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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

1. O k t o b e r 1986

32

I N H A L T

DOKUMENTATION
Zusammentreffen Reagan-Gorbatschow bereitet den Weg zum Gipfel
- Äußerungen Präsident Reagans Botschafter Burt würdigt Verdienste von Care
- Ansprache zum vierzigsten Jahrestag Weinberger: SDI steht für Reagan nicht zur Disposition
- Rede vor dem Zentrum für Ethik und Öffentliche Politik Barry lobt KVAE-Öbereinkunft
- Rede von Botschafter Barry in London -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Dokumentation in vier Teilen - Teil IV -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Entwicklungen an der AIDS-Front
- Hoffnung auf therapeutische Möglichkeiten

ANMERKUNG: Die Redaktion hat sich entschlossen, den AMERIKA DIENST ab
vorliegender Nummer durch ein neues Layout optisch ansprechender und
leichter lesbar zu machen.
* * * * * *

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�v^° S ^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
1. Oktober 1986

32

ZUSAMMENTREFFEN REAGAN-GORBATSCHOW BEREITET DEN WEG ZUM GIPFEL
- Äußerungen Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Einen Tag nach der Freilassung des amerikanischen
Journalisten Nicholas Daniloff kündigte Präsident Reagan an, daß am 11. und
12. Oktober in Reykjavik ein Treffen zwischen Generalsekretär Gorbatschow und
Reagan stattfinden wird, das darauf abzielt, den Weg für ein möglicherweise
Ende des Jahres stattfindendes formelles Gipfeltreffen zu ebnen.
Nachfolgend drucken wir die Stellungnahme Präsident Reagans sowie Auszüge
aus der anschließenden Pressekonferenz.

Präsident Reagan: Ich freue mich,
Ihnen mitzuteilen, daß Generalsekretär Gorbatschow und ich uns am 11.
und 12. Oktober in Reykjavik, Island
treffen werden. Dieses Treffen wurde
von Herrn Gorbatschow vorgeschlagen,
und ich habe zugesagt. Es wird im
Zusammenhang mit Vorbereitungen für
den Besuch des Generalsekretärs in
den Vereinigten Staaten stehen, über
den wir im November 1985 in Genf
übereingekommen sind.
Ich möchte hinzufügen, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjet-

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union die Bereitschaft der isländischen Regierung akzeptieren, dieses
Treffen in Reykjavik zu ermöglichen.
Jetzt könnte ich mir vorstellen, daß
sie eine ganze Menge Fragen stellen
möchten.
FRAGE:
Glauben Sie, daß durch
die Tatsache Ihres Treffens mit Herrn
Gorbatschow, bevor er in die Vereinigten Staaten kommt, die Möglichkeiten eines Rüstungsabkommens erhöht
werden? Bedeutet es, daß Sie unterschriftsreife Dokumente bei sich haben, wenn Sie ihn dann treffen?

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�ANTWORT:
Das glaube
haupt nicht. Ich denke
dies lediglich ein Treffen
zeichnung von Dokumenten
ich kann nicht sagen, was
nis sein wird.

ich übernicht, daß
zur Unterist. Und
das Ergeb-

FRAGE: Was glauben Sie, wird das
Ergebnis sein?
ANTWORT: Ich habe bereits mehrmals gesagt, daß ich denke, die Chancen zur Erzielung eines Abkommens
über
Rüstungsverringerung
stünden
besser als noch vor Jahren.
FRAGE: Warum haben Sie Ihre Meinung darüber geändert?
Das ganze
Jahr schienen Sie die Idee eines
Treffens in einem neutralen Land von
sich zu weisen und forderten, daß es
an Generalsekretär Gorbatschow sei,
in die Vereinigten Staaten zu kommen.
Gibt es bereits Besprechungspunkte
für das Treffen? Werden Sie Abkommen
über Mittelstreckenraketen oder Zentren für eine Risikoverringerung beschließen?
ANTWORT:
Nein.
Bedenken Sie,
dies ist kein Gipfeltreffen. Es war
ein Vorschlag von ihm, daß wir uns
vorher allein in einem neutralen Land
treffen, weil wir uns zu einem Gipfel
entschlossen haben, von dem einer
hier und der nächste in ihrem Land
stattfinden würde.

eine Art von Rüstungskontrollvereinbarung beschlossen wird?
ANTWORT:
Ich habe bei unserem
letzten Treffen meine Hoffnungen darauf gesetzt und ich hoffe auch weiterhin darauf. Und unsere Unterhändler für Rüstungskontrolle haben sich
weiterhin getroffen.
Beide Seiten
haben Vorschläge gemacht und es gab
Differenzen. Diese Differenzen sind
noch nicht beigelegt.
FRAGE: Würden Sie sagen, daß der
Fall Daniloff den Grundstein für dieses Treffen gelegt oder eher ein Hindernis dargestellt hat? Wie beurteilen Sie diesen Fall?
ANTWORT:
Die Freilassung von
Daniloff hat das Treffen ermöglicht.
Ich hätte das Treffen nicht akzeptieren und abhalten können, wenn er
festgehalten worden wäre.
FRAGE: zum gleichen Thema, Herr
Präsident: Unserer Meinung nach haben die Sowjets Daniloff wegen unserer Verhaftung von Sacharow festgenommen. Sie wollten Sacharow freibekommen.
Nun werden sie Sacharow
freibekommen. Was sagen Sie denen,
die behaupten, daß Sie bei diesem
Handel der Verlierer sind und daß sie
(die Sowjets) bekommen haben, was sie
wollten?

ANTWORT:
Das weiß ich nicht.
Alles, was wir festgelegt haben, ist,
daß wir ein Treffen abhalten werden.

ANTWORT: Nein, das ist überhaupt
nicht wahr. Es bestand zwischen diesen beiden Freilassungen kein Zusammenhang, und ich weiß auch nicht, was
über diesen Fall bis jetzt alles behauptet wurde. Es gab in bezug auf
Sacharow andere Arrangements, die zu
seiner Freilassung führten.

FRAGE: Besteht diese Verpflichtung weiter fort, daß der Generalsekretär zu einem Gipfel in die Vereinigten Staaten kommt, bei dem irgend-

FRAGE:
Herr Präsident, meinen
Sie, die Welt wird glauben, daß kein
Zusammenhang bestand, wenn es tatsächlich so ist, daß Daniloff an ei-

FRAGE: Keine Übereinkünfte beim
Treffen nächste Woche?

- 2 -

�nem Tag freigelassen wird und am
nächsten Tag Sacharow im Nu sein Gerichtsverfahren durchläuft und freikommt?
ANTWORT: Darf ich Sie vielleicht
daran erinnern, daß wir in den vergangenen Jahren eine Reihe von Spionagefällen hatten, in denen Spione
hier in diesem Land festgenommen und
verurteilt wurden. Und in jedem dieser Fälle kam es am Ende dazu, daß
wir, anstatt ihnen hier ein Zimmer
mit Vollpension
zur Verfügung
zu
stellen, sie gegen Dissidenten und
andere Leute austauschten, die die
Sowjetunion verlassen wollten.
FRAGE: Bekommen wir mehr als nur
Orlow, oder sind noch andere Dissidenten im Spiel?
ANTWORT:
Ich werde dazu nicht
Stellung nehmen. Das hat bereits jemand anders getan.
FRAGE: Sie sagten, Daniloff sei
eine Geisel gewesen.
Welche Botschaft haben Sie denn heute für andere amerikanische Geiseln, beispielsweise die im Libanon, die von diesen
Verhandlungen nicht profitiert haben?

Leid und den Kummer der Familien dieser Geiseln, die in Beirut festgehalten werden - wir nehmen an, daß sie
in Beirut
gefangengehalten
werden,
denn dies entspricht der gegenwärtigen Geiselsituation. Es hat zwischen
uns und den Geiselnehmern nie direkten Kontakt gegeben - mit diesen Entführern.
Seit
ihrer Gefangennahme
ist jedoch kein Tag vergangen, ohne
daß wir uns bemüht hätten, sie freizubekommen.
Und ich kann nur dies
hinzufügen:
daß wir bisweilen dachten, wir seien im Begriff, dies zu
erreichen und es dann zu einer großen
Enttäuschung kam. Wenn ich also sage, daß ich die Familien verstehen
kann - wenn man den Einzelfall betrachtet. Bedenken Sie aber auch den
Unterschied: in dem einen Fall haben
wir es mit einer Regierung zu tun,
mit der wir diplomatische Beziehungen
unterhalten.
In dem anderen Fall
sind wir mit gesichtslosen Terroristen konfrontiert, die unerfüllbare
Forderungen lediglich durch Mittelsmänner stellen. Wie ich sagte, vergeht bei uns jedoch kein Tag, an dem
wir nicht alles Erdenkliche unternehmen, um diese Leute nach Hause zurückzubringen.

ANTWORT:
Ich bin froh darüber,
daß gerade dies die letzte Frage ist,
und ich habe mich darauf gefreut, sie
zu beantworten.
Ich weiß, daß ich
bald
eine Pressekonferenz
abhalten
werde und werde mir all meine Munition dafür aufsparen - also auf bald.
FRAGE:

Wann wird das sein?

ANTWORT:
Sie wird zu gegebenem
Zeitpunkt angekündigt werden.
FRAGE:

zu

Sagten Sie nicht gerade...

ANTWORT:
Um
beantworten:

jedoch diese Frage
Ich verstehe das
- 3 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

1. Oktober 1986

32

BOTSCHAFTER BURT WÜRDIGT VERDIENSTE VON CARE
- Ansprache in Bonn zum vierzigsten Jahrestag -

BONN - (AD) - In einer kurzen Ansprache hat der amerikanische Botschafter
in Bonn, Richard R. Burt, am 30. September die Arbeit von CARE und CARE International gewürdigt. Dabei betonte er besonders die Tatsache, daß die Bundesrepublik als "einstiger Empfänger von CARE jetzt selbst eine der größten
CARE-Organisationen hervorgebracht hat."
Die Äußerungen von Botschafter Burt haben folgenden Wortlaut:
Herr Minister Genscher, Frau Renger, Mr. Campbell, Herr Dr. Nöldner,
meine Damen und Herren*.
Erfolg
ist
eine
gefährliche
Sache.
Er verführt zu Selbstgefälligkeit. Nur zu oft versäumen es erfolgreiche Persönlichkeiten und Institutionen, den Zeitpunkt zu erkennen, an dem die von ihnen geleistete
Arbeit in einer veränderten Welt an
Bedeutung verloren hat. Sie werden
überflüssig und belanglos.
Am

heutigen

40. Jahrestag

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von

CARE ist die Ehre, die Ihnen, Mr.
Campbell, durch Außenminister Genscher zuteil geworden ist, gewiß angebracht
und
reichlich
verdient.
Aber obwohl Sie zu den Mitbegründern
von CARE gehören, sind wir heute
nicht nur wegen der Ereignisse zusammengekommen, die nun vierzig Jahre
zurückliegen - und ist dies nicht der
einzige
Grund
warum
Ihnen
das
Bundesverdienstkreuz verliehen wird.
Das wirklich Bemerkenswerte in
bezug auf CARE besteht in der Tatsache, daß diese Organisation nie

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�selbstgefällig geworden ist.
CARE begann als eine amerikanische Hilfsorganisation, die die Verschickung von Lebensmittelpaketen an
die Menschen in einem Europa in die
Wege leitete, das vom schrecklichsten
Krieg in der Geschichte der Menschheit verwüstet worden war. Ihre Leistungen werden niemals vergessen werden.
Angeführt von der Bundesrepublik
Deutschland machte das europäische
Wirtschaftswunder die Nahrungsmittelhilfe für diesen Kontinent binnen
weniger Jahre nach dem Krieg überflüssig.
CARE jedoch wurde nicht
überflüssig. Ihr Augenmerk richtete
sich zusehends auf die Entwicklungsländer, deren Probleme zu jener Zeit
begannen, stark in das Bewußtsein des
Westens zu rücken.
Man sagte mir, das letzte der berühmten CARE-Pakete wurde 1967 verschickt.
Heute unterhält CARE ein
vielfältiges, ausgeklügeltes Programm
der Entwicklungshilfe in rund drei
Dutzend
Entwicklungsländern.
Die
Partnerschaftliehen
Selbsthilfeprogramme von CARE, bei denen die Kosten
auf viele Schultern verteilt sind,
stellen genau das war, was wir Amerikaner - und viele andere - als jenen
riesenhaften Programmen weit überlegen ansehen, die ausschließlich von
staatlichen
Bürokratien
verwaltet
werden.
CARE reagiert auf eine sich verändernde Welt auch durch die Erkenntnis, daß es mit der Ausbreitung des
Wohlstands überall fürsorgliche Menschen gibt, die sich an ihrer Arbeit
beteiligen wollen. Seit der Gründung
von CARE International im Jahr 1982
sind die CARE-Organisationen in den
führenden westlichen Staaten in der
Lage, bei wichtigen Projekten auf der

ganzen Welt eng zusammenzuarbeiten.
CARE Deutschland, jetzt fünf Jahre
alt, gehört bei dieser Arbeit zu den
aktivsten und wirksamsten.
Ich kann mir kein großartigeres
Symbol für die Ereignisse der vergangenen vierzig Jahre in der Bundesrepublik vorstellen, als daß der einstige Empfänger von CARE jetzt selbst
eine der größten CARE-Organisationen hervorgebracht hat. Es ist ein
Beweis für die Intensität der staatsbürgerlichen Kultur, die in den späten vierziger Jahren geschaffen wurde, daß die Bundesrepublik Deutschland heute die Mittel und das Mitgefühl hat, eine deutsche CARE-Organisation zu unterhalten, die den Ländern der Dritten Welt so viel Hilfe
leistet.
Mr. Campbell, es ist mir eine Ehre, bei dieser Gelegenheit zusammen
mit Minister Genscher Ihnen und CARE
International sowie all den nationalen CARE-Organisationen für den Beitrag zu danken, den sie für eine bessere, friedlichere und offenere weit
leisten. CARE ist nicht überflüssig. Sie ist nicht irrelevant. Sie
ist heute so lebenskräftig und wichtig wie je in ihrer Geschichte.
Und Herr Minister Genscher
durch die Ehre, die Sie Mr. Campbell
und CARE erweisen, demonstrieren Sie
erneut, daß die tagtägliche Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Regierungen schlicht ein Spiegelbild der
engen Bindungen ist, die zwischen dem
amerikanischen und dem deutschen Volk
bestehen.

- 2 -

Ich danke Ihnen.

* * * * *

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1. Oktober 1986

32

WEINBERGER: SDI STEHT FÜR REAGAN NICHT ZUR DISPOSITION
Rede vor dem Zentrum für Ethik und Öffentliche Politik -

WASHINGTON - (AD) - Laut Verteidigungsminister Weinberger steht SDI für
Präsident Reagan in einer Verhandlungslösung mit den Sowjets auf keinen Fall
zur Disposition. In einer Ansprache vor dem Zentrum für Ethik und öffentliche
Politik erklärte Weinberger am 26. September 1986 im Nationalen Presseclub:
"SDI ist kein Verhandlungsgegenstand."
Die Ansprache Weinbergers hat folgenden Wortlaut:
DIE NOTWENDIGKEIT EINER
STRATEGISCHEN PERSPEKTIVE
Eine der größten Merkwürdigkeiten
in der Debatte über die neuen Technologien von SDI besteht in der Tatsache, wie alt die Argumente sind.
Man kann nicht umhin, das Gefühl eines echten Deja-vu-Erlebnisses zu empfinden. Ernie Lefevers Verteidigung
des schützenden ABM-Systems, in dem
hervorragenden,
soeben vom Zentrum
für Ethik und Öffentliche Politik publizierten Werk über SDI abgedruckt,
ist für den heute geführten Dialog

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genauso angebracht wie Churchills Argumente für das Radar in den dreißiger Jahren.
In den dreißiger und
siebziger Jahren wie auch heute legen
die westlichen Demokratien ein sehr
merkwürdiges Widerstreben an den Tag,
etwas für ihre eigene Sicherheit zu
tun.
Gute Argumente müssen wiederholt werden, weil weiterhin schlimme
Fehler gemacht werden.
Am bemerkenswertesten ist da natürlich die Tatsache, daß die Demokratien weiterhin dieselben alten und
schlimmen Fehler machen.
Und diese

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�Fehler scheinen sich in einem vorherrschenden Mangel an strategischer
Perspektive
darzustellen.
Solange
diese Perspektive fehlt - damit meine
ich das Fehlen eines umfassenden Verständnisses von der Natur unserer
Gegner, der Natur der Weltpolitik und
besonders das fehlende Verständnis
für die Schranken, die demokratischen
Systemen auferlegt sind -, werden wir
weiterhin in Naivität gegenüber der
Welt verfallen.
Was ist denn nun
wirklich der Unterschied zwischen dem
Eingeständnis Stanley Baldwins im
Jahr 1935, daß Churchill tatsächlich
recht gehabt hätte und Hitler wirklich die Luftüberlegenheit erzielt
habe und der Entdeckung der Liberalen
in den siebziger Jahren, daß die Sowjetunion nicht an Entspannung interessiert sei? Beide Irrtümer entstammen einer Abgeneigtheit, den Charakter totalitärer Politik richtig einzuschätzen und dem Wunschdenken, daß
alle Staaten und politischen Systeme
im Grundsatz identisch seien.

union wirklich "zwei Skorpione in einer Flasche" oder, wie es ein früherer Rüstungsunterhändler einmal bildhaft formulierte, "Affen in einer
Tretmühle".
Danach sind Washington
und Moskau zwei gleichwertige Mächte,
die, von einer besessenen Angst über
ihre Sicherheit getrieben, ziemlich
kopflos auf die Rüstungsprogramme des
jeweils anderen reagieren. Überdies
verfolgen beide die gleichen militärischen Doktrinen, bauen grundsätzlich
die gleichen Waffen und bedrohen beide in gleicher Weise den Weltfrieden.

Aber diejenigen, die keine strategische Perspektive besitzen, lassen
sich durch alles überraschen. Sie
sind überrascht
über Afghanistan.
Sie sind überrascht über den Abschuß
des koreanischen Passagierflugzeuges.
Und sie sind überrascht, wenn die Sowjets einen Journalisten als Geisel
festhalten.
Die Vorteile einer sichtweise,
die die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in ihren strategischen Zusammenhang einordnet, sind immens,
denn damit ist es möglich, einige besonders grobe Fehler zu vermeiden.

Das wichtigste amerikanische ziel
bei diesen Verhandlungen bestand darin, die strategische Doktrin der gegenseitigen Verwundbarkeit für immer
festzuschreiben. Dadurch, daß jeder
Seite bei den strategischen Atomwaffenarsenalen
Obergrenzen, auferlegt
wurden und die Stationierung
fast
aller ABM-Systeme - von ganz wenigen
Ausnahmen abgesehen - durch den Vertrag ausgeschlossen wurde, sollte die
strategische Stabilität gestärkt werden. SALT I und ABM-Vertrag sollten
signalisieren, daß Moskau unsere Vorstellung von einer stabilen Abschrekkung akzeptiert hatte.

Beispielsweise bezieht sich einer
der hartnäckigsten Mythen bezüglich
unserer Beziehungen zu Moskau auf das
sogenannte
"Rüstungswettlauf"-Syndrom. Nach dieser Ansicht sind die
Vereinigten Staaten und die Sowjet-

Diese Sichtweise bestand natürlich darin, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sich solange
ganz sicher fühlen könnten, wie die
Einwohner beider Länder völlig verwundbar blieben. Und es war offen-

Der Fehler einer solchen Denkweise besteht darin, daß diese Idee von
der
politischen
und
moralischen
Gleichwertigkeit ständig mit der Realität kollidiert.
SALT I und der
ABM-Vertrag sowie das, was auf beide
folgte, ist ein Beispiel dafür, wie
die Realität sich zu Wort meldet.

SALT I UND DER ABM-VERTRAG

- 2 -

�kundig, da für die Schaffung von Stabilität mit Hilfe dieser Doktrin unerläßlich, daß beide Seiten ihr auch
zuzustimmen hatten.
Einer unserer
Verhandlungsführer hat ja sogar festgestellt: "Wenn SALT erfolgreich sein
soll,... müßten beide Seiten in gewissem Maß eine ähnliche strategische
Doktrin verfolgen".
Natürlich ist nicht alles nach
Plan verlaufen: nicht nur, daß sich
die Sowjets geweigert haben, unser
Konzept einer stabilen Abschreckung
durch
beiderseitige
Verwundbarkeit
anzunehmen; sie betreiben eine der
dramatischsten
Aufrüstungsmaßnahmen
der Geschichte.
Tatsächlich haben
die Sowjets seit der Unterzeichnung
der SALT I - und ABM-Verträge im Jahr
1972 ihre Arsenale strategischer Raketen-Gefechtsköpfe um ein Vierfaches
aufgestockt. Obwohl wir meinen, daß
diese Verträge den unvermeidlichen
Übergang von offensiven zu defensiven
Waffensystemen eindämmen würden, haben die Sowjets uns klargemacht, das
sie keineswegs dieser Ansicht sind.
Die Sowjets halten auch weiterhin
an
ihrer
dialektischen
Denkweise
fest, was in diesem Fall einen durch
die Geschichte hinweg anhaltenden Umschwung zwischen offensiven und defensiven Formen der Kriegführung bedeutet. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten verfolgt der Kreml
hartnäckige Anstrengungen zu einer
sehr kostspieligen zivilen Verteidigung. Einem sowjetischen Beobachter
zufolge entspricht diese zivile Verteidigung dem gesunden Menschenverstand. "Ein Prozent der sowjetischen
Bevölkerung zu retten bedeutet, drei
Millionen Menschen zu retten. Niemand in diesem Land würde es verstehen, wenn sich die Regierung nicht
dafür einsetzen würde". Die Sowjetunion legt auch weiterhin das Schwergewicht auf ihre Luftverteidigung und

auf die Raketenabwehr.
Tatsächlich hat der damalige sowjetische
Verteidigungsminister
Gretschko dem Obersten Sowjet in der
Geburtsstunde der SALT- und ABM-Verträge zugesichert, daß der ABM-Vertrag "einer Durchführung von Forschung und Experimenten, die sich mit
der Lösung von Problemen zur Verteidigung des Landes gegen einen Angriff
nuklearer Raketen beschäftigen, keine
Beschränkung auferlegt".
Darüber hinaus mutet das entscheidende Tauschgeschäft in SALT I
gegenüber dem, was uns heute abverlangt wird, altmodisch an. Wir haben
unsere Sicherheit in die Waagschale
geworfen und dafür zahlenmäßige Beschränkungen bei sowjetischen Großraketen erhalten. Aber die Sowjets haben sich geweigert, einer Defintion
von Großraketen zuzustimmen und uns
gesagt, dies sei nicht notwendig, da
beide Seiten wüßten, was Großraketen
seien. Trotzdem schreitet die Modernisierung - sowohl offensiver als
auch defensiver - sowjetischer Waffensysteme stetig voran. Im Verlauf
des folgenden Jahrzehnts haben die
Sowjets Hunderte neuer Raketen genau
desjenigen Typs stationiert, von dem
wir glauben, daß wir ihn verboten haben. Kurz gesagt hat der Vertrag die
Sowjets ihrer Sorge über das Potential unserer ABM-Fähigkeit enthoben
und er hat unser Problem der Uberlebensfähigkeit der Minuteman-Raketen
nicht gelöst.
Dieser sogenannte Handel sollte
uns bekannt vorkommen. Er stellt das
Modell für den vielzitierten "großen
Kompromiß" dar, den die Kritiker von
SDI gern von der Administration angewandt sehen möchten. Aber SDI steht
nicht zur Disposition, und dies wird
unter Präsident Reagan auch nie der
Fall sein.

- 3-

�Was diese Erfahrung mit SALT uns
gelehrt haben sollte, ist die Tatsache, daß es kein Phänomen von der
Art Aktion/Reaktion gibt und daß die
Sowjets und die Vereinigten Staaten
sehr unterschiedliche Ansichten über
die Rolle von Nuklearwaffen haben.
Und doch bestehen diese Mythen weiter
und trüben klare Gedanken über Strategie und Politik.
Diese Administration
hat versucht, eine strategische Perspektive
anzunehmen, die das gesamte Gebiet
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betreffen. Wir betrachten die
Verteidigung unseres Landes und die
unserer Verbündeten gegen ballistische Raketen nicht als etwas, das
durch Verhandlungen aus der Welt geschafft werden kann.
Wir möchten
nicht unsere Arsenale einfrieren und
dann diesen Vorgang Rüstungskontrolle
nennen.
Wir haben aus unserer breiten
strategischen Perspektive heraus die
Notwendigkeit für besser organisierte
und dauerhafte strategische Verteidigungsanstrengungen erkannt. Und SDI
ist offensichtlich wohlüberlegt, denn
es ist klar, daß die Sowjets versuchen, durch massive Investitionen in
Offensiv- und
Defensivtechnologien
eine eindeutige militärische Überlegenheit zu erlangen. Aber wir wollen
auch einen besseren und dauerhafteren
Weg finden, um den nuklearen Krieg
abzuschrecken.
Wir glauben nicht,
daß eine demokratische Nation wie unsere mit einer Abschreckungspolitik
zufrieden sein kann, die im wesentlichen einem gegenseitigen Selbstmordpakt gleichkommt.
Aus diesem Grunde hat Präsident
Reagan seine weitreichenden Vorstellungen von SDI entwickelt. Die Abschreckung muß eines Tages auf dem

Schutz unserer Bevölkerung und dem
unserer Verbündeten vor der Bedrohung
ballistisher Raketen beruhen. Diese
Hoffnung aufzugeben und denen nachzugeben, die lediglich die Abschreckung
durch Vergeltung bis ins nächste
Jahrhundert ausdehnen wollen, indem
sie nur militärische Einrichtungen
schützen, würde auf keinen Fall die
moralischen
und
sicherheitspolitischen Verpflichtungen
befriedigen,
die wir gegenüber unseren Bürgern haben.
Heute glaubt eine Mehrheit des
amerikanischen Volkes, daß die Regierung bereits die Fähigkeit besitzt,
sie
vor
einem Nuklearangriff
zu
schützen. Aber wir haben keine Verteidigung, und die Annahme einer Politik, die solch eine Verteidigung
niemals bereitstellen würde, wäre unerhört. Darüber hinaus könnten wir
herausfinden, daß ein erhebliches Maß
der gegenwärtigen Unterstützung einer
Verteidigung lediglich militärischer
Anlagen in den überwältigenden Wunsch
nach Rüstungskontrollabkommen münden
würde, in den überwältigenden Wunsch,
die Geschichte von SALT I zu wiederholen.
Das Ziel von SDI muß die Entdekkung einer durch und durch verläßlichen Verteidigung für unser Land und
unsere Verbündenten sein. Alles, was
diesem Ziel nicht gerecht wird, wird
auch weiterhin unserem gegenseitigen
Selbstmordpakt Vorschub leisten.

Und ich muß Ihnen sagen, daß die
SDI-Forschung erhebliche Fortschritte
macht. Ich denke aber, daß die Frage
in Kürze nicht mehr lauten wird, ob
wir eine strategiche Verteidigung haben können oder ob wir eine solche
haben sollten, sondern wann wir eine
strategische Veteidigung haben werden.

- 4-

Und doch habe ich den Verdacht,

�wir werden auch weiterhin dieselben
Argumente gegen die Verteidigung hören, wie dies Anfang der siebziger
Jahre der Fall war - daß die Verteidigung nie funktionieren wird, daß
sie destabilisierend sein wird, zu
teuer und leicht überwindbar.
Ich
bin immer wieder versucht zu sagen,
daß es zwei Hauptargumente gegen SDI
gibt. Entweder: es funktioniert oder:
es funktioniert nicht.
Auch hier scheint unseren Kritikern jede strategische Perspektive zu
fehlen, sie sehen SDI in einem Vakuum ohne Verständnis für die sowjetische Politik und die Geschichte der
Rüstungskontrolle.
Ihre
größte
Schwäche besteht darin, daß sie nicht
bereit sind, die Bemühungen der Sowjetunion im Bereich der strategischen Verteidigung ernstzunehmen.
Ein schlagender Beweis hierfür
findet sich
in dem Artikel von
McGeorge Bundy, George Kennan, Robert
McNamara und Gerard Smith - die sogenannte "Viererbande" -, der mittlerweile Berühmtheit erlangt hat. Für
diese Architekten und Verteidiger gegenseitiger Verwundbarkeit ist das
sowjetische
RaketenVerteidigungsprogramm buchstäblich eine Fußnote. Obwohl sie eingestehen, daß Moskaus Radaranlage bei Krasnojarsk zur Ortung
und Verfolgung von Raketen wahrscheinlich eine Verletzung des ABMVertrags darstellt, bringt sie diese
Tatsache nicht dazu, sich ernsthaft
mit der sowjetischen Strategie oder
Doktrin
auseinanderzusetzen.
Sie
wälzen vielmehr die Last produktiver
Verhandlung auf die Vereinigten Staaten ab. sie glauben, die Verhandlungen steckten in einer Sackgasse, weil
wir SDI nicht zum Verhandlunggegenstand bei der Rüstungskontrolle machen. Die "Viererbande" würde uns am
liebsten mit uns selbst verhandeln
lassen, da sie nicht einmal die Exi-

stenz des Moskauer Verteidigungsprogramms eingesteht - von dessen Bedeutung ganz zu schweigen.
Diese klugen Köpfe ignorieren die
umfangreichen sowjetischen Investitionen bei praktisch allen Formen der
strategischen Verteidigung wie auch
die massiven Investitionen des Kreml
bei zielgenauen, landgestützten Raketen. Dies ist genau die Art von Analyse, die zu den mangelhaften Rüstungskon troll Vereinbarungen
führte.
Gerade diese Analyse aber wurde von
der Reagan-Administration abgelehnt.
Ein weiterer Hinweis auf den Mangel an strategischem Denken bei unseren Kritikern ist ihre immer wieder
vorgebrachte Behauptung, das Ziel,
ballistische Raketen überflüssig zu
machen, sei unmöglich, und deshalb
sollte das Programm aufgegeben werden. Tatsache ist, daß unsere strategische Verteidigung nicht hundertprozentig wasserdicht sein muß, um
ein ganz außergewöhnliches Maß an Abschreckung zu bieten.
Sogar eine
teilweise wirksame Verteidigung würde
Moskau davon überzeugen, daß ein
Erstschlag sinnlos ist. Und wenn wir
erst einmal einen sowjetischen Erstschlag überflüssig und undenkbar gemacht haben, werden wir die Stabilität dramatisch erhöht und die Abschreckung
auf
eine
felsenfeste
Grundlage gestellt haben. Man sollte
jedoch immer daran denken, daß unser
Ziel auch weiterhin bleibt, ballistische Raketen - die destabilisierendsten und gefährlichsten Waffen,
die der Mensch kennt - überflüssig zu
machen.
In vielen Fällen schieben unsere
Kritiker nur ganze Armeen von Strohmännern vor, in anderen Fällen ignorieren sie ganz einfach, was die Sowjets tun. In beiden Fällen ist die
Debatte kaum vorangekommen.

- 5-

�Heute besteht die größte Herausforderung
für
unsere
strategische
Verteidigungsinitiative jedoch in dem
Versuch des Kongresses, das Programm
schon in seinem Anfangsstadium abzuwürgen, indem SDI die angemessenen
Mittel
verweigert werden.
Anstatt
das Problem direkt anzugehen, haben
viele im Kongreß sich zu einer indirekten Strategie entschlossen.
Ja,
die Gegner im Kongreß haben zugegeben, daß sie es nicht schaffen, das
Programm gänzlich abzuwürgen.
Daher
geht ihre Taktik dahin, jedes Jahr
die Mittel zurückzuschneiden, bis das
Programm völlig deformiert ist.

SCHLÜSSFOLGERUNG

Vorteile mit der gesamten Welt teilen; das heißt, wir können eine Zukunft anbieten, die frei von Atomraketen ist. Oder wir können warten,
bis nur die Sowjetunion
beschützt
ist. Wenn wir wollen, kann es also
für uns eine Zukunft geben, in der
die Existenz der Freiheit einzig von
der Laune eines Regimes abhängig ist,
das sowohl über die offensive Überlegenheit als auch über das defensive
Monopol verfügt.
Ich glaube nicht, daß dies unsere
Zukunft sein wird, denn ich denke
nicht, daß das amerikanische Volk die
ständige Verwundbarkeit unserer Nation gegenüber sowjetischen Raketen
zulassen wird. Wir können nichts Besseres tun, als uns von der Klugheit
unserer Bürger leiten zu lassen.

Wenn der Westen es nicht schafft,
eine Verteidigung gegen sowjetische
Raketen zu dislozieren, so wird dieses Versagen wahrscheinlich nicht auf
Wissenschaft oder Technologie zurückzuführen sein. Wir verfügen über genügend Talent und innovative Fähigkeiten, um die Probleme der Raketenverteidigung zu überwinden. Wir haben Interesse am Wissen, Vertrauen in
die Forschung und Willen zum Risiko.
Und wir sind stark genug, einen Fehlschlag zu ertragen und einen neuen
Versuch zu wagen.
Nicht die Wissenschaft, sondern
die Politik kann uns daran hindern,
das zu tun, was wir tun sollten, um
uns selbst und unsere Werte zu schützen. Wenn wir auch weiterhin an den
engstirnigsten und naivsten Auffassungen über die Sowjetunion festhalten, werden wir uns sicherlich niemals
gänzlich
über
die Bedrohung
klar, vor der wir stehen.
Die eigentliche Frage ist: wer
wird verteidigt? Wir können entweder
Defensivsysteme
entwickeln und die
- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON'^

1. Oktober 1986

32

BARRY LOBT KVAE-ÜBEREINKUNFT
- Rede von Botschafter Barry in London -

LONDON - (AD) - In einer Rede vor dem Royal Institute for International
Affair.j in London hat Botschafter Robert L. 3arry am 25. September 1986 die
Vereinbarungen der Stockholmer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und
Abrüstung in Europa (KVAE) als "einen wichtigen Schritt zu einer berechenbareren und sichereren militärischen Lage in Europa und zur Schaffung einer Atmosphäre größeren Vertrauens, wie sie zur möglichen Behandlung weiterreichender
Rüstungskontrollmaßnahmen unabdingbar ist" bezeichnet.
Nachfolgend bringen wir die Ansprache im vollen Wortlaut:

DI3 STOCKHOLMER KONFERENZ UND
DIE SICHERHEIT IN EUROPA
Die Stockholmer
Konferenz über
Vertraaensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa hat ihre Arbeit gerade erfolgreich abgeschlossen. Ich
kann mir keinen angemesseneren Ort
als London vorstellen, um über diese
Konferenz, ihre Ergebnisse und Auswirkungen zu sprechen. Die Regierung
Ihrer Majestät hat bei der Formulierung und Aufrechterhaltung der westlichen Position eine führende Rolle
gespielt. Unter der Leitung von Bot-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

schafter Michael Edes bildete die
britische Delegation bei dieser Konferenz eine starke Kraft für das Zustandekommen eines positiven Ergebnisses.
Die Vereinigten Staaten sind über
dieses
Ergebnis
befriedigt;
das
Stockholmer Dokument stellt eine gute
Übereinkunft dar, einen Beitrag zur
Stabilität und eine Hilfe zur Verminderung des Risikos einer militärischen Konfrontation in Europa.
Das
verabschiedete vertrauensbildende Regelwerk dehnt das Konzept der Offen-

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�heit in militärischen Angelegenheiten
aus und fördert das weitergefaßte, in
der Schlußakte von Helsinki enthaltene Prinzip, gemäß dem die Beziehungen zwischen Staaten - zwischen
Ost und West - auf Zusammenarbeit und
Dialog und nicht auf Konfrontation
beruhen sollten.
Das Regelwerk von Stockholm ist
nicht perfekt, und es kann im Bereich
vertrauensbildender
Maßnahmen
noch
mehr Nützliches getan werden. Aber
Stockholm bedeutet einen wichtigen
Schritt zu einer berechenbareren und
sichereren militärischen Lage in Europa und zur Schaffung einer Atmosphäre größeren Vertrauens, wie sie
zur möglichen Behandlung weiterreichender Rüstungskontrollmaßnahmen unabdingbar ist.

DIB LEISTUNGEN VON STOCKHOLM
Als die Stockholmer Konferenz im
Januar 1984 begann, besaß der Westen
eine klare Vorstellung von dem, was
erreicht werden sollte: insbesondere
strebten wir konkrete Maßnahmen an,
die das gemeinsame Verständnis hinsichtlich zweck und Umfang aller
wichtigen in Europa stattfindenden
militärischen Aktivitäten vergrößern
sollten; wir strebten also danach,
das Risiko zu vermindern, daß Fehleinschätzung
oder
-Interpretation
über die Natur solcher Aktivitäten
eine Eskalationskette in Gang setzen
könnte, die, unkontrolliert, zu einem
Krieg führen könnte. Um dieses Ziel
zu erreichen, haben wir spezifische
Maßnahmen vorgeschlagen, wie etwa den
Austausch militärischer Informationen, die Vorschau auf, Vorankündigung
und Beobachtung von Manövern und Inspektionen zur Verifikation. In großem Ausmaß enthält das Stockholmer
Dokument genau diese Maßnahmen, die
auch den von den neutralen und block-

freien Staaten getragenen Ansatz repräsentieren.
Andererseits hatten die östlichen
Staaten in Stockholm anfangs versucht, die Diskussion auf rein deklaratorische Vorschläge zu konzentrieren, mit denen sie die politische Tagesordnung mit Zielrichtung auf Westeuropa gefüllt hatten, und dies in
einigen Fällen seit mehreren Jahren.
Ihre Taktik schien mehr dazu bestimmt, das westliche Bündnis zu
spalten, wie etwa bei der Frage der
Mittelstreckenraketen, als dazu, zu
ernsthaften Verhandlungen zu kommen.
Obwohl der Ansatz des Ostens im Rahmen der Konferenz keine Unterstützung
fand und seine Vorschläge nach und
nach fallengelassen wurden, kostete
diese zu Beginn angewendete Ablenkungstaktik viele Monate. Ein Ergebnis davon besteht darin, daß wir erst
letzten Freitag zu einer Einigung gelangt sind, anstatt vor einem Jahr,
wie der Westen zu jener Zeit erhofft
hatte. Wir haben die verabschiedeten
Maßnahmen noch nicht wirklich durchgeführt; wir haben damit noch keine
praktischen
Erfahrungen
gesammelt,
die uns für die nächsten Schritte
hilfreich sein könnten.
Trotzdem ist das bei der Stockholmer Konferenz Erreichte beträchtlich. 35 Staaten haben sich politisch bindend verpflichtet, weit im
voraus Zeitpläne und andere Informationen über zweck, Umfang und Ort
ihrer militärischen Aktivitäten bekanntzugeben. Dies verankert in den
internationalen Prinzipien fest den
Grundsatz, daß Staaten Kenntnis davon
haben sollten, was andere Staaten auf
militärischem Gebiet unternehmen und
planen. In der Praxis sollte dadurch
ebenso eine Norm, ein allseits anerkanntes Niveau an routinemäßiger Ausbildungs- und Ubungstätigkeit festgeschrieben werden, wodurch ein sta-

- 2 -

�bilisierender Effekt in den Beziehungen zwischen potentiellen Gegnern
erzielt werden könnte. Durch einen
Kalender von Ereignissen, der in einigen Fällen zwei Jahre im voraus
festgelegt wird, werden die militärischen Befehlshaber
eine bessere
Vorstellung davon bekommen, was sie
von der anderen Seite erwarten können; es wird leicht sein, zwischen
großen, vorausgeplanten Manövern, für
die keine besondere Reaktion notwendig ist, und unangekündigten Aktivitäten, für die Gegenmaßnahmen erforderlich sein könnten, zu unterscheiden. Wenn beispielsweise ein Staat
seine Truppen zwecks politischer Einschüchterung an den Grenzen eines anderen Staates konzentrieren würde,
würde dies eine klare Verletzung der
Stockholmer Vereinbarungen darstellen, wofür ein hoher politischer
Preis zu bezahlen wäre.
Die in Stockholm verabschiedeten
vertrauensbildenden Maßnahmen werden
eine entschlossene Aggression nicht
verhindern oder die Anwendung von Gewalt zur politischen Einschüchterung
ausschließen.
Aber sie werden die
Möglichkeit eines "ungewollten" oder
zufälligen Krieges stark vermindern
sowie den politischen Preis enorm
steigern, den ein Staat für den Versuch bezahlen müßte, einen anderen
mit politischen Mitteln einzuschüchtern.

STOCKHOLM FÖRDERT HELSINKI
Bei der Bewertung der mit den
Stockholmer vertrauensbildenden Maßnahmen erzielten Leistungen gewinnt
man eine gute Perspektive, wenn man
sie mit den bescheidenen vertrauensbildenden Maßnahmen der Schlußakte
von Helsinki des Jahres 1975 vergleicht.
Die in Stockholm verabschiedeten Maßnahmen bedeuten in der

Tat qualitative und quantitative Verbesserungen der Maßnahmen von Helsinki.
- Erstens sind sie obligatorisch
und politisch bindend, während die
Maßnahmen von Helsinki freiwillig waren; deshalb bedeuten die Stockholmer
Maßnahmen eine konkrete Verpflichtung
zu Handlungen und keine symbolischen
Gesten.
- Zweitens beziehen sich die in
Stockholm getroffenen Maßnahmen auf
ganz Europa und behandeln zum ersten
Mal die gesamte Region als Einheit
mit verbundenen Sicherheitsanliegen;
Helsinki klammerte den Großteil sowjetischen Territoriums in Europa aus.
- Drittens sind die Stockholmer
Maßnahmen verifizierbar, eine Voraussetzung
echter
Vertrauensbildung;
aufgrund ihres freiwilligen Charakters enthielt die Schlußakte von Helsinki keinerlei Regelungen zur Verifikation.
- Viertens schließlich erstrecken
sich die Stockholmer Maßnahmen auf
sämtliche bedeutsamen militärischen
Aktivitäten in ganz Europa; Helsinki
betraf lediglich "größere Manöver".
Das Ausmaß vertrauensbildender Aktivitäten nach Stockholm wird wesentlich weitergefaßt und dies wird sich
wahrscheinlich auch auf das Ausmaß
des Vertrauens auswirken.
In Kürze:
Die Maßnahmen von
Stockholm haben das in der Schlußakte
enthaltene Konzept vertrauensbildender Maßnahmen
in ein praktisches
System verwandelt, mit dem in der
realen Welt militärischer Angelegenheiten gehandelt werden kann.

- 3-

�ADSWIRKONGEN
Der nächste Schritt wird natürlich in der Durchführung bestehen.
Wir hoffen, daß die Durchführung des
Stockholmer Regelwerks den in ihm
enthaltenen
Möglichkeiten
gerecht
werden und Verdächtigungen reduzieren
sowie Vertrauen bilden wird; es ist
nun die Aufgabe aller Parteien, ihre
neuen Verpflichtungen voll anzuwenden. Dies ist keine Frage des von
allen Teilnehmern bei der Annahme
dieser Verpflichtungen gezeigten guten Glaubens; wir betreten hierbei
Neuland, und selbstverständlich werden wir alle - die neutralen und
blockfreien Staaten genauso wie Ost
und West - sorgfältig beobachten, wie
die beschlossenen Maßnahmen sich in
der Praxis bewähren.
Wenn die Durchführung glatt verläuft, sollten wir Wege ausfindig
machen, um die vertrauensbildenden
Maßnahmen weiterzuentwickeln und ihre
stabilisierende Wirkung zu verstärken.
Aus der Sicht von Stockholm
gibt es mehrere wichtige Bereiche, in
denen Verbesserungen
möglich sein
sollten. Als erstes und wichtigstes
sollten wir daran arbeiten, die Verpflichtung zum Austausch von Informationen über Streitkräftestrukturen
und Stationierungsorte in Europa zu
erweitern. Stockholm war in dieser
Hinsicht eine Enttäuschung; der Osten
weigerte sich sogar, die Verpflichtung zur Lieferung von der Art Informationen einzugehen, die der Westen
routinemäßig in seine Notifizierungsaktivitäten gemäß der Schlußakte von
Helsinki seit 1975 einbezogen hat die Bezeichnung von Einheiten, die an
Manövern teilnehmen. Fragen darüber,
welche Truppen wirklich in Europa
stehen und wo - das berüchtigte
"Datenproblem" -, haben die Wiener
Verhandlungen über einen Abbau konventioneller Streitkräfte seit drei-

zehn Jahren auf der stelle treten
lassen.
Bei jeder weiteren Fortsetzung
der Stockholmer Konferenz
scheinen uns Fortschritte bei dieser
Frage unabdingbar, wenn der Vertrauensbildungsprozeß voranschreiten und,
sicherlich, wenn wir neue Bemühungen
bei der Verminderung konventioneller
Waffen in Betracht ziehen sollen.
Der Jahreskalender, der die militärischen Aktivitäten des nächsten
bzw. übernächsten Jahres ausweist,
könnte die wichtigste aller in Stockholm vereinbarten
Maßnahmen sein.
Wir sollten insbesondere versuchen,
die stabilisierende Wirkung dieses
Kalendariums zu erhöhen, indem wir
ihm durch die Ankündigung des Geplanten nicht nur erläuternden, sondern
Gebotscharakter geben, indem wir das
beschränken, was stattfinden darf.
Ich glaube, daß der Wert eines Verbots militärischer Aktivitäten, die
nicht zwei Jahre im voraus angekündigt worden sind - dies die logische
Folge eines westlichen Vorschlags in
Stockholm -, offenkundig ist. Das
Bündnis wird auch weiterhin das gesamte Beziehungsfeld der Beschränkungen, Obergrenzen und Einschränkungen hinsichtlich des gesamten Umfangs militärischer Aktivitäten analysieren. Wir haben keine Beschränkung gesehen, die alle Vertragsparteien in gleichem Maße betrifft und
die die defensive Seite nicht stärker
bestraft als einen Aggressor. Aber
wir erkennen den potentiellen Wert
solcher Maßnahmen und setzen unsere
Analyse fort.
Die Konferenz von Stockholm bedeutet daher einen wichtigen ersten
Schritt in Richtung auf Erstellung
und
Lebensfähigkeit
Vertrauensund
sicherheitsbildender
Maßnahmen
als
RüstungskontrollInstrumentarium;
sie
hat einen Prozeß eröffnet, der potentiell ebenso wichtig ist wie die Be-

- 4-

�mühungen im Rüstungskontrollbereich,
die er ergänzen und unterstützen
soll. Aber Stockholm mahnt gleichzeitig zur Vorsicht.
Der anhaltende östliche Widerstand gegenüber einem Austausch militärischer Informationen und Schaffung
einer Datengrundlage bei den Streitkräften ist ein offenkundiges und
ernsthaftes Hindernis in Richtung auf
noch ehrgeizigere Bemühungen.
Ein
zweiter Punkt ist die gesamte Problematik der Verifikation, die ja mit
dem Konzept der Offenheit in Beziehung steht. In Stockholm gelang ein
historischer Durchbruch, weil Inspektion akzeptiert und das Prinzip anerkannt wurde, daß ein Staat, der
Zweifel hinsichtlich der Intentionen
militärischer
Aktivitäten
eines
anderen Staates hat, in diesen anderen Staat gehen und selbst sehen
kann, was vorgeht. Wir haben eine
Chance, die konkrete Wirksamkeit solcher Inspektionen in der Praxis zu
prüfen.
Aber
dieses Inspektionssystem von Stockholm ist relativ bescheiden und nicht zudringlich. Inspektionsmaßnahmen, die ein Rüstungskontrollabkommen angemessen verifizieren sollen, müßten viel anspruchsvoller sein. Dazu müßte der Zugang
von
Inspektoren
zu
sicherheitsempfindlichen Einrichtungen wie Verteidigungsanlagen, Kasernen und Waffendepots gehören, nicht nur zu Aktivitäten, die außerhalb stattfinden.
Die Verhandlungen über Inspektionen
waren in Stockholm sehr, sehr schwierig, aber sie waren noch nichts im
Vergleich zu Verhandlungen über Maßnahmen, die zur Verifizierung der
Rüstungsverringerung notwendig sind.
Ein weiterer Grund zur Vorsicht
nach Stockholm liegt in dem, was ich
vielleicht
das "neutrale Dilemma"
nennen möchte.
Die Sicherheitsbedürfnisse neutraler Staaten, die von

der Mobilisierung von Zivilisten abhängig sind, sehen ganz anders aus
als jene von Bündnissen mit stehenden
Armeen. Die Aushandlung von Abkommen, die Staaten mit einer derart unterschiedlichen
Sicherheitsorganisation,
-bedürfnissen
und
-Verpflichtungen
betreffen,
ist
eine
äußerst komplexe Aufgabe. Ein Grund
dafür, daß Stockholm zu einem Erfolg
dabei wurde, diese unterschiedlichen
Bedürfnisse von 35 Staaten auf einen
Nenner zu bringen, lag darin, daß das
Mandat der Konferenz begrenzt und
klar umrissen ist. Alle künftigen
Anstrengungen auf europaweiter Grundlage müssen sorgfältig darum bemüht
sein, von Anfang an mit Instruktionen
vorzugehen, die gleichermaßen klar,
konkret und durchführbar sind und die
auch die speziellen Sicherheitsbedürfnisse jener in Rechnung stellen,
die keinem Bündnis angehören.
während wir die Stockholmer Maßnahmen durchführen und nach Möglichkeiten suchen, sie zu stärken und
auszuweiten, bemühen wir uns gleichzeitig darum, die Lehren von Stockholm auf die Fragen der Verringerung
der konventionellen Streitkräfte in
Europa anzuwenden. Wie Sie wissen,
untersucht die von der NATO eingerichtete
hochrangige
Arbeitsgruppe
die gesamte Problematik der Verringerung der konventionellen Rüstung.
Die Vereinigten Staaten unterstützen
mit Nachdruck die Ziele einer Verringerung der konventionellen Waffen,
wie wir dies ja auch durch unsere Beteiligung zusammen mit Großbritannien
und anderen Staaten an den Wiener
MBFR-Gesprächen
demonstrieren.
Letztlich stehen all diese Sicherheitsfragen miteinander in Beziehung;
Fortschritt in einem Bereich kann zur
Ebnung des Weges in einem anderen
beitragen.
Da
Gespräche
über
Rüstungsverringerung für ihren Fortgang ein stabiles Umfeld benötigen,

- 5-

�sollten Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen, die zu größerer
Offenheit und Verständnis zwischen
den beteiligten Staaten - und somit
zu größerer Stabilität - führen, eine
entscheidende Rolle spielen.
Die
Lehren von Stockholm könnten bei der
Entscheidung darüber, welchen Weg wir
als nächstes verfolgen sollen, von
größtem Wert sein.

JENSEITS DER MILITXRISCHEN
SICHERHEIT
Der Erfolg von Stockholm kommt zu
einer Zeit, da die sowjetische Führung,
insbesondere
Generalsekretär
Gorbatschow, sich für mehr Offenheit
in der eigenen Innenpolitik wie auch
bei den internationalen Beziehungen
starkmacht.
Sollte Stockholm den
Beginn echten Wandels im sowjetischen
Denken bedeuten - eine "strategische
Verschiebung", wie es ein Kollege
kürzlich nannte -, könnten wir vor
einer seit vielen Jahrzehnten nicht
mehr gegebemen Möglichkeit zur Verbesserung des Ost-West-Verhältnisses
und schließlich vielleicht der Wiederherstellung einer neuen, konstruktiveren Arbeitsgrundlage stehen.
Dieses umfassendere Ziel hat ja
letztlich die fundamentale Basis für
die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Stockholmer Konferenz und
am KSZE-Prozeß von Helsinki bereitgestellt, dessen Teil sie ist. Aussenminister Shultz formulierte es in
seiner Rede bei der Eröffnung der
Konferenz so: "Der Helsinki-Prozeß
ist eine historische, friedliche Anstrengung, die Teilung Europas zu erleichtern und einst zu beenden; Vertrauensbildung bedeutet im weiteren
Sinne, die Arbeit von Helsinki fortzusetzen - durch praktische Schritte,
die
die
Hindernisse
beseitigen,
menschliche Kontakte und geistigen

Austausch erweitern, zu größerer Offenheit führen und die Grenzen des
menschlichen Geistes weiter stekken."
Wenn die Sowjetunion beabsichtigt, eine neue Politik des glasnost, der Offenheit, zu betreiben, so
könnte Stockholm dem gesamten Helsinki-Prozeß einen wichtigen Impuls verleihen.
Dies ist sicherlich die
Hoffnung der Vereinigten Staaten; als
die Ergebnisse von Stockholm bekanntgegeben wurden, gab Präsident Reagan
eine Erklärung ab, in der er sagte:
"Ich begrüße dieses positive Ergebnis
der KVAE.
Es wird
zu größerer
Sicherheit in Europa und zu verbesserten
Ost-West-Beziehungen
beitragen.
Es übermittelt eine Botschaft, die von den Menschen in aller
Welt
begrüßt werden
sollte.
Es
zeigt, daß Ost und West bei ernsthafter Zielsetzung und harter Arbeit eine gemeinsame Grundlage schaffen können, um darauf eine sicherere Zukunft
zu errichten."
In dieser Erklärung unterstrich
der Präsident erneut die notwendige
Verbindung zwischen der Stockholmer
Konferenz und ihrer Vorgängerin, dem
KSZE-Prozeß von Helsinki.
"Dieses
KVAE-Ubereinkommen kann auch zu Portschritt im umfassenderen KSZE-Prozeß
beitragen," erklärte er. "Das Übereinkommen, das in Stockholm über
Sicherheitsfragen
erzielt
wurde,
macht ausgewogenen Fortschritt bei
den Menschenrechten und den Grundfreiheiten nur noch um so zwingender. Beim Wiener KSZE-Folgetreffen,
das im November beginnt, wird die Delegation der Vereinigten Staaten auf
die Verwirklichung aller KSZE-Verpflichtungen
und auf ausgewogenen
Fortschritt bei der ganzen Bandbreite
der KSZE-Tagesordnung drängen."
Die Konferenz von Stockholm hat
den Sicherheitsbereich des HelsinkiProzesses
um
einen
bedeutsamen

- 6-

�Schritt vorangebracht.
Die Stockholmer Maßnahmen sind in sich selbst
wertvoll, und sie werden verwirklicht
werden.
Die anderen Bereiche des
Helsinki-Prozesses haben keinen Portschritt erlebt; bei einigen, insbesondere den Menschenrechten, gab es
Rückschritte.
Bei der Wiener KSZE-Folgekonferenz werden die Vereinigten Staaten
die Stockholmer Leistung im Kontext
des östlichen Versäumnisses prüfen,
allen
Verpflichtungen
gemäß
der
Schlußakte von Helsinki, einschließlich der Menschenrechte, gerecht zu
werden. Die Frage der Ausgewogenheit
zwischen allen zehn Grundsätzen der
Schlußakte wird bei unserem Urteil
schwer ins Gewicht fallen, wenn wir
darüber befinden, wie der KSZE-Prozeß
nach Wien fortgeführt werden soll.
Dabei geht es nicht darum, immer mehr
Treffen zu vereinbaren, bei denen es
in gleichem Maß um diejenigen Themen
geht, die den einzelnen Teilnehmern
von Bedeutung sind. Es geht darum,
die Glaubwürdigkeit
des KSZE-Prozesses als organisches Ganzes aufrechtzuerhalten.
Das
System
von
Stockholm mag funktionieren, aber die
Lebensfähigkeit einer auf Offenheit und wechselseitiges Vertrauen - gestützten
Sicherheitsvereinbarung
bleibt unvollkommen, wenn es Beteiligte gibt, die sich auch weiterhin
gegen Offenheit, menschliche Kontakte, Reisen und Kommunikation zwischen
Bürgern der Teilnehmerstaaten stellen.

werfen, die Verpflichtungen von Helsinki - und die Verpflichtungen von
Stockholm - ernst zu nehmen.
Die Vereinigten Staaten haben die
Konferenz von Stockholm von Anfang
bis Ende unterstützt. Wir haben mit
unseren Verbündeten auf einen erfolgreichen Abschluß hingearbeitet und
wir blicken mit Befriedigung auf das
Ergebnis - nicht zuletzt, weil es
eine Leistung des Bündnisses, nicht
nur einzelner Staaten war. Die NATO
hatte von Beginn an konkret und klar
umrissene Zielsetzungen und wir arbeiteten konsequent daran, sie in die
Tat umzusetzen. Auch in dieser Hinsicht erteilt Stockholm uns für die
Zukunft eine Lehre: eine kohärente,
einige Bündnisposition, vor Verhandlungsbeginn festgelegt und beibehalten, kann sogar bei hochkomplexen,
multilateralen Sicherheitsfragen zu
Erfolg führen. Ich bin ganz einfach
davon überzeugt, daß Stockholm ohne
eine so gute Zusammenarbeit im Bündnis nie ein so positives Ergebnis gezeitigt hätte.
Die Beendigung der Stockholmer
Konferenz bedeutet deshalb kein Ende. Es ist ein Schritt nach vorn,
der neue Möglichkeiten für die OstWest-Beziehungen eröffnet.
Alle 35
Staaten haben weitere Verpflichtungen
übernommen; wir alle müssen ihnen gerechtwerden.
Aber wir haben auch
neue Möglichkeiten geschaffen; jetzt
müssen wir uns alle darum bemühen,
Vorteil daraus zu ziehen.

Ich möchte in dieser Hinsicht auf
die Bedeutung verweisen, die die Vereinigten Staaten der Verhaftung des
amerikanischen Journalisten Nicholas
Daniloff aufgrund erfundener Anschuldigungen beimessen. Dieser eine Akt,
der eine Ohrfeige für alles ist, wofür der Helsinki-Prozeß steht, muß
Zweifel bei uns allen hinsichtlich
der sowjetischen Bereitschaft auf- 7-

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'V,oN ^

Hintergrundmaterial
1. Oktober 1986

32

Nachfolgend finden Sie den vierten und letzten Teil der Serie "Die
Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika", von denen die
ersten drei Teile bereits in den Amerika Dienst-Ausgaben Nr. 29, 30 und
31 erschienen sind.
Die vollständige Serie kommt Ende des Jahres als illustrierte Broschüre heraus.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA

Die politisch-militärische Situation 1986
Die salvadorianische Armee hat ihre offensiven Operationen gegen
Guerilla-Stützpunkte fortgesetzt. Aus diesem Grunde ist die Stärke der
FMLN, die in den Jahren 1982/83 ein Ausmaß von 9 000-12 000 erreicht
hatte, jetzt auf 5 000-7 000 Mann(107) zurückgegangen. Dieser Rückgang
ist auf die von den erheblich verbesserten salvadorianischen Streitkräften beigebrachten Verluste auf dem Schlachtfeld zurückzuführen, ferner auf Deserteure der Guerilla und auch auf die Unfähigkeit der FMLN,
die salvadorianische Jugend für die Sache der Guerilla zu gewinnen.
Die Streitkräfte

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�Die Streitkräfte haben die Guerilla auf dem Land stark unter Druck
gesetzt und gleichzeitig mit Unterstützung der Vereinigten Staaten ihre
Fähigkeit ausgebaut, dem Terrorismus in den Städten und Angriffen auf die
wirtschaftliche Infrastruktur zu begegnen. Moral und Vertrauen innerhalb
der Streitkräfte gelten weiterhin als hoch. Im Laufe des Jahres 1985 bis
Anfang 1986 hat die salvadorianische Armee ihren militärischen Vorsprung
vergrößert und ihre Einhaltung der Menschenrechte verbessert. Durch eine
Mischung von Operationen größerer Einheiten und kleineren taktischen Manövern mit Patrouillen hindern sie die Guerillas daran, ihre Einheiten
auf größere Angriffe zu konzentrieren.
Um auf diese in hohem Maße veränderte Situation zu reagieren, hat die
FMLN sich eine Strategie zu eigen gemacht, die sich konzentriert auf (1)
fortgesetzte Bemühungen zur Zerstörung der Wirtschaft des Landes, (2) Intensivierung des Terrorismus in den Städten und (3) Kriegführung mit
Minen in ländlichen Gebieten. Dieses dritte Element hat den Leiden El
Salvadors einen besonders grausamen Aspekt hinzugefügt. Die wahllose
Plazierung von Landminen hat Hunderte von Zivilisten in ländlichen Gebieten verwundet und getötet, hauptsächlich Kinder unter 15 Jahren. Die
FMLN zeigt darüber wenig Reue und benutzt geheime Radiosender, um ihr Bestreben zu verkünden, weiterhin Landminen dazu zu benutzen, um die
Kaffee-Ernte zu erschweret 108). Trotz Kritik am Gebrauch von Landminen
seitens der katholischen Kirche, lassen die Guerillas keine Anzeichen erkennen, von dieser Taktik abzugehen.
Obwohl sie gegenüber den Guerillas militärisch aufholt, hat die salvadorianische Regierung die Tür zum Dialog aufgehalten, was den Guerillas
erlauben würde, ihre Sache an das Volk heranzutragen, indem sie am demokratischen Prozeß teilnehmen. Im März 1986 verkündete Präsident Duarte
eine größere Friedensinitiative. Er schlug dem nicaraguanischen Präsidenten Ortega einen Plan vor, der gleichzeitig ablaufende Gespräche zwischen der salvadorianischen Regierung und der FMLN einerseits und der Regierung Nicaraguas und der UNO andererseits forderte. Solche Verhandlungen würden automatisch Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und
Nicaragua in Gang setzen. Duarte schlug ferner einen fortlaufenden Dialog
auf regionaler Ebene vor, der in einem mittelamerikanischen Parlament
stattfinden sollte. Die Sandinisten wiesen den gesamten Vorschlag kategorisch zurück, wobei es Comandante Bayardo Arce war, der als erster während eines Staatsbesuchs in Moskau seine Ablehnung zum Ausdruck brachte.
Die salvadorianischen Guerillas lagen auf der sandinistischen Linie. Die
anderen Länder Mittelamerikas billigten jedoch den Plan Duartes einstimmigt 109).

Die Rolle der katholischen Kirche
1979 und 1980 ging die Forderung nach sozialen, wirtschaftlichen und
politischen Reformen vor allem von der salvadorianischen katholischen
Kirche aus.
Der Führer der katholischen Kirche El Salvadors, Erzbischof Oscar Romero, wurde ermordet, als er die Messe las. Die Guerilla
versuchte den Eindruck zu erwecken, daß die Kirche mit ihr gemeinsame
Sache mache. In Wirklichkeit sah die Kirche die Guerilla als das an, was
sie war, als eine zunehmend der Errichtung einer kommunistischen Regie- 2 -

�kommunistischen Regierung verschriebene Organisation. Auf der anderen
Seite sah die Kirche, daß die Regierung zwar die besten Absichten hatte,
sich aber relativ unfähig zeigte bei der Kontrolle der Aktivitäten von
Todesschwadronen und anderen Greueltaten, wie etwa beim Mord an vier
amerikanischen Nonnen im Dezember 1980 durch Mitglieder der salvadorianischen Sicherheitskräfte. Die Guerilla versuchte, aus den Spannungen in
der Staatskirche Kapital zu schlagen indem sie sagte, daß "die salvadorianische Kirche den Kampf der Guerilla gegen das Regime Präsident
Duartes unterstützt"(110), eine Behauptung, der das Büro des Erzbischofs
sofort widerspräche 111). Berichten zufolge fälschte die Guerilla zu
einem späteren Zeitpunkt die Unterschrift von Romeros Nachfolger, Erzbischof Arturo Rivera y Damas, auf gegen die Regierung gerichteten
Pamphleten, die im Ausland verbreitet wurden, um Geld für die FMLN aufzubringen, und erregte damit den Zorn der Kirche(112).
Die salvadorianische Kirche ist oft mit der Aussage zitiert worden,
sie sei gegen militärische Hilfe der Vereinigten Staaten an die Armee.
Die offizielle Zeitung der Diözese Salvador hat jedoch kürzlich von einem
Druck berichtet, der von amerikanischen Staatsbürgern auf die Regierung
der Vereinigten Staaten ausgeübt würde, um eine solche militärische Unterstützung El Salvadors einzustellen. Ein Leitartikel in "Orientacion"
berichtet:
Obwohl der Krieg grausam ist und wir uns nach Frieden sehnen, ist es
nicht mehr so einfach, die Waffenlieferungen der Vereinigten Staaten
zu verurteilen. Das Entwaffnen der salvadorianischen Armee würde
logischerweise eine Förderung des Sieges der Guerilla bedeuten. Wir
denken, daß das nicht richtig wäre, wenn man sieht, wie viele Menschen bereits ihren Willen bekundet haben. Dies ist die Wahrheit,
und wir verstehen nicht, warum andere Völker, Organisationen oder
Einzelpersonen über unser Schicksal entscheiden wollen. Niemand will
den Krieg. Wir wollen alle den Frieden. Das Vernünftigste wäre
daher, die Einstellung der Waffenlieferungen sowohl an die Armee als
auch an die Guerilla zu fordern. Es wäre richtig, nach menschlichen
und vernünftigen Mechanismen zu suchen, mit deren Hilfe ein Frieden
zu erreichen ist, ohne daß man zu den Waffen greifen muß(113).
Die katholische Kirche in El Salvador fordert unausgesetzt den Dialog
und verurteilt Gewalt von beiden Seiten. Sie bleibt ein Vertrauens- und
glaubwürdiger Mittler zwischen Regierung und Guerilla. Sie hat die Reformen unterstützt, von denen sie glaubt, daß sie El Salvador von der unruhigen Phase der Jahre 1979-80 in die hoffnungsvollere gegenwärtige Zeit
gebracht haben. Im Hinblick auf die politischen Bindungen ihres Landes
im Jahre 1985 erklärten die Bischöfe am 8. August in einem Hirtenbrief:
Wir haben auf der einen Seite eine konstitutionelle Regierung, die
durch das überragende Ergebnis an den Wahlurnen in vier aufeinanderfolgenden Wahlen bestätigt worden ist, die praktisch ein wiederholtes
"Referendum" für die Demokratie waren, und auf der anderen Seite haben wir die FDR/FMLN, die für sich in Anspruch nehmen, das Volk zu
vertreten - eine Behauptung, die sie nicht belegen können - und die
darüber hinaus auf Gewalt und Sabotage als grundlegender Komponente
ihres Kampfes zurückgreifen und sich somit in eine Lage bringen, der
wir nicht zustimmen können(114).
Die nahe Zukunft

- 3 -

�Die nahe Zukunft
Trotz der Fortschritte in den letzten sechs Jahren ist die Zukunft El
Salvadors prekär. Sowjets und Kubaner sind entschlossen, Nicaragua dabei
zu unterstützen, den Zustrom von Waffen, Munition, Landminen und Sprengstoff an die salvadorianische Guerilla aufrechtzuerhalten. Trotz der
Tatsache, daß ihre Erfolge in den letzten zwei Jahren nachließen, hat die
Guerilla auch weiterhin die Fähigkeit, Sabotageakte im großen Stil durchzuführen und größere Angriffe auf salvadorianische militärische Einrichtungen auszuführen. Sprengstoffexperten sprengen noch immer Elektromaste, die das Land mit Strom versorgen. ' In den letzten Monaten des
Jahres 1985 haben sie sich auf die Zerstörung der Kaffee-Ernte konzentriert. Der Gebrauch von Landminen ist eine bekannte Taktik der
Guerilla, um die Kaffee-Ernte zu erschweren, von der El Salvador so sehr
abhängt. Diese Form des Wirtschaftskrieges fordert einen hohen Preis.
Die Arbeitslosigkeit beträgt über 40 Prozent und ist in hohem Maße auf
die unerbittliche Zerstörung der Wirtschaft durch die Guerilla zurückzuführen. Die Inflation liegt augenblicklich bei über 30 Prozent im
Jahr. Ironischerweise sind viele Probleme der Duarte-Administration Ergebnisse des Erfolgs der letzten Jahre. Gewerkschaften sind jetzt zunehmend rastlos, teilweise auch, weil die Kommunisten hier infiltrieren und
agitieren. In den letzten Jahren wären die Aktivitäten der Gewerkschaften von autoritären Militärregierungen scharf unterbunden worden. Die
politische Öffnung, die zu El Salvadors Erfolg beitrug, hat die Menschen
natürlich dazu veranlasst, von ihrer politischen Führung mehr zu verlangen. In gleichem Maße hat der Erfolg der Streitkräfte seit Beginn des
Jahres 1984 die Guerilla dazu gezwungen, sich auf den Terrorismus in den
Städten zu verlegen, mehr Entführungen durchzuführen (zu denen auch
solche von gewählten Regierungsmitgliedern und die der Tochter Präsident
Duartes gehörten), ferner Bombenanschläge und andere Aktionen, die darauf
abzielten, die Bevölkerung zu terrorisieren und das Vertrauen in die Regierung zu untergraben. Diese Aktionen der Guerilla symbolisieren deren
Entschlossenheit, den Krieg gegen die gewählte Regierung weiterzuführen,
mit welchen Mitteln auch immer. Die salvadorianische Armee, die eine
Guerillatruppe auf dem Schlachtfeld besiegen könnte, weiß, daß sie nur
unzureichend in der Lage ist, sich der neuen Bedrohung in den Städten
entgegenzustellen, obwohl sie sich an diese neue Herausforderung anpaßt.
Die Taktik der FMLN ist darauf ausgerichtet, das Militär zu einer Wiederaufnahme der repressiven Taktiken vergangener Jahre zu provozieren.
Trotz der Gewaltakte und wirtschaftlichen Probleme, denen sich El
Salvador gegenübersieht, steht das Land doch im Jahr 1986 auf einer solideren Grundlage als noch vor etwa drei Jahren, und es geht ihm sicher
besser als in der brisanten Zeitspanne von 1979-80. Auf El Salvador
richtet sich das Hauptaugenmerk der kubanisch-sowjetischen Verbindungen
in dieser Region; Nicaragua ist sicherlich der Angelpunkt kommunistischer
Strategie in Mittelamerika. Die sowjetisch-kubanisch-nicaraguanische Offensive beschränkt sich jedoch nicht nur auf El Salvador, vielmehr ist
ganz Mittelamerika ihr Ziel.

GUATEMALA, HONDDRAS

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�GUATEMALA, HONDURAS UND COSTA RICA:
ERLANGUNG UND ERHALTUNG DER DEMOKRATIE

Der Weg zu Frieden und Demokratie
Obwohl sich die Hauptlast der sowjetisch-kubanisch-nicaraguanischen
Aggression gegen El Salvador richtete, blieben die anderen mittelamerikanischen Länder nicht von Angriffen verschont. Guatemala, Honduras und
sogar Costa Rica, das keine Armee zu seiner Verteidigung hat, mußten alle
Verletzungen ihrer Souveräntitätsrechte hinnehmen. All diese drei Länder
hatten 1985 und Anfang 1986 erfolgreiche Präsidentschaftswahlen, die gezeigt haben, daß die Völker Mittelamerikas ihre eigene Führung wählen und
sie nicht etwa von rechten oder linken Extremisten aufgezwungen bekommen
wollen
Die Ereignisse in Guatemala, Honduras, Costa Rica und El Salvador
zeigen, daß die wahre, in Mittelamerika stattfindende Revolution demokratischer Natur ist, in der die Menschen sich Gehör verschaffen wollen
und auch gehört werden. In Nicaragua sind jedoch einem erheblichen Teil
der Bevölkerung die bürgerlichen Rechte durch eine Minderheit aberkannt
worden und die Geißel Mittelamerikas, die Militarisierung, ist zu einem
neuen Höhepunkt gelangt.
Die Menschen der Region sind sich sehr wohl der antidemokratischen,
expansionistischen Natur der Marxisten und Leninisten in Managua bewußt.
Das zeigte sich eindeutig in Meinungsumfragen, die von "Interdisciplinary
Consultants on Development", einer in Costa Rica arbeitenden Tochter des
Meinungsforschungsinstitutes Gallup International durchgeführt wurden.
Die Erhebungen wurden 1983 und 1985 in El Salvador, Guatemala, Honduras
und Costa Rica gemacht. (Solche unabhängigen Meinungsumfragen sind in
Nicaragua verboten; auf Anordnung der sandinistischen Regierung sind Meinungsumfragen zum Staatsmonopol erklärt worden). Diese Untersuchungen
von 1983 und 1985, die sich der üblichen, von Gallup angewandten Methoden
bedienten, haben herausgefunden, daß die überwältigende Mehrheit der Befragten (1) Nicaragua fürchten, (2) Kuba als sowjetischen Agenten betrachten, (3) Nicaragua als Agenten Kubas und der Sowjetunion ansehen,
und (4) der militärischen Hilfe der Vereinigten Staaten an ihre Länder
und an die anti-sandinistische Widerstandsbewegung zustimmen. In Honduras und Costa Rica hat die militärische Anwesenheit der Vereinigten
Staaten die überwältigende Zustimmung der Befragten dieser Länder(115).
Indem sie die Ansichten ihrer Bürger berücksichtigen, haben die demokratischen Regierungen Mittelamerikas positiv auf Präsident Duartes Friedensvorschlag reagiert. Im März 1986 haben die kürzlich eingesetzten
Präsidenten von Guatemala und Honduras sowie der gewählte Präsident Costa
Ricas die nicaraguanische Regierung gebeten, mit ihrer Opposition in
einen Dialog zu treten, der eine ähnliche Gesprächsbereitschaft in El
Salvador sowie Diskussionen zwischen Nicaragua und den Vereinigten Staaten einleiten würde. In ihrer Erklärung beschreiben die drei Staatsmänner ihren Vorschlag:
Wir unterstützen

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�Wir unterstützen den Vorschlag und sind davon überzeugt, daß es notwendig ist, gemeinsam ausgedehnte und sehr ernsthafte Anstrengungen
zu unternehmen, um die nicaraguanische Regierung zu veranlassen, die
Dringlichkeit der Eröffnung eines Dialogs anzuerkennen und somit
günstige Umstände zu schaffen, um den Frieden im Isthmus zu erreichen
und die Demokratie zu festigen(116).
Ein Austausch von Telegrammen zwischen dem nicaraguanischen Präsidenten Ortega und dem costaricanischen Präsidenten Luis Alberto Monge haben
klar die unterschiedlichen Reaktionen der kommunistischen Regierung Nicaraguas und der demokratischen Regierung Costa Ricas auf die Initiative
Duartes gezeigt. In seiner Mitteilung vom 14. März schrieb Ortega:
Ich muß der jüngsten, in Honduras am 13. März unterzeichneten Erklärung, die die Initiative Präsident Duartes unterstützt, klar und kategorisch widersprechen. Sie verwickelt seine Regierung in einen
Akt, der der Moral, dem Völkerrecht und bestehenden Verträgen zuwiderläuft und die Manipulation der Regierung von El Salvador durch
die Vereinigten Staaten fördert. Der Vorschlag Präsident Duartes
zielt auf die Einmischung in die inneren Angelegenheiten Nicaraguas
ab und wirbt um Unterstützung der für eine ausländische Macht operierenden Söldner, die versuchen, eine absurde und amoralische Verbindung zwischen dem Bürgerkrieg in unserem Bruderland El Salvador,
der von strukturellen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten herrührt, herzustellen und einem Aggressionskrieg, der von der Regierung
der Vereinigten Staaten dem Volk von Nicaragua aufgezwungen und von
der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt wird(117).
In seiner Antwort auf Ortega vom 26. März sagt Präsident Monge:
Was Ihre Ansicht betrifft, daß Costa Rica eine amoralische und illegale Handlung begangen habe, indem es Präsident Duartes Initiative
unterstützt, so möchte ich betonen, daß der Plan im Geiste der Verhandlungen der CONTADORA-Gruppe steht, das heißt, er dient dem Prozeß
der nationalen Aussöhnung in Mittelamerika. Ich verstehe, daß es für
die gegenwärtige Regierung Nicaraguas unannehmbar sein mag, sich
einem solchen Prozeß anzuschließen, aber ich kann deshalb nicht Ihre
Kriterien für die Art und Weise akzeptieren, in der Costa Rica seine
Außenpolitik

durchführen sollte und möchte aus diesem Grund diese

Kriterien energisch ablehnen und darauf hinweisen, daß wir immer
daran geglaubt haben, daß ein Dialoig das Mittel zur Lösung politischer Probleme bietet. Wir haben ferner festgestellt, daß dies
auch die Richtung sei, die El Salvador verfolgen sollte und denken
auch, daß sie genauso unverzichtbar für Nicaragua sein sollte(118).
Nicaraguas mangelnde Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung hat
sich seit dem Einmarsch der Sandinisten in Managua 1979 nicht geändert.
In Wirklichkeit hat sich seit den Tagen Somozas, der auch in den Jahren
1978-79 eine militärische und nicht etwa politische Lösung für die Probleme seines Landes suchte, ohnehin nicht viel geändert. Aber für die
anderen Demokratien Mittelamerikas ist es der friedliche und demokratische Weg, den diese in den achtziger Jahren eingeschlagen haben.
Guatemala

�Guatemala
Guatemala ist das bevölkerungsreichste Land Mittelamerikas und dasjenige mit den günstigsten wirtschaftlichen Voraussetzungen. Ein wirtschaftlich gesundes und demokratisches Guatemala hätte einen positiven
Einfluß auf alle Länder Mittelamerikas. Am 14. Januar 1986 wurde Vinicio
Cerezo als Präsident von Guatemala eingesetzt, nach einem Wahlvorgang,
der mit den Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung im Juli 1984 seinen
Anfang nahm. In Cerezos Wahl zum Präsidenten spiegelt sich der ganze
Wandel der guatemaltekischen Politik seit 1980 wider.
Als Führer der um Reformen bestrebten Christdemokraten wurde Cerezo
von den Militärregierungen, die Guatemala bis dahin regierten, als deren
Feind angesehen, besonders jedoch von Präsident Romero Lucas Garcia
(1978-82).

Gerade während der Amtszeit Lucas Garcias war Cerezo Ziel

dreier Mordanschläge. Cerezo war ein offener Kritiker der Menschenrechtsverletzungen und der von der Regierung geschürten Kampagne der Gewalt. Im März 1982 setzte eine Gruppe junger Offiziere Präsident Lucas
Garcia ab, bevor er die Macht an seinen Nachfolger übergeben konnte, der
die betrügerischen Wahlen "gewonnen" hatte. Diese Offiziere baten den
pensionierten General Efrain Rios Montt, eine neue Regierung zu leiten.
Er setzte eine starke und erfolgreiche Kampagne gegen Aufstände in Gang,
aber sein exzentrischer persönlicher Stil führte schließlich 1983 zu
einem militärischen Coup seitens seines Verteidigungsministers, General
Oscar Humberto Mejia Vitores. Unter der neuen Militärregierung begann
sich die politische Atmosphäre zu wandeln. Mejia arbeitete einen Zeitplan für Wahlen aus und hielt sich auch daran, wobei die Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung im Juli 1984 den Prozeß einleiteten. Als die
Kampagne für die Präsidentschaftswahlen begann, führte Cerezo einen offenen Wahlkampf, in dem sicheren Glauben, daß das Militär die Absicht
hatte, den politischen Prozeß zu öffnen, freie und ehrliche Wahlen zu
überwachen und dann in die Kasernen zurückzukehren.
Viele Kritiker in Guatemala sagten, ein so gemäßigter Politiker wie
Cerezo würde nie gewählt werden. Sie argumentieren, daß das Land zu sehr
durch soziale und wirtschaftliche üngleichkeiten polarisiert sei, als daß
eine Lösung der Mitte erreicht werden könnte. Man glaubte allgemein, daß
Gewalt, nicht Ausgleich, weiterhin das politische Leben in Guatemala bestimmen würden, zumal bestimmte Elitegruppen der Militärs und Landbesitzer Reformisten als Kommunisten betrachteten. Die Ergebnisse der Wahlen
von 1985 zeigten, daß die Kritiker sich geirrt hatten: Die Bevölkerung
Guatemalas lehnte den Extremismus ab, als sie ihre Stimme abgab. Sie
wählte einen Mann und eine Partei, die sich der Durchführung von Reformen
zum Vorteil der Armen und der indianischen Mehrheit verschrieben hatten.
Die Zukunft der Zivilregierung und die Problem der Verwirklichung der
Demokratie in Guatemala liegen auf den Schultern von Präsident Cerezo und
seiner Regierung. Die von Cerezo in der Präsidentschaftswahl von Dezember erzielte deutliche Mehrheit bietet ihm die große Gelegenheit, ein
neues Zeitalter der guatemaltekischen Politik einzuleiten, wenn er sich
bei der Behandlung der Probleme Guatemalas erfolgreich zeigt, wird die
Demokratie möglicherweise feste Wurzeln schlagen; wenn er scheitert, wird
ihn vielleicht eine autoritäre Regierung der Rechten oder eine totali-

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�eine totalitaristische der Linken ersetzen. Die Fallen, denen sich die
neue Regierung gegenübersieht, sind tief und zahlreich. Die Schwierigkeiten, die es zu bestehen gilt, umfassen die Verbesserung der Menschenrechtssituation, ferner muß das Militär davon überzeugt werden, daß es
seine direkte politische Rolle aufgeben und die möglicherweise erneute
Guerillabewegung unter Kontrolle behalten muß. Es gilt auch, die notwendigen wirtschaftlichen und politischen Reformen durchzuführen.
Die von der Regierung Cerezo übernommene wirtschaftliche Situation
ist instabil und trägt zu einer erheblichen Bedrohung durch aufständische
Gruppen bei. Fidel Castro gewährt ihnen zwar Unterstützung, war jedoch
nie dabei erfolgreich, die verstreuten Elemente der extremen Linken in
Guatemala so zu vereinen wie in El Salvador, obwohl die guatemaltekischen
Linken ihre Einheit formell in einem Treffen mit kubanischen und sandinistischen Führern 1980 in Managua bekundeten. Sollten Castro und die
Sandinisten sich dafür entscheiden, der Guerilla in Guatemala zusätzliche
Hilfe zu gewähren, so könnte eine leistungsfähigere und vereinte Guerilla-Bewegung für die neue guatemaltekische Regierung wirklich eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Wie gut der Präsident und andere Bereiche
der Gesellschaft zusammenarbeiten, um dieser Herausforderung zu begegnen,
wird in hohem Maße dazu beitragen, die Zukunft Mittelamerikas zu formen.

Honduras
In den letzten sechs Jahren befand sich Honduras im Vorfeld der Ereignisse in Mittelamerika. Als ein Land mit langer Geschichte der Militärherrschaft, hielt Honduras 1980 Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung ab und führte 1981 und 1985 Präsidentschaftswahlen durch. Jose
Azcona Hoyos Nachfolge des Präsidenten Roberto Suazo Cordoba war das
erste Mal in fünfzig Jahren, daß ein gewählter Zivilist einen anderen gewählten Zivilisten im Amt des Präsidenten ablöste. Wie seine Amtskollegen in El Salvador, Guatemala und Costa Rica, sieht sich auch Präsident
Azcona einem wechselvollen Berg wirtschaftlicher und politischer Probleme
gegenüber, von denen viele auf das Konto der aggressiven und expansionistischen Politik der sandinistischen Nachbarn gehen. Honduras hat mit
Nicaragua eine gemeinsame Grenze von 508 Meilen und mit El Salvador eine
von 226 Meilen. Diese geographischen Faktoren haben Honduras zu einem
zentralen Element bei Nicaraguas Bemühungen gemacht, die Regierung El
Salvadors zu stürzen. Das Territorium von Honduras wurde seit mindestens
1980 von den Sandinisten als Transportweg für Waffen, Munition und Nachschub an die salvadorianische Guerilla benutzt.
Kuba und Nicaragua haben ferner honduranische Guerillas in Honduras
ausgebildet und bewaffnet und sie nach Honduras eingeschleust, um die
honduranische Regierung zu schwächen. Im Juli 1983 ist eine 96 Mann
starke Guerilla-Einheit in das Gebiet Olancho in Honduras eingedrungen,
um eine Operationsbasis zu errichten. Diese jungen Honduraner wurden Anfang 1981 rekrutiert, in Kuba militärisch ausgebildet und Mitte 1983 in
Nicaragua unter dem Kommando sandinistischer Offiziere in den Kampf geschickt. Die Honduraner wurden dann mit Waffen, Munition und Ausrüstung
versehen und nach Honduras zurückgeschickt, um den Guerillakrieg in ihrem
eigenen Land zu entfachen. Die Gruppe bekam praktisch keinerlei Unter-

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�keinerlei Unterstützung durch die Bewohner des Gebietes und viele Mitglieder litten bald an Hunger, den Unbilden der Witterung und Krankheiten. Das honduranische Militär fing die Gruppe ab und tötete oder verwundete die Guerillas.
Im Juli 1984 wurde eine andere Gruppe, die dieses Mal aus nur 19
ebenfalls in Kuba ausgebildeten und in Nicaragua kampferprobten Männern
bestand, in die Provinz El Paraiso eingeschleust. Wiederum reagierten
die honduranischen Sicherheitskräfte schnell und kesselten die Gruppe im
Oktober 1984 ein. Diejenigen, die desertierten oder gefangengenommen
wurden, erzählten das Gleiche wie die Olancho-Gruppe: Kuba und Nicaragua
hätten gemeinsam die Aggression gegen die honduranische Regierung unterstützt.
Bevor er sein Amt aufgab, hielt Präsident Suazo Cordoba eine Rede, in
der er auf die Leistungen seiner Administration zurückblickte. Er beschrieb den doppelbödigen Maßstab derjenigen, die Nicaragua unterstützen
und gleichzeitig behaupten, Honduras wäre zu einem "Waffenlager" der Vereinigten Staaten geworden, weil die US-Streitkräfte mit den honduranischen Truppen Übungen durchführen:
Jene, die normalerweise die Regime des gottlosen Totalitarismus lobpreisen, sagen von Honduras, es sei ein besetztes Land. Sie erwähnen
jedoch nicht, daß eines unserer Nachbarländer von Beratern aller
marxistischen Länder der Welt besetzt ist. Ich glaube, daß die ideologische Subversion zunimmt. Wir in Honduras wissen, aus welcher
Richtung sie kommen wird. Ich habe bereits an anderer stelle gesagt,
daß selbst, wenn wir genug Mittel hätten, um 100, 200 oder 300 Millionen für die Ausrüstung unserer Streitkräfte auszugeben - und wir
haben trotz allem bereits viel für deren Ausrüstung getan - wäre das
ein unbedeutender Betrag für die Ruhe und den Frieden in unserem
Land. Es ist traurig, das Land in Furcht vor dem Terror jener zu
sehen, die dem internationalen Kommunismus zustimmen(119).
Präsident Suazos Worte zeigen die Besorgnis vieler Menschen in Mittelamerika über den sich ausbreitenden Militarismus in Nicaragua. Diese
Besorgnis tritt vielleicht nirgendwo offener zutage als in Costa Rica,
dem anderen Land, das an die Sandinisten grenzt.

Costa Rica
Costa Rica schaffte seine Armee im Jahre 1948 ab und unterstellte
sich dem sicheren Schutzschirm der OAS. In den achtziger Jahren fürchtet
Costa Rica jedoch wegen der überwältigenden militärischen Überlegenheit
und aggressiven politischen Philosophie des benachbarten marxistischleninistischen Nicaragua für die Sicherheit seines Landes. Der Präsident
Costa Ricas, Luis Albert Monge, ein langjähriger erbitterter und offener
Feind Somozas, sprach für die große Mehrheit der Costaricaner, als er
1983 sagte: "In den vierzig Jahren der Herrschaft Somozas standen wir
niemals vor der gleichen Bedrohung wie in der vierjährigen Herrschaft der
Sandinisten"(120).
Aus den vier

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�Aus den vier Jahren sind inzwischen sieben geworden und die Haltung
der Costaricaner ist noch abweisender gegenüber der Aggressivität der
Sandinisten. Mehr als 90 Prozent der in Costa Rica bei der Gallup-Umfrage im Juli 1985 Befragten gaben an, daß sie Nicaragua als die größte
militärische Bedrohung ihres Landes betrachtetet 121).
Das war nicht immer so. Im letzten Jahr der Herrschaft Somozas in
Nicaragua bewunderten die Costaricaner die jungen sandinistischen Guerillas, die gegen den verhaßten Diktator kämpften. Anfang des Jahres 1979
erlaubten die Costaricaner unter großen Risiken für ihre eigene Sicherheit, daß ihr Land als Durchgangsstation für Waffen und Nachschub der
Sandinisten in ihrem Kampf gegen Somoza benutzt wurde. Die von Panama
und Venezuela zur Verfügung gestellten Waffen gingen ganz offen über
Costa Rica an die Sandinisten und Somoza drohte sogar damit, sandinistische Unterschlüpfe in Costa Rica zu bombardieren.
Auch Castro gewährte seinen langjährigen sandinistischen Freunden Unterstützung auf dem Weg durch Costa Rica, aber nicht so offen. Mit Hilfe
korrupter costaricanischer Beamter baute Castro einen geheimen Transportweg an die Sandinisten auf. Er tat das heimlich, um eine offene Verbindung zwischen Kuba und den Sandinisten zu vermeiden, die das demokratische Bild beeinträchtigt haben würde, mit dem sich die Sandinisten im
In- und Ausland Unterstützung verschafften.
Die Umstände dieser geheimen Waffenlieferungen wurden von einer im
Juni 1980 von der costaricanischen Legislative eingesetzten Sonderkommission festgestellt, die zu jener Zeit kursierenden Gerüchten nachging,
denen zufolge sich nach dem nicaraguanischen Bürgerkrieg ein Schwarzmarkt
mit in Costa Rica zurückgelassenem Kriegsmaterial entwickelt hätte(122).
Im Verlauf dieser Untersuchungen entdeckte die Kommission das verdeckte
Nachschubnetz der Waffenlieferungen aus Kuba. Die Kommission stellte
fest, daß es mindestens 21 Flüge zwischen Kuba und kleineren Flughäfen in
Costa Rica gegeben hatte, wobei wenigstens 500 Tonnen Waffen geliefert
wurden. Rodrigo Carazo, der Präsident Costa Ricas, leugnete zunächst,
daß die Flüge stattgefunden hatten, als er am 4. November 1980 von der
Kommission befragt wurde, gab sie später jedoch zu. Am 25. März 1981
gaben fünf costaricanische Piloten offen ihre Beteiligung an den Waffenlieferungen aus Kuba zu und gaben Einzelheiten der Operationen und die
Namen costaricanischer und kubanischer Beamter an, die in die Überwachung
der geheimen Flüge verwickelt waren. Sie erinnerten sich, daß auf einem
der Flüge nach Kuba, Manuel Pineiro Losada, der Chef der amerikanischen
Abteilung der kubanischen kommunistischen Partei, gefragt habe, ob sie
bereit seien, Waffen nach El Salvador zu fliegen(123).
Nicaragua hat seine demokratischen Nachbarn fortgesetzt belästigt und
die Bestrebungen costaricanischer Kommunisten unterstützt, das Land zu
schwächen. Costa Rica ist sich heute darüber im klaren, daß es militärisch nicht in der Lage wäre, sich gegen eine Invasion aus Nicaragua zu
verteidigen, weiß aber auch, daß solch eine offene Aggression unwahrscheinlich ist, weil sie voraussichtlich eine Reaktion der Vereinigten
Staaten hervorrufen würde. Die wahre, in San Jose bestehende Besorgnis
geht dahin, daß die Sandinisten versuchen, das soziale Gefüge des Landes
zu stören, um Costa Ricas starke demokratische Tradition zu untermi-

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�zu unterminieren. Die Regierung mußte an der Grenze zu Nicaragua wegen
wiederholter Grenzverletzungen durch die Sandinisten Posten aufstellen,
wodurch weniger Sicherheitsbeamte in San Jose und anderen Städten eingesetzt werden können. Deshalb hat die Kriminalitätsrate drastisch zugenommen, hauptsächlich im Drogenbereich. Costa Rica bleibt der Neutralität verpflichtet. Das heißt aber nicht, daß es angesichts einer Aggression passiv bleiben oder in seiner Verteidigung der Demokratie weniger
leidenschaftlich vorgehen wird. Ein nordamerikanischer Kenner Costa
Ricas mit Wohnsitz in San Jose schrieb:
Für Costa Rica bedeutet Neutralität im wesentlichen, daß die Regierung sich nicht militärisch mit oder gegen irgendeine Gruppe verbünden wird, die in einen Krieg verwickelt ist. Das heißt aber nicht,
daß Costa Rica keine politischen Bündnisse eingehen oder nicht sein
Recht zur Verteidigung seines Territoriums wahrnehmen wird. Die
costaricanische Regierung hat klar gestellt, daß sie die politischen
Ideale der Vereinigten Staten und anderer westlicher Demokratien unterstützt und daß sie auf die entwickelten Demokratien baut, wenn es
um wirtschaftliche Hilfe in seiner Wirtschaftskrise geht. Gleichzeitig verbessert die Regierung Costa Ricas ihre Verteidigungsfähigkeit, ohne jedoch die Aktivitäten als "Aufbau einer Armee" zu bezeichnet 124).
Die Costaricaner gingen am 2. Februar 1986 zu den Wahlen und wählten
Oscar Arias als Nachfolger seines Parteifreundes in der Nationalen Befreiungspartei, Monge, zum Präsidenten der am meisten gefestigten Demokratie in Mittelamerika. Diese Wahlen zeigten wieder einmal, daß Costa
Ricas Bevölkerung an die Demokratie glaubt und ihre friedliche Lebensweise beibehalten möchte. Costa Rica bleibt ein Land, das im völligen
Gegensatz zum Marxismus-Leninismus, zum militaristischen Nicaragua,
steht. Es ist vielmehr eine Demokratie mit allen Grundrechten, wo die
Herrschaft des Rechts die Oberhand über die Herrschaft der Gewehre behält.

DIE ZUKUNFT

Wir sind in der Überzeugung ans Ende dieser Untersuchung gelangt, daß
Mittelamerika zwar lebensfähig, aber auch verletzbar ist und daß es sich
die Vereinigten Staaten trotz aller möglichen bevorstehenden Krisen, die
die Aufmerksamkeit unserer Nation fordern, nicht leisten können, sich von
dieser bedrohten Region abzuwenden. Die Krise in Mittelamerika ist auch
unsere Krise.
Nationale überparteiliche Mittelamerika Kommission, Januar
1984
Mit Nicaragua

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�Mit Nicaragua als Stützpunkt können die Sowjets und Kubaner in dem
wichtigen Korridor zwischen Nord- und Südamerika zur vorherrschenden
Macht werden. Haben sie erst einmal dort Fuß gefaßt, werden sie in der
Lage sein, den Panama-Kanal zu bedrohen, unsere lebenswichtigen Seewege
in der Karibik zu behindern und sich schließlich gegen Mexiko zu wenden.
Sollte das eintreten, würden verzweifelte Lateinamerikaner zu Millionen
nach Norden in die Städte der südlichen Vereinigten Staaten fliehen, oder
dorthin, wo es noch ein bißchen Hoffnung auf Freiheit gibt.
Präsident Ronald
Reagans Ansprache an die
Nation 16. März
1986

Mögliche Konsequenzen eines sowjetisch orientierten Mittelamerika
Die Sowjetunion, Kuba und und Nicaragua haben wirkungsvoll und unaufhörlich auf das Ziel der Errichtung zusätzlicher marxistisch-leninistischer Regime in Mittelamerika und im Karibischen Raum hingearbeitet.
Obwohl Castro in der Verbreitung von Gewalt und der Ausbeutung der Armut
berechenbarer geworden ist, bleiben seine anti-demokratischen Ziele doch
die gleichen wie in den sechziger Jahren. Er verkündete in der Verfassung von 1976 öffentlich das Recht und die Pflicht Kubas, "revolutionäre"
und "nationale Befreiungsbewegungen" zu unterstützen. Die Sowjetunion
ihrerseits hat ihre Bemühungen fortgesetzt, die Aufmerksamkeit und die
Mittel der Vereinigten Staaten von sowjetischen Herausforderungen in anderen wichtigen Teilen der Welt fernzuhalten. Die Tatsache, daß die Sowjets die Regierung der Vereinigten Staaten bei der Wirtschafts- und Militärhilfe um fast das Fünffache in der Region seit 1980 überrundet haben, ist ein Maßstab ihres Interesses. Nicaragua ist der Hauptmittler
für die Bestrebungen der Sowjets und Kubaner in Mittelamerika geworden,
die Schwachstellen der Region auszubeuten und die Stabilität zu unterhöhlen.
Wie bereits bemerkt, sind die Bedingungen, die zur mangelnden Stabilität geführt haben, nicht von der Sowjetunion oder Kuba geschaffen worden. Das seit langem nagende Ungleichgewicht der Armut, des Analphabetismus und des Mangels an repräsentativen politischen Institutionen
können die Menschen schließlich zu gewaltsamen Handlungen verleiten.
Moskau, Havanna und Managua beuten diese ursächliche Problematik aus, um
die Frustrationen des Volkes zu verschärfen. Mit dem Guerillakrieg zielen die Sowjets und ihre Klientel nicht auf eine Verbesserung der sozialen Umgebung ab, sondern sie versuchen - um alles noch schlimmer zu
machen -, das Vertrauen der Menschen in ihre Regierungen zu unterminieren. Sollte daraus ein politisches Vakuum entstehen, sind die Sowjets
bereit, an der Schaffung und Festigung marxistisch-leninistischer Regierungen mitzuwirken.
In Nicaragua beabsichtigen die Sandinisten, ihre Kontrolle zu verstärken. Sollte ihnen das gelingen, wird es wahrhaftig ein "zweites
Kuba" in der Hemisphäre geben - dieses Mal genau im Zentrum Mittelameri-

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�Zentrum Mittelamerikas. Ein möglicher sowjetischer Stützpunkt auf dem
amerikanischen Kontinent würde zusammen mit einem Waffenlager der
Guerilla, Ausbildungsstätten und einem Sanktuarium für Terroristen eine
größere Gefahr für die Sicherheit der Hemisphäre darstellen als die relativ abgelegene Insel Kuba. Vor dem Hintergrund des selbstauferlegten
Einsatzes für den "revolutionären Internationalismus" würden die
Comandantes zweifellos ihre Bemühungen intensivieren, gleichgesinnte
Guerillas in El Salvador und in anderen Ländern Mittelamerikas an die
Macht zu bringen. Die Unterstützung der sandinisten für subversive Elemente ist bereits eine Quelle der großen Besorgnis für die Nachbarn Nicaraguas. Die Nationale überparteiliche Kommission des Präsidenten bemerkte in ihrem Bericht von Januar 1984:
Die Konsolidierung eines marxistisch-leninistischen Regimes in
Managua würde von dessen Nachbarn als permanente Bedrohung ihrer
Sicherheit betrachtet werden. Wegen ihrer Verschlossenheit würde die
Existenz einer politischen Ordnung nach kubanischem Modell eine große
Schwierigkeit darstellen, wenn es darum geht, irgendeine Verpflichtung der Sandinisten, sich von der Unterstützung des Aufstandes und
der Subversion in anderen Ländern abzuwenden, zu diskutieren, zu erfüllen oder zu verifizieren. In diesem Sinne würde die Entwicklung
eines offenen politischen Systems in Nicaragua, mit freier Presse und
aktiver Opposition, eine wichtige Sicherheitsgarantie für die anderen
Länder der Region darstellen und ein Schlüsselelement in jedwedem
verhandelten Abkommen bilden(125).
Wenn es den Sandinisten gelingt, eine solche Verhandlungslösung zu
vermeiden und wenn sie in der Lage sind, ihre militarisierte und expansionistisch orientierte Regierung zu konsolidieren, hätte das Konsequenzen über Nicaragua hinaus. Die daraus folgende Fähigkeit der Sowjetunion, ihren Einfluß in der Region auszudehnen, könnte die Vereinigten
Staten dazu veranlassen, ihre globalen Prioritäten neu zu überdenken.
Zum Schutz ihrer Sicherheit und ihres wirtschaftlichen Wohlergehens könnten die Vereinigten Staaten gezwungen sein, militärische Streitkräfte näher zu ihrem Land zu verlegen, zusätzliche Streitkräfte aufzustellen und
somit ihren Verteidigungshaushalt stärker zu strapazieren. Sollte eine
Reihe von Regierungen wie die der Sandinisten an die Macht kommen - kommunistische Diktaturen, die durch militärische Streitkräfte und sowjetisch-kubanische Unterstützung an der Macht gehalten werden -, würden die
Vereinigten Staaten sich wahrscheinlich einer Flut von politischen
Flüchtlingen gegenübersehen. Millionen von Menschen sind aus den kommunistischen Polizeistaaten geflohen, die seit dem zweiten Weltkrieg entstanden sind. Die Regime Osteuropas, Kubas, Vietnams, Xthiopiens, Afghanistans und jetzt Nicaraguas haben diese menschlichen Tragödien hervorgebracht. Diese Menschen haben die großen Härten eines Lebens als
Flüchtlinge vorgezogen, um den Verletzungen der Menschenrechte und der
Unterdrückung ihrer Freiheit zu entgehen, die für marxistisch-leninistische Regierungen charakteristisch sind. Ein Flüchtlingsstrom von Millionen von Menschen in die Vereinigten Staaten - in einem sowjetisch
orientierten Mittelamerika mit daraus folgendem Druck auf Mexiko eine
vorhersehbare Größe - könnte die Reserven des Südens und Südwestens der
Vereinigten Staaten stark strapazieren.
Der CONTADORA-ProzeB

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�Der CONTADORA-P rozeß
Das naheliegendste Mittel zur Verhinderung einer solchen Krise und
zur Verbesserung der Sicherheit Mittelamerikas und der Vereinigten Staaten ist der CONTADORA-Prozeß, in dessen Rahmen Kolumbien, Mexiko, Panama
und Venezuela versuchen, zu einer friedlichen Lösung zu finden. Grundthese der CONTADORA-Gruppe ist - so wird es in dem 21-Punkte-Dokument
ihrer Zielsetzungen vom September 1983 erläutert -, daß ein dauerhafter
Frieden in der Region nur dadurch erreicht werden kann, daß man sich den
eigentlichen Ursachen des Konfliktes zuwendet. In diesem Dokument verpflichten sich die Beteiligten zu Verhandlungszielen politischer, wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Natur, die in einem endgültigen
Vertrag ihren Niederschlag finden sollen(126).
Im Sicherheitsbereich fordert dieses Dokument der Zielsetzungen verifizierbare Schritte zur Beendigung der Unterstützung einer Subversion von
außen, Verringerungen bei der Anzahl ausländischer Militär- und Sicherheitsberater, Einstellung des illegalen Waffentransports und Kontrolle
bei Waffen- und Truppenumfang. Es betont die Notwendigkeit verstärkter
regionaler Zusammenarbeit bei sozialen und wirtschaftlichen Fragen und
bei der Flüchtlingshilfe. Demokratisierung, nationale Wiederversöhnung
und Achtung der Menschenrechte waren zentrale Elemente der politischen
Zielsetzungen, die zur Errichtung demokratischer, repräsentativer und
pluralistischer Systeme in der gesamten Region auffordern, um so gerechte
und regelmäßige Wahlen zu ermöglichen.
Die Ziele der CONTADORA-Gruppe stehen im Einklang mit der amerikanischen Politik gegenüber Nicaragua, die ein Ende der Aufrüstung, die Beseitigung sowjetischen, kubanischen und anderen ausländischen Militärpersonals, eine Beendigung der sandinistischen Unterstützung des Aufstandes in El Salvador und in anderen Staaten sowie die Förderung des politischen Pluralismus fordert, wie er im Einklang mit den Versprechungen
der sandinisten stünde, die diese der OAS gegenüber zum Zeitpunkt der Revolution im Jahr 1979 abgegeben hatten. Der CONTADORA-Prozeß will eine
friedliche Lösung für die Unruhen in Mittelamerika finden, indem er ein
Forum für sinnvolle Verhandlungen zwischen allen Parteien schafft.
Es ist außerdem klar, daß Nicaragua den CONTADORA-Prozeß "wegen dessen internationalem propagandistischem Wert" ausgenutzt hat, wie es Präsident Arias von Costa Rica formulierte. Zu den CONTADORA-Friedensgesprächen vom 5.-9. April schrieb Arias am 9. April 1986 weiter:
In Panama wurde die wahre Lage ganz deutlich, zwölf lateinamerikanische Außenminister, darunter die Außenminister der vier mittelamerikanischen Staaten, unterstützten die sofortige Unterzeichnung
der (CONTADORA-)Akte in Obereinstimmung mit der internationalen Meinung. Nur Nicaragua opponierte und demonstrierte damit erneut, daß
es weder eine wahres Interesse an Frieden in Mittelamerika, noch den
Willen dazu hat(127).
Die Vereinigten Staaten ermutigen zu einem direkten Dialog zwischen
den Sandinisten und ihrer bewaffneten Opposition, die durch die UNO repräsentiert wird. Bislang haben die Sandinisten wiederholt eine jede

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�eine jede solche Diskussion abgelehnt, obgleich sie Verhandlungen mit den
Vereinigten Staaten fordern. Die Regierung der Vereinigten Staaten
glaubt jedoch nicht, daß sie das Recht hat, einseitig über das Schicksal
des nicaraguanischen Volkes zu entscheiden. Es ist dies eine Angelegenheit, die unter Nicaraguanern selbst entschieden werden muß. Die sandinistische Weigerung, mit ihrer Opposition zu reden, steht in deutlichem
Widerspruch zu Präsident Duartes wiederholten Angeboten an die Aufständischen in El Salvador.

Ein wachsender Konsens
In den Vereinigten Staaten wächst der Konsens darüber, daß die Sowjetunion in Mittelamerika keine marxistisch-leninistischen Staaten oder
Militärbasen entwickeln dürfe und daß die Region nicht als Sprungbrett
für Terroristen dienen sollte. Dies wurde einstimmig sogar von Kongreßmitgliedern zum Ausdruck gebracht, die sich der Politik der Administration widersetzen. Zudem gibt es derzeit wenig Sympathie für die Sandinisten, die ihre "wahren politischen Farben" gezeigt haben, wie es die
New York Times im Oktober 1985 formuliertet 128). Die Sandinisten werden
jetzt von objektiven Beobachtern als das gesehen, was sie immer waren aggressive Kommunisten, die beabsichtigen, ihre unterdrückerische Regierungsform mit Waffengewalt in andere Länder Südamerikas zu exportieren.
Dieser wachsende Konsens könnte zur Triebfeder einer wirksamen überparteilichen Politik in dieser Region werden, einer Politik, die sich dazu
verpflichtet, ihren nationalen Willen und ihre nationalen Ressourcen ins
Spiel zu bringen. Es wäre kostengünstiger, dieser Verpflichtung jetzt
nachzukommen, als sie aufzuschieben und später aufgrund einer noch größeren Bedrohung der Sicherheit durch verstärkte sowjetische Präsenz vor
noch schwierigeren Alternativen zu stehen.
Die Vereinigten Staaten haben sowohl das moralische, wie auch das
strategische Interesse an der Entwicklung repräsentativer Demokratien in
dieser Region und an einem Stillstand der Ausbreitung des Kommunismus.
Sollte es den Sandinisten gelingen, ein von den Sowjets unterstütztes,
totalitäres und expansionistisches Regime in Nicaragua zu konsolidieren,
so wäre es unwahrscheinlich, daß es in Mittelamerika zu Frieden und Demokratie kommen kann. Die Sandinisten haben einen Polizeistaat hervorgebracht, der von der Sowjetunion bewaffnet und von Kuba ausgebildet und
durch ein gewaltiges Ausmaß an Einschüchterung des nicaraguanischen Volkes an der Macht gehalten wird. Der in den vergangenen Jahren in der Region erzielte Fortschritt wird gefährdet, wenn die nicaraguanische, kubanische und von der Sowjetunion geförderte Aggression gegen die Demokratien Mittelamerikas ungehindert andauert. Die Sowjetunion hat große Investitionen vorgenommen und hofft auf strategische und politische Zinsen.
Kuba bleibt auch weiterhin der Hauptstellvertreter der Sowjets, aber die
Bedrohung der Stabilität der westlichen Hemisphäre ist durch den Zugang
Nicaraguas zum sowjetischen Lager noch verstärkt worden. Die Sandinisten
spielen eine entscheidende Rolle bei den Bemühungen zur Ausdehnung des
sowjetischen Einflusses in ganz Mittelamerika.
Präsident Reagan lenkte die Aufmerksamkeit am 13. März 1986 auf diese
Tatsache, als er eine Ausstellung erbeuteter Waffen und Dokumente eröff-

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�Dokumente eröffnete, die die Unterstützung Kubas und Nicaraguas für subversive Elemente in Mittelamerika demonstrierte. Der Präsident illustrierte den systematischen Charakter dieses von Nicaragua aus gespannten
Netzes, als er sagte:
Man braucht keiner bestimmten Partei anzugehören oder über geheime
Informationen zu verfügen, um zu sehen, was in Mittelamerika geschieht. Klar ist: nicaraguanische Kommunisten benützen ihr Land als
Aufmarschgebiet für eine Aggression gegen ihre Nachbarn, während sie
ihr eigenes Volk total unterdrücken. Ihre Kampagne der internen Unterdrückung und der externen Aggression wird unterstützt und ermutigt
durch die Sowjetunion, Kuba, Ostdeutschland, Bulgarien, Iran,
Vietnam, Libyen und andere radikale Staaten, Bewegungen und Organisationen 129).
Die Sowjetunion und ihre Verbündeten bilden in der Tat eine gewaltige
Herausforderung der Demokratie in Mittelamerika. Wenn es ihnen gelingt,
die Instabilität zu schüren und womöglich weitere kommunistische Regierungen in der Region zu schaffen, dann werden die Folgen für die Vereinigten Staaten von tiefgreifender Natur sein. Ober Jahre hinweg wurde
Mittelamerika als ein Gebiet angesehen, das relativ immun gegenüber den
Problemen zu sein schien, die mit dem Ost-West-Gegensatz zusammenhängen.
Fidel Castros Übergang in das sowjetische Lager in den sechziger Jahren
änderte jedoch die Gleichung der Ost-West-Beziehungen und hat Moskau das
Mittel an die Hand gegeben, eine Strategie zu verwirklichen, deren Absicht es ist, für die Vereinigten Staaten entlang deren südlichen Flanken
Unruhe zu stiften. Dieser Strategie darf kein Erfolg beschieden sein.
Die Vereinigten Staaten müssen ihren nationalen Willen und ihre nationalen Ressourcen ins Spiel bringen, um die demokratischen Staaten Mittelamerikas in die Lage zu versetzen, den von ihren Völkern gewählten Weg
weiterzugehen. Durch eine solche Verpflichtung werden die Vereinigten
Staaten der Herausforderung an die Demokratie begegnen und ihre eigene
Sicherheit erhöhen.

FUSSNOTEN

107. U.S. Department of S t a t e : "The Situation in El Salvador", 1. April
1986, S. 5. Dieser Bericht wurde dem Kongreß von der Regierung gemäß der
Verpflichtung vorgelegt, diesem über F o r t s c h r i t t e bei der Demokratisierung El Salvadors Bericht zu e r s t a t t e n .
108. Ibid.
109. Ibid.
110. Radio Acan, Panama City, 30. Januar 1981. zitiert in Kerry Ptacek:
"Misconceptions About the Role of the Church" in: "Crisis and Opportunity: U.S. Policy in Central America and the Caribbean", Mark Falcoff und

-

16 -

�Mark Falcoff und Robert Royal, Hrsg. (Washington, D.C.: E t h i c s and P u b l i c
P o l i c y C e n t e r , 1984), S . 2 6 6 .
111. Ibid.
112. National Catholic Register, 14. Juni 1981.
113. Orientacion, San Salvador, 8. Dezember 1981.
114. Dieser Hirtenbrief beschäftigte sich mit der Möglichkeit effektiver
Verhandlungen. Der Brief war von allen Bischöfen El Salvadors unterzeichnet und wurde am 8. August 1985 veröffentlicht.
115. Wegen der Resultate der Umfrage von 1983 siehe "La Nacion Internacional", San Jose, Costa Rica, 20.-24. November 1983. Wegen der Resultate der Umfrage von 1985 siehe "Congressional Record", No. 16, 20.
Februar 1986.
116. U.S. Department of State: "The Situation in El Salvador", S. 12.
117. Ibid.
118. Ibid.
119. "Foreign Broadcast Information Service" (FBIS), Lateinamerika, 22.
Januar 1986, S. 11-12.
120. Georgie Anne Geyer: "Taking the Sandinistas at their Word", Wall
Street Journal, 23. August 1985.
121. Meinungsumfrage, "Congressional Record", No. 16, 20. Februar 1986.
122. Die costaricanische Legislativkommission veröffentlichte ihren Bericht am 14. Mai 1981, wie vom "Foreign Broadcast Information Service"
(FBIS) am 2. Juni 1981 berichtet. Siehe auch New York Times: "Arms
Scandal is Charged in Costa Rica", 21. Mai 1981.
123. Ibid.
124. Jennie K. Lincoln: "Neutrality Costa Rican Style", Current History,
März 1985, S. 136.
125. "Report of the National Bipartisan Commission on Central America",
erstellt für den Präsidenten. Henry A. Kissinger, Vorsitzender.
(Washington, D.C.: U.S. Government Printing Office, Januar 1984), s. 114.
126. United Nations Document S/16041, 18. Oktober 1983.
127. Oscar Arias: "Nicaragua Fears Democracy", La Nacion, San Jose, Costa
Rica, 9. April 1986.
128. "Nicaragua Bares the Nightstick", New York Times, 18. Oktober 1985.
129. "Weekly Compilation

- 17 -

�129. "Weekly Compilation of Presidential Documents", 17. März 1986.
Office of the Federal Register, National Archives and Records Service,
General Services Administration.

* * * * *

- 18 -

�AMERIKA DIENST
VON

Wissenschaft und Technik

&amp;

1. Oktober 1986

32

NEUE ENTWICKLUNGEN AN DER AIDS-FRONT
Hoffnung auf therapeutische Möglichkeiten -

WASHINGTON - (AD) - Nicht Heilung, aber wenigstens eine Möglichkeit zur Therapie bestimmter Erkrankungen, die nach AIDS-Infektionen
auftreten, verspricht vielleicht das
Medikament AZT (Azidothymidin). Jedenfalls lassen die Ergebnisse der
beiden ersten Doppelblindstudien mit
AZT hoffen, daß das Leben von AIDSPatienten
länger
erhalten
werden
kann, als dies unter den bisherigen
Gegebenheiten möglich ist.

An

der erworbenen

Immunschwäche

United States Information Service
Embassy of the United States of America

AIDS, die durch die Infektion mit
HTLV-III-Viren (neuerdings auch als
HIV-Viren bezeichnet) in Gang gesetzt
wird, starben allein in den Vereinigten Staaten in den letzten sechs Jahren mindestens 12 000 Menschen. Das
sind etwa 50 Prozent der erkrankten
Personen.
Da durch die Infektion
wichtige Komponenten für Abwehrreaktionen des Immunsystems wie z.B. die
thymusabängigen
T-Zellen
zerstört
werden, haben Krankheitserreger und
bestimmte
Arten
von
Tumorzellen
leichtes Spiel. So kommt es, daß eine normalerweise seltene Krebsart wie

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�das Kaposi-Sarkom (eine schmerzhafte
Geschwulstkrankheit der Haut mit Metastasenbildung in inneren Organen)
für ca. 20 Prozent, eine durch Protozoen verursachte Form von Lungenentzündung ("Pneumocystis carinii") sogar für mehr als 50 Prozent der
AIDS-Todesfälle verantwortlich ist.
Auch Hirn-Toxoplasmose nimmt unter
AIDS-Kranken erschreckende Ausmaße an.
Seit Februar 1986 liefen in den
USA klinische Tests mit dem experimentellen Wirkstoffen AZT im Rahmen
einer Studie, die im Dezember abgeschlossen werden sollte.
Etwa die
Hälfte der 282, unter dem Gesichtspunkt bestimmter Begleiterkrankungen
sorgfältig ausgewählten AIDS-Patienten erhielt ein Placebo-Präparat.
Die tatsächliche Verteilung kannten
weder die Patienten noch ihre Xrzte,
sondern nur einige Wissenschaftler in
der Herstellerfirma Burroughs-Wellcome Co. Die aus den beteiligten Kliniken im Land eingehenden Zwischenberichte führten jetzt zu einem ungewöhnlichen Schritt: Mitte September
wurde die Studie vorläufig gestoppt,
um der mit dem Placebo-Präparat versorgten Kontrollgruppe ebenfalls die
Möglichkeit zu einer Therapie zu geben. Es hatte sich nämlich gezeigt,
daß in dieser aus 137 Patienten bestehenden Gruppe 16 Personen während
der letzten sieben Monate verstarben,
während bei der 145 Personen starken
Gruppe der Versuchspatienten für AZT
nur ein einziger Todesfall zu verzeichnen war.
Angesichts dieses krassen Unterschiedes sei es, wie Dr. Robert
Windom
vom amerikanischen Gesundheitsministerium auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte, nicht
zu verantworten gewesen, der Placebo-Gruppe AZT länger vorzuenthalten.
Aufgrund der bisherigen Ergebnisse
der Studie habe er die Bundesbehörde
- 2

für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA Food and Drug Administration) ersucht, das Zulassungsverfahren für
AZT zu beschleunigen, um das Präparat
Tausenden
anderer
AIDS-Patienten
ebenfalls zugänglich zu machen. Allerdings müßten diese nach bestimmten
Kriterien in bezug auf Begleiterkrankungen ausgewählt werden. Denn nicht
bei allen Symptomen einer AIDS-Erkrankung sei nach bisherigen Erfahrungen das Präparat wirksam. Es solle zunächst nur solchen Patienten
verabreicht werden, die in den letzten drei Monaten vor Beginn der Behandlung an Lungenentzündung des Typs
Pneumocystis carinii erkrankten.
Diese Patienten hatten auch die
Hauptgruppe für die klinische Studie
vom Februar dieses Jahres gebildet.
Unter AZT-Medikation kam es bei ihnen
weniger häufig zu den AIDS-typischen
Zusatzinfektionen. Sie nahmen wieder
an Gewicht zu, und die zahl der TZellen im Blut stieg sogar langsam
wieder an. Dies wird darauf zurückgeführt, daß der Wirkstoff AZT den
Mechanismus zur Vermehrung von AIDSViren in den T-Zellen, der deren Zerstörung und damit den Zusammenbruch
des Immunsystems verursacht, zu blokkieren vermag.
Dr. Windom machte jedoch deutlich, daß es noch zahlreiche Ungewißheiten gebe. So wisse man noch viel
zu wenig über mögliche toxische Wirkungen von AZT. Beispielsweise habe
man bei der ersten Studie an 19 Personen beobachtet, daß bei hoher Dosierung offenbar die Bildung weißer
und roter Blutzellen beeinträchtigt
werde.
Langzeitbeobachtungen seien
ohnehin noch nicht möglich gewesen.
Und: "Wir wollen den Tausenden von
Menschen, die an AIDS erkrankt sind,
nicht zu viel versprechen."
Aus den Resultaten der jetzt ge-

�stoppten Doppelblindstudie
ergäben
sich, wie Windom weiter erklärt, keine Anhaltspunkte dafür, ob sich AZT
auch zu einer Behandlung von Kindern,
von Patienten mit Kaposi-Sarkom oder
mit symptomfreien Infektionen bzw.
solchen unklarer Symptomatik eigne.
Andererseits sei der Wirkstoff anscheinend in der Lage, die BlutHirn-Schranke zu überwinden. Das wäre ein ganz wichtiger Schritt, um einer Enzephalopathie als Folge einer
AIDS-Virus-Infektion vorzubeugen.
Den Wirkstoff AZT gibt es schon
seit 1964. Er war damals von Jerome
Horwitz, einem jungen Chemiker in
Detroit, auf der Suche nach neuen
Mitteln zur Krebsbekämpfung entwikkelt worden. Für diesen Zweck erwies
er sich jedoch als nutzlos und geriet
in Vergessenheit. Erst 20 Jahre später begannen sich Wissenschaftler der
Arzneimittelfirma
Burroughs-Wellcome
wieder damit zu befassen, als sie
sich um die Entwicklung von Präparaten gegen Virusinfektionen bemühten.

sind, sie an sich ebenfalls auszuprobieren. Der Verlauf bzw. die Ergebnisse sollen dann wissenschaftlich
ausgewertet werden.
Aus
dem
Nationalen
Krebsforschungsinstitut der USA (Bethesda,
Maryland) wurde bekannt, daß man dort
eine Variante des AIDS-Virus entwikkelt habe, die nicht zu den katastrophalen Folgen nach einer Infektion
führe wie bei einer HIV-Infektion und
vielleicht helfen könne, eine geeignete Therapie oder einen Impfstoff zu
finden. zwar habe die gentechnisch
abgeschwächte Variante keinen Einfluß
auf das HIV-Virus und könne es nicht
zerstören. Aber sie könne mit ihm
insofern in Konkurrenz treten, als
sie die gleichen Zellen des Immun-Systems aufsuche, ohne jedoch deren Absterben zu bewirken. Allerdings sei
es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch
viel zu früh, um etwas über mögliche
negative Auswirkungen des veränderten
AIDS-Virus aussagen zu können. Zunächst einmal müßten die Ergebnisse
der Tierversuche abgewartet werden.

Wie kürzlich Dr. Cory SerVaas,
die
medizinische
Direktorin
der
"Benjamin Franklin Society" auf einer
Pressekonferenz berichtete, scheine
nach den Erfahrungen mancher Srzte
die Aminosäure Lysin eine gewisse infektionsverhütende Wirkung nicht nur
gegen Herpes-Viren, sondern auch gegen AIDS-Viren zu haben. In der Kombination mit
zwei verschreibungspflichtigen Medikamenten, die als
"Tagamet" und "Acyclovir" auf dem
amerikanischen Markt sind, eigne sich
Lysin sogar zur Therapie von AIDS-Infektionen.
Zwei an AIDS erkrankte
Srzte hätten an sich selbst eine ganz
bemerkenswerte Besserung ihres Zustandes
erfahren.
Die
"Benjamin
Franklin Society" stellt gegenwärtig
Listen von Personen zusammen, die an
der von diesen Ärzten erprobten Behandlung
interessiert
und
bereit
- 3 -

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