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                  <text>AMERIKA DIENST
"'V

"""""

A&lt;

6. Mai 1987

17

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan verspricht Unterstützung von Verhandlungen in Mittelamerika
- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger Reagan kritisiert Handelsgesetze des Kongresses
- Rundfunkansprache des Präsidenten Reagan; Rüstungskontrollabkommen in Reichweite
- Erklärung zu den START-Verhandlungen -

WIRTSCHAFT
Maßnahmen der Bundesbank zur Einschränkung der Geldmenge bestätigt
- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Internationale Zusammenarbeit lebensnotwendig
- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"4~

"**""

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Dokumentation

6. Mai 1987

17

REAGAN VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG VON VERHANDLUNGEN IN MITTELAMERIKA
- Ansprache vor dem Verband der amerikanischen Zeitungsverleger -

NEW YORK - (AD) - In einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Zeitungsverleger auf Ellis Island hat Präsident Reagan am 3. Mai 1987 seine
"volle Unterstützung für jede Art von Verhandlungen, die in ganz Mittelamerika
zum Aufbau der Demokratie ohne weiteres Blutvergießen beitragen können" zum
Ausdruck gebracht. Gleichzeitig gab Reagan aber auch zu verstehen, daß die
Hilfe seiner Administration für die nicaraguanischen Freiheitskämpfer "nicht
eingestellt wird", bis das Regime der Sandinisten die demokratischen Bestrebungen des Volkes von Nicaragua erfüllt.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Der Traum der Freiheit hat am
heutigen Tag, da wir uns hier auf
Ellis Island unter dem Blick der
Freiheitsstatue versammelt haben, für
uns eine besondere Bedeutung. Es wäre ein leichtes, hierher zu kommen
und wiederum die Geschichte derer zu
erzählen, die durch diese Tore gegangen sind, um einfach noch einmal die
Freiheiten zu feiern, die wir Amerikaner genießen.
Aber mein Auftrag ist heute ein
schwierigerer,
und
meine
Aufgaben
sind
dringlicher
- sie
betreffen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nicht diejenigen, die in dieses Land
kamen sondern den Traum, der sie
hierhin führte. Heute sind noch andere Menschen auf der Suche nach diesem Traum, und sie haben uns ebenfalls eine erleuchtende Geschichte zu
bieten - eine Geschichte, die all denen aus dem Herzen sprechen muß, die
auf diese Insel gelangten und diese
großartige Dame hier im Hafen verehren. Ich spreche von der Bevölkerung
Mittelamerikas.
Lassen Sie mich mit dem Jahr 1981
beginnen. Ich frage mich, wie viele

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�unter ihnen sich daran erinnern, daß
wir auf eine fast fatalistische Anerkennung des kommunistischen Sieges in
diesem Land - wenn nicht sogar in der
ganzen Region - stießen, als wir das
erste Mal die Aufmerksamkeit auf die
Krise in El Salvador richteten.
Die Demokratie, so wurde behauptet, könne in El Salvador nicht funktionieren: das Volk sei zu arm; es
habe keine demokratische Tradition;
es lehne die von uns angebotene Chance der Demokratie ab; ja, seine Sympathie liege auf Seiten der kommunistischen Guerrilla.
Aber dann erhielt das schweigende, leidende Volk von El Salvador eines Tages die Möglichkeit, selbst zu
wählen, und trotz der Gewehrkugeln,
Bomben und Todesdrohungen der Kommunisten beteiligte sich das Volk von
El Salvador in Rekordzahlen und wartete stundenlang in Menschenschlangen, um zu wählen - um für die Demokratie zu stimmen,
Beobachter des Kongresses berichteten mir von einer Frau, die auf dem
Weg zur Wahlurne durch Gewehrfeuer
verwundet wurde. Sie weigerte sich,
die Schlange zu verlassen und ihre
Wunde versorgen zu lassen bis sie gewählt hatte.
Eine Großmutter, die
von den Guerrillas gewarnt worden
war, daß sie getötet werde, wenn sie
von der Wahlurne zurückkehre, erklärte diesen:
"Ihr könnt mich töten,
ihr könnt meine Familie töten, ihr
könnt meine Nachbarn töten, aber ihr
könnt uns nicht alle töten." Das war
die Stimme Mittelamerikas - das Zeugnis eines Volkes, das zur Freiheit
entschlossen war.
Viel ist seit 1981 erreicht worden,
in einer Region, in der Militärdiktaturen
die Gesellschaft beherrschten, schlägt die Demokratie

Wurzeln. Vor einem Jahrzehnt war nur
Costa Rica eine Demokratie.
Heute
sind zu Costa Rica gewählte Zivilregierungen in El Salvador, Guatemala
und Honduras hinzugekommen - nur Nicaragua bleibt eine Diktatur.
Aber
während der Trend zur Demokratie in
Mittelamerika unmißverständlich ist,
bleibt aufgrund des sandinistischen
Totalitärismus in Nicaragua eine gewaltige Bedrohung von Freiheit und
Demokratie in Mittelamerika bestehen.
Das Streben von Millionen Menschen
nach Freiheit ist weiterhin unerfüllt.
Die gewählten Führer der benachbarten
mittelamerikanischen
Staaten
verstehen dies; sie wissen, daß das
nicaraguanische Regime ihre Zukunft
und die Stabilität der Hemisphäre bedroht.
Sie wissen, daß die Errichtung
eines wahrhaft
demokratischen
Systems in Nicaragua - mit den vollständig garantierten Rechten der versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit
- auf lange Sicht die einzig wirkliche Hoffnung für Frieden und Sicherheit der Region bietet. Sie wissen, daß ein solches System eine Kontrollinstanz für jede Art von Regierung bedeutet, den Militarismus entmutigt und das Recht des Volkes auf
die Wahl seines eigenen Schicksals
sicherstellt.
Aus diesem Grund sind die Ansichten
unserer
mittelamerikanischen
Freunde und die Bestrebungen des nicaraguanischen Volkes ein und dasselbe - die Schaffung einer umfassenden,
vom Volk gewählten und legitimen demokratischen Herrschaft in Nicaragua.
Was wir also für Nicaragua anstreben,
ist
denkbar
einfach:
Selbstbestimmung
durch das nicaraguanische Volk - das Recht, seine
Führer in freien, fairen und regelmäßigen Wahlen mit verschiedenen Parteien zu wählen.

- 2 -

�Die Mehrheit der Mittelamerikaner
hat diese Wahl getroffen - für Freiheit und Demokratie.
Und ich bin
heute hierher gekommen, um Ihnen zu
sagen, daß die Contras, die Freiheitskämpfer
Nicaraguas,
für
die
gleiche Sache kämpfen, für die diese
mutige Frau in El Salvador ihr Leben
riskiert hat - die Demokratie. Eine
wahrhafte Demokratie, die in gesunden, stabilen, demokratischen Institutionen verwurzelt ist und die volle
Bandbreite der politischen Freiheiten
und
Menschenrechte
gewährleistet.
Und ich bin hierher gekommen, um zu
erklären, daß die Regierung der Vereinigten Staaten dem amerikanischen
Volk das gleiche gelobt hat, das die
Freiheitskämpfer ihrem Volk gelobten
- daß unser Ziel in Nicaragua eindeutig ist: freie Wahlen.
Andererseits
haben Sowjets und
Sandinisten ebenfalls eine Wahl getroffen, nicht für die Demokratie,
nicht für eine freie Presse und nicht
für freie Wahlen, sondern für Kontrolle durch Gewalt.
Allein im Jahr 1986 betrug die
gesamte Hilfe des Ostblocks an die
Sandinisten über 1 Milliarde Dollar.
Diese sowjetischen Lieferungen haben
das kleine Land Nicaragua zu einer
aggressiven Nation mit der größten
Militärmacht Mittelamerikas gemacht,
die die Sicherheit der ganzen Region
bedroht.
Täuschen Sie sich nicht:
Die Sowjets stellen die Vereinigten
Staaten auf eine Willensprobe, was
die Zukunft dieser Hemisphäre anbelangt.
Die von ihr angebotene Zukunft besteht in ständig wachsender
kommunistischer Ausdehnung und Kontrolle.
Und dies ist die Wahl, vor der
der Kongreß und unser Volk stehen:
eigentlich
eine grundlegende Wahl:
- 3

zwischen Demokratie und Kommunismus
in Nicaragua, zwischen Freiheit und
sowjetisch unterstützter Tyrannei.
Was mich selbst angeht, so bin
ich entschlossen, mich dieser sowjetischen Herausforderung zu stellen
und zu gewährleisten, daß die Zukunft
dieser Hemisphäre von ihrer Bevölkerung gewählt und nicht von kommunistischen Aggressoren aufgezwungen wird.
Ich könnte stundenlang über unsere Verhandlungen mit den Sandinisten
erzählen: den CONTADORA-Prozeß
und
die Missionen meines diplomatischen
Unterhändlers
Philip
Habib.
Aber
seit den ersten Verhandlungen im Jahr
1979, als die Sandinisten eine demokratische,
pluralistische
Gesellschaft versprachen, haben wir erlebt,
daß diese Marxisten-Leninisten niemals beabsichtigten, diese Versprechungen einzuhalten; wir haben erlebt, daß sie immer wieder Verhandlungen benutzten, um zu verzögern und
um die Weltmeinung zu manipulieren.
Deshalb bleibt die Wahl immer noch
dieselbe: Demokratie oder Kommunismus, Wahlen oder Diktatur, Freiheit
oder Tyrannei.
Die Debatte über die Mittelamerikapolitik in diesem Land ist direkt
und hart gewesen - und bisweilen sogar hitzig.
Obwohl solche Debatten
gesund sind, wissen wir alle, daß ein
geteiltes Amerika nicht die Führungskraft stellen kann, die für die Gewährung von Unterstützung und Vertrauen für die entstehenden Demokratien in Mittelamerika notwendig sind.
Ich glaube nicht, daß es im Kongreß
irgend jemanden gibt, der die Errichtung einer weiteren Basis der sowjetischen Subversion, eines weiteren
Kuba, an den Küsten Amerikas erleben
möchte -' aber das ist genau das, was
gegenwärtig geschieht. Dies ist heute ein Problem, bei dem alle Amerika-

�ner sich einig sein müssen; es ist
einfach zu wichtig, um in den nächsten Wahlen Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen den Parteien zu
sein. Wenn wir die Freiheitskämpfer
fallen lassen, geben wir den Sowjets
freie Hand in Mittelamerika und bereiten
ihnen
einen
ihrer
größten
außenpolitischen
Erfolge
seit
dem
Zweiten Weltkrieg.
Ohne den Druck seitens der mittelamerikanischen Demokratien und der
Freiheitskämpfer würden die Sowjets
schon bald ihren Stützpunkt in Nicaragua festigen und die Subversion in
El Salvador würde Wiederaufleben.
Nicaragua hat sogar schon Costa
Rica mit seinen Agenten infiltriert sie warten nur auf das Startzeichen.
Bald könnte die Voraussage der Kommunisten von einem über Mittelamerika
hinwegfegenden "revolutionären Feuer"
Wirklichkeit werden.
Wir sollten uns keinen Illusionen
über das letzte Ziel des Milliarden
Dollar teuren Kriegs der Sowjets in
Nicaragua hingeben. Ich beabsichtige
nicht, dem nächsten
amerikanischen
Präsidenten eine solche Krise zu hinterlassen.
Fast vierzig Jahre hindurch haben die Vereinigten Staaten
einen
überparteilichen Konsens zur
Außenpolitik bewahrt. Die Demokratische Partei - die Partei von Franklin
Roosevelt, Harry
Truman
und
John
Kennedy - hat die Demokratie und unsere nationale Sicherheit fest unterstützt. Dies ist nicht die Zeit für
eine der beiden Parteien, sich von
dieser Tradition oder der Sache der
Freiheit zu entfernen - insbesondere,
wenn die Bedrohung geographisch so
nahe liegt. Das Überleben der Demokratie in unserer Hemisphäre erfordert eine Politik der Vereinigten
Staaten, die mit dieser überparteilichen Tradition im Einklang steht.

Ich möchte deshalb heute den Rahmen dieser Politik beschreiben, einer
Politik, die mit der Unterstützung
der stabilen, seit langem bestehenden
Demokratie in Costa Rica und der Verwurzelung der Demokratie in El Salvador, Guatemala und Honduras beginnt.
Viele Mitglieder des Kongresses haben
die Bedeutung der Aufrechterhaltung
ausreichender Niveaus an Wirtschaftshilfe betont, um diesen Demokratien
beizustehen. Meine Zustimmung hierzu
könnte nicht stärker sein. Aus diesem
Grund
muß
zusätzliche
Wirtschaftshilfe an die vier mittelamerikanischen Demokratien genehmigt werden.
Zweitens ist enge Zusammenarbeit
mit
unseren
demokratischen
Freunden in Mittelamerika ebenfalls
unerläßlich, und unsere Politik besteht heute wie schon in der Vergangenheit darin, die diplomatischen Bemühungen zur Erzielung eines dauerhaften Friedens weiterzuführen.
Präsident Arias von Costa Rica
hat dieses Jahr schon einen Vorschlag
vorgelegt, der auf die Erreichung einer friedlichen Lösung des Konflikts
in Nicaragua abzielt. Der Kern seines Vorschlags ist das Beharren auf
Demokratie in Nicaragua. Meine Administration hat regionale diplomatische Initiativen mit dem Ziel von
Frieden und Demokratie immer unterstützt, sei es durch CONTADORA, durch
persönliche Treffen mit der in Nicaragua herrschenden Partei oder durch
die
aktuellen
Mittelamerikainitiativen.
Lassen Sie mich dazu heute erklären, daß ich jeder Art von Verhandlungen meine volle Unterstützung gewähre, die in Mittelamerika zum Aufbau
der
Demokratie
ohne
weiteres
Blutvergießen beitragen können. Wie
Sie wissen, erhielt ich unlängst ein
von 111 Mitgliedern des Repräsentan-

�tenhauses unterzeichnetes Schreiben,
in dem intensive diplomatische Bemühungen gefordert werden, "um Frieden,
Sicherheitsgarantien für alle mittelamerikanischen Staaten, die Förderung
demokratischer Institutionen und den
Abzug sowjetischen und nicaraguanischen Militärpersonals aus Nicaragua
zu erreichen".
Obwohl ich nicht mit dem gesamten
Inhalt des Schreibens übereinstimme,
schließe ich mich gewiß den Kongreßabgeordneten bei der Forderung nach
Wiedereinführung von Presse-, Religions-, Versammlungs- und
Redefreiheit sowie von freien Wahlen an, die
samt und sonders von der Regierung
Nicaraguas verweigert werden. Unser
Senat hat mit 97 zu einer stimme eine
Resolution
verabschiedet,
aus
der
hervorgeht,
daß
ein
"dauerhafter
Frieden sich nur im Kontext demokratischer
Systeme
verwirklichen
läßt..., die der Abschaffung großer
Armut verpflichtet sind, der Schaffung von wirksamen Mitteln, mit denen
allen
Elementen
der
Gesellschaft
gleiche Möglichkeiten zur Verfügung
stehen ... und freien und regelmäßig
stattfindende Wahlen ...".
Obwohl ich keine Einwände gegen
die vom Kongreß angestrebte Herbeiführung einer friedlichen Lösung auf
diplomatischem Wege in Nicaragua erheben werde, können Sie feststellen,
daß die Demokratie der Schlüssel ist
und daß dies im Kongreß mehrheitlich
anerkannt wird.
Aus diesem Grunde
glaube ich fest daran, daß es eine
solide Grundlage gibt, auf der wir
gemeinsam mit dem Kongreß Anstrengungen zur Lösung dieses Konflikts in
Mittelamerika
unternehmen
können.
Ich möchte alle Bemühungen unternehmen, um auf diese Ziele hinzuarbeiten, und ich hoffe, daß sich der Kongreß mir dabei anschließt.

Das ist der Ansatzpunkt für das
dritte Element unserer Politik - unser Engagement und unsere Unterstützung für die Freiheitskämpfer, die
einem freien Nicaragua ihr Leben und
ihre Ehre geweiht haben. Die Unterstützung, die diese Regierung den nicaraguanischen
Freiheitskämpfern
in
ihrem Kampf für Frieden und eine demokratische Regierung leistet, wird
unverändert bleiben, bis das Regime
in Nicaragua den Hoffnungen des nicaraguanischen Volkes auf
Demokratie
Rechnung trägt.
Mit jedem Tag zeigt das nicaraguanische Volk mehr Empörung angesichts der Unterdrückung durch die
kommunistischen Machthaber.
Der demokratische Widerstand Nicaraguas, zu
dem die Freiheitskämpfer zählen, bietet heute die einzige Alternative zur
Diktatur der Vergangenheit und zum
Kommunismus der Gegenwart. Diese Alternative heißt Demokratie und sie
gewinnt zunehmend die Unterstützung
des nicaraguanischen Volkes.
Solange ich Präsident bin, habe
ich nicht die Absicht, diesen Bemühungen des Volkes von Nicaragua, das
seine Freiheit und das Recht auf die
Wahl seiner eigenen nationalen Zukunft erlangen will, unsere Unterstützung zu versagen.
In den nächsten Monaten werde ich den Kongreß
bitten, wiederum Mittel für die Freiheitskämpfer zu bewilligen.
Hierbei
möchte ich nochmals die Gefahr des
von einigen Kongreßmitgliedern verfolgten
Kurses
betonen:
daß
der
schnellste Weg zum Frieden in Mittelamerika in der Aufgabe unseres Einsatzes für die nicaraguanischen Freiheitskämpfer liegt.
Verzögerungen und mangelnde Entscheidungskraft im Inland können nur
zu unnötigem Leid in Nicaragua beitragen, das Vertrauen der in dieser

- 5 -

�Region entstehenden Demokratien erschüttern und unsere eigene Sicherheit gefährden. Wir haben in diesen
vergangenen sieben Jahren einen langen Weg zurückgelegt, um den Charakter des sandinistischen Regimes und
seine aggressiven Ziele gegen das eigene Volk
und
die
demokratischen
Nachbarn in Mittel- und Südamerika zu
verstehen. Es bildet sich ein neuer
Konsens beider Parteien heraus, der
all die alten Entschuldigungen außer
acht läßt.
Im vergangenen Jahr erhob die New
York Times in einem Kommentar mit der
Überschrift "The Road to Stalinism"
den Vorwurf, die von den Sandinisten
versprochene "pluralistische Revolution" werde "hoffnungslos verraten".
In dem Artikel heißt es: "Nur der
Leichtgläubige kann die jetzt hervortretenden Wurzeln des Polizeistaates
übersehen".
Sogar mein alter Freund
Tip O'Neill erklärte im Anschluß an
einen der offensichtlichsten Aggressionsakte der Sandinisten, daß Daniel
Ortega genau das sei, wofür er ihn
immer gehalten habe, ganz einfach ein
"marxistisch-leninistischer
Kommunist", der
eine
"Revolution
ohne
Grenzen" heraufbeschwören wolle.
Die Frage, die sich dem amerikanischen Volk und dem Kongreß der Vereinigten Staaten stellen muß, lautet:
"Was tun wir, um dem abzuhelfen?"
Obwohl die brutalen, totalitären
und subversiven Intentionen des sandinistischen Regimes fast überall anerkannt sind, steht die Antwort auf
die Frage der weiteren Hilfe an die
Freiheitskämpfer noch aus.
Aber ich glaube, es wird zunehmend erkannt, daß die Freiheitskämpfer die einzigen sind, die zwischen
den Sandinisten und ihren expansio-

-6

nistischen Zielen stehen; daß sie das
größte Hindernis darstellen, um das
gesamte Mittelamerika davor zu bewahren, vom "revolutionären Feuer" der
Kommunisten erfaßt zu werden; daß die
Freiheitskämpfer die einzigen sind,
die dem Volk von Nicaragua die Hoffnung auf Freiheit und dem stabilen
und dauerhaften Frieden in Lateinamerika eine Chance bieten.
Sie verdienen unsere Unterstützung. Deshalb wird die bevorstehende
Abstimmung im Kongreß darüber, ob wir
weiterhin die Freiheitskämpfer in Nicaragua unterstützen wollen, wohl die
wichtigste von unseren Abgeordneten
1987 getroffene Wahl und möglicherweise auch eine der wichtigsten in
ihrer Laufbahn in einem öffentlichen
Amt werden.
Für die Presse und die Medien ist
dies eine ebenso wichtige Frage. Ich
muß bemerken, daß in der neuen Demokratie von El Salvador kommunistisch
unterstützte Guerillas versuchen, die
demokratische Herrschaft zu Fall zu
bringen, und dies findet in den Medien kaum oder gar keine Aufmerksamkeit. Und doch kämpfen nur jenseits
einer Grenze in Nicaragua die Freiheitskämpfer
gegen ein
totalitäres
kommunistisches
Regime
und
werden
weit und breit als gesetzlose Terroristen oder noch Schlimmeres angegriffen.
Sie müssen entschuldigen, aber
diese Geschichte muß in den Zusammenhang gestellt werden. Dieser Zusammenhang wird vom aggressiven Charakter des Kommunismus der Sandinisten
geliefert.
Heute kennt das nicaraguanische Volk die Realität des sandinistischen Kommunismus: die Brutalität, die Armut und Unterdrückung,
und aus diesem Grund wissen sie, was
wir nur zu oft vergessen: daß es sich
für die Freiheit zu kämpfen lohnt.

�Es ist dieselbe genaue Kenntnis der
Unterdrückung und das Streben nach
Freiheit, das die tapferen afghanischen Widerstandskämpfer stärkt und
ihnen den Mut gibt, ihre Waffen gegen
die überwältigende Macht der sowjetischen Militärmaschinerie zu erheben;
dasselbe Wissen veranlaßt die tapferen Angolaner und Kambodschaner, in
langen Befreiungskriegen gegen ihre
von sowjetischer Seite unterstützten
Unterdrücker
zu
kämpfen;
dasselbe
Wissen veranlaßte das Volk von Grenada, amerikanische Soldaten, die ihr
Land befreiten, zu umarmen und Blumen
auf ihren Weg zu streuen.
Und war es nicht erhebend, auf
den Mauern nicht Graffiti von der Art
"Yankee
Go
Home",
sondern
"Gott
schütze Amerika" zu lesen. Sie haben
alle auf den Ruf nach Freiheit geantwortet - ein Ruf, der besondere Bedeutung erlangt in diesen Gebäuden,
auf dieser Insel, wo so viele unserer
Vorfahren
die
Freiheitsstatue
mit
Freudentränen begrüßten.

Dieser Wahl sehen wir uns gegenüber; zwischen dem Licht der Freiheit
und der Dunkelheit der Unterdrückung.
Als unsere Vorfahren nach schrecklichen Reisen, bei denen Krankheiten
und Leid überwunden werden mußten,
zuerst die Fackel der Freiheitsstatue
erblickten, wußten sie, daß ihnen ein
Licht
leuchtete
"those
huddled
masses, yearning to breathe free".
Für diejenigen, die nur die Bitterkeit des Verlangens und der Unterdrückung kennen, leuchtet diese Fakkel besonders hell. Heute ist Freiheit unser heiliges Gut, das Versprechen Amerikas an die gesamte Menschheit.
Wir sollten diese Flamme immer
hoch halten, damit sie die Welt erleuchtet, ein Leuchtfeuer, das über
diesen Hafen hinaus reicht, in die
Dschungelberge Nicaraguas, wo junge
Männer heute für dieselben Freiheiten
kämpfen und sterben, die uns teuer
sind, in die Herzen der Menschen, die
überall für Freiheit kämpfen.

Wir vernehmen den Ruf nach Freiheit in der Arbeit, der Sie Ihr Leben
verschrieben haben, und er ist klar
und stolz jeden Morgen und jeden
Abend auf den Seiten der freien Presse zu vernehmen. Obwohl in Nicaragua
dieser Ruf durch die Schließung von
"La Prensa" auf tragische Weise zum
Schweigen gebracht worden ist, vernehmen wir
immer noch die mutige
Stimme ihrer Herausgeber in, Violeta
Chamorro, die
klarmacht, daß
die
Presse zum Thema Freiheit niemals ihre Augen verschließen kann: "... Ohne
Pressefreiheit",
so
Chamorro,
"gibt es weder eine repräsentative
Demokratie noch die Freiheit des Einzelnen noch soziale Gerechtigkeit...
nur Dunkelheit, Rechtlosigkeit, Mißbrauch, Mittelmäßigkeit
und Unterdrückung" .

- 7 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

6. Mai 1987

17

REAGAN KRITISIERT HANDELSGESETZE DES KONGRESSES
- Rundfunkansprache des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Am 2. Mai 1987 hielt Präsident Reagan seine wöchentliche Rundfunkansprache an das amerikanische Volk, die wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen.
Meine lieben Mitbürger! Hier in
Washington liegt eine arbeitsreiche
Woche hinter uns, wobei die Frage des
internationalen
Handels
im Vordergrund stand.
Das
Repräsentantenhaus
verabschiedete ein Gesetz, durch das eine
neue Handelsschranke errichtet würde,
und hier im Weißen Haus führte ich
ausführliche Gespräche über Handelsfragen mit Premierminister Nakasone
aus Japan, einem der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten Staaten.

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Embassy of the United States of America

Diese Entwicklungen sind für uns
alle bedeutsam, weil eine der schwerwiegendsten Bedrohungen für den wirtschaftlichen Aufschwung und amerikanische Arbeitsplätze
in protektionistischen
Gesetzen besteht, durch
die Handelsschranken
errichtet und
höhere Zölle verhängt werden.
Indem eine solche Haltung die
Vergeltung ausländischer Regierungen
bewirkt, leitet sie letztlich einen
Handelskrieg
ein, schließt ausländische Märkte und macht Wirtschaftswachstum in unserem eigenen Land zu-

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�Nakasone und
chen haben.

nichte.
Leider hat sich das Repräsentantenhaus entschlossen, diesen Weg zu
verfolgen, aber die Abstimmung hat
auch einen positiven Aspekt.
Sehen
Sie, dadurch, daß sie eine überparteiliche
Haltung
ermutigte,
haben
sich eine ganze Reihe von Demokraten
den Republikanern bei der Ablehnung
eines besonders schlechten Zusatzes
angeschlossen.
Die Abstimmung im Repräsentantenhaus diese Woche zeigt an, daß wir
uns in einer starken Position befinden, um die Verabschiedung schlechter
Vorschläge wie diesem im Kongreß zu
verhindern.
Glauben Sie mir, ich
würde gern vernünftige Handelsgesetze
unterzeichnen, aber ich werde meine
Unterschrift
nicht
unter
Vorlagen
setzen, durch die Märkte geschlossen
und die Schaffung weiterer Arbeitsplätze verhindert werden.
Was nun meine Gespräche über Handelsfragen
mit
Premierminister
Nakasone angeht, so sind die Nachrichten positiver.
ich habe schon
betont, daß wir gegen Protektionismus
und für freien Handel sind, aber es
gibt dabei noch eine andere Seite.
Freier Handel bedeutet auch fairen Handel.
Und das heißt, daß es
anderen Staaten nicht gestattet wird,
unsere
Handelspolitik
ihrerseits
durch die Errichtung von Handelsschranken auszunutzen.
Ich habe kürzlich höhere Zölle
für die Einfuhr bestimmter japanischer Produkte verhängt und damit auf
die Unfähigkeit Japans reagiert, unsere Vereinbarung über den Handel mit
Halbleitern » durchzusetzen.
Dieses
Vorgehen sowie unsere gesamten Handelsbeziehungen mit Japan waren eines
der
Themen,
die
Premierminister

ich ausführlich

bespro-

Wir sind uns in der Ablehnung
protektionistischer
Maßnahmen
auf
beiden Seiten des Pazifiks einig.
Ich
habe
meiner
Hoffnung
darüber
deutlich Ausdruck verliehen, daß unsere fortdauernde Überprüfung von Daten im Hinblick auf das Halbleiterabkommen Beweise für dessen Befolgung
erbringen und es uns gestatten wird,
die unlängst gegen japanische Produkte verhängten
Beschränkungen
einer
Revision zu unterziehen.
Der Premierminister brachte erneut das Engagement seiner Regierung
für die Erfüllung unserer Handelsvereinbarungen
und die
Zusammenarbeit
für den freien Handel im Pazifik und
in der ganzen Welt zum Ausdruck.
Premierminister Nakasone stimmte
überdies einer Ankurbelung der japanischen Wirtschaft zu, wodurch die
Nachfrage nach amerikanischen Produkten in Japan zunehmen sollte.
Ich möchte mich nun einer anderen, in dieser Woche behandelten Frage zuwenden, einer Frage, die den
Handel, den Haushalt und übermäßige
Ausgaben betrifft.
Unser Handelsdefizit spiegelt die
Tatsache wider, daß unser Land mehr
ausgibt als es einnimmt, und der
Schlüssel
zu diesem Problem liegt
darin, die Defizite der Bundesregierung unter Kontrolle zu bringen.
Vor zwei Jahren haben wir einen
bedeutenden Schritt in diese Richtung
unternommen, als
der
Kongreß
dem
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz
zustimmte, durch das nach und nach die Defizite reduziert und schließlich ein
ausgewogener Haushalt erzielt werden.

- 2 -

�Im Gegensatz zum Problem des Handels waren jedoch die Entwicklungen
dieser Woche an dieser Front nicht
ermutigend.
Zum Beispiel verabschiedete der Senat gewisse Verfahrensweisen, die eine Überschreitung der Ausgabenziele von Gramm-Rudman-Hollings
wesentlich leichter machen, von Zielen, die erst vor 17 Wochen vereinbart wurden.
Ihre unmittelbare
Reaktion
ist
die gleiche wie meine: Es ist doch
immer wieder dasselbe.
Der Kongreß verabschiedet weiter
Gesetze mit immer höheren Ausgaben
und ignoriert dabei fortwährend seine
Versprechungen an das amerikanische
Volk nach Gramm-Rudman-Hollings - das
Versprechen, aufzuhören, einen Mischmasch an überzogenen Ausgabengesetzen
zu verabschieden und stattdessen mit
einem umfassenden Haushalt aufzuwarten, der die Defizite unter Kontrolle
bekommt.
Wie ich schon immer gesagt habe,
besteht das Problem im Haushaltsverfahren des Kongresses selbst.
Der
Kongreß weigert sich schlichtweg, irgendeine
Haushaltsdisziplin
auszuüben. Aus diesem Grunde ist es unerläßlich, dem Präsidenten die Befugnis
zu verleihen, zu intervenieren und
der Verschwendung ein Ende zu machen.

schrieben würde.
Wenn der Kongreß
sich nicht selbst zur Disziplin anhalten kann, dann muß das amerikanische Volk nein sagen.
Glauben sie mir, die Ereignisse
der vergangenen Woche haben mir wieder gezeigt, wie wichtig diese beiden
Initiativen sind.
Das sind also die Neuigkeiten
dieser Woche.
Lassen Sie mich noch
einen Augenblick über die nächste Woche
und
einen
weiteren
wichtigen
Punkt unserer Tagesordnung, das Drogenproblem, sprechen.
Wir werden eine Konferenz im Weißen Haus für ein drogenfreies Amerika
ankündigen.
Dadurch wird uns die
Chance eröffnet werden, die bis jetzt
auf diesem Kreuzzug erreichten Fortschritte zu prüfen und danach eine
Plan für die Zukunft zu entwerfen.
Und das sind gute Neuigkeiten.
Bis nächste Woche, danke fürs Zuhören und Gott schütze Sie.

Um dies zu erreichen, benötige
ich dasselbe Instrument, das den Gouverneuren von 43 Staaten zur Verfügung steht: ein selektives Veto, ein
Instrument, um bei diesen massiven
Ausgabengesetzen
des Kongresses zu
intervenieren
und
verschwenderische
Haushaltsposten auszumerzen.
Und natürlich beweist der Kongreß
ebenfalls, daß wir wirklich eine Verfassungsänderung benötigen, durch die
ein
ausgewogener
Haushalt
vorge- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

^r,oN^

6. Mai 1987

17
REAGAN:

RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN IN REICHWEITE

- Erklärung zu den START-Verhandlungen WASHINGTON - (AD) - Einen Tag vor der Eröffnung der achten Runde der Genfer Verhandlungen über die Reduzierung strategischer Waffen (START) veröffentlichte Präsident Reagan am 4. Mai 1987 eine Stellungnahme, in der er erklärte,
die Vereinigten Staaten blieben "der Erlangung einschneidender, beiderseitig
verifizierbarer und stabilisierender Reduzierungen in den nuklearen Arsenalen
der Vereinigten Staten und der Sowjetunion voll und ganz verpflichtet". Reagan
bemerkte weiterhin, er sei "fest davon überzeugt, daß ein Abkommen über die
Reduzierung strategischer Waffen sogar noch in diesem Jahr in Reichweite ist,
wenn die Sowjets bereit sind, die verbliebenen noch ausstehenden Probleme zu
lösen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Erklärung im Wortlaut:

Seit Anbeginn meiner Regierungszeit bestand das allererste Ziel im
Bereich der Rüstungskontrolle in der
Erlangung bedeutsamer und verifizierbarer Reduzierungen nuklearer Offensivwaffen - besonders der am meisten
destabilisierenden
schnellfliegenden
ballistischen Raketen.
Ich habe unseren amerikanischen
Unterhändler
bei START angewiesen,
die Bemühungen zur Erlangung eines
Abkommens zum Abbau strategischer Offensivwaffen um 50 Prozent zu intensivieren.
Im Hinblick darauf werden

United States Information Service
Embassy of the United States of America

die Vereinigten Staaten in Kürze bei
START den Entwurf für einen Vertragstext vorlegen. Dieser Text wird die
grundlegenden
Übereinkünfte
widerspiegeln, die Generalsekretär Gorbatschow und ich bei unserem Zusammentreffen in Reykjavik im vergangenen Oktober erzielt haben.
Er wird
auch auf von sowjetischer Seite nach
Reykjavik
vorgebrachte Anliegen
in
Betracht
ziehen
und
eine
breite
Grundlage
für die Schaffung eines
fairen und dauerhaften START-Abkommen
liefern.

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Telex: 8-85432

�sieben Jahre nach Inkrafttreten
eines START-Abkommens.

Morgen wird in Genf die achte
Runde unserer Verhandlungen mit der
Sowjetunion
über
eine
Reduzierung
strategischer Waffen und zu Fragen
der strategischen Verteidigung eröffnet.
Zusammen mit den am 23. April
wiederaufgenommenen
Verhandlungen
über
nukleare
Mittelstreckenwaffen
finden jetzt auf allen drei Ebenen
der
Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen Gespräche statt.
Wir haben bei START erhebliche
Fortschritte erzielt.
Ich bin fest
davon überzeugt, daß ein START-Abkommen sogar noch in diesem Jahr in
Reichweite ist, wenn die Sowjets bereit sind, die noch ausstehenden Probleme zu lösen. Das wichtigste dieser Probleme betrifft die Notwendigkeit, zum Zweck der Sicherung strategischer Stabilität bei Gefechtsköpfen
auf ballistischen Raketen Untergrenzen festzusetzen.
Wir werden ebenfalls Bewegung in
den Bereich der Verteidigung im Weltraum
bringen.
Unsere Unterhändler
kehren mit der Bereitschaft nach Genf
zurück, einen neuen
amerikanischen
Vorschlag auf den Verhandlungstisch
zu legen, den Außenminister Shultz
bei seinen Treffen in Moskau besprochen hat. Dieser neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:
- Sowohl die Vereinigten
Staaten
als auch die Sowjetunion verpflichten sich, bis zum Jahr 1994
nicht vom ABM-Vertrag zurückzutreten.
- Diese Verpflichtung würde von der
Anwendung der im Rahmen von START
verhandelten Reduzierungen abhängen, d.h. von einer SOprozentigen
Verringerung auf gleiche Niveaus
von 1 600 nuklearen Trägersystemen und 6 000 Gefechtsköpfen, mit
angemessenen
Untergrenzen
über

- Das Abkommen würde nicht die souveränen Rechte der Parteien nach
internationalem
Gewohnheitsrecht
verletzen, sich im Falle einer
erheblichen Verletzung des Abkommens oder bei Gefährdung ihrer
wichtigsten Interessen davon zurückzuziehen.
- Nach 1994 könnte jede Seite Verteidigungssysteme
nach
eigener
Wahl
stationieren,
wenn
dazu
nicht auf beiden Seiten anderslautende Vereinbarungen getroffen
werden.
Um auf beiden Seiten Vertrauen zu
schaffen, indem wir im Bereich der
strategischen Verteidigung
die Berechenbarkeit weiter verbessern und
als Reaktion auf vorgebrachte Besorgnisse der Sowjets schlagen wir weiterhin vor, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion jährlich Zahlenmaterial über ihre geplanten Aktivitäten austauschen.
Wir versuchen
ferner, für die Vereinigten Staaten
und
die Sowjetunion
wechselseitige
Informationsgespräche über ihre jeweiligen Bemühungen im Bereich der
strategischen Verteidigung und Besuche von damit in Zusammenhang stehenden Forschungseinrichtungen zu vereinbaren, wie wir dies auch bereits
mit unserer Initiative der offenen
Labors getan haben.
Darüber hinaus
haben wir Vorschläge zur Vereinbarung
beiderseitig anerkannter Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung der Tests von strategischen Verteidigungssystemen unterbreitet.
Seit der Eröffnung der Genfer
Verhandlungen über Mittelstreckenraketen (INF) gab es bei diesen Verhandlungen einige neue Entwicklungen.
Vergangene Woche unterbreiteten die

- 2 -

�Sowjets einen detaillierten INF-Vertragsentwurf, der nun zusammen mit
unserem eigenen Text auf dem Verhandlungstisch
liegt.
Wir
untersuchen
den sowjetischen Vorschlag genau und
bitten die Sowjets um Klärung einiger
wichtiger Punkte in ihrem Text.
Der sowjetische Vorschlag scheint
die von Generalsekretär Gorbatschow
und mir in Reykjavik erzielten Übereinkünfte über Obergrenzen bei Mittelstreckenraketen längerer Reichweite (LRINF) und den Grundsatz über ein
weltweites Gleichgewicht zwischen unseren beiden Ländern bei Raketensystemen
kürzerer
Reichweite
(SRINF)
widerzuspiegeln.
Trotzdem gilt es noch wichtige
Probleme zu lösen, bevor ein INF-Abkommen abgeschlossen werden kann; dazu zählen die Verifizierung und die
SRINF. Verifizierung ist ein besonders wichtiger Problemkreis.
Obwohl
der sowjetische Entwurf darauf hindeutet, daß sie sich darum bemühen,
in einigen grundlegenden Bereichen,
die zur wirksamen Verifizierung erforderlich sind, ein Abkommen herbeizuführen, müssen sie jedoch noch die
wichtigsten
Einzelheiten
mitteilen,
die zur Erarbeitung eines wirksamen
Systems der Verifizierung erforderlich sind.
Darüber hinaus sind sie
unseren
Bedingungen
zur
Inspektion
von Testgeländen nicht nachgekommen,
auf denen wir Verletzungen des INFAbkommens vermuteten.
Ein anderer
wichtiger
Problemkreis
betrifft
Kurzstreckensysteme.
Wir und unsere Verbündeten bestehen
auch weiterhin darauf, daß ein Abkommen zu diesen Systemen bilateraler
Art, dabei dem Umfang nach weltweit
gültig, im Einklang mit einem ersten
INF-Vertrag und wirksam verifizierbar
sein muß.
Darüber hinaus sind sowjetische Anstrengungen, Raketen an-

derer
Länder
als
der
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion mit zu
berücksichtigen, offensichtlich nicht
akzeptabel. Wir setzen unsere engen
Konsultationen mit unseren Verbündeten in Europa und Asien über SRINF
und andere INF betreffende Fragen
fort.
Unsere Genfer Unterhändler - angeführt
von
den
Botschaftern
Max
Kampelman,
Mike
Glitman
und
Ron
Lehman - haben ausgezeichnete Arbeit
geleistet und noch viel zu tun. Wir
sind zu harten Verhandlungen bereit
und entschlossen, unseren Teil dazu
beizutragen, um - zum ersten Mal in
der Geschichte - wirkliche Reduzierungen bei Nuklearwaffen herbeizuführen.
Es ist jetzt an den Sowjets,
Entschlossenheit zu demonstrieren und
Bewegung in diese wichtigen Fragen zu
bringen.
Trotz all der in Genf erzielten
Fortschritte gibt es Ereignisse hier
im Inland, die das von uns so sorgfältig
gelegte Fundament
zerstören
könnten, das die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückgeführt und sie
dazu bewogen hat, zum ersten Mal
ernsthaft über unsere jeweiligen nuklearen Arsenale zu verhandeln. Von
einigen Mitgliedern des Repräsentantenhauses wurden Anstrengungen unternommen, dem Verteidigungshaushalt Zusätze über Rüstungskontrolle beizufügen, die unseren Unterhändlern den
Boden unter den Füßen wegziehen und
unsere lebensfähigsten Verteidigungsprogramme untergraben würden - wie
etwa
unsere Strategische Verteidigungsinitiative.
Und jetzt sieht es
so aus, als ob einige Senatoren die
gleiche Richtung einschlagen wollten.
Damit keine Mißverständnisse aufkommen:
Ich werde mein Veto gegen
jedes Gesetz einlegen, das unsere Fähigkeit beschneidet, uns zu verteidi-

- 3 -

�gen und es den Sowjets freistellt,
ihre militärische Aufrüstung fortzuführen.
Die Vereinigten Staaten bleiben
der
Erlangung von einschneidenden,
beiderseitig verifizierbaren und stabilisierenden
Reduzierungen
in den
nuklearen Arsenalen der Vereinigten
Staten und der Sowjetunion voll und
ganz verpflichtet.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

"V,ow *

6. Mai 1987

17

MASSNAHMEN DER BUNDESBANK ZUR EINSCHRÄNKUNG DER GELDMENGE BESTÄTIGT
- Kommentare des Bundesbankpräsidenten Paul Volcker -

WASHINGTON - (AD) Der Präsident der amerikanischen Bundesbank, Paul
Volcker, hat bei einer Anhörung vor einem Unterausschuß für das Bankwesen im
Repräsentantenhaus am 30. April 1987 bestätigt, daß die amerikanische Bundesbank in den letzten Tagen die Geldmenge verringert hat, damit die Zinssätze
anziehen und um den Dollar zu stützen.

"Wir waren etwas vorsichtiger damit, ... dem Markt Reserven zur Verfügung zu stellen" und haben eine
"weniger entgegenkommende Politik angewandt, die teilweise die Dollarschwäche widerspiegelt", so Volcker.
Ihm zufolge kann diese Politik als
eine "sachte und solide Methode" bezeichnet werden.
Volcker fügte hinzu, daß gleichzeitig mit der Verringerung der Geldmenge durch die amerikanische Zentralbank es "ganz und gar vernünftig
wäre, wenn im Ausland ergänzende Maß-

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nahmen in umgekehrtem Sinne getroffen
würden", besonders in Japan.
Angesichts dieser von Volcker abgebenen Stellungnahme berichteten Beamte des Weißen Hauses, der japanische Premierminister
Nakasone habe
Präsident Reagan zu Beginn der zwei
Tage dauernden Gespräche in Washington erklärt, sein Land unternehme genau diese Schritte: er sagte, er habe japanische Banken angewiesen, ihre
kurzfristigen Zinssätze herabzusetzen.
In

einer

Pause

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der Anhörung be-

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�tonte Volcker
Reportern gegenüber,
die Maßnahmen der Bundesbank "seien
im Hinblick auf eine Korrektur der
Politik sehr beschränkt". Das Eingeständnis einer Verschiebung in der
Politik
ist
ungewöhnlich.
Solche
Maßnahmen werden in der Regel nicht
eher bestätigt, als bis sie vollständig durchgeführt worden sind.
Volcker
bemerkte, er habe die
Haltung der Bundesbank erwähnt, weil
"ich jegliche Verwirrung aus dem Weg
räumen möchte, die darüber eventuell
bestehen könnte".
Er bemerkte zur
herrschenden inflationären Marktpsychologie, "es sei gut für die Zinssätze, sie niedriger zu halten als
sie sonst sein würden" um zu vermitteln, "daß sich jemand um das Geschäft kümmert".
Der Bundesbankpräsident erwähnte
einige Faktoren, die zu dem beitragen, was er "psychologische Empfindsamkeit"
der
Finanzmärkte
nannte.
Dazu zählt, so Volcker, auch die gegenwärtige Debatte im Repräsentantenhaus über Vorschläge zu schärferer
Handelsgesetzgebung.
Die Besorgnis über die langsamen
Fortschritte der Regierung bei der
Bewältigung
des schwer
defizitären
Bundeshaushalts sei ein weiterer Faktor.
"Die Zeit ist gekommen, um bei
diesen ewig währenden Haushaltsüberlegungen
energisch vorzugehen", so
der Bundesbankpräsident.
"Was diese
Märkte wirklich brauchen, ... sind
Maßnahmen beim Haushalt und das Vertrauen darauf, daß diese Maßnahmen
auch durchgeführt werden.
Das gibt
es einfach nicht".
Auf die Frage eines Reporters, ob
der jüngste Rückgang des Dollars die
Anpassung "absolut und grundsätzlich"
weit genug vorangetrieben habe, antwortete Volcker, "absolut und grund-

sätzlich, so wahr ich hier stehe".
Auf die Frage, ob Beamte der
Zentralbank immer noch an bisherigen
Prognosen festhielten, daß die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr
Zuwachsraten von etwa 2,5 bis 3 Prozent
verzeichnen
werde,
erwiderte
Volcker, "Ich glaube nicht, daß irgendetwas geschehen ist, das einen
bedeutenden
Wandel
herbeiführen
wird", zumindest nicht in dieser Hinsicht.
Den angekündigten Schwerpunkt der
Anhörung des Unterausschusses bildeten Fortschritte der amerikanischen
und britischen Bankenaufsicht bei der
Errichtung eines gemeinsamen Systems
von Anforderungen im Hinblick auf Risikokapital
bei Institutionen, die
ihrer Aufsicht unterstehen.
Volcker
bemerkte,
diese
Aufsichtsbeamten
sollten
in der Lage
sein, bis zu diesem Sommer ein System
anzuwenden, das "einen Rahmen zur erheblichen Stärkung unserer gegenwärtigen Aufsichtsverfahren, um zu beurteilen, ob das Kapital ausreicht"
bilde. Das System würde weitere besondere Anforderungen ergänzen, die
bereits im Inland Anwendung finden
und die von den Banken verlangen, ein
Kapital zu halten, das bestimmten
Prozentsätzen
ihrer
Vermögenswerte
entspricht.
Volcker berichtete dem Ausschuß
von seinen Hoffnungen, daß Japan und
andere Länder gemeinsam mit den vereinigten Staaten und Großbritannien
später an einem Ansatz auf internationaler Ebene arbeiten werden. "Die
Globalisierung der Märkte hat zu einem erheblichen Anstieg des internationalen Wettbewerbs geführt und zu
einem Bewußtsein, daß Unterschiede im
Führungsstil der überwachenden Stellen rund um die Welt zu Verzerrungen

- 2 -

�im Wettbewerb führen können" und fügte hinzu, daß "die Gefahr in einem
internationalen Wettbewerb der Nachlässigkeit besteht".

* * * * * *
3 -

�AMERIKA DIENST
^

^

c&amp;

Wissenschaft und Technik

6. Mai 1987

17
INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT LEBENSNOTWENDIG
- Die wichtigste Lehre aus Tschernobyl -

WASHINGTON - (AD) - Was die "lebensnotwendige Zusammenarbeit" unter den
Nationen bedeutet, wie sie in der Schlußakte von Helsinki vorgesehen ist, werde durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 demonstriert.
Zum ersten Jahrestag jenes Ereignisses wiesen Mitglieder der USKommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), Steny Hoyer und
Dennis DeConcini (als Vertreter des Repräsentantenhauses und des Senats des
US-Kongresses) auf die engen Zusammenhänge zwischen Umweltproblemen und anderen, im Helsinki-Abkommen angesprochenen Fragen hin, zu denen auch der freie
Informationsaustausch und die Ausweitung menschlicher Kontakte gehörten.
Die Erklärung der Kommissionsmitglieder hat folgenden Wortlaut:
"Der 26. April ist der erste Jahrestag des Nuklearunfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Sowjetunion. Dieses Ereignis demonstriert,
wie andere in den letzten Jahren
auch, die große Bedeutung von Zusammenarbeit zwischen den Nationen, wie
sie in der Schlußakte von Helsinki
vorgesehen ist. Dazu gehört auch das
Niederreißen der Mauern von Geheimhaltung, die zwischen ihnen bestehen,
damit wir für unsere Bevölkerung und
unsere Umwelt das Höchstmaß an Schutz
gewährleisten können. Es macht mehr
als alles andere zuvor klar, welch
enger
Zusammenhang
zwischen Umwelt

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und anderen Helsinki-Fragen, etwa dem
freien Fluß von Informationen und der
Ausweitung menschlicher Kontakte, besteht.
Wir ehren jene, die bei der Bekämpfung der Brände im Werk Tschernobyl ihr Leben riskierten und von
denen manche es auch verloren.
Sie
handelten in vieler Hinsicht wahrlich
heldenhaft. Den Angehörigen der Menschen, die als Folge des Unfalls ihr
Leben verloren, gilt unser tiefstes
Mitgefühl.

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�Wir geben unserer Sorge um die
Tausende Ausdruck, die in den durch
Tschernobyl
am meisten
betroffenen
Gebieten lebten und arbeiteten. Die
Ängste und Schwierigkeiten, denen sie
sich im vergangenen Jahr ausgesetzt
sahen, waren in der Tat gewaltig.
Wir teilen auch die Enttäuschung derjenigen, die - ohne Erfolg - versuchten, Kontakte zu knüpfen, Care-Pakete
zu schicken oder auf andere Weise ihren in den betroffenen Gebieten lebenden Verwandten und Freunden zu
helfen.
Schließlich hoffen wir, daß unsere Anstrengungen im Rahmen des Helsinki-Prozesses, auch der Wiener-Folgekonferenz, zu einer Welt führen mögen, in der sich menschliche Tragödien wie diejenigen, die aus dem Unfall von Tschernobyl erwuchsen, nicht
wiederholen."
In einem Artikel vom 23. April
1987 auf der Titelseite der Zeitung
"The Washington Times" befaßte sich
Martin Sieff mit den Auswirkungen des
Unfalls auf Europa.
"In Osteuropa
verstärkte das Unglück vom 26.April
1986 die wachsenden Spannungen zwischen Moskau und seinen Satelliten im
COMECON, die schon durch die sowjetischen Maßnahmen zur Anhebung der ölpreise über das Niveau der Weltmarktpreise
belastet
waren",
schreibt
Sieff. "Die Westeuropäer waren total
verärgert,
daß
das
Unglück
von
Tschernobyl nicht rechtzeitig gemeldet worden war, um Maßnahmen zum
Schutz gegen Strahlenverseuchung von
landwirtschaftlichen
Produkten
und
Vieh ergreifen zu können.
Das anfängliche Schweigen des Kreml wurde
als Beweis gewertet, daß die 'Glasnost'-Politik von Michael Gorbatschow
eindeutige Grenzen hat.

von

Tiere, Gemüse und Milch im Wert
Millionen Dollar auf dem ganzen

Kontinent wurden vernichtet. Die Europäische Gemeinschaft verhängte für
Frischnahrungsmittel aus dem COMECONBlock einen zeitweiligen Einfuhrstop,
der die Satelliten Moskaus schätzungsweise 975 Millionen Dollar kostete.
In Polen, das von der radioaktiven Wolke am stärksten betroffen war,
gab die Untergrundorganisation
KOS
bekannt, daß die Radioaktivität im
Zentrum von Warschau um das 150fache
über der normalen Hintergrundstrahlung lag. In Nordskandinavien mußten
die Lappen unzählige Rentiere wegen
Strahlenverseuchung schlachten und so
wahrscheinlich für Generationen ihre
Lebensgrundlage vernichten.
Und in
einigen Teilen Bayerns war der radioaktive Niederschlag 30 bis 40 mal höher als bei allen vorangegangenen
Kernwaffentests. Sogar im englischen
Lake-Distrikt wurde das Hundertfache
des krebsverursachenden Radioisotops
Cäsium-137 gegenüber dem Normalwert
gemessen.
Dem Unfall folgte im November eine enorme Vergiftung des Rheins mit
Chemikalien.
Die beiden Ereignisse
verhalfen der Partei der Grünen in
der Bundesrepublik bei den Wahlen im
Januar zu dem eindrucksvollen Ergebnis von acht Prozent. Dies wiederum
veranlaßte die größte Oppositionspartei, die SPD, sich stärker nach links
zu orientieren - damit wurde ironischerweise die sowjetische Kampagne, Europa zu neutralisieren und der
Nuklearverteidigung der NATO die Zähne zu zeigen, noch verstärkt. Ebenso
gewannen in Österreich die Grünen im
November ihre ersten Sitze im Parlament. ..
Das von Soziologen so bezeichnete
'Tschernobyl-Syndrom' wirkt sich so
aus, daß in der Öffentlichkeit jeder
nukleare Unfall weithin
Bestürzung

- 2 -

�und fingste auslöst.
Verlautbarungen
der Regierungen, in denen die Gesundheitsbedrohungen überhaupt nicht angesprochen oder heruntergespielt werden, begegnet man mit Skepsis... In
Belgien mußte beispielsweise die Regierung auf Verlangen der Niederlande
Reaktoren eines Kraftwerks nahe der
holländischen Grenze abschalten, weil
die
Mehrzahl
der
Arbeiterschaft
streikte.
Die Regierung der Niederlande bezweifelte die Behauptung des
Nachbarlandes und engen Verbündeten,
daß die Sicherheit der Anlage von den
Auseinandersetzungen nicht betroffen
sei - eine Entwicklung, die zeigte,
daß Tschernobyl der erste Nuklearunfall mit Auswirkungen auf andere Länder war.

Nuklearprogramm ein größerer Unfall
ereignen, brächte dies umgehend Stimmen für die Labor-Partei.
Obgleich Tschernobyl die Europäer
erschauern ließ, hat die Verwendung
von Kernenergie auf dem Kontinent sogar zugenommen.
EUROSTAT, das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft, berichtet, daß die Produktion von Kernenergie im vergangenen Jahr um 8,6 Prozent angestiegen
sei.
Führend auf diesem Gebiet ist
Frankreich, das nach der Ölkrise von
1973 den Bau von Kernkraftwerken forcierte.
Gegenwärtig
liefern
diese
dem Land 70 Prozent des elektischen
Stromes."

Das westdeutsche Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' warf der IAEO vor,
250 Geheimberichte über schwerere Unfälle und Pannen in Kernreaktoren in
den Mitgliedstaaten zurückzuhalten...
Am 17. April erklärte die IAEO, seit
1983, als zur Verbesserung der nuklearen Sicherheit ein Meldesystem für
Störfälle
eingerichtet worden war,
etwa 260 Berichte über Störfälle erhalten zu haben.
In
Großbritannien
erregte
das
Syndrom Ängste wegen der kontroversen
nuklearen
Wiederaufbereitungsanlage
von Sellafield, dem früheren Windscale bei Cumbria.
Bis Tschernobyl
stand es in dem Ruf, die gefährlichste und am schlechtesten betriebenen
zivile Nuklearanlage
der
Welt
zu
sein. Im vergangenen Jahr hieß es in
einem
britischen
Parlamentsbericht,
daß
infolge
ständiger
Lecks
von
Sellafield die Irische See zu dem am
stärksten radioaktiv verseuchten Meer
der Erde geworden sei... Die oppositionelle
Labor-Partei
verpflichtete
sich, Großbritannien als Nuklearmacht
auszuschalten. Sollte sich in Sellafield oder andernorts im britischen
- 3 -

�</text>
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