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AMERIKA DIENS

1 . A p r i l 1987

12

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Sowjets zur Einhaltung ihrer INF-Verpflichtung auf
- Stellungnahme Präsident Reagans -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die wiedergeborene Null-Lösung
- Von Richard Burt(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times
veröffentlicht)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erleichterung durch AIDS-Medikament - vielleicht
- Chef des öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische
Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

12

1 . April 1987
REAGAN FORDERT SOWJETS ZUR EINHALTUNG IHRER INF-VERPFLICHTUNGEN AUF
- Stellungnahme Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vom 27. März 1987 erinnerte Präsident Reagan an die wiederholte Bestätigung des sowjetischen Parteiführers Gorbatschow in Reykjavik, daß "ein Interimabkommen zu den Mittelstreckenwaffen
längerer
Reichweite
(LRINF) auch
Beschränkungen
über
Kurzstreckenwaffen
(SRINF) enthalten sollte, um 'die Existenzfähigkeit und Wirksamkeit einer
Übereinkunft über INF sicherzustellen1".
Reagan zufolge sind die Sowjets "in den vergangenen Wochen von dieser Haltung abgewichen und sagen nun, das Problem der SRINF müsse aus den gegenwärtigen INF-Verhandlungen ausgenommen und statt dessen in getrennten Verhandlungen
behandelt werden". Der Präsident gab zu verstehen, dies "liege sicher nicht
in unserem Interesse oder in dem unserer Verbündeten".
Die Stellungnahme hat folgenden Wortlaut:

Gestern ging die besonders verlängerte Sitzung bei den Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion über Mittelstrekkenwaffen (INF), die Teil der Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST) bilden, zuende. Wir haben diese Runde über den Schluß der
NST-Verhandlungen in anderen Gruppen
am 6. März hinaus verlängert, um weitere Fortschritte für unser langgehegtes Ziel der einschneidenden, beiderseitigen und wirksam verifizierbaren Reduzierungen amerikanischer und
sowjetischer LRINF zu erlangen, mit

United States Information Service
Embassy of the United States of America

dem Endziel , diese
schaffen.

vollständig

abzu-

Am 4. März legten unsere amerikanischen Unterhändler auf meine Weisung hin den Entwurf eines INF-Abkommens vor, der sich auf die von Generalsekretär Gorbatschow und mir bei
unserem Treffen in Island im Oktober
1986
vereinbarten
Formeln
stützt.
Wir haben inzwischen den Sowjets den
Text unseres Vertragsentwurfs im einzelnen
unterbreitet
und erläutert.
Der Entwurf fordert den Abbau auf
eine zwischenzeitliche Obergrenze von

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Telex: 8-85432

�100 Gefechtsköpfen auf amerikanischen
und sowjetischen Mittelstreckenraketen größerer Reichweite weltweit, von
denen keine in Europa disloziert sein
sollen, Einschränkungen bei den Mittelstreckenwaffen kürzerer Reichweite
sowie Bestimmungen zur wirkungsvollen
Verifizierung.
Amerikanische und sowjetische Unterhändler haben Arbeitsgruppen gebildet, die Gespräche über den von
uns vorgelegten Vertragsentwurf erleichtern sollen und arbeiten einen
gemeinsamen Text aus. Diese Gespräche mit den Sowjets waren sachlich
und produktiv.
Ich möchte betonen, daß sich unsere Haltung bei diesen Verhandlungen
auf enge Konsultationen mit unseren
Freunden und Verbündeten in Europa
und Asien stützt, deren Sicherheit
von der sowjetischen INF-AufStockung
sehr direkt betroffen ist.
Unsere
Verbündeten
haben
darüber
hinaus
einen umfangreichen Beitrag zu unseren Vorschlägen geleistet.
Wir haben zusammen mit unseren
Bündnispartnern den Sowjets gegenüber
klar zum Ausdruck gebracht, daß ein
INF-Abkommen wirkungsvoll verifizierbar sein muß. Wie ich bereits dargelegt habe, gibt es kein wichtigeres
anstehendes Problem als die Verifizierung. Der Text unseres Vertragsentwurfs enthält daher einen umfassenden Teil zur Verifizierung, um die
Einhaltung
des Vertrages sicherzustellen.
Wir verfolgen bei unseren Bestrebungen um Verifizierungsbestimmungen
drei Hauptzielsetzungen:
- Verbesserung
des Vertrauens
in
ein Abkommen, das als solches zu
größerer Sicherheit und Stabilität in Europa und Asien beitragen

wird;
- Abschreckung von Vertragsverletzungen durch Erhöhung des Entdekkungsrisikos und
- Ermöglichung einer schnellen Aufdeckung aller störenden Aktivitäten
und dadurch
Gewährleistung
einer zeitgerechten Warnung vor
der möglichen oder realen Bedrohung der Sicherheit aller Bündnispartner.
Inspektionen vor Ort werden einen
wesentlichen Bestandteil jeder wirkungsvollen Bestimmung zur Verifizierung ausmachen.
Solche Inspektionen
werden hilfreich sein, wenn es darum
geht, den anfänglichen Austausch von
Daten über INF-Systeme und die nachfolgende
Zerstörung, Demontage und
Umrüstung von LRINF-Systemen zu verifizieren, und sie werden eine wichtige Rolle bei der Sicherstellung der
fortdauernden Einhaltung von vertraglich
niederlegten
Beschränkungen
spielen.
Eine weitere Schlüsselbestimmung
unseres Entwurfs betrifft Kurzstrekkenraketen. Wir haben seit 1981 gemeinsam mit unseren Verbündeten klar
zum Ausdruck gebracht, daß Einschränkungen bei SRINF in einem ersten INFAbkommen wesentlich sind, so daß die
Sowjetunion nicht die Beschränkungen
für LRINF durch eine Aufstockung der
Kurzstreckenraketen unterlaufen kann.
Diese Einschränkungen müssen den Vereinigten Staaten das Recht auf einen
Gleichstand mit der Anzahl weltweit
stationierter sowjetischer INF-Systeme einräumen.
In Reykjavik haben Generalsekretär Gorbatschow und ich den wichtigen
Grundsatz bestätigt, der von unseren
Unterhändlern in den INF-Verhandlungen von 1981-1983 vereinbart wurde;

�danach muß ein Interimabkommen zu INF
Beschränkungen
über
Kurzstreckensysteme enthalten, um "die Existenzfähigkeit und Wirksamkeit eines Abkommens über INF sicherzustellen".
In
den vergangenen Wochen sind die Sowjets jedoch von dieser Haltung abgewichen und sagen nun, das Problem der
SRINF müsse aus den gegenwärtigen
INF-Verhandlungen
ausgeklammert
und
statt dessen in getrennten Verhandlungen behandelt werden.
Diese neue sowjetische Position
zu Kurzstreckensystemen würde der Sowjetunion ein dauerhaftes Monopol auf
diese Systeme sowie auch die Freiheit
einräumen, ihre bestehenden Streitkräfte zu erhöhen. Das liegt sicher
nicht in unserem Interesse oder in
dem unserer Verbündeten.
Das wichtigste Problem liegt nun
darin, ob die Sowjets bereit sind,
beiderseitige
Beschränkungen
bei
SRINF-Raketen
im
Zusammenhang
mit
einem ersten INF-Abkommen hinzunehmen
oder ob sie darauf bestehen werden,
in
diesem
wichtigen
Bereich
ihre
Überlegenheit über uns zu bewahren
und damit ein jegliches INF-Abkommen
zu unterlaufen.
Da die Vereinigten
Staaten solch ein Resultat nicht erlauben können, werden wir weiterhin
darauf
bestehen, daß beiderseitige
Beschränkungen bei den Kurzstreckenrakten
ein
integraler
Bestandteil
eines ersten INF-Abkommen werden.
Ich bleibe weiterhin der Erlangung eines ausgewogenen und verifizierbaren Abkommens zur Reduzierung
von INF verpflichtet.
Aus diesem
Grunde habe ich die jüngst erfolgte
Stellungnahme Herrn Gorbatschows zu
INF begrüßt, mit der ein von den Sowjets in Reykjavik aufgeworfenes Hindernis
für
Fortschritte
beseitigt
wurde. Die Vereinigten Staaten haben
nun den Sowjets einen umfassenden und

realistischen Vertragsentwurf zur Begutachtung vorgelegt.
Daher ist es
jezt an der Zeit, daß die Sowjetunion
ihren früheren Verpflichtungen zu INF
nachkommt und eine positive Haltung
für ein ausgewogenes Abkommen einnimmt.
Lassen Sie mich zum Schluß noch
ein Wort über die Stärke und Einheit
unseres Bündnisses sagen. Es war zunächst einmal der Zusammenhalt der
NATO bei der Durchführung ihrer Entscheidung zum Doppelbeschluß von 1979
über INF, der dazu beigetragen hat,
die Sowjets wieder an den Verhandlungstisch
zu bringen und sie zu
ernsthaften Verhandlungen zu bewegen.
Unser eigenes Engagement für die Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten sowohl in Europa als auch in
Asien, die alle durch die Stationierung sowjetischer INF bedroht sind,
bleibt so stark wie bisher. Wir werden weiterhin eng mit ihnen zusammenarbeiten, um die sowjetische Zustimmung zu ausgewogenen und verifizierbaren Reduzierungen von INF zu erlangen.
Die Vereinigten Staten und die
Sowjetunion sind übereingekommen, die
VIII. Runde der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen am 23. April
aufzunehmen. Das heißt, die Verhandlungsgruppe zu INF wie auch die Verhandlungsgruppen
über
strategische
Waffen und Verteidigung im Weltraum
werden zu diesem Zeitpunkt ihre Arbeit
wiederaufnehmen.
Gleichzeitig
sind die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion
jedoch
übereingekommen,
daß dieses Datum neu abgestimmt werden kann, wenn Außenminister Shultz
und
der
sowjetische
Außenminister
Schewardnadse vom 13. bis 15. April
in Moskau zusammentreffen, um diese
und andere Probleme der weitgesteckten amerikanisch-sowjetisch Tagesordnung zu besprechen.

+ + + + ++

�AMERIKA DIENST
'^7

"""

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

1. April 1987

12

DIE WIEDERGEBORENE NULL-LDSUNG
Von Richard Burt

Der
nachfolgende
Artikel
wurde
am
18. März 1987 in
der New York Times
veröffentlicht.
- (AD) - Michail Gorbatschows Bereitschaft, dem Abbau von Mittelstreckenraketen in Europa - der sogenannten Null-Lösung - endlich zuzustimmen, hat eine Diskussion darüber
ausgelöst, ob ein solches Abkommen im
Interesse der westlichen Nationen läge. Dies wäre zweifelsohne der Fall.
Die Administration und die verbündeten
Regierungen gelangten vor
mehr als fünf Jahren zu der Schlußfolgerung, daß ein Abkommen über den
Abbau aller auf Europa gerichteten
SS-20 sowie der vor kurzem in Europa

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stationierten amerikanischen Pershing
2 und Marschflugkörper zu einer militärischen
und politischen
Stärkung
des Atlantischen Bündnisses beitragen
würde.
Im militärischen Bereich sind die
Vorteile für den Westen offensichtlich.
Moskau hat bisher 270 SS-20
Raketen innerhalb der Reichweite Europas stationiert, die mit je drei
Gefechtsköpfen bestückt sind und damit die Fähigkeit zum Angriff auf 810
Ziele in Europa haben. Die Vereinigten Staaten dislozieren zur Zeit je-

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�doch nur Systeme, die maximal über
572 Gefechtsköpfe verfügen. Ein Abkommen würde daher den Abbau einer
sehr viel größeren Anzahl von Raketen
seitens der Sowjetunion als bei uns
zum Ergebnis haben.
Das Argument, daß die Null-Lösung
vielleicht kein gutes Geschäft ist,
scheint tatsächlich nahezu absonderlich.
Im Jahr 1981, als er zum ersten Mal von Präsident Reagan unterbreitet wurde, lautete die Hauptkritik an dem Vorschlag (dem ich einiges
abgewinnen konnte), er bevorzuge den
Westen so eindeutig, daß Moskau niemals zustimmen würde und er daher
einzig als eine werbewirksame Masche
angesehen werden könnte.
Jedes Rüstungsbegrenzungsabkommen
muß natürlich nach Kriterien beurteilt werden, die über seine militärischen Auswirkungen hinausgehen. Einige
europäische
und
amerikanische
Beobachter brachten das Argument vor,
daß durch den Abzug der amerikanischen Raketen die Verteidigung Europas vom amerikanischen strategischen
Abschreckungspotential
"abgekoppelt"
würde - in anderen Worten, Europa
würde nicht länger von dem amerikanischen nuklearen Schutzschild profitieren.
Dies ist ein sehr wichtiges, aber
aus drei Gründen falsches Argument.
Erstens sollte die Befürwortung
der Null-Lösung nicht als eine Lockerung der amerikanischen Verpflichtung
gegenüber Europa verstanden werden.
Diese Verpflichtung ist und bleibt
ein
wesentlicher
Bestandteil
der
westlichen
Strategie.
Wir
würden
weiterhin eine beträchtliche Zahl von
Atomwaffen in Europa stationieren und
die Vereinigten Staaten würden natürlich auch weiterhin über ein umfassendes strategisches Arsenal an In-

terkontinentalraketen verfügen.
Die "Ankoppelung" kommt zweitens
nicht nur durch die Präsenz amerikanischer Nuklearstreitkräfte in Europa
zustande, sondern auch aufgrund der
starken Präsenz amerikanischer Kampftruppen. Diese Präsenz bliebe bestehen.
Drittens
ist die "Ankoppelung"
sowohl ein psychologisches als auch
ein militärisches Phänomen.
Ein Rüstungsbegrenzungsabkommen mit Moskau
über Mittelstreckensysteme würde von
der Bevölkerung in Europa in hohem
Maße unterstüzt und die amerikanischen Beziehungen zu Europa langfristig stärken. Die europäische Bevölkerung würde größeres Vertrauen in
die amerikanischen Fähigkeiten setzen, die Beziehungen zu Moskau in
konstruktiverer
Weise
zu handhaben
und dies würde wiederum unsere Möglichkeiten bei der Bewältigung anderer transatlantischer Probleme verbessern .
Die Null-Lösung wird jedoch sicherlich nicht alle Sicherheitsprobleme Westeuropas lösen.
Auch ein
Rüstungsbegrenzungsabkommen
alleine
würde dazu nicht ausreichen.
Auch bei einem Abbau von Mittelstreckenraketen
bliebe
Westeuropa
weiterhin ungeschützt gegen sowjetische Paketensysteme kürzerer Reichweite und umfangreiche konventionelle
und chemische Kampftruppen.
Zur Bewältigung dieser Probleme wird das
westliche Bündnis Schritte zur Verbesserung des militärischen Gleichgewichts in Europa unternehmen müssen
und zwar sowohl durch Verbesserung
der Truppenstruktur als auch durch
Rüstungsbegrenzung.
Das vielleicht stärkste Argument
für die Null-Lösung in Europa ist ein

- 2 -

�politisches. Als sich die Allianz im
Jahr 1979 zum ersten Mal für eine
Antwort auf die Dislozierung der sowjetischen
SS-20
entschied
und
gleichzeitig
die
Bereitschaft
zu
einem Rüstungsbegrenzungsabkommen ankündigte, wurde diese Entscheidung
von der Linken und Friedensgruppen in
Europa
als
zynischer Trick kritisiert, der nur der Aufrüstung diene.
Einige der engagiertesten Verfechter des Bündnisses wie Bundeskanzler Helmut Kohl und Premierministerin Margaret Thatcher sahen sich
daher starkem Druck ausgesetzt, die
Stationierung weiterzuführen.
Sobald
die ersten amerikanischen Raketen im
Jahr 1983 disloziert wurden, drängten
dieselben Kritiker ihre Regierungen
zum einseitigen Abzug dieser Raketen.
Die Voraussagen dieser Kritiker
haben sich als falsch erwiesen. Die
Null-Lösung würde nicht nur die logische Entscheidung der Allianz für
die
Raketenstationierung
von
1979
rechtfertigen, sondern auch zu einer
Stärkung der politischen Handlungsweise derjenigen in Westeuropa beitragen, die in einer für das Bündnis
kritischen Zeit fest zu dieser Entscheidung gestanden haben.
Zusammenfassend kann man sagen,
daß eine der positivsten langfristigen Auswirkungen
eines Rüstungsbegrenzungsabkommens darin liegen könnte, der Bevölkerung in Europa und den
Vereinigten Staaten zu beweisen, daß
einseitige Abrüstung
zum Scheitern
verurteilt ist.

- 3 -

�v^° S ^

AMERIKA DIENST

VION ^

Wissenschaft und Technik

1. April 1987

12

ERLEICHTERUNG DURCH AIDS-MEDIKAMENT - VIELLEICHT
Chef des öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische
Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -

WASHINGTON - (AD) - In einem beschleunigten Verfahren hat jetzt die
amerikanische
Kontrollbehörde
für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) die
Zulassung
für
das
Medikament
AZT
(Azidothymidin)
zur Behandlung
von
Patienten erteilt, die an der Immunschwächekrankheit AIDS erkrankt sind.
Seit dem 20. März 1987 darf es in den
USA auf Rezept und Sondergenehmigung
für den Arzt von Apotheken abgegeben
werden.
Trotz der Bedenken wegen
möglicher
schwerwiegender
Nebenwirkungen hat man sich zur Freigabe entschlossen, weil das Präparat unter

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Umständen
das rasche
Fortschreiten
des körperlichen und geistigen Verfalls verzögern kann.
Die Symptome
bestimmter Begleiterkrankungen treten
weniger
ausgeprägt
in Erscheinung.
Allerdings vermag AZT die Grundkrankheit nicht zu heilen.
In klinischen Versuchen wurde AZT
seit Februar 1986 an AIDS-Kranken erprobt und zuletzt im Rahmen eines
Therapie-Sonderplanes bei etwa 4500
Patienten mit Zustimmung der FDA angewandt. Es kommt unter der Handelsbezeichnung "Retrovir" auf den Markt.

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�Wie Dr. Robert Windom vom amerikanischen Gesundheitsministerium erklärte, müsse die Abgabe von Retrovir zunächst auf Patienten mit den schwersten
Symptomen
beschränkt
werden,
weil es noch nicht in ausreichenden
Mengen zur Verfügung steht. In Ä'rzteinformationen wird darauf hingewiesen, daß es vor allem bei AIDS-Patienten eingesetzt werden sollte, bei
denen die normalerweise seltene, nach
Infektion mit dem AIDS-Virus
(HIV)
jedoch häufig auftretende Lungenentzündung des Typs "pneumosystis carinii"
(PCP)
diagnostiziert
wurde.
Auch bei Krankheitsbildern, die dem
"AIDS-related complex" (ARC) zuzuordnen sind, sei es angebracht.
Dabei
handelt es sich um eine Kombination
von Symptomen, die für eine erworbene
Unfähigkeit des Organismus zur Abwehr
von Infektionen und zur Unterdrückung
bestimmter Arten von Krebs typisch
sind. In solchen Fällen ist anzunehmen, daß bei dem Patienten die AIDSErkrankung in absehbarer Zeit voll
zum Ausbruch kommt.
Die
Herstellerfirma
von
AZT,
Burroughs Wellcome Co. (New York),
hofft, die Produktion des Medikaments
in Kürze so ausweiten zu können, daß
das Präparat bis zum Jahresende für
alle AIDS-Kranken in den Vereinigten
Staaten verfügbar ist.
In England
soll es ab Mai auf den Markt kommen.
Nach Angaben des Unternehmens dürfte
die Behandlung pro Patient und Jahr
etwa 7000 bis 10 000 Dollar erfordern.
Das ist nur einer von vielen
Kostenfaktoren
im Zusammenhang
mit
der Seuche AIDS.
Dr. C. Everett
Koop, der ärztliche Chef des öffentlichen
Gesundheitsdiestes der USA,
äußerte bei einem Vortrag im Nationalen Presseclub in Washington große
Besorgnis darüber, wie künftig angesichts der Schwere der Krankheit die
notwendige und von den Umständen her

mögliche Versorgung der AIDS-Patienten finanziert werden soll. Er forderte dringend, daß sich Vertreter
von Bund, Einzelstaaten, Kommunen und
Privatsektor zusammensetzen und gemeinsam nach Wegen suchen, das Problem anzupacken.
Laut Dr. Koop sind in den Vereinigten Staaten bisher fast 33 000
Personen an AIDS erkrankt.
Bis zum
Jahresende dürfte sich diese Zahl um
weitere 23 000 erhöhen. Dem Seuchenüberwachungszentrum in Atlanta (Georgia) waren bis Mitte März 16 900 Todesfälle als Folge der Immunschwächekrankheit AIDS gemeldet worden. Davon waren 683 auf Bluttransfusionen
zurückzuführen, die in der Zeit vorgenommen wurden, als es noch keine
speziellen AIDS-Tests für Spenderblut
gab. Die Zahl der durch Transfusionen möglicherweise infizierten Personen wird auf ca.
12 000 geschätzt.
Bei den meisten haben sich jedoch
keine Symptome gezeigt.
"Wir alle mußten der langsamen,
aber unerbittlichen Ausbreitung dieser
Krankheit
in den
vergangenen
sechs Jahren zusehen", sagte Koop.
"Sie greift immer weiter in unsere
Gesellschaft ein - und wir sind einfach noch nicht in der Lage, dieses
Vordringen zu verlangsamen, geschweige denn zum Stillstand zu bringen."
Gegenwärtig erreichten die Kosten für
Forschung und Pflege bereits Hunderte
von Millionen
Dollar.
Vor Ablauf
eines weiteren Jahrzehnts könnten sie
leicht
Milliarden
in
zweistelliger
Zahl erfordern.
wie, so fragte Dr.
Koop, soll dieses Geld aufgebracht
werden?
Die
wenigsten
rungspläne sähen
Kosten
für eine
übernehmen.
Das
umso bedrückender,

Krankenversichederzeit vor, die
AZT-Behandlung zu
Kostenproblem
sei
wenn man die Ver-

�zweiflung der Menschen sehe, die aus
der Existenz eines Medikaments wie
AZT Hoffnung schöpften, es aber nicht
bekommen
könnten.
Es sei höchste
Zeit, Entscheidungen zu treffen, wie
eine solche Therapie, aber auch vieles andere im Zusammenhang mit der
Betreuung AIDS-kranker Personen finanziert
werden
soll.
"Angesichts
dieser Krankheit mit ihrem enormen
Potential,
das
Gesundheitsversorgungssystem
eines Gemeinwesens aus
den Angeln zu heben, müssen wir auch
darüber sprechen, welche Rolle die
Versicherungen übernehmen sollten."
Gleichzeitig besteht nach Ansicht
Koops die Gefahr, daß es künftig gar
nicht mehr möglich sein könnte, für
die wachsende Zahl von AIDS-Patienten
im letzten Krankheitsstadium Betten
in den allgemeinen Krankenhäusern bereit zu halten. Die Kosten sowohl in
bezug auf die Behandlung als auch das
erforderliche Personal "werden unser
Krankenhaussystem
einfach
zermalmen... Wir müssen ermitteln, welche
Art und welches Ausmaß von Pflege
notwendig
ist und wie wir dieser
Pflege in Hinwendung zum Patienten,
in fachlicher Hinsicht und, im Rahmen
der Ressourcen, auch effektiv gerecht
werden können".
Dr. Koop verwies ebenfalls darauf, daß AZT lediglich Symptome lindern könne, in erster Linie bei PCP
als Begleiterkrankung. Nach bisherigen Erfahrungen sei das Leben mancher
solcher AIDS-Patienten um einige Monate, vielleicht sogar um ein paar
Jahre zu verlängern.
Eine Heilung
von der eigentlichen
Krankheit,die
infolge der Infektion und Zerstörung
immunologisch wichtiger Zellen, insbesondere der T-Lymphozyten, die körpereigenen
Abwehrmechanismen
lahmlegt, sei mit dem Medikament jedoch
nicht möglich.
Von mehr als der
Hälfte
von
schätzungsweise
14 000

AIDS-Patienten
im
fortgeschrittenen
Stadium wisse man, daß bei ihnen diese besondere Form von Lungenentzündung aufgetreten sei.
Als weitere
Gruppe kämen Patienten mit ARC-Symptomen in Frage, bei denen sich weniger als 200 T-4-Zellen pro Kubikmillimeter Blut zeigen.
Normal wären
1000 bis 3000 T-4-Zellen.
Deshalb
zählten sie zu jenen Patienten, die
vorrangig mit AZT behandelt werden
sollten.
Ein paar weitere Medikamente, gegenwärtig
noch
im Forschungs- oder
ersten Erprobungsstadium, dürften Dr.
Koop zufolge, dasselbe bewirken: Sie
ermöglichten vielleicht die Behandlung von Symptomen einer in Verbindung mit AIDS auftretenden Krankheit,
aber
kaum
eine Therapie
für
die
Grunderkrankung.
Und mit einem sicheren und wirksamen AIDS-Impfstoff,
der allgemein verfügbar ist, sei wohl
erst Ende der neunziger Jahre zu
rechnen. Wohl gebe es schon experimentelle Vakzine - so haben Forscher
aus Frankreich und Zaire erste Versuche am Menschen aufgenommen, und in
den USA hofft man in der zweiten
Hälfte des Jahres so weit zu sein.
Aber wie schon die Entwicklung des
Hepatitis-B-Vakzins gezeigt habe, die
19 Jahre dauerte, müsse mit langen
Fristen gerechnet werden, sagte Koop.
Im Vergleich zum Hepatitis-B-Virus,
das relativ leicht zu verstehen war,
habe das AIDS-Virus eine viel komplexere genetische
Struktur, die den
Forschern
immer wieder neue Überraschungen bringe.
Der "Surgeon General", wie der
offizielle Titel Dr. Koops lautet,
machte darauf aufmerksam, daß zwar
nach wie vor Homosexuelle, bisexuelle
Männer
und Rauschgiftsüchtige, die
sich Drogen spritzen, den Hauptanteil
unter
den AIDS-Kranken
ausmachten.
Jedoch steige die Zahl der AIDS-Fälle

- 3 -

�unter
heterosexuellen
Männern
und
Frauen
außerhalb
der
Drogenszene
ständig an. "Es sieht sogar so aus,
daß allein ihre heterosexuelle Aktivität ihr eigentlicher Pisikofaktor
ist. Gegenwärtig betreffen vier Prozent aller gemeldeten AIDS-Fälle heterosexuelle Männer und Frauen. Während aber im Verlauf der nächsten
fünf Jahre die Zahl der AIDS-Erkrankungen
insgesamt
um das Neunfache
steigen dürfte, ist in der Gruppe heterosexueller Personen eine Zunahme
um das 20fache zu erwarten."
Auch die Schwerpunkte der AIDSHäufigkeit änderten sich, was zu weiteren Besorgnissen Anlaß gebe. Zwar
sei AIDS unter den sogenannten Risikogruppen von Städten wie San Francisco, Los Angeles und New York am
stärksten verbreitet. inzwischen berichteten aber auch weitere Städte
und
Bundesstaaten
über
zunehmende
Zahlen von AIDS-Fällen:
15 amerikanische Städte hätten jeweils mehr als
300 Erkrankungen
gemeldet, seitdem
1981 AIDS-Statistiken eingeführt wurden.

* * * * * *

�</text>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 01.04.1987</text>
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          <description>An account of the resource</description>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Sowjets zur Einhaltung ihrer INF-Verpflichtung auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahme Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wiedergeborene Null-Lösung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Der Artikel wurde am 18. März 1987 in der New York Times veröffentlicht)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erleichterung durch AIDS-Medikament - vielleicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Chef des Öffentlichen Gesundheitsdienstes fordert organisatorische Vorsorge für Behandlung und Pflege der Seuchenopfer -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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