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                  <text>AMERIKA DIENST

1 3 . Mai 1987

18

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan sieht "9olide Basis" für START-Abkommen
- Erklärunq des Präsidenten zum amerikanischen Vertraqsentwurf -

Weinberger:

Amerika "optimistisch" über Abschluß eines INF-Abkommens

- Rede bei Seminar der Euroqroup -

Amerikanischer Vertragsentwurf fordert einschneidenden Abbau von
Offensivwaffen
- Pressekonferenz mit Botschafter Lehman -

WIRTSCHAFT

USA erneuern Forderung nach wirtschaftlichen Impulsen durch Japan und
die Bundesrepublik Deutschland
- Rede von Finanzminister Baker bei OECD-Ministertreffen -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

V O N **

13. Mai 1987

18

REAGAN SIEHT "SOLIDE BASIS" FÜR START-ABKOMMEN
Erklärung des Präsidenten zum amerikanischen Vertragsentwurf -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan zufolge liefert der am 8. Mai 1987
bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) in
Genf vorgelegte amerikanische Vertragsentwurf "eine solide Grundlage für die
Schaffung eines fairen und dauerhaften Abkommens". In seiner schriftlichen
Erklärung teilte der Präsident außerdem mit, er werde keine Beschränkungen für
das SDI-Programm gegen ein Abkommen zu den strategischen Waffen eintauschen;
SDI sei "lebenswichtig für die künftige Sicherheit" der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich
habe
den
amerikanischen
START-Unterhändler
bei
den Genfer
Verhandlungen
über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) angewiesen, bei dem
heutigen Treffen der START-Verhandlungsgruppe
einen
Vertragsentwurf
vorzulegen, der eine 50prozentige Reduzierung der amerikanischen und sowjetischen
strategischen
offensiven
Atomwaffen vorsieht.
Der Text des
amerikanischen Vertragsentwurfs spiegelt die grundlegenden Bereiche der
Übereinstimmung bezüglich der Reduzierung strategischer Waffen wider,
die von Generalsekretär Gorbatschow

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Embassy of the United States of America

und mir während unseres Treffens in
Reykjavik
im
vergangenen
Oktober
festgelegt wurden.
Unser Vertragsentwurf sieht vor,
daß beide Seiten über einen Zeitraum
von sieben Jahren nach Inkrafttreten
eines solchen Vertrags Reduzierungen
bis auf 1 600 strategische Trägerwaffen und 6 000 Gefechtsköpfe vornehmen, mit angemessenen Untergrenzen.
Er liefert eine solide Grundlage für
die Schaffung eines fairen und dauerhaften Abkommens.

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�Zusätzlich zu allgemeinen Obergrenzen
gewährleistet der
amerikanische Vorschlag besondere Beschränkungen
bezüglich der
destabilisierendsten und gefährlichsten nuklearen
Systeme,
insbesondere der schnellfliegenden ballistischen Raketen. Er
beinhaltet
detaillierte
Regelungen
mit dem Ziel, jedwede Unklarheit über
das Vereinbarte auszuschließen sowie
umfangreiche Verifizierungsbestimmungen, um sicherzustellen, daß jede
Seite darauf vertrauen kann, daß die
andere Seite das Abkommen vollständig
einhält. Der Vertrag ist das Ergebnis intensiver Bemühungen aller zuständigen Behörden der amerikanischen
Regierung, ich habe den Vertrag eingehend überprüft, und er hat meine
Zustimmung.
Mit der Vorlage dieses Textes
streben die Vereinigten Staaten danach, auf den bedeutenden bei START
erzielten
Fortschritten
aufzubauen
und ein Mittel bereitzustellen, um
die
verbleibenden
Meinungsverschiedenheiten beizulegen.
Wenn die Sowjets bereit sind, mit uns bei den
noch ausstehenden Problemen zusammenzuarbeiten, insbesondere bei der Notwendigkeit - um die strategische Stabilität zu gewährleisten - von Untergrenzen bei den Gefechtsköpfen auf
ballistischen
Raketen, dann werden
wir in der Lage sein, einen wichtigen
Schritt in Richtung auf eine sicherere und stabilere Welt zu unternehmen.

Maßnahmen, die im Falle ihrer Akzeptierung durch die Vereinigten Staaten
SDI
ernstlich
beschränken
würde.
Dies ist unannehmbar.
ich kann und
werde
keine Maßnahmen
akzeptieren,
die
unser
SDI-Programm
verstümmeln
oder beseitigen würden.
Angesichts
der andauernden sowjetischen offensiven Aufrüstung, die mit den seit langem bestehenden sowjetischen Aktivitäten zur strategischen Verteidigung
einhergeht, ist das SDI-Programm lebenswichtig für die künftige Sicherheit der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten.
Wenn wir nun in detaillierte Gespräche mit den Sowjets über unseren
Vertragsvorschlag eintreten, sind wir
dazu entschlossen, unseren Teil dazu
beizutragen, um zum ersten Mal in der
Geschichte
echte Reduzierungen
bei
den strategischen Offensivwaffen zu
erreichen.
Ich hoffe, die Sowjets
werden eine ähnliche Entschlossenheit
zeigen und mit uns auf der Grundlage
unseres Vertragsentwurfs zusammenarbeiten, um die in Reykjavik erzielten
Bereiche der Übereinstimmung in konkrete Reduzierungen umzusetzen.

Obwohl
die Präsentation
dieses
Vertrags ein bedeutsamer Hinweis auf
unseren Wunsch nach möglichst baldiger Erreichung weitgehender, gleichgewichtiger und verifizierbarer Reduzierungen bei den strategischen Waffen ist, möchte ich die noch der Lösung bedürfenden schwierigen Probleme
nicht verharmlosen, insbesondere das
sowjetische Beharren auf einem Junktim zwischen einem START-Abkommen und
- 2 -

�AMERIKA DIENST
r

^7

"""""

Dokumentation

C&amp;

13. Mai 1987

18

WEINBERGER: AMERIKA "OPTIMISTISCH" ÜBER ABSCHLUSS EINES INF-ABKOMMENS
- Rede bei Seminar der Eurogroup -

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Weinberger ging in seiner Rede
anläßlich eines Seminars der Eurogroup am 7. 1987 Mai auf die Besorgnis vieler
Europäer ein, ein Abkommen über Mittelstreckenraketen (INF) verstärke das Problem des konventionellen Ungleichgewichts in Europa. Weinberger bemerkte, er
sei "optimistisch" daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ein "gutes
Abkommen" über INF erzielen könnten, das den "Sicherheitserfordernissen" des
NATO-Bündnisses gerecht wird.
Nachfolgend drucken wir den Redetext im Wortlaut:

Wie Sie wissen, treffen wir hier
an einem für unser NATO-Bündnis einmaligen
Augenblick
zusammen.
Und
ironischerweise ist es unser Erfolg nicht etwa Versagen -, der einige
traditionelle
Probleme
der
NATO
schärfer
hervortreten
läßt.
Ich
möchte zu Beginn auf unsere Fortschritte in Richtung auf ein INF-Abkommen eingehen und Ihnen meine Ansicht zu dessen Bedeutung für das
NATO-Bündnis darlegen.
Diese Frage
leitet direkt zu Überlegungen bezüglich der Abschreckung im Bündnis über
und der bemerkenswert schlecht vor-

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Embassy of the United States of America

stellbaren Auffassung, Amerika solle
seine Truppenstärke in Europa abbauen.
Zum Schluß werde ich gern auf
Ihre Fragen antworten.
Seit der Amtsübernahme Präsident
Reagans haben wir versucht, unsere
Denkweise über Rüstungskontrolle zu
verändern.
Eine Art und Weise zum
Verständnis dieses Wandels besteht im
einfachen Ersetzen des Wortes "Kontrolle" durch "Abbau". Der Präsident
hat darauf bestanden - und wenn ich
das hinzufügen darf: gegen erheblichen Widerstand darauf bestanden -,

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�daß wir nicht lediglich eine Obergrenze akzeptieren, die zahlenmäßig
über dem heutigen Niveau liegt, uns
dabei keine Gedanken um wirkungsvolle
Verifizierung machen und dies dann
wahrhafte
Rüstungskontrolle
nennen.
Dies ist bei SALT I und II geschehen.
Dieses Abkommen vermittelte uns das
"Gefühl" des Fortschritts, aber dadurch wurden
lediglich
dramatische
Zunahmen im Arsenal der sowjetischen
Offensivraketen
vertraglich
festgelegt.
Allein nach SALT II haben die
Sowjets die Anzahl der Wiedereintrittsflugkörper in ihrem Arsenal von
Offensivraketen verdoppelt. Anstelle
einer
Pseudo-Rüstungskontrolle
hat
sich dieser unser Präsident für wirkliche Reduzierungen ausgesprochen.
Nach nunmehr sechs Jahren kontrovers geführter Verhandlungen, die die
Sowjets einmal verließen und der Drohung einer dauernden Einstellung der
START-Gespräche, stehen wir nun vor
einem Abkommen über die Abschaffung
einer gesamten Kategorie von Nuklearwaffen in Europa - eine wahrhaft
historische Leistung, wenn es dazu
kommt. Und es wäre ein noch besseres
Abkommen, wenn dadurch alle sowjetischen SS-20 in Europa und Asien abgeschafft würden.
unser Ziel waren
immer echte und umfassend verifizierbare Abkommen, die einschneidende Reduzierungen
hervorbringen
sollten,
bis hin zum Gleichstand auf beiden
Seiten, und wir stehen möglicherweise
vor dem Abschluß eines solchen Abkommens. Schließlich gibt es keine geringere Größe als Null.
Dies bedeutet also ebenso wie die
Art von Reduzierungen, für die wir
uns aussprechen, einen wirklichen Abbau des Niveaus der strategischen
Waffen.
Wenn es zum Abschluß eines
INF-Abkommens kommt, werden wir mehr
tun als zum vormaligen Status quo zurückzukehren, als Moskau im Jahr 1977

unnötigerweise und rücksichtslos mit
der Stationierung der SS-20 begann.
Wir werden uns unter dem Niveau der
sowjetischen Bedrohung in der Kategorie der Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (LRINF) vom Jahr 1977
befinden, weil die sowjetischen SS-4
mit
dem
Abschluß
eines
Abkommens
ebenfalls
abgeschafft würden.
Wir
hoffen, mittels dieses Abkommens die
Abschaffung von mehr als 1 400 sowjetischen Gefechtsköpfen auf LRINF
zu erreichen wie auch die Sicherung
eines weltweiten Gleichstandes bei
den Gefechtsköpfen auf Mittelstrekkenraketen
kürzerer
Reichweite
(SRINF). Im Austausch dazu wird der
Westen von seiner vorgesehenen Stationierung von 572 Mittelstreckenwaffen absehen. Dies ist trotz der Einwände unserer Kritiker potentiell ein
sehr gutes Abkommen - ich sage "potentiell", weil wir es noch nicht abgeschlossen haben.
Es steht außer Frage, daß es noch
schwierige Verhandlungen geben wird,
sowie wir wichtige Aspekte dieses Abkommens wie etwa die Verifizierung
angehen.
wir werden kein Abkommen
unterzeichnen, das unseren sehr klar
umrissenen Erfordernissen im Bereich
der Verifizierung nicht gerecht wird.
Dies zu tun, wäre nicht nur unklug,
sondern vielleicht sogar selbstmörderisch.
Wir sind jedoch optimistisch, daß ein gutes Abkommen - das
den
Sicherheitserfordernissen
des
Bündnisses entspricht - erzielt werden kann.
Eine der ersten Reaktionen auf
die Möglichkeit eines INF-Abkommens
bestand in einer größeren Sorge um
das Ungleichgewicht der konventionellen Streitkräfte in Europa.
Manche
Kritiker
erheben den Vorwurf, ein
INF-Abkommen
würde
das
wichtigste
Standbein
unserer
Abschreckung
Nuklearwaffen - beseitigen und Stabi-

�lität nur auf konventionelle Streitkräfte stützen, bei denen wir erheblich übertroffen werden.
Ich nehme an, daß so etwas dramatisches wie die Aussicht auf ein
wichtiges Abkommen zum Rüstungsabbau
notwendig ist, damit einige das anerkennen, was die meisten von uns seit
den Anfängen des Bündnisses wissen.
Denjenigen, die sich zum ersten Mal
um das Ungleichgewicht bei den konventionellen Streitkräften in Europa
sorgen, kann ich nur entgegenhalten,
daß es gut ist, Sie hier zu haben.
Es ist müßig, dies zu sagen, aber das
Gleichgewicht
der
Streitkräfte
in
Europa war immer ein Problem.
Den
einzigen Wandel, den ein mögliches
INF-Abkommen im konventionellen Bereich hervorgebracht hat, ist die Sicherung eines geschärften Bewußtseins.
Tatsache ist, daß das Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte in Europa mit oder ohne INF-Abkommen ein wirkliches Problem darstellt.
Wir müssen die konventionelle Verteidigung der NATO verbessern - mit oder
ohne Abkommen, und wir müssen unser
Ziel der dreiprozentigen Zuwachsrate
im Verteidigungshaushalt aufrechterhalten - mit oder ohne INF-Abkommen.
Trotzdem stimme ich zu, daß das Ungleichgewicht im konventionellen Bereich angesichts der sich vor uns eröffnenden Aussichten einer Reduzierung von Nuklearwaffen größere Bedeutung
erlangt hat.
Dies
ist ein
Grund, warum wir so fest an das Programm der NATO zur Verbesserung der
konventionellen Verteidigung glauben,
warum wir so hart am Aufbau eines Munitionsvorrates
arbeiten und warum
wir andere Schritte zur Verbesserung
unseres Durchhaltevermögens unternehmen und warum wir uns die Unterstützung des Kongresses erhoffen, anstatt
daß dieser einen einseitigen Abbau
von Nuklearwaffen
fordert und uns

gleichzeitig
angemessene
Finanzierungsmittel für die notwendige Modernisierung und unsere Stärke im konventionellen Bereich verweigert.
Unsere
europäischen
Verbündeten
können an diesem Punkt einen besonders wichtigen Beitrag zur Sicherheit
im Bündnis leisten, wenn sie ihre erhöhte Besorgnis um ein Ungleichgewicht im konventionellen Bereich zum
Anlaß für neue Schritte nehmen, um
dies zu beheben.
Es scheint notwendig zu sein,
manche Leute kontinuierlich daran zu
erinnern, daß sich die harte Wirklichkeit der sowjetischen Macht nicht
verändert hat. Moskaus Zielsetzungen
und seine militärische Stärke, wie
sie in jüngster Zeit ihren Niederschlg in der von uns herausgegebenen
Veröffentlichung "Die sowjetiche Militärmacht 1987" fanden, bleiben als
vordringlichste Bedrohung für Frieden
und Freiheit in der Welt bestehen.
Zusammen mit unseren NATO-Verbündeten hat die Reagan-Administration
große Anstrengungen zur Stärkung der
konventionellen Abschreckung in Europa unternommen. Einhergehend mit der
konventionellen Stärke gibt es jedoch
noch andere unerläßliche Maßnahmen,
die von uns vorgenommen werden müssen, um sicherzustellen, daß die Abschreckung stark bleibt.
Und auch
hier müssen diese Schritte mit oder
ohne Abkommen unternommen werden.
Ein solcher Schritt besteht in
weiteren, energischen Bemühungen bei
der strategischen Verteidigung.
Es
wird häufig außer acht gelassen, daß
seit Beginn unseres SDI-Programms die
Verteidigung unserer Verbündeten ein
grundlegender Gesichtspunkt der gesamten Bemühungen gewesen sind. Unser
strategisches
Verteidigungsprogramm ist immer darauf angelegt gewe-

- 3 -

�sen, Verteidigung gegen Mittelstrekken- wie auch gegen Interkontinentalraketen zu gewährleisten. Die Gründe
für eine Verteidigung gegen strategische Nuklearwaffen - daß sie die
Abschreckung stärken wird, daß sie
eine Sicherung gegen sowjetischen Betrug bei Rüstungskontrollvereinbarungen bildet - können ja gerade auf die
Raketenbedrohung Europas vollständig
angewendet werden.
Wenn wir ein INF-Abkommen schließen, dann müssen wir uns vergegenwärtigen, daß Europa und die Vereinigten
Staaten weiterhin gegen Atomraketen
verwundbar bleiben. Was wir mit SDI
zu erreichen versuchen, ist die Entdeckung eines Weges, um diese Verwundbarkeit zu überwinden und damit
die Abschreckung zu stärken. Die erfolgreiche Stationierung selbst eines
nur teilweise wirksamen ATBM-Systems
zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft, das mit der stufenweisen Stationierung eines strategischen Verteidigungssystems einhergeht, könnte
einen unschätzbaren Beitrag zur Abschreckung in Europa leisten.
Trotzdem bin ich mir dessen bewußt, daß die Möglichkeit einer INFUbereinkunft hier und in Europa Fragen nach dem grundsätzlichen Engagement der Vereinigten Staaten für
das Bündnis hervorgerufen hat. Subtilere Kritiker
scheinen sogar zu
glauben, daß ein INF-Abkommen einen
Abkoppelungseffekt
für das Bündnis
haben könnte.
Wir sollten uns daran erinnern,
daß das amerikanische Engagement für
die NATO schon fast 40 Jahre vor der
Stationierung
von
Pershing II
und
Marschflugkörpern
überdauert
hat.
Und diese Stationierung bildete lediglich ein Gegengewicht gegen 1 400
Gefechtsköpfe auf sowjetischen SS 20Raketen. Weshalb sollte die Beseiti-

gung der Pershings und Marschflugkörper dieses Engagement verändern, insbesondere, wenn die Masse gerade der
Waffen, die zur Stationierung führten
- der sowjetischen SS 20-Raketen
ebenfalls beseitigt würde?
Mit der
Abschreckungspolitik der NATO, vielmehr mit der Strategie der flexiblen
Reaktion, wurde nicht erst im Jahr
1983 begonnen, und beide werden sicherlich auch nach Erzielung einer
INF-Vereinbarung Bestand haben.
Die Beseitigung der Mittelstrekkenraketen
längerer
Reichweite auf
beiden Seiten würde Amerika mitnichten von der Verteidigung Europas abkoppeln. Die Anbindung der Vereinigten Staaten an die Sicherheit Europas
würde weiterhin von unseren umfangreichen
konventionellen
Streitkräften, unseren verbleibenden Atomwaffen
und dem Engagement unserer strategischen Atomstreitkräfte gemäß unserer Strategie der flexiblen Reaktion
gewährleistet werden. Vor allem aber
sind wir mit der europäischen Sicherheit durch die einfache aber unabweisbare Tatsache verbunden, daß die
Vereinigten Staaten nicht in einer
Welt leben könnten, in der Europa von
den Sowjets überrannt und in Besitz
genommen wäre.
Wenn wir eine Übereinkunft zu INF
verwirklichen, sollten wir uns nicht
vor
einer
"Abkoppelung"
fürchten,
sondern wir sollten weiterhin genau
wie Europa aktiv und wirksam daran
arbeiten, unsere Verteidigung und Abschreckung stark, modern und leistungsfähig zu erhalten. Wir müssen
gegenüber den Bedrohungen, denen wir
ausgesetzt sind und gegenüber den Erfordernissen zur Bewältigung dieser
Bedrohungen vor oder nach Rüstungskontrollvereinbarungen eine realistische Einstellung bewahren.
Es

ist

deshalb

höchst

bedauer-

�lieh, daß wir zu einer Zeit, in der
wir ein neuerwachtes Interesse an einem realen konventionellen Gleichgewicht
in Europa festellen können,
ebenfalls zunehmend Unterstützung unter den Isolationisten in den Vereinigten Staaten für den Abzug amerikanischer Truppen aus Europa sichtbar
wird. Es werden eine Menge von Gründen dafür angeführt - die Europäer
sollten einen höheren Beitrag zu ihrer eigenen Verteidigung leisten, unsere Truppen in Europa kosten uns zu
viel Geld, es gibt andere Regionen in
der Welt, in denen unsere Truppen
dringender benötigt werden usw.
In Reden, Aussagen und Artikeln
habe ich unzählige Male auf diese
Kritik geantwortet, und ich brauche
mich dieser Gruppe gegenüber, die im
Bereich der Öffentlichkeitsarbeit so
viel unternommen hat, kaum zu wiederholen.
Lassen Sie mich lediglich
feststellen, daß diese hübsche Behauptung, die Vereinigten Staaten gäben zuviel für die Verteidigung Europas aus, nicht nur falsch, sondern
auf gefährliche Weise falsch ist. In
den siebziger Jahren erhöhten sich
zum Beispiel die Militärausgaben unserer NATO-Partner jährlich real um
zwei Prozent.
Im gleichen Zeitraum
verringerten sich die Militärausgaben
der Vereinigten Staaten real um 20
Prozent. Ich könnte viele Tatsachen
anführen, die das Ausmaß der NATOBeiträge seitens unserer Verbündeten
aufzeigen. Wir sehen uns in den Vereinigten
Staaten
jedoch mit einem
neo-isolationistischen Eifer konfrontiert, dessen Argumentation auf angestaubten Vorstellungen über überzogene Militärausgaben unsererseits in
Europa und auf politisch begründeten
Forderungen beruht, daß wir mehr für
politisch populäre Programme ausgeben
sollten. Ich weiß nicht, welche Bedeutung Fakten für diese Isolationisten besitzen. Vielfach suchen sie

nur nach einer Entschuldigung, um weniger für die nationale Sicherheit
auszugeben oder um einen Hebel für
Steuererhöhungen zu finden. Und warum Politiker
die Steuern erhöhen
wollen, ist nur eine der bizarren
Fragen, die der Kongreß uns zu stellen zwingt.
Weit davon entfernt, Truppen aus
der NATO abziehen zu wollen, hat Präsident Reagan den Kongreß gebeten,
die vom Kongreß eingeführte Obergrenze für die Truppenstärke in Europa
abzuschaffen. Wir sind nicht nur der
Überzeugung, daß die wachsende militärische Stärke des Warschauer Pakts
eine angemessene Reaktion der NATO
erfordert, sondern wir glauben auch,
daß der Präsident die Flexibilität
zur Anpassung der Truppenniveaus benötigt.
Und
wir
müssen
unsere
Streitkräfte vorne stationieren, wo
sie die Vereinigten Staaten am besten
verteidigen können.
Vergessen Sie nicht, daß selbst
die Andeutung, wir würden einen größeren einseitigen Truppenabzug
aus
Europa in Erwägung ziehen, der amerikanischen Führungsrolle in Europa und
sogar in der gesamten Welt Schaden
zufügt.
Es ist jetzt an der Zeit,
unsere Entschlossenheit
zur Unterstützung unserer Verbündeten zu bekräftigen und nicht, unsere grundsätzliche Verpflichtung für die Zukunft
Europas
zu
schwächen,
die
schließlich
auch
eine
feste Verpflichtung für die Zukunft der Vereinigten Staaten ist.
Lassen Sie mich schließen, indem
ich noch einmal wiederhole, was meiner Überzeugung nach die grundlegende
Wahrheit über das westliche Bündnis
ist. Es sind nicht einfach Territorium oder wirtschaftliches Wohlergehen, die durch unsere Verteidigungsaufwendungen erhalten werden sollen,

- 5 -

�sondern es ist die Freiheit für uns
und die westliche Zivilisation. Wir
sollten uns fragen, warum die NATO
geschaffen wurde.
Würden wir nicht
im Ausland
durch
die
sowjetische
Ideologie herausgefordert, die die
Idee der Freiheit an sich als Täuschung und Bedrohung betrachtet, dann
hätten wir den heutigen Tag mit anderen Dingen verbringen können, als
über das NATO-Bündnis zu diskutieren.
Wenn wir nicht im Inland von den
Kräften der Vergeßlichkeit, Unwissenheit
und Demagogie
herausgefordert
würden, dann könnten wir uns alle den
Luxus des Ausspannens gönnen.
Aber
diese Bedrohungen existieren, und sie
weisen mich darauf hin, daß der einzige Weg zur Bewahrung all dessen,
was die westliche Zivilisation uns
gegeben hat, in der Bereitschaft zur
Verteidigung dieser Ideen der Freiheit und der Gleichheit bestehen muß,
welche die Demokratie möglich machen,
genauso wie diese von all unseren
Vorfahren verteidigt wurden - die uns
das hinterließen, was viele zerstören
würden.
Verteidigung ist in einer Demokratie niemals populär, und sie ist
sicherlich nicht billig.
Aber wenn
Sie der Meinung sind, die Verteidigung sei teuer, dann denken sie einen
Augenblick lang an die Kosten einer
Niederlage.
Verteidigung wird von
uns verlangt, und ich danke Ihnen allen für Ihren Beitrag dazu, daß die
Freiheit in dieser gefährlichen Welt
überlebt.

* * * * *

�^° s ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
13. Mai 1987

18

AMERIKANISCHER VERTRAGSENTWURF FORDERT EINSCHNEIDENDEN ABBAU
VON OFFENSIVWAFFEN
- Pressekonferenz mit Botschafter Lehman GENF - (AD) - Nach der Vorlage des amerikanischen Vertragsentwurfs bei
den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) am 8.
Mai 1987 erklärte der amerikanische Chefunterhändler, Botschafter Ronald
Lehman, die Vereinigten Staaten wünschten, gemeinsam mit der Sowjetunion Anstrengungen zu unternehmen, um einen endgültigen Vertrag "auszuarbeiten und
dann abzuschließen", der bis Ende des Jahres zu einer SOprozentigen Reduzierung strategischer Offensivwaffen führen würde. Der Vertrag umfaßt Botschafter Lehman zufolge "die verschiedenen, bereits bekannten Bereiche, in denen
entweder Übereinstimmung oder Uneinigkeit besteht, befaßt sich jedoch ausführlich mit Regeln für eine Zählweise, mit Definitionen, Verifizierung und zusätzlichen Beschränkungen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Eingangserklärung Botschafter Lehmans
sowie die darauffolgende Pressekonferenz im Wortlaut:
LEHMAN: Wie Präsident Reagan am
Montag betonte, räumen die Vereinigten Staaten der Erlangung bedeutender
und stabilisierender Reduzierungen in
den Arsenalen nuklearer Offensivwaffen sowohl der Vereinigten Staaten
als auch
der
Sowjetunion
höchste
Priorität ein. Sie werden sich daran
erinnern, daß die Vereinigten Staaten
kürzlich einen Vertragsentwurf vorgelegt haben, der sich mit nuklearen
Mittelstreckenraketen
beschäftigte.
Wir haben jetzt gemäß den Anweisungen
des Präsidenten hier und heute in
Genf einen Vertragsentwurf vorgelegt,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

der eine 50prozentige Reduzierung der
strategischen
Offensivwaffen
beider
Seiten vorsieht. Die Vorlage dieses
Vertragsentwurfs zur Reduzierung und
Beschränkung von Nuklearwaffen interkontinentaler Reichweite bedeutet für
die Verhandlungen über die Verringerung
strategischer
Rüstungen
einen
wichtigen Schritt nach vorn.
Im Verlauf der letzten Runde der
START-Verhandlungen
haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
erfolgreich damit begonnen, für die
Schlüsselelemente
eines
zukünftigen

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Tel.: 0228-339 2035
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�START-Vertrages
eine
gemeinsame
Sprachregelung
zu
entwerfen.
Die
Grundzüge eines START-Vertrages sind
beiden Seiten klar.
Jetzt ist die
Zeit gekommen, um den Vertrag selbst
auszuhandeln, wir haben bereits viel
erreicht.
Wir
unterschätzen nicht
die noch bestehenden Schwierigkeiten
oder die zu überwindenden Hindernisse.
Sie liefern uns umso mehr einen
Grund zur Verdopplung unserer Bemühungen um eine Beilegung der verbleibenden Differenzen.
Das wichtigste dieser noch bestehenden Probleme ist das der besonderen Beschränkungen für Gefechtsköpfe
auf ballistischen Raketen, die notwendig sind, damit einschneidende Reduzierungen auf sichere Art und Weise
stattfinden können.
Die Vereinigten
Staaten haben eine Reihe solcher Beschränkungen vorgeschlagen, die den
von der Sowjetunion bei diesen Verhandlungen unterbreiteten ähneln, von
ihr aber im vergangenen Herbst wieder
zurückgezogen wurden.
Ein Vertrag,
der solche besonderen Beschränkungen
für Gefechtsköpfe ballistischer Raketen vorsähe, läge im Interesse beider
Seiten.
Die Vereinigten Staaten sind der
Ansicht, daß ein START-Vertrag zur
Verbesserung der Sicherheit der gesamten Menschheit noch vor Ende dieses Jahres ausgehandelt werden könnte. Wir blicken auf die Sowjetunion,
daß sie jetzt gemeinsam mit uns einen
endgültigen START-Vertrag ausarbeitet
und dann abschließt, der bis Ende des
Jahres zu einer wirkungsvoll verifizierbaren
50prozentigen
Reduzierung
strategischer
Offensivwaffen
führen
würde.
FRAGE:
Wenn es noch vor Ende
des Jahres zu einem Vertrag kommt,
was wird dann mit der Strategischen
Verteidigungsinitiative (SDI) gesche-

hen?
ANTWORT:
Wie Sie wissen, werden die mit SDI im Zusammenhang stehenden Fragen von Botschafter Kampelman und seinem Vertreter, Botschafter
Cooper, im Rahmen der Gespräche über
Verteidigungs- und
Weltraumwaffen
verhandelt. Bei diesen Verhandlungen
haben wir neue Vorschläge unterbreitet und versucht, auf sowjetische Anliegen einzugehen.
Aber, wie Sie
wissen, sind wir der Ansicht, daß
diese wichtigen und stabilisierenden
Reduzierungen strategischer Offensivwaffen nicht als Geisel für andere
Verhandlungen dienen sollten.
FRAGE:
Aber die Sowjets koppeln weiterhin die beiden Bereiche,
Verhandlungen über strategische Waffen und SDI.
ANTWORT:
Und
daraus
erwuchs
ein Hindernis.
Aber wir versuchen,
auf ihre Anliegen einzugehen.
Botschafter Kampelman hat einen neuen
Vorschlag eingebracht, aber wir glauben, daß es einen umfangreichen Komplex von internationalen und von Vertragsgesetzen gibt, die sich mit Verteidigungssystemen befassen. Aber wo
sind die bestehenden Verträge, die
sich mit Offensivwaffen beschäftigen?
Wir brauchen einschneidende Reduzierungen bei Offensivwaffen - das ist
unsere höchste Priorität. Wir glauben, daß die sowjetische Besorgnis
ungerechtfertigt
ist,
bemühen
uns
aber trotzdem, auf ihre Anliegen einzugehen.
FRAGE:
Haben die Sowjets heute
irgendeine Reaktion gezeigt, nachdem
Sie den Entwurf vorgelegt haben?
ANTWORT:
Sie haben eine Stellungnahme abgegeben.
Ich glaube, es
wäre nicht angebracht, meinerseits
einen Kommentar zu ihrer Stellungnah-

- 2 -

�me abzugeben. Aber es war eine sehr
konstruktive
und
produktive
erste
formelle Zusammenkunft unserer Gruppe.

FRAGE:
In
welche
Kategorie
fallen nun die SS-18 und SS-19?

FRAGE:
Die
Zahlen
in
Ihrem
Vertrag - stimmen sie mit den von
Präsident Reagan in seiner Erklärung
von Montag erwähnten überein?

ANTWORT:
Sie fallen unter die
Zahl der 1 650, jedenfalls die SS-18;
die SS-19 fällt unter die 3 300,
nicht unter die 1 650.

ANTWORT:
Ja, das tun sie. Der
Vertrag umfaBt die verschiedenen, bereits bekannten Bereiche, in denen
entweder Übereinstimmung oder Uneinigkeit besteht, befaßt sich jedoch
ausführlich mit Regeln für eine Zählweise, mit Definitionen, Verifizierung und zusätzlichen Beschränkungen.
Grundsätzlich ist vorgesehen, daß es
nicht mehr als 1 600 Trägersysteme
für strategische Waffen und nicht
mehr als 6 000 Gefechtsköpfe der betreffenden
Kategorie geben sollte.
Und wir haben vorgeschlagen, daß es
Untergrenzen geben sollte von 4 800
Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen, 3 300 Gefechtsköpfen auf Interkontinentalraketen
(ICBM)
und
1 650
Gefechtsköpfen
auf
schweren
ICBMs und anderen gefährlichen und
mit
Mehrfachgefechtsköpfen
ausgerüsteten ICBMs.

FRAGE:
Wie sieht
der Vereinigten Staaten
Abschaffung aus?

FRAGE:
Könnten Sie die untergrenzen, besonders bei der letzten
Kategorie, erklären?
ANTWORT:
Es
sind
die
klassischen Untergrenzen, wie sie allgemein bekannt sind;
sie wurden, wie
Sie sich erinnern werden, im SALT IIVertrag auf Trägersysteme angewandt.
Das heißt hier, es gibt eine Anzahl
von 6 000, von denen nicht mehr als
4 800 auf Gefechtsköpfe ballistischer
Raketen, nicht mehr als 3 300 auf
ICBMs und nicht mehr als 1 650 auf
diese gefährlichen
ICBMs entfallen
dürfen. So sieht der Prozeß aus. Er
ist dem von SALT II und auch dem in
SALT I vereinbarten Prozeß ähnlich.

die Haltung
zur völligen

ANTWORT:
Beide
Seiten
haben
als Ergebnis unseres Treffens in Moskau vereinbart, jetzt im Moment die
Frage von Reduzierungen beiseite zu
stellen, die höher als 50 Prozent
liegen und sich vielmehr auf Reduzierungen von 50 Prozent zu konzentrieren,
ich möchte bemerken, daß ein
Abbau von 50 Prozent eine beträchtliche Leistung ist, und ich glaube,
daß dies ein Bereich ist, über den
wir sicher vor Ende des Jahres verhandeln könnten.
FRAGE:
Wie viele Seiten umfaßt
der amerikanische Vertragsentwurf?
ANTWORT:
Das hängt vom Format
ab, aber es sind ungefähr 40 Seiten.
In der Form, wie wir ihn übergeben
haben, vielleicht etwas weniger.
FRAGE:
Es tut mir leid, daß
ich nochmals auf diesen Punkt zurückkomme, aber wie können Sie angesichts
der festen sowjetischen Haltung zu
SDI optimistisch darüber sein, daß
sie diese bis Ende des Jahres überwinden werden?
Ziehen sie die Möglichkeit in Betracht, diesen Bereich
möglicherweise
mit
den
Gesprächen
über Verteidigungs- und Weltraumwaffen in Zusammenhang zu bringen?
ANTWORT:
Nein, ich glaube, wir
wären dafür, daß ein Abkommen, wenn
es in einem Bereich erzielt wird, an-

- 3 -

�gewandt werden sollte; wenn es in
zwei Bereichen erzielt wird, sollte
es angewandt werden, und wenn es in
drei Bereichen von beiden Seiten Zustimmung findet, sollte es dort angewandt werden.
Aber wir sind nicht
der Ansicht, daß eine Gruppe als Geisel für eine andere benutzt werden
sollte.
Ich würde vorschlagen, daß
Sie beim nächsten Mal, wenn Sie mit
Botschafter
Kampelman
oder
seinem
Stellvertreter, Botschafter
Cooper,
zusammentreffen,
sprechen
sollten.
Aber im Bereich der Verteidigungsund Weltraumwaffen wurden beträchtliche Fortschritte erzielt. Wir sind
von der wesentlichen Frage aber noch
weit entfernt, die lautet, ob ein lebensfähiges, erfolgreiches und dynamisches
SDI-Programm
weiterbestehen
kann oder nicht. Wie Sie wissen, hat
die Sowjetunion einen Vorschlag unterbreitet, der im wesentlichen die
gesamte Forschung im Bereich des SDIProgramms abwürgen würde, d.h., im
wesentlichen die gesamte Forschung,
die im Rahmen des SDI-Programms Erfolg zeitigt.
Das geht über alles
weit hinaus, was im ABM-Vertrag vereinbart wurde, nach jedweder Definition.
FRAGE:
Sind Sie zu
chen Konzessionen bereit?

irgendwel-

ANTWORT:
Ich denke, Sie sollten mit Botschafter
Kampelman und
Botschafter Cooper sprechen. Ich bin
bereit, auf einige dieser Bereiche
einzugehen, aber ich würde es vorziehen, unseren Schwerpunkt auf die Gespräche über strategische Waffen zu
legen, weil dies mein Gebiet ist.
FRAGE:
Haben Sie
irgendwelche
Hinweise von sowjetischer Seite, daß
sie
einen
eigenen
Vertragsentwurf
vorlegen werden?
ANTWORT:

Wir

haben

sie

aufge- 4

fordert, gemeinsam mit uns beim Prozeß der Ausarbeitung eines Vertragsentwurfs zu arbeiten, und sie standen
dem nicht negativ gegenüber.
FRAGE:
Ist der Entwurf vollständig oder gibt es noch Lücken?
ANTWORT:
Wie immer gibt es einige Bestimmungen, bei denen man mit
der
anderen
Seite
zusammenarbeiten
möchte, als Teil des Verhandlungsprozesses. Das war immer in allen bisher
niedergelegten
Verträgen
der
Fall. Es gibt Dinge - zum Beispiel
die Nachfolgedokumente, wie etwa Protokolle - die wir noch nicht in Angriff genommen haben. Wie Sie wissen, haben wir bei den Verhandlungen
über
Mittelstreckenwaffen
erst
in
jüngster Zeit die zu diesem Vertrag
gehörenden Protokolle und Memoranda
vorgestellt.
FRAGE:
Hier
in dieser
Übersicht heißt es, daß die 50prozentigen
Reduzierungen
bis Ende 1991 abgeschlossen sein sollten.
Sie haben
gesagt, dies würde im Zeitraum von
sieben Jahren geschehen; die Sowjets
sagen, innerhalb von fünf Jahren.
Wenn ich bei 1987 anfange zu zählen,
komme ich auf vier Jahre. Können Sie
das erklären?
ANTWORT:
Sie haben Recht.
Der
ursprüngliche amerikanische Vorschlag
für den Zeitabschnitt der Reduzierung
wurde vor einigen Jahren unterbreitet
- als er acht Jahre umfaßte. Aber
danach hielten wir Verhandlungen ab,
bei denen beide Seiten über die Möglichkeit von zwei Phasen sprachen:
einem ersten Zeitabschnitt von fünf
Jahren und einer zweiten Phase von
fünf Jahren.
Wir haben vorgeschlagen, daß wir uns auf die ersten fünf
Jahre konzentrieren sollten und, daß
wir, um es beiden Seiten einfacher zu
machen, diesen Zeitabschnitt der Re-

�duzierung auf sieben Jahre ausdehnen
sollten. Wie Sie wissen, ist einer
der beide Seiten entzweienden Schlüsselbereiche das Problem der Untergrenzen von Gefechtsköpfen auf ballistischen
Raketen.
Offen
gesagt
glauben wir, daß sie ihre Vorschläge
aus taktischen Gründen zurückgezogen
haben. Trotzdem versichern sie, daß
unsere untergrenzen, obwohl sie den
vorherigen
sowjetischen
Vorschlagen
sehr ähnlich sind, bei ihnen Probleme
der Strukturierung aufwerfen.
Wenn
dadurch
innerhalb von fünf Jahren
Probleme in der Strukturierung entstehen, sollte es innerhalb von sieben Jahren für sie einfacher sein,
diese beizulegen.
Ich glaube, daß
dies nützlich für beide Seiten ist.
Natürlich haben uns die Sowjets, als
wir vor einiger Zeit acht Jahre vorschlugen, bedeutet, daß dies sehr zufriedenstellend sei.
FRAGE:
Es tut mir leid, wenn
ich diese Zahlen nur schwer verstehe...
Die schweren
landgestützten
Interkontinentalraketen, die die Vereinigten Staaten als einen der gefährlichsten Bestandteile der sowjetischen Streitkräfte ansehen - meinen
Sie die, wenn sie von Untergrenzen
sprechen; bilden sie das Kernstück
des Problems?
ANTWORT:
Im
Augenblick
haben
wir Fortschritte in diesem Bereich
erzielt. Die Sowjetunion hat der untergrenze bei Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen bei den Gefechtsköpfen auf schweren ICBMs nicht zugestimmt, aber sie war grundsätzlich
einverstanden, ihre schweren ICBMs um
die Hälfte abzubauen.
Daraus würden
sich unserer Ansicht nach 1 500 Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs ergeben. Wir sind bereit, ihnen mehr zuzugestehen - 1 650. Aber diese Untergrenze würde nicht nur ihre derzeitigen schweren ICBMs, die SS-18,

betreffen, sondern auch
ihre, mit
zehn
Gefechtsköpfen
ausgestatteten
neuen SS-X-24, wenn diese stationiert
sind. Aber unsere Untergrenze würde
auch
die amerikanische
PEACEKEEPER
oder MX-Rakete betreffen.
Ihre Untergrenze wäre also etwas niedriger,
beträfe aber nur den einen Typ der
SS-18; unsere träfe sowohl auf ihre
SS-18 und SS-X-24, aber auch auf unsere
eigenen
MX-Raketen
vom
Typ
PEACEKEEPER zu.
FRAGE:
erwähnt?

Wird

die

Verifizierung

ANTWORT:
Sicher.
Wenn Sie den
letzten Satz anschauen, heißt es dort
"wirkungsvoll
verifizierbar".
Und
lassen Sie mich sagen, daß sich ein
wichtiger Teil des Vertrages mit wirkungsvoller
Verifizierung
beschäftigt, und zahlreiche Dokumente, zu
denen es Fragen gab und die später
vorqelegt werden - die weniger unerläßlichen, aber immer noch sehr wichtigen Dokumente, wie Protokolle und
Vereinbarungen - gehen ebenfalls auf
Einzelheiten der Verifizierung ein.
FRAGE:
Verifizierung
auf
selbe Art und Weise wie bei INF?

die-

ANTWORT:
Das
ist nicht
ganz
dasselbe, aber es gibt Ähnlichkeiten.
In unserem Vertrag gibt es viele Ähnlichkeiten mit dem INF-Vertrag.
Ich
würde annehmen, daß INF und START
sich in nächster zeit in ungefähr
demselben
fortgeschrittenen
Stadium
befinden werden.
FRAGE:
U-Boote
und Verifizierung - ist dies nicht eher schwieriger?
ANTWORT:
Ja, das stimmt, obwohl wir über die Jahre hinweg Verfahren entwickelt haben, mit denen
wir U-Boote in ihren Häfen beobach-

- 5 -

�ten.
Wenn sie sich einmal auf See
befinden, dann sehen wir - beide Seiten - sie natürlich nicht mehr. Wir
versuchen aber, die U-Boote in ihren
Häfen zu beobachten.
Sie haben jedoch Recht damit, daß wichtige Verifizierungsprobleme
bestehen,
die
nicht nur U-Boote sondern auch andere
Fragen betreffen, und wir haben mit
diesem Vertragsentwurf einige innovative Vorschläge unterbreitet.
FRAGE:
Erlaubt Ihr Vertrag unangekündigte Inspektionen vor Ort zur
Vermeidung jeglichen Betrugs?
ANTWORT:

Ja.

FRAGE:
Nach
Reykjavik
haben
die Vereinigten Staaten in Wien die
Sowjetunion beschuldigt, ihre Zustimmung bei den Untergrenzen zurückzunehmen. Sind Sie heute der Meinung,
daß die Russen sich auf dem Weg zurück zu den Vereinbarungen von Reykjavik befinden, oder hat das letzte
Zusammentreffen
in Moskau gezeigt,
daß sie immer noch ihre Positionen
von Wien vertreten?
ANTWORT:
Sie haben ihre Position etwas verdeutlicht. Lassen Sie
mich dies erklären.
In den ersten
Wochen nach Reykjavik war keine Rede
von einer Absage an die untergrenzen;
erst am 7. November 1986 erfuhren wir
durch ihren neuen Vorschlag, daß sie
ihre beiden hauptsächlichen Vorschläge zu den untergrenzen fallengelassen
hatten. Erst dann erfuhren wir - eigentlich zwei Tage davor -, daß sie
während
des
Shultz-SchewardnadseTreffens in Wien behaupteten, wir
hätten diese Untergrenzen in Reykjavik fallengelassen. Und selbstverständlich
erklärten wir, daß dies
nicht stimmt; diese Behauptung kam
für uns völlig überraschend. In Moskau behaupteten sie, daß wir sie tatsächlich
nicht
nur
fallengelassen

hätten, sondern auch, daß wir dies
deshalb getan hätten, um die Zählweise von Bombern durchzusetzen, wie sie
in Reykjavik vereinbart wurde. Nun,
dies ist eine neue Variante des Arguments, die gleichermaßen falsch ist.
Wir haben unseren Vorschlag von Untergrenzen in Reykjavik nicht fallengelassen; es war ja gerade der Fortschritt bei den Untergrenzen, der zu
Reykjavik führte. Und wir haben sie
nicht einseitig oder als Teil eines
Kompromisses oder Tauschhandels fallengelassen.
Meiner
Meinung
nach
weiß die Sowjetunion, was sie zur Erreichung eines START-Abkommens zu tun
hat.
FRAGE:
Sie
haben
früher
gesagt, daß die Möglichkeit bestünde,
einen Vertrag in diesem Jahr auszuhandeln.
Könnten Sie das etwas genauer ausführen - worauf gründet sich
Ihr Gefühl, daß Sie bis zum Ende des
Jahres 1987 einen Vertrag aushandeln
könnten?
ANTWORT:
Die zentralen noch zu
lösenden Probleme, wie etwa die Untergrenzen, sind nicht so zahlreich.
Was die letzte Runde und unsere Erfahrungen bei der gemeinsamen Arbeit
am Entwurf angeht, so muß ich meinen
sowjetischen Kollegen ein Kompliment
aussprechen. Gerade in dieser Runde
haben , sie
eine
sehr
nüchtern-geschäftsmäßige
Haltung gezeigt, und
wir waren in der Lage, eine Reihe der
bei einem solchen Entwurf auftretenden
Schwierigkeiten
auf geschäftsmäßige und effiziente Weise zu lösen.
Das hat uns davon überzeugt, daß die
Zeit für den Entwurf eines Vertrages
gekommen war; es war der logische
nächste Schritt. Das heißt, daß wir
jetzt noch eine Reihe großer Probleme
und vieles die Sprachregelung des
Vertrags
Betreffende lösen müssen,
aber wir sind davon überzeugt, daß
dies sowohl bei INF wie auch bei

�START möglich ist. Und obwohl tatsächlich einige wichtige Unterschiede
zwischen INF und START bestehen, gibt
es auch sehr viele Ähnlichkeiten.
Und deshalb werden Fortschritte in
einem auch Fortschritte im anderen
Bereich nach sich ziehen. Wenn wir
einen INF-Vertrag zuerst abschließen
- schön. Wenn wir einen START-Vertrag zuerst fertigstellen - schön.
Wenn wir beide zugleich fertigstellen
- auch schön. Das ist unsere Politik.
FRAGE:
Glauben
Sie, daß auch
nur die Möglichkeit besteht, einen
START-Vertrag vor einem INF-Vertrag
auszuhandeln?
ANTWORT:
Das hängt davon ab wir sollten anerkennen, daß mein Kollege, Botschafter Glitman, einige Wochen länger an diesem Prozeß arbeitet
und und daran erinnern, daß seine
Verhandlungen etwa sechs oder acht
Monate eher begonnen haben. Trotzdem
haben sich die Unterschiede enorm
verringert und könnten in den kommenden Wochen und Monaten weiter reduziert werden. Am Ende könnte es meiner Meinung nach von den speziellen
Problemen abhängen, wodurch jede dieser Verhandlungen
verzögert werden
könnte.
FRAGE:
Könnten
Sie irgendwelche Probleme nennen, die Ihrer Meinung nach beim Vertragsentwurf für
START, wie gegenwärtig bei INF, zu
Kontroversen
mit
den
europäischen
NATO-Verbündeten führen werden?
Ich
denke dabei speziell an die Frage, ob
den Russen Raum für eine Einbeziehung
der britischen und französischen Abschreckungspotentiale
und
ihre Anrechnung
bei
den
Gesprächen
über
strategische Waffen gegeben wird?
ANTWORT:
Ich glaube, bei START
haben wir die Frage der britischen
und französischen Streitkräfte ein-

deutig hinter uns gelassen. ich unterschätze aber nicht Talent und Fähigkeiten
der
sowjetischen
Seite,
Probleme erneut aufzuwerfen und Keile
zwischen uns und unsere Verbündeten
zu treiben. Lassen Sie mich aber erklären, daß ich gegenwärtig keinerlei
Probleme beim START-Vertrag sehe, die
speziell
bei
unseren
europäischen
Verbündeten große Sorgen hervorrufen
könnten.
Aber vergessen Sie nicht,
daß insgesamt die Debatte über INF
mit der Frage der Koppelung zusammenhängt. Und die Menschen sollten sich
fragen: Woran sind Sie angekoppelt?
Und die Antwort lautet: Sie sind an
den amerikanischen nuklearen Schutzschild angekoppelt, und bei START
verhandeln
wir
über
den
amerikanischen nuklearen Schutzschild. Deshalb glaube ich, daß unsere Verbündeten wünschen, daß wir ein gutes, solides
START-Abkommen
erzielen, und
ich habe von all unseren NATO-Verbündeten, mit denen wir gesprochen haben, nur die stärkste Unterstützung
erhalten.
FRAGE:
Wenn Sie so optimistisch über den START-Vertrag denken,
warum haben Sie dann mit den Verhandlungen nicht früher begonnen, am 23.
April, wie dies die Sowjets wollten?
Warum haben Sie erst am 5. Mai angefangen?
ANTWORT:
Dafür
gab
es
eine
Reihe von Gründen, von denen nicht
alle inhaltlicher Art sind.
Zu den
Gründen gehörte, daß wir am STARTVertrag arbeiteten und dann mittendrin plötzlich nach Moskau reisen
mußten.
Und dann treffen Sie die
Wahl: Sollte ich nach Moskau reisen
oder zuhause bleiben und an meinem
START-Vertrag
arbeiten?
ich
entschied mich dafür, nach Moskau zu
fahren.
* * * * * *

�reo s&gt;

VON

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

*

13. Mai 1987

18
USA ERNEUERN FORDERUNG NACH WIRTSCHAFTLICHEN IMPULSEN
DURCH JAPAN UND DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

Rede von Finanzminister Baker bei OECD-Ministertreffen -

PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Finanzminister James Baker zufolqe könnten Japan und die Bundesrepublik Deutschland mehr tun, um der Weltwirtschaft
Impulse zu geben.
In einer Rede beim Min ister treffen der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris erklärte Baker
am 12. Mai 1987, daß "Länder mit geringer oder gar keiner Inflation und niedrigen privaten Investitionsraten vielleicht ihre Geldpolitik lockern sollten,
um das Binnenwachstum anzukurbeln". Industrieländer, die das Gleichgewicht im
Haushaltsbereich wiederhergestellt haben, insbesondere Japan und die Bundesrepublik, "sollten ihre Sparpolitik einer Überprüfung unterziehen".
Bakers Rede hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, Generalsekretär Paye, verehrte Kollegen:
Beurteilung der Fortschritte
Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal die Ehre hatte, vor dieser
Gruppe zu sprechen, schlug ich eine
Partnerschaft
des
Wachstums
vor.
Heute, so glaube ich, kann diese
Partnerschaft schon auf mehrere Leistungen
zurückblicken.
Sicherlich
bleibt uns noch mehr zu tun - und ich
werde mich mit diesen Punkten gleich
auseinandersetzen -, aber lassen Sie
uns zuerst eine Bestandsaufnahme dessen vornehmen, was wir erreicht haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Wichtigste zuerst: Die OECDLänder befinden sich heute im fünften
Jahr des wirtschaftlichen Wachstums und damit ist dies eine der längsten
wirtschaftlichen Erholungsphasen der
Nachkriegszeit. Wir sollten uns auch
dadurch ermutigt fühlen, daß die Entwicklungsländer, insbesondere diejenigen, die kein öl exportieren, nun
ebenfalls an diesem Wachstum teilhaben,
im vorigen Jahr entwickelten
sich diese Entwicklungsländer durch-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�schnxttlich um 50 Prozent schneller
als der OECD-Durchschnitt, und die
Aussichten
sind
weiterhin vielversprechend.
Ebenfalls haben wir unsere Fortschritte gegenüber der Inflation konsolidiert.
Im vergangenen Jahr war
die Inflationsrate in den OECD-Staaten die niedrigste seit den sechziger
Jahren - und den Prognosen zufolge
werden die Preise in diesem und dem
nächsten Jahr nur zwischen 3 und 3,5
Prozent steigen. Wir dürfen uns jedoch nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Wir können es uns nicht leisten, unsere hart erkämpften Fortschritte wieder
preiszugeben.
Ich
meine aber, daß noch vor einigen Jahren nur wenige unter uns daran geglaubt haben, daß wir solch große
Fortschritte gegen die Inflation erzielen würden, wie dies der Fall war.
Weiterhin sehen wir heute handfeste Beweise dafür, daß wir begonnen
haben, die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen den wichtigsten Industrieländer zu beseitigen.
Wir alle haben die Schlagzeilen vor
Augen, die sich mit nominellen Handelszahlen
beschäftigen.
Und doch
zeigen die Zahlen des tatsächlichen
Handelsvolumens, daß die Importe der
Bundesrepublik Deutschlands und Japans im vergangenen Jahr wesentlich
schneller wuchsen als ihre Exporte,
und daß ihre gegenwärtigen Leistungsbilanzüberschüsse real gesunken sind.
Was die Vereinigten Staaten angeht, so sind unsere Außenhandelsdefizite langsamer zurückgegangen als
wir erhofft hatten, aber das Handelsbilanzdefizit scheint sich im Verlauf
des vergangenen Jahres stabilisiert
zu haben, wenn man den Wert zugrundelegt.
Beim Handelsvolumen haben wir
bereits einen Umschwung festgestellt.

Auch beim Abbau des Haushaltsdefizits
machen
wir
Fortschritte
mehr, wenn ich das sagen darf, als
andere Länder dies bei der Förderung
des Wachstums tun. Unser Bundesdefizit betrug im Haushaltsjahr 1983 6,3
Prozent des Bruttosozialprodukts. Im
jetzigen Haushaltsjahr wird es voraussichtlich
3,9
Prozent betragen,
mit einem Rückgang von 40 Milliarden
Dollar
gegenüber
dem
vergangenen
Jahr.
Und im nächsten Jahr werden
wir voraussichtlich weitere Einsparungen vornehmen - Einsparungen von
mindestens
20
Milliarden
Dollar,
selbst wenn wir die Ausgabenkomponente der von den Demokraten unterbreiteten Haushaltsvorschläge zugrundelegen.
(Ich sage Ausgabenkomponente,
weil unserer Meinung nach Steuererhebungen kein Weg zur Verringerung unseres Defizits sind.) Und dies gilt
nur für den schlimmsten Fall.
Ich möchte außerdem darauf verweisen, daß unser allgemeines Staatsdefizit - einschließlich der Überschüsse
für die
Sozialversicherung
sowie die Regierungen der Bundesstaaten und Gemeinden - schon heute noch
niedriger liegen, als diese Zahlen
für das Bundesdefizit andeuten.
Das
allgemeine Defizit wird dieses Jahr
voraussichtlich
auf
lediglich
2,5
Prozent
des
Bruttosozialproduktes
fallen, eine Summe, die unter dem
OECD-Durchschnitt liegt.
Diese Kombination aus Defizitabbau und solidem Binnenwachstum steht
in scharfem Gegensatz zu den Vorgängen
in
den
Hauptüberschußländern,
Diese Staaten haben ebenfalls ihre
Haushaltsdefizite
verringert,
aber
sie haben währenddessen bei Binnenproduktion und Beschäftigun nur ein
träges Wachstum aufrechterhalten. Das
OECD-Sekretariat und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben übereinstimmend
errechnet, daß während
die
amerikanische
Haushaltspolitik

�amerikanische
Haushaltspolitik
das
Binnenwachstum anqekurbelt hat, der
Abbau der Defizite in der Bundesrepublik Deutschland und Japan das Wachstum in den vergangenen vier bis fünf
Jahren behinderte.
Lassen Sie mich also erklären,
daß die Vereinigten Staaten eine umfassende Steuerreform sowie Reduzierungen der Spitzensteuersätze eingeführt haben, wodurch die Anreize, zu
arbeiten, sparen und investieren, gewachsen sind.
Obwohl einige wenige
unter den hier Anwesenden ebenfalls
Steuerabbau oder -reform in Erwägung
gezogen haben, ist es eindeutig, daß
auf der Angebotsseite ebenfalls noch
viel mehr getan werden kann und sollte.
Lassen Sie mich schließlich noch
die Fortschritte erwähnen, die wir
bei der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit erzielt haben.
In den vergangenen zwei Jahren haben
sich die Wechselkursrelationen zwischen den wichtigsten Währungen so
verschoben, daß sie heute die wirtschaftlichen Grunddaten besser widerspiegeln - und wir erwarten, daß diese Veränderungen zu unseren gemeinsamen Bemühungen zum Abbau der außenwirtschaftlichen
Ungleichgewichte
beitragen werden.
(Lassen Sie mich
ebenso erklären, was ich schon früher
gesagt habe:
Alle der in der G-7Gruppe
zusammengeschlossenen
Länder
sind der Überzeugung, daß ein weiterer Fall des Dollar gegenüber den
wichtigsten anderen Währungen kontraproduktiv sein könnte.)
Wir haben
uns ebenfalls dafür eingesetzt, unsere Vorkehrungen zur besseren Koordinierung
unserer
Wirtschaftspolitik
weiter zu entwickeln. Das Louvre-Abkommen
bedeutete
einen
wichtigen
Fortschritt in diesem Prozeß.
Tatsächlich

werden

auf

dem

noch

in diesem Frühjahr in Venedig stattfindenden Wirtschaftsgipfel die Finanzminister der G-7 den Staatschefs
über
ihre übereinstimmende
Haltung
bezüglich eines Prozesses zur Durchführung der politischen Koordinierung
Bericht erstatten.
Der Bericht wird
die mittelfristigen Ziele und Einschätzungen umreißen und damit als
Grundlage für die Bewertung von Politik und Leistung dienen. Er wird Indikatoren, einschließlich der Wechselkurse, vorleqen, die angewendet
werden sollen, um zu bestimmen, ob
die
gegenwärtigen
wirtschaftlichen
Entwicklungen im Einklang mit diesen
Zielen stehen, und der Bericht wird
grundlegende Regeln fixieren, um zu
entscheiden, wann Konsultationen zur
Absprache von Abhilfemaßnahmen notwendig sind.

Anstehende Aufgaben
Die von uns weiterhin zu bestehenden
Herausforderungen
müssen
im
gleichen Geist der Zusammenarbeit angegangen werden. Unsere Tagesordnung
ist eindeutig: Beschleunigung unserer
Fortschritte bei der Korrektur außenwirtschaftlicher
Ungleichgewichte,
weitere Behandlung der Schuldenprobleme der Entwicklungsländer und Widerstand
gegen
protektionistischen
Druck. Ich werde jeden dieser Punkte
für sich ansprechen.
Ich glaube, wir sind alle der
Meinung, daß die Vereinigten Staaten
nicht länger der übrigen Welt wirtschaftliche Impulse geben können, indem sie immer qrößere Leistungsbilanzdefizite
auftürmen.
Der
nun
schon seit 54 Monaten anhaltende Aufschwung in den Vereinigten Staaten
geht auf die Binnennachfrage zurück.
Dieses Jahr erwarten wir ein langsameres Wachstum der Nachfrage aus binnenwirtschaftlichen
Quellen.
Das

- 3 -

�amerikanische
Wirtschaftswachstum
wird sich zunehmend auf ein verstärktes Nettowachstum der Exporte gründen
müssen.
Für die Weltwirtschaft lautet die
Fraqe: Wenn die Vereinigten Staaten
nicht weiterhin den Löwenanteil am
Weltwachstum tragen können, wer wird
dann an ihre Stelle treten? Mein eigenes Denken in dieser Frage wird von
mehreren Gesichtspunkten geleitet.
Länder mit geringer oder gar keiner Inflation und niedrigen privaten
Investitionsraten sollten vielleicht
ihre Geldpolitik lockern, um das Binnenwachstum anzukurbeln.
Ich meine,
daß dies getan werden kann, ohne der
Inflation neuen Auftrieb zu verleihen. Industrieländer, die das Gleichgewicht im Haushaltsbereich wiederhergestellt haben, sollten ihre Sparpolitik einer Überprüfung unterziehen. Insbesondere Japan und die Bundesrepublik Deutschland haben erhebliche Fortschritte beim Abbau der
Haushaltsdefizite erzielt und besitzen jetzt breiten Raum zur Expansion.
Ich werde von den unlängst erfolgten
Erklärungen Japans ermutigt, wonach
dieses Land beabsichtigt, seine Wirtschaft anzukurbeln und größere Verantwortung bei der Aufrechterhaltung
des Wachstums der Weltwirtschaft zu
übernehmen.
Eine Reform der wirtschaftlichen
Struktur - auf die ich später näher
eingehen werde - kann ebenfalls dazu
beitragen,
indem
sie
künstliche
Schranken
zum
Wachstum
abbaut.
Steuerreformen sowie die Liberalisierung des Arbeits- und des Finanzmarktes sind drei Bereiche, in denen dies
angebracht wäre.
Die neuen Industrieländer (newly
industrialized
countries
NICs)
Asiens sind jetzt ebenfalls bereit,

mehr
Verantwortung
für
das Wirtschaftswachstum und das Handelssystem
zu übernehmen.
Sie sollten dafür
sorgen, daß ihre Währungen besser die
Grundzüqe der Wirtschaft widerspiegeln, und sie sollten ihren Verbrauchern einen größeren Anteil an ihrem
wirtschaftliche Erfolg zukommen lassen, indem sie ihre Märkte dem Außenhandel und Investitionen öffnen.
Der
Definition
nach
erfordert
eine Partnerschaft in Richtung auf
ein Wachstum gemeinsames Handeln und
gemeinsame Verantwortung. Keiner von
uns kann diese Dinge allein leisten.
Indem wir die Last der Anpassung auf
internationaler Ebene teilen, können
wir unsere Aufgabe auf politischer
Ebene
im Inland erleichtern.
Als
Mitglieder der Industrienationen haben wir alle die Pflicht, einen Beitrag zu leisten. Es gibt, um es offen zu sagen, keinen Ersatz für unsere Führungsrolle und unsere Zusammenarbeit .

Das internationale Schuldenproblem
Ich glaube, daß wir in den vergangenen Jahren auch erhebliche Fortschritte gemacht haben, was die Erleichterung
der
internationalen
Schuldenlast angeht. Sicherlich müssen wir noch mehr tun, und ich verstehe die Anstöße von manchen für
allumfassende
Lösungen.
Aber
ich
glaube, daß es eine solche allumfassende Lösunq nicht gibt.
Ein Problem, das sich über viele Jahre hinweg entwickelt hat, kann nur in vielen Jahren gelöst werden - und dies
nur mit Geduld und unter beständigen
Anstrengungen.
Das Programm für ein anhaltendes
Wachstum
bleibt die beste und am
besten anwendbare Strategie zur Erleichterung der Schuldenlast, und ich

�glaube, daß hier bereits beträchtliche
Fortschritte
erzielt
worden
sind. Am meisten fällt auf, daß die
Schuldnerländer
selbst eine marktorientierte
Reformpolitik
anwenden,
staatliche Unternehmen dem Wettbewerb
aussetzen, Preiskontrollen aufheben,
ihre Rücklaqen erhöhen und ein Umfeld
schaffen, in dem die Kapitalflucht
eingedämmt wird.
Tm vergangenen Jahr belief sich
das Wachstum in den Hauptschuldnerländern durchschnittlich auf 3,5 Prozent, die beste Rate der
letzten
sechs Jahre. Die Inflation ist seit
1985 um mehr als die Hälfte gefallen.
Die Kapitalflucht ist in vielen Ländern entweder zurückgegangen oder hat
sich umgekehrt.
Neun der 15 Hauptschuldnerländer erhielten oder verbesserten im Jahr 1986 ihr Verhältnis
der Schulden zum Bruttosozialprodukt.
Dies ist ein guter Anfang, aber
es bleibt noch mehr zu tun. Und ich
kann nicht genug auf die Reformen
hinweisen, die die
Schuldnerländer
selbst durchführen müssen. Diese Reformen bilden die unerläßliche Grundlage des zukünftigen Wachstums. Nur
Länder, die Möglichkeiten im Inland
schaffen, werden in der Lage sein,
Investitionen und Kapital zu gewinnen, die für ein Wachstum unerläßlich
sind.
Wir glauben, daß die Industrienationen weiter wachsen und ihre Märkte
offen halten müssen.
Der erhebliche
Rückgang der Zinssätze seit 1984 hat
in großem Maße dazu beigetragen, aber
die verhaltenen Aussichten für das
Wachstum der OECD und der steigende
Druck
des
Protektionismus
liefern
Grund zur Sorge. Ein stärkeres Wachstum der OECD bildet einen Schlüssel
für weitere Fortschritte, und nur,
indem wir offene Märkte erhalten,
können wir den Schuldnern helfen, ih-

re Schulden zu begleichen.
Der Internationale Währungsfonds
und die Weltbank leisten ebenfalls
den Regierungen, die eine Reformpolitik durchführen wollen, wichtige Hilfe.
Auch der Pariser Club und die
Handelsbanken haben in den vergangenen 18 Monaten Mittel zur Finanzierung bereitgestellt.
Ich erkenne natürlich, daß das
Tempo der Finanzierung durch die Geschäftsbanken Anlaß zu Kritik gegeben
hat.
Und im letzten Jahr waren die
Kredite
der
Banken
enttäuschend.
Aber der Fortschritt der letzten Wochen gibt uns erneut das Vertrauen,
daß wir auf dem richtigen Weg sind,
mit der Aussicht, den Hauptschuldnern
in diesem Jahr erhebliche neue Finanzierungsmittel
gewähren
zu können.
Jüngste Abkommen umfaßten neue Finanzierunqsmechanismen,
die
verdeutlichen, daß alle Seiten die Fähiqkeit
zu Innovation und Flexibilität besitzen.
Wir glauben, daß die Geschäftsbanken sich auf diese neuen Mechanismen
stützen
können.
Insbesondere
möchten wir sie ermutigen, bei den
Mitteln eine Liste alternativer Optionen
auszuarbeiten, aus der sie
wählen können, um die weitere finanzielle Unterstützung der Reformen in
den Schulderländern sicherstellen zu
helfen.

Protektionismus
Ich denke, wir alle wissen, daß
sich der protektionistische Druck in
den
Vereinigten
Staaten
verstärkt
hat.
Ein solcher Druck bedroht das
Welthandelssystem mehr, als dies in
den vergangenen 40 Jahren der Fall
war.
Wir haben diesem Druck widerstanden - und wir werden ihm auch

- 5 -

�weiterhin widerstehen - trotz des hohen politischen Preises.
Aber unsere Aufgabe wird sicherlich leichter, wenn wir Fortschritte
beim Abbau von Handelsschranken auf
internationaler Ebene erzielen können.
Wir können nicht den freien
Handel verteidigen, wenn andere Nationen darauf bestehen, ihre eigenen
Handelsschranken aufrecht zu erhalten. Das GATT-System - und die neue
Uruguay-Runde der Handelsgespräche bieten die beste Gelegenheit zur Lösung von Konflikten in Wirtschaft und
Handel. Die Stärkung von GATT sollte
bei uns allen einen hohen Stellenwert
haben.
Um uns dem Protektionismus in den
Vereinigten Staaten zu widersetzen,
brauchen wir auch auf internationaler
Ebene Fortschritte beim Abbau des Ungleichgewichts im Handel und in der
Leistungsbilanz.
Änderungen
der
Wechselkurse können dazu einen Beitrag
leisten, aber
sie
erfordern
Zeit, um sich auf Handelsstrukturen
auszuwirken, und
wir
wissen, daß
Wechselkurse allein das nicht leisten
können. Wir müssen ebenfalls gemeinsam - und frühzeitig - etwas unternehmen, um in anderen Ländern das
Wachstum zu stimulieren und Schranken
zu beseitigen.
Ich sollte hinzufügen, daß angesichts der Politik des Protektionismus eine Strategie, die sich des
langsamen Wachstums oder einer Rezession in den Vereinigten Staaten bedient, um das amerikanische Handelsbilanzdefizit abzubauen, ganz einfach
nicht funktionieren wird.
Ebensowenig würden wir dies als annehmebare
Handlungsweise betrachten.
Die Lösung liegt in stärkerem Wirtschaftswachstum, nicht
in weiteren wirtschaftlichen Opfern.

Zusammenfassung
Lassen Sie mich zusammenfassend
sagen, daß mir der Tenor dieser Diskussionen Mut macht. Ich glaube, daß
wir bereits Fortschritte erzielt haben, und ich denke, daß wir an einem
Konsens arbeiten, um weiter gehen zu
können.
Jeder von uns muß dabei eine
Funktion übernehmen.
Die Uberschußländer müssen eine Politik verfolgen,
die das Wachstum im Inland stimuliert.
Den NICs mit großen Überschüssen in Asien fällt eine neue
Verantwortung
zur
Erhaltung
eines
freien und offenen Handelssystems zu.
Die Hauptschuldnerländer sehen sich
der Herausforderung gegenüber, weiterhin eine Reformpolitik zu verfolgen, die ihre Länder zu Anziehungspunkten für Investitionen und Möglichkeiten machen. Und die Vereinigten Staaten müssen - und wollen weiterhin Fortschritte dabei erzielen, ihr Haushaltsdefizit abzubauen.
Es gibt wirklich keinen Ersatz für
unsere gemeinsame Führungsrolle.
Vielen Dank.

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