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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

*

3. Juni

21

1987

I N H A L T
DOKUMENTATION

Persischer Golf sollte nicht von Iran und UdSSR beherrscht werden
- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf Marshall-Plan auch heute noch inspirativ
- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C.
Marshall Reagan fordert "routinemäßigen" AIDS-Test
- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -

INFORMATION
Greenspan bringt reiche Erfahrungen bei der amerikanischen Bundesbank
ein
- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank NIDA verzeichnet Erfolge bei Drogenbekämpfungskampagne
- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu 9

Eltern kommt Schlusselrolle bei Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu
- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verkehrsflugzeug mit fünffacher Schallgeschwindigkeit
- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

&amp;

Dokumentation

21

3. Juni 1987

PERSISCHER GOLF SOLLTE NICHT VON IRAN UND UDSSR BEHERRSCHT WERDEN
- Präsident Reagan zur Situation im Persischen Golf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan gelobte in seiner am 29. Mai 1987
gehaltenen Ansprache, die "Benutzung der wichtigen Schiffahrtswege des Persischen Golfs wird nicht von den Iranern gelenkt werden" und "sollen nicht unter die Oberaufsicht der Sowjetunion gelangen".
Der Präsident bezeichnete es als seine Pflicht, sicherzustellen, daß zur
angemessenen Abschreckung Streitkräfte in dem Gebiet unterhalten werden, falls notwendig - auch zur Verteidigung gegen jedweden zufälligen oder beabsichtigten Angriff.
Nachfolgend drucken wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.
Ich möchte heute nachmittag direkt über die lebenswichtigen Interessen des amerikanischen Volkes sprechen, lebenswichtige Interessen, die
im Gebiet des Persischen Golfes auf
dem Spiel stehen. Es mag nach einer
wirtschaftlichen
Erholung
in einer
Rekordzeit von 54 Monaten leichtfallen, zu vergessen, wie wichtig der
Persische Golf für unsere nationale
Sicherheit ist.
Aber ich glaube, daß sich jeder
Anwesende und jeder meiner Zuhörer an
die schmerzlichen Auswirkungen der

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Ölkrise im Mittleren Osten vor einigen Jahren erinnern kann - an die
endlosen, demoralisierenden Schlangen
an den Tankstellen, die Verknappung,
Rationierung, die steigenden Energiepreise, die zweistelligen Inflationsraten und die ungeheure Verwirrung,
die unsere Wirtschaft in ihren Grundfesten erschütterte.
Dieselbe wirtschaftliche Verwirrung durchdrang alle Teile der Welt,
beeinträchtigte
ausländische Volkswirtschaften, verschärfte internationale Spannungen und erhöhte in ge-

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�fährlichem Ausmaß die Möglichkeiten
für regionale Konflikte und weitreichende Kriege.
Die grundlegende Kraft für den
Frieden in der Welt - die Vereinigten
Staaten
und
andere
demokratische
Staaten - wurden als erheblich geschwächt angesehen.
Unsere Volkswirtschaften und unser Volk wurden
als Sklaven der ölproduzierenden Länder der Welt betrachtet. Das könnte
sich wiederholen, wenn es dem Iran
und
der
Sowjetunion
gelingt, den
friedlichen
arabischen Staaten des
Persischen Golfs ihren Willen aufzuzwingen und wenn es dem Iran erlaubt
würde, das freie Passieren neutraler
Schiffe zu blockieren.
Aber dies wird sich nicht wiederholen, nicht während der Amtszeit
dieses Präsidenten.
Ich bin entschlossen,
daß
unsere
nationale
Volkswirtschaft
niemals
wieder
zu
einer Sklavin wird; daß wir nicht zu
den Tagen der Schlangen an den Tankstellen, der Verknappung, Inflation,
wirtschaftlichen Verwirrung und internationalen Erniedrigungen zurückkehren werden.
Lassen Sie es mich
Ihnen deutlich sagen - die Benutzung
der lebenswichtigen Schiffahrtwege im
Persischen Golf wird nicht von den
Iranern
diktiert
werden.
Diese
Durchfahrten sollen nicht unter die
Oberaufsicht der Sowjetunion gelangen. Der Persische Golf wird für die
Schiffahrt aller Länder der Welt offen bleiben. Ich werde es nicht zulassen, daß der Mittlere Osten ein
Engpaß für die Freiheit oder ein Pulverfaß für internationale Konflikte
wird.
Freiheit der Schiffahrt ist im
Völkerrecht keine leere Klausel. Sie
ist für die Gesundheit und Sicherheit
Amerikas und die Stärke unseres Bündnisses lebenswichtig.

Unsere Präsenz im Persischen Golf
ist ebenso wichtig, wenn es um die
Verhinderung
größerer
Konflikte im
Mittleren Osten geht, und sie bildet
eine Voraussetzung für die Beendigung
des brutalen und gewalttätigen, jetzt
sechseinhalb Jahre währenden Krieges
zwischen Iran und Irak. Auf diplomatischer Ebene tun wir, was wir können, um diesen Krieg zu seinem Ende
zu führen, und diese Bemühungen werden anhalten.
Zusammengenommen halten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
ihre Präsenz im Golf aufrecht, um den
ungehinderten Umschlag des Öls zu unterstützen, um unsere Freunde und
Verbündeten in der Region unseres Engagements für ihren Frieden und ihr
Wohlergehen zu versichern, um sicherzustellen,
daß
die
Freiheit
der
Schiffahrt und andere international
vereinbarte
Grundsätze
respektiert
und beachtet werden. Kurz gesagt, um
die Sache des Friedens zu unterstützen.
Bis
zur
Wiederherstellung
des
Friedens und bis für die Schiffahrt
in der Region - besonders für die
Schiffahrt
unter
amerikanischem
Schutz - keine Risiken mehr bestehen,
müssen wir eine angemessene Präsenz
zum Zwecke der Abschreckung aufrechterhalten, und um uns, falls notwendig, gegen jedweden zufälligen oder
jeden beabsichtigen Angriff zu verteidigen.
Als Oberbefehlshaber ist
es meine Pflicht, sicherzustellen,
daß Streitkräfte in diesem Gebiet unterhalten werden, die diesem zweck
angemessen dienen.
Unser ziel ist das Streben nach
Frieden und nicht die Provokation.
Aber unsere Interessen und die unserer Freunde müssen gewahrt werden.
Wir sind im Persischen Golf, um unse-

- 2 -

�re nationalen, und zusammen mit unseren Verbündeten, die Interessen der
gesamten westlichen Welt zu schützen.
Der Frieden steht auf dem Spiel. Unsere nationalen Interessen stehen auf
dem Spiel. Und wir werden die Fehler
der Vergangenheit nicht wiederholen.
Schwäche und ein Mangel an Entschlossenheit und Stärke werden nur
diejenigen ermutigen, die den ölfluß
als Mittel zu nutzen suchen, als Waffe, um dem amerikanischen Volk im Inland Schwierigkeiten zu bereiten, uns
im Ausland zu behindern und um im gesamten Mittleren Osten und der Welt
Konflikte und Gewalt zu fördern.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
21

3. Juni 1987

MARSHALL-PLAN AUCH HEUTE NOCH INSPIRATIV
- Präsident Reagans Proklamation zum Gedenkmonat für George C. Marshall -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Proklamation vom 1. Juni 1987 erklärte Präsident Reagan den Juni 1987 zum Gedenkmonat für George C. Marshall und nannte
dessen Plan zum Wiederaufbau des vom Krieg zerstörten Europa "ein stolzes Monument der Geschichte unserer Nation".
Wie Präsident Reagan ausführte, ist der Marshall-Plan "auch heute noch inspirativ, weil er aufzeigt, welche Möglichkeiten bestehen, wenn Nationen ihre
Differenzen beilegen, um sich einer gemeinsmen Herausforderung zu stellen".
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Am 5. Juni vor 40 Jahren legte
der
damalige
Außenminister
George
Catlett Marshall Jr. in seiner Rede
bei einer Examensfeier der Universität Harvard seinen Plan zum Wiederaufbau des durch den Krieg zerstörten
Europa vor. Es ist wahrhaft angemessen, daß wir zum 40. Jahrestag dieses
Plans, der als Marshall-Plan bekannt
wurde,
eine
Gedenkfeier
abhalten,
weil er die Grundlage für das bemerkenswerteste
Zeitalter
von Frieden
und Wohlstand in der Geschichte bildet.
Der Plan verkörperte in höchstem Maße das amerikanische Engagement für Frieden und Freiheit in Eu-

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ropa und trug angemessenerweise den
Namen George Marshalls.
Als Stabschef der Armee im Zweiten Weltkrieg
trug er entscheidend zur Befreiung
Europas
bei; nachdem
Frieden geschlossen worden war, arbeitete er
ebenso tatkräftig als Außenminister
daran, Europa auf einem neuen Niveau
der Stärke und Vitalität wiederhergestellt zu sehen.
Der Marshall-Plan ist ein stolzes
Monument der Geschichte unserer Nation, weil sein Ursprung in unserem
großen und hochherzigen Geist liegt

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�wie auch in unserem Einsatz für die
Prinzipien der wechselseitigen Abhängigkeit, Selbstbestimmung und Offenheit gegenüber einer positiven Zusammenarbeit.
Der Plan war über die
kühnsten Erwartungen hinaus erfolgreich und bleibt heute noch inspirativ, weil er aufzeigt, welche Möglichkeiten
bestehen, wenn Nationen
ihre Differenzen beilegen, um sich
einer gemeinsamen Herausforderung zu
stellen.
Wir nehmen diese Gelegenheit auch
zum Anlaß, um George C. Marshall für
seine lebenslange Hingabe an die Vereinigten Staaten von Amerika zu ehren. Er bekleidete bei unserer härtesten Waffenprobe in der Armee eine
Führungsposition, diente als Außenund Verteidigungsminister
und wurde
der erste Berufssoldat, dem der Friedensnobelpreis verliehen wurde.
Er
wird uns immer als Inbegriff des Bürgers in Uniform in Erinnerung bleiben.

Aus diesem Grunde erkläre ich,
Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den
Juni 1987 zum Gedenkmonat für George
C. Marshall, ich fordere alle Amerikaner auf, diesen Monat mit entsprechenden
Programmen, Feierlichkeiten
und anderen Veranstaltungen zu begehen.
Dies zu bezeugen, habe ich an
diesem ersten Tag des Juni, im Jahre
des Herrn
neunzehnhundertsiebenundachtzig und im zweihundertelften Jahr
der Unabhängigkeit
der Vereinigten
Staaten
von Amerika
meine Unterschrift geleistet.

gez.
Ronald Reagan

Der Kongreß hat durch Senatsbeschluß 70 den Monat Juni zum "Gedenkmonat für George C. Marshall" erklärt
und den Präsidenten ermächtigt und
aufgefordert, zu diesem Anlaß eine
Proklamation zu unterzeichnen.

- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

3. Juni 1987

21

REAGAN FORDERT "ROUTINEM&amp;SSIGEN" AIDS-TEST
- Rede vor der amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung -

WASHINGTON - (AD) - In seinen Ausführungen vor der Amerikanischen Stiftung
für AIDS Forschung (American Foundation for AIDS Research) forderte Präsident
Reagan am 31. Mai 1987 "routinemäßige" AIDS-Tests für alle Insassen in Bundes-, Landes- und Regionalgefängnissen, für diejenigen, die um eine Heiratsurkunde nachsuchen sowie für alle, die Kliniken zur Behandlung von Geschlechtskrankheiten oder Drogenabhängigkeit aufsuchen.
Reagan hielt seine Rede anläßlich der von der Weltgesundheitsorganisation
und zahlreichen amerikanischen Regierungsbehörden veranstalteten Dritten Internationalen Konferenz über AIDS, zu der Tausende von Wissenschaftlern und
Forschern zusammengekommen waren.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen allen meinen
Dank dafür aussprechen, daß Sie sich
dem Kampf gegen AIDS verschrieben haben,
und ich möchte ebenfalls der
amerikanischen Stiftung für AIDS-Forschung und den Empfängern der Auszeichnungen für ihre Beiträge danken.
Es erfüllt mich mit besonderer Freude, daß sich unter den heute abend
Geehrten auch ein Mitglied der Administration befindet.
Dr. Koop verkörpert das, was man von jedem Generalarzt erwartet - er ist ein ehrenwerter Mensch, ein guter Arzt und ein
Verfechter des öffentlichen Gesund-

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heitswesens. Auch den anderen Ärzten
und Forschern, die heute abend nicht
hier anwesend sein können, möchte ich
meinen Dank aussprechen.
Sie alle
haben in den frühen Tagen der Krankheit wahrhaften Mut an den Tag gelegt, als wir uns noch nicht bewußt
waren, wie todbringend AIDS ist. Sie
haben ein persönliches Risiko für medizinische Erkenntnisse und für das
Wohlergehen ihrer Patienten auf sich
genommen.
Und dies verdient unsere
aufrichtige Dankbarkeit und Anerkennung.

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�Ich möchte heute abend über die
Krankheit sprechen, die uns alle hier
zusammengeführt
hat.
Der
Dichter
W.H. Auden hat gesagt, daß die wahren
Männer der Tat in diesen Zeiten nicht
die Politiker oder Staatsmänner sind,
sondern
die
Wissenschaftler.
ich
glaube, diese Aussage hat besondere
Gültigkeit, wenn wir uns mit der
AIDS-Epidemie auseinandersetzen.
Diejenigen unter uns, die der Regierung angehören, können unsere Bürger über die Gefahren aufklären; wir
können sicheres Verhalten ermutigen;
Tests zur Bestimmung der Verbreitung
des Virus durchführen; wir können alle
möglichen
Maßnahmen
ergreifen.
Aber nur die medizinische Wissenschaft kann jemals AIDS wirklich bekämpfen.
Und wir haben bereits beachtliche Fortschritte erzielt.
Wenn man bedenkt, daß wir von der
Existenz dieser Krankheit nicht einmal wußten, bis im Juni 1981 fünf
Fälle
in
Kalifornien
auftauchten.
Das eigentliche AIDS-Virus wurde 1984
entdeckt. Die Bluttests standen 1985
zur Verfügung.
Ein Medikament zur
Behandlung, AZT, wurde in Rekordzeit
auf den Markt gebracht, und andere
werden folgen. In zahlreichen Labors
wird an einem Impfstoff gearbeitet.
Zusätzlich zu den privaten und
gemeinschaftlichen
Forschungen, die
in unserem Land und überall auf der
Welt durchgeführt werden, hat die
Bundesregierung in diesem Haushaltsjahr 317 Millionen Dollar für die
AIDS-Forschung und insgesamt 766 Millionen Dollar vorgesehen.
Im nächsten Jahr beabsichtigen wir 30 Prozent mehr für die Forschung aufzuwenden - 413 Millionen Dollar von insgesamt 1 Milliarde Dollar. Die Ausgaben für AIDS bilden einen der Bereiche, die im Budget am schnellsten
wachsen, und, meine Damen und Herren,

sie verdienen es.
Wir reißen auch die Schranken der
Vorschriften nieder, damit die AIDSMedikamente von den pharmazeutischen
Labors so schnell wie möglich auf den
Markt kommen. Es ergibt keinen Sinn
- und es ist in der Tat sogar grausam
- sterbenden Patienten die Hoffnung
auf neue Medikamente vorzuenthalten.
Und ich verurteile nicht diejenigen,
die für die Freigabe der AIDS-Medikamente auf die Straße gingen und protestierten, bevor der letzte Federstrich gezogen war.
ich habe Verständnis für sie, und wir werden Hilfe - und Hoffnung - zur Verfügung
stellen, und zwar so schnell wir können.
Die Wissenschaft ist eindeutig zu
atemberaubenden Fortschritten fähig,
aber sie kann keine Wunder vollbringen.
Aufgrund der langen Inkubationszeit von AIDS wird es Jahre dauern, die Wirkung eines Impfstofs herauszufinden.
Die
Tests
erfordern
Zeit, und das ist ein Problem, das
nicht mit Geld gelöst werden kann.
Wir werden frühestens gegen Mitte bis
Ende der neunziger Jahre einen Impfstoff auf dem Markt haben.
Da wir keine Heilung
für die
Krankheit und keinen Impfstoff gegen
sie haben, lautet die Frage, wie wir
uns in der Zwischenzeit angesichts
dieser
Krankheit verhalten
sollen?
Wie schützen wir die Bürger unserer
Nation?
Und wo fangen wir an?
Zum
einen ist es absolut notwendig, daß
das amerikanische Volk Wesen und Ausmaß des AIDS-Problems erkennt.
Und
es ist wichtig, daß die Bundes- und
Landesregierungen dies ebenfalls tun.
Ich habe kürzlich meine Absicht
verkündet, wegen
der
Konsequenzen
dieser Krankheit für unsere Gesellschaft eine nationale AIDS-Kommission

- 2 -

�ins Leben zu rufen.
Wir benötigen
umfassende Antworten. Was können wir
zum Schutz der Amerikaner tun, die
nicht mit dem Virus infiziert sind?
Wie können wir am besten für diejenigen sorgen, die krank sind und im
Sterben liegen?
Wie bewältigen wir
eine Krankheit, die unser Gesundheitsfürsorgesystem
überschwemmen
könnte? Die AIDS-Kommission wird dazu beitragen, die besten Ideen Amerikas zur Bewältigung der AIDS-Krise
herauszukristallisieren.
Einige Dinge sind uns bereits bekannt - die
kalten Statistiken.
Aber ich werde
Ihnen nicht die grausamen Fakten darüber aufzählen, wie viele bereits gestorben sind oder höchstwahrscheinlich sterben werden. Ich werde nicht
die Zahlen und Gruppen derjenigen
aufschlüsseln, die wir verloren haben, denn ich möchte nicht, daß die
Amerikaner denken, AIDS beträfe nur
bestimmte Gruppen. AIDS betrifft uns
alle.
Unsere
Bürger
müssen
folgendes
wissen: Amerika sieht sich mit einer
Krankheit konfrontiert, die tödlich
ist und die sich ausbreitet.
Dies
erforderdert Eile, nicht Panik.
Es
erfordert Mitgefühl, nicht Verurteilung. Und es erfordert Verständnis,
nicht
Ignoranz.
Es
ist
außerdem
wichtig, daß die Amerikaner diejenigen nicht zurückstoßen, die von der
Krankheit
infiziert
sind,
sondern
würde- und liebevoll für sie sorgen.
Das letzte Urteil liegt bei Gott; es
liegt bei uns, das Leiden zu mildern
und Heilung zu finden. Wir befinden
uns in einem Kampf gegen Krankheit,
nicht
gegen
unsere
amerikanischen
Mitbürger.
Wir dürfen diejenigen, die mit
dem AIDS-Virus infiziert sind, nicht
der Diskriminierung aussetzen.
Ich
stimme mit dem Minister für Bildung
und Gesundheit Bennett überein - wir

müssen uns standhaft gegen jede Diskriminierung der mit AIDS Infizierten
zur Wehr setzen. Wir müssen die Verfolgung
unserer Mitbürger, sei es
durch
Ignoranz oder Böswilligkeit,
verhindern.
So gefährlich und tödlich AIDS
auch ist, viele der mit dieser Krankheit verbundenen Ängste sind unbegründet.
Diese Ängste gründen sich
auf Ignoranz.
Mir wurde von einem
Zeitungsfoto berichtet, auf dem ein
Baby in einem Krankenhausbettchen mit
einem Schild darüber gezeigt wurde,
auf dem zu lesen stand:
"AIDS
nicht
berühren".
Glücklicherweise
war dieses Foto vor einigen Jahren
aufgenommen worden, und wir wissen
heute, daß es für solche Ängste keinen Grund gibt.
Aber ähnliche Vorfälle ereignen
sich immer noch überall in diesem
Land. Ich habe über einen AIDS-infizierten Mann gelesen, der an seinen
Arbeitsplatz zurückkehrte und anonyme
Zettel auf seinem Schreibtisch fand
mit solchen Sätzen wie:
"Benutzung
unseres WasserSpenders verboten".
Mir wurde von einem Vorfall in
Florida berichtet, bei dem drei Brüder im Alter von 10, 9 und 7 Jahren,
alle Bluter und AIDS-Träger, beteiligt waren. Der Pastor forderte die
ganze Familie auf, nicht mehr in die
Kirche zu kommen.
Meine Damen und
Herren - dies sind altmodische Ängste, die im "Home of the Brave" keinen Platz haben.
Der öffentliche Gesundheitsdienst
hat festgestellt, daß kein medizinischer Grund dafür vorliegt, eine mit
dem Virus infizierte Person von regelmäßigem Schulbesuch oder der Arbeit
abzuhalten.
Es gibt
keinen
Grund für diejenigen, die AIDS-Träger
sind, ein scharlachrotes A zu tragen.

- 3 -

�AIDS ist nicht eine zufällig ansteckende Krankheit. Wir sind immer
noch dabei, zu lernen, wie AIDS übertragen wird, aber die Experten sagen
uns, daß man es nicht von Telephonen,
in Schwimmbädern oder von Wasserspendern
bekommt.
Wir
bekommen
AIDS
nicht, wenn wir jemandem die Hand
schütteln oder im Bus oder sonst irgendwo sitzen. Und am allerwichtigsten ist, man bekommt AIDS nicht, indem man Blut spendet.
Zum Abbau der Ängste ist Erziehung entscheidend. Und Erziehung ist
ebenfalls der entscheidende Faktor,
um die Weiterverbreitung der Krankheit zu stoppen. Da wir bisher noch
keine Heilung und keinen Impfstoff
zur Behandlung haben, ist das einzige, was die Verbreitung von AIDS im
Augenblick eindämmen kann, ein Wandel
im Verhalten derjenigen Amerikaner,
die davon bedroht sind.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
ist es Aufgabe der Regierung, wissenschaftliche und sachdienliche Informationen zur Verfügung zu stellen.
Organisationen können dazu beitragen,
diese Informationen
zu verbreiten,
ebenso wie Gemeinden und religiöse
Gruppierungen.
und natürlich können
dies auch die Schulen - unter Anleitung der Eltern und mit der Verpflichtung, so hoffe ich, daß die
AIDS-Erziehung oder jeder Aspekt der
Sexualerziehung nicht wertneutral gehandhabt werden.
Ein Dekan der st. Pauls Kathedrale in London hat einmal gesagt: "Das
Ziel der Erziehung ist nicht die
Kenntnis der Fakten, sondern der Werte".
Und das ist von der Wahrheit
nicht allzuweit entfernt.
Erziehung
ist das Wissen, sich anzupassen, erwachsen zu werden, sich selbst und
die Welt um uns herum zu verstehen.

Und Werte sind es, die uns bei den
Entscheidungen
des
Lebens
leiten.
Eine dieser Entscheidungen betrifft
unser Sexualverhalten.
Wie Generalarzt Dr. Koop ausgeführt hat, können wir von Kindern,
denen
Selbstwertgefühl
vermittelt
worden ist, erwarten, daß sie sich
selbst und anderen mit größerem Respekt entgegentreten.
Und wo immer
Selbstrespekt und gegenseitiger Respekt vorherrschen, gibt es keinen
Dogenmißbrauch und sexuelle Promiskuität - die natürlich die beiden
Hauptursachen für AIDS sind.
Auch
Nancy hat bei ihrer Arbeit herausgefunden, daß Selbstachtung die beste
Verteidigung
gegen
Drogenmißbrauch
darstellt.
Wir wissen, daß es diejenigen geben wird, die trotzdem weitermachen.
Nachdem eine moralische Grundlage definiert worden ist, kann man präventive und andere spezifische Maßnahmen
diskutieren.
Und es gibt einen weiteren Aspekt
bei der Vermittlung von Werten, der
hier erwähnt werden muß. Als Einzelpersonen haben wir eine moralische
Verpflichtung, andere nicht in Gefahr
zu bringen - und das kann heißen, andere mit einer Pistole, einem Auto
oder mit einem Virus in Gefahr zu
bringen. Wenn eine Person Grund zu
der Annahme hat, er oder sie sei
AIDS-Träger, dann hat diese Person
die moralische Pflicht, sich einem
Test zu unterziehen. Der menschliche
Anstand gebietet dies. Und der Grund
dafür ist sehr einfach - unschuldige
Menschen werden durch das Virus infiziert, und einige von ihnen werden
AIDS bekommen und sterben.
Lassen Sie mich Ihnen eine Geschichte über junge, unwissende Menschen erzählen.
Ein Arzt in einem

- 4 -

�Landkreis in Kentucky behandelte eine
Frau, die das AIDS-Virus von ihrem
Ehemann erworben hatte, der sich Drogen intravenös spritzte. Später wurden sie geschieden, und keiner der
beiden wußte, daß sie infiziert waren. Sie heirateten wieder einen anderen Partner, und heute hat bereits
einer von ihnen die Krankheit an den
neuen Ehepartner weitergegeben.

Darüber hinaus habe ich um eine
Überprüfung anderer Verantwortungsbereiche des Bundes nachgesucht, wie
etwa der Krankenhäuser für Kriegsveteranen, um herauszufinden, ob in
diesen Bereichen Tests angemessen wären. Diese Untersuchungen finden zusätzlich zu den bei den Streitkräften
und
im Auswärtigen Dienst bereits
durchgeführten Tests statt.

Ebensowenig, wie die meisten Menschen wissen, ob sie Träger des Virus
sind, wissen wir, in welchem Maße das
Virus unsere gesamte Gesellschaft bereits infiziert hat. AIDS verbreitet
sich heimtückisch unter unserer Bevölkerung, und dennoch haben wir noch
keine präzise Vorstellung über das
Ausmaß der Verbreitung.
Es ist an
der Zeit, daß wir genau wissen, womit
wir
uns
auseinandersetzen
müssen.
Und aus diesem Grund unterstütze ich
routinemäßige Tests.

Ich möchte mich jetzt dem zuwenden, was die Einzelstaaten tun können. Einige haben die Arbeit bereits
aufgenommen.
Ich berücksichtige die
freie Entscheidung des einzelnen, ermutige aber die Staaten, denjenigen,
die sich um eine Heiratsurkunde bemühen oder Patienten von Kliniken für
Geschlechtskrankheiten
oder
Drogenentzug Routineuntersuchungen anzubieten.
Und ich ermutige die Einzelstaaten, in Staats- oder Regionalgefängnissen
Routineuntersuchungen
zu
verlangen.

Ich habe das Ministerium für Gesundheits- und
Sozialwesen
um eine
baldmögliche Feststellung des Ausmaßes gebeten, in dem das AIDS-Virus
unsere Gesellschaft bereits durchsetzt hat sowie um eine Vorhersage
der zukünftigen Dimensionen
Ich habe ferner das Ministerium
für das Gesundheits- und Sozialwesen
gebeten, das AIDS-Virus in die Liste
der ansteckenden Krankheiten aufzunehmen, aufgrund derer Einwanderern
und Personen, die um ständigen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten nachsuchen, die Einreise verwehrt werden
kann.
Ich habe das Justizministerium
ersucht, Tests bei allen in Bundesgefängnissen
einsitzenden
Häftlingen
vorzusehen und Wege aufzuzeigen, um
nicht infizierte Insassen und ihre
Familien zu schützen.

Tests werden uns nicht nur mehr
Informationen als Entscheidungsgrundlage liefern, sondern auch im Falle
der Heiratsurkunden wenigstens einigen Babys ersparen, mit AIDS geboren
zu werden. Und jeder, der weiß, wie
schrecklich AIDS den Körper angreift,
kann sich dieser menschlichen Betrachtungsweise nicht entziehen. Ich
würde annehmen, daß sich jeder Heiratswillige testen lassen möchte.
Sie wissen, daß es ein Sprichwort
gibt, das besagt, wo die Nacht am
dunkelsten ist, leuchten die Sterne
am hellsten. Und bei dieser schrecklichen
AIDS-Seuche
gab
es
einige
lichte Momente. Ich spreche von all
den Freiwilligen im ganzen Land, die
sich um die Kranken und Hilflosen gekümmert haben.

Jahr
- 5 -

Zum Beispiel haben im vergangenen
etwa 450 Freiwillige im Rahmen

�des Shanti-Projekts 87 Prozent der
AIDS-Patienten San Franciscos 130 000
Stunden an seelischem Rückhalt und
praktischer
Unterstützung
gegeben.
Diese Art des Mitgefühls hat sich
über das ganze Land ausgebreitet und
symbolisiert die beste Tradition der
Fürsorge. Und ich ermutige die Amerikaner, diesem Beispiel zu folgen
und freiwillig ihren an AIDS erkrankten Mitbürgern zu helfen.
Abschließend möchte ich Ihnen etwas aus der Zeitung vorlesen, das
ebenfalls den amerikanische Geist widerspiegelt. Ein junger an AIDS erkrankter Mann hat gesagt:
"Obwohl
ich den Tod akzeptiere, ist der Kampf
um das Leben wichtig, und ich werde
diese Krankheit mit jedem Atemzug bekämpfen, der mir bleibt".

* * * * * *

- 6

�^£°s7&lt;

VOM

AMERIKA DIENST
Information

&amp;

3. Juni 1987

21

GREENSPAN BRINGT REICHE ERFAHRUNGEN BEI DER
AMERIKANISCHEN BUNDESBANK EIN
- Kurzbiographie des neuen Vorsitzenden der Bundesbank -

WASHINGTON - (AD) - Viele Wirtschaftswissenschaftler
haben
darauf
hingewiesen, daß es schwierig wäre,
jemanden
mit
der
Kompetenz
Paul
Volckers zu finden, der ihm als Vorsitzenden der Bundesbank folgen könnte.
Aber am 2. Juni hat Präsident
Reagan einen Kandidaten für die Nachfolge
Volckers
vorgeschlagen,
der
nach übereinstimmender Auffassung umfangreiche
Fachkenntnisse
und eine
gesunde
Handhabung
der
Geldpolitik
für den Posten mitbringt.

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Embassy of the United States of America

Der
Volkswirtschaftler
Alan
Greenspan, früherer Berater der Präsidenten Nixon und Ford, trat häufig
als Zeuge vor Ausschüssen des Kongresses auf. Er wird Volcker innerhalb der nächsten Monate ablösen,
wenn er vom Senat bestätigt wird.
Nach der Ankündigung berichtete
Volcker einigen Journalisten im Weißen Haus, er kenne Greenspan seit 30
Jahren.
Er sagte wörtlich:
"Ich
kenne einige seiner Begabungen, seine
Erfahrung, seine Fähigkeiten und sei-

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�ne Hingabe. Und ich bin erfreut, daß
der Präsident ihn gebeten hat, das
Amt anzutreten und daß er zugestimmt
hat."

Greenspans "eine ausgezeichnete Wahl"
und fuhr fort:
"Ich glaube nicht,
daß
der
Präsident
einen
besseren
Nachfolger hätte finden können."

Bei einem anderen Informationsgespräch sagte der amerikanische Finanzminister James Baker: "Ich glaube, daß die Qualifikationen von Dr.
Greenspan absolut hervorragend sind,
und ich erwarte nicht, daß es bei
seiner
Bestätigung
Probleme
geben
wird.
ich glaube, wir haben während
der
vergangenen Tage Spekulationen
darüber erlebt, ob es eine negative
Reaktion (auf den Märkten) geben würde.
Aber ich glaube wirklich, daß
wir eine Fortsetzung dieser Art von
Aktivitäten für einen längeren Zeitabschnitt nicht erleben werden, wenn
der Markt sein Augenmerk auf die Qualifikationen des Nachfolgers von Paul
Volcker richtet."

Der Vorsitzende des Bankausschusses, William Proxmire, dessen Auschuß
dafür verantwortlich ist, dem gesamten Senat zu empfehlen, ob dieser die
Berufung Greenspans unterstützen oder
ablehnen soll, sagte jedoch am 2. Juni im Senat, daß er über die Entscheidung
der Regierung
enttäuscht
sei und nicht verstünde, warum diese
getroffen worden wäre.

Die
Nominierung
von
Greenspan
stieß im Kongreß auf überwiegend positive Reaktionen beider Parteien.
Der
Mehrheitsführer
im
Senat,
Robert Byrd, nannte Greenspan "einen
Mann mit bemerkenswerter Erfahrung";
der "Einpeitscher" der Mehrheit im
Senat, Alan cranston, beschrieb ihn
als "einen sehr geachteten konservativen Volkswirtschaftler" und fuhr
fort:
"Möglicherweise
verfolgt
Greenspan
die
gleiche
Linie
wie
Volcker, aber er hat nicht volckers
gradlinigen Lebenslauf."
Der demokratische Senator Donald
Riegle, Mitglied sowohl des Finanzwie des Bankausschusses, erklärte,
Greenspan sei "ein Mann der Vernunft
und besitze außergewöhnliches berufliches Geschick."
Der Senator Jake Garn, ranghöchstes Mitglied der Minderheit im Bankausschuß
nannte
die
Nominierung

Finanzielle Kreise äußerten große
Unterstützung für Greenspan.
Der Präsident der Chase Manhattan
Bank, Thomas G. LeBrecque, erklärte
in einer Stellungnahme nach Reagans
Ankündigung:
"Ich
würde
von
Greenspan erwarten, daß er ein weiterer starker und erfolgreicher Chef
der Bundesbank sein wird, der die
Tradition einer gesunden Finanzpolitik fortsetzt."
Robert Dederick, der wichtigste
Volkswirtschaftler der Northern Trust
Company
in
Chicago,
erklärte:
"Greenspan ist ganz sicher ein besonders
fähiger
Nachfolger
für
Paul
Volcker.
Er ist ein pragmatischer,
solider
Konservativer.
Er ist in
sehr starkem Maße ein Mensch, der um
die Inflation besorgt ist, was eine
hervorragende Eigenschaft für einen
Leiter der Bundesbank ist."
Wie Volcker ist Greenspan der Ansicht, daß der Abbau des Haushaltsdefizits der Schlüssel zu einer langfristigen Stabilisierung der amerikanischen Wirtschaft ist. Vor einigen Jahren sagte er, daß "die Bundesbankpolitik durch die sie umgebenden
fiskalischen
Gegebenheiten
eingeschränkt" sei.

�in den vergangenen Jahren hat
Greenspan auch an der Wirksamkeit der
Wechselkurs-Interventionen zur Stabilisierung der Währungen einige Zweifel geäußert.
Die Berufung Greenspans erfolgte
nicht als völlige Überraschung. Wann
immer in den vergangenen Jahren Gerüchte über einen möglichen Rücktritt
Volckers aufkamen, stand Greenspans
Name als wahrscheinlicher
Kandidat
bei jedem ganz oben auf der Liste.
Er
ist derzeit
Präsident
bei
Townsend-Greenspan and Company, einer
anerkannten New Yorker Beratungs- und
Planungsfirma, der er seit 1954 angehört.

von beiden Parteien getragenes Paket
über Steuererhöhungen und einen Abbau
der Zuwendungen vorschlug, um das
kränkelnde System zu unterstützen.
Greenspan hat zahllose Auszeichnungen erhalten und war der letzte
Präsident und ein Mitglied der Nationalen Gesellschaft der Wirtschaftswissenschaftler. Er ist Mitglied des
Rates für Auswärtige Beziehungen.
Er hat an der New York University
Wirtschaftswissenschaften
studiert
und anschließend
darin promoviert.
Er hat ferner an der Colombia University studiert.
Greenspan wurde am 6.
in New York City geboren.

Eine seiner Hauptfähigkeiten bestand darin, aufgrund wirtschaftlicher Zahlen ein Bild für die weitere
Entwicklung der Wirtschaft im allgemeinen oder eines bestimmten Teiles
hieraus zu entwickeln.
Greenspan war Berater im Sachverständigenrat des Präsidenten (CEA),
im amerikanischen
Finanzministerium
und von 1970 bis 1974 bei der Bundesbank.
Während dieser Zeit trat er
gegen die von Präsident Nixon eingeführten
Lohn- und
Preiskontrollen
ein.
Von 1974 bis 1977 war er der
Vorsitzende des Sachverständigenrates
von Präsident Ford.
Während der Amtszeit von Präsident Carter war er Berater im Haushaltsbüro des Kongresses, und seit
1981 ist er Mitglied in Präsident
Reagans Beirat für Wirtschaftspolitik.
Von 1981 bis 1983 war er Vorsitzender von Präsident Reagans Konsultativkommission über die Reform des
Sozialversicherungssystems,
die
ein
- 3 -

März

1926

�AMERIKA DIENST
Information

"VoN^

3. Juni 1987

21

NIDA VERZEICHNET ERFOLGE BEI

DROGENBEKXMPFUNGSKAMPAGNE

- Artikel über die Drogenkonferenz in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Das Nationale Institut für Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse - NIDA) hat vor kurzem bei einer Sonderkonferenz im OstWest-Zentrum das Geheimnis seiner Erfolge gelüftet, die es gemeinsam mit einer
Gruppe von internationalen Führungskräften beim Kampf gegen Drogenmißbrauch
mit den beiden Kampagnen "Sag einfach nein" und "Kokain: die große Lüge" erzielt hat.

Laut Elaine Johnson, der Stellvertretenden Direktorin von NIDA, ist
die Erkenntnis des Problems der erste
Schritt, wenn man einen wirksamen
Werbefeldzug zur Verhütung des Drogenmißbrauchs in Angriff nehmen will.
NIDA ist als führende Bundesbehörde verantwortlich für die Verringerung der Nachfrage nach illegalen
Drogen in den Vereinigten Staaten und
wird in diesem Jahr 25 Millionen Dollar für Forschungsprojekte über illegale Drogen und die Auswirkungen ihres Gebrauchs aufwenden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Johnson stellte fest, daß 14 Millionen Dollar für die Erforschung von
Kokain und anderen Aufputschmitteln
vorgesehen sind.
Elf Millionen Dollar sind für die Marihuana-Forschung
bestimmt, denn Marihuana ist, laut
Johnson,
"die
am
häufigsten
mißbrauchte Droge
in den Vereinigten
Staaten.
Ihre Ausführungen konzentrierten sich jedoch im wesentlichen
auf die Entwicklung von NIDAs Kokainbekämpfungskampagne.
Zusätzlich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

zu

einer

umfassenden

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Kenntnis des Problems, mit dem wir
uns konfrontiert sehen, ist Johnson
zufolge seitens der Planer von Werbefeldzügen auch eine umfassende Kenntnis wirksamer Interventions- und Präventionstechniken notwendig; sie müssen sicherstellen, daß nur beruflich
qualifizierte Werbeproduktionsgesellschaften beschäftigt werden, damit
der Produkttyp entwickelt wird, der
öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfährt; und sie müssen die
Unterstützung des Hauptkerns der Interessengruppen gewinnen, die für die
Kampagne eintreten wollen.
Johnson vermittelte ihr hart erarbeitetes Wissen und ihre Erfahrung
an 46 Vertreter aus Regierung und
Privatindustrie, die an der einwöchigen, vom Ost-West-Zentrum und dem USInformationsamt (USIA) veranstalteten
Konferenz (25. - 29. Mai) mit dem
Thema:
"Mobilisierung
der Öffentlichkeit gegen Drogenmißbrauch" teilnahmen.
Johnson betonte, daß "der scheinbare Erfolg bei der Verbreitung unserer Botschaft zum Teil sicherlich der
Qualität der staatlichen Aufklärungskampagne
(PSA) zu verdanken ist".
Sie stellte fest, daß die Fernsehspots für die "Kokain: die große Lüge"
Kampagne
beim
amerikanischen
Film- und Videofestival Preise gewonnen haben und auch für andere Wettbewerbe eingereicht worden sind.
Um ein so ausgereiftes Produkt zu
erzielen, schloß NIDA einen Vertrag
mit dem Werberat, einer freiwilligen
Gruppe von Werbeagenturen und Mediengesellschaften,
die
Organisationen
des öffentlichen
Dienstes bei der
Produktion und Verbreitung nationaler
Medienkampagnen behilflich sind. Für
ihre Kunden stellt die Gruppe die
freiwilligen kreativen Dienste einer
führenden Werbeagentur zur Verfügung.

Im Falle von NIDA hieß die Werbeagentur Needham Harper Worldwide.
NIDA hatte jedoch selbst ihre Arbeit getan, bevor die Kampagne in die
Wege geleitet wurde. Johnson stellte
fest, daß aufgrund einer von NIDA
durchgeführten
nationalen
Untersuchung der Haushalte seit 1982 schätzungsweise 20 bis 24 Millionen Amerikaner zumindest einmal in ihrem Leben
Kokain probiert hatten.
"Junge Erwachsene", erklärte sie,
"im Alter zwischen 18 und 25 Jahren,
machten den höchsten Prozentsatz beim
Kokaingebrauch aus: 28 Prozent hatten die Droge mindestens einmal im
Leben probiert".
Schenkt man den medizinischen Experten Glauben, so steht Kokain bei
den Abhängikeitsziffern an führender
Stelle. Bestimmte Formen von Kokain,
wie zum Beispiel Crack, haben Srzten
zufolge eine Abhängigkeitsziffer von
schätzungsweise
70 Prozent
bereits
nach dem ersten Experiment mit der
Droge.
Johnson erläuterte Studien, aus
denen hervorgeht, daß die Wirkung von
Kokain auf die Lustzentren des Gehirns eine hochgradige Abhängigkeit
herbeiführt, ganz abgesehen davon,
daß es die Voraussetzung für Schlaganfälle
und
Herzinfarkte
schafft.
Bisher herrschte der weitverbreitete,
aber abwegige Glaube, so Johnson, Kokain mache nicht süchtig und sei
nicht gefährlich.
"NIDAs
Kommunikationsstrategie
für
die Verhütung
des
Drogenmißbrauchs war darauf ausgerichtet, das
Bewußtsein der Öffentlichkeit zunehmend auf die ernsthaften sozialen und
gesundheitlichen Konsequenzen des Kokaingebrauchs zu lenken, wobei besondere Betonung auf die Bekämpfung be-

�stehender
Gerüchte
erklärte Johnson.

gelenkt

wurde",

"Die kreative Strategie", erläutete sie, "bestand einfach darin,
folgende
Botschaft
zu
vermitteln:
Kokain macht hochgradig süchtig und
verursacht ernsthafte soziale, medizinische
und
psychische
Probleme.
Der Spruch 'Kokain: die große Lüge1
fordert die im allgemeinen vorherrschenden
Überzeugungen
und Verhaltensweisen gegenüber Kokain und seinen Versprechungen heraus".

West-Zentrum
ist Bestandteil
eines
einmonatigen
Programms,
in
dessen
Verlauf die Teilnehmer elf Städte in
den Vereinigten Staten besuchen werden, um erste Bemühungen bei der Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu beobachten.
Das
Programm
wird
in
Washington, D.C., mit der Begutachtung der von der amerikanischen Regierung und dem Privatsektor in die
Wege geleiteten initiativen zum Ende
kommen.

13 staatliche Aufklärungskampagnen wurden produziert und im amerikanischen
Fernsehen gesendet.
Die
Häufigkeit, mit der sie auf den lokalen Fernsehkanälen gezeigt wurden,
wurde
aufgezeichnet,
erklärte
Johnson, und die Ergebnisse waren
hervorragend: die Zahl der Sendungen
beläuft sich auf 1 500 bis 2 500 pro
Monat.
NIDA gewann daraufhin die Unterstützung von First Lady Nancy Reagan,
bekannten
Sportgrößen,
Mitgliedern
der Nationalen Elternbewegung und anderen, die sich der Verhütung des
Drogenmißbrauchs unter den Jugendlichen des Landes verschrieben hatten,
führte Johnson aus.
Zusätzlich zu allen diesen Maßnahmen, "unterhält NIDA 24 Stunden am
Tag einen gebührenfreien Telephon-Ansagedienst, der
Informationen
über
die Wirkung von Kokain gibt und an
den man sich um Hilfe bei der Bewältigung des Abhängigkeitsproblems wenden kann".
Mehr als 7 000 Anrufe werden pro
Monat beantwortet, erklärte Johnson,
und dies ist ein guter Hinweis auf
den Erfolg der Kampagne.
Die einwöchige Konferenz

im Ost- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
%

"""""

Information

A&lt;

3. Juni 1987

21

ELTERN KOMMT SCHLÜSSELROLLE BEI

BEKSMPFÜNG

DES DROGENMISSBRAÜCHS ZU

- Artikel Über die Drogenkonferenz in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Die Eltern sind es, die Thomas Gleaton, dem Geschäftsführer und Mitbegründer von PRIDE zufolge, den wichtigsten Bestandteil einer
wirkungsvollen Kampagne zur Drogenbekämpfung darstellen.
"In jeder Gesellschaftsform, sei sie
städtische Ordnung, gibt es keine bessere
Macht der kriminellen Drogenhändler als
Gleaton einer Gruppe von 46 internationalen
gen Drogen beteiligt sind.

nun ein Stammesgefüge oder eine
Waffe gegen die außergewöhnliche
die Mütter und Väter", erklärte
Führungskräften, die am Kampf ge-

PRIDE, eine Abkürzung für Parent's Resource Institute for Drug
Education Inc. (Elternhilfe-institut
zur Aufklärung über Drogen) wurde
1977 an der Georgia State University
gegründet, um Eltern aufzuklären und
zu informieren, die der kommerziellen
Drogenkultur den Kampf ansagen wollen. Seit seiner Gründung hat PRIDE
seinen Einfluß ausgeweitet, um Eltern
auf der ganzen Welt zu helfen.

Gleaton hielt seine Rede am 28.
Mai 1987 anläßlich der einwöchigen
internationalen Konferenz zur "Mobilisierung
der Öffentlichkeit
gegen
den Drogenmißbrauch", die im OstWest-Zentrum abgehalten wurde.

"Die internationale PRIDE-Initiative soll Eltern und Jugendliche auf
der ganzen Welt in einem Geflecht

Die vom US-Informationsamt (USIA)
unterstützte Konferenz soll Vertreter
der Regierung und des Privatsektors

United States Information Service
Embassy of the United States of America

verbinden, das die weltweiten Tendenzen des sich ausbreitenden Drogenmißbrauchs
abwenden
kann",
erklärte
Gleaton.

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aus der ganzen Welt zu einem Gedankenaustausch über Methoden der Kontrolle des Betäubungsmittelmißbrauchs
zusammenführen. Die Konferenz bildet
nur einen Teil eines einmonatigen
Programms, im Rahmen dessen die Teilnehmer
11
Städte
der
Vereinigten
Staaten besuchen werden, um vor Ort
Bemühungen zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs zu studieren.
Gleaton beschrieb den Konferenzteilnehmern die Arbeit von PRIDE und
forderte sie auf, in ihren Heimatländern ähnliche Organisationen ins Leben zu rufen.
Gleaton
erklärte
der
Gruppe,
"PRIDE ist der Ansicht, langfristige
Planung und Kontakte zwischen Elterngruppen und Schulsystemen bieten das
beste Mittel zur
Aufrechterhaltung
der Kontinuität von Projekten zur
Vorbeugung".
Gleaton wies darauf hin, PRIDE
und verwandte Organisationen, bei denen Eltern und Schulbehörden zusammenarbeiten,
seien
in
der
Lage,
•praktische Strategien zur Aufklärung
der
Eltern, gemeinsame Verhaltensrichtlinien und soziale Alternativen
für die Jugendlichen" zu entwickeln,
durch die Probleme von jugendlichen
mit Drogen, Alkohol und Disziplin erheblich abgebaut werden können.
Gleaton beschrieb die von PRIDE
zur Verfügung gestellten Hilfsmittel,
zu denen Broschüren, Filme, Videokassetten und Tonbänder für verschiedene
Altersstufen und lokale Interessengruppen zählen, die mit Programmen
zur Verhütung des Drogenmißbrauchs
befaßt
sind;
ferner
bestehen
per
Computer
erfaßte Kontakte
zwischen
den Eltern, mittels derer die freiwilligen PRIDE-Mitarbeiter in jedem
Staat den neu hinzugekommenen ihre
Hilfe anbieten können; es gibt einen
- 2

Koordinator
von Elterngruppen, der
bei
organisatorischen
Fragen hilft
und auf Probleme eingeht; es besteht
ferner ein gebührenfreier TelephonAnsagedienst, der laufend neueste Informationen
über
Betäubungsmittel
liefert.
Darüber hinaus stellt PRIDE eine
Fülle von Material als Teil seiner
Leistungen auf internationaler Ebene
bereit.
Gleaton zufolge haben die Vereinigten Staaten nur langsam auf die
steigenden Zahlen der Drogenabhängigen reagiert.
"PRIDE ist der Ansicht, daß die Vereinigten Staaten
den Eltern und Jugendlichen auf der
ganzen Welt gegenüber eine Gewissensschuld abzutragen haben".
Gleaton widersprach dem allgemein
vorgebrachten
Argument,
Drogenmißbrauch sei ein Verbrechen, bei dem es
keine Opfer gäbe.
Er erklärte, Benutzer von Drogen unterstützten "ein
ungeheures
Kartell von Drogenhändlern".
Er wandte sich ebenfalls gegen
das Argument, der Gebrauch von Betäubungsmitteln ließe sich mit Alkoholmißbrauch oder Tabakkonsum vergleichen. Ihm zufolge liegt die Zahl der
Alkoholabhängigen in den Vereinigten
Staaten bei etwa 10 Prozent aller Alkoholkonsumenten,
im Gegensatz dazu
werden 18 Prozent aller Raucher von
Marihuana zu Drogenabhängigen.
Bei der Konferenz im Ost-West
Zentrum sprach ferner Anne Meyer, die
stellvertretende Vorsitzende der Nationalen Elternvereinigung für eine
drogenfreie Jugend, einer freiwillige
Hilfsorganisation
für
Elterngruppen
zur Aufklärung und Verhütung des Drogenmißbrauchs.
Diese nationale Vereinigung koordiniert die Organisation

�der Teilnehmer, die in verschiedenen
Staaten an Programmen zur Verhütung
des Drogenmißbrauchs arbeiten.
Meyer berichtete ihren Zuhörern,
sie habe an ihre perfekte Familie geglaubt, bis sie eine Marihuana-Pfeife
in der Jackentasche eines ihrer fünf
Kinder gefunden hätte.
An diesem
Punkt habe sie Schritte unternommen,
um sich und ihre Kindern über Betäubungsmittel
und die Verhütung des
Drogenmißbrauchs aufzuklären.
Meyer zufolge besteht unter Eltern die Tendenz, zu leugnen, daß ein
Drogenproblem ihre eigenen Kinder betreffen könnte.
Als Ergebnis ihrer
eigenen Erfahrungen arbeitete sie aktiv bei verschiedenen Programmen zur
Verhütung
des
Betäubungsmittelmißbrauchs mit und war an der Gründung
der
Initiative
"Citizens for Drug
Awareness" (Bürger schärfen ihr Bewußtsein für Drogen) in Deerfield,
Illinois beteiligt.
Meyer betonte die Bedeutung der
Belehrung junger Menschen über die
Gefahren des Drogenmißbrauchs.
Das
wirkungsvollste
Verhütungsprogramm
bestehe
darin,
ausgebildete
junge
Menschen zu anderen Jugendlichen über
den Einfluß von Drogen sprechen zu
lassen.

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

**

Wissenschaft und Technik

3. Juni 1987

21

VERKEHRSFLUGZEUG MIT FÜNFFACHER SCHALLGESCHWINDIGKEIT
- Vorreiter für das amerikanische Weltraumflugzeug -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer vom US-Informationsamt (USIA) veranstalteten WORLDNET-Diskussion via Fernsehsatelliten-Schaltung mit Teilnehmern
in Paris, London, Madrid, Montreal und Den Haag wurden u.a. amerikanische Projekte zur Entwicklung eines kommerziellen Überschallflugzeuges erörtert. Dieses soll fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen, also mehr als doppelt so
schnell wie die CONCORDE fliegen. Bis zum Jahr 2000 könnte es einsatzbereit
sein. Das Flugzeug soll bis zu 300 Passagiere aufnehmen und Strecken z.B.
zwischen Washington bzw. New York und Tokio oder L O S Angeles und sidney in
zwei bis drei Stunden zurücklegen.
Infolge seiner
großen Flughöhe
von 32 000 m sei der Überschallknall
am Boden kaum zu hören, meinte Donald
Fuqua, der Präsident des Verbandes
der
amerikanischen
Luft- und Raumfahrtindustrie.
Gemeinsam
mit
Crawford
Bubaker, der im amerikanischen Handelsministerium für kommerzielle Luft- und Raumfahrt zuständig ist, beantwortete Fuqua Fragen
von Vertretern der europäischen Luftund
Raumfahrtindustrie
sowie
von
Journalisten.
Auf dem 37. Pariser
Aero-Salon, der am 11. Juni 1987 eröffnet wird, sind Modelle des neuen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Verkehrsflugzeuges
sowie
des
als
"Orient-Express" bezeichneten amerikanischen Weltraumflugzeuges zu besichtigen.
Für die Entwicklung des "Nationalen Raumflugzeuges", wie "Orient-Express" offiziell heißt, befürwortete
Präsident Reagan in seiner Botschaft
zur Lage der Nation vom Februar 1986.
Es handelt sich dabei um ein Hyperschallflugzeug, das Geschwindigkeiten
bis zum 25fachen der Schallgeschwindigkeit erreichen soll.
Es könnte
von Flugplatz-Rollbahnen starten und

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�beim Steigflug Beschleunigungen erzielen, die ihm sogar den Eintritt in
eine niedrige Erdumlaufbahn
ermöglichten.
Und das bedeutet, daß es
auch geeignet wäre, eines Tages den
Raumtransporter abzulösen.
Es ließe
sich zum Absetzen von Nutzlasten im
Weltraum, zum Einholen von Satelliten
und für Rendezvous-Manöver mit einer
Raumstation
verwenden.
Die
Forschungs- und Entwicklungskosten, einschließlich der Kosten für Flugtests,
werden auf ca. drei Milliarden Dollar
beziffert.
Die
Antriebsenergie
erhält
es
nicht, wie die jetzigen Raumfluggeräte, von Raketen mit mehreren Antriebsstufen, sondern von SCRAMJETTriebwerken.
Diese arbeiten im unteren
atmosphärischen
Bereich
als
"luftatmende" Motoren, so daß vom
Start bis zum Eintritt in eine Erdumlaufbahn nur eine einzige Antriebsstufe erforderlich wäre. Der vertikale Start, für den Raketen bestimmte
Vorrichtungen benötigen, fällt fort,
eine Rollbahn genügt.
Durch diese
Technik werden hohe Kosteneinsparungen möglich.
(Man strebt derzeit
eine Reduzierung der Kosten um 90
Prozent an.)
Luftatmende Triebwerke
für Raumfluggeräte befinden sich noch
in der Entwicklung.
Versuchstriebwerke wurden bereits im Windkanal erprobt. Bisher erzielte man Leistungen
bis
zur
achtfachen
Schallgeschwindigkeit.
Zum
Uberschall-Passagierflugzeug
erklärte Fuqua, dieses gefährde infolge seiner großen Flughöhe (mehr
als 30 000 Meter) die Ozonschicht in
der Erdatmosphäre weniger als andere
Uberschallfluggeräte, die sich in geringeren Höhen bewegen.
Wegen solcher Bedenken hatten die USA vor eineinhalb Jahrzehnten auf die Weiterentwicklung eines Uberschallverkehrsflugzeugs,
das
zweieinhalbfache

Schallgeschwindigkeit
te, verzichtet.

erreichen

soll-

Das neue Verkehrsflugzeug
soll
den nordamerikanischen Kontinent den
Staaten entlang der Pazifikküste und
anderen Teilen der Welt näherbringen,
wie dies schon durch das Düsenflugzeug in bezug auf Nordamerika und Europa geschah. Nach Ansicht der Industrie werde sich der Flugverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und den
Anliegerstaaten des Stillen Ozeans im
Fernen Osten jährlich um fast das
Fünffache ausweiten, so daß um das
Jahr 2000 mehr als 30 Millionen Passagiere pro Jahr zu befördern wären.
In der Bedienung anderer Städte, die
mehr als 10 000 km auseinanderliegen,
müsse zur gleichen Zeit mit etwa 50
Millionen Passagieren pro Jahr gerechnet werden.
Trotz
der
Rückschläge
in der
Raumfahrt, die die USA und Europa in
letzter zeit hinnehmen mußten, werden
die Raumfahrtprogramme energisch vorangetrieben.
Dies werde auch, so
sagten die beiden Interviewpartner in
Washington, auf dem Aero-Salon in
Paris deutlich. Mehr als 1200 internationale Aussteller informieren die
Öffentlichkeit über modernste Ausrüstungen und neueste Dienstleistungen
in der Luftfahrt. Im amerikanischen
Pavillon sind u.a. eine Ausstellung
der amerikanischen Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) über neue flugtechnische Entwicklungen sowie erstmals eine Ausstellung der amerikanischen Luftstreitkräfte zu sehen.

- 2 -

* * * * * *

)

j

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