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                  <text>15

2 3 . A p r i l 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Übereinstimmung zwischen Reagan und Genscher bei Terrorismusbekämpfung
- Informationsgespräch mit hohem Regierungsbeamten Bush: OS-Militäraktion gegen Libyen kein bevorzugtes Mittel
- Rede des amerikanischen Vizepräsidenten in New Hampshire (Auszüge)
Vereinigte Staaten prüfen Gorbatschows Abrüstungsvorschläge
- Stellungnahme des US-Außenministeriums Mögliche Vorbereitungen der Sowjets für landesweite ABM-Verteidigung
- Weinberger vor der Gesellschaft für Weltpolitik Vereinigte Staaten loben UNICEF-Hilfe für afghanische Kinder
- Erklärung der amerikanischen Mission bei den Vereinten Nationen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Nervenregeneration abhängig vom Cholesterintransport
- Neue Erkenntnisse zur Funktion eines speziellen Eiweißmoleküls

THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1985

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
%

Dokumentation

et

23. April 1986

15

ÜBEREINSTIMMUNG ZWISCHEN REAGAN UND GENSCHER BEI

TERRORISMUSBEKXMPPÜNG

- Informationsgespräch mit hohem Regierungsbeamten -

WASHINGTON - (AD) - Nach Aussagen eines hohen Regierungsvertreters
trafen Präsident Reagan und Bundesaußenminister Genscher am 16. April
1986 zu einem halbstündigen Gespräch zusammen, das der Beamte als "herzlich und entspannt" bezeichnete. Zwei Fragen, die momentan das öffentliche Interesse bewegen, wurden jedoch nicht angeschnitten: der amerikanische Angriff auf Libyen und die Frage der Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen das Gadhafi-Regime.
Der Regierungsvertreter gab folgende Stellungnahme ab, zu der einige
Fragen gestellt wurden, deren Wortlaut wir hier abdrucken:
Wie Sie wissen, war das Treffen auf etwa fünfzehn Minuten angesetzt;
es dauerte jedoch insgesamt eine halbe Stunde. Ich fand es sehr herzlich
und entspannt. Es bestand eindeutig ein harmonisches Verhältnis zwischen
Präsident Reagan und Bundesaußenminister Genscher.
Den Haupttagesordnungspunkt stellten natürlich die Auswirkungen unserer Aktionen in Libyen dar. Es gab einen Konsens und ganz sicher eine
gemeinsame Auffassung über die Gefahr und Bedrohung des internationalen
Terrorismus. Der Bundesaußenminister hatte eine Reihe von interessanten
Ideen über Maßnahmen, die wir treffen könnten und sollten, um die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus wirkungsvoller zu intensi-

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�zu intensivieren. Er dachte dabei nicht nur an eine engere Zusammenarbeit der westlichen Länder, sondern an eine verstärkte Aktivierung der
gemäßigten arabischen Staaten in dieser Hinsicht. Das wird ohne Zweifel
auch morgen auf der Außenministerkonferenz der EG und wahrscheinlich auch
beim Gipfel in Tokio auf der Tagesordnung stehen. Als der Bundesaußenminister seine Ausführungen beendet hatte, sagte Präsident Reagan: "Ich
freue mich, daß wir auf der gleichen Wellenlänge liegen".
Bei der Diskussion um die Differenzen der Vereinigten Staaten und der
EG über Agrarexporte betonte Genscher die Bedeutung der Behandlung dieser
Krise; es handle sich hier um ein vordringlich politisches Problem, dem
wir größere Aufmerksamkeit widmen müßten.
Der Bundesaußenminister bat den Präsidenten um seine Beurteilung der
Ost-West-Beziehungen vor dem Hintergrund der sowjetischen Entscheidung,
das für Mai vorgesehene Zusammentreffen der Außenminister Shultz und
Schewardnadse nicht abzuhalten. Der Präsident sagte dazu ganz offen, er
sei enttäuscht und die sowjetische Entscheidung schiene ihm nicht im Einklang mit ihren Beteuerungen hinsichtlich der Bekämpfung des Terrorismus
zu stehen.
Der Präsident betonte weiterhin, daß wir die Abrüstung weiter fortsetzen wollen. In diesem Zusammenhang wies Genscher wiederholt auf das
Problem der Verifizierbarkeit hin und auf ihre Bedeutung nicht nur bei
den Gesprächen über Mittelstreckenraketen (INF), sondern auch bei den
Wiener Verhandlungen über einen Truppenabbau in Europa (MBFR) und der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE).
Ich denke, das waren die Hauptpunkte. Der Bundesaußenminister erklärte, daß die Bundesrepublik Deutschland unsere Vorschläge bei INF und
MBFR unterstützt. Es gab einige Ausführungen zu Verhandlungen mit der
Sowjetunion über ein Verbot von Atomtests. Solange wir, so Präsident
Reagan, in der Entwicklung zurückliegen, wäre es nur gerecht, wenn die
Sowjetunion uns den Abschluß vergleichbarer Tests zubilligte. In jedem
Fall sei Verifizierbarkeit sehr wichtig, und der Präsident wies nochmals
darauf hin, daß wir bereits zum Besuch und zur Beobachtung von Tests eingeladen haben.
Ein anderes Thema war die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung der
KSZE-Konferenz, wobei Genscher wiederum auf die vorbildliche Zusammenarbeit nicht nur unter den westlichen, sondern auch unter den neutralen
blockfreien Staaten und mit Madrid verwies sowie darauf, daß es notwendig
sei, eine sorgfältige Strategie auszuarbeiten, bevor wir nach Wien gehen.
Das wird zweifellos auch beim NATO-Treffen in Halifax auf der Tagesordnung stehen. Ich denke, das waren die Hauptthemen des Gesprächs.

FRAGE:

Was ist

�FRAGE: Was ist der Zweck seines (Genschers) Besuchs hier, und wie
lauteten seine Vorschläge zum Terrorismus?
ANTWORT: Der Besuch des Bundesaußenministers stand seit über einem
Monat fest, und er kommt in der Regel einmal im Jahr zu allgemeinen Konsultationen. Er konnte kaum vorhersehen, daß der gesamte Besuch von der
Angelegenheit in Libyen überschattet sein würde, aber das passiert nun
einmal. Was seine Vorschläge betrifft, wäre es mir lieber, er würde sie
selbst vortragen - aber sie waren positiv und der Präsident begrüßte sie.
FRAGE: Hat die Bundesrepublik Deutschland die Bombardierung Libyens
unterstützt?
ANTWORT: Es gab dazu eine ausdrückliche Stellungnahme, aber sie ist
sicher in der gestrigen Regierungserklärung, einer gemeinsamen Erklärung
von CDU und FDP, enthalten, die der Bundesaußenminister nach seinen eigenen Angaben mit aufgesetzt hat. Darüber hinaus gab es heute eine Debatte
im Bundestag. Ich habe davon noch keinen Text, obwohl ich annehme, daß
der Bundeskanzler unter anderem Erkenntnisse des BND bestätigt hat, daß
umfassende Beweise einer libyschen Verwicklung in den Bombenanschlag auf
die Diskothek in West-Berlin vorgelegen haben.
FRAGE: Haben die Verbündeten untereinander darüber geprochen, wie
dem Terrorismus zu begegnen sei, und gab es Unstimmigkeiten über den Bombenangriff auf Libyen?
ANTWORT: Nein, überhaupt nicht. Es gab gar keine Kritik.
eine sehr optimistische, zukunftsgerichtete Diskussion.
FRAGE:

Es war

Was sagte er über die Auswirkungen des wachsenden Terrorismus?

ANTWORT:

Dazu sagte er nichts.

FRAGE: Welche Schritte erwähnte er, die seiner Meinung nach die
Staaten des Mittleren Ostens unternehmen könnten, um sich am Kampf gegen
den Terrorismus zu beteiligen?
ANTWORT: Er hat das nicht näher ausgeführt. Wie ich schon sagte,
glaube ich, daß es besser wäre, wenn er dies selbst beschreiben würde,
aber er hat generell auf die Notwendigkeit hingewiesen, das Netz der Zusammenarbeit enger zu ziehen, es über die westlichen Länder hinaus auch
auf gemäßigte arabische Staaten auszudehnen. Er hat sogar angedeutet,
daß es Möglichkeiten geben könnte, die osteuropäischen Staaten des Warschauer Pakts einzubeziehen. Der Präsident schien daran sehr interessiert zu sein. Er hat da einige Beispiele aus der Vergangenheit zitiert.
FRAGE: Zu den Wirtschaftssanktionen. Bis jetzt waren sie sehr zurückhaltend bei der Beteiligung. Hat er die Bereitschaft zu einer aktiveren Haltung bekundet?
ANTWORT:

Darüber

�ANTWORT: Darüber wurde nicht gesprochen.
etwas gesagt.
FRAGE:

Keiner von beiden hat dazu

Es gab keine Gespräche über Wirtschaftssanktionen?

ANTWORT:

Nein.

FRAGE: Hat der Präsident ihm eine Frage gestellt, die eine Annäherung der unterschiedlichen Haltung unter den Verbündeten über die Terrorismus-Frage betrifft?
ANTWORT: Nein, er hat den Bundesaußenminister nicht gebeten, irgendwelche besonderen ....zu unternehmen.
FRAGE: Wurde die Frage der heutigen Kämpfe in Libyen oder der Angriff auf den amerikanischen Diplomaten in Khartum heute nacht angeschnitten?
ANTWORT:
FRAGE:

Nein.
Keine von beiden?

ANTWORT:

Nein, keine von beiden.

FRAGE: Ist es nicht verwunderlich, daß der Präsident und der Bundesaußenminister dieses Treffen abhielten und dabei nicht über die im Augenblick vordringlichsten Differenzen der beiden Länder sprachen, wie zum
Beispiel die Wirtschaftssanktionen oder die Haltung der Verbündeten zur
Bombardierung?
ANTWORT: Das würde ich nicht so sehen. Es gab bereits umfassende Gespräche mit den Verbündeten. Wir haben unsere und sie haben ihre Ansichten darlegt. Die Gespräche sind noch im Gange, es ist nicht so, daß sie
erst diese Woche begonnen hätten. Sie gehen auf die Mission des stellvertretenden Außenministers Whitehead und noch weiter zurück. Es ist
klar, daß es zwischen unserem Standpunkt und dem der Europäer Differenzen
gibt. Und es gibt sogar Unstimmigkeiten unter den Europäern. Aber darüber wurde beim Zusammentreffen heute morgen nicht gesprochen.
FRAGE: Sie haben gesagt, Genscher habe um eine Beurteilung des Präsidenten zu den Ost-West-Beziehungen vor dem Hintergrund der Absage des
angekündigten vorbereitenden Treffens zum Gipfel gebeten. Und sie haben
gesagt, daß er enttäuscht war. Hat Genscher seitens der Verbündeten seine
Besorgnis darüber ausgedrückt, daß der Gipfel ...
ANTWORT:

Nein, überhaupt nicht.

FRAGE: Mir ist es nicht ganz klar geworden; war es der Präsident
oder der Bundesaußenminister, der frühere Fälle erwähnt hat, um auf die
Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den Staaten des Warschauer Pakts hinzuweisen?
ANTWORT: Das war

�ANTWORT:
FRAGE:

Das war der Bundesaußenminister.
Können sie sagen, welche früheren Fälle es gab?

ANTWORT: Ich kenne dazu keine näheren Einzelheiten, aber es ging um
einen konkreten Fall in Bulgarien, an den Genscher sich erinnerte, weil
er damit befaßt war. Ich möchte darüber hinaus nichts dazu sagen.
FRAGE: Hat der Präsident angedeutet, ob er die Absage des Treffens
zwischen Shultz und Schewarnadse als vorläufigen Rückschlag betrachtet
oder ob es Probleme dabei geben wird, den Faden wieder aufzunehmen?
ANTWORT: Er hat keine Andeutungen gemacht. Er hat nichts gesagt,
daß darauf hindeuten würde, daß es nicht stattfindet. Darüber hinaus hat
er nichts gesagt.
FRAGE: War es der Bundesaußenminister, der das Problem der Agrarexporte aufwarf? Und was hat er dazu gesagt?
ANTWORT: Ja, es war Genscher, der die Frage anschnitt und auf die
Bedeutung hinwies, damit fertigzuwerden. Das war ziemlich typisch für
Genscher, ich meine, die Auffassung, daß es sich um ein politisches Problem handelt und daß wir es nicht erlauben dürfen, daß unsere Differenzen
in Wirtschaftsoder Handelsfragen die politische Zusammenarbeit überschatten. Genscher und unser Außenminister waren in der Vergangenheit Schlüsselfiguren, wenn es darum ging, Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und der EG abzuwenden. Daher glaube ich, daß er diesem
Muster folgte, als er dem Präsidenten sagte, daß wir diese Frage politisch behandeln müßten.
FRAGE: Hat der Bundesaußenminister zugesichert, daß die Bundesrepublik Deutschland eine aktivere Rolle dabei spielen würde, einem auf internationaler Ebene koordinierten Ansatz gegen den Terrorismus zu folgen,
ohne solche Einzelheiten wie Wirtschaftsanktionen in Betracht zu ziehen?
Hat er einen aktiven Einsatz versprochen und eventuell Beispiele genannt,
was zu tun sei?
ANTWORT: Das ist keine Frage im Sinne von "Hiermit versichere ich
...", aber es kam bei allem, was er sagte, zum Ausdruck. Seine gesamte
Haltung zu diesem Thema war, daß wir viel mehr tun müßten. Wie Sie wissen, spielte er eine entscheiden Rolle bei der Erklärung der Europäischen
Gemeinschaft von vorgestern. Darauf aufbauend, wird er sich für eine engere Zusammenarbeit der westlichen Staaten einsetzen.

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AMERIKA DIENST
Dokumentation
23. April 1986

15

BUSH:

US-MILITÄRAKTION GEGEN LIBYEN KEIN BEVORZUGTES MITTEL

- Rede des amerikanischen Vize-Präsidenten in New Hampshire (Auszüge)

CONCORD, NEW HAMPSHIRE - (AD) - In einer Rede vor dem Parlament des
amerikanischen Bundesstaates New Hampshire erklärte Vize-Präsident Bush am
17. April 1986, daß die Militäraktion gegen Libyen nicht das bevorzugte
Mittel der Vereinigten Staaten gewesen sei, um mit Muammar Gadhafi fertig
zu werden. Gadhafis fortgesetzte Unterstützung des Terrorismus habe die
Vereinigten Staaten vielmehr gezwungen, sich zu verteidigen.
Im folgenden veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede des amerikanischen Vizepräsidenten:
Wir alle kennen Muammar Gadhafi und das, was er tut und warum er es
tut.
Gadhafi hat sich niemals Mühe gegeben, seine Verstrickung in den Terrorismus zu bestreiten. Es fiel ihm sogar schwer, seinen Stolz auf seine
Untaten zu verbergen. Im September feierte er den 16. Jahrestag seiner
Machtübernahme und erklärte dabei: "Wir haben das Recht, den Terrorismus
zu exportieren."
Trotz erdrückender

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�Trotz erdrückender Beweise für seine Verwicklung in terroristische Aktivitäten haben wir anfänglich nicht mit militärischer Gewalt reagiert.
Wie Präsident Reagan Montag abend erklärt hat, haben wir jedes friedliche
und diplomatische Mittel eingesetzt, um Gadhafi davon zu überzeugen, daß
seine Unterstützung des internationalen Terrorismus unannehmbar ist.
Wir haben Gadhafi diese Möglichkeiten zur Beendigung seiner Unterstützung des Terrorismus gegeben, weil es der richtige Schritt war, dies zu
tun, weil es moralisch richtig war und weil wir den Kampf nicht suchen.
Konfrontationen oder Blutvergießen bereiten uns keine Freude. Militärische Lösungen können für uns niemals die erste Wahl sein. Aber einmal
ist der Punkt erreicht, an dem wir handeln müssen, um uns selbst zu schützen.
Machen Sie sich darüber keine Illusionen: Gadhafi ist ein Terrorist.
Er drückt nicht selbst ab, er versteckt nicht selber Bomben in Koffern.
Er möchte sicher sein, daß er wieder und wieder zu töten in der Lage ist,
und deshalb schickt er andere vor, um sein Werk zu erledigen. Er selbst
liefert jedoch die Inspiration. Er stellt das Geld, die Waffen, die Ausbildung, die falschen Papiere zur Verfügung, und er wählt die Ziele aus.
Und falls seine Killer ihre Unternehmen überleben, überschüttet er sie mit
Belohnungen.
Zusätzlich zu seiner Verantwortung für den Bombenanschlag von Berlin
haben wir substantielle Beweise für seine Verwicklung in terroristische
Aktionen in der ganzen Welt. Er unterstützt Abu Nidal, jenen radikalen
Palästinenser, der für die Massaker auf den Flüghäfen von Rom und Wien
verantwortlich ist. Mit Gadhafis Segen unterhält Abu Nidal seine Operationsbasis in Libyen.
Gadhafi betreibt eine aktive Kampagne, um die Regierungen anderer arabischer Staaten zu destabilisieren. Er schickt seine Agenten aus, um führende Politiker zu ermorden, und er liefert Waffen an radikale Elemente.
In Libyen selbst toleriert Gadhafi keine Gegenmeinung. Er ist für die
Ermordung Dutzender Dissidenten verantwortlich. Er sendet seine Killer
aus, um sie zu töten, selbst nachdem sie aus seinem Land geflohen sind.
Im vorigen Jahr hat die amerikanische Regierung einen Plan Gadhafis vereitelt, in unserem Lande lebende, oppositionelle libysche Studenten zu ermorden. Zur Zeit unseres Luftangriffs am Montag hatten wir nicht weniger
als 30 für die nächsten Monate geplante terroristische Aktionen auf
Gadhafis Todeskalender dokumentiert.
Ich denke, es ist wichtig, Gadhafi in der richtigen Perspektive zu sehen und ihn in den historischen Kontext einzuordnen.
Zuallererst ist er nichts Neues in der Geschichte der Menschheit.
Sein Typus ist nichts Neues unter der Sonne. Bisweilen - vielleicht
manchmal öfter - bringt die Geschichte Gestalten hervor, die Verwirrung
stiften, das Unterste zuoberst kehren und die Welt in Schwierigkeiten
stürzen wollen.
Seit langem
- 2 -

�Seit langem benutzt Gadhafi eine einzige Waffe gegen den Westen und
unser Land: den Terrorismus. Die Androhung sinnloser und blutiger Gewalt
gegen Unschuldige zumeist, wenn diese am wenigsten erwartet wird. Das
Ziel der Terroristen: uns durch Angst und Furcht und Anspannung zu zermürben, uns durch wachsenden Zorn und Frustration auseinanderzureißen,
weil wir nicht gegen diejenigen zurückschlagen können, die uns verwunden,
und wir uns statt dessen gegenseitig schlagen. Gadhafi hat versucht, dieses Ziel im Atlantischen Bündnis zu erreichen - und, lassen Sie mich ganz
offen sein: er hat dabei einige Erfolge erzielt.
Der Terrorismus ist die Taktik des modernen kriminellen Staates, normalerweise eines kleinen und nicht übermäßig mächtigen Staates. Und es
ist nicht überraschend, daß solche Staaten sich immer die freien Staaten
der Welt zum Ziel wählen. Die Sowjetunion bildet nur in den seltensten
Fällen ihr Ziel. Die Ziele sind Amerika und Europa. Die freien Staaten
sind verwundbar, während die Polizeistaaten Häfen der Sicherheit darstellen. Dies ist eine weitere Tatsache, die Leute vom Schlage Gadhafis so
sehr lieben.
Das Ziel dieser kriminellen terroristischen Staaten ist es, uns zu demoralisieren - so viel Furcht zu schaffen, daß wir ihren Forderungen nachgeben, um den Spannungen zu entgehen.
Es ist dies eine Art von moralischer Abrüstung, von der ich jetzt
spreche. Und das ist es genau, wovon offengestanden unsere Verbündeten
bis zu einem gewissen Grad angesteckt worden sind.
Bei unserer gemeinsamen Verteidigung gegen die sowjetische Bedrohung
arbeiten wir eng zusammen, wir haben ausgedehnte Handelsbeziehungen mit
den Verbündeten - unsere historischen Traditionen sind so beschaffen, daß
wir niemals unsere moralischen oder gefühlsmäßigen Bindungen an sie aufgeben werden.
Aber wir sollten offen reden. Das amerikanische Volk wird es nicht
verstehen, wenn wir den Kampf gegen den Terrorismus alleine führen müssen.
Es wird nicht verstehen, warum ein Paria wie Gadhafi von unseren Freunden
nicht wirksamer isoliert werden kann. Es muß ihm zu denken gegen, wenn
unsere Piloten gezwungen werden, stundenlange Umwege zu fliegen, um einen
Verteidigungsschlag gegen den wahllosen Terror durchzuführen. Und das
amerikanische Volk wird fragen, warum nicht mehr getan worden ist - nachdem so viel Zeit vergangen ist -, um den Terrorismus zu beenden, der seine
Unterstützung aus den libyschen Volksbüros bezieht.
Ein Terrorist, der ein unschuldiges Kind ermordet, der einen amerikanischen Diplomaten erschießt, der ein Flugzeug während des Fluges in die
Luft sprengt - dieser Terrorist muß mit dem sicheren Tod und dem Fehlschlag seiner Sache konfrontiert werden. Wir müssen den Preis für die
Terroristen und diejenigen, die ihnen Unterstützung angedeihen lassen, so
hoch ansetzen, daß sie diese grausamste Art der Kriegführung aufgeben.

* * * * * *
- 3 -

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

VoN^

»3. April 1986

15

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN GORBATSCHOWS

ABRUSTUNGSVORSCHLXGE

- Stellungnahme des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - In einer vom amerikanischen Außenministerium am
18. April 1986 vorgelegten schriftlichen Stellungnahme erklärte die Behörde, sie werde die jüngsten Vorschläge des sowjetischen Generalsekretärs
Gorbatschow sorgfältig prüfen und "nähere Erläuterungen zu den Einzelheiten seiner Vorschläge in entsprechenden diplomatischen Foren begrüßen".
Es sei zunächst nicht ganz klar, ob es sich um Vorschläge zu einer neuen
Runde von Rüstungskontrollverhandlungen oder um eine Fortsetzung der augenblicklich stattfindenden Gespräche handele.
Im folgenden geben wir die Stellungnahme des Außenministeriums im
Wortlaut wieder:
Wir werden die heute von Generalsekretär Gorbatschow abgegebenen Erklärung prüfen und würden nähere Erläuterungen zu den Einzelheiten seiner
Vorschläge in entsprechenden diplomatischen Foren begrüßen.
Laut Medienberichten scheint der Vorschlag den augenblicklich stattfindenden Verhandlungen, wie zum Beispiel den Wiener Verhandlungen über
einen Truppenabbau in Europa (MBFR), zu widersprechen. Es ist nicht klari

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�nicht klar, ob Gorbatschow eine neue Art von Verhandlungen oder eine Fortsetzung der bestehenden Gespräche vorschlägt.
Die MBFR-Verhandlungen zielen auf eine Reduzierung und Begrenzung konventioneller Streitkräfte in Mitteleuropa ab, zu denen die amerikanischen
und sowjetischen Truppen in der Region zählen. Sie betreffen Streitkräfte
in der Bundesrepublik Deutschland und den Benelux-Ländern sowie in der
Deutschen Demokratischen Republik, Polen und der Tschechoslowakei auf der
östlichen Seite. Die Verhandlungen betreffen keine sowjetischen Truppen
in der Sowjetunion oder Truppen anderer europäischer Länder.
Wenn die Sowjetunion das Problem des Ungleichgewichts konventioneller
Streitkräfte in Europa ernsthaft angehen will, so glauben wir, daß die vom
Westen in Wien unterbreiteten Vorschläge eine ausgezeichnete Grundlage für
einen konkreten Fortschritt darstellen. Wir sind heute bei MBFR einem Abkommen näher als in der gesamten 13jährigen Geschichte dieser Verhandlungen. Aber der Fortschritt hängt von der sowjetischen Bereitschaft ab, mit
der Flexibilität der jüngsten NATO-Initiative gleichzuziehen.
Am 5. Dezember hat der Westen in Wien einen neuen Anstoß für den Abbau
der amerikanischen und sowjetischen Landstreitkräfte gegeben (US - 5 000
und UdSSR - 11 500 Soldaten) und vorgeschlagen, die auf beiden Seiten verbleibenden Luft- und Landstreitkräfte zu begrenzen. Die NATO hat den östlichen Vorschlag vom 20. Februar angenommen, die Gespräche zunächst auf
ein Abkommen über eine erste Phase zu richten bevor ein umfassender Abbau
bis zu einem Gleichstand auf beiden Seiten weiterverfolgt wird.
Der Vorschlag der NATO, der darauf abzielt, die seit 13 Jahren festgefahrenen MBFR-Verhandlungen wieder in Gang zu setzen, schafft all das beiseite, was die Sowjets als das größte Hindernis bei den Gesprächen bezeichnet haben - die Lösung der Datenfrage bei den östlichen Truppen vor
der Unterzeichnung eines Vertrages.
Außerdem beinhaltet er ernsthafte und gerechte Verifikationsmaßnahmen,
einschließlich der Verpflichtung zu Inspektionen vor Ort, um die wirksame
Überwachung eines Abkommens zu gewährleisten.
Bis jetzt haben die sowjetischen Antworten auf den NATO-Vorschlag lediglich bereits bestehende, nicht akzeptable Positionen aufgegriffen.
Insbesondere sind sie der im Januar abgegebenen Stellungnahme Gorbatschows
nicht gerecht geworden, worin er seine Bereitschaft ausdrückte, "vernünftige* Überwachung im Rahmen von MBFR zu akzeptieren. Zum Beispiel akzeptieren die Sowjets das Prinzip einer Inspektion vor Ort, behalten sich
aber das Recht vor, gegen entsprechende Anfragen Einspruch zu erheben, eine Bedingung, die alle Bemühungen um Verifizierbarkeit bedeutungslos werden läßt.
Bei MBFR haben die Sowjets für das Abkommen über die erste Phase den
Abbau und die Beschränkungen von Waffen wie von Truppen vorgeschlagen.
Der Westen glaubt, daß die Disposition von Waffen den jeweiligen Ländern
- 2 -

�jeweiligen Ländern überlassen werden muß, die diese abbauen.
Wegen der Vielschichtigkeit der Rüstungsfragen ist die NATO der Auffassung, daß diese zurückgestellt werden sollte, um bald ein Abkommen über
eine erste Phase des Abbaus und der Beschränkung der Truppenstärken zu erzielen.

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

e

23. April 1986

15

MÖGLICHE VORBEREITUNGEN DER SOWJETS FÜR LANDESWEITE ABM-VERTEIDIGUNG
- Weinberger vor der Gesellschaft für Weltpolitik -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor der Gesellschaft für Weltpolitik in Boston am 16. April 1986 gab der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger, nachdem er eingangs über seine Reise in die Pazifikstaaten Süd-Korea, Japan, die Philippinen, Thailand und Australien referiert hatte, die folgenden Erläuterungen zur sowjetischen Raketenrüstung
und zur Frage einer möglichen sowjetischen ABM-Verteidigung:
Ich möchte Ihnen im folgenden einige besonders wichtige Beispiele
nennen, die uns im Verlauf unserer fortwährenden Beobachtung der sowjetischen Aktivitäten aufgefallen sind.
Im Jahr 1985 hat die Sowjetunion zum ersten Mal mobile Interkontinentalraketen vom Typ SS-25 stationiert. Dieses Vorgehen verletzt nicht nur
den SALT II-Vertrag, weil die SS-25 schon mindestens ihr zweites neues
Raketensystem darstellt, sondern es verletzt außerdem SALT I, weil die
Sowjets an den Orten SS-25-Raketen stationiert haben, an denen SS-7-Stellungen gemäß diesem Vertrag abgebaut wurden.
Diese SS-25-Raketen wurden in dem Moment neu eingeführt, als sich die
Stationierung der extrem treffsicheren vierten Generation von siloge-

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�von silogestützten SS-18-Interkontinentalraketen ihrer Vollendung näherte. Außerdem dauern die Tests mit der zur fünften Generation gehörenden
SS-X-24 weiterhin an. Es gibt Vorbereitungen für Testflüge von drei neuen Interkontinentalraketen, deren Entwicklung auf den Fähigkeiten der
vierten und fünften Generation aufbaut. Bis zur Mitte der neunziger Jahre werden fast alle der von den Sowjets gegenwärtig stationierten Nuklearstreitkräfte - Interkontinentalraketen, raketentragende Unterseeboote
und strategische Bomber - durch modernere strategische Nuklearwaffensysteme ersetzt werden. Die Zahl ihrer mobilen Mittelstreckenraketen vom
Typ SS-20 hat sich fast verdoppelt, von 250 im Jahr 1981 auf 441 im Jahr
1985. Dies bedeutet natürlich eine noch größere Anzahl von Gefechtsköpfen, die Asien, Europa und den Nahen Osten bedrohen.
Im Pazifik wird diese Bedrohung weiterhin verdeutlicht durch die sowjetischen Unterstützung der Militärmaschinerie Nord-Koreas und Vietnams,
die dauernden sowjetischen Patrouillenunternehmen in der Nähe der mit uns
verbündeten Länder zu Wasser und in der Luft, durch den sowjetischen Marinestützpunkt Cam Rahn Bay in Vietnam - heute der größte operative Marinestützpunkt außerhalb der UdSSR - und durch Moskaus Streben nach Abschluß von Fischereiabkommen im Süd-Pazifik, wo die Sowjets noch nie
willkommene Gäste waren.
Die Bereitstellung einer effektiven Abschreckung für diese sowjetische Streitmacht ist jedoch weder eine billige noch eine einfache Sache.
Auf jeder Zwischenstation meiner Asienreise habe ich unseren Freunden erklärt, daß wir auf allen möglichen Verhandlungswegen versuchen, mit der
Sowjetunion Vereinbarungen zu erzielen, durch die die Zahl der Atomraketen einschneidend verringert würde, damit wir die Abschreckung auf wesentlich niedrigerem Niveau aufrecht erhalten können. Diese Suche nach
Rüstungsbegrenzungsvereinbarungen, die eine der höchsten Prioritäten des
Präsidenten darstellt, war langwierig und frustrierend; aber wir werden
weitermachen.
In Genf haben wir eine Reihe von Vorschlägen auf den Tisch gelegt,
die alle dem gleichen Zweck dienen: einschneidende und tiefgreifende Reduzierungen bei der Anzahl von Raketen auf beiden Seiten zu erzielen, so
daß wir zu einer Parität finden und die Abschreckung auf einem wesentlich
niedrigeren Niveau sicherstellen können. Solche Vereinbarungen müssen
jedoch überprüfbar sein. Sie müssen zu echten Verringerungen führen und
nicht einfach zu Vereinbarungen, wie dem SALT II-Vetrag, die es den Sowjets erlauben, ihr Arsenal weiter auszubauen.
Die Sowjets haben unsere Vorschläge damit beantwortet, daß sie sich
mehr auf die Beeinflussung der öffentlichen Meinung verlegten anstatt
ernsthaft zu reagieren. Wir werden unsere Bemühungen fortsetzen, weil
wir sicher sind, daß wir eine bessere Methode finden können. Wir müssen
die Abschreckung durch starke, moderne und offensive Nuklearstreitkräfte
aufrecht erhalten, aber wir wollen gleichzeitig Abschreckung auf einem
wesentlich niedrigeren Niveau als dies heute der Fall ist. Damit komme
ich zur Strategischen Verteidigungsinitiative. Ich habe unseren Freunden

�unseren Freunden im Pazifik von unserer Hoffnung hinsichtlich dieses effektiveren und weniger gefährlichen Weges zur Sicherung der Demokratie
und Erhaltung des Friedens in der Zukunft berichtet.
Ich werde oft gefragt, wie es möglich ist, daß ich sowohl unser gegenwärtiges strategisches Modernisierungsprogramm als auch SDI unterstütze. Die Antwort darauf lautet: Während wir uns einmal so mit der Welt
auseinandersetzen müssen, wie sie heute beschaffen ist, so müssen wir
aber auch Schritte unternehmen, um eine bessere Welt der Zukunft zu gestalten.
In den späten vierziger Jahren hatten wir keine Wahl als uns zur Verhinderung einer Aggression auf die nukleare Vergeltung zu stützen. Dies
ist bis heute der Fall. Und trotzdem ist, wie ich oft erklärt habe, die
nukleare Abschreckung ein Mittel zur Friedensbewahrung, das uns Unbehagen
bereitet, obwohl es immer noch unendlich besser ist als den Frieden nicht
zu bewahren.
Das Wissen, daß jeder Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zu einer nuklearen Katastrophe eskalieren könnte, trägt
sicherlich heute zur Abschreckung bei. Dieses Wissen drängt uns aber
auch, zu fragen, ob es nicht einen besseren Weg zur Aufrechterhaltung der
Verteidigung des Westens gibt. Der Präsident und ich glauben, daß die
Antwort auf diese Frage in der Strategischen Verteidigungsinitiative
liegt. Wenn wir unsere Bevölkerung - unsere ganze Bevölkerung - verteidigen könnten, würde dies nicht besser sein als die Gewißheit, daß wir
sie rächen könnten? Wenn wir sicher in dem Bewußtsein leben könnten, daß
unser überleben nicht auf der Drohung mit Vergeltung beruht, wäre das
nicht vorzuziehen? Unser Forschungsprogramm für die strategische Verteidigung basiert auf der sehr realen Möglichkeit, daß Wissenschaft und
Technik eine Zukunft zu schaffen in der Lage sind, in der Atomraketen weniger fähig sein werden, ihre schreckliche Mission durchzuführen. Diese
Reise in eine sicherere Welt wird weder einfach noch kurz sein. Aber mit
der Schaffung des SDI-Programms haben wir den ersten von vielen Schritten
getan, die unserer Überzeugung nach am Ende dorthin führen werden.
Es gibt einen zweiten, ungemein wichtigen Grund für die Weiterführung
von SDI. Es ist weithin bekannt, daß die Sowjets während der letzten 15
bis 20 Jahre ihre nuklearen Offensivstreitkräfte wesentlich ausgebaut haben. Es ist jedoch weniger bekannt, daß sie während des gleichen Zeitraums genau so viel in ihre strategischen Defensivsysteme investiert haben. Ihre operativen strategischen Verteidigungssysteme stellen die der
Vereinigten Staaten bei weitem in den Schatten, und sie sind heute aktiv
mit Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für herkömmliche wie auch für
strategische Verteidigungssysteme gegen ballistische Raketen beschäftigt.
Diese sowjetischen Programme - besonders diejenigen auf dem traditionellen ABM-Gebiet - deuten an, daß die Sowjetunion trotz ihrer Unterschrift
unter dem ABM-Vetrag mit Vorbereitungen für ein landesweites ABM-Verteidigungssystem beschäftigt sein könnte. Aus diesem Grund glauben wir, daß
die Strategische Verteidigungsinitiative unabdingbar für unsere Sicher-

�unsere Sicherheit und das erhabene Ziel unser aller Verteidigung ist.
Außerdem liefert sie uns zumindest eine wichtige Barriere angesichts der
laufenden und umfassenden ABM-Bemühungen der Sowjets.
Wir denken, daß die Welt davon profitieren würde, wenn mehr Staaten
mit ihren besten Talenten mit uns bei der Suche nach einer vollkommen
verläßlichen Verteidigung zusammenarbeiten würden. Viele tun dies
schon; einige wünschen es nicht. Es ist sicherlich Sache jedes einzelnen Staates, dies zu entscheiden. Was aber die Vereinigten Staaten angeht, so sehen wir es als eine unserer vordringlichsten Prioritäten an,
und wir werden weiterhin versuchen, dieses Ziel zu erreichen.
Was bietet uns all dies in der heutigen Situation? Erstens gibt es
ein neues Interesse an einer starken und lebensfähigen Abschreckung.
Wirksame Abschreckung zwingt uns zur Beibehaltung moderner Vergeltungskräfte, glaubwürdiger Pläne für ihre Benutzung und eines Vorrats an hochwertigen Nuklearwaffen, deren Zuverlässigkeit unter anderem durch Tests
gesichert werden muß. In Anbetracht des langfristigen Trends in der sowjetischen offensiven und defensiven Rüstung müssen wir unsere Abschrekkungsfähigkeiten modernisieren, um das unentbehrliche militärische
Gleichgewicht in der näheren Zukunft sicherzustellen.
Zweitens, für die Zukunft können und werden wir unsere technischen
Fähigkeiten und unsere Tüchtigkeit einsetzen, um etwas zu entwickeln, was
vielleicht eine sichere und stabilere Methode darstellt. Zu sagen, daß
dies nicht möglich ist, würde eine Verleugnung unserer Vergangenheit und
unseres Erbes bedeuten, die Ignorierung der schöpferischen Vorstellungskraft und Fähigkeiten des Menschen, die passive Hinnahme einer gefährlichen Welt wie sie ist, anstatt nach Wegen zu suchen, die Gefahr zu verringern und die Sache der Freiheit zu stärken. Das, so möchte ich argumentieren, entspricht nicht dem Charakter der westlichen Demokratie. Ich
habe dies einer Zuhörerschaft in Australien klargemacht, indem ich zitiert habe, was vor fast 23 Jahren von Präsident John F. Kennedy so ausgedrückt wurde:
"Unsere Probleme sind von Menschen gemacht, und deshalb können sie
vom Menschen gelöst werden. Und der Mensch kann so groß sein, wie er
selbst will. Kein Problem des menschlichen Schicksals ist für den Menschen unlösbar. Der Verstand und der Geist des Menschen haben oftmals
das scheinbar Unlösbare gelöst, und wir glauben, daß sie dies wieder tun
können."
Ich glaube ebenfalls, daß sie dies wieder tun können.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

23. April 1986

15

VEREINIGTE STAATEN LOBEN UNICEF-HILFE FÜR AFGHANISCHE KINDER
Erklärung der amerikanischen Mission bei den Vereinten Nationen -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - In einer am 18. April 1986 veröffentlichten Erklärung haben die Vereinigten Staaten am Vorabend des zweiwöchigen Jahrestreffens des Exekutivausschusses der UNICEF, des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, die von dieser Organisation durchgeführten Hilfsprogramme für afghanische Flüchtlingskinder gelobt.
In der von der Pressestelle der amerikanischen Mission bei den Vereinten Nationen veröffentlichten und den Delegierten zugeleiteten Erklärung
wird von den Vereinigten Staaten weiterhin mitgeteilt, daß es selten eine
bedürftigere Lage gegeben hat als die der afghanischen Kinder.
Die Erklärung der Vereinigten Staaten hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten nehmen mit großer Befriedigung davon Kenntnis,
daß sich die UNICEF korrekterweise mit Nachdruck der Not von Kindern annimmt, die unter besonders schwierigen Bedingungen leben. Insbesondere
hat die UNICEF die schrecklichen Probleme hervorgehoben, unter denen Kinder durch bewaffnete Konflikte in vielen Teilen der Welt zu leiden haben.
Selten war dies

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Selten war dies notwendiger als heute. In Afghanistan leiden und
sterben Tausende von Kindern durch die brutale sowjetische Besatzung. Sie
sind in der Tat die Ziele eines sowjetischen Krieges gegen Menschen, deren
einziges Vergehen darin besteht, daß sie furchtlos für ihre eigene Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen. Die Vereinigten Staaten sind tief besorgt über die Not der afghanischen Kinder. Diese Besorgnis wurde oftmals
auch in Unterorganisationen der UNO, in der Generalversammlung und von
vielen Mitgliedsstaaten geteilt. Die Menschenrechtskommission hat in ihrem jetzt schon weitbekannten Ermacora-Bericht kürzlich die große Tragödie
der Kinder in Afghanistan aufgezeigt und enthüllt. Andere unabhängige Delegationen, wie die Helsinki-Beobachtergruppe, Amnesty International und
die asiatische Beobachtergruppe haben ebenfalls die durch diese bewaffnete
Besetzung verursachten Übergriffe dokumentiert.
Nachdem es ihr nicht gelungen ist, den Wunsch nach Freiheit in diesem
Land zu unterdrücken, hat sich die Sowjetunion auf Taktiken verlegt, die
nur mit Barbarentum verglichen werden können. Sie hat Flächenbombardements gegen zivile Ziele, die absichtliche Zerstörung von Ernte und Vieh,
Vergeltungsaktionen gegen Zivilisten und Tausende von Minen eingesetzt, um
den afghanischen Widerstandswillen zu lähmen. Außerdem werden weiterhin
wie Spielzeuge aussehende Bomben benutzt. Wer außer Kindern könnte durch
diese Täuschung verwundet oder getötet werden? Nur diejenigen Frauen und
Kinder, die aus dem Land fliehen, entgehen den kriminellen sowjetischen
Versuchen, sie zu vernichten. Drei Millionen Flüchtlinge haben allein in
Pakistan Zuflucht gesucht.
Die systematische Brutalität der Sowjets in Afghanistan ist reichlich
dokumentiert worden. Der Sonderberichterstatter der Menschenrechtskommission hat Fälle erwähnt, in denen sowjetische Truppen Kinder in einem Haus
einsperrten, das sie danach in Brand steckten. In vielen Dörfern haben
Vergeltungsmassaker stattgefunden, bei denen auch alle Kinder umgebracht
wurden. Insbesondere bildet die absichtliche Verstümmelung von Kindern
ein schreckliches Kennzeichen der sowjetischen Aggression. Bomben in Gestalt von Kugelschreibern, Harmonikas, Spielzeugvögeln und Radios sind von
den sowjetischen Streitkräften benutzt worden, um Kinder zu verletzen, denen dadurch Hände und Beine abgerissen wurden. Solche Taten werden vorsätzlich geplant und verursacht aufgrund der Ambitionen der Sowjetunion in
Zusammenhang mit ihrer Invasion und Besetzung dieses Landes. Solche Tragödien können vermieden werden. Dies kann erreicht werden, wenn die Sowjetunion sich an die Resolutionen der UN-Vollversammlung hält, in denen
der Rückzug ihrer Truppen gefordert wird, die heute für diese Übergriffe
gegen Kinder und die afghanische Bevölkerung verantwortlich sind.
Die Vereinigten Staaten glauben, daß es seit langem an der Zeit ist,
daß Nationen, die sich in einem Konflikt- oder Kriegszustand befinden, das
Grundrecht der Kinder, zu leben und heranzuwachsen, anerkennen und akzeptieren. Kinder sind die Zukunft. Läßt man sie verhungern, so läßt man
die Zukunft verhungern. Tötet man sie, so tötet man die Zukunft.

* * * * * *

�reo s&gt;

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

23. April 1986

15

NERVENREGENERATION ABHXNGIG VOM CHOLESTERINTRANSPORT
- Neue Erkenntnisse zur Funktion eines speziellen Eiweißmoleküls

- (AD) - über die Entzifferung der Identität eines Proteins, das bei
der Degeneration und Regeneration von Nervengewebe eine Rolle spielt, berichtete eine Forschergruppe der Stanford-Universität in der Märzausgabe
der: "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Entdeckung,
daß es sich bei dem schon seit einigen Jahren immer wieder beobachteten
Protein um Apolipoprotein E handelt, wurde bei Experimenten mit Ratten gemacht. Es ist ein Eiweißmolekül, das Cholesterin und Fett im Blutstrom
transportiert. Die bisherigen Ergebnisse der Studien, die unter der Leitung von Prof. Eric Shooter, Direktor der Abteilung für Neurobiologie an
der Stanford-Universität, gemacht wurden, könnten das Rätsel lösen helfen,
daß verletzte Nerven unterschiedlich regenerationsfähig sind. So können
periphere Nerven (solche in äußeren Bereichen des Körpers) wieder funktionsfähig werden. Bei Nervengewebe des Gehirns und des Rückenmarks dagegen ist dies im allgemeinen nicht der Fall.
Die Forscher wollen jetzt vor allem die Frage klären, was das Wachstum
und die Regeneration von Nervengewebe steuert. Sie hoffen, "Schalter"
(d.h. Gene oder Proteine) zu finden, die den Prozeß in Gang setzen und
stoppen, wie es für die Funktionsfähigkeit des Organismus erforderlich
ist. Dann könnte vielleicht eines Tages Patienten geholfen werden, die
Hirn- oder Rückenmarksverletzungen erlitten haben.
Es stellte sich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

�Es stellte sich heraus, daß Apolipoprotein E hilft, Cholesterin und
andere Fettmoleküle von Zelle zu Zelle zu transportieren. Shooters Forschergruppe vermutet, daß das Protein Fettmoleküle, die aus verletzten und
degenerierendem Nervengewebe aussickern, regelrecht aufsaugt und sie in
die Umgebungszellen einschleust, um die Fette zu speichern, bis sie für
den Aufbau neuer "Ersatz"-Nerven gebraucht werden.
Gemeinsam mit Prof. Shooter haben sich Dr. Michael Ignatius, Dr. Peter
Gebicke-Haerter und Dr. Pate Skene von der Stanford-Universität sowie Dr.
Karl Weisgraber, Dr. Robert Mahley (Gladstone-Laboratorien für Herz- und
Kreislaufforschung in San Francisco) und Dr. James Schilling (Fa. California Biotechnology, Inc.) an den Untersuchungen beteiligt. Für das Protein begannen sie sich besonders zu interessieren, als sich herausstellte,
daß es in jungem Nervengewebe in relativ großen Mengen produziert wurde,
dagegen in Nerven, die nicht mehr weiterwuchsen, in nur geringer Konzentration zu finden war. Beispielsweise war es in den sich entwickelnden
Nerven junger Ratten überaus reichlich vorhanden, aber nicht mehr bei ausgewachsenen Tieren, deren Nervensystem voll ausgebildet war. Als eine der
aufschlußreichsten Beobachtungen wurde die Tatsache gewertet, daß sich das
Protein in neu sprossenden und sich regenerierenden Nerven im peripheren
Bereich des tierischen Organismus in hohen Konzentrationen sammelte, jedoch nicht in geschädigten Hirn- oder Rückenmarksnerven, die nicht regenerationsfähig sind.

* * * * * *

- 2 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1985
Nachstehend ist eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst 1985
erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten
Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der
das betreffende Thema behandelt wird.
Themenkreis
1.

Nummern der Ausgaben

Ost-West-Beziehungen
Genfer Verhandlungen

2, 3, 4, 5, 11, 12, 20,
21, 28, 29, 30, 35

Genfer Gipfel

32, 38, 46, 47, 50

US-UdSSR Beziehungen

11, 12, 27, 35, 41, 43,
45

Sowjetisch-Kubanische
Machenschaften in Mittelamerika und in der Karibik

Sonderdienst 1. April

2.

NATO/Atlantische Verbindung

11, 49

3.

Amerikanisch-Deutschen
Beziehungen

7, 46, 50

Die Vereinigten Staaten
US-Innenpolitik/Lage der Nation 3, 6, 13, 22
Präsident Reagans Amtsantrittsrede

Sonderdienst 22. Jan

Präsident Reagans Botschaft
über die Lage der Nation.

Sonderdienst 7. Feb.

Die US-Wirtschaftspolitik
schafft neue Arbeitsplätze

Sonderdienst 17. April

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in
Straßburg

Sonderdienst 8. Mai

Religion in den USA

17

Nominierungen

29, 45, 49

�5.

6.

Themenkreis

Nummern der Ausgaben

US-Außenpolitik (allgemein)

1, 4, 6, 16, 17

United States Information
Service

40,

US-Nahrungsmittelhilfe in
Afrika

9, 20, 23

Südafrika

36, 39

Mittelamerika und die Karibik

4, 5, 15, 18, 21, 25,
36,

Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen

25

Multilaterale Handelsgespräche

Sonderdienst 17. April
38, 39

US-Außenministerium berichtet
über die Entwicklung der Lage
in Mittelamerika.

Sonderdienst 24. April

Amerikanisch-Chinesische
Beziehungen

29

Verteidigung/Rüstungskontrolle
Abrüstung

6, 9, 13, 18, 22, 23,
34, 42

Strategische Verteidigungsinitiative (SDI)

8, 11, 14, 20, 21, 23,
28, 34, 37, 44, 49, 50

Kernwaffen

3, 5, 33

US Verteidigung (allgemein)

7, 12

Sowjetische Verteidigung und
Verteidigungstechnologie

7, 12, 38, 44

Strategische Verteidigungsprogramme der Sowjets

Sonderdienst 10.10.1985

Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende
Maßnahmen und Abrüstung
in Europa (KVAE)

8, 19, 27, 39

Schlußakte von Helsinki

30

Bündnisse der westlichen Welt

29

�Themenkreis
7.

Nummern der Ausgaben

Wissenschaft und Technik
Weltraum/Raumfähre/
Nachrichtensatelliten

2, 3, 4, 9, 13, 14, 17,
18, 22, 23, 26, 27, 30,
32, 33, 34, 35, 36, 38,
40, 43, 48, 50

Wissenschaft (allgemein)
Kernkraft (allgemein)
Uranforschung

4, 5, 7, 21, 42

Klima/Erde/Meer

8, 13, 28, 49

Titanic

37

Antarktis

9.

10.

17
24

Medizin

8.

11, 42, 44

41

Bedeutende Ereignisse
Bhopal-Unfall

14

Nicholson Ermordung

13

Beiruter TWA Geiseln

24, 26, 27

Internationale Probleme und Themen
Drogenprobleme

5, 16, 19, 25, 34, 37,
40, 43, 46

Terrorismus

14, 25, 26, 27

Menschenrechte

2, 8

Unterdrückte Nationen

29

Umwelt

8, 27

Besondere Themen
Afghanistan

1, 3, 13, 18, 28, 42

Bonner Wirtschaftsgipfel

15, 19

US-Informationen zum Bonner
Wirtschaftsgipfel

Sonderdienste 17, 23,
30. April 1985

- 3-

�Themenkreis

Nummern der Ausgaben

Weltwirtschaft (allgemein)

9, 19, 29

Hochtechnologie

48

Internationaler Währungsfond

33

Botschafter Arthur Burns

17

Botschafter Richard Burt

24, 37, 38, 48,
Sonderdienst 12.12.1985

4. Juli

26

Euronet/Worldnet

7

Anti-Semitismus in der
UdSSR

25

Vereinte Nationen (UNO)

7, 43

*

Reden des amerikanischen Botschafters Richard R. Burt
No. 38

Gedanken zur Geschichte und Fortentwicklung der
deutsch-amerikanischen Beziehungen
Berlin, 25. September 1985

12.12.1985

Die Deutsch-Amerikanischen Beziehungen in einer sich
wandelnden Welt
- Rede des Us-Botschafters vor der Konrad-Adenauer-Stiftung -

No. 46

Die Zukunft der Deutsch-Amerikanischen Beziehungen
- Rede des US-Botschafters vor der Hanns-Seidel-Stiftung in München -

No 48

Hochtechnologie: Die neue industrielle Revolution
- Von Botschafter Richard R. Burt Sonderdienste 1985

22.01.85

Präsident Reagans Amtsantrittsrede

07.02.85

Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation

01.04.85

Die Sowjetisch-Kubanischen Machenschaften in
Mittelamerika und in der Karibik

17.04.85

Die US-Wirtschaftspolitik schafft neue Arbeitsplätze

�17.04.85

Multilaterale Handelsgespräche

24.04.85

US-Außenministerium berichtet über die Entwicklung der
Lage in Mittelamerika

30.04.85

US-Informationen zum Bonner Wirtschaftsgipfel

08.05.85

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg

24.07.1985

"Aktive Maßnahmen" der Sowjets:
Die 12. WeltJugendfestspiele in Moskau

10.10.1985

Strategische Verteidigungsprogramme der Sowjets
- Bericht des amerikanischen Außen- und
Verteidigungsministeriums * * * * *

- 5 -

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