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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

*
14. Januar L987

INHALT
DOKUMENTATION
Martin Luther King's mutiger Kampf b l e i b t a l s Vermächtnis lebendig
- P r ä s i d e n t Reagans Proklamation zum Martin Luther King j r . - G e d e n k t a g

WIRTSCHAFT
Präsident Reagan legt Haushalt fUr 1987/88 vor
- Weitere einschneidende Ausgabenkürzungen sind vorgesehen

HINTERGRUNDMATERIAL
Das Gerede vom Zusammenbruch des Kommunismus ist Unsinn
- Von Norman Podhoretz (c) 1986, News America Syndicate

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schwerpunkte;

Raumtransporter und Forschung

- NASA-Budgetvorschlag für Haushaltjahr 1988

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

Dokumentation

4

14. Januar 1987

MARTIN LUTHER KING'S MUTIGER KAMPF BLEIBT ALS VERMÄCHTNIS LEBENDIG
- Präsident Reagans Proklamation zum Martin Luther King Jr.-Gedenktag -

WASHINGTON - (AD) - In seiner am 9. Januar 1987 verkündeten Botschaft zum
Martin Luther King Jr. - Gedenktag am 19. Januar erklärte Präsident Reagan,
daß der ermordete Führer der Bürgerrechtsbewegung und sein "mutiger Kampf für
Gerechtigkeit, Gleichheit und Brüderlichkeit für uns ewiges Andenken und lebendiges Vermächtnis bleibt".
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut

Indem wir den Geburtstag des Baptistenpfarrers Dr. Martin Luther King
feiern, ehren wir einen Amerikaner,
der die große Ungerechtigkeit der
Rassentrennung
und
Diskriminierung
erkannte und es zu seinem Lebensinhalt und -Ziel erklärte, dieses Unrecht in Recht umzuwandeln, in Gerechtigkeit,
Freiheit,
Gleichheit,
Fairness und Versöhnung.
Weil Dr. King der Gewalt abschwor
und sich statt dessen auf seine Eloquenz und auf die moralische Kraft
seiner Überzeugung verließ, hat die

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von ihm angeführte Sache nicht nur
das Gesetz, sondern auch das Herz und
den Verstand vieler Menschen verändert. Dr. King hat Verhaftungen, Gewalt und Bedrohung getrotzt, weil er
der Auffassung war:
"Die Geschichte
hat immer wieder bewiesen, daß unverdientes Leid gesühnt wird".
Martin
Luther King Jr. ist der von ihm so
leidenschaftlich
bekämpften
Gewalt
anheimgefallen - aber sein Streben
nach Gewaltlosigkeit
hatte bereits
unser
Land unwiderruflich
und zum
Besseren verändert.

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�Dr. King hat die Verwirklichung
des amerikanischen
Traums oft als
seine Vision beschrieben. Er hat sie
1961 den Absolventen der Lincoln University mit einem Zitat aus der Unabhängigkeitserklärung
verdeutlicht:
"Folgende Wahrheiten betrachten wir
als
selbstverständlich:
daß
alle
Menschen gleich geschaffen sind, daß
sie von ihrem Schöpfer mit gewissen,
unveräußerlichen Rechten ausgestattet
sind; daß dazu Leben, Freiheit und
das Streben nach Glück gehören...".
Er sagte dazu ganz einfach:
"Dies
ist der Traum.11
Dr. King betonte,
daß dieser Traum niemanden von seinem
Versprechen und seinem Schutz ausschließt und daß er betont, daß die
Rechte jedes Einzelnen von Gott gegeben sind und "vom Staat weder verliehen noch genommen werden können".
Martin Luther King Jr. legte auch
seine Vision des ewigwährenden, in
der Heiligen Schrift niedergelegten,
Rufs nach Gerechtigkeit, Vergebung,
Brüderlichkeit
und
der
Liebe
zum
Nächsten dar. Er betete oft mit den
Worten des Propheten Arnos: "Laß die
Gerechtigkeit wie Bäche fließen und
die Rechtschaffenheit wie einen mächtigen Strom".
Dr. King hat klar und überzeugend
mit bewegenden Geschichten an die
Menschen
appelliert, wie etwa mit
seiner
Beschreibung
eines
kleinen
Mädchens, das mit seiner Mutter demonstrierte und auf die Frage eines
Polizisten:
"Was willst Du?" antwortete:
"Freiheit".
"Sie konnte das
Wort kaum aussprechen aber kein Engel
Gabriels hätte es überzeugender vorbringen können".
Jeder Amerikaner kennt die Geschichte von Dr. King's letzter Predigt am 3. April 1968, am Abend vor
seinem Tod. Er bekannte, daß er kein
langes Leben wolle, sondern Gottes
- 2

Willen tun. Er sagte, er sei auf dem
Gipfel des Berges gewesen und habe
das Gelobte Land gesehen.
Amerika
werde in dieses Land gelangen, aber
"ich werde vielleicht nicht mit Euch
gehen... Ich bin heute abend glücklich.
Ich habe keine Angst.
Ich
fürchte niemanden. Meine Augen haben
das Licht der Ankunft des Herrn geschaut".
Fünf Jahre zuvor hielt Dr. King
seine Eloge auf die bei einem Bombenangriff auf ihre Sonntagsschule ums
Leben gekommenen Kinder und sprach
Worte des Trostes, der Versöhnung und
des Versprechens.
Er
sagte, wir
sollten nicht verzweifeln, nicht bitter werden oder den Glauben in unseren Nächsten verlieren. Der Tod beende nicht den Satz des Lebens, sondern "verhilft ihm zu einer erhabenen
Bedeutung". Den Eltern der getöteten
Kinder sagte er, daß ihre Töchter
nicht lange, aber gut gelebt hätten:
"Der Ort ihres Todes und das, was sie
im Angesicht des Todes getan haben,
setzt jedem von Ihnen ein wunderbares
Zeichen und ist ihr ewiges Andenken".
Sicher wird Dr. Kings mutiger Kampf
für
Gerechtigkeit,
Gleichheit
und
Brüderlichkeit uns als sein ewiges
Andenken und lebendiges Vermächtnis
bleiben.
Am 4. April 1967, genau ein Jahr
vor seiner Ermorderung hat Dr. King
in einer Predigt die berühmten Zeilen
aus dem Gedicht "The Present Crisis"
von James Russell Lowell zitiert:
"Once to every man and nation comes
the moment to decide; In the strife
of Truth with Falsehood, for the good
or evil side;..." Dr. King hat sich
für die gute Seite entschieden und
die Entscheidung der Nation, dasselbe
zu tun, ist ein Maßstab für seine
Größe.
Kraft des Gesetzes 98-144 ist der

�dritte Montag im Januar jeden Jahres
zum Feiertag erklärt worden, zu Ehren
des Geburtstags
von Martin Luther
King, Jr.
Deshalb
erkläre
ich,
Ronald
Reagan,
Präsident
der
Vereinigten
Staaten von Amerika, kraft der mir
von der Verfassung und den Gesetzen
der Vereinigten Staaten von Amerika
eingeräumten Autorität, Montag, den
19. Januar 1987 zum Martin Luther
King Jr.-Gedenktag.
Zum Zeugnis dessen unterschreibe
ich an diesem neunten Tag im Januar,
im Jahre des Herren neunzehnhundertsiebenundachtzig, und im zweihundertelften Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.
(gezeichnet)
Ronald Reagan

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft
'«rioN

14. Januar 1987

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT FÜR 1987/88 VOR
- Weitere einschneidende Ausgabenkürzungen sind vorgesehen WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 5. Januar 1987 dem amerikanischen Kongreß seinen Voranschlag für den Bundeshaushalt 1988 vorgelegt (das
Haushaltsjahr dauert vom 1. Oktober 1987 bis zum 30. September 1988). In diesem Zeitraum sollen die Regierungsausgaben weiter reduziert werden, um, so
Reagan, "eine erhebliche Bedrohung unseres künftigen Wohlstandes" abzuwenden.
"Wenn dieses Defizit nicht durch eine Beschränkung der Regierungsausgaben unter Kontrolle gebracht wird, gefährden wir alles, was wir bisher erreicht haben.
Das durch fortlaufend hohe Ausgaben herbeigeführte Defizit stellt für
die mit der Steuerreform eingeführten niedrigeren Steuersätze eine Bedrohung
dar und behindert Fortschritte in unserer Handelsbilanz".
Die Begleitbotschaft
folgenden Wortlaut:

des Präsidenten

Der gegenwärtige Wirtschaftsaufschwung, der seit etwa 50 Monaten anhält, ist bereits jetzt einer der
längsten der Nachkriegszeit und verspricht, eine Rekorddauer zu erreichen.
Dies läßt sich nicht einfach
auf Zufälle zurückführen, sondern ist
das Ergebnis einer in den vergangenen
sechs Jahren erfolgreich angewandten
Politik.
Das verfügbare Privateinkommen ist auf dem höchsten je erreichten Niveau und steigt weiter,
ebenso wie die Gesamtproduktion und
der Lebensstandard; der Zuwachs bei
der Beschäftigtenrate ist ausgezeichnet.
Die 1980 noch zweistellige In-

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zu seinem

Haushaltsvoranschlag

hat

flationsrate
wurde erheblich abgebaut.
Die im Laufe der siebziger
Jahre
gefährlich
geschwächte
Leistungsfähigkeit
im Verteidigungsbereich ist zum größten Teil wiederhergestellt und gibt uns ein angemesseneres Maß an nationaler Sicherheit
zurück. Der unannehmbare Anstieg der
Steuerbelastungen
und
Bundesbestimmungen ist zum Stillstand gebracht
worden, ein unsäglich komplexes und
ungerechtes
EinkommensSteuerSystem
wurde
radikal reformiert, und das
größte jemals durchgeführte Programm
zur Verbesserung der Verwaltung kommt

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�Firmen und Privatpersonen erheblich
gesenkt.
Sechs
Millionen
Steuerzahler mit niedrigem Einkommen fallen aus der Kartei der
Steuerzahler heraus. Der hemmende Effekt unserer Steuergesetze
auf die Initiative des Einzelnen
ist dramatisch abgebaut worden.
Das
reale Privateinkommen
nach
Steuern ist in den vergangenen
vier Jahren um 15 Prozent gestiegen und hat unseren gesamten Lebensstandard erhöht.

jetzt in allen größeren Bundesbehörden zum Einsatz. Es waren also sechs
gute Jahre.
Der nun im fünften Jahr anhaltende Aufschwung hat bereits fünf der
sieben
bisherigen
Aufschwungphasen
der Nachkriegszeit an Dauer übertroffen, und maßgebende Wirtschaftsindikatoren weisen auch für die Zukunft
auf Wachstum hin. Unsere Politik hat
sich ausgezahlt. Lassen Sie mich Ihnen einige Höhepunkte des heutigen
Wirtschaftsaufschwungs darlegen:

Unsere Verteidigungsfähigkeit ist
durch
moderne Ausrüstung
sowie
durch
erfolgreiche
Einstellung
und
Weiterbeschäftigung
besser
qualifizierten Personals verbessert worden; die Bereitschaft,
Ausbildung und die Moral unserer
Soldaten wurden verbessert.

- In den vergangenen vier Jahren
sind 12,4 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden, und die
Gesamtzahl der Arbeitslosen ist
um
3,7
Prozentpunkte
gesunken.
Verglichen damit ist die zahl der
Arbeitsplätze
in anderen Industrieländern nicht bedeutsam angestiegen, und die Arbeitslosenzahlen sind weiterhin hoch geblieben.

Nach Jahren des schnellen Wachstums, das nicht aufrecht zu erhalten war, sind die Bundesausgaben für nationale Programme, außer für feste Haushaltsverpflichtungen, in den vergangenen vier
Jahren
im wesentlichen
niedrig
geblieben.

- Die vor meinem Amtsantritt
im
Jahresdurchschnitt etwa 10,3 Prozent betragende Inflation hat in
den
vergangenen
vier
Jahren
durchscnittlich weniger als ein
Drittel davon ausgemacht - 3,0
Prozent.
Die Inflation war 1986
mit etwa 1 Prozent auf ihrem
niedrigsten Stand seit mehr als
20 Jahren.
- Der Leitzins und andere wichtige
Zinssätze
betragen
die
Hälfte
dessen, was sie 1981 ausmachten.

Seit 1981 ist die von den Antragstellern
mit dem Ausfüllen
von Formularen der Bundesregierung verbrachte Zeit um über 600
Millionen Stunden gesunken, und
die Anzahl der jährlich im Bundesgesetzblatt
veröffentlichten
Seiten ist um 45 Prozent abgebaut
worden.

Owischen
1981
und
1986
haben
zahlreiche
Änderungen
in
der
Steuergesetzgebung,
einschließlich der im vergangenen Jahr erfolgten vollständigen Überarbeitung, die Steuererklärung vereinfacht, das Steuergesetz gerechter
gemacht und die Steuersätze für

Unser
anhaltender
Kampf
gegen
Verschwendung, Betrug
und Mißbrauch
von
Regierungsprogrammen
hat sich bezahlt gemacht, da der
Rat für Integrität und Effizienz
des
Präsidenten
84
Milliarden
Dollar an Mitteln eingespart hat,
die wirkungsvolleren Zwecken zu2 -

�hung dar und behindert Fortschritte
in unserer Handelsbilanz.

geführt worden sind.
- Schließlich haben die Bundesbehörden das bisher größte Programm
zur Verbesserung der Verwaltung
eingeführt, um die Regierung verstärkt mit der
in der
freien
Wirtschaft üblichen Arbeitsweise
vertraut zu machen.
Die dramatische Verbesserung bei
den Leistungen unserer Regierung ist
auf das standhafte Festhalten an den
vier grundsätzlichen Prinzipien des
Wirtschaftsprogramms
zurückzuführen,
das ich im Februar 1981 vorgestellt
habe:
- Begrenzung des Anstiegs der Bundesausgaben ,
- Abbbau der Steuerlast,
- Entlastung
der
Wirtschaft
von
übertriebenen Bestimmungen und
Schreibarbeit, und
- Unterstützung einer gesunden
stabilen Geldpolitik.

und

(Zusammenfassung der Haushaltsausgaben siehe Ende des Artikels)

Die Notwendigkeit des Defizitabbaus
Der Grundstein für ein dauerhaftes Zeitalter nationalen Wohlstandes
ist gelegt. Aber eine erhebliche Bedrohung unseres zukünftigen Wohlstandes bleibt bestehen: Das Defizit bei
den Bundesausgaben. Wenn dieses Defizit nicht durch eine Beschränkung
der Regierungsausgaben unter Kontrolle gebracht wird, gefährden wir alles, was wir bisher erreicht haben.
Das durch andauernd hohe Ausgaben
herbeigeführte Defizit stellt für die
mit
der
Steuerreform
eingeführten
niedrigeren Steuersätze eine Bedro-

Wir können nicht zulassen, daß
dies geschieht. Deshalb ist es eine
unserer Hauptzielsetzungen in diesem
Haushaltsplan, einen kontinuierlichen
Abbau des Defizits sicherzustellen,
bis ein ausgeglichener Haushalt erzielt ist.
Mit diesem Haushalt wird das Ziel
eines Defizits von 108 Milliarden
Dollar erreicht, wie es im Gesetz
über einen ausgewogenen Haushalt und
Defizitkontrolle,
das
nach
seinen
Förderern
auch
als
Gramm-RudmanHollings bezeichnet wird, niedergelegt ist. Gramm-Rudman-Hollings hat
sowohl dem Präsidenten als auch dem
Kongreß einen festen Zeitplan für den
Fortschritt zu einem Abbau des Defizits auferlegt.
Ich löse mein Versprechen ein, indem ich diesen Haushaltsentwurf rechtzeitig vorlege und
ich fordere den Kongreß auf, dasselbe
zu tun. Wenn die Zielsetzungen zum
Abbau des Defizits außer acht gelassen würden, sähen wir uns einer beispielslosen Zunahme der Ausgaben gegenüber, die sich dieses Land nicht
leisten kann.
Dieser
Haushaltsentwurf
zeigt,
daß mit der Zeit die Ausmerzung de3
Defizits möglich ist, ohne die Steuern anzuheben, ohne unsere Verteidigungsbereitschaft zu opfern und ohne
Abstriche bei berechtigten Programmen
für ältere und arme Mitbürger machen
zu müssen.
Gleichzeitig werden dadurch zusätzlich benötigte Mittel für
andere Programme von höchster Priorität bereitgestellt.

Der Abbau des Defizits im Jahr 1988
Obwohl
jedem der

- 3 -

das Haushaltsdefizit
in
letzten vier Jahre genau

�oder etwas mehr als 5 Prozent vom
Bruttosozialprodukt (BSP) betrug, habe ich in jedem Jahr einen Weg vorgeschlagen, um das Defizit abzubauen und dies hauptsächlich durch die Beschränkung unnötiger Ausgaben im Inland.
Der Kongreß hat jedoch die
meisten dieser Vorschläge zurückgewiesen; deshalb ist der von uns erzielte Fortschritt viel bescheidener
ausgefallen als möglich gewesen wäre.
In diesem Jahr wird es voraussichtlich eine erhebliche Wende zum
Besseren geben. Das Defizit wird im
Jahr
1987 voraussichtlich etwa 48
Milliarden
Dollar
weniger
betragen
als im Jahr 1986 und sollte auf weniger als 4 Prozent des BSP zurückgehen.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung
werden die
Bundeseinnahmen
schneller zunehmen als die vom Kongreß für dieses Jahr bewilligten Ausgaben steigen werden.
Trotzdem gibt es keine eindeutige
Garantie dafür, daß der Fortschritt
hin zu einem anhaltend geringeren Defizit und letztendlich einem ausgewogenen Haushalt fortdauern wird. Auf
der
Basis gegenwärtiger
Leistungen
wird das Defizit in den nächsten fünf
Jahren weiterhin abnehmen, aber dieser Rückgang geschieht schrittweise
und ist anfällig gegenüber möglichen,
finanziell unverantwortlichen Maßnahmen des Kongresses bei einer Reihe
von Ausgabeprogrammen. Er ist ebenso
von einer möglicherweise schlechter
als
erwartet
ausfallenden
Wirtschaftslage bedroht, da alle Planungen auf der Annahme aufgebaut sind ,
daß die notwendigen Ausgabenkürzungen
vorgenommen werden.
Dieser Haushalt für das Jahr 1988
kann dem Defizit einen entscheidenden
Sclag versetzen. Wenn die in dieser
Haushaltsvorlage unterbreiteten Vorschläge angenommen werden, und wenn

sich die Wirtschaft weiterhin gemäß
den Zuwachsraten und Inflation betreffenden Annahmen des Haushaltsentwurfs verhält, sollte das Defizit in
diesem zweiten Jahr erheblich, d.h.
um 65 Milliarden Dollar, abnehmen und
somit auf weniger als 2,5 Prozent des
BSP absinken.
Ein derartiger Abbau
würde das Defizit wieder auf den Rahmen beschränken, wie wir ihn früher
in Friedenszeiten des Friedens erlebt
haben und uns unserem ziel eines ausgewogenen Haushalts viel näher bringen.
Darüber hinaus wird der Kongreß,
wenn er die in diesem Haushaltsentwurf enthaltenen Vorschläge akzeptiert, in den kommenden Jahren einen
weiteren Abbau des Defizits sicherstellen, weil sich die Einsparungen
bei bestimmten Programmen, und seien
sie 1988 noch so gering, in vielen
Fällen später zu einem größeren Aufkommen ansammeln würden.
Angesichts
des guten Anfangs im Jahr 1987 erhält
der Kongreß in diesem Jahr - durch
die Annahme der Haushaltsvorlage
die Möglichkeit, die schlimmsten Defizitprobleme von uns abzuwenden.
Die Annahme der Ausgabenkürzungen
und anderer in diesem Haushalt vorgeschlagenen Reformen würde das bei den
Bundesausgaben bestehende Defizit in
den nächsten drei Jahren um durchschnittlich 54 Milliarden Dollar pro
Jahr vermindern; das heißt, auf jährlich 220 Dollar für jeden einzelnen
Amerikaner und auf 600 Dollar pro
Haushalt. Meiner Ansicht nach ist es
die richtige Art und Weise, mit dem
Defizit fertigzuwerden, wenn man die
übermäßigen
Bundesausgaben
abbaut
statt mit höheren Steuern auf die
Privateinkommen zurückzugreifen, unsere nationale Sicherheit zu schwächen, das Vertrauen der armen und älteren Mitbürger zu verlieren und über
die
Erfordernisse
für
zusätzliche

�Mittel für andere Programme von höchster Priorität hinwegzusehen.

Ein wettbewerbfähigeres
tiveres Amerika

und

produk-

Der Defizitabbau ist eine gewaltige Aufgabe - aber er kann und muß
erreicht werden, wenn man die Aufmerksamkeit ernsthaft auf seine Auswirkungen
auf Amerikas Wirtschaft,
Unternehmen, Bundes- und Staatsregierungen,
soziale
Einrichtungen
und
einzelne Bürger lenkt. Der Abbau des
Defizits wird die den privaten Kreditmärkten
von der
Bundesregierung
auferlegte Last verringern.
Die in
diesem Haushalt vorgeschlagenen besonderen Maßnahmen zum Abbau des Defizits würden die Wettbewerbsfähigkeit - und die Produktivität - unserer
Regierung
unterstützen
helfen.
Diese Ziele sind bei der Erarbeitung
des Haushaltsplans besonders in Betracht gezogen worden.

Programme von höchster Priorität
sollten angemessen finanziert werden
Trotz der allgemein sehr angespannten
finanziellen
Lage, stellt
dieser
Haushalt
angemessene
Mittel
zur Erhaltung und in einigen Fällen
auch zur Erweiterung von solchen Programmen von höchster Priorität bereit, die im nationalen Interesse eine
Schlüsselposition
einnnehmen.
Einige Beispiele:
- unerläßliche Dienstleistungen und
Einkommenszuschüsse für die älteren
und
bedürftigen
Mitbürger
werden erweitert;
- die unter meiner Initiative zum
Drogenmißbrauch
1987
begonnenen
Bemühungen zu dessen Verhütung,
Behandlung und der Forschung auf
- 5 -

diesem Gebiet werden fortgesetzt,
zumal sich die für die Durchführung der Drogengesetzgebung bereitgestellten Mittel seit meinem
Amtsantritt verdreifacht haben.
- der Haushalt sieht 85 Millionen
Dollar für die intensivere Gesundheitsfürsorge derjenigen Bevölkerungsgruppen mit der höchsten Kindersterblichkeitsrate vor;
- über eine halbe Milliarde Dollar
werden für die Forschung und die
Aufklärungskampagnen
über
AIDS
bereitgestellt, eine 28prozentige
Zunahme gegenüber dem Niveau von
1987 und mehr als das Doppelte
unserer Bemühungen im Jahr 1986
(zusätzlich werden von der Veteranenbehörde
und vom Verteidigungsministerium
100
Millionen
Dollar
für die Behandlung von
AIDS und Blutuntersuchungen bereitgestellt) .
- Angesichts
der
Vormachtstellung
unseres Landes auf dem Gebiet der
biomedizinischen
Grundlagenforschung will der Haushalt die von
den nationalen Gesundheitsbehörden
bewilligten
Ausgaben
für
mehrjährige biomedizinische Forschungstipendien übernehmen.
- Gegenüber 1987 werden 200 Millionen Dollar mehr für die zusätzliche Ausbildung von bildungsmäßig benachteiligten Kindern vorgeschlagen .
- Augenblicklich
unwirksame
Programme
zur Unterstützung
umgesetzter Arbeitskräfte werden von
einem
erweiterten
Programm
in
Milliarden-Dollar-Höhe
ersetzt,
das sorgfältig darauf ausgerichtet ist, Arbeitnehmern, die aus
ihre
Arbeitsstellen
verdrängt
wurden, zu neuen Stellen zu ver-

�helfen.
Eine um 68 Prozent erhöhte Finanzierung wird bereitgestellt, um
die Bundesluftfahrtbehörde in die
Lage zu versetzen, das Flug Leitsystem des Landes zu modernisieren; dazu zählt auch die Bereitstellung von Dopplerradars, die
in der Lage sind, Abwinde auszumachen, die Starts und Landungen
auf den Flughäfen behindern, wo
diese ein Risiko darstellen;
- 1988 werden 400 Millionen Dollar
bereitgestellt, um die neu erlassene
Einwanderungsgesetzgebung
durchzuführen;
- Erhebliche
Mehrausgaben
werden
bereitgestellt für die Finanzierung von Versuchen bei Technologien für eine saubere Kohleverbrennung, die Forschung zur Entstehung sauren Regens und dessen
Auswirkungen auf die Umwelt, um
das Problem des sauren Regens anzugehen, und
- dieser Haushalt sieht ferner eine
Initiative für neue Technologien
der zivilen Raumfahrt vor, zusammen mit bereits geplanten zusätzlichen Mitteln für den Bau einer
Raumstation, der Entwicklung eines
nationalen
Plans
für
die
Luft- und Raumfahrt und der Unterstützung der kommerziellen Erschließung des Weltraums.
In den vergangenen sechs Jahren
gehörte die Wiederherstellung der nationalen Sicherheit wegen der durch
die Unterfinanzierung in der Mitte
und gegen Ende der siebziger Jahre
entstandenen ernstlichen Schwächen zu
meinen höchsten Prioritäten.
Trotzdem sind internationale und Verteidigungsprogramme nicht den Auswirkungen
der staatlichen Einsparungen entgan-

gen. Der Verteidigungshashalt ist in
jedem der vergangenen zwei Jahre real
zurückgegangen. Wir können nicht zulassen, daß sich dieser Trend fortsetzt.
In diesem Haushalt schlage
ich gegenüber dem im vergangenen Jahr
bewilligten Niveau einen realen Zuwachs von 3 Prozent vor. Die Forderung bedeutet mit etwa 8 Milliarden
Dollar weniger
als im vergangenen
Jahr das minimale Niveau, auf dem eine angemessene Verteidigung unseres
Landes aufrechterhalten werden kann.
Ebenso unerläßlich für unsere Bemühungen
zur Aufrechterhaltung
der
nationalen Sicherheit ist meine Forderung für unsere Programme der internationalen
Angelegenheiten.
Ich
fordere den Kongreß auf, die schädigenden Kürzungen des vergangenen Jahres nicht zu wiederholen, sondern
diese Programme voll und ganz zu finanzieren.
Bei
anderen
Bundesprogrammen
sollte das System der Schaffung von
Anreizen verändert werden, um mehr
Leistungs- und
Wettbewerbsfähigkeit
zu fördern.
Eines der Probleme vieler Bundesprogramme besteht darin, daß diese
Zahlungen leisten, ohne Leistung und
Effizienz zu fördern. Sie werden als
"kostenlos" angesehen und deshalb besteht
potentiell
eine
unbegrenzte
Nachfrage danach.
Das muß geändert
werden - und dieser Haushalt schlägt
in den hier wichtigen Bereichen die
Schaffung von Anreizen vor.
Unsere mit dem Food Security Act
von 1985 eingeleiteten Programme zur
Stützung der Preise in der Landwirtschaft erweisen sich als viel zu
kostspielig - als eineinhalb mal so
teuer
wie
die
Schätzungen
veranschlagten, als das Geetz in Kraft
trat. Die 1987 an Subventionen aus-

�gegebenen 25 Milliarden Dollar bilden
14 Prozent unseres gesamtes Bundesdefizits und bedeuten, daß von den
Steuern einer jeden, nicht in der
Landwirtschaft
tätigen Familie 415
Dollar abgezogen werden, um die Einkommen der Landwirte zu stützen
über den Betrag hinaus, den sie durch
die gestützten Preise schon beim Lebensmittelhändler
bezahlen.
Einige
Bestimmungen des Gesetzes ermutigen
die Landwirte zu einer Überproduktion, nur damit sie Bundeszuschüsse
in Anspruch nehmen können.
Andere
Bestimmungen teilen unseren größten
und leistungsfähigsten Erzeugern die
größten Zuschüsse zu statt den wirklich hilfsbedürftigen Familienbetrieben.
Meine Administration wird Zusatzklauseln zu diesem Gesetz vorschlagen, damit es in erster Linie
den
Familienbetrieben,
die
ausschließlich
von der
Landwirtschaft
leben, zugute kommt, indem es die den
großen Erzeugern zu zahlenden Beträge
wirkungsvoll begrenzt und den Landwirten die Anreize zur Überproduktion
wegen der Bundeszuschüsse nimmt.
Es wird ferner eine Reform im
Medicare-Zahlungssystem
für
Srzte
vorgeschlagen.
Den Vorschlägen zufolge würde Medicare Leistungen für
Radiologie, Anästhesie und Pathologie
(radiology,
anestesiology
and
pathology - RAP) gemäß den durchschnittlich in dem betreffenden Bezirk anfallenden Kosten zahlen, statt
einzelne der Inflation unterworfene
Rechnungsbeträge
zurückzuerstatten.
Die momentane Erstattung des Rechnungsbetrages
zerstört Anreize und
leistet der Haltung Vorschub, unangemessene Rechnungsbeträge für unnötige
Dienstleistungen zu fordern.
Diese
Initiative würde die durch das augenblickliche Rückerstattungssystem von
Medicare hervorgerufenen Verzerrungen
beseitigen und somit eine wichtige
Schranke abbauen, die bisher die Wie-

derherstellung der bereits bestehenden Vereinbarungen zwischen RAP-Srzten und Krankenhauspersonal verhindert h3t.
Die Haushaltsvorlage schlägt eine
fortlaufende Erhöhung der mit Bundesmitteln unterstützten Grundlagenforschung vor, die zu längerfristigen
Verbesserungen
der
Leistungsbereitschaft unseres Landes und der weltweiten
Wettbewerbsfähigkeit
führen
wird.
Zum Beispiel sieht der Haushalt innerhalb von fünf Jahren eine
Verdopplung der vom Nationalen Wissenschaftsfonds für die akademische
Forschung
geleisteten
Unterstützung
vor. Ich schlage ferner vor, die Unterstützung zur Ausbildung zukünftiger Wissenschaftler und Ingenieure zu
erhöhen und einen stärkeren Technologie-Transfer von der Regierung zur
Industrie zu pflegen.
Ein anderer Weg, um den von der
Regierung gelieferten Dienstleistungen einen "Wert" - und den Anreiz,
sie nur bei Bedarf in Anspruch zu
nehmen - zu geben, wäre es, in angemessenem
Rahmen dafür Gebühren zu
verlangen. Diejenigen, die besondere
Bundesdienstleistungen
in
Anspruch
nehmen - und nicht der Steuerzahler
schlechthin
- sollten den größten
Teil der Kosten für diese Dienstleistungen
tragen.
Demgemäß
erhebt
dieser Haushaltsplan Gebühren für alle Bundesdarlehen, für die Fleischund Geflügelbeschau, die nationalen
Wald- und
Parkanlagen, die Küstenwache, Zollkontrollen und einige andere Dienstleistungen.

Die Regierung
sollte aufhören,
mit dem Privatsektor zu konkurrieren
Die
Bundesregierung
stört
Produktivität des Privatsektors

- 7 -

die
auf

�vielerlei
Art
und
Weise.
Einmal
durch Darlehen von Kreditgebern zur
Finanzierung von nicht mehr benötigten Programmen - wie dies im Fall des
Versicherungsfonds für Häuser auf dem
Land geschehen ist, ebenso bei der
direkten finanziellen Hilfen für Studenten, den nach Ermessen vergebenen
Zuschüssen für den öffentlichen Personennahverkehr,
freiwilligen
Ausbildungsbeihilfen, dem Fonds des Bundesverbandes der Ernte-Versicherer,
Bauzuschüssen für Kläranlagen, Beihilfen für Rechtsbeistand, die Gesellschaft
für
juristische Dienstleistungen und Zuschüsse zur Elektrifizierung
ländlicher
Gebiete.
Ich
schlage in diesem Haushalt die Abschaffung dieser Programme vor und
verlasse mich statt dessen darauf,
daß sich der Privatsektor, der Staat
oder die Stadtverwaltung dieser Bereiche annehmen wird.
Die Haushaltsvorlage schlägt auch
eine Reihe von Programmen vor, die
entweder durch öffentliche Angebote
oder Verkäufe an den Privatsektor zurückverwiesen werden sollten.
Nach
unseren erfolgreichen Bemühungen um
die Zulassung zum Verkauf von Conrail
schlage ich jetzt den Verkauf von
Kraftstoffreserven
der Marine, von
AMTRAK, der Energiebehörde Alaskas,
des Helium-Programms und von überschüssigen Immobilien vor.
Darüber
hinaus schlage ich der Legislative
vor, zu untersuchen, ob es nicht möglich wäre, die Energiebehörde des
Südostens abzustoßen. Diesen "Privatisierungsbemühungen" kommt auch weiterhin in meiner Administration die
höchste Priorität zu, und meiner Ansicht nach werden sie größere Produktivität und niedrigere Gesamtkosten
für diese Dienstleistungen mit sich
bringen. Die Bundesregierung muß unerläßliche
Dienstleistungen
bereitstellen, die ihrem Charakter nach öffentlich und ihrem Umfang nach natio-

nal sind.
Es geht nicht an, daß
Dienstleistungen für einzelne Bürger
bereitgestellt werden, die ebensogut
oder sogar noch besser vom Privatsektor, den Staats- oder Stadtverwaltungen angeboten werden können.
Die Bundesregierung sollte sich
mehr auf den Privatsektor verlassen,
wenn es darum geht, Dienstleistungen
zur Hilfe und Unterstützung von Aktivitäten anzubieten, die in den Händen
des Bundes verbleiben.
Der Haushaltsplan schlägt vor, daß die jetzt
von
über
40 000
Bundesangestellten
verrichtete Arbeit an den Privatsektor vergeben wird, um die Produktivität zu erhöhen, Kosten zu senken, und
die Dienstleistungen zu verbessern.

Kreditprogramme des Bundes sollten über den privaten Markt abgewickelt werden und ihre realen
Kosten offenbaren
Die Bundesregierung stellt Kredite für das Bauwesen, die Landwirtschaft, kleinere Gewerbebetriebe, das
Bildungswesen und für viele andere
Zwecke zur Verfügung.
Im Augenblick
stehen mehr als eine Billion Dollar
an Bundesdarlehen oder an vom Staat
bezuschußten Darlehen aus.
Zusammen
mit der Kreditvergabe von staatlich
geförderten Unternehmen belief sich
das Kreditvolumen des Staates auf 14
Prozent aller 1985 auf den amerikanischen Kreditmärkten vergebenen Kredite.
Den augenblicklichen Modalitäten
zufolge
scheinen
Anleihegarantien
"kostenlos" zu sein, sie beeinträchtigen den Haushalt nicht, solange die
Schuldner ihre Verbindlichkeiten einhalten.
Direkte Kredite werden bei
ihrer Erteilung
als Ausgaben verbucht, bei ihrer Rückzahlung jedoch
als "negative Ausgaben", daher schei-

�nen Direktkredite ebenso "kostenlos"
zu sein, weil mit ihrer Rückzahlung
gerechnet wird.
Aber weder Direktkredite
noch Anleihegarantien
sind
kostenlos. Abgesehen von den besseren Bedingungen, die ein Schuldner
von der Regierung erhält, gibt es
noch das Problem der nicht erfolgten
Rückzahlung.
Wenn ein Kreditnehmer
seinen
Direktkredit
nicht
zurückzahlt, werden keine negativen Ausgaben verbucht, und das ist eine bereits in der ursprünglichen Kreditvergabe implizierte Subvention. Wenn
ein
Kreditnehmer
seine
garantierte
Anleihe nicht einlöst, muß die Regierung für die Rückzahlung aufkommen ebenfalls eine Subvention des Programms.
Da diese Auswirkungen nur schwer
verständlich
sind
und bei unseren
Kreditprogrammen zu deren erheblich
verminderter Leistungsfähigkeit führen, werden wir den Kongreß bitten,
ein Gesetz zu erlassen, durch das die
realen Kosten zur Führung der Bundeskreditprogramme im Haushalt in Erscheinung treten.
Indem wir einen
erheblichen Teil neu gewährter Kredite an den Privatsektor verkaufen und
neu
erteilte
Garantien
rückversichern, wird der bei der momentanen
Verfahrensweise
implizierte
Zuschuß
sichtbar werden.
Diese Reform wird
die Art und Weise revolutionieren, in
der die Kreditaktivitäten des Bundes
durchgeführt werden.
Der Privatsektor wird sich ferner
zunehmend mit dem Management unseres
gewaltigen Bestands ausstehender Kredite und Anleihegarantien beschäftigen. Säumige Bundeskreditnehmer werden an private Auskunfteien verwiesen
und private Inkassobüros werden uns
bei der Rückforderung helfen.
Die
Finanzbehörden (Internal Revenue Service - IRS) wird seinen "Ausgleich"
von
Rückerstattungen
erweitern, um

ausstehende Schulden beim Staat zu
tilgen, und Bundesangestellten, die
Bundeskredite nicht zurückgezahlt haben, wird das Gehalt gepfändet.

Die erweiterte Rolle der Regierungen von Bundesstaaten und
Städten
Ich habe in den vergangenen 3echs
Jahren versucht, verschiedene Dienstleistungen des Bundes an die Regierungen der Bundessstaaten und Städte
zurückzuverweisen. Diese können viel
besser auf die Bedürfnisse der Empfänger dieser Dienstleistungen eingehen.
Für mich ist dies eine Frage
der Reorganisation von Pflichten in
unserem System auf eine Art und Weise, die zu einer effizienteren Bereitstellung dieser Dienstleistungen
führen wird, deren Notwendigkeit wir
alle zustimmen.
Deshalb läßt diese
Haushaltsvorlage
das
unangemessene
Engagement der Bundesregierung auslaufen, und zwar im örtlichen Polizeiwesen, der Behandlung von Abwässern, bei Privatschulen und bei der
Erschließung von Landkreisen und Gebieten. Verkehrsprogramme werden zusammengelegt oder den Staaten wird
für die Verwendung von Bundesmitteln
für Autobahnen, öffentlichen Personennahverkehr und Flughäfen ein größerer Spielraum zugestanden.

Bundesvorschriften müssen zur
Förderung der Produktivität weiter abgebaut werden
Meine
Administration
wird
die
1981
begonnenen
Bemühungen,
Vorschriften auszusetzen und Bestimmungen abzubauen, fortsetzen.
Die dem
Vizepräsidenten
unterstehende
Arbeitsgruppe zur Entlastung von Bestimmungen ist wiedereingesetzt worden.
In der Vergangenheit haben zu

- 9 -

�viele Bundesvorschriften und die damit verbundene Schreibarbeit die amerikanische
Produktivität
und
die
Freiheit des Einzelnen erdrückt. Wir
müssen unsere Bemühungen zur Vereinfachung der Verfahrensweisen fortsetzen und das richtige Maß zwischen
notwendigen Vorschriften und der damit verbundenen Schreibarbeit auf der
einen und den Kosten für diese Erfordernisse auf der anderen Seite finden.

Die Aktivitäten der Bundesregierung sollten besser gelenkt werden
Das amerikanische Volk verdient
eine bestmöglich geleitete Bundesregierung.
Im vergangenen Jahr habe
ich das Produktivitätsprogramm
der
Bundesregierung
ins Leben gerufen,
mit dem Ziel, die Produktivität in
bestimmten Bereichen bis 1992 um 20
Prozent zu steigern. In diesem Programm
ist auch ein beträchtlicher
Teil der Arbeitsplätze des Bundes
erfaß, die dem Landwirtschaftsministerium
unterstehende
Fleisch- und
Geflügelbeschau, die Wartung und Reparatur von Marineflugzeugen, die Bearbeitung von Sozialversicherungsansprüchen, die Unterhaltung von Nationalparks, die Leitung von Bundesgefängnissen und die Bearbeitung von
Steuerrückerstattungen durch die IRS.
Die Reform des Kreditwesens, Privatisierung, Verbesserung
der
Produktivität und andere Vorschläge werden in dem in diesem Monat herausgegebenen Verwaltungsbericht näher beschrieben. Darin werden ferner weitere Maßnahmen zum Abbau von Verschwendung, Betrug und Mißbrauch vorgeschlagen, ferner die Verbesserung
des Umgangs mit 1,7 Billionen Dollar
Regierungsgeldern,
die
Einrichtung
kompatibler
Abwicklungsmodalitäten
für alle Bundesbehörden und andere
Initiativen zur Verbesserung der Lei-

tung von Regierungsbehörden.
Dieses
ehrgeizige Unternehmen zur Reform der
Verwaltung, das den Namen "Reform 88"
trägt, stellt die größte jemals unternommene
Bemühung
einer
Verwaltungsreform dar .
Die
Haushaltsvorlage
schlägt
ebenfalls eine neue Methode der Entlohnung von Bundesangestellten vor,
die ihre Leistungsfähigkeit steigern.
Ich bitte den Kongreß um die Bewilligung eines neuen Plans zur Umwandlung
des augenblicklichen Systems der automatischen
Anhebung
innerhalb der
Gehaltsstufe, für das jedes Jahr etwa
40 Prozent der Angestellten infrage
kommen und das eine verborgene Gehaltsanhebung von 3 Prozent bedeutet,
in ein System, das "leistungsorientiert" ist. Damit werden Bundesangestellten
stärkere Anreize
geboten,
die Bereitstellung von Dienstleistungen zu verbessern.
Ich schließe in diese Haushaltsvorlage meine Empfehlungen zur Anhebung der Gehälter von geschäftsführenden Beamten der Exekutive, Legislative und Jurisdiktion der Bundesregierung ein. Der mir am 15. Dezember
1986 vorgelegte Bericht der alle vier
Jahre
zusammenkommenden
Kommission
(Quadrennial Commission) legt sowohl
das wahre Niveau der Aushöhlung von
Gehältern der geschäftsführenden Beamten dieser Bundesbehörden dar, die
seit 1969 besteht. Hieraus resultieren Probleme für Einstellung und Weiterbeschäftigung der Beamten, insbesondere im Gerichtswesen.
Der Kommission gebührt Lob für ihre sorgfältigen und gewissenhaften Bemühungen
bei der Behandlung der komplizierten
und komplexen Probleme des Lohnsystems innerhalb der Bundesregierung.
Jede einzelne der alle vier Jahre
zusammentretenden Kommissionen ist in
den vergangenen
18 Jahren zu dem

�Schluß gekommen, daß eine Gehaltserhöhung für Bundesbeamte in Schlüsselpositionen notwendig ist. Jede Kommission vertrat die Ansicht, daß das
Gehalt von höheren Regierungsbeamten
hinter das ihrer Kollegen im Privatsektor
zurückfällt.
Sie vertraten
ferner die Ansicht, daß wir uns keine
Regierung leisten können, die sich
nur aus solchen Mitgliedern zusammensetzt, die wohlhabend genug sind, um
sich in diesen Dienst zu begeben.
Leider fand die letzte Gehaltsangleichung
durch
die
Kommission
1977
statt, also vor bereits zehn Jahren.
Ich weiß jedoch, daß wir uns den
Bemühungen unterworfen haben, das Defizit der Bundesregierung abzubauen
und die Kosten für die Regierung auf
das absolute Minimum zu beschränken.
Vor diesem Hintergrund
glaube ich
nicht, daß es angemessen wäre, die
Empfehlung der Kommission in vollem
Umfang zu verwirklichen.
Ich habe mich deshalb entschlossen, eine Gehaltsanhebung vorzuschlagen, die jedoch erheblich unter den
von den Kommissionsmitgliedern in ihrem Bericht des letzten Monats abgegebenen Empfehlungen liegt.
Darüber
hinaus habe ich mich entschlossen,
eine Kommission für das Entlohnungssystem der höheren Angestellten einzurichten, die bis zum August nächsten Jahres angemessene Gehaltsklassen für die Führungspositionen der
Regierungsangestellten erarbeitet und
mir diese dann vorlegt. Die meinerseits
dem Kongress
vorgeschlagenen
Gehaltsanhebungen dieser neuen Kommission sollten die von der Regierung
gezahlten Gehälter auf eine gerechtere und besser vergleichbare Grundlage
stellen.

Frieden durch Stärke

Ich bin
zunehmend davon überzeugt, daß der einzige Weg, unsere
Gegner bei einem Rüstungsabbau an den
Verhandlungstisch zu bringen, darin
besteht, ihnen einen Grund zu Verhandlunen zu liefern - während wir
gleichzeitig
unserer
Verpflichtung
gegenüber unseren Bürgern und Verbündeten nachkommen, eine vor einer Aggression sichere Umgebung zu schaffen.
Wir haben unsere Verteidigungsfähigkeit wieder auf ein Niveau gebracht, das den heutigen Sicherheitsanforderungen eher entspricht.
Ein
bescheidener und anhaltender Anstieg
der Finanzierung im Verteidigungsbereich wird erforderlich sein, um die
von uns erzielten Zuwachsraten wirklich abzusichern.
Wir gehen wegen
der ernsten finanziellen Einschränkungen langsamer vor als ursprünglich
von mir geplant, und der von mir vorgeschlagene Haushalt stellt das notwendige Minimum zur Sicherung einer
angemessenen Verteidigung bereit.
Ich lege ebenfalls erstmals für
den Verteidigungshaushalt einen Zweijahresplan vor. Damit wird eine größere Stabilität bei der Bereitstellung der Mittel für unsere Verteidigungsbemühungen geschaffen, und das
sollte
zu einer
wirtschaftlicheren
Nutzung dieser Mittel führen.

Reform der Verfahrensweisen beim
Haushalt
Die augenblicklich beim Haushalt
angewandten
Verfahrensweisen
haben
keine funktionierenden und zuverlässigen Mechanismen für die Handhabung
des Haushalts der Bundesregierung bereitgestellt.
Die
Ausführung
von
Haushaltsvorlagen ist mühselig, komplex und schwierig. Sie erlaubt und
unterstützt einen
Prozeß, der ein
Aussetzen unserer Pflicht gegenüber

- 11 -

�dem
amerikanischen
Volk
mit
sich
bringt, dessen Haushalt auf verantwortliche Art und Weise zu verwalten.
Im vergangenen Jahr hat der Kongreß
den Haushalt erst nach acht Monaten
und zwei Wochen verabschiedet - zwei
Wochen nach dem vereinbarten Termin.
Außer dem ersten Bericht des Haushaltskomitees
vom
Senat
hat
der
Kongreß jeden der nur neun Monate
vorher von ihm selbst festgelegten
Termine
überschritten.
Schließlich
hat der Kongreß ein einjähriges, 389
Seiten umfassendes Haushaltsbewilligungsgesetz voller überflüssiger und
verschwenderischer
Ausgaben
verabschiedet.
Da der Kongreß das jährliche Haushaltsgesetz noch nicht verabschiedet hatte, wurde ich gesetzlich gezwungen, ein Aussetzen aller
Tätigkeiten der Bundesregierung einzuleiten. Eine solche Außerkraftsetzung eines verantwortungsvollen Haushaltsprozesses macht nicht nur eine
sorgfältige und wohlüberlegte Gesetzgebung zunichte, sie ermutigt auch
überflüssige Ausgaben und Verschwendung.
Da ich als Präsident darüber hinaus kein selektives Veto einlegen
kann, mußte ich die vielen Punkte des
Haushaltsgesetzes, denen man etwas
hätte entgegenhalten
können, außer
acht lassen und es unterzeichnen, um
eine Finanzierungskrise der Bundesregierung zu vermeiden.
Ich bin sicher, daß viele Mitglieder des Kongresses mit dieser Methode der Haushaltsführung für die Bundesregierung
nicht einverstanden sind.
Die Finanzierungskrise des vergangenen Herbstes und ihre überstürzte Lösung liefern nur einige der offensichtlichen Beweise für die Nachteile des Systems. Der Kongreß entschließt sich für einen in verschiedene Bereiche gegliederten Haushalt
(ohne Einmischung des Präsidenten);

er berücksichtigt dreizehn einzelne,
aber
untereinander
in Zusammenhang
stehende
Bewilligungsgesetze,
die
nach Behörden, nicht nach Bereichen
aufgeschlüsselt sind; er erarbeitet
eine Vereinbarung, er verabschiedet manchmal jährlich - die Gesetzgebung
zur Autorisierung des Haushalts und
er beschränkt das öffentliche Schuldenaufkommen. Diese Begriffe sind an
sich
verschwommen
und
verwirrend,
aber der dahinter stehende Prozeß ist
chaotisch.
Die Vorgehensweisen müssen vereinfacht werden und leichter
nachvollziehbar sein.
In Kürze werde ich detaillierte
Reformen vorstellen, die den Prozeß
leistungsfähiger
und
nachweisbarer
machen, so daß wir dem amerikansichen
Volk das geben können, was es von uns
verdient: einen finanziell verantwortungsbewußten und termingerecht vorgelegten Haushalt.

Zusammen fassung
Bei der Rückschau auf die letzten
sechs Jahre können wir mit Stolz und
Befriedigung über unsere Leistungen
erfüllt sein. Die Inflation ist unter Kontrolle gebracht worden. Wachstum und Investitionen haben zugenommen, während die Zinssätze, die steuern und die Zahl der Arbeitslosen erheblich
zurückgegangen
sind.
Eine
Grundlage für einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung ist nun geschaffen.
Unsere nationale Sicherheit ist auf ein annehmbareres Maß
wiederhergestellt worden. Die weitere Anwendung unnötiger und belastender Bundesvorschriften ist zu einem
Stillstand gekommen.
Bei der Einschränkung der überflüssigen Zunahme
der Ausgaben im Inland ist ein wichtiger Anfang
gemacht worden.
Die
Leitung der Regierung ist unter besonderer Betonung auf Leistungsfähig-

�keit verbessert worden.
Es stehen jedoch immer noch wichtige Aufgaben vor uns. Das große und
weiterhin anhaltende Haushaltsdefizit
ist weiterhin eine Quelle der Unzufriedenheit.
Es
bedroht
unseren
Wohlstand und unsere Hoffnung für das
anhaltende Wirtschaftswachstum.
Im vergangenen Jahr haben die Legislative und die Exekutive unserer
Regierung auf diese Bedrohung reagiert, indem sie in den nächsten vier
Jahren den schrittweisen, ordnungsgemäßen Fortschritt für einen ausgeglichenen Haushalt fördern. Die hier
dargelegten Vorschläge werden ihr für
1988 gestecktes Ziel erreichen, obwohl sie berechtigte Programme für
ältere und bedürftige Mitbürger erhalten, eine
angemessene
nationale
Verteidigung sichern, mehr Mittel für
andere Aktivitäten von höchster Priorität zur Verfügung stellen und dies
alles vollbringen, ohne die Steuern
zu erhöhen.
Dieser Haushaltsplan präsentiert
eindeutige Alternativen, denen wir
uns mit Entschiedenheit stellen müssen. Der Kongreß darf die von GrammRudman-Hollings
aufgestellten
Defizitziele nicht außer acht lassen.
Die Beachtung der Bestimmungen und
Versprechen dieser Gesetzgebung bietet uns die beste Gelegenheit, dem
chronischen Defizit zu entgehen, mit
dem wir uns im vergangenen halben
Jahrhundert plagen mußten. Wir müssen uns darüber klar werden, daß das
Problem des Defizits neue Möglichkeiten bietet - die Möglichkeit, eine
neue, klarere, besser ausgerichtete
und besser gelenkte Struktur der Bundesregierung aufzubauen und so ein
leistungsfähigeres und wettbewerbsfähigeres Amerika zu unterstützen.

- 13 -

�Zusammenfassung der Haushaltsausgaben
(in Milliarden Dollar)
1986

769 ,1
989 ,8

Einnahmen
Ausgaben

Uber3chuß/Defizit (-)
Nach Gramm-RudmanHollings angestrebtes
Defizit

Differenz

Einnahmen
Ausgaben

Überschuß oder Defizit
Nach Gramm-RudmanHollings angestrebtes
Defizit

Differenz

(-)

1987

1988

1989

842 ,4

916 ,6

1015 ,6

1024 ,3

976 ,2
1069 ,0

-220 ,1

-173 ,2

-107 ,8

- 92 r8

-171 r9

-144 ,0

-108 ,0

- 72 ,0

48,8

29,2

-0,2

20,8

1990

1991

1992

1048 ,3
1107 -8

1123 ,2
1144 ,4

1191 ,2
1178 ,9

-59,5

-21,3

12,3

•36,0

0,0

0,0

23,5

-21,3

12,3

(N.B. Die Zahlen schließen die Sozialversicherung ein, die im
Haushalt nicht berücksichtigt wird)

* * * * * *

- 14 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
Der folgende Artikel erschien zuerst am 6. Januar 1987 in de - International
Herald Tribüne. Er repräsentiert nicht die offizielle Meinung der amerikanischen Regierung.

14. Januar 1987

DAS GEREDE VOM ZUSAMMENBRUCH DES KOMMUNISMUS IST UNSINN
- Von Norman Podhoretz (c) 1986, News America Syndicate

NEW YORK - Die Idee, daß der Kommunismus keine Zugk-aft mehr habe,
begann sich vor wenigen Jahren auszubreiten.
Zunächst wollte man damit
ausdrücken, daß Amerika sich nicht
länger vor dem sowjetischen Expansionismus fürchten müsse und deshalb ruhig seine Rüstungsausgaben verringern
könne. Heute wird dieselbe Idee auch
von einer
Reihe von Kommentatoren
(von denen es einige besser wissen
sollten, und es früher auch wußten)
als Argument dafür benutzt, die nicaraguanischen Contras und die meisten
derjenigen
Menschen, die, mit den

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Worten Präsident Reagans, "auf allen
Kontinenten ihr Leben riskieren ...
um sich sowjetisch geförderten Aggressionen zu widersetzen" im Stich
zu lassen.
Dieses
beruhigende
Hirngespinst
vom Zusammenbruch des Kommunismus basiert auf drei Behauptungen.
Die
erste besteht darin, daß die Herrscher der Sowjetunion, ebenso wie ihre Quislinge und Stellvctreter in
den Ländern, über die sie imperiale
Kontrolle ausüben, aufgehört haben,
an den Marxismus zu glauben, jeden-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�falls zumindest in dem Ausmaß, wie
sie dies in der Vergangenheit getan
haben. Die zweite besagt, daß heute
in den kommunistischen Ländern kaum
jemand überhaupt noch an den Marxismus glaubt.
Die dritte Behauptung
lautet, daß der Marxismus für westliche intellektuelle weniger attraktiv geworden ist, als er dies in früheren Zeiten einmal war.
Jede dieser Behauptungen enthält
ein Körnchen Wahrheit: gerade genug,
um irreführend zu sein.
Zunächst einmal: ob die sowjetischen Herrscher noch an den Marxismus glauben oder nicht, ihre Militärmacht und deren globale Reichweite
haben in den letzten 25 Jahren enorm
zugenommen. Jedenfalls, was sie nun
insgeheim
denken
mögen
oder
auch
nicht, haben die Herrscher in kommunistischen Ländern - von der Spitze
bis hinunter zu Managern und lokalen
Parteigrößen - keine andere Wahl, als
weiterhin die Prinzipien des Marxismus-Leninismus zu predigen. Es sind
diese Prinzipien, und allein diese
Prinzipien, die ihnen das Recht auf
Herrschaft geben.
Tatsächlich hat die Bedeutung des
Marxismus in der kommunistischen Welt
dem tschechischen Dissidenten Vaclav
Havel zufolge nicht ab-, sondern zugenommen, während eine seiner Verheißungen nach der anderen durch den
"real existierenden Sozialismus" ad
absurdum geführt wurde.
Die Herrschenden
benötigen
den
Marxismus
nicht nur, um ihre Position in den
Augen ihrer Bürger zu rechtfertigen,
sie benötigen ihn, um sich selbst gegenüber ihre Macht zu rechtfertigen
und um sich über ihre üblen Taten
hinwegzutäuschen.
Was ist mit den Leuten, die von
diesen Taten betroffen sind? Sicher-

lich haben viele.von ihnen den Kommunismus
als
Ideologie
und Gesellschaftssystem hassen gelernt.
Doch
wenn sie versuchen, ihren Haß in Taten umzusetzen, finden sie heraus,
daß der Kommunismus, was sie selbst
anbetrifft, sehr wohl Zugkraft hat daß er im Gegenteil mehr als genug
Macht besitzt, um sie zu töten, ins
Gefängnis zu werfen oder sie auf andere Weise zu bestrafen. Mit Ausnahme weniger Helden ordnen sie sich unter.
Ein anderer tschechischer Dissident, Miroslav Kusy, beschreibt die
Lage von Herschern und Beherrschten
wie folgt: "Diejenigen, die ihn predigen, benehmen sich, als ob das ideologische Königreich des realen Sozialismus in dem 'was wir hier heute
haben' bestünde; die Nation benimmt
sich, als ob sie glaube, als ob sie
überzeugt wäre, daß sie im Einklang
mit diesem ideologischen realen Sozialismus lebte".
Soviel
zur
zweiten
Behauptung,
auf der das Hirngespinst vom kommunistischen Zusammenbruch aufbaut.
Was die dritte Behauptung angeht,
so ist das auffallendste Faktum in
bezug
auf westliche
Intellektuelle
nicht der Rückgang an überzeugten
Marxisten unter ihnen.
Es ist das
hartnäckige Weiterbestehen einer unverbesserlichen Tendenz, sich diesem
Rückgang zum Trotz im Zweifelsfalle
für kommunistische Regime und kommunistische Revolten auszusprechen.
Auf die Sowjets angewendet, tritt
diese Tendenz heute normalerweise so
auf, daß für ihr aggressives Verhalten immer amerikanische Provokationen
verantwortlich
gemacht werden oder
daß man die Existenz von expansionistischen Absichten bei ihnen grundsätzlich
verneint.
Angewendet
auf

�die Dritte Welt nimmt sie eine etwas
kompliziertere Gestalt an, deren Konturen in einer berühmten Rede der
Schriftstellerin Susan Sontag aus dem
Jahre 1982 eindringlich verdeutlicht
werden.
Obwohl
niemals Kommunistin
und
immer eine Gegnerin des Stalinismus
in Europa, war Frau Sontag eine enthusiastische Bewunder in anderer kommunistischer Regime, insbesondere Cubas und Nord-Vietnams.
Nun, so gab
sie zu, könne sie den Fehler des Versuchs
sehen,
eine
Unterscheidung
"zwischen Kommunismen" zu versuchen.
Schließlich erkannte sie "die äußerste Niederträchtigkeit des kommunistischen Systems" überall.
Hat sie nun daraus den Schluß gezogen, daß ihre Sympathien richtig
den Contras in Nicaragua und der Regierung in El Salvador gehören müßten, die sich beide zu eben diesem
Zeitpunkt im Krieg gegen diese "äußerste Niederträchtigkeit" befanden?
Nicht im geringsten.
Zu den Contras
sagt sie nichts.
Den kommunistisch
gesteuerten Rebellen in El Salvador
bot sie später ihre "leidenschaftliche Unterstützung" in ihrem "Kampf
gegen die von der amerikanischen Regierung unterstützte Tyrannei" an.

schlecht, oder
die Antikommunisten
seien viel schlimmer, oder die Ausbreitung des Kommunismus sei für uns
keine Bedrohung.
Und nachdem sie dann alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um
irgendein
Land
dem Kommunismus zu
übergeben, während noch eine kämpferische Chance zu seiner Rettung bestand, werden dieselben Intellektuellen bittere Tränen um die Menschen
vergießen, die dazu verurteilt wurden, unter einem Regime zu leben, auf
das sie einst in New York, London und
Paris solch hohe Hoffnungen gesetzt
hatten.
Sie werden ihre Solidarität
mit der Gewerkschaft Solidarität und
allen
anderen
Dissidentenbewegungen
in kommunistischen Regimen bekunden außer, wenn solche Bewegungen aussehen, als ob sie mit ein wenig Hilfe
die Oberhand gewinnen könnten.
Falls diese Intellektuellen und
Politiker
ihre Haltung
durchsetzen
können, werden sie in wenigen Jahren
Tränen
über
Nicaragua
vergießen.
Aber dann wird es zu spät sein. So
wie es heute zu spät ist für die Cubaner, die Vietnamesen, die Polen und
all die anderen Völker in der ganzen
Welt, die noch nicht die Intelligenz
hatten zu sehen, daß der Kommunismus
keine Zugkraft mehr hat.

Dieser
bizarre Widerspruch
ist
typisch für die Denkweise unter Intellektuellen in der gesamten westlichen Welt. In jedem Kampf zwischen
Kommunisten und Antikommunisten werden sie entweder für die Kommunisten
Stellung beziehen oder den Antikommunisten entgegentreten oder irgendeine
nichtexistente
Alternative
bevorzugen, insbesondere dann, wenn die Kommunisten siegen werden.
Diejenigen, die eine dieser Haltungen wählen, werden argumentieren,
die
Kommunisten
seien
nicht
so
- 3 -

�«fc°s&gt;«

r

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

% r ^

14. Januar 1987

SCHWERPUNKTE:

RAUMTRANSPORTER UND FORSCHUNG

- NASA-Budgetvorschlag für Haushaltjahr 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Dem von Präsident
Reagan
vorgschlagenen
neuen
NASA-Budget zufolge werden die Wiederaufnahme der Raumtransporterflüge
(der erste ist für Februar 1988 geplant) sowie die Schaffung einer bemannten Raumstation bis Anfang der
neunziger Jahre die vorrangigen Projekte der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt
(NASA)
im
Haushaltsjahr
1988 sein.
Insgesamt belaufen sich
die geforderten Mittel - der Etatvorschlag wurde dem US-Kongreß am 5. Januar 1987
zugeleitet - auf 9,481
Milliarden
Dollar
(inf lationsberei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nigt). Der für 1987 genehmigte NASAHaushalt
umfaßte
10,508 Milliarden
Dollar, einschließlich einer einmaligen gewährten Summe von 2,1 Milliarden Dollar für den Bau eines Ersatzgeräts für die am 28. Januar 1986
zerstörte Raumfähre CHALLENGER.
NASA-Administrator
Dr.
James
Fletcher beurteilt den vorgeschlagenen Finanzierungsmodus sehr positiv.
"Er ermöglicht ein gesundes Raumfahrtprogramm und wird gleichzeitig
den Bemühungen gerecht, das Defizit
des Bundeshaushalts zu reduzieren",

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sagte e c .
Im NASA-Budget für
1988
sind 3,7 M i l l i a r d e n Dollar für
das
Raumtransporterprogramm
vorgesehen.
In d i e s e Summe e i n g e s c h l o s s e n
sind
Aufwendungen für d i e B e s e i t i g u n g der
technischen
Defekte
bei
den
Fests t o f f t r ä g e r r a k e t e n , d i e den CHALLENGER-Unfall v e r u r s a c h t e n , sowie für d i e
Beschaffung
von
Oberstufen-Raketen
für den S t a r t unbemannter Sonden zu
den P l a n e t e n J u p i t e r
und Venus und
zur Sonne.
Diese P r o j e k t e wurden i n folge des CHALLENGER-Unglücks v e r z ö g e r t und s o l l e n nun so rasch wie mögl i c h a u s g e f ü h r t werden.
Wie d i e NASA k ü r z l i c h bekanntgab,
werden d i e GALILEO-Sonde zur
Erforschung des J u p i t e r ,
einigen
seiner
Monde und s e i n e r dünnen Ringe sowie
die
Venus-Kartierungssonde
MAGELLAN
1988 bzw. 1990 von Bord e i n e s Raumtransporters
mit
einer
neuen
Ant r i e b s o b e r s t u f e auf den Weg g e b r a c h t .
A n s t e l l e der u r s p r ü n g l i c h v o r g e s e h e nen CENTAUR-Oberstufe, d i e mit F l ü s s i g w a s s e r s t o f f a r b e i t e t , wird aus S i cherheitsgründen
ein
Feststofftriebwerk verwendet.
Für d i e Sonnensonde
ULYSSES b e a b s i c h t i g t man d i e TITAN-4
a l s T r ä g e r r a k e t e zu b e n u t z e n .
Dies
ist
eine
Neuentwicklung,
die
nach
1989 verfügbar sein soll.
Der Start des Hubble-Weltraumteleskops,
laut
Fletcher
"eine der
wichtigsten
wissenschaftlichen
Missionen im Zeitalter der Raumfahrt",
ist im neuen NASA-Etat für 1988 berücksichtigt. Der für die Astronomie
und
Astrophysik
so wichtige
Forschungssatellit
soll
beim
dritten
Raumtransporterflug im kommenden Jahr
von Bord des Shuttle gestartet werden.
Ein neues
gemeinsames
Forschungsprojekt von NASA, ESA (Europäische Weltraumagentur) und Japan zur
Untersuchung des Energieflusses von
der Sonne zur Erde wird 1988 mit zunächst 25 Millionen Dollar ausgestat- 2

tet.
Die aktive Phase beginnt 1992
mit dem Start einer Anzahl von Sonden
und dauert ca. acht Jahre.
Für
das
Entwicklungsprogramm
"Raumstation" werden für das nächste
Haushaltjahr 767 Millionen Dollar angefordert. Allerdings könne das Programm, so Fletcher, erst in ein paar
Wochen nach Abschluß der Überprüfung
und der Abstimmung des Fortgangs der
Entwicklung mit den Finanzierungsplä- *
nen wieder weitergeführt werden.
Der Wissenschaftsberater Präsi- *
dent Reagans, Dr. William Graham, gab
am 5. Januar 1987 vor Journalisten
den Etat der Bundesregierung für Forschung und Entwicklung mit 62,4 Milliarden Dollar an. Das bedeute gegenüber den im laufenden Haushaltjahr
verfügbaren Mitteln eine Steigerung
um acht Prozent.
Vo
Gesamtbudget
seien 20,4 Milliarden Dollar für Forschungen außerhalb der Aufgaben des
Verteidigungsministeriums
sowie
9,7
Milliarden Dollar für Grundlagenforschung vorgesehen. Der letztgenannte
Posten läßt erkennen, welch große Bedeutung die amerikanische Regierung
der Grundlagenforschung beimißt, was
sich
auch
im Etat der
"National
Science Foundation"
(Nationale Wissenschaftsstiftung - NSF) widerspiegelt.
NSF-Direktor Erich Bloch berichtete, daß für das Budget seines
Hauses im Jahr 1988 eine Steigerung
um 17 Prozent vorgeschlagen wurde.
In den nächsten Jahren sei eine jährliche Anhebung um 14 Prozent vorgesehen, so daß im Finanzjahr 1992 mehr ,
als 3,2 Milliarden Dollar zur Verfügung stünden.
Die Schwerpunkte liegen bei der Grundlagenforschung sowie *
bei der Ausbildung für Berufe in Wissenschaft und Technik.

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