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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

#

24

2 3 . J u l i 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan sagt nein zu Apartheid und Sanktionen
- Rede des Präsidenten zur Lage in Südafrika Shultz: Kampf gegen den Terrorismus gewinnbar
- Rede des Außenministers beim USIA-Antiterrorismus-Seminar

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Nagelprobe von Stockholm
- Von Botschafter Robert L. Barry -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Die NASA handelt
- Bericht an Präsident Reagan über Maßnahmen nach dem
CHALLENGER-Unglück -

Themenindex AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1986)

* * * * * *

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Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. Juli 1986

24

REAGAN SAGT NEIN ZU APARTHEID UND SANKTIONEN
- Rede des Präsidenten zur Lage in Südafrika -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 22. Juli 1986 vor dem Rat für Weltpolitik und der Vereinigung für Auswärtige Politik in Washington gehaltenen
Rede hat der amerikanische Präsident die Aufstellung eines Zeitplanes für
die Abschaffung der Apartheid-Gesetze gefordert. Zugleich lehnte er es
jedoch ab, die "starke und entwickelte Wirtschaft des Landes lahmzulegen".
Di'? Rede Ronald Reagans hat folgenden Wortlaut:
Seit über einem Jahr gilt die Aufmerksamkeit der Welt in besonderem
Maße Südafrika - der sich verschärfenden Krise und dem sich beschleunigenden Kreislauf der Gewalt. Ich möchte heute die amerikanische Politik gegenüber dieser geplagten Republik und gegenüber der Region, zu der sie gehört, erläutern - einer Region, die für den Westen lebenswichtig ist.
Die Wurzel der Unruhen in Südafrika ist die Apartheid, jenes starre
System der Rassentrennung, in dem die Schwarzen als Bürger dritter Klasse
behandelt werden in einem Staat, den aufzubauen sie mitgeholfen haben.
Die amerikanische Einstellung zur Apartheid war und bleibt klar.
Apartheid ist moralisch falsch und politisch unannehmbar. Die Vereinigten
Staaten können keine herzlichen Beziehungen zu einer Regierung unterhalten, deren Macht auf der Verweigerung von Rechten für die Mehrheit ihrer
Bevölkerung aufgrund deren Rassenzugehörigkeit beruht.
Wenn Südafrika

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�Wenn Südafrika wünscht, zur Familie westlicher Nationen zu gehören, so
ist das Ende der Apartheid die Voraussetzung dafür. Ich glaube, das alle
Amerikaner diese Ansicht teilen.
Zweitens: Die Apartheid muß abgebaut werden. Für die gemäßigten Vertreter aller Rassen in Südafrika wird die Zeit knapp.
Obwohl wir Amerikaner jedoch in der Zielsetzung eines freien Südafrikas der Rassenintegration übereinstimmen, das mit den freien Nationen und
dem Westen verbunden ist, so gibt es doch tiefe Meinungsunterschiede darüber, wie dieses Ziel zu erreichen ist.
Zunächst etwas zur Geschichte. Seit einem ViertelJahrhundert distanziert sich die amerikanische Regierung von der südafrikanischen Regierung.
Im Jahr 1962 verhängte Präsident Kennedy ein Embargo für Waffenverkäufe.
Im vorigen September habe ich eine Anordnung erlassen, durch die amerikanische Kontakte mit der Regierung in Pretoria weiter eingeschränkt wurden. In den letzten 18 Monaten hat die Wirtschaft ihre eigenen unmißverständlichen Signale ausgesandt. Die Vergabe von Krediten an Südafrika
durch amerikanische Banken ist praktisch eingestellt worden. Keine bedeutenden neuen Investitionen wurden getätigt. Einige westliche Geschäftsleute haben ihre Sachen gepackt und sind nach Hause zurückgekehrt.
Wir sind nun an einem kritischen Punkt angelangt. Im Kongreß und in
Europa mehren sich die Stimmen für scharfe Sanktionen gegen Südafrika.
Der britische Premierminister hat Strafsanktionen als "unmoralisch" und
"völlig zu verwerfen" verurteilt. Lassen Sie mich Ihnen erklären, warum
wir glauben, daß Frau Thatcher Recht hat.
Die ersten Opfer eines Wirtschaftsboykotts würden gerade diejenigen
sein, denen wir helfen möchten. Die meisten Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren würden, wären schwarze Arbeiter.
Unserer Meinung wäre es kein Weg, den Menschen in Südafrika zu helfen,
wenn wir die Wirtschaft lahmlegen, von der ihr überleben und das ihrer Familien zum überleben abhängen.
Alan Paton, der große Schriftsteller Südafrikas, der seit Jahren das
Gewissen seines Landes verkörpert, hat selbst nachdrücklich erklärt: Ich
bin gänzlich gegen den Rückzug von Investitionen. "Es gibt dafür hauptsächlich moralische Gründe... diejenigen, die am meisten für einen Rückzug der Investitionen bezahlen werden, werden die schwarzen Arbeiter Südafrikas sein. Ich nehme die Lehren der Heiligen Schrift ernst, darunter
besonders die Parabeln über Trank für die Durstigen und Speisen für die
Hungernden... Ich werde mich nicht daran beteiligen, solches Leid für irgendeinen Schwarzen mitzuverursachen." Und dies werden wir ebenfalls
nicht tun.
Wenn man sich einmal die Landkarte anschaut, so bildet das südliche
Afrika eine wirtschaftliche Einheit, die durch Schienen und Straßen miteinander verbunden ist. Zaire hängt in seinem südlichen Bergbaugebiet
hinsichtlich der Nahrungsmittel- und Ölversorgung zu drei Vierteln von

�Vierteln von Südafrika ab. über die Hälfte des Stroms, der die Hauptstadt
von Mosambik versorgt, kommt aus Südafrika, über ein Drittel der Exporte
von Sambia und 65 Prozent der Exporte aus Simbabwe verlassen den Kontinent
über südafrikanische Häfen.
In den Bergwerken Südafrikas werden über 13 000 Arbeiter aus Swasiland, 19 000 aus Botswana, 50 000 aus Mosambik und 110 000 aus dem kleinen
Binnenland Lesotho beschäftigt. Schließen Sie diese Bergwerke durch Sanktionen und Sie werden schwarze Bergarbeiter ihrer Arbeitsplätze berauben
und ihre Familien zur Rückkehr in ihre Heimatländer und damit in bittere
Armut zwingen. Ich glaube nicht, daß das amerikanische Volk so etwas tun
möchte. Wie ein führender afrikanischer Politiker kürzlich bemerkt hat:
Südafrika gleicht einem Zebra. Wenn die weißen Teile verletzt werden,
dann werden die schwarzen Teile ebenfalls sterben.
Westliche Staaten haben Milliarden an Auslandshilfe und Investitionskrediten in das südliche Afrika gepumpt. Ist es sinnvoll, diesen Ländern
einerseits zu helfen und andererseits das industrielle Räderwerk, von dem
ihre Zukunft abhängt, zu zerstören?
Wo immer Schwarze sich um Chancengleichheit, höhere Löhne und bessere
Arbeitsbedingungen bemühen, sind die amerikanischen, britischen, französischen, deutschen und niederländischen Geschäftsleute, die in ihren Heimatländern entwickelte Ideen von sozialer Gerechtigkeit nach Südafrika
tragen, ihre besten Verbündeten.
Wenn der Rückzug der Investitionen ein Mandat erhält, so werden diese
fortschrittlichen westlichen Kräfte das Land verlassen, und südafrikanische Gesellschafter werden ihre Farmen und Fabriken, Werke und Minen zu
Ausverkaufspreisen übernehmen. Wie könnte dies die Apartheid beenden?
Unsere eigenen Erfahrungen lehren uns, daß Fortschritt in Rassenfragen
am schnellsten und leichtesten nicht in Zeiten des wirtschaftlichen Niedergangs erreicht werden, sondern in Zeiten von Wohlstand und Wachstum.
Unsere eigene Geschichte lehrt uns, daß der Kapitalismus den natürlichen
Feind solch feudaler Institutionen wie der Apartheid darstellt.
Trotzdem teilen wir die Empörung, die sich bei den Amerikanern mit der
Zeit entwickelt hat.
Abend für Abend, Woche für Woche hat uns das Fernsehen über die Gewalttaten südafrikanischer Sicherheitskräfte berichtet, durch die friedliche Demonstranten und unschuldige Passanten verletzt oder getötet wurden. In jüngster Zeit haben wir von Gewalttaten Schwarzer gegen Schwarze
gelesen. Und dann existiert da noch der kalkulierte Terror durch Elemente
des Afrikanischen Nationalkongresses: das Verminen von Straßen, die Bombenanschläge auf öffentlichen Plätzen, die auf die Erzeugung weitere Repressionen abzielen, die Einführung des Kriegsrechts, die als Endeffekt
Bedingungen für einen Rassenkrieg schaffen wird.
Die am häufigsten angewandte Methode des Terrors ist das sogenannte
"Halsband". Bei diesem barbarischen Mittel der Vergeltung wird ein Reifen

�ein Reifen mit Kerosin oder Benzin gefüllt, um den Hals eines angeblichen
"Kollaborateurs" gelegt und angezündet. Das Opfer kann ein schwarzer Polizeibeamter, ein Lehrer, ein Soldat oder ein Staatsbediensteter sein.
Das ist egal. Die grausame Tat dient dazu, die Schwarzen so zu terrorisieren, daß sie alle Art von rassischer Kooperation beenden - und dazu,
Südafrika als Präludium zu einem letzten, sich zuspitzenden Machtkampf zu
polarisieren.
Bei der Verteidigung ihrer Gesellschaftsordnung und ihres Volkes hat
die südafrikanische Regierung ein Recht und die Pflicht zur Aufrechterhaltung der Ordnung gegenüber Terroristen. Durch die von ihr angewandten
Taktiken beschleunigt die Regierung jedoch nur die Fahrt in den Abgrund
des Blutvergießens. Die Gemäßigten sind eingeschlossen zwischen der Einschüchterung durch radikale Jugendliche und Gegengewalt durch die andere
Seite.
Der von der Regierung verhängte Ausnahmezustand geht außerdem weit
über das Maß des Notwendigen hinaus. Und dadurch, daß er zur Verhaftung
Tausender von Studenten, Bürgerrechtsvertretern, Kirchenführern und Gewerkschaftsvertretern führte, verletzte er selbst das Gesetz und trug zu
einer weiteren Radikalisierung bei. Solch repressive Maßnahmen werden
Südafrika weder Frieden noch Stabilität bringen.
Es ist tragisch, daß die meisten Amerikaner nur von den Toten und Verletzten in Südafrika erfahren - vom Terrorismus, der Gewalt und der Repression. Denn hinter den furchtbaren Fernsehbildern gibt es noch eine
andere Wahrheit: Südafrika ist eine komplexe und vielfältige Gesellschaft, die sich in einem Ubergangsstadium befindet. Eine zunehmende Zahl
von Südafrikanern ist zu der Ansicht gelangt, daß der Wandel unverzichtbar
zum überleben ist. Diese Erkenntnis ist hart und spät gekommen; aber
Pretoria hat endlich gemerkt, daß die Apartheid der Vergangenheit angehört.
In den letzten Jahren hat sich ein dramatischer Wandel vollzogen.
Schwarzen Arbeitern wurden gestattet, sich gewerkschaftlich zu organisieren, Tarifverhandlungen durchzuführen und die stärkste freie Gewerkschaftsbewegung in ganz Afrika aufzubauen. Die berüchtigten Paßgesetze
wurden abgeschafft, ebenso wie viele der Gesetze, durch die Schwarze daran
gehindert werden, in südafrikanischen Städten zu leben, zu arbeiten und
Grundbesitz zu erwerben. Die Staatsbürgerschaft, die ihnen fälschlich genommen worden war, wurde fast sechs Millionen Schwarzen zurückgegeben.
Die Rassentrennung in Universitäten und öffentlichen Einrichtungen wird
abgebaut. Die sozialen Apartheidgesetze, durch die geschlechtliche Beziehungen und Ehen zwischen den Rassen verboten wurden, sind beseitigt worden. Und gerade weil Staatspräsident Botha die Aufsicht über diese Reformen führte, wird er von Extremisten als Verräter gebrandmarkt.
Wir müssen uns daran erinnern, so wie der britische Historiker Paul
Johnson uns erinnert, daß Südafrika sowohl ein afrikanisches wie auch ein
westliches Land ist.
Und, wenn wir die Geschichte dieses Kontinents in dem ViertelJahrhundert seit der Unabhängigkeit betrachten, sieht der Historiker Johnson Süd- 4 -

�Johnson Südafrika nicht als Fehlschlag an: "...nur in Sudafrika," so
schreibt er, "sind die Realeinkommen der Schwarzen stark angestiegen... Im
Bergbau haben sich die Reallöhne der Schwarzen im letzten Jahrzehnt verdreifacht... Südafrika ist das... einzige afrikanische Land, das eine
große schwarze Mittelschicht hervorgebracht hat." Und er fügt hinzu: "Es
ist fast sicher, daß es in Südafrika heute mehr schwarze Frauen in akademischen Berufen gibt als im übrigen Afrika zusammen."
Trotz Apartheid wandern Zehntausende schwarzer Afrikaner aus Nachbarstaaten nach Südafrika, um der Armut zu entfliehen und sich der Möglichkeiten einer Wirtschaft zu bedienen, die fast ein Drittel des Einkommens
aller Staaten Afrikas südlich der Sahara produziert.
Es ist tragisch, daß in der gegenwärtige Krise der soziale und wirtschaftliche Fortschritt zum Stillstand gekommen ist. Im zeitgenössischen
Südafrika - vor der Verhängung des Ausnahmezustandes - gab es doch ein
großes Maß an Rede-, Presse- und Religionsfreiheit. Und es ist wirklich
schwer, sich ein einziges Land im sowjetischen Block vorzustellen - oder
viele in den Vereinten Nationen -, wo politische Kritiker die gleiche
Freiheit haben, um zu Wort zu kommen - wie es die offenen Kritiker der
südafrikanischen Regierung getan haben.
Narh westlichen Maßstäben gemessen, genügt Südafrika trotzdem noch
immer nicht den Ansprüchen, und das in hohem Maße, was die Bereiche wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit anbelangt. Südafrikas Handlungen
zur Beendigung der Apartheid dürfen jetzt nicht enden. Der Ausnahmezustand nuß aufgehoben werden. Der politische Prozeß muß geöffnet werden.
Daß die Schwarzen in Südafrika ihre Regierung mitbestimmen sollten, ist
eine Idee, deren Zeit heute gekommen ist. Es kann kein Zurück geben. In
der geiiischtrassigen Gesellschaft, die Südafrika nun einmal ist, kann keine einzelne Rasse die Ausübung der politischen Macht monopolisieren.
Schwarze Kirchen, schwarze Gewerkschaften und insbesondere echte
schwarze Nationalisten müssen in der Zukunft ihres Landes eine legitime
Rolle spielen. Die südafrikanische Regierung ist jedoch keineswegs dazu
verpflichtet, über die Zukunft des Landes mit irgendeiner Organisation zu
verhandeln, deren proklamiertes Ziel in der Schaffung eines kommunistischen Staates besteht - und die zur Erreichung dieses Zieles terroristische Taktiken benutzt.
Verständlicherweise fragen viele Amerikaner: Warum waschen wir nicht
unsere Hände in Unschuld, wenn wir uns die Bedingungen der Gewalt zwischen
den Rassen, den Haß vor Augen führen, und verlassen diesen tragischen Kontinent und dieses blutenden Land?
Die Antwort darauf lautet:

Dies können wir nicht tun.

In Südafrika stoßen unsere nationalen Ideale und unsere strategischen
Interessen aufeinander.
Südafrika ist wichtig, weil wir daran glauben, daß alle Menschen
gleich erschaffen und von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten aus-

�Rechten ausgestattet worden sind. Sudafrika ist wichtig wegen unserer nationalen Identität. Einer von acht Amerikanern kann seine Vorfahren bis
nach Afrika zurückverfolgen.
Strategisch gesehen, ist dies eine der wichtigsten Regionen der Welt.
Um das Kap der Guten Hoffnung herum nimmt das für die Wirtschaft der Industrieländer Westeuropas unerläßliche öl des Persischen Golfs seinen Weg.
Das südliche Afrika und Südafrika sind eine Fundgrube für viele wichtige
Mineralien wie zum Beispiel Vanadium, Mangan, Chrom und Platin, für die
der Westen keine andere sichere Lieferquelle hat.
Die Sowjetunion ist sich sehr wohl dessen bewußt, was auf dem Spiel
steht. Vor zehn Jahren setzte Moskau mit Hilfe einer von Fidel Castro bereitgestellten Armee kubanischer Söldner ein Stellvertreter-Regime in
Angola ein. Heute liefert die Sowjetunion diesem Regime die Waffen, um
die ÜNITA anzugreifen, jene schwarze Befreiungsbewegung, die für alle
Angolaner dasselbe Recht fordert, in ihrer Regierung repräsentiert zu
sein, das auch schwarze Südafrikaner für sich beanspruchen.
Die Apartheid bedroht unsere wichtigen Interessen in Südafrika, weil
sie die Nachbarstaaten in den Strudel der Gewalt hineinzieht. In den vergangenen achtzehn Monaten sind südafrikanische Truppen wiederholt in Nachbarstaaten eingedrungen. Ich wiederhole, daß wir solch ein Verhalten verurteilen. Darüber hinaus haben sich die von den Sowjets ausgerüsteten
Guerillas des Afrikanischen Nationalkongresses - die sowohl innerhalb Südafrikas als auch von den Nachbarländern aus operieren - wiederum mit terroristischen Aktivitäten in Südafrika begonnen. Ich verurteile auch dieses Verhalten.
Aber Südafrika kann die Schuld an diesen Problemen nicht auf die Nachbarstaaten schieben - besonders wenn solche Nachbarn Schritte unternehmen,
um die Aufnahme von Guerilla-Aktivitäten von ihrem Territorium aus zu unterbinden.
Wenn diese zunehmende Feindschaft im südlichen Afrika zwischen .
Pretoria und seinen Anrainer-Staaten offen zum Ausbruch kommt, wird die
Sowjetunion dabei der Hauptnutznießer sein. Dabei ständen die wichtige
Meerenge bei Südafrika sowie auch die strategisch wichtigen Mineralien der
Region auf dem Spiel.
Es wäre daher ein historischer Akt der Torheit seitens der Vereinigten
Staaten und des Westens, aus Gründen der Angst, Frustration und des Xrgers
Südafrika abzuschreiben.
Letztendlich wird aber das Schicksal Südafrikas dort entschieden und
nicht hier. Wir Amerikaner sind zur Hilfe bereit. Aber ob Südafrika frei
und demokratisch wird oder einen Abwärtskurs in eine Spirale der Armut und
Unterdrückung nimmt, wird das Land selbst zu entscheiden haben und nicht
wir.
Der Schlüssel für die Zukunft liegt bei der südafrikanischen Regierung. So wie ich die westlichen Nationen dazu dränge, die Kommunikation

�die Kommunikation und ihr Engagement in Südafrika aufrechtzuerhalten, so
dränge ich auch Herrn Botha, sich nicht in die Isolation zurückzuziehen
und den Kontakt zum Westen nicht abreißen zu lassen. Amerikaner und Südafrikaner waren noch nie Feinde - und wir verstehen die Befürchtungen, die
Angst und die Sorge all seiner Bewohner. Aber ein Ende der Apartheid bedeutet nicht notwendigerweise ein Ende der sozialen, wirtschaftlichen und
physischen Sicherheit der weißen Bevölkerung in diesem Land, das sie lieben und für dessen Aufbau sie so viel geopfert haben.
Zu der schwarzen, "farbigen" und asiatischen Bevölkerung Südafrikas,
die so lange als zweit- und drittklassig angesehen wurde, kann ich nur sagen: in Ihrer Hoffnung auf Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Selbstbestimmung haben Sie in den Vereinigten Staten einen Freund und Verbündeten.
Erhalten Sie sich ihre Hoffnungen auf Frieden und Aussöhnung; wir werden
unseren Beitrag dazu leisten, um diesen Weg offen zu halten.
Wir wissen, daß hinter der Wut und dem Groll in den Townships die Erinnerung an die, Generationen von Südafrikanern widerfahrenen, Ungerechtigkeiten steht. Wem Unrecht widerfuhr, so sagt der Dichter, dem wird es
oft mit Gleichem vergolten.
Aber wenn die Bevölkerung Südafrikas eine Zukunft in einem freien Land
haben soll, in dem die Rechte aller respektiert werden, muß von Vergeltung
abgesehen werden. Andernfalls wird die Zukunft in einem blutigen Kampf um
die Vergangenheit untergehen.
Es wäre überheblich, darauf bestehen zu wollen, daß einzig amerikanische Ideen und Institutionen, die in unserer Geschichte und unseren Traditionen verwurzelt sind, in südafrikanische Erde verpflanzt werden sollen.
Lösungen für Südafrikas politische Krise müssen von Südafrika selbst kommen. Schwarze und Weiße, "Farbige" und Asiaten haben alle jeweils ihre
eigenen Traditionen. Aber lassen Sie mich ihnen darstellen, wie unserer
Ansicht nach die notwendigen Bestandteile des Fortschritts hin zu einem
politischen Frieden aussehen könnten.
Erstens sollte ein Zeitplan für die Abschaffung der Apartheidgesetze
festgelegt werden.
Zweitens sollten alle politischen Gefangenen freigelassen werden.
Drittens muß Nelson Mandela freigelassen werden, um den politischen
Fortschritt seines Landes mitgestalten zu können.
Viertens sollten das Verbot politischer Bewegungen der Schwarzen aufgehoben werden.
Fünftens sollten sowohl die Regierung als auch ihre Gegner einen Dialog über den Aufbau eines politischen Systems einleiten, das auf der Zustimmung der Regierten aufbaut und in dem die Rechte der Mehrheiten, Minderheiten und Individuen gesetzlich geschützt sind. Und der Dialog sollte
von denen begonnen werden, die Macht und Authorität besitzen, nämlich der
südafrikanischen Regierung selbst.
Sechstens sollte

�Sechstens sollte Südafrikas starke und entwickelte Wirtschaft nicht
gelähmt werden, wenn das Südafrika nach der Apartheid das wirtschaftliche
Zugpferd des südlichen Afrika bleiben soll. Deshalb fordere ich den Kongreß auf - und auch die Länder Westeuropas - diesem gefühlsmäßigen Ruf
nach strafenden Sanktionen zu widerstehen.
Wenn der Kongreß Sanktionen verhängt, würde er damit Amerikas Flexibilität zerstören, unseren diplomatischen Einfluß zunichte machen und die
Krise vertiefen. Um etwas zu ändern, müssen Amerikaner, die sich um Anständigkeit und Fortschritt in der Welt bemühen, weiterhin engagiert bleiben.
Wir müssen bleiben und arbeiten, nicht abbrechen und davonrennen.
Es sollte unsere Politik sein, in Südafrika aufzubauen, nicht einzureißen. Nur zu oft haben wir Amerikaner in der Vergangenheit tadelnswerten Regimen - aus Wut, Frustration und Ungeduld heraus - den Rücken zugekehrt, nur um dann das Unglück zu sehen, das auf dem Fuße folgte.
Diejenigen, die uns heute sagen, daß es moralisch sei, die südafrikanische Wirtschaft mit einem Embargo zu belegen und Südafrika abzuschreiben, sollten uns einmal genau sagen, was ihrer Ansicht nach an deren Stelle entstehen wird. Welche ausländische Macht wird den leeren Platz füllen, wenn die Bande zum Westen zerissen sind?
Um jedoch wirkungsvoll zu sein, muß unsere Politik mit den westlichen
Verbündeten und den Anrainerstaaten im südlichen Afrika koordiniert werden. Diese Länder haben die größten Befürchtungen um, aber auch möglichen
Einfluß auf die Situation in Südafrika. Ich beabsichtige, die folgenden
Schritte zu unternehmen:
Außenminister Shultz hat bereits mit unseren westlichen Verbündeten,
deren Verwurzelung und Präsenz in Südafrika bedeutender sind als unsere,
intensive Konsultationen darüber aufgenommen, wie die Verhandlungen dort
zu ermutigen seien. Wir wollen, daß der Fortschritt jetzt beginnt, und
wir wollen allen beteiligten Parteien die Kanäle öffnen. Die Schlüsselnationen des Westens müssen gemeinsam handeln, denn nur zusammen können
wir eine Veränderung herbeiführen.
Wir unterstützen die augenblicklichen Bemühungen der britischen Regierung voll und ganz, durch die Hoffnungen auf Verhandlungen neu beleben
werden sollen. Außenminister Howes Besuche bei südafrikanischen Staatsmännern in dieser Woche werden hierbei eine bedeutende Rolle spielen.
Zweitens fordere ich die Staatsmänner der Region dazu auf, mit uns gemeinsam nach einer Zukunft des südlichen Afrika zu streben, in der die
Länder in Frieden und Zusammenarbeit miteinander leben.
Südafrika ist das Land Afrikas, in dem die industrielle Revolution zuerst in Fuß faßte, seine Wirtschaft ist eine mächtige Maschinerie, die das
südliche Afrika in eine Zukunft des Wohlstandes ziehen könnte. Die anderen Länder des südlichen Afrika sind, von Kinshasa bis zum Kap, alle reich
an natürlichen Bodenschätzen und Arbeitskräften.
Drittens habe ich

�Drittens habe ich Außenminister Shultz und den AID-Vertreter McPherson
angewiesen, eine Studie über die amerikanische Hilfe im südlichen Afrika
zu erstellen und herauszufinden, was getan werden muß, auch um den Handel
und private Investitionen anzukurbeln und Transportmöglichkeiten für die
im Landesinnern blockierten Länder des südlichen Afrika zu schaffen. In
den vergangenen fünf Jahren haben wir den Nachbarn Südafrikas fast eine
Milliarde Dollar an Unterstützung gewährt. In diesem Jahr hoffen wir, den
schwarzen Südafrikanern zusätzlich 45 Millionen Dollar zur Verfügung stellen zu können.
Wir sind entschlossen, weiterhin diplomatisch und wirtschaftlich in
allen Staaten des südlichen Afrika engagiert zu bleiben, die nach konstruktiven Beziehungen mit den Vereinigten Staaten streben.
Diese Administration ist nicht nur gegen ausgedehnte Wirtschaftssanktionen und gegen Apartheid: wir sind für ein neues Südafrika, ein neues
Land, in dem alles, was über Generationen hinweg aufgebaut worden ist,
nicht zerstört wird, für eine neue Gesellschaft, in der die Teilnahme am
sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben allen Bevölkerungsgruppen offensteht - ein neues Südafrika, das heimkehrt zur Familie
freier Nationen, der es entstammt.
Um das zu erreichen, benötigen wir keinen Rückzug des Westen, sondern
ein stärkeres Engagement der westlichen Wirtschaftskreise als Mittler des
Wandels, Fortschritts und des Wachstums. Die internationalen Wirtschaftskreise müssen in Südafrika nicht nur unterstützt werden, sondern Auftrieb
bekommen. Wir werden an dieser Aufgabe arbeiten. Wenn wir den Prozeß der
Umwandlung fördern wollen, bietet sich als eines der besten Mittel für den
Wandel eine Beteiligung schwarzer Südafrikaner in der Wirtschaft, am Arbeitsplatz und in den Gewerkschaften an.
Aber die Vision eines besseren Lebens kann nicht verwirklicht werden
solange die Apartheid besteht und die Instabilität in Südafrika regiert.
Wenn die Bevölkerung des südlichen Afrika zu Wohlstand gelangen soll,
müssen die Staatsmänner und Völker der Region - solche aller Rassen - ihre
gemeinsamen Interessen über ihre ethnischen Unterschiede stellen.
Weder wir noch unsere Verbündeten können der Regierung eines souveränen Landes Vorschriften machen. Das sollten wir auch nicht versuchen.
Aber wir können unsere Hilfe anbieten, wenn es darum geht, eine Lösung zu
finden, die für alle Menschen in Südafrika gerecht ist. Wir können freiwillig Beistand leisten und dabei helfen, den Dialog zwischen Führern der
verschiedenen Gruppierungen, die die Bevölkerung Südafrikas ausmachen,
einzuleiten. Wir können raten und beraten und es allen klar machen, daß
wir dort als Freunde aller Menschen in Südafrika sind.
Das Fenster zu diesem gequälten Land bleibt offen für einen friedlichen Wandel, wir wissen jedoch nicht, wie lange diese noch Bestand hat.
Aber wir im Westen, so privilegiert, wohlhabend und frei, wie wir sind,
- 9 -

�wie wir sind, sollten es nicht zuschlagen. Jetzt ist die Zeit der Heilung
gekommen. Die Menschen in Südafrika, und zwar alle Rassen, verdienen die
Chance, eine bessere Zukunft aufzubauen. Und wir sollten diese Chance
nicht zerstören.

* * * * * *

- 10 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. Juli 1986

24

SHULTZ:

KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS GEWINNBAR

- Rede des Außenministers beim USIA-Antiterrorismus-Seminar -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen eines vom US-Informationsamt (USIA)
veranstalteten Presseseminars zur Bekämpfung des staatlich unterstützten
Terrorismus verwies der amerikanische Außenminister George P. Shultz in
seinem Beitrag am 9. Juli 1986 in Washington darauf, daß die Vereinigten
Staaten wie auch die Regierungen anderer Länder über eine Strategie verfügen, "mit der der Krieg gegen den Terrorismus gewonnen werden kann."
Der Beitrag von Außenminister Shultz hat, um wenige einleitende Sätze
gekürzt, den folgenden Wortlaut:
Der erste Punkt, auf den ich hinweisen möchte, ist der, daß wir und
andere Regierungen über eine Strategie verfügen, mit der der Krieg gegen
den Terrorismus gewonnen werden kann. Wir - wir alle - müssen ihn als
Mitglieder zivilisierter, organisierter, freier Gesellschaften gewinnen und wir können ihn gewinnen.
Vom Standpunkt der Vereinigten Staaten aus gesehen besteht unsere
Strategie zu allererst darin, sicher zu sein, daß die Menschen sich ganz
deutlich der Natur, der Bedeutung und der Tragweite des Problems bewußt
sind - und ich glaube, dies ist auch für andere Staaten und für uns als
Staatengemeinschaft eine sehr gute Strategie. Ich glaube, es ist fast

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�es ist fast eine Binsenweisheit, daß man ein Problem erst dann lösen
kann, wenn die Leute erkannt haben, daß eines vorhanden ist und wenn sie
dessen Inhalt und Bedeutung erfaßt haben. Dies ist der erste Punkt.
Punkt zwei ist, daß wir sehr gute nachrichtendienstliche Erkenntnisse
darüber benötigen, um in allen Einzelheiten über die entsprechenden Vorgänge Bescheid zu wissen und so etwas dagegen tun zu können. Dies ist
zum Beispiel bei unserer eigenen Regierung der Fall, wo wir nicht nur im
nachrichtendienstlichen Bereich über große Kapazitäten verfügen, sondern
wo auch ganz allgemein ein immer stärkeres Bewußtsein hinsichtlich dessen
entsteht, was vor sich geht. Durch diese immer detailliertere Kenntnis
des Panoramas konnten wir im Verlauf der letzten 12 bis 18 Monate über
200 terroristische Anschläge verhindern, die sich gegen uns gerichtet
hatten, aber auf diese Weise nicht verwirklicht werden konnten. Aber die
nachrichtendienstliche Kapazität anderer Länder nimmt ebenso zu wie unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit auf diesem Gebiet. Und jene Terrororganisationen und Staaten, die den Terrorismus unterstützen, sollten sich
der Tatsache bewußt sein, daß wir wesentlich mehr über ihre Absichten
wissen, als sie für möglich halten - und das ist gut so. Aber wir brauchen noch mehr nachrichtendienstliche Erkenntnisse und die Fähigkeit,
dementsprechend zu reagieren.
Manches kommt nur von schlichter Achtsamkeit. So machten wir rein
durch die Achtsamkeit der örtlichen Polizei, der Presse und unseres Botschaftspersonals den Versuch zunichte, einen Teil unserer Botschaft in
Mexiko-City mittels einer raffinierten Autobombe in die Luft zu sprengen: wir erhielten einen Hinweis, verfolgten ihn, fanden heraus, daß dem
wirklich so war und kamen allem zuvor. Neben nachrichtendienstlichen Erkenntnissen also die reine Achtsamkeit.
Dies also ist das zweite Element der Strategie und auch hier machen
wir Fortschritte. Es gab in diesem Zusammenhang auch eine Vielzahl von
Kontakten mit entsprechenden Stellen anderer Staaten. Botschafter
Oakley, gleichfalls hier im Programm, wird Ihnen mehr darüber sagen.
Der dritte Schritt, der zu tun ist, betrifft die Vorsorglichkeit, mit
der wir uns selbst benehmen, um defensive Vorkehrungen im Sicherheitsbereich zu treffen. Wir tun dies schon seit langem an Flugplätzen, auch
wenn hier noch mehr zu tun ist. Ich erinnere mich daran, weil ich damals
in den frühen siebziger Jahren, als Flugzeugentführungen zu einem ernsten
Problem wurden, Finanzminister war und, wie immer, darum kämpfte, den
Haushalt so niedrig wie möglich zu halten. Da gab es plötzlich etwas,
was uns zwang, eine Menge Geld auszugeben, und ich schaute mir die Sache
genau an. Aber damals fing es mit diesen Vorrichtugnen an, durch die man
geht, bevor man ein Flugzeug besteigt.
Neben der zusätzlichen Geldausgabe verschaffte es, wie ich weiß, den
Leuten auch noch das Gefühl des Unbehagens. Sie mußten sich in einer
Reihe aufstellen, um durch die Kontrolle zu gehen, und es gab darüber zunächst auch Beschwerden. Mittlerweile hat sich das geändert; jetzt ist
es so, daß man nervös wird, wenn man zu einem Flugplatz kommt und niemand
macht sich diese Mühe der Aufmerksamkeit.
Auch hinsichtlich
- 2-

�Auch hinsichtlich unserer Botschaften verbessern wir die getroffenen
Sicherheitsvorkehrungen - nicht um unsere Arbeitsweise zu verändern, sondern im Gegenteil, um es möglich zu machen, unsere Arbeit effizient zu
tun. So steuern (USIA-Direktor) Charles Wick und wir Geld für Bibliotheken und Ausstellungen bei, wo Menschen kommen, Bücher ausleihen und über
unser Land etwas erfahren können, und natürlich wollen wir, daß sie das
tun. Und vielleicht war es früher so, daß es umso besser war, je offener
und zugänglicher all das war. Jetzt müssen wir etwas tun, um die Sicherheit dieser Räumlichkeiten zu garantieren, weil sonst niemand kommen würde. Wir erfüllen unsere Mission also dadurch, daß wir sie zu sichereren
Plätzen machen. So also gehen wir diese Dinge an.
Viertens müssen wir bereit sein, etwas auf aktive Weise zu unternehmen, wenn wir von Herausforderungen erfahren, die sich uns durch Terroristen, insbesondere staatlich-unterstützten Terrorismus, stellen. Dies
tun wir auch. In dieser Hinsicht sprechen unsere Taten deutlicher als
unsere Worte, aber die Politik ist klar: Wir werden handeln, wenn wir
überzeugt sind, daß Handeln angemessen ist. Und Terroristen wie auch die
Staaten, die Terroristen unterstützen, sollten wissen, daß die Vereinigten Staaten handeln werden. Deshalb agieren sie auch nicht in einem Umfeld, in dem es für sie keine Kosten gibt, in dem sie alles tun können
und nichts unternommen wird, um auch die Kosten für sie selbst zu erhöhen.
Ich möchte auch darauf verweisen, daß hinsichtlich des rechtlichen
Aspekts zur Behandlung dieses Problems Fortschritte erzielt worden sind,
obgleich es hier deutliche Grenzen gibt. Aber in unserem Land und auch
in anderen Ländern gilt eindeutig, daß der terroristische Mord an einem
amerikanischen Bürger oder dem Bürger eines anderen Landes in einem
Drittland in unsrem Staat ein Verbrechen sein kann. Deshalb bemühen wir
uns um Auslieferung und machen auch bei Auslieferungsfällen Fortschritte.
Es gibt also eine eindeutige Strategie, und dies wurde auch in gewissem Sinn auf sehr gute Weise in der Terrorismuserklärung des Gipfels von
Tokio deutlich.
Jetzt würde ich gern noch einige Bemerkungen zu einer Reihe von Dingen machen, die oft über den Terrorismus gesagt werden, die meiner Meinung nach aber einer gewissen Klärung bedürfen.
Erstens haben manche Leute bisweilen den Eindruck, dies sei irgendwie
ein amerikanisches oder ein israelisches Problem. Ein Blick auf die Statistik zeigt, wie falsch dies ist. Im Jahr 1985 gab es 800 internationale Terroranschläge - der Definition zufolge ein Anschlag, der in einem
bestimmten Land stattfindet, wobei jemand aus einem anderen Land in irgendeiner Weise verwickelt ist. Diese Anschläge richteten sich gegen
Menschen oder Objekte in 90 Ländern. Von den 877 Männern, Frauen und
Kindern, die im vergangenen Jahr dabei umkamen, waren 28 Amerikaner, 28
Israelis. Man sieht also: auch wenn wir Ziel dieses Problems sind, so
sind doch meistens andere das Ziel, und nur selten passiert derlei in den
Vereinigten Staaten. Es passiert meistens in anderen Ländern. Es ist
- 3-

�Es ist also ein internationales Problem.

Es geht uns alle an.

Ich sollte auch darauf hinweisen, daß viele der Opfer Araber sind.
Terroristen aus Libyen und anderen Staaten des Nahen Ostens mögen die gemäßigten arabischen Regierungen nicht und streben deshalb danach, sie
einzuschüchtern oder zu untergraben. So haben Tunesien, Xgypten,
Jordanien und Kuweit die Auswirkungen des Terrorismus zu spüren bekommen.
Gerade jetzt sehen wir es besonders in Kuweit und sehen es bei denjenigen, die im Gefängnis sitzen. Ich möchte also herausstellen, daß sich
diese Aktivitäten nicht primär gegen Amerika oder Israel richten, obwohl
unsre beiden Länder sie durchaus zu spüren bekommen, sondern im allgemeinen breiter gestreut sind.
Eil zweiter Punkt, der oft genannt wird, ist das terroristische Engagement für eine vermeintlich gerechtfertigte, edle Sache, und daß wir,
wenn wir etwas dagegen unternehmen wollen, diese Sache an der Wurzel angehen müssen. Mir scheint, daß das eine fehlgeleitete und irreführende
Argumentation ist.
Bei der Verteidigung der Entführer der Achille Lauro wurden diese zum
Beispiel von ihren Verteidigern als "Freiheitskämpfer" bezeichnet. Das
ist Unsinn, weil sie durch ihre brutale Behandlung der Passagiere des
Schiffes und den Mord an einem unschuldigen, behinderten Mann nicht der
Freiheit Vorschub geleistet haben. Was sie ihren eigenen Schilderungen
nach wollten, war die Befreiung ihrer Genossen, die aufgrund früher verübter Terroranschläge im Gefängnis saßen, einer von ihnen für vorsätzlichen Mord an einem vierjährigen Mädchen. Wo ist hier also die edle Absicht «3er Freiheitskämpfer zu erkennen ?
Es ist besonders für all jene von uns, die hart für den Frieden im
Mittleren Osten arbeiten, ein Skandal, wenn manche Leute in diesem Zusammenhang von der "Sache Palästinas" sprechen. Stellen Sie sich einmal
selbst die Frage, auf welcher Seite die Terroristen stehen. Nehmen Sie
Al-Masri als Beispiel, ein integrer, mit dem amtierenden Außenminister
Jordaniens verwandter Mann, der sich im Interesse des Friedens und der
Sache Palästinas, die er als Palästinenser verteidigte, der Verantwortung
stellte und das Amt des Bürgermeisters von Nablus übernahm. Er wurde von
Terroristen getötet. Inwiefern dient das der Sache des Friedens? Was
wollen diese Menschen anderes als Zerstörung und Chaos?
Wenn Sie sich dagegen europäische Terroristen der verschiedenen Lager
anschauen, so scheint deren Hauptinteresse darin zu bestehen, Störungen
hervorrufen, die die Regierungen ihrer allesamt demokratischen Nationen
in dem Lichte erscheinen lassen, unfähig zu sein. Es ist ihnen nicht gelungen. Wenn Sie sich die Terroristen Mittel- und Lateinamerikas, wie
die M-19 oder M-14, anschauen, denen in Nicaragua Unterschlupf, Ausbildung und Ausrüstung gewährt wird: was sind deren Ziele? Was wollten die
M-19 im Justizpalast von Bogota in Kolumbien? Sie verfolgten Richter,
die Urteile zur Ausweisung von Personen aussprechen wollten, die wegen
Drogenschmuggels verfolgt wurden. Hier dient also Terrorismus der Unterstützung des Drogenschmuggels und damit haben Sie das zugrundeliegende
Übel.
Lassen Sie mich
- 4-

�Lassen Sie mich hier die Gelegenheit ergreifen, einige Punkte zum
Thema Terrorismus und Presse zu sagen. Was erwartet der einzelne Bürger
von einer freien Presse? Zunächst einmal, daß der Terrorismus seinem
Stellenwert entsprechend in der Presse abgedeckt werden sollte, daß über
ihn vollständig und objektiv, das heißt akkurat berichtet werden muß.
Journalisten spielen hierbei natürlich eine wichtige Rolle. Diese
Pflicht kommt der Presse zu. Und aus diesem Grunde ist auch eine freie
Presse wichtig.
Das Problem für die Presse besteht beim Terrorismus darin, daß Menschen sich von den Ideen der Terroristen faszinieren lassen und viel dafür zu tun bereit sind, um Interviews zu erhalten. Dabei gilt es jedoch,
vorsichtig zu sein, und nicht etwa den Terrorismus dadurch zu ermutigen,
daß man selbst zum Sprachrohr seiner Ideen wird.
Darüber hinaus müssen wir uns davor hüten, die Gegenmaßnahmen der Regierungen zum Terrorismus dadurch unwirksam zu machen, daß wir zuviele
Einzelheiten über deren Aktionen verbreiten. Sie können dem natürlich
entgegenhalten, daß es ganz allein an uns liegt, die Sache geheimzuhalten, auch wenn es schwierig ist, besonders wenn wichtige Belange auf dem
Spiel stehen. Es ist aber sehr schwierig, Maßnahmen zu ergreifen, wenn
man, wie etwa bei militärischen Operationen, unter Ausschluß der öffentlichtkeit vorgehen will und die Berichterstattung dem vorauseilt. Die
Terroristen werden so in die Lage versetzt, entsprechende Maßnahmen zu
ergreifen, um staatliche Aktionen unmöglich zu machen.
Das sind also die Probleme, denen Sie sich als Journalisten gegenübersehen und mit denen Sie fertigwerden müssen. Ihre Kenntnis vieler
Dinge bedeutet, daß Sie besonderen Verpflichtungen nachkommen müssen und
Ihnen eine besondere Verantwortung zukommt, wenn es darum geht, den Krieg
gegen den Terrorismus zu gewinnen, den wir alle als Mitglieder unserer
Gesellschaften gewinnen wollen.
Ich denke, daß dieses Thema für die Presse eine besondere Verantwortung bedeutet und im allgemeinen glaube ich, daß die Presse ihre Sache
sehr gut macht, ihrem Publikum von allen Ereignissen im Zusammenhang mit
Terroristen ausführlich zu berichten. Indem man diese Personen für sich
selbst sprechen läßt, kann sich die Leserschaft selbst ein Bild von ihnen
machen. Aber das allein reicht nicht aus, man muß auch das ans Tageslicht bringen, was sie selbst nicht sagen - zum Beispiel im Falle der
Achille Lauro, daß ein zu befreiender Terrorist der Mörder eines vierjährigen Kindes ist. Mit dieser Art von Menschen haben wir es hier zu
tun: das gilt es zu begreifen.
Ich habe dieses Thema so ausführlich behandelt, weil es mir persönlich am Herzen liegt. Es betrifft Diplomaten, es betrifft alle Amerikaner. Und es richtet sich gegen unser Gesellschaftssystem, gegen unsere
Demokratie und unsere Zivilisation. Es ist daher etwas, das wir und auch
der Präsident sehr ernst nehmen. Wir nehmen auch unsere Pflicht und unsere Verantwortung in der Regierung der Vereinigten Staaten sehr ernst,
um jeden möglichen Beitrag zu leisten, der notwendig ist, um den Krieg
gegen den Terrorismus zu gewinnen. Und wir werden es schaffen.
* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
r

Hintergrundmaterial

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23. Juli 1986

24

DIE NAGELPROBE VON STOCKHOLM
- Von Botschafter Robert L. Barry -

Botschafter Barry ist Leiter der
amerikanischen Delegation bei der
Konferenz über vertrauensbildende
Maßnahmen und Abrüstung in Europa
(KVAE).

STOCKHOLM - (AD) - Seit nunmehr fast drei Jahren haben Ost und West
in Stockholm verhandelt, um praktische Wege zu finden, auf denen die Offenheit und Voraussehbarkeit militärischer Handlungen in Europa vergrößert, das Risiko eines konventionellen Krieges in Europa herabgesetzt sowie der Gebrauch von Gewalt zur politischen Einschüchterung verhindert
werden können. Die Konferenz über vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE), an der 35 Staaten teilnehmen, wird am 19. September vertagt; und doch ist es bei weitem nicht sicher, ob sie überhaupt
zu irgendwelchen Resultaten gelangen wird. Im Hinblick auf die sowjetischen Absichten - und zwar nicht nur bei der KVAE, sondern auch in noch
ehrgeizigeren und anspruchsvolleren Abrüstungsforen - werden die Schlußwochen in Stockholm sehr aussagekräftig sein. Da die KVAE ein integraler
Bestandteil des KSZE-Prozesses ist, der auch solch wichtige Problemkreise
wie die Menschenrechte einschließt, könnte das Resultat von Stockholm

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Embassy of the United States of America

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�von Stockholm außerdem richtungsweisend für das Ost-West-Verhältnis über
das begrenzte militärisch-sicherheitspolitische Gebiet hinaus sein.
Hinsichtlich der europäischen Sicherheitsproblematik verfolgen Ost
und West bei der KVAE zwei sehr verschiedene Ansätze. Die NATO-Staaten sowie die neutralen und nichpaktgebundenen Staaten - haben Verhandlungen
über detaillierte vertrauensbildende Maßnahmen wie etwa die Vorankündigung, Notifizierung und Beobachtung militärischer Übungen angestrebt, die
dazu angetan sind, die Berechenbarkeit und Stabilität in europäischen
Militärangelegenheiten zu erhöhen. Dies ist der eigentliche Zweck der
KVAE, wie er in ihrem Mandat festgelegt wurde. Der Warschauer Pakt hat
sich anfänglich gegen diesen praktischen Ansatz gesträubt und statt dessen allgemeinen politischen Erklärungen den Vorzug gegeben, wie etwa einem Versprechen des Gewaltverzichts. Er betrachtete konkrete Maßnahmen
und das ihnen zugrundeliegende Prinzip größerer Offenheit bei militärischen Angelegenheiten mit Mißtrauen und behauptete, solche Offenheit
diene lediglich der Enthüllung seiner militärischen Geheimnisse. Da es
ihm jedoch nicht gelang, die Unterstützung anderer Teilnehmerstaaten für
seinen Ansatz zu gewinnen, ist der Osten nach und nach von den meisten
seiner deklaratorischen Maßnahmen doch abgerückt und hat damit begonnen,
sich konkreten Maßnahmen wie den von der NATO und den neutralen Staaten
favorisierten zuzuwenden.
Die Frage ist nun, ob der Osten sich Maßnahmen zu eigen machen und
durchführen wird, die von realer militärischer Bedeutung sind.
Ein Hauptproblem dabei ist die Verifizierung. Gleichgültig wie substantiell sie in anderer Hinsicht sein könnte, würde jede in Stockholm
erreichte Obereinkunft ernsthaft unterlaufen werden, wenn nicht jeder
daran beteiligte Staat sichergehen könnte, daß auch alle anderen die
Übereinkunft einhalten. Das einzige Instrument, das allen KVAE-Teilnehmern dafür zur Verfügung steht, ist die Untersuchung einer verdächtigen
Aktivität vor Ort durch Spezialisten desjenigen Staats, der diese Zweifel
hegt. Der Osten sollte ebenfalls in der Lage sein, solche Inspektionen
zuzulassen. Die Sowjetunion hat öffentlich das Prinzip der Inspektion
zum Zwecke der Verifizierung bei Abrüstungsgesprächen akzeptiert, einschließlich der Genfer bilateralen Nuklear- und Weltraumgespräche und der
multilateralen Gespräche über chemische Waffen sowie der Wiener MBFR-Gespräche über konventionelle Truppen. Inspektionen im Rahmen der KVAE wo wir Besuche in Operationsgebieten und nicht in geheimhaltungsbedürftigen Anlagen, wie z.B. den Garnisonen selbst oder nuklearen Stellungen,
vorschlagen - wären weit weniger aufdringlich und anspruchsvoll. Aus
diesem Grund bietet Stockholm den Sowjets einen relativ schmerzlosen Weg,
um damit zu beginnen, ihre ausdrückliche Zustimmung zur Verifizierung
durch Inspektionen in die konkrete Sprache militärischer Angelegenheiten
zu übersetzen.
Die Frage der Ernsthafigkeit des Ostens im Himblick auf die Verifizierung ist deshalb besonders aktuell, weil die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer Pakt in der Öffentlichkeit einen Schwall neuer Abrüstungsvorschläge vorbringen - darunter einen Vorschlag für neue Verhandlungen auf breitester Basis -, die sich auf alle konventionellen

�alle konventionellen Kräfte in ganz Europa, vom Atlantik bis zum Ural,
erstrecken sollen. Trotz dieser Eröffnung überwältigender neuer Aussichten versäumen die Sowjets und ihre Verbündeten es jedoch, die bestehenden
bescheideneren, aber realistischeren Foren - KVAE und MBFR - zu nutzen,
um die politische Atmosphäre zu schaffen, die notwendig ist, bevor man
irgend einen allgemeineren und radikaleren Plan zum Abbau der konventionellen Rüstung glaubwürdig in Erwägung ziehen kann.
In Stockholm haben die Sowjets eine Chance, zu demonstrieren, daß sie
das, was sie über ihren Wunsch nach wirksamer Rüstungskontrolle und ihre
Bereitschaft zur Annahme der dafür notwendigen Verifizierung sagen, auch
wirklich meinen. Solchermaßen übertrifft der Sinn der KVAE ihre Bedeutung als Einzelverhandlung, so wichtig diese auch sein mag. Während der
Westen die Eröffnung ehrgeiziger neuer Projekte bei der konventionellen
Rüstungskontrolle in Erwägung zieht, muß die Bereitschaft des Ostens zur
Förderung einer Übereinkunft bei den Stockholmer Verhandlungen einen
Hauptgesichtspunkt darstellen.

* * * * *

- 3-

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

24

23. Juli 1986

DIE NASA HANDELT
- Bericht an Präsident Reagan über Maßnahmen nach dem
CHALLENGER-Unglück -

WASHINGTON - (AD) - In dem 49 Seiten umfassenden Bericht, den Dr.
James Fletcher, Chef der US-Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt (NASA),
Präsident Ronald Reagan am 14. Juli 1986 vorlegte, wird als frühestmöglicher nächster Starttermin eines Raumtransporters das erste Quartal 1988
genannt. Der ursprünglich vorgesehene Termin (Juli 1987) nach der
CHALLENGER-Katastrophe vom 28. Januar 1986, die das Leben aller sieben
Astronauten forderte, wird damit erheblich überschritten. Dr. Fletcher
begründete dies mit Sicherheitserwägungen. Denn "wenn wir wieder zu fliegen beginnen", sagte er, "wollen wir die Gewähr, daß alles wirklich sicher
ist". Sicherheit hat die höchste Priorität.
Das NASA-Papier gibt Aufschluß darüber, wie die Raumfahrtbehörde die
Empfehlungen der Rogers-Kommission, die ihre Untersuchungen des Unglücksfalls mit dem am 9. Juni dem Präsidenten übergebenen Bericht abschloß, in
die Praxis umzusetzen gedenkt. Eine Arbeitsgruppe von Ingenieuren sei gegenwärtig dabei, verschiedene Alternativlösungen für das Abdichten der
Segmentverbindungen an den Feststoff-Zusatzraketen der Trägerkombination
für den Raumtransporter zu untersuchen und zu erproben. Außerdem arbeite
man an einer völlig neuen Konzeption für den Fall, daß die Tests mit den
veränderten Konstruktionsteilen unbefriedigend verliefen. "Unser Bericht
ist keineswegs nur eine Reaktion auf die Arbeit der Rogers-Kommission",
erklärte Dr. Fletcher. "Er ist vielmehr ein Wegweiser zur Wiederaufnahme

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�zur Wiederaufnahme der Flüge. Wir wollen nicht einfach nur die Fehler
ausmerzen, die die Rogers-Kommission beanstandete, sondern die Dinge von
Grund auf in Ordnung bringen." Die Zusammenfassung des NASA-Berichts hat
folgenden Wortlaut:
Am 13. Juni 1986 wies der Präsident die NASA an, die Empfehlungen der
Prasidialkommission zur Untersuchung des Unglücks mit dem Raumtransporter
CHALLENGER in dia Praxis umzusetzen. Der Präsident forderte von der NASA
innerhalb von 30 Tagen einen Bericht darüber, wie und wann die Empfehlungen zu realisieren seien und woran der Fortschritt auf dem Wege dahin gemessen werden könne.
In den Monaten seit dem CHALLENGER-Unglück widmete das NASA-Team viele
Stunden der Unterstützung der Präsidial-Kommission zur Untersuchung des
Raumtransporter-Unfalls mit der CHALLENGER und der Ausarbeitung von Plänen, die dem Raumtransporter wieder einen sicheren Flugstatus geben. Der
Kommissionsvorsitzende William P. Rogers und die anderen Mitglieder des
Ausschusses haben der Nation und der NASA einen außerordentlichen Dienst
erwiesen. Die Arbeit der Kommission war ungemein gründlich und umfassend.
Die NASA geht mit den Empfehlungen der Kommission einig und verfolgt energisch die geforderten Aktionen, um sie in die Praxis umzusetzen und ihnen
nachzukommen.
Als Folge der Anstrengungen zur Unterstützung der Kommission sind viele Aktionen, die für eine sichere Rückführung des Raumtransporters in den
Status der Flugfähigkeit notwendig sind, seit März in Gang gebracht worden. Am 24. März 1986 umriß der Direktor für Raumflug eine umfassende
Strategie und definierte wichtige Maßnahmen für eine sichere Wiederherstellung der Flugfähigkeit. Das Memorandum vom 24. März gab Orientierungshilfen zu folgenden Punkten:
- erforderliche Maßnahmen vor dem nächsten Flug;
- erster Flug und Operationen im ersten Jahr;
- Ausarbeitung eines einhaltbaren Terminplanes für die sichere Flugfolge.
Der Kommissionsbericht wurde dem Präsidenten am 9. Juni 1986 unterbreitet. Seitdem ergriff die NASA zusätzliche Maßnahmen und gab entsprechende V/eisungen, um den Empfehlungen der Kommission zu folgen.
Der Administrator der NASA und der NASA-Direktor für Raumflug werden
an den Entscheidungen des Managements, die für die Realisierung der von
der Kommission gegebenen Empfehlungen zur Rückführung des Raumtransporters
zum Flugstatus erforderlich sind, beteiligt sein. Die NASA wird dem Präsidenten im Juni 1987 über den Stand des Ausführungsprogramms Bericht erstatten.
Der Kommissionsbericht enthielt neun Empfehlungen, über den Stand der
Durchführung in jedem Einzelpunkt wird eine Übersicht gegeben:
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�Empfehlung II
Raumtransporter-Management: Der NASA-Administrator berief General
Sam Phillips, den ehemaligen Direktor des APOLLO-Programms, als Leiter für
die Untersuchung aller nur erdenklichen Aspekte des Managements für die
NASA-Programme. Darunter fallen auch die Beziehungen zwischen den verschiedenen NASA-Zentren im Land und der NASA-Zentrale. General Phillips
ist vom Administrator mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, um jeden Aspekt des organisatorischen Aufbaues der NASA, ihres Managements und
der Verfahrensweisen zu untersuchen. Zu seinen Aufgaben zählt auch eine
Überprüfung der Mangementstruktur für den Raumtransporter.
Am 25. Juni 1986 wurde Astronaut Robert Crippen beauftragt, eine Arbeitsgruppe zur Bewertung der Managementstruktur für den Raumtransporter
zu bilden. Sie wird spätestens am 15. August 1986 dem Direktor für Raumflug ihre Empfehlungen vortragen. Im Besonderen wird sich diese Gruppe
mit der Rolle und den Aufgaben des Managers für das Raumtransporterprogramm befassen, um die Gewähr zu schaffen, daß die Kompetenzen des Inhabers dieser Position auch seiner Verantwortung angemessen sind. Darüber
hinaus werden die Funktionen und Verantwortlichkeiten auf allen Ebenen des
Progranm-Managements überprüft, um die Beziehungen zwischen der Programmstruktur und der Organisation in den Außenzentren zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Studie werden gemeinsam mit General Phillips und dem Administrator erörtert, um bis zum 1. Oktober 1986 zu entscheiden, wie die
Empfehlungen durchzuführen seien.
Astronauten im Management: Konteradmiral Richard Truly, ein ehemaliger Astronaut, wurde als Mitglied der NASA-Führung ("associate administrator") zum Direktor des Amtes für Raumflug ernannt. Mehrere aktive
Astronauten sind gegenwärtig im Management der Behörde tätig. Die Gruppe
Crippen v/ird sich damit befassen, wie die Besetzung anderer Management-Positionen mit Astronauten gefördert werden könnte. Sie wird außerdem über
die angemessenen Funktionen der Leitung für den Astronauteneinsatz innerhalb der NASA-Struktur entscheiden.
Sicherheitsgremium für den Raumtransporter: Bis spätestens 1. September 1986 beruft der NASA-Direktor für Raumflug ein Shuttle-Sicherheitsgremium, das mit dem Manager für das Raumtransporterprogramm unmittelbar
zusammenarbeitet. Dieser Termin läßt genügend Zeit, um Aufbau und Funktion dieses Gremiums zu bestimmen. Dazu gehört auch eine Bewertung seiner
Beziehungen zum neugebildeten Amt für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualitätsgarantie und zu dem Beratergremium für Luft- und Raumfahrtsicherheit, das bereits existiert.

Empfehlung III
Überprüfung kritischer Komponenten und Gefahrenanalyse: Am 13. März
1986 begann die NASA mit einer kompletten Überprüfung aller im Raumtransporterprogramm vorgefallenen Pannen samt der Analyse ihrer Auswirkungen
(FMEAs - "failure modes and effects analyses") sowie der dazu gehörenden
Listen mit kritischen Komponenten (CILs - "critical item lists"). Alle am
- 4 -

�Alle am Raumtransporterprojekt Beteiligten und die dazugehörigen Hauptlieferanten führen eigene umfassende Überprüfungen durch. Den Höhepunkt bildet eine später im Jahr vorgesehene Generalkonferenz mit dem Manager des
Raumtransporterprogramms, auf der alle Aspekte behandelt werden. Jedem
dieser Überprüfungsteams sind Spezialisten als offizielle Mitglieder, die
nicht vom Raumtransporterprogramm kommen, beigeordnet. Alle bisherigen
Erklärungen zum Verzicht auf kritische Elemente der Stufen 1 und IR wurden
annuliert. Die Teams sind verpflichtet, Verzichtmeldungen in Kategorien,
wo eine VJeiterbenutzung im Rahmen des Programms empfohlen wurde, erneut zu
bewerten und noch einmal zu unterbreiten. Komponenten, deren Anwendung
nicht mehr vertretbar ist, werden neu konstruiert, zugelassen und für den
Flug erprobt. Alle kritischen Listenelemente der Stufen 2 und 3 werden
überprüft, um neu akzeptiert und richtig klassifiziert zu werden. Alle
diese Maßnahmen gipfeln in einer umfassenden endgültigen Überprüfung durch
das zentrale Hauptamt der NASA, die im März 1987 beginnt.
Wie von der Kommission empfohlen, hat der Nationale Forschungsrat der
Bildung eines unabhängigen Revisionsgremiums zugestimmt, das mit dem
NASA-Administrator direkt zusammenarbeitet, um die zweckdienlichkeit dieser Bemühungen nachzuprüfen.
CIL erfaßt und identifiziert die Abläufe kritischer Pannen bzw. von
technischem Versagen und die Begründung für eine Beibehaltung des betreffenden Teils. Die in die Liste aufgenommenen Punkte sind entsprechend dem
Risikograd in fünf Hauptkategorien gegliedert. Die fünf CIL-Gruppen sind:
1 - Verlust von Leben oder Raumfahrzeug
IR - Versagen beider Reserveausrüstungselemente könnte Verlust von
Leben oder Fahrzeug zur Folge haben
2 - Scheitern der Mission
2R - Versagen beider Reserveausrüstungselemente könnte die Mission
scheitern lassen
3 - alle restlichen Arten von Pannen.

Empfehlung IV
Sicherheit: Der NASA-Administrator gab am 8. Juli 1986 die Ernennung
von George A. Rodney zum Beigeordneten Administrator ("associate administrator") als Direktor für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung bekannt. Die Aufgaben dieses Amtes umfassen u.a. die Überwachung aller mit NASA-Aktivitäten und Programmen zusammenhängenden Funktionen in bezug auf Sicherheit, Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung, dazu
die Realisierung eines Systems zur Dokumentation anomaler Vorkommnisse und
der Absicht zum Aufbau eines Programms für Trendanalyse. Eine der ersten
vom neuen Direktor zu ergreifenden Maßnahmen wird die Bestandsaufnahme und
Bewertung der Ressourcen einschließlich des erforderlichen Personals sein,
um die den Aufgaben gemäße Ausübung der Funktionen der Sicherheitsorgani- 5 -

�der Sicherheitsorganisation zu gewahrleisten. Darüber hinaus wird der
neue Beigeordnete Administrator für eine funktionsfähige Zusammenarbeit in
den Grenzbereichfunktionen der neuen Sicherheitsorganisation und des Raumtransporter-Sicherheitsgremiums Sorge tragen, das gemäß der Empfehlung Nr.
II der Rogers-Kommission geschaffen wird.

Empfehlung V
Bessere Kommunikation: Am 25. Juni 1986 wurde Astronaut Robert
Crippen beauftragt, ein Team zur Entwicklung von Plänen und zu empfehlenden Maßnahmen für folgende Punkte zusammenzustellen:
- Durchführung effektiver Kommunikation im Management auf allen Ebenen;
- Standardisierung für Anordnung und Aufhebung von Startsperren für das
Raumtransportersystem (STS) und für andere Betriebseinschränkungen;
- Durchführung von Besprechungen zur Überprüfung der Flugbereitschaft
sowie von Konferenzen mit dem Team der Missionsleitung, dazu Angabe
der Erfordernisse für Dokumentation und für die Teilnahme der Besatzungsmitglieder.
Da diese Empfehlung in enger Verbindung zur Empfehlung über den Aufbau
des Shuttle-Managements steht, wird das für die Untersuchung verantwortliche Team den Plan für verbesserte Kommunikation mit dem Plan für die Umstrukturierung des Managements verbinden.
Diese Überprüfung wirksamer Kommunikation wird die Aktivitäten und den
Informationsfluß in der NASA-Zentrale und den NASA-Zentren außerhalb
Washingtons, die am Shuttle-Programm mitarbeiten, mit in Betracht ziehen.
Das zuständige Team legt dem Direktor für Raumflug seine Untersuchungsergebnisse und Empfehlungen bis zum 15. August 1986 vor.

Empfehlung VI
Sicherheit für die Landung: Es wurde ein Team für die Sicherheit der
Landung geschaffen, das die Resultate und Empfehlungen der Rogers-Kommission zur Landesicherheit durchzugehen und in die Praxis umzusetzen hat.
Sämtliche Bauteile und Systeme des Raumtransporters werden derzeit konstruktionsmäßig überprüft, damit Übereinstimmung mit den detaillierten Angaben und Sicherheitserwägungen gewährleistet wird. Darunter fallen auch
Reifen, Bremsen und das System für die Bugradsteuerung; die Mittel für ein
neues System mit Carbonmaterial-Bremsen wurden bewilligt. Schon seit geraumer Zeit vor dem Unglück waren Oberflächentests an der Landebahn sowie
Prüfungen der Erfordernisse für Landehilfen im Gang; dies wird fortgesetzt. Die verbesserten Landehilfen werden ab Juli 1987 einsatzbereit
sein. Das zwischenzeitliche Bremssystem ist ab August 1987 verfügbar.
Für die lokale Wettervorhersage werden verbesserte Methoden entwickelt,
das gleiche gilt für Unterstützungsmaßnahmen, die mit dem Wettergeschehen
zusammenhängen. Erst wenn durch Tests, die den realen Beanspruchungen

�realen Beanspruchungen sehr nahe kommen, und während tatsächlicher Landungen auf Edwards Air Force Base das Shuttle-Programm befriedigenden Sicherheitsspielraum demonstriert hat, wird die Landebahn des Kennedy Space
Center bei der regulären Beendigung einer Mission wieder benutzt. Der
Doppeleinsatz der Orbiter für Fähraufgaben steht seit einiger Zeit zur
Diskussion und wird in den nächsten Monaten eingehend erörtert.

Empfehlung VII
Startabbruch und Rettung der Besatzung: Am 7. April 1986 begann die
NASA mit der erneuten Prüfung von Möglichkeiten eines Ausstiegs und der
Rettung von Shuttle-Besatzungen. Diese Analyse umfaßt Ausstiegs- und Rettungsmöglichkeiten vom Start bis zur Landung und wird Analysen, Konzeptionen, Bewertung der praktischen Durchführung, Kosten und Zeitpläne für Abbruch auf der Rampe, Abspringen, Schleudersysteme, Wasserlandungen und Ablösung während des Fluges mit Motorkraft umfassen. Bei dieser Untersuchung v/erden im besonderen Optionen für eine Rettung der Besatzung während
des gesteuerten Gleitfluges sowie Optionen für eine Ausweitung des intakten Rettungsflugsystems auf den Fall des Versagens von zwei oder drei
Haupttriebwerken während der frühen Steigphase untersucht. Im Zusammenhang damit wurde ein Team für die Neubewertung der Frage eines Startabbruchs gebildet, das alle Vorschriften in bezug auf Start und Startabbruch
zu prüfen hat. Dadurch soll gewährleistet werden, daß Kriterien für die
Startfreigabe, Richtlinien für den Flug, für Sicherheitssysteme und Verfahren innerhalb des Flugbereichs, für Landehilfen, Gestaltung und Länge
der Pisten, für die Beurteilung des Schwellenwertes in bezug auf Systemleistung bzw. Notwendigkeit des Abbruchs, für Landegewichte bei Abbruch
und bei regulärer Beendigung der Mission, für Pistenoberflächen und andere
für die Landung zu berücksichtigende Meßgrößen dem Raumfahrzeug und seiner
Besatzung den angemessenen Sicherheitsspielraum geben. Die Studien für
Rettungssystem und Startabbruch werden am 1. Oktober 1986 abgeschlossen
sein; im Dezember 1986 wird über die Durchführungsverfahren entschieden.

Empfehlung VIII
Flugfolge: Im März 1986 richtete die NASA eine Arbeitsgruppe für
Flugfolge ein. Gegenwärtig sind zwei Studien im Gang: (1) über Möglichkeiten und Einschränkungen für Überholung und Startvorbereitung des Raumtransporters im Kennedy-Raumflugzentrum, und (2) über Auswirkungen des
missionsspezifischen Mannschaftstrainings und der Datenübermittlung bzw.
Datenerfassung auf die Flugfolge, was vom Johnson-Raumflugzentrum untersucht wird. Bis zum 15. August 1986 wird die Arbeitsgruppe der Abteilung
für Raumflug ihre Empfehlungen zur Frage der Flugfolge vorlegen. Parallel
dazu laufen Studien zu Empfehlungen der Rogers-Kommission, die der Ersatzteilversorgung, Wartung und technischen Inspektion gelten. In diese Studien werden auch die Stellungnahmen des Nationalen Forschungsrates zur
Flugfolge einbezogen, die, unabhängig von anderen Untersuchungen, auf Anforderung eines Kongreßunterausschusses durchgeführt werden.
Die NASA befürwortet

�Die NASA befürwortet entschieden eine gemischte Raumfahrzeugflotte für
die Erfüllung der speziellen Start- und Projektaufgaben, wobei auch der
Einsatz sog. Verlustgeräte als Nutzlastträger wieder vorgesehen ist.
Außerdem werden in der NASA-Zentrale z. Zt. Richtlinien zur Nutzlastpolitik erarbeitet, die feste Regeln für die Listenzusammenstellung geben
und Xnderungen im späten Vorbereitungsstadium einschränken sollen.
Empfehlungen zur Listenkontrolle sollen im November 1986 unterbreitet
werden.

Empfehlung IX
Instandsetzung und Sicherheit: Ein neugebildetes Team für Sicherheitsfiragen bei Instandsetzung und Wartung der Raumfähre soll einen umfassenden Plan für die Definierung und Durchführung geeigneter Maßnahmen gemäß den Empfehlungen der Kommission für die Instandsetzung und Wartung
aufstellen. Nach dem gegenwärtig in Ausarbeitung befindlichen Plan soll
gewährleistet werden, daß für sämtliche Elemente des Raumtransporterprogramms einheitliche Erfordernisse hinsichtlich Instandsetzung und Wartung
gelten. Dieser Plan wird die organisatorische Struktur zur Dokumentierung
folgender Punkte definieren:
(1) Inspektion der Bauteile samt Zeitplänen,
(2) vorgesehene Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten,
(3) Überprüfung der jeweiligen Zuordnung von Instandsetzungs- und
Wartungsarbeiten, und
(4) Logistik auf den Gebieten Wartung und Instandsetzung.
Der Plan wird außerdem Zuständigkeiten und Verantwortungen, Berichterstattung und Überwachungserfordernisse für Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten am Raumtransporter definieren. Er soll bis zum 30. September 1986
fertiggestellt sein.
Eine Reihe weiterer Maßnahmen, an denen zur Zeit gearbeitet wird, werden dazu beitragen, die Flugsicherheit zurückzugewinnen und die Struktur
der NASA zu stärken. Eine Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Konstruktionserfordernisse für den Raumtransporter, die der Abteilung für System-Integration am Johnson-Raumfahrtzentrum unterstellt ist, wurde beauftragt,
alle aus der Shuttle-Konstruktion resultierenden Erfordernisse und die damit zusammenhängenden technischen Verifizierungsprozeduren zu überprüfen.
Das Team wird jedes Element des Shuttle-Projekts und die Konstruktionserfordernisse für das gesamte Raumtransportersystem unter die Lupe nehmen.
Höhepunkt dieser Arbeit wird die Zusammenfassung der Prüfergebnisse für
Shuttle-zusatzkonstruktionen sein, die etwa drei Monate vor dem nächsten
Raumtransporterstart vorliegt.
Angesichts der Zahl, Komplexität und der Wechselbeziehungen zwischen
den vielen Aktivitäten für den nächsten Plug hat der Raumtransporter-Programmdirektor am johnson-Raumflugzentrum eine Reihe bindender Überprüfungen des Managementprogramms für den Raumtransporter eingeleitet. Diese
Überprüfungen werden als regelmäßige Besprechungen ausgeführt, an denen
die Manager für sämtliche wichtigen Aktivitäten des Raumfährenprogramms
teilnehmen. Bei diesen Konferenzen besonders zu erörternde Themen konzen-

�Themen konzentrieren sich auf Fortschritt, Zeitpläne und Haßnahmen im Zusammenhang mit Hauptbereichen der Programmü'berprüfung und werden auf die
jeweiligen Aktivitäten innerhalb des betreffenden Zeitabschnitts direkt
abgestimmt. Nach den ersten Konferenzen dieser Art (5. - 6. Mai 1986 im
Marshall-Raumflugzentrum, 25. Juni 1986 im Kennedy-Raumflugzentrum) folgen
die nächsten im Sechs-Wochen-Turnus. Die Ergebnisse werden dem Direktor
für Raumflug und dem NASA-Administrator vorgelegt.
Am 19. Juni 1986 gab der NASA-Administrator bekannt, daß die Entwicklung der CENTAUR-Oberstufe zur Verwendung von Bord des Raumtransporters
eingestellt worden sei. Die CENTAUR-Oberstufe war für den Start von
NASA-Planetensonden sowie von bestimmten Satelliten für Aufgaben der nationalen Sicherheit vorgesehen. Zum Zeitpunkt des CHALLENGER-Unglücks waren bereits wesentliche Programme zur Sicherheitsüberprüfung des CENTAURSystems im Gang, die in den letzten Monaten noch intensiviert wurden, um
zu entscheiden, ob das Programm fortgesetzt werden soll. Der endgültige
Beschluß, die CENTAUR-Stufe nicht von Bord des Space Shuttle zu verwenden,
wurde aufgrund der Überlegung getroffen, daß selbst nach gewissen, als
Folge der Überprüfungen vorgenommenen Modifikationen die Oberstufe nicht
den Sicherheitskriterien entsprechen würde, die für andere Nutzlasten oder
Elemente des Raumtransportersystems gelten. Die NASA hat jetzt die Prüfung anderer Alternativen zur Verwendung von Trägerraketen für den Start
wichtiger Nutzlasten zur Erforschung von Planeten und für wissenschaftliche Satelliten, die mit der CENTAUR-Oberstufe gestartet werden sollten,
in die liege geleitet. Sie unterstützt das Verteidigungsministerium, das
seinerseits Startalternativen für militärische Nutzlasten prüft, die mit
der Shuttle-CENTAUR-Kombination auf den Weg gebracht werden sollten.
Der NASA-Administrator gab mittlerweile eine Anzahl von organisatorischen Maßnahmen und solche hinsichtlich der Managerstruktur für das Projekt Raumstation bekannt, die die Verbesserung der technischen Voraussetzungen wie auch des Managements zur Vorbereitung der Entwicklungsphase für
das Programm "Raumstation" zum ziel haben. Die Entscheidung für eine neue
Struktur war das Ergebnis von Empfehlungen an den NASA-Administrator durch
ein von General Phillips geleitetes Kommittee, das eine Langzeit-Bewertung
der gesamten Aktionsmöglichkeiten und Aufgaben der NASA vornimmt. Pläne
zur Aufstockung des in kritischen Bereichen tätigen Personals und zu eventuell erforderlichen Änderungen des Personalmanagements sind in Arbeit.

* * * * * *

- 9-

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1986)
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1!)86) erschiener. sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Theraenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in
der dar. betreffende Thema behandelt wird.

THKMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

1.

Afghanistan

1, 4, 15, 22

2.

Central Amerika und
Nicaragua

11

3.

Libyen

1, 2, 14, 14, 15, 16

4.

Sowjetunion
SS -25

Menschenrechte
Schtscharmski j

2,
4, 7
6,

5. Südafrika
Nelson Mandela

4,

6. Vereinigte Staaten
Botschaft zur Lage der Nation
Energiepolitik
Frieden und Nationale Sicherheit
Haushaitispolitik
Nominierungen
Verteidigunghaushalt

5
13,
9,
6
11
9, 22

�THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Beziehungen d&lt;r USA zu
Europa

14

Ost-West-Bezi«hungen
und
Rüstungspolit:sehe Themen
Abrüstung / Rüstungskontrolle
Chemische Waffen
Genfer Abrüstungsverhandlungen
Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
KVAE
KSZE
SDI
SALT-Abkommen

8, 15, 17, 20, 21
13,
16, 18
14,
4, 9, 19
9,
9, 12, 17
12, 20,

Internationale Probleme
Drogenprobleme
Menschenrechte
Terrorismus
Tschernobyl und seine Folgen
Weltwirtschaft
Wirtschaftsgipfel in Tokio

7, 5, 12, 20
7, 13
7, 10, 17, 18, 19
17, 19, 21
5
13, 16, 17, 18

Weltraum
CHALLENGER-Unfall und Folgen

4, 5, 7, 8, 16, 18, 1
22

Martin Luther King

1» 3

Wissenschaft und Technik
AIDS
Gentechnologie
Komet Halley
Medizin, allgemein
Rauchen
Umweltschutz
Wetter
Weltraumforschung

14,
2, 13,
11,
15, 18
1»
10,
2,
4, 19, 22

�REDEN UND ERKLÄRUNGEN DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS
RICHARD R. BURT

15. Januar 1986
Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den Maßnahmen
der Vereinigten Staaten gegen Libyen

12. Februar 1986
Demokratie und Kultur
(Universität Heidelberg)

21. Februar 1986
Ein offenes Handelssystem - unser aller Verantwortung
(Adolf-Weber-Stiftung)

26. Februar 1986
Europa und das Bündnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept
(Uberseeclub in Hamburg)

17. März 1986
Das Fulbright-Programm - Aufbruch in eine offene Welt
Rede von Botschafter Burt, (Berlin-Woche der FulbrightKommission)

25. April 1986
Der Handel als Instrument der Außenpolitik
(Amerikanische Handelskammer München)

4. Juni 1986
Freiheit, Sicherheit und Frieden in einer offenen Welt
(Konrad-Adenauer-Stiftung, Berliner Reichstagsgebäude)

SONDERDIENSTE

22. Januar 1986
Besuch des Stellvertretenden US-Außenminister John C. Whitehead in
Bonn

2. April 1986
Die sowjetische Militärmacht 1986
- Fünfte Dokumentation des US-Verteidigunsministeriums -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan sagt nein zu Apartheid und Sanktionen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten zur Lage in Südafrika -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Kampf gegen den Terrorismus gewinnbar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Außenministers beim USIA-Antiterrorismus-Seminar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Nagelprobe von Stockholm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Robert L. Barry -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NASA handelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht an Präsident Reagan über Maßnahmen nach dem CHALLENGER-Unglück -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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