppe angesehen haben, die Tag und Nacht arbeiteten, um
ihren Traum in einer Garage zu verwirklichen.
Beim
diesjährigen
Wirtschaftsgipfel in Venedig sehen wir um uns
herum eine Weltwirtschaft, die von
raschen Veränderungen gekennzeichnet
ist - und es sind Veränderungen, die
nach Freiheit verlangen. Was können
die Regierungen tun? Sie können das
tun, was unsere Gipfelpartner in die
Wege geleitet haben, angefangen von
politischen Maßnahmen, die neue Möglichkeiten und Wachstum für die Wirtschaft fördern - niedrige Steuersätze, Privatisierung und Aufhebung der
Kontrolle.
Sie
sollten
ferner
Schritte zum Abbau der handelsverzerrenden Subventionen und eines Arbeitsrechts unternehmen, das Arbeitslosigkeit fördert.
Ganz oben auf unserer Tagesordnung werden auch die Maßnahmen stehen, mit denen wir die Zusammenarbeit
zwischen unseren Ländern verbessern
können.
AgrarSubventionen waren zum

Beispiel eine der schlimmsten Missetaten, die für unsere zunehmenden
Handelsspannungen verantwortlich waren.
Laßt
uns
gemeinsam
diesen
kostenintensiven Agrarwettlauf abbrechen, indem wir uns für das Jahr 2000
das ziel einer Welt setzen, in der es
keine Subventionen mehr gibt. In der
Zwischenzeit müssen wir unsere Verpflichtung zum Abbau der Wechselkursschwankungen und zur Ankurbelung des
Wirtschaftswachstums
einhalten.
In
Deutschland
verlangsamt
sich
das
Wirtschaftswachstum
und damit verlangsamt sich das Wachstum in ganz
Westeuropa.
Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß die Bundesrepublik
Deutschland der Verpflichtung
zur Wiederbelebung ihrer stagnierenden Wirtschaft nachkommt. Auch Japan
könnte dazu beitragen, das Ungleichgewicht der Weltwirtschaft zu beheben, indem es das Ungleichgewicht
seiner
eigenen Wirtschaft zurechtrückt. Es ist an der Zeit, daß Japan
dem Nachholbedarf der Verbrauchernachfrage im eigenen Land freien Lauf
läßt.
Gestattet
dem
japanischen
Volk, mehr von dieser beachtlichen
Wirtschaft zu profitieren, an deren
Aufbau es so hart gearbeitet hat.
ich
weiß,
daß
Premierminister
Nakasone dies erkannt und dem japanischen Unterhaus kürzlich ein Maßnahmenprogramm
vorgelegt hat.
Das
japanische Versprechen, den Entwicklungsländern zur Erleichterung ihrer
enormen Schuldenlast mehr als 20 Milliarden Dollar Finanzhilfe zu gewähren,
ist
ebenfalls
ein
positiver
Schritt in diese Richtung.
Wenn wir das amerikanische Haushaltsdefizit betrachten, so können
wir wahrhafte Fortschritte verzeichnen. Aber wir müsssen noch mehr tun.
In den vor uns liegenden Monaten werde ich mich, wie ich es bei der Steuerreform getan habe, direkt an das
amerikanische Volk wenden. Ich werde

- 4 -

�erklären, daß wir jegliche Sonderrechte in unserem Steuersystem abgeschafft haben - und jetzt ist es an
der Zeit, unseren Haushalt davon zu
befreien. Es ist Zeit für eine echte
Haushaltsreform.
Und nicht zuletzt müssen alle Nationen dem Ruf nach Protektionismus
widerstehen.
Der sogenannte Protektionismus ist so schädlich wie eine
Droge.
Er wird zur Zerstörung all
derer führen, die ihn anwenden. Und
deshalb nenne ich ihn "destruktivistisch", denn das einzige, was er hervorbringt
ist,
Verlangsamung
des
Wachstums, Vernichtung von Arbeitsplätzen und Behinderung des Fortschritts. Während wir dem Beginn eines neuen Jahrhunderts entgegengehen,
wiegen jedoch die Möglichkeiten bei
weitem die Probleme auf, mit denen
wir uns konfrontiert sehen. Wenn wir
die Welt betrachten, sehen wir ein
zunehmendes Maß an Freiheit. Während
freie Märkte Asien beleben, finden in
Mittel- und Südamerika immer häufiger
freie Wahlen statt.
In Afrika sind
sich viele der politisch Verantwortlichen
einig,
daß
Freiheit
den
Schlüssel für die Entwicklung darstellt.
In China bedeuten Reformen
für mehr als eine Milliarde Menschen
einen ersten Geschmack von Freiheit.
Dennoch dürfen wir darüber nicht vergessen, daß dieser Woge der Freiheit
heute eine unversöhnliche Realität
entgegensteht.
Nächste Woche werde
ich mich an die Menschen in WestBerlin wenden.
ich werde vor der
Mauer stehen, die wie eine offene
Wunde im Herzen Europas klafft - die
Mauer, die all das verkörpert, was
unseren
demokratischen
Werten
der
Freiheit und Menschenrechte am feindseligsten gegenübersteht.
Ein
Regime,
das
von
solcher
Furcht vor seinem eigenen Volk beseelt ist, daß es dieses Volk hinter

einer Mauer einsperren muß, ist ein
Regime, das stets eine Quelle der
Spannungen in Europa darstellen wird.
Es wird sich immer mit den freien
Menschen überall auf der Welt in Widerstreit befinden.
wie der Zufall
es will, ist der heutige 5. Juni der
40. Jahrestag der feierlichen Einführung des Marshall-Plans.
Jene Tage
waren von erheblicher Großzügigkeit
und überragendem Mut gekennzeichnet als sich die Länder Europas aus der
Asche des Krieges erhoben, ihre jahrhundertealten
Feindseligkeiten
beilegten und sich gemeinsam mit Amerika
an den Aufbau eines neuen Zeitalters
der Freiheit und des Wohlstands begaben.
Im Geiste jener Zeit bot Amerika
allen europäischen Nationen die Vergünstigungen des Marshall-Plans an:
Ost und West, einschließlich der Sowjetunion.
Die Grundregeln lauteten
einfach: Offenheit und guter Wille alle Länder mußten ihre Bücher offenlegen und keinem Land wurde gestattet, den Plan zugunsten politischem
Profits zu manipulieren. Einige Länder
unter
sowjetischer
Herrschaft
hatten gehofft, an dem Plan teilhaben
zu können - aber Stalin befahl deren
Vertreter nach Hause zurück. Die Sowjets erlaubten ihnen nicht, ihre Bücher - oder ihre Länder - dem frischen Wind der Freiheit und des Unternehmertums zu öffnen.
Wir haben viel über den sowjetischen Wunsch nach einer Beteiligung
an der Weltwirtschaft gehört - und
nicht mehr länger das fünfte Rad am
Wagen sein zu wollen.
Die Grundregeln bleiben die gleichen wie vor 40
Jahren.
Kein Spielverderber
sein.
Keine Manipulation der Weltorganisationen für politische Vorteile. öffnet die Wirtschaft, öffnet das politische System.
öffnet die Grenzen.
Laßt die Menschen gehen.
Laßt sie

- 5 -

�reisen, wohin sie wollen, und leben,
wo sie wollen.
Laßt sie ins Licht
der Freiheit eintauchen.
Und
noch
ein
weiterer
Punkt:
Laßt die Waffen zu Hause. Gebt Afghanistan auf - sie haben dort nichts
zu suchen. Baut die auf Europa gerichteten Waffen ab. Dann werden wir
sie gerne als konstruktiven Partner
bei unseren Projekten für das 21.
Jahrhundert willkommen heißen.
Als ich das letzte Mal an einem
Wirtschaftsgipfel in Europa teilnahm,
gingen viele junge Menschen auf die
Straße, um zu demonstrieren.
Sie
forderten das Ende der Atomwaffen.
Wie gerne wollte ich sie wissen lassen, daß ich im Herzen mit Ihnen
fühlte, daß auch ich den Tag herbeisehnte, an dem die Menschheit frei
vom Schrecken der nuklearen Vernichtung leben könnte.
Aber die Aufgabe war nicht so
leicht, wie einfach einen Vertrag zu
unterzeichnen. Die Mauer, die Europa
teilt - die unter Mißachtung der sowjetischen Versprechungen und jeden
menschlichen Anstandes errichtet wurde - hat uns dies bewiesen.
Wir
konnten unsere Freiheit und unser Leben nicht für eine so fadenscheinige
Sicherheit verpfänden. Wenn ein Vertrag überhaupt etwas wert sein soll,
muß er durch Inspektionen vor Ort verifizierbar sein. Er muß die Gesamtzahl der Waffen auf beiden Seiten
entscheidend
verringern, und nicht
einfach die Aufrüstung kodifizieren,
wie dies Verträge in der Vergangenheit so häufig getan haben. Am wichtigsten ist, daß keine Seite überlegen oder verwundbar sein darf.
Unsere Beharrlichkeit und Standhaftigkeit könnte sich jetzt in einem
Abkommen bezahlt machen, das sehr in
unserem Interesse liegt und unsere
- 6

Bedingungen erfüllt.
Wir
Ziel natürlich noch nicht
einige entscheidende Fragen
offen. Aber die Aussichten

haben das
erreicht;
sind noch
sind gut.

Es ist wichtig zu betonen, daß
der jetzt von uns ausgehandelte Vertrag über Mittelstreckenwaffen nicht
das Ende, sondern den Anfang von Abrüstungsbemühungen darstellt.
Unsere
höchste
Priorität bleibt weiterhin
der einschneidende, gerechte und verifizierbare Abbau der interkontinentalen nuklearen Waffensysteme.
Und
so lange die Sowjetunion chemische
Waffen hortet und umfassende konventionelle Streitkräfte unterhält, die
auf ihrem eigenen Territorium und in
Ost-Europa in Angriffsposition stehen, müssen die freien Nationen Europas stark und bereit bleiben, in Anbetracht der sowjetischen Überlegenheit bei diesen Streitkräften müssen
wir sogar unsere konventionelle Verteidigungsfähikeit
verbessern,
so
schwierig und teuer das auch sein
mag.
Die Vereinigten Staaten werden
ihre Verpflichtung zur Verteidigung
Europas nicht aufgeben.
Wir werden
die Glaubwürdigkeit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion aufrechterhalten, die uns gut gedient hat und
weiterhin das Kernstück der Strategie
des Bündnisses bildet.
Gleichzeitig liegt unser höchstes
Ziel auch weiterhin nicht nur darin,
nukleare Waffen zu reduzieren und zu
beschränken, sondern darin, diese für
immer überflüssig zu machen, und eine
auf Hochtechnologie basierende Verteidigung zu schaffen, die nukleare
Waffen zerstört, bevor diese den Menschen zerstören können. Die technologischen Durchbrüche, auf die ich
zuvor hingewiesen hatte - Supraleitfähigkeit und Großcomputer auf einem
Chip - könnten uns sehr schnell dem
Tag näherbringen, an dem die Menschheit nicht mehr länger vor den vom

�Himmel kommenden Schrecken Angst haben muß, wenn wir frei, zuversichtlich, sicher und friedlich atmen können.
Wenn ich den jungen Leuten Europas eine Botschaft vermitteln kann,
dann diese:
Die Geschichte ist auf
Seiten der Freien. Hoffnung und unerschütterlicher
Glaube
an
unsere
grundsätzlichen
Werte der
Freiheit
und Menschenrechte - dies sind die
einzigen Leitlinien, die wir brauchen, um nicht nur ins 21. Jahrhundert, sondern ins dritte Jahrtausend
zu reisen.
Die in der westlichen
Welt noch vor einem Jahrzehnt bestehende Krise des Vertrauens ist durch
Stärke und Zuversicht ersetzt worden.
Nun spricht der Osten von Offenheit,
von "Glasnost". Wir hoffen, daß die
ersten wenigen Anzeichen eines Wandels in der Sowjetunion auf einen
wirklichen
Wunsch hindeuten, diese
geschlossene Gesellschaft zu öffnen.

des Marshall-Plans feiern, können wir
stolz auf das sein, was wir gemeinsam
geschaffen haben:
Ein neues Zeitalter der Freiheit, ein neues Zeitalter
der Hoffnung und des Wohlstandes, die
in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen - für die ganze
Welt ein Vorbild dessen, was der
freie Mensch leisten kann.
Dies ist eine andere Welt als vor
40 Jahren.
Die jüngere Generation
Europas, also diejenigen von ihnen,
die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, mußten nicht die Zerstörung und den Kummer aus der Zeit Ihrer Eltern erleiden. Aber Ihre Herausforderung ist nicht weniger groß sie besteht in nichts Geringerem, als
das Versprechen an die Zukunft anzunehmen und die Lehren unserer Freiheit an eine wartende Welt weiterzugeben.

Die Wahl liegt bei ihnen:
Sie
können entweder am Fortschritt der
Geschichte teilhaben, oder aber immer
weiter in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit
zurückfallen.
Wir
können uns auf den Tag freuen, an dem
die Technologie die Bedrohung des gegenseitigen nuklearen Schreckens abschafft - wenn nicht mehr lediglich
eine Ansammlung
gewaltiger
Vorräte
von Nuklearwaffen eine Nation zur Supermacht werden läßt, dann wird die
Sowjetunion als das erscheinen, was
sie wirklich ist: Ein Land, das individuelle
Freiheiten
einer
antiquierten
materialistischen
Philosophie des 19. Jahrhunderts geopfert
hat - ein Beispiel für die Welt, wie
man ein Land nicht regieren sollte.
Der Gegensatz zwischen Totalitarismus
und Freiheit wird sogar noch deutlicher werden.
Wenn wir heute den 40. Jahrestag
- 7 -

Vielen Dank und Gott schütze Sie.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VoN^

10. Juni 1987

22
NIEDRIGERES RÜSTUNGSNIVEAU ZUR STABILISIERUNG
DER OST-WEST-BEZIEHUNGEN ANGESTREBT
- Erklärung der Gipfelpartner -

VENEDIG - (AD) Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden
westlichen Industrienationen bekundeten in ihrer am 9. Juni in Venedig abgegebenen Stellungnahme die Absicht, "den militärischen Wettlauf zwischen Ost und
West auf niedrigerem Rüstungsniveau zu stabilisieren".
Die Gipfelpartner erklärten ferner, sie verfolgten "mit aufmerksamem Interesse die jüngsten innen- und außenpolitischen Entwicklungen in der Sowjetunion" und drückten die Hoffnung aus, daß diese sich zur "Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen
den Ländern in Ost und West als sehr bedeutsam erweisen werden".
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
1.
Wir, die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten und die Vertreter der
Europäischen Gemeinschaft, haben die
Ost-West-Beziehungen
erörtert.
Wir
bekräftigen unsere gemeinsamen Grundsätze und Ziele sowie unser gemeinsames Bekenntnis zur Wahrung und Stärkung des Friedens.
2.
Mit Stolz erkennen wir, daß
die Dynamik und der Wohlstand der Gesellschaft unserer Länder in unseren
gemeinsamen Werten der Freiheit, der
Demokratie und der Achtung der Men-

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Embassy of the United States of America

schenrechte
ihren
Ursprung
haben.
Wir bekennen uns erneut zu der Verpflichtung, nach einer freien, demokratischeren und humaneren Welt zu
streben.
3.
Innerhalb
der
bestehenden
Bündnisse ist jeder von uns entschlossen, eine starke und glaubwürdige Verteidigung aufrechtzuerhalten,
welche die Sicherheit keines Staates
bedroht, die Freiheit schützt, Aggression durch Abschreckung verhindert und den Frieden wahrt. Wir werden uns weiterhin über alle unsere

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�gemeinsamen Belange betreffenden Angelegenheiten eingehend konsultieren.
Von den Grundsätzen, die uns alle
leiten, werden wir nicht abgehen.
4. Seit unserem letzten Treffen
haben sich neue Chancen für Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen
ergeben. Wir fühlen uns durch diese
Entwicklung ermutigt. Sie bestätigen
die Solidität der Politik, die jeder
von uns in seiner Entschlossenheit,
eine freiere und sicherere Welt zu
schaffen, verfolgt hat.
5. Wir verfolgen mit aufmerksamem Interesse die jüngsten innen- und
außenpolitischen Entwicklungen in der
Sowjetunion.
Wir hoffen, daß sie
sich für die Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen
den Ländern in Ost und West als sehr
bedeutsam erweisen werden.
Gleichzeitig bleiben tiefgreifende Unterschiede bestehen; jeder von uns muß
auf jedweden Aspekt der sowjetischen
Politik weiterhin wachsam und umsichtig reagieren.
6.
Wir bekräftigen unser Bekenntnis zum Frieden und zu höherer
Sicherheit auf niedrigerem Rüstungsniveau, wir streben nach umfassenden
Bemühungen zum Abbau der Spannungen
und zur Herbeiführung nachprüfbarer
Rüstungsreduzierungen.
Wir bekräftigen die anhaltende Bedeutung der nuklearen Abschreckung für die Wahrung
des Friedens, stellen aber gleichzeitig mit Befriedigung fest, daß der
Rüstungskontrolldialog vertieft worden ist und sich günstigere Aussichten auf einen Abbau der nuklearen
Streitkräfte abzeichnen.
Wir würdigen die Bemühungen der Vereinigten
Staten,
ausgewogene,
substantielle
und
nachprüfbare
Kernwaffenreduzierungen auszuhandeln. Wir betonen unsere Entschlossenheit, konventionelle

Stabilität
auf niedrigerem Streitkräfteniveau zu verbessern und die
völlige Beseitigung chemischer Waffen
zu erreichen. Wir glauben, daß diese
Ziele aktiv verfolgt und in konkrete
Vereinbarungen umgesetzt werden sollten.
Wir
fordern die Sowjetunion
nachdrücklich auf, positiv und konstruktiv zu verhandeln. Eine wirksame Lösung dieser Fragen ist eine wesentliche Voraussetzung für echte und
dauerhafte Stabilität in der Welt.
7.
Wir werden nicht nur sowjetischen Erklärungen, sondern auch sowjetischen Taten in Angelegenheiten,
die
uns
ein
gemeinsames
Anliegen
sind, große Aufmerksamkeit
widmen;
insbesondere
- fordern wir bedeutende und dauerhafte Fortschritte bei den Menschenrechten, denn dies ist für
die
Vertrauensbildung
zwischen
unseren
Nationen
wesentlich.
Noch immer bleibt viel zu tun, um
den in der Schlußakte von Helsinki vereinbarten und seitdem bekräftigten Grundsätzen und eingegangenen Verpflichtungen gerecht
zu werden.
- wünschen wir eine schnelle und
friedliche Lösung von regionalen
Konflikten und insbesondere den
raschen und vollständigen Abzug
der sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan,
damit
das
afghanische Volk über seine eigene Zukunft frei bestimmen kann.
- fördern wir verstärkte Kontakte,
einen
freien
Gedankenaustausch
und intensiveren Dialog zwischen
unseren Bürgern und den Bürgern
der Sowjetunion und Osteuropas.
8. So strebt jeder von uns danach, den militärischen Wettlauf zwischen Ost und West auf niedrigerem

- 2 -

�Rüstungsniveau zu stabilisieren; stabile politische Lösungen von regionalen Konflikten zu fördern; dauerhafte
Verbesserungen bei den Menschenrechten sicherzustellen; und Kontakte und
Vertrauen
zwischen Regierungen und
Völker in einer humaneren Welt zu
schaffen.
In allen Bereichen sind
Fortschritte
erforderlich, um eine
dauerhafte Grundlage für stabile und
konstruktive Beziehungen zwischen den
Ländern in Ost und West zu errichten.

* * * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
% ^

Dokumentation

a

10. Juni 1987

22

ÖLTRANSPORT MÜSS IM GOLF FORTGESETZT WERDEN KÖNNEN
- Erklärung der Gipfelpartner -

Venedig - (AD) - Die sieben großen Demokratien mahnten in einer gemeinsamen Erklärung, daß sich der Öltransport durch die Straße von Hormus "weiterhin frei und ungehindert" bewegen muß. Sie waren sich in ihrer gemeinsamen
Erklärung vom 9. Juni dahingehend einig, daß "neue und abgestimmte internationale Bemühungen erforderlich sind", um zu einer Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak beizutragen.

Nachstehend drucken wir den Text der Erklärung im Wortlaut:
Wir waren uns dahingehend einig,
daß neue und abgestimmte internationale Bemühungen dringend erforderlich
sind, um zu einer Beendigung des
Krieges zwischen Iran und dem Irak
beizutragen.
Wir sind für ein möglichst frühes, auf dem Verhandlungswege erreichtes Ende des Krieges, das
die territoriale Unversehrtheit und
Unabhängigkeit des Irak und Iran unangetastet läßt. Beide Länder haben
unter diesem langen und tragischen
Krieg sehr gelitten.
Die Nachbarstaaten sind von einer möglichen Ausweitung des Konflikts bedroht.
Wir

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fordern beide Parteien erneut auf,
ein sofortiges Ende des Krieges auszuhandeln.
Wir unterstützen
nachdrücklich die Vermittlungsbemühungen
des Generalsekretärs der Vereinten
Nationen und drängen auf die Verabschiedung
gerechter
und
wirksamer
Maßnahmen
durch den
Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen.
Mit dieser
Zielsetzung bekräftigen wir, daß der
Grundsatz der freien Schiffahrt im
Golf für uns und für andere von ausschlaggebender Bedeutung ist und aufrechterhalten werden muß.
Der Öltransport und der sonstige Verkehr

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�muß sich weiterhin frei und ungehindert durch die Straße von Hormus bewegen können.

Die
Staats- und
Regierungschefs
fordern andere Regierungen nachdrücklich auf, sich dieser Verpflichtung
anzuschließen.

Anlage
* * * * * *
Die
Staats- und
Regierungschefs
erinnern daran, daß sie in ihrer Erklärung von Tokio zum internationalen
Terrorismus vereinbarten, der Bonner
Erklärung von 1978 bei der Bewältigung aller die zivile Luftfahrt bedrohenden Formen des Terrorismus zu
größerer
Wirksamkeit
zu verhelfen.
In Fällen, in denen ein Land die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung derjenigen, die in dem Übereinkommen von Montreal zur Bekämpfung
widerrechtlicher Handlungen gegen die
Sicherheit der Zivilluftfahrt genannte strafbare Handlungen begangen haben, verweigert beziehungsweise das
betroffene Flugzeug nicht zurückgibt,
sind die Staats- und Regierungschefs
daher gemeinsam entschlossen, durch
die Regierungen sofort dafür zu sorgen, daß gemäß der Bonner Erklärung
sämtliche Flüge in ein solches Land
eingestellt werden.
Gleichzeitig werden ihre Regierungen Schritte einleiten, damit gemäß der Bonner Erklärung sämtliche
Einflüge
durch
Luftfahrtunternehmen
dieses Landes aus ihm oder aus jedem
anderen Land unterbunden werden.
Die
Staats- und
Regierungschefs
beabsichtigen ferner, die Bonner Erklärung zu gegebener Zeit zu erweitern, so daß sie künftige einschlägige Änderungen des genannten Übereinkommens oder anderer Luftfahrtübereinkommen in bezug auf die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung der
Täter abdeckt.
- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

10. Juni 1987

22
GIPFELPARTNER ERZIELEN EINIGUNG ÜBER SANKTIONEN
ZUR

TERRORISMUSBEKXMPÜNG

- Erklärung zum Terrorismus VENEDIG - (AD) - Die sieben großen Demokratien kamen sich in ihrer Erklärung vom 9. Juni überein, daß alle Formen des Terrorismus den gleichen Sanktionen unterliegen, wie sie in der Bonner Erklärung zu Flugzeugentführungen
vereinbart worden sind.
Die Gipfelpartner bekräftigten in der in Venedig verabschiedeten Erklärung
zum Terrorismus ihre Verpflichtung, "gegenüber Terroristen keinerlei Zugeständnisse zu machen" und forderten zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit "zwischen uns und mit anderen Staaten... in allen geeigneten Gremien"
zur Bekämpfung des Terrorismus auf.
Nachfolgend drucken wir die Erklärung und die Anlage im Wortlaut.

Wir, die Staats- und Regierungschefs von sieben großen Demokratien
und die Vertreter der Europäischen
Gemeinschaft, die wir uns hier in Venedig versammelt haben, sind uns der
Sorge unserer Völker über die Bedrohung durch den Terrorismus zutiefst
bewußt;

Formen
des
Terrorismus
einschließlich
Flugzeugentführungen
und Geiselnahmen und bekunden erneut unsere Auffassung, daß es
für den Terrorismus, gleich welche
Motive
er hat, keinerlei
Rechtfertigung gibt;

- wir bekräftigen die in früheren
Gipfelkonferenzen in Bonn, Venedig, Ottawa, London und Tokio
ausgesprochenen Verpflichtungen;

wir bekräftigen unser aller Bekenntnis zu dem Grundsatz, gegenüber Terroristen und ihren Helfern keinerlei Zugeständnisse zu
machen;

- wir verurteilen

wir sind nach wie vor entschlos-

entschieden

alle

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sen, gegenüber jedem Staat, der
offenkundig an der Finanzierung
oder Unterstützung des internationalen
Terrorismus
beteiligt
ist, im Rahmen des Völkerechts
innerhalb
unseres
eigenen
Hoheitsgebiets
wirksame
Maßnahmen
anzuwenden;

führten Maßnahmen beschlossen, um
der Bonner Erklärung von 1978 bei
der Bewältigung aller die zivile
Luftfahrt bedrohenden Formen des
Terrorismus zu größerer Wirksamkeit zu verhelfen;
- wir verpflichten uns, Terroristen
nach rechtsstaatlichen Grundsätzen vor Gericht zu bringen. Jeder von uns sagt eine verstärkte
Mitarbeit
in den einschlägigen
Gremien und im Rahmen der innerstaatlichen
Rechtsvorschriften
und des Völkerrechts bei Ermittlungs-, Verhaftungs- und gerichtlichen Verfolgungsmaßnahmen gegen
Terroristen zu. Insbesondere bekräftigen wir den in einschlägigen internationalen Übereinkünften
niedergelegten
Grundsatz,
diejenigen,
die
terroristische
Gewalttaten verübt haben, im Einklang
mit
innerstaatlichen
Rechtsvorschriften und jenen internationalen Übereinkünften vor
Gericht zu stellen oder auszuliefern.

- wir begrüßen die Fortschritte,
die seit unserer letzten Zusammenkunft im Mai 1986 in Tokio bei
der
internationalen
Zusammenarbeit gegen den Terrorismus erzielt worden sind, und insbesondere die Initiative Frankreichs
und Deutschlands, im Mai in Paris
eine Tagung der für die Terrorismusbekämpfung
zuständigen
Minister einzuberufen;
- wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, sowohl durch nationale
Maßnahmen als auch durch internationale
Zusammenarbeit
zwischen
uns und gegebenenfalls mit anderen Staaten den Terrorismus zu
bekämpfen und erneuern daher unseren Appell an alle gleichgesinnten Länder, die internationale Zusammenarbeit in allen geeigneten Gremien zu festigen und
auszubauen;

* * *

Anlage
- wir werden unsere Bemühungen zur
Erhöhung der Sicherheit von Reisenden fortsetzen.
Wir begrüßen
die Sicherheitsverbesserungen auf
Flughäfen und im Schiffsverkehr
und fördern die Arbeit der internationalen Zivilluftfahrt-Organisation
und der
internationalen
Seeschiffahrts-Organisation
auf
diesem Gebiet.
Jeder von uns
wird weiterhin die Tätigkeit von
Luftfahrtunternehmen, die Sicherheitsprobleme
aufwerfen,
genau
überwachen.
Die Staats- und Regierungschefs haben die in der
Anlage dieser
Erklärung aufge-

Die
Staats- und
Regierungschefs
erinnern daran, daß sie in ihrer Erklärung von Tokio zum internationalen
Terrorismus vereinbarten, der Bonner
Erklärung von 1978 bei der Bewältigung aller die zivile Luftfahrt bedrohenden Formen des Terrorismus zu
größerer
Wirksamkeit
zu verhelfen.
In Fällen, in denen ein Land die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung derjenigen, die in dem Übereinkommen von Montreal zur Bekämpfung
widerrechtlicher Handlungen gegen die
Sicherheit der Zivilluftfahrt genann-

- 2 -

�te strafbare Handlungen begangen haben/ verweigert beziehungsweise das
betroffene Flugzeug nicht zurückgibt,
sind die Staats- und Regierungschefs
daher gemeinsam entschlossen, durch
die Regierungen sofort dafür zu sorgen, daß gemäß der Bonner Erklärung
sämtliche Flüge in ein solches Land
eingestellt werden.
Gleichzeitig werden ihre Regierungen Schritte einleiten, damit gemäß der Bonner Erklärung sämtliche
Einflüge
durch
Luftfahrtunternehmen
dieses Landes aus ihm oder aus jedem
anderen Land unterbunden werden.
Die
Staats- und
Regierungschefs
beabsichtigen ferner, die Bonner Erklärung zu gegebener Zeit zu erweitern, so daß sie künftige einschlägige Änderungen des genannten Übereinkommens oder anderer Luftfahrtübereinkommen in bezug auf die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung der
Täter abdeckt.
Die
Staats- und
Regierungschefs
fordern andere Regierungen nachdrücklich auf, sich dieser Verpflichtung
anzuschließen.

* * * * * *

�J&gt;^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. Juni 1987

22

SCHLUSSKOMMDNIQÜE DES WELTWIRTSCHAFTSGIPFELS
IN VENEDIG
- Wortlaut der Erklärung -

VENEDIG - (AD) - Nachfolgend drucken wir den Wortlaut des Schlußkommuniques der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten bei
ihrem Gipfeltreffen in Venedig.

Wirtschaftserklärung von Venedig
Wir, die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten und die Vertreter der Europäischen Gemeinschaft, sind vom 8.
bis 10. Juni 1987 in Venedig zusammengekommen, um die Fortschritte zu
überprüfen, die unsere Länder einzeln
und gemeinsam bei der Durchführung
der Politik erzielt haben, zu der wir
uns auf früheren Gipfeln verpflichtet
haben.
Wir sind nach wie vor entschlossen, die Wachstums-, Stabilitäts-,
Beschäftigungs- und
Wohl-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

standspolitik für unsere Länder und
für die Weltwirtschaft zu verfolgen.
Wir können seit unserer Zusammenkunft im letzten Jahr auf eine Reihe
positiver
Entwicklungen
zurückblikken. Das Wachstum setzt sich nunmehr
im fünften Jahr fort, wenn auch mit
niedrigeren Raten. Die durchschnittlichen
Inflationsraten
haben
sich
verringert.
Die Zinsen sind allgemein zurückgegangen.
Unter den führenden Währungen ist es zu Wechselkursänderungen gekommen, die mit der
Zeit zu einer dauerhaften Struktur

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Leistungsbilanzpositionen beitragen werden und die Währungen in Zonen
gebracht haben, die im Großen und
Ganzen den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechen.
Volumenmäßig
hat eine Anpassung der Handelsströme
bereits eingesetzt, auch wenn die Ungleichgewichte wertmäßig nach wie vor
zu groß sind.

Makroökonomische Politik und Wechselkurse
Seit Tokio haben die Gipfelländer
die Koordinierung ihrer Wirtschaftspolitik mit dem Ziel verstärkt, die
Vereinbarkeit
der
einzelstaatlichen
Maßnahmen untereinander und auf internationaler Ebene zu gewährleisten.
Dies ist für ein größeres und anhaltendes weltweites Wachstum, verringerte außenwirtschaftliche Ungleichgewichte und stabilere Wechselkursverhältnisse wesentlich.
Angesichts
der im Louvre und in Washington erreichten wirtschaftspolitischen Vereinbarungen könnten weitere substantielle Verschiebungen in den Wechselkursen Bemühungen um eine Steigerung
des Wachstums und der Erleichterung
der Anpassungen vereiteln.
Wir bekräftigen
unsere Verpflichtung
zur
raschen und vollständigen Durchführung dieser Vereinbarungen.
Nun müssen wir die Probleme lösen, die trotzdem noch in einigen unserer
Länder bestehen;
außenwirtschaftliche
Ungleichgewichte,
die
noch immer groß sind;
unverändert
hohe Arbeitslosigkeit;
große staatliche Defizite;
hohe reale Zinsen.
Desgleichen gibt es fortgesetzt Handelsbeschränkungen
und
verstärkten
protektionistischen Druck, anhaltende
Schwäche vieler
Rohstoffmärkte und
geringere
Aussichten
für
Entwicklungsländer, Wachstum zu erreichen,
die nötigen Absatzmärkte zu finden
- 2

und ihre
nen.

Auslandsschulden

zu

bedie-

Die Beseitigung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte wird ein langer und schwieriger Prozeß sein. Das
Problem, diese Ungleichgewichte
zu
beheben und gleichzeitig das Wachstum
aufrechtzuerhalten, wird durch Wechselkursänderungen allein nicht gelöst
werden.
Uberschußländer werden ihre
Politik so ausrichten, daß die Binnennachfrage gestärkt und außenwirtschaftliche Überschüsse abgebaut werden, zwar eine Politik verfolgen, die
ein stetiges Wachstum bei niedriger
Inflation fördert, aber gleichzeitig
ihre
fiskalischen
und
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte verringern.
Wir fordern andere Industriestaaten auf, sich an den Bemühungen zur
Stützung der Weltkonjunktur zu beteiligen. Wir fordern auch die Schwellenländer mit schnellem Wachstum und
großen
außenwirtschaftlichen
Überschüssen zur Übernahme größerer Verantwortung auf, wenn es darum geht,
durch den Abbau von Handelsschranken
sowie durch die Verfolgung einer Politik, dank deren ihre Währungen die
wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen
vollständiger
widerspiegeln
können,
ein offenes Welthandelssystem
aufrechtzuerhalten.
Unter
den Gipfelländern
bleibt
Haushaltsdisziplin ein wichtiges mittelfristiges Ziel, und eine Reihe von
ihnen müssen weiterhin den Abbau bestehender Ungleichgewichte im staatlichen Sektor anstreben.
Diejenigen
Gipfelländer, die bei der Haushaltskonsolidierung bedeutende Fortschritte erzielt
haben
und
über
große
außenwirtschaftliche Überschüsse verfügen, sind nach wie vor verpflichtet, innerhalb eines Rahmens mittelfristiger
fiskalischer
Ziele
eine

�Fiskal- und Geldpolitik zu verfolgen,
die
auf
die
Stärkung
binnenwirtschaftlicher Wachstumskräfte abzielt.
Die Geldpolitik sollte zudem inflationsfreies Wachstum unterstützen und
die Stabilität der Wechselkurse fördern. Angesichts der in vielen Ländern zu erwartenden niedrigen Inflation wäre eine weitere marktorientierte Senkung der Zinsen hilfreich.

der Entwicklung und Durchführung verstärkter Abmachungen für die im vergangenen Jahr
in Tokyo geforderte
multilaterale Überwachung und wirtschaftspolitische Abstimmung erzielten Fortschritte.
Der neue Koordinierungsprozeß, zu dem auch die Verwendung wirtschaftlicher
Indikatoren
gehört, wird die Bemühungen um mehr
Kohärenz und gegenseitige Vereinbarkeit der Politik unserer Länder stärken.

Strukturpolitik
Einig sind wir uns auch über die
Notwendigkeit einer wirksamen Strukturpolitik mit dem besonderen Ziel
der Arbeitsplatzbeschaffung.
Zu diesem Zweck werden wir
- den Wettbewerb fördern, um
industrielle
Anpassung
zu
schleunigen;

die
be-

- große
Ungleichgewichte
zwischen
Angebot
und
Nachfrage
in der
Landwirtschaft verringern;
- arbeitsplatzbeschaffende
tionen erleichtern;

Investi-

- das Funktionieren
märkte verbessern;

Arbeits-

- die weitere Öffnung
märkte fördern;

der

der

Binnen-

- für die Beseitigung von Unzulänglichkeiten und Beschränkungen der
Kapitalmärkte sowie für die Verbeserung des Funktionierens der
internationalen Finanzmärkte Anreize schaffen.

Die
Staats- und
Regierungschefs
bekräftigen die unter anderem in bezug auf Wechselkurse und auf den Tagungen
der
Gruppe der
Sieben
im
Louvre und in Washington verabschiedeten Strategien und Verpflichtungen.
Sie sind sich einig, daß - falls das
weltwirtschaftliche Wachstum in Zukunft unzureichend ist - zusätzliche
Maßnahmen geboten sind, damit ihre
gemeinsamen
Ziele
erreicht
werden
können.
Demgemäß fordern sie ihre
Minister
auf,
erforderlichenfalls
weitere geeignete politische Maßnahmen zu entwickeln und zur Förderung
der
Wechselkursstabilität
weiterhin
eng zusammenzuarbeiten.
Die
Koordinierung
der
Wirtschaftspolitik
ist ein kontinuierlicher Prozeß, der sich im Laufe der
Zeit herausbilden und wirksamer werden wird.
Die Staats- und Regierungschefs bestätigen
die von der
Gruppe der sieben Finanzminister erreichten Vereinbarungen, wonach mit
Hilfe des Internationalen Währungsfonds
(IWF) die Überwachung
ihrer
Volkswirtschaften
anhand von Wirtschaftsindikatoren,
einschließlich
der
Wechselkurse,
gestärkt
werden
soll, und zwar insbesondere durch

Multilaterale Überwachung und wirtschaftspolitische Abstimmung
Wir begrüßen sehr die von
Gruppe der sieben Finanzminister

der
bei
- 3 -

- die Verpflichtung jedes Landes,
für seine Wirtschaft mittelfristige Ziele und Prognosen aufzustellen, und der Gruppe als sol-

�eher, sowohl einzelstaatlich als
auch gemeinsam in sich geschlossene Ziele und Prognosen zu erarbeiten; und
- die Verwendung von Leistungsindikatoren, anhand derer die aktuellen wirtschaftlichen Trends geprüft und beurteilt werden können
und mit denen sich feststellen
läßt, ob erhebliche Abweichungen
von
einem
beabsichtigten
Kurs
eingetreten sind, so daß Abhilfemaßnahmen
in
Erwägung
gezogen
werden müssen.
Die
Staats- und
Regierungschefs
erachten diese Maßnahmen als wichtige
Schritte für die Förderung eines anhaltenden, inflationsfreien globalen
Wachstums und größerer Währungsstabilität.
Sie fordern die Gruppe der
sieben Finanzminister und Notenbankpräsidenten auf
- ihre
Koordinierungsanstrengungen
im Hinblick auf eine rasche und
wirksame Durchführund der vereinbarten Strategien und Verpflichtungen zu intensivieren;
- die Wirtschaftsentwicklung in Zusammenarbeit
mit dem Leitenden
Direktor des IWF genau zu überwachen; und
- weitere, für eine wirksame Gestaltung des Abstimmungsprozesses
geeignete Verbesserungen zu prüfen.

Handel
Wir beobachten mit großer Sorge
den
zunehmenden
protektionistischen
Druck.
Die Uruguay-Runde kann zur
Aufrechterhaltung
und Stärkung des
multilateralen Handelssystems und zur
Erreichung einer für alle Länder vor-

teilhaften verstärkten Handelsliberalisierung eine wichtige Rolle spielen.
Angesichts der Verzahnung von
Wachstum, Handel und Entwicklung ist
es wesentlich, das multilaterale System auf der Grundlage der Prinzipien
und Regeln des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT) zu verbessern
und immer mehr Bereiche des Welthandels einer vereinbarten wirksamen und
durchsetzbaren
multilateralen
Disziplin zu unterstellen.
Protektionistische Vorgehensweisen wären diesem Ziel abträglich, würden die Gefahr weiterer Wechselkursinstabilität
erhöhen
und
die
Entwicklungs- und
Verschuldungsprobleme verschärfen.
Wir bekennen unsn uneingeschränkt
zu der Verpflichtung, unter Einhaltung der in der Ministererklärung zur
Uruguay-Runde bekräftigten Grundsätze
des "Standstill" und des "Rollback"
geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Es
ist wichtig, im GATT ein multilaterales System von Grundsätzen und Regeln
für den Handel mit Dienstleistungen,
für handelsbezogene Investitionsmaßnahmen und für gewerbliche Schutzrechte einzurichten.
Die Ausweitung
des
multilateralen
Handelssystems
wird bei der Förderung des Wachstums
und der Verstärkung des Handels, der
Investitionen
und des Technologietransfers auch den Entwicklungsländern Nutzen bringen.
Auf der Grundlage der Ministererklärung zur Uruguay-Runde und der
Prinzipien des GATT fordern wir alle
Vertragsparteien auf, zur Gewährleistung
gegenseitiger
Vorteile
und
größeren Nutzens für alle Teilnehmerstaaten in gutem Glauben und mit aller gebotenen Eile umfassende Verhandlungen
durchzuführen.
Kanada,
Japan, die Vereinigten Staaten und
die Europäische Gemeinschaft werden
in den kommenden Monaten in Genf einen
breitgefächerten
Katalog
sub-

�stantieller
Vorschläge
vorlegen.
Fortschritte
in
der
Uruguay-Runde
werden stets einer sorgfältigen politischen
Überprüfung
unterliegen.
In diesem Zusammenhang sollten die
Einleitung, die Abwicklung und die
Durchführung der Ergebnisse der Verhandlungen als Teil eines Ganzen behandelt werden; in einem frühren Stadium erreichte Vereinbarungen könnten
jedoch auf vorläufiger oder endgültiger Basis durch eine Übereinkunft
noch vor dem förmlichen Abschluß der
Verhandlungen verwirklicht und sollten bei der Bewertung der allgemeinen
Verhandlungsergebnisse berücksichtigt
werden.
Ein starkes, glaubwürdiges
und
funktionstüchtiges GATT ist für das
Wohlergehen aller Handelsländer wesentlich und das beste Bollwerk gegen
zunehmenden
bilateralen
protektionistischen Druck.
Das Funktionieren
des GATT sollte durch eine Stärkung
seiner Rolle bei der Aufrechterhaltung eines offenen multilateralen Systems und seiner Fähigkeit zur Beilegung von Streitigkeiten sowie durch
eine bessere Koordinierung zwischen
dem GATT, dem IWF und der Weltbank
verbessert werden. Wir sind der Ansicht, daß gegebenenfalls im Verlauf
der Verhandlungen eine Zusammenkunft
des
Ausschusses
für
multilaterale
Handelsverhandlungen
auf
Ministerebene nützlich wäre.

Landwirtschaft
Auf dem Gipfel in Tokio haben wir
den Ernst der Agrarproblematik festgestellt.
Wir stimmten darin überein, daß die landwirtschaftliche Produktionsstruktur im Lichte der Weltnachfrage angepaßt werden muß, und
brachten unsere Entschlossenheit zum
Ausdruck, die Arbeit der OECD auf
diesem Gebiet voll und ganz zu unter-

stützen.
Dabei erkannten wir alle
die Bedeutung der Landwirtschaft für
das Wohlergehen unserer ländlichen
Gemeinden. Im vergangenen Jahr haben
wir die in Tokio entworfene Strategie
aktiv verfolgt, und wir nehmen mit
Befriedigung die in der Ministererklärung von Punta del Este angenommene Vereinbarung über die Ziele der
Landwirtschaftsverhandlungen
in der
Uruguay-Runde zur Kenntnis.
Wir bekräftigen unser Bekenntnis
zu der wichtigen, im Ministerkommunique der OECD vom 13. Mai 1987 niedergelegten
Vereinbarung
über
die
Landwirtschaft; hierzu gehören insbesondere die Darstellung des Ausmaßes
und der Dringlichkeit des Problems,
die einen ausgewogene und flexible
Durchführung
abgestimmter
Reformen
der Agrarpolitik erforderlich machen;
die Beurteilung der schwerwiegenden
Auswirkungen
der
zunehmenden
Ungleichgewichte von Angebot und Nachfrage bei den wichtigsten Agrarprodukten sowohl auf Industrie- als auch
auf
Entwicklungsländer;
Anerkennung
der
gmemeinsamen Verantwortung
für
die Probleme sowie deren ausgewogene,
wirksame und dauerhafte Lösung; die
Reformgrundsätze
und
die erforderlichen Maßnahmen.
Langfristig besteht
das
Ziel darin, durch
den
schrittweisen,
konzertierten
Abbau
der Hilfen für die Landwirtschaft wie
auch durch alle sonstigen geeigneten
Mittel die Voraussetzungen dafür zu
schaffen, daß die Marktsignale die
Ausrichtung der Agrarproduktion beeinflussen können, wobei soziale und
andere Anliegen wie zum Beispiel Ernährungssicherheit, Umweltschutz und
generell
die Beschäftigungslage
zu
berücksichtigen sind.
Wir
unterstreichen
unsere Verpflichtungen zu abgestimmten Vorgehen
mit dem Ziel, im eigenen Land und
durch umfassende Verhandlungen in der

- 5 -

�Uruguay-Runde die erforderlichen agrarpolitischen Anpassungen zu vollziehen.
Wie auf anderen Gebieten
werden wir auch hierzu umfassende
Vorschläge vorlegen, damit die Verhandlungen in den kommenden Monaten
im Einklang mit dem Mandat der Ministererklärung
durchgeführt
werden
können, und wir beabsichtigen, bei
unserer nächsten Tagung die erzielten
Fortschritte sowie die noch zu lösenden Aufgaben zu überprüfen.
Um inzwischen ein Klima größeren
Vertrauens zu schaffen, das die Aussichten auf schnelle Fortschritte in
der Uruguay-Runde insgesamt verbessern und einen Schritt auf dem Wege
zu den von diesen Verhandlungen zu
erwartenden langfristigen Ergebnissen
darstellen würde, fordern wir andere
Länder auf, unserer Übereinkunft zuzustimmen, wonach wir auf Maßnahmen
verzichten, die - indem sie die landwirtschaftliche
überschußproduktion
weiter anregen, den Schutz erhöhen
oder die Weltmärkte destabilisieren das Verhandlungsklima verschlechtern
und generell die Handelsbeziehungen
schädigen würden.

Entwicklungsländer und Verschuldung
Wir messen der Förderung solider
wirtschaftlicher Fortschritte in den
Entwicklungsländern
mit
all
ihren
verschiedenartigen Gegebenheiten und
Bedürfnissen besondere Bedeutung bei.
Die Probleme vieler hochverschuldeter
Entwicklungsländer
geben
Anlaß
zu
wirtschaftlicher und politischer Besorgnis und können in Ländern mit demokratischen Systemen eine Bedrohung
für die politische Stabilität darstellen.
Wir würdigen die mutigen
Bemühungen vieler dieser Länder zur
Erlangung von Wirtschaftswachstum und
Stabilität.

- 6

Wir unterstreichen die anhaltende
Bedeutung der öffentlichen Entwicklungshilfe und begrüßen die verstärkten
Anstrengungen
einiger
unserer
Länder auf diesem Gebiet. Wir erinnern an das von internationalen Organisationen festgelegte Ziel (0,7 Prozent) für die künftige Höhe der öffentlichen
Entwicklungshilfe;
desgleichen stellen wir fest, daß die
Finanzströme insgesamt für die Entwicklung wichtig sind.
Wir unterstützen
tatkräftig die Tätigkeiten
der internationalen Finanzinstitutionen, einschließlich jener regionalen
Entwicklungsbanken, die Zielsetzungsreformen der Anleihenehmer begünstigen und deren Strukturanpassungsprogramme finanzieren, insbesondere
- unterstützen
wir
die
aufgrund
seiner
Beratungs- und
Finanzierungsaufgaben zentrale Rolle des
IWF und fördern eine engere Zusammenarbeit zwischen dem IWF und
der Weltbank, vor allem bei ihren
Strukturanpassungskrediten;
- nehmen wir mit Befriedigung den
Beitrag der achten Wiederauffüllung der Internationalen Entwicklungsorganisation
(IDA)
zur
Kenntnis;
- unterstützen wir eine allgemeine
Aufstockung
des
Kapitals
der
Weltbank, wenn dies durch eine
erhöhte Nachfrage nach Qualitätsausleihungen, durch ihre erweiterte Rolle in der Schuldenstrategie und durch die Notwendigkeit
einer Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität der Institution gerechtfertigt ist;
- begrüßen wir im Lichte der verschiedenen Beiträge unserer Länder
zur
öffentlichen
Entwicklungshilfe die jüngste Initiative
der
japanischen Regierung, die

�ein neues System vorgelegt hat,
demzufolge
Japan
den
Entwicklungsländern zusätzliche Ressourcen bereitstellen wird.

zur Gewährleistung fortgesetzter Unterstützung für die Schuldnerländer
zu entwickeln.
Vor allem Schuldnerländer sollten
Maßnahmen ergreifen, um schuldenneutrale Kapitalströme, insbesondere Direktinvestitionen,
zu
erleichtern.
In diesem
Zusammenhang sollte die
"Multilateral
Investment
Guarantee
Agency" (MIGA) möglichst bald ihre
Aufgaben zu erfüllen beginnen.
Es
kommt darauf an, daß die Exportkreditanstalten bei der schnellen Wiederaufnahme oder Verstärkung der Dekkung für Länder, die umfassende Anpassungsprogramme verwirklichen, flexibel bleiben.

Im Hinblick auf die Hauptschuldnerländer mit mittleren Einkommen unterstützen wir weiterhin die gegenwärtige
Wachstums- und
einzelfallorientierte Strategie. Drei Elemente
sind zur Stärkung der Wachstumsaussichten der Schuldnerländer erforderlich: Verabschiedung umfassender Reformen makroökonomischer und struktureller Art durch die Schuldnerstaaten selbst; verstärkte Kreditgewährung durch internationale Finanzinstitutionen, insbesondere durch die
Weltbank; und angemessene Kreditvergabe der Geschäftsbanken zur Unterstützung der Reformen in Schuldnerländern. Wir werden unseren Teil dadurch beisteuern, daß wir einen Beitrag zur Erhaltung des Wachstums und
zur Ausweitung des Handels leisten.
Eine Reihe von UmschuldungsVereinbarungen haben in einem gewissen Ausmaß
erneutes
Wachstum, die Beseitigung
von Ungleichgewichten und bedeutsame
Fortschritte bei der Wiederherstellung
der
Kreditwürdigkeit
mancher
Länder ermöglicht. In einigen Fällen
fehlt es jedoch noch immer an einer
geeigneten
Strukturanpassungs- und
Wachstumspolitik, die darauf abzielt,
für die effiziente Nutzung inländischer
Ersparnisse, die Rückführung
von Fluchtkapital, einen verstärkten
Zustrom
von
Auslands-Direktinvestitionen und insbesondere für Reformen
der Finanzmärkte Anreize zu schaffen.

Wir sind uns der Probleme der
Entwicklungsländer
bewußt,
deren
Volkswirtschaften ausschließlich oder
überwiegend von der Ausfuhr von Rohstoffen
mit
anhaltend
niedrigem
Preisniveau abhängig sind.
Es geht
darum, das Funktionieren der Rohstoffmärkte,
beispielsweise
durch
bessere
Information
und
größere
Transparenz,
zu
verbessern.
Eine
weitere
Diversifizierung
dieser
Volkswirtschaften
sollte
gefördert
werden mit Hilfe der internationalen
Finanzinstitutionen, durch eine Politik, die darauf abzielt, die Bemühungen dieser Staaten um eine verbesserte Verarbeitung ihrer Erzeugnisse zu
unterstützen, die Chancen durch eine
Liberalisierung des Zugangs zu den
Märkten zu erhöhen und ein für den
Strukturwandel
günstigeres
internationales Klima zu schaffen.

Desgleichen ist es notwendig, die
Kreditvergabe
durch
Geschäftsbanken
in rechtzeitiger und wirksamer Weise
zu mobilisieren. In diesem Zusammenhang unterstützen wir Bemühungen von
Geschäftsbanken und Schuldnerländern,
ein Auswahlangebot alternativer Verhandlungs- und Finanzierungsverfahren

Wir erkennen an, daß die Probleme
einiger der ärmsten Länder, vor allem
südlich
der
Sahara,
beispiellos
schwierig sind und einer besonderen
Behandlung
bedürfen.
Diese Länder
sind
unter
anderem
gekennzeichnet
durch akute Armut, begrenzte Investitionsmittel für ihre eigene Entwick-

- 7 -

�lung, unüberschaubare Schuldenlasten
und eine starke Abhängigkeit von einem oder zwei Produkten sowie dadurch, daß sie größtenteils bei Regierungen
von Industriestaten oder
bei internationalen Finanzinstitutionen verschuldet sind. Für diejenigen
der ärmsten Länder, die Anpassungsbemühungen ergreifen, sollte die Möglichkeit
der Anwendung
niedrigerer
Zinsen auf ihre vorhandenen Schulden
erwogen werden, und insbesondere im
Pariser Club sollten Vereinbarungen
über längere Tilgungsfristen und tilgungsfreie Zeiten erreicht werden, um
die Schuldendienstlast
zu mildern.
Wir begrüßen die von einigen von uns
eingebrachten Vorschläge sowie den
Vorschlag des Leitenden Direktors des
IWF für eine erhebliche Aufstockung
der
Mittel der Strukturanpassungsfazilität ab 1. Januar 1988 für die
Dauer von drei Jahren. Wir dringen
auf einen Abschluß der Gespräche über
diese Vorschläge in diesem Jahr. Wir
dringen auf einen Abschluß der Gespräche über diese Vorschläge in diesem Jahr.
Wir halten fest, daß UNCTAD VII
eine Gelegenheit bietet, mit den Entwicklungsländern Gespräche zu führen,
um zu einer gemeinsamen Sicht der
großen weltwirtschaftlichen Probleme
und Strategien zu gelangen.

sation für Normung (ISO) und dem Internationalen Rat wissenschaftlicher
Vereinigungen (ICSU) sowie mit der
Unterstützung anderer interessierter
internationaler
Organisationen
und
Länder ein Forum für den Informationsaustausch und für Konsultationen
einzurichten, so daß auf diesem wichtigen Gebiet kontinuierliche
Fortschritte sichergestellt werden können.
Den von den Umweltsachverständigen in ihrem Bericht als vorrangig
bezeichneten
Umweltproblemen
sollte
ungeteilte
Aufmerksamkeit
gewidmet
werden.
Wir unterstreichen unsere eigene
Verantwortung bei der Förderung von
Bemühungen mit dem Ziel einer wirksamen
Bekämpfung von
Umweltproblemen
mit weltweiten Auswirkungen, so zum
Beispiel Abnahme des Ozongehalts in
der Stratosphäre, Klimaveränderungen,
saurer Regen, gefährdete Arten, gefährliche Stoffe, Luft- und Wasserverschmutzung
sowie die
Zerstörung
der tropischen Wälder. Wir beabsichtigen auch, andere Umweltthemen zu
untersuchen, wie zum Beispiel strenge
Umweltschutzauflagen als Anreiz für
Innovationen und für die Entwicklung
sauberer, kostengünstiger
und verbrauchsarmer Technologien sowie die
Förderung des Welthandels mit umweltfreundlichen
Erzeugnissen,
umweltfreundlichen Industrieanlagen und anderen Umweltschutztechnologien.

Umwelt
Im Nachgang zu unseren früheren
Verpflichtungen, eine gesunde Umwelt
zu erhalten und künftigen Generationen weiterzugeben, begrüßen wir den
Bericht
der
Umweltsachverständigen
über die Verbesserung und Harmonisierung von Umweltmeßtechniken und -verfahren.
Dementsprechend
jermutigen
wir das Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) dazu, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organi- 8

Wir begrüßen die insbesondere in
der internationalen Atomenergie-Organisation seit Tokio gemachten Fortschritte
bei
der
Verstärkung
der
wirksamen internationalen Zusammenarbeit in bezug auf die Sicherheit bei
der Handhabung der Kernenergie.

Sonstige Fragen
Wir

begrüßen

die

Initiative

Ja-

�pans
für ein
Wissenschaftsprogramm
für Vorstöße in neue Bereiche der Humanbiologie,
die
darauf
abzielt,
durch
internationale
Zusammenarbeit
die Grundlagenforschung
im Bereich
biologischer Funktionen zu fördern.
Wir sind dankbar, daß unseren Wissenschaftlern
informelle
Gelegenheiten
geboten wurden, an einigen Erörterungen
der
japanischen
Durchführbarkeitsstudie teilzunehmen. Wir nehmen
zur Kenntnis, daß diese Studie fortgesetzt wird, und würden gerne auch
in Zukunft von den Fortschritten unterrichtet werden.
Wir begrüßen den positiven Beitrag der im Januar 1987 in Kyote
veranstalteten Konferenz hochrangiger
Sachverständiger über die zukünftige
Rolle der Bildung in unserer Gesellschaft .

über die Gesundheitsprobleme (mündliche Erklärung der Londoner Vorsitzenden über Krebs und mündliche Erklärung des Bonner Vorsitzenden über
Drogen) stellen die Staats- und Regierungschefs und die Vertreter der
Europäischen Gemeinschaft fest, daß
AIDS eines der größten potentiellen
Gesundheitsprobleme in der Welt darstellt.
Die nationalen Anstrengungen
müssen verstärkt und durch internationale Zusammenarbeit und abgestimmte Kampagnen
in ihrer Wirksamkeit
verbessert werden, um der weiteren
Ausbreitung von AIDS Einhalt zu gebieten.
Es muß sichergestellt sein,
daß die ergriffenen Maßnahmen im Einklang
mit den Grundsätzen der Menschenrechte stehen. In diesem Zusammenhang haben sie sich darauf geeinigt, daß

Wir werden auch in Zukunft die
ethischen
Folgen
biowissenschaftlicher
Entwicklungen
einer
Prüfung
unterziehen. Nach den von den Regierungen der Gipfelländer - 1984 von
Japan, 1985 von Frankreich, 1986 von
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
1987 von Kanada - veranstalteten Konferenzen begrüßen wir das Angebot der
italienischen
Regierung,
im
April
1988 in Italien die nächste Konferenz
über Bioethik auszurichten.

Nächster Wirtschaftsgipfel
Wir
haben
vereinbart,
uns
im
nächsten Jahr wieder zu treffen, und
haben die Einladung des kanadischen
Ministerpräsidenten nach Kanada angenommen .

Erklärung zu AIDS
Aufgrund
ihrer bereits in der
Vergangenheit
geäußerten
Besorgnis
- 9 -

- Doppelarbeit
die
internationale
Zusammenarbeit nicht verbessert.
Einer Stärkung bestehender Organisationen
durch die Gewährung
uneingeschränkter politischer Unterstützung sowie durch die Bereitstellung
der
erforderlichen
finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen ist Vorrang einzuräumen.
Um die weltweiten
Bemühungen
zur AIDS-Bekämpfung auf internationaler Ebene zusammenzufassen, eignet sich
als Forum die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am besten, und
alle Länder sollten zur vollen
Zusammenarbeit mit der WHO sowie
zur Unterstützung ihres AIDS-SonderProgramms aufgerufen werden;
- mangels eines Impfstoffes
oder
einer Therapie die aussichtsreichste AIDS-Bekämpfung und -Verhütung
in einer Strategie besteht, bei der die Öffentlichkeit
über den Ernst der AIDS-Epidemie,
die Art und Weise der Übertragung
des AIDS-Virus sowie über prakti-

�sehe Maßnahmen aufgeklärt wird,
die jeder einzelne zur Vermeidung
einer Infektion oder Weiterverbreitung ergreifen kann.
Geeignete Gelegenheiten zum Austausch
von Informationen über nationale
Aufklärungskampagnen
und
innerstaatliche Maßnahmen sollten genutzt werden.
Die Staats- und
Regierungschefs und die Vertreter
der Europäischen Gemeinschaft begrüßen den Vorschlag der britischen Regierung, zusammen mit der
WHO eine internationale Konferenz
auf Ministerebene über die AIDSAufklärung
der
Öffentlichkeit
auszurichten;
sie bei der Grundlagenforschung
und bei klinischen Untersuchungen
zur Verhütung und Behandlung von
AIDS sowie beim Informationsaustausch
weitere
Zusammenarbeit
fördern werden (wie zum Fall des
EG-Programms).
Die
Staats- und
Regierungschefs und die Vertreter
der Europäischen Gemeinschaft begrüßen und unterstützen gemeinsames Vorgehen von Forschern in den
sieben Ländern (wie beim gemeinsamen Programm französischer und
amerikanischer Forscher, das zur
Zeit erweitert wird, und ähnlichen Programmen) und überall in
der Welt mit dem Ziel, eine Therapie für die Krankheit zu finden, Bestandteile des Virus klinisch zu testen und einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Die
Staats- und
Regierungschefs
und
die Vertreter der
Europäischen
Gemeinschaft
begrüßen den Vorschlag des Präsidenten der Französischen
Republik,
der
die
Schaffung
eines
internationalen
Ausschusses über die durch AIDS
aufgeworfenen
ethischen
Fragen
zum Ziele hat.

Erklärung über Drogen
Die
Staats- und
Regierungschefs
haben
das
Problem
des
Drogenmißbrauchs
untersucht,
das
tragische
Verluste an Menschenleben verursacht
und nun die Menschen überall in der
Welt und insbesondere junge Menschen
und ihre Familien bedroht. Sie betonen, wie wichtig eine Strategie zur
Unterstützung nationaler, regionaler
und
multilateraler
Kampagnen
zur
Überwindung dieses Problems ist. Sie
beabsichtigen, ihren Kampf gegen die
illegale Herstellung und Vermarktung
von Drogen fortzusetzen und alle erforderlichen Voraussetzungen für eine
wirksamere internationale Zusammenarbeit zu schaffen. Desgleichen werden
sie darauf hinwirken, daß der illegale Anbau natürlicher Drogen unterbunden und durch den Anbau anderer Erzeugnisse ersetzt wird, die der gesellschaftlichen
und
wirtschaftlichen
Entwicklung
förderlich sind.
Die Staats- und Regierungschefs begrüßen die bilateral und multilateral
bereits erreichten Vereinbarungen und
erwarten, daß die von den Vereinten
Nationen in der nächstern Woche nach
Wien einberufene Internationale Konferenz über Drogenmißbrauch und illegalen Drogenhandel von Erfolg gekrönt
sein wird.

- 10 -

* * * * * *

�J&gt;^'®

'VON

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

e

*

10. Juni 1987

22
TEILWEISE AUFHEBUNG DER HANDELSSANKTIONEN GEGEN JAPAN
- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -

VENEDIG - (AD) - In Anerkennung der Fortschritte Japans bei der Drosselung
der Verkäufe von modernen Halbleiter-Chips zu Preisen unterhalb der Produktionskosten auf Drittmärkten hat Präsident Reagan die teilweise Aufhebung der
amerikanischen Handelssanktionen gegen Japan angekündigt. Im Anschluß an bilaterale Verhandlungen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Nakasone am 8.
Juni 1987 erklärte der Präsident, er halte es in Anbetracht der noch nicht
völligen Einhaltung des Halbleiterabkommens für angemessen, eine "Lockerung
der Sanktionen" von nur 51 Millionen Dollar zu verfügen, was ungefähr 17 Prozent des Gesamtwerts der jährlichen japanischen Verkäufe von Halbleitern an
die Vereinigten Staaten entspricht.
Nachstehend folgt die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut:

Eines unserer Hauptanliegen anläßlich
der
Eröffnung
des Wirtschaftsgipfels muß die Beseitigung
von Handelshemmnissen sein, die darauf ausgerichtet sind, das Ungleichgewicht des Handels aufrechtzuerhalten und die zum Protektionismus führen. Wir sollten uns zu freiem Wettbewerb bei einer fairen Marktlage
verpflichten.
Vor fast sechs Wochen habe ich
eine Anordnung zur Verhängung von
Sanktionen
auf japanische
Produkte
unterschrieben, als Reaktion auf die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

japanische
Nichteinhaltung
unserer
Abkommen über Anti-Dumping und den
Marktzugang
von
Halbleitern.
Die
eindeutige Botschaft brachte unsere
Absicht zum Ausdruck, den fairen Handel ernst zu nehmen. Ebenso deutlich
war unser Wunsch, diese Sanktionen
aufzuheben, sobald die Fakten einen
"eindeutigen und anhaltenden Beweis"
der Einhaltung anzeigen.
Japan ist
sowohl ein führender Wirtschaftspartner wie auch ein zuverlässiger Freund
und Verbündeter, und wir wollen jede
Anstrengung
unternehmen, um unsere
Meinungsverschiedenheiten so schnell

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wie möglich zu beseitigen.
Bedauerlicherweise ist mir eine
erste Überprüfung der Fakten über die
Halbleiter nicht hinreichend genug,
um die verhängten Sanktionen im Gesamtumfang aufzuheben.
Es gibt jedoch auf einem Gebiet nachdrückliche
Hinweise darauf, daß das Dumping von
Halbleiter-Chips mit dynamischem RAMSpeicher
(DRAMs)
auf
Drittmärkten
nachgelassen hat. Es ist ganz offensichtlich, daß eine merkliche Verbesserung auf diesem einen Gebiet stattgefunden hat.
Ich bin mir der Besorgnis im
Kongreß bewußt, ob konsequent und positiv auf die Einhaltung vorgegangen
ist.
Ich habe daher heute eine entsprechende Antwort angeordnet. DRAMs
machen 60 Prozent der 135 Millionen
Dollar an Sanktionen aus, die im Zusammenhang mit dem Dumping verhängt
wurden.
Die Angaben zu DRAMs verzeichnen einen Anstieg von einer 59prozentigen
zu einer
85prozentigen
Einhaltung des angemessenen Marktwertes, womit mehr als die Hälfte des
Weges zu einem annehmbaren ziel zurückgelegt ist. Ich ordne eine Aufhebung von Sanktionen in Höhe von 51
Millionen Dollar an, was einer 17prozentigen
Kürzung
des
Gesamtwertes
entspricht. Diese Aufhebung steht im
genauen Verhältnis zum bis heute erreichten Fortschritt.
Die japanische Regierung hat mir
die Zusicherung gegeben, daß dieses
positive Gesamtbild beim Dumping auf
Drittmärkten
anhalten
wird.
Wenn
sich herausstellen sollte, daß dies
nicht der Fall ist, werde ich nicht
zögern, die jetzt aufgehobenen Teilsanktionen wieder zu verhängen.

+ + + + + +

- 2

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
10. Juni 1987

22
NEUER STARTTERMIN FÜR NÄCHSTEN RAUMTRANSPORTER-FLUG

WASHINGTON - (AD) - Für den ersten Start eines amerikanischen Raumtransporters nach der CHALLENGER-Katastrophe vom 28. Januar 1986 wurde jetzt der
Monat Juni 1988 ins Auge gefaßt. Der genaue Termin soll später bekanntgegeben
werden. In einer am 20. Mai 1987 herausgegebenen Presseverlautbarung erklärte
Dr. James C. Fletcher, Administrator der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt
(NASA), daß diese Änderung zusätzliche Bodentests vor dem Start ermögliche.
Ursprünglich war der 18. Februar 1988 als Termin vorgesehen. Sicherheit des
"Space Shuttle"-Fluges ist jedoch, Fletcher zufolge, für die NASA oberstes Gebot. Die revidierten Pläne, nach denen der Raumtransporter wieder flugbereit
gemacht werde, seien ehrgeizig und setzten voraus, daß die Test- und Vorbereitungsziele voll erreicht werden.
Die
NASA
gab
ferner
bekannt,
statt der für 1988 vorgesehenen sechs
Flüge würden nur drei durchgeführt.
Im Augenblick plane die Behörde sieben
Raumtransportermissionen
für
1989, eine weniger als im Manifest
vom Oktober 1986 angegeben.
Welche
Nutzlasten für die einzelnen Missionen an Bord genommen werden sollen,
werde später bekannt gegeben.
Dem
jüngsten Zeitplan zufolge sollte beim
ersten
Flug ein TDRS-Satellit der
NASA abgesetzt werden, der für Bahnbeobachtungen
und
Datenübermittlung
benötigt wird.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Beim zusätzlichen Erprobungsprogramm für den Raumtransporter DISCOVERY, mit dem der erste Flug unternommen werden soll, geht es vor allem um
Brenntests der drei Haupttriebwerke
und
einen simulierten Start-Countdown, bei dem der große Außentank mit
Treibstoff gefüllt wird. Beide Tests
sind ca. sechs Wochen vor dem Start
vorgesehen. An den Feststoffraketen,
die in der ersten Aufstiegsphase hohe
zusätzliche Schubkraft liefern, hat
man nicht nur an der Verbindung der
Segmente, sondern auch an anderen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Teilen
Verbesserungen
vorgenommen.
Ein Leck in einer der Segmentverbindungen hatte im vergangenen Jahr das
Unglück ausgelöst, bei dem die sieben
Astronauten den Tod fanden.

* * * * * *

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Marshall-Plan leitete "Zeitalter der Freiheit" ein&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagans an die Jugend Europas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Niedrigeres Rüstungsniveau zur Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen angestrebt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung der Gipfelpartner -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Öltransport muss im Golf fortgesetzt werden können&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung der Gipfelpartner -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gipfelpartner erzielen Einigung über Sanktionen zur Terrorismusbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum Terrorismus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlusskommunique des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teilweise Aufhebung der Handelssanktionen gegen Japan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Starttermin für nächsten Raumtransporter-Flug</text>
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