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                  <text>AMERIKA DIENST

1 6 . A p r i l 1986

14

I N H A L T

DOKUMENTATION
Amerikanische Streitkräfte in Libyen erfolgreich
- Präsident Reagans Fernsehansprache an die Nation
Reagan sieht Möglichkeit für Gipfel im Juli
- Pressekonferenz des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Fragen und Antworten zur amerikanischen Aktion gegen Libyen
- Argumente des Weißen Hauses Amerikanisch-europäische Beziehungen
- Unterstaatssekretär Ridgway im Repräsentantenhaus -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erste Tests mit experimentellem AIDS-Impfstoff in USA
- Ziel: Impfschutz und wirksame Medikamente -

* * * * * *

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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

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16. April 1986

AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE IN LIBYEN ERFOLGREICH
Präsident Reagans Fernsehansprache an die Nation -

WASHINGTON - (AD) - In einer vom amerikanischen Fernsehen landesweit
übertragenen Ansprache bezeichnete Präsident Reagan am 14. April 1986 den
amerikanischen Einsatz gegen Libyen als Vergeltungsakt für den Anschlag
auf die Diskothek La Belle in Berlin, die auf das Konto libyscher Terroristen geht. "Die Beweislage ist eindeutig", so der Präsident, "daß
der terroristische Anschlag auf die Diskothek La Belle auf direkten Befehl der libyschen Regierung geplant und ausgeführt wurde".
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Meine amerikanischen Mitbürger.
Heute abend um sieben Uhr (EST) haben die Luft- und Seestreitkräfte
der Vereinigten Staaten eine Reihe von Angriffen gegen Hauptquartiere,
terroristische und militärische Einrichtungen unternommen, die Muammar
Gadhafis subversive Aktivitäten dienten. Die Angriffe waren zielgerichtet und sorgfältig darauf abgestimmt, Verluste unter der libyschen Bevölkerung, mit der wir keinen Streit haben, zu vermeiden. Aus ersten Berichten geht hervor, daß unsere Truppen bei ihrer Mission erfolgreich
waren.
Vor einigen Wochen

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�Vor einigen Wochen habe ich in New Orleans Oberst Gadhafi gewarnt,
daß wir seine Regierung für alle weiteren terroristischen Angriffe gegen
amerikanische Bürger zur Rechenschaft ziehen würden. Kurz darauf habe
ich klar gemacht, daß wir antworten würden, sobald wir uns eindeutig
festgelegt haben, wer für die Angriffe verantwortlich zu machen ist.
Am 5. April explodierte in einem von amerikanischen Soldaten besuchten Nachtclub in West-Berlin eine von Terroristen gelegte Bombe. Sergeant Kenneth Ford und eine junge Türkin wurden getötet und 230 weitere
Menschen verletzt, unter ihnen 50 Angehörige der amerikanischen Streitkräfte. Diese ungeheure Brutalität ist nur die einer Reihe von Untaten
in Oberst Gadhafis Terrorherrschaft.
Die Beweislage ist eindeutig, daß der terroristische Bombenangriff
auf die Diskothek La Belle auf direkten Befehl der libyschen Regierung
geplant und ausgeführt wurde.
Am 25. März, über eine Woche vor dem Anschlag, erhielt das Libysche
Volksbüro in Ost-Berlin Order aus Tripolis, einen terroristischen Anschlag gegen Amerikaner durchzuführen und dabei eine größtmögliche Zahl
von Opfern zu erzielen, ohne Rücksicht auf deren Staatsangehörigkeit.
Libysche Agenten legten daraufhin die Bombe. Am 4. April teilte das
Volksbüro Tripolis mit, daß der Anschlag am folgenden Morgen ausgeführt
würde. Am nächsten Tag berichtete das Volksbüro nach Tripolis über den
großen Erfolg dieser Mission. Wir besitzen dafür unmittelbare, genaue
und unwiderlegbare Beweise.
Wir haben massive Beweise dafür, daß Gadhafi weitere Anschläge gegen
amerikanische Einrichtungen und Diplomaten, ja sogar gegen amerikanische
Touristen geplant hat. Dank der engen Zusammenarbeit mit unseren Freunden wurden einige davon verhindert. Mit Hilfe der französischen Behörden
haben wir kürzlich einen solchen Anschlag vereitelt: Ein geplantes Massaker mit Granaten und Handfeuerwaffen unter Menschen, die vor einer amerikanischen Botschaft auf ihre Visen warteten.
Aber Oberst Gadhafi ist nicht nur ein Feind der Vereinigten Staaten:
Sein langes Register von subversiven Akten und Aggressionen gegen die
Nachbarstaaten in Afrika ist gutdokumentiert und wohlbekannt. Er befahl
die Ermordung von libyschen Landsleuten in unzähligen Ländern; er hat
Terrorakte in Afrika, Europa und dem Nahen Osten sowie auch in der westlichen Hemisphäre unterstützt.
Heute haben wir getan, was wir tun mußten.
wieder tun.
Es erfüllt mich nicht
sche, daß es anders wäre.
war das libysche Volk mit
bin sicher, daß heute die
sind, daß dieser Mann ihr

Wenn nötig, werden wir es

mit Freude, wenn ich dies sage, und ich wünBevor Gadhafi im Jahre 1969 an die Macht kam,
den Vereinigten Staaten befreundet. Und ich
meisten Libyer beschämt und angewidert davon
Land in der ganzen Welt zu einem Synonym für
- 2-

�Synonym für Barbarei gemacht hat. Das libysche Volk besteht aus anständigen Menschen unter dem Joch eines Tyrannen.
Unseren Freunden und Verbündeten, die mit uns bei dem heutigen Einsatz zusammengearbeitet haben, möchte ich nur sagen: Sie haben sich die
fortwährende Dankbarkeit des amerikanischen Volkes errungen.
Europäer, die sich der Geschichte erinnern, können besser als die
meisten von uns verstehen, daß es durch Beschwichtigung des Bösen keine
Sicherheit geben kann. Es muß ein Grundsatz westlicher Politik sein, daß
es für den Terror keinen Zufluchtsort geben darf; und zur Durchführung
dieser Politik bedarf es der Einigkeit und Zusammenarbeit freier Menschen
und freier Nationen.
Bisweilen wird behauptet, daß wir durch die Verhängung von Sanktionen
gegen Oberst Gadhafi oder durch Schläge gegen seine terroristischen Einrichtungen nur die Bedeutung dieses Mannes vergrößern, daß der beste Weg,
mit ihm fertigzuwerden, darin bestehe, ihn zu ignorieren.
Ich teile diese Einschätzung nicht.
Lange bevor ich dieses Amt antrat, hatte sich Oberst Gadhafi schon an
Akten des internationalen Terrors beteiligt, Akten, die ihn außerhalb der
Gemeinschaft zivilisierter Menschen stellten. Jahrelang wurde er jedoch
von keinerlei wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Sanktionen
betroffen. Und die Zahl der blutigen Übergriffe stieg weiter an - genau
wie die der unschuldigen Toten und Verwundeten.
Durch Untätigkeit das Abschlachten amerikanischer Zivilisten und amerikanischer Soldaten zu ignorieren - ganz gleich, ob in Nachtclubs oder
an Terminals von Flughäfen -, ist schlicht und einfach kein Teil amerikanischer Tradition.
Wann immer unsere Bürger auf direkten Befehl eines feindlichen Regimes mißhandelt oder angegriffen werden - gleich, an welchem Ort in dieser
Welt -, so werden wir reagieren, so lange ich im Oval Office sitze.
Selbstverteidigung ist nicht nur unser Recht; sie ist unsere Pflicht.
Sie ist der Zweck hinter der heute nacht unternommenen Mission, einer
Mission, die in vollem Einklang mit Artikel 51 der Charta der Vereinten
Nationen steht. Wir sind davon überzeugt, daß dieser Präventivschlag gegen seine Terroranlagen nicht nur die Fähigkeit von Oberst Gadhafi schmälern wird, Terror zu exportieren; er wird ihm auch Anreize und Argumente
dafür liefern, sein kriminelles Verhalten zu ändern. Ich gebe mich keiner Illusion darüber hin, daß die Aktion der heutigen Nacht den Vorhang
über das Terrorregime Gadhafis fallen lassen wird. Aber diese, wenngleich gewaltsame, Mission kann rechtschaffenen Männern und Frauen eine
sicheren und geschützten Welt näherbringen. Wir werden standhaft bleiben.
Heute nachmittag
- 3-

�Heute nachmittag habe ich mit der Führung des Kongresses darüber gesprochen, was getan wird und die Gründe dafür genannt. Heute abend ehre
ich Geschick und Professionalismus der Männer und Frauen unserer Streitkräfte, die diese Mission durchführten: Es ist eine Ehre, Ihr Oberbefehlshaber zu sein.
Wir Amerikaner sind nicht leicht zu verärgern: Wir streben immer
erst friedliche Möglichkeiten an, bevor wir auf die Gewalt von Waffen zurückgreifen. Und ersteres taten wir zunächst auch. Wir versuchten es
durch stille Diplomatie, durch öffentliche Verurteilung, durch wirtschaftliche Sanktionen und durch die Demonstration militärischer Stärke.
Nichts half.
Trotz unserer wiederholten Warnungen fuhr Gadhafi mit seiner zerstörerischen Politik der Einschüchterung, mit seinem schonungslosen Terror
fort. Er zählte auf die Passivität Amerikas. Er hat sich verrechnet.
Ich warnte ihn, daß es keinen Platz auf Erden geben werde, wo Terroristen sich verbergen und sich in ihren tödlichen Praktiken üben können.
Ich meinte es ernst.
Ich erklärte, wir würden handeln - wenn möglich, mit anderen; falls
erforderlich, allein, um sicherzustellen, daß es für Terroristen nirgends
sicheren Unterschlupf gibt. Heute nacht haben wir gehandelt.
Ich danke Ihnen, Gott schütze Sie.

* * * * *

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AMERIKA DIENST
Dokumentation

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16. April 1986

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REAGAN SIEHT MÖGLICHKEIT FÜR GIPFEL IM JULI
- Pressekonferenz des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Während einer Pressekonferenz erklärte Präsident
Reagan am 9. April 1986, daß ein Gipfeltreffen mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow im Juni wegen des Zeitdrucks "mittlerweile unwahrscheinlich ist". Seiner Meinung nach ist es jedoch immer noch möglich,
ein Treffen im Juli zu arrangieren.
Nachfolgend bringen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in ihren
wesentlichen Teilen:
Nachdem er in seiner Eingangserklärung auf die Notwendigkeit der baldigen Verabschiedung der Haushaltsvorlage durch den Kongreß hingewiesen
hatte, kam der Präsident auf das Thema der Hilfe für die nicaraguanischen
Freiheitskämpfer zu sprechen und erklärte:
"Zwei Ereignisse der letzten Wochen haben der Dringlichkeit unseres
Bemühens um Hilfe für den demokratischen Widerstand Nachdruck verliehen.
Erstens haben die nicaraguanischen Kommunisten Truppen zu einer Such- und
Vernichtungsaktion nach Honduras entsandt, um die Freiheitskämpfer zu erledigen. Zweitens haben die sandinistischen Kommunisten die CONTADORA-Gespräche torpediert - Gespräche mit zwölf anderen lateinamerikanischen

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�anderen lateinamerikanischen Staaten auf der Suche nach Frieden in der Region. Und diese Ereignisse zeigen, daß die Kommunisten Nicaraguas niemals
Frieden mit ihren Nachbarn oder mit ihrem eigenen Volk schließen werden,
wenn der Druck gegen sie nicht verstärkt wird.
Die Kommunisten müssen erkennen, daß sie ihre Gegner nicht vernichten
können, und unsere Unterstützung kann sicherstellen, daß die Freiheitskämpfer nicht vernichtet werden. Diese Unterstützung wird den Bürgern von
Nicaragua eine Wahl ermöglichen, und sie wird der Diplomatie eine Chance
einräumen. Denn heute haben vier von fünf mittelamerikanischen Ländern
demokratische Regierungen; Demokratien, die mit Hilfe unserer überparteilichen Politik zustandegekommen sind. Wir müssen dieser überparteilichen
Politik treubleiben. Und in der kommenden Woche wird es Sache des Repräsentantenhauses sein, diese Tradition aufrechtzuerhalten.
Es ist jetzt wichtig, zu handeln, und wir können uns keine weitere
Verzögerung leisten. Dieser Vorschlag darf nicht zur Geisel irgendeiner
anderen Gesetzesvorlage gemacht werden. Mit seiner Abstimmung in der
nächsten Woche kann das Repräsentantenhaus der Welt zeigen, daß die Vereinigten Staaten zur Verteidigung der Freiheit in Mittelamerika entschlossen
sind.
Die Sowjetunion, Fidel Castro und die Sandinisten sind entschlossen,
die Region zu einer kommunistischen Enklave zu machen. Nun, wir dürfen
und wir werden nicht zulassen, daß dies geschieht."
FRAGE: Herr Präsident, haben Sie substantielle Beweise dafür, daß
Gadhafi für die kürzlich verübten Akte des Terrorismus verantwortlich ist?
Und, falls Sie an größere Vergeltungsschläge denken, werden Sie damit
nicht eine Menge Unschuldiger töten?
ANTWORT: Wir besitzen beträchtliches Beweismaterial über - nun, über
eine ganze Zeitspanne -, wonach Gadhafi ziemlich offen seine Beteiligung
dadurch gezeigt hat, daß er terroristische Akte gefordert und unterstützt
hat - als eine Art von Kriegführung, wie er es ausgedrückt hat.
Momentan kann ich Ihnen jedoch keine bestimmte Antwort darauf geben,
da wir unsere nachrichtendienstliche Arbeit fortsetzen und weiteres Beweismaterial sammeln und da wir noch nicht bereit sind, darüber zu sprechen. Und jede von uns unternommene Aktion würde davon abhängen, was wir
herausfinden. Und deshalb kann ich dazu nicht weiter Stellung nehmen.
FRAGE: Ich weiß, daß Sie sicher lange darüber nachgedacht haben, aber
was ist Ihrer Meinung nach der wahre Grund dafür, daß Amerikaner das
Hauptziel des Terrorismus bilden? Könnte es an unserer Politik liegen?
ANTWORT: Nun, wir wissen, daß dieser tolle Hund des Nahen Ostens das
Ziel einer Weltrevolution vor Augen hat, einer islamisch-fundamentalistischen Revolution, die auf viele seiner arabischen Landsleute zielt. Und
was nun unsere Stellung darin angeht, das wissen wir nicht. Vielleicht
- 2 -

�nicht. Vielleicht sind wir nur der Feind, weil - das ist ein wenig wie
die Besteigung des Mount Everest - wir da sind. Es steht jedoch außer
Frage, daß er uns in wachsendem Maße als Ziel bestimmt hat, und wir sind
uns dessen bewußt. Wie ich schon sagte: wir sammeln Beweismaterial so
schnell wir können.
FRAGE: Oberst Gadhafi hat heute damit gedroht, die Gewalt gegen amerikanische Zivilisten und militärische Ziele in der ganzen Welt weiter zu
eskalieren, falls sein Land angegriffen wird. Hat er die Fähigkeit, hier
auf amerikanischem Boden zuzuschlagen?
ANTWORT: Nun, er besitzt sie; wir wissen, daß es eine Menge seiner
Landsleute in unserem Land gibt. Er hat sogar angedeutet, daß er Menschen
dazu aufrufen könnte, dies zu tun. Und wir schließen diese Möglichkeit
mit Sicherheit nicht aus. Wir werden bereit und wachsam sein für alles,
was er tun könnte. Er hat uns wiederholt gedroht, auch in jüngster Zeit,
daß er diese Art der Kriegführung direkt in unser Land tragen würde.
Natürlich ist es ziemlich schwierig, ihm zu folgen, weil er kurz nach
der jüngsten Bombemexplosion in der TWA-Maschine im Radio bekanntgab, daß
dies ein Angriff auf unschuldige Zivilisten und reiner Terrorismus gewesen
sei und daß er damit nichts zu tun haben wolle. Das ist der gleiche Mann,
der das Massaker an Unschuldigen auf den Flughäfen von Rom und Wien als
edle Tat bezeichnete.
Ich weiß also nicht, ob man das, was er sagt, für bare Münze nehmen
kann. Ich denke, man sollte es einfach ignorieren und sich auf die Suche
nach den Fakten machen.
FRAGE: Welche Vorsichtsmaßnahmen können die Amerikaner Ihrer Meinung
nach treffen, um terroristische Anschläge im eigenen Land zu verhindern?
ANTWORT: Wir tun alles in unserer Macht stehende und ich denke, daß
all unsere Sicherheitsbehörden in Amerika sich dieser Tatsache bewußt
sind. Und wir sind ja nicht völlig hilflos weil, wie ich schon sagte, ich glaube, das war kürzlich, oder das letzte Mal als wir hier zusammengekommen sind - wir im vorigen Jahr durch unser Sammeln von Informationen in
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten 126 geplante Anschläge zunichte gemacht haben, die niemals stattfanden, weil wir die Informationen im voraus
bekommen hatten.
FRAGE: Sie haben erklärt, daß die Manöver in der Großen Syrte dazu
dienten, amerikanische Rechte auf See zu schützen. Können Sie uns als
Oberbefehlshaber mitteilen, was an der Großen Syrte strategisch so wichtig
ist, im Hinblick auf das Konzept der Freiheit der Seeschiffahrt im allgemeinen, daß Sie dafür das Leben amerikanischer Soldaten riskieren würden?
ANTWORT: Als ich dieses Amt antrat - Dieses Gebiet im Mittelmeer war
wegen seiner Breite und Offenheit schon lange ein Ort, der von unserer 6.
Flotte zur Abhaltung von notwendigen Manövern gewählt wurde, und diese Ma-

�und diese Manöver verlaufen oft sehr ähnlich, denn da gibt es neue Rekruten und neue Mannschaften und so weiter und diese müssen in Übung bleiben.
Schon vor meinem Amtsantritt zog Gadhafi diese Linie und erklärte, die Gewässer hinter dieser Linie gehörten ihm. Der Rest der Welt verneinte dies
mit dem Hinweis, daß es sich dabei um internationale Gewässer handelt.
Aber, aus welchem Grunde auch immer: Unsere Marine hat einige Jahre
lang keine Manöver dort abgehalten. Und bei meinem Amtsantritt wurde uns
deutlich, daß, wenn wir unsere normale Ubungstätigkeit nicht wiederaufnehmen, wir seinem Anspruch Glaubwürdigkeit verleihen und dadurch, daß wir
diese Linie beachteten, gewissermaßen akzeptieren, daß dies sein Privatterritorium sei. Und als mir dies unterbreitet wurde, entschied ich nach
reiflicher Überlegung und ausführlichen Konsultationen, daß diejenigen,
die so argumentierten, Recht hatten und daß wir die frühere Praxis der 6.
Flotte wiederaufnehmen sollten. Dies taten wir auch und hielten im Jahre
1981 dort unser nächstes Manöver ab.

«

Nun, dies heißt nicht, daß man mit der ganzen Flotte da hineinfährt,
nur um ihm über diese Linie die Zunge herauszustrecken. Man führt Manöver
im Mittelmeer durch - das heißt jedoch, daß es einige Schiffe an der Flanke gibt, einige Flugzeuge, die während der Übung diese Linie überschreiten. Deshalb war das, was wir taten, nichts Ungewöhnliches. Er eröffnete
die Feindseligkeiten, und wir beendeten sie.
FRAGE: Es gibt jedoch den weit verbreiteten Eindruck, daß die Administration hoffte, Gadhafi zu provozieren, und daß sie darauf vorbereitet
war, die militärische Konfrontation in der Großen Syrte zu eskalieren.
Und ich habe mir nur überlegt, ob Sie an die Zahl derjenigen Amerikaner
gedacht haben, die dadurch ihr Leben hätten verlieren können?
ANTWORT: Ich muß Ihnen sagen, daß es in diesem Amt keine schwierigere
Entscheidung gibt, als eine solche, durch die das Leben unserer jungen
Männer und Frauen in Uniform gefährdet werden kann. Es ist die schwierigste Entscheidung, die man treffen kann. Aber es handelte sich nicht um
eine absichtliche Provokation, indem man sich im Sessel zurücklehnt und
sagt: "Oh, phantastisch, er wird seine Hand ausstrecken und wir werden
ihm auf die Finger hauen." Es ist überhaupt nicht so.
i

Aber sogar die Sowjetunion erkennt an, daß dies internationale Gewässer sind. Und ich wiederhole es noch einmal: Nur die Nichtbenutzung dieses Gebiets, für uns jahrelang eine normale Praxis, würde seinem Anspruch
Glaubwürdigkeit verleihen und eines Tages würden Sie herausfinden, daß die
Welt dies akzeptiert hat. Wir haben daher solche Schritte in der Vergangenheit schon in anderen Gewässern in anderen Teilen der Welt unternommen,
ebenso wie andere Staaten dies schon getan haben, um sicherzustellen, daß
internationale Gewässer auch als solche anerkannt werden.
Es gibt also Zeiten, in denen Menschen gefährdet werden müssen, aber
nicht aus Mutwillen oder um jemanden zu provozieren.
FRAGE:

Wieder

'

�FRAGE: Wieder einmal fordern die Vereinigten Staaten ihre westlichen
Verbündeten auf, sich Ihnen anzuschließen und Gadhafi zu isolieren. Bis
jetzt sind einige libysche Diplomaten in Paris und Bonn ausgewiesen worden, aber sie haben nach diesen jüngsten Anschlägen keine Wirtschaftssanktionen verhängt. Wie groß ist das Ausmaß Ihrer Enttäuschung darüber, daß
die Europäer Ihnen nicht gefolgt sind und was planen Sie dagegen zu tun?
ANTWORT: Nun, wir stehen weiterhin mit ihnen in Verbindung und sprechen mit ihnen und wir fühlen uns von dem, was wir gesehen haben, ermutigt
- diese zwei Länder, die auf dieser Linie gehandelt haben. Und ich bin
ziemlich sicher, daß wir mit unseren Verbündeten während des kommenden
Gipfeltreffens darüber reden werden.
FRAGE: Wenn ich dazu eine weitere Frage stellen dürfte, Sie haben im
Hinblick auf Gadhafi eine harte Sprache benutzt. Heute abend bezeichneten
Sie ihn als den tollen Hund des Nahen Ostens. Machen Sie sich manchmal
eigentlich Sorgen darüber, daß Sie ihm genau das geben, was er möchte die Anerkennung durch den höchsten Amtsträger dieses Landes?
ANTWORT: Sie wissen, daß ich den Begriff "toller Hund" niemals zuvor
benutzt habe, aber ich habe gehört, wie jemand von Ihnen diesen Begriff
heute abend im Fernsehen benutzte und ich dachte, daß er sich gut anhört.
FRAGE: Wenn das neue amerikanische U-Boot am 20. Mai vom Stapel
läuft, dann wird die Zahl der unterseebootgestützten Waffen der Vereinigten Staaten die im SALT II-Vertrag vereinbarte übertreffen, falls Sie
nicht zwei POSEIDON-U-Boote außer Dienst stellen. Werden Sie dies tun?
ANTWORT: Wir warten momentan noch ab, wir haben diese Frage berührt
und wir diskutieren sie weiterhin und ich warte weitere Berichte über tatsächliche Verletzungen seitens der Sowjets ab. Ich weiß, daß ich vor einiger Zeit eine Politik beschlossen habe, wonach wir die Beschränkungen
des SALT II-Vertrages weiterhin beachten, falls die anderen Unterzeichner
dieses Vertrages das gleiche tun.
Wir wissen aber, daß Verletzungen begangen wurden und wir haben uns
noch nicht darauf festgelegt, was für das Gleichgewicht getan werden muß
und was wir tun sollen. Wir sind jedoch bereit, diese Beschränkungen zu
beachten, wenn sie gleichfalls dazu bereit sind. Und ich warte ab - wir
hatten uns mit so vielen anderen Dingen zu beschäftigen, deshalb haben wir
bei diesem Thema noch keine Entscheidung getroffen.
FRAGE: Nun, Sie könnten etwas versuchen, was als proportionale Antwort bezeichnet worden ist. Dies würde bedeuten, daß man diese alten
U-Boote in Trockendocks einmotten könnte, anstatt sie außer Dienst zu
stellen, was einer Lösung dazwischen entsprechen würde?
ANTWORT: Nun, wir diskutieren über all diese Möglichkeiten, und bis
jetzt haben wir einfach noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
FRAGE:

Kann ich

�FRAGE: Kann ich noch einmal auf Gadhafi und den Nahen Osten zurückkommen? Es gab heute Berichte, wonach Sie bereits eine Entscheidung bezüglich Vergeltung getroffen hätten; andrerseits sagten Sie eben, alle
Maßnahmen würden von den Informationen abhängen, die wir erhalten. Kann
man das so verstehen, daß Sie noch keine Maßnahmen zur Vergeltung getroffen haben?
ANTWORT: Diese Frage entspricht Gesprächen über Schlachtpläne, ist
aber keine Frage, die ich beantworten kann - von dem abgesehen, was Sie
mich nun schon seit mehreren Jahren sagen hören: wenn wir konkret jemanden identifizieren könnten, der für diesen oder jenen Akt verantwortlich
ist, würden wir reagieren. Und deshalb versuchen wir herauszufinden, wer
dafür verantwortlich ist, daß ein tapferer junger Sergeant unserer Streitkräfte jetzt tot ist und 50 weitere junge Amerikaner wegen dieser heimtükkischen Attacke in Westberlin verwundet im Krankenhaus liegen. Und wenn
wir genug Beweise für eine Reaktion haben, so werden wir, wie ich glaube,
reagieren. Und das habe ich immer und immer wieder gesagt.
FRAGE: Noch zum gleichen Thema. Es gab aber auch eine Menge Beweise
in Richtung Syrien, obwohl wir in den letzten Monaten nichts hörten, was
auf Syrien als Mittäter verweist. Gibt es dafür Gründe? Hängt das möglicherweise damit zusammen, daß wir glauben, Assad könne dabei helfen, die
Amerikaner aus dem Libanon herauszuholen?
ANTWORT: Nein. Wir werden dort aktiv werden, wohin die Beweise zeigen. Bislang zeigt nichts bezüglich der jüngeren Ereignisse in diese
Richtung.
FRAGE: Ich würde gern auf Sie selbst zurückkommen, Herr Präsident.
Sind Sie angesichts Ihrer Auffassung, wonach ein Gipfeltreffen gut vorbereitet und konkrete Ergebnisse zeitigen müsse, der Meinung, es sei realistisch zu glauben, daß Sie sich noch immer an das von Ihnen bevorzugte
Datum Juni oder Juli halten können?
ANTWORT: Nun, es ist jetzt unserer Ansicht nach ziemlich sicher, daß
Juni nicht mehr möglich ist, obgleich es auf Ministerebene einige Treffen
geben wird, die mit Dobrynin arrangiert wurden. Davon wird es welche hier
noch in diesem Monat geben. Es könnte also noch immer im Juli möglich
sein; aber wenn nicht, dann eben später. Allerdings habe ich eins klargestellt: im Herbst, den Monaten unserer Wahlen, werde ich zu keinem Gipfeltreffen bereit sein, und so werde ich es halten.

ber?

FRAGE: Was wäre nach Juni oder Juli Ihr nächstbester Termin?
November?
ANTWORT:

Dezem-

Nun, das wäre dann wohl nach den Wahlen.

FRAGE: Diese Frage wurde schon in dieser oder jener Form gefragt:
Das Auffangen der Funksprüche mit Gratulationen Gadhafis an das Volksbüro
in Berlin - ist das nicht ausreichender Beweis, um Libyen für das Bomben- 6 -

«•

•

�das Bombenattentat in der Berliner Diskothek verantwortlich zu machen?
ANTWORT: Ich werde zu nichts Stellung nehmen, was enthüllen kann, wo
wir unsere Informationen herbekommen oder ob wir Informationen auf diese
Weise bekommen oder nicht. Und ich werde sicher nichts sagen, was mögliche Quellen hierfür gefährden könnte. Ich kann daher Ihre Frage nicht
beantworten.
FRAGE: Sind Sie nicht besorgt, daß die Eskalation der Spannungen mit
Libyen und in der Region insgesamt das Leben der amerikanischen Geiseln im
Libanon noch mehr gefährden könnte? Verfügen Sie über irgendwelche Nachrichten hinsichtlich ihres Wohlergehens, die Sie uns weitergeben könnten?
ANTWORT: Nein. Im Gegensatz zu dem, was manche Leute glauben, haben
wir uns ständig mit diesem Problem beschäftigt. Wir haben diese Geiseln
nicht eine Minute lang vergessen und unsere Bemühungen richten sich überall dorthin, wo sich eine Möglichkeit zu zeigen scheint. Allen Informationen nach, die uns zur Verfügung stehen, geht es ihnen soweit gut, aber
ich gehe nicht so weit zu glauben, daß das, was wir in Vergeltung für die
jetzigen Terrorakte möglicherweise unternehmen werden, wirklich Auswirkung
auf sie und ihr Wohlergehen haben sollte. Aber noch einmal: Wir müssen
uns mit diesem Terroristenproblem auseinandersetzen; wir dürfen nicht zulassen, daß die Terroristen glauben, sie könnten derlei in dieser Welt tun.
FRAGE: Ist das Problem des Terrorismus so ernst, daß es unangemessen
wäre, wenn das Leben dieser wenigen Amerikaner die amerikanische Politik
bestimmen würde?
ANTWORT: Sie sind stets ein sehr wichtiger Gesichtspunkt. Es würde
von allen uns erhältlichen Informationen abhängen und einer ganz anderen
Lage bedürfen, um die Bedeutung auch nur eines einzigen Amerikaners angesichts eines übergeordneten Zieles oder der Bedrohung von noch mehr Menschen herabzusetzen. Wir reden jetzt nicht davon, ob es sich nur um ein
Treffen oder Verfehlen handelt, wenn sich dort Terrorismus zeigt; wir
sprechen vielmehr von dem Zusammentragen von Beweisen für konkrete Akte.
Dann können wir präventiv tätig werden, wie wir dies allein im letzten
Jahr 126 mal getan haben, um derlei zuvorzukommen. Und dies wird auch
weiterhin so sein. Wir hoffen also, daß es uns gelingt, diese Geiseln zurückzuholen.
FRAGE: Kritiker meinen, Ihre Politik gegenüber Libyen sei zu sehr von
Konfrontation bestimmt. Der frühere Präsident Carter beschrieb Oberst
Gadhafi als ein Stinktier und meinte, man würde ein Stinktier nicht reizen. Was sagen Sie zu Kritikern, die meinen, militärische Vergeltung
bringe nur noch mehr Gewalt mit sich?
ANTWORT: Nun, ersteres kann man natürlich auch anders sehen. Aber
wenn Leute etwas tun und niemand reagiert, nichts passiert ihnen, dann ermutigt man sie nur zu noch mehr. Und jeder kann ihn mit dem Tiervergle.ich
belegen, den er mag; aber ich glaube, er riecht nicht nur schlecht.
FRAGE:

Noch einmal

�FRAGE: Noch einmal hierzu: Folgt aus dem Vorfall in der Großen Syrte
nicht, daß militärische Schritte hier vielleicht wirklich nur noch mehr
terroristische Reaktion herausforderten?
ANTWORT: Nein. Wenn er dies als eine Provokation darstellen wollte,
die auf ihn abzielte, nun, ich habe erklärt, was es war. Es handelt sich
um eine Praxis, die es schon seit vielen Jahren gibt, schon bevor ich in
dieses Amt kam, lange, bevor diese Manöver dort abgehalten wurden; es gab
dies schon siebenmal in meiner Amtszeit. Er mußte so etwas einfach erfinden, um von sich reden zu machen.
FRAGE:
Libyen?

Befinden wir uns in einem nichterklärten Kriegszustand mit

ANTWORT: Nicht auf unsrer Seite - er hat ihn erklärt. Wir haben diese Erklärung nur noch nicht anerkannt - und werden das auch nicht tun.
Wie ich schon sagte: wir werden uns verteidigen und werden sicherlich angesichts konkreter terroristischer Bedrohungen Maßnahmen ergreifen.
FRAGE: Michail Gorbatschow hat Sie gestern im sowjetischen Fernsehen
scharf angegriffen, als er Sie beschuldigte, einen Kalten Krieg zu provozieren und Sie wegen Ihrer Weigerung kritisierte, über einen Atomteststoppvertrag zu verhandeln und dafür, daß Sie eine Verringerung der sowjetischen UN-Delegation hier anordneten. Ist das der Geist von Genf und
was bedeutet er für den nächsten Gipfel?
ANTWORT: Ich wußte nicht, daß er dort all das über mich gesagt hat.
Er muß zu viel Prawda und TASS gelesen haben. Warum schicken wir ihm
nicht einige amerikanische Zeitungen? Nein, seine direkte Kommunikation
mit mir war sicherlich im Geist von Genf - genau wie meine Antworten an
ihn. vielleicht sprach er jetzt vor einer anderen Zuhörerschaft. Wir
versuchen, voranzukommen und planen, wie ich schon sagte, das hiesige Gipfeltreffen. Ich weiß, daß sie sich bezüglich der UN-Maßnahme aufregten,
aber darüber wurden bei uns schon seit langem Überlegungen angestellt.
Die sowjetische Delegation war größer als die beiden nächstgroßen Delegationen in der UN zusammengenommen - wozu die unsrige gehört -, und es gab
genug, von denen wir den Eindruck hatten, daß sie nicht alle UN-Delegierte
waren; sie unternahmen zusätzliche Aktivitäten, die nicht zu unserem Vorteil waren.
FRAGE: Welche Wirkungen haben ihrer Meinung nach kommende Entscheidungen - wie etwa SALT II - auf die Vorbereitungen des Gipfeltreffens?
Haben Sie den Eindruck, ihnen seien hinsichtlich der SALT II-Entscheidung
die Hände gebunden, die ja wegen der Gipfelvorbereitungen noch vor dem 20.
Mai getroffen werden muß?
ANTWORT: Nein, die sollen so weitergehen, zumal viele der Dinge schon
auf dem ersten Gipfeltreffen in Genf bei den privaten Treffen debattiert
und diskutiert wurden. Wir werden sie also bei dem nächsten Treffen wieder aufgreifen und versuchen, hinsichtlich eines Abbaus der Spannungen
- 8 -

�der Spannungen einige greifbare und konkrete Gewinne zu erzielen. Das
hängt alles mit dem zusammen, was ich ihm sagte, als wir uns zum erstenmal
trafen: Ich sagte, Länder mißtrauen einander nicht, weil sie bewaffnet
sind, sie sind bewaffnet, weil sie einander mißtrauen; und er und ich müssen in Taten - nicht in Worten - vesuchen, das Mißtrauen bis zu dem Punkt
abzubauen, an dem wir diese gewaltigen Waffenarsenale reduzieren können.
FRAGE: Sie verzeihen offensichtlich die Anwendung von Gewalt für die
Freiheitskämpfer in Nicaragua. Warum verurteilen Sie dann die Anwendung
von Gewalt bei Menschen, die Ihrem Außenministerium zufolge Freiheitskämpfer in Südafrika sind?
ANTWORT: Wir verurteilen das nicht. Wir versuchen auf alle mögliche
Weise, Treffen zwischen den Führungen beider Seiten zustande zu bringen.
Wir wissen, daß es innerhalb der südafrikanischen Regierung zwei Parteien
gibt. Die eine hält stur daran fest, mit den Praktiken der Vergangenheit
weiterzumachen. Die andere, und dazu gehört Präsident Botha, will Wandel
und hat schon eine Reihe von Schritten unternommen - so viel wie eben für
sie möglich sind. Aber es ist ähnlich wie hier, wenn ich mit dem Kongreß
zu verhandeln habe - man bekommt nicht immer alles, was man will.
FRAGE: Noch einmal zur Frage der Freiheitskämpfer. Es gibt Berichte,
wonach die Freiheitskämpfer in Angola amerikanische Stinger-Raketen bekommen. Sind Sie nicht besorgt, daß so hochtechnologische amerikanische Waffen in die Hände von Terroristen gelangen können, die den Vereinigten
Staaten nicht freundliche gesonnen sind?
ANTWORT: Ich beantworte keine Fragen über die Natur der Waffen, die
wir in solchen Fällen zur Verfügung stellen. Erstens, weil ich glaube,
daß es für uns die Mühe lohnt, militärisch einer Kraft dieser Art zu helfen; dann gibt es keinen Grund, warum wir ihren Feinden das Wissen vermitteln sollen, welche Waffen sie hat oder welche Waffen sie nicht hat. Deshalb werde ich keine Antwort darauf geben...

* * * * *

- 9 -

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AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

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14

16. April 1986

FRAGEN UND ANTWORTEN ZUR AMERIKANISCHEN AKTION GEGEN LIBYEN
- Argumente des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Im Zusammenhang mit der gegen Libyen gerichteten
Mission der amerikanischen Streitkräfte veröffentlichte das Weiße Haus in
Washington am 15. April 1985 das folgende Argumentationspapier, das sich
mit der ganzen Bandbreite der dieses Thema berührenden Fragen auseinandersetzt.

Schließung der Libyschen Volksbüros
FRAGE: Was haben unsere Verbündeten getan, um mit uns bei der Bekämpfung des libyschen Terrorismus zusammenzuarbeiten? Warum haben die Deutschen, Franzosen und Italiener nicht zum Beispiel die Libyschen Volksbüros
geschlossen?
ANTWORT: Wir haben bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus
eng mit unseren Verbündeten zusammengearbeitet. Einige haben Maßnahmen
ergriffen, und wir begrüßen ihre Bemühungen. Heute haben die Außenminister der EG auf einer Sondersitzung in Den Haag beschlossen, die Bewegungsfreiheit des libyschen diplomatischen und konsularischen Personals
einzuschränken, die Zahl der Mitarbeiter der Libyschen Volksbüros zu reduzieren und die Visabestimmungen zu verschärfen. Es bleibt noch viel zu
tun, und unsere Konsultationen dauern an.
Sturz Gadhafis

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�Sturz Gadhafis
FRAGE: Versuchen die Vereinigten Staaten, Gadhafi zu töten oder ihn
durch ein besser gesonnenes Regime zu ersetzen?
ANTWORT: Nein, die Vereinigten Staaten versuchen weder, Gadhafi umzubringen noch, sein Regime durch eine Regierung zu ersetzen, die den Vereinigten Staaten gegenüber freundlicher gesonnen ist. Wir versuchen lediglich, Gadhafis Führung und Unterstützung des internationalen Terrorismus zu beenden. Unsere Streitkräfte haben einen Schlag gegen den Nerv des
von Libyen unterstützten Terrorismus durchgeführt.

Botschaft von Gadhafi
FRAGE: Es existieren Berichte, wonach Oberst Gadhafi Präsident Reagan
eine Botschaft übermittelt hat, um Verhandlungen über ein Ende der Krise
zu führen. Ist das wahr und wie wird der Präsident darauf reagieren?
ANTWORT: Wir haben bis jetzt keine formelle Botschaft von Oberst
Gadhafi erhalten. Belgien vertritt die Interessen der Vereinigten Staaten
in Libyen, da wir keine formellen diplomatischen Beziehungen unterhalten.
Wenn Oberst Gadhafi dem Präsidenten eine Botschaft zukommen lassen möchte,
kann diese durch geeignete Kanäle bei der belgischen Botschaft übermittelt
werden.
Wie wir schon oft erklärt haben, bestünde die beste Botschaft, die
Gadhafi übermitteln kann, in seinen Taten. Wenn er wirklich wünschte, unsere Differenzen zu beenden, dann könnte er seine geplanten Angriffe auf
amerikanische Touristen, Soldaten und Diplomaten abblasen. Wir haben mit
friedlichen Mitteln versucht, Gadhafi davon zu überzeugen, daß seine Politik und seine Akte des internationalen Terrorismus unannehmbar sind und
von der Weltgemeinschaft nicht toleriert werden können.

Sonderbotschafter
FRAGE: Würden Sie Presseberichte kommentieren, wonach der Präsident
einen Sonderbotschafter nach Europa entsandt hat, um den militärischen
Schlag mit unseren Verbündeten zu erörtern? Welche Länder besuchte er?
ANTWORT: Ja, Botschafter Walters hat als Sonderbotschafter des Präsidenten vor diesen Schlägen mehrere Länder in Europa besucht. Ich kann Ihnen aber keine weiteren Einzelheiten dazu mitteilen, welche Länder konsultiert wurden oder was das Thema dieser Konsultationen gewesen ist.

Zusammenarbeit mit den Verbündeten
FRAGE: Würden Sie auf Presseberichte eingehen, wonach einige unserer
Freunde und Verbündeten (Ägypten, Großbritannien, Italien) uns die Benut-

�uns die Benutzung ihrer Luftwaffeneinrichtungen und NATO-Stützpunkten für
diese Operation verweigerten?
ANTWORT: Ich werde über die Diskussionen zu den möglichen militärischen Planungen mit Verbündeten und Freunden keinen Kommentar abgeben.
Ich kann jedoch kategorisch versichern, daß wir entsprechend den mit allen
Verbündeten geschlossenen Abkommen gehandelt haben.
FRAGE:

Wurden irgendwelche Einrichtungen der Verbündeten benutzt?

ANTWORT: Im Hinblick auf alle Fragen bezüglich der militärischen Operation möchte ich Sie an das Verteidigungsministerium verweisen.
FRAGE: (Falls Einrichtungen der Verbündeten nach der Operation benutzt wurden.) Hatten Sie die Erlaubnis der Verbündeten für die Benutzung
von...?
ANTWORT: Wegen der (Verwundeten, Problemen mit den Flugzeugen u.s.w.)
landeten wir in.... Natürlich konnten wir dies nicht im voraus wissen und
haben deshalb dazu auch keine Konsultationen abgehalten. Überdies entspricht es nicht den Gepflogenheiten, über Notfälle wie diesen Konsultationen zu veranstalten.
FRAGE:
tationen?

Mit welchen unserer Verbündeten gab es vor dem Angriff Konsul-

ANTWORT: Natürlich haben wir mit einer Reihe von Freunden und Verbündeten Kontakt aufgenommen. Ich werde keinen Kommentar zu den Einzelheiten solcher Konsultationen abgeben.

Aktionen der Europäischen Gemeinschaft
FRAGE: Warum antworteten Sie mit militärischer Gewalt, nachdem doch
die Sonderkonferenz der EG-Außenminister zur Mäßigung aufgerufen und ein
Waffenembargo gegen Libyen sowie Maßnahmen gegen die Libyschen Volksbüros
verhängt hatte?
ANTWORT: Der Präsident war sich der jüngsten Maßnahmen, die von der
Konferenz der EG-Außenminister ergriffen wurden, bewußt. Diese Maßnahmen
waren:
- Reduzierung des Personals der Volksbüros;
- Beschränkung der Bewegungsfreiheit libyschen diplomatischen und konsularischen Personals; und
- Verschärfung der Visabestimmungen.
Obwohl diese

�Obwohl diese Maßnahmen sicherlich einen Schritt in die richtige Richtung darstellen, gehen sie unserer Meinung nach nicht weit genug um sicherzustellen, daß damit die von Libyen für die Zukunft geplanten terroristischen Anschläge in mehr als einem Dutzend Ländern vereitelt werden
können.
Im Lichte der unmittelbar von Libyen ausgehenden Bedrohung fühlte der
Präsident eine dringende Verantwortung, zu handeln.
Es sollte auch bemerkt werden, daß die EG diese Maßnahmen erst unternahm, nachdem die Vereinigten Staaten damit begonnen hatten, mit ihren
wichtigsten Verbündeten Konsultationen über mögliche militärische Aktionen
durchzuführen.

Die arabische Reaktion
FRAGE: Bauen Sie Gadhafi durch Ihre Angriffe gegen ihn nicht nur noch
weiter in der arabischen Welt auf? Stimmt es nicht, daß es sich keine
arabische Regierung zum jetzigen Zeitpunkt leisten kann, als ünterstützer
der Vereinigten Staaten gegen Gadhafi zu gelten?
ANTWORT: In bezug auf die besondere arabische Reaktion habe ich (bis
heute) (kann ich keinen Kommentar zu den Motiven hinter diesen Reaktionen
abgeben). Ich möchte jedoch sagen, daß mehrere arabische Länder in der
Vergangenheit privat betont haben, daß sie Verständnis für unseren Willen
haben, uns gegen Gadhafi zu wehren. Ich nehme an, daß wir ähnliche Reaktionen jetzt erleben werden.

Die Sowjets
FRAGE:

Haben Sie die Sowjets informiert?

ANTWORT: Ja. Wie bei der Übung zur Freiheit der Seeschiffahrt haben
wir mit den Sowjets gesprochen, als sich die Dinge entwickelten, um einer
Fehleinschätzung ihrerseits vorzubeugen.
FRAGE: Riskiert man mit dieser amerikanischen Aktion nicht eine direkte Konfrontation mit sowjetischen Truppen? Werden sie nicht ihren Verbündeten Gadhafi unterstützen?
ANTWORT: Wir haben den Sowjets klargemacht, daß unsere Aktionen nicht
gegen sie gerichtet sind. Die Sowjetunion hat keinen Freundschafts- und
Beistandsvertrag mit Libyen, und wir erwarten nicht, daß die Sowjets
Gadhafi aktive militärische Hilfe leisten werden.
FRAGE:

Wurde der Heiße Draht benutzt?

ANTWORT:

Nein, der Heiße Draht wurde nicht benutzt.
Krieg mit Libyen
- 4 -

�Krieg mit Libyen
FRAGE:

Werden die Vereinigten Staaten einen Krieg gegen Libyen führen?

ANTWORT: Nein, die Vereinigten Staaten haben Libyen weder den Krieg
erklärt, noch gegen Libyen Krieg geführt. Wir haben lediglich eine geeignete militärische Antwort durchgeführt, um von Libyen beabsichtigte Akte
des internationalen Terrorismus zu verhindern. Nach der VÖlkerrechtsdoktrin von der Selbstverteidigung sind solche Präventivaktionen erlaubt.

Ermächtigung zur Kriegführung
FRAGE: Haben Sie sich vor diesem militärischen Schlag mit den Führern
des Kongresses beraten, wie dies vom entsprechenden Gesetz (War Powers Resolution) vorgesehen ist?
ANTWORT: Der Präsident hat sich vor dem Beginn der Aktion mit der
Führung von Repräsentantenhaus und Senat beraten und er beabsichtigt, dem
Kongreß binnen 48 Stunden einen umfassenden Bericht vorzulegen.

Planung
FRAGE: Wann hat die Administration entschieden, einen Vergeltungsschlag durchzuführen?
ANTWORT:

Kein Kommentar.

FRAGE: Welche Beweise haben Sie für die Verwicklung Libyens in den
Berliner Bombenanschlag?
ANTWORT: Ende März erfuhren wir, daß Gadhafi einer Reihe von sogenannten Volksbüros, einschließlich desjenigen in Ostberlin, Befehl erteilte, amerikanische Bürger und Einrichtungen anzugreifen. In der Folge wurden Mitglieder Libyscher Volksbüros, die schon früher in terroristische
Aktivitäten verwickelt gewesen waren, in Westberlin von alarmierten amerikanischen und westberliner Sicherheitskräften ausgemacht und identifiziert. Am Abend des 4. April erfuhren wir, daß das Libysche Volksbüro in
Ostberlin Tripolis informiert hatte, daß ein Anschlag am 5. April stattfinden würde. Später teilte das Libysche Volksbüro in Ostberlin nach
Tripolis mit, daß die "Operation" erfolgreich gewesen sei und daß sie
nicht mit dem Libyschen Volksbüro in Ostberlin in Verbindung gebracht werden könne. Das gleiche Muster in der libyschen Planung von Anschlägen auf
Amerikaner und andere Personen wurde schon bei anderen Gelegenheiten identifiziert. Aus verschiedenen Gründen sind ihnen jedoch dabei keine weiteren "Erfolge" gelungen. Dies ist auf die gute Sicherheits- und Aufklärungsarbeit der Vereinigten Staaten sowie auf die gute Zusammenarbeit mit
befreundeten Regierungen zurückzuführen. Wir können es uns jedoch nicht
leisten, in unseren Bemühungen nachzulassen und tatenlos darauf zu warten,
daß Gadhafis Mörder es wieder und wieder versuchen.
Warnungen
- 5 -

�Warnungen
FRAGE: Welche Warnungen haben Sie herausgegeben, nachdem die Anzeichen eines bevorstehenden Angriffs sich immer mehr verstärkt hatten?
ANTWORT: Wir warnten unsere diplomatischen und militärischen Einrichtungen im Ausland. Diese wurden gleichzeitig gebeten, diejenigen Amerikaner, die sich privat dort aufhalten, zu warnen. Am 27. März traf sich unser Vertreter zu getrennten Gesprächen mit Vertretern der DDR und der
UdSSR, um sie von der Bedrohung der Amerikaner in Westberlin durch das
Libysche Volksbüro in Kenntnis zu setzen und sie darum zu bitten, terroristische Aktionen zu verhindern.
Nachdem wir noch dringendere Warnungen in bezug auf einen bevorstehenden Anschlag erhalten hatten, begannen unsere Sicherheitskräfte in Westberlin, die Angehörigen unserer Streitkräfte aufzufordern, Bars und Nachtclubs zu räumen. Leider hatten sie die Diskothek La Belle noch nicht erreicht, als dort die Bombe am 5. April um 01.30 Uhr explodierte.

Gadhafis Terrorismus
FRAGE: Hinter welchen anderen Terroranschlägen steckte Gadhafi?
ANTWORT: Es war stets unsere Politik, keine Fragen zu beantworten, bei
denen es sich um sensitives Geheimdienstmaterial handelt. Die öffentlich
bekannte Liste all dessen, was zeigt, in wie viele Akte der Aggression
Gadhafi verwickelt war, geht auf viele Jahre zurück und ist eindeutig. Im
Mai 1984 wurde in London eine britische Polizistin vor dem dortigen
libyschen Volksbüro ermordet. Als Konsequenz schlössen die Briten dieses
Büro.
Er hat Mordgruppen in die ganze Welt geschickt - sogar in die Vereinigten Staaten -, um libysche Dissidenten umzubringen, die im Exil leben.
Es gibt überzeugende Beweise dafür, daß Libyen mit den brutalen Angriffen auf die Flugplätze in Rom und Wien am 27. Dezember vergangenen
Jahres in Verbindung gebracht werden kann.
Gadhafi gibt routinemäßig dem palästinensischen Terroristen Abu Nidal
materielle Unterstützung.
Im März war Gadhafi in Tripolis der Gastgeber von etwas, was einer internationalen Konvention von Terroristen gleichkam, an der Hunderte von
Terroristen aus Gruppierungen der ganzen Welt teilnahmen.

Zukünftige Angriffe
FRAGE: Welche Beweise haben Sie dafür, daß derzeit weitere libysche
Terroroperationen geplant oder schon unterwegs sind?
ANTWORT: Wir haben

�ANTWORT: Wir haben höchst zuverlässige nachrichtendienstliche Informationen, daß Gadhafi und seine Hauptmitarbeiter weitere Angriffe auf amerikanische Bürger und Anlagen in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika und
Lateinamerika planen.
- In Afrika planen die Libyer Angriffe und überwachen amerikanische Einrichtungen in zehn Ländern. Letzte Woche kamen drei libysche Agenten
in einem afrikanischen Staat an, um einen Bombenanschlag gegen die
Kanzlei unserer dortigen Botschaft durchzuführen und unseren Botschafter zu entführen.
- Im Mittleren Osten haben die Libyer mehrere Angriffe gegen amerikanische Botschaften geplant und haben andere Terrorgruppen dort dazu
ermutigt, ähnliche Anschläge durchzuführen.
- In Lateinamerika haben libysche Diplomaten ....
maten und deren Familienangehörige.

amerikanische Diplo-

- Libyen hat seine Agenten auch angewiesen, Schläge gegen die Handelsinteressen der Vereinigten Staaten durchzuführen - einschließlich amerikanischer Flugzeuge im internationalen Flugverkehr.

Syrien/Iran
FRAGE: Sind nicht Syrien und der Iran für den staatlich unterstützten
Terrorismus genauso verantwortlich wie Libyen? Warum behandeln die Vereinigten Staaten diese Länder nicht genauso wie Libyen?
ANTWORT: Wir sind über die syrische und iranische Unterstützung terroristischer Aktivitäten gleichermaßen besorgt. Beide Staaten stehen auf
unserer "Terrorismusliste"; Kontrollen im kommerziellen Bereich sind die
Folge. Wir haben gesagt, daß wir jene zur Verantwortung ziehen werden,
die verantwortlich sind, sobald wir die nötigen Beweise dafür haben. Im
jetzigen Fall deuten die Beweise auf Libyen.

Amerikanische Maßnahmen gegen den libyschen Terrorismus
FRAGE: Sie sagen, daß dieser amerikanische Angriff auf Libyen eine
Reaktion auf die Terrorkampagne Gadhafis sei, daß jedoch unser letzter
Schlag das Ziel hatte, unsere Schiffe im Verlauf einer Operation zu verteidigen, die der Freiheit der Seeschiffahrt diente. War es nicht von Anfang an Ziel auch dieser Übung, die Angriffe von Rom und Wien zu vergelten?
ANTWORT: Die Vereinigten Staaten können und werden keinen staatlich
unterstützten Terrorismus tolerieren. Dies ist seit langem unsere Politik. Nach den Massakern von Rom und Wien ergriffen wir eine Anzahl politischer und wirtschaftlicher Maßnahmen, die darauf abzielten, Gadhafi dazu
zu bringen, seine Unterstützung der Terroristen einzustellen. Wir ver-

�Wir verdeutlichten, daß wir gezwungen wären, militärische Maßnahmen zu ergreifen, falls er mit seiner Unterstützung der Terroristen fortfahren würde und unsere anderen schrittweisen Maßnahmen ihn nicht davor abschreckten, wir haben unser Wort gehalten.
Wie wir während der
ten, reagierten wir zur
auf unsere Streitkräfte
ternationalen Gewässern

Operation zum Schutz der freien Seeschiffahrt sagSelbstverteidigung nur nachdem Gadhafi Angriffe
befohlen und durchgeführt hatte, als diese in inoperierten.

Ziele des militärischen Schlags
FRAGE: Was erhofften Sie militärisch zu erzielen, als sie diesen Angriff starteten? Und was hofften Sie, politisch zu erreichen?
ANTWORWT: Unser Ziel war es, Gadhafis Fähigkeit Schaden zuzufügen,
den Export von internationalem Terrorismus zu dirigieren und zu kontrollieren. Die Vereinigten Staaten können genauso wenig wie alle freiheitsliebenden Völker der Welt den Terrorismus tolerieren. Wenn wir diejenigen, die für terroristische Akte verantwortlich sind, eindeutig identifizieren können, so werden wir sie dafür auch zur Verantwortung ziehen. Das
militärische Ziel bestand also darin, Ziele auf eine Weise zu treffen, um
der Fähigkeit Gadhafis Schaden zuzufügen, terroristische Akte durchzuführen. Das politische Ziel war, zu zeigen, daß solche Angriffe die Folge
sind, wenn man Terroraktionen unternimmt - daß man den Terrorismus nicht
unterstützen kann, ohne einen hohen Preis dafür zahlen zu müssen, wir haben beide Ziele mit Erfolg erreicht.
Wir hoffen, daß diese Maßnahme künftige Terrorangriffe abschrecken
wird. Dennoch haben wir keine Illusionen hinsichtlich Gadhafi und anderer
Terroristen und seiner Unterstützung und des Exports von Terrorismus. Es
könnte in der nächsten Zukunft sogar von seiner Seite aus eine Verstärkung
der Angriffe geben. Aber Ziel unserer Reaktion war nicht, ein definitives
Ende seiner terroristischen Taktiken zu erzwingen. Vielmehr ging es uns
darum, ein deutliches Signal dafür zu senden, daß wir den Tod unschuldiger
Amerikaner und anderer nicht mehr länger tolerieren werden. Wir sind zuversichtlich, daß die Botschaft gehört und verstanden wurde.

Entschuldigung für einen Angriff
FRAGE: War ihr eigentliches Motiv nicht von Anfang an eine Provokation Gadhafis, damit Sie eine Entschuldigung dafür bekämen, Libyen direkt
und stärker zu attackieren, als Sie es bisher taten?
ANTWORT: Nein. Oberst Gadhafi trägt die volle Verantwortung für diese Wendung der Ereignisse. Wir wissen, daß seine Terrorkampagne schon
lange vor den Operationen in der Großen Syrte geplant und unterwegs war.
Er benützt lediglich die Operation in der Großen Syrte als passende Ent- 8 -

�passende Entschuldigung für seine unprovozierten Angriffe. Er unterstützt
schon seit langem Terroristen, die wahllos verabscheuungswürdige Verbrechen gegen unschuldige Menschen jeglicher Staatsangehörigkeit begehen.
Die unwiderlegbaren Beweise dafür, daß Gadhafi den brutalen Bombenanschlag
in Berlin befahl, ist für die ganze Welt ein Beweis seiner Feigheit.

Ziele
FRAGE:

Warum wurden von Ihnen gerade diese Ziele ausgewählt?

AMTWORT: Auf der Grundlage ihres Verhältnisses zu Gadhafis Lenkung
und Unterstützung von Terrorismus wurden mit Sorgfalt fünf Ziele untersucht und ausgewählt. Diese fünf Ziele waren:
- Erstens die AI Azziziyah-Kaserne in Tripolis - das Zentrale Hauptquartier der libyschen Planung und Lenkung der terroristischen Angriffe im
Ausland.
- Zweitens, die AI Jumahiriya-Kaserne in Bengasi - eine alternative Kommandozentrale für die AI Azziziyah-Kaserne.
- Drittens, die Sidi Bilal-Hafenanlage libysche Kommandos.

Ausbildungszentrum für

- Viertens, der militärische Teil des Flugplatzes von Tripolis - IL/76Militärtransporter für den Transport von subversivem Material in die
ganze Welt
- Fünftens, der Benina-Militärflugplatz - ein Zentrum der militärischen
Unterdrückung, zentraler Stützpunkt für libysche Kampf- und Bombenflugzeuge. Von dort gelangt auch neues militärisches und subversives
Material in den Krieg gegen den Tschad.
Gleichermaßen sorgfältig wurde auch die Möglichkeit weiteren Schadens
sowie der Verluste unter der unschuldigen Bevölkerung abgewogen. Die Ziele und die Angriffsmittel wurden so ausgewählt, daß derlei Schäden und
Verluste in größtmöglichem Maße verhindert werden konnten.

SA-5-Anlagaen
FRAGE: Die Libyer reparierten mit sowjetischer Hilfe die SA-5-Anlagen
nach unserem Angriff. Und diese waren während unseres jüngsten Angriffs
einsatzbereit. Warum fügte die 6. Flotte zu jenem Zeitpunkt nicht einen
dauerhafteren Schaden zu?
ANTWORT: Unsere Reaktion zum Zeitpunkt der libyschen Angriffe gegen
die amerikanischen Streitkräfte, die in der Großen Syrte eine friedliche
Übung durchführten, wurde als angemessen angesehen. Unser Ziel bestand

�Unser ziel bestand nicht darin, einen unverhältnismäßig großen Schaden anzurichten, sondern unsere Substanz zu schützen und ein deutliches Signal
zu setzen, daß wir reagieren werden, wenn man uns angreift.

Drei Flugzeugträger
FRAGE: Sie setzten drei Flugzeugträger-Kampfgruppen ein, um im vergangenen Monat eine Übung zum Zweck der Navigationsfreiheit durchzuführen.
Warum waren Sie der Meinung, es sei diesmal ausreichend, gegen Libyen mit
nur zweien zuzuschlagen?
ANTWORT: Die Übung zum Schutz der freien Seeschiffahrt war ein schon
lange geplantes Unternehmen, für das wir in der Lage waren, drei solche
Einheiten zusammenzubringen, eine für alle Eventualfälle optimale Konstellation. Die Reaktion auf den libyschen Terrorismus mußte eine sofortige
sein, um weitere, von Libyen dirigierte Terrorakte zu verhindern, die in
mehreren anderen Ländern geplant waren.
Ich möchte Sie für noch spezifischere Antworten an das Pentagon verweisen. Ich kann Ihnen versichern, daß der Präsident einer solchen Operation nicht zugestimmt hätte, wenn die militärischen Planer nicht der Meinung gewesen wären, die Mittel seien genau angemessen, um diese Mission
sicher zu vollenden.

Amerikanische Bürger in Libyen
FRAGE: Wie viele amerikanische Bürger sind noch in Libyen?
dieser Angriff nicht ihr Leben in Gefahr?

Bringt

ANTWORT: Wir haben keine genauen Zahlen, aber wir gehen von schätzungsweise einigen Hundert aus. Unser Angriff sollte weder direkt noch
indirekt die verbleibenden amerikanischen Bürger gefährden, von denen einige sich dort aufhalten, weil sie mit libyschen Bürgern verheiratet sind.
Wir werden die libysche Regierung auch weiterhin für die Sicherheit und
das Wohlergehen aller amerikanischer Bürger verantwortlich machen, die
sich noch in Libyen aufhalten. Ich sollte jedoch darauf hinweisen, daß
der Präsident am 7. Januar alle Amerikaner aufforderte, Libyen zu verlassen.

Kettenreaktion der Gewalt
FRAGE: Als Sie die Übung zum Schutz der freien Seeschiffahrt planten,
waren Sie sich sicher der Tatsache bewußt, daß Sie Gadhafi dazu provozieren würden, mit Terror Vergeltung zu üben und daß dies zu einer Kettenreaktion terroristischer Akte führen würde?
ANTWORT:

- 10 -

Unsere

�ANTWORT: Unsere Übung war Bestandteil unserer weltweiten und seit
langem betriebenen Politik, die Freiheit der Seefahrt und der Präsenz in
internationalen Gewässern zu garantieren. Wir hatten bislang sieben mal
derlei Übungen in der Großen Syrte im Verlauf der letzten fünf Jahre
durchgeführt. Durch diese Manöver hofften wir, einen diskreten Hinweis zu
geben. Sicherlich erwägten wir die Möglichkeit, daß Gadhafi so reagieren
würde, wie er es dann auch tat und daher waren unsere Streitkräfte auch
vorbereitet, als sie von Libyen angegriffen wurden. Ich möchte eines jedoch noch einmal betonen: Wir werden immer so handeln, wie es unseren
Prinzipien entspricht, weil wir der Überzeugung sind, daß anderes Handeln
nur zu terroristischer Erpressung führt.
Zudem setzt Gadhafi den Terrorismus nicht erst seit letzter Zeit ein.
Schon seit einer Reihe von Jahren zögert er nicht, den Terrorismus zu nutzen, um seine eigenen Ziele zu fördern. Was wir in Berlin und andernorts
erlebten, war kein neues Phänomen, sondern Gadhafi handelte nur in gewohnter Weise.

Die nächsten Schritte
FRAGE:

Was erwarten Sie, was als nächstes geschehen wird?

ANTWORT: Das hängt wirklich von Oberst Gadhafi ab. Unsere Position
ist klar und deutlich. Er kann Terrorakte nicht ungestraft durchführen.
Wenn er sich entschließt, seine Leitung und Unterstützung des internationalen Terrorismus einzustellen, hat er von den Vereinigten Staaten nichts
zu befürchten. Wenn er jedoch beschließt, diese Art der Lenkung und Unterstützung fortzusetzen, oder sogar noch zu verstärken, so sind die Vereinigten Staaten bereit, die antiterroristischen Operationen gegen Libyen
so lange fortzuführen, wie notwendig ist, um den von Libyen unterstützten
Terrorismus zu beenden.

- 11 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^TioN

14

16. April 1986

AMERIRANISCH-EUROPXlSCHE BEZIEHUNGEN
Unterstaatssekretär Ridgway im Repräsentantenhaus

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für europäische und kanadische Angelegenheiten, Rozanne L. Ridgway, sprach in einer Anhörung vor
dem Unterausschuß für Europa und den Mittleren Osten im Repräsentantenhaus
am 8. April 1986 unter anderem über die "unannehmbaren" Auflagen der Europäischen Gemeinschaft auf die landwirtschaftlichen Exporte der Vereinigten
Staaten.
Ridgways Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, ich möchte dem Unterausschuß heute mit den neuesten
Entwicklungen in Europa vertraut machen. Seit unserem letzten Zusammentreffen hat die EG unseren landwirtschaftlichen Exporten in den erweiterten gemeinsamen Markt unannehmbare Auflagen gemacht. Außenminister Shultz
ist nach Griechenland und in die Türkei wie auch nach Frankreich und
Italien gereist. Der UN-Generalsekretär hat den Entwurf für ein Rahmenabkommen zur Klärung der Situation auf Zypern vorgelegt. Die französischen
Parlamentswahlen haben zu einer Regierungskoalition der konservativen Parteien geführt, die sich mit dem sozialistischen Präsidenten Mitterrand die
Staatsgewalt teilen. Schweden hat durch die Kugeln eines Attentäters seinen Ministerpräsidenten Olof Palme verloren. Erst in der vergangenen

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�der vergangenen Woche haben die Vereinigten Staaten gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland eine Regierungserklärung über die deutsche Beteiligung am SDIProgramm unterzeichnet.
Ich möchte auf all diese Entwicklungen kurz eingehen und dem Unterausschuß unsere Position bei den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen darlegen.

Auswirkungen einer Ausweitung der EG für die Vereinigten Staaten
Was den Handel betrifft, so erklärte der Präsident am 31. März im zusammenhang mit der Erweiterung der EG, daß bis zur Aufhebung der ungesetzlichen Quoten auf unsere Exporte von ölsamen und Getreide nach Portugal
durch die EG und der sofortigen Erstattung unserer Verluste bei Getreideund Sorghumhirselieferungen nach Spanien, die Vereinigten Staaten Quotenregelungen treffen und höhere Zölle auf EG-Waren erheben werden.

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Obwohl wir den Beitritt Spaniens und Portugals zur EG begrüßen, so haben wir doch klar genug darauf hingewiesen, daß wir es nicht zulassen werden, daß die Erweiterung der EG als Entschuldigung benutzt wird, um unseren Exporten ungerechte Beschränkungen aufzuerlegen. Bedauerlicherweise
hat unsere Botschaft in Europa bisher noch keine Resonanz gefunden. Zwei
Arten von jetzt in Portugal ergriffenen Maßnahmen sind beunruhigend für
uns: Einfuhrgenehmigungen und Quotenregelungen bei Sojabohnen und die Reservierung von 15,5 Prozent des portugiesischen Getreidemarktes für EGLieferanten. Unserer Ansicht nach laufen diese Schritte den Verpflichtungen der Gemeinschaft im GATT zuwider. Darüber hinaus betrachten wir die
Maßnahmen für Sojabohnen als potentielle Bedrohung unserer gesamten Sojabohnenexporte für die EG. Die Erklärung des Präsidenten vom 31. März
zeigt unseren Entschluß, ungerechtfertigte Handelsbeschränkungen zu verhindern und auf solcherart auferlegte Beschränkungen genauso zu reagieren.

Die Reise des Außenministers in die Türkei und nach Griechenland
Die Reise des Außenministers in die Türkei hat den Prozeß der Erweiterung und Vertiefung unseres Dialogs mit diesem wichtigen NATO-Verbündeten
vorangetrieben. Der Besuch gab dem Außenminister und auch uns, seinen Begleitern, die Möglichkeit, die strategische Bedeutung der Türkei vor Ort
richtig einzuschätzen. Es wurde ferner die Wirksamkeit des umfassenden
und gut konzipierten wirtschaftlichen Reformprogramms von Premierminister
özal offenbar, das die Türkei zu einem Vorbild marktorientierter wirtschaftlicher Entwicklung für all jene Staaten werden läßt, die sich in einem Entwicklungsstadium befinden. Wir erkennen auch nachhaltig die Notwendigkeit, die türkischen Bemühungen zur Modernisierung ihrer Streitkräfte und zur Konsolidierung ihrer demokratischen Einrichtungen auf jede nur
mögliche Art und Weise zu unterstützen und somit die Voraussetzungen für
ein stabiles Wirtschaftswachstum zu schaffen.
Der Außenminister
- 2 -

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l

�Der Außenminister traf mit Präsident Evren, Premierminister özal, dem
Stellvertretenden Premierminister Erdem, Außenminister Halefoglu, Verteidigungsminister Yavuztürk und anderen hochrangigen Regierungsvertretern
und Parlamentsmitgliedern zusammen. Bei den internationalen Angelegenheiten konzentrierte sich die Diskussion besonders auf den Mittleren Osten
und die Bedrohung des internationalen Gleichgewichts durch den iranischirakischen Krieg.
Bei den Diskussionen bilateraler Angelegenheiten besprachen wir die
Notwendigkeit der Ausweitung unserer Beziehungen in Wirtschaft und Handel
und des amerikanisch-türkischen Abkommens über die Zusammenarbeit in der
Wirtschaft und bei der Verteidigung (DECA). Die Türken bekundeten ihr Interesse auf besseren Zugang für ihre Exporte - speziell Textilien - zum
amerikanischen Markt. Der Außenminister drückte unser Interesse aus, den
Handel mit der Türkei und Investitionen auf nationaler Ebene zu unterstützen, wobei er auf die Komplexität des Textilsektors hinwies. Er erklärte
die Vorzüge, die sich aus dem kürzlich geschlossenen bilateralen Investment-Vertrag wie auch aus dem zur Zeit verhandelten Steuervertrag und anderen gemeinsamen Geschäftsbeziehungen ergeben können.
Der Außenminister beschrieb die Schritte, die wir in den vergangenen
Jahren bei der Unterstützung der Sicherheit geleistet haben und unseren
fortgesetzten Einsatz zur Bereitstellung von Verteidigungsmitteln an die
Türkei im Geiste der Atlantischen Partnerschaft und zum Nutzen unserer
beiden Länder. Ich kann nicht genug auf die Bedeutung hinweisen, mit der
die Regierung ihre Bitte um Sicherheitshilfe für die Türkei unterstreicht.
Den Türken steht von Rechts wegen mehr zu als wir ihnen gewähren können,
und es liegt auch in einer schwierigen Haushaltssituation im Interesse unseres Landes, das Ausmaß dieser Unterstützung anzuheben. Der Minister und
seine türkischen Gesprächspartner sprachen außerdem über unsere gemeinsame
Verpflichtung zum Schutz der Menschenrechte und unsere Besorgnis hinsichtlich der Lage der türkischsprechenden moslemischen Minderheit in Bulgarien.
In Athen traf der Minister mit Ministerpräsident Papandreou sowie hohen Regierungsvertretern zusammen. Die Gespräche verliefen in einer positiven Atmosphäre und stellten einen wichtigen Schritt in unserem ständigen, beiderseitigen Bemühen um eine Verbesserung der Beziehungen dar, im
Einklang mit Papandreous Erklärung vom vergangenen Jahr, wonach sich
Griechenland und die Vereinigten Staaten auf "ruhigere Gewässer" zubewegen
sollten - ein Wunsch, den auch Präsident Reagan teilt. Minister Shultz
und sein griechischer Amtskollege Papoulias kamen im Anschluß überein,
sich in einem solchen Sinne "Schritt für Schritt" in diese Richtung zu bewegen.
Der Minister analysierte die Ergebnisse dieses schrittweisen Prozesses
im einzelnen und beide Seiten waren sich darin einig, daß in den vergangenen Monaten hier erhebliche Fortschritte erzielt worden seien. Wir haben die notwendigen Schritte für einen Verkauf von F-16-Kampfflugzeugen an
Griechenland unternommen. Hinsichtlich der Zivilluftfahrt haben wir ein
Interimsabkommen abgeschlossen und wir arbeiten in den Bereichen Terroris-

�Bereichen Terrorismus und Sicherheitsfragen zusammen. Die griechische
Seite stimmte einer weiteren Zusammenarbeit mit uns in den kommenden Monaten zu, um noch andere anstehende Fragen zu lösen. Wir hoffen, die noch
vorhandenen Probleme ausräumen zu können, um mit den Verhandlungen über
die Stützpunktfrage zu beginnen und zu Gesprächen über ein Abkommen hinsichtlich des Status unserer dortigen Streitkräfte zu kommen, wir müssen
auch mit Gesprächen hinsichtlich eines Abkommens über die Anlagen der
Stimme Amerikas (VOA) in Griechenland beginnen. Im nächsten Monat werden
wir in Athen Gespräche über Handel und Investitionen führen. Und wir werden damit fortfahren, Möglichkeiten zu untersuchen, wie unsere Zusammenarbeit beim Thema Terrorismus noch wirkungsvoller werden kann.
Schließlich führte der Minister auch gute Gespräche bezüglich der Zukunft der militärischen Anlagen der Vereinigten Staaten in Griechenland.
Wir kamen zwar noch nicht zu einer Lösung, waren uns aber darin einig, daß
ernsthafte Gespräche über diese Frage rechtzeitig stattfinden sollten, um
dieses Problem noch vor Dezember 1988 einer zufriedenstellenden Lösung zuzuführen. Der Minister ludt Außenminister Papoulias ein, zu einem noch
festzulegenden Termin nach Washington zu kommen, und dieser nahm die Einladung an.
Der Minister betonte unser Interesse an Frieden und Stabilität in dieser Region wie auch unsere Besorgnis hinsichtlich der anhaltenden Meinungsverschiedenheiten zwischen unseren griechischen und türkischen Verbündeten. Er brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß sie diese Frage einer
Lösung zuführen und daß Griechenland eine Möglichkeit finden wird, wieder
in vollem Umfang an den Aktivitäten der NATO teilzunehmen.

Die Zyperninitiative des UN-Generalsekretärs
Der Generalsekretär hat mit der Zyperninitiative, die er seit August
1984 verfolgt, einen wichtigen Schritt nach vorn getan. Am 29. März legte
er griechisch- und türkischzypriotischen Repräsentanten einen Entwurf über
ein Rahmenabkommen vor, das Grundsätze über die Natur einer künftigen Bundesrepublik Zypern enthält und mit dem ein Prozeß ins Leben gerufen werden
soll, um auf eine zyprische Gesamtlösung hinzuarbeiten. Während der vergangenen Monate haben Vertreter des UN-Generalsekretariats zwei Gesprächsrunden mit den beiden Seiten in Europa abgehalten. Sie trafen außerdem
mit den Parteien auf Zypern und in New York zusammen, um dieses Dokument
vorzubereiten.
Sollte es von beiden Seiten angenommen werden, so würde es ihnen zum
erstenmal die Möglichkeit zu konkreten Gesprächen über alle anstehenden
Fragen geben und diese könnten als integrales Ganzes angegangen werden.
Dazu gehören die Grundfragen nach einem Truppenabzug und nach internationalen Garantien. Das Abkommen sieht vor, daß der Generalsekretär regelmäßige Gipfeltreffen zwischen den beiden zypriotischen Führern und Arbeitsgruppen arrangiert, im Rahmen derer die Fragen im einzelnen behandelt
würden.
Diese Verhandlungen

�Diese Verhandlungen würden jeder Seite genug Gelegenheit geben, sich
in ausreichendem Maß mit den Absichten der jeweils anderen vertraut zu machen. Und obgleich das Dokument des Generalsekretärs die beiden Parteien
in Zypern dazu verpflichten würde, innerhalb eines vereinbarten Rahmens
Fortschritte in Richtung auf eine umfassende Regelung zu machen, so würde
letztendlich seine Verwirklichung davon abhängen, ob beide Seiten in der
Lage wären, alle Fragen zur beiderseitigen Zufriedenheit auszudiskutieren.
Das Rahmenabkommen selbst würde keine der beiden Parteien unwiderruflich
dazu verpflichten, irgendwelche Einzelergebnisse anzuerkennen. Wenn man
die Fragen als ein "integriertes Ganzes" behandelt - um den Wortlaut des
Rahmenabkommens selbst zu verwenden -, so soll damit gesagt werden, daß
nichts endgültig ist, bevor nicht alle Parteien ihre Zustimmung gegeben
haben.
Wir unterstützen mit Nachdruck diese Bemühungen des Generalsekretärs.
Bei seinem jüngsten Besuch der Türkei und Griechenlands ermutigte Außenminister Shultz die Regierungen beider staten, Ähnliches zu unternehmen.
Die Parteien stehen derzeit an einem möglicherweise historischen Wendepunkt. Wir hoffen, daß sie die Gelegenheit ergreifen und mit dem Generalsekretär auf eine gerechte und dauerhafte Lösung hinarbeiten.

Das spanische Referendum - die nächsten Schritte
Wir sind der Ansicht, daß das westliche Bündnis durch das Votum vom
12. März bezüglich eines weiteren spanischen Verbleibs in der NATO gestärkt wurde. Wir wie auch die anderen Bündnispartner begrüßten das Ergebnis, das einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung auf eine umnfassendere Beteiligung Spaniens an der Gemeinschaft der westlichen Demokratien darstellt. Ministerpräsident Gonzalez machte deutlich, daß Spanien
seine Rolle in der westlichen Verteidigungsgemeinschaft verstärken möchte.
Angesichts dessen kamen unsere beiden Regierungen im Dezember überein, in
der ersten Jahreshälfte 1986 mit den einleitenden Verhandlungen im Rahmen
eines Prozesses zu beginnen, der zu einer Erneuerung der Abkommen für unsere Stützpunkte führen wird. Ein entscheidender Punkt dieses Rahmenwerks
ist, daß jedwede Veränderung hinsichtlich der amerikanischen Militärpräsenz nichts an den Rahmenbedingungen für die Sicherheit beider Länder und
ihrer Verbündeten ändern wird. Der Minister wird dieses sowie andere bilaterale Themen bei dem am 27. Mai stattfindenden Treffen des gemeinsamen
amerikanisch-spanischen Rates in Washington erörtern.

Die neue französische Regierung
Als Ergebnis der jüngsten Parlamentswahlen in Frankreich verfügt jetzt
eine Koalition konservativer Parteien über die Mehrheit in der Nationalversammlung. Staatspräsident Mitterrand hat Jacques Chirac, den Führer
des größten dieser Koalitionspartner, zum Premierminister ernannt. Dieses
Arrangement der "Cohabitation", wie es die Franzosen nennen, zwischen dem
Staatspräsidenten, der von einer Partei kommt, und dem Premierminister und
- 5 -

�Premierminister und dessen Kabinett, die der Opposition angehören, hat es
bislang in den 28 Jahren der Fünften Republik noch nicht gegeben. Während
seiner jüngsten Reise nach Paris ist Minister Shultz mit Präsident
Mitterrand und Premierminister Chirac zusammengetroffen. Er sprach auch
kurz mit dem neuen Außenminister, Jean-Bernard Raimond, der gerade von
seiner vorherigen Position als Botschafter aus Moskau zurückgekommen war.
Der Außenminister versicherte seinen französischen Kollegen, daß wir politischen Wandel gewöhnt sind und uns auf enge Konsultation und Kommunikation mit der neuen Regierung freuen. Die Treffen des Ministers umfaßten
einen weiten Bereich von Themen, einschließlich der Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft, der Zusammenarbeit gegen den Terrorismus, die OstWest-Beziehungen sowie die Rüstungskontrolle. Der Außenminister ludt seinen französischen Amtskollegen zu einem Besuch Washingtons ein, sobald
dies dessen Planung zuläßt.

Schweden nach Palme
Nach seiner Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten für Olaf Palme
in Stockholm fand ein sehr konstruktives Treffen zwischen Außenminister
Shultz und dem neuen schwedischen Ministerpräsidenten Carlsson statt.
Carlsson hat den Ruf eines fähigen Politikers mit einer besonnenen Art und
dem Talent, einen Konsens herbeizuführen. Nach diesem günstig verlaufenen
ersten Treffen erwarten wir, in Zukunft gemeinsam mit seiner Regierung aktiv nach neuen Wegen zu suchen, um unsere gegenwärtig guten Beziehungen
mit Schweden noch besser zu gestalten.

Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland am SDI-Forschungsprogramm
Am 27. März haben Verteidigungsminister Weinberger und der Wirtschaftsminister der Bundesrepublik Deutschland, Martin Bangemann, in
Washington eine Übereinkunft unterzeichnet, die eine umfassende Grundlage
für die Beteiligung der deutschen Industrie, Forschungsinstitutionen und
anderer Einrichtungen am Forschungsprogramm für die Strategische Verteidigungsinitiative in einer Weise bietet, die den Schutz sicherheitsempfindlicher Technologie gewährleistet. Das Abkommen beinhaltet Regelungen für
die ünterbreitung von Angeboten und die Erfüllung von Forschungsaufträgen,
das Recht der Nutzung von Forschungserkenntnissen und anderen Informationen sowie Kontrollmechanismen gegen den ungenehmigten Transfer sensibler
Technologien.
Gleichzeitig wurde ein Gemeinsames Protokoll über die Prinzipien der
technologischen Zusammenarbeit unterzeichnet. Diese nicht-bindende Übereinkunft befaßt sich mit den allgemeinen Prinzipien für die amerikanischdeutsche Zusammenarbeit im industriellen, wissenschaftlichen, technologischen und Sicherheitsbereich. Sie zeigt Schritte auf, die der Ermutigung einer solchen Zusammenarbeit sowie der Verbesserung der Sicherheit
durch eine wirksame Regelung für den Schutz strategisch sensibler Technologien dienen.
In beiden Abkommen

�In beiden Abkommen hat die amerikanische Regierungs sich besonders
darum bemüht sicherzustellen, daß die Interessen Berlins in angemessener
Weise und im Einklang mit den Rechten und Verantwortlichkeiten der Alliierten berücksichtigt werden.

Der Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Der Genfer Gipfel vom vorigen November hat eine gute Grundlage für einen verbesserten Dialog auf allen Ebenen unserer Beziehungen geschaffen,
vom Präsidenten an der Spitze bis zur breiten Skala der Begegnungen von
Mensch zu Mensch, die wir entwickeln möchten. Wir waren und bleiben entschlossen, Möglichkeiten für Fortschritte auf allen vier zur Debatte stehenden Gebieten weiterzuverfolgen: Rüstungskontrolle, regionale Probleme,
Menschenrechte und bilaterale Angelegenheiten.
Wie Außenminister Shultz schon sagte, waren wir sehr enttäuscht von
dem Mangel an Fortschritten seit dem Genfer Treffen des Präsidenten mit
Gorbatschow. Wir bedauern es insbesondere, daß die Sowjets bis heute noch
nicht auf unseren Vorschlag eines Besuches von Generalsekretär Gorbatschow
in den Vereinigten Staaten in diesem Sommer reagiert haben.
Der Präsident ist heute morgen mit Botschafter Dobrynin zusammengetroffen. Ich kann Ihnen sagen, daß der Präsident klargemacht hat, daß wir
zu Fortschritten bereit sind. Wir möchten beim nächsten Gipfel zu substantiellen Vereinbarungen kommen. Der Präsident hat betont, daß die sowjetische Zustimmung zu einem Termin für das nächste Gipfeltreffen hilfreich sein würde, um die Suche nach Gebieten gegenseitiger Übereinstimmung
zu fördern. Gemäß unserer Erfahrung vom letzten Herbst ist es so, daß die
Existenz eines Termins die Bereitschaft beider Regierungen, Schritte zur
Eingrenzung der Problemkreise, bei denen eine Einigung möglich sein könnte, unterstützt. Der Präsident hat erklärt, daß seine Einladung an Generalsekretär Gorbatschow zu einem Besuch der Vereinigten Staaten mit keinerlei Vorbedingungen verknüpft ist. Er wiederholte, daß sowjetische
Junktims keine Aussicht auf Erfolg hätten.
Wir sind außerdem darüber besorgt, daß auch die Genfer Rüstungskontrollverhandlungen sich kaum von der Stelle bewegt haben. Die Sowjets bestehen weiterhin auf einigen offenkundig einseitigen und unannehmbaren Positionen. Zum Beispiel möchten sie weiterhin eine Definition "strategischer Systeme" erreichen, die uns gegenüber unfair ist, da sie amerikanische Mittelstreckensysteme und Flugzeuge, sogar auf Flugzeugträgern stationierte, mitzählt, während sie vergleichbare sowjetische Systeme außer
acht läßt. Zusätzlich verlangen sie weiterhin ein formelles Verbot jedweder Forschung für eine strategische Verteidigung, obwohl sie wissen, daß
solch ein Verbot niemals verifiziert werden kann. Die Sowjets haben uns
auch keine ernsthafte Antwort auf unsere Vorschläge vom 1. November 1985
erteilt, die sich auf die START-Verhandlungen und die Verteidigungsund
Weltraumgespräche bezogen.
Im Hinblick auf

�Im Hinblick auf die Menschenrechte haben die Sowjets einige positive
Schritte unternommen, wie etwa die Freilassung Anatolij Schtscharanskijs
und die Lösung von Fällen getrennter Ehepartner und Familien. Im März kam
es jedoch zu einem starken Rückgang der Auswanderungszahlen, die sich vorher schon auf sehr niedrigem Niveau befunden hatten, und die allgemeinen
Aussichten bleiben getrübt. Wir beabsichtigen, den wichtigen Menschenrechtsteil unserer Tagesordnung auf jedem hochrangigen Treffen zur Sprache
zu bringen.
Obwohl die Sowjets noch keinen Termin für den nächsten Gipfel bestimmt
haben, ist das Bild der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen nicht gänzlich negativ. Es gibt positive Elemente, insbesondere im bilateralen Sektor. Die Pläne zur Eröffnung unseres Konsulats in Kiew verlaufen störungsfrei. Das Programm des Präsidenten für Begegnungen von Mensch zu
Mensch beginnt sich zu entfalten. Wir hoffen, daß diese Begegnungen zur
Überwindung der selbstgewählten Isolation der Sowjets beitragen werden, so
daß sowjetischen Bürgern ein besseres Verständnis unserer Gesellschaft und
besonders unseres Friedenswillens und unseres Willens, die ausstehenden
Probleme konstruktiv zu lösen, ermöglicht wird.
Was die regionalen Probleme angeht, so fällt das Bild unterschiedlich
aus. Unser laufender Dialog, wie zum Beispiel unsere Expertengespräche,
hat uns dabei geholfen, ein besseres Verständnis unserer gegenseitigen
Ziele und Absichten zu schaffen. Chet Crocker hat sich am 6. März in Genf
mit seinem sowjetischen Gegenüber getroffen. Wir werden in den nächsten
Monaten vermehrt solche Gespräche führen. Gleichzeitig müssen wir erklären, daß sowjetische Aktionen in den Entwicklungsländern nicht hilfreich
gewesen sind. Insbesondere haben die sowjetischen Lieferungen von SA-5Raketen an Libyen und ihre erhöhten militärischen Lieferungen und Aktivitäten in Ländern wie Afghanistan, Nicaragua und Angola dazu beigetragen,
diese regionalen Probleme zu verschärfen, anstatt sie einer Lösung näherzubringen.

* * * * * *

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

4

16. April 1986

14

ERSTE TESTS MIT EXPERIMENTELLEM AIDS-IMPFSTOFF IN USA
- Ziel:

Impfschutz und wirksame Medikamente -

- (AD) - Unter Anwendung gentechnischer Verfahren entwickelten amerikanische Wissenschaftler ein experimentelles Vakzin, das einen wichtigen
Schritt darstellen könnte, um durch Schutzimpfungen die Ausbreitung der
erworbenen Immunschwäche ("acquired immune deficiency syndrome"-AIDS) zu
unterbinden. Alle bisherigen Versuche, den Organismus von AIDS-Kranken zu
veranlassen, Antikörper gegen das AIDS-Virus zu produzieren, blieben praktisch ohne Erfolg. Nun aber hoffen Forschergruppen, u.a. die der Firma
Bristol-Myers in Seattle (US-Bundesstaat Washington), die in Experimenten
an Affen mit dem Vakzin bereits die Bildung von Antikörpern in Gang setzen
konnte, auch bei Schimpansen eine Schutzwirkung gegen die tödliche AIDSErkrankung zu erreichen. Diese sind die einzigen Primaten, die nach einer
Infektion mit AIDS-Viren an der Immunschwäche erkranken. Aus diesem Grund
kommt den Reaktionen, die sie bei künftigen Versuchsimpfungen entwickeln,
im Hinblick auf einen möglichen AIDS-Impfschütz für den Menschen besondere
Bedeutung zu.
Antikörper zählen zu den natürlichen Abwehrwaffen des Körpers gegen
Infektionen. Jedoch konnte bei AIDS-Erkrankungen, wie Dr. Bernard Moss
vom Nationalen Institut für Allergien und Infektionskrankheiten der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA berichten, eine solche
Reaktion des menschlichen Organismus noch nie nachgewiesen werden. "Jetzt

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�werden. "Jetzt aber haben wir zum mindesten ein Instrument, das uns in
die Lage versetzt, herauszufinden, ob wir damit einen Schutz erreichen
oder nicht", meint Dr. Moss. In seinem Institut war das Vakzin bisher nur
an infizierten Mäusen erprobt worden. Ergebnis: sie entwickelten Antikörper gegen die AIDS-Viren. Gegenwärtig werde der Impfstoff in Versuchen
mit Affen eingesetzt, ehe man beim NIH Experimente an Primaten in Angriff
nehme, erklärte Dr. Moss.
Die Wissenschaftler hoffen, bis Ende des Jahres von der Bundesbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel (Food and Drug
Administration - FDA) die Genehmigung zu erhalten, das neue Vakzin am Menschen zu erproben.
Als Grundmaterial für die gentechnischen Verfahren wurde das Vaccinia-Virus benutzt, mit dem es gelang, Pockenerkrankungen nahezu auszurotten. Seit fast zehn Jahren gibt es sie kaum mehr. Für das neue Projekt
wurde das Vaccinia-Virus so verändert, daß seine Erbsubstanz jetzt ein
wichtiges Gen aus dem AIDS-Virus enthält. Dieses steuert die Produktion
von zwei Oberflächen-Proteinen. Das eine braucht das AIDS-Virus, um an
Zellen zu haften und in sie einzudringen. Das andere hat wichtige strukturelle Funktionen.
Bei den Tierversuchen reagierten die mit dem "umgebauten" VacciniaVirus behandelten Zellen so, als wären sie vom AIDS-Virus infiziert und
hätten dagegen Antikörper entwickelt. Dr. Anthony Fauci, der bei NIH die
AIDS-Forschung koordiniert, verwies auf einer Pressekonferenz am 9. April
1986 in Washington u.a. auf die Möglichkeit, eines Tages das umgebaute
Vaccinia-Virus sogar direkt als Impfstoff oder als ein Mittel zur Erzeugung großer Mengen von Oberflächen- oder Hüllenproteinen zu verwenden, um
so einen Schutz gegen die Erkrankung zu erreichen. In den letzten Jahren
wurde bereits der Nachweis erbracht, daß sich das Vaccinia-Virus beispielsweise umbauen läßt, um gegen Leberentzündungen mit dem Erreger Hepatitis-B, gegen einige Arten von Herpes-Viren und gegen manche anderen
Infektionen zu schützen. Jedoch kam man bei allen diesen Forschungsprojekten noch nicht über das Stadium der Tierversuche hinaus.
Weitere Studien sind nach Ansicht Faucis notwendig, um zu demonstrieren, daß die unter der Wirkung des neuen Vakzins produzierten Antikörper
tatsächlich gegen eine Infektion durch AIDS-Viren schützen. Im allgemeinen haben AIDS-Patienten sogar hohe Konzentrationen von Antikörpern gegen
das in ihrem Blut zirkulierende Virus. Aber diese Antikörper scheinen ihnen keinerlei Schutz zu geben. Ein weiteres Problem sei die Tatsache, daß
das Retrovirus, das als die Hauptursache für eine AIDS-Erkrankung angesehen wird, ungemein wandlungsfähig ist. Seine genetische Struktur verändert sich sehr rasch, so daß ein Vakzin, das gegen den einen Stamm
schützt, gegen andere Varianten vielleicht keinerlei Immunität erzeugt.
Aber es könnte sein, daß eine kürzlich gemachte Beobachtung weiterhilft:
Teile der Hüllengene bleiben von den Veränderungen unberührt. Antikörper
gegen Proteine, die von diesen "konstanten Regionen" produziert werden,
könnten möglicherweise Schutz gegen ein breites Spektrum von Varianten des
Virus bieten.
Ein weiteres

�Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, daß das AIDS-Virus vielleicht
auch direkt von Zelle zu Zelle übertragen und nicht nur in den Blutstrom
abgegeben wird. Direkte Übertragung aber würde bedeuten, daß Antikörper
es gar nicht zu fassen bekommen.

Medikamente gegen AIDS?
Fauci berichtete auch über gewisse Erfolge in der Suche nach einem Medikament zur Heilung von Personen, die bereits an AIDS erkrankt sind. Das
Präparat Azidothymidin, eines von acht Medikamenten, die zur Zeit intensiv
erprobt werden, geht jetzt als erstes Anti-AIDS-Mittel in das fortgeschrittene Stadium der Erprobung am Menschen. Neben der Fähigkeit, die
Vermehrung von AIDS-Viren zu stoppen, weisen gewisse Anzeichen darauf hin,
daß Azidothymidin (AZT) dazu beitragen könnte, das schwer angeschlagene
Immunsystem von AIDS-Kranken wieder aufzubauen. Eine kürzlich vom Nationalen Krebsforschungsinstitut durchgeführte Studie ergab nämlich, daß das
Präparat bei 15 von 19 Patienten das Immunsystem wieder wesentlich besser
funktionsfähig machte und sich für kurze Zeit die Krankheitssymptome abschwächten.
Dr. Robert Yarchoan vom Krebsforschungsinstitut hob jedoch hervor, daß
sich bei den Patienten zwar eine gewisse Besserung zeigte, aber keine Heilung ihrer AIDS-Erkrankung zu erkennen war. "Wir wissen nicht, ob langfristig das Mittel den Patienten wirklich nützt. Wir haben keinen Beweis
für eine Heilung von AIDS durch AZT". Laut Dr. Samuel Broder, verantwortlich für klinische Studien am Institut, besitzt das Mittel zwei ganz wichtige Vorteile als mögliches Behandlungspräparat bei AIDS: Es kann ins Gehirn eindringen und krankhafte Prozesse, die vom AIDS-Virus verursacht
werden, attackieren, und es kann oral verabreicht werden. Dies ist für
AIDS-Patienten, die möglicherweise lebenslang damit behandelt werden müssen, außerordentlich wichtig. Man weiß heute, daß AIDS-Viren das Gehirn
infizieren. Und das bedeutet, daß ein Präparat, soll es wirksam sein, die
Blut-Hirn-Schranke passieren muß.
In den Vereinigten Staaten sind mehr als 16 000 Menschen an AIDS erkrankt. Die ersten Fälle wurden im Jahr 1981 bekannt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet von AIDS-Erkrankungen in weiteren 40
Staaten, darunter auch in vielen europäischen Ländern.

- 3 -

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