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                  <text>AMERIKA DIENST

15. Oktober 1986

34

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan;

Optimismus über eine mögliche Lösung bei Nuklearwaffen

- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -

Vereinigte Staaten mit KSZE-Vorbereitungstreffen 'zufrieden*
- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -

HINTERGRUNDMATERIAL

Chronologie amerikanischer und sowjetischer
Rüstungskontrollvorschläge
- Vom 16. November 1985 bis heute -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�v^° S ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation

15. Oktober 1986

34

REAGAN: OPTIMISMUS ÜBER EINE MÖGLICHE LÖSUNG BEI NUKLEARWAFFEN
- Präsident Reagans Ansprache an die Nation -

WASHINGTON -(AD)In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache erklärte Präsident Reagan am 13. Oktober, er sei "optimistisch, daß sich ein Weg
finden" werde, um die amerikanischen und sowjetischen Meinungsverschiedenheiten über einen Abbau nuklearer Waffen zu klären.
Der Präsident betonte, er betrachte die geplante Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) als "Amerikas Versicherungspolice dafür, daß die Sowjets
ihre in Reykjavik eingegangenen Verpflichtungen einhalten werden".
Reagan
wiederholte auch seine Einladung an den sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow, die Vereinigten Staaten zu besuchen.
Nachfolgend drucken wir den Text der Ansprache im Wortlaut:

Guten Abend. Wie die meisten von
Ihnen wissen, bin ich gerade vom
Treffen mit dem ersten Mann der Sowjetunion,
Generalsekretär
Gorbatschow, in Island zurückgekehrt. Wie
im vergangenen Jahr bei meiner Rückkehr von der Genfer Gipfelkonferenz,
möchte ich Sie auch heute abend kurz
über den Ablauf dieser Gespräche informieren.
Diese Gespräche sind von enormer
Tragweite, die erst jetzt in ihren
Ansätzen verstanden wird. Wir haben
die radikalsten und großzügigsten Rü-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

stungskontrollvorschläge
der
Geschichte unterbreitet. Wir haben die
völlige Abschaffung aller - sowohl
amerikanischen als auch sowjetischen
- ballistischen Raketen von der Erdoberfläche bis 1996 angeboten.
Da
bei unserem Auseinandergehen dieses
amerikanische Angebot immer noch vorlag, sind Abkommen, die zu einer sichereren Welt ohne Nuklearwaffen führen könnten, jetzt greifbarer als jemals zuvor.
Aber lassen Sie mich Ihnen zuerst
sagen, daß ich sie, das amerikanische

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Volk, seit Beginn meines Treffens mit
Herrn Gorbatschow als
vollwertigen
Teilnehmer betrachtet habe. Glauben
Sie mir, daß ohne Ihre Unterstützung
keines dieser Treffen hätte stattfinden können und daß sich keines der
endgültigen Ziele der amerikanischen
Außenpolitik - Frieden und Freiheit
auf der Welt - verfolgen ließe. Genau für diese Ziele habe ich auch den
Schritt nach Island getan.

nuklearen Gefechtsköpfen aufeinander
gerichtet, die in der Lage sind, unsere
beiden
Länder
auszuradieren.
Die Sowjets haben, dem Vertrag entsprechend, eine Raketenabwehr um Moskau in Stellung gebracht. Unser Land
hat
nichts Derartiges
stationiert,
weil die Gefahr einer landesweiten
Vernichtung
solch ein
beschränktes
Verteidigungssystem nutzlos erscheinen ließ.

Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen
vor der Erörterung dieser Gespräche
einige Hintergrundinformationen gebe
und Ihnen zwei Dinge erkläre, die in
erheblichem Maße Eingang in unsere
Gespräche gefunden haben: zum einen
ein Vertrag, zum anderen eine Verteidigungsmaßnahme gegen Nuklearraketen,
die
wir
zu
erarbeiten
versuchen.
Ihre Namen haben Sie schon oft gehört
- es handelt sich um den ABM-Vertrag
und um SDI. Diese Buchstaben stehen
für Raketenabwehr und für die Strategische Verteidigungsinitiative.

Seit einigen Jahren haben wir den
Eindruck, daß die Sowjets ein landesweites Verteidigungssystem entwikkeln könnten. Sie haben eine große,
moderne Radaranlage
in Krasnojarsk
errichtet, von der wir glauben, daß
sie einen wichtigen Teil des Radarsystems darstellt, das dazu dient, Abwehrraketen
zum Schutz des ganzen
Landes durch Radar zu steuern.
Das
aber bedeutet eine Verletzung
des
ABM-Vertrages.

Vor einigen Jahren sind die Vereinigten Staten und die Sowjetunion
übereingekommen,
jegliche Verteidigung gegen nukleare Angriffsraketen
dahingehend zu beschränken, daß in
jedem Land eine geringe Anzahl von
Raketen in Stellung gebracht wird,
die in der Lage sind, eindringende
Nuklearraketen abzufangen und abzuschießen.
So überließen wir unsere
eigentliche Verteidigung einer Politik
der
Gegenseitigen
Gesicherten
Zerstörung (Mutual Assured Destruction - MAD), die beinhaltet, daß auf
den von einer Seite begonnenen Nuklearangriff die Vergeltung der anderen Seite folgen könnte. Von dieser
gegenseitigen Zerstörungsdrohung nahm
man an, sie würde eine Abschreckung
gegen den Erstschlag einer Seite darstellen.
Jetzt haben wir also Tausende von

Davon überzeugt, daß eine Politik
der gegenseitigen gesicherten Zerstörung und des Mordes an ihren und unseren
Bürgern
geradezu
barbarisch
ist, habe ich unsere Streitkräfte vor
einigen Jahren
um Erforschung der
Frage gebeten, ob es einen praktischen Weg gibt, Nuklearraketen nach
ihrem Start und vor Erreichung ihres
Ziels zu zerstören, damit keine Menschen getötet werden.
Das ist das
Ziel dessen, was wir SDI nennen, und
die an der Forschung beteiligten Wissenschaftler
sind davon überzeugt,
daß es praktikabel sei und wir in einigen Jahren solch ein System stationieren
könnten.
Nebenbei
bemerkt
verletzen wir damit nicht den ABMVertrag, der solch eine Forschung zuläßt. Sollten wir SDI stationieren,
gestattet der Vertrag außerdem einen
Rücktritt innerhalb von sechs Monaten. Um es noch einmal klar hervorzuheben: SDI ist eine nicht-nukleare
Verteidigung.

�Damit wären wir also in Island
bei unserem zweiten Treffen. Bei der
ersten Zusammenkunft und in den dazwischenliegenden Monaten haben wir
Möglichkeiten
zur Verringerung
und
sogar zum Abbau aller Kernwaffen besprochen.
Die Sowjets und auch wir
hatten Gruppen von Unterhändlern in
Genf, die ein gemeinsames Abkommen
über einen möglichen Abbau oder eine
Abschaffung von Nuklearwaffen auszuarbeiten versuchten. 3is jetzt waren
sie nicht erfolgreich.
Am Samstag und Sonntag habe ich
mich mit Generalsekretär Gorbatschow,
seinem
Außenminister
Schewardnadse
und Außenminister Shultz etwa zehn
Stunden lang getroffen.
Wir haben
dabei nicht nur über die Verringerung
der strategischen Rüstungen gesprochen.
Wir haben auch darüber gesprochen, was wir als Verletzung der
Menschenrechte
seitens der Sowjets
bezeichnen; die Weigerung, Menschen
aus Rußland ausreisen zu lassen, damit sie ihre Religion ausüben können,
ohne verfolgt zu werden, oder Menschen aufgrund einer Familienzusammenführung gehen zu lassen, oder es
den
durch Staatsgrenzen
getrennten
Ehepartnern zu erlauben, zusammenzuleben.
In vielen von diesen Punkten verletzen die Sowjets ein weiteres Abkommen - die von ihnen 1975 unterzeichnete Schlußakte von Helsinki.
Jurij Orlow, der gerade seine Freiheit wiedererlangt hat, wurde dafür
eingesperrt, daß er seine Regierung
auf die Verletzung dieses Abkommens
aufmerksam machte und auf deren Weigerung, Bürgern die Aus- oder Rückreise zu gestatten.
Wir haben ebenfalls über regionale Angelegenheiten, wie etwa Afghanistan, Angola, Nicaragua und Kambo-

dscha gesprochen.
Die andere Seite
wählte jedoch die Rüstungskontrolle
zu ihrem Hauptthema.
Wir haben über die Stationierung
von Mittelstreckenraketen in Europa
und Asien diskutiert und schienen uns
darüber einig zu sein, daß ihre Anzahl
drastisch
verringert
werden
könnte. Beide Seiten schienen bereit
zu sein, einen Weg zu finden, um sogar aufeinander gerichtete strategische Raketen vollständig abzubauen.
Damit wären wir bei SDI angelangt.
Ich habe einen Vorschlag unterbreitet, daß wir unsere gegenwärtige
Forschung fortsetzen sollten; bei Erreichen des abschließenden Teststadiums würden wir einen Vertrag unterzeichnen, der die sowjetische Beobachtung von Tests erlaubt. Wenn sich
das Programm als praktikabel erweist,
würden wir sowohl unsere Offensivraketen abschaffen, als auch in den Genuß einer modernen Verteidigung kommen. Ich habe erklärt, daß uns auch
bei Abschaffung unserer Offensivraketen eine solche Verteidigung gegen
Betrug
oder auch dagegen schützen
würde, daß sich einmal ein Verrückter
womöglich dazu entschließt, Atomraketen zu bauen. Schließlich kennt man
ja die Methode ihrer Herstellung.
Ich verglich es damit, daß wir auch
unsere Gasmasken weiterhin behalten,
obwohl die Nationen der Welt Giftgas
nach dem Ersten Weltkrieg für ungesetzlich erklärten.
Wir
schienen Fortschritte
beim
Abbau von Waffensystemen zu machen,
obwohl der Generalsekretär gegen SDI
opponierte und gegen Abend vorschlug,
wir sollten uns noch auf eine Reihe
von Jahren hinaus zur weiteren Einhaltung des ABM-Vertrages verpflichten.

- 3 -

Außenminister

Shultz

schlug

vor,

�die Protokolle der Gespräche unseren
jeweiligen Arbeitsgruppen zu übergeben,
die
diese
nachts
daraufhin
durcharbeiten sollten, wo es Übereinstimmungen gäbe und welche Meinungsverschiedenheiten uns trennten.
Mit
Respekt
und
Dankbarkeit
kann
ich
Ihnen sagen, daß sie die Nacht hindurch bis 6.3o morgens gearbeitet haben.
Gestern, am Sonntag morgen, sind
Herr Gorbatschow, unsere Außenminister und ich wiederum zusammengetroffen und haben die Berichte unserer
beiden Arbeitsgruppen entgegengenommen, die sehr vielversprechend waren.
Die Sowjets forderten einen
zehnjährigen Aufschub bei der Verwirklichung des SDI-Programms.
In dem Bemühen, auf ihre Belange
einzugehen
und gleichzeitig
unsere
Prinzipien und unsere Sicherheit zu
schützen, haben wir den Zeitraum von
zehn Jahren vorgeschlagen, in dem wir
mit dem Abbau aller
strategischen
Nuklearwaffen, Bomber, luftgestützten
Marschflugkörper, Interkontinentalraketen, unterseebootgestützten ballistischen Raketen und deren Waffen beginnen würden.
Diese würden in den
ersten fünf Jahren um fünfzig Prozent
abgebaut.
In
den
darauffolgenden
fünf Jahren würden wir damit fortfahren, die verbleibenden ballistischen
Raketen aller Typen abzuschaffen. In
dieser Zeit würden wir die Forschung,
Entwicklung
und Erprobung von SDI
weiterbetreiben.
All dies befände
sich im Einklang mit den Bestimmungen
des ABM-Vertrages.
Nach Ablauf der
zehn Jahre und der erfolgten Abschaffung
aller
ballistischen
Raketen
könnten wir ein modernes Verteidigungssystem stationieren und gleichzeitig zulassen, daß die Sowjets das
Gleiche tun.
Hier setzte die Diskussion ein.

Der Generalsekretär strebte nach Formulierungen, die uns letztlich davon
abgehalten hätten, SDI weiterzuentwickeln, und wenn ich dem zugestimmt
hätte, wären alle Bemühungen zur Abschaffung von Kernwaffen vergeblich
gewesen - null und nichtig.
Ich habe ihm erklärt, daß ich dem
amerikanischen
Volk
versprochen
hätte, SDI nicht wegzuverhandeln; es
gäbe keine Möglichkeit, unserem Volk
zu sagen, seine Regierung könnte es
nicht vor einer nuklearen Zerstörung
bewahren. Ich bin in der Überzeugung
nach Reykjavik
gefahren, daß über
alles zu verhandeln sei, außer über
zwei Dinge, unsere Freiheit und unsere Zukunft.
Ich bin immer noch optimistisch,
daß sich ein Weg finden lassen wird.
Die Tür ist offen und die Möglichkeit, mit einer Beseitigung der nuklearen Bedrohung
zu beginnen, ist
greifbar nahe.
Sie sehen also, daß wir in Island
Fortschritt erzielt haben.
Und wir
werden weiterhin Fortschritte machen,
wenn wir gemeinsam mit den Sowjets
einen
vorsichtigen, abwägenden
und
vor allem realistischen Ansatz verfolgen. Seit den ersten Tagen unserer Regierung war dies unser Ziel.
Wir haben klargemacht, daß wir über
die Sowjets oder ihre endgültigen
Ziele keine Illusionen hegen.
Wir
waren
in der
Öffentlichkeit
sehr
freimütig über die entscheidenden moralischen Unterschiede zwischen dem
totalitaristischen und dem demokratischen System.
Wir haben erklärt,
daß das Hauptziel der amerikanischen
Außenpolitik nicht nur in einer Verhinderung des Krieges besteht, sondern in der Erweiterung der Freiheit. Und wir haben unseren Einsatz
für die Ausbreitung der demokratischen Regierungsform und demokrati-

�scher Institutionen auf der ganzen
Welt betont. Darum unterstützen wir
Freiheitskämpfer, die sich gegen die
Auferlegung totalitaristischer Reglementierungen zur Wehr setzen, in Afghanistan, Nicaragua, Angola, Kambodscha und anderswo. Und letztendlich
haben wir begonnen, daran zu arbeiten, was die Sowjets in erster Linie
dazu veranlaßte, ernsthaft zu verhandeln - dem Aufbau unserer militärischen Stärke, dem Wiederaufbau unserer
strategischen Abschreckung
und
darüber hinaus an der Aufnahme der
Arbeit an der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Und doch haben wir gleichzeitig
mit der Aufstellung dieser außenpolitischen Zielsetzungen und dem Beginn
der Arbeit daran ein anderes unserer
Hauptziele verfolgt: die Suche nach
Wegen für einen Abbau der Spannungen
mit den Sowjets und nach Mitteln zur
Vermeidung eines Krieges und Erhaltung des Friedens.
Jetzt trägt diese Politik Früchte
- ein Zeichen dafür war in Island der
Fortschritt bei der Frage der Rüstungskontrolle.
Zum erstenmal seit
langer Zeit ist Bewegung in die sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen
im Bereich der Rüstungsverringerung
gekommen - und zwar Bewegung in die
richtige Richtung: nicht nur in Richtung auf Rüstungskontrolle, sondern
auf Verringerung der Rüstung.

mal so: "Ist Frieden
letztendlich
nicht zuallererst eine Frage der Menschenrechte. ..?"
Ich machte deutlich, daß die Vereinigten Staaten kein Interesse daran
haben, Verbesserungen in diesen Fragen
zu Propagandazwecken
auszunützen.
Aber ich machte auch erneut
deutlich, daß eine Verbesserung im
Bereich der Menschenrechte innerhalb
der Sowjetunion für eine Verbesserung
der bilateralen Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten unabdingbar ist.
Denn einer Regierung, die ihrem eigenen Volk gegenüber nicht Wort hält,
kann man auch nicht abnehmen, daß sie
einem anderen Staat gegenüber Wort
hält.
Daher sagte ich Herrn Gorbatschow - in Reykjavik genauso wie in
Genf -, daß wir Amerikaner dem bei
solchen
Treffen
gesprochenen
Wort
weit weniger Gewicht beimessen als
den Taten, die darauf folgen.
Wenn
es zu den Menschenrechten und zur Beurteilung der sowjetischen Absichten
kommt, sind wir gewissermaßen alle
aus Missouri - wir wollen Beweise.

Aber bei allem Fortschritt, den
wir bei der Rüstungsverringerung gemacht haben, dürfen wir nicht vergessen, daß in Island auch noch andere
Themen auf dem Verhandlungstisch lagen - Themen von grundlegender Bedeutung.

Ein weiteres Thema, das wir in
Island ansprachen, steht gleichfalls
im Zentrum der Meinungsunterschiede
zwischen der Sowjetunion und Amerika. Es geht um das Thema der regionalen Konflikte.
Gipfeltreffen lassen das amerikanische Volk nicht vergessen, was die Handlungsweise der
Sowjetunion für die Menschen in Afghanistan, in Mittelamerika, in Afrika und in Südostasien bedeutet. Solange die Sowjetunion nicht ihre Politik ändert, werden wir sicherstellen, daß unsere Freunde in diesen
Ländern -jene, die für Frieden und
Unabhängigkeit kämpfen - die Unterstützung bekommen, derer sie bedürfen.

Wie ich bereits sagte, waren die
Menschenrechte eines dieser Themen.
Präsident Kennedy formulierte es ein-

Schließlich gab es ein viertes
Thema. Es betraf den Bereich der bilateralen Beziehungen, die Kontakte

- 5 -

�von Mensch zu Mensch. Im vergangenen
Jahr in Genf begrüßten wir mehrere
Abkommen über Kulturaustausch; in Island fanden wir Hinweise darauf, daß
es in diesen Bereichen doch schon Bewegung gibt.
Aber lassen Sie mich
hier sagen: die Vereinigten Staaten
sind auch weiterhin Programmen von
Mensch zu Mensch verpflichtet, die zu
einem Austausch nicht nur zwischen
einer kleinen Elite, sondern zwischen
Tausenden ganz normaler Bürger beider
Länder führen.
Ich glaube also, Sie können sehen, daß wir in Island bei einer ganzen Reihe von Fragen Fortschritte
machten. Wir bekräftigten erneut unser 4-Punkte-Programm; wir entdeckten
zahlreiche neue Bereiche der Übereinstimmung; wir unterzogen erneut einige der alten Themenkreise einer Prüfung, bei denen Uneinigkeit besteht.
Lassen Sie mich noch einmal zur
Frage SDI zurückkommen.
Ich weiß,
daß es Mitbürger gibt, die heute
nacht fragen: Warum akzeptieren wir
Herrn
Gorbatschows
Forderungen
nicht?
Warum geben wir SDI nicht
auf, um dieses Abkommen zu erreichen?
Die Antwort, meine Freunde, ist
einfach. SDI ist Amerikas Versicherungspolice dafür, daß die Sowjets ihre in Reykjavik eingegangenen Verpflichtungen einhalten werden.
SDI
ist
Amerikas
Sicherheitsgarantie,
falls die Sowjets sich nicht an ihre
förmlich eingegangenen Verpflichtungen halten sollten - wie sie dies in
der Vergangenheit schon zu oft getan
haben.
Es war SDI, das die Sowjets
in Genf und Island wieder an den Verhandlungstisch
zurückbrachte.
SDI
ist der Schlüssel zu einer Welt ohne
Atomwaffen.
Die Sowjets begreifen das.
Sie
haben bereits über eine längere Zeit

hinweg weit mehr Mittel in ihr eigenes SDI-Programm investiert als wir
in unseres. Die einzige einsatzfähige Raketenverteidigung umgibt heute
Moskau, die Hauptstadt der Sowjetunion.
Herr
Gorbatschow
verlangte
in
Reykjavik von den Vereinigten Staaten, der neuen Version eines 14 Jahre
alten A3M-Vertrags zuzustimmen, den
die
Sowjetunion
bereits
verletzt
hat.
Ich sagte ihm, bei uns in den
Vereinigten Staaten
gäbe es keine
solche Art von Handel.
Und das amerikanische Volk sollte
über diese so wichtigen Fragen nachdenken.
Wie bedroht eine Verteidigung der
Vereinigten Staaten die Sowjetunion
oder ein anderes Land?
Warum bestehen die Sowjets so hartnäckig darauf,
daß Amerika für immer sowjetischen
Raketenangriffen gegenüber verwundbar
bleiben soll?
Bis auf den heutigen
Tag sind alle freien Nationen letztlich ohne jegliche Verteidigung gegen
sowjetische Raketen - gleich, ob diese aus Versehen oder Absicht abgefeuert werden.
Warum besteht die Sowjetunion darauf, daß dies für immer
so bleiben soll?
Deshalb, liebe Mitbürger, kann
weder ich noch irgendein anderer Präsident versprechen, daß die Gespräche
in Island oder andere künftige Diskussionen mit Herrn Gorbatschow notgedrungen zu großen Durchbrüchen oder
bedeutenden
VertragsunterZeichnungen
führen.
Wir werden die Leitlinien, mit
denen wir nach Reykjavik kamen, nicht
aufgeben. Wir wollen lieber kein Abkommen, als mit einem schlechten Abkommen in die Vereinigten Staaten zurückzukehren.

�Ich weiß, daß Sie in diesem Zusammenhang auch an der Frage interessiert sind, ob es einen neuen Gipfel
geben wird.
Herr Gorbatschow gab
keinen Hinweis darauf, wann oder ob
er plane, in die Vereinigten Staaten
zu kommen, wie wir es im vergangenen
Jahr in Genf vereinbart hatten. Ich
wiederhole heute abend, daß unsere
Einladung noch immer gilt und daß wir
auch weiterhin der Meinung sind, weitere Treffen seien nützlich.
Aber
dies ist eine Entscheidung, die die
Sowjets fällen müssen.
Wie immer auch die kurzfristigen
Aussichten sein mögen: ich kann Ihnen
sagen, daß ich letztlich voller Hoffnung über die Chancen für Fortschritte bei einem Gipfeltreffen und für
Frieden und Freiheit in der Welt
bin. Wie Sie sehen, ist das derzeitige Prozedere beim Gipfel ganz anders als das der letzten Jahrzehnte;
es ist anders, weil die Welt anders
ist; und die Welt ist anders wegen
der harten Arbeit und wegen der Opfer
des amerikanischen Volkes während der
vergangenen 5 1/2 Jahre. Ihre Energie hat unsere Wirtschaftsmacht wiederhergestellt und ausgeweitet; Ihre
Unterstützung hat unsere militärische
Stärke wiederhergestellt.
Ihr Mut
und Ihr Gefühl für die nationale Einheit in Zeiten der Krise hat unsere
Gegner innehalten, unsere Freunde Mut
fassen lassen und die Welt inspiriert.
Die westlichen
Demokratien
und das NATO-Sündnis sind neu belebt
und überall auf der Welt wenden sich
Staaten den demokratischen Ideen und
den Prinzipien des freien Marktes
zu.
Weil das amerikanische Volk in
entscheidender
Stunde Wache stand,
hat die Freiheit ihre Kraft und Stärke wiedererlangt und befindet sich
auf dem Vormarsch.
Wenn ich denn einen Eindruck von

diesen Oktober-Gesprächen mit zurücknehme, so ist es der, daß wir jetzt anders als in der Vergangenheit - aus
einer Position der Stärke heraus verhandeln und daß es uns aus diesem
Grund möglich ist, mit den Sowjets
bald noch mehr Durchbrüche zu erzielen.
Unsere Vorstellungen liegen auf
dem Verhandlungstisch.
Sie werden
nicht verschwinden. Wir sind bereit,
dort weiterzumachen, wo wir aufhörten. Unsere Unterhändler gehen nach
Genf zurück, und wir sind bereit,
weitere Schritte zu unternehmen, wo
und wann immer die Sowjets dazu bereit sind. Es gibt also Grund, guten
Grund, zur Hoffnung.
Ich habe Beweise hierfür im Fortschritt gesehen, den es bei den Gesprächen mit Herrn Gorbatschow gab.
Und ich habe Beweise gesehen, als ich
gestern Island verließ und zu den
jungen Männern und Frauen unseres Marinestützpunktes in Keflavik sprach ein Stützpunkt von größter Bedeutung,
von dem aus es nicht so weit zu den
sowjetischen Marineeinrichtungen ist
wie bis zu unserer eigenen Küste.
Wie immer war ich stolz, einige
Augenblicke mit ihnen zu verbringen
und ihnen für ihr Opfer und ihre Hingabe für unser Land zu danken. Sie
repräsentieren
Amerika
aufs Schönste:
verpflichtet zur Verteidigung
nicht nur unserer eigenen Freiheit,
sondern der Freiheit anderer, die in
einer
furchterregenden
Welt
leben
müßten, gäbe es nicht die Stärke und
die Entschlossenheit der Vereinigten
Staaten.
"Wo immer die Maßstäbe von Freiheit
und
Unabhängigkeit...gesetzt
werden, wird Amerikas Herz sein, seine Segenswünsche und seine Gebete,"
sagte John Quincy Adams einmal. Er

- 7 -

�fand die richtigen Worte für unser
Schicksal als Nation. Liebe Mitbürger, die Geschichte ehrt uns und das
Schicksal betraut uns mit dem ältesten Traum der Menschheit - dem Traum
dauerhaften Friedens und menschlicher
Freiheit.
Ein anderer Präsident, Harry Truman, verwies darauf, daß unser Jahrhundert Zeuge zweier der schrecklichsten Kriege der Geschichte war und
daß "es für die Menschen unserer zeit
nichts Wichtigeres gibt als zu lernen, in Frieden und Harmonie miteinander zu leben."
Im Gedenken an dieses Ideal ging
ich vor einem Jahr nach Genf und
letzte Woche nach Island. Und im Gedenken an dieses Ideal danke ich
Ihnen jetzt für all die Unterstützung, die Sie mir haben zuteil werden
lassen. Und erneut bitte ich Sie um
Ihre Hilfe und Ihre Gebete, wenn wir
unsere Reise in Richtung auf eine
Welt
fortsetzen,
wo
der
Frieden
herrscht und die Freiheit verehrt
wird.
Ich danke Ihnen und Gott

schütze

Sie.

* * * * *
- 8 -

�AMERIKA DIENST
VoN

Dokumentation

4

15. Oktober 1986

34

VEREINIGTE STAATEN MIT KSZE-VORBEREITUNGSTREPPEN "ZUFRIEDEN"
- Pressekonferenz von Botschafter Zimmermann in Wien -

WIHN - (AD) - Botschafter Warren Zimmermann gab am 7. Oktober 1986 eine
Pressekonferenz zum Abschluß des Vorbereitungstreffens zur Folgekonferenz der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die am 4. November in Wien beginnen wird.
Zimmermann sagte, die Delegation der Vereinigten Staaten sei "sehr zufrieden" mit der erzielten Übereinkunft, die "alle Interessen der 35 Nationen ausgewogen darstellt".
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Zimmermann: Wir von der Delegation der Vereinigten Staten sind sehr
zufrieden mit der gestern abend erzielten Übereinkunft.
Es ist eine
gute Vereinbarung.
Ich glaube, daß
es alle Interessen der 35 Nationen
ausgewogen darstellt. Ich persönlich
freue mich sehr, daß das Ergebnis um
acht Uhr abends erzielt wurde und
nicht um Mitternacht oder um drei Uhr
morgens, wie es im Verlauf der KSZE
oft der Fall ist.

Das

Abkommen

geht

auf

die Ver-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

handlungspunkte von Madrid zurück, wo
es eine gute Tagesordnung gab.
Es
verbessert sie, glaube ich, in zwei
Punkten. Einmal, indem sie mehr Zeit
für die Überprüfung der Durchführung
vorsieht, was uns alle in die Lage
versetzen wird, sehr genau zu beobachten, wie gut alle Staaten ihre in
Helsinki
eingegangenen
und
im
Madrider
Dokument
enthaltenen Verpflichtungen
erfüllt
haben.
Und
zweitens übernimmt die Übereinkunft
eine einzigartige Funktion im KSZEProzeß: sie liefert eine fortlaufende
Reihe offener Treffen.
Zum letzten

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�Treffen jeder Runde und zum ersten
Treffen jeder neuen Runde - der Plenarsitzung - sind Presse und Öffentlichkeit zugelassen. Das wird es dem
Wiener Treffen erlauben, einen dauernden Dialog mit der Presse und der
Öffentlichkeit
eines
jeden
Landes
aufrechtzuerhalten, und
ich denke,
daß das ein bedeutender Schritt ist,
obwohl wir glücklicher gewesen wären
über etwas mehr Offenheit beim Treffen selbst.
Lassen Sie mich Ihnen noch etwas
sagen, bevor ich mich Ihren Fragen
stelle:
Ich glaube, daß der Hauptgrund für unseren Erfolg beim rechtzeitigen Zustandekommen dieser ausgewogenen und guten Tagesordnung in der
außergewöhnlichen Rolle bestand, die
die neutralen und blockfreien Staaten
hier gespielt haben.
Ich habe mit
vielen von Ihnen in den vergangenen
Wochen gesprochen und Sie haben mich
über meine Ansicht zur Rolle der neutralen und blockfreien Länder befragt. Ich habe immer wieder gesagt,
daß ich glaube, sie spielten eine
sehr wichtige Rolle im KSZE-Prozess.
nie Bedeutung dieser Rolle ist niemals offenkundiger und sichtbarer geworden als in diesem gerade zu Ende
geführten Treffen, gerade weil die
kreative Arbeit
der neutralen und
blockfreien Länder ein Dokument geschaffen hat, das uns als Basis dienen konnte, und so war es in erheblichem Maße auf ihre Bemühungen zurückzuführen, daß wir zu diesem erfolgreichen
Ergebnis gelangt sind.
Ich werde jetzt gern ihre Fragen beantworten.
FRAGE: Wenn Sie sagen "die Presse
ist zugelassen", was meinen Sie damit?
ANTWORT:
Wir haben noch keine
eingehende
Definition
dafür;
es
heißt, daß es eine offene Plenarsitzung geben wird.
Wir werden noch
- 2

herausfinden müssen, was das in der
Praxis
bedeutet.
Natürlich
würden
wir es gern so offen wie möglich gestalten. Wir führen diesen gegenseitigen Austausch durch (nicht hörbar).
Sie wird in der Lage sein, öfter zu
den Treffen zu erscheinen und der Debatte zuzuhören, als das bisher der
Fall war.
FRAGE: Gab es das traditionelle
Problem, daß der Westen stärker die
Frage der Menschenrechte diskutieren
wollte, während
der
Ostblock
das
Schwergewicht auf Sicherheit und Rüstung legte?
ANTWORT:
Ich glaube, daß das so
gut ausgedrückt ist. Die Haltung des
Ostblocks bestand darin, daß die Betonung im Dokument stärker auf dem
Treffen von Stockholm liegen sollte.
Wir glaubten, daß es in der von
Madrid übernommenen Tagesordnung genug Platz für eine eingehende Diskussion des Stockholmer Treffens geben
würde und meinten daher nicht, daß
Zusätze notwendig sein würden.
Wir
schlössen einen Kompromiß und nahmen
in unser Dokument Punkte aus dem Abschlußdokument von Madrid auf, die
besagten, welche Verpflichtungen wir
in bezug auf die Bewertung des Stockholmer Treffens eingehen würden. Sie
haben mit ihrer Auffassung recht, daß
der Ostblock besorgt war über unseren
Wunsch nach einer besseren Überprüfung der Durchführung und größerer
Offenheit.
FRAGE: Seit der Eröffnung dieser
Treffen ist das ein ziemlich ungewöhnlicher Schritt. Warum haben die
Sowjets ihn akzeptiert?
ANTWORT:
Nun, unsere Argumentation bei der Förderung dieser Idee
war,
daß
die
sowjetische
Führung
selbst in der Öffentlichkeit erheblich
die Offenheit
betont:
Herr

�Gorbatschow hat das Wort "glasnost"
(Offenheit) benutzt, als er die Politik in der Führung der sowjetischen
Partei seit seinem Amtsantritt beschrieb. In unseren Diskussionen mit
den Sowjets haben wir gesagt: Wenn
Sie für Offenheit sind, so wie Sie es
sagen, warum
sind Sie
dann
beim
KSZE-Treffen nicht offener?
Offensichtlich haben Sie uns zugehört und
so haben wir in dieser Hinsicht Ergebnisse erzielt.
FRAGE:
Der österreichische Botschafter (bei der KSZE) hat uns gestern abend erklärt, daß nicht alle
Staaten zur Eröffnung auf Ministerebene vertreten
sein würden.
Sie
scheinen mit dem Dokument zufrieden
zu sein.
Warum wird Herr Shultz
nicht an der Eröffnung teilnehmen?
ANTWORT:
Herr Shultz hat noch
nicht entschieden, ob er kommen wird
oder nicht.
Wir
fühlen uns verpflichtet, daran auf politischer Ebene teilzunehmen, und diese Verpflichtung findet sich genauso im Dokument
des gestrigen Abends wie auch im
NATO-Kommunique
vom Frühjahr.
Zum
jetzigen Zeitpunkt wissen wir jedoch
nicht, wer genau uns dabei vertreten
wird.
FRAGE: Können Sie uns etwas über
die Entscheidung
von Herrn Shultz
hinsichtlich seiner Teilnahme sagen?
ANTWORT:
Nun, sie wird eng mit
seinem Terminkalender verknüpft sein,
da, wie Sie wissen, am 4. November dem Tag der Konferenzeröffnung - in
den Vereinigten Staaten Wahlen stattfinden. Ich kann nicht mehr dazu sagen, da ich keine Kenntnis der Details besitze.
FRAGE: Wie würden Sie die Atmosphäre der Vorbereitungskonferenz im
Vergleich zu anderen ähnlichen Veran-

staltungen beschreiben?
Ist die Atmosphäre zwischen Ost und West hier
besser?
ANTWORT:
Persönliche
Erfahrung
habe ich in diesem Bereich nur in
Madrid sammeln können, einem gleichgearteten Treffen, denn es war ein
Vorläufer des Wiener Treffens.
Und
die Atmosphäre ist hier wirklich wesentlich besser gewesen.
Wir waren
in der Lage, das Vorbereitungstreffen
zum
verabredeten
Zeitpunkt
abzuschließen.
In Madrid dauerte das Vorbereitungstreffen, wenn ich mich recht erinnere, insgesamt neun Wochen und war
noch nicht einmal beendet, als das
Haupttreffen begann.
Es gab dabei
Momente voller Spannungen und Streit.
Ich glaube, daß die Gesamtatmosphäre
zwischen Ost und West eine Rolle dabei
gespielt
hat, dieses
Treffen
leichter zu einem erfolgreichen Ende
zu führen. Und ich hoffe, daß dies
ein gutes Omen für das Haupttreffen
ist.
Leider muß ich hinzufügen, daß
die Probleme, denen
das
Madrider
Treffen konfrontiert sah - die Probleme der Nichteinhaltung von Abkommen durch die Sowjets und einige ihrer Verbündeten - heute genauso wichtig und schwerwiegend sind wie damals. Im Zuge des Haupttreffens werden wir nicht damit hinter dem Berg
halten, daß wir äußerst offen über
diese Nichteinhaltung sprechen müssen, da unserer Überzeugung nach der
KSZE-Prozeß
grundlegend
davon
abhängt, daß die beteiligten Staaten
die Verpflichtungen erfüllen, die sie
in Helsinki und Madrid
freiwillig
eingegangen sind.
Dies ist bei der
Sowjetunion nicht der Fall und wir
sind deshalb der festen Überzeugung,
daß es sehr schwierig sein wird, dem
Prozeß weiterhin dasselbe Ausmaß von

- 3 -

�Unterstützung zu verschaffen und innerhalb
dieses
Prozesses
weitere
Fortschritte in bezug auf menschliche
Kontakte zu erzielen wie in der Vergangenheit, falls diese ernste Situation der Nichteinhaltung fortbesteht.
FRAGE:

Werden Sie Namen nennen?

ANTWORT:
Ja, das werden wir.
Wir haben bei allen Folgetreffen Namen genannt, beim 3elgrader Treffen,
beim Madrider Treffen. Wir gedenken,
auch in Wien Namen zu nennen, nicht
in einem Geist der Polemik, sondern
weil die Probleme der Nichteinhaltung
hauptsachlich Probleme sind, die Einzelpersonen, Menschen betreffen; und
unserer Meinung nach ist es nötig,
einige dieser Leute beim Namen zu
nennen, und dies werden wir in einem
symbolischen sowie menschlichen Sinne
tun; damit mein»; ich einige der Leute, die unter der Nichteinhaltung
leiden.
FRAGE:
symbolisch?

Was

verstehen

Sie

unter

ANTWORT:
Es gibt beispielsweise
bestimmte Kategorien von Menschen etwa die jüdischen Verweigerer, die
Zahl der Juden, die die Sowjetunion
verlassen möchten, wird auf bis zu
400 000 geschätzt - und da werden wir
natürlich
nicht
die
Namen
aller
400 000
nennen, sondern
sicherlich
nur einige.
FRAGE: Ist ein Abschlußdatum für
das Treffen vereinbart worden?
Oder
ist das Ende offen?
ANTWORT:
Es wurde kein Datum
festgesetzt.
Im Dokument
ist ein
Zieldatum enthalten; ich glaube der
31. Juli.
Aber ein Zieldatum ist
nicht dasselbe wie ein Abschlußdatum,
da es der Zustimmung aller 35 Staaten
bedarf, das Treffen zu diesem Termin

abzuschließen.
Unserer Meinung nach
sollte es möglich sein, das Treffen
in diesem zeitlichen Rahmen zu beenden und ich denke, daß es auch möglich sein sollte, einen Abschluß in
der zweiten Hälfte des Jahres 1987 zu
erreichen, wenn alle
teilnehmenden
Delegationen sich von Anfang an auf
das Wesentliche konzentrieren.
FRAGE: Gibt es Zielvorgaben für
einzelne Fragen, zum Beispiel für die
Überprüfung der Durchführung?
ANTWORT: Ja, die gibt es. Dies
geht eigentlich schon über Zieldaten
hinaus, dies sind festgelegte Termine. Die Überprüfung der Durchführung
wird sieben Wochen dauern, von der
zweiten bis zur achten Konferenzwoche.
Die letzten beiden dieser Wochen sind gemischt, da in diesen Wochen auch neue Vorschläge eingebracht
und diskutiert werden können;
diese
Phase wird also dann beginnen. Danach wird die Periode, in der neue
Vorschläge eingebracht werden können,
abgeschlossen, und die echten Verhandlungen werden beginnen. All dies
ist im Dokument ausgeführt und die
Daten sind festgelegt.
FRAGE: Welches sind die Aussichten für einen Konsens am Ende des
Haupttreffens?
ANTWORT: Nun, es gab in 3elgrad
wie auch in Madrid einen Konsens auch wenn es nicht immer die gleiche
Art von Konsens war.
In Belgrad
herrschte Übereinstimmung
über ein
relativ kurzes Dokument; in Madrid
hingegen
hinsichtlich
eines
langen
Dokuments mit einer ganzen Reihe zusätzlicher
Verpflichtungen.
Ich
glaube, es wird in Wien nicht schwierig sein, zu einem Konsens über ein
Dokument zu gelangen, das Zeitpunkt
und Ort für ein neues Folgetreffen
festlegt - zumindest sind wir der

�Meinung, daß es dabei keine Probleme
geben dürfte. Was sonst noch Eingang
in das Dokument finden wird, hängt in
großem Maß davon ab, wie die Dinge
sich im Lauf der nächsten Monate entwickeln.

beschäftigt es sich nicht sehr mit
den wirklichen Menschenrechten; aber
es könnte durchaus so kommen, wie Sie
sagen - ein weiterer Versuch, uns zu
imitieren, auch wenn ich dafür keine
Beweis bekommen habe.

Seitens der Vereinigten Staaten
herrscht der Eindruck, man sollte
hinsichtlich
neuer
Verpflichtungen
und neier Formulierungen in einem Dokument sehr skeptisch sein, solange
sich nicht alle an die bestehenden
Verpflichtungen halten. Es liegt daher meiner Meinung nach zu einem
Großteil an der Sowjetunion und an
einigen der sowjetischen Verbündeten,
für die eingegangenen Verpflichtungen
noch etwas mehr zu tun. Wenn sich
hier etwas tut, dann werden wir auch
klarer sehen, walch eine Art von Dokument machbar ist.
Was aber den
Konsens im allgemeinen angeht, mit
dem Treffen zu einem Ende zu kommen
und ein anderes Treffen anzuberaumen,
so glaube ich, daß dies möglich ist.

FRAGE: Was dürfte Ihrer Meinung
nach die Sowjetunion dem Westen im
Bereich der Menschenrechte vorzuwerfen versuchen?

FRAGE: Die Sowjetunion hat kürzlich eine Abteilung für humanitäre
Angelegenheiten eingerichtet. Bedeutet das, daß auch ihre eigenen nichtstaatlichen Organisationen hier vertreten sein werden?
ANTWORT: Das ist ein interessanter Aspekt.
Ich war vor rund zwei
Wochen in Moskau und traf dort zwar
den Leiter dieser Abteilung nicht,
kam aber mit einigen der Leute zusammen, die damit zu tun haben. Dabei
war hiervon nicht die Rede, aber es
ist meiner Meinung nach durchaus möglich, denn etwas ist mir bei dieser
Abteilung für humanitäre Angelegenheiten aufgefallen: es scheint ein
Versuch zu sein, hier so etwas wie
unser eigenes Büro für Menschenrechte
und
humanitäre
Angelegenheiten
zu
imitieren.
Natürlich ist es nicht
dasselbe, denn unserem Eindruck nach

ANTWORT:
Ich glaube, wir werden
einen sehr konzentrierten Versuch der
Sowjets sehen, die Vereinigten Staaten und eine ganze Reihe weiterer
Länder
wegen angeblicher
Menschenrechtsverletzungen
zu
kritiseren.
Die neue sowjetische Führung hat eindeutig klargestellt, daß sie bereit
ist, die Menschenrechtsproblematik zu
diskutieren und daß sie auch bereit
ist, auf die Streitpunkte einzugehen.
Das begrüßen wir durchaus, weil es
den Prozeß nur fördert, wenn es eine
ganz offene Debatte über Fragen wie
die Menschenrechte gibt.
Wenn sie
Kritik an uns üben, dann können wir
auch an ihnen Kritik üben, wo dies
unserer Meinung nach notwendig ist.
Das kann die Qualität der Debatte
beim Wiener Treffen nur verbessern.
FRAGE:
Sehen Sie die
rechte als Streitfrage?

Menschen-

ANTWORT: Es wird eine ganze Reihe von Themen geben, die viel Aufmerksamkeit
auf
sich
ziehen,
ja
Streitigkeiten
hervorrufen
werden.
So ist die Sicherheit bestimmt ein
Hauptthema, das in Wien genauso diskutiert werden wird wie in Madrid.
Es gibt da einen bedeutsamen Vorschlag des Ostens, den der Westen
derzeit analysiert, und eine Sondergruppe der NATO beschäftigt sich mit
der Zukunft der Verringerung bei den
konventionellen Waffen.
Wir wissen
noch nicht, wie das Ergebnis aussehen

- 5 -

�wird, aber sicher ist, daß die sowjetische Seite einen intensiven Versuch unternimmt, in den KSZE-Prozeß
ein neues Element militärischer Sicherheit
einzubringen.
Auch
dies
wird also ein wichtiger Bereich sein.
Natürlich auch die Menschenrechte
- daran gibt er, meiner Meinung nach
keinen Zweifel.
Und auch Probleme
aus anderen Beireichen werden umfassend diskutiert werden: so die Frage
der Familienzusammenführung, die Frage der Informationsfreiheit, der Störung westlicher Rundfunksendungen all dies sind wichtige Themen für
uns. Vielleicht wird sich auch die
Aufmerksamkeit verstärkt auf den sogenannten Korb Zwei, die wirtschaftlichen Fragen, richten. Die Sowjetunion sagte uns, Korb Zwei sollte ihrer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit
erhalten. Wir antworteten, wir seien
durchaus bereit, die Möglichkeit zu
erörtern, wie den Wirtschaftselementen des KSZE-Prozesses mehr Leben
eingehaucht werden kann. Ich stimme
Ihnen also zu: die Menschenrechte
werden
sicherlich ein Hauptelement
der Diskussion «ein, aber andere werden noch hinzukommen.
FRAGE:
Welche Wirkung wird das
Treffen
zwischen
Reagan
und
Gorbatschow auf das KSZE-Treffen haben?
ANTWORT:
Nun, wir hoffen, es
wird die Aussichten auf bessere Atmosphäre erhöhen und - wichtiger noch
als die Stimmung - die verstärkte
Einhaltung der Verpflichtungen verbessern.
Als der Präsident sich im
vergangenen
November
mit
Herrn
Gorbatschow in Genf traf, wurde bei
einem
etwa
einstündigen
Privatgespräch auch über Menschenrechtsfragen
gesprochen. Ich bin sicher, daß der
Präsident die Menschenrechte auf seinem Programm ganz oben sehen will,

wenn er Herrn Gorbatschow in Reykjavik trifft, und ich hoffe, daß dies
zu
einigen
konkreten
sowjetischen
Schritten zur Verbesserung ihrer Haltung bei den Menschenrechten führen
wird. Dies wäre meiner Meinung nach
ein mögliches Ergebnis.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

15. Oktober 1986

34

CHRONOLOGIE AMERIKANISCHER UND SOWJETISCHER RÖSTÜNGSKONTROLLVORSCHLXGE
- Vom 16. November 1985 bis heute -

In Genf wurde nach zweitägigen,
intensiven
Verhandlungen
zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär
Gorbatschow eine gemeinsame Erklärung
veröffentlicht.
Im Bereich der Rüstungskontrolle stimmen beide darin
überein:

dabei besonders auf Bereiche gemeinsamen Interesses zu konzentrieren: das "Prinzip einer 50prozentigen, zweckdienlich durchgeführten Verringerung der Kernwaffen
der Vereinigten Staaten
und der UdSSR" sowie auf den "Gedanken
eines
Interimsabkommens
bei den nuklearen Mittelstreckensystemen";

- ihre Staaten zu baldigen Fortschritten bei den Genfer Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen zu veranlassen und sich

die Bemühungen für den Abschluß
eines wirksamen und überprüfbaren
Verbots chemischer Waffen zu intensivieren und einen Dialog über

21.
Gipfel

November

1985:

Der

Genfer

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die Aufschiebung der vom Westen
verlangten Vereinbarung über die
von beiden Seiten im Verringerungsgebiet stationierten Truppen;

die Verhinderung der Weiterverbreitung chemischer Waffen in die
Wege zu leiten;
einen baldigen und erfolgreichen
Abschluß der Arbeit der Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa (KVAE) zu erleichtern. Sie
bekräftigen
die
"Notwendigkeit
eines Dokuments, das beiderseitig
annehmbare
Vertrauens- und
sicherheitsbildende Maßnahmen enthalten
und
dem
Grundsatz
der
Nichtanwendung von Gewalt konkreten Ausdruck und konkrete Wirkung
verleihen würde;"

das Angebot, "auf eine zeitlich
begrenzte, für eine erste Phase
geltende Vereinbarung hinzuarbeiten", die auf dem im Februar von
der Sowjetunion und ihren Verbündeten vorgelegten Rahmen aufbaut;
ein Vorschlag, wonach die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zu Beginn ihre Landstreitkräfte um 5 000 bzw. um 11 500
Mann verringern sollen;

die Bedeutung zu betonen, die sie
den Wiener Verhandlungen über einen beiderseitigen und ausgewogenen Truppenabbau in Mitteleuropa
(MBFR) beimessen;

eine Verifizierungsregelung, einschließlich
eines
detaillierten
Austauschs von Daten und 30 Inspektionen pro Jahr, um die Truppenstärken auf beiden Seiten zu
überprüfen und die Einhaltung aller Bestimmungen der Vereinbarung
zu bestätigen.

auf Expertenebene die Frage von
"Zentren zur Risikoverringerung"
zu untersuchen.

5. Dezember 1985:
Vorschläge bei MBFR

Neue westliche

Im Bemühen, einen Ausweg aus der
Sackgasse bei den Wiener MBFR-Gesprächen zu finden, legen die Vertreter
der Vereinigten Staaten und ihrer
NATO-Verbündeten
einen
neuen Vorschlag auf den Tisch und bieten an,
"unverzüglich
über
eine gemeinsame
Verringerung
amerikanisch-sowjetischer Truppenstärken in Mitteleuropa
und
eine
anschließende
kollektive
Verpflichtung,
die
Truppenstärken
nicht
zu erhöhen", zu verhandeln.
Diese Verpflichtung sollte für Truppen in Ost und West drei Jahre gelten.
Wesentliche Punkte des westlichen
Vorschlags sind:

6. Dezember 1985:
Amerikanischbritisches Memorandum über SDI
Eine formelle Regierungsvereinbarung über die Bedingungen der britischen Beteiligung am Forschungsprogramm für die Strategische Verteidigungsinitiative der Vereinigten Staaten wird von den Vereinigten Staaten
und dem Vereinigten Königreich unterzeichnet.

19. Dezember 1985: Erklärung des
Weißen Hauses zu einem umfassenden
Atomteststopp
In einer Erklärung
stellt das
Weiße Haus fest, daß "ein umfassender
Teststopp ... ein langfristiges Ziel
der Vereinigten Staaten ist, und zwar
in Zusammenhang
mit der Erzielung
2 -

�breitgefächerter, tiefer und verifizierbarer
Abrüstungsmaßnahmen,
substantiell
verbesserter
Verifizierungsfähigkeiten,
erweiterter
vertrauensbildender Maßnahmen und größerer Ausgewogenheit bei den konventionellen Truppen sowie zu einem Zeitpunkt, an dem die atomare Abschrekkung nicht mehr ein solch grundlegendes Element der internationalen Sicherheit
und Stabilität darstellt,
wie dies heute der Fall ist."

23. Dezember 1985:
Reagan berichtet dem Kongreß über sowjetische
Nichteinhaltung
In einem Bericht an den Kongreß
zeigt Präsident Reagan ein seit langem bestehendes Muster sowjetischer
Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen auf, durch das
die Sowjetunion in die Lage versetzt
wurde,
militärische
Vorteile
bei
strategischen Offensivwaffen sowie in
den Bereichen
chemischer, biologischer und toxikologischer Waffen zu
erzielen.
Der
Bericht
erklärt:
"Diese Verletzungen rechtlich bindender oder politischer Verpflichtungen
führen zu erheblichen Zweifeln an der
sowjetischen Ernsthaftigkeit in bezug
auf
Rüstungskontrolle.
Sie
überschatten weiterhin die Atmosphäre, in
der gegenwärtig Verhandlungen in Genf
und an anderen Orten geführt werden."

15. Januar
1986:
Sowjetischer
Rüstungskontrollvorschlag
Der
sowjetische
Generalsekretär
Gorbatschow verkündet einen Rüstungskontrollvorschlag, der die gänzliche
Abschaffung von Atomwaffen in einem
Zeitraum von 15 Jahren sowie die Abschaffung amerikanischer und sowjetischer Mittelstreckenraketen (INF) in
Europa in den nächsten fünf bis acht

Jahren vorsieht.
Die britischen und
französischen Atomwaffenarsenale würden den amerikanischen Waffen in Europa
nicht
hinzugerechnet
werden,
wohl aber würden sie auf gegenwärtigem Niveau eingefroren.
Amerikanische Atomwaffensysteme könnten nicht
auf dritte Parteien verlagert werden.
Präsident
Reagan
erklärt,
die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden den Vorschlag sorgfältig
untersuchen.
Er
verleiht
seiner
Hoffnung Ausdruck, daß "dieser Vorschlag
einen
hilfreichen
weiteren
Schritt in diesem Prozeß darstellt".
Nach Ansicht von Vertretern der amerikanischen
Regierung
sind
einige
Teile des Gorbatschow-Plans Wiederholungen alter, gänzlich unannehmbarer
sowjetischer Positionen, während einige Aspekte es wert seien, weiter
untersucht zu werden.

28. Januar 1986:

Chemische Waffen

Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion nehmen in Genf die erster
Runde intensivierter Gespräche über
ein
umfassendes
Verbot
chemischer
Waffen auf.

4.
Februar
1986:
Reagan-Botschaft zur Lage der Nation
In seiner
jährlichen
Ansprache
vor dem Kongreß erklärte der Präsident:
"Unsere Genfer Verhandlungsführer haben eine radikale Beschneidung der Offensivwaffen auf jeder
Seite
vorgeschlagen,
ohne
Betrug.
Sie haben klargemacht, daß die Erfüllung von Geist und Buchstaben jeden
Abkommens
durch
die Sowjets
eine
Grundbedingung darstellt.
Wenn die
sowjetische Regierung
ein Abkommen
wünscht, das die Zahl der Atomwaffen
wirklich
reduziert,
dann
wird
es

- 3 -

�solch ein Abkommen geben."

20. Februar 1986: Vorschlag des
Warschauer Pakts bei den M3FR-Gesprächen
Bei
den Wiener
MBFR-Gesprächen
legt der Warschauer Pakt einen neuen
Vertragsentwurf vor.
Der Vorschlag
beinhaltet eine anfängliche Reduzierung um 11 000 Mann auf Seiten der
Sowjets und 6 500 Mann amerikanischer
Soldaten zusammen mit der Verpflichtung, in den drei Jahren danach die
Truppen nicht
zu verstärken.
Der
östliche Plan fordert außerdem permanente Beobachtungsposten für Ein- und
Ausreise, um die Nichterhöhung
in
diesem Zeitraum zu überwachen.
In einer Erklärung für alle westlichen Teilnehmer verwies der Vorsitzende der niederländischen Delegation, Botschafter Jan Hein L. Van De
Mörtel, darauf, daß der östliche Vorschlag "nicht als adäquate Antwort
auf den weitreichenden Schritt der
NATO vom vorigen Dezember betrachtet
werden kann". Weiter sagte er: Anstatt die vom Westen vorgebrachten
Gedanken zu untersuchen und beantworten, ist der Osten wieder einmal auf
seine unangebrachten Vorschläge vergangener Jahre verfallen und hat es
versäumt, sich bei irgendeiner der
bedeutenden Fragen, die beide Seiten
trennen, substantiell
zu bewegen".
Nach Angaben
offizieller Vertreter
bildet die Frage der Verifizierung
weiterhin eines der Hauptprobleme in
bezug auf die Position des Warschauer
Pakts.

24.
Februar
1986:
Erklärung
Reagans zur Rüstungskontrolle

von

Nach einer Analyse des im Januar
den Sowjets
verkündeten Vor-

schlags zur Abschaffung aller Atomwaffen bis zum Ende des Jahrhunderts
veröffentlicht Präsident Reagan eine
Erklärung, wonach die "Sowjetunion im
Prinzip unserem Endziel, der Hinwendung
zur - wenn möglich - totalen
Abschaffung
nuklearer Waffen
zuzustimmen scheint".
Reagan erklärt seine Unterstützung eines Prozesses, "durch den die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die ersten Schritte unternehmen
würden, indem sie auf beiden Seiten
das Prinzip der Verringerung von nuklearen Offensivwaffen um 50 Prozent
verwirklichen und entsprechend anwenden sowie über ein Abkommen bei Mittelstreckenwaffen
verhandeln."
Er
stellt fest, daß die Sowjetunion "unsere seit langem eingenommene Haltung, daß die Verifizierbarkeit der
verhandelten Abkommen den wichtigsten
Punkt
darstellt", öffentlich anerkannt hat. Gorbatschows öffentliches
Angebot zur Lösung aller notwendigen
Verifizierungsprobleme würde am Verhandlungstisch
konkret
untersucht
werden.
Laut Reagan sind es einige Teile
des sowjetischen Plans zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wert, in Erwägung gezogen zu werden. Er erklärt,
daß die völlige Abschaffung nuklearer
Waffen "gleichzeitig die Berichtigung
des Ungleichgewichts bei konventionellen und anderen Waffen erfordern
(wird) und die völlige Erfüllung gegenwärtiger und zukünftiger vertraglicher Verpflichtungen, die friedliche Lösung regionaler Konflikte auf
eine Art und Weise, die Wahlfreiheit
ohne Einmischung von außen erlaubt
sowie ein von der Sowjetunion gezeigtes Engagement für friedlichen Wettbewerb."
Reagan drückt seine Hoffnung
unmittelbare
Fortschritte
bei

auf
den

�Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme
aus.
"Heute haben
unsere Unterhändler
in Genf einen
konkreten Plan vorgelegt, der die Abschaffung
von
amerikanischen
Pershing-II-Raketen,
bodengestützten
Marschflugkörper und sowjetischen SS20-Raketen nicht nur in Europa, sondern auch in Asien fordert und mit
dessen Hilfe alle Raketen dieser Art
bis zum Ende des Jahrzehnts von der
Erdoberfläche entfernt werden sollen."

26. Februar 1986: Reagan nimmt Stellung zur nationalen Sicherheit
In einer Fernsehansprache sagte
Präsident
Reagan,
"es wäre
reine
Dummheit
seitens
der
Vereinigten
Staaten, SDI nicht weiterzuverfolgen,
wenn die Sowjets ihrerseits schon
seit mehr als zwanzig Jahren in ihr
eigenes Programm
investiert haben.
Wir sollten nicht vergessen, daß heute die einzige einsatzbereite Raketenverteidigung der Welt die Hauptstadt der Sowjetunion schützt - nicht
die der Vereinigten Staaten."
Reagan sagte:
"Aber während SDI
Hoffnung für die Zukunft bietet, müssen wir die Welt von heute in Betracht ziehen. Allzu lange haben wir
und
unsere Verbündeten
zugelassen,
daß Atomwaffen eine Art Krücke bilden, einen Weg, um zu vermeiden, den
wirklichen Notwendigkeiten der Verteidigung ins Auge zu sehen.
Wir
müssen uns von dieser Krücke befreien.
Unser Ziel sollte darin bestehen,
eine Aggression
abzuschrecken
und, wenn nötig, zurückzuschlagen,
ohne zu Atomwaffen greifen zu müssen."

2. März 1986:

Mittelstreckenwaffen

Der Sonderberater für Rüstungskontrollfragen, Paul Nitze, sagt in

München, der sowjetische Plan, die
Mittelstreckenwaffen größerer Reichweite (LRINF) in Europa abzuschaffen,
würde die Anzahl französischer und
britischer
Abschreckungswaffen
zunächst einfrieren und dann abschaffen.
Ihm zufolge würde eine Transferverbotsklausel in diesem sowjetischen Plan bereits bestehende Programme der amerikanischen Zusammenarbeit mit den Verbündeten behindern.
Er betonte, der sowjetische Plan beschäftige sich weder mit der Stationierung von SS-20-Raketen in Asien,
noch mit Beschränkungen über Mittelstreckenraketen
kürzerer
Reichweite
(SRINF),
die
dazu
benutzt
werden
könnten, die Abschaffung der LRINFWaffen zu umgehen.
Nitze sagte, daß die Vereinigten
Staaten jedwede sowjetische Verfügung
über
französische
und
britische
Nuklearwaffen zurückweisen. Der Vorschlag der Vereinigten Staaten fordert weltweit die gleichen Beschränkungen für LRINF-Waf fen, um den sicherheitspolitischen Bedürfnissen der
asiatischen und europäischen Verbündeten
und Freunde gerechtzuwerden,
wie auch die Einbeziehung von Beschränkungen über SRINF. Er fordert
ferner von beiden Seiten den anfänglichen Abbau auf 140 LRINF-Abschußvorrichtungen und einen proportionalen Abbau in Asien. Die Vereinigten
Staaten würden dann ihre LRINF-Raketen parallel zu gleichwertigen sowjetischen Verringerungen abbauen.

5. bis 6. März 1986:

Chemische Waffen

In Bern sprechen die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion über eine
Verhinderung
der
Weiterverbreitung
chemischer Waffen, wie es beim Gipfeltreffen
im
November
vereinbart
wurde.

5 -

�14. März 1986:

Atomtests

Präsident Reagan
kündigt
einen
neuen Vorschlag für die Beobachtung
von Atomtests vor Ort an, der sofort
durchführbar wäre und die Verifikationsbestimmungen
des Schwellenvertrags (TT3T) und des Vertrages über
Atomexplosionen zu friedlichen Zwekken (PNET) festigen könnte.
Reagan
dazu: "Was einzigartig an dieser neuen Initiative ist, ist ihr präziser
und konkreter Charakter, wie auch die
detaillierten neuen technischen Informationen, die wir der Sowjetunion
in dem Versuch zur Verfügung gestellt
haben, um diese Unsicherheiten über
die Verifizierung aus der Welt zu
schaffen."
Reagan beschreibt eine neue Methode der hydrodynamischen Druckmeßtechnik, CORRTEX, die eine Verifizierung der Einhaltung der Maßgabe von
150
Kilotonnen
bei
unterirdischen
Tests verbessern könnte. CORRTEX benutzt ein Koaxialkabel, das in ein
Loch parallel zu dem der Versuchsvorrichtung gelegt wird, um die Schwingungen der sich bei der Atomexplosion
ausbreitenden
unterirdischen
Druckwelle zu messen.
Reagan lädt auch sowjetische Wissenschaftler ein, in der dritten Aprilwoche 1986 das CORRTEX-System auf
dein amerikanischen Testgelände in Nevada zu untersuchen und einen zu diesem Zeitpunkt geplanten Kernwaffentest zu beobachten.

wjetunion und ihre Verbündeten haben
auf
jüngste westliche
Initiativen,
die darauf abzielten, bei diesen Verhandlungen einen grundlegenden Erfolg
zu erzielen, nicht konstruktiv geantwortet. Die NATO hat dem Warschauer
Pakt klar zu verstehen gegeben, daß
die Handlungsweise des Ostblocks während dieser Verhandlungsrunde nicht
den westlichen Erfordernissen
entsprach und daß wir immer noch auf eine Antwort des Ostblocks warten, die
den im Dezember vom Westen unternommenen bedeutsamen Schritten gleichkommt. Wenn die Sowjetunion und ihre
Verbündeten den gleichen politischen
Willen wie der Westen zeigen, besteht
Hoffnung, daß die M3FR-Verhandlungen
in ein wirkungsvolles und faires Abkommen münden. Der Präsident hat die
Delegation
der Vereinigten Staaten
angewiesen, weiter an einem solchen
Ergebnis zu arbeiten."

27. März 1986: Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen ein Forschungsabkommen über SDI
Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger
und
Bundeswirtchaftsminister Martin Bangemann unterzeichnen
eine Regierungsvereinbarung über die
Beteiligung
deutscher
Firmen, Forschungsinstitute und anderer Organisationen
am Forschungsprogramm
der
Strategischen Verteidigungsinitiative
(SDI).

29. März 1986: Reagan antwortet auf
sowjetische Vorschläge
20. März 1986:

MBFR-Verhandlungen

Die 38. Runde der Gespräche über
beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in
Mitteleuropa
geht in Wien zuende. Dazu eine Stellungnahme des Weißen Hauses: "Die So-

Reagan
weist
die
Forderung
Gorbatschows vom 14. März nach einem
Atomtestmoratorium zurück und fordert
ihn auf, auf den amerikanischen Vorschlag zur Verbesserung der Verifikation bei Atomtests einzugehen. Reagan

�weist
ebenfalls
Gorbatschows Vorschlag
für ein Gipfeltreffen über
Atomtests ab, das in Europa stattfinden soll.
Reagan sagt, ein Gipfel
sollte sich "mit der gesamten Bandbreite amerikanisch-sowjetischer Beziehungen beschäftigen."

3. April 1986:
Vereinigte Staaten
halten Vor-Ort-Inspektionen für ein
Verbot chemischer Waffen für unerläßlich
Botschafter Donald Lowitz erklärt
auf der Genfer Abrüstungskonferenz,
daß obligatorische Vor-Ort-Inspektionen für die Verifizierung des Verbots
chemischer Waffen unerläßlich seien.

18. bis 23. April 1986: Gorbatschows
Vorschlag und die Reaktion der Vereinigten Staaten
In einer Ansprache vor dem SEDParteitag in Ost-Berlin am 18. April
schlägt
der
sowjetische Parteichef
Gorbatschow einen Abbau bei den konventionellen Streitkräften
und den
taktischen Kernwaffen auf dem gesamten europäischen Kontinent vom Atlantik bis zum Ural vor.
Gorbatschow
fordert Einschnitte bei den Landstreitkräften
und
taktischen Luftstreitkräften
europäischer
Staaten
sowie bei den in Europa stationierten
amerikanischen
und
kanadischen
Streitkräften. Auf Einzelheiten geht
er nicht ein. Zu den chemischen Waffen sagt Gorbatschow, daß die Sowjetunion den Abschluß eines entsprechenden internationalen Abkommens herbeiführen möchte und bei der Abrüstungskonferenz "innerhalb der nächsten Tage eine Reihe von neuen Vorschlägen
vorlegen wird, die es möglich machen,
die
noch
bestehenden
Meinungsverschiedenheiten aus dem Weg zu räumen".
Am
21.
April
schlägt

Gorbatschow, der sich zu diesem Zeitpunkt immer noch in Ost-Berlin aufhält, vor, sowohl Warschauer Pakt als
auch NATO abzuschaffen.
Am 23. April erklärt der Stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes, Gorbatschows Vorschlag zur Abschaffung des Warschauer
Paktes und der NATO sei "nichts Neues".
Die NATO, so Speakes, ist ein
Verteidigungsbündnis, das dazu dient,
Aggression
abzuwehren.
"Der Grund
der Spannungen in Europa ist nicht
das Bestehen der NATO, sondern die
Bedrohung, die von umfangreichen, gut
ausgerüsteten
und
vornedislozierten
sowjetischen Truppen ausgeht wie auch
die sowjetische Aufrüstung, die weit
über alle berechtigten Erfordernisse
einer Verteidigung hinausgeht.
Wir
sind davon überzeugt, daß der Schlüssel für einen Abbau der Spannungen,
für sinnvolle Rüstungskontrollvereinbarungen und für stabilere Ost-WestBeziehungen bei ernsthaften Vorschlägen liegt, die vertraulich und nicht
durch
öffentliche
Presseerklärungen
verhandelt werden."

5. bis 6. Mai 1986: Zentren zur Verringerung eines nuklearen Risikos
Amerikanische und sowjetische Unterhändler treffen sich in Genf, um
die
Errichtung
von
Zentren
in
Washington und Moskau zu besprechen,
die - jeweils mit sowjetischen und
amerikanischen
Experten besetzt
-,
der Möglichkeit eines unabsichtlich
verursachten Nuklearkrieges vorbeugen
sollen.

27. März 1986: Reagan über SALT II
und vorläufige Zurückhaltung

die

- 7 -

Präsident Reagan verkündet, daß
Vereinigten Staaten in Zukunft

�Entscheidungen über den Aufbau ihrer
strategischen Streitkräfte
von der
Art und dem Umfang der von den sowjetischen strategischen Streitkräften ausgehenden Bedrohung
abhängig
machen werden, nicht von den Standards, die der Vertrag über die Begrenzung
strategischer
Rüstungen
(SALT) festlegt, den er als fehlerhaft bezeichnet und der erheblich
durch die sowjetische Nichteinhaltung
untergraben sei. Der Präsident verwies darauf, wie unangebracht es sei,
auch weiterhin eine Politik der Einhaltung
der Bestimmungen des SALT
II-Vertrags - eines Vertrages, der
nie ratifiziert worden sei - zu verfolgen, Bestimmungen zudem, die von
der Sowjetunion kontinuierlich verletzt worden seien.
Reagan sagte,
die Vereinigten Staaten würden weiterhin
größtmögliche
Zurückhaltung
üben und dabei versuchen, angesichts
der sowjetische Aufrüstung den strategischen Erfordernissen der Vereinigten Staaten gerechtzuwerden und
das durch Maßnahmen, die Anreize für
ein weiteres Wachstum
sowjetischer
Offensivstreitkräfte auf ein Minimum
beschränken. Keine Politik der vorläufigen Zurückhaltung sei jedoch Ersatz für ein Abkommen über einschneidende und ausgewogene Verringerungen
offensiver Kernwaffen, vorausgesetzt,
die Vereinigten Staaten können sich
auf die sowjetische Einhaltung verlassen.

26. Juni 1986:
Verhandlungen
Kern- und Weltraumwaffen

über

Die fünfte Runde der Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen
geht in Genf zuende.
In einer vom
Weißen Haus herausgegebenen Presseerklärung
bemerkt
Präsident
Reagan:
"Das ziel der Vereinigten Staaten bei
diesen Verhandlungen besteht darin,
die sowjetische Zustimmung zu einem
- 8

einschneidenden,
ausgewogenen
und
wirksam
verifizierbaren
Abbau
der
Kernwaffenarsenale
der
Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten zu erlangen, und zwar auf eine Weise, die die
strategische
Stabilität
stärkt".
Präsident Reagan sagt, er hoffe, daß
die von der Sowjetunion vorgebrachten
Vorschläge "den Anfang von ernsthaften sowjetischen Bemühungen einleiten
könnten, mit uns gemeinsam am Abbau
offensiver Nuklearwaffen zu arbeiten."

30. Juni 1986:

KVAE-Verhandlungen

In dem Bemühen, bei der Konferenz
über Vertrauensbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa die Erstellung
eines Vertragsentwurfs
voranzutreiben, unterbreitet der Westen eine umfassende
Fünf-Punkte-Initiative
und
umreißt die Bereiche westlicher Flexibilität hinsichtlich so zentraler
Themen wie Benachrichtigung, Beobachtung und Verifizierung.

3. Juli 19865:

Die M3FR-Verhandlungen

Die 39. Runde der Verhandlungen
über
beiderseitige
und
ausgewogene
Truppenverminderungen in Mitteleuropa
geht in Wien zu Ende.
Botschafter
Robert Blackwill bringt sein Bedauern
darüber zum Ausdruck, daß "den Forderungen
sowjetischer Vertreter
nach
verläßlicher Verifizierung auf allen
Stufen des Kontrollprozesses bei den
konventionellen Waffen nicht auch die
sowjetischen Vorschläge am Verhandlungstisch entsprachen."

16. Juli 1986:

KVAE-Gespräche

Bei der KVAE-Arbeitsgruppe, die
sich mit dem Thema Benachrichtigung
beschäftigt, wird eine Formulierung
erarbeitet, die festlegt, daß Aktivi-

�täten der Bodenstreitkräfte zu der
Art von militärischer Aktivität gehören, bei der eine Benachrichtigung
erfolgt.
Die Formulierung signalisiert außerdem, daß Aktivitäten der
Luftwaffe nur in dem Maß einbezogen
sind, in dem sie Teil der Aktivitäten
der Bodenstreitkräfte sind.

5. August 1986:
Reagan informiert
den Kongreß über die amerikanische
Politik der vorläufigen Zurückhaltung
In seinem "Bericht an den Kongreß
über die amerikanische Politik der
vorläufigen
Zurückhaltung
und
über
die entsprechenden sowjetischen und
amerikanischen Streitkräfte mit und
ohne SALT I und SALT II" erklärt Präsident Reagan, es bleibe auch weiterhin Ziel der amerikanischen Politik,
"eine gemeinsame Grundlage zur Aushandlung
umfassender,
ausgewogener
und
verifizierbarer
Verringerungen
der Nukleararsenale des strategischen
wie
des
Mittelstreckenbereichs
zu
finden." Trotz der wiederholten amerikanischen Forderung nach korrektiven Schritten seitens der Sowjetunion
haben, so der Präsident, die fortgesetzten
sowjetischen
Verletzungen
über mehrere Jahre hinweg die Bestimmungen von SALT II ausgehöhlt.
Der
Bericht ist die freigegebene Version
eines klassifizierten Berichts, den
der Präsident dem Kongreß am 19. Juni
zur Verfügung stellte.

einbart.

24. bis 25. August 1986: Zentren zur
Verringerung eines nuklearen Risikos
Amerikanische und sowjetische Unterhändler treffen in Genf zusammen,
um die Errichtung
von Zentren in
Washington und Moskau zu besprechen,
die - jeweils von sowjetischen bzw.
amerikanischen Experten besetzt - der
Möglichkeit eines durch Zufall ausgelösten Atomkriegs vorbeugen sollen.

4. bis 5. September
Waffen

1986:

Fachleute im Bereich chemischer
Waffen treffen sich in Bern - zum
zweitenmal in diesem Jahr. ziel der
Gespräche
ist es, der Ausbreitung
chemischer Waffen Einhalt zu gebieten.

5. bis 6. September 1986:
Treffen
amerikanischer und sowjetischer Rüstungskon trollexperten
Amerikanische und sowjetische Rüstungskontrollexperten
treffen
sich
im amerikanischen Außenministerium in
Washington zur Fortsetzung der vom
11. bis 12. August in Moskau geführten Verhandlungen.

17.
September
1986:
Weltraumgespräche
11. bis 12. August 1986:
Treffen
amerikanischer und sowjetischer Rüstungskontrollexperten
Amerikanische und sowjetische Rüstungskontrollexperten
treffen
sich
in Moskau.
Einzelheiten über ihre
Gespräche werden nicht bekanntgegeben, doch werden für Anfang September
weitere Gespräche in Washington ver-

Chemische

Nuklear- und

Botschafter Max Kampelman, amerikanischer
Chefunterhändler
bei den
Verhandlungen
über Kern- und Weltraumwaffen (NST) in Genf, erklärt in
einer Rede vor der Belgisch-Amerikanischen Gesellschaft in Brüssel, die
Vereinigten Staaten
strebten
einen
50prozentigen Abbau der ballistischen
Raketen
sowie die Beseitigung der

- 9 -

�Mittelstreckensysteme an, wären jedoch zunächst bereit, auch mit einer
geringfügigeren Beschneidung zu beginnen, solange diese ausgewogen und
stabilisierend sei.

18. September 1986:
der NST-Verhandlungen

Wiederaufnahme

In Genf wird die sechste Runde
der
Verhandlungen
über
Kern- und
Weltraumwaffen in Genf wieder aufgenommen. Ziel der Vereinigten Staaten
bleibt es auch weiterhin, einschneidende, ausgewogene und verifizierbare
Verringerungen bei den amerikanischen
und sowjetischen Nukleararsenalen zu
erreichen. In einer vom Weißen Haus
veröffentlichten Erklärung sagt Präsident
Reagan:
"Die Vereinigten
Staaten sind dem Ziel echter - und
baldiger
Rüstungsverringerungen
voll verpflichtet. Wenn die Sowjets
genauso entschlossen sind wie wir,
gibt es eine echte Chance für solche
Verringerungen." Reagan weist darauf
hin, er habe im Juli an den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow
geschrieben, "um unsere Positionen
bei der ganzen Bandbreite der Rüstungskontrollthemen noch weiter zu
erläutern."

18. September 1986: Atomversuche
Technische Experten der Vereinigten Staaten
und
der Sowjetunion
schließen in Genf eine zweite Runde
von Gesprächen über Fragen von Atomversuchen ab und unterstreichen die
Erwartung, erneut im November zusammenzutreffen.

19. September 1986: SDI
Die Vereinigten Staaten und Italien unterzeichnen eine Regierungs- 10

Vereinbarung zur Beteiligung Italiens
an der Forschung im Bereich der Strategischen
Verteidigungsinitiative
(SDI)

19. bis 20. September 1986: Treffen
zwischen Shultz und Schewardnadse in
Washington
Außenminister Shultz und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse
treffen sich im amerikanischen Außenministerium zu Gesprächen über ein
nächstes Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan
und Generalsekretär
Gorbatschow.
Schewardnadse übergibt
Präsident
Reagan
ein
Schreiben
Gorbatschows.

»

22. September 1986: Reagan spricht
vor den Vereinten Nationen
Präsident Reagan erklärt vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, die Vereinigten Staaten seien
bereit, mit der Sowjetunion ein Abkommen "über Forschung, Entwicklung,
Erprobung
und
Dislozierung
einer
strategischen
Verteidigung"
abzuschließen. Im Rahmen dieses Abkommens, so Präsident Reagan, "würden
(beide Seiten) ihre Bereitschaft erklären, sich bis 1991 auf die laut
ABM-Vertrag zulässige Forschung, Entwicklung und Erprobung zu beschränken, um zu entscheiden, ob moderne
Systeme für eine strategische Verteidigung technisch machbar sind." Und
er fuhr fort: "Ein neuer, heute unterzeichneter Vertrag würde Folgendes
feststellen: falls sich nach 1991 eine der beiden Seiten zur Stationierung eines solchen Systems entschließen sollte, wäre diese Seite dazu
verpflichtet, einen Plan zur beiderseitigen Nutzung der Vorteile der
strategischen Verteidigung und zur
Abschaffung offensiver ballistischer

,
*

�Raketen zu unterbreiten. Dieser Plan
würde dann in einem Zweijahreszeitraum
ausgehandelt
werden."
(...)
"Wenn beide Seiten sich nach zweijährigen Verhandlungen nicht einigen
können, würde es jeder Seite nach
sechsmonatiger
Vorankündigung
freistehen, ein modernes
strategisches
Verteidigungssystem zu stationieren."

22. September 1986:
nigung

KVAE erzielt Ei-

Die Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) erzielt eine Einigung bezüglich
der
Verringerung
einer
Kriegsgefahr in Europa.
Das Forum
von 35 Staaten einigt sich auf ein
Bündel militärisch bedeutsamer
und
verifizierbarer Maßnahmen, die - bei
entsprechender Einhaltung - militärische Aktivitäten vorhersagbarer machen und die Möglichkeiten zu politischer Einschüchterung verbieten. In
einer vom Weißen Haus veröffentlichten
Erklärung
betont
Präsident
Reagan, das Abkommen "wird zu mehr
Sicherheit in Europa und zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Ost
und West beitragen."
Durch dieses
Abkommen haben die Verhandlungsparteien von NATO und Warschauer Pakt
einander Vorwarnzeiten bei allen bedeutsamen militärischen Manövern und
ähnlichen Aktivitäten
vom Atlantik
bis zum Ural eingeräumt, die in bestimmten Fällen bis zu zwei Jahren
beträgt.
Das Abkommen erlaubt eine
ausländische Inspektion der Streitkräfte beider Seiten, um klarzustellen, daß keine Überraschungsangriffe
vorbereitet werden.

25. September
40. M3FR-Runde

1986:

Eröffnung

beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen
in
Mitteleuropa
(MBFR) beginnt in Wien. In einer vom
Weißen Haus veröffentlichten Erklärung
heißt
es:
"Die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten hegen
auch weiterhin die Hoffnung, daß am
Verhandlungstisch in Wien Erfolge erzielt werden können.
wir erwarten
von der Sowjetunion, daß sie ernsthaft auf den wichtigen Kompromiß reagiert, den der Westen im vergangenen
Dezember unterbreitet hat."

30. September 1986: Ankündigung
Treffens
zwischen
Reagan
Gorbatschow auf Island

des
und

Die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion kündigen an, daß Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow sich vom 11. bis 12. Oktober in Reykjavik auf Island treffen
werden.
Präsident
Reagan
unterstreicht vor Reportern, das Treffen
"werde im Rahmen der in Genf im November 1985 vereinbarten Vorbereitungen zum Besuch des Generalsekretärs
in den Vereinigten Staaten abgehalten" .

der

Die 40. Runde der Gespräche über
- 11 -

* * * * *

�</text>
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