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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

**

1 1 . F e b r u a r 1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die Amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen:

Mythen und

Verpflichtungen
- Rede von Botschafter Burt vor dem Industrie-Club in Düsseldorf -

HINTERGRUNDMATERIAL

Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil III

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'%7-oN^

Dokumentation

11. Februar 1987

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN:
MYTHEN UND VERPFLICHTUNGEN
- Rede von Botschafter Burt vor dem Industrie-Club in Düsseldorf DÜSSELDORF - (AD) - In seiner Rede vor dem Industrie-Club in Düsseldorf
erklärte der amerikanische Botschafter, Richard Burt, am 11. Februar 1987, daß
es ein tragischer Fehler wäre, "wenn die Vereinigten Staaten jemals mit der
Lockerung ihrer Sicherheitsbindungen an Europa drohen würden, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen." Obwohl erkannt werden müsse, daß zwischen amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen und der Sicherheit des Bündnisses
ein wichtiger Zusammenhang besteht, verfolge die Reagan-Administration aber
"kein Junktim zwischen Handlsproblemen und amerikanischer Militärpräsenz in
Europa".
Die Ansprache des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Herr Dr. Henkel, Herr Dr. von
Buelow, Freiherr von Teuffei, meine
Damen und Herren I
Ich freue mich, heute abend hier
bei Ihnen zu sein. Die regelmäßigen
Veranstaltungen
des
Industrie-Clubs
werden allgemein geschätzt und tragen
erheblich zum Verständnis wirtschaftlicher und sozialer Probleme bei.
Ich möchte weiterhin den Mitgliedern
des
Industrie-Clubs,
der
Deutsch-Amerikanischen
SteubenSchurz-Gesellschaft und des Harvard

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Clubs Rhein-Ruhr dafür danken, daß
sie mich heute abend nach Düsseldorf
eingeladen haben.
Ihre zahlreichen
Aktivitäten liefern den Beweis der
vitalen und engen Bande, die die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland verbinden.
Ich begrüße Sie und danke Ihnen für Ihren
bedeutenden Anteil an der Förderung
von Freundschaft
und Verständigung
zwischen Deutschen und Amerikanern.
Ich freue mich immer über einen
Besuch in Düsseldorf, das als ein
Mittelpunkt von Handel und Industrie

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�so wohlbekannt und geachtet ist. Die
wichtige Rolle, die Düsseldorf in
Wirtschaft und Handel zufällt, läßt
es besonders angemessen erscheinen,
daß ich heute abend vor diesem verehrten Publikum über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa spreche. Nach Beendigung
meiner Ausführungen
werde
ich gern mit Ihnen über die von mir
angeschnittenen
Probleme oder
über
andere für Sie wichtige Fragen diskutieren.

Mythen der Ökonomie
In jüngster Zeit ist viel zum
Thema der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
Europa
und
den
Vereinigten
Staaten gesagt und geschrieben worden. Kommentatoren auf beiden Seiten
des Atlantiks haben uns täglich Berichte über Schwierigkeiten bei unseren Beziehungen in Handel und Finanzwesen geliefert.
Wir haben mit Besorgnis und später mit Erleichterung
beobachtet, wie unsere Unterhändler
eine Reihe verhängnisvoller Vergeltungszölle auf Agrarprodukte abwendeten.
Ich bin besonders dankbar für
die konstruktive Rolle, die die Bundesrepublik Deutschland bei der Beilegung
dieses Streitfalls
gespielt
hat, und ich möchte diese Gelegenheit
ergreifen, um Bundeskanzler Kohl, Außenminister Genscher und Wirtschaftsminister Bangemann für ihre Bemühungen zu danken, mit denen sie eine gerechte und ausgewogene Lösung unterstützt haben. Wir können äußerst zufrieden sein, daß es möglich war, eine Übereinkunft herbeizuführen.
Das
ist ein willkommener Hinweis darauf,
daß wir die Fähigkeit und den Willen
zur Zusammenarbeit bei der Lösung vor
uns liegender Probleme besitzen.
Gleichzeitig wäre es aber unverantwortlich, die zwischen uns stehen-

den Unterschiede leugnen oder bagatellisieren zu wollen. Tatsache ist,
daß wir in einer Debatte über eine
Reihe von Problemen stehen, die in
unseren
Wirtschaftsbeziehungen
auftreten.
Wir
haben eine bestimmte
Meinung über Modalitäten zur Förderung des Wachstums und Wohlergehens
in der Weltwirtschaft, und andere haben dazu eine abweichende Meinung.
Wir glauben daran, daß die Kräfte des
Marktes am besten in der Lage sind,
Kreativität
und Leistung
hervorzubringen.
Andere sind der Ansicht,
Regierungen sollten den Markt Regelungen unterwerfen und lenken.
Die
Vereinigten Staaten haben ein riesiges Defizit im Außenhandel, und die
Bundesrepublik wie auch Japan verzeichnen
riesige Überschüsse.
Das
Ungleichgewicht beunruhigt uns alle,
aber wir können uns nur schwer darüber einigen, wer welche Schritte zu
dessen Abbau unternehmen sollte.
Es handelt sich hierbei um reale
Probleme und reale Meinungsverschiedenheiten, die in einer leidenschaftlich geführten Debatte zur Sprache
kommen.
Im Zuge dieses Austauschs von Argumenten streben wir einen breiter
gesteckten Rahmen an, um von uns beobachtete Fakten zu erklären und die
von
uns
vertretenen
Ansichten
zu
rechtfertigen.
Wir entwerfen ganze
Theorien über die jeweils andere Gesellschaft
und
Wirtschaft.
Diese
Theorien
bergen genug Wahrheit in
sich, um unsere Phantasie anzuregen
und erlangen manchmal hohe Popularität.
Auf diese Weise schaffen wir Mythen, und diese Mythen können die Phantasie
der Öffentlichkeit
erregen
und beherrschen. Sie helfen uns aber
nicht
notwendigerweise
weiter
zum
Verständnis der Welt in der wir le-

- 2 -

�ben. Vielmehr können sie uns manchmal irreführen und eher verwirren.
Leider hat solch eine irrige Argumentation in den europäisch-amerikanischen Beziehungen eine lange Geschichte. Von Zeit zu Zeit erliegen
wir der Versuchung, Schwierigkeiten
und Probleme als Beweis für allgemein
bestehende Mängel in unseren sozialen
und wirtschaftlichen Systemen zu betrachten. Am Ende könnten gegenseitig bestehende Mythen und Klischees
unseren Dialog beherrschen.
In den letzten Jahren sahen wir
uns zwei widersprechenden Mythen über
die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen gegenüber.
Sie haben sich
als gemeinhin
anerkannte Erklärung
der Dynamik dieses Verhältsnisses abgewechselt. In einem nahezu gleichmäßigen Turnus ist der Mythos einer
amerikanischen Dominierung Europas in
den Bereichen Wirtschaft und Technologie vom Mythos der Unordnung und
des Desinteresses
in Amerika verdrängt worden, auf den dann wiederum
der Mythos der amerikanischen Vormachtstellung folgte.
Vor etwa 20 Jahren brachte der
französische Politiker und Journalist
Jean-Jacques Servan-Schreiber seinen
Bestseller "Die amerikanische Herausforderung" heraus.
Servan-Schreiber
war
vom Erfolg der Zusammenarbeit
zwischen
amerikanischer
Industrie,
Regierung und Bildungswesen geblendet
- aber auch beunruhigt. Er schrieb,
daß die Vereinigten Staaten den "außergewöhnlichsten
technologischen
Durchbruch
in
der
Weltgeschichte"
vollbracht hätten.
Seiner
Ansicht
nach sollte Europa sich amerikanische
Management-Methoden zu eigen machen,
bevor es zu spät sei.
Aber die Zeiten ändern sich und
gegen Ende der siebziger Jahre ver-

blaßte die Sorge über eine amerikanische Vorherrschaft im Bereich der
Technologie. Sie wurde durch Sorgen
über die Schwäche der amerikanischen
Wirtschaft abgelöst. Die Aufmerksamkeit richtete sich auf das nachlassende Wachstum und steigende Preise
in den Vereinigten Staaten.
In der
Amtszeit Präsident Carters galt der
Dollar als krank und die industrielle
Grundlage der Vereinigten Staaten als
schwindend.
Nur wenige Jahre später begann nach
der Regierungsübernahme
durch
die Reagan-Administration - eine neue
Runde.
Wieder einmal gab es einen
Meinungsumschwung.
Die
Vereinigten
Staaten waren nicht länger der Verlierer im Rennen um die Vorherrschaft
in Wirtschaft und Technologie. Silicon Valley war ins Blickfeld der Welt
gerückt, und man war wieder pessimistisch über Europa. "Eurosklerose"
war in aller Munde.
Diesem Blickwinkel zufolge waren
die Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme Europas
zunehmend
verkrustet
und Vorrechte bestimmter Interessengruppen tief verwurzelt. Aus diesen
Gründen war Europa unweigerlich dazu
verurteilt, bei der Entwicklung und
Anwendung von Hochtechnologie hinter
die Vereinigten Staaten und Japan zurückzufallen. Europa wurde im weltwirtschaftlichen
Rennen
auf
einen
hinteren Rang verwiesen.
Diese Theorie war allgemein anerkannt.
Bruce Nussbaum, ein amerikanischer
Autor, der über Wissenschaft
und
Gesellschaft
schreibt,
sagte sogar voraus, die Bundesrepublik würde im Bereich der Technologie
zur japanischen Kolonie werden.
Heute ist der Mythos der Eurosklerose natürlich aus der Mode gekommen; ein neuer Mythos bewegt die

- 3 -

�europäische Phantasie, und zwar der
Mythos, die Wirtschaft der Vereinigten Staaten habe grundlegende Mängel.
Die
einstmals mächtigen amerikanischen Industriezweige seien Überflüssig und unfähig, sich zu erneuern.
Amerikanische Manager seien besessen
von
ihren Aktienkursen und davon,
Übernahmen durch die Konkurrenz abzuwehren.
Das Finanzsystem sei durch
eine Schuldenanhäufung bedroht, die
sowohl Produzenten als auch Verbraucher
gleichermaßen
zu verschlingen
drohe.
Die vieldiskutierte Umwandlung der Vereinigten Staaten in eine
Dienstleistungsindustrie schaffe eine
Nation von Hamburger-Bäckern.
Ich bedaure, daß dieser Mythos
jüngst von Teilen der bundesdeutschen
Medien ziemlich enthusiastisch aufgegriffen wurde. In einem kürzlich im
'Spiegel'
erschienenen Artikel benutzte der Verfasser das Handelsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten
als Aufhänger und arbeitete sich so
von vorn nach hinten. Das Defizit im
Handel zeige, so schrieb er, daß amerikanische Produkte nicht mehr so gut
seien wie europäische oder asiatische
Produkte.
Die Amerikaner, die nie
sehr gut darin gewesen seien, langfristig zu denken, seien auf dem
Weltmarkt nicht mehr wettbewerbsfähig, weil die Produktivität stagniere
und
das
amerikanische
Schulsystem
versagt habe. Die Vereinigten Staaten wendeten sich daher als letzter
Zuflucht der "brutalen Lösung" des
Protektionismus zu.
Quatsch!
sie verstehen sicher,
was ich meine, wenn ich sage, daß
vielfach ein Problem aus seinem Kontext herausgelöst und dann eine eigenständige Theorie darum aufgebaut
wird. Tatsache ist, daß das Defizit
im Handel der Vereinigten Staaten zum
großen Teil von einem zu starken Dollar herrührt wie auch von einem Wirt- 4

schaftswachstum, das in den Vereinigten Staaten schneller verlief als in
anderen
Ländern.
Natürlich beeinträchtigte das unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Dazu haben auch Schulden
und eine zurückgehende Nachfrage der
Entwicklungsländer
unseren
Exporten
einen schweren Schlag versetzt.
Das
daraus entstandene Handelsbilanzdefizit kann nicht aufrechterhalten werden, und wir tun alles, um es abzubauen.
Die
allgemeine
Behauptung
über die Qualität amerikanischer Produkte ist barer Unsinn und die Auffassung über industrielle Produktivität schlicht falsch.
Tatsache ist, daß trotz des Defizits die Einkommen, Beschäftigungsrate und industrielle Produktion in den
Vereinigten Staaten stetig steigen.
Dr. Georg Koopman vom Hamburger Institut
für
Wirtschaftsforschung
(HWWA) veröffentlichte kürzlich eine
Studie über die Auswirkungen des Handesbilanzdefizits
auf
die
amerikanische Wirtschaft.
Er kam zu dem
Ergebnis, daß die Produktion in der
verarbeitenden Industrie im Zeitraum
des steigenden Handelsbilanzdefizits
die gleichen Zuwachsraten verzeichnete wie das BSP. Die Fertigung hält
immer noch denselben Anteil am BSP
wie zu der Zeit des Überschusses im
Außenhandel. Dr. Koopman hat ferner
herausgefunden, daß eine größere ausländische Konkurrenz in den Vereinigten Staaten erheblich zu höherer Leistungsfähigkeit
im
Fertigungssektor
wie auch zur Produktqualität beigetragen hat.
Schließlich
berichtet
er, daß die Umsätze im amerikanischen
Fertigungssektor in den Jahren 198085 um 17 Prozent gestiegen sind, im
Vergleich zu 4 Prozent in der Bundesrepublik .
Ich erwähne diese Punkte, um aufzuzeigen, daß Mythen und Klischees
uns nicht bei der Behandlung von an-

�stehenden
Problemen
helfen.
Wir
sollten von voreiligen Schlußfolgerungen
Abstand
nehmen, die
nicht
durch
aktuelle
Pakten
untermauert
werden.
Lassen Sie uns der Versuchung widerstehen, Ereignisse zu interpretieren, um damit
bestehenden
Auffassungen darüber, welche Gesellschaft besser oder schlechter ist,
Vorschub zu leisten.
Wir sollten
vielmehr
gemeinsam
die Fakten betrachten und uns darum bemühen, gemeinsam Schlußfolgerungen für gemeinsame Handlungen zu ziehen.

Die wahre Herausforderung
In den vergangenen 40 Jahren waren wir im Westen bemerkenswert erfolgreich.
Wir haben Institutionen
geschaffen, die dem industrialisierten Westen wirtschaftliche Stärke und
einen Lebensstandard verschafft haben,
der
in
der
Geschichte
der
Menschheit
seinesgleichen
suchen.
Die entspannte Situation, das materielle Niveau und die Gesundheit, die
wir heute genießen, gingen zu Beginn
dieses Jahrhunderts noch über das
Vorstellungsvermögen unserer Vorväter
hinaus.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs
sahen sich westliche Politiker ungeheuren Aufgaben und schwierigen Herausforderungen
gegenübergestellt.
Diese Herausforderungen waren offenkundig:
durch den Krieg zerstörte
Städte und Fabriken mußten wiederaufgebaut werden, das Finanzsystem der
Welt wiederhergestellt, der Handel
geöffnet und die Europäische Einheit
so gefördert werden, daß Konfliktanreize beseitigt wurden. Die von ihnen geschaffenen Institutionen sind
uns allen bekannt: der Marshall-Plan
und die Weltbank zur Finanzierung des
Wiederaufbaus,
der
Internationale
Währungsfonds (IWF) als Rahmen für

die internationalen Währungsbeziehungen wie auch das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen (GATT) zur Errichtung
eines
neuen offenen
Welthandelssystems.
In Europa wurde die Europäische Gemeinschaft mit ihrer Vision
der wirtschaftlichen Integration ins
Leben gerufen, die das gemeinsame
Handeln
für
gemeinsame
politische
Ziele untermauern sollte.
40 Jahre später sehen wir uns
wiederum einer Herausforderung gegenüber, die in mancher Hinsicht so groß
ist wie die Herausforderung des Wiederaufbaus
in
der
Nachkriegszeit.
Aber wir befinden uns heute in einer
anderen Situation.
Damals war die
Aufgabe klar; heute jedoch sind wir
uns über den Ursprung unserer Probleme
nicht
so
sicher.
wir
haben
Schwierigkeiten, die jetzt anstehende
Herausforderung
zu
definieren
und
noch mehr, klug auf sie zu reagieren.
Meiner Ansicht nach besteht die
Herausforderung, der wir - Industrieund Entwicklungsländer
gleichermaßen
- uns gegenübersehen, in der Herausforderung, die sich durch den massiven
und
schnellen
technologischen
Wandel stellt.
Die Welt macht eine
technologische Revolution durch, die
in beträchtlichem Umfang zu Verwirrung und zu Umwälzungen führt. Ferner werden unsere Volkswirtschaften,
Gesellschaften
und
internationalen
Institutionen massivem Druck ausgesetzt, den wir nur schemenhaft nachvollziehen können.
Dasselbe ist auch in der Vergangenheit geschehen. Wirtschaftshistoriker weisen uns darauf hin, daß die
technologischen
Grundlagen
unseres
Lebens
in den letzten
zweieinhalb
Jahrhunderten fast regelmäßig alle 50
Jahre ausgetauscht worden sind. Seit
der Industriellen Revolution habe es
drei Innovationswellen gegeben.
Die

- 5 -

�erste Welle wird der Erfindung der
Dampfmaschine
zugeschrieben,
die
nächste wurde von der Mechanisierung
der Produktion bestimmt.
Zu Beginn
des 20. Jahrhunderts bildeten elektrische Energie, Chemie und der Verbrennungsmotor
die Grundlage einer
neuen Welle. Wir befinden uns im Augenblick inmitten einer vierten Welle
grundlegenden
technologischen
Wandels, deren Grundlage die Elektronik
ist. Eine fünfte Woge der Biotechnologie hat vielleicht schon begonnen.
Diese aufeinanderfolgenden - und
sich beschleunigenden - Wellen des
Wandels lassen uns kein Gleichgewicht
finden.
Der Managementexperte Peter
Drucker sagt dazu, wir lebten in einem
Zeitalter
der
Diskontinuität.
Mit den ständig aufkommenden neuen
Technologien nimmt die Verwirrung zu,
da althergebrachte Methoden abgelöst
werden und wir uns um die Erforschung
neuer Möglichkeiten bemühen müssen.
Wir werden gezwungen, einige Aktivitäten einzustellen und andere aufzunehmen.
Die Explosion im Informationswesen und die Computer-Revolution bedeuten, daß junge - wie auch
ältere - Menschen neue Fähigkeiten
erlernen müssen, um einen Arbeitsplatz zu bekommen und ihn zu behalten. Unsere landwirtschaftlichen Betriebe liefern uns mehr Nahrungsmittel, als wir essen können, und wir
werfen den Rest fort oder lagern ihn
zu enorm hohen Kosten.
Welche
Herausforderung
ergibt
sich nun aus all diesem für unsere
Volkswirtschaften und Gesellschaften?
Offensichtlich ziehen wir alle aus
den Möglichkeiten Vorteile, die das
Leben sicherer, einfacher und lohnender machen.
Aber viele von Ihnen
wissen besser als ich, wie sehr uns
das Voranschreiten
der Technologie
auch
vor
schwierige Entscheidungen
stellt. Wir stellen neue Materialien

künstlich her und benötigen weniger
Stahl als früher. stillgelegte Werke
und Arbeitslose sind das Ergebnis.
Unser Bedarf an anderen Rohstoffen
geht zurück - Kupfer und Zinn liefern
hier ein gutes Beispiel -, und Entwicklungsländer
leiden
unter
einer
zurückgehenden Nachfrage und geringerem Einkommen.
Gleichzeitig setzen
Firmen in Industrieländern ungeheure
Summen wie auch das Schicksal von
Millionen Menschen für ihre besten
Vermutungen aufs Spiel, welche Richtung die Technologie wohl nehmen wird.
Mit wechselndem Erfolg und wechselnden Fähigkeiten versuchen wir uns
dem Wandel anzupassen.
Oft neigen
wir dazu, eine Anpassung zu vermeiden. Statt dessen suchen wir Schutz
vor den Kräften des Wandels. Überalterte Industriezweige setzen bei der
Regierung Subventionen durch. In der
Landwirtschaft wenden wir uns von der
Tatsache ab, daß wir mehr Landwirte
haben, als wir brauchen.
Im internationalen Umfeld macht
der Wandel unsere Beziehungen miteinander noch komplizierter. Arbeitnehmer und Produzenten verlangen Schutz
vor
ausländischem Wettbewerb.
Die
Entwicklungsländer
drängen auf Anstrengungen
zur Verbesserung
ihrer
Situation, und wir versuchen, ihnen
zu helfen, wo wir können.
Das ist nicht immer leicht. Die
Bedürfnisse der jetzt im industriellen Aufbaustadium befindlichen Länder
- wie etwa Brasilien, Korea und Mexiko - unterscheiden sich von denen anderer Länder, die beim Streben nach
wirtschaflicher
Entwicklung
zurückbleiben.
Neue Industrieländer stellen für unsere eigenen Produzenten
eine Herausforderung dar, und doch
wissen wir, daß sie für ihren Erfolg
unsere Märkte brauchen. Die ärmeren
Länder benötigen oft Mittel, die wir

�ihnen zur Verfügung stellen können,
aber sie brauchen auch die Möglichkeit und den Anreiz, ihre eigenen
Ressourcen wirkungsvoller zu nutzen.

ter, wofür der niedrigste Flugpreis
für einen einfachen Flug 341 DM beträgt.
Die Reise von Chicago nach
Kansas City ist 650 Kilometer lang
und der billigste Einfachflug kostet
98 DM.

Die amerikanische Antwort
Wie gehen die Vereinigten Staaten
auf die Herausforderungen ein, die
ich hier beschrieben habe?
Unter
der
Leitung
Präsident
Reagans befinden sich die Vereinigten
Staaten nun in ihrem 50. fortlaufenden
Monat
eines
positiven
Wirtschaftswachstums.
Das Wachstum betrug zwischen 1983 und 1986 durchschnittlich
3,7 Prozent pro Jahr.
Die Inflation ist weiter zurückgegangen und länger auf niedrigem Niveau
geblieben als dies vor
fünf oder
sechs Jahren möglich schien. Wichtige Zinssätze sind um ganze 12 Punkte
gesenkt worden.
In den letzten Jahren haben Entscheidungen und Taten aller Zweige
der amerikanischen Regierung Veränderungen unserer Gesetze und Bestimmungen in historischem Ausmaß herbeigeführt.
Diese haben die Arbeitsweise
der amerikanischen Wirtschaft grundlegend verändert.
Die Freigabe der
Luftfahrt liefert hier ein Beispiel.
Die Brookings Institution hat kürzlich eine Studie über die Auswirkung
der Freigabe des Luftverkehrs in den
Vereinigten
Staaten
veröffentlicht.
Sie kam zu dem Schluß, daß Reisende
in den Vereinigten Staaten durch die
Freigabe wenigstens 6 Milliarden Dollar im Jahr einsparen konnten und daß
die Industrie mit wenigstens 2,5 Milliarden Dollar jährlich davon profitierte. Wettbewerb und nicht Regierungsbestimmungen bestimmen nun den
Umfang des Flugpreises in den Vereinigten Staaten.
Die Reise von München nach Hamburg beträgt 620 Kilome-

Wir haben unser nationales Telefonsystem von einschränkenden Bestimmungen befreit und dem Wettbewerb geöffnet.
Dadurch wurden die Vielfalt
der Dienstleistungen des amerikanischen Fernmeldesystems enorm gesteigert und gleichzeitig die Kosten gesenkt. Schon für 14 DM kann man zehn
Minuten von Denver nach Düsseldorf
telefonieren, wohingegen
ein Anruf
von hier nach Denver über 36 DM kostet.
Durch
die
Steuerreform
wurde
jetzt der Spitzensteuersatz für private Einkommen auf 28 Prozent gesenkt
und somit neue Anreize für Arbeit und
Unternehmergeist geschaffen. Gleichzeitig hat sich der Dienstleistungssektor zu einer neuen, starken Quelle
von Einkommen und Beschäftigung entwickelt.
Die
Dienstleistungsindustrie - Transportwesen, Handel, Banken, Finanz- und
Versicherungswesen
sowie persönliche Dienstleistungen hat seit 1981 zwölf Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen.
Im gleichen Zeitraum ging die Beschäftigung
in Europa zurück.
Hätte Europa im
gleichen
Ausmaß neue Arbeitsplätze
geschaffen wie die Vereinigten Staaten, dann gäbe es heute in Europa
zwei Millionen Arbeitslose statt 15
Millionen.
Im dem Maße, wie die amerikanische Wirtschaft Dampf aufmachte, zog
sie die gesamte Weltwirtschaft nach.
Nachdem das Wachstum der Weltwirtschaft in den Jahren von 1980-82
durchschnittlich weniger als 1,5 Prozent betragen hatte, verdoppelte es
sich in den folgenden drei Jahren,

�was zum größten Teil auf den amerikanischen
Aufschwung
zurückzuführen
ist.
In denselben drei Jahren wuchsen
die Importe der Vereinigten Staaten
um über 40 Prozent.
Die Entwicklungsländer
erhöhten
ihre Exporte,
und wir nahmen von diesem Zuwachs erheblich mehr auf als die gesamte übrige Welt. Im Jahr 1985 absorbierten
die Vereinigten
Staaten über zwei
Drittel der von den Entwicklungsländern
exportierten
Industriewaren.
Die Europäische Gemeinschaft nahm ein
Viertel und Japan weniger als ein
Zehntel ab.
Und die Industriestaaten profitierten
ebenfalls davon.
Zwischen
1983 und 1986 haben sich die Exporte
der Bundesrepublik Deutschland in die
Vereinigten Staaten mehr als verdoppelt.
Der Überschuß der Bundesrepublik im Handel mit uns stieg um über
800 Prozent.
Wir alle kennen ein weiteres Ergebnis dieser enormen Zunahme der Importe - in der amerikanischen Handelsbilanz ist ein riesiges Defizit
aufgetaucht.
Es muß nicht eigens erwähnt werden, daß dieses Handelsdefizit den
politisch Verantwortlichen in Amerika
große Sorgen bereitet.
Wir wissen,
daß ein Defizit dieses Ausmaßes nicht
andauern kann. Wir sind sehr darum
bemüht, es zu verringern. Die Frage,
wie dies bewerkstelligt werden soll,
bleibt offen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten.
Eine Rezession in den Vereinigten
Staaten
würde
die
Importnachfrage
dämpfen und zur Wiederherstellung des
Gleichgewichts in unserer Handelsbilanz beitragen. Aber dies ist eine
Lösung, die niemandem helfen und al-

len schaden würde.
Der
Rückgang
des
Dollarkurses
sollte unseren Exporten neue Impulse
geben und die Importe verringern. Es
hat länger gedauert als ursprünglich
erhofft, bis die Anpassung der Wechselkurse
zur
Verbesserung
unserer
Handelsbilanz beigetragen hat, aber
es scheint nun, daß die verbesserte
Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer
Waren bei der Anpassung eine positive
Rolle zu spielen beginnt.
Aber je höher das Wachstum außerhalb der Vereinigten Staaten, desto
geringer wird die nötige Anpassung
ausfallen, die von Veränderungen der
Wechselkurse getragen werden muß. Es
ist liegt nämlich auf der Hand, daß
sich die exportierenden Länder im Zuge einer
erfolgreichen
Reduzierung
unseres Handelsdefizits anderswo die
Nachfrage erschließen müssen, die in
der Vergangenheit durch das amerikanische Defizit bereitgestellt wurde.
Ein Wachstum in der Weltwirtschaft wird dieser Nachfrage Auftrieb
geben. Aus diesem Grunde betrachten
wir es als notwendigen Bestandteil
der Anpassung, daß jedes Land seinen
Teil dazu beiträgt, um kräftiges und
ausgewogenes Wachstum zu fördern.
Lassen Sie mich dies deutlich sagen: ich meine hiermit nicht Staaten
mit Lokomotivfunktion, die sich in
verschwenderische
Staatsausgaben
stürzen sollen, um die Weltwirtschaft
anzuheizen.
Ich meine hiermit vielmehr ein ausgewogenes Wachstum, das
auf soliden währungs- , haushaltsund strukturpolitischen Maßnahmen basiert und der Weltwirtschaft die Stabilität und Stärke verleiht, die nur
die
Hauptindustrieländer
bereitzustellen in der Lage sind.
Gegenwärtig ist man in der Bundesrepublik dabei, eine einschneiden-

�de Steuerreform auf den Weg zu bringen. Wir in den Vereinigten Staaten
hoffen, daß diese Bemühungen erfolgreich sein werden. Wie Bundeskanzler
Kohl vor einer Woche bei der LudwigErhard-Stiftung
erklärte,
werden
niedrigere Subventionen sowie niedrigere und gerechtere Steuern die Anreize zur Arbeit verstärken und der
deutschen
Wirtschaft
neue
Dynamik
verleihen.

Schutz und Wettbewerb
Wie Sie alle wissen, hat die Besorgnis über das Handelsdefizit in
den Vereinigten Staaten zu verstärktem Druck geführt, um Maßnahmen zum
Schutz amerikanischer Produzenten vor
der
Importkonkurrenz
einzuführen.
Gegenwärtig ist eine lebhafte Diskussion darüber im Gange, die von unseren Freunden in Europa und Asien genau beobachtet wird.
Tatsache
ist,
daß
Präsident
Reagan - mit großem politischen Mut Schutzmaßnahmen im Handel entgegengetreten ist. Im vergangenen Jahr legte er sein Veto gegen ein protektionistisches Textilgesetz ein und weigerte sich, der heimischen Schuhindustrie bei den Einfuhren entgegenzukommen.
Im vorigen Kongreß war die
Administration maßgeblich daran beteiligt, die Wiedereinführung eines
Gesetzes zu verhindern, durch das die
Verlage geschützt wurden. Ein wichtiger protektionistischer Gesetzentwurf wurde vom vorigen Kongreß angesichts eines wahrscheinlichen Vetos
aufgegeben.
Die Aufgabe, vor der die Administration heute steht, wird unter dem
neugewählten
Kongreß
wahrscheinlich
noch schwieriger werden. Viele seiner
Mitglieder
haben
während
des
Wahlkampfes den von Importen ver-

drängten Arbeitnehmern und Industrien
Unterstützung zugesagt.
Die Administration kann den Protektionismus nicht zurückhalten, wenn
der Eindruck besteht, daß andere Länder amerikanische Exporte weniger gerecht behandeln, als ihre Exporte in
den
Vereinigten
Staaten
behandelt
werden.
Es ist eine einfache Tatsache, daß viele Amerikaner und viele
Kongreßabgeordnete der Meinung sind,
amerikanische
Exporte würden nicht
fair behandelt.
Wenn es Präsident
Reagan gelingen soll, weiterhin protektionistische
Gesetze
abzuwehren,
muß er in der Lage sein, eindeutig
und konkret zu beweisen, daß ausländische Märkte
für
amerikanische
Exporte offen sind.
Es ist in jüngster Zeit in Mode
gekommen, die Schwierigkeiten, denen
sich Amerika auf den Exportmärkten
gegenübersieht,
einem
angeblichen
Mangel an Wettbewerbsfähigkeit zuzuschreiben. Ich bin auch der Meinung,
daß der große amerikanische Binnenmarkt ein hemmender Faktor bei der
Entwicklung von Exportfähigkeiten gewesen
ist.
In
der
Vergangenheit
spielte der Außenhandel eine relativ
untergeordnete Rolle in unserer Wirtschaft. Dies hat uns relativ mangelhaft auf die heutige Welt hoher wirtschaftlicher
Verflechtung
vorbereitet. Wir haben auf die Herausforderung
durch ausländische
Konkurrenz
nicht energisch genug reagiert. Ein
teurer Dollar hat unseren Exporteuren
sehr geschadet. Wir sind jedoch entschlossen, es besser zu machen, und
wir haben die Verbesserung unserer
Wettbewerbsfähigkeit
zur
nationalen
Priorität erklärt.
In seiner Botschaft zur Lage der Nation hat Präsident Reagan ein Programm zur Verbesserung
unserer
Wettbewerbsfähigkeit
verkündet. Wir beabsichtigen, unsere
nationalen Bemühungen im Bereich von

- 9 -

�Wissenschaft und Technologie zu intensivieren. Wir werden Gesetze reformieren, die unsere Exporte behindern. Und wir werden auf verstärkte
internationale
Zusammenarbeit
bei
Währungs- und
Handelsangelegenheiten
dringen, um Chancengleichheit für unsere Exporteure sicherzustellen.
Ja, wir machen uns Sorgen über
die
amerikanische
Wettbewerbsfähigkeit, und wir unternehmen etwas auf
diesem Gebiet.
Gleichzeitig bleiben
wir jedoch in einer Reihe von Bereichen
sehr
wettbewerbsfähig:
Luftfahrt, Computer
und Telekommunikationswesen sind Beispiele, an die man
in diesem Zusammenhang sofort denkt.
Und die amerikanische Landwirtschaft,
die lange Zeit die Grundlage unserer
Exportstärke bildete, bleibt ein Bereich, in dem wir im Wettbewerb erfolgreich bestehen können.
Ich kann aber nicht genug betonen, daß es ausgesprochen unaufrichtig
ist, wenn unsere europäischen
Kollegen behaupten, die amerikanische
Wirtschaft sei nicht wettbewerbsfähig
und
gleichzeitig
mit
Verve
ihre
Schranken
und
Behinderungen
gegen
amerikanische Produkte gerade auf den
Gebieten verteidigen, auf denen wir
besonders wettbewerbsfähig sind.
Ich denke dabei an die gemeinsame
Agrarpolitik, die, zu enormen Kosten
für
den europäischen
Steuerzahler,
einen subventionierten Wettbewerb mit
den amerikanischen
Landwirten
fördert, der nicht nur auf dem heimischen
europäischen
Markt,
sondern
auch auf den Märkten von Drittländern
stattfindet.
Ich denke dabei an Hochtechnologie wie auch das Telekommunikationswesen, wo komplexe und starre Zulassungs- und Wettbewerbsregeln den Verkauf von ausländischer Ausrüstung und

Dienstleistungen behindern.
Ich denke dabei an die Produktion
von Verkehrsflugzeugen, wo europäische Regierungen Milliarden von DM,
Francs und Pfund in Vorhaben gesteckt
haben, die ohne diese Subventionen in
keinem Fall fortgesetzt werden könnten.
Ich denke dabei an militärische
Ausrüstung und Technologien, bei denen durch teure Entwicklungsprogramme
Technologien
kopiert
werden,
die
schon bei amerikanischen Lieferanten
erhältlich sind.
Bei all diesen Beispielen besteht
das Problem nicht in der amerikanischen Konkurrenzfähigkeit, sondern in
Schranken gegen fairen Wettbewerb gerade auf den Gebieten, auf denen wir
besonders wettbewerbsfähig sind.
Damit komme ich zu einem weiteren
Punkt bei der Frage der Wettbewerbsfähigkeit.
Er hat etwas mit den
Schwierigkeiten
zu tun, denen wir
beim Protektionismus ausgesetzt sind.
Dieser Punkt ist folgender: wenn unsere Handelspartner
unseren Handel
gerade in den Bereichen abwehren, in
denen wir besonders wettbewerbsfähig
sind, sollten sie sich nicht wundern,
wenn die Unterstützung dafür wächst,
ihren Handel dort abzuwehren, wo sie
besonders wettbewerbsfähig sind. Ich
bin kein Verfechter dieses Kurses.
Der Präsident befürwortet diesen Kurs
nicht. Aber man benötigt nicht viel
Phantasie, um seinen Reiz für eine
Wählerschaft
zu
verstehen,
die
glaubt, daß sie unfair behandelt wird.

Unsere Pflichten in Angriff nehmen
Die kommenden Monate werden also
voller
Herausforderungen
sein.
In
Handel und Wirtschaft ist unsere Fä-

- 10 -

�higkeit zur Beilegung von Streitigkeiten und zur Zusammenarbeit für gemeinsame Ziele harten Prüfungen unterworfen.
Handelsschranken, Streitigkeiten und das Konfliktpotential
werden weiterhin unsere Handels- und
Wirtschaftsbeziehungen belasten. Ich
möchte nicht behaupten, daß die Vereinigten Staaten ohne Fehl und Tadel
sind.
Beide Seiten bedienen sich
Praktiken, die unserer Ideale nicht
würdig sind. Und wir sind auf beiden
Seiten dem Druck wichtiger Wählergruppen ausgesetzt, um die heimischen
Interessen besser zu fördern und zu
verteidigen. Aber der Dialog bietet
eine Alternative zum Protektionismus,
und zwar meiner Ansicht nach die einzige, die wir besitzen. Wenn wir einen Rückfall vermeiden wollen, dann
müssen wir freimütig und ernsthaft
über die verstärkte Öffnung unserer
Märkte für die Welt sprechen.
Es ist kürzlich von einer Konferenz in München berichtet worden, ich
und andere Amerikaner hätten angedeutet, daß der Kongreß möglicherweise
amerikanische Truppen aus Europa abziehen könnte, falls unsere Handelsprobleme nicht gelöst würden. Lassen
Sie mich eindeutig zu einer grundlegenden Tatsache Stellung nehmen. Es
wäre ein tragischer Fehler, wenn die
Vereinigten Staaten jemals mit der
Lockerung ihrer Sicherheitsbindungen
an Europa drohen würden, um wirtschaftliche
Vorteile
zu
erlangen.
Ich glaube, daß ein umfangreicherer
einseitiger
Rückzug
amerikanischer
Truppen ein großer politischer und
strategischer Fehler wäre, der den
Vereinigten Staaten ebenso wie Europa
schaden würde.
Es entspricht also
nicht der Politik der Reagan-Administration, ein Junktim zwischen Handelsproblemen und amerikanischer Militärpräsenz in Europa zu verfolgen.
Es ist jedoch unabdingbar, zu erkennen, daß zwischen den amerikanisch-

europäischen
Wirtschaftsbeziehungen
und der Sicherheit des Bündnisses ein
wichtiger
Zusammenhang
besteht.
Schutzmaßnahmen für den Handel untergraben auf beiden Seiten des Atlantiks unser Wirtschaftspotential und
führen letztlich zu einer Begrenzung
der Mittel, die wir für die Verteidigung aufwenden können.
Was ebenso
wichtig ist: ernste Spannungen in unseren Wirtschaftsbeziehungen könnten
auch
auf
den
politischen
Bereich
übergreifen und würden den Zusammenhalt des Bündnisses an einem möglicherweise bedeutenden Zeitpunkt in
den Ost-West-Beziehungen untergraben.
Deshalb ist ein andauernder Elan
bei der Liberalisierung des Handels
nicht nur der Schlüssel für weltweiten Wohlstand sondern auch für die
internationale Sicherheit.
Bei der
neuen Runde multilateraler Handelsgespräche in Uruguay begrüßen wir die
Aussicht auf weitreichende Verbesserungen im Welthandelssystem. Wir haben hier eine Gelegenheit, internationale Disziplin
beim Handel mit
Dienstleistungen
und
Investitionen
einzuführen, notwendige
Regeln
zum
Schutz geistigen Eigentums zu verabschieden und das Schlichtungsverfahren für Streitfälle zu stärken. Dies
ist der Weg, den wir einschlagen müssen, nicht der Unilateralismus. Wir
müssen der Welt insgesamt dynamisch
und
vertrauensvoll
gegenübertreten.
Wir sollten uns nicht ängstlich hinter
schützenden
nationalen Grenzen
verstecken.
Bei dieser Vision nimmt Europa
eine Schlüsselrolle ein, denn Europa
ist inzwischen erwachsen.
Nach der
menschlichen
und
wirtschaftlichen
Verwüstung des Krieges ist die europäische Wirtschaftsmacht wieder
zu
einer bedeutenden Kraft in der Welt
geworden.
Die Stärke der europäischen Wirtschaft ist zu einer sol-

- 11 -

�chen Dimension angewachsen, daß die
von Ihnen getroffenen Entscheidungen
nicht nur das Wohlergehen der Europäer, sondern das von Menschen in der
ganzen Welt betrifft.
Wir in den Vereinigten Staaten
begrüßen dies.
Seit den frühesten
Tagen
der
Nachkriegszeit
ist
ein
starkes und vereintes Europa Ziel
amerikanischer Politik gewesen. Wir
teilen den Stolz Europas auf die
enormen Fortschritte, die auf dem Weg
zu wirtschaftlicher Integration und
politischer
Zusammenarbeit
zunächst
von sechs und heute von zwölf freien
und nach vorn blickenden europäischen
Staaten erzielt wurden.
In den Vereinigten Staaten ist
heutzutage die Besorgnis weit verbreitet, daß die Handelspartner Amerikas die Offenheit des amerikanischen Marktes ausnutzen, während sie
gleichzeitig selbst Schranken gegen
den amerikanischen Handel aufrechterhalten.
Wie ich schon sagte, wird
die Reagan-Administration zunehmendem
Druck des Kongresses ausgesetzt sein,
um - auch protektionistische - Maßnahmen zur Verringerung des Ungleichgewichts im amerikanischen Außenhandel zu ergreifen. Wenn der Präsident
weiterhin in der Lage sein soll, den
freien Handel zu verteidigen und dem
Protektionismus
zu widerstehen, so
muß er zeigen können, daß unsere
Partner sein starkes Interesse an einer
offenen Weltwirtschaft
teilen.
Er muß zeigen können, daß diese die
schwierigen Schritte unternehmen, die
notwendig sind, um die Offenheit der
Weltwirtschaft zu erhalten und noch
weiter auszubauen.
Dies heißt, daß unsere Partner
dabei helfen können. Die Bundesrepublik kann dabei helfen. Durch Politik und Taten können unsere Partner
Präsident Reagan die Hilfe zur Verfü-

gung stellen, die für seine Fähigkeit
zur Verteidigung des freien Handels
in den Vereinigten Staaten entscheidend sein kann.
In früheren öffentlichen und vertraulichen Gesprächen mit führenden
Persönlichkeiten der Meinungsbildung
in Europa, wie Ihnen, habe ich oft
gesagt, das Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik entwickle sich zu einer "reifen Partnerschaft". Damit meine ich,
daß bei den Deutschen ein neues, positives Bewußtsein in bezug auf die
wirtschaftliche
und
technologische
Stärke der Bundesrepublik
und die
Stabilität ihrer politischen Institutionen
herrscht.
Und
es
besteht
ebenfalls eine neue Bereitschaft bei
den Deutschen, der Bundesrepublik eine aktivere Rolle in den internationalen
Angelegenheiten
einzuräumen.
Auf amerikanischer Seite besteht eine
unmittelbarere Einsicht in die Tatsache, daß Freunde, wie jeder andere
auch, ihre eigenen Ansichten haben.
Die Vereinigten Staaten sind bereit
zu Konsultationen und zum Zuhören,
und sie sind ebenfalls bereit, Macht
und Verantwortung mit unseren engsten
Freunden und Verbündeten zu teilen.
Wir teilen mit der Bundesrepublik, die vom Außenhandel lebt, die
Wertschätzung für ein gesundes und
offenes Welthandelssystem.
Im Einklang mit unserer
reifen Partnerschaft fordern wir die Bundesrepublik
auf, ihre Wirtschaftskraft
in den
Dienst des Wachstums der Weltwirtschaft und der Anstrengungen zur Erhaltung und Förderung des freien Handels zu stellen.
Unsere beiden Länder sind durch
gemeinsame Werte und Ziele eng verbunden.
Seit über vier Jahrzehnten
arbeiten wir bei der Förderung von
Freiheit, Sicherheit und Wohlergehen

- 12 -

�der Völker unserer beiden Länder zusammen.
Heute wird unsere Partnerschaft
in einer sich verändernden
Welt einer neuerlichen Prüfung unterworfen.
Unilateralismus, Protektionismus
und Provinzialismus drohen,
unserem Marsch
zu einer offeneren
Weltwirtschaft Einhalt zu gebieten.
Wenn wir weise genug sind, um die vor
uns stehenden Gefahren zu erkennen,
dann bin ich zuversichtlich, daß wir
die Mittel finden können, um sie zu
überwinden.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
V,o^

Hintergrundmaterial

11. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß Teil III

III. Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten

Kontinuität der grundlegenden
Ziele
Unsere Außenpolitik spiegelt die
grundlegende
Stoßrichtung
unserer
Strategie der Nationalen Sicherheit
wider - die Förderung unseres demokratischen
Lebensstils.
Die Geschichte hat uns wiederholt gezeigt,
daß die Respektierung von Freiheiten
und Rechten des Einzelnen nur den De-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

mokratien innewohnt. In der Welt der
Nachkriegszeit haben die Demokratien
auch
eine
außergewöhnliche
wirtschaftliche
Lebenskraft
bewiesen.
Mit ihren flexiblen Ökonomien haben
die Demokratien dauerhaft die Effizienz und Dynamik gezeigt, die nötig
ist,
um
in
einem
komplexen
und
schwierigen
internationalen
Wirtschaftsumfeld ihre Stärke zu erhalten.
Wenn wir solch eine Welt erreichen wollen, wie wir sie alle erhoffen, muß die Demokratie weiterhin gedeihen und sich ausbreiten.
Heute

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ist die Stärke der Demokratie in einer Reihe von Ländern, die sich in
verschiedenen
Stadien
wirtschaftlicher Entwicklung befinden, im Wachsen begriffen. Die Vereinigten Staaten müssen ein Leuchtfeuer der Demokratie sein. Leider werden viele in
der
Welt
daran
gehindert, dieses
Leuchtfeuer zu sehen. Für noch mehr
Menschen
wird
es
verzerrt
dargestellt; und wieder andere, die es sehen können und von ihm geleitet werden, benötigen Hilfe in Form von
praktischem Beistand.
Wir haben früher schon Beistand
geleistet - nach dem Kriege in Westeuropa und Japan - und wir müssen
dies wieder tun. Was wir in diesen
Regionen zu erzielen halfen, bildet
eines der bemerkenswertesten, positiven
Kapitel
unserer
jüngeren Geschichte.
Unsere Unterstützung der
Demokratie
sollte
nicht
versteckt
werden; sie muß aktiv und sichtbar
geleistet werden. In den vergangenen
beiden Jahrzehnten hat die aktive Unterstützung demokratischer Kräfte den
Wert dieser legitimen und wichtigen
Tätigkeit bewiesen.
Die erhebliche
Unterstützung, die von demokratischen
Parteien in Westeuropa geleistet wurde, hat zu den erfolgreichen Bemühungen der demokratischen Bewegungen in
Spanien und Portugal einen bedeutenden Beitrag geleistet.
Wir
sind an der Unterstützung
konstruktiver Veränderungen interessiert, die zu mehr politischer Stabilität,
sozialer
Gerechtigkeit
und
wirtschaftlichen Fortschritten führen
können.
Solche Veränderungen müssen
von innen kommen und einen Weg beschreiten, der durch nationale und
lokale Traditionen
vorgegeben
ist.
In einigen Fällen ist es besser, wenn
Beistand oder Orientierung von anderen Demokratien oder multilateral gewährt
werden.
Geduld, Anerkennung

anderer Kulturen und die Erkenntnis
unserer eigenen Grenzen müssen unsere
Bemühungen leiten.

Instrumente der Außenpolitik
Die Vereinigten Staaten besitzen
ein
außergewöhnlich
vielfältiges
Spektrum von Instrumenten, um ihre
internationalen Interessen zu schützen und den weltweiten Trend zur Demokratie zu unterstützen. Vielleicht
ist keine Nation
jemals mit vergleichbaren Instrumenten ausgestattet
gewesen.
Diese
Instrumente
sind
meist dann besonders wirksam, wenn
sie im Verbund mit anderen angewendet
werden.
Sie alle müssen veränderten
Situationen
angepaßt
werden.
Die
Wiedergeburt unserer nationalen Stärke in diesem Jahrzehnt beruhte auf
einer breiten Grundlage.
Sie wird
nur dann bis ins nächste Jahrzehnt
anhalten, wenn wir diese Grundlage
schützen und sicherstellen, daß die
uns zur Verfügung stehenden Instrumente angemessen bewahrt und wirksam
angewendet werden.
Die getrennten,
aber untereinander
zusammenhängenden
Instrumente, von denen der Erfolg unserer Außenpolitik abhängt, sind:
Das
moralische
und
politische
Vorbild:
amerikanischer
Geist
und
Wohlstand und unsere in der Vergangenheit erbrachten Leistungen bedeuten eine entscheidende Herausforderung für die Ideologie unserer Gegner:
freie, pluralistische Gesellschaften funktionieren.
Diese Macht
des Vorbilds verkörpert einen bedeutenden Vorteil der amerikanischen Gesellschaft, aber wir sollten seine
Ausprägung nicht dem Zufall überlassen. Es liegt in unserem Interesse,
diese Botschaft auf organisierte Weise zu verbreiten.

- 2 -

Militärische

Stärke

und

wirt-

�schaftliche Vitalität: Starke militärische Fähigkeiten der Vereinigten
Staaten sind unabdingbar, um das stabile, sichere Umfeld sicherzustellen,
in dem die Diplomatie eine wirksame
Rolle spielen kann und unsere Gegner
abgeschreckt
werden.
Die
Wirtschaftskraft
Amerikas
unterstützt
diese Stärke und kräftigt unsere Beziehungen zu anderen Ländern, die unser Interesse an einer freien und offenen internationalen Ordnung teilen.

zehnten seit dem Zweiten Weltkrieg
hat Amerika fast 200 Milliarden Dollar zur wirtschaftlichen Entwicklung
anderer
Länder
beigetragen.
Diese
Mittel haben eine herausragende Rolle
gespielt,
um
sicherzustellen,
daß
entscheidende Ziele der Vereinigten
Staaten erreicht werden.
Ein gut
strukturiertes
Wirtschaftshilfeprogramm bildet eine unabdingbare Unterstützung unserer führenden Stellung
in der weit.

Bündnisbeziehungen:
Die Verfolgung amerikanischer Ziele hängt von
der Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern ab.
Diese Beziehungen
steigern unsere Stärke und mildern
die verständliche Abneigung des amerikanischen Volkes, Lasten für die
Sicherheit
allein
zu tragen.
Die
vorhersehbaren
Schwierigkeiten, die
von Zeit zu Zeit in allen Bündnisbeziehungen entstehen, müssen an den
enormen Vorteilen
gemessen werden,
die diese Bindungen für uns und unsere Freunde bedeuten.

Handelspolitik: Die Wirkung der
Wirtschaftshilfe wird maximiert, wenn
sie von einer soliden Handelspolitik
begleitet ist, die eine bestmögliche
Nutzung
unserer Hilfe erleichtert.
Darüber hinaus wird eine Handelspolitik, die wirtschaftliche Schwierigkeiten anderer noch verstärkt, den
Bedarf für zukünftige amerikanische
Wirtschaftshilfe
nur noch erhöhen.
Das Festhalten an den Prinzipien einer offenen und freien Welthandelsordnung stellt sicher, daß die Staaten die wirtschaftliche Stärke erlangen, um auf eigenen Füßen zu stehen
und leistet durch einen gegenseitig
vorteilhaften Handel einen Beitrag zu
unserem eigenen Wohlergehen. Sicherheitserwägungen werden bisweilen Zurückhaltung beim Handel und Zusammenarbeit mit Verbündeten erfordern, um
zu verhindern, daß unsere Gegner ihre
militärischen Fähigkeiten ausbauen.

Militärhilfe: Indem wir unseren
Freunden, Verbündeten und denjenigen,
die von unseren Gegner als Ziele ausgewählt wurden, helfen, sich die Mittel zu ihrer Verteidigung verschaffen, begrenzen wir unsere mögliche
eigene
Verwicklung
in
gefährliche
Konflikte.
Militärhilfe an ausländische Staaten ist eine produktive Investition für unsere eigene Sicherheit.
Sie unterstützt die Abschrekkung, fördert regionale Stabilität,
hilft dabei, den Zugang zu lebenswichtigen militärischen Einrichtungen
in Übersee zu gewährleisten und vermindert unsere eigenen militärischen
Pflichten. Die entschlossene Nutzung
dieses
wertvollen
außenpolitischen
Instruments fördert direkt unsere Sicher he its in ter essen.
Wirtschaftshilfe:

In

den

Jahr-

Zusammenarbeit
bei
Wissenschaft
und Technologie:
Für die meisten
Länder ist der Zugang zu modernen
wissenschaftlichen
und
technologischen
Ressourcen
entscheidend
für
Wohlstand
und
langfristiges
Wirtschaftswachstum.
Die weltweite Führungsrolle und die enormen Ressourcen
der Vereinigten Staaten bei Wissenschaft und Technologie sind bedeutende strategische Aktivposten, um die
bestehenden
Bindungen mit Freunden
und Verbündeten zu stärken und posi-

- 3 -

�tive Beziehungen mit
Nationen zu fördern.

aufsteigenden

Private
Investitionen
in
die
Wirtschaft
von
Entwicklungsländern:
Der freie Fluß internationaler Investitionen
ist für das weltweite
Wirtschaftswachstum von ebenso zentraler Bedeutung wie für eine offene
Welthandelsordnung.
Private amerikanische Investitionen in weniger entwickelten Ländern tragen erheblich zu
deren
Wirtschaftswachstum
bei
und
fördern die soziale Stabilität.
Zu
einer Zeit, in der sich Entwicklungsländer bemühen, ihre Schuldendienstverpflichtungen zu erfüllen und die
Mittel ihrer nationalen Budgets unter
Druck stehen, ist der Beitrag von Investitionen des privaten Sektors von
zunehmender Bedeutung.
Diplomatische Vermittlung: In Regionen, in denen unsere Interessen
und die unserer Freunde durch Konflikte bedroht werden, sind politische Anstrengungen unverzichtbar, um
Gewalt zu beenden, Freiheit und nationale Selbstbestimmung zu fördern
und das Fundament zukünftiger Stabilität zu legen. Die Initiativen der
amerikanischen Diplomatie leiten ihre
Stärke aus der wirksamen und integrierten Nutzung der anderen bereits
erwähnten Instrumente ab sowie von
der Fähigkeit der amerikanischen Vertreter, in Streitfällen glaubwürdig
als Vermittler zu agieren. Indem wir
die Festigkeit unserer Verpflichtungen für Freunde und Verbündete klarstellen, werden wir tatsächlich für
deren Gegner die Anreize für Verhandlungen verstärken.
Internationale
Organisationen:
Multilaterale Diplomatie und Beteiligung an internationalen Organisationen bieten eine Möglichkeit, um weltweit bestehende, gemeinsame Probleme
zu behandeln und die Aufgabe, sie zu
- 4

lösen, gemeinsam
anzugehen.
Durch
geschickte
amerikanische
Diplomatie
innerhalb dieser Organisationen haben
wir insgesamt unseren Zielen bei Fragen wie der Erhaltung des Friedens,
der Förderung der Menschenrechte und
der Ermutigung zur Entwicklung freier
wirtschaftlicher und politischer Systeme Nachdruck verliehen.
Unterstützung von Freiheitskämpfern: Das Instrumentarium der Außenpolitik muß auch die besonderen Bedürfnisse derer einbeziehen, die den
in den siebziger und achtziger Jahren
in der Dritten Welt errichteten, sowjetisch geprägten Regimen Widerstand
leisten. Amerika hat eine lange Geschichte privater und staatlicher Unterstützung von Gruppen, die nach nationaler Unabhängigkeit und Freiheit
streben. Dies ist ein grundlegendes
und wichtiges Bemühen, da aggressive
marxistisch-leninistische Regime eindeutig
internationalen
Frieden
und
Stabilität bedrohen. wir möchten die
Sache von Freiheit
und Demokratie
vorantreiben und den Sowjets demonstrieren, daß ihnen ihre Handlungen,
die auf die Ausbreitung des marxistisch-leninistischen
Totalitärismus
abzielen, keinen dauerhaften Gewinn
bringen werden.

Internationale Wirtschaftspolitik
Die Vereinigten
Staaten unterstützen eine marktorientierte Politik, durch die das Wirtschaftswachstum
im In- und Ausland gefördert
wird.
Das Wirtschaftswachstum
der
Vereinigten Staaten ist der Eckpfeiler, der unsere Stärke sichert und
die Entfaltung des menschlichen Potentials gestattet.
Unsere Politik
des Wirtschaftswachstums hat in den
vergangenen sechs Jahren die Grundlagen zur Stützung des wichtigsten Ele-

�ments unserer nationalen Sicherheitsstrategie geliefert - der Wiederherstellung der amerikanischen Militärmacht.
In weiten Teilen der Welt
werden wir um das dynamische Wachstum
der amerikanischen Wirtschaft beneidet. Wir sind in diesem Land gerade
damit beschäftigt, die amerikanische
Produktivität wiederherzustellen, unsere Führung
auf wissenschaftlichtechnischem
Gebiet
aufrechtzuerhalten,
unser
Potential
an
Menschen
bestmöglich zu verwenden und mit einer noch effizienteren, leistungsund
wettbewerbsfähigeren
amerikanischen Wirtschaft in das 21. Jahrhundert zu gehen.
Unsere Nation wird
diese Ziele durch harte Arbeit, Entschlossenheit und Engagement für die
Wiederbelebung der amerikanischen Industrie erreichen.
Die Vereinigten Staaten verlassen
sich dabei auf privaten Unternehmungsgeist
und
Initiative.
Diese
Philosophie führt zu einem höheren
Lebensstandard und zu Anteilnahme am
wirtschaftlichen
Weiterkommen
des
Einzelnen.
Im internationalen wirtschaftlichen Bereich zielt unsere nationale
Sicherheitsstrategie
darauf
ab,
eine
marktorientierte
Wirtschaftspolitik zu fördern, durch die
ein
Höchstmaß
an
wirtschaftlichen
Chancen und Wohlergehen des Einzelnen
erreicht wird.
Es ist wichtig, zu verstehen, warum
wir
die
Privatinitiative
als
Grundlage
unserer
internationalen
Wirtschaftspolitik betonen. Dies ist
eines der Hauptgebiete, auf denen
sich die Vereinigten Staaten - und
die freie Welt allgemein - von der
kommunistischen Welt in jeder Hinsicht unterscheiden. Das sowjetische
Wirtschaftsmodell wird von der Ineffizienz der zentral gesteuerten Wirtschaft gekennzeichnet, dem Scheitern
kollektiver Unternehmen und der Unfä-

higkeit, der Masse der sowjetischen
Bürger
einen
angemessenen
Lebensstandard
bereitzustellen.
Das sowjetische
Modell der
Organisierung
der Wirtschaft funktioniert nicht und
wird nie funktionieren.
Unter der Führung von Generalsekretär Gorbatschow hat die Sowjetunion
angekündigt, daß sie grundsätzliche
Reformen bei der Durchführung der
Wirtschaftspolitik in Angriff nehmen
möchte. Kürzlich lud Gorbatschow den
westlichen Privatsektor und insbesondere Führungskräfte der amerikanischen Wirtschaft dazu ein, sich in
Zukunft langfristig in der sowjetischen Wirtschaft zu engagieren.
Im
Licht dieser sowjetischen Initiative
müssen wir uns fragen, welche Art von
Sowjetunion wir in den nächsten 20
oder 30 Jahren sehen möchten.
Sicherlich können wir das Resultat nur
am Rande beeinflussen.
Wir sollten
jedoch nicht die neuen Möglichkeiten
zur Vergrößerung des wirtschaftlichen
Austauschs
zwischen
unseren
beiden
Gesellschaften
außer
acht
lassen.
Mehr wirtschaftliche Freiheit für das
sowjetische Volk liegt im Interesse
des Westens, solange sie nicht zu
verstärkten sowjetischen Investitionen in militärische Fähigkeiten führt.
Wir müssen solch einen Austausch
jedoch realistisch angehen. Es gibt
einige Bereiche, in denen er sicherlich nicht konstruktiven Zielen dienen würde. Gegenwärtig wäre zum Beispiel eine sowjetische Mitgliedschaft
im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) nicht im besten Interesse des Westens. Zusätzlich zur Gefahr einer Politisierung des GATT ist
das staatlich gesteuerte Handelssystem der UdSSR unvereinbar mit der
Orientierung
des
internationalen
GATT-Handelssystems auf freie Märkte.
Vorschläge
sowjetischer
Regierungsvertreter in bezug auf eine mögliche

- 5 -

�Mitgliedschaft der UdSSR in der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds
sollten
aus
ähnlichen
Gründen zurückhaltend behandelt werden. Unter den gegenwärtigen Umständen würden wir eine solche Mitgliedschaft ablehnen.
Die Bemühungen der UdSSR, ihre
Außenwirtschaftsbeziehungen zu erweitern, bilden einen integralen Bestandteil der nationalen Sicherheitsstrategie der Sowjets. Neben der Unterstützung
der sowjetischen Wirtschaft sind sie darauf ausgerichtet,
die Abhängigkeit von Handelspartnern
auszunutzen und allgemein Macht und
Einfluß der Sowjets zu stärken. Der
Handel mit dem Westen kann daneben
Zugang zu moderner Technologie verschaffen,
wodurch
die
sowjetische
Aufrüstung unterstützt wird. Nichtkommunistische Regierungen müssen eine größere Disziplin bei der Berücksichtigung von Sicherheitsinteressen
in den Wirtschaftsbeziehungen
zwischen Ost und West einbringen.
Insbesondere bedeutet dies:
- Wie in den Vereinbarungen
von
Helsinki dargelegt, sollte zwischenstaatliche Zusammenarbeit im
Bereich der Wirtschaft von Fortschritten
in anderen Bereichen
der Ost-West-Beziehungen abhängig
gemacht
werden,
einschließlich
der Respektierung der Menschenrechte durch den Osten.
- Die COCOM-Kontrollen in bezug auf
strategische Technologien sollten
aufrechterhalten, gestrafft
und
durchgesetzt werden, um die Fähigkeit der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten zu zügeln, mit dem
Westen bei den militärischen Fähigkeiten gleichzuziehen oder ihn
zu überholen.

- 6

- Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) sollte ihre Bemühungen fortführen, die Abhängigkeit
ihrer
Mitgliedsstaaten
von unsicheren Energiequellen zu
verringern.
In den frühen Tagen unserer Administration haben wir das internationale wirtschaftliche Fundament
für
verstärkte Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten gelegt.
Wir haben versucht, den Standpunkt zu fördern, daß
die Zukunft denjenigen gehört, die es
dem freien Unternehmertum gestatten,
wirtschaftliche
Entscheidungen
zu
leiten und nicht den Regimen, die es
bürokratischen Funktionären erlauben,
den Kurs der wirtschaftlichen Entwicklung zu bestimmen. Während dieser sechs Jahre sind wir Zeugen geworden, wie diese Prinzipien von der
Theorie in die Praxis umgesetzt wurden. In Frankreich schreitet die Liberalisierung der Wirtschaft stetig
voran.
in Japan werden Handel und
Kapitalmärkte langsam aber sicher geöffnet.
In
der
Bundesrepublik
Deutschland und Großbritannien wird
ein neuer Wirtschaftskurs festgelegt,
um Wachstum mit geringer Inflation
aufrechtzuerhalten.
Wir glauben, daß langfristig eine
marktorientierte Politik den Schlüssel zu mehr Wachstum in Amerika und
in der ganzen Welt darstellt.
Wir
haben uns sorgfältig darum bemüht,
protektionistischen Tendenzen im Inund Ausland zu widerstehen, da der
Protektionismus allen freien Nationen
schaden wird.
Die sofortigen wie
auch die langfristigen Kosten würden
jegliche kurzfristigen Vorteile, die
vielleicht gewonnen werden könnten,
mehr als zunichte machen. wir haben
eine auf den Marktkräften beruhende
Energiepolitik
und einen
offeneren
Handel mit Energie innerhalb der IAEO
ermutigt. Wir sind die Haupttriebfe-

�der bei der Schaffung einer Grundlage
für die neue Verhandlungsrunde innerhalb des GATT gewesen, durch die
Märkte für unsere Exporte von Gütern
und
Dienstleistungen
geöffnet
und
mehr
Wachstum,
Effizienz
und
die
weltweite Zunahme von Arbeitsplätzen
stimuliert werden.
Wir haben die
Bindungen
mit
unseren
asiatischen
Partnern gestärkt, indem wir die zukünftige Rolle der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Pazifik betont haben.
Die Industriestaaten des Westens
sind zunehmend voneinander abhängig
geworden.
Keines dieser Länder kann
auf sich allein gestellt die langfristigen
wirtschaftlichen
Probleme
wirksam lösen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten müssen zusammenarbeiten, wenn wir und die Welt
insgesam wachsent und gedeihen sollen.
Die weltweite Stärkung des Wirtschaftswachstums,
die
Öffnung
der
Märkte
und
die
Verbesserung
der
Schuldenlage
der
Entwicklungsländer
sind
langfristige
Ziele, die nur
durch für die Aufrechterhaltung andauerndem Wohlstandes benötigte Faktoren, wie gesunde Wirtschaftspolitik, umsichtige Kreditvergabe sowie
direkte Investitionen und wachsende
Märkte erreicht werden können. Bedeutende
Beiträge
an
Kapital
und
Know-How mittels Hilfeleistung, Investitionen, Technologietransfer und
Ausbildung sind ebenso wichtige Bestandteile
regionalen Friedens und
kollektiver Sicherheit wie Abschrekkungsstreitkräfte und Verteidigungsbündnisse.
Diese Neudefinition des
traditionellen Konzepts der "Lastenverteilung" steht im Einklang mit den
Fähigkeiten der Vereinigten Staaten
und unserer Verbündeten und mit den
sich herausbildenden Pflichten einer
gemeinsamen Führung.

Kurz gesagt: unsere internationale Wirtschaftspolitik entspringt der
Überzeugung,
daß
wirtschaftliche
Freiheit nicht den alleinigen Besitz
einiger
Auserwählter,
sondern
das
universelle Recht aller Menschen darstellt.
Wir
werden
unsere wirtschaftliche Macht und unseren politischen Willen benutzen, um unsere Vision
einer
weltweiten
wirtschaftlichen Zukunft zu erhalten und zu
nähren, die freien Menschen, freien
Regierungen
und
freier wirtschaftlicher Tä'tigkeit gehört.

Elemente nationaler Stärke in
Politik und Informationswesen
Im politische Bereich sind wir
einer
grundlegenden
Herausforderung
unserer nationalen Sicherheit ausgesetzt. Diese Herausforderung besteht
darin, den Krieg der Ideen auszufechten und die politische Infrastruktur
der Demokratien in der Welt unterstützen zu helfen. Um dies zu erreichen, müssen wir der Aufrechterhaltung unserer politischen Verteidigung
ebenso verpflichtet sein wie unserer
militärischen Verteidigung.
Meinungsumfragen finden regelmäßig heraus, daß zwei Drittel der amerikanischen Wählerschaft normalerweise kein Interese an auswärtiger Politik haben. überdies glaubt heute nur
eine knappe Mehrheit, daß unser Land
eine aktive Rolle in der Weltpolitik
spielen sollte - und diese Mehrheit
ist im Schwinden begriffen. Es gibt
keine natürliche heimische Wählerschaft für die Außenpolitik - wir
müssen eine schaffen.
Zu den Instrumenten zur Verwirklichung eines solchen Ansatzes gehören eine Reihe traditioneller außenpolitischer Institutionen, wie etwa
das Außenministerium, das Amt für In-

- 7 -

�ternationale Entwicklung
(AID) , das
US-Informationsamt (USIA) sowie mehrere traditionell weniger Beteiligte,
darunter die Ministerien für Wirtschaft und Finanzen sowie der US-Handelsbeauftragte (USTR).
Ein weiterer Akteur im Bereich
von Politik, Informations- und Kommunikationswesen ist der Privatsektor.
In den vergangenen sechs Jahren ist
der Privatsektor als Schlüsselelement
bei der Entwicklung der außenpolitischen Ziele der Vereinigten Staaten
gestärkt worden. Führende Privatleute und -gruppen unternehmen Schritte,
um die vielen lokalen Kräfte in den
Vereinigten Staaten zu indentifizieren und organisieren, die ein direktes Interesse an den Beziehungen unseres Landes zur übrigen Welt haben.
Die auf freiwilliger Basis im außenpolitischen Bereich arbeitenden Privatorganisationen leisten einen unverzichtbaren Beitrag bei der Aufklärung der Öffentlichkeit.
Sie genießen unsere besondere Förderung und
Unterstützung .
Wenn wir uns auf die Erfordernisse einer wirksamen politischen und
Informationspolitik
konzentrieren,
müssen wir im Auge behalten, daß die
Sowjetunion ein äußerst aggressives
Propagandaprogramm zur Täuschung der
Öffentlichkeit besitzt, das sich eines breiten Spektrums an Techniken
bedient, die nicht nur auf die Dritte
Welt, sondern auch auf unsere Bündnispartner gerichtet sind.
Das gegenwärtige sowjetische Regime hat die
Bandbreite
und
Intensität
sowjetischer Anstrengungen im Bereich der
öffentlichen Diplomatie und Propaganda erweitert.
Wir müssen sowjetischer Propaganda und aktiven Maßnahmen entgegentreten, indem wir das
ganze Instrumentarium amerikanischer
Informationsprogramme nutzen.

Unsere Strategie in Politik und
Informationswesen muß auch die Völker
erreichen, denen der Zugang zu Informationen verweigert wird, insbesondere in der UdSSR und Osteuropa - um
Hoffnung auf Wandel zu ermutigen und
die Öffentlichkeit dort über die Vorzüge freier Institutionen zu unterrichten.
Dies wird erreicht durch
die elektronischen Medien, durch Publikationen
sowie
durch
verstärkte
Kontakte und den Gedankenaustausch,
der aus solchen Kontakten erwächst.
Der Prozeß des schrittweisen Wandels
wird im Innern stattfinden, aber der
Antrieb und die Vision, "wie alles
sein könnte", müssen in einer geschlossenen
Gesellschaft von außen
kommen.
Dies ist die Vision einer
Nation, die glaubt, daß eine Welt der
Demokratien eine sicherere Welt ist,
eine Welt, in der die Achtung der
Menschenwürde eine bessere Chance auf
Verwirklichung erhält.

Regionalpolitik
Westliche Hemisphäre:
Die Verteidigung
Nordamerikas
bildet
das
grundlegendste
Sicherheitsanliegen
der Nation.
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat dies in dieser Hemisphäre
zu einem Sicherheitssystem geführt,
das aus einem starken nuklearen Abschreckungspotential der Vereinigten
Staaten, verstärkter
Zusammenarbeit
mit Kanada und der Förderung kollektiver Sicherheitsvorkehrungen mit Lateinamerika besteht.
Neue Bedrohungen und neue Chancen für die Demokratie in der westlichen Hemisphäre machen es notwendig, daß dieser traditionelle Ansatz mit neuem Leben erfüllt wird, indem wir auf den gemeinsamen Interessen mit unseren demokratischen Nachbarn in der Karibik, in
Nord-, Mittel- und Südamerika aufbauen.

�Aggressive marxistische Regime in
Kuba und Nicaragua haben die westliche Hemisphäre, die einst unbestritten als sicher für die Vereinigten Staaten galt, in ein Gebiet strategischer Chancen für die Sowjetunion
verwandelt.
Die Labilität sozialer
und politischer Arrangements in Lateinamerika und die Präsenz dieser
beiden
sowjetischen
Klientelstaaten
mit ihrer Unterstützung von GuerillaBewegungen in anderen lateinamerikanischen Staaten und ihren Verbindungen zum internationalen Terrorismus
lassen
andauernde Instabilität und
Konflikte
in der Region erwarten.
Diese Lage wird noch verschlimmert
durch
anhaltende
Wirtschaftsnd
Schuldendienstprobleme, das weiterbestehende Problem
des Drogenhandels
und der wachsenden politischen Stärke
der Drogenhändler, die - oft in Zusammenarbeit mit örtlichen Guerillagruppen - begonnen haben, eine ernsthafte Herausforderung für die wiedergeborenen lateinamerikanischen Demokratien zu bilden.
Die nationale Sicherheitspolitik
der Vereinigten Staaten für die westliche Hemisphäre
zielt darauf ab,
diese Probleme innerhalb eines weiter
gespannten Rahmens zur Förderung der
Demokratie, Unterstützung wirtschaftlicher Entwicklung, Stärkung von Dialog und Diplomatie innerhalb und zwischen den Ländern dieser Region sowie
durch einen Beitrag zu defensiven Fähigkeiten
zu behandeln, die Fortschritte ohne schwächende Einmischung
von außen erlauben. Viele gegenwärtig bestehende Herausforderungen, denen sich die Vereinigten Staaten gegenübersehen, fallen aus den formalen
kollektiven SicherheitsVereinbarungen
heraus, die in vergangenen Jahrzehnten geschaffen wurden. Unsere nationale Sicherheit erfordert die Betonung politischer und wirtschaftlicher
Unterstützung
für
die
Demokratien

dieser Hemisphäre
Initiativen
zur
Bündnisse.

und diplomatische
Stärkung
unserer

Westeuropa: Die Sicherheit Westeuropas ist für die Vereinigten Staaten von lebenswichtigem
Interesse.
Gemeinsame Werte, die sowjetische Bedrohung und die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa unterstreichen die Bedeutung der gemeinsamen, von der NATO verkörperten Verteidigung.
Die beiden größten Gefahren für
die Sicherheit Westeuropas bestehen
gegenwärtig in der geographischen Nähe massiver sowjetischer konventioneller und nuklearer Streitkräfte sowie in der Verwundbarkeit des ölnachschubs für Westeuropa, von dem 60
Prozent auf dem Seeweg vom Persischen
Golf transportiert wird.
Der Zusammenhalt im NATO-Bündnis
ist angesichts dieser Herausforderungen weiterhin stark und wird noch
verstärkt durch einen intensiven Konsultationsprozeß in bezug auf das gesamte Spektrum von Sicherheitsfragen.
In den vergangenen 12 Monaten fanden
im NATO-Rahmen ungefähr 30 Konsultationen auf hoher Ebene statt. Dieser
intensive Prozeß, dem wir weiterhin
ohne Abstriche verpflichtet bleiben,
hat zum grundsätzlichen Konsens innerhalb des Bündnisses bezüglich der
Behandlung
der
Ost-West-Beziehungen
bei Fragen von der Rüstungskontrolle
bis hin zu den Menschenrechten beigetragen.
Der
in den jüngsten Ministerkommuniques der NATO dargelegte
gemeinsame Ansatz des Bündnisses verknüpft die Verpflichtung zur Erhaltung der für die Verteidigung unserer
lebenswichtigen Interessen notwendigen
Stärke
mit
der
Bereitschaft,
durch einen realistischen Dialog mit
der Sowjetunion auf verbesserte Be-

- 9 -

�Ziehungen hinzuarbeiten.
Das Bündnis ist in den letzten
Jahren meßbar gestärkt worden.
Die
Vereinigten Staaten haben dem Wiederaufbau ihrer atlantischen Beziehungen
besondere
Aufmerksamkeit
gewidmet,
und unsere Bemühungen zur Wiederbelebung der amerikanischen
Wirtschaft
haben einen wesentlichen Impuls für
das Wachstum in Westeuropa geliefert.
Weitere Meilensteine waren der Beitritt Spaniens zur NATO im Jahr 1982
und das spanische Referendum für die
andauernde Mitgliedschaft im vergangenen Jahr.
Durch die im Jahr 1983
begonnene Stationierung neuer Mittelstreckenraketen (INF) hat das Bündnis
seine
Entschlossenheit
zum
Schutz
seiner grundlegenden Interessen angesichts
sowjetischer
Einschüchterung
demonstriert. Im Jahr 1984 haben die
Verbündeten ein Programm zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung auf den Weg gebracht und danach
der Rüstungszusammenarbeit verstärkte
Aufmerksamkeit
geschenkt.
In
den
Jahren 1985-86 hat die Festigkeit und
Solidarität der Verbündeten dazu beigetragen, die Sowjets an den Genfer
Verhandlungstisch zurückzubringen und
in den Gesprächen selbst Fortschritte
zu fördern.
Trotz der grundsätzlich bestehenden Vitalität und Stärke des atlantischen Bündnisses sind die Beziehungen mit den NATO-Staaten verschiedenartigen Belastungen ausgesetzt.
Zu
den Herausforderungen
gehören beispielsweise Protektionismus und Handelsdefizite, unterschiedliche Methoden bei der Behandlung des Terrorismus, der Lastenverteilung wie auch
bisweilen unterschiedliche Einschätzungen
der
sowjetischen
Bedrohung.
Überdies decken sich die außenpolitischen
Prioritäten der westeuropäischen Regierungen in bezug auf Entwicklungen
in Asien, Afrika, dem

Mittleren
Osten
und
Lateinamerika
nicht immer mit den Prioritäten der
Vereinigten Staaten. Dies ist teilweise deshalb der Fall, weil die Vereinigten Staaten eine globale Zielsetzung verfolgen müssen.
Bisweilen
sind
insbesondere in
den späten siebziger Jahren Zweifel
in bezug auf die weitere Aufrechterhaltung der amerikanischen Verpflichtungen für die Verteidigung Europas
laut
geworden.
Die
erfolgreiche
Durchführung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 vereitelte den jüngsten
Versuch der Sowjets, die amerikanische Sicherheitsgarantie von der Verteidigung Europas abzukoppeln und hat
für die Sowjets einen wesentlichen
Anreiz dargestellt, um sich an ernsthaften Verhandlungen über echte Reduzierungen der Mittelstreckenwaffen zu
beteiligen. Was auch immer das Ergebnis
der
INF-Verhandlungen
sein
mag, die Strategie der flexiblen Reaktion wird die weitere Präsenz amerikanischer Atomwaffen in Europa bedingen.
Trotzdem hat sich die NATO
konsequent
dafür
eingesetzt,
ihr
Atomwaffenarsenal
auf das zur Abschreckung nötige Mindestmaß zu beschränken und führt die durch den
Montebello-Beschluß von 1983 festgelegten Reduzierungen ihrer Bestände
fort.
Die vor uns liegende Herausforderung besteht darin, den von uns erzeugten
Impetus
aufrechtzuerhalten
und die unvermeidlichen Belastungen
in unseren Bündnisbeziehungen zu bewältigen. Mit gemeinsamem Engagement
für die Werte und Interessen, die das
Fundament des Bündnisses bilden, mit
Phantasie und politischem Mut werden
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erfolgreich ein noch stärkeres Bollwerk gegen sowjetische Aggression und Einschüchterung errichten.

�Ostasien und der Pazifik:
Die
Vereinigten Staaten sind eine pazifische Macht und stolz darauf, zu derjenigen Region der Welt zu gehören,
die führend beim Wachstum der Weltwirtschaft ist. Die sowjetische Militärmacht in Asien und dem Pazifik
hat dramatisch zugenommen, aber die
amerikanische
Reaktion
geht
über
technische
Probleme der
jeweiligen
militärischen Macht weit hinaus. Das
Ziel besteht darin, unsere natürlichen
politischen
und wirtschaftlichen Verbindungen zu stärken und
gleichzeitig stetig mit der notwendigen Modernisierung unserer in dieser
Region
stationierten
Streitkräfte
fortzufahren.
Die Zusammenarbeit mit Japan ist
grundlegend
für die amerikanischen
Beziehungen mit dieser Region.
Der
Gegenseitige Sicherheitsvertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Japan gibt unseren verteidigungspolitischen Bindungen einen formellen Rahmen und liefert eine sicherheitspolitische Grundlage für das breite Spektrum wirtschaftlicher, sozialer und
politischer
Zusammenschlüsse,
die
sich uns anschließen.
Im Bereich der Sicherheit ist die
kürzlich seitens Japans erfolgte Neudefinition
der
Selbstverteidigungsziele dieses Landes - insbesondere,
soweit sich diese auf den Schutz der
Seewege beziehen - von besonderer Bedeutung. Die japanischen Streitkräfte entwickeln Fähigkeiten, die einen
wichtigen
Beitrag
zur Abschreckung
leisten können. Gleichzeitig bleiben
die japanischen Verteidigungsausgaben
gering, wenn man die mächtige Wirtschaft dieses Landes betrachtet. Für
die Erlangung der japanischen Verteidigungsziele
ist
ein
schnellerer
Fortschritt
notwendig.
Jedoch
ist
das stetige und beträchtliche Wachstum dieser Ausgaben in den vergange-

nen 15 Jahren, insbesondere während
der letzten fünf Jahre, bedeutsam.
Die jüngste Entscheidung Japans, mehr
als ein Prozent seines BSP für die
Verteidigung aufzuwenden, ist besonders beachtenswert.
Japan ist heute die zweitgrößte
Wirtschaftsmacht
der
Welt.
Diese
Entwicklung spiegelt sich in den gestiegenen Ausgaben Japans
für die
Auslandshilfe wider, die das Land
weiterhin auf bestimmte Länder von
besonderer
strategischer
Bedeutung
konzentriert.
Gleichzeitig sind die
Wirtschaftsbeziehungen
Japans
eine
Quelle politischer Spannungen geworden. Der japanische Handelsüberschuß
ist der größte in der Geschichte.
Dieser Überschuß kann nicht aufrechterhalten und muß in ein besseres
Gleichgewicht gebracht werden.
Wir
arbeiten an vielen Fronten zusammen,
um dies zu erreichen.
Unser Bündnis mit der Republik
Korea bleibt außergewöhnlich wichtig.
Nordkorea unterhält weiterhin Streitkräfte, die an Quantität die des Südens bei weitem übertreffen, durch
zusätzliche
sowjetische Waffen neu
gestärkt und in den Händen einer Regierung sind, deren aggressives Verhalten und deren Neigung zu Uberraschungshandlungen wohlbekannt sind.
Unsere eigene militärische Präsenz in
der Republik Korea ist sowohl für die
regionale Stabilität als auch für die
lokale Sicherheit von Bedeutung, die
für die bemerkenswerte Wirtschaftsentwicklung dieses Landes unabdingbar
ist.
Dieses Land befindet sich zur
Zeit in einer entscheidenden Phase
der politischen Entwicklung, da es
sich zum ersten Mal in seiner Geschichte
einem
friedlichen
Regierungswechsel nähert, wenn Präsident
Chuns Amtszeit im Jahr 1988 ausläuft.
In diesem Prozeß hoffen die Vereinigten Staaten ihren Einfluß zu nutzen,

- 11 -

�um die Koreaner bei diesem demokratischen Wandel zu ermutigen. Wir tun
dies jedoch in vorsichtiger Weise,
die den koreanische Traditionen und
den politischen Realitäten Rechnung
trägt und behalten die ständige Bedrohung der Sicherheit im Auge.
Die Bedeutung Chinas spricht für
sich selbst.
Die Erreichung eines
schnellen Wirtschaftswachstums unter
gleichzeitiger Durchführung grundlegender wirtschaftlicher, sozialer und
politischer
Veränderungen
ist eine
weitere große Leistung in der bemerkenswerten Geschichte dieses Landes.
Die Vereinigten Staaten möchten ein
enges, freundschaftliches und auf Kooperation gegründetes Verhältnis zur
Volksrepublik
China,
jedoch
kein
Bündnis, und wir haben keine Illusionen darüber, daß der eine für den anderen etwa eine strategische "Karte"
bedeutet. Einfach ausgedrückt erkennen wir beide die Bedeutung des jeweils anderen in den vielen Gebieten
der Übereinstimmung, selbst wenn wir
die Verschiedenheit unserer politischen Systeme zugrundelegen.
Auf den Philippinen steht die
neue Regierung vor großen, ererbten
politischen, militärischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.
Wir
sind entschlossen, mit all den uns
zur Verfügung stehenden Mitteln diesem äußerst wichtigen Verbündeten im
Pazifik bei der Überwindung seiner
Probleme zu helfen, um aufs neue zu
Wirtschaftswachstum zu gelangen, der
ernsten Bedrohung durch Aufständische
entgegenzuwirken und um die demokratische Regierung zu stärken.
Unser zweiter vertraglicher Verbündeter
in Südostasien, Thailand,
ist der ASEAN-Frontstaat an der Grenze zu Kambodscha, das gegenwärtig von
den Vietnamesen besetzt und Gebiet
einer aktiven kambodschanischen Wi-

derstandskoalition ist, die für die
Selbstbestimmung
des
Khmer-Volkes
kämpft.
Mit der Unterstützung Thailands, das auch die Hauptlast der
Flüchtlinge
in
Südostasien
trägt,
werden wir unsere enge Zusammenarbeit
im Bereich der Sicherheit fortführen,
um jede potentielle Aggression abzuschrecken
und unsere Unterstützung
anerkannter Flüchtlinge aufrechtzuerhalten.
Wir werden außerdem unsere
kooperativen Bemühungen mit Thailand
fortsetzen, um den Drogenhandel bekämpfen.
Die Vereinigten Staaten betrachten die andauernde Besetzung Kambodschas durch vietnamesische
Truppen
als unannehmbar, da sie regionale Bemühungen für Entwicklung, Frieden und
Stabilität untergräbt. Ebenso lehnen
wir die Rückkehr der Roten Khmer an
die Macht in Kambodscha ab. Wir werden unsere energische Unterstützung
für die von ASEAN angestrebte friedliche politische Lösung und für die
nichtkommunistischen Elemente der Widerstandskoalition
fortsetzen.
Im
Rahmen unserer UN-Initiative zu regionalen Problemen sind wir bereit,
eine konstruktive Rolle bei einer Regelung für Kambodscha zu spielen.
Trotz scharfer und ernster Differenzen mit Vietnam haben wir in bilateralen Gesprächen in den vergangenen
zwei Jahren mehr Fortschritte bei der
Suche nach vermißten amerikanischen
Soldaten erzielt als jemals seit dem
Ende des Krieges. Auch unsere bilateralen
Gespräche
zur
humanitären
Frage der Flüchtlinge, Umerziehung
von Internierten und über Kinder mit
einem amerikanischen Elternteil werden mit dem Ziel weitergehen, eine
humane Lösung dieser komplexen Fragen
herbeizuführen.
Wir werden
jedoch
unsere Beziehungen zu Vietnam nicht
normalisieren, bevor Hanoi nicht einer Regelung für Kambodscha zustimmt,

- 12 -

�die den Rückzug
truppen vorsieht.

seiner

Besatzungs-

In den Beziehungen zwischen Laos
und den Vereinigten Staaten haben wir
bescheidene
Fortschritte
festgestellt.
Unser Hauptmaßstab für die
in diesem Land bestehende Ernsthaftigkeit zur Verbesserung der Beziehungen besteht in weiteren beschleunigten und kooperativen Bemühungen,
um den Verbleib vermißter amerikanischer Soldaten festzustellen.
Im Südpazifik bleibt unser langjähriges Bündnis mit Australien unter
dem ANZUS-Vertiag
ein Grundpfeiler
unserer Außenpolitik in der Region.
Die Vereinigten
Staaten sind sich
insbesondere über die Bedürfnisse der
unabhängigen Länder des Südpazifik im
klaren. Wir haben kürzlich zu wichtigen Punkten eines historischen Fischereivertrages
eine
Übereinkunft
erzielt. Wir sind über dieses Abkommen
befriedigt,
das
eine
solide
Grundlage für zukünftige Freundschaft
und Zusammenarbeit legt. Wir glauben, daß der im Vertrag niedergelegte
Umfang amerikanischer Hilfe die Entwicklung der Wirtschaftssysteme auf
den Inseln fördern wird. Wir waren
ebenfalls kürzlich in der Lage, die
Gründung eines neuen amerikanischen
Commonwealth - die nördlichen Marianen-Inseln - zu feiern wie auch zwei
weitere Zusammenschlüsse, die Föderierten Staaten von Mikronesien und
die
Republik
der
Marshall-Inseln.
Wir heißen diese neuen Mitglieder in
der Gemeinschaft der Pazifikstaaten
willkommen.
Sowjetunion und Osteuropa:
Wie
bereits
ausgeführt,
bedeutet
die
weltweite Herausforderung durch die
Sowjetunion die wichtigste Bedrohung
für die Sicherheit und die nationalen
Interessen der Vereinigten Staaten.
Es qibt keinen Zweifel darüber, daß

Moskau die Umwandlung des bestehenden
internationalen Systems und die Errichtung weltweiter sowjetischer Hegemonie anstrebt.
Diese langfristigen Ziele der Sowjets werden durch
sowjetische Konzeptionen zur Außenund Verteidigungspolitik untermauert.
Unsere Politik zur Behandlung der Sowjetunion basiert auf drei Leitlinien:
- Realismus, was bedeutet, daß wir
den Charakter
des sowjetischen
Systems erkennen und Probleme in
unseren Beziehungen offen und geradlinig behandeln müssen.
- Stärke, die hier mehr bedeutet
als militärische Macht und politische
Entschlossenheit,
die
Stärke des Bündnisses und auch
eine
gesunde
Wirtschaft
einschließt.
Die Sowjetunion respektiert
Stärke und weiß aus
Schwächen ihren Vorteil zu ziehen.
- Dialog, der unsere Bereitschaft
umschreibt, alle uns trennenden
Probleme zu besprechen und auf
einer mit unseren grundlegenden
Interessen in Einklang stehenden
Basis praktische und gerechte Lösungen zu erarbeiten.
Diesem Ansatz zufolge sind wir
mit den Sowjets einen Dialog über
vier grundlegende Bestandteile unserer
Beziehungen
eingegangen:
Menschenrechte, Abbau regionaler
Konflikte, Bereiche der Zusammenarbeit
von beiderseitigem Nutzen
und Rüstungskontrolle.
In all diesen Bereichen nimmt der Fortschritt einen
langsamen Lauf.
Gleichzeitig versuchen wir durch
koordinierten Einsatz vieler Elemente
unserer nationalen Macht, direkte und
indirekte Aggression seitens der Sowjets abzuschrecken und die Sowjets
dazu zu veranlassen, weniger auf den

- 13 -

�Einsatz von Gewalt zu bauen.
Wir
werden auch weiterhin weltweit den
sowjetischen
Expansionismus
bekämpfen.
Seit 1981 ist kein weiteres
Land sowjetischer Aggression anheimgefallen, und die Sowjets waren in
den vergangenen Jahren vorsichtiger,
wenn
es darum
ging, militärische
Abenteuer zu unternehmen, obowohl sie
und ihre Stellvertreter in Gebieten
wie Afghanistan, Angola, Kambodscha
und Nicaragua aktiv bleiben.
Wir haben uns also eine Politik
zur langfristigen Gestaltung amerikanisch-sowjetischer Beziehungen angeeignet, um unsere Interessen ohne die
Fluktuationen oder Illusionen verfolgen zu können, die einige Abschnitte
der Vergangenkeit kennzeichneten. Es
ist eine Tatsache, daß das amerikanisch-sowjetische
Verhältnis
von
grundsätzlichen Gegensätzen bestimmt
wird und das auch in absehbarer Zukunft so bleiben wird.
Aber beide
Seiten sind sich über unsere Verantwortung einig, daß wir einen friedlichen Verlauf dieser Beziehungen sicherstellen müssen. Wir sind zu den
langwierigen Bemühungen und dem steten Kurs bereit, der notwendig ist,
um unsere nationalen Interessen in
dieser Weise weiter zuverfolgen.
Die Vereinigten Staaten verfolgen
wichtige politische und wirtschaftliche Interessen in Osteuropa.
Wir
haben niemals die Teilung Europas als
rechtmäßig oder etwa dauerhaft angesehen. Es gab in Jalta kein Abkommen, um Europa in "Einflußzonen" aufzugliedern.
Vielmehr
sicherte die
Sowjetunion Polen und anderen Staaten
Osteuropas die Garantie voller Unabhängigkeit und die Durchführung freier Wahlen zu.
Das sowjetische Versäumnis, solch einer
Verpflichtung
nachzukommen, stellt eine der primäre
Ursachen für Spannungen im Ost-WestVerhältnis dar.
Mit Hilfe unserer

Politik in Osteuropa versuchen wir,
den osteuropäischen Staaten eine positive Rolle einzuräumen, wenn es
darum geht, die Stabilität in Europa
zu erhalten und einen mäßigenden Einfluß auf die Sowjetunion auzuüben.
Unserer Ansicht nach sollten die
Vereinigten Staaten in den Ländern
Osteuropas ihre Politik von einer Beurteilung der Bedingungen in jedem
Land abhängig machen. Diesem Grundsatz zufolge differenzieren wir unsere Politik gegenüber Osteuropa, um
eine Reihe von Zielen zu erlangen.
Dazu gehört auch die Ermutigung innenpolitischer
Liberalisierung
und
einer autonomeren Außenpolitik, die
Förderung der Sicherheit durch verbesserte wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit, die Unterstützung wahrer und langfristiger Verbesserungen
bei
den
Menschenrechten.
Gegenwärtig bemühen wir uns um diese
Förderung eines verbesserten Dialogs
durch Austauschprogramme auf kultureller und wissenschaftlicher Ebene,
durch internationale Begegnungen, Besuche auf höchster Ebene, bilaterale
Organisationen
und
zwischenmenschliche Kontakte.
Der Mittlere Osten und Südasien:
Zu unseren Hauptinteressen im Mittleren Osten zählt die Erhaltung regionaler
Stabilität, Beschränkung
und
Abbau sowjetischen Einflusses, Bewahrung der Sicherheit Israels und anderer Freunde in der Region, Aufrechterhaltung des Zugangs zum öl für
uns und unsere Verbündeten zu vernünftigen Bedingungen wie auch die
Eindämmung des internationalen Terrorismus.
Solche Interessen werden
durch die Fortdauer des iranisch-irakischen Konflikts bedroht und auch
durch die bestehenden tiefverwurzelten arabisch-israelischen Spannungen,
den Anstieg anti-westlicher politischer Bewegungen in der Region und

- 14 -

�die Verwendung des Terrorismus als
Instrument staatlicher Politik, besonders
durch
Libyen, Syrien
und
Iran. Unsere Strategie in der Region
zielt darauf ab, unsere Interessen
vor diesen Bedrohungen zu bewahren,
eine
durch
Verhandlungen
erzielte
Beilegung des palästinensischen Problems
und
des
iranisch-irakischen
Krieges zu beschleunigen, die Sicherheit und den wirtschaftlichen Wohlstand Israels und gemäßigter arabischer
Regime
zu
fördern,
unseren
Freunden in der Golfregion dabei zu
helfen, sich selbst und die internationalen Seewege zu schützen und die
Förderer des Terrorismus abzuschrekken.
Die Initlaitvie der Vereinigten
Staaten vom September
1982 bleibt
Grundlage unseres Ansatzes beim arabisch-israelischen
Fr iedensprozeß.
Unser unmittelbares Ziel sind direkte
Verhandlungen zwischen Israel und einer jordanisch-palästinensischen Delegation, als Teil einer umfassenden
Anstrengung
zur
Erweiterung
des
ägyptisch-israelischen
Friedens
und
Herbeiführung
einer
gerechten
und
dauerhaften Lösung der palästinensischen Problems.
Wir engagieren uns
auch weiterhin für die baldige und
ehrenvolle
Beilegung
des
iranischirakischen Krieges.
Das augenblickliche
iranische Verhalten
bedeutet
eine ernsthafte Bedrohung für unsere
und die Interessen unserer Freunde in
der Region. Bis der Iran seine Bemühungen zur Verlängerung des sinnlosen
Krieges mit dem Irak aufgibt, werden
wir aktiv daran arbeiten, den Transfer von Waffen und militärischem Material an den Iran zu blockieren.
Trotz ernsthafter Beschränkungen,
die uns durch den Haushalt auferlegt
weiden, bleibt Hilfe für Wirtschaft
un&lt;! die Sicherheit zusammen mit einer
voi .•-.; cht igen, aber effektiven Politik

von Waffenverkäufen innerhalb der Region ein wichtiger Bestandteil unserer Bemühungen, die Regierung Israels
zu unterstützen und die arabischen
Staaten zu bschwichtigen. Wir können
es uns nicht leisten, die wahren Bedürfnisse unserer Freunde zu vernachlässigen.
Gleichzeitig
werden wir
weiterhin versuchen, den Terrorismus
zu isolieren und den internationalen
Druck gegen staatlich unterstützten
Terrorismus zu erhöhen. Unsere jüngsten Aktionen gegen Libyen zielten
darauf ab, den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Preis für
die Förderung des Terrorismus aufzuzeigen.
Obwohl wir uns über die
leichte
oder
schnelle
Auslöschung
dieses Wahnsinns keinen
Illusionen
hingegeben haben, bleiben wir doch
entschlossen, ihn in enger Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten entschieden zu bekämpfen.
Die Ziele der Vereinigten Staaten
in Südasien umfassen den Abbau regionaler Spannungen, die Entwicklung kooperativer Beziehungen zwischen den
südasiatischen Staaten, Verhinderung
einer Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
und
Wiederherstellung
des
Freiheit des afghanischen Volkes.
Die Politik der Vereinigten Staaten will ferner eine allgemeine Verbesserung bilateraler Beziehungen zu
allen Ländern des Subkontinents herbeiführen.
Wichtige
Bestandteile
sind
hier
verbesserte
Beziehungen
zwischen Indien und den Vereinigten
Staaten und die Ermutigung eines besseren Verhältnisses zwischen Indien
und Pakistan.
Ein neues sechsjähriges Hilfsprogramm im Umfang von 4
Milliarden Dollar wurde von dieser
Regierung für Pakistan vorgeschlagen.
Es ist lebenswichtig für die Fähigkeit des Landes, sich dem von der sowjetischen Invasion Afghanistans ausgehenden Druck zu widersetzen.
Pa-

- 15 -

�kistan beherbergt etwa drei Millionen
afghanischer Flüchtlinge. Die Vereinigten Staaten
bleiben der größte
Spender von humanitärer Hilfe an diese Flüchtlinge.
Zum ersten Mal haben die Vereinigten Staaten erheblich verbesserte
Beziehungen sowohl zu Indien als auch
zu Pakistan hergestellt.
Das versetzt uns in die Lage, den regionalen
Wunsch nach Frieden trotz periodisch
auftretender
Krisen
im indisch-pakistanischen Verhältnis unterstützen
zu helfen.
Afrika:
Afrikanische Angelegenheiten verlangen gesteigerte Aufmerksamkeit wegen der erheblichen Bodenschätze der Region, seiner wachsenden
Rolle im internationalen Kontext, der
Bedrohung, die durch den eskalierenden Rassenkonflikt in Südafrika für
die regionale Sicherheit entsteht und
der sowjetischen, libyschen, osteuropäischen und kubanischen Abenteuerlust in der gesamten Region.
Die
Herausforderungen an die Demokratie
treten in Afrika besonders stark zutage und wir bleiben besorgt über die
weitverbreitete
Verweigerung
der
grundlegenden Menschenrechte, sei es
seitens
der
marxistischen-leninistischen Stellvertreter der Sowjetunion
oder seitens des Apartheid-Regimes in
Südafrika.
Es gibt in Afrika zahlreiche Konfliktherde: extreme Armut,
ein großes Ungleichgewicht bei der
Verteilung des Wohlstandes, ethnische
Spannungen, uneindeutige Grenzen und
die Religion.

steme. Wir müssen mit anderen Geberländern und multilateralen Institutionen
zusammenarbeiten,
um
diese
Hinwendung zu einer wirtschaftspolitischen Reform und die Entwicklung
des Privatsektors zu unterstützen.
Das Wirtschaftswachstum wird zur
politischen Stabilität beitragen, bedingt diese aber gleichzeitig.
Wir
müssen
weiterhin
eine
friedliche
Konfliktlösung
ohne
Interventionen
von
außen
ermutigen.
Sich
verschlechternde wirtschaftliche Bedingungen
und politische
Instabilität
haben die Intervention der Sowjets,
ihrer Stellvertreter, der Kubaner und
von einzelgängerischen Unruhestiftern
wie Libyen ermutigt.

(wird fortgesetzt)

Die Politik der Vereinigten Staaten muß danach streben, die wirtschaftliche Entwicklung und politische Stabilität in Afrika zu fördern.
Afrikanische
Politiker
erkennen
jetzt,
daß
dirigistische
Lösungen
keine Antwort sind und beginnen mit
der Reformierunq ihrer Wirtschaftssy- 16 -

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