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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

#

2 8 . J a n u a r 1987

I N HA LT

DOKUMENTATION
Präsident Reagans Botschaft zur Lage der Nation
- 27. Januar 1987 -

Alle Staaten müssen die notwendigen Schritte zur Beendigung
des Terrorismus unternehmen
- Ansprache von Justizminister Meese -

Anhaltender Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus
- NorIdnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumflug ohne Risiko gibt es nicht
- DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von Shuttle-Fluren
im Jahr 1988 -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
28. Januar 1987

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ZUR LAGE DER NATION
- 27. Januar 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 27. Januar 1987 vor beiden
Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung vorgesehene Botschaft zur Lage der Nation - "State of the Union Address" - verlesen.
Präsident Reagan erklärte, die Erde sei jetzt aufgrund der Bemühungen seiner Administration um die Wiederherstellung der Stärke Amerikas, ein sicherer
Ort, aber "obwohl die Welt sicherer ist, so ist sie doch nicht sicher".
Reagan drückte sein "Bedauern über eine Sache aus. Ich bin bei unserer Aktion
im Iran ein Risiko eingegangen. Es hat nicht geklappt, und ich übernehme dafür die volle Verantwortung".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte Ihnen allen, den Mitgliedern
dieses
historischen
100.
Kongresses
der Vereinigten
Staaten
von Amerika, gratulieren.
In diesem
200. Jahr unserer Verfassung werden
Sie und ich von starken Säulen getragen - von den Menschen, deren Worte
und Taten Wind in die Segel der Freiheit geblasen haben.
Wir müssen dennoch immer daran
denken, daß unsere Verfassung nicht
gefeiert werden sollte, weil sie so
alt, sondern weil sie so modern ist modern wegen derselben Energie, des-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selben Geistes und der Versprechen,
die jeden ereignisreichen Tag im Parlamentsgebäude von Philadelphia erfüllten. Wir werden uns heute abend
von ihren Taten leiten lassen, aber
ihre Worte werden uns immer lenken.
Bitte sehen Sie es mir nach, wenn
ich Ihnen eine Geschichte aus jenen
Tagen erzählen möchte.
Philadelphia
war im Frühjahr 1787 vom Stolz aller
Bürger erfüllt und die Zeitungen begannen, anläßlich der Ankunft der Delegierten der Versammlung deren Namen
mit Titeln auszuschmücken.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die
Gouverneure
der
einzelnen
Staaten wurden "Exzellenz" genannt.
Richtern und Kanzlern war die Bezeichnung "Honorable" mit groGem "H"
vorbehalten, Kongreßabgeordneten dagegen waren "honorable" mit kleinem
"h". Alle anderen Mitglieder wurden
"die folgenden ehrwürdigen Herrschaften" genannt.
Bei diesem 100. Kongreß berufe
ich mich auf meine besonderen Befugnisse als Präsident und erkläre, daß
jedem von Ihnen kein geringerer Titel
als "Honorable" mit großem "H" zusteht.
Wir sehen heute abend an diesem
ehrwürdigen Ort ein neues Gesicht.
Bitte gratulieren Sie mit mir zusammen dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Jim Wright. Mr. Speaker, sie
werden sich an eine ähnliche Situation bei ihrer ersten Sitzung im
Kongreß vor 32 Jahren erinnern. Dort
war wie heute der Platz des Sprechers
neu vergeben worden und ein anderer
bedeutender
Sohn
von
Texas,
Sam
Rayburn, - "Mr. Sam" - saß auf Ihrem
Platz.
ich könnte
keine besseren
Worte finden, als die, die Präsident
Eisenhower an jenem Abend benutzte:
"Wir werden zusammen noch viel zu tun
haben; ich bin sicher, daß wir es
schaffen werden - und daß wir es in
Eintracht und mit Wohlwollen angehen
werden".
Heute abend möchte
ich diesen
Wunsch wiederholen, und Ihnen, Mr.
Speaker wie auch dem Mehrheitsführer
des Senats, Bob Byrd, der 34 Jahre
hervorragenden
Dienstes
in
den
Kongreß einbringt, sagen: obwohl es
Veränderungen in diesem Kongreß gibt,
bleiben
Amerikas
Interessen
doch
gleich.
Ich bin zuversichtlich, daß
dieser Kongreß zusammen mit den Führern der Republikaner, Bob Michel und

Bob Dole, in die Geschichte
wird.

eingehen

Vor sechs Jahren habe ich an dieser Stelle den Kongreß gebeten, gemeinsam mit mir in Amerika einen neuen Anfang zu machen.
Auf das Ergebnis können wir stolz
sein.
Unsere
Inflationsrate
ist
jetzt die niedrigste seit einem Vierteljahrhundert. Der Leitzins ist von
21,5 Prozent vor unserem Amtsantritt
auf heute 7,5 Prozent gefallen, und
diese Zahlen haben den größten Zuwachs an Hausneubauten der letzten
acht Jahre hervorgerufen.
Die - immer noch zu hohe - Arbeitslosenquote
ist die niedrigste
seit nahezu sieben Jahren, und es
sind etwa 13 Millionen neuer Stellen
geschaffen worden. Mehr als 61 Prozent aller Personen über 16 Jahre,
Männer wie Frauen, sind berufstätig der höchste jemals verzeichnete Prozentsatz .
Lassen sie uns die Ärmel hochkrempeln, an die Arbeit gehen und
Amerikas wirtschaftlichem Motor wieder Vollgas geben.
Auch unsere in der ganzen Welt
erzielten
Fortschritte
sollten
uns
Mut
machen.
Das Wichtigste
ist:
Amerika lebt in Frieden und die Freiheit ist auf dem Vormarsch. Wir haben in den vergangenen Jahren viel
getan, um unsere Verteidigung, unsere
Bündnisse und unsere Führungsrolle in
der Welt wiederherzustellen.
Unsere
Söhne und Töchter in den Streitkräften tragen wieder mit Stolz ihre Uniformen .
Aber
obwohl
wir
soviel
Fortschritt erzielt haben, so möchte ich
doch zu einer Sache mein Bedauern
ausdrücken. Ich bin bei unserer Ak-

- 2 -

�tion im Iran ein Risiko eingegangen.
Es hat nicht geklappt und ich übernehme dafür die volle Verantwortung.
Die Ziele waren ehrenwert.
Ich
glaube nicht, daß es falsch war, zu
versuchen, Kontakte zu einem Land von
strategischer Bedeutung herzustellen
oder zu versuchen, Leben zu retten.
Und ganz sicher war es nicht falsch,
zu versuchen, Freiheit für unsere in
barbarischer Gefangenschaft gehaltenen Mitbürger zu erlangen. Aber wir
haben nicht das erreicht, was wir
wollten, und bei dem Versuch selbst
wurden
ernstliche
Fehler
begangen.
Aber wir werden der Sache auf den
Grund gehen, und ich werde alle hierzu notwendigen Aktionen unternehmen.
Aber wenn wir über die Vergangenheit sprechen, dürfen wir nicht die
Erfolge der Zukunft außer acht lassen. Es darf nie von dieser Generation von Amerikanern gesagt werden,
sie sei so sehr von ihrem Versagen
besessen gewesen, daß wir uns geweigert hätten, Risiken einzugehen, die
die Sache des Friedens und der Freiheit in der Welt hätten vorantreiben
könnten.
Es steht
eine Menge
auf dem
Spiel, und unser Land und die ganze
Welt blicken auf uns - um zu sehen,
ob wir weiterhin gemeinsam im nationalen Interessen vorangehen oder uns
durch Parteilichkeit schwächen lassen.
Und damit über die amerikanische
Politik keine Mißverständnisse aufkommen: Wir werden weder untätig zusehen, wenn unsere Interessen oder
unsere Freunde im Mittleren Osten bedroht werden, noch werden wir terroristischer Erpressung nachgeben.
Also, meine Damen und Herren des
Kongresses, lassen Sie uns an die Arbeit gehen.

Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß unsere Bemühungen zur Wiedererrichtung der stärke Amerikas dazu geführt haben, daß die Welt ein
sichererer Ort ist. Anfang des Monats habe ich einen Haushalt vorgelegt, mit dem Amerika verteidigt und
unsere Schwungkraft aufrechterhalten
wird, um die Versäumnisse des vergangenen Jahrzehnt wettzumachen.
Ich
bitte Sie, für eine Verteidigung und
für ein Budget der Außenpolitik abzustimen, das "Ja" sagt zum Schutz unseres Landes.
Obwohl die Welt sicherer
ist sie doch nicht sicher.

ist, so

Seit 1970 haben die Sowjets 500
Milliarden
Dollar
mehr
in
ihre
Streitkräfte investiert als wir. Sogar heutzutage, wo eine von drei sowjetischen Familien immer noch kein
fließend warmes Wasser hat und die
Durchschnittsfamilie
zwei
Stunden
täglich damit beschäftigt ist, für
ihre
Grundbedürfnisse
einzukaufen,
stellte die Regierung die Mittel bereit, um in den vergangenen fünf Jahren Waffen im Wert von 75 Milliarden
Dollar an ihre Satellitenstaaten zu
liefern - an solche Länder wie Syrien, Vietnam, Kuba, Libyen, Angola,
Äthiopien, Afghanistan und Nicaragua.
Wie könnte jemand angesichts der
120 000 Mann an Kampftruppen und Militärpersonal und 15 000 Militärberater in Asien, Afrika und Lateinamerika noch an der einseitigen sowjetischen Entschlossenheit zweifeln, ihren Machtbereich auszuweiten?
Trotzdem hat der Kongreß meine Forderung
nach
der
wichtigen
amerikanischen
Hilfe für die Sicherheit freier Länder dieses Jahr um 21 Prozent gekürzt, und die von mir in den vergangenen drei Jahren beantragten Mittel
für die Verteidigung wurden ebenfalls

- 3 -

�um 85 Milliarden Dollar beschnitten.
Diese Hilfsprogramme dienen unserem nationalen Interesse genauso wie
unseren gegenseitigen Interessen, und
wenn die Programme vernichtet werden,
wird dadurch amerikanischen Interessen Schaden zugefügt. Meine Freunde,
es ist meine Pflicht als Präsident,
Ihnen heute abend nochmals zu sagen,
daß es keinen sichereren Weg gibt,
die Freiheit zu verlieren als unsere
Entschlossenheit aufzugeben.
Heute zeigen die tapferen Menschen in Afghanistan genau diese Entschlossenheit.
Die Sowjetunion will
angeblich eine friedliche Einigung in
Afghanistan, setzt aber dennoch ihren
brutalen Krieg fort und unterstützt
ein Regime, dessen Tage ganz eindeutig gezählt sind.
Wir sind bereit,
eine politische Lösung zu unterstützen, die den schnellen Rückzug aller
sowjetischen Truppen und die wahre
Selbstbestimmung
des
afghanischen
Volkes herbeiführt.
In Mittelamerika
befindet sich
die Sache der Freiheit ebenfalls auf
dem Prüfstand. Und unsere Entschlossenheit wird auch dort auf die Probe
gestellt. Ganz besonders hier schaut
die Welt zu, wie diese Nation reagiert.
Heute leben über 90 Prozent
der Völker Lateinamerikas in Demokratien.
Die Demokratie befindet sich
in Mittel- wie auch in Südamerika auf
dem Vormarsch.
Das
kommunistische
Nicaragua fällt hier aus dem Rahmen es unterdrückt die Kirche, die Presse
wie auch die Befürworter der Demokratie und leistet der Subversion in
dieser Region Vorschub.
Wir unterstützen
diplomatische
Bemühungen,
aber diese Anstrengungen können niemals erfolgreich sein, wenn die Sandinisten ihren Krieg gegen das nicaraguanische Volk gewinnen.

Unser Engagement für eine westliche Welt, die vor Agression sicher
ist, ist nicht spontan bei unserem
Amtsantritt entstanden.
Es geht auf
die Monroe-Doktrin von 1823 zurück
und lebt in unserer historisch gewachsenen,
überparteilichen
amerikanischen
Politik
fort.
Franklin
Roosevelt erklärte, wir "sind entschlossen, alles zu tun, um den Frieden in dieser Hemisphäre zu erhalten". Präsident Truman sagte es noch
deutlicher:
"internationaler Terrorismus... versucht, in allen Teilen
Amerikas
die
Unabhängigkeit...
zu
zertreten, zu unterminieren und zu
zerstören. Wir dürfen das hier nicht
zulassen".
Und John
F. Kennedy erklärte,
"...über eine Vorherrschaft des Kommunismus in dieser Hemisphäre kann
niemals verhandelt werden".
Vielleicht werden einige von Ihnen von diesem historischen Engagement abrücken, aber ich werde dies
nicht tun .
In diesem Jahr feiern wir das
zweite Jahrhundert unserer Verfassung. Die Sandinisten haben ihre vor
erst zwei Wochen unterzeichnet - und
sie
dann
ausgesetzt.
Wir
wissen
nicht, wie dort über meine Worte von
heute abend berichtet werden wird,
und das aus einem einfachen Grund:
Es gibt keine Pressefreiheit in Nicaragua .
Die
nicaraguanischen
Freiheitskämpfer haben uns niemals gebeten,
für sie zu kämpfen, aber ich werde
mit allen Mitteln dagegen kämpfen,
daß ihnen das Blut entzogen wird und
werde sie nicht dem Tod, der Niederlage oder einem Leben ohne Freiheit
überlassen.
Es darf keinen sowjetischen Brückenkopf in Mittelamerika
geben.

�Wir Amerikaner haben den Dialog
immer der Auseinandersetzung vorgezogen, und wir bleiben immer offen für
konstruktivere
Beziehungen
zur Sowjetunion.
Aber ein verantwortungsvolleres verhalten der Sowjets auf
der ganzen Welt bildet einen wesentlichen Bestandteil im amerikanischsowjetischen
Verhandlungsprogramm.
Auch bei den anderen Verhandlungspunkten sind Fortschritte notwendig wie
die vollständige
Respektierung
der Menschenrechte und offenere Kontakte zwischen unseren Gesellschaften
und natürlich Abrüstung.
Im vergangenen Oktober bot sich
in Island eine kurze Gelegenheit, die
die Sowjets zunichte machten, weil
sie
unsere
Strategische
Verteidigungsinitiative (SDI) lähmen wollten.
Das habe ich ihnen damals nicht gestattet.
Und das werde ich auch
jetzt und in Zukunft nicht zulassen.
Es bildet unser positivstes und vielversprechenstes
Verteidigungsprogramm.
Es ist - für beide Seiten der Weg zu einer sichereren Zukunft,
hin
zu
einer
Struktur,
die
das
menschliche Leben verteidigt anstatt
es zu bedrohen.
SDI wird weiter
fortgesetzt werden.
Die Vereinigten Staaten haben der
Sowjetunion ernsthafte, gerechte und
weitreichende Vorschläge unterbreite,
und dies ist ein Augenblick der seltenen Gelegenheit für die Abrüstung.
Aber ich und auch die amerikanischen
Unterhändler in Genf werden die Unterstützung des Kongresses benötigen.
Die
Einarbeitung
der
sowjetischen
Verhandlungsposition
in das amerikanische Gesetz wäre nicht die richtige Methode zur Erzielung einer guten
Übereinkunft.
Ich
muß
den
Kongreß darauf hinweisen, daß ich gegen jede Bemühung zur Beschneidung
unserer nationalen Sicherheit und un-

serer Verhandlungsposition
einlegen werde.

mein

Veto

Heute spielen wir auch eine Rolle
bei der Ausweitung des friedlichen
Handels in der ganzen Welt. Wir werden daran arbeiten, um unsere Möglichkeiten auf internationalen Märkten bei der Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen zu erweitern und um
ein Handelsabkommen zwischen den beiden größten Handelspartnern der Welt,
den Vereinigten Staaten und Kanada,
abzuschließen, das in die Geschichte
eingehen wird.
Unsere grundlegende Handelspolitik bleibt bestehen: Wir sind nach
wie vor gegen Protektionismus, weil
Amerikas Wachstum und seine Zukunft
vom Handel abhängen. Aber wir werden
auf gerechtem und freien Handel bestehen. Wir wollen immer Partner im
Handel bleiben, aber dabei niemals
ein schwacher Partner sein.
Lassen Sie uns nun vom Ausland
ins Inland zurückkehren, weil Amerika
im Ausland nur so stark ist wie im
Inland.
Dieser 100. Kongreß hat eine große Verantwortung.
Ich möchte nur
leise
daran
erinnern, daß
vieles
hiervon
unerfüllte
Verpflichtungen
der Vergangenheit sind.
Das amerikanische Volk muß ungeduldig sein,
wenn wir keine Ordnung in den öffentlichen Einrichtungen herstellen.
Wir haben erheblichen Erfolg bei
der Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Integrität zu verzeichnen, und wir haben unsere Nation vor
dem
schlimmsten
wirtschaftlichen
Durcheinander seit der Depression bewahrt .
Aber es gibt noch mehr zu tun.
Zunächst ist das Bundesdefizit enorm.

- 5 -

�Seit Jahren habe ich darum gebeten, daß wir die Ausschweifungen unserer Regierung nicht an unsere Kinder weitergeben. Was dem Kongreß zu
tun bleibt, ist die Verabschiedung
eines Zusatzes zur Verfassung, durch
den ein ausgewogener Haushalt obligatorisch wird und der die Regierung
zwingt, mit ihren Mitteln hauszuhalten.
Die Bundesstaaten, die Städte
und die Familien Amerikas gleichen
ihren Haushalt aus. Warum können wir
das nicht?
Zum nächsten Punkt - das Budgetverfahren bietet einen traurigen Anblick. Das Fehlen von Stichtagen und
der Alptraum von monströsen Haushaltsfortschreibungen, bei denen Hunderte von Milliarden Dollar in eine
einzige Vorlage gepackt werden, muß
beendet werden.
Wir bitten den Kongreß noch einmal:
Geben Sie uns das gleiche Instrument, das 43 Gouverneuren zur
Verfügung steht - ein selektives Veto, um sinnlose und unnötige Projekte, die allein niemals überleben würden, beseitigen können.
Ich werde
dem Kongreß breitgefächerte Empfehlungen zum Haushalt zuleiten, aber
zuerst möchte ich Ihre Vorschläge sehen.
Lassen Sie uns an die Arbeit
gehen und dies zusammen bewältigen.
Lassen Sie mich jetzt über das
diesjährige Budget sprechen.
Obwohl
ich einen Haushalt vorgelegt habe,
der sich innerhalb der von GrammRudman-Hollings gesetzten Zielvorgaben für die Reduzierung des Defizits
bewegt, sind mir Vorschläge bekannt
geworden, um diesen Fahrplan zu verlängern. Nun, ich denke, das amerikanische Volk hat genug davon, dieselben alten Entschuldigungen zu hören.
Gemeinsam sind wir eine Verpflichtung eingegangen, den Haushalt

auszugleichen; lassen Sie uns dieses
Versprechen jetzt einhalten.
Was nun Vorschläge betrifft, denen zufolge die Antwort in höheren
Steuern
liegt:
Das
amerikanische
Volk
hat diesen angestaubten Vorschlag wiederholt zurückgewiesen. Es
weiß, daß wir nicht deshalb Defizite
haben, weil die Menschen zu wenig
Steuern bezahlen; wir haben Defizite,
weil der umfangreiche Regierungsapparat zu viel Geld ausgibt.
Im nächsten Monat werde ich dem
Kongreß
zwei
zusätzliche
Reformen
vorlegen.
Wir haben ein Ungeheuer von Sozialhilf esystem
herangezüchtet, das
eine
schockierende Anklage
unseres
Sinnes
für
Prioritäten
darstellt.
Unser
nationales
Sozialhilfesystem
besteht aus ca. 59 größeren Programmen und über 6 000 Seiten an Gesetzen
und Vorschriften. Im Jahr 1985 wurden dafür 132 Milliarden Dollar ausgegeben .
Ich werde eine neue Sozialhilfestrategie vorschlagen - ein Programm
der Sozialhilfereform durch staatlich
geförderte Vorhaben zur Durchführung
in der Gemeinde. Es ist jetzt an der
Zeit, diesen unzeitgemäßen sozialen
Dinosaurier zu reformieren und endlich die Falle der Armut zu zerbrechen. Wir werden diejenigen, die ohne eigenes Verschulden unsere Hilfe
brauchen,
niemals
ihrem
Schicksal
überlassen. Aber lassen Sie uns daran arbeiten, herauszufinden, wie viele Menschen aus der Abhängigkeit von
Sozialhilfe befreit werden können, um
wieder selbst für ihren Unterhalt zu
sorgen; denn dies ist das, was die
große Mehrheit der Sozialhilfeempfänger mehr als alles andere will.
Und dann

lassen

Sie uns ein fi-

�nanzielles Gespenst beseitigen, das
vor allem den älteren Amerikanern zusetzt - die Furcht vor einer Krankheit, die so teuer ist, daß sie zu
einer
unerträglichen
Wahl
zwischen
Bankrott oder Tod führen kann. Ich
werde in Kürze einen Gesetzentwurf
vorlegen, der dazu beitragen soll,
die Alten von der Furcht vor katastrophalen Krankheiten zu befreien.

Zu dieser Gesetzesvorlage werden
Reformen im rechtlichen Bereich zum
Abbau von Vorschriften sowie Waffen
zur Bekämpfung unfairer Handelspraktiken
gehören.
Wettbewerbsfähikeit
bedeutet auch, unseren Landwirten die
Chance zu geben, fair und umfassend
an einem sich verändernden Weltmarkt
teilzuhaben.

Wie immer muß die Vorbereitung
auf die Zukunft bei unseren Kindern
beginnen. Wir müssen ihnen neue und
anspruchsvollere Ziele setzen.
Wir
Es wird vielfach behauptet, Amemüssen von uns selbst und unseren
rika sei im Begriff, seinen Wettbe- I Kindern mehr verlangen, indem wir das
werbsvorteil zu verlieren.
Das wird
Analphabetentum bis zum Jahr 2 000
nicht geschehen, wenn wir jetzt handrastisch
abbauen.
Unsere
Kinder
deln. Wie gut sind wir auf den Einsollten die Grundlagen von Mathematik
tritt in das 21. Jahrhundert vorbeund Naturwissenschaften beherrschen,
reitet?
Zeit meines Lebens hat Ameund wir sollten darauf bestehen, daß
rika der Welt die Maßstäbe gesetzt.^ die Schüler beim Verlassen der High
Jetzt ist es Zeit, zu entscheiden,
School die grundlegenden Texte unsedaß wir auf einem so außergewöhnres nationalen
Erbes studiert und
lichen Leistungsniveau in das nächste
verstanden haben.
Jahrhundert eintreten sollten, wie es
in der Geschichte niemals zuvor dage
Und da ist noch eine Sache, bei
wesen ist.
der
wir
nicht
nachlassen
können.
Lassen Sie uns unsere persönlichen
Anstrengungen verdoppeln, jedem Kind
Wir werden dies erreichen:
Erein sicheres und drogenfreies Lernumstens, indem wir sicherstellen, daß
feld zu schaffen. Wenn der Kreuzzug
der Staat alles nur Mögliche untergegen Drogen bei unseren Kindern Ernimmt, um Amerikas Wettbewerbsfähigfolg hat, werden wir diese Geißel im
keit zu fördern.
Zweitens muß jedera
ganzen Land besiegen.
Einzelne nach außergewöhnlichen Leistungen streben, die sich nicht in
neuen
Vorschlägen
oder
Milliarden
Und schließlich:
Laßt uns damit
neuer öffentlicher Mittel ausdrücken.
aufhören, die geistigen Wurzeln unseStattdessen gehört dazu ein Aufwand
rer nationalen Identität zu verleugan amerikanischem Geist und einfach
nen. Ohne göttliche Hilfe hätte ungeradlinigem amerikanischen Mumm.
sere Nation nicht entstehen können.
Wie ist es möglich, daß wir eine Nation mit Gebeten aufbauen, aber ein
Der Kongreß wird in Kürze meine
Klassenzimmer nicht zum freiwilligen
umfassenden Vorschläge zur VerbesseGebet
benutzen
können?
Der
100.
rung unserer Wettbewerbsfähigkeit erKongreß der Vereinigten Staaten sollhalten - einschließlich neuer Wissente in Erinnerung bleiben als derjenischafts- und
Technologiezentren
und
ge, der die Vertreibung Gottes aus
erheblicher zusätzlicher Mittel für
amerikanischen
Klassenzimmern
beendie Grundlagenforschung.
dete .
Lassen Sie uns nun in die Zukunft
blicken.

- 7

�Das
Streben
nach
außergewöhnlichen Leistungen im 21. Jahrhundert
beginnt in den Klassenzimmern und muß
sich dann am Arbeitsplatz fortsetzen.
Über 20 Millionen neue Arbeitsplätze
werden bis zum Ende dieses Jahrhunderts geschaffen werden. Dann müßte
unsere Wirtschaft in der Lage sein,
jedem einen Arbeitsplatz zu geben,
der arbeiten möchte.
Wir müssen
unsere Arbeitnehmer
auch dazu befähigen, sich an die
schnellen
Veränderungen
ihrer
Arbeitsplätze anzupassen, und ich werde
ein beträchtliches neues, auf Umschulung und Arbeitsplatzmobilität ausgerichtetes Engagement des Bundes vorschlagen.
In den nächsten Wochen werde ich
dem Kongreß eine Reihe von Sonderbotschaften zuleiten - zu Haushaltsreform, Reform der Sozialhilfe, katastrophalen Krankheiten, Wettbewerbsfähigkeit, einschließlich Bildungswesen, Handel, Ausbildung und Unterstützung
von Arbeitskräften, Landwirtschaft und zu anderen Themen.
Der Kongreß kann uns diese Instrumente geben, aber um sie funktionsfähig zu machen, müssen wir alle
unser Bestes geben. Das ist der Kern
amerikanischer Größe.
Die Verantwortung
der
Freiheit
treibt uns zu höherem Wissen und, wie
ich glaube, zu moralischer und geistiger Größe. Durch niedrigere Steuern und einen kleineren Regierungsapparat besitzt der Staat Mittel, um
den Geist der Menschen zu befreien.
Aber nur wir, jeder Einzelne von uns,
können dafür sorgen, daß sich der
Geist an unseren eigenen Maßstäben
emporschwingt.
Es

ist die Vortrefflichkeit, die

der Freiheit ihren Glanz verleiht.
Und ist es nicht das, was wir am
besten tun?
Wir treten jetzt in das dritte
Jahrhundert
unseres Bestehens ein,
aber es ist falsch, eine Nation nach
Jahren zu beurteilen.
Amerika kann
nicht am Kalender gemessen werden,
weil wir dazu bestimmt sind, ein endloses Experiment der Freiheit zu sein
- mit uneingeschränktem Horizont, ohne Grenzen für das, was wir zu tun
vermögen, ohne Endpunkt für unsere
Hoffnungen.
Die amerikanische Verfassung ist
unser leidenschaftlicher und begeisternder Begleiter auf unserem Weg
durch die Geschichte.
Sie erwuchs
aus der grundlegendsten Eingebung in
unserer Existenz: Daß wir hier sind,
um Gott zu dienen, indem wir als
freie Menschen leben - daß das Leben
in Freiheit in uns die erhabensten
Regungen und die besten Fähigkeiten
erweckt. Daß wir diese Gaben für gute und edle Zwecke benutzen und sie
nicht nur für uns selbst und unsere
Kinder,
sondern
für
die
gesamte
Menschheit sichern würden.
Über die Jahre hat mich nichts so
berührt, wie das Gespräch mit der
amerikanischen Jugend. Und insbesondere die ganz Kleinen - mit ihren
frischen Gesichtern und ihrem Wissensdurst - werden von Zeit zu Zeit
Fragen nach unserer Verfassung stellen.
Ich hoffe, daß Sie als Mitglieder
des Kongresses es nicht als Bruch des
Protokolls auffassen, wenn Sie es mir
erlauben, diese Gedanken wiederum mit
den jungen Menschen zu teilen, die
heute abend zusehen oder zuhören mögen .
Ich

habe

die

Verfassungen

einer

�Reihe von Ländern gelesen - darunter
die der Sowjetunion. Einige Menschen
sind überrascht, wenn sie hören, daß
sie eine Verfassung haben, die dem
Volk angeblich eine Reihe von Freiheiten gewährt.
Viele Länder haben
in ihre Verfassungen Bestimmungen für
Rede- und Versammlungsfreiheit eingefügt.
Wenn dies stimmt, warum ist
dann die Verfassung der Vereinigten
Staaten so außergewöhnlich?
Der Unterschied ist so klein, daß
er fast unserer Aufmerksamkeit entgeht - aber er ist so großartig, daß
er uns die ganze Geschichte in nur
drei Worten erzählt: WIR, DAS VOLK.
In diesen
anderen
Verfassungen
teilt die Regierung den Völkern dieser Länder mit, was ihnen zu tun erlaubt
ist.
In unserer Verfassung
teilen wir, das Volk, der Regierung
mit, was ihr erlaubt ist und daß sie
nur die: Dinge tun kann, die in diesem
Dokument aufgezählt werden und sonst
nichts.
Praktisch alle anderen Revolutionen in der Geschichte haben nur einen
Kreis von Herrschern durch einen anderen ersetzt. Unsere Revolution ist
die erste, die besagt, daß das Volk
der Herr ist und die Regierung sein
Diener .
Vergessen Sie das niemals. Eines
Tages könnten Sie in diesem Zimmer
sitzen - aber wo immer Sie auch sind,
Amerika verläßt sich darauf, daß Sie
Ihr Bestes tun - weil hier in Amerika
das Volk herrscht.
Nur drei Worte.
Wir, das Volk. Dazu gehören die
Jungs, die an Weihnachten in klirrender Kälte auf einem Wachtposten am
38. Breitengrad in Korea oder an Bord
eines Flugzeugträgers im Mittelmeer
- 9

Dienst tun. Viele Meilen von zuhause
entfernt. Aber sie tun ihre Pflicht.
Wir, das Volk.
Dazu gehören die
rmherzi gen, deren Zahl wir nicht
Stimmeri können, die den Tag mit eim kurzen Gebet für Geiseln, die sie
emals kennenlernen werden und für
e Familien vermißter Soldaten, den sie nie begegnen werden, beginnen. Warum? Weil wir so sind, dieser einzigartige Menschenschlag, den
wir als Amerikaner bezeichnen.
Wir, das Volk. Das sind Landwirte in harten Zeiten, die aber niemals
damit aufhören, eine hungrige Welt zu
ernähren. Das sind die Freiwilligen
in Krankenhäusern, die ihre Tränen
zurückhalten, während sie um das Leben eines Säuglings kämpfen, dessen
Mutter Drogen nahm. Und, bitte vergeben Sie mir diese persönliche Reminiszenz - das sind Millionen von Müttern wie Nelle Reagan, für die es
niemals einen Fremden gab und die
niemals
einen
Hungrigen
an
ihrer
Küchentür abwiesen.
Wir, das Volk.
Sie widerlegen
den
Fernsehkommentar
der
vorigen
Woche, der
unseren Optimismus und
Idealismus herabwürdigte.
Das sind
die Unternehmer, die Baumeister, Pioniere und eine Menge normaler Leute die wahren Helden unseres Landes, die
die ungewöhnlichste Nation von tatkräftigen Menschen in der Geschichte
bilden. Man weiß, daß sie Amerikaner
sind, denn ihr Geist ist so groß wie
das Universum und ihre Herzen sind
größer als ihr Geist.
Wir, das Volk. Wir gehen in das
dritte Jahrhundert eines Traums und
wehren uns gegen Zyniker , die behaupten,
daß
wir
keine
Fortschritte
machen werden.
Sind

wir

am

Ende?

Oder

stehen

�wir am Anfang?
Nun, ich kann es
nicht besser sagen, als eine wahre
Geschichte zu erzählen - eine Geschichte, die von James Madison am
17. September 1787, ganz am Ende der
verfassunggebenden Versammlung aufgezeichnet wurde. Als die letzten Mitglieder das Dokument unterzeichneten,
blickte Benjamin Franklin - mit 81
Jahren der älteste Delegierte und von
schwacher Gesundheit - auf den Stuhl,
auf dem George Washington täglich den
Vorsitz hatte.
Hinter diesem Stuhl
befand sich ein Gemälde der Sonne,
die über dem Horizont steht.
Indem
er sich den ihm zunächst Sitzenden
zuwandte, befand Franklin, daß es für
den Künstler schwierig sei, beim Malen von Bildern zwischen einer aufgehenden und einer untergehenden Sonne
zu unterscheiden.
Ich weiß, daß wir, wenn wir dort
wären, diese um Franklin herum sitzenden Delegierten
sehen würden
sich zu ihm hinbeugend, um ihm besser
zuhören zu können.
Dann begann Dr.
Franklin, ihnen seine innersten Hoffnungen und Ängste über das Resultat
ihrer Bemühungen mitzuteilen, und er
sagte dabei folgendes:
"Ich habe oft... das Bild hinter
dem Präsidenten betrachtet, ohne in
der Lage zu sein, zu entscheiden, ob
sie auf- oder untergeht:
Heute jedoch habe ich nach langer Zeit das
Glücksgefühl, zu wissen, daß es eine
aufgehende und nicht eine untergehende Sonne ist. "
Sie können jede Wette eingehen,
daß sie aufgeht, denn, meine Mitbürger, Amerika ist nicht am Ende; seine
besten Tage haben gerade erst begonnen .

+ + + +++

�AMERIKA DIENST
V l o N **

Dokumentation

28. Januar 1987

ALLE STAATEN MÜSSEN DIE NOTWENDIGEN SCHRITTE ZUR BEENDIGUNG DES
TERRORISMUS UNTERNEHMEN
- Ansprache von Justizminister Meese WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache vor einer Konferenz zum Thema "Terrorismus in einer technologischen Welt" erklärte der amerikanische Justizminister Edwin Meese am 21. Januar 1987, Staaten müßten den "politischen Willen"
besitzen, gegen den Terrorismus vorzugehen. Während er seine besondere Unterstützung für die Anwendung juristischer Verfahren im Kampf gegen den Terrorismus betonte, erklärte der Minister aber auch, daß es Fälle gebe, in denen "wir
bereit sein müssen, andere Mittel anzuwenden, einschließlich militärischer".
Die Ausführungen von Justizminister Meese haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute das Thema Terorismus unter dem Gesichtspunkt der
Herrschaft des Gesetzes beleuchten.
Dafür gibt es vielleicht kein besseres Beispiel als die Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die in
dieser
Woche
die
Nachrichten
beherrscht. Ich spiele damit natürlich
auf unsere Bemühungen in der amerikanischen Regierung und insbesondere
im Justizministerium an, eine derjenigen Personen der Gerichtsbarkeit zu
überantworten, die der Entführung des
TWA-Fluges 847 im Juni 1985 und des
Mordes an einem Angehörigen der amerikanischen Marine beschuldigt werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wir sollten vielleicht diese Geschichte von Anfang an aufrollen
sie beginnt am 14. Juni 1985, dem
Tag, an dem sich die Flugzeugentführung ereignete.
Auf der Grundlage der Bundesgesetze gegen Luftpiraterie und Geiselnahmen in amerikanischen Flugzeugen
haben wir kurze Zeit danach, am 3.
Juli 1985, gegen drei Personen Anklage erhoben, die identifiziert worden
waren und von denen wir glaubten, daß
sie für diesen Vorfall verantwortlich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�seien.
Am gleichen Tag erließ der
Bezirksgerichtshof hier in Washington
Haftbefehle gegen diese Personen.
Die Dokumente wurden bis zum 17.
Oktober unter Verschluß gehalten, als
wir den Gerichtshof ersuchten, sie zu
öffnen. Und im November wurden förmliche Anklageschriften gegen diejenigen erlassen, die wir als Täter beschuldigten.
Fast 14 Monate später - am 13.
Januar dieses Jahres - wurde eine
dieser
Personen,
Mohammad
Ali
Hamadei, von den Behörden der Bundesrepublik Deutschland verhaftet.
Am
nächsten Tag - dem 14. Januar - haben
wir der Regierung der Bundesrepublik
Deutschland ein vorläufiges Auslieferungsersuchen übermittelt.
Am darauffolgenden Tag haben wir dem Gerichtshof hier in Washington den Antrag unterbreitet, die Anklageschriften freizugeben, um das rechtliche
Verfahren weiterzuführen.
Erst gestern haben wir der Bundesregierung
die Papiere überstellt und um die
Auslieferung von Hamadei an die Vereinigten Staaten ersucht.
Wir erwarten, daß das Auslieferungsverfahren
bald
abgeschlossen
sein
wird
und
daß
Hamadei
nach
Washington
gebracht wird, um sich
dort vor Gericht zu verantworten. Zu
diesem
Zeitpunkt wäre der nächste
Schritt in diesem juristischen Verfahren, ihn vor Gericht zu stellen.
Dies ist also der Verlauf der Geschichte bis heute.
Sie weist auf
einen Punkt hin, dessen Erkenntnis
sehr wertvoll ist: wenn wir uns nun
mit der Zukunft, dem Aufkommen neuer
Technologien und ihrer Beziehung zum
Terrorismus beschäftigen, bleiben die
alten Gesetze und juristischen Verfahren auch im technologischen Zeitalter noch auf den Terrorismus an- 2

wendbar. Sie weist ebenso auf einen
Punkt hin, den diese Administration
schon längere Zeit betont hat: obwohl
der Terrorismus zweifellos eine Bedrohung für die Herrschaft des Gesetzes darstellt, kann dieses Gesetz
selbst benutzt werden, um den Terrorismus zu bekämpfen, ganz gleich ob er
sich nun innerhalb der Grenzen unseres eigenen Landes oder auf internationalen Schauplätzen zuträgt.
Insbesondere möchte ich Ihnen gegenüber darauf hinweisen, daß dieser
Vorfall zunächst die Bedeutung der
Existenz von Gesetzen unterstreicht,
nach denen wir Anklage gegen diejenigen erheben können, die auch im Ausland Akte des Terrorismus gegen unsere Staatsbürger begehen.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten hat klugerweise strafrechtliche
Bestimmungen erlassen, die uns in Situationen wie der gegenwärtigen die
Jurisdiktion übertragen und uns damit
in die Lage versetzen, unmittelbar
wichtige
und notwendige
rechtliche
Schritte zu unternehmen.
Zweitens zeigt dieses Beispiel,
daß, wenn eine von uns gesuchte Person in einem anderen Land festgenommen wird, wie in diesem Fall, rechtliche Mittel bestehen müssen, um diese Person in die Vereinigten Staaten
zu bringen und sie dort vor Gericht
zu stellen. Die Auslieferung ist eines dieser Mittel.
In diesem Fall
wird sie sich als das wichtigste Mittel erweisen.
Wir unterhalten mit
mehr als 100 Staaten Auslieferungsverträge, darunter natürlich auch die
Bundesrepublik
Deutschland.
Solche
Verträge, die vor der Festnahme bestehen müssen, liefern eine ordentliche Rechtsgrundlage, auf der solche
Personen, die hier bei uns terroristischer
Verbrechen
angeklagt
sind,
hierhin gebracht werden können, um

�sich vor Gericht zu verantworten.
Drittens illustriert dieser Fall,
daß es eben nicht genügt, die notwendigen
strafrechtlichen
Vorschriften
oder Auslieferungsverträge zu haben.
Es ist ebenso notwendig, daß ein
starker Wille besteht, diese rechtlichen Instrumente zu benutzen. Gegenwärtig erlebt die Welt etwas besonders Wichtiges in diesem Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Ich beziehe mich dabei auf eine Bekundung des Willens, des politischen
Willens, zweier Nationen - der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland.
Zweifellos werden einige unter Ihnen sein, die Fragen zu
der TWA-Angelegenheit stellen möchten. Wenn es die Zeit erlaubt, werde
ich einige davon so gut ich kann beantworten, jedenfalls so gut, wie ich
dies unter dem Diktat der Klugheit im
Vorfeld eines möglichen Strafprozesses vermag.
Für den Augenblick jedoch möchte ich das Thema Terrorismus
etwas breiter angehen, indem ich einen Überblick darüber gebe, was zur
Bekämpfung dieses Übels getan werden
muß.
Erstens müssen wir in der Regierung und diejenigen, die in Presse,
Hochschule und Wirtschaft tätig sind,
die Öffentlichkeit erziehen, was den
wahren Charkter und das Ausmaß des
Terrorismus angeht.
Botschafter
Benjamin
Netanyahu,
Israels Vertreter bei den Vereinten
Nationen, der den vom Terrorismus geforderten Blutzoll persönlich kennt,
weil sein Bruder als mutiger Oberstleutnant die Aktion von Entebbe leitete, in deren Verlauf er getötet
wurde, hat den Terrorismus als "willkürlichen
und systematischen
Mord,
Verstümmelung und Bedrohung Unschuldiger zur Einflößung von Furcht für
politische
Zwecke"
definiert.
Es

kann niemals Ziele geben, die nobel
genug sind, um Mittel wie diese zu
rechtfertigen.
Terroristen
bedrohen
nicht nur
eine Nation, ein Volk oder eine Einzelperson,
sie befinden sich buchstäblich im Krieg gegen die Herrschaft des Gesetzes, gegen die Normen
und Ideale der Zivilisation.
Zusätzlich ist es wichtig, ein
wirksames Programm gegen den Terrorismus zu besitzen. Dies muß hier bei
uns wie auch im Ausland gelten.
In den letzten Jahren haben wir
große Fortschritte erzielt. Und doch
müssen wir gleichzeitig weiterhin außergewöhnliche Wachsamkeit und Vorsicht walten lassen, weil die Möglichkeit
terroristischer
Anschläge
immer besteht.
in den Vereinigten
Staaten resultiert der Erfolg, den
wir erzielt haben, teilweise aus der
Tatsache, daß die Exekutivorgane sich
eingehend mit den für die Bekämpfung
des Terrorismus notwendigen Fähigkeiten vertraut gemacht haben.
Dies
gilt nicht nur auf Bundeseebene für
Organisationen wie etwa den Geheimdienst und das FBI.
Auch örtliche
Polizeibehörden, die mit den Bundesbehörden
zusammenarbeiten
haben in
den letzten Jahren eine Menge getan,
um auf terroristische Reaktionen vorbereitet zu sein.
Insbesondere das
FBI hat großartige Arbeit auf diesem
Gebiet geleistet. Als Ergebnis seiner
beträchtlichen
Bemühungen
und,
wie ich offen gestehen muß, mit etwas
Glück, ist die Anzahl terroristischer
Vorfälle
innerhalb der Vereinigten
Staaten von 112 im Jahr 1977 auf lediglich 7 im Jahr 1985 und 8 im Jahr
1986 zurückgegangen. Unsere Wachsamkeit besteht weiter und unser Wille
zur Verfolgung von Terroristen dauert
auch heute an, und dies nicht nur im
Ausland in dem von mir erwähnten

�Fall, sondern innerhalb der letzten
48 Stunden mit der Verhaftung eines
der "Weathermen"-Terroristen, die auf
Vorfällen beruht, die sich vor 17
Jahren zugetragen haben. Diese Person wurde festgenommen und wird vor
Gericht gestellt werden.
Allein im
Jahr 1985 hat das FBI durch seine Bemühungen 23 einzelne terroristische
Vorhaben
innerhalb der Vereinigten
Staaten und über einhundert im Ausland entdeckt und verhindert.
Im
Jahr 1986 wurden durch die Arbeit des
FBI mindestens vier
terroristische
Anschläge vereitelt.
Gleichzeitig mit der Verbesserung
der Fähigkeiten von FBI und anderen
Bundesbehörden
- Geheimdienst, Amt
für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen
und andere - haben wir auch die Rolle
der Anwälte in der Strafrechtsabteilung ausgeweitet. Auf Grund der Notwendigkeit und der verstärkten Betonung der Anwendung don Gesetzen und
normalen
strafrechtlichen
Verfahren
gegen Terroristen haben unsere Experten ihre Fähigkeiten als Anwälte bei
der Behandlung dieser Fälle weiterentwickelt.
Wir hatten das Glück,
daß einer der Staatsanwälte des Justizministeriums als Teil eines Kontingents unserer Botschaft in Rom zugeteilt wurde.
Durch die guten Dienste nicht nur
der Staatsanwälte sondern auch unserer Kollegen im Außenministerium und
unserer Diplomaten und Botschafter im
Ausland, haben wir an der internationalen Front dem Aufbau des notwendigen rechtlichen Rahmens beträchtliche
Energie gewidmet, um die Festnahme,
Anklage, Auslieferung und die Strafverfolgung von im Ausland festgenommenen Terroristen zu erreichen.
Im
Lauf des letzten Jahrzehnts hat der
Kongreß eine Vielzahl wichtiger Gesetze verabschiedet, durch die unsere
Jurisdiktion über terroristische Ak-

te, die gegen unsere Staatsangehörigen im Ausland begangen werden, auszuweitet wurde. Wir tun dies in einer Weise, die Konflikte mit oder
Einmischung in die legitime Strafverfolgung anderer Länder vermeidet und
eher auf eine Ergänzung von deren Bemühungen abzielt. Wir haben festgestellt, daß dies sehr hilfreich gewesen ist, indem es seitens dieser Länder die unverzügliche Beschäftigung
mit solchen Vorfällen ermutigt hat,
von denen unsere Bürger
betroffen
sind.
Wir haben außerdem neue Auslieferungsverträge
ausgehandelt
und
alte modifiziert, um sie auf den neuesten Stand zu bringen und die Herausforderungen
bewältigen, die bei
der Strafverfolgung von Terroristen
in den achtziger Jahren entstehen.
Während all dieser Prozesse war
der politische Wille bedeutsam, da es
wichtig ist, daß das Engagement und
die Verpflichtung bestehen, bei bestimmten Ereignissen alle notwendigen
Maßnahmen zu ergreifen und alle notwendigen Mittel zu benutzen. Im allgemeinen versuchen wir, den Terrorismus durch das von mir soeben beschriebene rechtsstaatliche Verfahren
zu bekämpfen, das wir auch jetzt im
Fall der Verantwortlichen für den Angriff auf TWA-Flug 847 anwenden.
In anderen Fällen müssen wir jedoch bereit sein, andere Mittel anzuwenden, einschließlich militärischer.
Zweimal im vorigen Jahr haben wir zur
Selbstverteidigung und zur Verteidigung des Gesetzes andere Mittel benutzt. Wir haben dies beim Abfangen
eines Passagierjets getan, der die
Mörder beförderte, die an der Achille
Lauro-Entführung beteiligt waren sowie später bei der Bombardierung militärischer Ziele in Libyen, nachdem
wir Beweise für die libysche Beteiligung an der Zerstörung des Nachtclubs
in West Berlin erhalten hatten.

�Man mag argumentieren, daß jede
Methode, also die Anwendung rechtlicher oder militärischer Mittel, das
Risiko der Vergeltung seitens derselben blutdürstigen Terroristen entweder hierzulande oder im Ausland beinhaltet. Und zweifellos gibt es solche Gefahren. Aber Terroristen darf
keine Immunität zugestanden werden,
nur weil sie das Leben Unschuldiger
bedrohen.
Dieses Prinzip gilt für Strategien wie die Aktion gegen Libyen oder
die israelische Rettungsoperation in
Entebbe.
Aber sie gilt ebenso für
Geiselsituationen, wie wir sie heute
erleben.
Wir haben eine moralische
Verpflichtung
anderen
potentiellen
Geiseln gegenüber - theoretisch betrifft dies jedermann - vor Geiselnehmern nicht zu kapitulieren.
Dies
zu tun, würde zukünftig viele weitere
Zwischenfälle dieser Art ermutigen.
Ein Terrorist kann auf verschiedene Art und Weise gewinnen oder zumindest einen Sieg für sich reklamieren. Offensichtlich gewinnt der Terrorist, wenn eine Regierung seinen
Forderungen nachgibt, da dies seine
Überlegenheit und die Ohnmacht der
Regierung demonstriert.
Zweitens gewinnt der
Terrorist
etwas, wenn er seine Drohung wahrmacht und dadurch Verletzung, Tod
oder Zerstörung von Eigentum verursacht. Dies führt bei den Bürgern zu
Zweifeln an der Fähigkeit der Regierung,
ihre
primäre
Verantwortung
wahrzunehmen, die im Schutz von Leben
und Eigentum ihrer Staatsbürger besteht .
Drittens kann ein Terrorist für
sich einen Sieg reklamieren, wenn er
eine Gesellschaft oder eine Gruppe
von Menschen in einem Ausmaß ein-

schüchtert, daß er Furcht oder Veränderungen in den Lebens- und Arbeitsgewohnheiten der Menschen oder in ihrem Lebensstil verursacht, weil der
Terrorist dann die Gesellschaft seinem Willen unterworfen hat. Und der
Terrorist kann auch bedeutende Vorteile für sich verbuchen, wenn er
durch seine Provokation eine Uberreaktion bei der Regierung hervorruft,
so daß diese Regierung Schritte unternimmt, die außergewöhnlich
hart
sind, wie etwa die Verweigerung der
Grundrechte für die Bürger oder ungerechtfertigte Eingriffe in deren Leben oder wenn er die Regierung selbst
dazu veranlaßt, die Herrschaft des
Gesetzes aufzugeben und dadurch mit
gleicher Münze zurückzuzahlen. Solch
harte Maßnahmen seitens einer Regierung säen Ressentiments, Unzufriedenheit, Abneigung und letztendlich Illoyalität unter den Bürgern und dienen damit den Zielen, für die der
Terrorist kämpft. Deshalb müssen die
größten intellektuellen Anstrengungen
jeder Nation und jeder Gesellschaft
diesem Prozeß der Bekämpfung des Terrorismus gelten.
Wir haben in den vergangenen zehn
Jahren feststellen können, daß Terroristen behindert und letztlich besiegt werden können. Dazu sind eine
Reihe von Maßnahmen notwendig, über
die Sie durch andere Referenten und
deren Vorträge und Reden informiert
werden.
Lassen Sie mich auf einige
dieser Maßnahmen eingehen.
Wir müssen ständige Wachsamkeit
üben, um terroristische Zwischenfälle
zu verhindern und die Anschläge der
Terroristen zu vereiteln. Dazu gehören bestmögliche und ausgefeilteste
nachrichtendienstliche Mittel, zu denen Überwachung und Ermittlungen
natürlich im Rahmen des Gesetzes zählen. Dazu zählen ebenfalls erhebliche Kontrollen verbunden mit Wach-

- 5 -

�samkeit darüber, wer die Grenzen verschiedener Länder überschreitet.
Zur Bekämpfung
des Terrorismus
gehört auch eine sorgfältige Vorbereitung, so daß auf den teroristischen Angriff selbst angemessen reagiert werden
kann.
Hierzu zählen
viele Dinge, die ich bereits erwähnt
habe - Planung und
Zusammenarbeit
zwischen Exekutivbehörden, ferner eine Strategie und Grundsätze, mit deren Hilfe schwierige Fragen im voraus
beantwortet werden können: wie Geiselnahmen zu handhaben sind, die Weigerung, sich den Forderungen von Terroristen zu unterwerfen, all diese
Dinge, über die das sorgfältige Nachdenken im ruhigen Umfeld ohne einen
gerade
stattfindenden
Terrorangriff
schwer genug fällt; wenn aber eine
solche
Reflektion
nicht ruhig und
sorgfältig erfolgt, ist es unmöglich,
damit im Rahmen der Spannungen und
unter den Bedingungen eines Terrorangriffs selbst fertigzuwerden.
Die Bekämpfung
des Terrorismus
erfordert
ebenfalls eine
fundierte
Ausbildung und Arbeit bei gemeinsamen
Einsätzen, so daß die Abteilungen der
Polizei beispielsweise lernen, zusammenzuarbeiten und ihre Arbeit zu verknüpfen. Und, um noch einmal auf das
Thema der Herrschaft des Gesetzes zurückzukommen, dazu gehört auch die
Entwicklung angemessener Gesetzesbestimmungen. Ich habe bereits die Art
der von uns benötigten Bestimmungen
beschrieben.
Dazu
zählt auch die
Existenz von erfolgreichen Vorgehensweisen der Gerichte.
Unsere englischen Freunde haben
eine Menge darüber gelernt, wie Verfahrensweisen bei Gericht in Nordirland verändert werden mußten, um mit
den dortigen terroristischen Anschlägen fertigzuwerden.
Und die Schaffung
angemessener
Verfahrensweisen

umfaßt die notwendige Sicherheit, so
daß der Prozeß selbst für alle Beteiligten, auch die Richter und die Geschworenen, sicher durchgeführt werden kann.
Und
schließlich
erfordern
die
Maßnahmen gegen den Terrorismus eine
bewußte und geschulte Bürgerschaft,
die uns unterstützt.
Ich habe einige der von uns in
unserem Land durchgeführten Schritte
beschrieben.
Wir
unternehmen
aber
auch Schritte mit unseren Verbündeten
auf internationaler Basis.
Zwölf Länder der Europäischen Gemeinschaft haben sich zu einer Gruppe
zusammengeschlossen,
die
sich
aus
meinen Kollegen in anderen Ländern
zusammensetzt - den Justiz- oder Innenministern, je nachdem, wem die
größte Verantwortung für öffentliche
Sicherheit
und Polizeiaufgaben
zufällt. Und in diesen Ländern ist besonders im vergangenen Jahr viel getan worden.
Aus einer Gruppe, die bisher nur
einmal jährlich in formellem Rahmen
zusammenkam, ist eine effiziente Arbeitsgruppe geworden, die sich auf
den höchsten Ebenen der Regierungen
dieser Länder direkt mit dem Problem
des Terrorismus beschäftigt. Als Ergebnis hat sie ein höheres Ausmaß an
internationaler
Zusammenarbeit
bei
Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus erzielt.
Der
Zusammenarbeit
wurde im Bereich der Grenzkontrollen
und der Kontrolle von Visa und Reisenden verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet. Es liegt eine neuerliche Betonung auf dem Austausch nachrichtendienstlicher
Informationen
und dem
Informationsaustausch über verdächtige
Terroristen
und
terroristische
Vereinigungen wie auch über Methoden
und Taktiken von Terroristen, beson-

�ders im Hinblick auf die Art der Finanzierung terroristischer Aktivitäten.
Und es gibt eine gemeinsame
Übereinkunft,
verdächtige
Personen
auszuweisen. Vor einigen Jahren war
es nur allzuoft zu einfach für einen
verdächtigen
Terroristen, nach der
Ausweisung aus einem Land leichten
Zugang zu einem anderen zu finden.
Jetzt hat die Zusammenarbeit einen
Punkt erreicht, an dem eine aus einem
Land ausgewiesene Person keinen Zugang mehr zu einem anderen Land findet.
Diese Verfahrensweise
hat auch
die erneute Zusammenarbeit unter den
Polizeibehörden im Hinblick auf deren
gemeinsame Vorgehensweise, Ausbildung
und andere Maßnahmen zur Ausarbeitung
ihrer Operationen gefördert.
Im April 1986 waren die Vereinigten Staaten zum ersten Mal in ihrer
Geschichte in der Lage, eine informelle Mitgliedschaft in dieser Gruppe
herzustellen, so daß wir auch über
den Vorsitzenden dieser Gruppe und
mittels
regelmäßiger
Verständigung
und Zusammenarbeit in den Genuß dieser gemeinsamen Aktivitäten kommen.
Diese Beziehung hat einen wertvollen
Beitrag
für unsere Fähigkeiten im
Kampf gegen den Terrorismus geleistet
und wird uns jetzt - und in größerem
Umfang auch in Zukunft - in die Lage
versetzen, besonders im Bereich technologischer Neuerungen in den Beratergruppen
dieser
europäischen Gemeinschaft einen Beitrag zu leisten.
Bei der Bekämpfung der Bedrohung
des Terrorismus durch das Gesetz ist
es eminent wichtig, daß nicht die
Grundsätze dieser Gesetze selbst geopfert werden.
In diesem Zusammenhang denke ich daran, daß ein besonders wichtiger Teil dieser Konferenz
die Aufmerksamkeit ist, die sie der
Rolle der Medien dabei zuteil werden
- 7

lassen .
Natürlich wissen wir alle, daß
Terroristen erst durch Publizität Erfolg haben. Und doch ist es gleichzeitig absolut unerläßlich, daß wir
trotz der terroristischen Bedrohung
nicht einen Schritt von unserem Konzept der Pressefreiheit abrücken.
1985 gab es in England zur Zeit
des Besuchs von Mitgliedern der amerikanischen Anwaitskammer erhebliche
Spannungen über die Rolle der Presse
beim Terrorismus, besonders nachdem
sich dort gerade einige Anschläge ereignet hatten.
Die englische Premierministerin
und andere äußerten
sich zu diesem Thema. Ich denke, daß
es wichtig ist, daß wir angesichts
des Terror ismus erkennen, daß es der
Regierung in keinem Fall zusteht, der
Presse vorzuschreiben, wie sie bei
der
Berichterstattung
über
dieses
Phänomen vorgehen soll.

Es stellte die schlimmste Mißachtung des Gesetzes dar, wenn die Regierung Richtlinien oder Beschränkungen über die Art und Weise, wie die
Presse ihre Arbeit, auch im Bereich
des
Terrorismus,
verrichten
soll,
aufstellen würde.
Meiner Ansicht nach steht es den
Medien selbst zu, und so ist es auch
besonders im vergangenen Jahr in diesem Land geschehen, ihre eigene Position, ihre Verhaltensmaßregeln, ihre
eigenen Verhaltensmaßstäbe und ihre
eigenen Pflichten zu überprüfen. Und
das ist eine der Tatsachen, die sie
bei dieser Konferenz hören werden.
Aber auch im Privatsektor sollten die
dort tätigen Medien in diesem Land
weder durch Zwang von seiten der Regierung noch durch deren Gebote beeinflußt werden.
Wir gehen alle davon aus, daß die

�Herrschaft des Gesetzes unser gemeinsames Erbe darstellt, nicht nur, wenn
es um die Durchsetzung von Gesetzen
oder Terrorismus geht, sondern auch
wenn der Handel und der tägliche Umgang der Menschen untereinander betroffen sind.
Bei allem, was wir
tun, bietet sie die Grundlage für unser Leben und ist die Quelle unserer
Stärke, unseres Wohlstandes und unseres Glücks. Ohne die Herrschaft des
Gesetzes würde in jedem Teil unseres
Lebens das Chaos herrschen. Dies ist
ein Vermächtnis, das wir über das
britische Parlament hinweg bis zu den
Volksversammlungen im antiken Griechenland zurückverfolgen können. Und
sie ist ein Versprechen dieses goldenen Zeitalters in Amerika an noch ungeborene Generationen.

aufkommen: obwohl die Technik sicher
eine notwendige Waffe im Kampf gegen
den Terrorismus darstellt, reicht sie
dennoch nicht aus. Die Technik allein kann das Problem des Terrorismus
nicht lösen. Die Lösung des Terror ismus liegt einzig und allein in der
Bekräftigung unseres politischen Willens, ihm zu widerstehen und dabei
die uns zur Verfügung stehenden Mittel zu benutzen.
Lassen Sie mich
nochmals die Bedeutung der gemeinsamen Willensbekundung der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten
Staaten
betonen.
Die Länder, die
sich für die Bekämpfung des Terrorismus einsetzen, müssen bereit sein,
jedes verfügbare Mittel zu benutzen,
einschließlich, wie im vorliegenden
Fall, des Rechtsmittels.

Dieses Versprechen geben wir auch
den Demokratien, die noch in den Kinderschuhen stecken, sowie denen, die
noch nicht ins Leben gerufen worden
sind.

Der Terrorist rechnet damit, daß
er
unseren
Willen
zum
Widerstand
durch eine Welle der Furcht brechen
kann. Ihm das Gegenteil zu beweisen,
wird Entschlossenheit und Mut auf allen Ebenen erfordern.

Aber unsere Hoffnungen nach Freiheit gemäß dem Gesetz werden wenig
fruchten, wenn wir nicht die heute
von uns zu unternehmenden Schritte
durchführen, um sie zu sichern.
Wie Sie sicher wissen, werden in
diesem Kampf auf beiden Seiten hochentwickelte technische Mittel angewandt.
Von meinem Blickwinkel aus
betrachtet, scheint die Technik keiner Seite einen entscheidenden Vorteil verschafft zu haben. Die Technik selbst ist neutral - und doch
fähig, großen Schaden anzurichten,
aber auch imstande, großes Unglück zu
verhindern.
Der Westen hat es bisher wünschenswert gefunden
und wird dies
auch in Zukunft tun, den Terrorismus
mit Hilfe der Technik zu bekämpfen.
Aber
damit
keine
Mißverständnisse

Die Vereinigten Staaten traten in
ihrer gesamten Geschichte als friedliebende Nation auf.
Aber so sehr
die Amerikaner den Frieden geliebt
haben, noch mehr lieben sie die Freiheit. In diesem Jahr begehen wir den
zweihundertsten Gründungstag unserer
Verfassung, und die Tatsache, daß unsere Regierungscharta gesetzlich verankert wurde, um den Frieden für alle
Generationen zu bewahren, genau wie
die Gründungsväter unserer Nation in
ihrer Arbeit für die Unabhängigkeit
Freiheit vor Bequemlichkeit und Sicherheit gestellt haben, bildet einen
sehr wichtigen Grundsatz für dieses
Konzept von der Herrschaft des Gesetzes.
Ich bin fest davon überzeugt,
daß heute im Zusammenhang mit dem anläßlich dieser Konferenz besprochenen
Thema die Freiheit nicht weniger als
in den Jahren 1776 oder 1787 weiter-

- 8 -

�hin den ersten Platz in der Skala der
amerikanischen Werte einnnehmen wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

28. Januar 1987

ANHALTENDER FORTSCHRITT IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Worldnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Sonderbotschafter für Terrorismusbekämpfung, L. Paul Bremer, zufolge haben die Vereinigten Staaten und Westeuropa im vergangenen Jahr bei akuten Fragen zur Behandlung des Terrorismus erhebliche Fortschritte erzielt.
Bei einer am 23. Januar 1987 von Worldnet per Satellit übertragenen Pressekonferenz beantwortete Botschafter Bremer Fragen von Journalisten aus Rom,
Paris, Den Haag, London und Bonn.
Nachfolgend drucken wir diese Diskusion in Auszügen.

Frage:
Würde es ihre Regierung
verstehen, wenn sich die Bundesrepublik weigerte, Mohammad Hamadei auszuliefern, um das Leben der deutschen
Geiseln in Beirut zu retten?
Antwort:
Zum Problem Hamadei:
Wie der Justizminister am Mittwoch
sagte, ist das Verfahren für einen
Versuch, seine Auslieferung zu beantragen und zu erreichen, im Gange.
Dieses verfahren ist sehr kompliziert
und erfordert die Erstellung zahlreicher
Dokumente, die
ins
Deutsche
übersetzt und der bundesdeutschen Re-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gierung übergeben werden müssen,
ist jetzt geschehen.

Das

Das Verfahren dauert weiter an.
Wir haben volles Vertrauen, daß es im
Einklang mit den deutschen Gesetzen
und
unseren
Auslieferungsverträgen
voranschreiten wird.
Aber ich glaube, daß es vielleicht angesichts der
schwierigen Lage, in der sich die
bundesdeutsche
Regierung
im Augenblick befindet, keine gute Idee ist,
daß ich oder irgendein anderer Sprecher zu dieser Situation weitere Kommentare abgeben.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�An twor t:
Frage:
Sind im Augenblick zwischen Washington und Bonn Verhandlungen über dieses Problem der Auslieferung Hamadeis im Gange?
Antwort:
Nein.
Wie
ich bereits erwähnte, haben wir im Einklang
mit den in unseren Verträgen festgelegten Verfahrensweisen und mit den
bundesdeutschen Gesetzen unsere juristischen
Dokumente vorlegt.
Das
Verfahren dauert an.
Frage:
Ich möchte Ihnen dieselbe Frage noch einmal stellen: Werden die Vereinigten Staaten darauf
bestehen, daß dieser sich gerade in
Frankfurt
aufhaltende Terrorist an
die Vereinigten Staaten ausgeliefert
wird, auch wenn das bedeuten sollte,
daß die beiden deutschen Geiseln im
Libanon getötet werden?
Antwort:
Ich kann nur wiederholen, was ich bereits sagte: Unserer Erfahrung nach - und wir haben in
Fällen von Geiselnahme erhebliche Erfahrungen sammeln können - machen öffentliche Diskussionen dieser Fälle
in solch einem delikaten Augenblick
die Situation nicht gerade leichter
lösbar.
Ich weiß, daß Bundeskanzler Kohl
in der Bundesrepublik zu diesem Thema
eine Nachrichtensperre verhängt hat,
die auch von unserer dortigen Botschaft respektiert wird. Dennoch ist
unsere Haltung allseits bekannt. Wir
haben die Auslieferung Hamadeis beantragt.
Die Anträge sind der bundesdeutschen Regierung übergeben worden, das Verfahren
läuft und ich
glaube, dabei sollten wir es belassen.
Frage:
Waren Sie bis jetzt mit
der Haltung der bundesdetuschen Regierung zufrieden?

- 2

Ja .

Frage:
Das
Problem, wie
bei
Geiselnahmen, besonders bei der Geiselsituation im Libanon und zuvor im
Iran, zu verfahren sei, ruft weiterhin Polemik und Kontroversen hervor.
Glauben Sie, daß Erpressung von Seiten der Terroristen erfolgreich dazu
beitragen wird, Regierungen und Länder aus dem Gleichgewicht zu bringen,
die zu ihren Opfern werden und die
internationale
Zusammenarbeit
gegen
den Terrorismus ernsthaft gefährden
wird?

t

t

Antwort:
Sie
bitten
mich
um
eine Zukunftsvorhersage, was für einen Diplomaten immer etwas risikoreich ist. Ich kann Ihnen nur sagen,
was ich darüber denke und wiederhole,
daß meiner Ansicht nach der Stand der
internationalen
Zusammenarbeit
beim
Terrorismus viel weiter fortgeschritten ist als er das noch vor einem
Jahr war.
Ich habe gerade drei Jahre als
amerikanischer Botschafter in Europa
verbracht und mit beträchtlichem Interesse die Entwicklung eines europäischen Konsenses über die Bedeutung
der
Terror ismusbekämpfung
verfolgt.
Ich glaube, wir haben bei einer Reihe
praktischer Fragen erhebliche Fortschritte erzielt.
Eine interessante
Zahl - und es handelt sich hier um
Vorabstatistiken - , die wir herausgefunden haben, besagt, daß bezüglich
des Terrorismus in Europa im Jahr
1986
internationale
Terroranschläge
um 40 Prozent zurückgegangen sind.
Unseren Statistiken zufolge ist
der durch Gruppen aus dem Mittleren
Osten verursachte Terrorismus in Europa im vergangenen Jahr um 70 Prozent zurückgegangen. Obwohl es gewiß
schwierig ist, festzustellen, welche
Faktoren
genau zu diesem
Rückgang

(

«

�beigetragen haben, glaube ich, daß
die Art unserer Zusammenarbeit in allen Bereichen des Terrorismus erheblich zu diesem Rückgang beigetragen
hat.
Wir wollen hoffen, daß diese
Zusammenarbeit in Zukunft weitergeführt wird.
Frage:
Wenn
der
Terrorist
Hamadei von den bundesdeutschen Behörden an die Vereinigten
Staaten
übergeben wird, zieht Washington es
in Betracht, ihn im Austausch gegen
amerikanische Geiseln zu benutzen?
Antwort:
Nein.
Wenn
Hamadei
an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird, so ist es unsere Absicht wie dies auch der Justizminister bereits am Mittwoch sagte - ihn nach
amerikanischem Gesetz zu verurteilen.
Frage:
Herr
Botschafter,
ken Sie, daß die Regierung der
desrepublik
im
Fall
Hamadei
bleiben und den Forderungen der
roristen nicht nachgeben sollte?

denBunhart
Ter-

Antwort:
Ich
denke, daß
die
Regierung der Bundesrepublik Deutschland sich in einer sehr delikaten Situation befindet. Wir sind uns dessen
natürlich
bewußt
und
da wir
selbst schon eine Reihe von Geiselnahmen durchgemacht haben, haben wir
sehr viel Verständnis für den heiklen
Charakter dieser Situation.

einen Antrag
auf Auslieferung von
Hamadei gestellt und wir wissen, daß
die Verfahren - sehr komplizierte juristische Verfahren - ihren Fortgang
nehmen.
Frage:
Herr
Botschafter,
wie
interpretieren Sie den Auslieferungsvertrag?
Ist er für beide Seiten
bindend oder schreibt er lediglich
einen Austausch von Papier vor?
Antwort:
Auslieferungsverträge
regeln die Auslieferung von Straftätern verschiedener Kategorien, nachdem die im Rahmen der Gesetze beider
Staaten - in diesem Fall der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland - geschaffenen Voraussetzungen in die Tat umgesetzt worden
sind.
Ich bin mit den innerstaatlichen
Verfahren in der Bundesrepublik nicht
genügend vertraut.
In den Vereinigten Staaten gilt, daß, wenn ein Gericht über die mögliche Auslieferung
eines Straftäters befunden hat, die
eigentliche
Entscheidung
über
die
Auslieferung an unsere Exekutive, in
diesem
Fall das
Justizministerium,
zurückverwiesen
wird.
Ich
weiß
nicht, ob dies auch in der Bundesrepublik gilt, aber so funktioniert es
in den Vereinigten Staaten.

Meiner Meinung nach wäre es unklug von mir, zu versuchen, der Bundesregierung einen Rat zu geben, wie
diese Situation gelöst werden könnte.
Sie ist sehr heikel und muß seitens
der Bundesregierung mit großer Sensibilität behandelt werden.

Nachdem also die Voraussetzungen
erfüllt worden sind und wenn unsere
Richter
bestimmen, daß die Person
wirklich diejenige ist, die in einem
anderen Land gesucht wird, würde eine
solche Person dann zur Auslieferung
in Betracht kommen, nachdem unser
Justizministerium
dies
entschieden
hätte.

Ich möchte also nicht versuchen,
der
Bundesregierung
zu raten, wie
diese Situation zu lösen ist.
Wie
ich anfangs schon sagte, haben wir

Frage:
Herr
Botschafter, arbeiten amerikanische und deutsche Beamte im Fall Hamadei zusammen? Auch
in Beirut?

- 3 -

�war .
Antwort:
Natürlich halten wir
zur Regierung der Bundesrepublik über
unsere normalen rechtlichen Kanäle in
der Frage unseres Auslieferungsantrages in bezug auf Herrn Hamadei Verbindung - also zwischen unserem Justizministerium und dem Justizministerium der Bundesrepublik.
Aufgrund der dort vorgelegten Dokumente unterhalten wir regelmäßige
Kontakte. Wie ich schon sagte, läuft
meiner Einschätzung nach zur Zeit das
Verfahren der Auswertung dieser Papiere
in
Übereinstimmung
mit
den
deutschen Gesetzen und unserem Auslieferungsvertrag.

Was sehen Sie als die primäre
treibende Kraft hinter Geiselnahmen
überhaupt an? sind es Motive Einzelner, die die Freilassung von Franzosen fordern oder solche von befreundeten Regierungen, die ihre zusätzlichen Forderungen stellen wollen?
Antwort:
Es ist schwierig, auf
diese allgemeine Frage zu antworten,
weil gegenwärtig unserer Zählung zufolge mehr als 20 Ausländer unterschiedlicher Nationalität im Libanon
von verschiedenen Gruppen festgehalten werden.

Frage:
Herr
Botschafter,
die
Vereinigten Staaten haben im Mittleren Osten gewisse Kontakte ausgebaut.
Werden die Deutschen an den Informationen, die aufgrund dieser Kontakte
in Erfahrung gebracht werden, beteiligt?

In manchen Fällen hat keine Gruppierung die Verantwortung
für die
Geiselnahme übernommen.
In anderen
Fällen hat sich eine Gruppe verantwortlich erklärt, aber keine Forderungen gestellt.
In wieder anderen
Fällen haben die Gruppen sowohl die
Verantwortung
übernommen
als
auch
Forderungen gestellt.

Antwort:
Sie
können
sicher
sein, daß wir alle Informationen, die
wir in der Frage der Geiselnahme von
Staatsangehörigen
irgendeines Landes
erhalten sollten - es gibt, wie ich
schon sagte, Staatsangehörige vieler
Länder, die dort als Geiseln festgehalten werden - den betroffenen Staaten sofort zur Kenntnis bringen werden .

Sie sehen also, wie schwierig es
ist , über die Motivationen jeder
dieser Gruppen eine allgemeine Aussage zu machen. Was auch immer die Motive sein mögen, wir verurteilen sie.
Wir glauben nicht, daß Terrorismus
toleriert werden sollte.

Frage:
Botschafter Bremer, wir
sehen uns in Libyen einer Situation
gegenüber, in der private Gruppen Angehörige der westlichen Welt ihrer
Freiheit beraubt haben, um dann die
Freilassung ihrer Freunde in ausländischen
Gefängnissen
zu
verlangen.
Dies zum ersten. Dann mischten sich
befreundete Regierungen ein, die sich
anbieten, zu vermitteln, wenn ihnen
Waffen und Geld gewährt wird - wie
dies bei Syrien und Libyen der Fall
- 4

Frage:
Glauben Sie nicht, daß
die Aufnahme guter Beziehungen zu Syrien, Iran und Libyen eine wirkungsvollere Art und Weise der Anwendung
des Satzes "gut vorgebeugt ist halb
geheilt" darstellt?
Antwort:
Wir haben diese Frage
bereits früher gehört und stimmen dem
nicht zu. Nehmen wir den Fall Libyen. Unsere Regierung hat fünf Jahre
lang versucht, daran zu arbeiten, die
libysche Unterstützung des Terrorismus zu beenden. Dabei haben wir alle

�Arten von friedlichen Maßnahmen angewandt. Wir haben es mit öffentlicher
und
mit Geheimdiplomatie
versucht.
Wir
haben schließlich Wirtschaftssanktionen und politische Sanktionen
ausprobiert.
Wir haben zu militärischen
Mitteln
gegriffen,
und
schließlich hat Präsident Reagan nach
fünf Jahren und angesichts überwältigender Beweise einer libyschen Beteiligung am Terrorismus einen begrenzten Angriff auf Ausbildungslager für
Terroristen in Libyen angeordnet.
Im Falle Syriens gingen wir nach
demselben Muster vor ; wir haben sehr
lange versucht, die Syrier dazu zu
bewegen, dem Terrorismus ihre Unterstützung aufzukündigen. Wie sie wissen, hat sich Präsident Reagan, nachdem die britische Regierung ihre diplomatische Beziehungen zu Syrien im
November abbrach, entschieden, trotz
Aufrechterhaltung diplomatischer Beziehungen unseren Botschafter abzuziehen - als Beweis für die politische Bedeutung, die wir diesem Problem des staatlich unterstützten Terrorismus beimessen.
Frage:
Herr
Botschafter,
tun
die Europäer genug, um den Terrorismus zu bekämpfen?
Antwort:
Ich
denke, wir
tun
alle nicht genug. Wir können niemals
sagen, daß wir genug tun, bis wir es
geschafft haben, dem Terrorismus ein
Ende zu machen. Solange es noch Terrorismus in der Welt gibt, tun wir
alle nicht genug.
Ich möchte lieber
über den günstigen Trend sprechen,
anstatt diesen Punkt zu betrachten.
Unsere vorläufigen Zahlen für das
Jahr 1986 zeigen, daß international
die Gesamtzahl terroristischer Vorfälle gegenüber 1985 ungefähr gleich
geblieben ist. Das ist immer noch zu
viel.
Das sind international unge-

fähr 800 Vorfälle pro Jahr. Wenn Sie
aber davon ausgehen, daß wir von 1983
bis 1984 und von 1984 bis 1985 einen
jährlichen Anstieg von 30 bis 40 Prozent hatten, dann denke ich, daß wir
zumindest ein gewisses Maß an Befriedigung aus der Tatsache ziehen können, daß im Jahr 1986 die Zahl der
Vorfälle anscheinend gleich geblieben
ist.
Ich meine, daß unsere Kooperation
beginnt, erfolgreich zu sein.
Dies
ist nicht genug; ich glaube, daß wir
alle mehr tun können, insbesondere
bei der Verbesserung unseres Austauschs
von
Geheimdienstinformationen, unserer Fähigkeit zur Entdeckung
von Terroristen
beim
überschreiten
internationaler Grenzen, bei unserer
Fähigkeit zur Verbesserung der Grenzsicherung und beim Informationsaustausch, etwa über gefälschte Reisepapiere .
Es gibt also eine Reihe von Dingen, an denen wir arbeiten und wo
zweifellos wir alle mehr tun können.
Frage:
Herr
Bremer,
glauben
Sie, daß die Vereinigten Staaten und
Europa über die Zusammenarbeit bei
der Identifizierung und Auslieferung
von Terroristen und den Informationsaustausch hinaus versuchen sollten,
eine
gemeinsame
Eingreiftruppe
zu
entwickeln, um mit Notfällen, wie
Flugzeugentführungen, fertig zu werden?
Antwort:
Es hat auch auf dieser Seite des Atlantik einige Diskussionen zu diesem Thema gegeben. Obwohl es oberflächlich ein attraktiver
Gedanke sein könnte, finde ich selbst
es sehr schwierig zu verstehen, wie
das in der Praxis funktionieren soll.
Es ist sehr schwierig, sich vorzustellen, wie die an solch einer Truppe beteiligten Staaten in der Lage

- 5 -

�sein würden, die Art von sehr schneilen und unmittelbaren Entscheidungen
zu treffen, wie sie bei terroristischen Vorfällen oft verlangt werden,
insbesondere bei einer militärischen
Reaktion auf einen Fall von Terrorismus.
Das bedeutet jedoch nicht,
daß man sich nicht mit einer solchen
Frage beschäftigen sollte.

gedeuteten
Art
der
schon bereitet wurde.

Frage:
Was sind Ihrer Meinung
nach in Europa und den Vereinigten
Staaten die wahrscheinlichen konkreten Möglichkeiten für die Erzielung
einer
umfassenden
Übereinkunft für
eine gemeinsame Bekämpfung des Terrorismus?
Antwort:
Ich denke, wir haben
schon beträchtliche Fortschritte erzielt.
Ich weiß nicht, wie Sie das
Wann
einer
endgültigen
umfassenden
Übereinkunft und das Wie einer Bekämpfung des Terrorismus definieren,
aber ich glaube, daß wir beträchtliche Fortschritte erzielt haben.
Wenn sie zum Beispiel auf das
vergangene Jahr zurückblicken, dann
haben wir große Anstrengungen unternommen, um Staaten, die den Terrorismus fördern, davon abzubringen.
Im
vergangenen Jahr hat es in diesem Bereich auch in Europa beträchtlichen
Fortschritt gegeben. Die Europaische
Gemeinschaft hat am 27. April dazu
eine energische Erklärung abgegeben,
der in den anschließenden Monaten zusätzliche, ebenfalls sehr energische
Erklärungen und weitere Taten europäischer Regierungen gefolgt sind, um
den staatlich geförderten Terrorismus
zu verurteilen, zunächst gegenüber
Libyen und in jüngster Zeit, im November und Dezember, gegen Syrien.
Ich meine, daß die Grundlage für
eine
sehr
bedeutsame
Übereinkunft
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa in der Frage der von Ihnen an- 6 -

* * * *

Zusammenarbeit

�^DJ^&lt;

^7

&lt;X

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

2 8 . J a n u a r 1987

RAUMFLUG OHNE RISIKO GIBT ES NICHT
DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von S h u t t l e - F l ü g e n
im J a h r 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Im nächsten
Jahr, frühestens am 18. Februar 1988,
soll zum ersten Mal nach dem CHALLENGER-Unglück vom 28. Januar 1986
wieder ein Raumtransporter starten.
Vorgesehen ist eine Mission von vier
TagenDauer mit der DISCOVERY.
Kommandant Frederick Hauck wird zusammen
mit den Astronauten Richard Covey als
Kopilot sowie John Lounge, George
Nelson und David Hilmers als Missionsexperten den Flug unternehmen.
Auf einer am 15. Januar 1987 in
Washington veranstalteten Pressekonferenz ließ Hauck jedoch keinen Zwei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fel daran, daß dieser "als sehr optimistisch
einzuschätzende
Termin"
nur dann eingehalten werde, wenn er
persönlich und die Verantwortlichen
der NASA
(US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt) von der Sicherheit und
Flugbereitschaft des Geräts überzeugt
seien.
Hauck betonte, daß er und die
Kollegen - alle erfahrene Astronauten
- glücklich seien, für diesen Flug
benannt worden zu sein. Die bemannte
Raumfahrt solle und müsse weitergehen.
Dennoch sei das Unglück, bei

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�dem sieben Astronauten an Bord ihr
Leben verloren, noch frisch im Gedächtnis und werde nicht vergessen
werden.
"Für uns alle ist der 28.
Januar
ein schreckliches Trauma...
aber wir blicken auch vorwärts und
werden alles tun, daß so etwas nie
wieder geschieht", sagte Hauck. Allerdings werde ungeachtet aller Anstrengungen, auch der Bemühungen um
die Entwicklung eines Rettungssystems
zum Aussteigen in der ersten Flugphase, immer mit Gefahren zu rechnen
sein. "Lassen Sie mich sehr deutlich
sagen:
Es wird nie einen Raumflug
geben, mit dem nicht auch ein Risiko
verbunden wäre". Er sei jedoch überzeugt, daß "wir es aufgrund der Veränderungen seit dem Unfall - in bezug
auf Personen, Organisationen, Umkonstruktionen - mit einer gestärkten,
einsichtigeren Behörde zu tun haben".
Er fühle sich sehr ermutigt, daß für
die Vereinigten Staaten die Aussicht
bestehe, ihre führende Stellung in
der bemannten Raumfahrt zurückzugewinnen.
Auf Fragen von Journalisten sagte
Richard Covey, daß die NASA-Astronauten sehr großen Wert darauf legten,
aus dem Raumtransporter aussteigen zu
können, falls ein Motor versage oder
es zu anderen ernsten Pannen im Flug
käme. Er fügte jedoch hinzu, daß sie
auch ohne eine Notausstiegsvorrichtung fliegen würden, wenn die Ingenieure der Meinung seien, daß eine
solche Sicherung nicht gegeben werden
könne.
(Gegenwärtig wird bei der
Firma Rockwell International ein Rettungssystem entwickelt, bei dem eine
seitliche
Einstiegsluke
abgesprengt
wird. Die Astronauten würden mittels
kleiner Raketen aus der Kabine gezogen und dann am Fallschirm landen.
NASA-Sprecher verwiesen darauf, daß
dieses Verfahren nur im kontrollierten Flug bei niedriger Geschwindigkeit unterhalb von 6 000 m Höhe funk-

tionieren könne.
Die Kosten werden
auf 50 Millionen Dollar geschätzt.)
Die Erprobung der umkonstruierten
Feststoffraketen geht jetzt in die
kritische Phase. Richard Truly, beigeordneter NASA-Administrator für bemannte Raumfahrt, berichtete, daß die
Versuche mit verkürzten Versionen des
Zusatzantriebs
erfolgreich
abgeschlossen seien und in Kürze Brenntests mit Geräten in natürlicher Größe aufgenommen würden. Diese enthalten
500 Tonnen
festen Treibstoff.
Die Rakete wird dazu auf dem Testgelände in horizontaler Position verankert, die Erprobung erfolgt stationär.
Ein Expertengremium des Nationalen Forschungsrates (NRC) warnte vor
kurzem erneut vor einer zu kurzfristigen Planung für die Wiederaufnahme
der Raumflüge, weil im Testprogramm
zu wenig Raum für möglicherweise auftretende weitere technische Schwierigkeiten und notwendig werdende Alternativen gelassen sei. Auch brachte es seine Besorgnis wegen der Tatsache zum Ausdruck, daß sich das neue
Material für die kritischen O-RingDichtungen bei vorläufigen Tests als
unzulänglich erwies. Da das neue Material, das kältefest sein sollte,
von Schmiermasse in der Verbindungsstelle zwischen den Segmenten angegriffen wurde, sahen sich die Techniker gezwungen, auf das kälteempfindliche frühere Material zurückzugreifen und kleine Heizvorrichtungen einzubauen. Die NRC-Gruppe tritt dafür
ein, für alle Fälle zusätzlich ein
anderes, kältebeständiges Material zu
entwickeln, das keine Heizung bei
tiefen
Starttemperaturen
brauche.
"Aber wir sind noch nicht so weit,
und wir wollen uns jetzt nicht an einem neuen Problem festbeißen", meinte
John Thomas, Manager für das Technikerteam, das sich mit der Umkonstruktion
befaßt.
"Das Verhalten
des

�jetzt verwendeten
verstehen wir ."

Materials

dagegen

Die NRC-Expertengruppe wies außerdem auf mögliche Probleme in der
Verbindung zwischen Feststoffraketenmantel und Düse am unteren Ende hin,
weil dort nach dem neuen Konzept Bolzen vorgesehen seien, die zuvor nicht
vorhanden waren.
Dies könnte die
Leckgefahr mit einem Ausdringen heißer Gase erhöhen. Truly versicherte,
daß alle Empfehlungen der NRC-Gruppe
in einen Interimsbericht aufgenommen
würden und NASA-Ingenieure mit ihr
regelmäßig die Empfehlungen erörterten .

- 3-

�</text>
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