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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

4

1 8 . März 198 7

11

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan nimmt Weinberger und Shultz in Schutz
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

Wick; Sowjetischer "Glasnosf-Kampagne mit Vorsicht begegnen
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft -

HINTERGRUNDMATERIAL
An Erprobung und Stationierung von SDI festhalten
- Von Henry Kissinger -

Positive Einschätzung von Amerikas Rolle in der Welt - Unterstützung
für NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Resistenzentwicklung bei chemischer Krebstherapie

* * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN **

1 8 . März 1987

11

REAGAN NIMMT WEINBERGER UND SHULTZ IN SCHUTZ
- Präsident Reagans Rundfunkansprache -

WASHINGTON - (AD) - In seiner landesweit übertragenen wöchentlichen Rundfunkansprache erklärte Präsident Reagan am 14. März 1987, daß sowohl Verteidigungsminister Weinberger als auch Außenminister Shultz ihm eindringlich geraten hätten, keine Waffenverkäuf^ an den Iran zu unternehmen.
"Sie hatten
recht und ich unrecht" gestand der Präsident.
Präsident Reagans Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
heute nachmittag möchte ich Sie von
den
wichtigen Veränderungen
unterrichten, die in jüngster Zeit in unserer
Administration
stattgefunden
haben und auch unser Programm für die
kommenden Monate beeinflussen werden.

Baker
als meinem Stabschef, Frank
Carlucci als Nationalem Sicherheitsberater und der Nominierung von Richter William Webster als neuem Direktor
des Geheimdienstes
ist meine
Gruppe für die nationale Sicherheit
wieder vollständig.

Zunächst einmal hat jede Regierung ihre eigene Arbeitsgruppe für
die nationale Sicherheit, eine Gruppe
von Beamten, die den Präsidenten bei
der Gestaltung der Außenpolitik unserer Nation
unterstützen.
Mit der
jüngsten Ergänzung von Senator Howard

Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger sind seit
längerer Zeit Mitglieder dieser Arbeitsgruppe, und ich möchte hierbei
betonen, daß nie zwei Männer einem
Präsidenten in seinem Nationalen Sicherheitsrat besser gedient haben.

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Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Sie haben dieser Nation in langen
Jahren in verschiedenen wichtigen Regierungsämtern treu gedient. Die Nation kann ihnen genau wie ich dankbar
sein für ihre Intelligenz, ihre Hingabe und Integrität. Sie haben eine
feste Überzeugung und zögerten niemals, mir ihre unverblümten Ansichten
über anstehende Fragen der nationalen
Sicherheit mitzuteilen. Sie sind bereit, ihre Meinung zu äußern, ungeachtet der Stärke des Widerstandes in
der naturgemäßen Tendenz der Bürokratie, Kompromisse einzugehen oder denselben Weg einzuschlagen.
Deshalb
schätze ich sie so sehr.
Im Falle
der Waffenverkäufe an den Iran rieten
mir sowohl Außenminister Shultz als
auch Verteidigungsminister Weinberger
entschieden davon ab, diese Initiative weiter zu verfolgen. Ich habe ihren Rat überdacht, bin aber zu dem
Schluß gekommen, daß die Initiatve
das Risiko wert war und habe sie
fortgeführt.
Wie wir jetzt wissen,
hat
sich
herausgestellt, daß
sie
recht hatten und ich unrecht. Aber
sie haben ihre Pflicht als meine Berater und als meine Mitarbeiter erfüllt, und ich bin sehr dankbar dafür, daß sie mir in den nächsten Monaten weiterhin mit ihren Ansichten
zu unserem anstehenden Programm zur
Seite stehen werden.

Zur Außenpolitik möchte ich bemerken, daß Amerika sich in der Welt
großen Problemen, aber noch größeren
Möglichkeiten
gegenübersieht.
Wir
sehen
eine
Chance
für
bedeutsame
Fortschritte
bei den Verhandlungen
mit der Sowjetunion über einen Rüstungsabbau, wenn wir einen klaren
Kurs verfolgen und hart verhandeln.
Gleichzeitig müssen wir mit dem sowjetischen
Abenteurertum
fertigwerden.
Besonders Mittelamerika bleibt
für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung.
Und hier muß
unser Kongreß wesentliche Entscheidungen darüber treffen, ob unsere Nation die Demokratie und den Widerstand gegen die Diktatur in einer Region ernsthaft unterstützen will, die
so nah an unsere grenzt. Mein Engagement
bleibt
felsenfest bestehen.
Ich werde jede Bemühung bekämpfen,
die eine Unterstützung für die nicaraguanischen
Freiheitskämpfer
beschneiden und sie dem Tod oder der
Niederlage preisgeben will.

In den kommenden Monaten wird das
Wort "Programm" Bedeutung erlangen.
Ich habe hier im Weißen Haus diese
wichtigen Veränderungen vorgenommen,
um dafür zu sorgen, daß wir wieder
das Steuer in der Hand haben und mit
dem fortfahren, zu dessen Vollendung
Sie mich gewählt haben.
Im Inland
wird unser Programm Veränderungen im
Bereich des Haushalts und auch weitreichende Reformen bei der Wohlfahrt
beinhalten, die den Kreis der Armut,
in den so viele bedürftige Amerikaner
geraten sind, durchbrechen sollen.

Bitte erlauben Sie mir, daß ich
mich nun anderen Fragen von erheblicher Bedeutung zuwende.
Zunächst
einmal bedeutete die Steuerreform vom
vergangenen Jahr, daß Millionen von
Amerikanern in diesem Jahr Formulare
(W-4) ausfüllen mußten, die sehr verwirrend waren.
Ich weiß das, weil
ich selbst ein solches auszufüllen
hatte.
Wir haben Ihre Beschwerden
vermerkt und zusammen mit der Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) ein neues einfacheres Formular
erarbeitet, das in etwa einem Monat
erhältlich sein wird.
Das amerika-

- 2

Sowohl in der Innen- wie auch in
der Außenpolitik dreht sich alles um
denselben Kern. Wir haben eine Aufgabe, und wir werden diese in den
kommenden beiden Jahren mit Ihrer
Hilfe und Unterstützung auch ausführen.

�nische Volk ist also gegen den Fiskus
angetreten und hat gewonnen.
Dann hat unsere Administration
Anfang dieser Woche Reformen bei der
Bundesprüfstelle
für
Nahrungsmittel
und pharmazeutische Präparate angekündigt, die es Opfern von AIDS und
anderen lebensbedrohenden Krankheiten
leichter machen, neue Arzneimittel zu
erhalten, die sich noch im Versuchsstadium
befinden.
Dieser Schritt,
durch den der Regierungsapparat noch
weiter
zurückgedrängt wird, könnte
weniger Leid und Schmerz für Tausende
von schwer erkrankten Amerikanern bedeuten. Das wäre eine Maßnahme, die
im wahrsten Sinne des Wortes human zu
nennen wäre.
Wenn Sie mir erlauben, möchte ich
noch ein letztes Wort zu einem Thema
sagen, daß meine irische Seele betrifft, zum St. Patrick-Gedenktag.
Seit der Hundersnot in der Mitte des
vergangenen Jahrhunderts sind Millionen der Söhne und Töchter Er ins nach
Amerika gekommen, um hier ein besseres Leben zu finden. Aber ob irisch
oder nicht, fast alle Amerikaner verfolgen ihre Ahnenlinie bis hin zu
Vorfahren aus fernen Ländern, Männern
und Frauen, die mit dem festen Entschluß nach Amerika gekommen sind, zu
arbeiten und die nur Freiheit forderten.
Ich glaube daher, daß wir am
kommenden Dienstag als Amerikaner alle berechtigt sind, zu feiern.
Bis nächste Woche und vielen Dank
fürs Zuhören. Gott schütze Sie.

* * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

11

18. März 1987
WICK:

SOWJETISCHER "GLASNOST"-KAMPAGNE MIT VORSICHT BEGEGNEN
- Auszüge aus einer Ansprache vor dem Verband der
amerikanischen Werbewirtschaft -

WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des US-Informationsamts (USIA), Charles
Z. Wick, hat am 13. März 1987 in einer Rede vor dem Verband der amerikanischen
Werbewirtschaft die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dazu aufgerufen,
der neuen Kampagne der Offenheit oder "Glasnost" seitens der Sowjetunion mit
"Vorsicht und Wachsamkeit" zu begegnen. Das Ziel der neuen sowjetischen Strategie bestehe darin, "die Regierungen der Freien Welt - insbesondere diejenigen in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - dazu zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu handeln".
Nachfolgend bringen wir die Ansprache von Direktor wick
lichen Auszügen:

Seit
1945 ist die Welt das
Schlachtfeld eines "Krieges der Ideen" gewesen - eines Krieges, in dem
die großen Traditionen der westlichen
Demokratien, wie etwa
die Philosophien von Jefferson, Madison und
Lincoln sich im Kampf gegen die Ideologien von Marx, Lenin, Stalin und
Mao befanden.
In jüngster Zeit ist dieser Wettbewerb jedoch immer subtiler geworden. Die Machtübernahme von Generalsekretär Gorbatschow hat einen neuen
und dynamischeren Führungsstil ermu-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in ihren wesent-

tigt.
Die Sowjets vermarkten ein
neues Image der Offenheit gegenüber
der Welt.
Sie nennen ihr Produkt
"Glasnost". Aber "Glasnost" ist mehr
als ein Produkt. Es ist eine Kampagne der Öffentlichkeitsarbeit.
Die
Sowjets versuchen, den Krieg der Symbole zu gewinnen. Wenn sie ihn gewinnen, dann haben sie auch den Krieg
der öffentlichen Diplomatie gewonnen.
Was würden
verlieren?

wir

in

diesem

Fall

Am schlimmsten wäre, daß wir un-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sere Sicherheit
verlieren könnten.
Wir müssen nicht eigens daran erinnert werden, daß es im Falle eines
Krieges keinen Gewinner geben wird.
Der Verlierer wird ebenso wie der Gewinner verlieren. Dies wird die endgültige
Bestrafung
einer
Fehleinschätzung sein.

- die Abkoppelung von SDI von
INF-Verhandlungen in Genf;

Längerfristig könnten wir, falls
wir den "Krieg der Ideen" verlieren,
die Seele der Freien Welt in Gefahr
bringen, ihre heutige Existenz und
ihr Versprechen für die Sicherheit
von morgen.

- die Enthüllungen in der sowjetischen Presse zu Katastrophen wie
Tschernobyl,
Schiffsunglücken,
dem Untergang eines Atom-U-Bootes
und
selbst
zu
innenpolitischen
Unruhen in der Sowjetunion;

Deshalb ist folgende Frage von
einem in unserer gesamten Geschichte
vielleicht niemals dagewesenen Ernst.
Kündigt dieses neue Image einen Wandel in den sowjetischen Zielen an,
oder hüllen sich die Sowjets lediglich in einen Deckmantel falscher Gerechtigkeit, falscher Wirtschaftspolitik, falscher Brüderlichkeit und
falscher Versprechungen?

- eine verstärkte Bereitschaft, auf
die westliche Kultur zuzugehen,
einschließlich
der Bildung von
Gemeinschaftsunternehmen.

Wie Sie es vielleicht ausdrücken
würden, entspricht bei "Glasnost" der
Inhalt der Verpackung oder handelt es
sich um eine Mogelpackung?
Dies ist heute die zentrale Frage. Und die Antwort darauf ist entscheidend
für all diejenigen, die
einen dauerhaften Frieden wollen.
Bis heute ist die Antwort unklar.
Aber wir beobachten täglich eine positive
und vielleicht vielversprechende Litanei sowjetischer Handlungen.
Sie verkaufen ein Image von
"Glasnost" und Fortschritt zu einer
besseren Welt.
Sie nehmen die Aufmerksamkeit von Menschen in der ganzen Welt gefangen, besonders dort, wo
die
Frontlinien
des
Ost-West-Konflikts verlaufen.
Denken Sie einen
Moment nach.
Wie reagieren Sie auf
das folgende:
- 2

- die Freilassung Andrei Sacharows,
Juri
Orlows, Anatoli
Schtscharanskis und anderer politischer
Gefangener;
den

Diese
Marketing-Bemühungen
sind
auf die Völker der Welt ausgerichtet.
Ihr strategisches Ziel besteht darin,
eine sowjetisch-informierte Weltmeinung zu schaffen, die Regierungen der
Freien Welt - insbesondere diejenigen
in Westeuropa, Japan und den Vereinigten Staaten - zu drängen, im
Sinne der sowjetischen Interessen zu
handeln.
Um
dieser
Bedrohung
energisch
entgegenzutreten, haben wir von USIA
unsere eigenen
Initiativen
entwikkelt, um den amerikanischen Wettbewerbsvorteil
in
diesem
weltweiten
"Krieg der Ideen" zu bewahren.
Zum Glück können wir dabei von
einer Position der Stärke ausgehen.
Jede gute Werbekampagne hofft auf
ein gutes Produkt. Wir besitzen ein
großartiges Produkt - die Wahrheit
über diese große Nation, ihr Volk,
ihr Leben und ihre Vision von der Zukunft .
Wer

ist dabei

unser Publikum und

�welches unser Markt?
Ich kann dies
kurz beantworten: die ganze Welt
besonders
aber
diejenigen,
denen
glaubwürdige Nachrichten und Informationen vorenthalten werden und die in
ihren stillen Kämpfen von besseren
Tagen träumen.
Warum aber die ganze Welt?
Erstens hängt unsere Sicherheit
von einer Welt ab, in der unsere
grundlegendsten politischen und wirtschaftlichen
Prinzipien
aufrechterhalten werden - die Prinzipien der
Selbstbestimmung und des freien Handels. Eine Welt, die diesen Prinzipien gegenüber feindselig eingestellt
ist, ist eine Welt, in der wir nicht
überleben können.
Es gibt aber etwas noch grundlegenderes - eine Verpflichtung gegenüber anderen Menschen.
Die Botschaft
unseres Produkts
ist umfassender als jede Gesellschaft
und jede Regierung. Sie ist im Grunde die Botschaft der Freiheit selbst,
und sie lebt in der Seele jedes Menschen als ein "inneres Maß" seines
höchsten und ehrenwertesten Trachtens.
Darin liegt die Grundlage unserer
Stärke.
Aber, mehr als das, die Freiheit
- und ihre Vorzüge - dient als Grundlage für die Einstufung von Regierungen und Völkern.
In der Werbung ist ein Markenzeichen das Merkmal zur Identifizierung
einer Ware, ein Symbol, daß gewisse
Merkmale des Produkts anzeigt, wie
etwa seine Qualität und Zusammensetzung und auch sein Prestige.
In der öffentlichen
Diplomatie
benutzen wir ebenfalls Identifizie- 3

rungsmerkmale
- ein Markenzeichen,
das die Lebensqualität eines Landes
sowie die Qualität seiner Institutionen und seiner Regierung symbolisiert.
Stellen Sie die Markenzeichen der
Bundesrepublik
Deutschland
und der
DDR, Nord- und Südkoreas, Nicaraguas
und
Costa
Ricas, Kambodschas
und
Singapurs gegenüber.
Jedes Länderpaar besitzt vergleichbare Kulturen,
Traditionen
und eine ähnliche Geschichte.
Und doch sind z. B. die
Bundesrepublik
Deutschland
und die
DDR Länder verschiedener Güteklassen
mit
verschiedenartigen
Identifizierungsmerkmalen.
In jedem Fall sind
die "Markenzeichen" der Freiheit
die Bundesrepublik Deutschland, Südkorea, Costa Rica und Singapur - in
ihrem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Leben dynamisch.
Die anderen "Markenzeichen",
die sich unter Repression und Kontrolle abmühen - die DDR, Nordkorea,
Nicaragua und Kambodscha - entbehren
des Wachstums, der Hoffnung und Lebenskraft, die zum Markenzeichen ihrer Nachbarn gehören.
Wenn man dies unter dem Gesichtspunkt des Marketing betrachtet, dann
bedeuten diese Unterschiede an sich
schon ein bedeutendes Marketing-Mittel.
Aber, genau wie Sie, benutzen wir
eine Mischung von Techniken und Mitteln - einige alte, einige neue -, um
unsere Produkte zu verkaufen.
Die
unseren sind: Worldnet, ein neues
weltweites
Satelliten fernsehnetz...
die
Stimme Amerikas... ein
neuer
Dienst
für
Kuba, Radio Marti....
Eine
weltweite
Nachrichtenagentur,
die schon bald über Satellit direkt
mit den Nachrichtenzentren der Medien
der Welt verbunden werden soll...
Magazine...
Austauschprogramme
für
die Menschen...
kulturelle Darbie-

�tungen...
159 Bibliotheken...
200
Kulturzentren in 100 Ländern... drei
Auslandspressezentren
in
den
Vereinigten Staaten für 3 000 Auslandskorrespondenten...
sowie ein Vortragsprogramm in Übersee... Ausstellungen... Botschafter aus den Bereichen Sport und Kunst...
und unser
eigenes engagiertes Korps von Diplomaten in 206 Posten in 127 Ländern.
Alle diese Ressourcen werden täglich angewendet und ebenso wie bei
Ihnen im Geschäftsleben, erhalten wir
ein wichtiges "Echo" über die Auswirkungen, die sie auf unser Publikum
haben. Zuhörer und Zuschauer überall
auf der Welt schreiben uns ihre Reaktionen und Vorschläge. Unsere weltweiten
Dienststellen
beliefern
uns
mit Post unserer Hörer und den Stellungnahmen der ausländischen Medien
sowie von offizieller Seite.
Verschiedene Regierungsbehörden vermitteln uns Auswertungen unserer Schwerpunkte und Programme. Wir geben Projekte über ausländische Standpunkte
und Meinungen in Auftrag. Diese kontinuierliche und andauernde Auswertung - die sowohl eine informelle als
auch
eine
formelle
Meinungsumfrage
darstellt - ist uns bei der Bewertung
des Erfolges unserer Kampagnen und
bei der noch effektiveren Planung für
die Zukunft behilflich.
Dieses "Echo" ist die Grundlage
für meine allmorgendlichen Besprechungen
mit dem Außenminister und
seinen wichtigsten Vertretern, bei
denen ich sie über die Stellungnahmen
in der ausländischen Presse und über
gegenwärtige politische Tendenzen und
Themenkomplexe informiere. Die ganze
Nacht über treffen Fernschreiben allen Ländern der Welt in unserem Führungszentrum ein, werden zusammengefaßt und rechtzeitig vor meinem Morgentermin mit dem Außenminister zu
mir nach Hause geschickt.

Als Werbefachleute sind Sie sich
sicherlich bewußt, daß "Publikumsecho
und Auswertung" die entscheidenen Bestandteile jeder erfolgreichen Strategie sind. Dies hat heute ganz besondere Gültigkeit.
Die Einstellungen eines Volkes beeinflussen heute
mehr denn je die Handlungen, Politik
und in manchen Fällen sogar das Überleben eines Regimes.
Internationale
Rundfunksendungen
der Freien Welt haben zum Beispiel
dazu beigetragen, daß das polnische
Volk in Solidarnosc - Solidarität mit einer gemeinsamen Stimme sprechen
konnte.
In El Salvador, Haiti und
auf den Philippinen erlangten die demokratischen Kräfte aufgrund von Ideen ihren Sieg - Ideen, die in der
ganzen Welt durch die modernen Telekommunikationsmittel in den Wohnzimmern unterstützt
und dadurch noch
mächtiger wurden.
Wir werden niemals vergessen, daß
für unseren Kunden - Amerika - ein
Rückschlag im "Krieg der Ideen" eine
potentielle Bedrohung der nationalen
Sicherheit unseres Landes darstellen
würe.
Es ist daher nicht überrraschend,
daß die USIA-Bilanz im Verlauf der
letzten drei Jahrzehnte positiv war.
Von USIA durchgeführte Meinungsumfragen haben gezeigt, daß die Vereinigten Staaten und unsere demokratische
Lebensweise sich weiterhin einer hohen Wertschätzung erfreuen.
Die Beweise dafür sehen wir täglich.
Die Bürger der sogenannten sozialistischen
Demokratien
stimmen
weiterhin auf die einzige ihnen mögliche Art und Weise ab - mit ihren
Füßen. Wir haben noch nie davon gehört, daß jemand in die andere Richtung über die Berliner Mauer geklet-

�tert ist.

Prozent der Erwachsenen die "Stimme".

Seit 1979 ist die Welle der Demokratie sogar über zehn Länder Lateinamerikas hinweggerollt.

In Berlin beherrscht RIAS (Radio
im amerikanischen Sektor) mehr als 50
Prozent der Marktanteile und ist damit zweifelsohne der beliebteste Radiosender in der geteilten Stadt.

Wie effektiv ist die USIA-Strategie jedoch im einzelnen auf dem Markt
der Ideen?
Lassen Sie mich einige
Beispiele anführen.
In den ersten drei Jahren seit
seiner
Inbetriebnahme hat Worldnet
insgesamt vier Milliarden Zuschauer
erreicht. In diesem kurzen Zeitraum
haben wir weltweit mehr Medien erfaßt
als dieses Amt in den vergangenen 30
Jahren erreichen konnte.
Worldnet
genießt
bei
führenden
Journalisten und ausländischen Regierungsoberhäuptern hohes Ansehen und
viele von ihnen bitten regelmäßig um
Tonbandaufzeichnungen und Kopien von
Worldnet-Programmen.
In der Anfangszeit von Worldnet schrieb eine führende
belgische
Zeitschrift,
die
"Westliche Welt": "Langfristig könnte
sich dieses Kommunikationsbindeglied
zwischen Westeuropa und den Vereinigten Staaten als wichtiger für das
Bündnis erweisen als die 'Ankoppelung' der Verteidigung der beiden
Kontinente
durch die
Stationierung
amerikanischem
Pershing
II
und
Marschflugkörper in Europa".
Während das Fernsehen dramatische
Ereignisse in der Freien Welt verbreitet, ist der Rundfunk das einzig
wirkungsvolle
Mittel, um Millionen
von Menschen hinter dem Eisernen Vorhang und anderen unterdrückten Gebieten zu erreichen.
Unsere
treuesten
Zuhörer
haben
wir in Osteuropa, wo die Zuhörerschaft - oder der Marktanteil - weiterhin im Ansteigen begriffen ist,
vor allem in Polen.
Dort hören 45
- 5

Zusammenfassend möchte ich nochmals auf die eingangs von mir gestellte Frage zurückkommen: Ist dieses neue Image ein Anzeichen
für
einen Wandel der sowjetischen Ziele?
Oder hüllen sie sich nur in den messianischen Mantel falscher Gerechtigkeit,
falscher
Wirtschaftspolitik,
falscher Brüderlichkeit und falscher
Versprechungen?
Entspricht
bei
"Glasnost" der Inhalt der Verpackung
oder ist es eine Mogelpackung?
Wir vermuten letzteres.
Warum? - wird Ihre Frage lauten.
Können Sie uns diese Frage beantworten?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets ständig die "Stimme Amerikas"
stören und dafür auf ihrem Staatsgebiet soviel ausgeben wie das gesamte
Budget der "Stimme Amerikas" weltweit?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets den CIA fälschlicherweise des
Jim Jones Massakers in Guyana beschuldigen oder, wenn sie die US-Armee öffentlich der Erzeugung und Verbreitung des AIDS-Virus in Afrika beschuldigen, aber insgeheim zugeben,
daß dies nicht richtig ist?
Ist es "Glasnost" , wenn die Sowjets Dokumente fälschen und absichtlich Natur und Zweck unserer Strategischen Verteidigungsinitiative verzerren und dabei zynisch mit den Gefühlen unschuldiger Männer und Frauen
spielen, die auf eine bessere und
friedlichere Welt hoffen und für sie

�beten.
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets amerikanische Buchhandlungen in
der Sowjetunion nicht erlauben, wohingegen sowjetische Buchläden hier
überall zu finden sind?
Ist es "Glasnost", wenn unsere
für Rußland bestimmte Musik, unsere
Filme und Literatur zensiert, durchleuchtet und wegen des politischen
Inhalts abgelehnt wird?
Ist es "Glasnost", wenn die Sowjets hochrangigen Amerikanern das
Auftreten im sowjetischen Fernsehen
verweigern - mit Ausnahme einiger weniger Amerikaner bei feierlichen Anlässen - wogegen 43 hochgestellte Sowjets in den vergangenen Jahren ungehindert 200 mal im amerikanischen
Fernsehen erscheinen konnten?
Ist es "Glasnost", wenn die Freilassung einiger weniger sowjetischer
politischer
Gefangener
weltweit
Schlagzeilen macht, aber Hundertausende noch unter unerträglichen und
menschenunwürdigen Bedingungen gefangengehalten werden?
Lenin hat einmal gesagt: "Gedanken sind sehr viel tödlicher als Gewehre".
Die Sowjets haben zwar die
Macht der Gedanken längst erkannt,
haben aber Stil, Image, Öffentlichkeitsarbeit
und Werbung erst seit
kurzem Bedeutung beigemessen.
Langfrisitg gesehen erhebt sich
folgende Frage: Wird ihr "Glasnost"Produkt über den Zustand einer Erscheinungsform
hinausgehen
und
zu
einer wirklichen Öffnung werden und
damit Ausdruck des elementaren Wunsches des Menschen nach Freiheit und
Frieden?
Wird "Glasnost" den Deckmantel der Täuschung ablegen und anstelle
dessen wahre Gerechtigkeit,
- 6

wahre Wirtschaft, wahre Brüderlichkeit, wahre Abkehr von sowjetischer
Unterdrückung und Agression und das
wahre Versprechen zukünftigen Friedens schaffen?
Oder wird es "glossover-nost" sein, das Weitermachen wie
bisher, wobei die Täuschung und das
Verbreiten von Lügen über Amerika im
Mittelpunkt
stehen und wie jemand
einmal sagte:
"Wir werden Euch begraben" .
Die Antwort der Sowjets auf diese
Fragen wird letzlich über den Erfolg
der Marketingstrategie
der Sowjets
auf dem Markt konkurrierender Gedanken entscheiden.
Wenn ihr Produkt
echt ist - wenn es ein Waffenstillstand für Offenheit und Gerechtigkeit
ist, der nach innen auf das Streben
des Einzelnen nach größerer Freiheit
reagiert und nach außen den Wunsch
aller Menschen nach Frieden und Stabilität wiederspiegelt - dann wird es
ein erfolgreiches Produkt für eine
bessere Welt sein.
Ist dies nicht
der Fall, dann zeichnet sich zum wiederholten Male ein anhaltender Konflikt mit endlosen Spannungen ab.
Im Moment sind wir zwar unsicher,
aber dennoch voller Hoffnung, daß die
Sowjets bei der Entwicklung
eines
neuen Führungsstils und eines neuen
Image von dessen Annahme durch die
Freie Welt geleitet sind.
Kurzfristig gesehen soll "Glasnost" andauern
und dies ist eine positive Entwicklung. Wenn wir die Entwicklung jedoch vor dem geschichtlichen und philosophischen
Hintergrund
betrachen,
müssen wir wachsam und vorsichtig
bleiben.
Wie immer die Dinge sich auch
weiterentwickeln, USIA muß und will
ihre Arbeit fortführen und gute Arbeit leisten.
Im Wettkampf um den
"Krieg der Gedanken" dürfen wir nicht
selbstgefällig werden. Es steht zu-

�viel auf dem Spiel.
USIA, das auf die Bedürfnisse unseres Kunden - die Vereinigten Staaten zugeschnittene Amt, muß erfolgreich sein. Und ich darf Ihnen
allen versichern, daß wir nicht vorhaben, dieses Ansehen zu verlieren.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen weiterhin
alles Gute.

- 7

�^^°s^&lt;

'^7

"""

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

A&lt;

1 8 . März 1987

11

AN ERPROBUNG UND STATIONIERUNG VON SDI FESTHALTEN
- Von Henry Kissinger -

- (AD) - Das US-Informationsamt (USIS) druckt diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung des Los Angeles Times Syndicate, wo dieser ursprünglich erschien.
Copyright (c) 1987, Los Angeles Times Syndicate.

Es ist bemerkenswert, wie bereits
geringfügige Veränderungen im Inland
das Grundmuster der Außenpolitik von
Supermächten
beeinflussen.
In den
Vereinigten
Staaten
verfolgt
eine
konservative Administration, die vor
sechs Jahren noch
leidenschaftlich
einen neuen Ansatz bei den Ost-WestBeziehungen
propagierte, heute das
traditionelle Programm der vergangenen zwei Jahrzehnte mit lediglich geringen Veränderungen. in der Sowjetunion sucht eine eindrucksvolle neue
Führungspersönlichkeit die heimische
Wirtschaft zu reformieren, aber im

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bereich der Außenpolitik verfolgt er
die von seinem Vorgänger übernommene
Grundlinie, wenn auch mit erheblich
verbesserten Fähigkeiten bei der Öffentlichkeitsarbeit.
Grundeinstellungen
halten
sich
noch hartnäckiger.
Die Vereinigten
Staaten wurden über alle Regierungswechsel
hinweg von der nationalen
Überzeugung geleitet, daß Frieden den
Normalzustand darstellt und daß Spannungen
durch Mißverständnisse
oder
böswillig hervorgerufen werden. Jeder neue sowjetische Führer wurde mit

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�der Erwartung begrüßt, daß jetzt ein
neues und besseres Zeitalter heranbricht; wir haben das in den vergangenen Jahren dreimal beobachten können. Die amerikanische Hoffnung, daß
eine sowjetische Hinwendung zu westlichen Werten ein Ende der Spannungen
bedeuten könnte, hatte zu mangelnder
Übereinstimmung geführt, wodurch ein
leidenschaftliches Engagement für den
Frieden sich kaum in ein vollständiges Programm umwandeln ließ.
Als Leninisten
engagieren sich
die sowjetischen Politiker nicht für
die abstrakte Idee des Friedens. Für
sie ergibt sich Frieden - wie auch
jeder andere Aspekt der Außenpolitik
nicht als Ergebnis persönlicher
Präferenzen, sondern aus der richtigen
Beurteilung
eines
ausgewogenen
Machtverhältnisses.
Sowjetische Unterhändler kümmern sich nicht - wie
ihre amerikanischen Kollegen - um
Kompromisse oder persönliches Wohlwollen, sondern um das schrittweise
Vorantreiben von Verhandlungen, mit
deren
Hilfe
sich
die
sowjetische
Macht ausbauen läßt.
Wenn die Sowjets
zahlenmäßig
unterlegen
sind,
fordern sie gleiche Zahlen; in den
Kategorien, in denen sie uns voraus
sind, fordern sie beiderseitige Reduzierungen, die ihren verhältnismäßigen Vorteil verbessern.
Jeder Gipfel zwischen Politikern
aus Ost und West hat diesen unterschiedlichen Ansatz offengelegt. Das
jüngste Beispiel für diese "Personalisierung" der Außenpolitik waren die
beiden
Treffen
zwischen
Präsident
Reagan und dem sowjetischen Vorsitzenden Gorbatschow. Reagan als alter
Gegner des Kommunismus kam nach dem
ersten Treffen in Genf offensichtlich
zu der Überzeugung, daß er ein besonderes persönliches Verhältnis erlangt
hatte, das er bei zukünftigen Treffen
nutzen konnte, um auf diplomatischer
- 2

Ebene Durchbrüche zu erzielen. Daher
seine Bereitschaft, zu einem im wesentlichen unvorbereiteten Gipfel in
Reykjavik zu fahren und dort über ein
sowjetisches Papier
zu verhandeln,
das er nie zuvor gesehen hatte.
Gorbatschows Einstellung zu Genf
war eine ganz andere. Er betrachtete
es als eine Plattform, auf der er
sich selbst der öffentlichen Meinung
des Westens als versöhnlich präsentieren konnte; er muß damit gerechnet haben, daß er mit der Zusage für
zwei weitere Gipfel - in Washington
und Moskau - den Termindruck auf
einen Präsidenten verstärken konnte,
zu dessen Stärken nicht die Beherrschung von Detail fragen zählt. Aber
der Preis, den er dafür bezahlt hat Reagans
in Genf erworbene beherrschende Stellung in der Öffentlichkeit - war offensichtlich zu viel für
seine weniger phantasiebegabten Kollegen.
Das muß seine Entscheidung
herbeigeführt
haben, aus Reykjavik
faßbarere Ergebnisse mit nach Moskau
zu bringen; praktisch gesehen, ein
Dokument, daß sich in eine Verbesserung des "Kräfteverhältnisses" aus
sowjetischer Sicht umarbeiten läßt.
Die Sackgasse in Reykjavik spiegelt einen grundlegenden Unterschied
im Ansatz beider Gesellschaftssysteme
wider - einen Unterschied, der mir
während eines kürzlichen Besuchs in
Moskau wiederum bewußt wurde. Reformen im Inland haben es noch nicht
fertiggebracht, die enorme, von sowjetischen Gesprächspartnern errichtete Front aufzubrechen.
Hinweise
auf mehr Flexibilität werden sorgfältig gesteuert. Wenn ein sowjetischer
Wissenschaftler ein technisches Argument vorbringt, das geringfügig von
der
offiziellen
Linie
abweicht,
stellt sich in der Regel als Versuchsballon auf dem nächsten diplomatischen Schlachtfeld heraus.

�Amerikaner
hingegen
betrachten
Verhandlungen weniger als ein Mittel
zur Erlangung einer Zielsetzung, sondern vielmehr als Instrument zur Problemlösung.
In jeder amerikanischen
Delegation - auch in den offiziellen
- gibt es aufrichtige Unterhändler,
die ernsthaft daran glauben, daß sie
und die Sowjets nicht etwa als Gegner, sondern als Kollegen ein gemeinsames Problem behandeln.
Sie versuchen sich an möglichen Kompromissen, als ob sie an einem Seminar an
der Universität teilnähmen und geben
so den Sowjets wenigstens einen Überblick über mögliche Veränderungen in
der amerikanischen Position. Als ich
noch der Regierung angehörte, gab es
verschiedene Gelegenheiten, bei denen
unsere Beamten eine mögliche sowjetische Meinung als das wiedergaben,
was sie selbst dem sowjetischen Vertreter zugeschoben hatten.
Eine Reihe hochgeschätzter amerikanischer Prinzipien verleihen diesem
Prozeß Dynamik. Die meisten Amerikaner sind davon überzeugt, daß ein
Kompromiß der Mitte gefunden werden
sollte, wenn zwei Parteien sich nicht
einig sind. Aber bei diplomatischen
Verhandlungen
fördert
eine
solche
Maxime Unnachgiebigkeit.
Amerikanische Unterhändler verhandeln fast immer aus ihrer Position des Zurückweichens. Und die Sowjets bekommen zwei
Möglichkeiten, dies zu ändern: wenn
die Vereinigten Staten ihre Position
des Zurückweichens aufgeben und wenn
sie versuchen, Sackgassen durch einen
erneuten Kompromiß aufzustoßen.
Die
gegenwärtigen
Verhandlungen
zur
Strategischen
Verteidigungsinitiative liefern ein gutes Beispiel
für diese selbstauferlegten Hindernisse.
Zum Vor- oder zum Nachteil das von Reagan vorgeschlagene Verteidigungssystem ist zur Stationierung

im Weltraum gedacht. Der sowjetische
Vorschlag - daß jegliche Erprobung
von SDI nur in Labors stattfinden
sollte - zielte offenkundig darauf
ab, SDI zunichte zu machen. Seit der
Niederlage von Reykjavik haben die
Sowjets anklingen lassen, daß "Labor"
weitgehender definiert werden könnte,
und sie haben die Vereinigten Staaten
ermutigt, qualitative Einschränkungen
bei
der
Erprobung
vorzuschlagen.
Wenn diese Beschränkungen vorgelegt
werden, ist es vorauszusehen, daß die
Sowjets sie dazu nutzen werden, um
praktische
Einschränkungen
auszuarbeiten, mit deren Hilfe die Entwicklung von SDI so gut wie unmöglich
wird.
Und doch ist solch ein gänzlich
formaler Kompromiß genau das, was auf
breiter Front sowohl in den Vereinigten Staaten als auch bei den Verbündeten propagiert wird. All dies verdeckt die Realität, daß kein Kompromiß zwischen
der sowjetischen Absicht, SDI zunichte zu machen und dem
Engagement der Regierung möglich ist,
es aufrechtzuerhalten. Westliche Unterhändler sind vielmehr verpflichtet, an zwei Fronten zu verhandeln:
mit ihren sowjetischen Gegnern und
ihrer eigenen öffentlichen Meinung.
Diese zweite Debatte schließt zwei
unausgesprochene Annahmen ein.
Befürworter von SDI glauben, daß eine
Strategie, die sich auf die Massenvernichtung
einer
Zivilbevölkerung
stützt, Demokratien am Ende zum Pazifizmus führen wird. Gegner von SDI
sehen sie als Hindernis für ihre geliebte Rüstungskontrolle: sie wollen
die Bedrohung der Apokalypse nicht
abmildern, aus Angst, damit die Versuchung
für einen Nuklearkrieg zu
steigern.
Seit wenigstens zwei Jahrzehnten
wurden jeder neuen strategischen Waffe
von
leidenschaftlichen
Gegnern

- 3 -

�zwei widersprüchliche Argumente entgegengestellt: daß bestehende Waffen
zur Massenvernichtung ausreichen und
daß jede Superwaffe dieses Maß überschreite.
Die gestrigen Gegner der
MX-Raketen sind heute die Gegner von
SDI.
Die Sowjets unterliegen der Versuchung, das Ende dieser Kontroversen
abzuwarten, um festzustellen, ob sie
ihre Ziele ohne Gegenleistungen erlangen können.
Die
amerikanischen
Verbündeten
verstärken das Problem noch.
Zahlreiche Politiker
fördern den Eindruck, daß sie als Mittler zwischen
einem
unversöhnlichen
Amerika
und
einer nachgebenden Sowjetunion handeln. So sehr sie aber vom amerikanischen Schutz abhängig sind und an
amerikanischer Technologie teilhaben
wollen, so zurückhaltend sind sie,
wenn es darum geht, die Verantwortung
für eine Vereitelung amerikanischer
strategischer Programme zu übernehmen.
Sie neigen daher dazu, sich
hinter
Durchführbarkeitsuntersuchungen zu verbergen, die sich unendlich
verlängern lassen wie auch hinter Unterscheidungen zwischen Forschung und
Stationierung, was das Problem nicht
trifft.
Das Ergebnis
ist Wunschdenken.
Die
Reagan-Administration
engagiert
sich für SDI, Gegner im Inland versuchen eine Verlangsamung des Prozesses, indem sie Mittel abbauen und
eine Erprobung einschränken; die Verbündeten unterstützen die Erprobung,
aber behindern eine Anwendung, weil
sie einen Kompromiß herbeiführen wollen.
Die Vereinigten Staaten haben
einem Zehnjahresmoratorium über SDI
zugestimmt, das auf eine zweijährige
Verhandlungsphase folgen soll.
Der im Augenblick gepriesene Kom-

promiß will die Sackgasse bei den Rüstungskontrollverhandlungen
öffnen,
indem er die Erprobung von SDI im
Weltraum gestattet, aber deren Qualität einschränkt. Wie ich in Moskau
vernommen habe, sind Sensoren - Aufklärungssatelliten - für die Sowjetunion
möglicherweise
akzeptabel.
Aber die Erprobung von Geräten zur
Zerstörung von Raketen ist untersagt,
ebenso wie alle Systeme, die Zerstörungsmittel mit Sensoren in Verbindung bringen.
Das würde die Sowjets in die Lage
versetzen, die
Aufklärungsfähigkeit
ihres landgestützten Verteidigungssystems zur Raketenabwehr zu verbessern.
Zusammen mit einem Stationierungsmoratorium würde damit auch SDI
zunichte gemacht. Wenn die Sowjets wie auch einige amerikanische Beamte
- ihren Willen bekämen, wäre das Ergebnis eine in ihrem verheerensten
Zustand eingefrorene Nuklearstrategie.
Die größte Herausforderung
für
die Ost-West-Verhandlungen liegt damit in den Demokratien selbst. Rüstungskontrollverhandlungen, wie sie
im Augenblick
durchgeführt werden,
räumen den Sowjets fast ein Vetorecht
für
jegliche
neuen
Programme
des
Westens ein. Eine jüngste Stellungnahme der bundesdeutschen Regierung
verdeutlicht diese Position: "Für die
Bundesregierung ist es ein wesentliches
Kriterium,
ob
Entscheidungen
über das SDI-Programm und den ABMVertrag für die Genfer Verhandlungen
von Vor- oder von Nachteil sind".
Kein neues sowjetisches Waffenprogramm ist jemals durch westliche Bemühungen
herausgefordert
oder
zum
Stillstand gebracht worden. Aber von
der Neutronenwaffe über Mittelstrekkenraketen in Europa hin zu SDI hat
die Sowjetunion versucht, neue westliche Technologien dadurch zu behindern - es ist ihr bereits gelungen,

�diese zu verlangsamen - daß sie sie
als "Hindernis" für den "Rüstungskontrollprozeß"
bezeichnet
hat.
Es
bleibt die wesentliche Frage zu stellen: Für welche nützliche Rüstungskontrollmaßnahme genau stellt SDI ein
Hindernis dar? Ich fürchte, die Antwort dient der psychologischen Erleichterung über die bloße Tatsache
eines Abkommens.
Dies ist ebenso der einzige Vorteil der Abschaffung von sowjetichen
und amerikanischen Mittelstreckenraketen aus Europa, wie es jüngst auch
von Gorbatschow in einem separaten
Paket vorgebracht wurde.
Die sogenannte Nullösung baut auf keine bedeutende Art und Weise die sowjetische nukleare Bedrohung für Europa
ab.
Sie schafft das amerikanische
Instrument für eine Vergeltung von
Europa vollständig aus ab.
Sie ist
für die Rüstungskontrolle von geringem Nutzen; sie stellt ferner einen
wichtigen Schritt bei der politischen
Abkopplung Europas von den Vereinigten Staaten dar. Die nächste Herausforderung an die westlichen Demokratien wird die Frage sein, ob mit SDI
fortzufahren ist.
Dieser
Entscheidung
kann nicht
durch Durchführbarkeitsstudien ausgewichen werden; für zahlreiche Gegner
von SDI sind Durchführbarkeitsstudien
eine List, mit deren Hilfe das Prinzip angegriffen werden kann. Es kann
aber auch nicht durch eine juristische Auslegung von Abkommen verwirklicht werden, die vor 15 Jahren geschlossen wurden, als Weltraumverteidigung noch dem Bereich der Science
Fiction zuzurechnen war. Ich persönlich glaube, daß die weite Auslegung
des ABM-Vertrages eher korrekt ist
als die enge Interpretation.
Aber
ein
wichtiges
Programm
läßt
sich
nicht dadurch rechtfertigen, was manche als juristische Finessen bezeich- 5

nen. Es wäre besser, eine eindeutige
Stellungnahme darüber zu veröffentlichen, was die Vereinigten Staaten
wollen und diese dann in ein neues,
mit den Sowjets auszuhandelndes Abkommen einzuarbeiten.
und wenn sie
es blockieren
sollten, können die
Vereinigten Staaten immer noch, sollte dies notwendig werden, damit drohen, den ABM-Vertrag außer Kraft zu
setzen.
Wenigstens wird diese Verfahrensweise allen die Zielsetzungen
der Vereinigten
Staaten vor Augen
führen.
Dieser Ansatz ist auch für das
weitere Feld der Verhandlungen mit
den Sowjets relevant. Seit allzulanger Zeit war die amerikanische Haltung zur Rüstungskontrolle das Produkt von Verhandlungen zwischen gegnerischen Lagern innerhalb der Administration und deren Ergebnis ein widersprüchliches Paket, das Punkte zur
Beschwichtigung jeder Partei enthielt.
Der Präsident muß von seinen Beratern eine Verhandlungsposition fordern, die in sich geschlossen ist und
eine langfristige nationale Strategie
widerspiegelt. Er hat das Recht, zu
erwarten, daß die amerikanischen Verbündeten dies als Teil einer gemeinsamen Strategie betrachten und nicht
als Innenpolitik.
Die sich aus diesem Prozeß ergebende Haltung der Vereinigten Staaten
sollte folgende Elemente umfassen:
a) eine Stellungnahme
Strategie,

zur

gesamten

b)

eine Verpflichtung auf die Fortführung der Erprobung und Stationierung von SDI,

c)

ein Angebot an die Sowjets, quantitative Einschränkungen bei der
Stationierung und Erprobung von

�SDI vorzunehmen, die auf den Bestand der Offensivwaffen gerichtet sind (allerdings keine qualitativen Beschränkungen) ,
d)

ein Angebot zum Abbau strategischer Waffen auf eine Weise, die
die Fähigkeit für einen Überraschungsangriff auf beiden Seiten
beschränkt,

e)

ein erstes
Interimabkommen zur
Reduzierung strategischer Streitkräfte, einschließlich der Mittelstreckenraketen,
um
einen
festgesetzten Prozentsatz innerhalb von drei Jahren (etwa um 30
Prozent) , zusammen mit einer Erweiterung der Außerkraftsetzungsklausel für den ABM-Vertrag um
zwei Jahre.

Ein Programm, das diese Bestandteile umfaßt, würde zeigen, ob ein
mit westlichen Sicherheitsinteressen
zu vereinbarendes Abkommen zu erlangen
ist.
Die
Demokratien
können
nicht garantieren, daß Gorbatschow
ein ernsthaftes Programm akzeptieren
wird.
Aber sie sind sich selbst
Ernsthaftigkeit schuldig.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
1 8 . März 1987

11

POSITIVE EINSCHÄTZUNG VON AMERIKAS ROLLE IN DER WELT - UNTERSTÜTZUNG
FÜR DIE NATO
- Meinungsumfrage des Chicago Council on Foreign Relations -

WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht über eine im Jahr 1986 durchgeführte
Meinungsumfrage kommt der Chicago Council on Foreign Relations, eine gemeinnützige Organisation, die sich die Schaffung eines verstärkten öffentlichen
Bewußtseins für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zum Ziel gesetzt hat,
zu dem Schluß, daß die Amerikaner "eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt zunehmend unterstützen". Damit stehen die Ergebnisse dieser Umfrage im Gegensatz zu ähnlichen, in den Jahren 1974, 1978 und 1982 durchgeführten Befragungen.
Nachfolgend bringen wir eine Zusammenfassung des Berichts:

Während die in den siebziger Jahren vom Chicago Council on Foreign
Relations (CCFR) in Auftrag gegebenen
Meinungsumfragen zum Ergebnis gekommen waren, daß sich die Amerikaner
vordringlich mit Fragen wie Inflation, Arbeitslosigkeit und Energieproblemen beschäftigten und eher dazu
tendierten, sich aus der internationalen
Verantwortung
zurückzuziehen
und sich ein Gefühl
militärischer
Schwäche und Unsicherheit breit gemacht hatte, ist die Besorgnis über
solche Probleme heute zurückgegangen.
Ein wachsendes Verständnis für die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Bedeutung auswärtiger Beziehungen ist
offensichtlich und steht in Zusammenhang mit dem Wunsch nach einer größeren Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt.
Sowohl die amerikanische
Bevölkerung allgemein wie auch die
Führungskräfte sind heute davon überzeugt, daß ein befriedigendes Gleichgewicht mit der Sowjetunion wiederhergestellt wurde und daß die Vereinigten
Staaten
eine bedeutendere
Rolle in der Welt spielen. Aber obwohl die Amerikaner sich jetzt sicherer fühlen, läßt ihre Unterstützung
für
höhere
Verteidigungsausgaben

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�nach.
Die meisten Amerikaner sind
aber bereit, die Verteidigungsbemühungen auf dem jetzigen Niveau aufrechtzuerhalten.
Eine Konsequenz dieser Einschätzungen und Gefühle ist die andauernde
Unterstützung
der
Rüstungskontrolle
und eine geringfügig stärkere Befürwortung von Maßnahmen, die mit der
Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion zusammenhängen.
Im Gegensatz zu ihrer Unterstützung der Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts durch die Reagan-Administration
befürworten
die meisten
Amerikaner jedoch nicht einige der
aggressiveren Elemente ihrer Außenpolitik, darunter militärische Interventionen im Ausland, die aktive Förderung der Demokratie und die Anwendung der Reagan-Doktrin durch verdeckte Operationen gegen kommunistisch ausgerichtete Regime in Afghanistan, Angola und Nicaragua.
Trotz
wachsender
Meinungsverschiedenheiten über Handels- und Finanzfragen zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren wichtigsten Partnern in der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bleibt die Haltung
der Bevölkerung insgesamt gegenüber
Westeuropa und Japan weiterhin sehr
positiv; im Falle Japans ist sie etwas überraschend sogar noch positiver
geworden.
Dagegen ist seit Beginn
dieses Jahrzehnts das amerikanische
Interesse am Mittleren Osten zurückgegangen.
Die Bereitschaft der Bevölkerung zum Einsatz von Truppen in
Westeuropa
oder
Japan
betreffenden
Krisen ist größer denn je, während
das Widerstreben, Truppen in anderen
Regionen der Welt, wie etwa Mittelamerika, zum Einsatz zu bringen, unverändert anhält.
Die

Amerikaner

stellen

ihr Eigeninteresse
in den Vordergrund, und der Wunsch nach Schutz
amerikanischer Arbeitsplätze oder Sicherung des Zugangs zu Energie hat
weiterhin Priorität über solch altruistische Ziele wie Förderung der Demokratie, Verteidigung der Menschenrechte oder Verbesserung des Lebensstandards in anderen Ländern.
Es besteht weiterhin eine tiefe
Kluft zwischen den Haltungen der Bevölkerung allgemein und der Führungskräfte und, bei vielen Fragen, zwischen den Ansichten der Bevölkerung
und denen von Vertretern der ReaganAdministration.
Die Haltungen von
ausländischen Politikern und Regierungsvertretern stehen einander näher
als der Bevölkerung allgemein. Eine
interessante Entwicklung besteht jedoch
in der Herausbildung
starker
Meinungsunterschiede zwischen den Ansichten von Regierungsvertretern und
Vertretern
von Gewerkschaften, Medien, Bildungswesen und Kirchen.
Dies sind einige der wichtigsten
Schlußfolgerungen dieses Berichts des
Chicago Council on Foreign Relations
zur amerikanischen öffentlichen Meinung und der amerikanischen Außenpolitik. Die Studie baut auf folgenden
Grundlagen auf:

weiterhin
- 2 -

1.
Persönliche
Interviews
mit
einer repräsentativen Auswahl von
1 585
erwachsenen
Männern
und
Frauen in den Vereinigten Staaten, die von Ende Oktober bis
Mitte November von Gallup durchgeführt wurde.
2. Persönlichen und telefonischen
Interviews mit einer Auswahl von
343
führenden
Persönlichkeiten
aus Regierung, Wirtschaft, Gewerkschaften,
Universitätswesen,
Massenmedien, religiösen Institutionen, privaten außenpolitischen

�Organisationen und besonderen Interessengruppen,
die
von
Ende
September bis Ende November ebenfalls durch Gallup durchgeführt
wurde.
3. Aufgrund der Iran-Krise wurde
Gallup Mitte Januar vom Chicago
Council
beauftragt,
bestimmte
Fragen noch einmal zu stellen.
Bei diesen Fragen ergaben sich
keine
bedeutenden
Abweichungen,
mit Ausnahme eines Rückgangs in
der öffentlichen Einschätzung von
Ronald
Reagans Außenpolitik
im
allgemeinen und seinem Umgang mit
dem Problem des Terrorismus im
besonderen.

Wirtschaftliche Sorgen und Eigeninteresse
Die relative Bedeutung von Sorgen
über allgemeine wirtschaftliche Probleme, darunter Arbeitslosigkeit und
Inflation,
hat
abgenommen.
Eine
Mehrheit
der Amerikaner
betrachtet
die Außenwirtschaftspolitik weiterhin
unter dem Gesichtspunkt des Eigeninteresses, jedoch hat das Verständnis
für die Bedeutung und Interdependenz
von amerikanischer Wirtschaftsund
Außenpolitik in den vergangenen vier
Jahren
nachgelassen.
Obwohl
eine
Mehrheit
von Amerikanern
weiterhin
erkennt, daß die Außenpolitik bedeutende Auswirkungen auf den Benzinpreis, den Wert des Dollars im Ausland und die Arbeitslosigkeit hat,
ist die Anteilnahme an diesen Fragen
stark
zurückgegangen.
Trotz
des
weltweiten Überangebots von öl bleibt
der Zugang zu Energievorräten weiterhin wichtig.
Saudi Arabien wird von
der Bevölkerung allgemein weiterhin
als eines der für die amerikanischen
Interessen wichtigsten Länder angesehen. Unter den Führungskräften wurde
weiterhin Besorgnis über das hohe De-

fizit im Bundeshaushalt, die Staatsverschuldung und übertriebene Staatsausgaben geäußert.
57 Prozent der
Befragten äußerten sich besorgt über
diese Probleme, was einen Anstieg von
45 Prozent gegenüber der letzten Umfrage unter Führungskräften im Jahr
1982 darstellt.
Trotz des massiven Handelsdefizits hat sich in den vergangenen vier
Jahren gleichwohl die öffentliche Unterstützung
für
protektionistische
Maßnahmen meßbar abgeschwächt, während sich der Rückhalt
für Wirtschaftshilfe an andere Länder geringfügig verstärkte. Die Führungskräfte
befürworteten weiterhin energisch den
freien Handel - zwei Drittel der Befragten waren für die Abschaffung von
Zöllen auf Importwaren und weniger
als 30 Prozent glaubten an die Notwendigkeit von Zöllen.
Wie in der
Vergangenheit steht die öffentliche
Meinung dazu in scharfem Gegensatz;
53 Prozent waren davon überzeugt, daß
Zölle und Handelsbeschränkungen notwendig seien, und nur 20 Prozent befürworteten
ihre
Abschaffung.
Im
Verlauf des letzten Jahrzehnts haben
sich diese beiden Meinungstrends einander jedoch angenähert.
Die Führungskräfte sind etwas protektionistischer und die Bevölkerung etwas weniger
protektionistisch
geworden.
Die Kluft hat sich in den vergangenen
acht Jahren um 15 Prozent verringert.
Ein
weiteres
außenpolitisches
Thema
mit starken
wirtschaftlichen
Untertönen sind die Beziehungen zur
Regierung von Südafrika.
insgesamt
57 Prozent der Öffentlichkeit und 79
Prozent der Führungskräfte befürworteten
begrenzte
oder
harte Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika.

Internationalismus

- 3 -

�Die "nach innen gerichtete" Haltung, die in den siebziger Jahren
charakteristisch für die meisten Amerikaner war, ist ebenfalls auf dem
Rückzug.
Die Gruppe der Führungskräfte ist innerhalb des vergangenen
Jahrzehnts praktisch der Meinung treu
geblieben, daß die Vereinigten Staaten eine aktive Rolle in der Welt
spielen sollten. In der Bevölkerung
ist die Anzahl derer, die sagten, daß
die Vereinigten Staaten eine "aktivere Rolle in der Welt" spielen sollten, von 54 Prozent im Jahr 1982 auf
64 Prozent im Jahr 1986 gestiegen.
Der Anteil der Bevölkerung, der ein
großes Interesse an Nachrichten über
fremde Länder oder die Beziehungen
der Vereinigten Staaten zu anderen
Ländern besitzt, ist ebenfalls stetig
größer
geworden.
Die
Nachrichten
über die Beziehungen der Vereinigten
Staaten zu anderen Ländern nehmen in
der Bedeutungsskala heute sogar den
zweiten Platz hinter den Lokalnachrichten, aber noch vor den nationalen
Nachrichten ein.
Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis der jetzigen Studie war der
erheblich größere Prozentsatz unter
der Bevölkerung und den Führungskräften mit der Meinung, daß die Vereinigten Staaten heute eine "bedeutendere" Rolle in der Welt spielten
als vor zehn Jahren. 41 Prozent der
Bevölkerung glaubten, daß die Vereinigten Staaten heute eine wichtigere Rolle spielen, im Vergleich zu 27
Prozent im Jahr 1982. 26 Prozent der
Bevölkerung und 27 Prozent der Führungskräfte glaubten, die Vereinigten
Staaten seien weniger bedeutend, im
Vergleich zu 44 und 52 Prozent vor
vier Jahren. Im Einklang mit diesem
Trend zu einer Höherbewertung der internationalen Rolle ist der geringfügig
stärkere
Rückhalt
für
Wirtschafts- und Militärhilfe an andere
Länder in der Öffentlichkeit.

Regionen von entscheidender Bedeutung
Wie
in früheren Untersuchungen
anerkannten die Bevölkerung insgesamt
wie auch die Führungskräfte, daß die
Vereinigten Staaten in vielen verschiedenen Landern vitale Interessen
besitzen.
Die Haltungen
gegenüber
verschiedenen Ländern sind immer bemerkenswert konstant geblieben, insbesondere im Hinblick auf Westeuropa,
Japan und unsere Nachbarländer, wo
eine hohe Einschätzung der vitalen
Interessen
registriert wurde.
Ein
hoher Prozentsatz der Führungskräfte
und der Bevölkerung insgesamt sehen
vitale Interessen in Westeuropa und
der westlichen
Hemisphäre, wo die
Vereinigten Staaten starke kulturelle, politische, wirtschaftliche wie
auch sicherheitspolitische Bindungen
unterhalten. Im Fall von Kanada und
Lateinamerika ist die geographische
Nähe ebenfalls ein wichtiger Faktor.
Japan
bleibt
Amerikas
wichtigster
Handels- und
Sicherheitspartner
in
Asien sowie ein wirtschaftlicher Konkurrent
auf
den
Industriemärkten.
Vitale
Interessen
werden
auch
im
Mittleren Osten angenommen, besonders
in Zusammenhang mit Israel, Ägypten
und Saudi Arabien.
Die Führungskräfte besitzen eine
umfassendere Sichtweise vitaler nationaler
Interessen,
obwohl
ihre
Prioritäten in den meisten Fällen die
gleichen sind.
Trotz scharfer Meinungsverschiedenheiten
zwischen
den
Vereinigten Staaten und Verbündeten
in Europa und Japan während der vergangenen vier Jahre werden diese Bereiche zusammen mit Kanada und Mexiko
weiterhin am höchsten bewertet.
In
all den Jahren sind die wichtigsten
Länder im Hinblick auf die von der
Bevölkerung und den Führungskräften

�angenommenen vitalen Interessen insgesamt gleich geblieben.
Im Jahr
1986 waren diese Länder für die Bevölkerung
insgesamt
Großbritannien,
Kanada,
Japan,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Saudi Arabien und Israel.
Für die Führungskräfte waren
die sechs wichtigsten Länder im Jahr
1986 die Bundesrepublik Deutschland,
Japan, Mexiko, Kanada, Großbritannien
und die Volksrepublik China. Länder,
die seit 1982 zunehmend als wichtig
betrachtet werden, sind für die Bevölkerung allgemein Indien, Italien,
Südafrika, Südkorea und Syrien und
für die Führungskräfte Südafrika und
Südkorea.
Bei der Bitte an die Befragten
aus der Bevölkerung, die verschiedenen Länder auf einer Temperaturskala
der Gefühle einzustufen, wurden meist
dieselben Länder genannt.
Die führenden Staaten waren: Kanada, Großbritannien,
die
Bundesrepublik
Deutschland, Japan, Mexiko und Israel. Mit einer "mittleren Temperatur" von 61 Grad hatte Japan in den
letzten vier Jahren einen Zuwachs von
acht Grad, ein überraschendes Ergebnis, wenn man die bedeutenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan sowie die harte Kritik
amerikanischer Führungskräfte aus Politik und Regierung, Wirtschaft und
Gewerkschaften
berücksichtigt.
Die
Philippinen wurden 1986 zum ersten
Mal einbezogen und erreichten in der
Bevölkerung den siebten Platz mit 59
Grad.

Europa
Die hohe Priorität, die den Beziehungen mit Westeuropa zugebilligt
wird, schlägt sich deutlich in der
andauernden
starken
Unterstützung
seitens der amerikanischen Bevölkerung und Führungskräfte für das Mili-

tärbündnis mit diesen Staaten und Kanada nieder, der NATO. Auf gleichem
Niveau wie vor vier Jahren meinen 70
Prozent der Bevölkerung und 85 Prozent der Führungskräfte, daß wir entweder
ein
verstärktes
oder
ein
gleichbleibendes militärisches Engagement in der NATO unterstützen sollten. Als die Führungskräfte vor die
Wahl gestellt wurden, die amerikanischen Truppen einstweilen in Europa
zu belassen oder sie in den nächsten
fünf Jahren abzuziehen und Europa
selbst für seine atomare und konventionelle Verteidigung sorgen zu lassen, sprachen sich 82 Prozent für den
Status Quo und gegen Veränderungen
aus.
Dies ist bemerkenswert, wenn
man die anhaltende Diskussion in den
Vereinigten Staaten über die Ratsamkeit unserer konventionellen militärischen Präsenz auf dem europäischen
Kontinent betrachtet.
Eine Reihe weiterer an die Auswahl von Führungskräften gerichteter
Fragen deutete keine bedeutende Verlagerung von Prioritäten nach Asien
auf Kosten Europas an. Auf die Frage, welche Region für die Vereinigten
Staaten wichtiger
sei, entschieden
sich 46 Prozent der Führungskräfte
für Europa und 18 Prozent für Asien,
während 34 Prozent meinten, beide Regionen seien gleich wichtig.
Die
amerikanischen Führungskräfte stimmten mit 69 zu 15 Prozent deutlich für
Europa und gegen Asien bei der Frage
nach der bevorzugten Region zur Vervollständigung ihrer Universitätsbildung für ihre Söhne und Töchter.
Eine ähnliche Frage nach bevorzugten
Fremdsprachen zeigte eine starke Tendenz zum Spanischen (34 Prozent) und
Französischen (22 Prozent) gegenüber
Japanisch (16 Prozent) und Chinesisch
(12 Prozent) . Es zeigte sich, daß
innerhalb der Gruppe der Führungskräfte diejenigen im Kongreß etwas
stärker als die Regierungsvertreter

- 5 -

�die weitere Stationierung von Truppen
in Europa und weiterführende Studien
in Europa bevorzugten, obwohl die
Auswahl von Personen hier sehr klein
war.

Der Mittlere Osten
Ein
weiterer
Themenkomplex von
vorrangiger Bedeutung in den vergangenen Jahren, der Mittlere Osten, hat
für die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten etwas von der ihm beigemessenen
Dringlichkeit
verloren.
Dies
wurde offensichtlich, als die wichtigsten
Probleme der Außenpolitik,
mit denen sich das Land konfrontiert
sieht, oder die Bedeutung der öllieferungen und der damit verbundenen
Energieprobleme
behandelt
wurden.
Gleichzeitig hat sich im Verlauf der
letzten vier Jahre die bevorzugte
Einstufung Israels in der Öffentlichkeit weiter vergrößert; Israel und
Saudi Arabien werden als Länder von
vitalem Interesse für die Vereinigten
Staaten angesehen.
Wenig überrraschend befand sich der Iran an unterster Stelle des Thermometers mit 23
Grad, noch unterhalb der Sowjetunion
mit 32 und Syrien mit 34 Grad.

Militärische Angelegenheiten
Die deutlichste Verlagerung in
der Meinung der Bevölkerung und der
Führungskräfte, die sich im Verlauf
der vier von dem Chicagoer Rat für
Auswärtige Beziehungen durchgeführten
Umfragen abzeichnete, fand bei den
auf Verteidigungsausgaben
bezogenen
Themen statt. Zwischen 1974 und 1978
nahm die Unterstützung für wachsende
Verteidigungssausgaben
beträchtlich
zu. Die Umfrage des Rats deutet zusammen mit anderen Meinungsumfragen
darauf hin, daß in dem Zeitraum von
Ende der siebziger Jahre bis Anfang
- 6

1981 eine ausgeprägte Verlagerung in
der amerikanischen öffentlichen Meinung zugunsten zusätzlicher Verteidigungsausgaben beobachtet werden konnte. Im Jahr 1974 überwog die Befürwortung von Kürzungen gegenüber einer
Aufstockung des Verteidigungshaushaltes im Verhältnis von drei zu eins.
Bis 1978 gab es doppelt soviele Befürworter der Aufstockung als Anhänger einer Reduzierung des Verteidigungshaushaltes.
Die
Umfrage
von
1982 zeigte eine Umkehrung dieser
Tendenz mit großer Übereinstimmung der Mehrheit der Bevölkerung - bezüglich der Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben im Gegensatz zu einer Aufstockung oder Kürzung. Im Jahr 1986
befürworteten sowohl die Bevölkerung
als auch die Führungskräfte die Beibehaltung des Status Quo und lehnten
zusätzliche Verteidigungausgaben ab.
Dies ist zwar keine Ermutigung der
Bemühungen der Reagan-Administration
um eine Erweiterung des PentagonEtats, aber die Bevölkerung ist auch
nicht für eine Kürzung des gegenwärtigen Umfangs der Verteidigungsausgaben.
Dieser
Mangel
an Unterstützung
für zusätzliche Verteidigungsausgaben
muß vor dem Hintergrund der Einschätzung der nationalen Stärke und der
vor allem in der Bevölkerung verbreiteten Meinung gesehen werden, daß die
Vereinigten Staaten der Sowjetunion
jetzt in militärischer Hinsicht ebenbürtig oder überlegen sind.
Frühere
Meinungsumfragen ergaben ein Gefühl
der Unterlegenheit gegenüber der anderen Supermacht.
Eine der bedeutendsten Errungenschaften der ReaganAdministration ist dieser Prozeß der
Meinungsbildung
in den Vereinigten
Staaten.
Mehr
als
in anderen Bereichen
scheint die Einstellung zu Verteidi-

�gungsausgaben vornehmlich von parteipolitischer Zugehörigkeit geprägt zu
sein. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zur
Demokratischen Partei mit der Unterstützung einer Kürzung der Verteidigungsausgaben und der Zugehörigkeit
zur Republikanischen Partei mit dem
Wunsch nach
einer Aufstockung des
Verteidigungshaushaltes.
Diese sich
bereits
im Jahr
1982 abzeichnende
Verbindung hat sich in den vergangenen vier Jahren verstärkt.
Die Ergebnisse
früherer
Meinungsumfragen
belegen, daß die parteipolitische Zugehörigkeit
in der gesamten Nachkriegszeit scheinbar eng mit der Einstellung gegenüber Verteidigungsausgaben verflochten ist.
In früheren
Jahren, besonders in den fünfziger
und Anfang der sechziger Jahre, war
das Verhältnis jedoch umgekehrt - die
Demokraten tendierten mehr zugunsten
von Verteidigungausgaben und die Republikaner waren weniger dafür.

Die Beziehungen zur Sowjetunion
Ebenso wie im Jahr 1982 waren die
Bevölkerung und die Führungskräfte im
Jahr 1986 über die Gefahren eines
Krieges und Fortschritte bei den Rüstungskontrollbemühungen mit der Sowjetunion besorgt. 1986 nannten zehn
Prozent der repräsentativ befragten
Personen einen Atomkrieg und damit
zusammenhängende Themen auf die Frage
nach zwei oder drei der gravierendsten Probleme, mit denen sich das
Land heute konfrontiert sieht.
Im
Gegensatz dazu nannten 1978 so wenige
der Befragten Krieg oder einen Atomkrieg als die größte Sorge, daß die
Antwort
nicht gesondert
aufgeführt
wurde. 17 Prozent der 1986 befragten
Führungskräfte sahen in der Rüstungskontrolle oder dem Mangel an Rüstungsbegrenzungsabkommen die schwierigsten Probleme des Landes. In den

Jahren 1982 und 1978 wurden dagegen
nur ein Prozent in dieser Spalte aufgeführt.
22 Prozent der befragten
Bevölkerung gaben die Beziehungen mit
der Sowjetunion als eines der außenpolitischen Probleme an, das für sie
am besorgniserregendsten ist, im Vergleich zu 15 Prozent, die dieses Thema im Jahr 1982 erwähnten.
Rüstungskontrolle und damit verbundene gemeinsame Maßnahmen mit der
Sowjetunion finden sowohl von der Bevölkerung insgesamt als auch von den
Führungskräften weiterhin starke Unterstützung.
Insgesamt 80 Prozent
der Bevölkerung und 95 Prozent der
Führungskräfte befürworteten Verhandlungen über Rüstungsbegrenzungsabkommen zwischen den beiden Supermächten.
78 Prozent der Bevölkerung und 98
Prozent der Führungskräfte sind für
die Wiederaufnahme
kultureller
und
bildungspolitischer Austauschprogramme.
57 Prozent der Bevölkerung und
82 Prozent der Führungskräfte möchten
einen Zuwachs der Getreideverkäufe an
die Sowjetunion und nur 37 Prozent
der Bevölkerung und 24 Prozent der
Führungskräfte
sind
für eine Einschränkung
des
amerikanisch-sowjetischen Handels.
Starker Widerspruch
gegen gemeinsame Unternehmungen zeigte sich einzig in so sicherheitsempfindlichen Bereichen wie dem Verkauf
moderner Computer und der Beteiligung
der Sowjets an technischen Informationen über die Verteidigung gegen
Raketenangriffe und - eine Frage, die
nur an die Führungskräfte gestellt
wurde - Subventionierung der Getreideverkäufe an die Sowjetunion. Diese
umfassende Unterstützung gemeinsamer
Unternehmungen
mit der
Sowjetunion
hielt über einen langen Zeitraum hinweg an.
Die gegenwärtige Einschätzung, daß die Vereinigten
Staaten
stärker im Vergleich zur Sowjetunion
sind, hat in gewissem Umfang die bereits beträchtliche Unterstützung der

- 7 -

�Entspannung noch verstärkt.
Insbesondere
im
Hinblick
auf
Atomwaffen ist die Bevölkerung insgesamt sowie vor allem die Gruppe der
Führungskräfte weiterhin der Ansicht,
daß die Vereinigten Staaten den Bau
von Atomwaffen nur dann einstellen
sollten, wenn die Sowjetunion das
Gleiche
tut..
Diese
Einstellung
herrscht bei 58 Prozent der Bevölkerung und 79 Prozent der Führungskräfte vor.
Bei den Befürwortern der
Einstellung,
daß
die
Vereinigten
Staaten den Bau von Atomwaffen einstellen sollte, selbst wenn die Sowjetunion ihrerseits nicht dazu bereit ist, war eine leichte Abnahme zu
verzeichnen.
Ein beiderseitiges Einfrieren der
Atomwaffen fand wie im Jahr 1982 große Unterstützung. 67 Prozent der Bevölkerung und 77 Prozent der Führungskräfte würden ein beiderseitiges
sofortiges Einfrieren, vorbehaltlich
der sowjetischen Zustimmung, befürworten. Nur 14 Prozent der Bevölkerung und acht Prozent der Führungskräfte waren der Meinung, daß ein
Einfrieren nur dann erfolgen sollte,
nachdem die Vereinigten Staaten ihre
Atomwaffen aufgestockt haben.

Interventionismus
Bei
der
langfristigen
Tendenz
einer allmählich ansteigenden Bereitschaft der Bevölkerung, amerikanische
Truppen unter bestimmten Umständen in
Übersee einzusetzen, zeichnete sich
weiterhin Kontinuität ab. Die Mehrheit der Bevölkerung und der Führungskräfte wären bereit, amerikanische Truppen zu entsenden, wenn sich
entweder Japan oder Westeuropa einer
Invasion durch die Sowjetunion ausgesetzt
sähen.
Zurückhaltung
zeigte
sich jedoch bei der Entsendung von

amerikanischen Truppen unter anderen
Umständen. Die Mehrheit der Bevölkerung war gegen den Einsatz von Truppen eingestellt, falls Nordkorea in
Südkorea
einmarschieren würde, die
Araber ihre öllieferungen an die Vereinigten Staaten einstellen würden,
Nicaragua in Honduras einmarschieren
würde, um die Stützpunkte der Contras
zu zerstören, die Regierung von El
Salvador von den Guerillas besiegt
würde oder falls arabische Streitkräfte in Israel einmarschieren würden.
Die Gruppe der Führungskräfte
war ebenso wie in früheren Umfragen
dem Einsatz von Truppen gegenüber
sehr viel positiver eingestellt. Die
Mehrzahl befürwortete einen Truppeneinsatz nicht nur in den bereits genannten Fällen Westeuropa und Japan,
sondern auch im Falle einer arabischen Invasion in Israel, eines nordkoreanischen Einmarschs in Südkorea
oder falls die nicaraguanische Regierung der Sowjetunion den Aufbau von
Raketenstützpunkten in ihrem Land gestatten würde. Die Reaktion der Bevölkerung auf die Frage der Raketenstützpunkte in Nicaragua war gleichmäßig aufgeteilt.
Die Mehrheit von
45 Prozent befürworteten den Truppeneinsatz, 42 Prozent waren dagegen.
Insgesamt kann man sagen, daß die Bereitschaft zum Einsatz von Truppen in
Übersee eng mit der Einschätzung der
vitalen Interessen verbunden ist.

Die Rolle des Kongresses und des CIA
Sowohl die Bevölkerung als auch
die Führungskräfte waren im großen
und ganzen für eine Unterstützung der
Administration im Herbst des Jahres
1986, vor allem im Vergleich zu 1982,
bezüglich der dem Kongreß bei außenpolitischen Belangen zufallenden Rolle. Bei beiden Gruppen nahm die Zahl
derer, die von einer zu schwachen
Rolle des Kongresses überzeugt waren,

�beträchtlich ab.
Innerhalb der Bevölkerung nahm die Zahl derjenigen
leicht zu, die den Kongreß als zu
mächtig einschätzten, wohingegen sie
sich bei der Gruppe der Führungskräfte bedeutend erhöhte.
Die Umfrage
vom Januar 1987 zeigte einen leichten
Anstieg der öffentlichen Unterstützung zugunsten einer stärkeren Rolle
des Kongresses. Eine ähnliche Verlagerung zeichnete sich sowohl bei der
Meinung der Bevölkerung als auch der
Führungskräfte
bezüglich der
Frage
ab, ob der CIA zu verdeckten Aktivitäten zum Sturz eines der Regierung
der
Vereinigten
Staaten
gegenüber
feindlich eingestellten Regimes ermutigt werden sollte. Ein beträchtlicher Meinungsumschwung von 13 Punkten
zeigte sich bei den Führungskräften
in bezug auf größere Unterstützung
der verdeckten Rolle des CIA und eine
ebenso krasse Abnahme zeigte sich auf
der Gegenseite. Innerhalb der Bevölkerung insgesamt war der Umschwung
weniger gravierend.

Die Kluft zwischen der Administration, der Bevölkerung und den Führungskräften
Zwischen den Meinungen der Führungskräfte und der Bevölkerung insgesamt herrscht eine tiefe Kluft bezüglich einer Vielzahl von außenpolitischen Themenkomplexen.
In einigen
Bereichen befinden sich die Ansichten
dieser beiden Gruppen im Widerspruch
zu der Politik und dem Vorgehen der
Reagan Administration. Die Führungskräfte befürworten weiterhin eine aktivere Rolle der Vereinigten Staaten
in der Welt, sind generell eher interventionistisch eingestellt und für
eine Unterstützung der "Reagan-Doktrin" der Hilfe für antikommunistische Guerrillas in einigen Ländern
der Welt.
Die Führungskräfte sind
auch weiterhin internationalistischer

eingestellt, vor allem bei der Unterstützung der freien Marktwirtschaft,
sowie bei Militär und Wirtschaftshilfe.
Die Führungskräfte messen der
Verteidigung der Sicherheit der Alliierten als Ziel der Außenpolitik hohe
Priorität bei und legen geringere Betonung auf die Stärkung der Vereinten
Nationen.
Insgesamt sind sie über
den
Schutz amerikanischer Arbeitsplätze im Inland und die Förderung
der amerikanischen Geschäftsinteressen im Ausland weniger besorgt. Die
Führungskräfte
zeigen geringe Neigung, dem Ziel der "Eindämmung des
Kommunismus" beizupflichten, sondern
sind mehr geneigt, die Machtübernahme
durch eine kommunistische Regierung
in Ländern wie Mexiko, Saudi Arabien
oder Frankreich als eine "große Bedrohung" anzusehen.
Ein hoher Prozentsatz von 42 Prozent der Führungskräfte unterstützt
Militärhilfe an
andere Länder und ist entschieden weniger besorgt über die Hilfe für Mittelamerika, die zu dem militärischen
Engagement
der Vereinigten
Staaten
dort führte. Ebenso wie die Bevölkerung insgesamt sind die Führungskräfte in überwältigender Zahl gegen Verhandlungen mit Terroristen.
Im Gegensatz zur Bevölkerung befürworten
sie eher einen militärischen Einsatz
zur Bekämpfung terroristischer Gruppen, aber neigen weniger zu einer Ermordung terroristischer Anführer.
Im Hinblick auf die Beziehungen
mit der Sowjetunion räumen sowohl die
Führungskräfte als auch die Bevölkerung insgesamt gemeinsamen Unternehmungen höhere Priorität ein als die
Reagan-Administration und stehen der
Handhabung der Beziehungen mit der
Sowjetunion durch die Administration
kritisch
gegenüber.
Beide Gruppen
nehmen ebenfalls zu dem Vorgehen der
Administration im Mittleren Osten und
auf Gebieten wie internationaler Handelspolitik, Menschenrechten und Ter-

- 9 -

�rorismus eine kritische Haltung ein.
Spürbare Differenzen zeigten sich
auch
innerhalb des
representativen
Querschnitts der Führungskräfte bezüglich
dem
Verteidigungshaushalt,
der "Reagan-Doktrin", der verdeckten
Rolle des CIA und einigen anderen
Themen.
Zwischen den Vertretern der
Administration und den Vertretern anderer Führungsschichten, insbesondere
der Bereiche Arbeitsfragen, Medien,
Erziehungswesen
und
Religion,
herrschten
außerordentlich
unterschiedliche Meinungen über eine Unterstützung der Invasion in Grenada,
der Bemühungen zum Sturz der Regierung von Nicaragua, der Bombardierung
Libyens und erhöhter Verteidigungsausgaben.
Ein
bedeutendes
Gesamtergebnis
dieser Umfrage ist, daß die Unterstützung durch die Bevölkerung für
eine aktivere Rolle der Vereinigten
Staaten in der Welt zugenommen hat.
Dies stellt einen Meinungsumschwung
verglichen mit früheren Umfragen dar
und spiegelt zweifelsohne die Einschätzung eines günstigen Wandels in
dem sowjetisch-amerikanischen Kräfteverhältnis wieder sowie die hohe Anerkennung der von den Vereinigten
Staaten zur Zeit in der Welt gespielten Rolle und der Rolle, die das Land
spielen sollte. Zusammenfassend kann
man sagen, daß es bezüglich spezieller politischer Themenbereiche starke
Meinungsverschiedenheiten
mit
der
Reagan-Administration gibt, aber die
Bemühungen
der
Administration
zur
Wiederherstellung
des
militärischen
Gleichgewichts - und größeres Vertrauen in die Rolle der Vereinigten
Staaten als Weltmacht - in hohem Maße
unterstützt werden.

+ + + + +
- 10

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Wissenschaft und Technik
1 8 . März 1987

11

RESISTENZENTWICKLUNG BEI CHEMISCHER KREBSTHERAPIE

- (AD) - Nach anfänglichem Erfolg
bereitet die Chemotherapie von Krebs
jetzt
zunehmend
Schwierigkeiten.
Präparate, die während der ersten Wochen und Monate ihrer Anwendung gut
geeignet erschienen, Krebszellen und
Geschwülste abzubauen oder zumindest
an der Ausbreitung zu hindern, zeigen
plötzlich keine Wirkung mehr.
Der
Krebs kommt zurück und ist nun viel
hartnäckiger als zuvor.
Mit der Frage, was dieser "erworbenen
Resistenz"
zugrunde
liegen
könnte,
befaßt
sich
Dr.
Robert

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Schimke, Professor der Biologie an
der amerikanischen Stanford-Universität, seit fast zwei Jahrzehnten. Ein
erstes wichtiges Ergebnis seiner Untersuchungen war 1977 die Beobachtung, daß zum Beispiel Zellen aus
Mäusetumoren unter der Einwirkung von
Methotrexat entscheidende Veränderungen auf Gen-Ebene erfahren.
Dieses
Zytostatikum, seit 1948 bekannt und
in der Chemotherapie bestimmter Formen von Krebs auch recht gut bewährt,
wirkt krebshemmend, weil es ein Enzym
blockiert, das für die DNS-Synthese
wichtig ist.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bei diesem Enzym handelt es sich
um Dihydrofolat-Reduktase (DHFR). Es
wird benötigt, um am Aufbau einer
identischen
Kopie
des
Desoxyribonucleinsäuremoleküls
(DNS) mitzuwirken, ehe sich die Zelle teilt. Mit
dieser Kopie werden sämtliche genetischen Informationen der Mutterzelle
an die Tochterzelle weitergegeben.
Die DHFR-Produktion wird durch
Gene gesteuert, die in ganz bestimmter Zahl vorhanden sind. Unter Methotrexat-Behandlung
beginnen
jedoch
manche Krebszellen
sehr viel mehr
solcher Gene hervorzubringen - ein
Phänomen, das der Biologe als "GenVerstärkung" bezeichnet.
Zellen mit
verstärktem DHFR-Gen produzieren das
Enzym in so großer Menge, daß therapeutische Dosen von Methotrexat die
Folsäurereduktase nicht völlig zu unterdrücken vermögen, um so die DNSSynthese zu blockieren.
Das bedeutet, daß die Zellteilung trotz Chemotherapie
weitergeht.
Krebszellen
vermehren sich wieder, bösartige Tumore wachsen erneut.
Zusammen
mit
dem
Krebsspezialisten Richard Horns fand Schimke vor
drei Jahren den gleichen Effekt bei
menschlichen Krebszellen, und zwar an
Blutzellen einer Patientin mit Leukämie:
Vor der Methotrexat-Behandlung
enthielten
die leukämischen
Zellen
nur ein einziges aktives DHFR-Gen,
nach Einsetzen der Resistenz gegen
das Chemotherapeutikum
drei Monate
später dagegen eine stark erhöhte Anzahl.
Auch bei Patienten mit Ovarial- und Lungenkrebs wurde dies inzwischen beobachtet. Andere Forscher
seien, so Schimke, zu ähnlichen Resultaten gekommen.
Bei seinen jüngsten Untersuchungen zur Klärung der Frage, auf welchem Wege
das
DHFR-Gen
verstärkt
- 2

wird, wies Schimke u.a. nach, daß es
keineswegs nur bei Anwendung des Zytostatikums Methotrexat zu einer GenVerstärkung kommen könne. Sie trete
auch bei Sauerstoffmangel, bei Einwirkung von ultraviolettem Licht und
von sogenannten karzinogenen Stoffen
bzw. Faktoren auf, die erfahrungsgemäß Krebs erzeugen können.
So verschiedenartig die genannten
"Ursachen" sind, eines haben sie doch
gemeinsam:
Wie Methotrexat hemmen
auch sie die DNS-Synthese. Nach Meinung Schimkes führt dies bei manchen
Zellen zu einer Fehlsteuerung in der
Weise, daß sie nun vor der Teilung zu
viele
Kopien einzelner
Komponenten
des DNS=Moleküls produzieren.
Zwar
gehe
die
Mehrzahl
solcher
Zellen
durch die Methotrexat-Behandlung zugrunde. Jene Zellen aber, die - mit
verstärktem
DHFR-Gen
überleben,
seien von nun an gegen das Zytostatikum resistent.
"Wir studieren einen
der fundamentalen Zellprozesse - die
Reduplikation des DNS-Moleküls", sagt
Prof. Schimke.
Die Wissenschaftler
müßten zunächst einmal im Detail verstehen, wie die normale DNS-Reduplikation funktioniere, ehe sie die GenVerstärkung und damit auch die Resistenzentwicklung von Krebszellen gegen Chemotherapeutika verstehen und
erklären könnten.

•

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