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                  <text>AMERIKA DIENST
^r,DN ^

27.

20

Mai 1 9 8 7

I N H A L T

DOKUMENTATION

Adelman:

Fortschritte bei Rüstungskontrolle nicht durch Besorgnisse

aufhalten
- Rede vor der Gesellschaft für Verteidigungsbereitschaft -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Der Kampf gegen Drogen
- UN-Konferenz soll Weg zu weltweiter Koordinierung ebnen

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
27. Mai 1987

20

ADELMAN:

FORTSCHRITTE BEI RÜSTUNGSKONTROLLE NICHT
DURCH BESORGNISSE AUFHALTEN

Rede vor der Gesellschaft für Verteidiqungsbereitschaft

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Rüstunqskontrollbehörde,
Kenneth Adelman, hat bei einem Treffen der amerikanischer. Gesellschaft für
Verteidiqungsbereitschaft (American Defense Preparedness Association) am 21.
Mai 1987 erklärt, die Verhandlungen über die Verrinqerung der Mittelstreckenraketen (INF) in Europa sollten trotz der Besorgnis über die Erqebnisse eines
diesbezüglichen Abkommens vorankommen. Man stehe "nahe vor dem Abschluß des
ersten Abkommens im Nuklearzeitalter, das zu echten Reduzierungen bei den offensiven Atomwaffen führen wird".
Die Rede Adelmans hat folgenden Wortlaut:

Die Reagan-Administration befindet sich heute in einer sehr merkwürdigen Situation.
In den vergangenen
sechs Jahren stand diese Administration wegen ihres angeblichen Versagens, schnell genug Ergebnisse in den
Rüstungskontrollverhandlungen zu erzielen, unter ständigem Beschuß. In
den vergangenen sechs Jahren haben
die Kritiker im Kongreß Änderung auf
Änderung vorgeschlagen und Resolution
auf Resolution eingebracht, um dem
Präsidenten die Hände zu binden und
ihn dazu zu drängen, irgendein neues
Rüstungsabkommen mit dem Kreml abzu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schließen, in den vergangenen sechs
Jahren hat sich der Ruf des Kongresses, der Medien und der Rüstungskontrollgemeinde kaum abgeschwächt, der
da lautet:
"Verschafft und ein Abkommen.
Verschafft uns ein Abkommen." Bisweilen schienen unsere Kritiker zu sagen:
"Verschafft uns ein
Abkommen fast jeder Art, nur, damit
wir eines haben."
Trotz aller Kritik hat Präsident
Reagan
unbeirrt seine Tagesordnung
verfolgt.
Trotz aller Ablenkungsmanöver und Versuchungen und des Lärms

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�im Hinterqrund sind die Administration und das Bündnis ihren Grundsätzen treu geblieben, die standhafte
Verhandlungen ü'ber einschneidende Reduzierungen bei den offensiven Atomwaffen mit der Sowjetunion vorsehen.
Heute jedoch, wo ein Abkommen
ü'ber Mittelstreckenwaffen
(INF) in
Sicht ist, singen viele unserer Kritiker plötzlich ein neues Lied. Nun,
da wir nahe vor einem lang ersehnten
Abkommen stehen - und nicht vor irgendeinem Abkommen, sondern in vieler
Hinsicht vor einem besseren Rüstungskontrollabkommen als wir in der Vergangenheit je erreicht haben - werden
viele
unserer
Kritiker
plötzlich
nachdenklich und bekommen kalte Füße.
In den letzten Wochen scheinen einige
der energischsten Befürworter von Rüstungskontrolle plötzlich zu wiedergeborenen Kritikern der Rüstungskontrolle geworden zu sein. Und einige
derselben Leute, die sechs Jahre lang
Druck auf uns ausgeübt haben, damit
wir uns kopfüber in ein Abkommen mit
den Sowjets stürzen, warnen jetzt davor, daß die
Reagan-Administration
nicht Hals über Kopf ein kosmetisches
Abrüstungsabkommen eingehen dürfe.
Was geschieht hier eigentlich?
Ich sehe unter unseren
eine Menge Verwirrung.

Kritikern

Heute möchte ich auf diese Verwirrung eingehen und zu klären versuchen, wo wir in bezug auf das INFAbkommen stehen und was wir allgemein
bei der Rüstungskontrolle
erreicht
haben.
Dabei habe ich drei Feststellungen zu treffen:
1. Heute haben wir es mit einem
INF-Abkommen zu tun, das nach herkömmlichen Maßstäben in der Rüstungs-

kontrolle in vieler Hinsicht ein besseres Abkommen darstellt als wir es
in der Vergangenheit bei offensiven
Atomwaffen erzielt haben.
2. Ich bestreite die Ansichten
der Kritiker dieses Abkommens in allen Punkten. Ich glaube, daß sie unrecht haben.
3. Ich setze mich aber auch mit
einigen Verfechtern dieses Abkommens
auseinander.
ich
denke, daß
sie
ebenfalls unrecht haben - ironischerweise aus denselben Gründen, wegen
denen die Kritiker unrecht haben.
In der Tat bin ich der Meinung,
daß beide Extreme in dieser Debatte
zum Teil die gleichen Fehler machen.
Es ist wichtig, diese Fehler zu klären, wenn die Rüstungskontrolle unserer nationalen Sicherheit dienen soll.
Zunächst - was ist meiner Meinung
nach bei diesem Abkommen besser?
Drei Punkte.
Erstens wird es zu einschneidenden Reduzierungen der Atomwaffen führen, ich weiß nicht, ob die Menschen
sich
klarmachen, wie bemerkenswert
diese Tatsache ist. Wir haben mehr
als 25 Jahre hart an der Rüstungskontrolle gearbeitet - eigentlich seit
dem Anbruch des Atomzeitalters. Bis
jetzt ist es uns noch in keinem früher abgeschlossenen Vertrag mit den
Sowjets gelungen, sie zur Annahme bedeutender Reduzierungen der offensiven Atomwaffen zu bewegen.
Die SALT-Abkommen der siebziger
Jahre, die viele einst als Juwel in
der Krone der Rüstungskontrolle verehrten, hat praktisch ein enormes
Wachstum der nuklearen Arsenale zugelassen.
Heute besitzt die Sowjetunion ein strategisches Atomwaffenpo-

- 2 -

�tential, das viermal so groß ist wie
das, welches sie zahlenmäßig besaß,
als wir gemeinsam den SALT I-Vertrag
im Jahr 1972 unterzeichneten.
Und
seit Unterzeichnung von SALT II hat
sie die Zahl ihrer strategischen Wieder ein trittst lugkör per
verdoppelt.
Wenn den Senatoren, die die Ratifizierung von SALT I beschlossen haben,
im Jahr 1972 erklärt worden wäre, daß
SALT schließlich zur Erhöhung des sowjetischen Arsenals auf etwa 10 000
strategische
Waffen
führen
würde,
dann wäre dieses Abkommen, da bin ich
sicher, nicht annähernd so populär
qewesen.
Wenn wir also beim Abschluß eines
INF-Abkommens Erfolg haben, dann wird
dies das erste Mal im Atomzeitalter
sein, daß wir echte Reduzierungen der
offensiven Atomwaffen durch Rüstungskontrolle erreichen.
Und nicht nur
echte, sondern auch
einschneidende
Reduzierungen in den betroffenen Waffenkategorien. Wir werden nicht nur
zu dem Niveau der sowjetischen INFGefechtsköpfe zurückkehren, das bestand, als die Sowjets im Jahr 1977
mit
ihrer
nichtprovozierten Aufrüstung mit SS-20 Raketen begannen die Stationierungen, durch die dieser
gesamte Prozeß ins Rollen kam. Wir
werden unter dieses Niveau zurückkehren, da die sowjetischen Mittelstrekkenraketen der Typen SS-4 und SS-5,
die zu jener Zeit stationiert waren,
ebenfalls nicht mehr existieren. Es
wird das seit den frühen sechziger
Jahren niedrigste Niveau an INF längerer Reichweite sein - Null in Europa .
Dies ist wirklich der Hartnäckigkeit Präsident Reagans zu verdanken,
denn, als der Präsident im Jahr 1981
die "Null-Lösung" für Mittelstreckenraketen vorschlug, bestand unter den
Zeitungskolumnisten und Abrüstungsexperten
die vorherrschende Meinung,

dies sei unmöglich, weil es nicht
"verhandlungsfähig" sei - die Sowjets
würden dies in keiner Weise annehmen.
Zweitens
wird das
INF-Abkommen
besser sein, weil es zu ungleichen
Reduzierungen auf gleiche Obergrenzen
führen wird.
Mit anderen Worten:
die Sowjets werden wesentlich mehr
dieser Systeme abbauen müssen als wir
- etwa sechsmal mehr, wenn man die
INF-Gefechtsköpfe auf Raketen längerer Reichweite berücksichtigt.
Die
Sowjets
haben
heute
über
1 400
INF-Gefechtsköpfe
länqerer
Reichweite auf ihren SS-20 und SS-4
stationiert.
Wir besitzen 316 Gefechtsköpfe auf Pershing LI und landgestützten Marschflugkörpern.
Beide
Seiten werden auf 100 zurückgehen:
100 in den Vereinigten Staaten und
100 im asiatischen Teil der Sowjetunion.
Rein zahlenmäßig ausgedrückt
ist der Handel zu unseren Gunsten ungleich .
Schließlich
wird
das
Abkommen
einschneidendere
Verifizierungsmaßnahmen beinhalten als in der Vergangenheit. Es wird echte und ständige
lnspektionen vor Ort auf sowjetischem
Territorium
vorsehen.
ich
möchte
nicht den Eindruck erwecken, Inspektionen vor Ort seien ein Allheilmittel für die Verifizierung der Rüstungskontrolle.
Sie sind es nicht.
Aber sie sind unerläßlich für dieses
Abkommen.
Und, wie Reduzierungen,
sind sie etwas, was wir von den Sowjets seit langem bekommen wollten tatsächlich
während
des
gesamten
Atomzeitalters -, jedoch ohne jeden
Erfolg.
Wir befinden uns also in dieser
eigentümlichen
Situation
und qehen
davon aus, daß die Sowjets bereit
sind, unsere Bedingungen im Hinblick
auf Verifizierung und Kurzstreckensy-

- 3 -

�steme zu erfüllen. Wir befinden uns
also hier dicht vor dem ersten Abkommen im Atomzeitalter, das echte Reduzierungen bei nuklearen Offensivwaffen hervorbringen will.
Wir stehen
kurz vor einem Abkommen, das die Sowjets veranlassen würde, mehr Waffen
abzubauen als es uns dazu veranlassen
würde.
Wir stehen dicht vor einem
Abkommen, das die erste lnspektion
vor Ort zur Rüstungskontrolle auf sowjetischem Territorium mit sich bringen würde - was wir seit vier Jahrzehnten zu erreichen versuchten.
Und statt allgemeiner Zustimmung
herrscht Furcht. Statt Erleichterung
Besorgnis.
Statt Sicherheit Ambivalenz - und das häufig unter denselben
Leuten, die seit Jahren behaupten,
ein Rüstungskontrollabkommen bedeute
die Lösung all unserer Probleme.
Was sagen nun diese Kritiker und
warum glaube ich, daß sie sich irren?
Ich möchte im einzelnen auf vier
häufige Kritikpunkte eingehen.
Erstens weisen zahlreiche Kritiker darauf hin, daß das Abkommen
durch den Abzug amerikanischer Mittelstreckenwaffen
die
Vereinigten
Staaten
von Westeuropa
"abkoppeln"
will. Dies ist auch das Thema vieler
Strategie-"Gurus",
wie
etwa
Brent
Scowcroft
und
Jim
Woolsey, Henry
Kissinger und in jüngster Zeit sogar
Richard Nixon. ich glaube, diese Gurus haben unrecht.
Scowcroft, der Nationale Sicherheitsberater
unter
Präsident Ford,
schreibt, daß
der
Abzug
amerikanischer Mittelstreckenraketen mittels
eines
Abkommens
"einen
psychologischen Effekt der Abkopplung haben
muß, der dem ursprünglichen Zweck der
Aufstellung
widerspricht
unsere
Verbündeten zu abzusichern".
Nixon
- 4

und
Kissinger
gehen
noch
weiter.
Ihnen zufolge könnte das zukünftige
Abkommen "die tiefgreifendste Krise
des NATO-Bündnisses in seiner 40jährigen Geschichte hervorrufen".
Das ist eine sehr dramatische Behauptung.
Warum nehme ich Abstand
davon?
Im Grunde überschätzt es die
Leistung eines INF-Abkommens erheblich, sie sollten daran denken, daß
auf westlicher Seite nur eine Waffenkategorie betroffen ist, etwa 160 Abschußvorrichtungen oder 316 Gefechtsköpfe. Die strittigen westlichen Systeme gab es vor 1983 in Europa überhaupt noch nicht.
Es ist etwas lächerlich, sich im
Jahre 1987 dahingehend zu äußern,
als ob die amerikanische Garantie der
Sicherheit Westeuropas ausschließlich
von erst im Dezember 1983 begonnenen
Stationierungen
abhängt,
besonders
angesichts der Tatsache, daß die sowjetischen Systeme - SS-20 - die zu
solchen Stationierungen geführt haben, dann
fast völlig abgeschafft
würden.
Wir sollten zwei Dinge bedenken.
Erstens lag der wichtigste Grund für
die
ursprüngliche Entscheidung
der
NATO, zu verhandeln, und dann in Ermangelung
eines Abkommens für den
Stand Null, amerikanische Pershing II
und
bodengestützte
Marschflugkörper
zu stationieren, in der nicht provozierten
sowjetischen
Stationierung
neuer, mit drei Gefechtsköpfen ausgestatteter SS-20 im Jahre 1977. Nixon
und Kissinger sagen jetzt, es sei
"bedauerlich", daß die westliche Stationierung von INF auf dieser Grundlage gerechtfertigt war.
Aber die
Tatsache bleibt bestehen, daß es in
den späten siebziger und frühen achtziger Jahren die SS-20 waren, die in
Europa Angst auslösten. Es waren die
SS-20, die jedermann beunruhigten.

�Jetzt, da die Ausicht einer
fast
vollständigen Beseitigung dieser Raketen besteht, sind Kritiker plötzlich angesichts dieser Gefahr fast
gleichgültig geworden. Aber die Tatsache bleibt bestehen, daß mit der
Abschaffung
des
Löwenanteils
der
SS-20 der wichtigste Grund beseitigt
wird, aus dem wir die Stationierung
amer ikanischer
Mi ttelstreckenraketen
zunächst einmal benötigten.
Zweitens
sollten wir bedenken,
daß die größte Anzahl nuklearer Systeme der NATO von einem INF-Abkommen
nicht betroffen wäre. Die Sicherheit
der NATO ist weiterhin an die der
Vereinigten Staten "gekoppelt", wie
dies seit 35 Jahren der Fall ist und
nicht nur auf amerikanische luft-,
see- und bodengestützte Nuklearwaffen
- insgesamt mehr als 4 000 Nuklearwaffen in Europa - zutrifft, sondern
auch auf die 300 000 in Europa stationierten Soldaten.
Dieser Schutz
hat nicht erst vor vier Jahren mit
der
Stationierung
unserer
Mittelstreckenraketen im Dezember 1983 begonnen. Er wird nicht beendet sein,
wenn diese INF-Rakten abgezogen werden.
Im Grunde ist dieses Argument der
"Kopplung" ein theologischer streit,
und wie eine Reihe theologischer Dispute in der Rüstungskontrolle zeitigt
er
geringen
praktischen
Nutzen.
Manchmal denke ich, daß die "Theologie" in diesem Geschäft dem guten,
vernünftigen Denken über Politik und
Strategie im Wege steht.
Ich finde es zum Beispiel interessant, daß die lautstärksten Gegner
des
INF-Abkommens
Scowcroft,
Woolsey, Les Aspin, Lawrence Eagleburger, um nur einige zu nennen
gleichzeitig
große
Freunde
der
Midgetman-Raketc sind.
Diese beiden
Ideen passen zusammen; sie sind beide

das Produkt
Denkweise.

einer

sehr

abstrakten

ich möchte in dieser Diskussion
die "Sicherheitstheologen" den "Sicherheitspraktikern" gegenüberstellen.
Die Puristen oder "Theologen" wie Scowcroft und seine Anhänger
befürworten
die
kleine,
mobile
Midgetman-Rakete mit nur einem Gefechtskopf, weil sie den technischen
Ideen der Stabilität perfekt zu entsprechen
scheint.
Ihre
Mobilität
macht sie weniger
verwundbar; ihr
einzelner Gefechtskopf macht sie angeblich
weniger
"provokativ".
So
lautet zumindest die Theorie.
Die "Praktiker" betonen andererseits die politische Schwierigkeit,
in einem Land wie den Vereinigten
Staaten mobile Interkontinentalraketen (iCBMs) zu unterhalten, und sie
weisen auf die Kosten hin: 500 Gefechtsköpfe auf Midgetman werden 50
Milliarden Dollar kosten, während 500
Gefechtsköpfe auf 50 MX-Raketen 2
Milliarden Dollar kosten würden. Die
Praktiker würden es vorziehen, die
Ersparnis von 48 Milliarden Dollar
für bessere Verteidigungsausgaben zu
verwenden. 48 Milliarden Dollar sind
ein hoher Preis, um den abstrakten
Erfordnissen einer Theorie gerecht zu
werden, wenn es dringenden Bedarf an
anderer stelle und andere Methoden
zur Lösung des Problems gibt.
In bezug auf INF gefällt den
"Theologen" ebenso die bloße Idee der
"Ankoppelung", bei der Abschreckung
auf jeder stufe einer imginären "Leiter" der Eskalation verwirklicht wird
(trotzdem
seltsamerweise
ihrer Ansicht nach eine wichtige Sprosse auf
westlicher Seite bis vor vier Jahren
fehlte, als wir mit der Stationierung
von LRINF begonnen haben) . Auf der
anderer. Seite betrachten die "Prakti-

- 5 -

�ker" die politische Realtität - das
heißt, die Stationierunq von SRINF
wäre schwierig für Westeuropa, und
selbst, wenn sie politisch und finanziell machbar wäre, wäre sie nicht
den politischen Preis wert. Darüber
hinaus hat das Bündnis in den vergangenen 35 Jahren gut funktioniert, ohne daß es jede Sprosse der Eskalationsleiter gegeben hätte. insgesamt
- und praktisch - gesehen, neigen die
"Praktiker" dazu, das
INF-Abkommen
als gutes Geschäft zu betrachten.
Zusätzlich zu dem Streit über die
"Ankoppelung" gibt es weitere Kritikpunkte.
Manche Kritiker argumentieren, daß das INF-Abkommen wiederum
ein "Aufgeben" Europas mit sich bringen würde. Ich glaube auch, daß dies
eine Fehleinschätzung ist.
Bei
dieser
Meinung
ist
Henry
Kissinger führend. Kissinger zufolge
setzt das bevorstehende INF-Abkommen
"einen Prozeß fort, bei dem aufeinanderfolgende amerikanische Administrationen seit drei Jahrzehnten europäische Politiker verlassen haben, die
ihre politischen Haltungen von amerikanischen Vorschlägen für die atomare
Verteidigung Europas abhängig machten. Aus Italien und der Türkei wurden innerhalb von drei Jahren nach
deren
Stationierung
durch
die
Kennedy-Administration nach der KubaKrise Thor- und Jupiter-Raketen abgezogen.
Die Neutronenbombe wurde von
der Carter-Administration zwei Jahre
nach deren Annahme durch die NATO
aufgegeben. Jetzt mögen hier die INF
hinzukommen. Hier haben wir also ein
weiteres hartes urteil.
Was ist daran falsch?
Nun, es
wird hier keine Unterscheidung getroffen
zwischen
bilateralen
Rüstungskontrollabkommen und einseitiger Abrüstung.
Die Thor- und Jupiter-Raketen wurden einseitig von der

Kennedy-Administration
abgezogen.
Die Carter-Administration hat als Reaktion auf den Druck der Anti-Atombewegung des Westens einseitig Pläne
zur Stationierung der Neutronenbombe
aufgegeben.
Im Gegensatz dazu hat
die
Reagan-Administration
zusammen
mit den amerikanischen
Verbündeten
einem enormen
Druck gegen unseren
INF-Stationierungen widerstanden und
trotz dieses Drucks im Jahr 1983 mit
der Stationierung begonnen.
Deshalb sind wir heute in der Lage, einen Abbau und Abzug unserer
INF-Systeme gegen eine sechsmal größere Reduzierung sowjetischer INF-Gefechtsköpfe
einzuhandeln.
Mir
scheint, daß es einen eindeutigen Unterschied
zwischen der
einseitigen
Einstellung
eines Systems auf der
einen Seite und dem Kampf um dessen
Erhaltung und Benutzung als Unterpfand bei Verhandlungen auf der anderen Seite gibt. Die von Kennedy und
Carter
ergriffenen
Maßnahmen waren
einseitige Gesten.
Dies wird ein
beiderseitiges Abkommen werden, das
durch
westliche Entschlußkraft zustande
kommt.
Erst
recht
Henry
Kissinger sollte diesen Unterschied
verstehen.
Drittens
weisen
Kritiker
wie
Nixon und Kissinger darauf hin, daß
ein
INF-Abkommen
nicht
ausreicht.
Erstens, so sagen sie, sollten wir
auf einem echten stand von Null auf
beiden Seiten bestehen, das heißt,
die Sowjets sollten die 33 SS-20 Raketen aus Asien abziehen.
zweitens
sollten wir nicht dem vollständigen
Abzug unserer INF-Raketen zustimmen,
bis sich die Sowjets zu einem Gleichstand bei den konventionellen Streitkräften bereiterklären.
Zum ersten Punkt:
Wir stimmen
zu, daß die vollständige Beseitigung
der INF längerer Reichweite auf bei-

�den Seiton der Beibehaltung von 33
SS-20 Raketen in Asien durch die Sowjets
vorzuziehen
wäre.
Außenminister shultz hat sich für diese Lösung in Moskau eingesetzt.
Die Sowjets sagten "nein".
unsere Unterhändler in Genf setzen sich weiter
dafür ein. in jedem Fall ist das Abkommen meiner Meinung nach der Mühewert. Vom Standpunkt unserer Verbündeten und Freunde in Asien betrachtet, bedeutet es immer noch eine erhebliche Verbesserung, da die Zahl
der auf sie gerichteten SS-20 Raketen
von ca. 170 auf 33 reduziert würde,
zumal dieses Abkommen erreicht wird,
ohne den Preis einer Stationierung
amerikanischer INF-Raketen in Asien
zu zahlen.
Der
zweite,
von
Nixon
und
Kissinger angeführte Punkt ist jedoch
völlig unpraktikabel. Es ergibt einfach keinen Sinn, jetzt ein Junktim
zwischen einem INF-Abkommen und neuen
Verhandlungen über ein koventionelles
Gleichgewicht in Europa aufzustellen.
Erstens haben wir uns konsequent sowjetischen
Bemühungen
widersetzt,
eine Rüstungskontrollverhandlung mit
einer anderen zu verbinden, indem wir
darauf bestanden, daß Fortschritte in
unabhängigen Verhandlungen zu START,
INF sowie Verteidigungs- und Weltraumwaffen möglich sind. Würden wir
dem Rat von Nixon und Kissinger folgen, dann würden wir uns genau dieser
Praxis des Junktims bedienen.
Zweitens wäre die Nixon-Kissinger-Lösung
ein tödlicher Zusatz. Als diejenigen, die vor 13 Jahren die Gespräche
über
Beiderseitige
und Ausgewogene
Truppenverminderungen
in Europa in
die Wege leiteten, sollten sie sich
der Tatsache bewußt sein, daß in diesen 13 Jahren in der konventionellen
Rüstungskontrolle
nichts
erreicht
wurde und daß dabei auch wenig Aussicht auf Änderung besteht. Drittens
ist es unvernünftig, zu fordern, daß

dieser INF-Vertrag Abhilfe für alle
Probleme der westeuropäischen Sicherheit schafft. Es reicht, daß es uns
gelungen ist, das Problem der SS-20
zu lösen. Es reicht, so scheint mir,
daß wir zahlenmäßig bei den Verringerungen der Gefechtsköpfe auf Raketen
längerer Reichweite einen Vorteil von
sechs-zu-eins bekommen.
Damit komme ich zum vierten Argument der Kritiker.
Viele Kritiker
behaupten
heute,
das
INF-Abkommen
führe uns unweigerlich auf den Pfad
der Denuklearisierung Europas - eine
Denuklcarisierung, die aufqrund der
klaren Überlegenheit des Warschauer
Pakts über die NATO bei konventionellen und chemischen Waffen extrem gefährlich, ja katastrophal, sein wird.
Ich glaube, dies ist eine legitime
Sorge, aber ich bin überzeugt, daß
dieses Problem nicht aus solch einem
Abkommen resultieren würde.
Der scheidende Befehlshaber der
NATO, General Bernard Rogers, hat der
Zeitschrift 'Newsweek' gegenüber unlängst zu Recht erklärt:
"Wenn wir
letztlich alle Atomwaffen loswerden
und kein Gleichgewicht zwischen ihren
konventionellen Streitkräften und unseren erreicht haben, dann werden wir
eines Tages aufwachen und nach der
Pfeife der Sowjets tanzen."
Ich hege großen Respekt für General Rogers, und ich glaube, daß die
Gefahr, von der er spricht, real ist,
wenn seine Befürchtungen jemals wahr
würden.
Aber wir sind noch weit,
weit von einem denuklearisierten Europa entfernt. Wir werden auch nach
einem INF-Abkommen noch 4 000 Atomwaffen in Europa besitzen.
Und in
Abwesenheit konkreter Entwicklungen,
die das konventionelle und chemische
Ungleichgewicht beheben, besteht für
den Westen kein Grund, diesen Weg
einzuschlagen.

- 7 -

�Wo liegt das Problem bei dieser
Kritik? Es wird angenommen, daß wir
nach Unterzeichnung eines Abkommens
machtlos sein werden, um den Zug anzuhalten und auszusteigen.
Es wird
angenommen, daß wir dann gezwungen
sein werden, weitere Abkommen zu unterzeichnen.
Das INF-Abkommen könnte einen gefährlichen Weg zu einem gefährlich
denuklearisierten Europa darstellen,
wenn wir das zulassen. Aber es muß
kein gefährlicher Weg sein, wenn wir
bei der Rüstungskontrolle vernünftig
vorgehen.
Das bedeutet jedoch, daß wir als
Nation und als Bündnis beginnen müssen, bereitwilliger zwischen irgendeinem alten Rüstungsabkommen und einem guten Rüstungsabkommen zu differenzieren.
Wir müssen in der Lage
sein, Vereinbarungen, die in unserem
Interesse liegen, von Vereinbarungen
zu unterscheiden, die nicht in unserem Interesse liegen.
Es bedeutet,
daß wir in der Rüstungskontrolle lernen müssen "nein" zu sagen, wenn es
sich um ein schlechtes Geschäft handelt.
Dem Kongreß
fällt jedoch eine
Schlüsselrolle zu.
Der Kongreß der
Vereinigten Staaten muß lernen, im
Bereich
der
Rüstungskontrolle
ein
"nein" als Antwort zu akzeptieren,
wenn es in unserem nationalen Interesse liegt, dies auszusprechen.
Aus diesem Grund habe ich wenig
Geduld bei einem Teil der Kritiken,
die wir zum INF-Abkommen gehört haben
- zum Beispiel von Personen wie dem
Vorsitzenden
des
Streitkräfte-Ausschusses im Repräsentantenhaus, dem
Abgeordneten Les Aspin. Wenn man ihn
nach seinen jüngsten Äußerungen beurteilt, dann scheint der Abgeordnete

Aspin ebenso wie Ralph Waldo Emerson
zu
glauben,
daß
Konsequenz
das
Schreckgespenst der Popanz ist - weil
er selber alles andere als konsequent
gewesen ist.
in den vergangenen Monaten hat
der Abgeordnete Aspin seinen Photokopierer etwas zu sehr in Anspruch
genommen, um Woche für Woche Presseerklärungen herauszugeben, in denen
er
die
Reagan-Administration
angreift, da sie es, seinen Worten
nach, versäumt hat, bei der Rüstungskontrolle "den Speck nach Hause zu
bringen".
Nun, was meinen sie, geschah vor
zwei Wochen, als wir vor der Tür
standen und den Speck praktisch in
der Hand hielten, in Form eines möglichen Abkommens zu INF?
Der Kongreßabgeordnete Aspin wollte ihn zurückschicken.
Es stellte sich heraus, daß er doch nicht ein solch großer Liebhaber von "Speck" ist.
Nachdem er mit der Mehrheit des
Repräsentantenhauses
dafür
gestimmt
hatte, die Null-Lösung des Präsidenten für Mittelstreckenraketen im Jahr
1981 energisch zu unterstützen, beschloß Les Aspin urplötzlich, daß es
vielleicht doch nicht so eine gute
Idee ist. Nun, da der Speck für uns
in Reichweite liegt, mag er ihn nicht
mehr.
Les Aspin hatte sechs Jahre Zeit,
um zu entscheiden, ob er den Speck
mochte oder nicht. Heute ist es etwas spät, um sich für die koschere
Küche zu entscheiden.
Wenn eine Bedrohung besteht, daß
Europa auf westlicher Seite "denuklearisiert" wird, während die sowjetischen Vorteile bei konventionellen
und chemischen Waffen unverändert bestehen
bleiben,
dann
liegt
dies
8 -

�hauptsächlich an dem Druck für ein
Abkommen um eines Abkommens willen die Mentalität des "bringt den Speck
nach Hause" in der Rüstungskontrolle,
die vom Repräsentantenhaus, vom Büro
des Les Aspin und von anderswo in den
vergangenen sechs Jahren ausging.
Und das bemerkenswerte ist, daß
sogar - während diese Administration
von einigen im Kongreß dafür gescholten wird, daß sie bei INF zuviele
Fortschritte macht, während wir glauben, ein gutes Geschäft erzielt zu
haben und während die Sowjets auf unsere Vorschläge eingegangen sind einige Vertreter im Repräsentantenhaus genau in diesem Moment auf Zusätze drängen, die dazu angetan sind,
die Administration
für zu geringe
Fortschritte in anderen Bereichen zu
strafen.
Wenn wir sagen "aufwärts",
wollen scheinbar
viele im Kongreß
"abwärts" sagen. Wenn wir "abwärts"
sagen", scheinen viele "aufwärts" sagen zu wollen.
Vom Standpunkt des Erlangens einer guten Rüstungskontrolle sind diese sogenannten
"Rüstungskontrollzusätze" des Kongresses schlechter als
wertlos:
sie schädigen unsere Verhandlungsposition ernsthaft , indem
sie unseren Unterhändlern den Boden
unter den Füßen wegziehen. sie stellen heute die größte Bedrohung am Horizont
der
Rüstungskontrolle
dar.
Sie
institutionalisieren
einseitige
Rüstungskontrolle.
Um es einfacher
auszudrücken:
sie verfügen einseitige Abrüstung.
Sie erklären sowjetische
Rüstungskontrollvor seh läge
praktisch zum Gesetz für die Vereinigten Staaten.
Ein solcher Zusatz würde zum Beispiel die Erprobung eines amerikanischen
Anti-Satellitensystems
im
Weltraum verbieten, obwohl die Sowjets
bereits ein
funktionsfähiges

Anti-Satellitensystem
haben.
Damit
bekräftigt er ein sowjetisches Monopol in diesem Bereich.
Ein anderer
Zusatz würde die Herstellung binärer
chemischer Waffen beschränken, obwohl
die Vereinigten Staaten seit 17 Jahren keine chemischen Waffen mehr produziert haben, während die Sowjets
deren Produktion niemals eingestellt
haben.
Durch einen weiteren Zusatz
würden die Vereinigten Staaten gezwungen, Teile von SALT II einzuhalten, sogar obwohl es den Sowjets
freisteht, wichtige Bestimmungen dieses Vertrages zu verletzen, wie sie
es jetzt auf eine ernsthafte Art und
Weise tun. Wiederum ein anderer beschränkt unseren wichtigen Bedarf für
SDI-Mittel, obwohl die Sowjets weiterhin sehr viel für ihre strategische Verteidigung ausgeben und uns
im Bereich der strategischen Verteidigung in den vergangenen zehn Jahren
bei den Ausgaben um das fünfzehnfache
übertroffen haben. Ein weiterer Zusatz würde ein amerikanisches Moratorium über Atomtests von mehr als einer Kilotonne erzwingen. Das ist die
Formel des Kongresses: Wenn kein Abkommen zu erzielen ist, das die Waffen auf beiden Seiten beschränkt,
bauen wir nur die Waffen auf unserer
Seite ab, ungeachtet der Gefahr.
Und wissen Sie, worin die Ironie
liegt?
Der eine Bereich der Rüstungskontrolle, in dem wir eindeutige Fortschritte erzielt haben - der
eine Bereich, in dem wir bereit sind
"den Speck nach Hause zu bringen" ist genau das Feld der Rüstungskontrolle, in dem uns der Kongreß allein
läßt.
Im großen und ganzen hat der
Kongreß bei INF unsere Verhandlungsposition und die amerikanischen Stationierungen
unterstützt.
Und wir
erzielen Ergebnisse.
Ich habe gesagt, warum die Kritiker dieses Abkommens meines Erachtens

- 9 -

�unrecht haben. Jetzt möchte ich ausführen, warum manche Befürworter unrecht haben.
In der David Brinkley Show der
vergangenen Woche hat der Sprecher
des Repräsentantenhauses Jim Wright
erklärt, daß in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen
dies
"die
beste Möglichkeit ist, die wir seit
Ende des Zweiten Weltkrieges hatten".
An anderer Stelle wurde er mit dem
Ausspruch zitiert, es sei die beste
Gelegenheit seit der Oktoberrevolution von 1917.

revolution gehabt haben.
In vieler Hinsicht machen die besorgten Kritiker und die wilden Verfechter
dieses Abkommens
dieselben
Fehler;
- Erstens erwarten sie mehr von
diesem
Rüstungskontrollabkommen
(oder vielleicht von jedem durch
Verhandlungen
zustandegekommenen
Abkommen) - ob positiv oder negativ - als ein solches leisten
könnte.
- Zweitens unterscheiden sie nicht
zwischen
Rüstungskontrolle
auf
der einen und einseitiger Abrüstung auf der anderen Seite.

Dies sind kühne Erklärungen. sie
gehen viel weiter als alle Mitglieder
der Administration, die über dieses
Abkommen verhandeln, jemals gegangen
sind.
Der Sprecher des Repräsentantenhauses scheint ebenfalls dem Eindruck
zu unterliegen, daß dieses Abkommen
über INF-Raketen uns eine Menge Geld
sparen wird. Er sprach darüber, Mittel
anzuweisen,
um
"Kinder
aufs
College zu schicken" und die Gesundheitsfürsorge auszubauen.
Ich wäre glücklich, wenn mehr
Kinder aufs College gehen könnten,
und ich wäre ebenfalls froh, wenn
mehr Menschen eine bessere Gesundheitsfürsorge
erhielten.
Das wäre
wohl jeder Amerikaner.
Aber ich glaube nicht, daß ein
Abkommen mit der Sowjetunion über
Mittelstreckenwaffen
diese
Zauberei
hervorbringen
kann.
ich
glaube
nicht, daß dieses Abkommen uns Geld
sparen wird. Es könnte uns Geld kosten, besonders insofern, als daß wir
unsere
konventionelle
Verteidigung
verstärken müßten. Ich glaube nicht,
daß dies unbedingt die beste Möglichkeit ist, die wir seit dem Ende des
Zweiten Weltkrieges oder der Oktober-

- schließlich gehen sie davon aus,
daß
kein
Rüstungsabkommen
in
Sicht ist, dem wir angemessenerweise und selbstbewußt ein schallenden
"nein"
entgegenstellen
können.
Es sind genau diese Fehlannahmen,
die wir hinter uns lassen müssen, um
sicherzustellen, daß Rüstungskontrolle wirklich dem nationalen Interesse
dient und wahrhaft unsere Sicherheit
stärkt.
Das sind genau die Fehlannahmen, denen wir abschwören müssen,
wenn die westliche Sicherheit sich
nicht unter der Flut der Abrüstungspropaganda - sowohl alten als auch
neuen Stils - verschlechtern soll,
die gegenwärtig aus der Sowjetunion
zu vernehmen ist.
Anders als der Kongreßabgeordnete
Wright sehe ich nicht das Paradies
auf Erden in den nächsten Jahren vor
Augen, wenn wir auf der gepunkteten
Linie gemeinsam mit den Sowjets ein
Abkommen über INF unterzeichnen. ich
sehe nicht den Frieden ausbrechen.

- 10 -

Und dennoch befürworte ich dieses

�Abkommen.
ich befürworte dieses Abkommen nicht, weil es das Paradies
einläutet oder große Geldsummen einspart oder das Problem der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen löst.
Ich bin dafür, weil es das besondere
Problem lösen würde, das sich die
NATO zu lösen vornahm, als die im
Jahr 1979 ihren berühmten Doppelbeschluß faßte: das Problem der sowjetischen SS-20.
Im Jahr 1979 entschied die NATO, daß sie entweder die
SS-20 mit westlichen Stationierungen
übertreffen oder ein Abkommen erlangen mußte, um die SS-20 loszuwerden.
Dieses Abkommen ist der Abschaffung
der SS-20 sehr nahe. Wir üben weiterhin Druck auf die Sowjets aus, um
die völlige Abschaffung von Mittelstreckenraketen
längerer
Reichweite
herbeizuführen. In jedem Falle würde
das Abkommen, über das wir sprechen,
im Grunde das wichtige Problem lösen,
zu dessen Lösung es erarbeitet wurde.
Nicht mehr und nicht weniger.
Deshalb denke ich, solch ein Abkommen
wäre ein sieg für das westliche Bündnis, ein Sieg der festen Haltung, ein
Sieg der Entschlußkraft des Westens.
Es ist ein Sieg, aber wir müssen ihn
in der richtigen Perspektive sehen.
Das zugrundliegende Problem der sowjetischen Aggression, die zugrundeliegende Aufgabe der Stärkung der Abschreckung und Aufrechterhaltung der
Sicherheit des Westens bleiben besteh er..

* * * * * *

�^°J^&lt;

V,DN

AMERIKA DIENST

^

Wissenschaft und Technik
27. Mai 1987

20

DER KAMPF GEGEN DROGEN
UN-Konferenz soll Weg zu weltweiter Koordinierung ebnen

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die bevorstehende internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Drogenmißbrauch und illegalen Drogenhandel,
die für die Zeit vom 17. - 26. Juni 1987 nach Wien einberufen ist und zum ersten Mal auf Ministerebene stattfinden, wird von den Vereinigten Staaten als
"ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen Rauschgifte" betrachtet. Aber schon
im UN-Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC), dessen 54 Mitgliedstaaten seit dem
4. Mai (bis Ende des Monats) in New York tagen, werden wichtige Punkte dazu
erörtert.
Allerdings machte die amerikanische Botschafterin Patricia Byrne
bei der ECOSOC-Tagung darauf aufmerksam, daß die Welt-Drogenkonferenz nur erfolgreich sein könne, "wenn aus ihr eine starke Verpflichtung der Nationen
hervorgeht, für die Eliminierung von Suchtstoffen als einer Bedrohung der
Weltbevölkerung unermüdlich zu arbeiten".

Patricia Byrne hält Konsens unter
den Partnerstaaten für dringend erforderlich, um den Kampf gegen illegale Drogen ausgewogen und an allen
Fronten gleich energisch zu führen.
Hauptziele seien die Verminderung von
Angebot und Nachfrage, die Ausschaltung des Drogenhandels sowie Fortschritte
in bezug auf Aufklärung,
Vorbeugung, Therapie und Rehabilitation.
Gelinge es jedoch den beteiligten Regierungen nicht, sich auf
einheitliche, ausgewogene und umfassende Maßnahmen zu einigen, oder ließen sich Delegierte einzelner Länder

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in Verfolgung
eigensüchtiger
Ziele
von den Kernproblemen ablenken, könnten nur die Händler und jene, die unter ihren Einfluß geraten sind, den
Sieg davontragen.
Um das zu verhindern, müßten alle
Kon fer en z te iIn ehmer
en tschloss en
sein, "unsere Kinder und künftige Generationen vor den zerstörenden oder
gar tödlichen Auswirkungen des Drogenhandels zu retten", sagte die Botschafterin.
Eine solche Entschlossenheit berührt viele wesentliche Bereiche - Produktion, Handel, Konsum,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aber
auch wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Faktoren.
Darauf verwies der mexikanische Botschafter Mario Moya Palencia. Er erklärte, lateinamerikanische und karibische Länder hätten ebenso wie andere Entwicklungsländer gefordert, in
dem auszuarbeitenden Deklarationsentwurf
die Notwendigkeit
praktischer
Maßnahmen hervorzuheben, um "das Problem an seinen Wurzeln und nicht nur
an seinen Symptomen anzugehen".

frage, Drogenangebot, illegalen Handel und Therapie betreffen.
Darauf
verwies auf der ECOSOC-Tagung Tamar
Oppenheimer,
die
Generalsekretär in
der Weltdrogenkonferenz.

Drogenmißbrauch - Pest unserer Zeit

Zur Bekämpfung des Drogenhandels
ist die Ausarbeitung einer Konvention
vorgesehen.
Die
Fortschritte
zur
Realisierung dieses Planes soll eine
noch einzusetzende Expertenkommission
überprüfen.
Diese hätte sich außerdem um Resolutionen zu kümmern, die
die
Regierungen
verpflichten, mehr
für Erziehungs- und Informationsprogramme zu tun, die die negativen und
schädlichen Konsequenzen des Drogenmißbrauchs deutlich machen.
Weitere
Resolutionen
hätten
der
besseren
Überwachung des Exports von psychotropen Substanzen, von Optiatprodukten
für
medizinische
und
wissenschaftliche Zwecke sowie einer Neuordnung der für die UN-Programme zur
Suchtstoffkontrolle verfügbaren Geldmittel
und
der
Unterstützung
des
Fonds für Pläne zur Suchtstoffkontrolle im Rahmen von Länder Programmen
zu gelten.

Die für das Programm zuständigen
UN-Beamten ließen keinen Zweifel daran, daß sich Drogenmißbrauch in allen
sozialen Schichten und in allen Teilen der Welt ausbreitet - "die Pest
unserer Zeit", wie Tamar Oppenheimer
sagte. Es sei nach wie vor schwierig, das Drogenproblem zu quantifizieren. Jedoch seien auf dem illegalen Markt weiterhin die gleichen Mengen verfügbar wie in den vorangegangenen
Jahren.
Entwicklungsländer
seien nicht gegen das Händlerproblem
gefeit. Außerdem mache sich in Osteuropa, das bisher so stolz war, gegen illegalen Drogenkonsum immun zu
sein, das
Problem
des Drogenmißbrauchs
ebenfalls bemerkbar.
Auch
Afrika, wo bis in die jüngste Zeit
der Drogengenuß durch Traditionen unter gewisser Kontrolle gehalten wurde, falle immer mehr dem Drogenmißbrauch zum Opfer.
Da Entwicklungsländer nicht über angemessene Ressourcen zur Bekämpfung des Problems
verfügten, seien sie besonders anfällig.

Hauptdokument der Konferenz wird
ein
"umfassender
multidisziplinärer
Maßnahmenkatalog"
sein
(nach einer
englischen Bezeichnung "Comprehensive
Multidisciplinary Outline" CMO abgekürzt).
Der im Februar in Wien von
der
UN-Suchtstoffkommission
(CND)
fertiggestellte und den Regierungen
zugeleitete Textentwurf, umfaßt ein
ganzes Spektrum praktischer Maßnahmen, die auf nationaler, fachlicher,
akademischer
und lokaler Ebene ergriffen werden können und Drogennach-

Der Beginn der ECOSOC-Tagung in
New York fiel zeitlich mit einer vom
amerikanischen Außenministerium einberufenen
Drogenkonferenz
zusammen,
die die zuständigen Attaches bzw. Referenten aus 47 amerikanischen Botschaften mit hochrangigen Mitarbeitern der amerikanischen Bundesbehörde
für Drogenbekämpfung (DEA) zusammenführte.
Die
"Narcotics
Attaches"
sind auf ihren Auslandsposten für die
Koordination der Bemühungen um Suchtstoffkontrolle
und
entsprechender

- 2 -

*

�Maßnahmen verantwortlich.
in seiner
Ansprache
bezeichnete der amerikanische Außenminister
George
shultz
den Drogenhandel
als eine moderne
Form der Piraterie. Diese nehme noch
schlimmere Formen an, wenn "gewissenlose Drogenhändler versuchen, ganze
Länder als Geiseln zu nehmen.
sie
machen mit Terroristen und Guerilleros gemeinsame Sache, um die Bevölkerung
auszuplündern,
überkommene
Werte und Institutionen anständiger
Menschen zu zerstören...
Aber die
angegriffenen Länder schlagen zurück.
Das internationale Recht wird umgeschrieben, um die Händler festzusetzen und ihnen ihre Beute abzunehmen",
sagte Shultz. "Wir machen uns keine
Illusionen.
Der wirkliche Kampf gegen
Drogen,
ein
internationaler
Kampf, fängt gerade erst an... Das
Recht und ebenso realistische Anstrengungen sind jedoch auf unserer
Seite."

Regionale Zusammenarbeit
Zwar seien viele in Regierungsdiensten
stehende Personen
korrumpiert. Aber Millionen ehrlicher Menschen überall in der Welt lehnten
sich gegen sie auf. Zur Zeit führten
20 Länder Vernichtungsaktionen
von
Drogenanpflanzungen durch.
Die USA
unterstützten über eine Abteilung des
amerikanischen
Außenministeriums
14
dieser Länder mit Geld, Ausrüstungen
und Personal.
Regionale Zusammenarbeit, etwa der Andenländer oder in
Asien (Burma und Thailand, Indien und
Pakistan), auch der Vereinigten Staaten mit Mexiko, beginne Früchte zu
tragen.
Die Vereinten Nationen, die
Organisation
Amerikanischer
Staaten
(OAS), der ASEAN-Bund, SAARC und die
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft sie alle haben die Drogenbekämpfung
als eine ernste internationale Aufgabe er kannt.

in den USA selbst werden die Aktivitäten von ca. 20 Bundesbehörden
sowie ihren einzelstaatlichen und lokalen Pendants, unterstützt vom Militär mit Helikoptern, Flugzeugen und
Radarballons, eng koordiniert.
Die
verstärkten
Anstrengungen
brachten
beachtliche Erfolge, wie DEA-Administrator John Lawn berichtete.
Zum
Beispiel
beschlagnahmten
DEA-Organe
allein im Jahr 1986 mehr als 27 000
kg Kokain, 800 000 kg Marihuana und
46 Millionen Dosen legaler, aber illegal verkaufter Suchtstoffe oder illegal
hergestellter
synthetischer
Rauschgifte.
Der letztgenannte Posten bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um mehr als 75
Prozent - "ein Problem, das uns große
Sorge bereitet", sagte Lawn.
Denn
die Quellen seien im eigenen Land zu
suchen.
Dem jüngsten DEA-Bericht ist zu
entnehmen, daß 1986 in den USA 4,7
Millionen Marihuana-Pflanzen auf illegalen Anbauflächen vernichtet wurden.
Bei 1,8 Millionen handelte es
sich um die Sinesmilla-pf lanze, die
einen
besonders
hohen
Gehalt
von
Tetrahydrocannabinol
besitzt.
Dazu
kamen 125 Millionen geringerwertige
Cannabis-Pflanzen.
in Verbindung mit
diesen Aktionen wurden 5537 Personen
verhaftet, 1646 Waffen eingezogen und
Vermögenswerte in Höhe von 13,5 Millionen Dollar beschlagnahmt.
Manche
Bundesstaaten benutzen für die Pflanzenvernichtung Herbizide.
Dies ist
der DEA bis zur Fertigstellung von
zwei, im Jahr 1983 gerichtlich verfügten Umweltgutachten verwehrt; allerdings konnten aufgrund bestimmter
Ergebnisse des ersten Gutachtens 1985
auf bundeseigenem Land Sprühaktionen
mit Glyphosat
(nicht aber mit Paraquat und 2,4-D) wiederaufgenommen
werden.

- 3 -

�Aufklärung in Schulen zeigt Wirkung
Daß
Information
und Aufklärung
junger Menschen, wie sie vor allem
durch Nancy Reagan initiiert und in
den letzten Jahren auf breiter Front
gefördert wurde, ihre Wirkung nicht
verfehlen, zeigen Umfragen in amerikanischen Schulen. Kinder sind sich
der Gefahren, die aus Drogen, aber
auch aus Zigaretten und Alkohol erwachsen, heute weitaus stärker bewußt
als noch vor zwei oder drei Jahren.
Auch widerstehen sie sehr viel mehr
dem Druck von Altersgenossen, z.B.
Marihuana einmal zu probieren.
Das
von
Nancy
Reagan
geprägte
Motto:
"Einfach Nein sagen" zu Drogen, trägt
offensichtlich Früchte.
Schwerpunkt
zahlreicher
Aufklärungsaktionen sind in zunehmendem Maße Warnungen vor Zigaretten und Alkohol, die als Einstiegsdrogen betrach^
tet werden. "Wir müssen allen Drogen
den Glorienschein nehmen", erklärte
Dr. Donald ian MacDonald, der Direktor der Abteilung im Weißen Haus für
Bekämpfung
des
Drogenmißbrauchs.
"Kindern
klarzumachen, daß Alkohol
und
Zigaretten
süchtig machen und
deshalb 'Drogen' genannt werden sollten, ist der erste Schritt." im Gegensatz zu den Umfrageergebnissen von
1983 stehen heutzutage Schulen an erster
Stelle als
Informationsquelle
über die Gefahren der Drogen, während
das Fernsehen noch immer die Führungsrolle darin hat, Rauschmittel
und Trinken als besonderen Spaß anzupreisen .
Drogen bedeuten für jeden Sektor
der Gesellschaft eine Bedrohung
letztlich
auch,
wie
Außenminister
Shultz erklärte, für die Demokratie
und die nationale Sicherheit.
Die
Vereinigten Staaten hätten sich ehrgeizige Ziele gesetzt:
Schule, Ar-

beitsplatz, Verkehrsmittel, Wohnungen, das ganze Land soll drogenfrei
werden. Dr. MacDonald zufolge sei es
ungemein wichtig, den "Markt" auszutrocknen - die Nachfrage nach Drogen
und die zahl der Menschen, die Drogen
nehmen, immer
mehr zu reduzieren.
Einer der Schwerpunkte der Drogenbekämpfung sei heute auch der Arbeitsplatz. Die kleine Anzahl berufstätiger Personen, die Drogen nehmen, gefährden in bezug auf Sicherheit und
Leistung die große Mehrheit der arbeitenden Mitmenschen, die drogenfrei
sind.
Eine erst kürzlich gemachte
Erhebung zeigt, daß im vergangenen
Monat 23 Millionen Amerikaner aller
Altersgruppen über 12 Jahre, und die
meisten davon am Arbeitsplatz, Drogen
nahmen. Für das vergangene Jahr wurden 38 Millionen Personen ermittelt und wieder in der Hauptsache am Arbeitsplatz. "Wenn wir dem nicht beikommen", meinte MacDonald, "gibt es
wenig Hoffnung, Drogenkonsum in den
Vereinigten Staaten zu verringern."

Therapie
Der Direktor des Nationalen Instituts zur Bekämpfung des Drogenmißbrauches, Dr. Charles Schuster, berichtete von einem Rückgang des Konsums von Marihuana, PCP und einiger
anderer Drogen seit dem Jahr 1979.
Dagegen sei bei Kokain ein weiterer
Anstieg zu verzeichnen, der Verbrauch
von Heroin sei unverändert.
In der
Therapie
Süchtiger
zeichneten
sich
Fortschritte ab.
Nach sechsjähriger
Behandlung
seien
etwa
60
Prozent
vollkommen
drogenfrei.
Dies gelte
jedoch nicht für Heroin- und Kokainabhängigkeit.
Bei
Heroinsüchtigen
habe man ständig mit Rückfällen zu
rechnen, so daß eine Behandlung bis
zum Lebensende notwendig sei.
Die
Sucht könne nicht geheilt, aber doch
wirksam unter Kontrolle gebracht wer-

�den. So gut seien Behandlungsverfahren
für Kokainsüchtige noch nicht
entwickelt, jedoch mache man bemerkenswerte
Fortschritte,
sagte
Dr.
Schuster. Die Behandlung konzentriere sich derzeit nach der Entgiftung
auf die Zufuhr chemischer Stoffe, die
durch Kokainmißbrauch dem Gehirn entzogen wurden.
Geschehe dies rechtzeitig, sei die Gefahr gebannt, das
der Betreffende erneut beginne, Kokain zu nehmen. Allerdings sei noch
keine
endgültige
Bewertung
dieser
Therapiemethode möglich.

Zusätzliches Risiko
Fixer, d.h.
Rauschgiftsüchtige,
die sich Drogen intravenös spritzen,
riskieren
zudem
sehr
leicht
eine
AIDS-Infektion, weil häufig Spritzen
gemeinsam benutzt werden. Diese Beobachtung wird in zahlreichen Ländern
gemacht.
Dr.
C.
Everett
Koop,
"Surgeon
General"
der
Vereinigten
Staaten, warnte Anfang Mai in einer
Rede vor der Weltgesundheitsbehörde
(WHO) vor der Gefahr, daß in einem
Land der Beginn des Drogenmißbrauchs
in Form von Fixen gleichzeitig bedeute, daß dieses Land nun auch mit der
Ausbreitung von AIDS zu rechnen habe.

* * * * * *
- 5 -

�</text>
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