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                  <text>&lt;&lt;fc°s*&lt;

AMERIKA DIENST

VoN**

4 . Februar 1987
.

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Trugschluß des "Großen Kompromisses'
- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -

WIRTSCHAFT
Reagan: Handel und Landwirtschaft wichtigste Probleme im Jahr 1987
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten
- Bericht der Reagan-Administration an den Kongreß (Teil I und II)
Rh

U

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lehrbeispiel "VOYAGER"
- Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt
Luftfahrttechnik neue Impulse -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

4. Februar 1987

DER TRUGSCHLUSS DES "GROSSEN KOMPROMISSES"
- Rede von Kenneth L. Adelman in Bonn -

BONN - (AD) - In einer Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige
Politik in Bonn hat der Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) , Kenneth L. Adelman, am 2. Februar 1987 davor gewarnt, SDI in
einer Art "Großem Kompromiß" gegen Rüstungskontrolle zu tauschen. Dies habe
schon einmal, nämlich im Falle des ABM-Vertrages von 1972, trotz erheblicher
Beschränkungen für Verteidigungssysteme zu einer erheblichen Vermehrung der
Offensivwaffenpotentiale geführt. Dagegen würden "wirksam und angemessen ausgelegte Verteidigungssysteme... stabilisierend wirken. Sie würden die Stabilität in Krisen erhöhen," erklärte Adelman.
Die Ansprache von Kenneth L. Adelman hat folgenden Wortlaut:

Heute nachmittag möchte ich mit
Ihnen über das weitaus interessanteste Thema im Bereich der Nationalen
Sicherheit
und
Rüstungskontrolle
sprechen, über die Strategische Verteidigungsinitiative.
Seit Präsident
Reagan im März 1983 seine Idee einer
Verteidigung gegen ballistische Flugkörper verkündete, sind wir Zeuge eines bemerkenswerten
Denkwandels im
Bereich nationaler Sicherheit und Rüstungskontrolle geworden.
Neue und
aufregende Möglichkeiten haben sich
ergeben. Ich glaube, daß viele Men-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schen nun dank SDI anfangen, unserer
Zukunft hoffnungsvoller entgegenzusehen.
Sicherlich
hält die Zukunft
noch interessantere Möglichkeiten bereit.
Ich möchte
lung nehmen:
Erstens:

zu vier

Fragen

Stel-

Wird SDI funktionieren?

Zweitens: Sollten wir, indem wir
die Initiative im Austausch für Rüstungsverringerungen auf einen sogenannten "Großen Kompromiß" beschrän-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ken, SDI den Sowjets überlassen?
Drittens:
Wird die strategische
Verteidigung gegen ballistische Raketen die nukleare Stabilität fördern
oder schädigen, und auf welche Weise
wird sie das tun?
Und schließlich:
Sind Verteidigungssysteme mit der Rüstungskontrolle vereinbar?
Zur ersten Frage: Wird SDI funktionieren?
Sind Verteidigungssysteme
machbar?
Der
Zweck
des
SDI-Programms, das in völliger Übereinstimmung mit allen seitens der Vereinigten Staaten in Verträgen eingegangenen Verpflichtungen,
einschließlich
derer des ABM-Vertrages von 1972,
durchgeführt wird, wird diese Frage
beantworten. Ich möchte betonen, daß
dieses Programm uns alle im westlichen Bündnis angeht. Wir glauben,
daß darin ein großes Versprechen zur
Anhebung der Sicherheit all unserer
Länder, einzeln wie auch zusammengenommen, liegt; ein Versprechen, das
durch die getrennten Beiträge der
verbündeten Staaten zu dieser gemeinsamen Anstrengung wahr gemacht wird.
Der Vorteil, den wir demokratischen
Verbündeten auf unserer Seite haben,
besteht in der Dynamik und Kreativität unserer Technik.
wir haben mit
unseren Verbündeten auf diesem Gebiet
weitgehende Konsultationen unternommen und werden das auch weiterhin
tun.
Es versteht sich von selbst,
daß bei unserem gemeinsamen Vorgehen
in bezug auf dieses Programm wie auch
bei unseren gesamten Verteidigungsanstrengungen die ungeteilte Sicherheit
der Verbündeten weiter besteht.
Die
Sowjets
sagen
natürlich
"nein" zur Frage der Durchführbarkeit
von SDI. Wenigstens sagen sie das in
der Öffentlichkeit. Zu uns sagen sie
nein, aber die Antwort würde bei ih-

nen selbst anders lauten.
Tatsachlich haben sie im Verlauf der letzten
zehn Jahre 150 Milliarden Dollar in
verschiedene Verteidigungssysteme und
in die Forschung für die Verteidigung
gepumpt - etwa fünfzehnmal soviel wie
die Vereinigten Staaten. Das ist für
die Sowjets viel Geld, um es angesichts
ihrer
bescheidenen
Wirtschaftslage für ein Projekt auszugeben, das keinen Erfolg verspricht.
Taten sind in diesem Fall vielsagender als Worte. Ironischerweise waren
eine Reihe von Wissenschaftlern, die
öffentlich an ihre westliche Kollegen
appelliert
haben, sich
gegen
das
westliche SDIProgramm zu wenden
Wissenschaftler
wie Velikow, Basow
und Prokorow - hinter den Kulissen
erheblich mit der sowjetischen Version von SDI befaßt.
Auch
einige
westliche
Wissenschaftler sagen "nein" zur Frage der
Anwendbarkeit
einer
strategischen
Verteidigung.
Nicht etwa alle Wissenschaftler, aber doch einige. Interessant ist dabei, daß einige derselben
amerikanischen
Wissenschaftler, die jetzt argumentieren, die
strategische Verteidigung funktioniere nicht, vor fünfzehn Jahren behaupteten, die Sowjets könnten amerikanische
landgestützte
Raketen nicht
gegenüber einem Präventivschlag verwundbar machen, wenn wir den ABM-Vertrag
unterzeichneten.
Diesen Fall
haben sie wohl unterschätzt.
Die Technik ist tatsächlich nur
schwer vorhersehbar und die Menschen
neigen dazu, sie zu unterschätzen.
Ich möchte ihnen einige Aussagen von
Wissenschaftlern und anderen Persönlichkeiten vortragen, die sie sicher
amüsant finden werden.
Der
Edison:

erste

Satz

ist

von

Thomas

�"Das Spiel mit dem Wechselstrom
ist reine Zeitverschwendung. Niemand
wird ihn jemals verwenden; er ist zu
gefährlich...
Gleichstrom ist viel
sicherer" .
Simon Newcomb schrieb 1903:
"Der Flug durch die Luft gehört
zu den Problemen, die die Menschheit
niemals bezwingen wird".
Lee DeForrest argumentierte 1926:
"Obwohl das Fernsehen theoretisch
und technisch machbar
ist, glaube
ich, daß es finanziell und kommerziell unmöglich wäre; eine Entwicklung, mit deren Traum wir nicht unsere Zeit verschwenden sollten".
Admiral William Leahy, Präsident
Truman's Stabschef, warnte 1945:
"Die
(Atom-)Bombe wird
hochgehen; ich spreche als
stoff experte" .

niemals
Spreng-

Und hier ein abschließender Satz,
den ein Wissenschaftler 1932 schrieb:
"Es gibt nicht den leisesten Hinweis darauf, daß wir jemals (Kern-)
energie erhalten könnten. Das würde
bedeuten, wir müßten das Atom auf Befehl spalten".
Der Wissenschaftler
Einstein.

hieß

Albert

Tatsache ist, daß seit unserer
letzten Debatte über eine Verteidigung gegen ballistishe Flugkörper vor
siebzehn Jahren eine technische Revolution stattgefunden hat. Sie können
die Anzeichen dieser Revolution überall in Ihrer Umgebung feststellen in Ihrem Büro, in den Klassenzimmern
Ihrer Kinder, in Ihrem Wohnzimmer, am
Armaturenbrett Ihres Wagens. Es gibt

Schreibmaschinen, die Sie daran erinnern, was Sie geschrieben haben und
Ihnen mitteilen, wenn Ihnen ein Tippfehler unterlaufen ist; kleine Computer, die Sie auf die Knie setzen und
die dieselbe Kapazität haben wie die
gewaltigen
Maschinen der
fünfziger
Jahre und Tausende von Schritten in
der Minute durchführen können; Armaturenbretter,
die
sprechen
können
(auch wenn sie noch nicht viel Interessantes zu sagen haben) - die Auswirkungen
der
Mikrocomputer-Revolution sind allgegenwärtig.
Dasselbe
technische
Wunderwerk,
das dem Lehrer einen neuen Apfel
(apple) auf das Pult gelegt hat - einen Apple-Computer - hat uns einer
Sache nähergebracht, die vor einigen
Jahren noch absurd schien: eine Kugel
mit einer Kugel zu treffen. Tatsache
ist, daß dieser Trick mit Hilfe moderner Technik durchführbar ist. In
dem von den Vereinigten Staaten vor
einigen Jahren durchgeführten Zielüberlappungsexperiment ist es uns gelungen, einen Gefechtskopf im All zu
treffen.
Techniken der Präzisionssteuerung verwandeln die militärische
Landschaft.
Sie
lassen
uns
auch
Hoffnung
schöpfen.
Das
wollte
Präsident
Reagan im März 1983 darlegen.
Wenn
wir westlichen Einfallsreichtum walten lassen, könnte die Technik der
Präzisionssteuerung sogar das im August 1945 aufgestellte eherne Gesetz
widerlegen, daß der Angriff gegenüber
der Verteidigung
immer
im Vorteil
ist. Werden die Sowjets Gegenmaßnahmen gegen eine strategische Verteidigung entwerfen? Natürlich werden sie
das tun; sie werden es zumindest versuchen. Aber wir sollten immer daran
denken: Gegenmaßnahmen
haben
ihren
Preis. Es ist einfacher und kostengünstiger, auf dem Papier Gegenmaßnahmen zu erarbeiten als diese in der

- 3 -

�Praxis durchzuführen.
Und Gegenmaßnahmen könnten sich am Ende als gar
nicht wirkungsvoll erweisen. Wie alle anderen Systeme brauchen auch offensive Gegenmaßnahmen Zeit zur Entwicklung und Stationierung, und die
recht starre Abwicklungspraxis seitens der Sowjets könnte eine Anpassung ihrer Offensive an unsere Verteidigung zu einem schwierigen Problem werden lassen. Wenn es mittels
SDI gelingt, beide Seiten zu zwingen,
ihre besten
technischen
Bemühungen
auf ein Verteidigungssystem hin zu
orientieren, das Waffen zerstört, und
nicht auf offensive Waffen, die Menschen zerstören, wird dieses System
einen positiven Beitrag geleistet haben.
Kurz gesagt: über die Frage, ob
eine strategische Verteidigung durchführbar sei, ist das letzte Wort noch
nicht gesprochen.
Aber ich bin da
recht optimistisch.
Frage zwei: Sollten wir an diesem Punkt SDI gegen Rüstungskontrolle
in einer Art "Großem Kompromiß" eintauschen?
Es heißt, daß diejenigen,
die die Geschichte vergessen, gezwungen sind, sie zu wiederholen.
Nur
wenige sind sich darüber im klaren,
daß wir schon einmal die Taktik des
"Großen Kompromisses" bei den Sowjets
angewandt haben, und es hat nicht besonders gut funktioniert.
Den ersten "Großen Kompromiß" gab
es 1972, als die Sowjets und wir den
ABM-Vertrag unterzeichneten.
Es ist
der wichtigste Zweck des ABM-Vertrages, den Weg für eine sinnvolle Rüstungskontrolle bei Offensivwaffen zu
bereiten. Das Konzept besteht darin,
daß wir, indem wir das Recht zur Stationierung einer landesweiten Verteidigung
gegen
ballistische
Raketen
aufgeben, bei den Offensivwaffen ein
Wettrüsten vermeiden und wahren Ver-

ringerungen
in nuklearen Arsenalen
Vorschub leisten würden.
Beschränkungen bei der Verteidigung galten
als Schlüssel für Verringerungen bei
den offensiven Nulearwaffen.
Die Präambel des ABM-Vertrages
enthält ausdrücklich dieses Ziel von
"Verringerungen" bei Offensivwaffen.
Einer meiner Vorgänger bei (der amer ikanischen
Rüstungskontrollbehörde)
ACDA und Leiter der amerikanischen
Delegation, die diesen Vertrag aushandelte, Gerard Smith, gab im Mai
1972 im Namen der amerikanischen Regierung eine Erklärung ab, in der es
hieß, daß 'höchstrangige Interessen'
der
Vereinigten
Staaten
gefährdet
sein könnten und wir uns vom Vertrag
zurückziehen
müßten, wenn
es
uns
nicht gelänge, innerhalb von fünf
Jahren umfassendere Beschränkungen zu
erlangen. Das war 1972.
Trotz der Tatsache, daß wir unserer Verteidigung erhebliche Beschränkungen auferlegten, ist es uns niemals wirklich gelungen, die andere
Hälfte des Handels zu verwirklichen.
Im
Jahr
1977
schickte
Präsident
Carter
seinen
Außenminister
Cyrus
Vance mit Vorschlägen für einschneidende Verringerungen bei Offensivwaffen nach Moskau.
Hier gab es also
die Art von Rüstungskontrolle, auf
die alle gehofft hatten - wahre Verringerungen bei nuklearen Offensivwaffen.
Aber es war nichts zu machen. Die Sowjets wollten Vance mit
solchen Vorschlägen kaum anhören, und
Präsident Carter legte sie zur Seite.
Als der SALT II-Vertrag schließlich
1979 unterzeichnet wurde, erlaubte er
erhebliche Steigerungen für die Arsenale beider Seiten.
Als es um die Beschränkung des
Wettbewerbs bei Offensivwaffen ging,
ließen sich die Sowjets ebensowenig
von unserem Beispiel beeindrucken wie

�schon vorher von unseren Vorschlägen
für einen Rüstungsabbau.
Trotz der
Tatsache, daß die militärischen Ausgaben der Vereinigten Staaten Ende
der siebziger Jahre real zurückgingen, stiegen die sowjetischen Ausgaben und die Stationierungen von Nuklearwaffen weiter an.
1979 fasste
der
damalige
Verteidigungsminister
unter Präsident Carter, Harold Brown,
das vergangene Jahrzehnt
zusammen.
"Wenn wir aufrüsten, rüsten sie auch
auf; wir wir abrüsten, rüsten sie
trotzdem weiter auf...".
1970, als die Idee des ABM-Vertrages zur Diskussion stand, erklärte
ein Wissenschaftler vom MIT namens
Bernard Feld vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats zu den Vorteilen einer Einschränkung der strategischen
Verteidigung:
Die Entscheidung bezüglich einer
Raketenabwehr ist äußerst wichtig
für die gesamte Zukunft der Rüstungskontrolle, weil sie zu einer Zeit getroffen wird, in der
beide Seiten sich bei der Zahl
ihrer Nuklearwaffen auf Niveaus
eingependelt zu haben scheinen,
die in allen Fällen so beschrieben werden können, daß sie ungefähren
Gleichstand
aufweisen,
wenn es auch der Gleichstand einer gigantischen Möglichkeit des
"Overkill" auf beiden Seiten ist.
Das war die typische Meinung von
1970 - die Verteidigung zurückzuhalten, um dann in der Lage zu sein, Offensivwaffen
abzubauen oder wenigstens deren Zahl auf einem stabilen
Niveau zu halten. Was glauben Sie,
ist mit den sowjetischen Arsenalen
offensiver
Nuklearwaffen
geschehen,
seitdem wir
zugestimmt haben, die
strategische Verteidigung durch die
Unterzeichnung des ABM-Vertrages im
Jahr 1972 einzuschränken?
Das so-

wjetische Inventar strategischer Nuklearwaffen - Gefechtsköpfe ballistischer Raketen und Bomber - hat nicht
nur zugenommen, es hat sich vervierfacht.
Und die Waffen sind zielgenauer geworden, haben eine größere
Zerstörungskraft und gefährden amerikanische landgestützte Interkontinentalraketen.
Im selben Zeitraum hat
sich unser Arsenal strategischer Waffen etwa verdoppelt. So viel zur Annahme, daß die Beschränkung der Verteidigung der Schlüssel zum Abbau von
Offensivwaffen
ist.
Soviel
zum
"Gleichstand".
Der Große Kompromiß von 1972 hat
nicht zum Abbau von Offensivwaffen
geführt. Er war - wenigstens auf sowjetischer Seite - auch nicht besonders wirkungsvoll bei der Beschränkung
der
Verteidigung.
Bei
der
grundlegenden Haltung der Sowjets zum
Wert einer Verteidigung hat sicher
nur ein geringer Wandel stattgefunden.
Ich habe bereits auf unsere
beste Schätzung der sowjetischen Ausgaben der vergangenen zehn Jahre für
die Luft- und strategische Verteidigung hingewiesen - 150 Milliarden
Dollar gegenüber zehn Milliarden auf
amerikanischer Seite.
Auf Drängen des Kongresses haben
die Vereinigten Staaten auf die ABMVereinbarungen
der Jahre 1972 und
1974 reagiert, indem sie ihr kleines
erlaubtes
Versuchsgelände
für
ABM
schlössen und die Mittel zur Forschung im Bereich der Raketenabwehr
drastisch kürzten. Aus welchen Gründe auch immer nahmen die Vereinigten
Staaten die Haltung "Keine Verteidigung" an.
Die Sowjets taten nichts dergleichen.
Während wir unsere Verteidigung außer Kraft setzten, haben im
Gegenteil die sowjetische Forschung
und ihre Aktivitäten zur Raketenab-

- 5 -

�wehr stetig zugenommen - letztlich
sogar in dem Ausmaß, daß sie den ABMVertrag auf eine ernstliche und sehr
offensichtliche Art und Weise verletzten. Was haben sie getan?
Die Sowjets haben zunächst, wie
dies auch der Vertrag erlaubt, ihr
Raketenabwehrsystem
um Moskau aufrechterhalten und weiter ausgebaut sie haben tatsächlich ein neues System geschaffen. Es besteht Besorgnis darüber, daß die Fließbänder, die
Bestandteile
dieses
neuen
Systems
herstellen, auch dazu verwendet werden könnten, eine breiter angelegte
Stationierung von Raketenabwehrsystemen zu unterstützen könnten.
Zweitens haben die Sowjets, wie dies auch
im ABM-Vertrag erlaubt ist, ihr Netz
der mit Frühwarnsystem ausgerüsteten
Radaranlagen erweitert und ausgebaut.
Neun neue Radaranlagen sind im Bau,
von denen drei in diesem Jahr entdeckt worden sind.
Eine dieser Radaranlagen in der Nähe von Krasnojarsk in Sibirien stellt in ihrem
Aufbau und in ihrer Ausrichtung die
eindeutige Verletzung einer Schlüsselbestimmung des ABM-Vertrages dar.
Die Errichtung solcher großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung (LPARs) seitens der Sowjets
und das vertragswidrige Auftreten einer dieser Radaranlagen - in Krasnojarsk, tief im Inneren der Sowjetunion - erhöhen die Besorgnis über
die sowjetische Fähigkeit zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag.
Solche
LPARs könnten die Produktion und die
Stationierung solcher Komponenten einer
landesweiten Verteidigung, die
eine lange Vorbereitungszeit erfordern, bedeuten.
Diese großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung sind schlagkräftiger und leistungsfähiger als amerikanische Frühwarn-LPARs gegen ballistische Raketen.

Die auf sowjetischer Seite offensichtlich
betriebene Erprobung
und
Staionierung der für ein ABM-System
erforderlichen Komponenten, die eher
in Monaten als in Jahren auf einem
bestimmten
Gelände zu stationieren
wären, könnten ebenfalls zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag führen.
Darüber hinaus weckt die mögliche Erprobung von Komponenten der Luftverteidigung im Rahmen von ABM und die
mögliche ABM-Fähigkeit eines modernen
Boden-Luft-Raketen Systems die weitere Besorgnis darüber, daß die Sowjetunion eine ABM-Verteidigung ihres nationalen
Territoriums
vorbereiten
könnte. Wenn die sowjetischen Komponenten der Luftverteidigung als Ergebnis dieser Aktivitäten mit ABM-Fähigkeiten
ausgerüstet würden, böte
solch eine Entwicklung einen neuen
Weg zum "Ausbruch" aus dem ABM-Vertrag.
Die sowjetischen Komponenten
für
eine
Luftverteidigung
sind
schnell stationierbar, und ihre Leistungsfähigkeit könnte durch die den
großen Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung immanenten Fähigkeiten verbessert werden.
Zusammengenommen ergibt dies kurz
gesagt ein weites Netz sowjetischer
ABM- und mit ABM in Zusammenhang stehender Aktivitäten oder Stationierungen - in einigen Fällen zulässig, oft
in Frage zu stellen und in einem Fall
eindeutig illegal - die darauf hinweisen, daß die Sowjets eine Verteidigung ihres nationalen Territoriums
vorbereiten.
Das ist genau das Ergebnis, das der ABM-Vertrag verhindern sollte.
Somit war also unser erster Versuch in Sachen Großer Kompromiß nicht
besonders erfolgreich. Statt die Tür
zum Abbau offensiver Waffen zu öffnen, haben wir der Verletzbarkeit unseren eigenen bodengestützten Waffen
Tür und Tor geöffnet.

�Auch aus anderen Gründen wäre die
Grundannahme der vielfach vorgeschlagenen Formel des Großen Kompromises
zu hinter fragen - die Idee, daß weitere Beschränkungen der Verteidigung
unsere Sicherheit verbessern würden
und gleichzeitig zu bedeutungsvollen
Verringerungen bei den Offensivwaffen
führt.
Zunächst einmal sollten wir uns
darüber im klaren sein, daß auch ein
50prozentiger Abbau von Offensivwaffen uns immer noch in einem schrecklichen Ausmaß der nuklearen Vernichtung aussetzen würde. Wir müssen den
Abbau in seinem Umfeld sehen.
Die
Idee einer strategischen Verteidigung
mit nur 90prozentiger
Effektivität
wird weithin kritisiert.
Es heißt,
eine 90prozentige Effektivität reiche
nicht aus.
Aber historisch gesehen
wäre bereits ein in einem Rüstungskontrollabkommen
niedergelegter
50prozentiger
Abbau nuklearer Offensivwaffen ein sehr kühnes Ergebnis.
Auch wenn wir die Arsenale auf ein
Niveau von 50 Prozent beschränken
könnten, so würden Verteidigungssysteme hierzu einen erheblichen Beitrag leisten und die mögliche Zerstörung noch weiter verringern.
Zweitens tendieren die Anhänger
des Großen Kompromisses zu der Annahme, daß wir bei niedrigen Offensivwaffenniveaus keine Verteidigung benötigen. Aber das ist ganz einfach
falsch. Wir würden im Gegenteil mehr
Verteidigungssysteme
benötigen.
Im
Zuge einer Reduzierung der Offensivwaffen würde auf sowjetischer Seite
der Anreiz zur Täuschung wachsen, da
auf niedrigerem Niveau schon eine geringfügige Vermehrung der Waffen einen größeren Effekt hätte. Verteidigungssysteme würden ein Polster und
eine
Versicherung
gegen
Täuschung
bieten.
Nach
einer
Stationierung
- 7

strategischer
Verteidigungssysteme
würde ein potentieller Betrüger aus
einer heimlichen Erweiterung seines
Arsenals weniger Nutzen ziehen. Auch
Drittländer würden von der Stationierung
eigener
ballistischer
Raketen
weniger profitieren - eine Option,
die in einer Welt, in der die beiden
größten Nuklearmächte ihre Arsenale
stark reduziert hätten, sonst sehr
attraktiv erscheinen könnte.
Schließlich
sollten
wir
immer
daran denken, daß Abschreckung dynamisch ist. Nicht nur das bestehende
Gleichgewicht ist bedeutsam, sondern
auch die Trends. In der vorhersehbaren Zukunft wird die Abschreckung natürlich hauptsächlich in der offensiven Vergeltung
bestehen.
Bedenken
Sie, daß die von uns heute getroffenen Entscheidungen in bezug auf Verteidigungssysteme die Optionen schmälern könnten, die uns auf längere
Sicht zur Verfügung stehen.
Obwohl
es uns bis jetzt gelungen ist, die
Stabilität zu gewährleisten, ist der
Trend
beim strategischen Gleichgewicht nicht gerade beruhigend verlaufen. Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte ist es den Sowjets
gelungen, die landgestützten Interkontinentalraketen
der
Vereinigten
Staaten gegen Präventivschläge verwundbar
zu
machen.
Strategische
Flugzeuge waren immer schon in gewissen Maß verwundbar gegen Zerstörung
am Boden und wären in jedem Fall einer massiven sowjetischen Luftverteidigung
ausgesetzt.
Mobile
Raketen
wären weniger verwundbar, aber sie
wären nicht immun gegen einen Präventivschlag. Und die Sowjets setzen
weiterhin energisch ihre Anstrengungen fort, eine Methode zum Aufspüren
unserer Raketen-U-Boote zu perfektionieren - das einzig verbleibende unverwundbare Standbein unserer Triade.
Die

Technologie

entwickelt

sich

�weiter. Mit oder ohne neue Rüstungsabkommen kann erwartet werden, daß
die sowjetischen Bemühungen, unsere
nukleare
Abschreckung
zunichte
zu
machen, weitergehen.
Wenn man die
Möglichkeit von Fortschritten bei der
Bekämpfung von U-Booten und anderen
Technologien
berücksichtigt,
dann
können Verteidigungssysteme eines Tages nicht nur hilfreich sondern entscheidend für die Erhaltung unseres
Abschreckungspotentials
sein.
Vergessen wir nicht, daß wir im Begriff
sind, durch die von uns heute und in
den nächsten Jahren getroffenen strategischen Entscheidungen eine vielversprechende technologische Zukunft
zu gestalten und zu erschließen.
Ich habe versucht, zwei Fragen zu
beantworten: die nach der Machbarkeit
von SDI und die nach der Ratsamkeit
des
"Großen Kompromisses".
Lassen
Sie mich nun auf die dritte Frage zu
sprechen
kommen:
werden
Verteidigungssysteme die Stabilität erhöhen
oder schmälern?
Hier scheint mir die Antwort ganz
eindeutig.
Wirksame und angemessen
ausgelegte Verteidigungssysteme würden stabilisierend wirken. Sie würden die Stabilität in Krisen erhöhen.
Vielleicht werden sie sogar die Stabilität bei Anzahl und Gleichgewicht
der Streitkräfte erhöhen. Was meine
ich damit?
Einige argumentieren, daß strategische Verteidigungssysteme
automatisch zu einer Zunahme der Offensivraketen führen werden.
Werden Sie
dies wirklich?
Es stimmt, daß das
offensichtlichste
Gegenmittel
gegen
Verteidigungssysteme in mehr Offensivwaffen besteht. Bedenken Sie jedoch, daß im Jahr 1972 viele Experten
voraussagten, die Begrenzungen
des
ABM-Vertrages würden auf beiden Seiten den Wunsch nach Stationierung

neuer
Offensivwaffen
abschwächen.
Die Experten hatten unrecht. Die Erfahrung lehrt vielmehr, daß das einfache Modell "Aktion-Reaktion" für
den
Rüstungswettlauf
ein
recht
schlechter Indikator für sowjetisches
Verhalten ist.
Es gibt in der Geschichte eine
andere Analogie, die es wert ist, untersucht zu werden.
In den fünfziger Jahren besaßen
die Vereinigten Staaten umfangreiche
Luftverteidigungssysteme
gegen
sowjetische Bomber. In jenen Tagen gaben wir für unsere Luftverteidigung
ungefähr zwei Drittel so viel aus wie
für unsere Offensivkapazitäten.
Im
Jahr 1960 waren unsere Ausgaben für
Verteidigungssysteme sogar höher als
für Angriffssysteme. Es ist interessant, daß die Sowjets, als wir so
viel für die Luftverteidigung ausgaben, damit aufhörten, Bomber zu bauen
und begannen, Raketen zu produzieren.
Als wir später unsere Ausgaben für
die Luftverteidigung reduzierten, begannen die Sowjets wieder damit, Bomber zu bauen, was keine Überraschung
ist.
Anders
gesagt:
Es
ist
nicht
klar, daß die Stationierung von Verteidigungssystemen gegen ballistische
Raketen die Sowjets dazu veranlassen
wird, die Zahl ihrer ballistischen
Systeme
zu
erhöhen.
Langfristig
führt sie vielleicht zu einer verringerten Stützung auf ballistische Raketen seitens der Sowjets. Stattdessen mögen sie dazu veranlaßt werden,
in Bomber und Marschflugkörper zu investieren.
Dies bedeutet Vorteile
für uns. Bomber und Marschflugkörper
sind langsamer.
Sie können weniger
verwundbar gemacht werden, indem man
sie in die Luft bringt, was deshalb
in Krisen weniger leicht zu einer
Haltung des "benutz sie oder verlier

�sie" führen kann. Eine Abschreckung,
die primär auf Bombern und langsam
fliegenden Marschflugkörpern beruht,
wird generell stabiler sein als eine
Abschreckung,
die
sich
auf
ein
Gleichgewicht bei ballistischen Raketen gründet.
Verteidigungssysteme bieten noch
weitere Vorteile. Fast jede gut geplante
Verteidigung
würde,
selbst
wenn sie nicht perfekt ist, dazu tendieren, das Kalkül für einen Aggressor,
der
einen
Präventivangriff
plant, zu komplizieren. Dies ist der
entscheidende Punkt, und deshalb würde ein größeres Vertrauen auf defensive Technologien dazu führen, die
Krisenstabilität oder Kriegsverhinderung grundsätzlich zu stärken.
Ein
Angreifer, der Atomwaffen benutzt,
rechnet damit, einen schockierenden,
entscheidenden
Schlag
auszuführen.
Er muß sicher sein können, daß er lebenswichtige militärische Ziele vernichten wird.
Ohne diese Sicherheit
ist der Anreiz für den Angriff beseitigt.
Selbst
Verteidigungssysteme
von begrenzter Wirksamkeit würden dazu beitragen, dem Angreifer diese Gewißheit zu nehmen. Bei den breitgefächerten, vielfältigen Systemen, die
wir erforschen, um unsere Nation und
unsere Verbündeten zu schützen - Systeme die, wie man sagt, einen großen
"Fußabdruck" hinterlassen - besteht
einer der Hauptvorteile darin, daß
das eigene Vergeltungspotential vergleichweise gut geschützt wird.
In
jedem Fall sind Verteidigungssysteme
die beste Methode, um den destabilisierenden Trend in Richtung auf zunehmende Verwundbarkeit unseres Vergeltungspotentials
umzukehren,
den
wir seit den früheren siebziger Jahren beobachten mußten.
Was hat es mit der sowjetischen
Behauptung
auf
sich,
strategische
Verteidigungssysteme seien darauf an-

gelegt, die Erstschlagfähigkeit der
Vereinigten Staaten zu unterstützen?
Lassen Sie mich eines ganz klar feststellen:
die
Vereinigten
Staaten
streben nicht nach der Erstschlagfähigkeit; wir möchten stattdessen dasselbe, was wir während der letzten
eineinhalb Jahrzehnte der Gespräche
über strategische Waffen angestrebt
haben - mehr Stabilität. Wir haben
mehr getan, als bei den Rüstungskontrollgesprächen
einfach
sowjetische
Behauptungen zurückzuweisen; wir haben den Sowjets konkrete Vorschläge
unterbreitet, um den von ihnen zum
Ausdruck gebrachten Anliegen Rechnung
zu tragen. Bei einer beideitigen Annahme dieser Vorschläge würde der Annahme, strategische Verteidigungssysteme unterstützten Erstschlagstrategie, jede Grundlage entzogen.
Erstens haben wir angeboten, die
in einer kontrollierten Ubergangsphase zur Stationierung von Verteidigungssystemen benötigte Mischung aus
offensiven und defensiven Systemen zu
diskutieren, um sichern zu helfen,
daß die Krisenstabilität
in jeder
Phase des Übergangs gewährleistet ist
d.h., daß für keine Seite eine
Erstschlaggefahr
besteht.
Zweitens
haben wir radikale Reduzierungen vorgeschlagen, die zur Abschaffung genau
der bei einer Erstschlagstrategie benutzten Offensivsysteme führen würden
- den offensiven ballistische Raketen. Dieser Abbau sollte in Verbindung mit einem Übergang zu Verteidigungssystemen
durchgeführt
werden.
Ohne offensive ballistische Raketen
wäre ein erfolgreicher Erstschlag unmöglich.
Dies war der Hauptgrund,
warum Präsident Reagan in Reykjavik
den Vorschlag für eine Null-Lösung
bei ballistischen Raketen vorlegte:
um Generalsekretär
Gorbatschow die
konkrete Gewißheit zu verschaffen,
daß SDI kein Element einer Erstschlagstrategie ist. Drittens unter-

- 9 -

�breitete Präsident Reagan die Initiative
der
"offenen
Laboratorien",
durch die es Wissenschaftlern aus den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
ermöglicht
würde, die Forschungsstätten für strategische Verteidigungssysteme im jeweils anderen
Land zu besuchen.
Wir glauben, daß Verteidigungssysteme beiden Seiten dabei helfen können, sich auf ein Ziel hin zubewegen,
das wir
in der
Rüstungskontrolle
schon seit vielen Jahren verfolgen:
eine Bewegung weg von schnell fliegenden, potentiellen Erstschlagwaffen
und hin zu langsamer fliegenden, stabilisierenderen Systemen.
Präsident
Reagan hat sein Äußerstes getan, um
Generalsekretär
Gorbatschow
klarzumachen, daß dies die Richtung ist, in
die wir uns bewegen möchten.
Zusätzlich zur Stärkung der Stabilität
würden
wirksame Verteidigungssysteme auch die Möglichkeiten
nuklearer Erpressung verringern. Eine auf Verteidigung gegründete Welt
bedeutet für die Mächte des Status
Quo einen strategischen und psychologischen vorteil. Seit den fünfziger
Jahren ist die landgestützte ballistische Rakete die bevorzugte Waffe zur
nuklearen Einschüchterung.
Die Sowjets waren die ersten, die im Jahr
1957, dem Jahr, in dem sie den Sputnik starteten, Interkontinentalraketen
testeten
und
stationierten.
Chruschtschow
stellte
übertriebene
Behauptungen über die Zahl der Raketen im Besitz der UdSSR auf, und im
Westen bekam man Angst.
Chruschtschows Drohungen führten zur Bildung
einer Anti-Atomwaffenbewegung - der
"Weg mit der Bombe"-Bewegung der späten fünfziger Jahre. Wirksame strategische Verteidigungssysteme können
nuklearer Erpressung entgegenwirken,
indem
sie der
Raketendrohung
die
Spitze nehmen.
- 10

Strategische Verteidigungssysteme
würden eine Versicherung gegen einen
nichtautorisierten
oder
versehentlichen Raketenabschuß darstellen.
Schließlich würde eine defensive
Orientierung
unserer
Strategie ein
klares, einendes Ziel verleihen: dieses Ziel würde darin bestehen, die
Abschreckung zu verbessern und unser
überleben sowie das unserer Freunde
und Verbündeten in dem Rahmen zu sichern, wie ihn unsere Technologie zuläßt.
Dies, so scheint mir, ist
nicht
nur
ein
vernünftigeres
und
praktischeres Ziel als das eines einfachen Strebens nach Aufrechterhaltung eines Verhältnisses gegenseitiger Verwundbarkeit zur Sowjetunion,
das immer prekär sein wird.
Dieses
Ziel ist auch psychologisch eher lebensfähig. Es ist politisch attraktiver - eine sehr wichtige Überlegung
für Demokratien, die bei Verteidigungssystemen auf die Unterstützung
der Öffentlichkeit angewiesen sind.
Langfristig gesehen wird dies, so
glaube ich, auch sicherer sein, da
unabhängig von allen erzielten Abrüstungsvereinbarungen
die
Sowjets
hinter der Bühne immer danach streben, die Verwundbarkeit des Westen zu
erhöhen und wir permanent dazu gezwungen sind, Gegenmaßnahmen zu unternehmen, um dies zu verringern.
Meine vierte und letzte
heute abend lautet: Ist diese
nung von Verteidigungssystemen
einbar mit Rüstungskontrolle?
lut nicht.

Frage
BetounverAbso-

Erstens haben wir unsere Erfahrung.
Hat Ihrer Meinung nach seit
der Schaffung der Strategischen Verteidigungsinitiative
die
Intensität
der Abrüstungsverhandlungen zu- oder
abgenommen? Natürlich hat sie an Intensität zugenommen. Als SDI im Ja-

�nuar 1984 formell ins Leben gerufen
und im Haushaltsansatz berücksichtigt
wurde, fanden überhaupt keine Rüstungskontrollverhandlungen
statt.
Die Sowjets hatten Ende 1983 den Verhandlungstisch verlassen - gänzlich
ungerechtfertigt, wie
ich anmerken
möchte. Es war nicht klar, wann sie
zurückkehren würden. Nur kurze Zeit
nachdem das SDI-Programm angekündigt
worden und Haushaltsmittel breitgestellt worden waren, forderten die
Sowjets neue Verhandlungen über Weltraumwaffen.
Bald darauf nahmen die
Verhandlungen
ihren Fortgang.
SDI
erregte
ihre
Aufmerksamkeit.
Es
brachte sie an den Verhandlungstisch
zurück. Schließlich führte SDI dazu,
daß sie zum ersten Mal in der Geschichte über tiefgehende Reduzierungen der Atomwaffenarsenale verhandelten.
Bitte erinnern Sie sich daran,
daß die Sowjets im Jahr 1977 ohne
weiteres
amerikanische
Vorschläge
einschneidender Reduzierungen bei den
Offensivwaffen
ablehnten.
Kürzlich
jedoch, in Reykjavik, haben die Sowjets endlich begonnen, über einschneidende Reduzierungen zu verhandeln - was weitgehend auf Präsident
Reagans Festigkeit und Hartnäckigkeit
während der vergangenen sechs Jahre
und auf SDI zurückzuführen ist. Ob
diese Gespräche zu Ergebnissen führen
werden - zu gleichgewichtigen, wirksam zu verifizierenden Vereinbarungen, die die Sowjets vollständig einhalten werden - ist ungewiß. Schließlich besitzen wir keine Kontrolle
über ihre Entscheidungen.
SDI hat
sie jedoch dazu angespornt, zum ersten Mal ernsthaft über mögliche Abkommen zu verhandeln, die ihr riesiges und weiter wachsendes Atomwaffenarsenal reduzieren würden.
Es ist
also hilfreich
für
die Rüstungskontrolle gewesen.

Und es kann weiterhin hilfreich
sein.
SDI ist vielleicht nicht nur
für unsere zukünftige Sicherheit notwendig, sondern auch dafür, den Sowjets bei allen Abkommen, die wir mit
ihnen abschließen, Ehrlichkeit aufzuerlegen. SDI ist vielleicht notwendig, um die Sowjets weiterhin konstruktiv in den Rüstungskontrollprozeß einzubeziehen. SDI zu beseitigen
würde tatsächlich bedeuten, die Gans
zu töten, die goldene Eier legt.
Zumindest besteht kein logischer
Widerspruch
zwischen
Fortschritten
bei der Rüstungskontrolle und Bewegung
zu verstärkter
Stützung
auf
strategische
Verteidigungssysteme.
Es gibt kein eisernes Gesetz, das besagt, daß wir nicht in der Lage sein
können, auf beiden Seiten eine Mischung aus Verteidigungsund Offensivsystemen zu besitzen.
Es gibt kein
ehernes Gesetz, das besagt, Rüstungskontrolle funktioniere nur dann, wenn
man
die
Verteidigungssysteme
beschränkt.
Ja, die Erfahrung lehrt
eigentlich das Gegenteil: als wir die
Verteidigungssysteme
einschneidenden
Beschränkungen unterwarfen, gelang es
uns nicht, die erhofften Reduzierungen bei den Offensivwaffen zu erreichen.
Das Hauptproblem
bei
der
Rüstungskontrolle bestand nie in Verteidigungs- oder
Offensivsystemen
per se, sondern in den politischen
Absichten.
Die grundsätzliche Frage
ist diese: sind die Sowjets bereit,
eine echte und dauerhafte Reduzierung
ihrer Drohung gegen uns im Austausch
für eine echte Reduzierung unserer
Bedrohung
gegen
sie
vorzunehmen?
Dies ist immer der springende Punkt
gewesen.
Entweder sind die Sowjets
bereit, eine Reduzierung der Bedrohung zuzulassen oder nicht.
Wenn

- 11 -

sie

dazu

bereit

sind, dann

�ist die Stationierung von Defensivsystemen auf beiden Seiten sehr sinnvoll.
Wenn
nicht, dann
ist
es
schwierig zu erkennen, wie die Rüstungskontrolle uns jemals zu einer
sichereren Welt führen wird.
Wenn
die Sowjets nicht bereit sind, uns zu
erlauben, unsere Verwundbarkeit durch
eine gemeinsame Stationierung strategischer Verteidigungssysteme zu reduzieren, welche Basis könnte es dann
für die Annahme geben, daß sie eine
echte und dauerhafte Reduzierung unserer Verwundbarkeit durch Rüstungskontrolle erlauben würden.
Bis jetzt haben strategische Rüstungskontrollvereinbarungen auf der
Grundlage der gegenseitigen Verwundbarkeit ihr Ziel verfehlt: sie sind
mit gewaltigen Zunahmen der Offensivwaffen in beiden Arsenalen und einem
unverhältnismäßigen Anstieg der amerikanischen Verwundbarkeit einhergegangen. Und es gab sowjetische Täuschungsmanöver .
Logisch und strategisch gesehen
gibt es also für beide Seiten keine
bessere Methode zur Erzielung erhöhter Sicherheit als eine Hinwendung zu
strategischen
VerteidigungsSystemen
zusammen mit tiefgreifenden Reduzierungen der Offensivwaffen. Verteidigungssysteme sind nicht Teil des Problems bei der Rüstungskontrolle - sie
sind Teil der Lösung.
Ich werde Ihnen die Beantwortung
einer Frage selbst überlassen: Würden Sie unsere Sicherheit lieber auf
westlicher Genialität oder auf sowjetischer Integrität gegründet sehen?
Wenn wir die Verteidigungssysteme preisgeben, werden wir vielleicht stark auf das letztere vertrauen müssen.
Andererseits: wenn
wir die defensive Option aktiv verfolgen, besteht die Möglichkeit, daß
wir uns gleichzeitig auf die Statio-

nierung von Verteidigungssystemen und
die Reduzierung von Offensivsystemen
zubewegen.
Auf
diese
Weise
kann
westliche Genialität als Versicherung
dienen: Verteidigungssysteme
können
dazu beitragen, sowohl unsere eigene
Sicherheit wie auch die sowjetische
Integrität zu garantieren, indem sie
eine entscheidende Versicherung gegen
sowjetische Aggression und gegen sowjetische Täuschung bei Rüstungskontrollvereinbarungen
liefern.
Dies,
so scheint mir, ist die Art von Versicherung, die wir in einer von Atomwaffen geprägten Welt brauchen und
dies ist die Richtung, in die wir zu
gehen versuchen sollten.
Lassen Sie mich mit einer kleinen
Geschichte enden. Heinrich VIII. von
England betraute Thomas Morus einmal
damit, dem König von Frankreich eine
ärgerliche Botschaft zu überbringen.
Morus, der wußte, wie gewalttätig der
französische König war, setzte Heinrich von seiner Befürchtung in Kenntnis, daß diese Mission ihn den Kopf
kosten könnte.
"Habe keine Angst",
sagte Heinrich, "wenn die Franzosen
dir den Kopf abschneiden, dann werde
ich jeden Franzosen in London einen
Kopf kürzer machen."
"Ich bin Eurer
Majestät zu Dank verpflichtet", antwortete
Morus, "aber
ich
fürchte
sehr, daß keiner ihrer Köpfe auf meinen Rumpf passen wird." Morus wußte,
was wir alle verstehen: Verteidigung
ist besser als Vergeltung - moralisch, strategisch und in der Praxis.
Rüstungskontrolle sollte einer mehr
auf Verteidigung orientierten
Welt
nicht im Wege stehen; sie sollte dabei helfen, uns dahin zu bringen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

VION #

4. Februar 1987

REAGAN:

HANDEL UND LANDWIRTSCHAFT WICHTIGSTE PROBLEME IM JAHR 1987
- Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Abbau des amerikanischen Handelsdefizits, die Reform teurer staatlicher Unterstützungsprogramme für die Landwirtschaft und die
Kontrolle der Bundesausgaben werden dem von Präsident Reagan am 29. Januar
1987 dem Kongreß zugeleiteten Jahreswirtschaftsbericht zufolge im Jahr 1987
für die Reagan-Administration die wichtigsten Punkte sein. "Der Abbau unseres
Handelsdefizits bleibt eine der bedeutendsten Herausforderungen für die amerikanische Wirtschaft," erklärt der Präsident darin.
"Wir können dies jedoch
nicht erreichen oder die Wettbewerbsfähigkeit amerikanische Firmen erhöhen,
indem wir im Protektionismus Zuflucht suchen. Protektionismus ist wachstumsfeindlich. Er würde unsere Wettbewerbsfähigkeit schwächen, nicht stärken."
Der Wirtschaftsbericht des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

An den KongreB der Vereinigten
Staaten:
Seit sechs Jahren verfolgt meine
Administration eine Politik, die auf
Förderung eines stetigen, nichtinflationären Wachstums und auf Verbesserung der Chancen für alle Amerikaner
ausgerichtet ist. Wir haben eine Politik verankert, die langfristig gesehen im besten Interesse der Nation
liegt, eine Politik, die der unserer
Wirtschaft immanenten Vitalität und
ihrer Fähigkeit, Ressourcen effizient
zu
verteilen
und
wirtschaftliches
Wachstum zu schaffen, aufbaut.
Es

United States Information Service
Embassy of the United States of America

ist ein
gewesen,
Zaum zu
erheben,
zu viele

Hauptelement dieser Politik
die Neigung der Regierung im
halten, zu hohe Steuern zu
zu viel Geld auszugeben und
Vorschriften zu erlassen.

Der gegenwärtige Konjunkturaufschwung
Unsere
marktorientierte
hat sich ausgezahlt.
Wir
uns nunmehr im fünften Jahr
junkturellen Aufschwungs und
le Wachstumsrate
unseres

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Politik
befinden
des kondie reaBruttoso-

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�zialprodukts wird sich 1987 wahrscheinlich auf 3,2 Prozent erhöhen.
Im Oktober wird der gegenwärtige Aufschwung der längste in der Nachkriegszeit geworden sein.
Seit Beginn dieses Aufschwungs
hat die Wirtschaft über 12 Millionen
neuer Arbeitsplätze geschaffen.
In
jedem der letzten beiden Jahre war
der Prozentsatz von Menschen im arbeitsfähigen Alter mit Arbeitsplätzen
der höchste jemals verzeichnete. Obwohl ich mich durch den Rückgang der
Arbeitslosenquote insgesamt auf 6,6
Prozent ermutigt
fühle, werde ich
nicht eher zufrieden sein, bis nicht
alle Amerikaner, die arbeiten wollen,
einen Arbeitsplatz finden können.
Unsere Bemühungen zur Senkung von
Steuern und Inflation sowie zur Beseitigung übertriebener Vorschriften
haben ein günstiges Klima für Investitionen in neue Fabriken und Anlagen geschaffen.
Der Anteil fester
Anlagen der Unternehmen am Bruttosozialprodukt erreichte in den Jahren
1984 und 1985 Rekordhöhen und bleibt
historisch gesehen weiterhin hoch.
Trotz der enormen Fortschritte
der Wirtschaft bei Beschäftigung und
Produktion ist die Inflation in den
vergangenen fünf Jahren unter oder
nahe 4 Prozent stehen geblieben und
im Jahr 1986 auf die niedrigste Rate
der letzten 25 Jahre abgesunken. Obwohl die niedrige Inflationsrate des
vorigen
Jahres
teilweise
den beträchtlichen
Rückgang
der Energiepreise widerspiegelt, erwarten wir
für das Jahr 1987, daß die Teuerung
weiterhin so bescheiden zunimmt, wie
wir dies in den ersten drei Jahren
des Aufschwungs erlebt haben.
Auf
den Finanzmärkten sind unsere Fortschritte beim Abbau der Inflation von
zweistelligen Raten zur Kenntnis genommen worden, und die Zinssätze san- 2

ken im Jahr 1986 auf das niedrigste
Niveau der vergangenen neun Jahre.
Um diese Entwicklungen zu stützen,
sollte die Bundesbank eine Geld- und
Kreditpolitik verfolgen, die den gemeinsamen
Zielen von Wachstum und
Preisstabilität dient.
Kurz gesagt: seit 1982 haben wir
die wirtschaftlichen Probleme vermieden, die uns in der jüngeren Vergangenheit
zusetzten - Beschleunigung
der Inflation, steigende Zinsen und
einschneidende Rezessionen.
Produktion und Beschäftigung sind stark angestiegen während die Inflation niedrig blieb und die Zinsen sanken.
Dieser Aufschwung hat jetzt schon bedeutende Fortschritte im Hinblick auf
unser langfristiges Ziel des stetigen
Wirtschaftswachstums und der Preisstabilität erreicht.

Die wirtschaftliche Rolle des
Staates
Der Staat sollte in der Wirtschaft eine begrenzte Rolle spielen.
Die Bundesregierung sollte eine stabile Wirtschaft fördern, in der die
Menschen Entscheidungen aufgrund von
Informationen
treffen können.
Sie
sollte ihnen diese Entscheidungen weder abnehmen, noch willkürlich die
wirtschaftlichen
Wahlmöglichkeiten
durch die Art der Besteuerung oder
Vorschriften in bezug auf die Produktion verzerren. Sie sollte und kann
nicht weiterhin übermäßig Geld ausgeben, ihre Macht zur Besteuerung mißbrauchen und Geld leihen, um über ihre Verhältnisse zu leben.
Die Bundesregierung sollte gewisse Güter und Dienstleistungen bereitstellen, die ihrem Charakter nach öffentlich und ihrem Anwendungsbereich
nach national sind und die von Privatfirmen
nicht effektiv
geliefert

�werden können - aber sie sollte nicht
versuchen,
öffentliche
Güter
und
Dienstleistungen
zur
Verfügung
zu
stellen, die von den Einzelstaaten
oder den Gemeinden besser geliefert
werden können.
Wenn der Staat dem
Einzelnen und den privaten Unternehmen Entscheidungen
abnimmt, werden
Produktionsanreize
unterdrückt
und
verzerrt; Wachstum, Produktivität und
Beschäftigung werden davon in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb sollte der
Staat so weit wie möglich verantwortungsbewußte Maßnahmen des Einzelnen
fördern und auf die Initiative des
privaten Sektors vertrauen.

Arbeitsplätzen
führen.
Schließlich
wird durch die Steuerreform das Besteuerungssystem gerechter. Die einfachere,
niedrigere
Steuerstruktur
wird die Befolgung leichter und Steuerhinterziehung weniger attraktiv gestalten.
Die Amerikaner werden wissen, daß jetzt jeder seinen fairen
Anteil zahlt und kein Einkommen in
Schlupflöchern oder unproduktiven Nischen versteckt. Insbesondere werden
Millionen von ärmeren Arbeitnehmern
von der Steuerreform profitieren, indem sie aus den Steuerlisten gestrichen werden.

Verbleibende Herausforderungen der
Wirtschaftspolitik

Die Steuerreform
In meiner Botschaft zur Lage der
Nation im Jahr 1984 erklärte ich die
Steuerreform zur nationalen Priorität. Nach über zwei Jahren überparteilicher Bemühungen haben wir unser
Ziel im vergangenen Herbst erreicht,
als ich das Steuerreformgesetz von
1984 unterzeichnete.
Die Steuerreform erweitert die Besteuerungsgrundlagen der Einkommensteuer für Privatpersonen und Unternehmen und reduziert die Steuersätze beträchtlich.
Von diesen Veränderungen profitieren
die Amerikaner dreifach.
Erstens, durch die Senkung des
Spitzensteuersatzes erhöht die Steuerreform die Anreize, zu arbeiten, zu
sparen und zu investieren. Zweitens,
durch den Abbau von Disparitäten bei
den Steuersätzen für Einkommen aus
langfristigen Kapitalanlagen fördert
die
Steuerreform eine effizientere
Verwendung von Anlagekapital. Investitionsentscheidungen
werden
eher
die produktiven Vorzüge einer Aktivität als ihre steuerlichen Konsequenzen widerspiegeln und dadurch zu einer effizienteren Verteilung von Ressourcen, zu höherem Wachstum und mehr

Wir haben das Steuerrecht erfolgreich reformiert, die Inflation unter
Kontrolle gebracht und staatliche Interventionen in der Wirtschaft abgebaut. Das Ergebnis bestand in einer
Ausweitung von Produktion und Beschäftigung, die nun im fünften Jahr
anhält und von der wir erwarten, daß
sie im Jahr 1987 verstärkt andauern
wird.
Obwohl schon viel erreicht
wurde, müssen und wollen wir uns den
verbleibenden
Herausforderungen
für
die Wirtschaft widmen.
Wir müssen
weiterhin das Defizit des Bundeshaushalts durch
Zurückhaltung bei den
Ausgaben reduzieren. Wir müssen das
Handelsdefizit reduzieren und gleichzeitig
Protektionismus
vermeiden.
Wir
müssen
die
Produktivität
und
Wettbewerbsfähigkeit Amerikas in der
Weltwirtschaft stärken. Und wir müssen die teuren, unwirksamen und unfairen
Landwirtschaftsprogramme
reformieren.

Kontrolle der Bundesausgaben
Zum ersten Mal seit 1973 werden
die Bundesausgaben im Jahr 1987 real

- 3 -

�sinken. Deshalb wird das Bundeshaushaltsdefizit gegenüber dem Niveau von
1986 um fast 50 Milliarden Dollar abnehmen. Mein Haushalt für 1988 wird
diesen Prozeß fortsetzen, indem er
das durch Gramm-Rudman-Hollings gesetzte Defizit-Ziel von 108 Milliarden Dollar einhält.
Der Abbau des Defizits muß weitergehen und durch die Eindämmung des
Wachstums bei den Bundesausgaben erreicht werden - nicht durch Steuererhöhungen, die Wachstum und Chancen
vermindern würden.
Große und hartnäckige Bundesdefizite verlagern die
Last der Zahlungen für die heutigen
Bundesausgaben auf künftige Generationen. Ein durch Zurückhaltung bei
den Ausgaben erreichter Abbau des Defizits ist unverzichtbar, wenn wir
die beträchtlichen Vorteile dieses
Abbaus bei den Steuersätzen und der
Reform
der
Steuergesetze
erhalten
wollen; sie ist ebenso unverzichtbar
zur Reduzierung unseres Zahlungsbilanzdefizits.
Und schließlich überschreiten die Ausgaben bei vielen
Programmen
die
Summen, die
nötig
sind, um die grundlegenden Dienstleistungen des Bundes kostenwirksam
bereitzustellen.
Neben der Zurückhaltung bei den
Ausgaben müssen wir das Budgetverfahren so reformieren, daß der Macht der
Bundesregierung, zu hohe Steuern zu
erheben und zu viel Geld auszugeben,
Zügel angelegt werden.
Ich unterstütze einen Zusatz zur Verfassung,
der
ein
ausgeglichenes
Budget
in
Friedenszeiten vorschreibt, und ich
fordere den Kongreß auf, dem Präsidenten das gleiche Recht zu gewähren,
das 43 Gouverneuren zusteht - das
Recht, bei Bewilligungsmaßnahmen gegen einzelne Titel ein Veto einzulegen.

Aufrechterhaltung von freiem und
fairem Handel
Eine der bedeutendsten noch verbleibenden Herausforderungen für die
Wirtschaft
der Vereinigten
Staaten
ist der Abbau unseres Handelsdefizits. Wir können jedoch weder dies
erreichen, noch die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen erhöhen, indem wir beim Protektionismus
Zuflucht suchen. Protektionismus ist
wachstumsfeindlich.
Er würde unsere
Wettbewerbsfähigkeit
mindern, nicht
stärken. Durch ihn würden keine Arbeitsplätze geschaffen. Er würde im
Interesse einiger weniger den meisten
Amerikanern schaden. Er würde unsere
Handelspartner zur Vergeltung aufrufen. Langfristig würde uns der Protektionismus in den Bereichen unserer
Wirtschaft gefangen halten, in denen
wir vergleichsweise schwach sind, anstatt uns Wachstum in den Bereichen
zu gestatten, in denen wir relativ
stark sind.
Wir können durch Protektionismus
nichts gewinnen. Aber wir können gewinnen, indem wir uns standhaft darum
bemühen, unfaire Handelspraktiken zu
beseitigen und die Märkte in der ganzen Welt zu öffnen. Ich werde mich
in diesem Jahr weiterhin dafür stark
machen, ausländische Märkte zu öffnen
und unfairen Handelspraktiken, wo immer
sie bestehen mögen, energisch
entgegentreten.
Außerdem werde ich
den Kongreß bitten, das Verhandlungsmandat des Präsidenten für die Uruguay-Runde
unter
dem
Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen
(GATT) zu
erneuern. Diese Gespräche bieten eine
wichtige
und
vielversprechende
Chance für die Liberalisierung des
Handels auf Gebieten, die für die
Vereinigten
Staaten
lebenswichtig
sind; den Handel mit Dienstleistungen, den Schutz geistigen Eigentums,
faire Regeln für internationale Inve-

�stitionen und den Welthandel mit Agrarprodukten.
Hier in den Vereinigten Staaten
müssen wir Zurückhaltung bei den Bundesausgaben üben.
Unsere Handelsdefizit bei Gütern und Dienstleistungen
spiegelt die Tatsache wider, daß wir
in den letzten Jahren mehr ausgegeben
als produziert haben - und wir haben
aufgrund der Verschwendungssucht der
Bundesregierung zu viel ausgegeben.
Wenn der Kongreß meinen Haushalt für
1988 in Augenschein nimmt, sollte er
dabei bedenken, daß ein Votum für höhere Regierungsausgaben ein Votum gegen die Korrektur unsere Handelsdefizits darstellt.

Stärkung von Produktivität
bewerbsfähigkeit

und Wett-

Wir müssen uns bemühen, um unsere
internationale
Wettbewerbsfähigkeit
durch ein größeres Wachstum bei der
Produktivität zu verbessern. Die Abwertung des Dollar seit Anfang 1985
hat viel dazu beigetragen, unsere
Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Wir wollen uns jedoch nicht allein auf Bewegungen der Wechselkurse
stützen.
Das Wachstum der Produktivität liefert das Mittel, mit dem wir
unsere
Wettbewerbsfähigkeit
stärken
und gleichzeitig Einkommen und Chancen erhöhen können.
Seit 1981 ist
die amerikanische Produktivität
im
Industriebereich um 46 Prozent gestiegen, schneller
als
im Durchschnitt der Nachkriegszeit. Dies ist
eine solide Leistung, aber es muß
noch mehr getan werden. Wir müssen
ein
dauerhaftes
Produktivitätswachstum in der Industrieproduktion und
in anderen Sektoren unserer Wirtschaft ermutigen.
Ein Weg
zur
Stärkung
unserer
weltweiten
Wettbewerbsfähigkeit
ist

die Befreiung der amerikanischen Produzenten von unnötigen gesetzlichen
Vorschriften.
Meine
Administration
hat sich darum bemüht, Vorschriften
für Industrien abzubauen, bei denen
vermehrter Wettbewerb größere Vorteile für Verbraucher und Hersteller mit
sich bringt.
Ebenso hat sie die
Struktur der von der Bundesregierung
erlassenen
Vorschriften
gestrafft.
Die Amerikaner haben bedeutende Vorteile aus der Deregulierung des Flugverkehrs, der finanziellen Dienstleistungen, der Eisenbahnen und des LkwVerkehrs gezogen. ich werde mich jedem Versuch widersetzen, bei diesen
Industrien die Entwicklung wieder zurückzudrehen. Unsere Wirtschaft wird
weitere Vorteile erringen, wenn wir
die Preiskontrollen für Erdgas, verbleibende Vorschriften für den LkwSektor und unnötige Einschränkungen
für den Arbeitsmarkt beseitigen. Ohne Schaden für die Luftqualität in
unserem Land sollten wir die Tendenzen unserer gegenwärtigen Luftreinhaltungsgesetze beseitigen, die saubereren und effizienteren neuen Fabriken und Kraftwerken entgegenstehen. Wo Vorschriften notwendig sind,
sollten ihre Kosten gegen die Vorteile aufgewogen werden, um sicherzustellen, daß regulative Schritte dort
vorgenommen werden, wo sie wirklich
Positives leisten und um zu vermeiden, daß amerikanischen Unternehmen
auf dem Weltmarkt Wettbewerbsnachteile entstehen.
Durch
Privatisierung
wird
die
Produktion von Gütern und Dienstleistungen vom Staat auf den Privatsektor verlagert.
Durch Privatisierung
kann
auch die
Wettbewerbsfähigkeit
Amerikas verbessert werden, weil Privatfirmen Güter und Dienstleistungen
besserer
Qualität
produzieren
und
diese dem Verbraucher preiswerter zur
Verfügung
stellen
können
als
der
Staat. Aus diesen Gründen profitie-

- 5 -

�ren die Amerikaner, wenn der Staat
sich zurückzieht.
Wie die Abschaffung von Vorschriften und Zentralismus verkörpert die Privatisierung die
Überzeugung
meiner
Administration,
daß die Bundesregierung ihre Eingriffe in den Markt und lokale Verwaltungen auf ein Minimum beschränken sollte. Wir müssen zunehmend Regierungsfunktionen auf den wettbewerbsfähigen
Markt
zurückverlagern,
indem
wir
staatliche
Firmen
verkaufen
oder
übertragen.
Im Jahr 1986 hat der
Kongreß das Verkehrsministerium ermächtigt, Conrail der Öffentlichkeit
zum Kauf anzubieten, was, wie wir
hoffen, dieses Jahr stattfinden wird.
Andere für eine Privatisierung geeignete Unternehmen sind zum Beispiel
die National Petroleum Reserves, die
Alaska
Power
Administration
und
Amtrak.

Reform der Agrarpolitik
Eine weitere Priorität des Jahres
1987 muß in der Reform unserer Agrarprogramme bestehen.
Neben der Tatsache, daß diese Programme allein in
diesem Jahr den Steuerzahler 34 Milliarden Dollar kosten, entziehen sie
Land, Arbeitskraft und andere Ressourcen einer produktiven Verwendung.
Die meisten Landwirtschaftsprogramme
sind teuer und unfair, weil sie in
der Tat relativ wenigen Einzelpersonen und Firmen Millionen von Dollar
verschaffen, während viele Familienbetriebe, meist diejenigen, die wirklich Hilfe benötigen, wenig bekommen.
Schließlich
führen
Landwirtschaftsprogramme bei vielen Nahrungsmitteln
zu Preiserhöhungen für alle Amerikaner, reich und arm.
Die Unterstützung landwirtschaftlicher Einkommen sollte nicht durch
direkte Subventionen oder Preisstützung für landwirtschaftliche Produkte
- 6

mit der Produktion verbunden sein.
Meine Administration wird ein marktorientiertes
Reformpaket
verfolgen,
das zwei Ziele hat: eine schrittweise
Trennung der Unterstützung landwirtschaftlicher Einkommen von landwirtschaftlicher Produktion und die Konzentrierung dieser Unterstützung auf
diejenigen Familienbetriebe, die sie
am nötigsten haben.

Zusammenfassung
Die Wirtschaftspolitik meiner Administration hat mehr wirtschaftliche
Freiheit und Chancen für Männer und
Frauen, für Privatfirmen und die Regierungen der Einzelstaaten und Gemeinden geschaffen, um ihre eigenen
Interessen zu verfolgen und ihre eigenen
Entscheidungen
zu
treffen.
Diese Politik hat zu einem stetigen
Wirtschaftsaufschwung
mit
niedriger
Inflation, niedrigeren Steuern und
einem vereinfachten Steuergesetz, der
Befreiung der Industrie von gesetzlichen Vorschriften, einem scharfen
Anstieg bei den Investitionausgaben
und mehr als 12 Millionen neuen Arbeitsplätzen geführt.
Das amerikanische Volk verlangt
eine gesunde, produktive und wachsende Wirtschaft.
Deshalb werde ich
weiterhin eine Politik verfolgen, die
das Wachstum fördert, das Defizit des
Bundeshaushalts abbaut, das Handelsdefizit korrigiert und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Produzenten
stärkt.
Das
amerikanische
Volk wird eine Wiederholung der gescheiterten
Wirtschaftspolitik
der
Vergangenheit nicht dulden.
Deshalb
werde ich mich allen Vorschlägen zur
Einführung
einer
Wirtschaftspolitik
widersetzen, die die Errungenschaften
der
Steuerreform
preisgeben,
das
Wachstum lähmen, die Inflation anheizen, unnötige staatliche Eingriffe in

�den Markt bewahren oder den Protektionismus fördern. Mit der Hilfe und
Kooperation des Kongresses können wir
den gegenwärtigen Konjukturaufschwung
aufrechterhalten und stärken und die
wirtschaftlichen Errungenschaften der
letzten sechs Jahre erhalten und ausbauen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
%

Hintergrundmaterial

^ &lt;£

4. Februar 1987

STRATEGIE ZUR NATIONALEN SICHERHEIT DER VEREINIGTEN STAATEN
- Bericht der Reagan-Adminstration an den Kongreß Teil I und II

Dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetz zur Reorganisation der Verteidigung zufolge wird in Zukunft jährlich vom Präsidenten zusammen mit der
Haushaltsvorlage ein Bericht über die "Strategie zur Nationalen Sicherheit der
Vereinigten Staaten" vorgelegt.
Der diesjährige Bericht kam am 28. Januar zur Vorlage und wurde gleichzeitig veröffentlicht.
Er faßt zur Verbreitung in der Öffentlichkeit und
erstmals unter einem Titel die wesentlichen Bestandteile der Strategie zur nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten wie folgt zusammen:

Nationale Interessen und Zielsetzungen der Vereinigten Staaten,
Wichtige
Bedrohungen
scher Interessen,

amerikani-

Die Außenpolitik der Vereinigten
Staaten (ihre Prinzipien und deren regionale Anwendung)
Die internationale Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten,
Die Verteidigung und militärische
Strategie der Vereinigten Staaten,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

- Die integrierte Verwendung amerikanischer Mittel zur Unterstützung
dernationalen
Sicherheitsstrategie
Der
Bericht
rekapituliert
die
heutige amerikanische Politik und beschreibt die Art und Weise, in der
verschiedene
politische
Maßnahmen
durchgeführt werden, die sich zur Erlangung amerikanischer Ziele gegenseitig unterstützen.
Er gibt keine
neuen Maßnahmen oder Initiativen bekannt.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die
entsprechenden
Abteilungen
und Behörden waren an der Erstellung
dieses Berichts beteiligt. Obwohl es
ein Bericht des Präsidenten ist, haben der Außenminister, der Verteidigungsminister, der Vorsitzende, die
Vereinigten Stabschefs und der Berater für Fragen der Nationalen Sicherheit des Präsidenten an seiner Entstehung mitgewirkt.
Von hochrangigen Beamten bei Anhörungen im Streitkräftsausschuß des
Senats gehaltene Referate über eine
nationale Strategie vervollständigen
und erweitern Teile des Berichts.
Der Bericht geht auf
Punkte im einzelnen ein:

folgende

- Die grundlegenden Interessen der
Vereinigten Staaten an: dem überleben der Vereinigten Staaten und
ihrer freien Institutionen; einer
gesunden und wachsenden amerikanischen Wirtschaft; der weltweiten Ausbreitung von Demokratie
und
freien
marktwirtschaftlich
orientierten Wirtschaftssystemen.
- Wie unsere Strategien versuchen,
aus amerikanischen
Stärken und
sowjetischen Schwächen Nutzen zu
ziehen.
- Den Charakter
der
Abschreckung
und wie unsere strategischen und
konventionellen Streitkräfte dazu
beitragen.
- Die Einbettung unserer Zielsetzungen im Bereich der Rüstungskontrolle
in
unsere
weitergespannten strategischen Ziele.
- Die
Möglichkeiten
der
Strategischen
Verteidigungsinitiative,
das strategische Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und
- 2 -

der Sowjetunion grundlegend umzuwandeln und die Abschreckung auf
eine sicherere und gefestigtere
Grundlage zu stellen.
- Die
Strategie
der
Vereinigten
Staaten zur Behandlung von Konflikten mit niedriger Intensität.
- Maßnahmen, die unternommen werden, um durch bessere Planung und
Anleitung die Effizienz bei der
Durchführung dieser Strategie zu
verbessern; dazu gehört auch die
Vorlage eines zwei Jahre umfassenden Verteidigungshaushalts im
Finanzjahr 1988/89.
- Der
Bericht
beschreibt
ferner
wichtige Defizite bei den Mitteln
zur Durchführung dieser Strategie, hier besonders:
- Die Krise bei der Finanzierung
von Entwicklungshilfe, die durch
erhebliche Kürzungen seitens des
Kongresses im Finanzjahr 1987 zustande kam und die Fähigkeit der
Vereinigten Staaten zum Gebrauch
dieses rentablen Mittels zur Unterstützung einer Reihe wichtiger
nationaler
Sicherheitsinteressen
erheblich einschränkte.
Der Bericht erbittet die eindeutige Unterstützung
des Kongresses für
die anhängige Zusatzforderung, um
einen
Teil
der
Mittel
wieder
freizugeben.
- Angesichts des geringen Wachstums
bei den Vorlagen zum Verteidigungshaushalt
der
letzten
zwei
Jahre erbittet der Bericht Unterstützung für einen gemäßigten Zuwachs bei den Investitionen in
die Verteidigung, um die Aufgabe
des Wiederaufbaus der amerikanischen Verteidigung zu vollenden
und die für den wirkungsvollsten
Gebrauch der Verteidigungsmittel

�notwendige programmatische
lität zu fördern.

- Schließlich fordert der Bericht
die Unterstützung beider Parteien
im Kongreß für diese Strategie
und ihre Zielsetzungen wie auch
deren enge Zusammenarbeit, um sicherzustellen, daß die Mittel für
dessen
Durchführung
angemessen
sind.

I.

gen moralischen Unterschiede zwischen Totalitärismus und Demokratie herauszuarbeiten;

Stabi-

Eine amerikanische Perspektive

Seit Beginn dieser Regierung haben wir den Grundstein für eine konstruktivere und positivere amerikanische Rolle in der Welt gelegt, indem
wir die wesentlichen Bestandteile der
amerikanischen
Außen- und Verteidigungspolitik klar darlegten.
In der Zwischenzeit haben wir unsere Politik und unsere Leistungen
auf der Weltbühne objektiv betrachtet, um sicherzustellen, daß sie die
Dynamik einer komplexen und sich ewig
wandelnden
Welt widerspiegeln.
Wo
Kursanpassungen notwendig wurden, habe ich Änderungen angeordnet.
Aber
wir sind nicht vom Kurs abgewichen
und werden auch nicht von den weitgesteckten Zielen abrücken, die Amerikas Rolle in der heutigen Welt bestimmen:
- Starke und enge Beziehungen
unseren Bündnispartnern auf
ganzen Welt;

mit
der

- Aktive Unterstützung jener, die
für ihre Selbstbestimmung, Freiheit, einen annehmbaren Lebensstandard und für ihre Entwicklung
kämpfen;
- Bereitschaft
zu einer
realistischen
Sichtweise
der
Sowjetunion, um öffentlich die wichti-

- Suche nach bedeutsamen Wegen einer
Zusammenarbeit
mit sowjetischen Politikern, um einen Krieg
zu vermeiden und die Welt zu einem friedlicheren Ort zu machen.
Die zu Anfang dieser Regierung
gelegte
Grundlage
einer
gesunden
Strategie zur Nationalen Sicherheit
hat fest gegriffen und uns gute Dienste geleistet.
unsere wirtschaftliche, politische und
militärische
Macht lebt wieder auf.
Die westlichen Demokratien sind neu belebt
und auf der ganzen Welt wenden sich
Nationen demokratischen Ideen und den
Prinzipien der freien Marktwirtschaft
zu. Bei all diesen Bemühungen unterstützen die Vereinigten Staaten auch
weiterhin all jene, die sich die Vorteile unseres demokratischen Lebensstils zu eigen machen wollen.
Obwohl
den Vereinigten
Staaten
seit Ende des Zweiten Weltkrieges in
der freien Welt eine Führungsrolle
zufällt, haben wir doch nie allein
gehandelt.
Während des Krieges und
in den darauffolgenden vier Jahrzehnten gründete sich unsere Strategie
auf die Partnerschaft mit solchen
Ländern, die unsere Ziele teilen.
Da sich die Welt mit den Jahren
gewandelt hat, sind die Unterschiede
zwischen Ländern, die danach streben,
demokratische Institutionen hervorzubringen und solchen, die der totalitär istischen Fahne
folgen, in den
Mittelpunkt unseres Blickfeldes gerückt. Da die Veränderungen der Zukunft in den Bereichen der Menschenrechte, der modernen Technik, der Lebensqualität und der Weltwirtschaft
stattfinden, wird unser Beispiel weiterhin erheblichen Einfluß auf die

- 3 -

�Menschheit ausüben.
Die Vereinigten
Staaten befinden sich in diesem historischen Wettstreit auf der richtigen Seite und wir haben versucht, einen bleibenden Rahmen zur Förderung
dieses positiven Wandels zu schaffen.
Der Bericht über die Strategie
zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten baut auf den Bemühungen dieser Regierung, des Kongresses
und des amerikanischen Volkes in den
vergangenen sechs Jahren auf. Aber
jedes Papier für eine Strategie kann
nur ein Leitfaden sein. Um Wirkung
zu zeigen, muß es fest in weitgespannten
nationalen
Interessen und
Zielsetzungen verwurzelt, von einer
angemessenen Bereitstellung von Mitteln begleitet sein und alle relevanten Bereiche nationaler Macht einschließen, um unsere nationalen Zielsetzungen zu verfolgen.
Es muß ein
Gerüst erstellen, in dem besondere
Einzelziele von den mit der Überwachung bestimmter Bestandteile nationaler Macht beauftragten Behörden erkennbar sind. Und er sollte eine Anleitung
zur
Erstellung
besonderer
Pläne zur Erlangung genau dieser Einzelziele geben.
Aus
diesen
Grund
spielen die
jährlichen Vorlagen des Außen- und
des Verteidigungsministers
vor dem
Kongreß eine Schlüsselrolle zur Unterstützung der in diesem Bericht näher
beschriebenen
Zielsetzungen.
Beide entwickeln in ihren jeweiligen
Bereichen der Außen- und der Verteidigungspolitik detaillierte Aktionspläne, um unsere nationale Strategie
zu unterstützen, amerikanischen Interessen Vorschub zu leisten und, was
am wichtigsten ist, das Risiko für
uns und unsere Verbündeten zu verringern.
Nachfolgend werden die Bemühungen
dieser Administration dargelegt, eine

Strategie zur Nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten vorzulegen einen Entwurf für Freiheit, Frieden
und Wohlstand in unserer Zukunft.

II. Grundlagen der Strategie zur
Nationalen Sicherheit der Vereinigten
Staaten
Die
Sicherheit
der Vereinigten
Staaten in einer komplexen und sich
wandelnden Welt
In den Jahren nach dem Zweiten
Weltkrieg sahen sich die Vereinigten
Staaten zum ersten Mal einer unausweichlichen Verantwortung für die Angelegenheiten der Welt gegenübergestellt.
Die Vereinigten Staaten waren nicht länger durch die fast perfekte Festung der Meere geschützt,
nun mit vom Krieg zerstörten Ländern
verbündet, sahen sich unumstößlichen
Beweisen expansionistischer Bemühungen der Sowjets gegenüber und nahmen
angesichts dessen die doppelte Last
auf sich, die Wiederherstellung der
weltwirtschaftlichen Ordnung zu erleichtern und der Verbreitung von sowjetisch geprägtem Totalitärismus und
Kommunismus Einhalt zu gebieten.
Die Vereinigten Staaten reagierten auf die von Moskau ausgehenden
Bedrohungen mit einer Politik des
"Containment".
"Containment" umfaßt
als Strategie
für den Weltfrieden
drei verschiedene Elemente.
Zum ersten Element, der amerikanischen Verteidigungspolitik, gehörte
die weitere Stationierung von Streitkräften, die notwendig sind, um eine
militärische Expansion seitens der
Sowjets in ihre Schranken zu verweisen
("contain") und abzuschrecken.
Für die Praxis bedeutet dies, daß wir
zum ersten Mal in unserer Geschichte
große militärische Formationen im Ge-

- 4 -

�biet der Verbündeten in Westeuropa
und Ostasien unterhalten.
Mit dem
Zuwachs an sowjetischen Trägersystemen für Nuklearwaffen wurden auch umfangreiche strategische Streitkräfte
notwendig, um die durch die konventionellen Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten geschaffene Abschreckung
zu erhöhen.
Somit konzentrierte sich unser militärisches
Sicherheitssystem
vorwiegend auf zwei Regionen, Europa und
Ostasien, und wurde von unserer nuklearen Abschreckungsstreitmacht gestützt.
Das zweite Element, die internationale Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten, umfaßte wirtschaftliche Wiederaufbauprogramme für Westeuropa und Japan. Es erforderte ferner eine Führungsrolle der Vereinigten Staaten bei der Einrichtung und
Leitung des internationalen Währungssystems und bei der Ermutigung regionaler und globaler Freihandelsabkommen.
Das dritte Element, die amerikanische Politik in der Dritten Welt,
umfaßt sowohl Hilfe für die Wirtschaft als auch für die Sicherheit.
Es beinhaltet auch eine grundlegende
politische Komponente: die Entkolonialisierung,
Selbstbestimmung
und
Unterstützung
für eine Entwicklung
hin zur Demokratie. Die Sowjetunion
trat uns in der Dritten Welt mit einer Politik "nationaler Befreiungskriege" entgegen, mit deren Hilfe sie
die mangelnde Stabilität sich bildender Nationen auszubeuten sucht um
marxistisch-leninistische Regime nach
sowjetischem Modell zu errichten.
In den drei Nachkriegsjahrzehnten
waren bei unserer nationalen Strategie wichtige Erfolge zu verzeichnen.
Ein Weltkrieg wurde vermieden. Europa und Japan gelangten mit Hilfe mas-

siver
amerikanischer
Unterstützung
wieder zu Wohlstand, und im größten
Teil der Dritten Welt ging die Kolonialzeit zu Ende. "Containment" hatte jedoch seinen Preis. Aber da die
Vereinigten Staaten den Löwenanteil
der
weltwirtschaftlichen
Macht der
Industrieländer
auf sich vereinte,
konnten wir die Last tragen.
Die Nachkriegszeit ging in den
siebziger Jahren zuende. Einmal veränderte
die
amerikanische
Wirtschaftspolitik in Europa und Ostasien
die Verteilung von Macht und Wohlstand in unserem Bündnissystem erheblich.
Gegenüber Westeuropa und dem
Land am Rande Ostasiens hatten die
Vereinigten Staaten nicht länger eine
herausragende
wirtschaftliche
Stellung. Und unser Erfolg bei der Abschreckung einer sowjetischen militärischen Aggression in diesen beiden
strategisch wichtigen Regionen schuf
in der Öffentlichkeit zunehmend die
Meinung, eine direkte sowjetische Aggression in diesen beiden Regionen
sei weniger wahrscheinlich.
Zweitens
erforderten
die militärische Aufrüstung der Sowjets und
die Verlagerung
sowjetischer
Macht
nach Kuba, Nicaragua, den Mittleren
Osten, Südost- und Südwestasien und
Afrika eine Änderung bei der Strategie zur Anwendung unserer Politik des
'Containment'.
Besondere
Bedeutung
kam der Tatsache zu, daß die Sowjets
im Bereich strategischer Nuklearwaffen einen Gleichstand mit den Vereinigten Staaten erreichten.
Drittens führte das aufkommende
politische Bewußtsein in der Dritten
Welt zu Bürgerkriegen und zu regionalen Konflikten, die die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion in eine
direkte militärische Konfrontation zu
verwickeln drohten.
Darüber hinaus
trugen wirtschaftliche Entwicklungen,

- 5 -

�besonders im Energiebereich, zu politischer Instabilität bei und hatten
auf das internationale Währungssystem
einen destabilisierenden Effekt.
In solch einer grundverschiedenen
Welt mußten die Grundlagen der strategischen Planung neu überdacht werden.
Es besteht keine militärische
Überlegenheit der Vereinigten Staaten
mehr bei den strategischen Streitkräften und die unausgesetzte Zunahme
sowjetischer
Fähigkeiten, die sich
gegen Europa, den Persischen Golf und
andere wichtige Gebiete richten könnten, stellt eine fortgesetzte Bedrohung der regionalen Sicherheit dar.
Es ist heute wichtiger denn je,
daß unsere Strategie zur Nationalen
Sicherheit
auf einem soliden Verständnis
amerikanischer
Interessen
und Zielsetzungen basiert wie auch
auf einer realistischen Methode zur
Behandlung der Sowjetunion und anderer Bedrohungen für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten.

Die Interessen der Vereinigten
Staaten
Die Strategie zur Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten ist
ein Abbild unserer nationalen Interessen und bildet einen weitgesteckten
Plan zur Erlangung nationaler Zielsetzungen, die diese Interessen unterstützen.
Die nationalen Schlüsselinteressen, die unsere Strategie
sichern und schützen will, umfassen:
1. Das Überleben der Vereinigten
Staaten als freie und unabhängige Nation, mit ihren intakten grundlegenden Werten und Institutionen.
2. Eine gesunde und wachsende
Wirtschaft der Vereinigten Staaten.

- 6

3. Die Heranbildung von Freiheit,
demokratischen
Institutionen
und
freien Marktwirtschaften auf der ganzen Welt, verbunden mit einem gerechten und offenen internationalen Handelssystem.
4. Eine stabile und sichere Welt,
frei von erheblichen Bedrohungen amerikanischer Interessen.
5. Gesunde und starke Bündsnisbeziehungen der Vereinigten Staaten.

Wichtige Ziele bei der Unterstützung amerikanischer Interessen
Die Zielsetzungen in der Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten
sind Erklärungen weitgesteckter Ziele
zur Unterstützung und Förderung nationaler Interessen. In diesem Sinne
sollen sie nicht mechanisch oder automatisch angewandt werden, sondern
bilden
allgemeine
Richtlinien
zur
Entwicklung einer Politik für besondere Situationen, die eine koordinierte Anwendung nationaler Macht erfordern.
Die wichtigsten Ziele zur
Unterstützung unserer nationalen Interessen sind folgende:
1. Die Erhaltung der Sicherheit
unserer Nation und unserer Verbündeten. Die Vereinigten Staaten müssen
in Zusammenarbeit mit ihren Verbündeten versuchen, jegliche Aggression
abzuwenden, die diese Sicherheit bedrohen könnte, im Falle versagender
Abschreckung bereit sein, einen jeden
militärischen Angriff zu verhindern
oder zunichte zu machen und den Konflikt in einem für die Vereinigten
Staaten, ihre Interessen und ihre
Verbündetnen günstigen Sinne zu beenden.
Im einzelnen heißt das:

�- Abschreckung feindlicher Angriffe
auf die Vereinigten Staaten, ihre
Bürger, Streitkräfte oder
ihre
Verbündenten und Sieg bei einem
feindlichen Angriff, wenn die Abschreckung versagt.
- Erhaltung der Stärke und Lebensfähigkeit der Beziehungen zu den
amerikanischen Bündnispartnern.
- Wirksame Behandlung von Bedrohungen der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Bürger, bei
denen es nicht zum bewaffneten
Konflikt
kommt.
Hierzu
zählt
auch die Bedrohung durch den Terrorismus.
- Verhinderung
der Weiterverbreitung nuklearer Waffen.
- Langfristiger Abbau unserer Stützung
auf
Nuklearwaffen
durch
Stärkung unserer konventionellen
Streitkräfte, die Verfolgung ausgewogenener
und
verifizierbarer
Rüstungskontrollabkommen und die
Entwicklung von Technologien zur
strategischen Verteidigung.
- Sicherung
des
uneingeschränkten
amerikanischen
Zugangs
zu
den
Meeren und zum Weltall.

Volksrepublik China.

2. Reaktionen auf die Herausforderungen in der Weltwirtschaft. Gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit hat den Vereinigten Staaten erhebliche Vorteile verschafft, stellt
sie aber auch vor neue Schwierigkeiten bei der Vorgehensweise, die gelöst werden müssen. Da unsere Abhängigkeit
von
Rohstoffen
zugenommen
hat, ist die potentielle Verwundbarkeit der Versorgungswege ein Anlaß zu
großer Besorgnis.
Obgleich das anhaltende Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten dazu beiträgt, die
Welt aus der Rezession zu führen,
verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum vieler Länder. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf wichtige Probleme in der Welt richten, die amerikanische Interessen in Zukunft beeinträchtigen könnten, wenn sie keiner
Lösung zugeführt werden oder keine
Beachtung finden. Viele dieser Probleme, wie etwa die Schulden der
Dritten
Welt,
der
internationale
Rauschgifthandel und der zunehmende
Protektionismus haben im Augenblick
Auswirkungen auf die Interessen der
Vereinigten Staaten.
Das heißt, wir müssen:

- Verhinderung einer Dominanz des
eurasischen Raums durch die UdSSR
(oder
eine
andere
feindliche
Macht oder einen Zusammenschluß
verschiedener Mächte).

- in den Vereinigten Staaten eine
starke, florierende und wettbewerbsfähige Wirtschaft im Zusammenspiel mit einer stabilen und
wachsenden Weltwirtschaft fördern.

- Wir müssen die Sowjetunion zwingen, die Kosten für ihr wirtschaftliches Defizit zu tragen,
um weitere übertriebene Ausgaben
der Sowjets im militärischen Bereich und deren Abenteuerlust auf
der ganzen Welt zu entmutigen.

- den Zugang der Vereinigten Staaten zu ausländischen Märkten sichern und den Vereinigten Staaten
und ihren Verbündeten und Freunden den Zugang zu Energiequellen
und Erzvorkommen sichern.

- Förderung beserer Beziehungen

zur
- 7

- ein gut funktionierendens internationales Wirtschaftssytem
mit

�kleinstmoglichen Verzerrungen bei
Handel und Investitionen wie auch
stabile Währungen und weithin akzeptierte und respektierte Regeln
zur Behandlung
und Lösung von
Streitigkeiten fördern.

3. Verteidigung und Förderung der
Sache der Demokratie, Freiheit und
Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Eine Außenpolitik, die das Schicksal
von Millionen nach Freiheit strebenden Menschen auf der ganzen Welt ignoriert, wäre ein Verrat an unserem
nationalen Erbe. Unsere eigene Freiheit
und
die
unserer
Verbündeten
könnte niemals in einer Welt sicher
sein, in der Freiheit überall sonst
bedroht wäre.
Das heißt

Konfliktes in sich.
Konflikte oder
Versuche, befreundete Regierungen zu
stürzen, die von den Sowjets oder ihren Satellitenstaaten angefacht oder
unterstützt werden, stellen eine besonders ernstliche Bedrohung für die
Interessen
der Vereinigten
Staaten
dar.
Insbesondere müssen wir:
- ein stabiles globales und regionales militärisches Gleichgewicht
gegenüber der Sowjetunion und den
mit ihr verbündeten Staaten aufrechterhalten.
- bedrohten Staaten beim Widerstand
gegen sowjetische und sowjetisch
geförderte Subversion und Aggression Hilfe leisten.

im einzelnen, wir müs-

sen:
- die Entwicklung nationaler Unabhängigkeit und freier Institutionen auf der ganzen Welt fördern.

- wo immer es möglich ist, die Ursachen
regionaler
Instabilität,
die das Risiko eines größeren
Krieges in sich bergen, zu beheben.

- Hilfs-, Handels- und
Investitionsprogramme ermutigen und unterstützen, die eine wirtschaftliche Entwicklung und die Heranbildung
freier, humaner politischer und sozialer Ordnungen in
der Dritten Welt fördern.

- die Bemühungen der
Sowjetunion
neutralisieren, ihren Einfluß in
der Welt auszuweiten und die zwischen der UdSSR und ihren Satellitenstaaten in der Dritten Welt
bestehenden
Verbindungen
schwächen.

- Liberalisierungstendenzen
innerhalb der Sowjetunion und ihrer
Satellitenstaaten ermutigen.

- Bedrohungen der Stabilität befreundeter Regierung und Institutionen
durch
Unterminierung,
staatlich unterstützten Terrorismus und den internationalen Drogenhandel bekämpfen helfen.

4. Friedliche Lösung von Streitfällen, die amerikanische Interessen
in unruhigen Regionen der Welt beeinträchtigen. Regionale Konflikte, die
Verbündete oder Freunde der Vereinigten Staaten einbeziehen, könnten die
Interessen
der Vereinigten
Staaten
bedrohen und tragen vielfach das Risiko einer weiteren Eskalation dieses

5. Aufbau wirkungsvoller und günstiger Beziehungen mit allen Staaten,
mit denen uns gemeinsame Probleme
verbinden. In der Welt gibt es heute
150 Nationen, von denen keine den
Vereinigten
Staaten
an
Macht
und

�Wohlstand gleichkommt, aber dennoch
jede einzelne souverän ist und mit
vielen, wenn nicht mit allen amerikanischen Interessen direkt oder indirekt in Berührung kommt.
Im einzelnen heißt das, wir sollten:
- die
Bildung
von
Vereinigungen
solcher Staaten, die den amerikanischen
Interessen
freundlich
gegenüberstehen unter Verwendung
der
ganzen Bandbreite diplomatischer, politischer, wirtschaftlicher und informeller Kontakte
fördern
- wichtige internationale Institutionen
wirkungsvoller
machen,
wenn es darum geht, den Frieden,
die Weltordnung
und den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu fördern.
- die Möglichkeit verbesserter Beziehungen mit uns feindlich gesinnten Nationen zu untersuchen,
um die Möglichkeiten zukünftiger
Konflikte abzubauen.
- den Einfluß der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt erhöhen.
Unsere Strategie zur Nationalen
Sicherheit muß amerikanische Interessen und Zielsetzungen einhellig unterstützen.
Sie muß weiterhin die
vielfachen Bedrohungen und die mangelnde Stabilität der heutigen komplexen und sich wandelnden Welt in
Betracht ziehen.

Die
Hauptbedrohungen
amerikanischen Interessen

für

die

Die wichtigste Bedrohung amerikanischer Sicherheit und nationaler
Interessen ist die weltweite Heraus-

forderung
durch
die
Sowjetunion.
Während nur eine Handvoll Politbüromitglieder berechtigterweise behaupten kann, die präzisen kurzfristigen,
taktischen Pläne der Kreml zu kennen,
ist
die
langfristige
strategische
Richtung der sowjetischen Außenpolitik eindeutiger.
Motiviert von den
Forderungen
eines
politischen
Systems, das von der marxistisch-leninistischen Ideologie und der sie repräsentierenden politischen Partei zusammengehalten und beherrscht wird,
versucht Moskau, das bestehende internationale System zu verändern und
eine globale sowjetische Hegemonie
aufzubauen.
Diese langfristigen sowjetischen Ziele bilden den allgemeinen konzeptionellen Rahmen der sowjetischen Außen- und Verteidigungspolitik.
Grundsätzliche
Unterschiede
bei
den wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Überzeugungen und Zielen
führen zu einem grundlegend gegensätzlichen Verhältnis
zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Beide Seiten haben trotzdem
mit der Vermeidung einer direkten
Konfrontation und dem Abbau der Bedrohung durch einen Nuklearkrieg ein
gemeinsames Ziel.
Die wahre Herausforderung
an
die
amerikanische
Staatskunst besteht darin, wie diese
Gemeinsamkeit der Interessen zur Erhaltung des Friedens am besten verwirklicht werden kann, ohne daß unsere
nationale
Sicherheit
gefährdet
oder
unsere Verpflichtung
an
die
Sache der Freiheit und Gerechtigkeit
aufgegeben werden.
Zur Durchführung ihrer expansionistischen Politik hat sich die UdSSR
ein innenpolitisches System zentralistischer totalitärer Kontrolle bewahrt und dieses System zur Unterstützung ihrer internationalen Ziele
mobilisiert und organisiert. Auf in-

- 9 -

�ternationaler Ebene haben die Sowjets
fortgefahren, Gruppen zu helfen, die
sogenannte "nationale Befreiungskriege" führen, internationale terroristische Gruppen mit Waffen und Ausbildung zu unterstützen, regionale Instabilität zu fördern und auszunutzen
sowie einen aggressiven und ungesetzlichen Krieg in Afghanistan zu führen.
An vielen weiteren Orten der
Welt haben sich sowjetische Berater
und Kampftruppen ebenfalls eines Verhaltens befleißigt, das internationale Vereinbarungen verletzt.
Die Sowjets haben eine noch nie
dagewesene Aufrüstung betrieben, die
eine andauernde Bedrohung der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten darstellt. Die sowjetische Führung mißt ihrer militärischen Stärke,
die die Hauptquelle für den Einfluß
der UdSSR im internationalen Bereich
bildet, eindeutig größten Wert bei.
Jahrzehntelang hat die UdSSR einen
unverhältnismäßig
hohen Anteil des
Nationaleinkommens für die Aufrüstung
ihrer Streitkräfte eingesetzt.
Sie
unterhält
gegenwärtig
eine Streitmacht von über fünf Millionen Uniformierten
(ausschließlich
über
eine
Million Grenzwachen und andere Sicherheitskräfte) . Es wird geschätzt,
daß die Ausgaben für das Militär gegenwärtig etwa 15-17 Prozent des gesamten sowjetischen BSP ausmachen.
Die sowjetische Militärmacht erlaubt es Moskau, eine starke Verteidigung der Heimat zu gewährleisten
und gleichzeitig die direkte und indirekte
Beteiligung
an
regionalen
Konflikten
außerhalb
sowjetischer
Grenzen
zu
erleichtern.
Außerdem
werden
zunehmend militärische Ressourcen der Sowjets dazu benutzt, die
Politik anderer Länder zu beeinflussen und Instabilität zu fördern.
Die

Beweise

für

die

Beziehungen

zwischen der Sowjetunion und der Zunahme des weltweiten Terrorismus sind
heute schlüssig.
Obwohl die Sowjetunion
keine unmittelbare
Kontrolle
über
die
meisten
terroristischen
Gruppen besitzt, liefert sie große
Mengen an Waffen, Geld und Beraterhilfe an revolutionäre Kräfte, die an
terroristischen Aktivitäten beteiligt
sind.
Die Sowjets versuchen, diese
Unterstützung durch das Vorschieben
von Mittelsmännern zu verschleiern radikale Regierungen wie etwa in Kuba, Nordkorea, Nicaragua, Syrien und
Libyen, die direkte Beziehungen zu
radikalen Terroristen
und Aufständischen
unterhalten.
Gleichgültig,
ob Moskau direkte oder indirekte Unterstützung bereitstellt, die eigentlichen Ziele des radikalen Terrorismus sind die Vereinigten Staaten,
Westeuropa, Japan und andere gemäßigte, prowestliche Regierungen.
Die Sowjetunion ist in den letzten Jahren bei der Verwendung ihrer
nationalen
Machtinstrumente
wesentlich subtiler geworden.
Trotz beträchtlicher Schwächen in der sowjetischen Wirtschaft benutzt das Politbüro wirtschaftliche Instrumente aktiv in seiner globalen Strategie. Es
nutzt den Westhandel, um wirtschaftliche Druckmittel, Technologie und
Devisen zu bekommen. Der Erwerb militärisch nutzbarer moderner Technologie mit legalen und illegalen Mitteln ist für die Sowjets insbesondere
wichtig, um die Entwicklungszeit für
Waffen zu verkürzen, die Kosten zu
reduzieren und die Schwächen der sowjetischen Wirtschaft zu kompensieren.
Die Beschaffung von Produktionstechnologie ist für die Sowjets
besonders wichtig, um die Effizienz
ihrer
Rüstungsindustrie
zu verbessern.
Zugang zu westlichen Produktionsausrüstungen, -verfahren
und
Know-How hat die sowjetischen Rüstungsfabriken in die Lage versetzt,

- 10 -

�einige moderne Waffen bis zu fünf
Jahre eher in Produktion gehen zu
lassen als dies sonst der Fall gewesen wäre. Die Sowjets versuchen außerdem langfristige Wirtschaftsabkommen abzuschließen, die Abhängigkeiten
von der UdSSR schaffen (z. B. solche,
die die Versorgung Westeuropas mit
Energie betreffen) .
Zusätzlich haben die Sowjets einen massiven Apparat zur politischen
Einflußnahme
aufgebaut.
Zu diesem
Apparat
gehört
die
umfangreichste
Propagandamaschinerie der Welt, einschließlich offener und geheimer Aktivitäten in den Medien, Finanzierung
und Unterstützung ausländischer kommunistischer Parteien und Frontorganisationen; politischer und ideologischer Indoktrinierung ausländischer
Studenten, Beamter, Terroristen und
Angehöriger des Militärs sowie die
Beeinflussung ausländischer Besucher
in der UdSSR. Dazu gehören getrennte
Bemühungen zur Durchführung "aktiver
Maßnahmen", darunter Desinformation,
Fälschungen, die Benutzung politisch
einflußreicher
Persönlichkeiten
und
andere Täuschungsmanöver.
Obwohl die Sowjets nicht als Anstifter aller revolutionären Bewegungen gebrandmarkt werden können, besteht ihre Strategie doch eindeutig
darin, innenpolitische wunde Schwachpunkte in anderen Ländern auszunutzen, um die Bildung von Regimen zu
fördern, die unter sowjetischem Einfluß oder sowjetischer Kontrolle stehen. All dies wird unter dem Etikett
der "friedlichen Koexistenz" mit den
Vereinigten Staaten und dem Westen
insgesamt erreicht und als ein andauernder Wettstreit definiert, in dem
alle Formen des Kampfes außer einem
offenen Krieg erlaubt sind.

sen

Obwohl wir uns weiterhin angemesmit der sowjetischen Bedrohung

befassen, dürfen wir andere destabilisierende internationale Bedrohungen
und Probleme nicht vernachlässigen,
die ernsthaft den amerikanischen Interessen schaden können, wenn sie
nicht in geeigneter Weise angegangen
werden. Dazu gehören nichtkommunistische Staaten mit repressiven Regierungen und Ideologien, die unserer
entgegenstehen;
internationale wirtschaftliche Probleme wie die massive
Weltverschuldung,
Handelsungleichgewichte und Verlagerungen des vergleichsweisen Vorteils in unserem von
wechselseitiger Abhängigkeit bestimmten Weltwirtschaftssystem; die weltweite Bevölkerungsexplosion und die
damit zusammenhängenden Probleme der
Versorgung
mit Nahrungsmitteln
und
Wasser sowie der Armut; die Ausbreitung von Atomwaffen; Drogenhandel und
Menschenrechtsverletzungen,
um
nur
einige zu nennen.
Eine zusätzliche Bedrohung, die
ihrem Charakter nach heimtückisch und
von wachsendem Ausmaß ist, stellte
der internationale Terrorismus der ein weltweites Phänomen, das zunehmend häufig, wahllos und mit staatlicher
Unterstützung
auftritt.
Höchstwahrscheinlich wird der Terrorismus für den Rest dieses Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil der
internationalen
Landschaft
bleiben.
Er greift unmittelbar unsere demokratischen Werte an, untergräbt unsere diplomatischen Bemühungen um die
friedliche Lösung von Konflikten und
zersetzt die Grundlagen der zivilisierten Gesellschaften. Die effektive Bekämpfung des Terrorismus ist ein
wichtiges Ziel für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Ein fundiertes Verständnis unserer nationalen Interessen und Ziele
ist in Anbetracht der großen Bedrohungen dieser Interessen unabdingbar,
um vernünftige Strategien zu ent-

- 11 -

�wickeln. in den beiden nächsten Kapiteln werden die Hauptelemente unserer
Außen- und
Verteidigungspolitik
sowie die Wege behandelt, auf denen
diese zur Erlangung unserer nationalen Sicherheitsziele beitragen.
Die
effektive Einbettung unserer Außenund Verteidigungspolitik liefert die
Grundlage unserer Nationalen Sicherheitsstrategie.
(wird fortgesetzt)

* * * * *

12

�AMERIKA DIENST
VON

**

Wissenschaft und Technik

4 . Februar 1987

LEHRBEISPIEL "VOYAGER"
Experimentierflugzeug aus metallfreiem Verbundmaterial gibt
Luftfahrttechnik neue Impulse -

WASHINGTON - (AD) - Pioniertat
und kaum vorstellbare Rekordleistung
dazu
war
die
Erdumkreisung
von
Richard Rutan (48) und Jeana Yeager
(34) mit dem experimentellen Flugzeug
VOYAGER. Neun Tage, drei Minuten und
44 Sekunden nach ihrem Start am 14.
Dezember 1986 von "Edwards Air Force
Base" in Kalifornien erreichten die
beiden wieder die Ausgangsbasis und
landeten am 23. Dezember sicher auf
einem ausgetrockneten Salzsee in der
Mojavewüste.
Ohne ein einziges Mal
aufzutanken und ohne Zwischenlandung
waren sie um die ganze Erde geflogen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Im letzten Drittel der 40 240 km langen Reise half zeitweise starker Rükkenwind, die ursprünglich auf zehn
bis 12 Tage angesetzte Flugdauer um
einen Tag zu verkürzen.
Tropische
Stürme über dem Pazifischen und Indischen Ozean machten eine Verlegung
der Route, die u.a. den Norden Australiens und den Süden Afrikas berühren sollte, in äquatornähere Regionen erforderlich. Im allerletzten
Abschnitt wurde, vom Atlantik her
über Venezuela kommend, der Weg entgegen früheren Plänen nicht über den
Golf von Mexiko und den Südwestteil

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der
Vereinigten
Staaten
genommen.
Vielmehr führte er nun direkt nach
Westen über Costa Rica und, nach Erreichen der lateinamerikanischen Pazifikküste, in leicht nordöstlicher
Richtung
an Mexiko entlang zurück
nach Kalifornien.
Formgebung,
Konstruktion
und
Werkstoffe - alles ist außergewöhnlich bei VOYAGER, wenn auch nicht
ausnahmslos neu: Ein relativ kurzer,
schmaler Mittelrumpf mit je einem Motor an Bug und Heck, weit ausschwingende,
leicht
vorwärts
gekrümmte
Tragflächen, die hinter der in den
Mittelteil
verlegten
Pilotenkabine
ansetzen, zwei Außenrümpfe in einigen
Metern Abstand vom Hauptrumpf.
sie
sind um ein gutes Drittel länger als
ec und tragen ein großes Leitwerk am
Heck. Vorne sind sie durch Stummelflügel, in der Mitte noch einmal über
die Tragflächen mit ihm verbunden.
Diesen geben sie zusätzlichen Halt,
was dringend notwendig ist. Denn die
Spannweite ist mit 33,7 Metern (das
Vierfache der Mittelrumpflänge) sogar
noch größer als die Flügelspannweite
moderner Passagierflugzeuge wie z.B.
der Boeing 727.
Konstrukteur Burt
Rutan, der Bruder des Testpiloten,
berücksichtigte für die Tragflächen
eine Wölbungsfreiheit bis zu neun Metern.
Als Höhenleitwerk
fungieren
die
"canards", d.h.
die
vorderen
Stummelflügel. Gleichzeitig stabilisieren sie gegen Überziehen.
Beim Flug des Fluggeräts setzte
der Konstrukteur seinen großen Erfahrungsschatz nicht nur auf dem Gebiet
der Aerodynamik, sondern auch bei der
Verwendung super leichter Verbundwerkstoffe ein.
Die Schale besteht aus
sandwichähnlichem Material mit einem
sechseinhalb Millimeter dicken "Kern"
in Bienenwabenstruktur, ummantelt von
zwei harten Schichten.
Sie bestehen
aus
Kohlefasern,
eingebettet
in

Epoxydharz. Die sechsflächigen Waben
im Innern aus einem papierähnlichen
Polymer sind mit Kunstharz überzogen.
Die hochfeste Kombination besitzt eine siebenmal höhere Zähigkeit als
Aluminium, heute noch der wichtigste
Werkstoff im Flugzeugbau. Gleichzeitig ist sie um ein Fünftel leichter
als das Material. Was das Verbundmaterial tatsächlich auszuhalten vermag, zeigte sich schon beim Start,
als eine der Tragflächen während des
Anrollens mit der Spitze Bodenberührung bekam. Die Unterseite wurde dadurch von außen her ca. 40 cm weit
abgeschliffen. Gleichzeitig riß eine
kleine Klappe an der Flügelspitze ab.
Rutan
bekam
daraufhin
Anweisung,
durch eine leichte Kippbewegung auch
die andere Tragfläche kurz zu Boden
zu bringen - während des Beschleunigungsvorgangs auf der Rollbahn ein
Versuch, dort ebenfalls die Klappe
loszuscheuern.
Der Versuch gelang,
die "Symmetrie" war hergestellt. Der
Verlust der Klappen war für die Flugstabilität ohne Bedeutung.
Außer für die Verschraubung der
Tragflächenteile wurde beim Bau von
VOYAGER kein Metall verwendet.
Deshalb beträgt das Leergewicht der Zelle, die zu etwa 90 Prozent aus Kohlefaser und Verbundwerkstoffen besteht,
nur ganze 425,8 kg. Komplett ausgerüstet, einschließlich der beiden Motoren, kam man auf 1253 kg, und voll
aufgetankt beim Start auf 4431 kg.
So hob das Fluggerät mehr als das
Zehnfache seines Leergewichts in die
Lüfte.
Das robuste Material ist gut zu
bearbeiten und ergibt z.B. für Tragflächen eine glatte und dabei gut
versteifte Oberfläche.
Aerodynamisch
ist dies für die Ausnutzung der natürlichen laminaren Strömung an den
Tragflächen von Bedeutung. Der Luftwiderstand ist geringer, und damit

�auch
der
Tceifstoffverbrauch.
Das
VOYAGER-Experiment
hat die Eignung
der Werkstoffe und der Konstruktion
überzeugend demonstriert.
Das Fluggerät bewährte sich auch in sehr
starken Tubulenzen.

Fliegender Tank
"Fliegender Tank" wurde VOYAGER
zu Recht genannt. Den Treibstoffvorrat nahmen insgesamt 17 Kavernen in
allen drei Rumpfkörpern, in den Tragflächen und selbst in den Stummelflügeln auf.
Die Kavernen hatten Verbindungsleitungen,
damit
umgepumpt
werden konnte, wenn in turbulenten
Regionen durch höheren Treibstoffverbrauch aus einem größeren Tankbereich
eine Schwerpunktverlagerung und damit
Beeinträchtigung der Manövrierfähigkeit drohte.
Der
Bugmotor
wurde
außer
bei
Start und Landung meist nur zum Manövrieren eingesetzt. Einmal zwangen
beispielsweise
widrige
Wetterbedingungen
dazu, die übliche Flughöhe
zwischen 2 100 und 3 300 m zu verlassen und in mehr als 6 000 m Höhe zu
gehen. Die Schubleistung des Heckmotors reichte aus, um eine durchschnittliche Fluggeschwindigkeit von
ca. 185 km pro Stunde zu halten.

Auf engstem Raum
Die beiden Piloten hatten während
der 216 Stunden Flugdauer so gut wie
keine Bewegungsfreiheit in ihrer winzigen Kabine. Wenigstens ermöglichten Kuppel und Seitenfenster Sichtverbindung nach draußen - der Funkkontakt von und nach Kalifornien war
über alle nur erreichbaren Leitungswege gesichert, Unterstützung gab es
auch von Seiten der NASA und militärischen Stellen.
Steuern war nur in

halb sitzender Position möglich, weil
die 2,30 m lange, an ihrer weitesten
Stelle 1,20 m breite Kabine nichts
anderes zuließ, als daß der andere
die Zeit, in entgegengesetzter Richtung liegend, zubrachte. Die beiden
Piloten wechselten sich in allen Aufgaben ab und hielten nach Möglichkeit
regelmäßig Ruhepausen ein.
Nach dem vorausgegangenen Probeflug im Juli 1986, der viereinhalb
Tage dauerte, wurde Rutan gefragt, ob
solches Eingepferchtsein überhaupt zu
ertragen sei.
"Der Mensch ist ein
anpassungsfähiges
Wesen",
war
die
Antwort.
Habe man die ersten zwei
Tage hinter sich, spiele die Dauer
kaum mehr
eine Rolle.
Allerdings
machten während der Erdumfliegung im
Dezember
Müdigkeit und
körperliche
Anstrengungen in Turbulenzzonen den
beiden Piloten mehr zu schaffen, als
ihnen lieb war. Dennoch überstanden
sie ihr Abenteuer gut, wie auch die
ärztliche
Untersuchung
nach
der
glücklichen
Landung
ergab.
Wenige
Tage später erhielten sie zusammen
mit dem Konstrukteur aus der Hand
Präsident Reagans die Bürgermedaille.

Modell
Das Fluggerät VOYAGER, von einer
kleinen Gruppe begeisterter Ingenieure und Techniker unter der Mithilfe
nur weniger bezahlter Arbeitskräfte,
aber ohne jeglichen staatlichen Zuschuß gebaut, könnte der Flugzeugtechnik neue Anstöße geben. Das gilt
nicht nur für die Anwendung leichter
und dabei hochfester Verbundwerkstoffe aus nichtmetallischem Material,
sondern auch von technischen Prinzipien, die die Aerodynamik verbessern.
Darüber hinaus könnten Fluggeräte im
Stil der VOYAGER, bemannt oder unbemannt, z.B. für Aufgaben großräumiger
Fernerkundung über mehrere Tage für

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�die Fischerei oder für Umweltbeobachtungen zu Lande eingesetzt werden und
damit eine wichtige Ergänzung zu Satellitendaten erbringen.
Flugzeugfirmen in den USA prüfen
bereits ob sich die Technik Burt
Rutans auf den Bau von Privatjets anwenden läßt - sowohl in bezug auf
Werkstoffe als auch auf die Tragflächenkonstruktion.
Und ein Flugforschungsinstitut der NASA plant in Zusammenarbeit mit den beiden größten
amerikanischen Flugzeugfirmen Untersuchungen zu der Frage, inwieweit die
von Rutan angewandte Strömungstechnik
bei den Oberflächen von Großflugzeugen einsetzbar ist.

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