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AMERIKA DIENST

31

24. September

1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten bereit zur Unterzeichnung von Abkommen mit DdSSR
- Präsident Reagans Ansprache vor den Vereinten Nationen -

Reagan sieht "echte Chance* für Reduzierung von Atomwaffen
- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche -

Reagans Proklamation zur Bekämpfung des Hungers in der Welt
- Präsident Reagan verkündet "Welt-Ernährungstag" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Die demokratischen Widerstandskämpfer: Wer sie sind, warum sie
kämpfen Dokumentation in vier Teilen - Teil III -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

24. September 1986

31

VEREINIGTE STAATEN BEREIT ZOR UNTERZEICHNUNG VON ABKOMMEN MIT UdSSR
- Präsident Reagans Ansprache vor den Vereinten Nationen -

VEREINTE NATIONAN, NEW YORK - (AD) - Präsident Reagan hat in seiner
Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 22. September 1986
verkündet, daß "die Vereinigten Staaten bereit sind, mit der Sowjetunion
- jetzt gleich - ein Abkommen über Forschung, Entwicklung, Tests und Stationierung der strategischen Verteidigungsysteme zu unterzeichnen".
Regan sprach ferner davon, daß es sich bei dem in der Sowjetunion der
Spionage angeklagten amerikanischen Journalisten Nicholas Daniloff um
eine "unschuldige Geisel handelt, die freigelassen werden sollte".
Nachfolgend drucken wir den Text der Rede im Wortlaut ab:
Sehr geehrter Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte
Gäste und Delegierte: unweit von diesem Raum befindet sich der Ruheraum
der Delegierten, ein Zufluchtsort vor einer Welt, die durch den Lärm des
Kampfes und der Gewalt taub geworden ist. Dag Hammarskjöld sagte einmal
über diesen Raum: "Wir wollen die Idee der Andacht wieder aufgreifen, die
Hingabe an etwas, das erhabener und größer ist als wir selbst".
Es ist genau diese Hingabe, die die Vereinten Nationen ins Leben
rief, die Hingabe an den Weltfrieden und die Freiheit, an Menschenrechte

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�an Menschenrechte und demokratische Selbstbestimmung, an eine Zeit, wenn,
um ein altes Gleichnis zu verwenden, "Schwerter zu Pflugscharen werden,
und ein Land nicht sein Schwert gegen ein anderes Land erhebt und keinen
Krieg mehr führt".
Die Vereinigten Staaten bleiben auch weiterhin den Vereinten Nationen
verpflichtet. Seit über vierzig Jahren stellt diese Organisation ein
internationales Forum für den Ausgleich miteinander im Widerstreit stehender Interessen dar, und sie hat einen bedeutenden Beitrag in solchen
Bereichen wie der Erhaltung des Friedens, humanitärer Hilfe und der Ausrottung von Krankheiten geleistet. Und doch weiß niemand besser als die
Anwesenden, wie wenig die in der Charta niedergelegten edlen Ideale sich
oft erfüllt haben. Diese Organisation selbst befindet sich in einer kritischen Phase, die in der Regel als • Finanzkrise' bezeichnet wird. Aber
wir können diese * Krise* zu einer Gelegenheit machen. Die von einer Expertengruppe vorgeschlagenen wichtigen Reformen können ein erster Schritt
sein, wenn es darum geht, Stellung undSchlagkraft dieser Organisation
wiederherzustellen. Das Problem ist nicht das Geld, sondern die Glaubwürdigkeit. Wenn alle Mitglieder dieser Weltorganisation sich dafür entscheiden, den Zeitpunkt zu nutzen und die Worte der Reform in die Tat umzusetzen, wird die Zukunft der Vereinten Nationen gesichert sein. Und
ich gebe Ihnen mein Wort: Mein Land, das die U.N. immer großzügig unterstützt hat, wird auch weiterhin eine Führungsrolle bei den Bemühungen zur
Verwirklichung dieser edlen Ziele spielen.
Als ich im vergangenen Jahr vor Ihnen stand, hatte ein wichtiges Ereignis, das der Verfolgung dieser ziele dient, noch nicht stattgefunden.
Die Staatschefs der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten sollten sich
noch in Genf treffen. Diese Gespräche haben inzwischen stattgefunden.
Die sowjetischen und amerikanischen Delegationen haben etwa fünfzehn
Stunden lang verhandelt; Generalsekretär Gorbatschow und ich haben etwa
fünf stunden lang miteinander gesprochen.
Unsere Gespräche waren offen und auch produktiv - in größerem Ausmaß
als das die vereinbarten Dokumente waren. Herr Gorbatschow drückte sich
sehr deutlich aus und das gleiche gilt auch für mich. Wir haben erneut
die Wahrheit des Satzes festgestellt, daß Länder sich nicht mißtrauen,
weil sie bewaffnet sind, sondern daß sie bewaffnet sind, weil sie sich
mißtrauen. Und ich habe nicht gezögert, Herrn Gorbatschow unsere Ansicht
über die Quelle dieses Mißtrauens darzulegen: die Versuche der Sowjetunion, anderen ihre Ideologie und ihre Regeln aufzuzwingen. Wir haben
die bestehenden einschneidenden Unteschiede zwischen unseren Regierungsformen anerkannt, wie auch unsere Sichtweisen über die Geschichte und die
Zukunft der Menschheit. Aber trotz dieser Unterschiede sind wir übereingekommen, für eine echte Verringerung bei Nuklearwaffen genauso zu arbeiten wie für den Fortschritt in anderen Bereichen.
Ich möchte heute Ihnen, den Delegierten der 41. Generalversammlung
der Vereinten Nationen berichten, was seit dem Gipfeltreffen geschehen
ist, und dabei auch auf den wichtigen Brief eingehen, den ich am 25. Juli
an Generalsekretär Gorbatschow geschrieben habe. In diesem Brief habe
ich die wichtige Frage der Atomtests angesprochen. Zusätzlich zu den

- 2 -

�Zusätzlich zu den Fragen, die militärische Aspekte der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betreffen, möchte ich auch andere wichtige Schritte für den Frieden behandeln; die Lösung politischer Konflikte, die Stärkung der internationalen Wirtschaft und den Schutz der Menschenrechte.
Bevor ich jedoch darauf näher eingehe, lassen Sie mich Ihnen in der
Tradition der Offenheit von Genf berichten, daß eine Wolke unsere Beziehungen zur Sowjetunion überschattet. Ich beziehe mich hier auf ein besonders beunruhigendes Beispiel sowjetischer Verstöße gegen die Menschenrechte.
Kürzlich - nach der Verhaftung eines sowjetischen Staatsbürgers und
Angestellten der Vereinten Nationen, der in den Vereinigten Staaten der
Spionage angeklagt ist - wurde ein amerikanischer Korrespondent in Moskau
zum Objekt erfundener Beschuldigungen und falscher Anklagen. Er wurde
verhaftet und ins Gefängnis gesperrt, unter völliger Mißachtung geregelter Abläufe und zahlreicher Menschenrechtskonventionen. Er wurde
vielmehr als Geisel genommen und sogar mit der Todesstrafe bedroht.
3eide Personen sind inzwischen ihren jeweiligen Botschaftern übergeben worden. Aber dies ist nur eine Ubergangslösung, der die Vereinigten Staaten aus humanitären Gründen zustimmten. Es ändert nichts an der
Tatsache des Falles: Gennadij Sacharow ist ein angeklagter Spion, dem der
Prozeß gemacht werden wird; Nicholas Daniloff ist eine unschuldige Geisel, die freigelassen werden sollte. Die Sowjetunion trägt die Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Handlungsweise. Der Mißbrauch der
Vereinten Nationen zu Spionagezwecken erweist dieser Organisation einen
schlechten Dienst. Und die Welt erwartet Besseres. Sie erwartet Beiträge zur Sache des Friedens, wie sie nur die führenden Politiker der
Vereinigten Staten und der Sowjetunion leisten können.
Aus diesem Grunde haben ich im vergangenen Sommer an Herrn
Gorbatschow geschrieben und ihm neue Vorschläge zur Rüstungskontrolle
unterbreitet. Bevor diese Vorschläge besprochen werden, müssen wir uns
klarmachen, welche Waffen am gefährlichsten sind und welche den Frieden
am stärksten bedrohen. Die Bedrohung geht nicht von den Defensivsystemen
aus, die als Schutzschild gegen Angriffe dienen, sondern von offensiven
Waffen, wie etwa ballistischen Raketen, die durch den Weltraum rasen und
auf der Erdoberfläche eine Massenvernichtung hervorrufen könnten. Diese
Fähigkeit haben die schweren, treffsicheren Interkontinentalraketen
(ICBMs) der Sowjets mit ihren zahlreichen Gefechtsköpfen, zu denen es
kein Gegenstück in bezug auf Größe und Anzahl in irgendeinem anderen Land
gibt.
Deshalb haben die Vereinigten Staaten seit langem einen radikalen,
einschneidenden und verifizierbaren Abbau dieser Offensivsysteme vorangetrieben. Bitte achten Sie darauf, daß ich 'Abbau'i gesagt habe, denn
das ist das wahre Ziel der Rüstungskontrolle; nicht nur das Niveau bestehender Arsenale zu kodifizieren oder ihren weiteren Ausbau zu kanalisieren, sondern sie derart abzubauen, daß die Gefahr eines Krieges vermindert wird. Die Vereinigten Staten glauben fest daran, daß die Aussicht
einer Zukunft ohne solche Massenvernichtungswaffen das letzte Ziel der
Rüstungskontrolle sein muß.
Ich freue mich,

- 3 -

�Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß die Sowjetunion jetzt auf
unsere Idee des radikalen Abbaus von Offensivwaffen eingeht. Beim Genfer
Gipfeltreffen im vergangenen November sind wir übereingekommen, daß wir
die Arbeit auf diesem Gebiet intensivieren wollen. Seitdem haben die
Sowjets detaillierte Vorschläge unterbreitet, die, obwohl sie für uns
nicht akzeptabel sind, doch ernsthafte Bemühungen ihrerseits darzustellen
scheinen. Deshalb verfolgen wir auch weiterhin das Ziel eines 50prozentigen Abbaus amerikanischer und sowjetischer Waffenarsenale - mit dem
Schwerpunkt eines Abbaus der Gefechtsköpfe ballistischer Raketen. Wenn
die Sowjetunion lediglich einen geringeren Abbau wünscht, sind wir jedoch
bereit, diesen in Betracht zu ziehen - als vorläufige Maßnahme. Wir
haben auch in anderen Bereichen versucht, sowjetische Belange miteinzubeziehen. Es hat also eine Bewegung stattgefunden.
Gleichermaßen verfolgen die Vereinigten Staaten im Bereich der Nuklearwaffen mittlerer Reichweite das Ziel der totalen Abschaffung solcher
Raketen weltweit. Wenn die Sowjetunion jedoch darauf besteht, solch ein
Ziel graduell zu verfolgen, sind wir bereit, sofort ein Interimsabkommen
abzuschließen.
All dies gibt mir Hoffnung. Ich kann Ihnen sagen, daß der Austausch
zwischen unseren beiden Seiten in diesem Sommer sehr wohl den Anfang
ernsthafter, produktiver Verhandlungen über Rüstungskontrolle eingeleitet
haben könnte. Das Eis dieser verfahrenen Situation könnte gebrochen
werden, wenn beide Seiten ihre Bemühungen in der neuen Runde der Genfer
Gespräche intensivieren und wenn wir die Versprechen einhalten, die wir
uns gegenseitig im vergangenen November gegeben haben.
Für eine zu lange Zeit bestand jedoch die sowjetische Reaktion darin,
den Bedarf eines Abbaus bei Offensivwaffen herunterzuspielen. Wenn die
Vereinigten Staaten anfingen, an Technologien zu arbeiten, die nukleare
Offensivwaffen eines Tages überflüssig machen werden, versuchten die
Sowjets, das zum größten Problem zu stilisieren - als ob die größte Gefahr für die strategische Stabilität eine Verteidigung gegen Raketen
wäre, die sich noch in der Planung befindet und nicht die Tatsache, daß
diese wahnsinnigen Raketen bereits in großer zahl existieren.
Trotzdem erkennen die Vereinigten Staaten an, daß sowohl die offensive als auch die defensive Seite der strategischen Gleichung angesprochen werden muß. Und wir sind einen weiten Weg gegangen, um die von
sowjetischer Seite ausgedrückte Besorgnis über den möglichen offensiven
Gebrauch strategischer Defensivsysteme in Betracht zu ziehen. Ich habe
feste und konkrete Zusicherungen angeboten, daß unsere Strategische Verteidigungsinitiative niemals zur Stationierung von Massenvernichtungswaffen im Weltraum benutzt werden könnte. Ich habe darauf hingewiesen,
daß der von uns verfolgte radikale Abbau von Offensivwaffen-Arsenalen
eine zusätzliche Sicherheit dafür bietet, daß SDI nicht benutzt werden
kann, um eine Erstschlagsstrategie zu unterstützen. Und wir gaben von
Anfang an der Möglichkeit den Vorzug, gemeinsam mit den Sowjets an einer
strategischen Verteidigung zu arbeiten, so daß keine Seite sich bedroht
fühlt und beide Seiten von der strategischen Revolution profitieren können, die SDI verkörpert.
Die Vereinigten

- 4 -

�Die Vereinigten Staaten respektieren auch weiterhin den ABM-Vertrag trotz der klaren Beweise für sowjetische Vertragsverletzungen. Wir haben
den Sowjets mitgeteilt: wenn wir uns beide auf eine radikale Reduzierung
strategischer Offensivwaffen verständigen können, sind wir noch heute
dazu bereit, mit ihnen eine Vereinbarung über die Forschung, Entwicklung,
Erprobung und Stationierung strategischer Verteidigungssysteme auf folgender Grundlage zu unterzeichnen:
Erstens: Beide Seiten würden ihre Bereitschaft erklären, sich bis
1991 auf die laut ABM-Vertrag zulässige Forschung, Entwicklung und Erprobung zu beschränken, um zu entscheiden, ob moderne Systeme für eine strategische Verteidigung technisch machbar sind.
Zweitens: Ein neuer, heute unterzeichneter Vertrag würde Folgendes
feststellen: falls nach 1991 eine der beiden Seiten sich zur Stationierung eines solchen Systems entschließen sollte, wäre diese Seite dazu
verpflichtet, einen Plan zur beiderseitigen Nutzung der Vorteile der
strategischen Verteidigung und zur Abschaffung offensiver ballistischer
Raketen zu unterbreiten. Dieser Plan würde dann in einem Zweijahreszeitraum ausgehandelt werden.
Drittens: Wenn beide Seiten sich nach zweijährigen Verhandlungen
nicht einigen können, würde es jeder Seite nach sechsmonatiger Vorankündigung freistehen, ein modernes strategisches Verteidigungssystem zu stationieren.
Wie die Vereinigten Staaten wiederholt klargestellt haben, gehen wir
einer Zukunft erhöhten Vertrauens auf strategische Verteidigungssysteme
entgegen. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, darüber zu reden, wie - nach welchen grundsätzlichen Regeln und Verfahren - wir und
die Sowjetunion dies in kooperativer Weise tun können. Solche strategischen Verteidigungssysteme, gekoppelt mit radikalem Abbau von offensiven Streitkräften, würden ein sichereres Gleichgewicht darstellen und
zukünftigen Staatsmännern die Gelegenheit geben, darüber hinaus zu gehen
- bis zur letztendlichen Abschaffung aller Atomwaffen.
Zusätzlich zu unseren Vorschlägen zum Abbau der Offensivwaffen und
zur strategischen Verteidigung haben wir neue Schritte in einem weiteren
Bereich angeregt - den Atomwaffentests. Ebenso wie die Abschaffung aller
Atomwaffen, ist auch ein totales Verbot von Atomversuchen unser langfristiges ziel. Beide müssen jedoch mit praktischen Schritten angegangen
werden. Die Realität besteht ja darin, daß wir uns immer noch auf diese
Waffen zur Abschreckung eines Krieges verlassen müssen. Deshalb sind die
Sicherheit und Verläßlichkeit unserer Abschreckung selbst lebenswichtig
für den Frieden.
Die Vereinigten Staaten sind stolz auf ihren Ruf in bezug auf nukleare Sicherheit und gedenken, diesen auch weiterhin aufrechtzuerhalten.
Trotzdem sind wir, wie ich eben schon sagte, jetzt dazu bereit, zwei
wichtige Schritte auf dem Weg zur Begrenzung von Atomwaffenversuchen zu
unternehmen. Erstens sind wir bereit, die Ratifizierung des Schwellenvertrages und des Vertrages über Atomexplosionen zu friedlichen zwecken
voranzutreiben, wenn einige Einigung über verbesserte Verifikationsvqr-

- 5 -

�verbesserte Verifikationsverfahren erreicht ist.
vorgelegt, um dies zu ermöglichen.

Wir haben neue Ideen

Zweitens sind wir nach der Ratifizierung dieser Verträge und in Zusammenhang mit einem Programm zur Reduzierung und letztendlichen Abschaffung aller Atomwaffen dazu bereit, über Wege zu diskutieren, um ein
schrittweises, paralleles Programm zur Begrenzung und schließlichen Abschaffung von Atomwaffenversuchen durchzuführen.
Dies sind Schritte, die wir in der nächsten Zukunft unternehmen könnten, um der Welt zu zeigen, daß wir uns vorwärts bewegen. Und ich appelliere deshalb an die Sowjetunion, sich mit uns für praktische, erreichbare Portschritte bei der Begrenzung von Atomwaffentests zusammenzuschließen.
Vor wenigen Tagen erhielt ich eine Antwort von Generalsekretär
Gorbatschow auf meinen Brief vom 25. Juli. Lassen Sie mich in diesem Moment dazu lediglich sagen, daß wir ihr ernsthafte und sorgfältige Beachtung schenken.
Während wir uns auf unser ziel der Abschaffung von Atomwaffen zubewegen, ist es jedoch auch enorm wichtig, daß wir uns mit bedeutenden Ungleichgewichten bei anderen Waffenarten beschäftigen. Deshalb haben die
Vereinigten Staaten ein umfassendes, weltweites Verbot aller chemischen
Waffen vorgeschlagen und aus demselben Grund haben wir und unsere Verbündeten uns energisch bemüht, den toten Punkt bei den Wiener Verhandlungen
über konventionelle Streitkräfte zu überwinden. Ein wichtiger Fortschritt ist auch auf der Stockholmer Konferenz erzielt worden - ein neues, konkretes Paket militärischer, vertrauensbildender Maßnahmen, einschließlich Inspektionen.
Aus der Erfahrung der siebziger Jahre heraus müssen wir uns aber auch
daran erinnern, daß Fortschritte bei der Rüstungskontrolle nicht von regionalen politischen Entwicklungen getrennt werden können, wie ich bereits zu Anfang sagte, wird der militärische Wettstreit durch politische
Spannungen verursacht und nicht umgekehrt.
Während sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion über die
Wurzeln der politischen Spannungen uneins sind, stimmen wir jedoch darin
überein, daß regionale Konflikte zu einer weltweiten Konfrontation eskalieren könnten. Voriges Jahr habe ich von diesem Podium aus eine Friedensformel vorgelegt, die auf fünf kritische regionale Konflikte anwendbar sein würde, die potentielle Brennpunkte für ausgedehntere Konflikte
sind. Ich erläuterte, wie schwierig es für die Vereinigten Staaten ist,
sowjetischen Versicherungen friedlicher Absichten Glauben zu schenken,
während gleichzeitig 126 000 sowjetische Soldaten einen furchtbaren Krieg
gegen das afghanische Volk führen, während 140 000 von den Sowjets unterstützte vietnamesische Soldaten Krieg gegen das Volk von Kambodscha führen, während 1 700 sowjetische Berater und 2 500 Mann kubanische Kampftruppen an militärischen Planungen und Operationen in Äthiopien beteiligt
sind; während 1 300 sowjetische Militärberater und 36 000 kubanische
Soldaten militärische Operationen leiten und daran teilnehmen, die der
Erhaltung eines unpopulären, repressiven Regimes in Angola dienen; wäh-

- 6 -

�dienen; während Hunderte von Millionen Dollar an sowjetischen Waffen und
Ostblockberater einem diktatorischen Regime in Nicaragua bei dem Versuch
helfen, eine Volksrevolution abzuwürgen und zu verraten.
Die Gefahr, die diesen Konflikten innewohnt, muß erkannt werden.
Marxistisch-leninistische Regime tendieren dazu, Kriege genauso bereitwillig gegen ihre Nachbarn zu führen, wie sie es gewöhnlich gegen ihr
eigenes Volk tun. In der Tat wird es oft unmöglich, interne und externe
Kriege von einander zu unterscheiden.
In Afghanistan hat beispielsweiser das Marionettenregime seine Absicht verkündet, Zehntausende von Menschen aus Grenzgebieten umzusiedeln.
Kann irgendjemand daran zweifeln, daß dies im klassischen kommunistischen
Stil - mit Gewalt - durchgeführt wird? Viele werden dabei sterben und es
damit den Sowjets und ihren Satellitentruppen leichter machen, Pakistan
einzuschüchtern.
Es sind gerade solche Vergehen, die das Risiko einer Konfrontation
mit den demokratischen Staaten so akut hervortreten lassen.
Ich möchte also noch einmal einen aus drei Punkten bestehenden Friedensprozeß zur Lösung regionaler Konflikte vorschlagen: Erstens Gespräche zwischen den kriegführenden Parteien selbst, ohne die ein Ende
der Gewalt und nationale Aussöhnung unmöglich sind; zweitens Gespräche
zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - nicht, um Lösungen
aufzuzwingen, sondern um Friedensgespräche zu unterstützen und schließlich den Waffennachschub und die Zuführung ausländischer Stellvertretertruppen zu unterbinden. Und drittens, wenn die Gespräche erfolgreich
sind, gemeinsame Bemühungen, um jedes Land wieder in die Weltwirtschaft
und die Gemeinschaft der Nationen, die die Menschenrechte respektieren,
zurückzuführen.
Zusätzlich zu regionalen Konflikten gefährdet die schwere Bedrohung
durch den Terrorismus die Friedenshoffnungen. Kein Ziel, kein Mißstand
kann ihn rechtfertigen. Der Terrorismus ist schändlich und unerträglich.
Er ist das Verbrechen von Feiglingen - Feiglingen, die den Unschuldigen,
den Wehrlosen und den Hilflosen nachstellen.
Mit ihren Verbündeten und anderen Nationen haben die Vereinigten
Staaten Schritte unternommen, um den Terrorismus direkt zu bekämpfen,
insbesondere den staatlich geförderten. Im vorigen April haben die Vereinigten Staaten demonstriert, daß sie ihre Interessen verteidigen und
gegen terroristische Aggressionen vorgehen werden. Und lassen Sie mich
Ihnen allen heute versichern, lassen Sie mich insbesondere allen potentiellen Förderern des Terrorismus versichern, daß das amerikanische Volk
in dieser Frage einer Meinung ist. Wie für andere zivilisierte Völker
der Erde, ist für uns das Maß jetzt voll. Anschläge gegen unsere Bürger
oder Interessen werden nicht unbeantwortet bleiben. Wir werden ebenso
alles in unserer Macht stehende tun, um anderen gesetzestreuen Staaten
beizustehen, die von terroristischen Anschlägen bedroht werden. In dieser Hinsicht glauben die Vereinigten Staaten, daß die im letzten Mai von
den sieben demokratischen Industriestaaten während des Tokioter Gipfels
erreichten Vereinbarungen einen guten Ausgangspunkt für ein internationa-

- 7-

�ein internationales Einveständnis im Krieg gegen den Terrorismus bedeuteten. Wir empfehlen der Generalversammlung, die Tokioter Resolutionen
zu berücksichtigen.
Um nun zur wirtschaftlichen Seite zu kommen: Klingt es nicht
ironisch, wenn einige weiterhin Ideen wie der "neuen Weltwirtschaftsordnung" nachhängen, die auf staatlicher Lenkung basiert, während sich
gleichzeitig die Welt, wie niemals zuvor, der Tatsache bewußt wird, daß
die Freiheit des Einzelnen, nicht die Macht des Staates, den Schlüssel zu
wirtschaftlicher Dynamik und Wachstum darstellt. Länder haben sich von
zentralisiertem Management und Regierungssteuerung ab - und den Anreizen
und Vorteilen des freien Marktes zugewandt. Sie haben ihre Bürger dazu
ermutigt, ihre Talente und Fähigkeiten so weit wie möglich zu entwickeln
und in Zusammenhang damit Arbeitsplätze bereitzustellen, Wohlstand zu
schaffen, soziale Stabilität aufzubauen und das Vertrauen in die Zukunft
aller zu fördern.
Die Wirtschaftsgipfel der Industriedemokratien haben diesen Grundsätzen - ebenso wie die historische Afrika-Sondersitzung der Vereinten
Nationen im Mai - Tribut gezollt. Wir begrüßen die Forderung der afrikanischen Staaten nach Reformen, die zu einer stärkeren Akzentuierung
ihres Privatsektors beim Wirtschaftswachstum führt. Wir sind davon überzeugt, daß die Überwindung von Hunger und wirtschaftlicher Stagnation
eine Politik erforderlich macht, durch die Produktivität und Initiative
der Bewohner Afrikas ermutigt werden. Durch eine solche Politik wird
auch der übrigen Welt, einschließlich den Vereinigten Staaten, die Hilfe
leichter fallen. Die Gesetze wirtschaftlichen Anreizes unterscheiden
nicht zwischen entwickelten Staaten und Entwicklungsländern. Sie gelten
für alle in gleicher Weise.
Ein Großteil der jüngsten Wiederbelebung der Weltwirtschaft läßt sich
unmittelbar auf diese Zunahme wirtschaftlicher Freiheit zurückführen.
Und gerade diese Tendenz bietet große Hoffnungen für die Zukunft. Aber
diese neue Hoffnungen stehen einer ernsten Bedrohung gegenüber: der Bedrohung durch Handelsschranken.
Die geschichtliche Erfahrung zeigt, daß die Errichtung solcher Handelsschranken zu Vergeltung herausfordert, die wiederum genau die Art von
Handelskriegen anzettelt, die die Welt in den dreißiger Jahren nur noch
tiefer in Depression und wirtschaftliche Not versinken ließ. Es ist
wahr: Protektionismus bedeutet Zerstörung.
Aus diesem Grund bemühen sich die Vereinigten Staaten um die Hilfe
aller hier in der Vollversammlung vertretenen Staaten, um die geltenden
Praktiken des freien und fairen Handels zu schützen, wir freuen uns über
den Erfolg des Treffens der GATT-Handelsminister vergangene Woche in
Uruguay, wo ein Übereinkommen darüber erzielt wurde, eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen zu beginnen, die eine ganze Bandbreite
von Themen zum Inhalt haben werden, die für das Wirtschaftswachstum von
Bedeutung sind. Zusammen mit über 90 anderen GATT-Mitgliedstaaten bemühen sich die Vereinigten Staaten darum, den freien Strom des Welthandels
aufrechtzuerhalten.
Neben ihrem

�Neben ihrem Widerstand gegenüber dem Protektionismus versuchen die
Vereinigten Staaten auch, das Wachstum der Weltwirtschaft auf andere
Weise anzuregen. Unser Satz für Schatzwechsel liegt jetzt bei gerade
über fünf Prozent, so niedrig wie er seit neun Jahren nicht mehr war und bedeutet somit für die Schuldnerstaaten eine gewaltige Erleichterung.
Die neue Steuerstruktur Amerikas wird auch im Inland Wege für mehr Wohlstand ebnen und dadurch zu größerem Wohlstand im Ausland beitragen.
Schließlich bemühen sich die Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit
anderen Ländern darum, die Währungsausschläge so gering wie möglich zu
halten, die Stabilität auf den Devisenmärkten zu fördern und mit Vorhersagbarkeit eine Grundlage für Prosperität zu schaffen.
Aber die Vereinigten Staaten sind auch davon überzeugt, daß der größte Beitrag, den wir zum Wohlergehen der Welt beitragen können, darin besteht, sich auch weiterhin für das eigentliche Geheimnis des Marktes
starkzumachen - die Wahrheit nämlich, die schlichte und erwiesene Wahrheit, daß wirtschaftliche Entwicklung Folge wirtschaftlicher Freiheit
ist, genau wie wirtschaftliche Freiheit untrennbar mit politischer Freiheit und demokratischer Regierungsform verbunden ist.
Und genau hier kommen wir zu unserer letzten Kategorie - den Menschenrechten -, dem unabdingbaren Bestandteil von Frieden, Freiheit und
Wohlstand. Ich stelle fest, daß Herr Gorbatschow in seinen jüngsten Reden die gleichen Kategorien benutzt hat wie ich hier heute: die militärische, die politische und die wirtschaftliche; nur nannte er seine
vierte Kategorie die humanitäre.
Nun, der Unterschied spricht Bände. Die Vereinigten Staaten sind davon überzeugt, daß die Achtung für den Einzelmenschen, die Würde der Person - jene Rechte, wie sie in der Universellen Menschenrechtserklärung
der Vereinten Nationen dargelegt werden - nicht ins Reich der Barmherzigkeit oder der "humanitären" Themen gehört. Die Achtung der Menschenrechte ist keine Sozialarbeit; und auch nicht lediglich ein Akt des Mitleids. Sie ist die oberste Verpflichtung einer Regierung und die Quelle
ihrer Legitimität.
Sie ist zugleich der Grundstein jeder Konstruktion für den Weltfrieden. In der Geschichte waren es die Diktaturen und Tyranneien, die als
erstes dem Kult des Militarismus und der Kriegführung nachgaben. Länder,
deren Regierung von der Zustimmung der Regierten getragen ist, Länder,
die die unveräußerlichen Rechte des Einzelmenschen anerkennen, führen
nicht gegeneinander Krieg. Frieden ist mehr als nur die Abwesenheit von
Krieg. Echter Frieden ist Gerechtigkeit, echter Frieden ist Freiheit.
Und echter Frieden fordert zwingend die Anerkennung der Menschenrechte.
Vor über zehn Jahren wurden in Helsinki Verpflichtungen bezüglich
dieser Rechte und ihrer Anerkennung eingegangen. Wir brauchen heute nur
auf den Osten zu schauen, um zu sehen, auf welch traurige Weise diese
Verpflichtungen unerfüllt blieben. Die Verfolgung von Wissenschaftlern,
religiösen Führern, Friedensaktivisten, politisch Andersdenkenden und
anderen wegen ihrer Überzeugung Verhafteten geht jenseits des Eisernen
Vorhangs unvermindert weiter, sie wissen, daß ein Abschnitt des

- 9 -

�Abschnitt des Helsinki-Abkommens sogar von einer "Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Journalisten" spricht.
Es ist daher deutlich, daß Fortschritt im Bereich der Menschenrechte
mit Fortschritt in anderen Bereichen Schritt halten muß. Versagen in
diesem Bereich wird weitere Bewegung bei den Ost-West-Beziehungen behindern.
Dies sind denn die Bereiche der Sorge und der Chance, die die Vereinigten Staaten im Bemühen um Frieden und Freiheit erkennen - der doppelten Zielsetzung der Charta der Vereinten Nationen.
Im vergangenen Jahr hob ich in meiner Rede vor der Vollversammlung
hervor, wie tief und dauerhaft die Unterschiede zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion sind. Ich rief aber auch nach einem Neubeginn bei den Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten, einem Neubeginn, der unseren eigenen Völkern und den Völkern aller anderen Länder
von Nutzen sein könnte. Seither haben die Vereinigten Staaten Schritte
unternommen und neue Vorschläge vorgelegt, die unsere beiden Länder wie
auch die Welt insgesamt in eine Richtung bringen könnten, in die wir alle
schon seit langem gehen wollten. Mehr denn je liegt es jetzt in der Verantwortung der Sowjetunion, etwas zu tun und zu zeigen, daß auch sie den
Dialog um den Frieden fortsetzt.
Wie ich schon gesagt habe, bin ich davon überzeugt, daß wir hinsichtlich der Welt und der Chancen für die Freiheit voller Hoffnung sein
können. Wir brauchen uns nur umzuschauen, um die neuen Technologien zu
sehen, die vielleicht eines Tages kommende Generationen von dem Alptraum
des nuklearen Schreckens befreien werden, oder die immer größere zahl von
Aktivisten der Demokratie, von Freiheitskämpfern, die wachsende Bewegung
in Richtung auf freie Marktwirtschaften oder die immer größere und weltweite Sorge um die Rechte des Einzelmenschen angesichts brutaler Staatsgewalt.
Wenn ich früher auf solche Trends hingewiesen habe, wenn ich zu einer
•Vorwärtsstrategie für die Freiheit" aufrief und den letztendlichen Sieg
demokratischer Herrschaft über den Totalitarismus voraussagte, beschuldigten mich manche, den Leuten nur das zu sagen, was sie hören wollten,
sie zu drängen, sich nicht am Tagesgeschehen zu beteiligen, sondern davor
zu flüchten.
Aber Hoffen bedeutet Glauben an die Menschheit und an ihre Zukunft.
Hoffen bleibt die höchste Realität, die uralte Macht; Hoffnung ist die
Wurzel aller großen Ideen und Anliegen, die über die Jahrhunderte hinweg
das Los der Menschheit verbesserten.
Die Geschichte lehrt uns, zu hoffen - denn sie unterweist uns über
den Menschen und den ununterdrückbaren menschlichen Geist. Der Literaturnobelpreisträger und große Mann des amerikanischen Südens, William
Faulkner, sagte einst, der letzte auf Erden zu vernehmende Ton werde einmal jener der zwei verbliebenen Menschen sein, die darüber diskutieren,
wohin die Reise mit dem von ihnen gebauten Raumschiff gehen solle. In
seiner Rede vor dem Nobelpreisausschuß im Jahr 1950 sprach Faulkner vom

- 10 -

�Paulkner vom Atomzeitalter, von der allgemeinen und
kalischen Furcht, die es hervorgebracht habe, einer
störung, die fast unerträglich geworden sei. Aber,
weigere mich, das Ende des Menschen zu akzeptieren.
lich... denn er hat eine Seele, einen Geist, der zu
Ausharren fähig ist."

universellen physiFurcht vor der Zerso sagte er, "ich
Er ist unsterbMitleid, Opfer und

Faulkner sprach von "den alten Wahrheiten und Tatsachen des Herzens,"
von Mut, Ehre, Stolz, Mitleid, Erbarmen, Opfer und, ja, von jener Hoffnung, die die Glorie unserer Vergangenheit ist. Und all dies finden wir
heute in unserer Gegenwart; wir müssen es nützen, um unsere Zukunft zu
gestalten. Und deshalb können wir heute Geist und Herz erheben, deshalb
sind wir davon überzeugt, daß mit Gottes Hilfe die Sache der Menschheit
nicht nur "überdauern, sondern obsiegen" wird und eines Tages die ganze
Welt, jede Nation, jedes Volk, jeder Mensch, der Segnungen des Friedens
teilhaftig und das Licht der Freiheit sehen wird.

* * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
'VON

4

Dokumentation

24. September 1986

31

REAGAN SIEHT "ECHTE CHANCE* FÜR REDUZIERUNG VON ATOMWAPPEN
- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 17. September 1986 veröffentlichten
Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Nuklear- und Weltraumgespräche
(NST) hat Präsident Reagan betont, daß eine "echte Chance" für tiefgreifende Reduzierungen bei Atomwaffen bestünde, "falls die Sowjets genauso
entschlossen sind wie wir". Weiter erklärte er, daß die Vereinigten
Staaten "der Erzielung echter - und baldiger - Rüstungsverminderungen
voll verpflichtet" sind.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Die Nuklear- und Weltraumgespräche (NST) werden morgen mit der Eröffnung von Runde Sechs in Genf wiederaufgenommen. Dies könnte sich als
eine sehr wichtige Phase in den hartnäckigen Bemühungen der Vereinigten
Staaten erweisen, die Zustimmung der Sowjets zu tiefgreifenden Einschnitten bei Atomwaffen zu erreichen. Falls die Sowjets genauso entschlossen
sind wie wir, dann besteht eine echte Chance für solche Reduzierungen.
Die Vereinigten Staaten sind der Erzielung echter - und baldiger Rüstungsverminderungen voll verpflichtet. In diesem Geist habe ich Generalsekretär Gorbatschow im Juli einen Brief geschrieben, in dem ich
unsere Positionen zur gesamten Bandbreite der Rüstungskontrollfragen nä-

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�Rüstungskontrollfragen näher erläuterte. In diesem Schreiben habe ich
mich besonders bemüht, Bereiche für "Gemeinsamkeiten" aufzuzeigen, in
denen wir und die Sowjetunion unsere Bemühungen am produktivsten konzentrieren könnten, um zu einer Übereinkunft zu gelangen. Mein Schreiben
befaßte sich mit den Besorgnissen der Sowjets und nannte sofortige praktische Schritte, die uns unserem Endziel - der vollständigen Abschaffung
von Atomwaffen - näherbringen können.
Wir warten jetzt auf eine konstruktive sowjetische Antwort. Unsere
Gedanken bieten eine solide Grundlage für Verhandlungen in Richtung auf
für beide Seiten vorteilhafte Abkommen. Wenn die Sowjets eine ernsthafte
Antwort anbieten, können wir einer produktiven Runde entgegensehen.
In den Wochen, die dem für Freitag anberaumten Treffen zwischen Außenminister Shultz und Außenminister Schewardnadse vorausgingen, haben
die Vereinigten Staaten Treffen auf Expertenebene mit den Sowjets durchgeführt, die vier Schlüsselbereiche auf der amerikanisch-sowjetischen
Tagesordnung betrafen, darunter die Menschenrechte, regionale, bilaterale
und Rüstungskontrollfragen. Wir hoffen, daß diese Gespräche Portschritte
in einigen Bereichen erleichtert haben, einschließlich der Nuklear- und
Welt raumgespr äche.
Unsere Ziele bei den Nuklear- und Weltraumgesprächen - wie bei der
Rüstungskontrolle allgemein - bleiben die selben. Wir bemühen uns um die
Stärkung der strategischen Stabilität und die echte Verringerung des
Risikos eines Atomkrieges. Dies bedeutet, der Sowjetunion die Fähigkeit
und den Anreiz zu nehmen, einen entwaffnenden Erstschlag zu führen. Es
bedeutet, die Fähigkeit zur Abschreckung eines Krieges beizubehalten,
dies jedoch bei geringstmöglichem Streitkräfteumfang. Deshalb besteht
unsere wichtigste Priorität in diesen Gesprächen in der Erzielung von
Vereinbarungen, die zu tiefen, gleichgewichtigen und überprüfbaren Einschnitten in den nuklearen Arsenalen der Vereinigten Staaten wie auch der
Sowjetunion führen werden.
Natürlich müssen diese Vereinbarungen von beiden Seiten vollständig
eingehalten werden, wenn ihre Vorteile verwirklicht werden sollen. Die
Sowjetunion hat weiterhin Schlüsselelemente bestehender Rüstungskontrollvereinbarungen verletzt, und dieses Verhaltensmuster droht den gesamten
Rüstungskontrollprozeß zu untergraben. Wir werden deshalb die Sowjets
weiter darauf drängen, ihre Nichteinhaltung aufzugeben und dadurch die
Aussichten auf echte Abrüstungsschritte zu stärken. Wir werden ebenfalls
darauf bestehen, daß die Verifikation ein Hauptbestandteil jedes neuen
Abkommens sein muß.
Im Genfer Verhandlungsforum haben die Vereinigten Staaten in allen
drei Bereichen der Nuklear- und Weltraumgespräche konkrete Vorschläge unterbreitet:
- Unsere Vorschläge in bezug auf strategische Waffen (START) basieren
auf dem Konzept einer 50-prozentigen Reduzierung der strategischen
atomaren Offensivarsenale auf beiden Seiten, auf das Herr Gorbatschow
und ich uns auf dem Genfer Gipfel vom vorigen November verständigt

- 2-

�November verständigt haben. Weiterhin bemühen wir uns um die Stärkung der Stabilität, indem wir uns auf Reduzierungen bei den ballistischen Flugkörpern konzentrieren, da diese im Falle einer Krise am
meisten destabilisierend wirken.
- Bei den Gesprächen über Mittelstreckenwaffen (INF) haben wir einen
phasenweisen Ansatz vorgeschlagen, der die weltweite Abschaffung
einer ganzen Gruppe von amerikanischen und sowjetischen Mittelstrekkenraketen größerer Reichweite zum Ziel hat.
- Bei den Verteidigungs- und Weltraumgesprächen haben wir neue Ideen
dazu präsentiert, wie ein geordneter Übergang zu strategischen Verteidigungssystemen gesichert werden kann, falls diese sich als machbar erweisen sollten. Zusätzlich haben wir eine Öffnung der Forschungsstätten vorgeschlagen, damit jede Seite sich über die Forschungsarbeiten für strategische Verteidigungssysteme, die auf der
anderen Seite stattfinden, informieren kann.
Im meinem Brief an Herrn Gorbatschow vom Juli habe ich diese amerikanischen Vorschläge weiter erläutert und einige neue Ideen unterbreitet.
In Genf werden unsere Verhandlungsführer in der Lage sein, konkrete neue
Details zu allen drei Bereichen anzubieten. Zusätzlich ist Außenminister
Shultz bereit, diese Fragen, zusammen mit regionalen, bilateralen und
Menschenrechtsproblemen, mit Außenminister Schewardnadse zu besprechen.
Diese Gespräche können dazu beitragen, die Grundlagen für ein zweites
Gipfeltreffen zwischen Herrn Gorbatschow und mir in den Vereinigten Staaten gegen Ende diese Jahres zu schaffen, das während unseres ersten Gipfels in Genf verabredet wurde.
Ich möchte jedoch betonen, daß die sowjetische Behandlung des amerikanischen Journalisten Nicholas Daniloff weiterhin erzielbare Fortschritte in unseren bilateralen Beziehungen ernstlich begrenzt. Ich appelliere
deshalb an die Sowjetunion, diesen Fall schleunigst zu lösen, bevor er
dem Verhältnis zwischen unseren beiden Ländern noch mehr Schaden zufügt.
Die Zeit ist reif für praktische Leistungen in allen Bereichen unserer Beziehungen. Was die Genfer Verhandlungen angeht, so haben die Vereinigten Staaten gezeigt, daß wir unser Teil dazu beitragen, um bedeutende Abrüstungsschritte zu erreichen. Diese Runde sollte uns zeigen, ob
die Sowjetunion ebenso dazu entschlossen ist. Wenn die Sowjets unseren
Willen teilen, können echte Fortschritte bei der Reduzierung atomarer
Waffen erzielt werden - und dies schon sehr bald.

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
VION

Dokumentation

4

24. September 1986

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REAGANS PROKLAMATION ZUR

BEKXMPFÖNG

DES HUNGERS IN DER WELT

Präsident Reagan verkündet "Welt-Ernährungstag"

WASHINGTON - (AD) - In einer am 19. September veröffentlichten Proklamation hat Präsident Regan den 16. Oktober zum Welt-Ernährungstag erklärt. Er forderte die Amerikaner auf, sich auch weiterhin für die Beendigung des Hungers in der Welt einzusetzen und appellierte an die betroffenen Länder, eine Landwirtschaftspolitik, in der die Regeln der freien
Marktwirtschaft gelten, zu verfolgen, um sich selbst mit Nahrungsmitteln
versorgen zu können.
Nachfolgend drucken wir die Proklamation im Wortlaut:
Wir Amerikaner sind mit großzügigen Gaben der Natur gesegnet. Als
Kinder lernen wir in unseren ersten Gebeten, für diese Fülle zu danken.
Wir betrachten unsere reich gedeckten Tische und den Frieden und die
Sicherheit, womit wir sie genießen können, als selbstverständlich.
Aber leider kommen viele Menschen nicht in den Genuß dieser Fülle.
Der auf Armut und Dürre zurückgehende Hunger hält viele Teile der Welt,
besonders in Afrika, in seiner Gewalt. In diesem Jahr ist der Hunger
nicht mehr so weit verbreitet wie 1985, teilweise wegen des humanitären
Geistes der Amerikaner und anderer Spender. Keine Nation hat sich gegenüber den weniger Begünstigten großzügiger gezeigt. Wir haben Milliarden
Dollar aufgewendet, um anderen Ländern nach Kriegen oder Naturkatastro-

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�oder Naturkatastrophen beim Wiederaufbau zu helfen. Wir haben Milliarden
Tonnen Nahrungsmittel zur Speisung der Hungernden gespendet. Und wir haben unsere Söhne und Töchter geschickt, damit sie ihnen, zusammen mit unseren Nachbarn, Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
Unsere edlen Absichten zeigten sich in den enormen Hilfsleistungen,
die Amerikaner spontan den Opfern der afrikanischen Hungersnot spendeten.
Unsere sowohl von öffentlicher wie auch von privater Seite erfolgten
Hilfsmaßnahmen retteten Hundertausende von Menschenleben. Im vergangenen
Jahr regnete es wieder in Afrika und die Hungersnöte ließen nach. Aber
der Hunger ist noch nicht besiegt und eine neue, durch Heuschrecken hervorgerufene, Naturkatastrophe bringt die Bedrohung nicht enden wollenden
Leidens mit sich.
Die Welt macht bei der Beendigung des Hungers Fortschritte, wenn auch
langsam. In einigen Ländern leisten Unruhen und eine sozialistische Politik auch weiterhin dem Hunger Vorschub, wir müssen weiterhin für den
Frieden arbeiten und mit unserer Politik Anreize schaffen, wenn wir den
durch Armut, Dürre, Schädigung der Natur und eine unangemessene Wirtschaftspolitik hervorgerufenen Hunger ausmerzen wollen. Viele Regierungen auf der ganzen Welt haben erkannt, daß das Wohlergehen ihrer Nation
und ihrer Bevölkerung von einer starken Landwirtschaft abhängt, die sich
auf freies Unternehmertum und wettbewerbsfähige Märkte gründet. Meine
Administration hat diesbezügliche Reformbemühungen auf der ganzen Welt
unterstützt, sowohl durch unsere Wirtschaftshilfe-Programme als auch
durch ein neues Programm 'Nahrungsmittel für den Fortschritt' , bei dem
wir mit amerikanischen Lebensmitteln denjenigen Ländern Subventionen bewilligen, die eine stabile Landwirtschaftspolitik betreiben.
Seit ihrer Geburt als Nation haben die Vereinigten Staaten sich auf
die zwei Säulen der Freiheit des Einzelnen und des freien Unternehmertums
als Grundlagen ihrer nationalen Wirtschaft verlassen. Politische und
wirtschaftliche Freiheit kann nicht getrennt werden; zusammen leisten sie
einem Sinn für soziale, wirtschaftliche und politische Verantwortung Vorschub, der das individuelle Wachstum unterstützt und die wirtschaftliche
Entwicklung anheizt. Ohne selbstbewußte und kreative Bürger kann eine
Nation weder politisch oder wirtschaftlich eigenständig sein, noch kann
sie genügend Lebensmittel zur Verfügung stellen und die elementaren Bedürfnisse ihrer Bevölkerung erfüllen. Eine Politik des freien Marktes
hingegen kann das auf sozialer Gerechtigkeit, Eigenständigkeit und den
Fähigkeiten der Bevölkerung gegründete Wirtschaftswachstum fördern.
Heute werden Millionen von Amerikanern in mehr als 3 000 Gemeinden an
zahlreichen Aktivitäten zum Welternährungstag teilnehmen. Der Geist der
freiwilligen Hilfe hat niemals stärker durch unsere Nation geleuchtet.
Ich bitte Sie darum, daß das amerikanische Volk diesen Tag dazu
nutzt, um sich auch weiterhin für die Beendigung des Hungers in der Welt
einzusetzen. Das Ende des Hungers in der Welt wird vom öffentlichen wie
auch vom Privatsektor, von der Bevölkerung und ihren Vertretungen, von
Entwicklungs- und von Geberländern einen langfristigen Einsatz verlangen.
Die technologischen Lösungen zur Beendigung des Hungers auf der Welt ste-

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�der Welt stehen uns zu Verfügung; jetzt müssen wir zeigen, daß wir den
Willen haben, den Hunger auszumerzen und seine primäre Quelle, die Armut,
abzuschaffen.
In Anerkennung des Wunsches und des Einsatzes des amerikanischen Volkes zur Beendigung des Hungers auf der Welt hat der Kongreß mit Gesetz
99i-288 den 16. Oktober 1986 zum Welt-Ernährungstag erklärt und den Präsidenten ermächtigt, zu diesem Anlaß eine Proklamation zu veröffentlichen.
Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 16. Oktober 1986 zum Welt-Ernährungstag, und ich
fordere die Bevölkerung der Vereinigten Staaten auf, diesen Tag mit entsprechenden Veranstaltungen zu begehen, um Wege zu finden, wie unsere Nation weiterhin zur Abschaffung des Hungers in der Welt beitragen kann.

* * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Hintergrundmaterial

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24. September 1986

31

Nachfolgend finden Sie den dritten Teil der vierteiligen Serie "Die
Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika", von denen die
ersten beiden Teile bereits in den Amerika-Dienst Ausgaben Nr. 29 und 30
erschienen sind.
Die vollständige Serie kommt Ende des Jahres als illustrierte Broschüre heraus.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA
Die demokratischen Widerstandskämpfer:
Wer sie sind, warum sie kämpfen

Die Ursprünge der Bewegung
Die sowjetisch-kubanische Verbindung ermöglichte es den Sandinisten,
dem nicaraguanischen Volk ihren Willen aufzuzwingen und unter Verletzung
des Völkerrechts auch Nachbarstaaten anzugreifen. Enttäuscht darüber,
wie die Sandinisten die demokratische Revolution des Jahres 1979 betrogen
hatten, formierten sich 20 000 Nicaraguaner zu einer wachsenden bewaffneten Widerstandsbewegung. Diese nicaraguanischen Freiheitskämpfer werden
von den Sandinisten Konterrevolutionäre oder "Contras" genannt. Die Bezeichnung soll den Widerstand so darstellen, als wende er sich gegen den
sozialen, wirtschaftlichen und politischen Wandel, der für eine echte Revolution so notwendig ist. In Wirklichkeit kämpft die Führung des Widerstands um eine Rückkehr zu jenen Prinzipien der Demokratie, die ihrer
Meinung nach mit dem Sieg über Somoza errungen worden waren.
Der Widerstand

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�Der Widerstand gegen die Sandinisten war in der Zeit unmittelbar nach
der Revolution minimal. Somozas Nationalgarde hatte sich aufgelöst und
Tausende ihrer Mitglieder waren inhaftiert. Eine Handvoll Nationalgardisten begann fast unmittelbar nach dem Sturz Somozas mit der Konspiration gegen die Sandinisten. Ihr Einfluß war jedoch bedeutungslos, denn
die Sandinisten schwammen auf einer Woge der Popularität, und jene kleinen Gruppen ehemaliger Gardisten wurden isoliert.
Es wurde jedoch bald deutlich, daß die Sandinisten eine politische
Elite marxistisch-leninistischer Prägung waren, der es nur um die Konsolidierung ihrer Macht ging, nicht aber um deren Teilung mittels der repräsentativen Demokratie, die sie versprochen hatte. Gegen eben diese
neue kollektive Diktatur begann sich die - bewaffnete wie unbewaffnete Opposition zu formieren - genau wie sich die Rebellion gegen die alte
Elite der Dynastie Somozas entwickelt hatte.
Anfang der achtziger Jahre machte sich unter einigen Soldaten der
Sandinisten Enttäuschung über die von der Regierung eingeschlagene politische Richtung breit. Ihnen schlössen sich Bauern an, deren Land
durch das neue Regime beschlagnahmt worden war, obwohl sie die Sandinisten gegen Somoza unterstützt hatten. Wegen der Leiden, die sie einzeln oder kollektiv durch die Nationalgarde zu erdulden hatten, waren
diese Bauern und ehemaligen Sandinisten argwöhnisch hinsichtlich einer
Allianz mit den wenigen hundert ehemaligen Gardisten, die an der nördlichen Grenze Nicaraguas operierten. Schließlich kamen sie jedoch zu dem
Schluß, daß die neue sandinistische Regierung weit schlimmer war, als es
die Gardisten je gewesen waren und daß die ehemaligen Gardisten Zugang zu
Waffen hatten. Ein formloses Bündnis entwickelte sich und nahm schließlich als Nicaraguanische Demokratische Kraft (FDN) Gestalt an. Ziel des
Widerstands war es, sich den Usurpatoren der Revolution von 1979 in den
Weg zu stellen, wobei man zu der Überzeugung gelangte, daß die einzige
Möglichkeit, die Sandinisten daran zu hindern, eine vom Ausland her dominierte kommunistische Diktatur zu errichten, in militärischem Druck bestand. Die Aufgabe war für den nicaraguanischen Widerstand nur noch
schwieriger, weil die Armee, der er jetzt gegenüberstand - die sandinistische Armee - weitaus stärker und viel besser bewaffnet war, als dies
bei der Nationalgarde Somozas der Fall gewesen war. Bis zum Dezember
1980 hatten die Sandinisten dank der Hilfe durch den Ostblock schon die
größte Militärorganisation in der Geschichte Mittelamerikas aufgebaut von rund 5 000 auf mindestens 24 000 Mann, was einen Anstieg von fast 400
Prozent in nur 18 Monaten bedeutete(67).
Wie im vorigen Kapitel erwähnt wurde, gestand der Botschafter
Nicaraguas in den Vereinigten Staaten, daß die Sandinisten 1981 wußten,
daß sie keinen großen militärischen Widerstand zu befürchten hatten(68).
Dennoch wird eine solche Bedrohung häufig von Befürwortern der Sandinisten als Grund dafür genannt, daß Managua "gezwungen" gewesen sei, so
viel von seinen begrenzten Mitteln für den Aufbau einer umfangreichen
Streitmacht zu verwenden. Die Sandinisten und ihre Befürworter behaupten
auch, daß die massive Aufrüstung notwendig gewesen sei, um eine Invasion
seitens der feindseligen Vereinigten Staaten abzuwehren. Die Sandinisten
hatten sich jedoch wegen Waffen an die Sowjets und die Kubaner gewandt,
um ihre Streitkräfte zu einem Zeitpunkt aufzubauen, als die Vereinigten

- 2 -

�als die Vereinigten Staaten Nicaragua noch den größten Teil seiner Wirtschaftshilfe gewährten(69).

Die Widerstandsbewegung heute
Die Widerstandsbewegung umfaßt einen repräsentativen Querschnitt der
nicaraguanischen Bevölkerung. Zu ihr gehören hauptsächlich junge Bauern,
aber auch Vertreter der Geschäftswelt, Studenten, ehemalige Soldaten der
Sandinisten sowie ehemalige Angehörige der Nationalgarde. Die Obergriffe
der Sandinisten formten diese Koalition ungleicher Kameraden; dazu gehören sogar ehemalige Geistliche, die zu der Einsicht gelangt sind, daß die
atheistische und barbarische Natur der Sandinisten ihnen die moralische
Rechtfertigung gibt, zu den Waffen zu greifen - genau wie die katholischen Bischöfe dem nicaraguanischen Volk gesagt hatten, daß ein Aufstand gegen Somoza moralisch gerechtfertigt sei(70).
Das obige Foto zeigt drei solche ehemalige Geistliche, die sich jetzt
der Widerstandsbewegung angeschlossen haben: einen ehemaligen katholischen Seminaristen, einen ehemaligen evangelischen Pfarrer und einen
ehemaligen evangelischen Diakon. Der Seminarist floh, nachdem er und 17
seiner Klassenkameraden im Juni 1980 gefangengenommen und von den Sicherheitskräften der Sandinisten geschlagen worden waren. Er erklärte, daß
zwei seiner Kameraden gefoltert und ermordet worden seien. Er dient der
PDN nun als Sanitäter und hofft darauf, einmal seine Religionsstudien
fortsetzen zu können. Der evangelische Pfarrer wurde desillusioniert,
als der Mob der Straße unter der Kontrolle von Innenminister Tomas Borge
damit drohte, seine Kirche anzuzünden und ihn umzubringen. Obgleich er
keinerlei militärische Erfahrung hatte, ist er jetzt Befehlshaber der
Jorge Salazar-Einsatzgruppe. Der evangelische Diakon entschloß sich im
Oktober 1982, zu den Waffen zu greifen, als ein anderer Diakon von den
Sandinisten umgebracht wurde. Er ist mittlerweile stellvertretender Befehlshaber des Jorge Salazar-Regionalkommandos(71). (Salazar, ein populärer nicaraguanischer Geschäftsmann, wurde 1981 von den Sandinisten umgebracht, weil sie befürchteten, er könnte zu einem Kristallisationspunkt
der antisandinistischen Gesinnung werden, die sich damals bereits entwickelte) (72 ) . Der schnelle Zuwachs der bewaffneten demokratischen Widerstandsbewegung belegt die Hartnäckigkeit und den Mut des nicaraguanischen Volkes, aber auch die Unterdrückung durch das sandinistische Regime. Ein Guerillero zu werden und sich den Härten, der Unsicherheit und
den Gefahren zu stellen, ist der letzte Schritt der Abkehr von einem politischen System. Dieses Anwachsen des antisandinistischen Widerstandes
in vier Jahren von ein paar hundert Mann auf etwa 20 000 in einem Land
mit weniger als 3 Millionen Einwohnern ist sogar noch bemerkenswerter,
wenn man es mit El Salvador vergleicht. Dort konnte eine Guerilla, deren
Anfänge in den frühen siebziger Jahren liegen, nur weniger als 7 000 Mitglieder anziehen, und dies bei einer Bevölkerung von fast fünf Millionen.
Zudem verdoppelte sich der nicaraguanische Widerstand zwischen Mai 1984
und Juni 1985 - genau in dem Zeitraum, in dem die amerikanische Regierung
überhaupt keine Militärhilfe mehr leistete.

Die meisten

�Die meisten Mitglieder der Widerstandsbewegung gehören der Dachorganisation der Vereinten Nicaraguanischen Opposition (UNO) an, die im Juni
1985 gebildet wurde. UNO wird von drei Zivilisten geführt, die dem Widerstand gegen Somoza angehörten und unter dieser mutigen Haltung gegen
Somoza entsprechend zu leiden hatten. Arturo Cruz ist ehemaliges Mitglied der sandinistischen Regierung und war Botschafter der Sandinisten
in den Vereinigten Staaten. Adolfo Calero ist ein ehemaliger Geschäftsmann und Politiker, der ebenfalls in Opposition zu Somoza stand. Alfonso
Robelo, ein Sozialdemokrat und führende Gestalt der Antisomoza-Bewegung,
war eines der fünf Mitglieder in der ursprünglichen sandinistischen
Junta. Zu UNO gehört auch KISAN, eine Gruppierung von Indianern der Atlantikküste des Landes. Zu UNO gehört nicht die Sandino Revolutionäre
Front/Demokratische Revolutionäre Allianz (FRS/ARDE), die von Eden
Pastora, dem legendären Comandante Zero, angeführt wird. Diese Führungspersönlichkeit des Widerstandes, der berühmteste Sandinist im Kampf gegen
Somoza, wehrt sich nachdrücklich gegen seine ehemaligen Kampfgenossen,
lehnt jedoch auch ein Bündnis mit der UNO ab, angeblich wegen der Anwesenheit ehemaliger Offiziere der Nationalgarde in der FDN. Das Hauptziel
der Kritik Pastoras ist Oberst Enrique Bermudez, militärischer Befehlshaber der FDN und ehemaliger Nationalgardist. Bermudez diente jedoch von
1975-1979 Somoza als Vertreter des Interamerikanischen Verteidigungsausschusses in Washington, D.C., weitab vom Revolutionskrieg, der in seiner
Heimat stattfand. In den letzten Monaten des Kampfes schlug die CarterAdministration im Bestreben, das Verhalten und den Professionalismus der
Nationalgarde zu verbessern, Somoza vor, Bermudez zu deren Oberbefehlshaber zu ernennen.
Das Gerücht, wonach die Widerstandsbewegung aus Somozas Nationalgarde
bestünde, die den Versuch unternimmt, wieder an die Macht zu gelangen,
wird von den Sandinisten und deren Weggenossen verbreitet. Aber die Tatsachen sprechen eine andere Sprache(73). Während die FDN 1982 noch einen
relativ hohen Prozentsatz an ehemaligen Nationalgardisten unter ihren wenigen Hundert Mitgliedern hatte, so ist dies heute sicherlich nicht mehr
der Fall. Von den rund 17 000 FDN-Mitgliedern waren weniger als 200 früher einmal in der Nationalgarde. Von den 14 Regionalkommandos der FDN
werden drei von ehemaligen Mitgliedern der Nationalgarde angeführt, während sechs Führer ehemalige Sandinisten sind. Die übrigen fünf Befehlshaber hatten keine vorherige militärische Erfahrung. Von den rund 50 Befehlshabern der Einsatzgruppen - den wesentlichen Kampfelementen - sind
13 ehemalige Gardisten, 12 ehemalige Sandinisten. Der Rest hat keinen
militärischen Hintergrund. Von den 21 wichtigsten Stabsoffizieren im
Hauptquartier der FDN sind nur 12 ehemalige Nationalgardisten - alle,
außer Oberst 8ermudez, Mannschaftsdienstgrade(74).
Von den jungen Männern und Frauen der Truppe sind über 90 Prozent
noch nicht einmal 20 Jahre alt bzw. nur knapp älter - zu jung also, um in
der Nationalgarde gedient zu haben, die sich 1979 aufgelöst hatte. Sie
kommen meist aus ländlichen Gegenden, der klassische Bauer, von dem manche im Westen mit ihrer romantisierenden Vorstellung von Revolutionsbewegungen glauben, er müßte sich von der Sache des Marxismus-Leninismus angezogen fühlen. In Nicaragua ist die Unterdrückung durch die Sandinisten
zum entscheidenden Rekrutierungsinstrument der Widerstandsbewegung gewor-

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�Widerstandsbewegung geworden. Junge Männer und Frauen haben sich der Widerstandsbewegung angeschlossen, nachdem sie aus nächster Nähe Zeuge der
Brutalität der sandinisten geworden sind, und viele von ihnen haben sich
dem Widerstand angeschlossen, um der Zwangsrekrutierung der sandinistischen Armee zu entgehen(75).
Die Sandinisten versuchen, die Widerstandsbewegung durch eine intensive Propagandakampagne in Verruf zu bringen. Das Generaldirektorium des
Innenministeriums für Staatssicherheit, dessen Mitglieder von Ostdeutschen und Kubanern ausgebildet werden, produziert regelmäßig Geschichten
über angebliche Menschenrechtsverletzungen. Alvaro Baldizon, bis Juli
1985 einer der wichtigsten Mitarbeiter von Innenminister Borge, berichtete, daß Borge Einheiten aufgestellt hat, die FDN-Uniformen tragen und
Greueltaten verüben, um die Widerstandsbewegung unglaubwürdig zu
machen(76).
In der Art von Krieg, wie er heute in Nicaragua ausgetragen wird,
finden unseligerweise - wie in allen Kriegen - Menschenrechtsverletzungen
statt. Es gab in der Tat Übergriffe einzelner Soldaten des Widerstandes.
Derlei ist unannehmbar; die Disziplin muß aufrechterhalten werden. Die
Führung des Widerstandes ist sich der Tatsache bewußt, daß ihre Streitkräfte einem hohen Ehrenkodex entsprechen müssen. Sie erkennt, daß sie
als eine positive, nicht als negative Alternative zu den Sandinisten aufgefaßt werden muß, wenn sie das Vertrauen der Bevölkerung bekommen und
behalten will. Deshalb wurde Ismael Reyes, der ehemalige Präsident des
nicaraguanischen Roten Kreuzes, der eine so heldenhafte Rolle spielte,
als er in den Jahren 1978 und 1979 die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf
die Brutalität Somozas lenkte, zum Vorsitzenden der Menschenrechtskommission der UNO gewählt. Die Soldaten der UNO erhalten bei ihrer Ausbildung
täglich Unterweisung zum Thema Menschenrechte. Sie erhalten außerdem ein
Handbuch, das einen Verhaltenskodex enthält, der davor warnt, daß Gewaltakte gegen Zivilisten und Gefangene bestraft werden. Wo es Menschenrechtsverletzungen gegeben hat, hat die Führung der UNO/FDN Gerichtsverfahren abgehalten und die eines Übergriffs überführten sind bestraft
worden.
Die Sandinisten und ihre Helfer in den Vereinigten Staaten behaupten,
daß die Widerstandsbewegung nur wenig Unterstützung in der Bevölkerung
habe und die "Greueltaten der Contras" das letzte bißchen Unterstützung
beseitigt habe, derer sie sich erfreut hätten. Was die Sandinisten und
ihre Helfer nicht leugnen können, ist die Tatsache, daß die Widerstandsbewegung sich so vergrößert hat, daß sie jetzt viermal mehr Angehörige
hat als die Sandinisten bei ihrer Machtergreifung. Eine Guerillabewegung, die sich wirklich eine Vielzahl von Übergriffen hätte zuschulden
kommen lassen, hätte nicht Tausende junger Männer und Frauen angezogen,
um sich ihrer Sache anzuschließen.

Die Frage der Legalität
Das Völkerrecht gründet sich teilweise auf das Prinzip, daß unprovozierte Gewalt unrechtmäßig sei, eine verhältnismäßige und defensive Reaktion auf eine solche Aggression jedoch erlaubt ist. Artikel 51 der Char-

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�Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen spricht vom "natürlichen
Recht des einzelnen und/oder der Gemeinschaft zur Selbstverteidigung(77)." Nicaragua hat sich in der Tat der unprovozierten Aggression
gegen seine Nachbarn schuldig gemacht, wie dies der Kongreß der Vereinigten Staaten wiederholt verdeutlicht hat - insbesondere im Rahmen zweier
Gesetze. Trotz der Beweise ihrer Schuld leugnen die Sandinisten, der
Guerilla von El Salvador jemals militärische Unterstützung gewährt zu
haben und behaupten daher, keinerlei militärische Reaktion provoziert zu
haben. Im Gegenteil: sie drehen den Spieß um, indem sie den Vereinigten
Staaten unterstellen, seit 1982 einen unprovozierten Krieg gegen sie zu
führen.
Auf der Grundlage solcher Verzerrungen streben die Sandinisten nach
Schutz gemäß desselben Völkerrechts, das sie seit 1979 so eklatant brechen. Die Haltung Nicaraguas ähnelt jener eines Kontrahenten, der zu
seinem Widersacher sagt: "Der streit fing an, als du zurückschlugst".
Die Geschichte der Aggression in Mittelamerika begann sicherlich nicht
mit den ersten Angriffen der Widerstandsbewegung Ende 1981/Anfang 1982.
Sie begann, als die ersten Waffen und die erste Munition von Kuba nach
Managua und von dort zur Guerilla in El Salvador kamen - also über zwei
Jahre früher. Ein geachteter internationaler Jurist, Professor John
Norton Moore von der juristischen Fakultät der University of Virginia,
hat sich mit der grundsätzlichen Frage der Rechtmäßigkeit amerikanischer
Hilfe an die Widerstandsbewegung beschäftigt und kam zu dem Schluß, daß
derlei Hilfe legal und obligatorisch sei. Er erklärte im Oktober 1984:
Das Wesentliche der Grundlage für die Rechtmäßigkeit amerikanischer
Hilfe an die "Contras" ist die Tatsache, daß Kuba mit Hilfe des Sowjetblocks und in Zusammenarbeit mit der Regierung Nicaraguas militärische Unterstützung, Waffen, Ausbildung sowie Unterstützung bei
Führungs- und Kommunikationsanlagen solchen Gruppen gewährt, die versuchen, die Regierung El Salvadors wie auch anderer mittelamerikanischer Staaten zu stürzen.
Derlei Aktionen Kubas und Nicaraguas verletzen eindeutig Artikel 18
der Charta der OAS, die erklärt, daß kein Staat das Recht hat, sich
direkt oder indirekt in die inneren oder äußeren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen.
Gemäß der Bestimmungen von Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen, Artikel 3 des Vertrags von Rio und der Artikel 22, 27 und 28
hinsichtlich der Selbstverteidigung und der gegenseitigen Hilfe haben
die Vereinigten Staaten sowohl das Recht als auch die Pflicht, der
Regierung El Salvadors zu helfen, indem sie sie gegen die von
Nicaragua ausgehende Aggression verteidigen.
Die Juristen haben Artikel 51 eindeutig so interpretiert, daß ein bewaffneter Angriff nicht nur die Gestalt von marschierenden Armeen zu
haben braucht, sondern auch im Sinn von Organisierung, Institutionalisierung und Unterstützung eines andauernden Aufruhrs stattfinden
kann(78).
In der Januar-Ausgabe

�In der Januar-Ausgabe des American Journal of International Law des
Jahres 1986 schrieb Professor Moore:
Nur wenige von denen, die sich wirklich ernsthaft mit der Beweislage
auseinandergesetzt haben - von den angegriffenen Regierungen Mittelamerikas bis hin zu den Kongreßausschüssen zur Prüfung der Geheimdienstermittlungen und der überparteilichen Kissinger-Kommission -,
zweifeln daran, daß die Wurzel dieses Problems der Weltordnung in
Mittelamerika in einem ernsten, geheimen Krieg liegt, der von Kuba
und Nicaragua aus auf die Nachbarstaaten, insbesondere auf El
Salvador, gerichtet ist. Die Reaktion der Contras: das Bemühen seitens der Demokratien, einen sinnvollen Anreiz für die Täter zu schaffen, nunmehr einzuhalte(79).
Die Sandinisten wissen: ihr Eingeständnis, daß sie der Guerilla von
El Salvador bei ihrem Kampf gegen eine souveräne Regierung Unterstützung
leisten, würde Nicaraguas Argument untergraben, daß es selbst Opfer unprovozierter Aggression sei. Infolgedessen beharren die Sandinisten
darauf, daß sie "nichts mit der Bereitstellung von Waffen (für die salvadorianische Guerilla) zu tun" haben(80).
Die Sandinisten haben eine intensive Werbekampagne mit dem ziel in
die Wege geleitet, ihre Aggression gegen die Nachbarn und die Unterdrükkung ihrer eigenen Bürger zu verschleiern und den demokratischen Widerstand als Somozas Nationalgarde in neuem Gewand zu diskreditieren. Die
Kritiker der amerikanischen Politik behaupten, die Vereinigten Staaten
würden mit zweierlei Maß messen, indem sie die Guerilla in Nicaragua unterstützen, aber Nicaragua dafür kritisieren, Gleiches in El Salvador zu
tun. Hierin liegt jedoch kein Widerspruch, wie Charles Krauthammer in
einem Essay im Magazin "Time" im April 1985 darlegte:
Der Unterschied zwischen El Salvador und Nicaragua besteht darin, daß
in El Salvador eine gerade flügge gewordene Demokratie einem Angriff
durch überzeugte Marxisten-Leninisten gegenübersteht. In Nicaragua
steht ein eben flügge gewordener Totalitarismus einer gemischten
Streitmacht gegenüber, die sich zum größten Teil nicht nur für Demokratie und Pluralismus einsetzt, sondern für diese Ziele auch schon
im Verlauf der ursprünglichen Revolution gegen Somoza gekämpft
hat(81).

Die Frage der Hilfe für die Widerstandsbewegung
Die Widerstandsbewegung hat immer wieder eine friedliche Lösung der
Probleme Nicaraguas gefordert. Im März 1985 schloß sich der bewaffnete
Widerstand dem internen unbewaffneten Widerstand in der Forderung nach
nationalem Dialog, einem Waffenstillstand und einem Abkommen an, wonach
die Sandinisten an der Macht bleiben sollten, bis offene Wahlen unter internationaler Kontrolle durchgeführt werden könnten. Die Sandinisten,
die sich für die Beteiligung der kommunistischen Guerilla an der Macht in
El Salvador einsetzen, widersetzen sich diesem Angebot nachdrücklich.
Ein solches Angebot der UNO besteht noch immer, aber die Sandinisten verweigern kategorisch diese Möglichkeit eines Dialogs(82).
Die UNO und

�Die UNO und andere Gruppen, die gegen die Sandinisten kämpfen, bieten
kein Allheilmittel für die Nicaragua bedrückenden Probleme. Sie bieten
jedoch eine Alternative zu einem undemokratischen politischen System, das
entschlossen ist, alle Aspekte des Lebens in Nicaragua zu kontrollieren
und die Würde des Einzelmenschen der Macht des Staates zu unterstellen.
Dieser Staat wiederum unterwirft sich ziemlich willig dem Diktat der Sowjetunion und Kubas. Shirley Christian sagt dazu:
Die Führung der sandinistischen Front beabsichtigte die Errichtung
eines leninistischen Systems vom Tag ihres Marsches nach Nicaragua an
- gleich, ob sie es so nannten oder nicht... Jeder Hinweis der sandinistischen Führung darauf, in Nicaragua etwas anderes als ein leninistisches System zu wollen, geschah, wie sie mehrmals zugestand, aus
taktischen oder strategischen Gründen, nicht aber aus überzeugung(83).
Sie fährt fort, daß die Sandinisten sich den Sowjets gegenüber im
Austausch für immer mehr Waffen unterwürfig zeigten. In einem gewissen
Sinn verkauften sie sich für die Mittel, die sie trotz einer verfehlten
Politik und Verbreitung des Unglücks an der Macht hielten(84).
Der Gedanke, kämpfende Guerillas gegen eine Regierung im Amt zu unterstützen, will vielen Bürgern in demokratischen Staaten nur schwer eingehen. Die politische Realität der achtziger Jahre zwingt jedoch oft zu
schwierigen moralischen Entscheidungen. Es ist keine Frage, daß die
marxistisch-leninistische Regierung in Nicaragua durch bewaffnete Revolution und falsche Versprechungen an die Macht gekommen ist. Die Vereinigten Staaten sind gegen die Sandinisten, weil das sandinistische Nicaragua
von heute den Interessen der Sowjetunion und Kubas dient, und daher den
Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und der Länder der westlichen Hemisphäre schadet.
Dr. John Silber, Präsident der Boston University und Mitglied der Nationalen überparteilichen Mittelamerikakommission des Präsidenten, hat
den scheinbaren Widerspruch zusammengefaßt, dem sich die Vereinigten
Staaten bei der Ausübung ihrer Außenpolitik in einer unvollkommenen Welt
gegenubersehen:
Wir stehen vor der tragischen Eingrenzung unserer moralischen Entscheidungsfähigkeit, weil wir nicht immer die Möglichkeit haben, zwischen Gut und Böse zu wählen. Es ist absolut moralisch, das weniger
Böse von zwei Übeln zu unterstützen. Es ist absolut unmoralisch,
eine unzulängliche Demokratie im Stich zu lassen, die sich abmüht,
eine wirksame Demokratie zu werden, und sie so zu einer leichten Beute der Kräfte werden zu lassen, die absolut totalitaristisch sind(85).
Der demokratische Widerstand in Nicaragua kämpft tatsächlich um die
Demokratie - genau wie sich viele seiner Führungsmitglieder im Kampf gegen Somoza mit den Sandinisten zusammentaten. Und doch ist die Unterstützung in den Vereinigten Staaten und in Europa für diese Bewegung 1986
weit weniger nachdrücklich, als dies bei der Unterstützung der Sandinisten 1979 der Fall war - obwohl man heute viel mehr über den demokratischen Leumund der Führung der UNO weiß, als man 1979 von den sandinistischen Comandantes wußte.
Alfonso Robelo

�Alfonso Robelo setzte sich im Juni 1985 mit Nachdruck bei seinen sozialdemokratischen Freunden der demokratischen Linken in den Vereinigten
Staaten für Unterstützung ein. Er forderte die Liberalen in den Vereinigten Staaten auf, anzuerkennen, daß ihre politischen Träume für Nicaragua viel eher durch die UNO als durch die Sandinisten repräsentiert seien
und beschrieb sich und seine UNO-Kollegen folgendermaßen:
- Wir sind es, die sich für eine freie Gewerkschaftsbewegung einsetzen.
- Wir sind es, die sich für die Rechte der Miskito-Indianer und der
Kreolen an der Atlantikküste einsetzen.
- Wir sind es, die sich für eine freie Pesse, für bürgerliche und politische Rechte, für Schulen einsetzen, wo man lernt, aber nicht indoktriniert wird - und für Religionsfreiheit.
- Und wir sind es, die die ganze Unterstützung der Liberalen der Vereinigten Staaten brauchen und verdienen.
- Nur mit der überparteilichen, liberalen und konservativen Unterstützung der Vereinigten Staaten können wir unseren Freunden und Helfern
versprechen, daß wir in der Lage sein werden, einen stetigen und wirkungsvollen Kurs zu verfolgen.
- Nur wenn wir die breite Unterstützung des Volkes in diesem Land (den
Vereinigten Staaten) und auch andernorts haben, können wir unsere
Einheit als Nicaraguaner konsolidieren. Dann können wir weit mehr
Koordination und Disziplin unter all den aufständischen Kräften im
nicaraguanischen Bürgerkrieg erzielen. Dies wird uns dabei helfen,
Übergriffe Einzelner bei den Menschenrechten in unserem Land zu verhindern, die möglicherweise auf die Provokationen der Sandinisten
überzogen reagieren. Dies wird uns helfen, den Zusammenhalt zu
schaffen, den wir benötigen, wenn wir eine politische Lösung des Konflikts aktiv verfolgen und die Tore für die nationale Wiederversöhnung öffnen wollen(86).
Der Hintergrund der UNO-Führung, ihre Absichtserklärungen, ihre bisherigen Handlungen und die wachsende Popularität der Widerstandsbewegung
stehen in starkem Kontrast zu der immer totalitaristischeren Natur des
sandinistischen Regimes. Diese UNO-Führer haben genug Vertrauen in ihre
Popularität, daß sie auch ihre Waffen niederlegen und mit den Sandinisten
bei international überwachten Wahlen in Wettstreit treten würden. Sie
streben eine politische Lösung an. Die Sandinisten hingegen wollen eine
militärische Lösung, um das Haupthindernis gegen ihre totale Beherrschung
Nicaraguas zu beseitigen.

EL SALVADOR:

- 9 -

EINE

�EL SALVADOR:

EINE BELAGERTE DEMOKRATIE

Die Anfange
El Salvador ist das Hauptopfer der sowjetisch-kubanisch-nicaraguanischen Bemühungen in Mittelamerika. Ein großer Teil der Geschichte von
El Salvador ist durch Unterdrückung, soziale Ungerechtigkeit und staatliche Korruption gekennzeichnet. Ein Bauernaufstand in den dreißiger
Jahren wurde gewaltsam unterdrückt. Die hohe Wachstumsrate der Bevölkerung und eine Bevölkerungsdichte, größer als die von Indien, verschlimmerten noch die sozialen Reibungen in El Salvador. In den sechziger Jahren gewann die auf Kaffee gegründete Volkswirtschaft an Schwung, unterstützt von der Allianz für den Portschritt und dem in bescheidenem Maß
erfolgreichen Gemeinsamen Markt Mittelamerikas. Dieser wirtschaftliche
Aufschwung der sechziger Jahre trug jedoch zur Schaffung der sozialen
Kräfte bei, die das El Salvador von heute kennzeichnen.
Eine Elite aus Militär und Grundbesitzern kontrollierte das karge
Land von El Salvador und zwang die meisten der Armen zu niedrigster Arbeit, zu Wanderarbeit im Agrarbereich oder zu städtischem Elend. In den
siebziger Jahren zersplitterte die Kommunistische Partei El Salvadors.
Splittergruppen - denen sich später die Kommunistische Partei selbst wieder anschloß - wandten sich von der friedlichen politischen Opposition
ab, um gewaltsame Revolution als den Weg zu sozialem Wandel zu propagieren. Andere politische Strömungen waren jedoch auch weiterhin davon
überzeugt, daß sozialer Wandel innerhalb des normalen politischen Prozesses zu erreichen sei. Jose Napoleon Duarte und seine Christliche Demokratische Partei standen an der Spitze dieser reformistischen Bewegung.
Bei der Präsidialwahl von 1972 befand sich Duarte auf dem Weg des Sieges,
bis das Militär die Stimmauszählung stoppte, "ihren" Kandidat zum Sieger
ausrief, Duarte folterte, inhaftierte und schließlich ins Exil trieb.
Diese Maßnahmen des Militärs radikalisierten viele, obgleich Duarte
selbst seinen Glauben an die Demokratie beibehielt.
1979 hatte sich der Terrorismus schon weit verbreitet, fünf marxistisch-leninistische Gruppierungen standen miteinander im Wettbewerb, töteten, bombten und entführten willkürlich, während "Privatarmeen" der Rechten ebenfalls gewaltsam reagierten. Im Juli 1979 stürzte die breite
sandinistische Koalition in Nicaragua Somoza. Trotz wachsender Gewalt in
El Salvador verstärkte das Militär des Landes die Unterdrückung nicht.
Stattdessen stürzte im Oktober 1979 eine Gruppe junger Offiziere den
starken Mann des Militärs, der das Land beherrschte und forderte eine
Reihe von Reformen in dem Bestreben, die Ungleichheiten anzugehen, die
aus El Salvador ein ebenso geeignetes Ziel für die kommunistische Guerilla machten, wie dies in Nicaragua der Fall gewesen war.
Nachdem eine ganze Reihe kurzlebiger Junta-Regierungen fehlgeschlagen
war, die sich aus dem ganzen politischen Spektrum von El Salvador zusammengesetzt hatten, forderte das Militär schließlich seine ehemaligen Widersacher - die Christdemokraten - auf, mit ihm an der Bildung einer Regierung zusammenzuarbeiten. Im Dezember 1980 wurde Jose Napoleon Duarte
gebeten, sich an die Spitze der Junta zu stellen - derselbe Duarte, dem
das Militär 1972 die Präsidentschaft verweigert hatte.
Soziale, wirtschaftliche

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�Soziale, wirtschaftliche und politische Reformen, die die Junta angekündigt hatte, wurden von der extremen Rechten wie der extremen Linken
angegriffen. Ehrgeizige Anstrengungen galten einem Bodenreformprogramm,
um die Kontrolle der alten Elite aufzubrechen und die Agrarproduktion zu
demokratisieren. Die extreme Rechte sah in den Reformen eine Bedrohung
ihrer Interessen; die extreme Linke wußte, daß die Agrar- wie auch andere
Reformen viel dazu beitragen würden, Leid und Haß zu beseitigen, von denen ihr "Klassenkampf" abhing.
Seit Beginn der ersten reformistischen Bewegung ist die politische
Basis der Rechten geschrumpft und die traditionelle Allianz zwischen Militär und Grundbesitzern ist aufgebrochen. Die "Todesschwadronen" wurden
scharf beschnitten. Viele, die sich den Änderungen nach 1979 widersetzt
hatten, haben sie jetzt akzeptiert. Die extreme Linke setzt jedoch ihre
Bemühungen fort, den erbarmungslosen Kampf gegen die Regierung zu eskalieren. Die einheimischen Terroristengruppen, die einstmals im Wettstreit miteinander standen, sind eine gutausgerüstete, gutkoordinierte
Guerillastreitmacht geworden, die in beträchtlichem Maß von Kuba und
Nicaragua ausgerüstet und beeinflußt wird.

Die Guerilla von El Salvador und ihre Verbündeten
Nur einige Tage nach der Machtergreifung trafen sich die Vertreter
der Sandinisten mit der Guerillaführung von El Salvador in Managua, um
Pläne für die Fortsetzung des Kampfes in Mittelamerika zu schmieden. Ein
beträchtlicher Teil der Millionen von Dollar, die die salvadorianischen
Terroristen in den späten siebziger jähren durch Erpressungen und Überfälle zusammengebracht hatten, waren den Sandinisten in deren Kampf zugutegekommen. Jetzt war es an den Sandinisten, ihren Waffenbrüdern behilflich zu sein. Im Zentrum der mittelamerikanischen Kampagne stand
Fidel Castro, dessen Unterstützung für die Sandinisten unersetzlich war.
Im Dezember 1979 lud er zu einem Treffen nach Havanna ein, auf dem die
drei der miteinander im Wettstreit stehenden linken Gruppierungen El
Salvadors schworen, ihre Differenzen zu begraben. Danach verbanden sich
zwei der Gruppierungen: die Farabundo Marti Nationale Befreiungsfront
(FMLN), benannt nach einem kommunistischen Führer der zwanziger und dreißiger Jahre in El Salvador, war ins Leben gerufen. Die Namen von Marti
und vom Schutzpatron der Sandinisten, Cesar Agusto Sandino, in einem
marxistisch-leninistischen Kampf miteinander in Verbindung zu bringen,
war ironisch. Sandino, ein glühender Nationalist, hatte alle Bindungen
zur "Komintern" (der moskauhörigen Kommunistischen Internationale) aufgegeben und Marti um etwa 1930 aus Nicaragua hinausgeworfen, weil dieser
dem internationalen Kommunismus weiter anhing(87). Heute betrügen Sandinos Anhänger die nationalistischen Ideale ihres Patrons und haben sich in
einem Kampf zur Unterstützung der marxistisch-leninistischen Revolution
zusammengetan. Mit den Worten des ehemaligen Patriarchen der salvadorianischen Kommunisten, des verstorbenen Cayetano Carpio, verbinden die
Sandinisten "den internen Kampf mit der internationalen Solidarität"(88),
genau das also, was Sandino zu vermeiden gehofft hatte.

Die ersten Waffen,

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�Die ersten Waffen, die zur salvadorianischen Guerilla gelangten, kamen aus sandinistischen Arsenalen in Costa Rica. Mitte der achtziger
Jahre jedoch war Nicaragua das logistische Zentrum der salvadorianischen
Guerilla. Im Mai jenen Jahres forderte Castro auf einem weiteren Treffen
in Havanna die völlige Vereinigung der immer noch rivalisierenden Fraktionen der salvadorianischen Guerilla als Preis für Kubas Unterstützung.
Nach dem Treffen verließ Jorge Shafik Handal, Führer der Salvadorianischen Kommunistischen Partei, die nun völlig in die gewaltsame Revolution integriert war, Havanna mit dem Zweck einer Zusammenkunft mit sowjetischen Regierungsvertretern in Moskau. Von dort fuhr er auf seiner
Suche nach Unterstützung mit Moskaus Segen in verschiedene kommunistische
Staaten(89).
In Vietnam versprach Le Duan, Leitender Sekretär der Kommunistischen
Partei Vietnams, Handal große Mengen eroberter amerikanischer Waffen von
den über 700 000 M-16 Gewehren(90) und anderem Material, das der nordvietnamesischen Armee 1975 in die Hände gefallen war. Die ersten dieser
versprochenen Waffen kamen im September auf Kuba an, um von dort nach
Nicaragua und dann nach El Salvador transportiert zu werden. Auch andere
kommunistische Staaten begannen mit Waffenlieferungen, und im November
drängte man die Guerilla in El Salvador, diese Massen an militärischem
Material zu übernehmet91).
Trotz der Bemühungen, die Unterstützung durch den Ostblock zu verheimlichen, zwang allein schon das Ausmaß der Lieferungen die Kubaner und
die Sandinisten, bei ihren Waffenlieferungen an die FMLN-Guerilla für
deren Vorbereitung einer "Schlußoffensive" zur Einsetzung einer marxistisch-leninistischen Regierung in El Salvador offener zu sein. Der Sandino-Flugplatz in Managua wurde Ende 1980 mehrere Wochen lang von 10 Uhr
bis 16 Uhr für den Normalverkehr gesperrt, um kubanische Transportflugzeuge landen zu lassen, die Waffen, Munition und andere Versorgungsgüter
nach Nicaragua brachten. Von Nicaragua gingen die Waffen per Luft, Land
und See nach El Salvador. Die "Schlußoffensive" der Guerilla begann am
10. Januar 1981. Trotz großer Mengen Waffen, die nach El Salvador geflossen waren, gelang es der Guerilla mangels Unterstützung durch die Bevölkerung nicht, die Regierung zu stürzen.
Die politische Ausrichtung des Regimes, das entstanden wäre, wenn die
FMLN bei ihrer Januar-"Schlußoffensive" gesiegt hätte, wurde vom damaligen amerikanischen Botschafter in El Salvador, Robert White, auf einer
Pressekonferenz am 15. Januar 1981 beschrieben, als er von der Guerilla,
die damals kämpfte, um die Kontrolle über das Land an sich zu reißen,
sagte: "Ihr ziel ist es, eine marxistisch-leninistische Diktatur in diesem Land zu errichten... Die Art von Regierung, die sie in diesem Land
errichten würde, wäre meiner Meinung nach völlig in kubanischem Stil der
Sowjetunion unterworfen(92)."

Die Herausforderung der Guerilla:

1981-1983

Die Carter-Administration reagierte am 16. Januar 1981 auf die von
der Sowjetunion, Nicaragua und Kuba unterstützte Offensive in El Salvador

- 12 -

�in El Salvador durch Übersendung von Militärhilfe für Notfälle an die Regierung von El Salvador. Nach Amtsübernahme der Reagan-Administration
vier Tage später ging diese daran, die Wirtschafts- und Militärhilfe zu
gewähren, die notwendig war, um die Reformen der aus Zivilisten und Militärs bestehenden Junta aus dem Jahr 1979 zu verwirklichen. In Reaktion
auf diese amerikanische Hilfe und in dem Versuch, ihre Bewegung auch noch
nach dem Scheitern der "Schlußoffensive" am Leben zu erhalten, entschlossen sich die Guerilla und ihre kubanisch-nicaraguanischen Helfer, ihre
Angriffe auf "sanfte" wirtschaftliche Ziele zu konzentrieren, um die Bevölkerung zu verunsichern und ihr Vertrauen in die Regierung zu untergraben. Gleichzeitig formte die Guerilla ihre Streitkräfte in mobile,
schwerbewaffnete Einheiten um, die in der Lage waren, Operationen in
großem Umfang durchzuführen.
Anfang 1982 nahmen die Waffensendungen aus Nicaragua erneut gewaltig
zu, als sich die FMLN gerade darauf vorbereitete, die Wahlen vom 28. März
für eine Verfassungsgebende Versammlung zu stören. Die Anstrengungen der
Guerilla schlugen jedoch fehl, über 80 Prozent der Wahlberechtigten gingen trotz der Einschüchterungstaktik der Guerilla und ihrer Angriffe auf
die Wahllokale zu den Urnen. Die Washington Post schrieb hierzu am 30.
März 1982:
Man begreift jetzt, warum die Guerilla so sehr darauf bedacht war,
die Wahlen in El Salvador unmöglich zu machen und die politische Opposition, sie zu denunzieren. Beide scheinen gespürt zu haben, daß
das Volk sich für den Weg entscheiden würde, den die Regierung anbot,
um seiner aufgestauten Sehnsucht nach Wiederaufbau des Landes und
seinem Überdruß am Krieg Ausdruck zu verleihen... Der Prozeß schien
gerecht. Die Wähler kamen trotz der Todesdrohungen, der logistischen
und verfahrensmäßigen Hindernisse und einer Geschichte, die nicht
viel von dem Gedanken hielt, es könne auf Wahlen ankommen... Die Aufständischen wurden durch die Wahlen schwer getroffen: es gelang ihnen
nicht, die Massen einzuschüchtern oder sie abzuhalten; sie wurden von
ihnen verächtlich zurückgewiesene93).
Aber diese politische Zurückweisung brachte die FMLN nicht von ihrer
Strategie eines "verlängerten Krieges" ab. Mitte 1982 begann sie, in
größeren Einheiten zu operieren, wobei sie noch modernere Kommunikationsausrüstung und Waffen verwandte und ihre Operationen eher einem konventionellen Krieg als einem Guerilla-Konflikt glichen. 1983 befanden sich
die Regierungstruppen eindeutig in der Defensive und das Schicksal schien
sich zugunsten der Guerilla zu wenden. Im Dezember 1983 - nach spezieller Ausbildung für diese Mission auf Kuba - griffen Einheiten der FMLN
mit Erfolg das Hauptquartier der vierten Brigade der salvadorianischen
Armee in El Paraiso an und töteten die Verteidiger. Im Januar 1984 zerstörten Guerilla-Saboteure die Cuscatlan-Brücke der panamerikanischen
Schnellstraße, was einen schweren Schlag für die Wirtschaft des Landes
bedeutete.

Die Reaktion der

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�Die Reaktion der Regierung - 1984-86
Das Ganze begann sich Anfang 1984 zu ändern, als die salvadorianische
Regierung aggressiver wurde. Im November 1983 hatte das Oberkommando der
Armee eine Reorganisation durchgeführt, was zu einer leistungsfähigeren
Befehls- und Kontrollstruktur und zur Abkommandierung effizienterer Kommandeure in die entscheidenden Gebiete geführt hatte. Der dieser Veränderung zugrunde liegende Gedanke war, den Kampf zur Guerilla zu tragen
und auf deren Versorgungslinien permanenten Druck auszuüben.
Fortschritte gab es auch bei den grundlegenden, in den Jahren 1979-80
durchgeführten Reformen. Mitte 1984 waren fast 25 Prozent der Landbewohner von El Salvador auch Eigentümer ihrer Parzellen oder bearbeiteten
ihren Boden als Miteigentümer von Kooperativen. In politischer Hinsicht
baute die Regierung weiter auf dem Erfolg auf, der durch die Wahlen 1982
und die daraus erstandene Verfassungsgebende Versammlung zustande gekommen war. Duarte, der reformistische christdemokratische Kandidat, erhielt erheblich mehr stimmen als sein Hauptopponent, der Konservative
Roberto D'Aubuisson, ein ehemaliger Major. Da jedoch keiner die Mehrheit
erhielt, sah die Verfassung einen neuen Wahlgang im Mai vor. Die FMLN
versuchte sowohl im März als auch im Mai die Wahlen durch Einschüchterung
der Wähler zu verhindern. Aber wie 1982 gelang ihr das nicht. Duarte
besiegte D'Aubuisson. (Bei den Wahlen im März 1985 rangen die Christdemokraten Duartes überraschend der konservativen Koalition die Kontrolle
der Gesetzgebenden Versammlung ab, die diese seit 1982 innegehabt hatte.) Duartes eindeutiges Mandat ermöglichte es ihm, im Oktober 1984
einen Dialog mit der FMLN-Führung zu beginnen, worauf sich ein zweites
Treffen im darauffolgenden Monat mit der Guerilla und ihrer politischen
Führung, der Demokratisch-Revolutionären Front (FDR) anschloß. Bei dieser Zusammenkunft brachte die Guerilla ihr Recht zum Ausdruck, in ihrem
"Volkskrieg" Sabotageakte zu verüben, sie erneuerte auch ihre Forderung
nach Abschaffung der Verfassung, Nichtanerkennung der Wahlen, einer
gleichberechtigten Rolle in der Regierung und einer Reorganisation der
Streitkräfte(94).

Die logistische Lebensader
Jene Waffen, Munition und Sprengstoffe, die die FMLN in die Lage versetzen, Krieg in El Salvador zu führen, kommen auch weiterhin mittels
eines weitverzweigten Netzes zu Wasser, zu Lande und in der Luft aus
Nicaragua. Der Landweg beginnt in Nicaragua und verläuft durch Honduras
bis nach El Salvador. Die auf Seite 00 gezeigte Abbildung eines Notizbuchs und einer Landkarte verdeutlichen eine der von den Guerillas und
ihren sandinistischen Lieferanten benutzte Methoden zur Nachschubbeschaffung. Im März 1983 wurde eine salvadorianische Guerilla-Einheit von
honduranischen Behörden abgefangen und die Guerillas im darauffolgenden
Feuergefecht getötet. Bei der Leiche des Anführers der Einheit fand man
ein Notizbuch mit 125 Ortsnamen, denen kodierte Bezeichnungen zugeordnet
waren, die eine Geheimhaltung der an der nicaraguanischen Grenze beginnenden Marschroute der Guerillas erleichtern sollten. So wie sie auf der

- 14 -

�sie auf der Karte eingezeichnet waren, schlugen diese Orte eine Schneise
von Nicaragua durch Honduras hindurch in den Norden von El Salvador.
Obwohl der Landweg aus Nicaragua auch weiterhin einen wichtigen Kanal
für den Nachschub darstellt, weisen die von übergelaufenen Guerillas gelieferten Informationen darauf hin, daß ein Großteil des Nachschubs jetzt
direkt auf dem Seeweg durch den Golf von Fonseca bis zur Küste von
Usulutan in El Salvador aus Nicaragua herausgelangt. Diese Lieferungen
auf dem Seeweg erfolgen bei Nacht, wobei verschlüsselte Radioansagen die
Ladungen koordinieren, die in Kisten unweit vom Strand abgeladen werden.
Einheiten der Guerilla werden von der Ankunft der Lieferungen verständigt.
Einer der ehemaligen Guerillaführer, der wertvolle Informationen über
den nicaraguanischen Lieferweg bekanntgab, ist Napoleon Roraero, der am
11. April 1985 zur Regierungsseite überwechselte. Er galt als bekannter
FMLN-Führer, der unter dem Namen Miguel Castellanos gekämpft hatte. Er
befehligte alle Einheiten der Volksbefreiungsfront (FPL) in El Salvador,
die die größte Untergruppe der FMLN bildet. Romero berichtete, daß der
Großteil der Lieferungen für seine Gruppe aus Nicaragua kam. Er fügte
hinzu, daß ein großer Teil der Ausbildung der salvadorianischen Guerillas
in Kuba stattfindet (wo auch er selbst ausgebildet wurde) und daß
"Sandinisten und Kubaner in Managua spezielle Organe für politische und
logistische Angelegenheiten ins Leben gerufen haben"(95). Ein Faktor,
der zu Romeros Entscheidung beitrug, überzulaufen, war, was er als "die
Unterwerfung der FMLN unter die taktische und strategische Kontrolle der
Kubaner und Sandinisten" beschriebt 96).
Am 18. April 1985 wurde eine andere wichtige Guerillaführerin, Nidia
Diaz, gefangengenommen, die Akten ihrer Organisation, der Mittelamerikanischen Revolutionären Arbeiterpartei (PRTC), bei sich trug, einer der
Untergruppen der FMLN. Obwohl sie nie mit der Regierung zusammengearbeitet hat (sie konnte im Rahmen des Austauschs für die entführte Tochter
Präsident Duartes schließlich wieder zu den Guerillas zurückkehren), so
bestätigte sie doch die Echtheit der Dokumente, die sie bei sich führte,
gegenüber dem Fernsehpublikum in El Salvador:
Ich hatte die wichtigsten Akten mit Plänen, Projekten und Berichten
aus allen Landesteilen bei mir ... all diese enthüllten die Arbeit
der Organisation, die Ideen der FMLN. Es gab grundlegende Dokumente,
Kriegspläne, Gesamtpläne ... Unser Aufbau und alles andere ist gefährdet, aber da ich nichts verraten habe, lag das an den (beschlagnahmten) Dokumenten"(97).
Unter den von ihr als echt bezeichneten Dokumenten befand sich ein
Brief vom 24. November 1983 an die "Genossen des Nationalrates der FSLN"
in Managua, der vom Oberkommando des FMLN-Hauptquartier, von Shafik
Handal, Joaquin Villalobos, Roberto Roca und Leonel Gonzalez unterzeichnet war. Der Brief berichtete, die Führer der FMLN
sind sich darin einig, daß der Zeitraum der Wahlen in den Vereinigten
Staaten der richtige Moment ist, um das amerikanische Wahlverhalten
zu beeinflussen ... Wir unterstützen die augenblicklichen diplomat-

- 15 -

�augenblicklichen diplomatischen Initiativen der FSLN, Zeit zu gewinnen, Reagans Opposition in den Vereinigten Staaten zu helfen und auf
internationaler Ebene seinen aggressiven Plan für Nicaragua und El
Salvador auszuschalten(98).
Hinsichtlich der Bereitstellung von Waffen aus Nicaragua wiesen die
Führer der FMLN die Sandinisten in diesem 3rief zurecht, weil sie sich
nicht großzügiger gezeigt hätten:
Wir sind der Ansicht, daß unser Prozeß einen viel höheren Grad der
logistischen Unterstützung braucht, wenn man das Ausmaß unserer Konfrontation mit dem Imperialismus und den Marionettenregierungen bedenkt. Wir glauben, daß die augenblicklichen Umstände günstig sind,
um weitere mutige Schritte in dieser Richtung zu unternehmen//tl(99).

»

Ein weiterer Beweis für die logistische Unterstützung der salvadorianischen Guerilla seitens Nicaragua wurde zufällig im Dezember 1985 enthüllt, als ein Auto mit einem Nummernschild aus Costa Rica in Honduras in
einen Unfall verwickelt wurde. Im Auto wurden Geheimfächer gefunden, die
7 000 Patronen enthielten, ferner 21 Handgranaten, 86 Sprengköpfe, weiteren militärischen Nachschub und 39 zur Verschlüsselung mit dem Computer
erstellte Hefter, die sich an die Salvadorianische Guerilla richteten.
Ein Großteil dieses Materials war in neuere Ausgaben von "Barricada", der
Zeitung der sandinistischen kommunistischen Partei, gewickelt. Die Kodierungsbücher waren zum Gebrauch für den Nachrichtenaustausch zwischen
dem Kommando der Guerilla in Managua und den im Feld operierenden Einheiten in El Salvador bestimmt. Der Fahrer, ein Mitglied der pro-sandinistischen kommunistischen Partei Costa Ricas, bestätigte, daß das Auto auf
dem Weg nach El Salvador war und daß er im Juli 1985 eine ähnliche Fahrt
mit demselben Wagen gemacht hatte(lOO). Geheimfächer in Autos wurden bereits seit 1980 von Nicaragua aus benutzt, um Waffen und Munition an die
salvadorianische Guerilla zu transportierend 101)
Das in den Vereinigten Staaten hergestellte Gewehr vom Typ M-16 war
die wichtigste Waffe der salvadorianischen Guerilla, seit die ersten Waffen 1980 aus Vietnam über Kuba und Nicaragua eintrafen. Das war noch bevor die Vereinigten Staaten das Modell M-16 an das Militär in El Salvador
lieferten. Von den 1793 M-16 Gewehren, die beschlagnahmt wurden oder
sich nach dem Stand der Akten über beschlagnahmte Güter in den Händen der
Guerillas befanden, konnten zwei Drittel nach ihrer Seriennummer als ursprünglich für Vietnam bestimmte Waffen identifiziert werden(102). Diese
im November 1980 in El Salvador beschlagnahmten Dokumente enthüllten, daß
die Regierung Vietnams Lieferungen größerer Stückzahlen von erbeuteten
und in den Vereinigten Staaten hergestellten Waffen versprochen hatte.
Ehemalige Guerilla-Führer, zu denen auch Romero zählt, haben bestätigt,
daß diese Waffen aus Nicaragua nach El Salvador kamen.
Trotz aller Beweise ihrer Komplizenschaft streiten es die Sandinisten
weiterhin ab, der salvadorianischen Guerilla jemals Waffen versprochen zu
haben. Außenminister D*Escoto ging so weit, daß er im April 1984 beim
Internationalen Gerichtshof eine eidesstattliche Erklärung abgab, in der
er die offizielle Haltung Managuas bekanntgab: "In Wirklichkeit ist meine
Regierung in der Gegenwart und war auch in der Vergangenheit nicht in

- 16 -

*

�nicht in Waffen- oder andere Lieferungen an irgendeine der Gruppen verwickelt, die in El Salvador Bürgerkrieg führen"(103). D* Escotos Behauptungen liefen jedoch sogar solchen Erklärungen zuwider, die von Kritikern
an der Politik der Vereinigten Staaten abgegeben wurden. Zum Beispiel
berichtete ein Zeuge für Nicaragua beim Internationalen Gerichtshof, daß
es "Ende des Jahres 1980 und Anfang 1981"(104) solche Lieferungen gab,
und ein weiterer Gegner der amerikanischen Politik behauptete, daß es "zu
Beginn des Jahres 1982 eine drastische Verringerung der Waffenlieferungen
gab"(105) und gab damit indirekt zu, daß es bis 1982 einen Waffenaustausch gegeben hatte, was die Sandinisten hartnäckig abstreiten.
Die logistische Unterstützung der Sandinisten war wahrhaftig das Lebensblut der PMLN. Bereits im März 1982, zu der zeit, als die Verbindung
zwischen Sandinisten und FMLN die salvadorianischen Wahlen zunichte zu
machen suchte, beobachtete der Kongreßabgeordnete Edward P. Boland, Vorsitzender des ständigen Auswahlausschusses für nachrichtendienstliche Informationen im Repräsentantenhaus, daß die salvadorianischen Rebellen
gut ausgebildet und mit modernen Waffen und Nachschub wohl versorgt
sind. Sie verlassen sich darauf, für Stabsführung, Überwachung und
logistische Unterstützung nicaraguanisches Gelände zu benutzen. Das
diese Beurteilung unterstützende und dem Ausschuß vorgelegte Nachrichtenmaterial ist in dieser Hinsicht überzeugend ... Im Gegensatz
zu dem wiederholten Leugnen der nicaraguanischen Regierungsvertreter,
ist dieses Land in die Unterstützung des salvadorianischen Aufstandes
tief verwickelt(106).

FUSSNOTEN
67. Christian gibt auf Seite 196 die stärke der Armee zu Beginn des Jahres 1981 mit 30 000 bis 40 000 an. Die Zahl von 24 000 ist eine Schätzung der amerikanischen Regierung. Funktionäre der Sandinisten geben
kaum Informationen über die Stärke ihrer Streitkräfte preis.
68. Tunnermann, Washington Post, 30. März 1985.
69. Als prägnanten Bericht über die Hilfsbemühungen der amerikanischen
Regierung für die Sandinistas siehe Lawrence E. Harrison: "We Tried to
Live with the Nicaraguan Revolution", Washington Post, 30. Juni 1983. Als
Leiter der Entwicklungshilfeabteilung (AID) in der amerikanischen Botschaft während der ersten zwei Jahre der Sandinistenherrschaft war
Harrison direkt für die Verwaltung von über 118 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe für Nicaragua verantwortlich.
70. Belli, S. 253.
71. interview mit Peter Bertie, einem freiberuflichen kanadischen
Schriftsteller,der im Jahr 1985 fünf Monate bei der FDN verbrachte. Das
Interview wurde von Oberst Lawrence L. Tracy, Außenministerium und Frau
Kay Stephenson, Verteidigungsministerium, am 15. Februar 1986 durchgeführt.
72. Christian,

- 17 -

�72. Christian, S. 1700-185.
73. Anastasio Somoza: "Nicaragua Betrayed", (Boston: Western Islands
Publishers, 1980), S. 383.
74. Siehe Schreiben des Stellvertretenden Außenministers Elliott Abrams
vom 24. Februar 1986 an Senator Richard Lugar, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Senats. Dieses Schreiben wurde veröffentlicht in
der Publikation des amerikanischen Außenministeriums mit dem Titel
"Documents on The Nicaraguan Resistance: Leaders, Military Personnel and
Programs", Special Report No. 142, März 1986.

75. Bertie-Interview.
76. Alvaro Baldizon: Pressekonferenz. Heritage Foundation, Washington,
D.C., 14. März 1986.
77. Moore, S. 82 f.
78. Referat von Professor John Norton Moore im Rahmen des
White House Outreach Program am 17. Oktober 1984.
79. Moore: "The Secret War in Central America", S. 61.
80. Eidesstattliche Erklärung, abgegeben vor dem Internationalen Gerichtshof von Nicaraguas Außenminister Miguel D* Escoto am 21. April 1984.
81. Charles Krauthammer: "The Reagan Doctrine", Time, 1. April 1985, S.
54.
82. Beispiele für die Unnachgiebigkeit der Sandinisten sind die Zurückweisung von Präsident Duartes Forderung vom März 1986 nach einem Dialog
zwischen Regierung und Aufständischen in Nicaragua und El Salvador und
die Zurückweisung des Contadora-Friedensvertrages vom April 1986. Siehe
Stephen S. Rosenfeld: "Contadora Comes Up Short", Washington Post, 8.
April 1986.
83. Christian, S. 306.
84. Ibid.
85. John R. Silber: "The Kennedy Doctrine: Principles for a Settlement in
Central America", Strategie Review, Herbst 1984, S. 20.
86. Alfonso Robelo: "The Nicaraguan Democratic Struggle: Our ünfinished
Revolution", SD Papers: 8. Papier wurde den Social Democrats, USA, in New
York am 15. Juni 1985 vorgelegt.
87. Als eine Darstellung der Spannungen, die sich zwischen dem nationalistischen Nichtkommunisten Sandino und dem internationalistischen
Kommunisten Marti entwickelten, siehe Carlos Ripoll: "Sandinismo y
Communismo", Ideal, 1. September 1974, S. 17.
88. Carpo erklärte

- 18 -

»

�88. Carpo e r k l ä r t e d i e s während des B e g r ä b n i s s e s s e i n e r S t e l l v e r t r e t e r i n
b e i der V o l k s b e f r e i u n g s f r o n t (FPL) in Managua, Comandante Ana Maria, d i e
in Managua von anderen M i t g l i e d e r n der FPL ermordet worden war. Carpio
s e l b s t beging wenige Tage s p ä t e r Selbstmord. Als e i n e D a r s t e l l u n g d i e s e r
b i z a r r e n Episode s i e h e v e r s c h i e d e n e Ausgaben von " B a r r i c a d a " (der FSLNZeitung) vom A p r i l 1983. S i e h e außerdem "Foreign Broadcast Information
S e r v i c e (FBIS)", L a t e i n a m e r i k a , vom
11. A p r i l 1983.
89. Dokumente in bezug auf Handais Reise und die Nachschubwege nach El
Salvador wurden von salvadoranischem Militär zwischen November 1980 und
Januar 1981 erbeutet. Faksimiles wurden vom amerikanischen Außenministerium am 23. Februar 1981 veröffentlicht: "Communist Interference in
El Salvador: Documents Demonstrating Communist Support of the Salvadoran
Insurgency" (nachfolgend zitiert als "Documents"). Dokument El, S. 1 war
Handais Bericht von seiner Reise nach Vietnam vom 9.-15. Juni 1980.
Handal wurden 60 Tonnen an Waffen versprochen, die "bis zum 5. September
versandbereit" sein würden.
90. Edward Clinton Ezell: "Small Arms Today" (Harrisburg, PA: Stackpole
Books, 1984), S. 229.
91. "Informe #4" (Report #4), "Documents", K, S. 2. Dies war ein handschriftliches schreiben aus den Akten der Kommunistischen Partei von El
Salvador (PCES), das sich unter den im November 1980 erbeuteten Dokumenten befand.
92. Fernsehstation WGBH in Boston (PBS), "Frontline", vierteilige Serie
mit dem Titel "Crisis in Central America." Die Folge "Battle for El
Salvador" mit Botschafter Whites Erklärung wurde am 12. April 1985 gesendet.
93. "Salvador Votes", Washington Post, 30. März 1982.
94. "Foreign Broadcast Information Service" (FBIS), Lateinamerika, 3. Dezember 1984.
95. "Cuatro Comandantes", Cadena Nacional, 11. Juni 1985.
96. Ibid.
97. Ibid.
98. Pressemappe des amerikanischen Außenministeriums zu den bei
Comandante Nidia Diaz erbeuteten Dokumenten vom 23. April 1985.
99. Ibid.
100. Pressekonferenz des amerikanischen Außenministeriums mit dem stv.
Außenminister Elliott Abrams vom 13. Dezember 1985.
101. Im Jahr 1980 wurde ein Kühllastwagen von honduranischen Behörden auf
dem Weg nach El Salvador abgefangen. In ihm wurden 100 M-16 Gewehre und

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�100 M 16-Gewehre und Tausende Schuß Munition entdeckt. Siehe U.S.
Department of State: "Communist Interference in El Salvador", 23. Februar
1981.
102. 28 Prozent der erbeuteten Waffen wurden nach El Salvador geliefert,
von den Guerillas erbeutet (hauptsächlich im Jahr 1983) und danach wiederum von den Streitkräften El Salvadors zurückerbeutet. Fünf Prozent
wurden zu verschiedenen Orten außer Vietnam und El Salvador zurückverfolgt, und ein Prozent war ursprünglich an Somozas Nationalgarde geliefert worden.
103. Eidesstattliche Erklärung des nicaraguanischen Außenministers Miguel
D* Escoto vor dem Internationalen Gerichtshof vom 21. April 1984.
104. Wörtliches Transkript der Aussage von David MacMichael vor dem Internationalen Gerichtshof vom 18. September 1984, S. 20.
105. wayne Smith: "Nicaraguan Arms", Washington Post, 18. Januar 1986.
106. Pressemitteilung vom 4. März 1982 durch den Kongreßabgeordneten
Edward P. Boland (D-MA), S. 1.

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