<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1979" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1979?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-03T23:38:28+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1990">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/243438ac19abaf66fd974a3a3825f87b.pdf</src>
      <authentication>8b96a380fe4ce1ff0f19eb1913c23f4a</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="9871">
                  <text>AMERIKA DIENST

4 . Mä'rz 198 7

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan; Austausch von Waffen gegen Geiseln war ein Fehler
- Fernsehansprache Präsident Reagans Hindernis für Fortschritte bei INF beseitigt
- Erklärung Präsident Reagans Freie Kommunikation "mächtige Kraft" für die Demokratie
- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "stimme Amerikas " Glückwünsche zum 45. Jahrestag der "Stimme Amerikas"
- Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick und
VOA-Direktor Richard Carlson -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Tower-Kommission
- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ja zum Leben - Nein zu Drogen
- UN-suchtstoffkommission: Alle Länder sind bedroht

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

4. März 1987

REAGAN: AUSTAUSCH VON WAFFEN GEGEN GEISELN WAR EIN FEHLER
- Fernsehansprache Präsident Reagans -

WASHINGTON - In seiner landesweit übertragenen Ansprache zur Iran/Nicaragua-Affäre erklärte der Präsident am 4. März 1987, "ich übernehme die volle
Verantwortung für meine eigene Handlungsweise und die meiner Administration".
Reagan ging auf den Bericht der Tower-Kommission ein, die diese Angelegenheit
näher untersucht hatte und erläuterte von ihm unternommene korrektive Maßnahmen.
Den Versuch, eine Öffnung mit dem Iran durch einen Austausch von Waffen
gegen Geiseln herbeizuführen, bezeichnete Reagan als "einen Fehler".
Die Erklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:

Meine
amerikanischen
Mitbürger,
ich habe bei zahlreichen Anlässen und
zu vielen Themen von diesem historischen Amtszimmer aus zu ihnen gesprochen. Die Macht des Präsidentenamtes wird oft mit diesem "Oval Office" in Verbindung gebracht.
Sie
liegt aber nicht hier, sondern bei
ihnen, dem amerikanischen Volk, in
Ihrem Vertrauen.
Ihr Vertrauen gibt dem Präsidenten seine Führungskraft wie auch seine persönliche Stärke, und genau darüber möchte ich heute abend zu Ihnen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

sprechen.
In den vergangenen drei Monaten
habe ich zu den Enthüllungen über den
Iran geschwiegen.
Sie mögen gedacht
haben: "Warum sagt er uns nicht, was
geschehen
ist?
Warum
spricht er
nicht zu uns, wie er es in der Vergangenheit getan hat, wenn wir uns
Schwierigkeiten oder Tragödien gegenübersahen?" Andere von Ihnen werden
vielleicht gedacht haben: "Warum versteckt er sich im Weißen Haus?"
Der Grund, warum

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

ich nicht

eher

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zu Ihnen gesprochen habe, liegt auf
der Hand: Sie haben die Wahrheit verdient. Und so frustrierend das Warten auch gewesen sein mag, so hätte
ich es unangemessen gefunden, ihnen
mit
unvollständigen Berichten
oder
sogar mit fehlerhaften Erklärungen,
die im Nachhinein einer Korrektur bedürft hätten, entgegenzutreten
und
damit noch mehr Zweifel und Verwirrung zu stiften.
Davon hat es bereits genug gegeben.
Ich habe im Hinblick auf Ihr Vertrauen
und
Ihre
Zuversicht
einen
Preis für mein Schweigen bezahlt.
Aber ich mußte, genau wie sie, auf
die vollständige Geschichte warten.
Aus diesem Grunde habe ich Botschafter David Abshire zu meinen besonderen Berater ernannt, mit dessen Hilfe
Tausende von Dokumenten für die verschiedenen Untersuchungen zur Verfügung gestellt werden. Und ich habe
einen
besonderen
Untersuchungsausschuß, die Tower-Kommission, ernannt,
die es sich zur Aufgabe gemacht hat,
für mich die Wahrheit herauszufinden
und den Dingen auf den Grund zu gehen. Ihre Ergebnisse sind jetzt veröffentlicht worden.
Ich werde oft als Optimist bezeichnet, und es ist wahr, daß ich
sehr genau nachforschen mußte, um in
dem Bericht der Kommission gute Nachrichten zu finden. Wie sie wissen,
spart er nicht an Kritik, auf die ich
gleich eingehen werde, aber ich war
erleichtert, den Satz zu lesen: "Die
Kommission vom Wunsch des Präsidenten
überzeugt, die Wahrheit ans Licht zu
bringen".
Und
genau
diese
Bitte
richte ich an sie bei der Weiterführung der Untersuchungen.
Ich möchte den Mitgliedern der
Kommission danken - dem früheren Senator John Tower, dem früheren Außenminister Edmund Muskie und dem ehema- 2

ligen Nationalen
Sicherheitsberater
Brent Scowcroft.
Sie haben der Nation wie auch mir persönlich einen
großen Dienst erwiesen, indem sie
einen so ausgewogenen und gründlichen
Bericht vorgelegt haben.
Ihnen gebührt mein aufrichtiger Dank.
Ich habe den Bericht der Kommission geprüft. Seine Ergebnisse sind
aufrichtig,
überzeugend
wie
auch
überaus kritisch, und ich akzeptiere
sie.
Heute abend möchte ich Ihnen
meine Ansichten zu diesen Ergebnissen
mitteilen und ihnen die Maßnahmen bekanntgeben, die ich unternehmen werde, um die Empfehlungen der Kommission durchzuführen.
Lassen Sie mich Ihnen zunächst
sagen, daß ich die volle Verantwortung für meine eigene Handlungsweise
und
für die meiner Administration
übernehmen werde.
So verärgert ich
auch über die ohne mein Wissen unternommenen
Aktivitäten
gewesen
sein
mag, so bin ich doch für diese Aktivitäten verantwortlich.
Und so enttäuscht ich auch sein mag über manche
meiner Mitarbeiter, so bin ich derjenige, der über dieses Verhalten vor
dem amerikanischen Volk Rechenschaft
ablegen muß.
So geschmacklos ich
auch geheime Bankkonten und umgeleitete Gelder finde, so ist dies aber,
wie es bei der Marine heißt, "während
meiner Wache geschehen".
Lassen Sie mich mit dem umstrittensten Teil beginnen. Vor wenigen
Monaten habe ich dem amerikanischen
Volk gegenüber erklärt, daß ich keine
Waffen gegen Geiseln getauscht habe.
Mein Gefühl und meine besten Absichten bedeuten mir immer noch, daß dies
stimmt, aber die Tatsachen und das
Beweismaterial sprechen dagegen.
Dem Bericht der Tower-Kommission
zufolge ist das, was als strategische

�Öffnung
zum
Iran begann, in der
Durchführung zu einem Handel von Waffen gegen Geiseln ausgeartet.
Dies
widerspricht meinen eiqenen Überzeugungen, der Politik der Administration und der ursprünglich von uns geplanten Strategie.
Es gibt Gründe
dafür, warum es so gekommen ist, aber
keine Entschuldigung.
Es war ein
Fehler.

ausschüssen des Kongresses überlassen
bleiben, die Tatsachen festzustellen.
Ich bin zuversichtlich, daß auch in
dieser Angelegenheit die Wahrheit ans
Licht kommen wird. Wie ich schon der
Tower-Kommission
mitgeteilt
habe,
hatte ich keine Kenntnis von einer
Umleitung von Geldern an die Contras.
Als Präsident kann ich jedoch der
Verantwortung nicht entgehen.

Ich habe ursprünglich die IranInitiative unternommen, um Beziehungen zu denjenigen zu entwickeln, die
in einer Regierung nach Khomeini die
Führung übernehmen könnten. Dem Bericht der Kommission ist jedoch eindeutig zu entnehmen, daß ich meine
persönliche Sorge um die Geiseln mit
der geopolitischen
Strategie einer
Annäherung an den Iran vermengt habe.
Ich habe so viele Fragen zum Wohlergehen der Geiseln gestellt, daß ich
nicht genug Fragen zu den Einzelheiten des gesamten Iran-Plans aufgeworfen habe.

Es ist viel über meinen Führungsstil gesagt worden, einen Stil, der
in den acht Jahren meiner Tätigkeit
als Gouverneur von Kalifornien und
während des Großteils meiner Präsidentschaft gut funktioniert hat. Ich
gehe so vor, daß ich das Problem
identifiziere, die richtigen Persönlichkeiten zur Durchführung der Arbeit ausfindig mache und sie dann an
die Arbeit gehen lasse.
Ich habe
herausgefunden, daß dies in den Menschen unweigerlich die besten Qualitäten weckt. Sie scheinen dabei ihre
Fähigkeiten vollständig zu entfalten,
und langfristig wird dadurch mehr geleistet.

Lassen sie mich den Familien der
Geiseln sagen, daß wir nicht aufgegeben haben. Wir werden dies niemals
tun.
Und ich verspreche Ihnen, daß
wir jedes legitime Mitteln benutzen
werden, um Ihre Angehörigen aus der
Gefangenschaft zu befreien. Ich muß
jedoch auch die Warnung aussprechen,
daß diejenigen Amerikaner, die sich
freiwillig in solch gefährlichen Gebieten aufhalten, wissen müssen, daß
sie selbst für ihre Sicherheit verantwortlich sind.
Ein weiterer bedeutender Aspekt
in den Erkenntnissen der Kommission
betrifft die Umleitung von Geldern an
die Contras in Nicaragua. Die TowerKommission war
nicht imstande, zu
klären, was mit diesen Geldern geschah. Deshalb wird es weiterhin dem
gerichtlich
eingesetzten
Sonderermittler und den zwei Untersuchungs-

Was nun die Führung der Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats
anbelangt, so muß man zugeben, daß
mein Stil nicht meinen Leistungen der
Vergangenheit
entsprach.
Ich habe
schon begonnen, dies zu berichtigen.
Der Anfang wurde gestern gemacht, als
ich mit dem gesamten Arbeitsstab des
Nationalen Sicherheitsrats zusammentraf. Ich habe dabei die Werte erläutert, die ich als Richtlinie für
die Politik der nationalen Sicherheit
dieses Landes angewandt sehen möchte.
Ich habe erklärt, daß ich eine Politik wünsche, die in der Öffentlichkeit genauso vertretbar und vpcständlich ist wie im Geheimen, aaß ich
eine Politik wünsche, die den Willen
des Kongresses wie auch den des Weißen Hauses widerspiegelt.
Und ich
sagte den Mitarbeitern, daß es kei-

- 3 -

�nerlei freie Mitarbeit von Einzelpersonen geben werde, wenn unsere nationale Sicherheit davon betroffen ist.
Sie haben in den vergangenen Monaten eine Menge über die Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrats gehört. Ich kann Ihnen mitteilen, daß
sie gute und engagierte Regierungsbeamte sind, die viele Stunden Arbeit
für das Wohl der Nation geleistet haben. Sie sind eifrig bestrebt, ihrem
Land zu dienen.
Etwas, was mich immer noch verstimmt, ist die Tatsache, daß niemand
ordnungsgemäße Aufzeichnungen von Zusammenkünften oder Entscheidungen angefertigt hat.
Dies hat dazu geführt, daß ich mich nicht mehr daran
erinnern konnte, ob ich eine Waffenlieferung vor oder nach bestimmten
Ereignissen genehmigt habe. Ich habe
sie genehmigt, aber ich kann nicht
mehr genau sagen, wann.
Seien Sie
versichert, daß inzwischen an der
Pennsylvania Avenue 1600 eine Menge
Aufzeichnungen gemacht werden.
Fast eine Woche lang habe ich
jetzt den Bericht der Kommission studiert.
Das amerikanische Volk soll
wissen, daß diese schwere Prüfung der
letzten Monate nicht vergebens war.
Ich unterstütze alle von der TowerKommission gemachten Vorschläge. Ich
gehe sogar über diese Empfehlungen
hinaus, um das Haus noch besser in
Ordnung zu bringen.
Ich werde in drei grundlegenden
Bereichen handeln: beim Personalwesen, der nationalen Sicherheitspolitik und den Verfahrensweisen, um sicherzustellen, Haß das System funktioniert.
Erstens zum Personalwesen.
Ich
habe hier im Weißen Haus ein erfahrenes und weithin respektiertes neues

Team
eingeführt.
Diese
Personen
bringen frisches Blut, neue Energie
sowie neue Glaubwürdigkeit und Erfahrung mit.
Mein neuer Stabschef, der ehemalige Senator Howard Baker, verfügt
über außerordentlich großes Geschick
in rechtlichen und auswärtigen Angelegenheiten,
das
seinesgleichen
sucht. Ich bin voller Hoffnung, daß
seine Erfahrung als Anführer der Minderheit und der Mehrheit im Senat dazu beitragen wird, eine neue Partnerschaft mit dem Kongreß zu schaffen,
vor allem auf dem Gebiet der auswärtigen und nationalen Sicherheitspolitik. Ich fühle mich wirklich geehrt,
daß er seine eigene Anwartschaft auf
das Amt des Präsidenten zurückgezogen
hat, um dem Land als mein Stabschef
zu dienen.
Frank Carlucci, mein neuer Nationaler
Sicherheitsberater, ist aufgrund
seiner
Regierungserfahrung
hochgeschätzt und in sein Urteil und
seinen Rat wird großes Vertrauen gesetzt. Unter seiner Leitung wird die
Mitarbeiterstruktur
des
Nationalen
Sicherheitsrates neu und straff organisiert. Bereits jetzt ist die Hälfte der festen Mitarbeiter des Nationalen
Sicherheitsrates
durch
neue
Leute ersetzt worden.
Gestern habe ich William Webster,
einen Mann von integrem Ruf, zum Direktor
der
Central
intelligence
Agency nominiert. Mr. Webster hatte
vorher das Amt als Direktor des FBI
inne und war Richter an einem amerikanischen Bezirksgericht.
Er kennt
die Bedeutung
des Wortes "Rechtsstaatlichkeit" .
Damit mir seine Kenntnisse in Angelegenheiten der nationalen Sicherheit ständig zur Verfügung stehen,
werde ich auch John Tower zum Mitar-

�beiter meiner Beratergruppe für Auswärtige Nachrichtendienste benannt.
Ich erwäge in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere, mir
angemessen
erscheinende
personelle
und organisatorische Veränderungen.
Zweitens habe ich im Bereich der
nationalen
Sicherheitspolitik
eine
umfassende Überprüfung aller verdeckter Operationen durch den Nationalen
Sicherheitsrat angeordnet.
Ich habe
weiterhin verfügt, daß alle geheimen
Aktivitäten
eindeutige
politische
Zielsetzungen
unterstützen
und
im
Einklang mit den amerikanischen Wertvorstellungen
stehen
müssen.
Von
einer geheimhaltungsbedürftigen Politik erwarte ich, daß die Amerikaner
im Falle einer Veröffentlichung auf
der Titelseite ihrer Zeitung sagen
würden: "Das ist eine sinnvolle Politik".
Ich habe verfügt, daß den Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates selbst geheime Operationen verboten werden - ohne wenn und aber.
Ich habe Vizepräsident Bush gebeten, sein Expertenteam zur Terrorismusbekämpfung einzuberufen, um unsere
Politik der Terrorismusbekämpfung im
Licht
der
jüngsten
Ereignisse
zu
überprüfen.
Was die Entscheidungsfindung im
Bereich der Nationalen Sicherheit anbetrifft, werde ich drittens das im
Tower-Bericht vorgeschlagene Modell,
wie das Verfahren und die Mitarbeiter
des Nationalen Sicherheitsrates arbeiten sollten, insgesamt annehmen.
Ich werde Mr. Carlucci mit der Veranlassung der notwendigen Schritte beauftragen. Er wird mir über weitere,
möglicherweise erforderliche Reformen
Bericht erstatten.

Ich habe die Stelle des Rechtsberaters beim Nationalen Sicherheitsrat
geschaffen, um eine größere Sensibilität gegenüber Rechtsfragen sicherzustellen.
Ich bin weiterhin entschlossen,
das Verfahren, dem zufolge der Kongreß seine Aufsicht ausübt, funktionsfähig zu gestalten. Angemessene Verfahrensweisen für Konsultationen mit
dem Kongreß werden nicht nur theoretisch, sondern praktisch angewandt
werden. Vor Ende März werde ich den
Kongreß von allen Schritten unterrichten, die ich im Zusammenhang mit
den Schlußfolgerungen der Tower-Kommission unternommen habe.
Wenn man einen Fehler begangen
hat, sollte man folgendes tun:
Man
steckt den Tiefschlag ein, bekommt
seine Lektion und macht dann weiter.
Das ist die gesündeste Art und Weise,
um ein Problem anzugehen.
Das verringert nicht die Bedeutung der anderen
laufenden Untersuchungen, aber
das Leben muß für unser Land und unser Volk weitergehen. Dies haben mir
Republikaner und Demokraten im Kongreß wie auch die Verbündeten auf der
ganzen Welt zu verstehen gegeben und wenn wir die Zeichen richtig deuten, auch die Sowjets. Und nun habe
ich natürlich diese Botschaft auch
von Ihnen, dem amerikanischen Volk,
vernommen.
Sie wissen, daß Sie, wenn sie in
mein Alter kommen, viele Fehler gemacht haben werden, wenn Sie Ihr Leben wirklich gelebt haben.
Dadurch
lernt man. Man betrachtet die Dinge
im Zusammenhang.
Man
konzentriert
all seine Energie. Man ändert sich
und man macht weiter.
Meine
amerikanischen
Mitbürger,
es bleibt noch so vieles, was ich mit
Ihnen und für sie in den nächsten

- 5 -

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

**

4. März 1987

HINDERNIS FÜR FORTSCHRITTE BEI INF BESEITIGT
- Erklärung Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 3. März 1987 im Weißen Haus abgegebenen
Stellungnahme zu den Vorschlägen des sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow
erklärte Präsident Reagan, daß Moskau nicht länger auf einer Verbindung von
Abkommen zu Mittelstreckenwaffen längerer Reichweite (INF) und solchen in anderen Bereichen bestehe und daß dies "ein ernstliches Hindernis für den Fortschritt beseitige".
Reagan wies darauf hin, daß er die amerikanischen Unterhändler bei den Rüstungskontrollverhandlungen in Genf angewiesen habe, mit "der Vorlage unseres
Entwurfs für ein INF-Ankommen" zu beginnen. Er erklärte ferner, daß die Vereinigten Staaten bei INF weiterhin enge Konsultatinoen zu den Verbündeten in
Europa und Asien pflegen werden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In enger Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten in Europa und Asien haben die Vereinigten
Staaten - seit meinem ersten Vorschlag im November 1981 - einschneidende, ausgewogene und verifizierbare
Reduzierungen von landgestützten amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenwaffen
längerer
Reichweite
verfolgt, mit dem Ziel, diese weltweit vollständig abzuschaffen.
In jüngster Zeit haben wir einen
detaillierten
Vertragstext
erarbeitet, um diese vereinbarten Zielset-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zungen anzuwenden und der speziellen
Maßgabe
zu
folgen,
der
Herr
Gorbatschow und ich bei unserem Treffen in Island im vergangenen Oktober
zugestimmt
hatten.
Dies erfordert
Reduzierungen bis zu einer vorläufigen weltweiten Obergrenze von 100 Gefechtsköpfen auf amerikanischen und
sowjetischen INF-Raketen, von denen
sich keine in Europa befinden sollten
sowie Beschränkungen bei den Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite
und Bestimmungen für eine wirkungsvolle Verifizierung. Für diese Zielsetzungen setze ich mich weiterhin

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�voll ein.
Ich habe in diesem Bereich seit
langem Fortschritte
angestrebt
und
begrüße daher die Erklärung des sowjetischen
Generalsekretärs
Gorbatschow vom vergangenen Samstag,
daß die Sowjetunion nicht weiter auf
einer Verbindung
von Reduzierungen
bei INF zu Abkommen in anderen Bereichen
besteht.
Dadurch
wird
ein
ernstliches Hindernis für den Fortschritt beseitigt und ein Einklang
mit der Vereinbarung
erzielt, die
Herr Gorbatschow und ich bei unserem
1985 abgehaltenen Gipfeltreffen
in
Genf getroffen haben - daß wir nach
einem einzelnen Abkommen in diesem
wichtigen
Bereich
streben
würden.
Ich möchte unseren Verbündeten zu ihrer festen Haltung bei dieser Frage
gratulieren.
offensichtlich hat unsere Entschlossenheit zu Fortschritten geführt.
Um diese neue Möglichkeit voll
auszuschöpfen, habe ich unsere Unterhändler angewiesen, morgen mit der
Vorlage unseres Entwurfs zu einem
INF-Abkommen zu beginnen. Ich hoffe,
daß die Sowjets dann gemeinsam mit
uns ernsthafte Diskussionen über die
Einzelheiten
aufnehmen werden, die
unerläßlich
für die Umsetzung der
einzelnen Bereiche einer grundsätzlichen Übereinkunft in ein konkretes
Abkommen sind. Und ich möchte betonen, daß die Frage der Verifizierung
die wichtigste der noch zu lösenden
wichtigen Fragen ist. Weil wir einem
wahren und dauerhaften Rüstungsabbau
verpflicht sind und die völlige Einhaltung sicherstellen wollen, werden
wir weiterhin darauf bestehen, daß
jedes Abkommen wirksam verifizierbar
ist.
Um
die
Implikationern
dieser
jüngsten Entwicklungen eingehender zu
erforschen, habe ich unsere Unter- 2

händler
in Genf, die
Botschafter
Kampelman, Glitman und Lehman gebeten, Ende dieser Woche mit mir in
Washington
zusammenzutreffen.
Nach
diesen Gesprächen in Washington werde
ich eine Gruppe nach Genf zurückschicken, um die eingehenden Verhandlungen für ein Abkommen zum Abbau von
INF wiederaufzunehmen.
Wir
werden gleichzeitig
unsere
engen Konsultationen über INF mit unseren Freunden und Verbündenten in
Europa und Asien fortführen. Es war
schließlich die Festigkeit und Einigkeit der Verbündeten bei der Durchführung
des
NATO-Doppelbeschlusses
von 1979, die dazu beigetragen haben,
die Sowjets wieder an den Verhandlungstisch zurückzubringen und diese
Möglichkeit zu einem Abkommen über
die Reduzierung zu erarbeiten, das
von beiderseitigem Nutzen für Ost und
West ist. Bei unserem weiteren Vorgehen solten wir uns daran erinnern,
daß nichts für die Sache des Friedens
wichtiger ist als die Glaubwürdigkeit
unserer Verpflichtung auf die NATO
und unsere anderen Verbündeten und
nichts ist bedeutsamer für die Lebensfähigkeit dieser Bündnisse freier
Nationen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
4. März 1987

FREIE KOMMUNIKATION "MÄCHTIGE KRAFT" FÜR DIE DEMOKRATIE
- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "Stimme Amerikas"-

WASHINGTON - (AD) - In einer Botschaft aus Anlaß des 45jährigen Bestehens
der "Stimme Amerikas" hat Präsident Reagan am 24. Februar 1987 eine freie
Presse, einen freien Rundfunk und freie, moderne Kommunikationsmittel als
"mächtige Kraft für die Demokratie" bezeichnet. Die "Stimme Amerikas", die im
Namen der Wahrheit sende, müsse "weiterhin denen ein starkes Zeichen geben,
die andernfalls keinen Zugang zu unzensierten Informationen hätten".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Erlauben Sie mir, Ihnen allen,
die Sie hier versammelt sind, um 45
Jahre internationaler Sendungen der
"Stimme Amerikas" zu feiern, zu gratulieren. Als früherer Rundfunksprecher habe ich immensen Respekt vor
Ihnen. Ihre täglichen Sendungen werden für eine wachsende Zahl internationaler Zuhörer im Namen des amerikanischen Volkes gemacht - und im Namen der Wahrheit. Das Angebot zuverlässiger, unzensierter Informationen
ist ein wichtiger Bestandteil unserer
Diplomatie.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Als die "Stimme" vor 45 Jahren
zum ersten Mal erklang, sagte der
Sprecher: "Die Nachrichten mögen gut
oder schlecht sein. Wir werden Ihnen
die Wahrheit sagen."
Für Millionen
Menschen, die in geschlossenen Gesellschaftssystemen
leben, bedeuten
Ihre Sendungen genau dies - die Stimme der Wahrheit. Für andere sind Sie
eine
alternative
Nachrichtenquelle,
die zuverlässige Informationen über
amerikanische Ansichten und Institutionen liefert. Und für wieder andere stellen Ihre Sondersendungen in
leicht verständlichem Englisch
ein

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Mittel zur Erlernung oder zum besseren Verständnis der englischen Sprache dar.
ihre täglichen Kommentare
bilden außerdem eine wichtige Quelle
für diejenigen, die die Ansichten unserer Regierung verstehen möchten.

tionsmittel - all dies ist auf die
Würde des Menschen und auf das unveräußerliche Recht des Einzelnen auf
Freiheit gegründet; all dies stellt
eine mächtige Kraft für die Demokratie dar.

Wir in Amerika glauben, daß jeder
Mann, jede Frau und jedes Kind das
Recht auf frei zugängliche Informationsquellen
besitzen.
Wir
sind
nicht der Meinung, daß der Geist eingesperrt werden
kann oder sollte.
Leider gibt es Regierungen, denen die
Wahrheit eine Bedrohung ist. sie unternehmen
enorme Anstrengungen, um
ihre Bürger von Informationen fernzuhalten, die nicht der "offiziellen
Parteilinie"
entsprechen.
Während
wir also heute hier feiern, sollten
wir uns auch der vielen Zuhörer erinnern - Zuhörer in diesen geschlossenen Gesellschaftssystemen -, die die
Sendungen der Stimme Amerikas mit
großem persönlichem Risiko einschalten.

Für diese
ich Ihnen.

Vor einigen Jahren habe ich erklärt, daß ich der Modernisierung der
"Stimme" die gleiche Bedeutung beimesse,
die
Präsident
Kennedy
dem
Raumfahrtprogramm
einräumte.
Ich
möchte dieses Versprechen erneuern.
Wir müssen weiterhin denen ein starkes Zeichen geben, die andernfalls
keinen Zugang zu unzensierten Informationen hätten.
Ich denke, Alexander Solschenizyn
hat die Stärke internationaler Sendungen am besten beschrieben.
Er
sagte, sie seien "die mächtige nichtmilitärische Kraft, die den Funkwellen innewohnt und deren erleuchtende
Macht inmitten kommunistischer Dunkelheit man sich im Westen noch nicht
einmal vorstellen kann".
Eine
freie Presse, ein freier
Rundfunk und freie, moderne Komunika- 2 -

wichtige

* * * *

Arbeit

danke

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
4. März 1987

GLÜCKWÜNSCHE ZUM 45. JAHRESTAG DER "STIMME AMERIKAS"
Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick
und VOA-Direktor Richard Carlson -

WASHINGTON - (AD) Präsident
Reagan würdigte in einer Rede am 24.
Februar die 45 Sendejahre der "stimme
Amerikas" (Voice of America - VOA)
und wies darauf hin, das "Angebot zuverlässiger, unzensierter Informationen (sei) ein wichtiger Bestandteil
unserer Diplomatie".
Der Präsident
nannte VOA die 'Stimme der Wahrheit'
und wiederholte seine Zusage einer
Modernisierung von VOA.
"Wir müssen weiterhin denen ein
starkes Zeichen geben, die andernfalls keinen Zugang zu unzensierten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Informationen
hätten",
erklärte
Reagan in der Videoaufzeichnung seiner Rede an die Mitarbeiter von VOA,
die in der Zentrale der "Stimme Amerikas" in Washington an der Jubiläumsfeier teilnahmen.
Der Präsident führte weiter aus,
daß eine freie Presse, ein freier
Rundfunk und freie, moderne Kommunikationsmittel alle "auf die Würde des
Menschen und auf das unveräußerliche
Recht des Einzelnen auf Freiheit" gegründet seien und "dies alles eine
mächtige Kraft
für die Demokratie

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�darstelle". Reagan schloß seine Ansprache mit den Worten: "Für diese
wichtige Arbeit danke ich ihnen".
Der Direktor des US-Informationsamtes (USIA) , Charles Z. Wick, erklärte: "Die Welt braucht den Rundfunk, und die Welt braucht die "Stimme Amerikas".
In seiner Ansprache
betonte Wick die Bedeutung, die der
"kreativen
und guten" Nutzung von
amerikanischen
Rundfunkeinrichtungen
im Ausland zukommt. "VOA hat nicht
nur eine stolze Geschichte, sondern
auch
eine
aufregende
Gegenwart".
Wick nannte die "VOA-Gemeinschaft ein
Abbild
der
Vereinigten
Staaten...
eine Art von "Nation in einer Nation"
- Menschen vieler Kulturkreise, die
Seite an Seite arbeiten" und die
durch ihren stolz auf und ihre Liebe
zu den Vereinigten Staaten verbunden
s ind.
"Die ungebrochene Kraft des Rundfunks leitet sich aus seiner einzigartigen Fähigkeit ab, die Phantasie
anzufachen und zu informieren", erklärte Wick.
"Der Rundfunk kann die
menschlichen
Gedanken
und
seinen
Geist beflügeln, solche Orte zu besuchen, von denen das Fernsehen nicht
einmal träumt" und "er kann Ideen
eingehender erforschen, weil er nicht
gezwungen ist, sie in laufenden Bildern abzubilden".
Der Direktor der "stimme Amerikas", Richard Carlson, bezeichnete
das Jubiläum als "eine Zeit, in der
wir alle, die wir den Glauben an die
Bedeutung
der
Sendeleistung
der
"Stimme Amerikas" teilen, die nunmehr
eine der größten und bedeutendsten
Nachrichtenorganisationen
der
Welt
ist, auf die erste 15minütige Sendung
vor 45 Jahren zurückblicken" als sich
die Welt im Krieg befand. Diese Sendung versprach, die Wahrheit zu sagen, so erklärte Carlson in seiner

Rede anläßlich
lichkeiten.

der

Jubiläumsfeier-

Die ersten Sendungen der "Stimme
Amerikas" im Krieg "bewiesen den Hörern auf der ganzen Welt, daß sie dem
vertrauen konnten, was die
'Stimme
Amerikas' ihnen über Amerika berichtete...
Und dieses Vertrauen wie
auch
unsere
Glaubwürdigkeit
haben
sich in den vergangenen 45 Jahren
noch gefestigt".
VOA hat "ihr Bestes getan, um
sich den Herausforderungen
unseres
modernen Zeitalters zu stellen", erklärte Carlson und wies darauf hin,
daß inzwischen mehr als 1 200 stunden
wöchentlich gesendet werden, und dies
in 42 Sprachen an mehr als 130 Millionen Hörer auf fünf Kontinenten.
"Unsere vielen Sprachen und Sendestunden sind meiner Ansicht nach
ein Maßstab für unser Engagement; unsere wachsende Hörerschaft ist ein
Maßstab für den Erfolg der 'Stimme
Amerikas' wie auch gleichzeitig ein
Maß unserer Verantwortung".
Carlson
bemerkte: "Diese Verantwortung
ist
mit jeder neuen Sendestunde und mit
jedem neuen Hörer gewachsen".
Die Zuhörer von VOA hören "die
neuesten
Nachrichten
aus
Amerika,
über Amerika und aus der ganzen Welt:
ausgewogen, ehrlich, genau - was sie
auch bleiben werden, wofür das Gesetz
wie auch unsere Berufsethik sorgen".
"Sie hören die Geschichte Amerikas die Gewohnheiten und die Lebensweise
des
Volkes,
seiner
Institutionen,
seiner Ideen und seiner Auffassungen".
Und sie hören von der "Vielfalt,
die in jeder Demokratie herrscht und
deren Merkmal die Gedankenfreiheit
ist", bemerkte Carlson.
"Die Hörer

der

'Stimme Amerikas'

�schalten uns ein, weil sie nach Informationen dürsten".
"Seit 45 Jahren hat ihnen die 'Stimme Amerikas'
das gegeben, was Amerikaner am meisten schätzen: die Möglichkeit, sich
selbst ihre Meinung zu bilden".

* * * * *

�AMERIKA DIENST
r/

U

^

Hintergrundmaterial

Ä«

4. März 1987

DIE ERKENNTNISSE UND EMPFEHLUNGEN DER TOWER-KOMMISSION
- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -

WASHINGTON - (AD) - Die folgenden Auszüge aus dem Bericht der Tower-Kommission, der am 26. Februar 1987 veröffentlicht wurde, beschäftigen sich mit
den in der Iran-Affäre begangenen Fehlern und geben Empfehlungen für die zukünftige Vorgehensweise.

WAS WURDE FALSCH
des Berichts)

GEMACHT

(Teil

IV

Die Iran-Initiative stand der Politik der Administration in bezug auf
den Terrorismus, den Krieg zwischen
Iran und Irak und die militärische
Unterstützung für Iran diametral entgegen. Dieser innere Widerspruch ist
nie gelöst worden. Weder wurden die
Konsequenzen daraus jemals in ihrer
ganzen Tragweite erwogen noch wurde
irgendeine Vorsorge getroffen.
Das
Gesamtergebnis bestand in einer amerikanischen Politik, die gegen sich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selbst gerichtet war.
Die Kommission ist der Überzeugung, daß das Versäumnis einer angemessenen Behandlung dieser Widersprüche größtenteils aus Fehlern im Entscheidungsfindungsprozeß
herrührte.
Die bestehenden Verfahren zur Fällung
nationaler
Sicherheitsentscheidungen
wurden außer acht gelassen. Überprüfungen
der Initiative
durch
alle
ständigen Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrats
fanden
zu
selten
statt. Die Initiativen wurden unterhalb der Kabinettsebene nicht aus-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�reichend geprüft. Nachrichtendienstliche Mittel wurden unzureichend genutzt.
Geltende
rechtliche
Einschränkungen wurden nicht ausreichend
berücksichtigt.
Die gesamte Angelegenheit wurde zu informell und ohne
ausreichende schriftliche Unterlagen
über das, was erwogen, diskutiert und
entschieden worden war, behandelt.
Dieses Muster blieb während der
gesamten Durchführung der Iran-Initiative bestehen. Die Mitglieder des
Nationalen Sicherheitsrats übernahmen
die unmittelbare operative Kontrolle.
Die Initiative fiel traditionell in
den Geschäftsbereich des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und des CIA. Diese Dienststellen wurden aber weitgehend ausgeschlossen. Großes Vertrauen wurde in
das Netz aus privaten Handlungsträgern und Mittelsmännern gesetzt. Die
Art und Weise der Durchführung dieser
Initiative erhielt von den ständigen
Mitgliedern
des Nationalen
Sicherheitsrats niemals die gebührende Aufmerksamkeit und wurde niemals auf Arbeitsebene eingehend überprüft. Eine
regelmäßige
Auswertung
der
Fortschritte der Initiative wurde nicht
durchgeführt. Das Ergebnis war eine
unprofessionelle und großenteils unbefriedigende Operation.
Während des gesamten Verfahrens
wurde der Kongreß niemals unterrichtet.
A.

Ein fehlerhaftes Verfahren

1. Es wurde eine widersprüchliche Politik verfolgt.
Die Waffenverkäufe an den Iran und die Unterstützung der Contras durch den Nationalen Sicherheitsrat zeigen die Risiken auf, die dann bestehen, wenn
hochkontroverse Initiativen insgeheim
verfolgt werden.

Waffenlieferungen
an den
Iran.
Die Initiative in Richtung Iran war
eine
verdeckte
Operation, die
zu
wichtigen und öffentlich verbreiteten
politischen Richtlinien der Regierung
unmittelbar
im
Widerspruch
stand.
Aber auch die Initiative selbst beinhaltete
einen grundlegenden Widerspruch. Zwei Ziele waren von Anfang
an offensichtlich: eine strategische
Öffnung zum Iran und die Freilassung
der amerikanischen Geiseln
im Libanon. Der Verkauf von Waffen an den
Iran schien ein Mittel zu sein, um
beide Ziele zu erreichen. Er spielte
aber auch denjenigen in die Hände,
die bei der Verstrickung der Vereinigten
Staaten
in ein Waffengeschäft mit dem Iran andere Interessen
verfolgten
einige
unter
ihnen
strebten nach persönlichem finanziellen Gewinn.
Tatsächlich war der Verkauf von
Waffen nicht beiden Zielen gleichermaßen zuträglich.
Der Iran wollte
Waffen.
Wenn alles, was die Vereinigten
Staaten
anstrebten,
die
Freilassung
der Geiseln war, dann
konnte ein Geschäft, bei dem Waffen
gegen Geiseln
ausgetauscht wurden,
den unmittelbaren Zielen beider Seiten dienen. Wenn aber das amerikanische Ziel in einem breiter angelegten strategischen Verhältnis bestand,
dann hätte der Verkauf von Waffen
erst dann erfolgen dürfen, nachdem
die
Elemente
dieses
Verhältnisses
konsolidiert
waren.
Ein Austausch
von Waffen gegen Geiseln konnte in
diesem Zusammenhang für die Erzielung
dieses
weitergefaßten
strategischen
Ziels kontraproduktiv wirken.
Was auch immer beabsichtigt war,
fast von Anfang an wurde die Initiative zu einer Serie von Tauschgeschäften Waffen gegen Geiseln.
Die
Waffenlieferung an den Iran von November 1985 war unmittelbar mit der

- 2 -

�Freilassung
von Geiseln
verbunden.
Ja, auch die Lieferung von August/September war möglicherweise nichts
anderes als ein Handel von Waffen gegen Geiseln. Bis zum 14. Juli 1985
war ein spezifischer Vorschlag für
den Verkauf von 100 TOW an den Iran
im Austausch gegen iranische Bemühungen zur Sicherstellung der Freilassung aller Geiseln dem Weißen Haus
übermittelt und mit dem Präsidenten
diskutiert worden. Was wirklich geschah, zumindest was die SeptemberLieferung
betraf, beinhaltete
eine
direkte Verbindung zwischen den Waffen und einer Geisel.

heitsrats.
Die
Aktivitäten
von
Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrats
zur
Unterstützung
der
Contras waren darauf ausgerichtet,
ein wichtiges außenpolitisches Ziel
der Administration zu erreichen. Der
Präsident hatte seiner Unterstützung
des nicaraguanischen Widerstandes öffentlich und nachdrücklich Ausdruck
verliehen. Dies brachte seine Politik in direkten Konflikt mit der des
Kongresses, zumindest in dem Zeitraum, in dem die direkte oder indirekte
Unterstützung
militärischer
Operationen
in Nicaragua
untersagt
war.

Es stimmt, daß, genaugenommen,
keine Waffen gegen die Geiseln getauscht wurden.
Die Waffen wurden
für Geld verkauft, und zwar an den
Iran, und nicht an die Terroristen,
in deren Gewalt sich die Geiseln befanden. Es war jedoch klar, daß der
Iran die Waffen kaufen wollte und daß
die amerikanische Bereitschaft zu ihrem Verkauf
immer wieder von der
Freilassung der Geiseln abhängig gemacht wurde.

Obwohl der Kommission nur beschränktes Beweismaterial zur Verfügung steht, scheinen keinerlei ernsthafte Anstrengungen gemacht worden zu
sein, um die mit einer direkten Unterstützung an die Contras angesichts
dieser Beschränkungen durch den Kongreß für den Präsidenten bestehenden
Risiken in den Griff zu bekommen.
Selbst wenn man argumentieren könnte,
daß diese Beschränkungen
technisch
die Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats nicht betrafen, bedeuteten diese Aktivitäten ein großes
politisches Risiko für den Präsidenten.
Der Anschein, daß die persönlichen Mitarbeiter
des Präsidenten
etwas taten, was der Kongreß anderen
Behörden zu tun verboten hatte, konnte, wenn diese Aktivitäten einmal an
die Öffentlichkeit gelangt waren, im
Kongreß einen Brand entfachen und die
gesamte Politik der Administration in
bezug auf die Contras bedrohen.

Die Kommission ist der Meinung,
daß eine strategische Öffnung zum
Iran möglicherweise im nationalen Interesse lag, daß aber die Vereinigten
Staaten sich niemals an Waffenlieferungen hätten beteiligen dürfen. Als
Tauschhandel
Waffen
gegen
Geiseln
konnten sie nur zur Schaffung eines
Anreizes
für
weitere
Geiselnahmen
beitragen. Als Verletzung des amerikanischen Waffenembargos mußten sie
die Hemmungen anderer Staaten, Waffen
an den Iran zu verkaufen, beseitigen.
Die Geschäfte Waffen gegen Geiseln
belohnten ein Regime, daß eindeutig
den Terrorismus und Geiselnahmen unterstützte.
Unterstützung
Mitarbeiter
des

der Contras durch
Nationalen
Sicher-

2.
Der
EntscheidungsfindungsprozeB war fehlerhaft.
Da die Waffenverkäufe an den Iran und die Unterstützung der Contras durch den Nationalen Sicherheitsrat sich vor einem
solch kontroversen
Hintergrund
abspielten, würde man erwarten, daß
die Entscheidungen zur Durchführung

- 3 -

�dieser Aktivitäten nur nach intensiven und gründlichen Erwägungen getroffen worden wären.
Tatsächlich
sieht das Bild ganz anders aus.
Waffenlieferungen
an den Iran.
Die Iran-Initiative wurde fast beiläufig und über informelle Kanäle behandelt, anscheinend immer mit der
Erwartung, daß das Vefahren durch den
nächsten Austausch von Waffen gegen
Geiseln sein Ende finden würde. Sie
wurde weder den allgemeinen Verfahren
für behördenübergreifende Angelegenheiten und die Überprüfung politischer Fragen noch den in der Nationalen Sicherheitsdirektive 159 enthaltenen restriktiveren Verfahrensweisen
zur Behandlung verdeckter Operationen
unterworfen.
Daraus
resultierten
mehrere Konsequenzen:
(i) Es bestand keine ausreichende Gelegenheit für eine vollständige
Anhörung vor dem Präsidenten.
Bei
jedem für die Iran-Initiative bedeutsamen Schritt hätten Beratungen zwischen den ständigen Mitgliedern des
Nationalen Sicherheitsrats in Anwesenheit des Präsidenten praktisch automatisch
erfolgen
müssen.
Dies
durfte keine formale, gesetzlich vorgeschriebene Bedingung sein. Stattdessen hätte dies von den ständigen
Mitgliedern
des Nationalen Sicherheitsrats erwünscht sein müssen als
ein Mittel, um ein optimales Umfeld
für das Urteil des Präsidenten sicherzustellen.
Den
Zusammenkünften
hätten Treffen der ständigen Mitglieder zur Prüfung von Studien vorausgehen müssen, die von ihren Mitarbeitern gemäß den im Falle von verdeckten Operationen anzuwendenden Verfahren zu erarbeiten waren. Diese Studien hätten die Vorgeschichte dieser
Initiative überprüfen, die anstehenden Probleme analysieren, eine Palette realistischer Optionen entwickeln
und Fragen der Umsetzung und Ausfüh-

rung behandeln sollen. Wäre dies geschehen, dann wären vielleicht die
Ziele
der
Iran-Initiative
klargestellt und Alternativen zum Verkauf
von Waffen erkannt worden.
(ii) Die Initiative wurde niemals einer rigorosen Überprüfung unterhalb der Kabinettsebene unterzogen.
Wegen der Geheimhaltungsbesessenheit wurde die behördenübergreifende Überprüfung der Initiative auf
die Kabinettsebene beschränkt.
Mit
Ausnahme der Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats und, nach dem 17.
Januar 1986, einer Handvoll CIA Mitarbeiter wurden die anderen Regierungsbehörden
großenteils
ausgeschlossen.
Dies führte dazu, daß die Initiative niemals auf der nachgeordneten
Ebene untersucht wurde. Dadurch wurden denjenigen, die für die Operation
verantwortlich
waren,
erhebliche
Sachkenntnis vorenthalten - zur Situation im Iran, zu den Schwierigkeiten von Verhandlungen mit Terroristen, von den Verfahrensweisen bei
der Durchführung einer diplomatischen
Öffnung.
Außerdem
wurde der Plan
deshalb nie einer harten, kritischen
Überprüfung unterzogen.
überdies
fand keine politische
Überprüfung der Initiative unterhalb
der Kabinettsebene statt. Eine sorgfältige Untersuchung auf Staatssekretär/Unter Staats Sekretär ebene
hätte
vielleicht das Durcheinander in den
Zielen der Vereinigten Staaten enthüllen und die Risiken einer Benutzung von Waffen als Instrument der
Politik in diesem Fall verdeutlichen
können.
Die einzige vom Präsidenten im
Zusammenhang mit der Iran-Initiative
offensichlich
eingesehenen
Arbeiten
von Mitarbeitern waren von Mitarbei-

�tern des Nationalen Sicherheitsrats
unter der Leitung des Nationalen Sicherheitsberaters
verfaßt
worden.
Diese waren aber die Hauptverfechter
der Initiative. Ein Teil dieser Studien nachgeordneter Mitarbeiter sind
von dieser Kommission geprüft worden.
Das auffälligste Ergebnis war dabei
das Versäumnis, die Bilanz vergangener Bemühungen zu präsentieren - insbesondere die Bilanz von Fehlschlägen.
Alternativvorschläge
für die
Erreichung der amerikanischen Ziele,
die keine Tauschgeschäfte von Waffen
gegen Geiseln vorsahen, wurden nicht
diskutiert. Oft wurden weder die bei
einer Weiterverfolgung der Initiative
bestehenden Risiken noch die volle
Tragweite abweichender Meinungen von
anderen
ständigen Mitarbeitern des
Nationalen Sicherheitsrats angemessen
vorgetragen.
Insgesamt
wurde
dem
Präsidenten kein guter Dienst erwiesen.
(iii) Das Verfahren war zu informell.
Der gesamte Entscheidungsprozeß war zu informell. Selbst wenn
Zusammenkünfte der ständigen Mitglieder
des Nationalen
Sicherheitsrats
stattfanden, wurde die Tagesordnung
meist nicht vorher
bekanntgegeben.
Anscheinend
wurden
keine
formellen
Sitzungsprotokolle
erstellt.
Vom
Präsidenten
nachfolgend
getroffene
Entscheidungen wurden nicht formell
aufgezeichnet.
Eine Ausnahme bildet
die Entscheidung vom 17. Januar, aber
selbst diese wurde anscheinend nicht
allen
wichtigen
Regierungsbeamten
mitgeteilt.
Das Ergebnis dieser Formlosigkeit
bestand darin, daß es der Initiative
an
formellen
institutionellen Aufzeichnungen mangelte.
Damit wurden
die Beteiligten daran gehindert, die
eingehenderen Analysen und Betrachtungen
durchzuführen,
die
durch
schriftliche
Aufzeichnungen
ermög-

licht werden, anstatt sich auf das
bloße Erinnerungsvermögen zu verlassen.
Es wurde dadurch erschwert,
festzustellen, was die Initiative erreicht hatte und Lektionen aus der
Vergangenheit zu lernen, die künftige
Handlungen
hätten
leiten
können.
Dieses Fehlen formeller Aufzeichnungen führte dazu, daß spezifische Vorschläge für Tauschgeschäfte von Waffen gegen Geiseln in einem Vakuum und
ohne Bezug auf frühere Vorschläge unterbreitet werden konnten. Hätte zur
irghendeinem
Zeitpunkt eine Untersuchung
und eingehende Überprüfung
der
Iran-Initiative
stattgefunden,
dann wäre es sehr schwierig gewesen,
sie durchzuführen.
Die Kommission
kann aus erster Hand bezeugen, wie
schwierig es ist, bei Fehlen solcher
Aufzeichnungen
eine
Überprüfung
durchzuführen.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats.
Es ist unklar, wie die
Beteiligung von Oberstleutnant North
an Aktivitäten zur direkten Unterstützung der Contras in der Zeit des
vom Kongreß erlassenen Verbots ihren
Anfang nahm.
Zu diesem Punkt stand
der Kommission nur wenig Beweismaterial zur Verfügung.
In dem erhältlichen
Beweismaterial
findet
sich
nirgends eine Andeutung, daß Oberstleutnant Norths Aktivitäten in irgendeinem Forum mit dem Präsidenten
diskutiert worden wären. Es scheint
auch keinerlei behördenübergreifende
Überprüfung
der
Aktivitäten
des
Oberstleutnant North stattgefunden zu
haben.
Wenn diese Aktivitäten ungesetzlich waren, dann hätten sie natürlich
nicht
durchgeführt
werden
dürfen.
Wenn irgendwelche Zweifel dazu bestanden, dann hätte man sich zunächst
systematisch rechtskundig machen sollen.
Die politischen Kosten einer

- 5 -

�ungesetzlichen Handlungsweise des Nationalen Sicherheitsrats für den Präsidenten waren besonders hoch, weil
die Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats sowohl persönliche Mitarbeiter
des Präsidenten sind wie
auch aufgrund der Tatsache, daß in
der Vergangenheit
mit dem Kongreß
ernste Konflikte in bezug auf die Unterstützung
der Contras bestanden.
Aus diesen Gründen hätte man den Präsidenten über eine Untersuchung der
Rechtmäßigkeit
von
Oberstleutnant
Norths Aktivitäten informieren müssen.
3. Die Durchführung war unprofessionell.
Die Art und Weise, in
der die Iran-Initiative durchgeführt
wurde und Oberstleutnant North die
Unterstützung der Contras umsetzte,
glichen sich sehr. Dies rührt weitgehend daher, daß dieselben Personen
daran beteiligt waren.
In beiden
Fällen waren die Operationen unprofessionell, obwohl die Kommission in
bezug auf Oberstleutnant Norths Aktivitäten nur wenig Beweismaterial besitzt.
Waffenlieferungen
an den Iran.
Mit Unter zeichung der Entscheidung
vom 17. Januar wurde die Iran-Initiative eine von Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrats gesteuerte Operation der Vereinigten Staaten. Die
meisten bedeutsamen operativen Entscheidungen wurden von Oberstleutnant
North getroffen. Er führte die Operation mit Hilfe von Mr. Secord und
dessen Partnern durch, einem Netz von
Privatpersonen, die
schon
an der
Nachschuboperation
für die Contras
beteiligt waren. Dazu kamen noch eine Handvoll ausgewählter Mitarbeiter
des CIA.
Da nur wenige Personen von den
verschiedenen Ministerien und Behörden von der Initiative informiert waren, schottete Oberstleutnant North
- 6

sich von innerhalb der Regierung vorhandenen Ressourcen und Sachkenntnissen ab. Stattdessen verließ er sich
auf eine Reihe privater Mittelsmänner, Geschäftsleute und Finanzmakler,
auf private Handlungsträger und Iraner,
die
den Vereinigten
Staaten
feindlich
gesonnen
waren.
Einige
dieser Personen hatten einen zweifelhaften Ruf und besaßen an den Transaktionen
möglicherweise ein großes
finanzielles Interesse. Dadurch wurden die Transaktionen unnötigerweise
kompliziert und verleiteten zur Zahlung von Schmiergeldern und Provisionen.
Dieses Arrangement führte außerdem zu einem drastischen Anstieg
der Risiken, daß etwas von dieser
Initiative durchsickern könnte. Und
trotzdem wurde für diesen möglichen
Fall keine Vorsorge getroffen.
Die
Benutzung von Mr. Secords privatem
Netz in der Iran-Initiative führte
dazu, daß die daran Beteiligten mit
dem Nachschub für die Contras verbunden wurden und beinhaltete die Drohung einer Preisgabe beider Operationen, falls eine davon an die Öffentlichkeit drang.

Das Ergebnis war eine sehr unprofessionelle Operation.
Die Durchführung der Initiative
wurde niemals einer eingehenden Überprüfung unterzogen.
Anscheinend hat
Oberstleutnant
North
Vize-Admiral
Poindexter
über
seine
Aktivitäten
voll in Kenntnis gesetzt.
Außerdem
scheinen
Vize-Admiral
Poindexter,
Oberstleutnant North und die beteiligten CIA-Mitarbeiter Direktor Casey
über viele der operativen Einzelheiten
informiert
zu
haben.
Aber
Oberstleutnant North und seine Operation scheinen sich weitgehend außerhalb der Kreise der amerikanischen
Regierung bewegt zu haben. Ihre Aktivitäten wurden keinerlei kritischen

�Überprüfungen unterzogen.
Nach der ersten Geiselfreilassung
im September 1985 dauerte es über 10
Monate bis zur Freilassung der nächsten Geisel. Und dies trotz wiederholter Versprechen der
Freilassung
aller Gefangenen und vier dazwischenliegender
Waffenlieferungen.
Seit
der Lieferung vom November bemächtigten sich die Vereinigten Staaten zunehmend der Leitung dieser Operation.
Im Januar 1987 beschlossen sie, Waffen direkt an den Iran zu liefern.
Jede dieser Entwicklungen hätte
ein nützlicher Anlaß sein können, um
die Initiative einer nochmaligen systematischen Prüfung zu unterwerfen.
Zumindest einer der Pläne beinhaltete
eine
Vorkehrung
zur
Überprüfung,
falls sich die anfänglichen Annahmen
als ungültig herausstellen sollten.
Es lag in der Verantwortung des Nationalen Sicherheitsberaters und der
verantwortlichen Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats, eine solche
Überprüfung anzuordnen.
Diese waren
jedoch als Befürworter und Ausführende selbst zu sehr an der Initiative
beteiligt.
Dadurch war es unwahrscheinlich, daß sie die Art von Überprüfung initiieren würden, wie sie
hätte unternommen werden sollen.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrats.
Wie schon
festgestellt
wurde, waren die Aktivitäten des Nationalen Sicherheitsrats zur Unterstützung der Contras und seine Rolle
in der Iran-Initiative eng miteinander verwoben.
Im ersten Fall ergab
sich noch ein zusätzliches Element
durch die Intervention Oberstleutnant
Norths in die zollamtlichen Ermittlungen nach dem Absturz des SAT-Flugzeuges.
Auch in diesem Fall waren
ausgewählte CIA-Mitarbeiter
Oberstleutnant North direkt unterstellt.

Das der Kommission vorgelegte begrenzte Beweismaterial machte deutlich, daß die Maßnahmen zur Unterstützung der Contras nahezu ebenso
unsachgemäß gehandhabt worden waren
wie die Geschäfte mit dem Iran.
(iv)
Der Kongreß wurde überhaupt nicht informiert. - Der Kongreß
wurde weder von der Iran-Initiative
noch von den Aktivitäten der Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats
zur
Unterstützung
der
Contras
in
Kenntnis gesetzt.
Da die Freilassung der Geiseln
unmittelbar nach der Lieferung des
Kriegsgeräts erwartet wurde und die
Informierung der Öffentlichkeit die
Operation gestört und die Geiseln
eventuell gefährdet hätte, konnte man
in der Iran-Affäre dahin gehend argumentieren, daß es gerechtfertigt war,
die Benachrichtigung des Kongresses
bis nach der ersten Waffenlieferung
an den Iran zu verschieben. Es war
offensichtlich geplant, den Kongreß
zu informieren, unmittelbar nachdem
die Geiseln sicher in den Händen der
Amerikaner waren. Nachem jedoch mit
der ersten Lieferung nicht alle Geiseln freigekauft werden konnten und
jeder Plan zur Befreiung der Geiseln
immer wieder durch einen anderen ersetzt wurde, hätte der Kongreß auf
jeden Fall informiert werden müssen.
(v)
Rechtliche Probleme. - Der
Verkauf von Waffen an den Iran, der
im Widerspruch
zu den politischen
Prinzipien
der Vereinigten
Staaten
stand, warf ebenfalls weitreichende
rechtliche Fragen auf. Deren Behandlung ist wesentlich für eine Auswertung der Iran-Initiative.
Waffenlieferungen an den Iran. Die Anfangsphase der Waffenlieferungen in der Iran-Initiative umfaßte

- 7 -

�den Verkauf und die Verschiffung von
Raketen amerikanischer Herkunft durch
Israel.
Eine solche internationale
Weitergabe von Waffen, die nach der
amerikanischen Gesetzgebung genehmigt
werden muß, ist Bestandteil des Gesetzes über die Kontrolle von Waffenexporten.
Dieses Gesetz erfordert
die Zustimmung des Präsidenten zu jedem Transfer von gemäß diesem Gesetz
exportierten Waffen durch ein anderes
Land und legt drei Voraussetzungen
fest, die vor der Zustimmung des Präsidenten erfüllt sein müssen:
a) die Vereinigten Staaten werden
die fraglichen Waffen selbst in das
Empfängerland transferieren;
b) eine schriftliche Verpflichtungserklärung vom Empfängerland gegen die nicht genehmigten Weitergabe
von bedeutenden Waffensystemen, wie
zum Beispiel Raketen, liegt vor; und
c) dem Kongreß wird eine vorherige schriftliche Bestätigung in bezug
auf die Weitergabe vorgelegt, wenn
der Anschaffungswert von Verteidigungsgerät wie Raketen 14 Millionen
Dollar übersteigt.
Das Gesetz erlegt zusätzlich allgemeine
Beschränkungen
bezüglich
der Länder auf, die als Empfänger
amerikanischer Waffen in Frage kommen
sowie über den Zweck der Waffenverkäufe. Ein weiterer möglicher Kanal,
über
den Waffenlieferungen an den
Iran vom Gesetz gedeckt sein könnten,
bestünde im Zusammenhang mit nachrichtendienstlichen
Operationen
im
Rahmen des Gesetzes zur Nationalen
Sicherheit.
Ob die Beteiligung der Vereinigten Staaten an den Waffenlieferungen
durch die Israelis mit dem Gesetz in
Einklang stand, hängt im wesentlichen
davon ab, ob der Präsident seine Zu-

stimmung zu den Transaktionen gegeben
hatte, bevor diese stattfanden. Lag
die Zustimmung des Präsidenten nicht
vor, haben die Vereinigten Staaten
keine Genehmigung zu einer Beteiligung an einem Waffentransfer oder einer
Einwilligung
zu dem
Transfer
durch ein anderes Land gegeben. Die
Waffenlieferungen an den Iran im Jahr
1985 und die daraus resultierende
Iran-Initiative selbst standen damit
im Widerspruch zur Gesetzgebung der
Vereinigten Staaten.
Der Kommission gelang es nicht,
ein schlüssiges Urteil darüber zu
fällen, ob die Waffenlieferungen an
den Iran von 1985 vorher vom Präsidenten genehmigt worden waren. Unter
Berücksichtigung aller Faktoren kam
die Kommission jedoch zu dem Schluß,
daß die vorherige Zustimmung des Präsidenten glaubhaft erscheint.
Selbst wenn der Präsident in gewisser Weise seine Einwilligung oder
Zustimmung zu dem Geschäft gegeben
hat,
bleibt
eine
schwerwiegende
Rechtsfrage noch offen. Es ist nicht
geklärt, ob die Form der Genehmigung
für die Zwecke des Gesetzes über die
Kontrolle von Waffenexporten oder des
Hughes-Ryan Zusatzartikels ausreichte.
Die Einwilligung erfüllte die
Bedingungen
des Gesetzes über die
Kontrolle von Waffenexporten nicht,
insbesondere
angesichts
der
nicht
vorliegenden vorherigen schriftlichen
Verpflichtungserklärung
det
Iraner
über die nicht genehmigte Weitergabe.
Das Gesetz zur Nationalen Sicherheit klärt nicht zweifelsfrei, ob die
nur mündliche Genehmigung des Präsidenten als Entscheidung des Präsidenten dafür angesehen werden darf, daß
die Initiative für die nationalen Sicherheitsinteressen
der
Vereinigten
Staaten unabdingbar war. Die Genehmigung wurde zu keiner Zeit schrift-

�lieh verfügt.
Sie scheint auch nur
an eine Person übermittelt worden zu
sein. Der Präsident selbst kann sich
nicht daran erinnern. Und die Berater des Präsidenten machten widersprüchliche Aussagen über die Reaktion des Präsidenten, als er von den
Waffenlieferungen in Kenntnis gesetzt
wurde, die sich auf diese Genehmigung
stützten.
Darüber hinaus wurde die
erforderliche
Benachrichtigung
des
Kongresses
außer
acht
gelassen.
Selbst wenn der Präsident das Geschäft genehmigt hatte, ist es angesichts dieser Umstände schwierig, zu
der Schlußfolgerung zu kommen, daß
sein
Handeln
eine
entsprechende
Rechtsbefugnis begründete.
In der Entscheidung des Präsidenten vom 17. Januar 1986 wurde die
Iran-Initiative gemäß dem Gesetz zur
Nationalen
Sicherheit
formell
als
eine verdeckte Operation des Nachrichtendienstes
genehmigt.
Damit
wurde
die
Unsicherheit
über
den
Rechtsstatus der Initiative beseitigt
und die Rechtsgrundlage für die Vereinigten Staaten geschaffen, um Waffen direkt an den Iran zu liefern.
Das Gesetz zur Nationalen Sicherheit erfordert auch die Benachrichtigung des Kongresses über verdeckte
nachrichtendienstliche
Aktivitäten.
Erfolgt
die Benachrichtigung
nicht
vorher, dann zumindest "zu einem angemessenen Zeitpunkt".
In der Entscheidung des Präsidenten vom 17. Januar wurde verfügt, daß die Benachrichtigung des Kongresses aufgeschoben werden sollte und diese Entscheidung scheint zu keinem Zeitpunkt neu
überdacht worden zu sein.
Während
die zeitweilige Aufhebung der Benachrichtigung des Kongresses vor besonderen, mit der Befreiung von Geiseln
in Zusammenhang stehenden Verhandlungen
sicherlich
gerechtfertigt war,
sollte das Gesetz jedoch eine Offen-

barung in Fällen vorsehen, bei denen
über einen längeren Zeitraum ein gewisser stillstand der Ereignisse, wie
in der Iran-Affäre, eingetreten ist.
Eine andere Verhaltensweise würde den
Kongreß von der Wahrnehmung seiner
wirklichen Aufsichtsbefugnis abhalten.
Unterstützung der Contras durch
Mitarbeiter
des Nationalen
Sicherheitsrates. - Die Unternehmungen von
Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates
zur
Unterstützung
der
Contras waren von derselben Unsicherheit bezüglich der Rechtsbefugnis und
demselben Mangel an Rechtsempfinden
gekennzeichnet, die auch in der IranInitiative vorherrschten.
Die Doppeldeutigkeit der Gesetzgebung, mit
der die Maßnahmen zur Unterstützung
der Contras geregelt wurden, stellten
eine größere Herausforderung dar als
selbst das komplexe Gefüge der Gesetze, die den Waffentransfer regeln.
Umfassende und genaue Überprüfung der
von Mitarbeitern des Nationalen Sicherheitsrates für die Contras vorgenommenen
Unterstützungsmaßnahmen
durch den Kongreß trieben die potentiellen Kosten der Unternehmungen zusätzlich in die Höhe, die bereits die
Schranken des Gesetzes über Gebühr
strapazierten.
Angesichts dieser Umstände hätten
die Angehörigen des nationalen Sicherheitsrates
besonders
vorsichtig
vorgehen sollen, jegliche Operationen
auf
diesem
Gebiet
verhindern
und
Rechtsbeistand
suchen müssen.
Die
Kommission konnte keinerlei Anzeichen
einer solchen zurückhaltenden Vorgehensweise erkennen.
B.
Scheitern der Verantwortung.
Der Führungsstil des Präsidenten
ist dadurch gekennzeichnet, daß er
die Hauptverantwortung für die Überarbeitung und Durchführung der politischen Richtlinien seinen Beratern

- 9 -

�•

überträgt. Angesichts einer so komplexen, mit hohen Risiken verbundenen
Operation, bei der so viel auf dem
Spiel stand, hätte der Präsident jedoch sicherstellen müssen, daß das
System des Nationalen Sicherheitsrates nicht versagte. Er richtete seine Politik nicht darauf aus, die außerordentlich
kritische
Überprüfung
vorzunehmen, zu der die Beteiligten
vom Nationalen Sicherheitsrat und das
Verahren an sich fähig waren. Er bestand zu keinem Zeitpunkt auf einer
Offenlegung der Fakten und einer Leistungsanalyse.
Wäre der Präsident
anhand des Systems des Nationalen Sicherheitsrates vorgegangen, hätte das
Ergebnis sicherlich ganz anders ausgesehen.
So wie die Dinge lagen,
wurden jedoch die bedeutendsten Kriterien des Systems des Nationalen Sicherheitsrates - Erstellen umfassender Analysen, Alternativen und Nachprüfungen - nicht in Anspruch genommen.
Die Kommission stellte die nahezu
einhellige Meinung der Beteiligten
aus
dem
Nationalen
Sicherheitsrat
darüber fest, daß die Priorität des
Präsidenten
in der
Iran-Initiative
auf der Freilassung der amerikanischen Geiseln lag.
Prioritäten zu
setzen ist jedoch nicht genug bei der
Abwicklung
sicherheitsempfindlicher
und
risikoreicher
initiativen, die
unmittelbare Auswirkungen auf die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten haben. Der Präsident muß dafür Sorge tragen, daß Inhalt und Taktik einer Initiative sich mit seinen
Prioritäten und Zielsetzungen decken.
Er muß auf der Offenlegung der Fakten
bestehen. Denn der Präsident muß die
Verantwortung für das System des Nationalen Sicherheitsrates übernehmen
und sich mit den Konsequenzen auseinandersetzen.
Die ständigen Mitglieder

des Na-

tionalen Sicherheitsrates und der Nationale
Sicherheitsberater
müssen
sich zusammen mit dem Präsidenten die
Verantwortung für das System des Nationalen Sicherheitsrates teilen.
Präsident
Reagans
persönlicher
Führungsstil überträgt seinen wichtigsten Beratern eine besonders große
Verantwortung.
Da sie mit seinem
Führungsstil vertraut waren, hätten
sie die Art und Weise, in der sich
die Initiative für den Waffenverkauf
entwickelte und ihren Fortgang nahm,
besonders berücksichtigen und ihr gezielte Aufmerksamkeit widmen müssen.
Bei dieser Angelegenheit haben weder
der Nationale Sicherheitsberater noch
die wichtigsten Beauftragten des Nationalen
Sicherheitsrates
besonders
gut abgeschnitten.
Als Angehörige und Berater des
Rates ist es ihre Aufgabe, sicherzustellen, daß dem Präsidenten diese
Dienste erschöpfend zur Verfügung gestellt werden.
Die wichtigsten Untergebenen
des
Präsidenten
dürfen
nicht davon abgehalten werden, den
Präsidenten zu drängen, einen höchst
fragwürdigen Kurs nicht einzuschlagen, selbst wenn er persönlich absolut vom Gegenteil überzeugt ist.
Im Fall der Iran-Initiative war
das Verahren des Nationalen Sicherheitsrates nicht zum Scheitern verurteilt, sondern er wurde im großen und
ganzen ignoriert. Der Nationale Sicherheitsberater
und die ständigen
Mitglieder
des
Nationalen
Sicherheitsrates hatten gleichermaßen die
Aufgabe, dieses Thema zur Sprache zu
bringen und auf der Anordnung eines
ordentlichen Verfahrens zu bestehen.
Keiner von ihnen tat dies.
Mr. Reagan teilt diese Verantwortung. Mehr als fast jeder Stabschef
in der jüngeren Geschichte, übte er

- 10 -

�persönliche Kontrolle über die Mitarbeiter des Weißen Hauses aus und versuchte, diese Kontrolle auf den Nationalen Sicherheitsberater auszudehnen. Er spielte eine aktive Rolle in
Angelegenheiten
der
nationalen Sicherheit und nahm an fast allen wichtigen Sitzungen über die Iran-initiative teil. Er hätte ebenso wie jeder
andere darauf bestehen müssen, daß
ein
ordentlicher
Verfahrensablauf
eingehalten wird. Vor allem er hätte
darüber hinaus sicherstellen müssen,
daß Pläne für den Fall einer öffentlichen Enthüllung der Initiative gemacht wurden. Er muß die Hauptverantwortung für das im Weißen Haus
durch
diese Enthüllung
entstandene
Chaos übernehmen.
Mr.
McFarlane
schien
zwischen
einem die Initiative unterstützenden
Präsidenten und Kabinettsmitgliedern
zu stehen, die sie energisch ablehnten. Obwohl er versuchte, diese Kabinettsmitglieder auf dem laufenden
zu halten, haben einige davon der
Kommission mitgeteilt, daß ihm dies
nicht immer gelungen sei. Vizeadmiral Poindexter hat bei einigen Gelegenheiten anscheinend versucht, den
ständigen Mitgliedern des Nationalen
Sicherheitsrats,
mit
Ausnahme
des
Präsidenten, Informationen über die
Initiative vorzuenthalten.
In einem
oder mehreren Fällen ist Außenminister shultz von Vizeadmiral Poindexter vielleicht sogar absichtlich in
die Irre geführt worden.
Vizeadmiral Poindexter hat außerdem bei der Umleitung von Geldern an
die Contras gravierende Fehler begangen. Die Beweise deuten darauf hin,
daß Poindexter über die Umleitung Bescheid wußte und trotzdem nicht die
angesichts der schwerwiegenden Natur
dieses Schritts erforderlichen Maßnahmen ergriff.
Offensichtlich hat
er die ernsten rechtlichen und poli-

tischen Risiken nicht berücksichtigt
oder völlig ignoriert. Seine Pflicht
bestand eindeutig darin, die Angelegenheit entweder zu untersuchen oder
sie dem Präsidenten
vorzutragen
oder beides. Er tat nichts dergleichen.
Direktor Casey teilte diese
Pflicht.
Die Beweise deuten darauf
hin, daß er fast einen Monat bevor
die Geschichte an die öffentlichkeit
drang über die mögliche Umleitung von
Geldern an die Contras informiert
wurde. Auch er unternahm nichts, um
den Präsidenten unverzüglich hiervon
in Kenntnis zu setzen. Und doch war
es eindeutig seine Pflicht, dies zu
tun.
Für die ständigen Mitglieder des
Nationalen Sicherheitsrates neben dem
Präsidenten mag man die Entschuldigung gelten lassen, daß der Nationale
Sicherheitsberater der Notwendigkeit
nicht genügend Aufmerksamkeit widmete, alle ständigen Mitglieder in vollem Umfang zu informieren.
Angesichts der Bedeutung dieses Themenkomplexes und der damit verbundenen
eklatanten
politischen
Differenzen,
distanzierten sich jedoch Außenminister shultz und insbesondere Verteidigungsminister Weinberger vom Verlauf der Ereignisse.
Außenminister
Shultz hatte ausdrücklich nur um Informationen gebeten, die für die Ausübung
seiner Tätigkeit
unerläßlich
waren.
Verteidigungsminister
Weinberger hatte über die Informationskanäle der Nachrichtendienste Zugang zu
Einzelheiten über die Operation. Ihre Aufgabe lag in der vollen Unterstützung und ständigen Beratung des
Präsidenten über das Programm oder
darin,
den
Präsidenten
davon
in
Kenntnis zu setzen, wenn sie dies
nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren
konnten.
stattdessen
distanzierten
sie sich schlicht von dem Programm.
Was ihre eigene Position zu diesem
Thema anging, waren sie bestrebt, ihr

- 11 -

�Gesicht zu wahren.
Sie versuchten
nicht energisch, den Präsidenten vor
den Folgen seines persönlichen Engagements zur Befreiung der Geiseln zu
bewahren.
Direktor Casey scheint in beträchtlichem Umfang über die Einzelheiten des Irangeschäftes informiert
gewesen zu sein. Er hat anscheinend
seine Einwilligung zur Ausübung direkter operativer Kontrolle über das
Geschäft
durch
North
gegeben
und
scheint diese noch ermutigt zu haben.
Aufgrund der Nähe der Angehörigen des
Nationalen Sicherheitsrates zum Präsidenten und der absoluten Identifizierung mit ihm, erhöhte sich das Risiko für den Präsidenten, falls die
Initiative öffentlich bekannt oder
das Geschäft scheitern würde.
Es gibt jedoch keinerlei Beweise
dafür, daß Direktor Casey dem Präsidenten dieses Risiko erläuterte oder
ihm verdeutlichte, daß Oberstleutnant
North und nicht der CIA das Geschäft
leitete.
Der Präsident kann sich
nicht erinnern, je über diese Tatsache informiert worden zu sein. Direktor Casey hätte in Wirklichkeit
noch weitergehen und auf der Übergabe
der Verantwortung an den CIA bestehen
müssen.
C.
Die Rolle der Israelis. Selbst wenn die israelische Regierung
aktiv an dem Beginn der Initiative
und deren Fortdauer mitgewirkt hat,
ist die Regierung der Vereinigten
Staaten für ihre eigenen Entscheidungen verantwortlich.
Die wichtigsten
Teilnehmer an den amerikanischen Beratungen führten das Argument an, daß
die israelischen Interessen und Zielsetzungen von denen der Vereinigten
Staaten abwichen und zum Teil im Widerspruch dazu standen.
obwohl Israel mit Angehörigen der amerikanischen Regierung verhandelte, von de-

nen man annehmen konnte, daß sie der
Initiative positiv gegenüberstanden,
beinhaltet diese Tatsache an sich
nichts Ungehöriges.
Die Entscheidungsträger der amerikanischen Politik treffen ihre eigenen Entscheidungen und müssen die Verantwortung für
die Konsequenzen tragen.
D. Das Nachspiel - Die Bemühungen, die Geschichte zu veröffentlichen
Nach den ersten Andeutungen Ende
Oktober 1986 darüber, daß die Reise
von McFarlane bald öffentlich bekannt
würde, überstürzten sich die Informationen in der Presse über die IranInitiative und das Geschäft mit den
Contras. Die verschleierte Andeutung
geheimer
Aktivitäten,
willkürliche
und wahllose Enthüllungen von Informationen aus einer Vielzahl gutunterrichteter und anderer Quellen sowie
die widersprüchlichen Aussagen hochrangiger
Beamter
vermittelten
der
amerikanischen
öffentlichkeit
ein
verwirrendes
Bild.
Die Kommission
erkannte, daß Widersprüche in den aktuellen Dokumenten und Aussagen Beunruhigung daüber hervorrief, wie die
öffentlichen
Darlegung
der
Fakten
über die Iran-Initiative gehandhabt
werden sollte, obwohl die Kommission
einige Beweismittel für die Ereignisse nach deren Bekanntgabe überprüfte,
bleiben unsere Möglichkeiten zur Kommentierung dieser Ereignisse begrenzt.
Die Kommission fand Beweise dafür, daß der Präsident unmittelbar
nach der Veröffentlichung die Bekanntgabe allzu vieler Besonderheiten
oder Einzelheiten aus Sorge um die
noch
im Libanon
gefangengehaltenen
Geiseln und die Iraner, die zur Unterstützung der Initiative beigetragen hatten, verhindern wollte.
Wir
sind der Überzeugung, daß er damit
nicht die Absicht hatte, die amerikanische öffentlichkeit irrezuführen

- 12 -

�oder
gesetzeswidriges Verhalten zu
beschönigen.
Spätestens am 20. November
unternahm
der
Präsident
Schritte, um sicherzustellen, daß alle Pakten bekannt würden. Angefangen
mit dem Auftrag des Präsidenten an
Mr. Meese, den Hintergrund der Initiative zu erforschen bis hin zu der
Benennung der Kommission durch ihn,
seiner Bitte um einen unabhängigen
Berater und seiner Bereitschaft, diese Angelegenheit in vollem Umfang zu
besprechen und seine persönlichen Notizen mit uns durchzusehen, ist die
Kommission davon überzeugt, daß der
Präsident tatsächlich die ganze Geschichte veröffentlicht sehen möchte.
Diejenigen, die das Hintergrundmaterial für den Präsidenten zusammenstellten, schienen, zumindest anfänglich, den höchsten Wunsch des
Präsidenten
nicht
zu teilen.
Mr.
McFarlane beschrieb für die Kommission das von den Angehörigen des Nationalen Sicherheitsrates angewandte
Verfahren, um eine Chronologie zu erstellen, die entscheidenden Tatsachen
verschleierte.
Mr. McFarlane wirkte
an dieser Chronologie mit, die, wie
er sagte, nicht "eine umfassende und
völlig genaue Wiedergabe" der Ereignisse darstellte und die Rolle des
Präsidenten
doppeldeutig
erscheinen
ließ.
Nach den Aussagen von Mr.
McFarlane war dies gemacht worden, um
den Präsidenten von dem Zeitpunkt und
Inhalt der Genehmigung durch den Präsidenten zu distanzieren. Er teilte
der Kommission mit, daß er am 18. November
ein
Memorandum
geschrieben
hatte, das, in seinen Worten, versuchte, "die Motive des Präsidenten
zu beschönigen". Diese Version wurde
in der Chronologie festgehalten. Mr.
McFarlane sagte der Kommission, daß
der Bericht seines Wissens nach "mindestens irreführend und schlimmstenfalls falsch" sei.
Mr. McFarlane
teilte der Kommission weiterhin mit,

daß er dem Justizminister einen genauen Bericht über die Rolle des Präsidenten gegeben hatte.
Die Kommission hatte ausreichend
Grund, die Handlungen von Oberstleutnant North im Anschluß an die Veröffentlichung in Frage zu stellen. Die
Kommission
hat keine bestätigenden
oder widerlegenden Beweismittel, daß
Oberstleutnant North die Dokumente
über die Initiative in dem Bestreben
zerstörte, die Tatsachen vor dem angedrohten
Ermittlungsverfahren
zu
verheimlichen.
Die Kommission fand
Anzeichen dafür, daß Oberstleutnant
North über einen bestimmten Zeitraum
hinweg bestrebt war, wichtige Informationen zu verheimlichen oder vorzuenthalten. Die Akten von Oberstleutnant North enthielten einen Großteil
der historischen Dokumentation, auf
die sich die Darstellung der Kommission
gründet.
Darüberhinaus
war
Oberstleutnant North der wichtigste
Beamte der amerikanischen Regierung,
der mit den Einzelheiten der Operation vertraut war.
Die von ihm erstellte Übersicht
weist zahlreiche Ungenauigkeiten auf.
Diese "Unterlagen" sollten als Grundlage der "ganzen" Geschichte über die
Iran-Initiative dienen. Die Ungenauigkeiten liefern einige Beweise für
die Annahme, daß Oberstleutnant North
entweder von sich aus oder auf Geheiß
anderer Personen aktiv danach strebte, wichtige Informationen zu verbergen.
Aus Sorge um den Schutz vertraulicher Dokumente sollten (CIA-)Direktor Casey und Vizeadmiral Pointdexter
nur
die
Geheimdienstausschüsse
im
Kongreß von der "ganzen" Geschichte
unterrichten; Casey vor den Ausschüssen selbst und Poindexter in Einzelgesprächen mit dem Vorsitzenden und
dem stellvertretenden Vorsitzenden.

- 13 -

�Das geschah am 21. November 1986.
Aus der Kopie der Aussagen Caseys und
der Notizen der Zusammenkünfte Poindexters geht hervor, daß sie nicht
voll und ganz die Ereignisse, so wie
sie abgelaufen sind, wiedergegeben
haben.
Das Ergebnis ist der verständliche Eindruck, daß sie nicht
sehr entgegenkommend waren.
Die Kommission ist ferner über
verschiedene augenscheinlich fehlende
Notizen besorgt. Poindexter war der
offizielle Protokollführer bei Zusammenkünften, denen eine Schlüsselfunktion zukam, und dennoch gibt es von
diesen Treffen
keine Mitschriften.
Wenn sie geschrieben wurden, könnten
sie sehr wichtige Informationen enthalten. Wir können jedoch nicht herausfinden, ob sie existieren.

EMPFEHLUNGEN

(Teil V des Berichts)

Während letztlich die Macht zur
Formulierung
der Innenpolitik
beim
Kongreß liegt, kommt dem Präsidenten
primär die Pflicht der Formulierung
und Anwendung der Politik zur nationalen Sicherheit zu.
Es ist der Präsident, von dem in
diesem Bereich normalerweise Innovationen und Anregungen ausgehen. Die
Ministerien und Behörden - die Bürokratien von Verteidigungsministerium,
Außenminister iura und CIA - neigen dazu, sich einem Wandel in der Politik
entgegenzustellen. Jede hat ihre eigene Sichtweise, die sich auf lange
Erfahrung gründet. Es ist eine Herausforderung
für
den
Präsidenten,
diesen Behörden seine Perspektive näherzubringen, weil sie seine Instrumente zur Durchführung der Politik
zur nationalen Sicherheit sind und er
mit ihnen zusammenarbeiten muß. Er
muß die Führungsrolle übernehmen und
ihnen die Richtung weisen.

Das Gesetz zur nationalen Sicherheit (National Security Act) von 1974
und das unter ihm gewachsene System
geben dem Präsidenten wichtige Instrumente an die Hand, mit deren Hilfe er seine wichtige Rolle wahrnehmen
kann. Diese Instrumente sind der Nationale Sicherheitsrat (NSC), der Nationale
Sicherheitsberater
und die
Mitarbeiter des NSC. Mit deren Hilfe
üben die vom Präsidenten ausgehenden
kreativen Impulse Einfluß auf die Regierung aus. Das Gesetz zur nationalen Sicherheit und das Gewohnheitsrecht geben dem Präsidenten
einen
breiten Spielraum, um zu bestimmen,
wie diese Mittel eingesetzt werden
sollten.
Organisation der nationalen Sicherheit.
Wegen des im Gesetz zur
nationalen Sicherheit gewährten breiten Spielraums trägt der Präsident
eine besondere Verantwortung für die
wirkungsvolle
Leistung
des NSC-Systems.
Der Präsident muß zunächst
einmal für die Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrates, seinen Sicherheitsberater und das Personal des
NSC
Leitlinien
aufstellen.
Diese
Richtlinien müssen, wenn sie wirkungsvoll sein sollen, Einzelheiten
darüber enthalten, in welchem Zusammenhang sie stehen, welche Verfahrensweisen angewandt werden und was
der Präsident von ihnen erwartet.
Wenn seine Berater nicht das leisten,
was von ihnen verlangt wird, kann nur
der Präsident eingreifen.
Die ständigen Mitglieder im Nationalen
Sicherheitsrat
außer
dem
Präsidenten haben im Rat eine einzigartige Funktion.
(N.B.:
Laut Satzung sind die
ständigen Mitglieder des Nationalen
Sicherheitsrates der Präsident, der
Vizepräsident, der Außenminister und

�der Verteidigungsminister.
Mit dem
Terminus "ständige Mitglieder im Nationalen
Sicherheitsrat"
bezeichnet
der Rat in der Regel diese vier satzungsgemäßen
Mitglieder
sowie
den
Direktor des Geheimdienstes und den
Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs.)
Obwohl sie aufgrund ihrer offiziellen Stellung einen sitz in der
Regierung innehaben, sind sie im Rat
nicht
als
Regierungsmitglied
oder
Chef des Ministeriums vertreten, sondern als Berater des Präsidenten.
Sie sollen nicht einfach die jeweilige Haltung ihres Ministeriums oder
ihrer Behörde vorbringen oder verteidigen, sondern dem Präsidenten den
bestmöglichen Rat erteilen.
Es ist
ihre Aufgabe - und ihre Herausforderung - Angelegenheiten aus dieser
Perspektive heraus zu betrachten und
nicht nach der enger gesteckten Interessenlage ihrer jeweiligen Behörde.
Der Nationale Sicherheitsrat hat
lediglich Beraterfunktion.
Der Präsident allein trifft die Entscheidungen.
Wenn die ständigen Mitglieder
des NSC diese Entscheidungen erhalten, dann tun sie das als Chefs ihrer
jeweiligen Ministerien oder Behörden.
Sie sind dann verpflichtet, sich dafür einzusetzen, daß die Entscheidungen des Präsidenten von ihren Organisationen genau und wirksam ausgeführt
werden.
Das
ist ein
wichtiger
Punkt.
Neue Maßnahmen und Kreativität seitens des Präsidenten treffen naturgemäß auf Widerstände der ausführenden
Ministerien.
obwohl dieser Widerstand
für
jeden
Präsidenten
eine
Quelle der Frustration bedeutet, ist
er dennoch in der struktur der Regierung vorgesehen. Es ist Aufgabe der
auf politischem Wege eingesetzten Behördenchefs, sicherzustellen, daß die

Ziele, Pläne und politischer. Maßnahmen des Präsidenten auf diese dauerhaften
strukturen
Einfluß
haben.
Eine Umgehung der Ministerien, zum
Beispiel durch Nutzung des Sicherheitsberaters oder des NSC-Personals
beraubt den Präsidenten der Erfahrung
und Kapazitäten, die den Ministerien
eigen sind. Der Präsident muß weitgehend
mit ihnen
zusammenarbeiten,
aber die Chefs der Behörden müssen
sicherstellen, daß sie die Politik
des Präsidenten auf eine prompte und
wirkungsvolle Art und Weise ausführen. Es ist nicht nur die Verpflichtung des Sicherheitsberaters, sich
darum zu kümmern, daß Vorgehensweisen
im Bereich der der nationalen Sicherheit auch genutzt werden. Alle ständigen Mitglieder des NSC - wie auch
der Präsident - teilen diese Verpflichtung.
Diese Spannung zwischen dem Präsidenten und den ausführenden Behörden kommt in den Methoden, wie sie
eingangs in diesem Bericht behandelt
werden, zum Vorschein.
Durch genau
diesen Prozeß erhält unser Land sowohl die bestmögliche Kreativität des
Präsidenten wie auch die Erfahrung
und Sachkenntnis der an der nationalen Sicherheit beteiligten Ministerien und Behörden.
Der
Nationale
Sicherheitsberater.
Der Sicherheitsberater ist in
erster Linie dafür
verantwortlich,
sich bei diesem Prozeß um die Tagesgeschäfte zu kümmern.
Diese Arbeit
erfordert
Können, Sensibilität
und
Integrität.
Ihm kommt die Pflicht
zu, sicherzustellen, daß alle vom Rat
zur Beurteilung vorgelegten Angelegenheiten die gesamte Bandbreite der
zur Überprüfung anstehenden
Fragen
wiederspiegeln, daß all diese Fragen
umfassend analysiert werden, daß eine
Reihe möglicher Lösungen in Betracht
gezogen wird, die Aussichten und Ri-

- 15 -

�siken jeder einzelnen Möglichkeit näher geprüft werden, daß alle relevanten nachrichtendienstlichen und anderen Informationen den ständigen Mitgliedern zugänglich sind, daß rechtliche Fragen behandelt werden und
Schwierigkeiten der Realisierung angegangen werden.
in der Regel kann
all dies am besten durch eine Beteiligung aller Behörden an der Analyse
der Fragen erzielt werden wie auch
durch eine vorbereitende Bearbeitung
der Maßnahmen auf Abteilungsleiterebene.
Um dem Präsidenten gut zu dienen,
muß der Nationale Sicherheitsberater
seine eigenen Ansichten vortragen,
aber gleichzeitig dem Präsidenten die
Meinungen
anderer
vollständig
und
glaubwürdig vermitteln.
Das System
wird
nicht
wirkungsvoll
arbeiten,
wenn der Sicherheitsberater nicht das
Vertrauen
der
ständigen Mitglieder
des NSC genießt. Er darf daher nicht
seine Nähe zum Präsidenten nutzen, um
ein Verfahren nach seiner
eigenen
Haltung
zu manipulieren.
Er darf
sich nicht zwischen den Präsidenten
und die ständigen Mitglieder des NSC
stellen.
Er darf nicht versuchen,
die ständigen NSC-Mitglieder vom Entscheidungsprozeß auszuschließen. Die
Ausübung
dieser beiden Rollen ist
eine unerläßliche, wenn auch nicht
einfache Aufgabe.
Im Idealfall sollte der Sicherheitsberater nicht allzu sehr die öffentlichkeit suchen. Er sollte nicht
versuchen, mit dem Außenminister oder
dem Verteidigungsminister als Sprachrohr von Politik
zu konkurrieren.
Diese sollten vielmehr zusammen mit
dem Präsidenten die Sprecher für die
Politik der Regierung sein.
Obwohl
"Begeisterung
für
die Anonymität"
hier zu stark formuliert wäre, sollte
sich der Sicherheitsberater doch im
allgemeinen
fernab vom Rampenlicht

bewegen.
Die ständigen Mitglieder des NSC
müssen direkten Zugang zum Präsidenten haben und dies sooft, wie der
Präsident dies als angemessen empfindet.
Aber
diese
Einzelgespräche
sollten nicht von den ständigen Mitgliedern dazu benutzt werden, Entscheidungen
herbeiführen
zu wollen
oder auf anderem Wege das System in
Abwesenheit der anderen Mitglieder zu
umgehen.
Gleichermaßen
sollte der
Sicherheitsberater nicht seine regelmäßigen nachrichtendienstlichen oder
anderen täglichen Vorträge beim Präsidenten benutzen, um bei wichtigen
Fragen eine Entscheidung des Präsidenten herbeiführen zu wollen.
Schließlich sollte sich der Sicherheitsberater auf Beratung und Organisation
konzentrieren
und nicht
auf Anwendung und Durchführung. Anwendung ist die Pflicht und die Stärke der Ministerien und Behörden. Dem
Nationalen Sicherheitsberater und dem
Personal des NSC stehen dazu nicht in
entsprechendem Umfang Mittel für die
Durchführung von Operationen zur Verfügung. Darüber hinaus riskieren sie
mit der Übernahme von Verantwortung
für die Durchführung eine Kompromitierung
ihrer
Zielsetzungen.
Sie
können nicht mehr unparteiische Uberwacher einer Realisierung sein und
sicherstellen, daß die Leitlinien des
Präsidenten befolgt werden, politische Maßnahmen regelmäßig überarbeitet werden und daß die Ergebnisse der
Politik des Präsidenten und dem nationalen Interesse dienen.
Das Personal des Nationalen Sicherheitsrates.
Das
NSC-Personal
sollte gering an Zahl sein, in hohem
Maße kompetent und erfahren in der
Ausarbeitung von Politik. Die Mitarbeiter sollten sowohl von außerhalb
wie auch von innerhalb der Regierung

- 16 -

�stammen.
Diejenigen aus der Regierung solten aus verschiedenen Ministerien und Behörden kommen, die mit
Fragen der nationalen Sicherheit befaßt sind. Kein Ministerium und keine Behörde sollten dabei die Vormachtstellung
innehaben.
Zwischen
Mitarbeitern von innerhalb und außerhalb der Regierung sollte ein angemessenes
Gleichgewicht
beibehalten
werden. Generell sollten die Mitarbeiter nach dem Rotationsprinzip ausgewechselt werden und mehr als vier
Jahre Tätigkeit sollten die Ausnahme
sein.

Die wichtigste Empfehlung
Das von uns hier dargestellte Modell für das System des Nationalen
Sicherheitsrates stellt unsere vordringlichste und wichtigste Empfehlung dar. Es umfaßt Richtlinien, die
praktisch alle Schwächen im Verlauf
und bei der Durchführung der Affäre
Iran/Contras angehen, mit denen sich
der Rat auseinandersetzen mußte wie
auch andere beispielhafte Fälle dieser und früherer Regierungen.
Der Rat empfiehlt, daß das vorgeschlagene Modell von den Präsidenten bei ihrer Leitung des Systems der nationalen Sicherheit
angewandt wird.

Besondere Empfehlungen
Zusätzlich zu seiner wichtigsten
Empfehlung zur Leitung und Funktionsweise des NSC-Systems und der Rolle
der dabei Beteiligten, gibt der Rat
eine Reihe besonderer Empfehlungen.
Generell sollte sich das Personal
des NSC nicht an der Durchführung politischer Maßnahmen oder Operationen
beteiligen. Dadurch wird ihre Rolle

der Beaufsichtigung in Frage gestellt
und der Verantwortungsbereich von Ministerien
und
Behörden
verletzt.
Aber die mangelnde Flexibilität einer
gesetzlichen
Einschränkung
sollte
vermieden werden. Solche Termini wie
"Operation" und "Durchführung" sind
schwer zu definieren und ein gesetzliches Verbot mag einen zukünftigen
Präsidenten davon abhalten, das Personal des NSC konstruktiv einzusetzen.
Die Tendenz beim Umfang des Personals sollte eher ab- als zunehmend
verlaufen. Aber eine gesetzliche Beschränkung kann die Erfordernisse zukünftiger Präsidenten nicht vorhersehen.
Der Personalbestand wird am
besten der Entscheidung des Präsidenten überlassen, mit der Mahnung, daß
es die Rolle des NSC-Personals ist,
die Arbeit der Ministerien und Behörden zu überprüfen, und nicht, ihnen
diese abzunehmen.
Wir empfehlen, daß bei den Bestimmungen des Gesetzes zur Nationalen Sicherheit, die sich mit
der Struktur und den Verfahrensweisen des NSC-Systems befassen,
keine weitreichenden
Änderungen
vorgenommen werden.

Der
Sicherheitsberater
sollte
jetzt und in Zukunft nur einem Herrn
dienen - dem Präsidenten.
Darüber
hinaus ist jegliche Bestätigung nicht
konform der Rolle, die der Sicherheitsberater spielen soll. Er sollte
nicht entscheiden, sondern nur beraten. Er sollte nicht mit der Durchführung oder den Verfahrensweisen von
politischen
Maßnahmen befaßt sein.
Er sollte dem Präsidenten dienen, ohne seine Loyalität möglicherweise auf
andere Dinge zu richten.

- 17 -

Wir
fordern
den
Kongreß
auf,
nicht die Bestätigung des Natio-

�nalen
Sicherheitsberaters
den Senat zu verlangen.

durch

3. Verfahrensweisen zwischen den
Behörden.
Es ist der Nationale Sicherheitsberater, dessen größtes Interesse darin liegt, den Prozeß der
Nationalen Sicherheit in Gang zu setzen, denn durch diesen Prozeß erhält
der Präsident die Informationen, den
Hintergrund und die Analysen, die er
benötigt, um Entscheidungen zu treffen und Unterstützung für seine Programme zu gewinnen.
Unsere Überprüfung der Operation
des bestehenden Systems und desjenigen anderer
Regierungen, in denen
Ausschußvorsitzende aus den Ministerien kamen, hat uns zu der Schlußfolgerung gelangen lassen, daß das System in der Regel besser funktioniert, wenn die Ausschüsse von demjenigen geleitet werden, der das größte
Interesse am Funktionieren des NSCSystems hat.
Wir empfehlen, daß der Nationale
Sicherheitsberater den übergeordneten Ausschüssen des NSC-Systems
vorsitzt.
4. Vedeckte
Aktionen.
Formulierung und Durchführung politischer
Maßnahmen werden in der Regel von Expertengruppen
vorgenommen, die von
politischen Fachleuten geleitet werden. Die Erfordernisse verdeckter Aktionen unterscheiden sich nicht hiervon, aber es besteht die Notwendigkeit, die Anzahl der beteiligten Personen - manchmal drastisch - zu beschränken. Das Leben vieler Menschen
könnte auf dem Spiel stehen, wie es
im Fall des Versuchs einer Rettung
von Geiseln aus dem Iran der Fall
war. Vorzeitige Enthüllungen könnten
das Projekt in seinen Anfängen zunichte machen, wie es im Falle der
Aufnahme von Beziehungen
zu China

hätte geschehen können.
In solchen
Fällen besteht die Tendenz, die Zahl
der Beteiligten auf eine geringe Anzahl hochrangiger Beamter zu begrenzen. Diese Verfahrensweise birgt die
Gefahr in sich, daß die Sachkenntnis
bei der Behandlung von Problemen erheblich eingeschränkt wird und sollte
daher nur sehr vereinzelt angewandt
werden.
Die Besessenheit mit Geheimhaltung und Sorge um Indiskretionen drohen die Regierung bei ihrer Handhabung verdeckter Aktionen zu lähmen.
Leider ist die Sorge nicht unbegründet.
Die gezielte Indiskretion ist
zu einem wichtigen Mittel der bürokratischen
Kriegführung
geworden.
Gegner einer Operation machen sie mit
einer Indiskretion zunichte, Befürworter versuchen, Unterstützung mit
denselben Mitteln herbeizuführen.
Die meisten der jüngeren Regierungen besaßen sorgfältig ausgearbeitete Verfahrensweisen zur Behandlung
verdeckter Aktionen.
Die Reagan-Administration hat solche Verfahrensweisen im Januar 1985 festgelegt und
sie dann bei ihrer Behandlung der
Iran-Initiative bald außer acht gelassen.
Wir empfehlen, daß jede Administration exakte Verfahrensweisen
für die restriktive Behandlung
verdeckter
Aktionen
formuliert
und daß diese einmal formulierten
Verfahrensweisen strikt eingehalten werden.

5. Die Rolle des CIA.
Einige
Aspekte der Waffenverkäufe an den
Iran werfen bei den Mitgliedern des
Rates weitergehende Fragen über die
Rolle des CIA auf. Die erste bezieht
sich auf nachrichtendienstliche Informationen.

- 18 -

�Das Personal des Nationalen Sicherheitsrates war aktiv an der Überarbeitung des Besonderen Berichts des
Nationalen
Nachrichtendienstes
über
Iran beteiligt. Es ist ein Anlaß zur
Besorgnis, wenn diese Beteiligung und
die Meinungen der Mitarbeiter des NSC
in die nachrichtendienstlichen Beurteilungen der überarbeiteten Fassung
eingeflossen wären. Wir sind weiterhin besorgt darüber, daß die überarbeitete Fassung den Hinweis enthielt,
daß die Vereinigten Staaten ihre bestehende Politik ändern und ihre Verbündeten dazu ermutigen sollte, Waffen an den Iran zu liefern. Es ist
wichtig, daß
eine
Linie
zwischen
Nachrichtendienst
und
Befürwortung
einer
bestimmten
Politik
gezogen
bleibt, wenn der
Nachrichtendienst
seine Integrität behalten und seine
angemessene Funktion erfüllen soll.
In diesem Fall ist der CIA dieser Linie nah genug gekommen, um Besorgnis
zu rechtfertigen.
Wir betonen sowohl für die Mitarbeiter des Geheimdienstes wie
auch für Politiker die Bedeutung,
die
bei
nachrichtendienstlichen
Verfahrensweisen der Aufrechterhaltung von Integrität und Objektivität zukommt.

Der Rat empfieht, daß die Stelle
des Rechtsberaters des NSC an
Format wie auch an Bedeutung innerhalb des Mitarbeiterstabs des
NSC gewinnt.

Wir empfehlen, daß der Kongreß in
Betracht zieht, die bestehenden
nachrichtendienstlichen Ausschüsse der jeweiligen Kammer durch
einen neuen gemeinsamen Ausschuß
zu ersetzen,
in dem
ein beschränkter Stab die Mitarbeiter

des
Nachrichtendienstes
überwacht.
Dieser Ausschuß
sollte
dem Muster des Gemeinsamen Atomenergie-Ausschusses
entsprechen,
wie er bis Mitte der siebziger
Jahre bestand.
Wir sprechen uns gegen eine von
Vermittlern
dominierte
Durchführung
und Aufsicht politischer
Maßnahmen
aus.
Wir empfehlen, Privatpersonen
in beschränktem Maße zuzulassen, wenn
es darum geht, die Vereinigten Staaten bei diplomatischen
Initiativen
oder vedeckten Aktionen zu unterstützen.
Wir warnen vor der Verwendung
solcher Personen, außer in sehr beschränktem Umfang und unter genauer
Beobachtung und Aufsicht.

Epilog
Wenn nur einer der hier von uns
untersuchten
wichtigen
politischen
Fehler vermieden worden wäre, trüge
die Geschichte unserer Nation eine
Narbe weniger, gäbe es eine Verlegenheit weniger, eine Möglichkeit weniger für unsere Gegner, die Prinzipien
zu verkehren, die dieses Land in der
Welt erhalten und vorantreiben will.
Zusammengenommen bieten sich diese Empfehlungen für all jene an, die
sich in ähnlichen Situationen befinden wie den von uns untersuchten; unter Druck, vor hohen Ansprüchen, mit
wenig Zeit, unvollständigen Informationen und von vorzeitigen Enthüllungen geplagt.
In einem solchen Zustand könnten bescheidenene Verbesserungen überraschende Gewinne hervorbringen. Darin liegt unsere Hoffnung.

- 19 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
4. März 1978

JA ZUM LEBEN - NEIN ZU DROGEN
UN-Suchtstoffkommission:

WASHINGTON - (AD) - Trotz erheblicher Meinungsverschiedenheiten unter einigen Delegierten der 40 regulären Mitgliedstaaten gelang es der
UN-Suchtstoffkommission
(UNCND)
am
Ende ihrer achttägigen Februar-Konferenz in Wien, sich auf eine wichtige
Resolution zu einigen.
Diese bestimmt die Einsetzung eines Expertengremiums, das die Details einer Konvention über enge und weltweite Zusammenarbeit im Kampf gegen den Drogenhandel ausarbeiten soll.
Gegenwärtig existieren auf diesem Gebiet
fast nur bilaterale Übereinkünfte.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Alle Länder sind bedroht -

So war es auch von Bedeutung, daß
weitere 40 Länder und Organisationen
Beobachter nach Wien entsandt hatten.
Die amerikanische Chefdelegierte
Ann Wrobleski beschwor die Tagungsteilnehmer, alles zu tun, damit die
neue Konvention 1988 in Kraft gesetzt
werden
und
den
Kampf
gegen
den
Rauschgifthandel
wirksamer
machen
könne.
"Wir müssen gegen ein weltweites
Verbrechernetz
zum
Angriff
übergehen und es besiegen", forderte
sie, "gegen Verbrecher, die rund um
die Erde die Gesundheit von Menschen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und in einigen Fällen sogar die bare
Existenz
von
Gesellschaften
aufs
schlimmste gefährden".
Die nächste UNCND-Konferenz vom
17. - 26. Juni 1987 in Wien wird unter dem Motto stehen: "Ja zum Leben
- Nein zu Drogen".
Damit ist auch
schon ihr erweiterter Arbeitsbereich
angedeutet.
Tamar oppenheimer, die
Direktorin des Konferenzsekretariats,
bezeichnet als Hauptziel der Tagung,
das Drogenproblem
in allen seinen
Formen auf nationaler, regionaler und
internationaler
Ebene
anzugehen.
Deshalb
solle
die
Konferenz
auch
erstmals auf Ministerebene abgehalten
werden.
Künftige Aktivitäten
wolle man
umfassend und unter Einbeziehung aller einschlägigen Fachgebiete behandeln.
Dazu zählten auch Aufklärung,
vor allem der Jugend, sowie Therapie
und
Rehabilitation
Drogensüchtiger.
Eine Verlagerung
der
gegenwärtigen
Schwerpunkte sei notwendig. Bekämpfung des illegalen Handels und der
illegalen Produktion reiche nicht aus
- jetzt gehe es auch um die Suchtgefährdeten und um die Suchtprobleme.
Nachfrage und Konsum müßten energisch
attackiert werden.
Deshalb sei es
wichtig, daß parallel zur Ministerkonferenz auch nichtstaatliche Organisationen (NGO) der Vereinten Nationen in Wien tagen werden, die sich
jeweils mit ganz speziellen Fragenkomplexen befassen.
Die Verhandlungsführung bei der
UN-Suchtstoffkommission
erfordert
viel diplomatisches Geschick. Leicht
sehen manche Delegierte in dem einen
oder anderen Vorschlag, z.B. zur Aufnahme bestimmter Stoffe in die Verbotsliste, eine Verletzung von Traditionen ihres Kulturkreises. Auch mit
der Definition suchterzeugender Substanzen gibt es noch Schwierigkeiten.
- 2

So betrachten z.B. einige Länder Marihuana und Haschisch, die beide aus
der Cannabis-Pflanze stammen, nicht
als schädlich und dulden sie stillschweigend,
über eine allgemeingültige
internationale
Definition
von
Marihuana
haben
sich
die Wissenschaftler noch nicht einigen können.
Ein ganz anders geartetes und
gleichzeitig noch schwierigeres Problem schaffen die Mixturen der sog.
Designer Drugs.
Diese sind nicht
minder wirksam und gefährlich wie die
mit ihnen eng verwandten Rauschgifte.
Aber weil sie nicht die gleiche chemische
Zusammensetzung
haben, sind
der Polizei und den Gerichten die
Hände gebunden. Gelingt es dennoch,
sie auf die Verbotsliste zu bringen,
ist es den Herstellern ein Leichtes,
die Rezeptur geringfügig zu ändern
und so das Produkt erneut dem Zugriff
der Justiz zu entziehen.
Als eine zweischneidige und politisch heikle Sache erweist sich die
Resolution der UNCND, die die Unterstützung von Ländern der Dritten Welt
mit mehr Geld
zur Bekämpfung der
mächtigen Drogenbosse durch die "Konsumentenländer"
fordert.
Aber
die
Nachricht von der Festnahme des berüchtigten Drogenkönigs Carlos Leder
Rivas in Kolumbien und seiner Auslieferung an die USA stärkte zweifellos
die Entschlossenheit der CND-Delegierten, den Kampf gegen die Rauschgiftkartelle zu koordinieren.

Die Opfer
Rivas und seine Kumpane dürften
für 80 Prozent der Kokainmengen verantwortlich sein, die in der ganzen
Welt konsumiert werden.
Bis zu 15
Tonnen werden Monat für Monat nach
Nordamerika
und
Westeuropa
eingeschleust.
Die Zahl der Verbraucher

�in den Vereinigten Staaten wird auf
mindestens sechs Millionen geschätzt;
in Europa steigt sie sprunghaft an.
Wrobleski zufolge kamen die 1986
in den USA konsumierten Rauschgifte ein
10 0-Milliarden-Dollar-Geschäft
für die Händler - zu 90 Prozent aus
dem Ausland. Es handelte sich um etwa 12 Tonnen Heroin, 65 Tonnen Marihuana, 150 Tonnen Kokain, von suchterzeugenden Aufputschmitteln und Psychopharmaka einmal abgesehen. Kokain
stamme zu 100 Prozent aus den Andenstaaten, Opium (100 Prozent) hauptsächlich
aus
Südost- und
Südwestasien, und zwar aus dem "Goldenen
Dreieck" mit den Ländern Laos, Burma
und Thailand sowie den Ländern des
"Goldenen Halbmonds" mit Afghanistan,
Iran und Pakistan, der Rest aus Mexiko. Das besonders minderwertige mexikanische Heroin habe verheerende
Wirkungen.
Obgleich der Marihuanakonsum unter Schülern merklich zurückgegangen
ist, dürften laut Ann Wrobleski in
den USA ca. 20 Millionen Menschen
diese Rauschdroge regelmäßig nehmen.
Sie als harmlos zu betrachten habe
sich als ganz großer Irrtum erwiesen.
Mit der Zeit führten Marihuana und
Haschisch immer häufiger zu Kreislaufstörungen und anderen physischen,
vor allem aber zu psychischen Schäden, die kaum mehr rückgängig zu machen seien.
Begabungen verkümmern,
weil die Motivation verloren gehe,
etwas zu tun, zu lernen und im Leben
voranzukommen.
Die Betroffenen werden zu Außenseitern der Gesellschaft,
Familien und Freundschaften zerbrechen, Verzweiflung führt zu Selbstmordversuchen und Selbstmord.
Die Zahl der Heroinsüchtigen in
den USA werde, so berichtet Wrobleski, auf 500 000 geschätzt. Die Zahl
der Todesfälle, die Ende der siebzi-

ger Jahre und noch einmal 1982 und 83
rückläufig war, steigt, wie die Unterlagen des Nationalen Instituts zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch (NIDA)
ausweisen, wieder an (1985: 1 263 Tote) . Eine weitere schreckliche Begleiterscheinung der Sucht sei die
Tatsache, daß Heroinabhängige
eine
ziemlich große Gruppe unter Virusträgern der Immunschwächekrankheit AIDS
stellen.
So seien
z.B. von den
30 000 in New York erfaßten AIDS-Virusträgern etwa 25 Prozent heroinsüchtig. Durch die gemeinsame Benutzung von Spritzen werde die Infektion
auch heterosexuell weiterverbreitet ein alarmierendes Problem für die Gesundheitsämter
und das öffentliche
Gesundheitswesen in allen Ländern.
Allmählich rundet sich auch das
Bild
ab von
den
gesundheitlichen
Schäden und Gefahren durch den Konsum
von Kokain in den verschiedenen heute
verfügbaren Formen der Droge.
Die
Todesfälle
steigen
laut NIDA-Statistik rapide an (1975: 42, 1980: 96,
1985: 613). Herzattacken und Herzinfarkt, noch dazu in Verbindung mit
Rauchen
oder anderen Aufputschmitteln, werden bei jungen Menschen immer häufiger beobachtet. Herzrhythmusstörungen, plötzlicher Blutdruckanstieg, Embolien im Gehirn und Lungenfunktionsstörungen sind schon seit
längerem bekannt.
Auf einer von der "Amerikanischen
Gesellschaft
für Pharmakologie und
exper imenteile
Therapiever fahren"
Mitte Januar 1987 in Washington veranstalteten
Konferenz
diskutierten
mehr als 30 Spezialisten - Mediziner,
Biochemiker, Psychiater - zwei Tage
lang wichtige Ergebnisse ihrer Erfahrungen mit kokainsüchtigen Patienten.
Demnach sehe man parallel zu dem
wachsenden Konsum und zu neuen Wegen
zur Aufnahme
der
Droge
(Rauchen,
Schnupfen,
Injektionen)
seit
1981

- 3 -

�e i n e Verdreifachung von medizinischen
Problemen, d i e in einem B e r i c h t zusammengefaßt
wurden.
Dr.
Charles
S c h u s t e r , der Direktor von NIDA, b e r i c h t e t e auf der abschließenden P r e s sekonferenz u . a . von einem a u f f ä l l i gen Ansteigen der Notaufnahmen
in
Krankenhaus-Intensivstationen
im Zusammenhang mit Kokain, mehr Aufnahmen
von Süchtigen in Behandlungszentren,
s t a r k erhöhter z a h l der T o d e s f ä l l e
durch Kokain.

Dr. H e r b e r t Kleber, P r o f . für P s y c h i a t r i e an der Y a l e - U n i v e r s i t ä t ,
berichtete.
Zu
diesen
Medikamenten
zähle z . B . Desipramin, s e i t zehn J a h ren auf dem Markt.
Bei Doppelblinds t u d i e n habe man b e o b a c h t e t , daß d i e
Medikation nach zwei b i s d r e i Wochen
zu einem " r e l a t i v großen Abbau" des
Kokainkonsums f ü h r t e .
Nach der achten Woche s e i e n 70 Prozent der Desip r a m i n - P a t i e n t e n von Kokain f r e i g e wesen (gegenüber 0 b i s 45 Prozent der
P a t i e n t e n der Placebo-Gruppe).
Beide
Gruppen e r h i e l t e n z u s ä t z l i c h e Beratungen.
Kleber warnte jedoch vor
falschen Hoffnungen, denn d i e Ergebnisse
der
noch b i s Ende Februar
durchgeführten Studie s e i e n e r s t v o r läufiger Natur.

Auch habe s i c h der Konsumentenkreis erheblich geändert.
"Personen,
d i e wir früher n i e mit R a u s c h m i t t e l konsum in Zusammenhang g e b r a c h t h ä t t e n , scheinen p l ö t z l i c h zur Szene zu
gehören", s a g t e S c h u s t e r .
Es seien
F a m i l i e n v ä t e r , Ä r z t e , Bank- und Börs e n l e u t e - Personen a l s o , durch deren
drogenbedingte
Fehlhandlungen
sich
schwerwiegende g e s e l l s c h a f t l i c h e Konsequenzen ergeben können.

Generalangriff auf den i l l e g a l e n
Handel
Die Länder der Welt müssen s i c h
auf gemeinsame Linien zur s y s t e m a t i schen Bekämpfung des i l l e g a l e n Drogenhandels e i n i g e n , der a l l e s t u t , um
der krankmachenden und t ö d l i c h e n Ware
immer neue Märkte zu
erschließen.
Das z e i g t s i c h neuerdings in A f r i k a :
In M a u r i t i u s und Nigeria war Heroin
unbekannt. J e t z t benutzen die i n t e r n a t i o n a l e n Händlerringe d i e s e Länder
für den T r a n s i t aus Asien nach Westeuropa und Nordamerika - schon g i b t
e s , wie der j ü n g s t e UNCND-Jahresber i c h t b e s a g t , auch d o r t H e r o i n s ü c h t i ge.
Anderen Durchgangsländern
wie
E l f e n b e i n k ü s t e und Ghana drohe das
gleiche Schicksal.
Auch Kokain b e ginne s i c h e n t l a n g der Schmuggelrouten durch Afrika a u s z u b r e i t e n .
Ähnl i c h e Entwicklungen s e i e n in I n d i e n ,
P a k i s t a n und Osteuropa zubeobachten.

Was noch vor wenigen Jahren abgestritten
wurde,
zeige
sich
immer
deutlicher:
Die Droge b e s i t z t
ein
ungewöhnlich
hohes
Suchtpotential,
weil s i e d i r e k t auf w i c h t i g e H i r n zentren wirke.
Häufiger Konsum und
hohe Dosen könnten zu
zahlreichen
Problemen, u . a . zu Depressionen und
"Kokain-Psychosen" führen.
Weshalb e p i l e p t i s c h e Anfälle und
Herzschäden durch Kokain v e r u r s a c h t
würden,
sei
erst
ungenügend
erforscht;
häufig seien davon j u n g e ,
zuvor
gesunde
Menschen
betroffen.
Kokain während der
Schwangerschaft
schädige den F ö t u s . Frühgeburten mit
den
verschiedensten
Komplikationen
für das Kind - f a l l s es überhaupt l e bensfähig i s t - seien häufig die F o l ge.

Der
Transport
heißer
Drogenschmuggelware auf Schiffen s e i 1986
eskaliert.
Dies a l l e s e r f o r d e r e , so
d i e UN-Suchtstoffkommission, dringend

Bei der Entzugsbehandlung Kokainsüchtiger zeigten einige Antidepress i v a v e r h e i ß u n g s v o l l e E r g e b n i s s e , wie
-

4

�eine "sehr enge Zusammenarbeit aller
Länder".
Nur dann sei eine Lösung
für das Problem Rauschgift denkbar,
wenn sich der Rauschgifthandel nicht
mehr lohne.
Wrobleski forderte als
erste wichtige Maßnahmen:
- gemeinsame Gesetze, um die "Geldwäsche" als Verbrechen zu behandeln;
- mehr Zusammenarbeit von Vollzugsbehörden über Ländergrenzen;
- Verbotsbestimmungen für wichtige
Chemikalien zur Drogenherstellung;
- strengeren Vollzug bei Schmuggel
im internationalen Luftraum und
in internationalen Gewässern;
- wirksame
internationale
Rechtshilfe bei Rauschgiftkriminalität;
- Aufdeckung und Kontrolle der Produktion des Rohmaterials für die
Herstellung bestimmter Suchtstoffe; und
- Ausweitung der Auslieferungsverfahren auf alle Drogenhändler.

* * * * * *
- 5

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9868">
              <text>04.03.1987</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9869">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="9870">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13477">
              <text>Amerikadienst 04.03.1987</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="13478">
              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Austausch von Waffen gegen Geiseln war ein Fehler&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehansprache Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hindernis für Fortschritte bei INF beseitigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freie Kommunikation "mächtige Kraft" für die Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan-Botschaft zum Jubiläum der "Stimme Amerikas" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Glückwünsche zum 45. Jahrestag der "Stimme Amerikas"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die Ansprachen von Präsident Reagan, USIA-Direktor Charles Wick und VOA-Direktor Richard Carlson -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Tower-Kommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Kommissionsbericht -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja zum Leben - Nein zu Drogen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- UN-Suchtstoffkommission: Alle Länder sind bedroht -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
