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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON

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18

1 4 . Mai 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION

Wahrer Fortschritt in Genf möglich - wenn Sowjets dazu bereit sind
- Erklärung Präsident Reagans zur neuen Runde von NST -

Konsequentes Programm zur Bekämpfung des Terrorismus notwendig
- NBC-Interview mit Außenminister Shultz -

Gipfel unterstreicht Bedeutung wirtschaftlicher Zusammenarbeit
- AbschluSkommunique des Tokioter Wirtschaftsgipfels -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

NASA untersucht Fehlstart der DELTA-Rakete
- Senator Gore fordert politische und technische Überprüfung des
Raumfahrtprogramms -

Bessere Wirbelkanal-Diagnostik bei Kernspintomographie
- Ausweitung medizinisch-biologischer Forschungen mit der kernmagnetischen Resonanzmethode -

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V,DN

4

Dokumentation

14. Mai 1986

18

WAHRER FORTSCHRITT IN GENP MÖGLICH - WENN SOWJETS DAZU BEREIT SIND
- Erklärung Präsident Reagans zur neuen Runde von NST -

WASHINGTON - (AD) - Der im Weißen Haus am 7. Mai 1986 zur Eröffnung
der 5. Runde der Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST) abgegebenen Erklärung Präsident Reagans ist zu entnehmen, daß die Vereinigten
Staaten generell "ernsthafte und entschlossene Anstrengungen unternehmen,
um das beim Gipfeltreffen im November abgegebene Versprechen einzulösen".
Laut Präsident Reagan ist ein wahrer Fortschritt beim Abbau von Nuklearwaffen im Rahmen der Genfer Verhandlungen "ganz sicher greifbar", "wenn
die Sowjets mit uns in diesen entscheidenen Bemühungen gleichziehen".
Die Erklärung Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Der morgige Tag zeichnet sich durch die Eröffnung der 5. Runde der
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen (NST) aus. Bei diesen Verhandlungen wird der Erzielung eines einschneidenden, beiderseitigen und
verifizierbaren Abbaus der Nuklearwaffen sowohl auf seiten der Vereinigten
Staaten als auch der' Sowjetunion sowie der Stärkung unserer strategischen
Stabilität eine überragende Priorität eingeräumt. Mit Hilfe von Abkommen
über einen solchen Abbau versuchen wir, eine sicherere Welt zu schaffen
und unserem Endziel, der Abschaffung aller nuklearen Waffen, entgegenzuarbeiten.
Die morgen

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�Die morgen beginnende Sitzung ist sehr wichtig. Im vergangenen November sind Generalsekretär Gorbatschow und ich in Genf darin übereingekommen, die Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen zu beschleunigen, besonders in den schon bekannten Bereichen, in denen es eine gemeinsame Basis gibt. Dazu gehören das Prinzip der 50prozentigen, angemessen durchgeführten Verringerung von Kernwaffen wie auch das Ziel eines Interimsabkommens, das Mittelstreckenraketen-Systeme (INF) begrenzt. Leider wurden
während der jüngsten Verhandlungsrunde kaum Fortschritte erzielt, was auf
fehlende Taten der Sowjetunion zurückzuführen war, die ihren in der Gemeinsamen Erklärung vom 21. November eingegangenen Verpflichtungen nicht
nachgekommen ist.
Im Januar hat Herr Gorbatschow der öffentlichkeite einen "Plan" vorgelegt, in dem die Abschaffung aller Kernwaffen bis zum Ende des Jahrhunderts gefordert wird. Obwohl wir uns darüber freuen, daß die Sowjetunion
im Prinzip unserem Ziel einer Abschaffung aller Kernwaffen zustimmt, so
glauben wir doch, daß dieses Ziel durch eine Folge praktischer Maßnahmen
erreicht werden muß. Unser vordringliches Augenmerk sollte auf die baldige Erzielung erster Schritte in diesem Prozeß gerichtet bleiben - eines
50prozentigen Abbaus strategischer Kernwaffen und eines Interimsabkommens
zu INF - wie auch im vergangenen November in Genf vereinbart.
Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten faire und ausgewogene Vorschläge in allen drei Bereichen der Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen vorgelegt. Unsere neuen Vorschläge über strategische Waffen
(START) verfolgen das Konzept einer 50prozentigen Reduzierung der nuklearen Arsenale der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und versuchen,
die Stabilität zu fördern, indem sie eine Erstschlagsfähigkeit verringern.
Diese neuen Vorschläge beziehen sowohl die von der Sowjetunion ausgedrückte Besorgnis ein, wie sie auch auf Bereichen, in denen wir mit der jeweils
anderen Haltung übereinstimmen, aufbaut.
Im Forum über Verteidigung im Weltraum wollen wir mit den Sowjets einen Dialog über die entscheidende Beziehung zwischen strategischem Angriff
und strategischer Verteidigung einleiten. Darüber hinaus schlagen wir als
Demonstration unserer friedfertigen Absichten einen Informationsaustausch
über unsere jeweiligen Forschungsprogramme zur strategischen Verteidigung
vor, wie auch gegenseitige Besuche amerikanischer und sowjetischer Experten in Laboratorien, die mit einer solchen Forschung befaßt sind.
Unglücklicherweise haben die Sowjets
nuar noch in ihrer Stellungnahme in Genf
sere Vorschläge sowohl zu START als auch
Weltraum geliefert. 'Wir hoffen, daß sie

weder in ihrer Erklärung vom Jaeine konstruktive Antwort auf unzum Bereich der Verteidigung im
das in dieser Runde tun werden.

Andererseits schien Herrn Gorbatschows Erklärung auf einen möglichen
Fortschritt im Bereich der Mittelstreckenraketen (INF) hinzudeuten. Vor
diesem Hintergrund habe ich ein weiteres Angebot der Vereinigten Staaten
unterbreitet: einen konkreten, schrittweise durchführbaren Plan zur weltweiten Abschaffung dieser gesamten Kategorie amerikanischer und sowjetischer Raketen bis zum Ende des Jahrhunderts. Dieser neue Vorschlag, der
in enger Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten in Europa und Asien ent-

�Asien entwickelt wurde, baut auf denjenigen Bereichen auf, in denen es eine gemeinsame Basis gibt - wie dies auch in der Gemeinsamen Erklärung beim
Gipfeltreffen gefordert wurde. Unsere früheren Vorschläge zu INF liegen
weiterhin auf dem Tisch.
Im Rahmen von INF schlagen wir sehr konkrete Maßnahmen zur Verifizierung vor. Nachdem sich die Sowjetunion seit Jahren den Vorschlägen der
Vereinigten Staaten zur Verifizierung widersetzt hat, proklamiert sie nun
in ihren öffentlichen Erklärungen, daß sie unser Interesse an einer wirksamen Verifizierung teilt. Wir möchten diese sowjetischen Erklärungen am
Verhandlungstisch auf die Probe stellen. Darüber hinaus ist im Hinblick
auf die unglücklichen Umstände der letzten Woche der Bedarf an wirksamen
Maßnahmen zur Verifizierung deutlicher hervorgetreten als jemals zuvor.
Zusammengenommen lauten unsere Schlüsselziele für die Genfer Verhandlungen: einschneidende Verringerungen, keinen Vorteil eines Erstschlags,
Weiterführung der defensiven Forschung, weil Verteidigung sicherer ist als
Angriff, und kein Betrug.
Wir unternehmen ernsthafte und entschlossene Anstrengungen, um das
beim Gipfeltreffen im November abgegebene Versprechen einzulösen, und die
Anweisungen, die ich den Botschaftern Kampelman, Glitman und Lehman vor
ihrer Rückkehr nach Genf gegeben habe, statten sie mit der notwendigen
Flexibilität aus, um alle vielversprechenden Ansätze für ein Abkommen zu
erforschen.
Es ist jetzt höchste Zeit für die Sowjetunion, zur Sache zu kommen,
indem sie mit uns in Genf ernsthaft die praktische Anwendung der gemeinsamen Verpflichtungen angeht, die Herr Gorbatschow und ich beim Gipfel
eingegangen sind. Wenn die Sowjets mit uns in diesen entscheidenen Bemühungen gleichziehen, wird ein wahrer Fortschritt beim Abbau von Kernwaffen
ganz sicher greifbar werden.
Ich möchte hier schließen und gleichzeitig betonen, daß der Weg zum
Fortschritt über den Verhandlungstisch in Genf führt, in der vertraulichen
Atmosphäre, in der diese Verhandlungen stattfinden. Ich fordere daher die
Sowjetunion auf, diese praktischen und trotzdem weitreichenden Vorschläge
der Vereinigten Staaten sorgfältig zu prüfen und in einer gleichermaßen
konkreten und konstruktiven Art und Weise am Verhandlungstisch darauf zu
antworten. Nur dadurch wird die Art von Dialog hergestellt, die zum Fortschritt führen kann.

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

14. Mai 1986

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KONSEQUENTES PROGRAMM ZUR BEKXMPFUNG DES TERRORISMUS NOTWENDIG
- NBC-Interview mit Außenminister Shultz -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz betonte in einem Interview im Rahmen der "Today Show" der amerikanischen
Rundfunkgesellschaft NBC, in dem er auch auf das Thema Philippinen einging, es gebe für den Terrorismus keinerlei Entschuldigung, "und es bedarf
zu seiner Beseitigung eines sehr starken und tatkräftigen Programms."
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Wir haben der philippinischen Regierung 150 Millionen Dollar
an Hilfe angeboten; sie hat uns um zwei Milliarden gebeten. Wie sehen die
Probleme dort wirklich aus?
ANTWORT: Frau Aquino und ihre Regierung haben von Präsident Marcos
ein ordentliches Durcheinander übernommen. Die Wirtschaft dort ist in erheblichen Schwierigkeiten. Es werden Schritte unternommen - meiner Meinung nach die richtigen Schritte -, um damit fertigzuwerden; aber das wird
Zeit brauchen. Man reformiert dort das Militär auf eine Weise, die uns
durchaus die richtige zu sein scheint. Man versucht also, die übernommenen Probleme zu lösen, aber es sind dies wirklich sehr konkrete Probleme
und deshalb bedarf es der Hilfe. Vielleicht sollte ich sagen, daß unsere
Hilfsvorstellung nicht bei 150 Millionen Dollar liegt. Wenn wir die 150

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�Wenn wir die 150 Millionen vom Kongreß bekommen - und davon gehe ich aus
-, so werden wir insgesamt in einer Größenordnung von 500 Millionen Dollar
liegen. Aber man braucht dort mehr; darüber besteht kein Zweifel.
FRAGE:

Wie wird es dann dort weitergehen?

ANTWORT: Man wird versuchen müssen, auch über andere Länder Hilfe zu
erhalten - von Japan, den europäischen Staaten, Australien, die auch bereit sind, Geld zu geben, sowie von den verschiedenen internationalen Finanzinstitutionen sowie aus dem Privatbereich. Man kann dort ein gutes
Klima für Investitionen schaffen und dadurch werden die Leute dort auch
hingehen wollen. Wir müssen dabei helfen, und wir möchten gern mehr Mittel von hier bekommen, aber die Situation im Kongreß, die Haushaltssituation sollte ich vielleicht sagen, scheint derlei einfach nicht zu erlauben.
FRAGE: Erschwert Marcos immer noch Frau Aquino die Lage?
sich immer noch in die Angelegenheiten der Philippinen ein?

Mischt er

ANTWORT: Ja - obgleich es interessant war, ihren Pressesprecher zu
hören, der hinsichtlich der Demonstrationen und derlei für Marcos befragt
wurde. Er sagte nämlich: "Die Töne, die Sie hören, sind die Töne der Demokratie." Ich meine daher, man hat dort diesbezüglich eine sehr erfrischende Haltung. Aber er macht Arger, und einiges davon geht über das
reine Argumentieren hinaus.
FRAGE:

Aber er wird hier in den Vereinigten Staaten bleiben?

ANTWORT: Er ist willkommen, in den Vereinigten Staaten zu bleiben.
Er hat gesagt, daß er nicht hier in den Vereinigten Staaten sein wolle,
und staatlicherseits ist es unsere Überzeugung, daß wir niemanden hier haben möchten, der nicht hier sein will. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es jedoch kein anderes Land, das ihn aufzunehmen bereit ist.
FRAGE: Sie haben über den Kongreß und finanzielle Probleme gesprochen. Sie haben dabei gesagt, daß Sie nach Ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten alles andere zurückstellen würden, um für den Haushalt Ihres Außenministeriums zu kämpfen, darunter 1,4 Milliarden Dollar für die
Sicherheit amerikanischer Botschaften und Diplomaten im Ausland. Was wird
geschehen, wenn der Kongreß Mittel streicht?
ANTWORT: Dieses Programm ist sehr gründlich durchdacht worden. Die
Empfehlungen sind sorgfältig von einem Ausschuß unter Leitung von Admiral
Bob Inman und unter Beteiligung eines Vertreters des Repräsentantenhauses
und eines Senatsvertreters ausgearbeitet worden. Diese Maßnahmen sind für
den Schutz und die Sicherheit unseres im Ausland dienenden Personals notwendig. Darüber kann es keinerlei Zweifel geben.
FRAGE: Während sie sich im Ausland aufhielten, haben sich neue Erkenntnisse über terroristische Aktivitäten ergeben, und zwar dieses Mal
hinsichtlich einer Beteiligung der Syrer. Sowohl in Großbritannien als
auch in der Bundesrepublik Deutschland wurde eine Verwicklung Syriens der syrischen Regierung - deutlich. Was werden Sie in dieser Hinsicht un-

�Hinsicht unternehmen?

Dies betrifft unsere Diplomaten, unsere Botschaften.

ANTWORT: Diese beiden Fälle werden sorgfältig untersucht. Wir beobachten sie gründlich, und ich denke, es ist eine sehr ernste Angelegenheit, wenn ein Staat in terroristische Aktivitäten verwickelt ist.
FRAGE: Sie scheinen aber hinsichtlich Syriens ziemlich zurückhaltend
zu sein. In bezug auf Libyen haben Sie sehr hart reagiert, während Syrien
leicht davongekommen zu sein scheint, als ob es verschiedene Maßstäbe gebe, einen für Libyen - das kein starkes Militärpotential besitzt - und einen anderen für Syrien - das in der Lage ist, Israel zu bedrohen und dies
auch tut. Gibt es nicht die Erkenntnis, daß dort ein Unterschied besteht?
ANTWORT: Im Falle Libyens hatten wir einen Staat, der sich mit dem
Terrorismus brüstete. Wir hatten eindeutige Beweise für seine Verwicklung
in den Terrorismus, die sehr umfassend waren, und deshalb haben wir diplomatisch, wirtschaftlich und letztendlich militärisch harte Maßnahmen ergriffen. Unsere Erklärungen zum Terrorismus in anderen Ländern, wie Syrien oder Iran, waren genauso eindeutig; beide Länder stehen auf unserer
Terrorismusliste.
FRAGE: Eine letzte Frage; besonders was das Terrorismusthema anbetrifft, sind Sie in letzter Zeit zunehmend kämpferisch geworden. Einige
meinten sogar, daß wir einen neuen George Shultz sähen, daß Ihre Ansichten
bestimmenden Einfluß haben, daß Sie aggressiver werden und mehr Selbstbewußtsein entwickeln, wenn Sie so wollen. Stimmt das? Sehen wir da einen
neuen George Shultz?
ANTWORT: Eigentlich nicht. Ich bin immer noch der, der ich immer
schon war, und ich habe meine Meinung über den Terrorismus nicht geändert.
Er ist eine Bedrohung, und wir müssen uns dessen bewußt sein. Wir müssen
erkennen, daß es für Terrorismus keine Entschuldigung gibt, und es bedarf
zu seiner Beseitigung eines sehr starken und tatkräftigen Programms. Wir
kommen diesem Ziel immer näher, und ich bin sehr froh, dies sagen zu können.

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

14. Mai 1986

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GIPFEL UNTERSTREICHT BEDEUTUNG WIRTSCHAFTLICHER

ZUSAMMENARBEIT

- Abschlußkommunique des Tokioter Wirtschaftsgipfels -

TOKIO - (AD) - Die Teilnehmer des Wirtschaftsgipfels von Tokio betonten im Abschlußkommunique, das am 6. Mai 1986 veröffentlicht wurde und offiziell die Bezeichnung "Wirtschaftserklärung von Tokio" trägt, ihre Absicht, die Koordination ihrer nationalen Volkswirtschaften noch stärker zu
intensivieren und in die bevorstehende neue Runde der Handelsverhandlungen
auch Themen einzubeziehen, die bislang dort nicht behandelt worden waren:
"Die neue Runde sollte sich unter anderem mit Fragen des Handels im
Dienstleistungsbereich sowie handelsbezogenen Aspekten der Rechte des geistigen Eigentums und der direkten Auslandsinvestitionen befassen."
Das Abschlußkommunique hat folgenden Wortlaut:
Wir, die in Tokio zum 12. Wirtschaftsgipfel versammelten Staats- bzw.
Regierungschefs von sieben großen Industriestaaten sowie die Repräsentanten der Europäischen Gemeinschaft, haben die Entwicklung der Weltwirtschaft seit unserem Treffen in Bonn vor einem Jahr einer Überprüfung unterzogen und bringen unsere anhaltende Entschlossenheit zur Zusammenarbeit
zum Ausdruck, um Wohlstand und Wohlergehen der Menschen in unseren eigenen
Ländern, die Unterstützung der Entwicklungsstaaten bei ihrem Bemühen um
Förderung ihres Wirtschaftswachstums und ihres Wohlergehens sowie die
Funktionsfähigkeit des Weltwahrungs- und Welthandelssystems zu sichern und
zu verbessern.
Die Entwicklung

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�Die Entwicklung seit unserem letzten Zusammentreffen spiegelt die
Wirksamkeit unserer Politik wider, zu der wir uns bei den verschiedenen
Wirtschaftsgipfeln der vergangenen Jahre verpflichtet haben. Die Volkswirtschaften der Industriestaaten befinden sich nunmehr in ihrem vierten
Jahr der Expansion. In allen unseren Staaten geht die Inflationsrate zurück, über den Weg einer klugen Steuer- und Währungspolitik ist es uns
dadurch ermöglicht worden, die Zinsen erheblich zu senken. Im Gefüge der
Wechselkurse gab es eine beträchtliche Verschiebung, durch die sich die
grundlegenden wirtschaftlichen Bedingungen besser widerspiegeln. Den Industriestaaten wie auch der gesamten Weltwirtschaft wird der jüngste Rückgang der ölpreise dabei helfen, trotz der Schwierigkeiten, die dies für
bestimmte ölförderländer mit sich bringt, ihr nichtinflationäres Wachstum
beizubehalten und das Volumen des Welthandels auszuweiten.
Insgesamt gesehen bietet diese Entwicklung bessere Aussichten für die
Zukunft der Weltwirtschaft und erhöht auch das Vertrauen in sie.
Dennoch sieht sich die Weltwirtschaft noch immer einer Reihe von
schwierigen Herausforderungen gegenüber, die ein anhaltendes Wachstum gefährden könnten. Dazu gehören die hohe Arbeitslosigkeit, erhebliche interne und externe Zahlungsbilanzverzerrungen, Ungewißheit über die kommende Entwicklung der Wechselkurse, anhaltender protektionistischer Druck,
die bestehenden Schwierigkeiten vieler Entwicklungsländer und erhebliche
Schuldenprobleme bei einigen von ihnen sowie Ungewißheit hinsichtlich der
mittelfristigen Aussichten für das Niveau der Energiepreise. Wenn man zuläßt, daß es zu lange bei Unausgewogenheiten und anderen Verzerrrungen
bleibt, so werden diese in zunehmendem Maß eine Bedrohung des Wachstums
der Weltwirtschaft und des offenen multilateralen Handelssystems darstellen. Wir können es uns nicht leisten, in unseren Anstrengungen nachzulassen. Bei der Ausformulierung unserer Politik müssen wir mittel- und langfristig denken und den wechselseitigen Bezug und strukturellen Charakter
der derzeitigen Probleme beachten.
Wir betonen die Notwendigkeit einer wirksamen, strukturellen Anpassungspolitik in allen Ländern in der ganzen Bandbreite wirtschaftlicher
Maßnahmen zur Förderung des Wachstums, der Beschäftigung und der Integration der Volkswirtschaft einzelner Länder in die Weltwirtschaft. Zu einer
solchen Politik gehören technologische Innovation, Anpassung der Industriestruktur sowie Ausweitung von Handel und direkten Auslandsinvestitionen.
In jedem unserer Länder muß es auch weiterhin im Rahmen einer angemessenen mittelfristigen Steuer- und Währungspolitik eine straffe Kontrolle
der öffentlichen Ausgaben geben. In einigen unserer Staaten gibt es auch
weiterhin übermäßige Haushaltsdefizite, zu deren schrittweisem Abbau die
betroffenen Regierungen entschlossen sind.
Seit unserem letzten Zusammentreffen gab es einen gewissen Erfolg bei
der Schaffung neuer Arbeitsplätze, um der steigenden Zahl an Neuzugängen
auf dem Arbeitsmarkt gerecht zu werden, aber die Arbeitslosigkeit ist in
vielen unserer Länder noch übermäßig hoch. Ein nichtinflationäres Wachstum bleibt der wichtigste Beitrag zu einer Begrenzung und Verringerung
- 2 -

�und Verringerung der Arbeitslosigkeit, muß jedoch durch eine Politik unterstützt werden, die zur Schaffung von Arbeitsplätzen ermutigt, insbesondere in den neuen und hochtechnologischen Industrien und im mittelständischen Gewerbe.
Gleichzeitig ist eine enge und ständige Koordination der Wirtschaftspolitik der sieben Gipfelstaaten notwendig. Wir begrüßen die jüngsten
Beispiele der verbesserten Koordination zwischen den Finanzministern und
Zentralbankräten der Gruppe der Fünf, die dazu beitrug, bestehende Wechselkurse zu verbessern und die Zinsen auf einer geordneten und nichtinflationären Grundlage zu senken. Wir sind jedoch zugleich der Meinung, daß
weitere Maßnahmen getroffen werden müßten, um sicherzustellen, daß die
Verfahrensweisen zu einer wirksamen Koordination der internationaeln Wirtschaftspolitik weiter gestärkt werden. Zu diesem Zweck
- kommen die Staats- bzw. Regierungschefs überein, eine neue Gruppe der
Finanzminister der Sieben - einschließlich Italien und Kanada - ins
Leben zu rufen, die in den Perioden zwischen den jährlichen Gipfeltreffen enger und häufiger zusammenarbeiten werden;
- werden die sieben Finanzminister aufgefordert, ihre eigenen wirtschaftlichen Zielsetzungen und Prognosen gemeinsam mindestens einmal
jährlich einer Überprüfung zu unterziehen und dabei die nachstehend
spezifizierten Indikatoren besonders im Hinblick auf die Analyse ihrer
gegenseitigen Kompatibilität zu verwenden;
Mit den Repräsentanten der Europäischen Gemeinschaft:
- erklären sie, daß das Ziel verbesserter Koordination ausdrücklich die
Förderung eines nichtinflationären Wirtschaftswachstums, die Stärkung
marktorientierter Anreize für Beschäftigung und produktive Investitionen, die Öffnung des internationalen Handels- und Investitonssystems
sowie die Förderung größerer Stabilität bei den Wechselkursen beinhalten sollte;
- bekräftigen sie erneut ihr Unterfangen vom Gipfeltreffen in Versailles
im Jahr 1982 zur Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds
bei der Stärkung der multilateralen Überwachung - insbesondere bei den
Ländern, deren Währungen die Sonderziehungsrechte darstellen - und
fordern, daß bei der Durchführung einer solchen Überwachung und in
Verbindung mit dem Leitenden Direktor des Internationalen Währungsfonds deren einzelne wirtschaftliche Voraussagen geprüft werden sollten, wobei Indikatoren wie Bruttosozialprodukt, Wachstumsraten, Inflationsraten, Zinssätze, Arbeitslosenzahlen, Haushaltsdefizitraten, laufende Zahlungs- und Handelsbilanzen, Geldzuwachsraten, Reserven und
Wechselkurse in Rechnung gestellt werden;
- laden sie die Finanzminister und Chefs der Zentralbanken dazu ein,
multilaterale Überwachungen durchzuführen, damit alles getan wird, um
zu einer Einigung hinsichtlich angemessener Maßnahmen zu gelangen, wo
immer es zu erheblichen Abweichungen von einem beabsichtigten Kurs
kommt und um zu Empfehlungen zu gelangen, sich zu allererst auf die

�auf die entsprechende grundlegende Politik zu beziehen; dabei sollte
die Verpflichtung von Williamsburg aus dem Jahr 1983 verwirklicht werden, in die Devisenmärkte zu intervenieren, wenn es nützlich ist, dies
zu tun.
Die Staate- bzw. Regierungschefs
- fordern die Finanzminister der Gruppe der Fünf auf, Kanada und Italien
in ihre Treffen einzubeziehen, wann immer Management oder Verbesserung
des internationalen Währungssystems und entsprechender wirtschaftspolitischer Maßnahmen diskutiert und beschlossen werden sollen;
- laden die Finanzminister ein, beim nächsten Wirtschaftsgipfel über
Fortschritte zu berichten.
Diese Verbesserungen bei der Koordination sollten von ähnlichen Anstrengungen innerhalb der Gruppe der Zehn begleitet werden.
Die Verfolgung dieser Politik durch die Industriestaaten wird den Entwicklungsstaaten insofern helfen, als sie die Weltwirtschaft stärkt, Bedingungen für niedrigere Zinsen schafft, die Möglichkeit verstärkter Finanzströme in die Entwicklungsstaaten bietet, den Transfer von Technologie
unterstützt und den Zugang zu den Märkten der industrialisierten Staaten
verbessert.
Gleichzeitig können sich Entwicklungs-, besonders aber Schuldnerländer
darauf vorbereiten, durch eine wirksame Politik der strukturellen Anpassung, sowie durch Maßnahmen, um die inländischen Sparguthaben zu mobilisieren, den Kapitalrückfluß anzuregen, das Umfeld für Auslandsinvestitionen zu verbessern und eine offenere Handelspolitik zu fördern, eine größere Rolle in der Weltwirtschaft zu spielen. Im Bewußtsein der schwierigen
Lage der in bezug auf ihre Rohstoffe stark exportabhängigen Länder stimmen
wir der weiteren Unterstützung ihrer Bemühungen zu, ihre Produkte weiterzuverarbeiten, ihre Wirtschaft zu diversifizieren, und wir berücksichtigen
ihre Exportproblematik bei der Ausformulierung unserer eigenen Handelsund Innenpolitik.
Die Finanzierung über den Privatsektor wird auch weiterhin eine erhebliche Rolle dabei spielen, ihrem Entwicklungsbedarf entgegenzukommen. Wir
bestätigen unsere Bereitschaft, die Finanzierung von offizieller Seite an
die Entwicklungsländer, sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler
Ebene, aufrechtzuerhalten und, wenn nötig, zu erweitern. In diesem Zusammenhang messen wir einer baldigen und kräftigen Kapitalaufstockung der Internationalen Entwicklungsorganisation und einem Kapitalnachtrag für die
Weltbank, sofern erforderlich, große Bedeutung bei. Wir warten auf eine
zunehmende Aktivierung der Multilateralen Investmentgarantie-Behörde.
Wir bestätigen die anhaltende Bedeutung eines fallspezifischen Ansatzes beim internationalen Schuldenproblem. Wir begrüßen den Fortschritt,
den die Entwicklung einer gemeinsamen Schuldenstrategie mit sich gebracht
hat, die besonders auf die initiative der Vereinigten Staaten aufbaut.
Die Rolle der internationalen Finanzierungsorganisationen, zu denen die

�zu denen die multilateralen Entwicklungsbanken zählen, wird weiterhin zentral sein, und wir begrüßen Bewegungen hin zu einer engeren Zusammenarbeit
dieser Institutionen, besonders zwischen dem Internationalen Währungsfonds
(IWF) und der Weltbank. Für fundierte Anpassungsprogramme bedarf es der
erneuten Kreditvergabe durch kommerzielle Banken, wie auch der Flexibilität bei der Neufestsetzung des Schuldenstandes, bei einem angemessenen Zugang zu Exportkrediten.
Wir begrüßen die in der Ernährungssituation Afrikas eingetretene Verbesserung. Trotzdem benötigt eine Reihe afrikanischer Länder auch weiterhin Notfallhilfe, und wir sind bereit, hier Beistand zu leisten. Allgemein formuliert heißt das, daß wir weiterhin die hohe Priorität anerkennen, die einer Befriedigung der Bedürfnisse Afrikas zukommt. Die in dem
Bericht über Hilfe für Afrika, der uns von unseren Außenministern vorgelegt wurde, genannten Maßnahmen sollten kontinuierlich ergriffen werden.
Entsprechende Hilfe sollte besonders auf die mittel- und langfristige
Wirtschaftsentwicklung dieser Länder gerichtet sein. In diesem Zusammenhang messen wir der anhaltenden Zusammenarbeit mittels der Sondereinrichtung für afrikanische Länder südlich der Sahara sowie der baldigen Inkraftsetzung der im Rahmen des IWF neu geschaffenen Einrichtung für die
Strukturelle Anpassung und dem Gebrauch der IDA große Bedeutung bei. Wir
beabsichtigen, an der bevorstehenden Afrika-Sondersitzung der Vereinten
Nationen aktiv teilzunehmen, um den Grundstein für die langfristige Entwicklung der Region zu legen.
Das offene multilaterale Handelssystem ist ein Schlüssel zur Leistungsfähigkeit und Expansion der Weltwirtschaft. Wir bestätigen unser
Bestreben, dem Protektionismus Einhalt zu gebieten sowie Handelsschranken
zu verringern und abzubauen. Wir unterstützen die Stärkung des Systems
und der Funktionsfähigkeit des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens
(GATT), seine Anpassung an neue Entwicklungen im Welthandel sowie an das
internationale wirtschaftliche Umfeld und die Behandlung neuer Probleme im
internationalen Rahmen. Die neue Runde sollte sich unter anderem mit Fragen des Handels im Dienstleistungsbereich sowie handelsbezogenen Aspekten
der Rechte des geistigen Eigentums und der direkten Auslandsinvestitionen
befassen. Die weitere Liberalisierung des Handels ist unserer Ansicht
nach für die Entwicklungsländer nicht weniger wichtig als für uns selbst,
und wir setzen uns für den vorbereitenden Prozeß des GATT im Hinblick
darauf voll ein, bald eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen
ins Leben rufen zu können. Wir werden bei dem im September stattfindenden
Ministertreffen daran arbeiten, einen entscheidenden Fortschritt in dieser
Richtung zu erzielen.
Wir stellen mit Besorgnis fest, daß im Augenblick für einige wichtige
Agrarprodukte ein weltweiter struktureller Überschuß besteht, der teilweise durch technologische Verbesserungen entstanden ist, teilweise durch
Veränderungen der Situation auf dem Weltmarkt und zum Teil durch eine seit
langem betriebene Politik inländischer Subvention und Protektion der Landwirtschaft in all unseren Ländern. Hierdurch wird die Wirtschaft bestimmter Entwicklungsländer beeinträchtigt und das Risiko eines größeren protektionistischen Drucks erhöht. Das ist ein Problem, das wir alle teilen
und nur durch Zusammenarbeit lösen können. Wir alle erkennen die Bedeu-

�die Bedeutung der Landwirtschaft für das Wohlergehen ländlicher Gemeinden,
aber wir sind übereingekommen, daß bei vorhandenen Überschüssen Maßnahmen
notwendig werden, um die entsprechende Politik zu ändern und die Struktur
der landwirtschaftlichen Produktion der Weltnachfrage anzupassen. Wir
kennen die Bedeutung des Verständnisses dieser Fragen und drücken unsere
Entschlossenheit aus, die Arbeit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in dieser Hinsicht voll zu unterstützen.
I

Vor dem Hintergrund der Tatsache, daß der jüngste Rückgang der ölpreise der von uns in den letzten zehn Jahren verfolgten gemeinsamen Energiepolitik viel verdankt, erkennen wir die Notwendigkeit der Weiterführung
einer Politik, mit der langfristig eine Stabilität des Marktes und Gewährleistung der Versorgung erreicht werden. Wir weisen darauf hin, daß die
momentane Situation auf dem ölmarkt einige Länder in die Lage versetzt,
ihre Vorräte zu erhöhen.
Wir bestätigen die Bedeutung von Wissenschaft und Technologie für das
dynamische Wachstum der Weltwirtschaft und nehmen den Schlußbericht der
Arbeitsgruppe zu Technologie, Wachstum und Beschäftigung zustimmend zur
Kenntnis. Wir begrüßen den mit Hilfe des bemannten Weltraumsprogramms der
Vereinigten Staaten erzielten Fortschritt sowie den Fortschritt durch die
selbständige Arbeit der Europäischen Weltraumbehörde (ESA). Wir betonen
die Bedeutung einer wahren Partnerschaft und eines angemessenen Austauschs
von Informationen, Erfahrungen und Technologie unter den Teilnehmerländern. Wir bemerken mit Befriedigung die Ergebnisse des Symposiums über
Neurowissenschaft und Ethik, das diesmal auf Einladung der Bundesrepublik
Deutschland stattfand, und wir begrüßen die Entscheidung der kanadischen
Regierung, das nächste Zusammentreffen abzuhalten.
Wir bestätigen unsere mit anderen Regierungen geteilte Verantwortung,
die natürliche Umwelt zu bewahren und messen der internationalen Zusammenarbeit zur wirksamen Verhinderung und Kontrolle der Umweltverschmutzung
und des Umgangs mit natürlichen Ressourcen große Bedeutung bei. In dieser
Hinsicht weisen wir auf die Arbeit der Umweltexperten zur Verbesserung und
Harmonisierung von Techniken und Praktiken zur Gewinnung von Umweltdaten
hin und bitten sie, uns so schnell wie möglich Bericht zu erstatten. Wir
erkennen auch die Notwendigkeit, im Bereich der Umwelt die Zusammenarbeit
mit den Entwicklungsländern zu verstärken.
Wir sind übereingekommen, uns im Jahr 1987 wieder zu treffen und haben
die Einladung des Präsidenten des Rats der italienischen Regierung angenommen und als Ort des Zusammentreffens Italien gewählt.

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AMERIKA DIENST

ST-

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Wissenschaft und Technik
14. Mai 1986

18

NASA UNTERSUCHT FEHLSTART DER DELTA-RAKETE
Senator Gore fordert politische und technische Überprüfung des
Raumfahrtprogramms -

WASHINGTON - (AD) - Ein massiver Kurzschluß in der ersten Stufe war
die Ursache für den Fehlstart einer DELTA-Rakete am 3. Mai 1986, die einen
Wetterbeobachtungssatelliten auf eine erdsynchrone Bahn in 36 000 km Höhe
hätte bringen sollen. Dies gab Lawrence Ross, der Leiter der von der NASA
eingesetzten Kommission zur Untersuchung des Vorfalls, auf einer Pressekonferenz in Washington bekannt. Die Kommission soll ihren Bericht bis
zum 2. Juli vorlegen. Senator Albert Gore, Mitglied des Senatsunterausschusses für Angelegenheiten der US-Behörde für Luft und Raumfahrt (NASA),
forderte angesichts des DELTA-Fehlstarts eine komplette Überprüfung des
amerikanischen Raumfahrtprogramms in bezug auf politische Gesichtspunkte,
Prioritäten und Qualitätskontrollen.
Nach Angaben der NASA galt bisher die 42 Millionen Dollar teure
DELTA-Rakete als die erfolgreichste Trägerrakete der Welt. Seit 1977 war
jeder der in der Zwischenzeit vorgenommenen Starts erfolgreich verlaufen.
Von weiteren 134 Starts in den Jahren davor, zwischen 1960 und 1977, waren
neun gescheitert. Bei dem Fehlstart vom 3. Mai 1986 bewirkte der Kurzschluß in der mit Flüssigtreibstoff arbeitenden Grundstufe einen vorzeitigen Brennschluß und die Blockierung der Steuerungsventile. Der Träger
verlor plötzlich an Energie, kam vom Kurs ab und mußte durch Funkbefehl
zerstört werden.
Neun Feststoffraketen

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Neun Feststoffraketen umgeben den unteren Teil der 35 m langen DELTARakete. Fünf zünden beim Abheben, vier weitere später, um die Schubkraft
der Grundstufe während des Aufstiegs zu erhöhen. Die zweite und dritte
Stufe werden zum Einschießen in die Umlaufbahn benutztt.
Herstellerfirma der Feststoffrakete ist Morton Thiokol Inc., das
gleiche Unternehmen, das auch die zusatzträger für die Raumtransporter
baut. Jedoch gibt es im Gegensatz zu den Shuttle-Zusatzraketen bei den
DELTA-Feststoffraketen keine Einzelsegmente und damit auch keine Abdichtungsprobleme für Verbindungsstellen. Für den letzten Fehlstart einer
DELTA-Rakete im Jahr 1977 wurde das Durchbrennen eines FeststoffraketenBehälters infolge fehlerhafter Treibstoffmasse verantwortlich gemacht.
Folge des Durchbrennens war eine Explosion des Tanks für die flüssigen
Treibstoffe der Grundstufe.

* * * * * *

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AMERIKA DIENST

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4

Wissenschaft und Technik
14. Mai 1986

18

BESSERE WIRBELKANAL-DIAGNOSTIK BEI KERNSPINTOMOGRAPHIE
- Ausweitung medizinisch-biologischer Forschungen mit der
kernmagnetischen Resonanzmethode -

- (AD) - Statt einer Röntgen-Darstellung des Wirbelkanals samt Rückenmark und Nervenansätzen durch die Injektion von Luft oder einem Kontrastmittel (Myelographie) für diagnostische Zwecke wird am Klinikum der
Stanford-Universität (Kalifornien) jetzt regelmäßig das Verfahren der
Kernspintomographie angewandt. Dr. Dieter Enzmann, Professor für Radiologie und Direktor der Abteilung für Kernspintomographie an der Universität,
hält es für denkbar, daß die in Stanford entwickelten Verbesserungen dazu
führen werden, Myelographie immer seltener anwenden zu müssen. Denn dieses invasive Verfahren ist für den Patienten meist sehr unangenehm und
kann schwerwiegende Nebenwirkungen haben.
Die Kernspintomographie ("Magnetic Resonance Imaging" - MRI) basiert
darauf, daß die Kerne der Zellatome im Körper magnetisch geladene Partikel
enthalten, die unter der Einwirkung eines starken Elektromagneten veranlaßt werden können, selbst elektromagnetische Signale abzugeben. Diese
Signale lassen sich elektronisch erfassen und ergeben bei der Auswertung
durch besonders programmierte Computer "Schnittbilder" der untersuchten
Körperpartie. Diese zeigen sehr viel mehr Einzelheiten als Aufnahmen, die
durch die Anwendung anderer moderner Darstellungsverfahren wie RöntgenComputertomographie oder Sonographie gemacht werden. Unterschiede zwischen den Geweben werden besser "herausgearbeitet".
Unzulänglichkeiten der

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�Unzulänglichkeiten der MR-Aufnahmen vom Wirbelkanal konnten inzwischen
ausgemerzt werden. Es waren vor allem Unscharfen, z.T. aber auch scheinbare Abbildungsfehler, die man sich zunächst nicht erklären konnte.
Schließlich fanden Dr. Enzmann, sein Kollege Dr. Jeremy Rubin und Dr.
Allan Wright (Radiologe für Herz- und Gefäßuntersuchungen) heraus, daß die
MR-Datenaufnähme exakt mit der Herzfrequenz abgestimmt werden muß. Wird
diese Voraussetzung erfüllt und konstant eingehalten, erhält man scharfe,
ungemein detailreiche Schnittbilder. Die Kosten für MR-Schichtaufnahmen
der Wirbelsäule liegen zwischen 600 und 800 Dollar; Darstellungen mittels
Myeolographie kosten zwischen 525 und 900 Dollar.
Gegenwärtig wird das verbesserte MR-Verfahren nur in Stanford angewandt. Bis andere amerikanische Institute geeignete Computer und die entsprechende Software vorbereitet haben, um ebenfalls Wirbelkanal-Schnittbilder nach der Stanford-Methode durchzuführen, dürften nach Ansicht Dr.
Enzmanns noch Monate vergehen. Am 18. Mai wird im Klinikum ein Seminar
über das neue Verfahren veranstaltet.
Das Prinzip der kernmagnetischen Resonanz ("nuclear magnetic resonance" - NMR) versucht man an der Stanford-Universität für medizinischbiologische Forschungen zunehmend in anderen Spezialgebieten nutzbar zu
machen. So arbeitet gegenwärtig eine Gruppe von Pathologen unter der Leitung von Prof. Steven Quay daran, die charakteristischen Resonanzprofile
der verschiedenen Gewebstypen des menschlichen Körpers sowie der Zelltypen
von Tumoren, die in den einzelnen Geweben entstehen können, aufzunehmen
und zu katalogisieren. Wie Prof. Quay auf der Jahrestagung der Internationalen Akademie für Pathologie (März 1986 in New Orleans) berichtete,
stehe bereits fest, daß zum Beispiel Karzinome und Sarkome spektrographisch voneinander zu unterscheiden seien. Außerdem seien auch bestimmte Typen von Infektionen zu identifizieren. "Wir bekamen ein sehr
charakteristisches Signal bei Lungenentzündung", sagte Quay. Ziel dieser
Untersuchungsreihe sei es, an Hand winziger Gewebeproben beispielsweise
während einer Operation rasch eine vorläufige Analyse vornehmen zu können.
Sie dürfte sogar genauer sein als die heute übliche mikroskopische Untersuchung. Während bei dieser "die Pathologen nach Mustern für anomales Gewebewachstum oder anomales Zellverhalten suchen, könnten sich aus dieser
neuen Methode vielleicht sogar völlig neue Einsichten in die Zellorganisation ergeben", meinte Quay.
Die Forscher verwenden für die Gewebsanalysen eine relativ sehr kleine
Apparatur, die für den speziellen Zweck aber genauere Informationen als
die große MRI-Maschine liefert. Sie könne, so Quay, überaus feine Unterschiede zwischen Gewebstypen erfassen, was zum Beispiel bei der Kernspintomographie, bei der ja große Körperpartien untersucht werden, nicht
möglich sei. Allerdings befinde man sich erst im Anfangsstadium eines
Projekts, das vermutlich noch drei bis vier Jahre in Anspruch nehme, ehe
es ausgereift sei. Erst dann könne man beurteilen, in welchem Umfang es
sich für die Praxis als nützlich erweise. Die dafür erforderlichen Ausrüstungen seien klein und kostengünstig genug, um auch kleineren Kliniken
und Instituten für pathologische Untersuchungen die Anschaffung zu erlauben.
Biologische und
- 2 -

�Biologische und physiologische Studien mittels der MRI-Methode sollen
erheblich ausgeweitet werden. Für diesen Zweck gaben kürzlich unter anderem die Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NHI) einen Zuschuß von 1,25 Millionen Dollar an das MR-Laboratorium der Stanford-Universität. Dort hatten sich bisher die meisten Studien auf chemische Untersuchungen konzentriert. Erfaßt und gemessen werden dabei Signale, die
von Wasserstoffatomen und ihrer "chemischen Umgebung" ausgehen und unter
der Einwirkung eines starken Elektromagneten erzeugt werden. Jetzt will
man versuchen, nicht nur von oberflächennahem Gewebe, sondern auch von
tieferen Regionen, zum Beispiel aus zentralen Partien des Gehirns, sowohl
detaillierte als auch exakte anatomische Informationen zu bekommen.
Das kernmagnetische Resonanzverfahren basiert auf einer Entdeckung,
die Ende der vierziger Jahre von Felix Bloch (Stanford-Universität) und
E.M. Purcell (Harvard-Universität) fast gleichzeitig gemacht wurde. Die
Unterschiede zwischen den von den magnetisch geladenen Atomkernen im Körper ausgesandten Signalen geben heute dem Wissenschaftler die Möglichkeit,
exakte Rückschlüsse darauf zu erzielen, aus welcher Art von Gewebe sie
kommen, woraus das betrefffende Organ besteht und wie dieses Organ selbst
in Verbindung mit anderen Organen funktioniert. Die Informationen werden
in spektroskopischen Kurven mit sehr hoher Auflösung dargestellt. Typische Linien zeigen genau an, wie Substanzen im Körper verarbeitet werden. Die in den letzten Jahren entwickelte Methode der röntgenbildähnlichen Darstellung ("Kernspintomographie" - MRI) läßt, ohne Strahlenbelastung für den Patienten, auch weiches Gewebe gut erkennen. Während es
jedoch einfach sei, so Dr. Oleg Jardetzky, Direktor des MR-Laboratoriums
der Stanford-Universität, ein Spektrum vom Kopf eines Versuchstieres, auch
vom Arm oder vom Bein eines Menschen zu bekommen, sei es außerordentlich
schwierig, die Signalorte im Körper exakt zu lokalisieren. Erst wenn das
gelingt, sei der Medizin ein neues, sehr weites Feld eröffnet. Beispielsweise ließe sich dann die Chemie des Gehirns als eine Funktion von Signalen studieren, die von einem Sinnesorgan zur Hirnrinde weitergeleitet werden. Dem heute üblichen Elektroenzephalogramm (EEG) wäre eine solche Methode nach Umfang und Aussagekraft weit überlegen.
Drei Pilotprojekte des MR-Laboratoriums ebneten, wie Jardetzky, Professor für Pharmakologie, erklärt, den Weg für neue Anwendungsmöglichkeiten: 1. Studium des Stoffwechsels bestimmter Pflanzen (Dr. Justin
Roberts, jetzt Universität Kalifornien in Riverside), 2. Veränderung des
Stoffwechsels von Schildkröten unter Wasser, die dabei lange Zeit ohne
Sauerstoffzufuhr auskommen können. Diese Studie von Prof. Eugene Robin
(innere Medizin und Physiologie) ermöglichte die exakte Definierung der
Aufeinanderfolge chemischer Vorgänge in den Körperzellen der Schildkröte,
die sie befähigen, sich unter Wasser aufzuhalten. Mit der dritten Studie
schließlich, die der Herz- und Gefäßchirurg Prof. Stuart Jamieson durchführte, wurde exakte ermittelt, wie lange ein Herz außerhalb des Körpers
gehalten werden und dennoch funktionsfähig sein kann, wie es am besten zu
konservieren sei und wie groß seine Kapazität ist, verlorene Energie wieder aufzubauen. Solche Informationen seien ungemein wichtig für die
Transplantationschirurgie.
Jardetzky zufolge
- 3 -

�Jardetzky zufolge werde man aber auch künftig die Arbeiten auf makromolekularem Gebiet fortsetzen, in die eine Reihe anderer Departments der
Universität (Biochemie, biologische Wissenschaften, Chemie und Pharmakologie) sowie Institute der Staatsuniversitäten von Kalifornien und Wisconsin
eingeschaltet seien. Eine weitere neue Forschungsrichtung ergebe sich aus
der Zusammenarbeit mit dem Stanford-Department für Computerwissenschaften.
Sie umfasse u.a. ein Programm aus dem Gebiet der sogenannten künstlichen Intelligenz mit der Bezeichnung PROTEAN und dessen Entwicklung zu
einem Instrument, um Daten über die magnetische Resonanz bei Proteinen zu
interpretieren. Vier Wissenschaftler befassen sich zur Zeit damit, die
Stärken und Grenzen des PROTEAN-Programms im Zusammenhang mit Protein-Molekülen bekannter und unbekannter Struktur auszuloten. "Wir entwickelten
bereits eine ganz neue Methode, um aufgrund der magnetischen Resonanzdaten
die Strukturen von Proteinen zu ermitteln", sagte Jardetzky. Unter den
Ausrüstungen befinden sich gegenwärtig Spektrometer für 500, 360 und 100
Megahertz (MHz - 1 MHz bedeutet 1 Million Schwingungen pro Sekunde). Ein
viertes Instrument für den 100 MHz-Bereich, das von der Fa. Bruker aus der
Bundesrepublik Deutschland geliefert wird, soll hauptsächlich für kernmagnetische Resonanzstudien an lebenden Organismen und die Entwicklung von
Methoden dienen, um Spektren in tiefen Strukturen zu lokalisieren.

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