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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

*

39

20. November 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan enthüllt geheime diplomatische initiative- im Iran
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation Reagan sieht Fortschritte in Genf
- Erklärung zum Abschluß der 6. Runde der NST-Verhandlungen Freier Handel mit Agrarprodukten: Gebot für ein gesundes Welthandels
System
- Ansprache von Botschafter Richard R. Burt vor dem waren-verein der
Hamburger 3örse e.V. -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle nach Reykjavik
- Von Paul Nitze -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Künftige Raumfahrtpläne der USA
- NASA-Chef Dr. C. Fletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler
und Journalisten -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation
20. November 1986

39

REAGAN ENTHÜLLT GEHEIME DIPLOMATISCHE INITIATIVE IM IRAN
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit ausgestrahlten Ansprache an die
Nation erklärte Präsident Reagan am 13. November 1986, die Vereinigten Staaten
hätten eine geheime diplomatische Initiative im Iran unternommen, um die Beziehungen zu diesem Land wieder herzustellen und die sichere Rückkehr aller
Geiseln zu erreichen.
Als zwei weitere Ziele der Initiative nannte der Präsident, daß der iranisch-irakische Konflikt zu einem ehrenvollen Ende geführt und der staatlich
geförderte Terrorismus und die Subversion abgeschafft werden sollten.
Reagan betonte, die von ihm "autorisierten Schritte standen in vollem Einklang mit den Bundesgesetzen und tun dies auch weiterhin"; die Regierung der
Vereinigten Staaten "verfolgt eine klare politische Linie, die darin besteht,
sich nicht den Forderungen von Terroristen zu beugen".
Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut:
Ich weiß, daß Sie in den vergangenen Tagen viel von dem gehört, gesehen und gelesen haben, was dänischen Matrosen, ungenannten Beobachtern in italienischen und spanischen
Häfen und besonders auch anonymen
Mitgliedern meiner Administration zugeschrieben wird.
Jetzt werden Sie
die Tatsache aus einer Quelle des
Weißen Hauses hören - ich denke, Sie
kennen mich.
Ich möchte heute über eine ausgesprochen delikate und sehr wichtige
außenpolitische Angelegenheit zu Ih-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nen sprechen.
Seit achtzehn Monaten haben wir
im Iran eine geheime diplomatische
Initiative durchgeführt.
Diese Initiative wurde aus den einfachsten und
besten Gründen durchgeführt:
um wieder Beziehungen
aufzunehmen,

zum

Iran

um den blutigen, sechs Jahre währenden Krieg zwischen Iran und
Irak zu einem ehrenvollen Ende zu
führen,

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�- um staatlich geförderten Terrorismus und Subversion zu beseitigen; und um die sichere Rückkehr
aller Geiseln zu erreichen.
Ohne Mitarbeit des Iran können
wir den Krieg am Persischen Golf
nicht zu einem Ende bringen; ohne die
Beteiligung des Iran kann es im Mittleren Osten keinen dauerhaften Frieden geben.
Seit nunmehr zehn Tagen ist die
Presse Amerikas und der gesamten Welt
voll von Berichten und Gerüchten über
diese Initiative und ihre Ziele.
Nun, liebe Mitbürger, es gibt ein
altes Sprichwort, das besagt: nichts
verbreitet sich so rasch wie ein Gerücht. Deshalb schien es mir an der
Zeit, direkt zu Ihnen zu sprechen und sie aus erster Hand über unsere
Beziehungen zum Iran zu informieren.
Will Rogers sagte einmal: "Gerüchte
sind schneller, aber sie halten der
Wahrheit nicht stand."
Halten wir
uns also an die Tatsachen.
Die Behauptung wurde aufgestellt,
die Vereinigten Staaten hätten Waffen
an den Iran geliefert - als Lösegeldzahlung für die Freilassung amerikanischer Geiseln im Libanon -, die
Vereinigten Staaten hätten ihre Verbündeten hintergangen und heimlich
die amerikanische Politik verletzt,
wonach es keine Geschäftsbeziehungen
zu Terroristen geben soll.
Diese Behauptungen
men falsch.

sind vollkom-

Die Vereinigten Staaten haben
keine Zugeständnisse an jene gemacht,
die unsere Landsleute im Libanon gefangenhalten.
Und wir werden das
auch nicht tun.
Die Vereinigten
Staaten haben weder Schiffsladungen
- 2

noch Flugzeugladungen voller amerikanischer Waffen gegen amerikanische
Geiseln ausgetauscht. Und wir werden
das auch nicht tun.
Es tauchten auch Berichte über
eine angebliche amerikanische Verwikklung auf. Berichte über einen Seetransport in Richtung Iran unter Verwendung dänischer Schiffe, mit amerikanischen
Waffen
beladen.
über
Schiffe in spanischen Häfen zwecks
geheimer amerikanischer Waffentransporte, über italienische Häfen, die
angelaufen wurden, darüber, daß die
Vereinigten Staaten, die angeblich
Ersatzteile und Waffen für Kampfflugzeuge lieferten. All diese Berichte
sind ganz schön aufregend; aber was
uns angeht, so ist nicht ein einziger
von ihnen wahr.
Im Verlauf unserer vertraulichen
Diskussionen stimmte ich dem Transfer
geringer Mengen von Verteidigungswaffen und Ersatzteilen für Defensivsysteme an den Iran zu. Meine Absicht
bestand darin, Teheran davon zu überzeugen, daß unsere Unterhändler mit
meiner Erlaubnis handelten, ein Signal zu senden, daß die Vereinigten
Staaten bereit seien, die Feindseligkeit zwischen uns durch neue Beziehungen zu ersetzen. Diese bescheidenen Lieferungen könnten, zusammengenommen, leicht in einem einzigen
Transportflugzeug Platz finden. Sie
könnten, zusammengenommen, weder den
Ausgang des sechs Jahre alten Krieges
zwischen dem Iran und dem Irak beeinflussen - noch könnten sie in irgendeiner Weise Wirkung auf das militärische Gleichgewicht zwischen den beiden Ländern haben.
Jene, mit denen wir in Kontakt
stehen, gingen erhebliche Risiken ein
und bedurften eines Signals unserer
ernsthaften Absicht, sollten sie ihr
Wirken fortsetzen und den Dialog aus-

�weiten.

schaft.

Als wir diese Initiative ergriffen, machten wir dem Iran aber auch
klar, daß er sich als Vorbedingung
für Portschritte in unseren Beziehungen allen Formen des internationalen
Terrorismus
entgegenstellen
müsse.
Wir deuteten an, daß der wesentlichste schritt, den der Iran unternehmen
könnte, darin bestünde, seinen Einfluß im Libanon zu verwenden, um die
Freilassung aller dort festgehaltenen
Geiseln zu erwirken.

Aus diesen Gründen liegt es in
unserem
nationalen
Interesse, nach
Veränderungen
im Iran Ausschau zu
halten, der Hoffnung auf verbesserte
Beziehungen bietet. Bis zum vergangenen Jahr gab es nur wenig, was derlei Hoffnung rechtfertigt hätte.

Aber warum, so mögen Sie fragen,
sind Beziehungen zum Iran überhaupt
für die Vereinigten Staaten wichtig?

Vielmehr gibt es noch immer bittere und tiefe Meinungsverschiedenheiten, die noch heute andauern. Im
Zentrum unseres Disputs steht die Unterstützung des internationalen Terrorismus durch den Iran. Es ist bislang die Politik des Iran gewesen,
jeglichen westlichen Einfluß aus dem
Mittleren Osten zu verdrängen. Damit
können wir uns nicht abfinden, denn
unsere Interessen im Mittleren Osten
sind grundlegender Art. Dabei streben wir im Iran weder territoriale
Gewinne, noch eine spezielle Position
an. Die iranische Revolution ist eine geschichtliche Tatsache; aber zwischen den grundlegenden
nationalen
Interessen
der Vereinigten Staaten
und des Iran braucht es keinen permanenten Konflikt zu geben.

Der Iran hat eine der bedeutsamsten geopolitischen Lagen der Welt.
Er liegt zwischen der Sowjetunion und
dem Zugang zu den Gewässern des Indischen Ozeans.
Die Geographie erklärt, warum die Sowjetunion eine Armee nach Afghanistan geschickt hat,
um das Land - und, wenn möglich - den
Iran und Pakistan zu beherrschen.

Seit
1983
haben
verschiedene
Staaten mit dem Versuch begonnen, direkte Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran herzustellen.
Europäische, nahöstliche und
fernöstliche Länder versuchten, als
Mittler aufzutreten.
Trotz amerikanischer Bereitschaft zu mehr Bewegung
trug keine dieser Bemühungen Früchte.

Die geographische Lage verleiht
dem Iran eine ganz entscheidende Position, von wo aus Gegner in die ölströme aus den arabischen Staaten
eingreifen könnten, die Anrainer des
Persischen Golfs sind. Von der Geographie abgesehen sind die Erdölvorräte des Iran wichtig für das langfristige Wohlergehen der Weltwirt-

Vor diesem Hintergrund reagierten
wir im vergangenen Jahr, als wir auf
die Möglichkeit hingewiesen wurden,
einen direkten Dialog mit iranischen
RegierungsVertretern einzurichten.

Einiger Fortschritt wurde bereits
erzielt.
Seit Beginn der Kontakte
zwischen der amerikanischen Regierung
und dem Iran gab es keine Beweise für
Komplizenschaft der iranischen Regierung bei Terrorakten gegen die Vereinigten Staaten. Einige Geiseln sind
nach Hause zurückgekehrt - und wir
begrüßen die Bemühungen, die die Regierung des Iran in Vergangenheit unternommen hat und derzeit unternimmt.

Lassen Sie es mich noch einmal
wiederholen.
Amerikas Ziele in der
Region sind seit langem:
Hilfe bei

- 3 -

�der Bewahrung der Unabhängigkeit des
Iran vor sowjetischer Domination;
Herbeiführung eines ehrenhaften Endes
des blutigen Krieges zwischen dem
Iran und dem Irak; Beendigung der
Verbreitung von Subversion und Terrorismus in der Region. Ein Haupthindernis bei diesen zielen war der
fehlende Dialog, die abgeschnittene
Verbindung zwischen uns.
Unserem Versuch
der Schaffung
besserer Beziehungen zwischen unseren
beiden Ländern liegt die strategische
Bedeutung des Iran und sein Einfluß
in der islamischen Welt zugrunde.
Unsere Gespräche wurden bis ins
Frühjahr dieses Jahres fortgesetzt.
Angesichts des unserer Meinung nach
bis
dahin
erzielten
Fortschritts
dachten wir daran, das Niveau der
diplomatischen
Kontakte
anzuheben.
Ein Treffen in Teheran wurde arrangiert. Ich ersuchte meinen ehemaligen Sicherheitsberater, Robert McFarlane, eine Geheimmission zu unternehmen und gab ihm ausführliche Instruktionen.
Ich ersuchte ihn, in
den Iran zu gehen, um dort einen Dialog zu eröffnen, wobei ich klar und
deutlich auf unsere Grundziele und
Meinungsunterschiede hinwies.
Die viertägigen Gespräche wurden
in zivilisierter weise geführt; amerikanisches Personal wurde nicht mißhandelt. Seither wurde der Dialog
fortgeführt und schrittweiser Fortschritt wird auch weiterhin erzielt.
Lassen Sie mich wiederholen: unseren Interessen wird eindeutig durch
die Eröffnung eines Dialogs mit dem
Iran gedient und dadurch zu einer Beendigung des Krieges zwischen dem
Iran und Irak beigetragen.
Dieser
Krieg zieht sich nun schon seit über
sechs Jahren hin, Aussicht auf eine
Verhandlungslösung
besteht
nicht.

Die Opfer auf beiden Seiten sind gewaltig; die nachteiligen wirtschaftlichen und politischen Folgen für
diese so wichtige Weltregion werden
immer größer. Wir haben versucht, in
diesem sinnlosen Kampf Verbindung mit
beiden Seiten aufzunehmen, um dabei
behilflich zu sein, eine Waffenruhe
und letztlich einen Frieden auszuhandeln. Wir sind dabei um Ausgewogenheit bemüht, indem wir mit beiden
Seiten wie auch mit anderen interessierten Staaten zusammenarbeiten, um
eine Ausweitung des Krieges zu verhindern.
Dieses heikle Unterfangen birgt
für die Beteiligten große Risiken.
Es steht außer Frage, daß wir diesen
Dialog nie hätten beginnen oder fortführen können, wäre die Initiative
eher aufgedeckt worden.
Wegen der
Publizität der vergangenen Woche ist
heute die gesamte Initiative in großer Gefahr.
Unsere Geschichte ist voll anderer Beispiele für diese Art Geheimdiplomatie. 1971 sandte der damalige
Präsident Nixon seinen nationalen Sicherheitsberater auf geheime Mission
nach China. In jenem Fall bestand,
wie heute, ein entscheidendes Bedürfnis nach Diskretion und nach gutem
Gespür für die Situation, in der sich
das Land befand, mit dem wir in den
Dialog einzutreten versuchen.
Seit der sicheren Rückkehr von
David Jacobsen, der als Geisel festgehalten worden war, gab es eine Unzahl an Spekulationen und Berichten,
die nicht nur falsch waren, sondern
auch für die Geisel potentiell gefährlich und sich zerstörerisch auf
die Chancen auswirken, die wir noch
haben.
Die Bemühungen so mutiger
Leute wie Terry Waite wurden gefährdet. Aber die falschen Gerüchte und
die irrigen Berichte nahmen so zu,

�daß das Risiko weiteren Schweigens
jetzt die Gefahren eines offenen Wortes überwiegen.
Und deshalb entschloß ich mich, heute abend zu Ihnen
zu sprechen.
Beispielsweise wurde viel darüber
berichtet,
daß
der
Kongreß
sowie
höchstrangige Angehörige der Administration u :igang&lt;jn worden wären. Obwohl die /on uns unternommenen Anstrengunger überaus heikel waren und
die Zahl &lt; er darin einbezogenen Regierungsmitgliecer auf diejenigen begrenzt
war,
3ie
unbedingt
davon
Kenntnis ru ben mußten, waren alle betioffenen ;abin?ttsangehörigen umfassend konsu .tier:. nie von mir autorisierten ichri^te standen in vollem
Einklang n it den Bundesgesetzen und
tun dies a ich weiterhin; auch die rel'Vinten K&gt;ngre3ausschüsse wurden und
w&lt; rien umf; ssenr informiert.

den Forderungen von Terroristen zu
beugen.
Diese Politik des "keine
Konzessionen" ist auch weiterhin gültig - trotz der wilden Spekulationen
und falschen Berichte über Waffen für
Geiseln und vermeintliche Lösegeldzahlungen.
Wir haben nicht - ich
wiederhole: nicht - Waffen oder dergleichen gegen Geiseln eingetauscht
und werden dies auch nicht tun. Jene, die glauben, wir seien gegenüber
dem
Terrorismus
"weich
geworden",
sollten über diese Frage mit Oberst
Gadhafi sprechen.
Wir haben nicht vor Terroristen
kapituliert - und werden dies auch
nicht tun.
Wir werden jedoch auch
weiterhin die lebenswichtigen Interessen unserer großen Nation fördern trotz Terroristen und Radikaler, die
versuchen, unsere Bemühungen zu untergraben und die Vereinigten Staaten
lahmzulegen.

Eine
veite:e Unterstellung bes eht darii, wir hätten uns im Golfkrieg auf die Seite des Iran gestellt.
?uch dies ist unbegründet.
W^r haben immer wieder die Gewalt auf
beiden Sei;en verurteilt. Wir haben
UMS immer wieder am eine Verhandlungslösun' bemüht, die die territoriale Integrität beider Staaten bewahrt.
Die Annäherungsversuche, die
w r beim Iran unternommen haben, sind
k ;i&gt;ie Verschiebung der Unterstützung
v &gt;n einer Seit? zur anderen. Vielmehr handelt es sich hierbei um eine
diplomatische Initiative, um im Iran
- wie auch im Irak - ein gewisses Maß
ai Zugang jnd Einfluß zu erhalten und
UM diesen blutigen Konflikt zu einem
ehrenvolle.i
Ende
zu
bringen.
Es
l\egt im Interesse aller Parteien in
der Golfrejion, diesen Krieg so bald
w e möglic i zu beenden.

Als Präsident habe ich immer in
der Überzeugung gehandelt, daß das
amerikanische Volk, mit den Tatsachen
vertraut, die richtige Entscheidung
treffen wird. Ich bin überzeugt, daß
dies auch jetzt richtig ist.

Ich fasse ?usammen: unsere Regier mg verfolgt eine klare politische
Linie, die d a r n besteht, sich nicht

Ich kann kein Ergebnis garantieren.
Aber wie in der Vergangenheit
erbitte ich Ihre Unterstützung, weil

Unsere Ziele waren und bleiben:
- Wiederherstellung
zum Iran,

der Beziehungen

- Herbeiführung
eines
ehrenvollen
Endes des Golfkrieges,
- Beendigung des staatlich unterstützten
Terrors
im
Mittleren
Osten und schließlich
- die sichere Heimkehr
seln aus dem Libanon.

- 5-

aller

Gei-

�ich glaube, daß Sie die Hoffnung auf
Frieden im Mittleren Osten teilen,
auf Freiheit für alle Geiseln und auf
eine Welt, die frei von Terrorismus
ist. Sicherlich gibt es bei der Verfolgung dieser ziele Risiken, aber
die Risiken sind noch größer, wenn
wir nicht unermüdlich weitermachen.
Es wird der Geduld und der Einsicht bedürfen; es wird des anhaltenden Widerstands gegon jene bedürfen,
die terroristische Handlungen begehen; und es wird der Zusammenarbeit
mit all jenen bedürfen, die die Welt
von dieser ?lage befreien wollen.

- 6

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

20. November 1986

39

REAGAN SIEHT FORTSCHRITTE IN GENF
Erklärung zum Abschluß der 6. Runde der NST-Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Den Abschluß der sechsten Runde der Verhandlungen über
Kern- und Weltraumwaffen (NST) in Genf nahm Präsident Reagan am 12. November
1984 zum Anlaß einer schriftlichen Erklärung, in der er darauf hinwies, daß
diese neue Runde "vielleicht die bislang produktivste" gewesen ist, obwohl die
Sowjets durch ihr Beharren auf einer Verknüpfung aller Elemente der nuklearen
Gleichung einen "großen Schritt rückwärts" taten.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Da der heutige Tag den Abschluß
der sechsten Runde der Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (NST)
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion signalisiert, möchte
ich diese Gelegenheit ergreifen, erneut unsere Verpflichtung zu bekräftigen, umfassende, ausgewogene und
verifizierbare
Verringerungen
der
amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale zu erreichen.
Solche
Verringerungen würden die Gefahr eines Atomkriegs mindern und eine weit
sicherere Welt schaffen.

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Als diese Runde vor acht Wochen
eröffnet wurde, zeigte sich darin die
Chance auf bedeutsame Fortschritte in
unserem Bemühen, die Zustimmung der
Sowjets zu umfassenden Verringerungen
der Kernwaffen
zu
erhalten.
Die
Hoffnung hierauf verstärkte sich noch
durch den Fortschritt, der im Verlauf
meines Treffens mit Generalsekretär
Gorbatschow in Reykjavik im vergangenen Monat erzielt wurde. Wir sprachen dort über die gesamte Bandbreite
der Themen, die unsere beiden Länder
betreffen - einschließlich der Men-

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�schenrechte, der regionalen Konflikte, der Rüstungsverringerung
sowie
der erweiterten bilateralen Kontakte
und der Kommunikation.
Insbesondere
hinsichtlich
der
Rüstungskontrolle
erzielten der Generalsekretär und ich
erhebliche Fortschritte bei der Annäherung der amerikanischen und sowjetischen Standpunkte bei mehreren zentralen Fragen:
Wir stimmten einer 50prozentigen
Verringerung der strategischen Offensivwaffen
im Verlauf der nächsten
fünf Jahre zu, die durch die Verringerung auf 1 600 strategische Trägersysteme und 6 000 Gefechtsköpfe bei
diesen Trägersystemen ergänzt werden
sollten.
- Wir
betonten die Notwendigkeit
erheblicher Einschnitte bei den
schweren
Interkontinentalraketen
der Sowjetunion, von denen die
destabilisierendste Wirkung ausgeht.
- Wir stimmten einer weltweiten Beschränkung auf 100 Gefechtsköpfe
bei den nuklearen Mittelstreckensystemen größerer Reichweite zu;
in Europa sollten keinerlei solche Raketen verbleiben.
Die Vereinigten Staaten schlugen
vor, weder sie selbst noch die UdSSR
sollten in den nächsten zehn Jahren
eine moderne strategische Verteidigung dislozieren, während Forschung,
Entwicklung und Erprobung, die der
ABM-Vertrag zuläßt, durchgeführt werden. Dies würde mit der Vereinbarung
gekoppelt, wonach während der ersten
fünf Jahre dieses Zeitraums die strategischen Offensivwaffen um 50 Prozent verringert und während der zweiten fünf Jahre alle verbleibenden offensiven ballistischen Raketen der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vollständig abgeschafft würden.

Wir verwiesen darauf, daß am Ende
dieser Zehnjahres-Frist
jede Seite
eine derartige Verteidigung dislozieren könnte, falls sie sich dazu entscheiden würde, es sei denn, die Vertragsparteien kämen zu einer anderen
Übereinkunft.
Herr Gorbatschow akzeptierte diesen Vorschlag nicht und
bestand stattdessen darauf, den ABMVertrag
restriktiver
zu gestalten,
indem er unsere Forschung ausschließlich auf das Labor begrenzt wissen
wollte, womit er letztlich die amerikanische Strategische Verteidigungsinitiative abwürgen würde.
Während dieser Runde legten unsere Unterhändler in Genf in aller Form
neue amerikanische Vorschläge, die
die
Bereiche
der
zwischen
Herrn
Gorbatschow und mir in Reykjavik erzielten
Übereinstimmung
widerspiegeln, sowie unsere anderen Vorschläge
auf den Tisch. Am 7. November unternahm auch die Sowjetunion durch Unterbreitung
von
Vorschlägen,
die
teilweise den in Reykjavik erzielten
Fortschritt
widerspiegeln,
einige
neue schritte.
Diese Bereiche der
Übereinstimmung können als Ausgangspunkt dienen, von dem aus die amerikanischen und sowjetischen Unterhändler
bedeutsame
Rüstungskontrollverträge schmieden könnten.
Dies ist
aber bislang noch nicht der Fall gewesen.
Obwohl dies vielleicht die
bislang produktivste Verhandlungsrunde gewesen ist, haben die sowjetischen
Unterhändler
bislang
noch
nicht entsprechend reagiert, um auf
dem
in Reykjavik
erzielten
Fortschritt
aufzubauen.
Stattdessen
schienen die Sowjets bisweilen mehr
an der Durchführung einer Öffentlichkeitskampagne
interessiert
als
am
Verfolg eines ernsthaften Gebens und
Nehmens am Verhandlungstisch.

der

- 2 -

Dies gilt vor allem für die Frage
Verringerung bei den nuklearen

�Mittelstreckensystemen.
Bei unserem
Gipfeltreffen vor einem Jahr in Genf
kamen Herr Gorbatschow und ich überein, dort weiterzumachen, wo es Bereiche der Übereinstimmung gibt, einschließlich eines INF-Zwischenabkommens. Die Sowjets bekräftigten diese
Position noch einmal durch Vorschläge, die sie zu Beginn dieses Jahres
unterbreiteten.
Und
sie verwiesen
nur wenige Tage vor unserem Treffen
in Island erneut auf das ziel eines
separaten INF-Abkommens. Jetzt aber
sind die Sowjets einen großen Schritt
rückwärts gegangen, indem sie darauf
bestehen, daß Fortschritt in allen
Bereichen der Rüstungskontrolle bei
den Kernwaffen in einem einzigen Paket verschnürt sein müsse. Diese Bemühung, Fortschritte in anderen Bereichen
der
Rüstungskontrolle
zur
Geisel einer Hinnahme des sowjetischen Versuchs zu machen, unser SDIProgramm zu vereiteln, ist für uns
ganz offenkundig unannehmbar.
Angesichts der anhaltenden sowjetischen Aufrüstung im Offensivbereich, der seit langer Zeit bestehenden und intensiven sowjetischen Programme bei der strategischen Verteidigung und angesichts der andauernden
sowjetischen
Nichteinhaltung
bestehender RüstungskontrollVereinbarungen
ist SDI für die künftige Sicherheit
der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten
von größter Bedeutung.
Amerika weiß, daß SDI das entscheidende Mittel war, um die Sowjets zur
Rückkehr zum Verhandlungstisch zu bewegen - und auch entscheidend für unsere Aussichten auf Abschluß eines
Abkommens mit den Sowjets zur Verringerung der Kernwaffen. Eine wirksame
strategische Verteidigung wäre eine
Versicherung gegen Betrug oder Aufhebung eines solchen Abkommens seitens
der Sowjets.
Außerdem wäre sie für
die Sowjets ein fortwährender Anreiz,
bei den Offensivwaffen auf weitere

Verringerungen
hinzuarbeiten.
SDI
ist daher eine lebenswichtige Versicherungspolice, die wir nicht wegverhandeln können und nicht wegverhandeln werden. Dies ist eine Verpflichtung, die ich gegenüber dem amerikanischen Volk eingegangen bin und dazu
stehe ich.
Die
amerikanischen
Unterhändler
haben schwer daran gearbeitet, den in
Reykjavik
erzielten Fortschritt
in
konkrete,
neue
Abrüstungsvorschläge
umzusetzen.
Diese
neuen amerikanischen Vorschläge liegen nun zusammen
mit einigen neuen sowjetischen Vorschlägen in Genf auf dem Verhandlungstisch. Hoffen wir, daß die Sowjets, wenn die Verhandlungen, wie
bereits vereinbart, am 15. Januar
wieder aufgenommen werden, mit uns
zusammen darangehen werden, zum erstenmal in der Geschichte bedeutende
Verringerungen bei den Kernwaffen zu
erreichen.
Solche
Verringerungen
sind
jetzt
in unserer Reichweite,
wenn die Sowjets sich uns in dem
ernsthaften Bemühen um Abkommen anschließen, die für beide Seiten ausgewogen und stabilisierend sind und
im Interesse der ganzen Welt liegen.
Wir sind dazu bereit. Wir warten auf
die
sowjetische
Bereitschaft
zum
Schritt nach vorn.

- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

**

39

20. November 1986

FREIER HANDEL MIT AGRARPRODOKTEN: GEBOT
FÜR EIN GESUNDES WELTHANDELSSYSTEM
- Ansprache von Botschafter Burt in Hamburg HAMBURG - (AD) - In einer Ansprache vor dem Waren-Verein der Hamburger
Börse e.V. hat Botschafter Richard R. Burt am 18. November 1986 davor gewarnt,
daß die Vereinigten Staaten und Europa sich im Bereich der Agrarpolitik auf
Kollisionskurs befinden. Er betonte, daß ein freier Agrarhandel für die Aufrechterhaltung eines offenen Welthandelssystems unerläßlich ist. Burt erklärte, "wenn es uns nicht gelingt, anstehende Probleme der Landwirtschaft in den
Griff zu bekommen, wird es in den Vereinigten Staaten als Gegenreaktion protektionistischen Druck geben". Dies würde sich auch auf die transatlantischen
Beziehungen in der Sicherheitspolitik auswirken.
Die Äußerungen des Botschafters haben folgenden Wortlaut:
Verehrter Herr Freytag, Dr. Graf
Lambsdorff, meine Damen und Herren*.
Wir sind hier in Hamburg zusammengekommen, der Stadt, die vor Hunderten von Jahren in der Hanse, einem
der großen Handelsbündnisse der Weltgeschichte, zu gewaltigem Wohlstand
gelangte. Ein zentrales Anliegen für
die Hanse war der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen.
Heute
hat sich nicht viel verändert: Die
Bundesrepublik Deutschland nimmt nach
wie vor eine Schlüsselstellung im
wichtigsten
Handelssystem
der Welt

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ein, und der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten bleibt lebenswichtiger Bestandteil dieses Handelssystems, in dem wir alle zu Wohlstand
gelangt sind.
Ich möchte daher zu Ihnen ein wenig über den Handel mit landwirtschaftlichen Gütern sprechen,
- über seine Bedeutung für Deutsche
und Amerikaner gleichermaßen,
- über die Probleme, die er uns bereitet
- und über Lösungen, die wir zusam-

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Telex: 8-85432

�men erarbeiten müssen.

wohl mit Offenheit als auch mit politischem Mut angehen.

Seit meiner Ankunft in Deutschland im vergangenen Jahr habe ich
wiederholt gesagt, daß sich die Beziehung
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik zu einer "reifen Partnerschaft" entwikkelt.
In vielen Bereichen gibt es
eine bemerkenswerte Übereinstimmung
unserer Ansichten.
Auf geopolitischer Ebene sehen sich Europa und die
Vereinigten Staaten derselben Bedrohung gegenüber und stehen in der NATO
für unsere gemeinsame Verteidigung
fest zusammen. Wir arbeiten darüber
hinaus bei einer großen Bandbreite
außenpolitischer Themenkreise zusammen, wie etwa beim Terrorismus, bei
Südafrika und dem Mittleren Osten.
Ein Aspekt dieser "reifen Partnerschaft" ist unsere Fähigkeit, miteinander über die Punkte zu sprechen,
bei denen unsere Ansichten auseinandergehen. Einer dieser Punkte ist im
Augenblick der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten. Manche mögen
diesen Bereich als nicht so wichtig
einschätzen wie etwa die Beziehungen
auf
sicherheitspolitischer
Ebene;
trotzdem glaube ich, daß der Handel
an erster und zentraler stelle stehen
muß.
Das offen und ehrlich geführte
Gespräch unter Freunden ist ein wesentlicher Bestandteil einer reifen
Partnerschaft, und gerade Offenheit
ist bei diesem Thema notwendig. Wenn
es uns nicht gelingt, anstehende Probleme der Landwirtschaft in den Griff
zu bekommen, wird es in den Vereinigten Staaten als Gegenreaktion protektionistischen Druck geben. Ein größerer Ruck zum Protektionismus würde
sich unweigerlich auf die transatlantischen Beziehungen in der Sicherheitspolitik auswirken.
Aus diesem
Grund müssen wir das Thema Handel so-

Das Dilemma, dem wir uns heute in
der
Landwirtschaft
gegenübersehen,
geht weit über den Handel selbst hinaus. Wir sprechen über die Notwendigkeit der Umstrukturierung eines
wesentlichen Elements unserer Volkswirtschaften. Solch radikaler Wandel
muß besonders durch die Art und Weise, wie wir ihn beeinflussen, sowohl
politische als auch wirtschaftliche
Auswirkungen haben. Im Bereich des
Handels könnten wir heute sehr wohl
an dem Punkt angelangt sein, wo es um
die Zukunft des Multilateralismus, um
die Stärke der westlichen Volkswirtschaften und die Lebensfähigkeit der
Volkswirtschaften
in den Entwicklungsländern geht.
Vor etwas über 20 Jahren erklärte
Indonesiens Präsident Sukarno, um
seine Wähler auf gewisse politische
und wirtschaftliche Schwierigkeiten
vorzubereiten:
"Dieses Jahr leben
wir gefährlich".
Heute leben auch
die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft "gefährlich" und
werden dies weiterhin tun, wenn sie
nicht mit ihren Handelsproblemen fertigwerden.
Sie als Mitglieder des Waren-Vereins kennen und schätzen die Vorzüge
eines Klimas des freien Handels. Sie
kennen ferner die Nachteile und Verzerrungen für den Handel, die auftreten können, wenn Institutionen und
Regierungen in solchem Umfeld intervenieren. Wir können es uns nicht
leisten, zu vergessen, wie alle Länder - auch meines - in den dreißiger
Jahren zugelassen haben, daß der Protektionismus den Handel erstickt und
damit die weltweite wirtschaftliche
Not hervorgerufen hat, die zum Aufstieg der Diktatur und zum Zusammenbruch einer friedlichen Weltordnung

- 2 -

�beitrug.
Die
kostspieligen
Auswirkungen
einer über das natürliche Maß hinausgehenden Unterstützung unserer Landwirte werden für uns alle sichtbar.
Erstens belasten wir die öffentliche
Hand
und
fügen unseren Volkswirtschaften
erheblichen
Schaden
zu.
Zweitens bereiten wir uns selbst und
einander ernsthafte Schwierigkeiten,
die zu einer Belastung der Grundstruktur unserer Beziehungen zu werden drohen. Drittens schaden wir anderen Exporteuren, die nicht subventionieren und von denen viele unsere
engen Verbündeten sind.
Schließlich
richten wir großen Schaden bei den
Entwicklungsländern an, indem wir sie
bei
ihrem Bemühen behindern, sich
ausreichend
mit Nahrungsmitteln
zu
versorgen und selbst Agrarexporte zu
exportieren, um auf diese Weise ihre
Schuldenprobleme zu lösen.
Ich möchte Ihnen einige unserer
sehr realen Sorgen über die Politik
der Gemeinschaft vortragen und auch
darüber sprechen, warum wir unsere
europäischen Freunde so sehr drängen,
die
augenblicklich
unbefriedigende
Struktur mit Nachdruck zu reformieren. In den letzten fünf Jahren haben die Vereinigten Staaten in ihrer
Handelsbilanz mit der EG einen dramatischen
Umschwung
wahrgenommen.
Vor 1984 verzeichneten die Vereinigten Staaten durchgängig Zahlungsbilanzüberschüsse gegenüber der Gemeinschaft. 1980 belief sich unser Überschuß im Handel auf 18 Milliarden
Dollar. Für 1986 prognostizieren wir
hingegen ein Handelsbilanzdefizit von
23 Milliarden Dollar.
Das bedeutet
einen Umschwung im Handel zugunsten
der Gemeinschaft von über 40 Milliarden Dollar in sechs Jahren.
Einer der
hinter
dieser

wesentlichen
Entwicklung

Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Seit 1980 ist der Absatz
von amerikanischen Agrarprodukten in
der EG um 40 Prozent zurückgegangen.
Unser Überschuß im Agrarhandel ist um
über fünf Milliarden Dollar gesunken.
Ende des Jahres 1985 hatte dieser
Handelsüberschuß
im
landwirtschaftlichen
Sektor
seinen
niedrigsten
Stand erreicht und könnte in Zukunft
völlig verschwinden.
Diese Entwicklungen stehen im Gegensatz zum Aufstieg der Europäischen Gemeinschaft
zum zweitgrößten Exporteur von Agrarprodukten in der Welt im selben Zeitraum. Unseren Beobachtungen nach ist
es den gegenwärtigen Trends zufolge
wahrscheinlich, daß die EG 1986 die
Vereinigten Staaten als den größten
Exporteur von Agrarprodukten überrunden wird - ein Faktum, das vor einigen Jahren niemand auch nur im entferntesten für möglich gehalten hätte.
Dies wäre gerecht und durchaus
zum Vorteil der Welt, wenn Europa Agrarprodukte billiger als die Vereinigten Staaten produzieren könnte.
Aber diese Verschiebung in der Struktur des Handels ist das Ergebnis von
Subventionen und Handelsbeschränkungen, die die Weltmärkte zu unser aller Nachteil verzerren.
Heute ist die EG der Welt größter
Exporteur von Butter, Geflügel, Rindfleisch und Weißzucker.
In keinem
dieser
Bereiche
produziert
Europa
vergleichsweise billiger als andere
Anbieter. Aufgrund hoher Stützpreise
stieg die Produktion dieser und anderer
Erzeugnisse
in
einer
Periode
weltweit stagnierender Nachfrage weiter an.
Die EG wiederum hat versucht, ihre Überschußproduktion auf
den Weltmärkten abzusetzen, indem sie
Exportsubventionen benutzte, um die
Anhäufung lästiger Vorräte auf ein
Mindestmaß zu beschränken.

Faktoren
ist der
- 3 -

Die wurzeln für diese Entwicklung

�liegen in der Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft. Die Grundsätze dieser gemeinsamen
Agrarpolitik
von 1962 - garantierte Versorgung mit
Nahrungsmitteln in Zeiten der Knappheit und faire Erträge für die Bauern
- entsprangen sicherlich guten Motiven. Wir alle möchten, daß die Landbevölkerung einen gerechten Anteil am
Wohlstand unserer Länder erhält. Ein
freierer Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen innerhalb der Gemeinschaft war wirtschaftlich zweifellos sinnvoll.
Gleichzeitig mußten die amerikanischen Bauern jedoch relativ hilflos
mit ansehen, wie die EG von einem bedeutenden
Importeur
amerikanischer
Agrarprodukte bei vielen dieser Produkte zum Konkurrenten wurde. Diese
Verlagerung beim Handel hatte deutlich sichtbare Auswirkungen auf die
amerikanische Wirtschaft.
Die Deutschen und andere Europäer sollten
verstehen, daß die Amerikaner einen
starken und florierenden Agrarsektor
als einen der wichtigsten Bestandteile der amerikanischen Wirtschaft ansehen. Wegen des Oberflusses an äußerst ertragreichem Boden waren wir
in der Lage, auf eine steigende inländische und internationale Nachfrage nach Nahrungsmitteln zu reagieren
und damit die Devisen zur Ankurbelung
unseres Importmarktes zu verdienen eines Marktes, der Dreh- und Angelpunkt
weltweiter
wirtschaftlicher
Prosperität gewesen ist.
Als Reaktion auf die neue europäische Rolle im Agrarhandel haben
wir ebenfalls damit begonnen, auf die
von der EG angewandten Praktiken zurückzugreifen.
Wir nähern uns deshalb einem massiven Subventionskrieg zwischen der
Europäischen
Gemeinschaft
und
den
Vereinigten Staaten, und die ausge-

dehnte Anwendung von Exportsubventionen kommt beiden Seiten immer teurer
zu stehen. Zum Beispiel hat die EG
vor kurzem ein Geschäft mit der Sowjetunion abgeschlossen, bei dem sie
Weizen, für den sie selbst 210 Dollar
pro Tonne bezahlt hatte, für 75 Dollar verkaufte. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich gefrorenes Geflügel für 875 Dollar pro Tonne an Ägypten verkauft, gewährten den Exporteuren aber einen "Ausfuhrbonus" im Wert
von 1 210 Dollar pro Tonne.
Dies
sind lediglich zwei Beispiele für den
wirtschaftlichen Unsinn, der heute im
landwirtschaftlichen
Bereich
vorherrscht.
Das Interesse des Kongresses am
Schutz der amerikanischen Landwirtschaft in einem feindlichen Handelsumfeld hat die Kosten der Unterstützungsprogramme für die Bauern drastisch in die Höhe getrieben. In diesem Jahr werden die Ausgaben aller
Bundesprogramme
für
die
Landwirtschaft
in den Vereinigten Staaten
über 30 Milliarden Dollar betragen.
Dieser Betrag ist größer als die Nettoerträge aller amerikanischen Farmen
zusammengenommen.
Im Jahr 1981 hatten diese Ausgaben noch bei vier Milliarden Dollar gelegen. All dies muß
vom Steuerzahler getragen werden.
Auf der europäischen Seite des
Atlantik sind die Kosten für die
Stützung der Landwirtschaft ebenfalls
gewaltig.
Die EG verwendet heute
über zwei Drittel ihres Haushalts für
diesen Zweck.
Die Agrarpolitik der
EG wird in diesem Jahr den Haushalt
der Gemeinschaft mit gut 20 Milliarden Dollar belasten, und darin sind
eine Reihe von Subventionsprogrammen
der
einzelnen Mitgliedstaaten
noch
nicht berücksichtigt. Auch die höheren Nahrungsmittelpreise, die der europäische Verbraucher auf Grund dieser Programme zahlen muß, sind in

�dieser Summe nicht enthalten.

unsere Kongreßabgeordneten über
Entwicklungen im Handel sind.

Beim Drängen auf Reformen in der
Agrarpolitik der EG, darunter Maßnahmen zur Verringerung der Uberschußproduktion, stand die Bundesrepublik
Deutschland sicherlich an vorderster
Front. Gleichzeitig hat die Bundesrepublik jedoch im Rahmen der gemeinsamen
Agrarpolitik
eine
interne
Preispolitik unterstützt, die einer
Befürwortung von Maßnahmen zur Produkt ionseinschränkung
zuwiderläuft.
Nach dem heutigen stand genießen die
deutschen Bauern bei vielen Produkten
garantierte Mindestpreise.
Sie können fast alle ihre Produkte unabhängig von Angebot und Nachfrage absetzen.
"Butterberge" sind für Europa
noch immer ein fast ebenso vertrautes
Bild wie die Alpen, trotz der Bemühungen,
die
Milchproduktion
unter
Kontrolle zu bringen.
In Anbetracht der vielen widersprüchlichen Zwänge im Bereich der
Landwirtschaft machen die Amerikaner
sich Sorgen über das Tempo, in dem
sinnvolle Reformen möglich sind.
Wegen unserer Befürchtungen über
die Möglichkeit sinnvoller Veränderungen hierzulande wächst in den Vereinigten Staaten der Druck, einseitige Maßnahmen als Vergeltung für unfaire Handelspraktiken
einzuführen.
Präsident Reagan, ein energischer Befürworter des freien Handels und zuverlässiger Freund Europas sah sich
dieses
Jahr
einem
amerikanischen
Kongreß gegenüber, der entschlossen
war, mit der EG zu wetteifern. Nach
Jahren des Spiels "auf abschüssigem
Terrain" war der Kongreß der Meinung,
es sei an der Zeit, sich die Spielregeln der Europäer zu eigen zu machen.
Dazu
gehören
Subventionen.
Man
braucht nur einige unserer Kongreßanhörungen zu studieren, um ein Gefühl
dafür zu entwickeln, wie frustriert

die

In der soeben beendeten Sitzungsperiode des Kongresses wurden 67 Gesetzentwürfe protektionistischen Inhalts eingebracht. Nicht alle diese
Maßnahmen wurden Gesetz.
Die Zahl
vermittelt jedoch einen Eindruck von
dem Gefühl der Dringlichkeit, ja des
Zorns, das im Kongreß herrscht, wenn
der Schutz unserer Handelsinteressen
zur Debatte steht.
Vertreter
der neuen Mehrheitsfraktion der Demokraten im Kongreß
haben erklärt, daß die Handelsgesetzgebung im Jahr 1987 für sie oberste
Priorität haben wird.
Man braucht
sich nur einmal das Parteiprogramm
der
Demokratischen
Partei
anzuschauen, um zu wissen, daß derartige
Gesetze
nicht
im Interesse
eines
freien und offenen Welthandelssystems
liegen.
Das vom vorigen Kongreß verabschiedete Landwirtschaftsgesetz gibt
ein Bild zukünftiger Trends. Gerade
dieses Gesetz markiert eine scharfe
Abwendung von der Politik des freien
Handels, wie sie in den vergangenen
40 Jahren von den Vereinigten Staaten
verfolgt wurde. Ein ganzer Abschnitt
dieses Gesetzes ist dem internationalen Handel mit Agrarprodukten gewidmet. Es schreibt eine neue aggressive Exportpolitik vor, einschließlich
der Anwendung von Ausfuhrsubventionen, um der EG auf Drittmärkten energisch entgegenzutreten.
Wir glauben nicht, daß Subventionen als Mittel des Wettbewerbs eine
langfristige Lösung für das Problem
des
Agrarhandels
darstellen.
Es
sollte
vielmehr
allen
Beteiligten
klar sein, daß eine langfristige Lösung nur dann möglich ist, wenn wir
unsere Produktion auf ein realist-

- 5 -

�isches Niveau absenken. Mit unserem
Landwirtschaftsgesetz tun wir dies;
unter hohen Kosten für den Steuerzahler und auch unter hohen Kosten für
diejenigen
im
landwirtschaftlichen
Bereich, die in der Vergangenheit von
der
Uberschußproduktion
profitiert
haben.
Ziel der Vereinigten Staaten ist
es, eine marktorientierte Landwirtschaftspolitik einzuführen, durch die
Produktionsentscheidungen an Marktpreise gebunden und Hilfsprogramme
für die Einkommen der Bauern von den
? roduktionsentscheidungen abgekoppelt
werden. Dies ist das längerfristige
Ziel des Landwirtschaftsgesetzes von
1985. Auch deshalb drängt die Administration auf eine Reform des weltweiten Agrarhandelssystems und der
Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft.
Zusätzlich zu den Exportsubventionen der EG stehen wir derzeit auch
noch vor einigen sehr beunruhigenden
Entwicklungen beim amerikanischen Zugang zu den Märkten der Europäischen
Gemeinschaft.
Wir unterstützen eine größere und
stärkere EG. Wir haben mit Nachdruck
die jüngste Erweiterung der Gemeinschaft beim Beitritt Spaniens und
Portugals unterstützt. Wir sehen jedoch keinen Grund dafür, warum eine
größere EG zu Lasten der amerikanischen Bauern gehen sollte. Sie sehen im Moment mehr als eine halbe
Milliarde Dollar an Exporten zur
Iberischen Halbinsel in Gefahr.
Auch die nichttarifären Handelsschranken bleiben ein Grund des Ärgernisses. Eine davon bedroht derzeit unsere Fleischexporte in die Gemeinschaft. Wir halten unser System
der Fleischkontrolle für hervorragend, garantiert es doch Fleisch von

höchster
und
sicherster Qualität.
Wir beobachten daher mit Argwohn, wie
unbegründete Befürchtungen wegen Kontrollverfahren
und Verwendung von
Hormonen als Mittel verwendet werden,
um den Verkauf unserer Produkte hier
zu verbieten.
Kürzlich haben wir ein Problem
beim Hopfenhandel zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland durch wissenschaftliche
Mittel und offenen Informationsaustausch erfolgreich gelöst. Ich hoffe, daß wir diese gerade von mir angesprochenen Probleme auf ähnliche
Weise aus der Welt schaffen können.
Wir wissen, daß wir Probleme haben, aber Amerikaner wollen auch Lösungen anstreben. In dieser Hinsicht
sind wir davon überzeugt, daß dauerhafte Lösungen nicht einseitig, sondern kooperativ sind, gegründet auf
bilaterale und multilaterale Vereinbarungen. Ich denke, im Prinzip teilen wir alle diese Verpflichtung.
Beim OECD-Ministertreffen im April und auf dem Weltwirtschaftsgipfel
in Tokio im vergangenen Mai kamen die
führenden Persönlichkeiten der Industriestaaten überein, daß die Landwirtschaft jetzt an die Spitze der
internationalen
Wirtschaftstagesordnung gehört. Wir haben kürzlich die
Vorarbeiten beendet, die zur 8. Runde
der GATT-Verhandlungen, der UruguayRunde, führen werden. In Punta del
Este kamen die Spitzen der wichtigsten Staaten überein, daß die Landwirtschaft als Thema höchster Priorität behandelt werden muß. Sie erkannten, daß ein Scheitern bei der
Vereinbarung einer neuen Runde ernsthafte Gefahren für das internationale
Handelssystem bedeuten und zu einem
scharfen Anstieg des Protektionismus
in allen Bereichen des Handels führen
würde.
_

�Es ist an der Zeit, das Chaos im
Handel mit landwirtschaftlichen Produkten zu beenden und von einseitigen
zu kooperativen Lösungen unserer gemeinsamen
Probleme
zu
gelangen.
Durch den Versuch, auf die Landwirtschaft andere Regeln anzuwenden als
auf den Handel mit Industriegütern,
haben wir den Landwirten in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen
Welt Unruhe, Ungerechtigkeiten
und
gewaltige Sorgen bereitet.
In Punta
del Este wurden alle Probleme des Agrarhandels
auf den Verhandlungstisch
gelegt, da die Beteiligten sich der
dringenden Notwendigkeit bewußt waren, dieses schwierige Problem anzugehen. Ganz oben auf der Liste stehen dabei die
landwirtschaftlichen
Subventionen,
die
den
effizienten
Landwirt schädigen und die Budgets
der Länder sprengen, die sie einsetzen.
Wir haben uns auch entschlossen, uns mit der ganzen Bandbreite
der Beschränkungen des Marktzugangs
auseinanderzusetzen, die den Handel
betreffen - einschließlich der gesundheitspolitischen
Maßstäbe.
Bei
entsprechender Zusammenarbeit können
wir dieses ministerielle Mandat bald
in konkrete Ergebnisse umsetzen.

Viele amerikanische Bürger sind
skeptisch über die Aussichten multilateraler Verhandlungen.
Die Vereinigten Staaten brauchen ein multilaterales Abkommen, um die Öffentlichkeit davon
zu überzeugen, daß
auch die anderen willens sind, Änderungen im eigenen Land durchzuführen.
Für kurze Zeit ist eine günstige Gelegenheit hierzu gegeben, und wir
brauchen
den
politischen
Mut, um
jetzt in positivem Geist zu handeln.
Es besteht für uns die dringliche
Notwendigkeit, all die Fragen, die
den
Agrarhandel
betreffen,
einer
strengeren und wirksameren GATT-Regelung zu unterwerfen.
Auch wir sind
voll und ganz bereit, unsere Agrarhandelspolitik zu überprüfen und, wo
notwendig, zu berichtigen.
Ich bin überzeugt, daß das Welthandelssystem bewahrt und ein besseres Umfeld für den Handel erreicht
werden kann, wenn wir bereit sind,
drei wesentliche Schritte zu unternehmen.

Die Durchführung der Uruguay-Runde ist ein wichtiger Schritt vorwärts
in Richtung auf die Verwirklichung
unseres Ziels der Handelsliberalisierung, aber es ist nur ein erster
Schritt. Wir können keine unmittelbaren Resultate erwarten; aber andererseits dürfen sie auch nicht zu
lang auf sich warten lassen. In der
Zwischenzeit werden die Vereinigten
Staaten auch weiterhin eine Politik
zur Erhöhung der Handelschancen verfolgen, einschließlich der konsequenten Anwendung von Gesetzen, die die
Probleme der unfairen Handelspraktiken anderer Staaten angehen.

- 7 -

- Erstens müssen wir durch Abbau
der Zollschranken, denen sich der
Handel gegenübersieht, den Zugang
zum
Markt
verbessern.
Diese
Hemmnisse können die Gestalt von
Abgaben,
Importquoten,
Zöllen
oder speziellen Steuern annehmen.
Es gibt sie sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der
EG; die meisten wurden errichtet,
um bestimmte Sektoren zu schützen, die für den Handel des jeweiligen
Landes von besonderem
Interesse sind. Der Abbau dieser
Zollschranken wird den Handelsfluß und das Wohlergehen aller
erleichtern.
- Zweitens müssen wir wettbewerbsmäßig durch eine diszipliniertere

�Verwendung von Subventionen das
Umfeld
verbessern.
Leider
scheint es so, als seien Subventionen in der heutigen Landwirtschaft endemisch.
Subventionen
sind vielleicht der am meisten
verzerrende Faktor im Welthandel.
Durch ihre allmähliche Beseitigung können wir wieder in einem
freien Handelsumfeld agieren.
Drittens müssen wir die nachteiligen Auswirkungen der nichttarifären Handelsschranken auf ein
Minimum beschränken. Viele davon
treten in Gestalt unrealistischer
Vorschriften für Zweigniederlassungen von Firmen und Gesundheitsbestimmungen bei Tieren auf.
Sowohl die EG als auch die Vereinigten Staaten wollen ihren inund
ausländischen
Verbrauchern
ein sicheres, gesundes Nahrungsmittelangebot garantieren.
Aber
wenn diese Vorschriften mehr zum
Zweck der Behinderung von Importen als zum Schutz der Gesundheit
erlassen werden, dann muß man sie
abschaffen.
Ob auf bilateraler oder multilateraler Ebene: die Verbesserung der
Regeln für den Welthandel ist eine
absolute Notwendigkeit, um das für
unsere Volkswirtschaft so lebenswichtige Umfeld des freien Handels zu
schützen und zu fördern. Ein im Fundament freier und offener Märkte verwurzeltes
Handelssystem
ist
der
Schlüssel zu wirtschaftlichem Wohlergehen.
Die transatlantische Zusammenarbeit bei einer marktorientierten
Politik im internationalen Handel sowie eine Verringerung der Handelsschranken und anderer unfairer Handelspraktiken wird
wesentlich zur
Verbesserung der Handelsaussichten und damit zu Wohlstand für jedermann
- beitragen.

Über Nacht wird sich nichts ändern. Aber wir müssen die Resultate
der neuen Uruguay-Runde als Fundament
benutzen, das ein dem weltweiten
Wohlstand förderliches Umfeld für den
Welthandel schafft. Die Alternative
- der Protektionismus - existiert.
Ich muß es wiederholen: "Wir leben
gefährlich".
Lassen Sie uns alles
tun, um wirklich sicher sein zu können, daß die Gefahr nicht zur Realität wird. Lassen Sie uns alles tun,
um sicherzustellen, daß eine Politik
des freien Handels, die unserer Generation so viel Reichtum und so viele
Vorteile beschert hat, dasselbe auch
den
nachfolgenden
Generationen
bringt. Die Hanse des Mittelalters
ging unter, weil sie sich dem Wandel
nicht anpassen konnte.
Ich denke,
wir im 20. Jahrhundert sind klug und
weitsichtig genug, um es besser zu
machen.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
^7

^

Hintergrundmaterial

C&amp;

20. November 1986

39

RÜSTUNGSKONTROLLE NACH REYKJAVIK
- Von Paul Nitze -

WASHINGTON - (AD) - Der Autor des nachfolgend abgedruckten Artikels ist
Sonderberater in Rüstungskontrollfragen für Präsident Reagan und Außenminister
Shultz. Der Artikel erschien in der hier abgedruckten Passung erstmals in der
Washington Post vom 9. November 1986.

Beim Gipfel in Reykjavik entstanden zwischen den Vereinigten Staatne
und der Sowjetunion grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die von
den Sowjets vorgeschlagenen Beschränkungen
der strategischen Verteidigungsinitiative. Diese über den ABMVertrag von 1972 hinausgehenden Vorschläge zur Beschränkung gehörten zu
den Punkten der Uneinigkeit, die einen umfassenden Rahmen für ein vorhersehbares und stabiles Management
bei der Rüstungskontrolle blockiert
haben.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Die Vereinigten Staaten glauben,
daß sich beide Seiten strikt an den
ABM-Vertrag in seiner jetzigen Fassung halten sollten. Die Vereinigten
Staaten sollten keine über den Vertrag
hinausgehenden
Beschränkungen
bei Entwicklung und Erprobung hinnehmen. Wir müssen ferner sowohl unsere Besorgnis über die sowjetischen
Aktivitäten im ABM-Bereich zur Sprache bringen, die der Vermutung Raum
geben, daß sie auf ihrem eigenen Territorium ein Raktenabwehrsystem vorbereiten, als auch unsere Überzeugung, daß die Sowjets die Radaranlage

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�von Krasnojarsk abbauen sollten, deren Errichtung den ABM-Vertrag direkt
verletzt.
Im Gegensatz zur Haltung der Vereinigten Staaten haben die Sowjets in
Island vorgeschlagen, daß der ABMVertrag geändert werden sollte, um
Forschung und Erprobung aller weltraumgestützten Elemente oder Komponenten einer ABM-Verteidigung auf das
Labor zu beshränken. Die Sowjets beabsichtigten damit, uns bei unserem
SDI-Forschungsprogramm strengere Beschränkungen aufzuerlegen, als dies
durch den ABM-Vertrag geschieht. Solche zusätzlichen Beschränkungen wären
das Ende des SDI-Programms.
Die Vereinigten Staaten glauben,
daß die Art der durch den ABM-Vertrag
gestatteten und verbotenen Aktivitäten, wie sie aus Vetragstext und Verhandlungspapieren hervorgehen, klar
ist.
Die sowjetische Seite möchte
jedoch unter dem Vorwand, den ABMVertrag "stärken" zu wollen, den Vertrag so ergänzen, daß er nunmehr Aktivitäten verbietet, die ursprünglich
nicht verboten werden sollten.
Präsident Reagan konnte das nicht
akzeptieren.
Er hat statt dessen
vorgeschlagen, daß sich beide Seiten
strikt an die Beschränkungen des ABMVertrages halten sollten.
Wenn wir diese Themenkreise näher
untersuchen, sollten wir damit beginnen, zwischen Forschung und Entwicklung zu unterschieden. Der ABM-Vertrag verwendet das Wort "Forschung"
nicht. Bei den SALT I-Verhandlungen
haben weder die Delegation der Vereinigten Staaten noch die der Sowjetunion daran geglaubt, daß es möglich
wäre, Beschränkungen bei der Forschung zu verifizieren. Keine Seite
möchte eine Beschränkung der Forschung, und der ABM-Vertrag versucht

auch keine solche Beschränkung.
Die Vereinigten Staaten haben in
der Vergangenheit bereits in dem von
Harold Brown in einer Erklärung vor
der
sowjetischen
Delegation
bei
SALT I beschriebenen Sachverhalt immer "Forschung" von "Entwicklung" unterschieden.
Forschung
beinhaltet
die Erstellung einer Konzeption und
deren Tests, die sowohl innerhalb wie
auch außerhalb des Labors durchgeführt werden. Die Entwicklung folgt
auf die Forschung und liegt noch vor
den in großem Stil durchgeführten
Tests von Systemen und Teilen, die
für die eigentliche Stationierung bestimmt sind. Die Entwicklung eines
Waffensystems beginnt mit Konstruktion und Erprobung eines oder mehrerer Prototypen des Systems oder seiner wichtigsten Bestandteile.
Die
grundlegenden
Bestimmungen
des ABM-Vertrages sind wohlbekannt.
Artikel I verbietet die Stationierung
von Raketenabwehrsystemen zur Verteidigung des gesamten Territoriums einer Nation. Er beschäftigt sich mit
Systemen, nicht mit deren Bestandteilen, und er verbietet die Stationierung, nicht die Tests.
Artikel V
verbietet die Entwicklung, Erprobung
und Stationierung
see-, luft- und
weltraumgestützter wie auch mobiler
landgestützter
Raketenabwehrsysteme
und deren Bestandteile und nimmt die
1972

niederlegten

physikalischen

Prinzipien als Grundlage.
Auf der anderen Seite erlaubt der
ABM-Vertrag vier allgemeine Bereiche
der Entwicklungs- und Erprobungstätigkeit.
Eine entscheidende Frage zur Definition eines solchen Bereichs erlaubter Aktivität hängt mit einem Kodizill zusammen, das als Übereinkunft
D bekannt ist. Diese Erklärung be2 -

�schäftigt sich mit der Möglichkeit,
daß in Zukunft ABM-Systeme oder deren
Bestandteile entwickelt werden könnten, die "andere physikalische Prinzipien" als Grundlage haben. Solche
hochmodernen Verteidigungssysteme und
deren Bestandteile werden vom Vertrag
anders behandelt als diejenigen, die
in Artikel II näher definiert sind
und denen Technologien von 1972 zugrunde liegen. Übereinkunft D sieht
vor,
daß
die Stationierung
solch
hochmoderner Systeme, nicht
jedoch
deren Entwicklung oder deren Erprobung, von Diskussionen und Übereinkünften abhängig gemacht werden müssen. Deshalb sind die Beschränkungen
von Artikel V nicht auf die Entwicklung und Erprobung moderner Verteidigungsysteme oder deren Bestandteile
anzuwenden.
Diese Auslegung der Übereinkunft
D, die auch als die "weitere" Interpretation
beschrieben
wurde,
ist
durch den Vertragstext und die Verhandlungsdokumente völlig gerechtfertigt.
Der Präsident hat trotzdem
entschieden,
daß
die
Vereinigten
Staaten
das
ursprünglich
geplante
SDI-Programm
nicht
umstrukturieren
werden,
solange
die
Überzeugung
herrscht, daß die Ziele dieses Programms
eingehalten
werden
können.
Deshalb brauchen Sie auch nicht ihre
SDI betreffenden Aktivitäten entsprechend dieser "weiteren" Interpretation des Vertrages durchzuführen, um
die Ziele der SDI-Forschung zu erlangen.

über hinaus erlaubt er Tests von Systemteilen, die im Sinne von ABM keine Fähigkeit zur Raketenabwehr (z.B.
gegen Satelliten)
haben
und
auch
nicht haben können. Eine ABM-Abfangrakete wird als "zur Raketenabwehr
getestet" betrachtet, wenn sie versucht hat, eine Interkontinental-Rakete auf ihrer Flugbahn abzufangen.
Dazu gehören aber keine Tests gegen
Ziele auf Erdumlaufbahn. Schließlich
erlaubt der Vertrag die Entwicklung
und Erprobung von stationären, landgestützen ABM-Radaranlagen und Trägersystemen
auf
zugelassenen
Versuchsgeländen, wie auch Entwicklung
und Erprobung von ABM-Abfangraketen,
die von ABM-Trägersystemen gestartet
und im Weltraum erprobt werden.
Die Sowjetunion muß einsehen, daß
die Vereinigten Staaten gegen Beschränkungen bei Entwicklung und Erprobung sind, die über das hinausgehen, was im Rahmen des ABM-Vertrages
ausgehandelt, vereinbart und kodifiziert wurde. Wenn sie dies tut, können wir uns auf ein umfassendes, stabilisierendes Abkommen über ein zukünftiges Rüstungskontroll-Management
hinbewegen, das eine defensiv angelegte Forschung und Erprobung, den
Abbau von strategischen Offensivwaffen und eine gemeinsam vorgenommene
Umorientierung zu mehr Vertrauen auf
Verteidigungssysteme vorsieht.

Drei andere Bereiche der Entwicklung und Erprobung werden vom ABMVertrag zugelassen.
Der Vertrag beschränkt zum Beispiel nicht die Entwicklung und Erprobung von Vorrichtungen, die weder Bestandteile eines
ABM-Systems sind, wie es im Vertrag
definiert wird, noch einen Ersatz
solcher Komponenten darstellen. Dar- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

e

Wissenschaft und Technik
20. November 1986

39

KÜNFTIGE R A U M F A H R T P L X N E

DER

USA

NASA-Chef Dr. C. Pletcher zu Fragen europäischer Wissenschaftler
und Journalisten -

WASHINGTON - (AD) - Die Umorganisation des Managements für das amerikanische Raumtransporterprogramm und die damit zusammenhängenden Aufgabengebiete
ist in vollem Gange. Sie werde, so berichtete Richard Truly, der beigeordnete
NASA-A'iministrator für Raumflug, auf einer Pressekonferenz am 5. November
1986, lach den Empfehlungen der Rogers-Kommission durchgeführt. Diese war von
Präsident Reagan eingesetzt worden, um das CHALLENGER-Unglück vom 28. Januar
1986 za untersuchen. Die sieben Astronauten an Bord der Raumfähre CHALLENGER
fanden damals den Tod.

Im Rahmen des neuen organisatorischen Aufbaues wird Arnold Aldrich,
derzei': Manager des Shuttle-Programms
am Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston (Texas), die Leitung des gesamten
Shuttle-Programms in der NASA-Zentrale in Washington übernehmen und Truly
direkt unterstellt sein.
Als neuer
Direktor trägt er "die volle Verantwortung und ist mit allen Kompetenzen
ausgestattet", um das Programm durchzuführen.
Zu seinem Stellvertreter
wurde Astronaut Robert Crippen ernannt, der bereits viermal mit dem
Shuttle
im Weltraum war.
Crippen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

wird Direktor für den 9etrieb der
Raumtransporter.
zu seinen Aufgaben
zählen beispielsweise die Überwachung
der Flugvorbereitungen in der letzten
Phase vor dem Start, die Durchführung
der Mission und die Rückführung des
Space Shuttle zur Inspektion und Ausrüstung für den nächsten Flug.
Um
Tagesaufgaben und die Prozeduren im
Detail kümmert sich Richard Kohrs,
stellvertretender
Programmdirektor
für den Bereich "Raumtransporter".
Das neue Management-Konzept verlangt außerdem die Einsetzung eines

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Führungsrates, dem u.a. der beigeordnete NASA-Administrator für Raumflug
(Truly) und die Direktoren sämtlicher
NASA-Zentren im Lande angehören sollen.
Dale Myers, stellvertretender
NASA-Administrator, verwies darauf,
daß man erwarte, über den neuen Führungsrat zu einer besonders guten
Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen der NASA-Zentralbehörde und den
Direktoren der einzelnen Zentren im
Lande zu kommen. Die starke Position
des in Washington tätigen Programmdirektors und die Einsetzung des Führungsrates hätten, wie Myers sagte,
eine gewisse Ähnlichkeit mit der
Struktur des erfolgreichen APOLLOProgramms.
Die Zeit wird intensiv für die
technische Verbesserung
der Feststoff raketei-Zusatzträger
des Space
Shuttle und auch des Orbiters selbst
genutzt. Dies erklärte NASA-Chef Dr.
James C. Fletcher (Washington) in einer
Worldnet-Fernsehsatellitenkonferenz, die am 4. November 1986 vom USInformationsamt
(USIA) veranstaltet
wurde.
Gesprächspartner
Fletchers
via

Satellit

waren

MAGELLAN (Meßstation zur Untersuchung
der Venus-Oberfläche mit hochauflösendem Radarstrahl), ULYSSES (erste
Sondierung der Nordregionen des Sonnenkörpers), GALILEO (erste umfassende Sondierung des Planeten Jupiter
und seiner Monde) sowie das Mars-Observatorium.
Da es sich in jedem Fall um große
und schwere Satelliten handelt, war
von Anfang an vorgesehen, sie mit einem Raumtransporter zunächst in eine
Erdumlaufbahn zu bringen und von dort
aus auf die Reise zu ihrem ziel zu
schicken. Der Faktor "Gewicht" macht
auch beim Hubble-Weltraumteleskop mit
seinem umfangreichen Instrumentarium
den Start von einem Raumtransporter
aus erforderlich. Das für Beobachtungen aus einer Position jenseits
der Erdatmosphäre konzipierte Gerät
erweitert die Möglichkeiten der Wissenschaftler für eine Sicht in die
Tiefen des Universums um das Siebenfache.

Grundlagenforschung

Wissenschaftler

und Journalisten in Bern, Bonn, Brüssel, London, Paris und Rom, die den
Leiter der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt ?:u den Plänen der USA für
die bemannte Raumfahrt und für Missionen mit Forschungssatelliten befragten. Denn angesichts der Verzögerung
von Raumtransporterstarts als Folge
des CHALLENGER-Unglücks und möglicher
vorrangiger eigener Projekte der Vereinigten Staaten steht auch für Europa viel auf dem Spiel.
Die wichtigen wissenschaftlichen
Missionen können laut Fletcher nunmehr erst :jwei bis fünf Jahre später
als ursprünglich vorgesehen durchgeführt werden. Davon seien u.a. Vorhaben zur weiteren Erforschung der
Planeten und der Sonne betroffen - so

Professor Wolfgang Priester, Direktor des Instituts für Astrophysik
und extraterrestrische Forschung der
Universität Bonn, hob die besondere
Bedeutung des Hubble-Teleskops für
die Grundlagenforschung hervor und
äußerte die Befürchtung,daß diese
durch eine Bevorzugung anderer Programme erheblich ins Hintertreffen
geraten könnte. Aufgrund neuer Beobachtungen und Erkenntnisse sei gerade
in den letzten paar Monaten klargeworden, daß vom Weltraumteleskop (es
wurde in über zehnjähriger Arbeit
entwickelt) Ergebnisse zu erwarten
seien, die einschneidende Umwälzungen
in der Physik und Astronomie herbeiführen dürften. Und zwar gehe es um
neue Ideen zu der Frage, woher die
Energie komme, die die Expansion des

�Weltalls bewirkt. Die nunmehr angestellten Überlegungen könnten unsere
grundlegenden Theorien zur modernen
Elementarteilchen-Physik in bezug auf
alle Quantenfelder
bei Ruheenergie
revolutionieren.
Das wiederum
sei
mit der Frage verknüpft, wodurch denn
beim Urknall vor etwa 20 Milliarden
Jahren die Materie im Universum erzeugt worden sei. Somit seien nicht
nur
tiefgreifende Auswirkungen auf
die Physik, sondern, über die Philosophie, auf alle Bereiche zu erwarten.
In seiner Antwort unterstrich Dr.
Fletcher, daß sich die NASA der Bedeutung gerade dieses internationalen
Projekts für die Grundlagenforschung
sehr wohl bewußt sei und dem Weltraumteleskop unter den wissenschaftlichen Nutzlasten höchste Priorität
eingeräumt habe.
Es sei beabsichtigt, es
nach
Wiederaufnahme
der
Raumtransporterflüge
(voraussichtlich
im Februar 1988) beim dritten Einsatz, d.h. etwa im November 1988, in
den Weltraum zu transportieren.
Es
solle unmittelbar nach dem Start der
beiden
TDRS-Nachrichtensatelliten
folgen, die für die Bahnbeobachtungen
und Datenübertragung einer ganzen Anzahl von Satelliten gleichzeitig und
rund um die Uhr so wichtig sind.
Für eir.e Anzahl weiterer wissenschaftlicher Nutzlasten aus den Vereinigten Staaten und dem Ausland, deren Start vor dem Unglück bereits
vereinbart war, suche die NASA, so
Fletcher, gegenwärtig nach anderweitigen
Traisportmöglichkeiten.
Man
werde auf sogenannte Verlustraketen
wie DELTA, ATLAS und TITAN zurückgreifen, die im Gegensatz zum Raumtransporter nicht wiederverwendungsfähig sind. Auch die europäische Rakete ARIANE zählt dazu. Es sei beispielsweise vorgesehen, mit ihr eine
Anzahl
amerikanischer
kommerzieller
Nachrichtensatelliten in den Weltraum

zu befördern.
Allerdings seien die
Kapazitäten und auch die Startfrequenz dieser Trägergeräte begrenzt, so
daß Verzögerungen für manche wissenschaftlichen und kommerziellen Nutzlasten dennoch in Kauf genommen werden müßten.

'Gemischte* Trägerkapazität
Die Vereinigten Staaten seien bestrebt, erklärte Dr. Fletcher, eine
"gemischte" Trägerkapazität aus wiederverwendungsfähigen und nicht wiederverwendbaren
Startgeräten
aufzubauen, obgleich der Raumtransporter
das kostengünstigste Beförderungsmittel darstelle.
Irgendwann
dürften
weitere technische Fortschritte auch
Verlustraketen
verbilligen
helfen.
Entsprechende Vorschläge zu Neuentwicklungen
werden bereits gemacht.
Aber bis zur Realisierung
solcher
Projekte würden mindestens fünf und
mehr Jahre vergehen. Und erfahrungsgemäß könne man nie vorhersagen, wie
sich die Kosten tatsächlich entwikkelten. Wie die "gemischte" Kapazität aussehen solle, werde gegenwärtig
in einer Studie untersucht, die Anfang kommenden Jahres fertiggestellt
sein dürfte.

Mehr Zuverlässigkeit
Das CHALLENGER-Unglück habe bewirkt, daß die Struktur der amerikanischen Weltraumbehörde
ebenso wie
die des Mitarbeiterstabs
gestrafft
würde, und daß auch vom Space Shuttle
selbst eine erheblich bessere Qualität und Zuverlässigkeit zu erwarten
sei. Die Frage nach dem Einbau eines
Rettungssystems in der Startphase für
die Bordmannschaft in alle Orbiter
konnte Fletcher angesichts der damit
verbundenen technischen Schwierigkeiten und des Gewichtsproblems nicht

- 3 -

�endgültig
benatworten.
Auch
eine
Verlängerung der einzelnen Raumtransportermissionen bereite wegen der dafür erforderlichen zusätzlichen Energiequellen Probleme. Langzeitexperimente in der Schwerelosigkeit sollten
deshalb besser in der in den neunziger Jahren zu errichtenden Raumstation durchgeführt werden.

COLUMBOS - wichtiger Beitrag
zur Raumstation

Europas

Arbeitsprogramme für die Raumstation müssen schon jetzt formuliert
werden. In den ersten Phasen werden
es Dr. Flet.cher zufolge vor allem Experimente aus dem Gebiet der Mikrogravitation sein. Die NASA ermutige
die Privatwirtschaft zu entsprechenden Projekten.
Es gebe eine Reihe
von Aktivitäten, bei denen sich eine
kommerzielle Nutzung der Schwerelosigkeit lohnen könne - für biologische Substanzen, für Legierungen, für
neues Halb".eitermaterial, um nur einige zu nennen. Ist die Station weiter ausgebaut, werde man auch zunehmend mehr wissenschaftliche Experimente durchführen können. Zusätzlich
zu den auf der Station untergebrachten Nutzlasten werde es auch frei
fliegende Plattformen geben, die neben der Raumstation ihre Bahn ziehen.
Wenigstens eine davon werde bemannt
sein.
COLUMBU3 als der von europäischen
Ländern bereitgestellte Beitrag zur
amerikanischen Raumstation werde eine
wichtige und sehr willkommene Rolle
spielen. Fs handle sich, ähnlich dem
SPACELAB, um eine Labor- und Wohneinheit, die zunächst mit der Raumstation verbunden werde, später aber als
ein von Astronauten betreutes Modul
auch frei fliegen könne.
COLUMBÜS
werde dann immer wieder an der Raumstation anlegen, um Treibstoff und

Nachschub zu übernehmen und um die
Besatzung auszuwechseln.
Allerdings
steht die Ausarbeitung der eigentlichen Betriebspläne mit entsprechenden Verhandlungen zwischen den Partnern noch bevor.
Hinsichtlich
der
sogenannten
funktionellen Aufteilung der Aufgaben
sähen sich die Europäer, worauf einer
der Interviewer hinwies, noch mancherlei Ungewißheiten gegenüber. Dr.
Fletcher räumte ein, daß in Verhandlungen der NASA mit der Europäischen
Weltraumbehörde über die Aufgabenteilung in der Entwicklung der Raumstation Einvernehmen erzielt worden sei,
daß jedoch in bezug auf den Betrieb
noch kein Konzept existiere.
Erst
jetzt beginne man in den USA, sich
mit dem Problem zu befassen.
"wir
haben einen beigeordneten Administrator für die Raumstation bestellt, der
sich ausschließlich mit Betriebsaufgaben befaßt, mit der Frage, wie die
Raumstation betrieben werden soll."
Dies
sei keineswegs nebensächlich, denn die Tätigkeit der Personen
in der Raumstation, in der Europäer
und wahrscheinlich Kanadier, Japaner
und Amerikaner arbeiten werden, verlange klare Konzepte, zwar werde die
Gruppe an Bord mit etwa sechs Personen relativ klein sein. Aber für die
Planung und die Vorbereitungen am Boden sei doch eine wesentlich größere
Gruppe von Mitarbeitern erforderlich,
die entscheiden, was in jeder Arbeitsperiode von 90 Tagen bis zur Ablösung vorzunehmen sei, welcher Art
die Experimente sein sollen.
über
Gebühren, die etwaige internationale
Partner oder private Investoren für
die Benutzung der Raumstation zu entrichten hätten, sei innerhalb der
NASA noch nichts beschlossen worden.
Jedoch könne zunächst einmal die vor
dem CHALLENGER-Unglück erwähnte Gebühr von 75 Millionen Dollar als

�Richtwert angenommen werden.
Alles
in allem sei es aber zu früh, endgültige Aussagen zu machen, solange die
Betriebsstudie noch nicht vorliege.
Inzwischen plane man aber nicht
nur für die nächsten sieben oder acht
Jahre, sondern auch schon für die
Zeit nach der Raumstation, die voraussichtlich ab 1994 ständig besetzt
sein werde.
Eine Gruppe unter der
Leitung vor Dr. Sally Ride, der ersten Amerikanerin im Weltraum, habe
begonnen,
künftige
Aktivitäten
zu
sondieren.
Gemeinsame amerikanischsowjetische bemannte Raumfahrtprojekte, etwa (ine Expedition zum Mars,
seien
nicht
beabsichtigt.
Jedoch
wurden
künftige
wissenschaftliche
Austauschprogramme erörtert. Es gebe
ohnehin genügend Forschungsaufgaben,
die im internationalen Rahmen weltweit durchgeführt werden müßten
u.a. die Untersuchung von Klimaveränderungen uni der Ozonschicht.
nie von Präsident Reagan angekündigte Entwicklung eines Weltraumflugzeugs fall« sowohl in Aufgabenbereiche der ;&gt;JASA als auch des amerikanischen Verteidigungsministeriums, erklärte Fletcher auf eine Frage. Aber
die ersten Flugexperimente mit dem
Versuchsgerit, die für Anfang der
neunziger
Jahre
vorgesehen
seien,
stünden unter der Leitung des Verteidigungsministeriums.
Der
Fortgang
der Entwicklung werde dann davon bestimmt, welche Ergebnisse die Versuchsflüge bringen.

- 5 -

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