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                  <text>AMERIKA DIENST
^7

C*

23

2. J u l i 1986

I N H A L T

Dokumentation
'Wendepunkt* zur Erhaltung einer sicheren Welt in Reichweite
- Reagan spricht zu Schulabgängern in Glassboro -

Agrarpolitik bedroht Welthandelssystem
- Rede ^on US-Landwirtschaftsminister Richard Lyng in München

Hintergrundmaterial
Anhörung zum Fall Tschernobyl
- IAEO-DireKtor Rosen berichtet vor amerikanischem Kongreßausschuß

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
2. Juli 1986

23

"WENDEPUNKT" ZUR ERHALTUNG EINER SICHEREN WELT IN REICHWEITE
- Reagan spricht zu Schulabgängern in Glassboro -

GLASSBORO, NEW JERSEY - (AD) - Präsident Reagan hielt am 19. Juni 1986
eine Rede an die Schulabgänger der Glassboro High School, in der er darauf
hinwies, da möglicherweise "eine Atmosphäre existiert, in der eine ernsthafte Diskussion" von Rüstungskontrollfragen möglich ist. Es sei derzeit
ein "Wendepunkt" bei den Bemühungen um die Erhaltung einer sichereren Welt
in Reichweite, wenn sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion "wirklichen Fortschritt wollen".
Nachfolgend drucken wir den Text von Präsident Reagans Rede im Wortlaut ab.

Ich möchte mit Ihnen über diese Nation sprechen, zu deren Führungsschicht Sie bald gehören werden - besonders aber über jene Qualitäten unseres nationalen Lebens, denen wir Amerikaner in unserem eigenen Land immer Achtung entgegengebracht haben und von denen wir hoffen, daß wir sie
auf -die ganze Welt ausdehnen können: die Freiheit und den Frieden. Vielleicht können Sie unser Gespräch über diese Angelegenheit wie die Niederschrift eines Aufsatzes betrachten, eines Aufsatzes über den Frieden - der
Ihre letzte Aufgabe sein soll, bevor wir Sie entlassen.
Englischlehrer schlagen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Englischlehrer schlagen manchmal vor, Aufsätze mit einem "Aufhänger"
zu beginnen, einer dramatischen Begebenheit oder einer Geschichte, die zur
Einstimmung beiträgt. Es fügt sich, daß wir heute genau diese dramatische
Begebenheit zur Hand haben. Vor 19 Jahren nämlich - genau in dem Jahr, bevor die meisten von Ihnen geboren wurden - erhielt Glassboro Besuch vom
Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Im Juni 1967 flog Präsident Johnson vom Weißen Haus aus nach Glassboro
- genauso wie ich heute -, um ein Gipfeltreffen mit dem sowjetischen Ministerpräsident Kossygin abzuhalten. Das Zusammentreffen war auf einen
Tag angesetzt, aber die beiden Männer sprachen länger als fünf Stunden
miteinander und hielten zwei Tage später eine zweite Zusammenkunft ab.
Wenn Sie über dieses Treffen etwas in Ihrer Schulbibliothek herausfinden
müßten, würden Sie einen Artikel aus U.S. News finden, in dem es heißt:
"Unter den Angelegenheiten, die sie besprachen, waren einige der größten
Weltprobleme: Vietnam, der Mittlere Osten und die Weiterverbreitung von
Kernwaffen".
Heutzutage sind die Historiker zu dem Schluß gekommen, daß das Gipfeltreffen von Glassboro nicht zu den bedeutsamsten seiner Gattung zählt - es
wurden keine großen Durchbrüche erzielt oder Übereinkünfte geschlossen.
Trotzdem trafen sich die beiden Männer. Sie waren offen. Sie bemühten
sich um gegenseitiges Verständnis und auch darum, sich verständlich zu
machen. Ich möchte behaupten, daß sie uns bereits damit eine Lektion erteilt haben.
Lassen Sie uns dieses Gipfeltreffens in Glassboro vor 19 Jahren gedenken. Und lassen Sie uns ferner daran denken, daß, so wie wir jetzt auf
den Gipfel in Glassboro zurückschauen, andere - vielleicht in wiederum 19
Jahren - auf uns zurückblicken werden. Ich hoffe inbrünstig darauf, daß
sie sagen werden, wir hätten daran gearbeitet, die Strukturen der Geschichte aufzubrechen, die nur allzuoft zu Kriegen geführt haben - wir
hätten uns um Übereinkünfte bemüht und nach Frieden gestrebt. Hoffnung
findet ihren Ausdruck in harter Arbeit; lassen Sie uns daher an den Kern
unseres Aufsatzes gehen und damit an die Aufgaben der Analyse und und des
Aufbaus. Lassen Sie uns beginnen, indem wir unsere Haltung gegenüber unserem Land und uns selbst betrachten.
Sicher gehört die amerikanische Geschichte zu den'großen Epen der
Menschheitsgeschichte. Aber unsere Geschichte ist eine der Großmütigkeit
und der Größe. Nach dem zweiten Weltkrieg drückte sich unsere Großmütigkeit im Marshall-Plan aus - dem gewaltigen Hilfsprogramm, das den vom
Krieg'zerstörten Ländern dabei helfen sollte, sich wieder zu erholen. Und
wir können stolz darauf sein, daß wir nicht nur unseren Verbündeten beim
Wiederaufbau geholfen haben, sondern auch denjenigen, die unsere Feinde
gewesen waren. Papst Pius XII. hat von uns gesagt: "Das amerikanische
Volk hat ein Talent dazu, großzügig und selbstlos zu handeln, und in die
Hände Amerikas hat Gott das Schicksal der bedrängten Menschheit gelegt".
Und in unserer Zeit tragen die Vereinigten Staaten weiterhin die Last, den
Frieden auf der Welt zu verteidigen. Hören wir die Worte des früheren
australischen Premierministers John Gorton: "Ich frage mich, ob sich irgendjemand Gedanken darüber gemacht hat, wie die Lage vergleichsweise
- 2 -

�Lage vergleichsweise kleiner Nationen aussehen würde, wenn es die Vereinigten Staaten nicht gäbe... wenn es nicht solch ein großes und gewaltiges
Land gäbe, das bereit ist, derartige Opfer zu bringen".
Aber haben wir auch Fehler? Sicher haben wir die. Aber wir haben
auch den Mut und die Entschlossenheit, sie zu berichtigen. Betrachten Sie
den schwärzesten Punkt unserer Geschichte, die Rassendiskriminierung. Wir
haben im Bürgerkrieg gekämpft und den 13. und 14. Zusatz (Amendment) zur
Verfassung geschaffen, um der Sklaverei ein Ende zu bereiten. Diskriminierung war immer noch zu spüren, aber genauso das amerikanische Bewußtsein der Würde, was schließlich die Bürgerrrechtsbewegung ins Leben rief.
Eine bahnbrechende Gesetzgebung wurde verabschiedet, daß alle Amerikaner,
ungeachtet ihrer Rasse oder Gruppenzugehörigkeit in der Lage sein würden,
voll und ganz am Leben der Nation teilzunehmen. Heutzutage ist die Bigotterie niedergekämpft, aber noch nicht vollständig zerstört; es wird an ihnen sein, den Kampf fortzuführen. Kämpfen Sie also gegen den Rassismus.
Kämpfen Sie gegen den Antisemitismus. Kämpfen Sie mit allen Mittel gegen
die Bigotterie und die Intoleranz, an deren Ausrottung wir Amerikaner so
hart gearbeitet haben.
Ich berichte so ausführlich über all das, was wir getan haben, um in
unserem Land die Diskriminierung zu bekämpfen, weil es mir für unseren
Aufsatz über den Frieden von zentraler Bedeutung zu sein scheint. Hier in
diesem grünen und freundlichen Land haben es Menschen aller Nationen, Rassen und Religionsgruppen gelernt, harmonisch zusammenzuleben, um eine Nation zu bilden. Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende, wenn Sie nur
die internationale Zusammensetzung Ihrer Klasse betrachten.
Wenn Sie in den kommenden Jahren jemals von Ihrem Land desillusioniert
sein sollten - wenn Sie jemals daran zweifeln sollten, daß Amerika in der
gesamten Menschheitsgeschichte einen besonderen Platz einnimmt - denken
Sie an diesen Augenblick und an Ihre Klasse. Dann werden Sie verstehen
und zu neuer Stärke zurückfinden; dann werden Sie wissen, warum wir Amerikaner alle Völker dieses Planeten voller Selbstvertrauen und großzügiger
Freundschaft betrachten können.
Nennen sie es ruhig Mystizismus, wenn Sie wollen; ich habe immer daran
geglaubt, daß es einen göttlichen Plan gibt, der dieses große Land zwischen die beiden Meere gesetzt hat, damit es gerade die Menschen aus allen
Teilen der Welt, die die Freiheit besonders lieben, finden können, und
auch solche, die den zusätzlichen Funken Mut hatten, um ihre Freunde und
ihr Vaterland zu verlassen und dieses gelobte Land zu suchen.
Dieser Diskurs führt mich auf die internationale Bühne und zu unseren
Beziehungen mit der Sowjetunion. Es ist wichtig, daß wir von vornherein
zwischen den Völkern in der Sowjetunion und der sie beherrschenden Regierung unterscheiden. Natürlich liegen wir nicht im Streit mit den Völkern
- weit gefehlt. Wir müssen uns daran erinnern, daß die Menschen in der
Sowjetunion praktisch keinen Einfluß auf die Regierung ausüben.
Es gibt eine kleine Geschichte, die verdeutlicht, was ich meine. Ein
Amerikaner und ein Russe hatten einen Streit darüber, wer die meiste Frei- 3 -

�meiste Freiheit habe. "Ich kann zum Weißen Haus gehen, mich zum Büro des
Präsidenten führen lassen und sagen, Herr Präsident, mir gefällt die Art
nicht, wie Sie das Land regieren", sagte der Amerikaner. Darauf der Russe: "Das kann ich auch". "Wirklich?", fragt der Amerikaner zurück. "Ja,
ich kann in den Kreml gehen, bis zum Büro des Generalsekretärs Gorbatschow
und zu ihm sagen: Herr Generalsekretär, mir gefällt die Art und Weise
nicht, wie Präsident Reagan sein Land regiert". Diese Geschichte habe ich
auch Herrn Gorbatschow in Genf erzählt und er hat, Gott sei Dank, darüber
gelacht.
Wir müssen uns vergegenwärtigen, daß die sowjetische Regierung ihre
Wurzeln in der sowjetischen kommunistischen Partei hat und aus ihr entstanden ist. Das ist eine Organisation, die sich formell dazu verpflichtet hat, die Welt einer kommunistischen Herrschaft zu unterwerfen. Wir
wollen hier nicht tiefer in die Geschichte eindringen, aber Sie sollten
wissen, daß die Entstehung der Sowjetunion in mancher Hinsicht ein Ausdruck des schrecklichen Gedankenspiels mit der Macht des Staates ist, das
in der ersten Hafte unseres Jahrhunderts so beliebt wurde. In seinem geschätzten Buch "Modern Times" stellt Paul Johnson genau diesen Punkt heraus - daß moderne Ideologien den Staat über das Individuum erheben.
Dieser Aufstieg der Macht des Staates hat sowohl mein Leben als auch
das vieler von Ihren Eltern und fast aller Ihrer Großeltern beeinflußt.
In den späten zwanziger Jahren ging ich voller Hoffnung und Erwartung von
der Schule ab, genauso wie Sie heute. Dann, gerade als ich im Beruf Fuß
gefaßt hatte - gerade hatte sich meine Generation eingerichtet -, gab es
Krieg. Wir haben tapfer und gut gekämpft, aber nicht ohne das Bewußtsein
dafür, was alles hätte sein können. Zum Schluß hat die repräsentative Regierungsform den Dirigismus besiegt - Japan, Deutschland und Italien, die
einstmals zu unseren Todfeinden zählten, wurden bald selbst aufstrebende
Demokratien und sind jetzt zuverlässige Verbündete. Nicht aber die Sowjetunion. Dort besteht der Dirigismus weiter fort.
Wie können wir denn die Sowjetunion verstehen? Meine eigene Meinung
über die Natur dieses Regimes ist wohlbekannt, und ich bin davon überzeugt, daß wir weiterhin die Freiheit propagieren und immer wieder auf die
wesentlichen moralischen Unterscheidungen zwischen Demokratie und Totalitarismus hinweisen müssen. Ich bin daher davon überzeugt, daß wir die sowjetische Geschichte des Expansionismus ernstnehmen und wirkungsvolle Gegenmaßnahmen ergreifen sollten.
Gleichzeitig müssen wir bei der Rüstungskontrolle realistisch bleiben
und uns weiterhin für sie einsetzen. Es ist heutzutage wirklich angebracht, den Gesprächen zur Rüstungskontrolle besondere Aufmerksamkeit zu
widmen, denn wenn die Sowjetunion dazu bereit ist, kann das die Gelegenheit in den Beziehungen unserer beiden Nationen sein.
Als ich im vergangenen November Herrn Gorbatschow in Genf getroffen
habe, sind wir übereingekommen, unsere Bemühungen zur Reduzierung strategischer Waffen zu intensivieren. Wir haben die nächsten Schritte beschlossen - Verhandlungen über einen 50prozentigen Abbau der strategischen
Nuklearwaffen und ein Interimsabkommen über Mittelstreckenraketen. Und

�Mittelstreckenraketen. Und wir haben beide von dem Endziel der Abschaffung aller Kernwaffen gesprochen.
Zum 1. November hatten wir neue Vorschläge zum Abbau strategischer
Waffen vorgelegt, die dazu angetan waren, die Kluft zwischen bisherigen
sowjetischen und amerikanischen Vorschlägen zu überbrücken. Mit Hilfe unseres Vorschlags wäre ein 50prozentiger Abbau strategischer Kernwaffen in
einer beiderseitig ausgewogenen und verantwortlichen Art und Weise erzielt
worden. Mitte Februar haben wir einen detaillierten, schrittweisen Ansatz
zur Abschaffung einer ganzen Waffenkategorie - der sogenannten Mittelstreckenraketen längerer Reichweite oder LRINFs - bis zum Jahre 1990 vorgelegt. Und wir haben unseren Vorschlag gegenseitiger Besuche in "offenen
Forschungsstätten", denjenigen Einrichtungen, die Forschung zur strategischen Verteidigung betreiben, wiederholt. Bis vor kurzem war die sowjetische Antwort darauf in vielfacher Weise enttäuschend.
Aber in den letzten Wochen gab es neue Entwicklungen. Die Sowjets haben Vorschläge gemacht, die eine Reihe von Fragen umspannen, von der Sicherheit der Kernkraftwerke bis zum Abbau konventioneller Truppen in Europa. Was vielleicht am wichtigsten ist: die sowjetischen Unterhändler in
Genf haben neue Vorschläge zum Abbau nuklearer Waffen auf den Tisch gelegt. Wir können speziell diese Vorschläge nicht ohne Änderungen hinnehmen, aber es scheint, daß die Sowjets damit begonnen haben, ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen.
Wenn beide Seiten wirklich den Fortschritt wollen, dann sollte dies
einen Wendepunkt bei den Bemühungen markieren, aus unserem Planeten eine
sicherere und friedlichere Welt zu machen. Wir glauben, daß möglicherweise eine Atmosphäre existiert, in der eine ernsthafte Diskussion möglich
ist.
Ich habe Generalsekretär Gorbatschow meine Bereitschaft bekundet, daß
sich unsere Vertreter zu Vorbereitungen für den nächsten Gipfel treffen
können. Es ist ganz erheblich, daß solch ein Treffen in gegenseitiger
Ernsthaftigkeit stattfindet, wenn wir beim nächsten Gipfel einen Fortschritt erzielen wollen.
Sicher kennt Herr Gorbatschow meinen tiefen Einsatz für den Frieden.
Als wir nach Genf fuhren, haben mir meine Berater gesagt, daß sich all unsere Arbeit schon gelohnt hätte, wenn wir ein Abkommen über ein erneutes
Treffen erreichen könnten.
Am ersten Tag unseres Zusammentreffens gingen Herr Gorbatschow und ich
spazieren. Er erwähnte, daß es in der Sowjetunion eine Menge gäbe, von
dem er wünschte, daß ich es sehen könnte; ich habe ihm geantwortet, daß
ich wünschte, er könne in die Vereinigten Staaten kommen. Das Weitere
wissen Sie: wir waren übereingekommen, uns 1986 hier und 1987 in der Sowjetunion zu treffen.
In diesem Aufsatz über den Frieden können wir jezt davon ausgehen, daß
die Zeit gekommen ist, um sich vorwärts zu bewegen. Wir sollten die Bemühungen hinter uns lassen, nur nach Beschränkungen einer Zunahme von Kern-

�von Kernwaffen zu streben, sondern vielmehr wollen Herr Gorbatschow und
ich über einschneidende und verifizierbare Reduzierungen verhandeln. Das
Ziel hier ist nicht schwierig. Ich schlage vor, daß wir nicht darin übereinkommen, wie wir neuere, größere und treffsicherere Raketen bauen können, sondern wie wir alle nuklearen Raketen abbauen und schließlich ganz
abschaffen können.
Lassen wir auch die Verteidigungspolitik einer gegenseitig gesicherten
Zerstörung - oder MAD, wie sie auch genannt wird - hinter uns ersetzen wir
sie durch eine Verteidigung, die wirklich verteidigt. Auch jetzt führen
wir als Teil unserer Strategischen Verteidigungsinitiative eine Forschung
durch, die uns eines Tages in die Lage versetzen kann, im Weltraum ein
Schutzschild aufzubauen, um keine Raketen eindringen zu lassen, ein
Schild, das uns genauso vor Nuklearraketen schützt wie ein Hausdach eine
Familie vor Regen.
Und lassen Sie uns das Mißtrauen zwischen unseren Völkern abbauen und
es durch Verständnis ersetzen. Als ein Ergebnis des Kulturaustauschprogramms, das Herr Gorbatschow und ich in Genf unterzeichneten, hat die Sowjetunion unserer Nation bereits das Kirow-Ballett und eine Ausstellung
impressionistischer Malerei geschickt. Im Gegenzug werden wir Wissenschaftler und Musiker in die Sowjetuniuon schicken; der in Rußland geborene amerikanische Pianist Wladimir Horowitz ist bereits in Moskau aufgetreten. Und wir erwarten eine große Zunahme bei der Zahl der Touristen
zwischen beiden Ländern - ich habe erst vergangene Woche im Weißen Haus
ein Gruppe von Schülern in Ihrem Alter empfangen, die in diesem Sommer die
Sowjetunion besuchen werden. Sicher liegt es in Ihrem Interesse, daß die
Völker der Sowjetunion die Wahrheit über die Vereinigten Staaten erfahren.
Und es kann sicher unser Leben nur bereichern, wenn wir mehr über sie erfahren.
Das leitet zu unserer Schlußfolgerung über, zu der ich einige abschließende Bemerkungen machen möchte. Ich habe heute versucht, mit Ihnen
über Freiheit und Frieden zu sprechen, weil das meine Pflicht als Ihr Präsident ist und weil ich in meinem Leben unsere Nation viermal im Krieg erlebt habe. Während des Zweiten Weltkrieges sind Hunderttausende von Amerikanern gefallen, darunter Freunde und Verwandte von mir wie auch Freunde
und Verwandte Ihrer Familien.
Vielleicht haben einige von Ihnen noch Bilder von Großonkeln zuhause,
die Sie nie kennengelernt haben, weil sie als Soldaten in der Schlacht gefallen sind. Die Sowjets haben noch schlimmer gelitten als wir. In der
Sowjetunion sind 20 Millionen Menschen gestorben und das westliche Drittel
des Landes wurde völlig verwüstet, ein Landstrich, der so groß ist wie der
gesamte Teil der Vereinigten Staaten westlich von Chicago.
Die ganze Welt hat die Jahre des relativen Friedens danach sehr geschätzt. In den Vereinigten Staaten hatten wir die größte wirtschaftliche
Expansion und die größten technologischen Durchbrüche, die die Menschheit
je erlebte, wie etwa die Mondlandung oder die Entwicklung des Mikrochip.
Aber unser wertvollstes Gut ist es, daß Sie, unsere Kinder, in Wohlstand
und Freiheit aufwachsen konnten.
Es liegt jetzt

�Es liegt jetzt an uns - und bald wird es an Ihnen liegen -, den Frieden zu erhalten und zu festigen. Sicher kann niemand ein größeres Ziel
haben als das, die nächste Generation vor der Zerstörung und den Qualen
der Kriege zu schützen, wie sie meine eigene Generation erlebt hat.
Es kann deshalb keine wichtigere Aufgabe für die Zukunft geben als die
eines Abbaus der Kernwaffen. Ich setze mich dafür ein - uneingeschränkt
-, um jede Möglichkeit auszuschöpfen, alle Wege zu diskutieren und zu erforschen, um zu einem wahren und verifizierbaren Rüstungsabbau zu gelangen. Was unsere beiden Nationen jetzt für die Rüstungskontrolle tun, wird
die Art von Zukunft bestimmen, der Sie, Ihre Kinder und Enkel entgegensehen. Deshalb bin ich heute hierher gekommen, um Ihnen zu sagen, daß der
Gipfel von Glassboro nicht ausgereicht hat, wie auch das Gipfeltreffen in
Genf nicht ausgereicht hat, daß, kurz gesagt, Gespräche nicht genügen.
Ich bin hierher gekommen, um Herrn Gorbatschow einzuladen, gemeinsam mit
mir etwas zu unternehmen und im Namen des Friedens zu handeln.
Meine Freunde, lassen Sie es uns wagen, davon zu träumen, daß Sie,
wenn S?.e vielleicht zur Schulentlassung Ihres Sohnes oder Ihrer Tochter
hierher zurückkehren, dies in einer VJelt des Friedens tun, einer Welt, die
die Freiheit des Menschen ehrt und frei ist vom Terror der nuklearen Zerstörung. Und lassen Sie uns daran arbeiten - zunächst meine Generation,
dann schon sehr bald, die Ihre -, um uns diesen Traum zu erfüllen.
Aber, um es noch einmal zu sagen, Worte richten so wenig aus. Es gibt
Momente, da die Menschen meiner Generation fürchten, daß Ihre Jugend, Ihre
Gesundheit und Ihr Glück zuviel für uns sind, zu viel für uns, die wir Ihnen sagen müssen, daß Ihnen dieses Glück zuteil geworden ist, weil andere
gelitten und Opfer gebracht haben. Um das Glück zu erhalten, werden Zeiten kommen, wenn Sie ebenfalls Opfer bringen müssen. Dann wird unsere
Furcht zerstreut sein. Das geschieht bereits jetzt, wenn wir Sie anschauen und solch eine Stärke und Hoffnung sehen. Solch eine Festigkeit, solch
ein guter Wille, eine derartige geradlinige und unkomplizierte Freude.
Wenn wir nur zuhören, werden wir bald fröhliches Lachen hören.
Dann wissen wir, daß Gott Sie bereits gesegnet und daß Amerika bereits
die Liebe für den Frieden und die Freiheit in Ihre Herzen eingebrannt hat.
Wir schauen auf Sie und ungeachtet der Tatsache, wie erfüllt unsere eigenen Leben auch gewesen sein mögen, sagen wir mit Thomas Jefferson: "Mir
gefallen die Träume der Zukunft besser als die Geschichte der Vergangenheit".

* * * * * *
- 7 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

4

2i

2. Juli 1986

AGRARPOLITIK BEDROHT WELTHANDELSSYSTEM
Rede von US-Landwirtschaftsminister Richard Lyng in München

MÜNCHEN - (AD) - Der amerikanische Landwirtschaftsminister Richard
Lyng ging am 20. Juni 1986 in München im Rahmen eines Treffens des "Komitees des Getreide- und Futtermittelhandels in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft" in München in einer breitangelegten Analyse auf die
Vielfalt der agrarpolitischen Probleme ein, denen sich nicht nur die
Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten, sondern der Welthandel insgesamt gegenübersehen: "Wir stehen noch immer vor einer massiven (landwirtschaftlichen) Überproduktion... Wir sind noch immer Zeuge
von wachsendem Protektionismus... Und wir befinden uns noch immer kurz
vor einem Zusammenbruch der Welthandelsordnung, solange die Staaten auch
weiterhin auf die Bedürfnisse der Bauern mit kurzsichtigen politischen
Maßnahmen reagieren, die den internationalen Handel zerrütten."
Der vorbereitete Text der Ansprache von Minister Lyng hat folgenden
Wortlaut:
Ich'freue mich über die Möglichkeit, vor dieser hervorragenden Gruppe
von Führungspersönlichkeiten des Komitees des Getreide- und Futtermittelhandels in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sprechen zu können.

Bei der Vorbereitung

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�Bei der Vorbereitung meiner Rede ging ich die Ansprachen anderer Vertreter des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums durch, die in den
letzten Jahren vor diesem Auditorium gesprochen hatten. Es war deprimierend zu sehen, daß ich den Staub von praktisch jeder ihrer Reden hätte
wegblasen und sie praktisch ohne Abänderungen hätten benutzen können - so
wenige Fortschritte haben wir bei der Problemlösung der weltweiten Getreide- und Futtermittelindustrie gemacht.
Wir stehen noch immer vor einer massiven Überproduktion - weil viele
Regierungen in der ganzen Welt noch immer ihren Bauern Anreize bieten, um
weit über die wirkliche Nachfrage des Weltmarktes hinaus zu produzieren.
Wir sind noch immer Zeuge von wachsendem Protektionismus - da diese
staatlichen Anreize zur Aufrechterhaltung von Handelsschranken ermutigen,
um eine unwirtschaftliche Produktion zu unterstützen und Bauern von der
Wirklichkeit abzuschirmen.
Und wir befinden uns noch immer kurz vor einem Zusammenbruch der Welthandelsordnung, solange die Staaten auch weiterhin auf die Bedürfnisse der
Bauern mit kurzsichtigen politischen Maßnahmen reagieren, die den internationalen Handel zerrütten.
Obgleich es die Sprecher des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, die vor mir hier waren, irgendwie nicht geschafft haben, all diese
Probleme zu lösen, so bin ich doch erfreut darüber, hier zu sein, und beabsichtige einen erneuten Versuch in dieser Richtung.
Insbesondere ist es mein Ziel, Ihnen klarzumachen, warum die Vereingten Staaten ihren Standpunkt hinsichtlich eines Handelsmißbrauchs nachdrücklicher vertreten, den wir bislang toleriert haben, und warum wir auf
dem Weltmarkt aggressiver auftreten.
Ich weiß, es gibt hier in Europa die Vorstellung, wonach die unnachgiebigere Haltung der Vereinigten Staaten im Handelsbereich eine Reaktion
auf Aktionen seitens der EG sei, die uns nicht gefallen. Auch wenn dies
teilweise richtig ist, so geht es weit darüber hinaus: in Wirklichkeit
ist unsere Haltung zum Handel eine Reaktion auf die veränderten Bedingungen im Agrarbereich unseres eigenen Landes.
Die amerikanische Landwirtschaft, und insbesondere unsere Getreidewirtschaft, veränderte sich durch den Boom der siebziger Jahre grundlegend. In diesem Jahrzehnt überstieg die Weltnachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten die weltweite Produktion um ein Vielfaches, weshalb
unsere Bauern ihre Produktion verstärkten, um für den Export zu produzieren. Sie kauften mehr Land und Maschinen, und viele von ihnen nahmen in
großem Umfang Kredite auf, um ihre Aktivitäten auszuweiten.

Weltweite Verschlechterung der Wirtschaftsbedingungen
Im Rückblick zeigt sich, daß man zu weit gegangen ist. Die weltweite
Nachfrage ging in den achtziger Jahren erheblich zurück, und die Vereinig- 2 -

�die Vereinigten Staaten standen - wie viele andere große Getreideexporteure auch - vor einer erheblichen Uberschußproduktionskapazität. Außerdem
gab es bei uns auch eine große Anzahl von Bauern, die tief in finanziellen
Schwierigkeiten steckten.
Dabei sind wir nicht der einzige Staat mit einer hohen Getreideproduktion, der jetzt wirtschaftliche Schwierigkeiten hat. Zum Beispiel
- erwartet die australische Regierung, daß das durchschnittliche Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe 1986 um zwei Drittel fallen
wird; über die Hälfte der Bauern, die Getreide vermarkten, werden Verluste machen. Man qeht in Australien davon aus, daß in diesem Jahr
wahrscheinlich sieben Prozent der Höfe schließen müssen, sollten sie
ihren Betrieb nicht grundlegend umgestalten, eine Umschuldung schaffen
oder zusätzliche Einkommensquellen - wie eine nebenberufliche Tätigkeit - erschließen.
- war in Argentinien das große weltweite Angebot der entscheidende Punkt
dafür, daß die Preise für argentinisches Getreide gegenüber dem Stand
von vor zwei Jahren um real 20 Prozent und mehr zurückgingen. Infolgedessen gab es einen gewaltigen Druck auf die Bauern wie auch auf die
Landesregierung. Der Agrarsektor wird daher der Wirtschaft 1986 nicht
den Schwung verleihen können, den er in Argentinien traditionell gibt.
- ging in Frankreich, dem Brotkorb der Europäischen Gemeinschaft, 1985
die Uberschußproduk-.ion weiter, die Preise und die Einkommen bei der
Landwirtschaft fielen, die Bodenpreise gingen zurück und die Verschuldung wuchs. Tausende von Bauern verließen ihre Höfe.
Praktisch alle der wichtigsten getreideexportierenden Staaten befinden
sich in derselben Lage. Die Agrardepression, vor der wir alle stehen, ist
nur teilweise eine Folge der wirtschaftlichen Bedingungen. Falsche Politik der Regierungen spielt häufig eine noch größere Rolle.

Die amerikanische Agrargesetzgebung 1985
In den Vereinigten Staaten sind wir uns der Tatsache bewußt, daß einige unserer jüngsten Exportverluste auch auf falsche Landwirtschaftspolitik
zurückzuführen sind - und wir haben diese Politik einer Überholung unterzogen. Wir wissen auch, daß wir durch die Exportsubventionen und die Handelsverzerrungen anderer Konkurrenten getroffen wurden - und wir haben als
Gegenmaßnahmen mit einer ganzen Bandbreite von Exportexpansionsprogrammen
begonnen.
Das neue amerikanische Agrargesetz ermöglicht es den amerikanischen
Preisen, sich dem angemessenen Marktniveau anzupassen. In der gegenwärtigen Erntesaison wurden unsere Zinssätze für die wichtigsten Rohstoffe um
25 Prozent, dem gesetzlich erlaubten Höchstsatz, gesenkt. Wir führen diese Senkungen durch, um den Zuwachs bei unseren Vorräten einzugrenzen und
um e*3 uns zu ermöglichen, wirkungsvoller auf dem Exportmarkt mitzuhalten.
Um sich für
- 3 -

�Um sich für öffentliche Darlehen und andere Programme zu qualifizieren, müssen die amerikanischen Getreideproduzenten ihre Weizenanbaufläche
1987 um 27,5 Prozent verringern. Leider stehen wir vor dem gleichen Dilemma wie in der Vergangenheit: während wir in den Vereinigten Staaten
unsere Produktion verringern, um ein besseres Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herbeizuführen, füllen unsere Konkurrenten die Lücke,
indem sie ihren Anbau verstärken. Auf diese Weise bleibt das Problem der
weltweiten Überproduktion bestehen - und Intensität und Ausmaß der Depression in der weltweiten Getreidewirtschaft dauern an.
So erwarten wir beispielsweise in diesem Jahr eine Verringerung der
amerikanischen Weizenproduktion um 6,7 Millionen metrischer Tonnen aufgrund der Verkleinerung der Anbauflächen für Winterweizen. Inzwischen
steigert die EG ihre Weizenproduktion - nach unserer Schätzungen - um 5,7
Millionen metrischer Tonnen. Wir erwarten auch für Kanada einen Anstieg
um 2,1 Millionen Tonnen und 1,1 Millionen Tonnen für Argentinien. Vielleicht gibt es in Australien eine geringere Ernte - derzeit schätzen wir
einen Rückgang um 1,0 Millionen Tonnen gegenüber dem vergangenen Jahr -,
aber der Grund hierfür ist nur eine Trockenheit, die Anbauflächen und Gewinnerwartung verringert hat. Wir sind jedoch optimistisch, daß mit der
Zeit niedrigere Preise auch andere dazu bringen werden, ihre Expansionsprogramme zu verlangsamen oder einzustellen.

Der amerikanische Agrarhandel
Die neue amerikanische Agrargesetzgebung enthält eine Anzahl von Bestimmungen zur Förderung des Handels, die darauf abzielen, die amerikanische Position im internationalen Handel zu verbessern. Zu den wichtigsten - aus der Perspektive des Getreide- und Futtermittelhandels gesehen gehört das Exportverbesserungsprogramm. Im Verlauf der nächsten drei Jahre werden wir 1 Milliarde Dollar staatlichen Getreides als Subventionen
nützen, um den amerikanischen Exporteuren dabei behilflich zu sein, gegen
andere subventionierte Exporte zu bestehen.
Bislang haben wir über 10 Millionen Tonnen Getreide - meist Weizen und
Weizenmehl, aber auch einiges an Gerste und Gerstenmalz - für dieses Programm vorgesehen. Wir benutzen dieses Programm, um den amerikanischen Getreideexporteuren Tore in Saudiarabien, Algerien, Jugoslawien, Syrien,
Benin, Jordanien, Tunesien, den Philippinen, Zaire, Nigeria, Irak, der
Türkei, im Jemen und in Ägypten zu öffnen.
Wir bemühen uns aber nicht nur um eine Wiederherstellung unserer Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt, sondern beachsichtigen auch, das Problem der Handelshemmnisse anzugehen, die die amerikanischen Exporteure
daran hindern, ihr ganzes Verkaufspotential zu verwirklichen.
Die politische Bedeutung der Exporte für die amerikanische Landwirtschaft wird durch die Tatsache unterstrichen, daß das Agrargesetz von 1985
das erste war, das jemals ausdrücklich einen Abschnitt über Handel enthielt. Dieser Abschnitt setzt fest, daß amerikanische Unterhändler konsequenter darangehen sollen, Handelsschranken auf der ganzen Welt abzubau- 4 -

�Welt abzubauen, und er setzt sich für Vergeltungsmaßnahmen ein, wenn es
nicht zu Fortschritten kommt.
Der Handelsparagraph spiegelt die wachsende Frustration seitens des
amerikanischen Kongresses - wie auch des amerikanischen Volkes - hinsichtlich der Art und Weise wider, wie das internationale Handelssystem bislang
funktioniert hat. Er ist direkter Ausdruck der Überzeugung im amerikanischen Kongreß, daß das GATT bei der Durchsetzung der Regeln für den internationalen Handel nicht wirksam ist - und daß die Vereinigten Staaten
einseitig Schritte ergreifen müssen.
Die Reagan-Administration ist gegen viele der Handelsmaßnahmen in der
neuen Agrargesetzgebung. Aber wie ich meinen Freunden in Europa schon
viele Male gesagt habe, war es unvermeidlich, daß diese Art von Druck dem
amerikanischen Agrargesetz seine Gestalt geben würde, wenn es weder multilateral noch bilateral zu Fortschritten kommen sollte.
Ähnliche Gefühle der Frustration kommen auch bei der Diskussion der
neuen Handelsgesetzgebung dieses Jahr in den Vereinigten Staaten wieder
hoch. Von der Gesetzgebung, die jetzt im amerikanischen Kongreß Gestalt
gewinnt, wird gesagt, sie enthalte etwas von jedem protektionistischen Gesetzesvorschlag, der seit 1910 im amerikanischen Kongreß eingebracht wurde.
Ich glaube nicht, daß das amerikanische Volk in seinem tiefsten Herzen
wirklich von seiner alten Verpflichtung zum Freihandel abkommen will.
Aber es ist offensichtlich, daß wir nicht gewillt sind, noch länger Märkte
zu verlieren, nur weil wir zu den wenigen Ländern gehören, die sich an die
Regeln halten.
Seit 1980 sind die amerikanischen Futtermittelexporte um 15,8 Millionen Tonnen zurückgegangen - während andere Länder sich eines Zuwachses ihrer Exporte um 17,5 Millionen Tonnen erfreut haben. Desgleichen sind unsere Weizenexporte um 7,5 Millionen Tonnen zurückgegangen, während diejenigen anderer Länder um 19,5 Millionen Tonnen zugenommen haben.
Wir wollen einige dieser verlorenen Märkte zurückbekommen: Und wir
sind entschlossen, sie zurückzubekommen - wir müssen sie zurückgewinnen um
der wirtschaftlichen Gesundheit unseres Landes willen.

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Es geht mir nicht nur um bloße Rhetorik. Dies ist nicht das Ziel von
Lyng, der Reagan-Administration oder des amerikanischen Kongresses. Es
ist ein nationales Ziel. Es herrscht in diesem Punkt eine seltene Übereinstimmung zwischen allen Teilen unserer Regierung und unseres gesamten
Landwirtschaftssektors. Und es ist wichtig, daß die ganze Welt die Tiefe
unserer Verpflichtung begreift.
In der interdependenten Welt von heute gibt es eine globale Verantwortung, und wir in den Vereinigten Staaten sind der Meinung, es sollte eine
weltweite Verpflichtung geben, um das Chaos zu beenden, das derzeit die
Ordnung des Welthandels beherrscht.
Fragen der Erweiterung
- 5 -

�Fragen der Erweiterung der EG
Die wechselseitige Abhängigkeit zwischen den Handelsnationen und die
Notwendigkeit einer verantwortungsbewußten Politik, was den Handel anbelangt, bringt mich zur Frage des Beitritts Spaniens und Portugals zur Europäischen Gemeinschaft.
Die Vereinigten Staaten haben stets die europäische Einheit und die
Erweiterung der EG unterstützt. Wir sind davon überzeugt, daß die Erweiterung die Wirtschaft Spaniens und Portugals stärken und insgesamt zu einem stärkeren Europa führen wird. Ein stärkeres Europa liegt auch in unserem Interesse. Allerdings verursacht die Erweiterung einige sehr reale
Probleme für uns in den Vereinigten Staaten.
Als Folge der Erweiterungsmaßnahmen der EG erleiden wir beträchtliche
Verluste in unserem Handel. Es ist schwer, diese Verluste in Erwartung
einiger hypothetischer Vorteile zu ignorieren, die der EG nach auch uns in
Zukunft: einmal zugute kommen werden.
Diese Erweiterung wurde ganz anders behandelt als jene der Vergangenheit. Was das Prozedere anbelangt, so hat die EG niemals vorher so wenig
Vorabinformation gegeben, bevor sie sensitive Handelsrestriktionen von so
großer Auswirkung auf die Vereinigten Staaten durchsetzte.
Die kurzfristige Bekanntgabe - praktisch in wenig mehr als drei Wochen
- gab uns keine realistische Möglichkeit, im vorhinein die vielen Fragen
zu diskutieren und zu verhandeln, die Teil einer Erweiterung der EG sind.
Ganz praktisch gesehen: wenn wir diese Diskussionen vorher gehabt hätten,
wären wir vielleicht in der Lage gewesen, die Probleme zu vermeiden oder
zu verringern, vor denen wir jetzt als ein Ergebnis der Schritte der EG
stehen.
Wegen des Schadens, den diese Erweiterung der EG dem Agrarsektor der
Vereinigten Staaten zufügen wird, haben wir angekündigt, daß wir vom 1.
Juli an die Zölle für eine Reihe von EG-Produkten erhöhen werden, wenn die
Europäische Gemeinschaft uns keinen Ausgleich für Verluste gewährt, die
durch die höheren Zölle für unsere Mais- und Hirseexporte nach Spanien
entstehen. Derlei Verhandlungen sind nicht nur gemäß GATT erforderlich,
sondern sie hätten auch beendet werden sollen, bevor am 1. März Abgaben
festgesetzt wurden.
Es hat ganz den Eindruck, als hätte die EG mehr zu verlieren als die
Vereinigten Staaten, wenn sie eine Eskalation dieser Frage am 1. Juli zuläßt. Die Vereinigten Staaten sind der größte Agrarexportmarkt der EG.
Tatsache ist, daß wir im Jahr 1985 von der EG für rund 3,6 Milliarden Dollar landwirtschaftliche Produkte kauften. Was den Handel insgesamt angeht
- also den von Industrie- und Agrarprodukten -, so hat die Gemeinschaft
einen Überschuß gegenüber den Vereinigten Staaten von 21 Milliarden Dollar.
Bis zu diesem Zeitpunkt - nämlich nur zehn Tage vor der zeitlichen
Grenze, die die Vereinigten Staaten für eine Kompensation gezogen haben erzielten wir bei dieser Frage nur wenig Fortschritt. Es könnte unver-

�Es könnte unvermeidlich sein, daß die Dinge schlechter werden müssen, bevor sie besser werden können.
Wir in den Vereinigten Staaten beklagen diese trübe Aussichten und
drängen unsere europäischen Freunde, annehmbare Lösungen mit uns auszuhandeln.

Die Landwirtschaft bei den multilateralen Handelsverhandlungen
Des weiteren sehen wir die dringliche, entscheidende Notwendigkeit für
eine baldige und umfassende Behandlung des Agrarhandels bei den anstehenden GATT-Verhandlungen. Beim Agrarhandel wächst das Chaos, und es ist für
die Vereinigten Staaten wie für Europa äußerst kostspielig. Es ist auch
für die anderen Exporteure von landwirtschaftlichen Produkten katastrophal, die sich die gewaltigen Subventionen nicht leisten können. Und es
ist ru.nös für die Länder der Dritten Welt, deren wirtschaftliches Leben
insgesamt von landwirtschaftlichen Exporten abhängt.
^ine solch verwirrende und sich verschlechternde wirtschaftliche Situation ist nicht notwendig. Sie kann korrigiert werden. Es ist verantwortungslos, keine echte Anstrengung zu unternehmen, ein verbessertes System einzuführen. Wir in den Vereinigten Staaten sind zu dem Versuch entschlossen, alle Vertragsparteien des GATT zu drängen, sich uns anzuschließen. Wir fordern insbesondere die Europäische Gemeinschaft auf, bei dieser Anstrengung eine Führungsrolle zu übernehmen.

Schlußfolgerung
Die Vereinigten Staaten wollen keinen Handelskrieg - weder mit der EG,
noch mit einem anderen Land. Wie in der Vergangenheit ist es auch jetzt
unser Wunsch, unsere Handelsprobleme durch Verhandlungen zu lösen. Wir
haben bei der bevorstehenden Runde der Multilateralen Handelsverhandlungen
eine gute Gelegenheit, einige dieser Fragen anzugehen, die uns trennen.
Als die beiden wichtigsten Teilnehmer am Weltmarktgeschehen haben die Vereinigten Staaten und die EG eine besondere Verantwortung, funktionsfähige
Regeln für den Welthandel zu erstellen und diese dann auch zu befolgen.
Insbesondere unsere Getreide- und Futtermittelindustrie hat einige
sehr wichtige gemeinsame Ziele.
Auf beiden Seiten des Atlantik wollen wir von einem Weltmarkt profitieren, der uns einen gerechten Ausgleich für unsere Arbeit und unsere Investitionen ermöglicht.
Auf beiden Seiten des Atlantik wollen wir von einem Abbau der Handelshemmnisse profitieren, damit wir neue Märkte entwickeln und unsere Exporte
ausweiten können.

Deshalb haben wir

�Deshalb haben wir - selbst wenn wir bei den einzelnen Fragen nicht immer einer Meinung sind - ein gemeinsames Interesse am Aufbau einer rationalerer. Handelsordnung. Ich hoffe auf unsere Zusammenarbeit, damit unsere
Probleme als Getreidehändler bei der bevorstehenden Runde der Multilateralen Handelsverhandlungen ein offenes Ohr finden werden.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

"VoN^

23

2. Juli 1986

ANHÖRUNG ZUM Fall TSCHERNOBYL
IAEO-Direk:or Rosen berichtet vor amerikanischem Kongreßausschuß

WASHINGTON - (AD) - Vor dem Auswärtigen Ausschuß des amerikanischen
Repräsentantenhauses berichtete Dr. Morris Rosen, Direktor der Abteilung
"Nukleare Sicherheit" der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
in Wien, über die Vorbereitungen zur IAEO-Sonderkonferenz im September.
Sie ist auf Ministerebene unter Teilnahme der mehr als 100 Mitgliedstaaten
dieser Organisation der Vereinten Nationen geplant. Man erwarte von ihr,
wie Rosen sagte, Zustimmung zu multilateralen Vereinbarungen über ein
Frühwarnsystem und zu koordinierten internationalen Maßnahmen im Fall eines nuklearen Unglücks bei Ausbreitung freigewordener Strahlung auf andere
Länder. Mit der Schaffung des Frühwarnsystems könne, so Rosen, die Errichtung von 200 bis 500 Strahlen-Meßstationen in Ländern rund um den Erdball verbunden sein.
Zuvor werde in einer einwöchigen Informationstagung, die am 25. August
beginne, im Kreis internationaler Experten der Reaktorunfall von
Tschernobyl erörtert. Aus der Sowjetunion werden mindestens zehn Fachleute für Nukleartechnik erwartet, die in den Vormittagssitzungen über Details berichten. In den Nachmittagssitzungen werden sich Arbeitsgruppen
internationaler Experten eingehend mit diesen Informationen beschäftigen.
Ein zusammenfassender Bericht über diese Tagung werde, wie Rosen erklärte,
der Ministerkonferenz am Eröffnungstag (24. September) vorgelegt.
Wie Dr. Rosen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wie Dr. Rosen weiter ausführte, werden auf einer am 21. Juli beginnenden zweiwöchigen IAEO-Konferenz die Entwürfe für die Vereinbarungen ausgearbeitet, die weltweit den Schutz vor radioaktiver Strahlung verbessern
sollen. Sie waren im Mai von der Bundesrepublik Deutschland vorgeschlagen
worden. Im November beabsichtige man im Verlauf einer weiteren Konferenz
von IAüO-Experten, die Möglichkeiten zur Einführung verbindlicherer sicherheitsstandards und Pflichtinspektionen zur Sicherheitsüberprüfung in
allen Ländern zu erörtern. Die Internationale Atomenergie-Organisation
wurde in den fünfziger Jahren geschaffen mit dem Ziel, die Nutzbarmachung
von Atomenergie für friedliche Zwecke in aller Welt zu unterstützen und
ihre Entwicklung zu fördern.
Dr. Rosen berichtete dem amerikanischen Kongreßausschuß u.a., daß zur
Zeit Inspektionen von zivilen Kernkraftwerken mit einer gründlichen Überprüfung der organisatorischen Führung und des technischen Betriebs von der
IAEO n lr auf Anforderung durchgeführt würden. Das von der Internationalen
Atomenergie-Organisation beauftragte Expertenteam benötige gewöhnlich drei
Wochen für eine Untersuchung. Insgesamt neun dieser Tests hätten in den
vergangenen zwei Jahren stattgefunden. Die IAEO sei jedoch bereit, die
Zahl der Inspektionen auf 20 pro Jahr zu erhöhen und die Sicherheitsempfeh Lungen so zu gestalten, daß sie nicht mehr nur beratenden Charakter
hätten, sondern stärker rechtlich bindend würden. Dies hätte vor allem
für die Konstruktion des Sicherheitsbehälters zu gelten, der die Außenwelt
gegen litze und Strahlung vom Reaktorkern abschirmt. Eine erste umfassende Samnlung von Publikationen, die als Leitfaden für die Sicherheitserfordernisse bei Kernkraftwerksreaktoren dienen könne, habe die IAEO bereits
zusammengestellt.
Zwischen dem sowjetischen Reaktor in Tschernobyl und Reaktoren in den
Vereinigten Staaten sowie in anderen westlichen Ländern bestehen Dr. Rosen
zufolge wesentliche Unterschiede. Offenbar sei der Unfall in Tschernobyl
durch 2inen unerwarteten Leistungsanstieg, gefolgt von einer Wasserstoffexplosion, ausgelöst worden - zwei Ereignisse, die in amerikanischen Reaktoren ^wahrscheinlich seien. Beim Block IV des Tschernobyl-Reaktors, der
vor eiler geplanten Abschaltung mit niedriger Energie gefahren wurde,
stieg die Wärmeentwicklung innerhalb von zehn Sekunden von sieben Prozent
auf 50 Prozent seiner Leistungskapazität an, sagte Dr. Rosen. Dazu kam es
"wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, daß dies ein sehr großer Reaktor
ist, mit etwa 12 Metern Durchmesser gegenüber vier Metern bei einem typischen amerikanischen Reaktor. Er besitzt eine Kombination von Graphit
in siedendem Wasser, was ihn sehr anfällig für Leistungsschwankungen
macht'.
Experten aus westlichen Ländern hätten die Vermutung geäußert, daß bei
dem Unfall einige der Druckröhren, die durch den riesigen Graphitmoderator
des Reaktors führen und Wasser um die Kernbrennstäbe leiten, gerissen seien. B^im Kontakt von Dampf mit dem heißen Graphit seien Wasserstoff und
Kohlennonoxid gebildet worden. Auch habe wahrscheinlich Zirkon in den
Brennstoffstäben mit dem überhitzten Dampf reagiert, wordurch zusätzlich
Wasserstoff entwickelt worden sei. Durch den wachsenden Druck wurde
schlie31ich die Abschirmung über dem Reaktor zerstört, die brennbaren Gase
mischten sich mit Luft und es kam zu einer Explosion, durch die ein massi-

�ein massiver Graphitbrand entstand. "Es war eine starke Wasserstoffexplosion", meinte Dr. Rosen. "In diesem Reaktortyp wird viel mehr zirkon verwendet als in Reaktoren amerikanischer Bauweise. Das macht ihn für eine
Wasserstoffexplosion sehr viel anfälliger."
Beim Tschernobyl-Reaktor sei im Gegensatz zu amerikanischen Reaktoranlagen kein Sicherheitsbehälter aus Stahl und Stahlbeton über dem Reaktorkern vorhanden gewesen, erklärte Rosen. Durch die Wasserstoffexplosion
sei das Dach des Reaktorgebäudes abgerissen worden, wodurch Radioaktivität
in die Atmosphäre entwich. "Nach der Explosion stürzten ein großer Kran
und eine Maschine zum Nachladen der Brennstäbe von etwa 150 Tonnen Gewicht
auf de-i Reaktor", Vorgänge, wie sie sich bei Reaktoren amerikanischer Bauweise mit ihrem Stahldach für den Sicherheitsbehälter nicht ereignen könnten. Wach Angaben amerikanischer Sicherheitsexperten sei das Dach des sowjetischen Reaktors der schwächste Punkt der Anlage gewesen.
Wi? eine Wissenschaftlergruppe des Lawrence Livermore National Laboratory errechnete, wurden sofort bei der Explosion und bei dem Brand des
Tscher lobyl-Reaktors 40 Prozent der gesamten radioaktiven Spaltprodukte,
während der nächsten paar Tage weitere zehn Prozent freigesetzt. Demnach
müßten flüchtige radioaktive Elemente mit einer Strahlungsaktivität von 40
Millionen Curie in die Umgebung gelangt sein. Im Vergleich dazu dürften
beim R&lt;5aktorunfall von Three Mile Island im Jahr 1979 etwa 15 Curie freigesetzt: worden sein.

* * * * * *

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