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7

^0N ^

1 9 . März 1986

11
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan drängt Kongreß auf Verabschiedung der Contra-Hilfe
- Fernsehrede des Präsidenten Die nicaraguanische Widerstandsbewegung braucht US-Hilfe
- Rede des amerikanischen Außenminister Shultz -

INFORMATION
Dr. James C. Fletcher als NASA-Administrator nominiert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Besucher beim Kometen Halley
- Internationale Satellitenflotte betreibt "Nahaufklärung" -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

19. März 1986

11

REAGAN DRANGT KONGRESS AUF VERABSCHIEDUNG DER CONTRA-HILFE
- Fernsehrede des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - In einer landesweit vom Fernsehen
übertragenen Rede hat Präsident Reagan am 16. März 1986 die
amerikanischen Wähler dazu aufgefordert, den Kongreß zur Freigabe von 100 Millionen Dollar an militärischer und humanitärer
Hilfe für die "Freiheitskämpfer, die sich für die Einführung
der Demokratie in Nicaragua einsetzen" zu drängen.
Der Präsident warnte davor, daß eine Niederlage der Demokratie in Nicaragua die Sicherheit ganz Mittelamerikas bedrohen würde. Insbesondere erwähnte der Präsident in diesem Zusammenhang die Gefahr, daß Nicaragua eine Basis der Sowjetunion und Kubas werden könne, die auf diese Weise zur "beherrschenden Macht" in Zentralamerika würden.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:
Meine amerikanischen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Meine amerikanischen Mitbürger!
Ich muß mich heute abend an Sie wenden, um über eine wachsende Gefahr in Mittelamerika zu sprechen, die die Sicherheit
der Vereinigten Staaten bedroht. Diese Gefahr wird nicht geringer werden; wenn wir jetzt nichts unternehmen, wird sie
vielmehr noch weiter anwachsen.
Ich spreche von Nicaragua, einem sowjetischen Verbündeten
auf dem amerikanischen Festland, nur zwei Flugstunden von unseren Grenzen entfernt. Mit über einer Milliarde Dollar an
Ostblockhilfe hat die kommunistische Regierung Nicaraguas einen Feldzug begonnen, um ihre demokratischen Nachbarstaaten zu
unterminieren und zu stürzen.
Mit der Nutzung von Nicaragua als Basis können die Sowjet'
union und Kuba zur beherrschenden Macht in diesem äußerst
wichtigen Korridor zwischen Nord- und Südamerika werden.
Nachdem sie sich einmal dort etabliert haben, werden sie in
der Lage sein, den Panama-Kanal zu bedrohen, unsere lebenswichtigen Seewege in der Karibik abzuschnüren und, letztendlich, gegen Mexiko vorzugehen. Sollte dies geschehen, würden
Millionen verzweifelter Lateinamerikaner nach Norden fliehen,
in die Städte im Süden der Vereinigten Staaten oder überallhin, wo es noch eine Hoffnung auf Freiheit gibt.
Dem Kongreß der Vereinigten Staaten wurde ein Vorschlag
unterbreitet, um diese Bedrohung aufhalten zu helfen. Dieser
Gesetzentwurf beinhaltet ein Hilfspaket von 100 Millionen
Dollar für die mehr als 20 000 Freiheitskämpfer, die sich für
die Einführung der Demokratie in Mittelamerika einsetzen.
Aber diese 100 Millionen Dollar bedeuten nicht 100 Millionen
Dollar zusätzlich. Wir verlangen keinen Cent an neuen Geldern. Wir bitten lediglich um die Erlaubnis, einen kleinen
Teil unseres gegenwärtigen Verteidigungshaushalts umzuleiten •
für die Verteidigung unserer eigenen südlichen Grenzen.
Es befinden sich in Nicaragua jetzt schon Tausende kubanischer Militärberater, Kontingente der Sowjets und Ostdeutschen und all die Elemente internationalen Terrors - von der
PLO bis zu den italienischen Roten Brigaden. Warum sind sie
dort? Nun, Oberst Gadhafi hat es öffentlich verkündet: "Nicaragua bedeutet eine große Sache, es bedeutet Amerika nahe
seiner Grenzen zu bekämpfen... gegen Amerika an seiner
Türschwelle zu kämpfen."
Für unsere eigene Sicherheit ist es notwendig, daß die
Vereinigten Staaten der Sowjetunion einen Brückenkopf in Nordamerika verweigern. Aber lassen Sie mich eines klar sagen.
Ich rede nicht von amerikanischen Truppen. Der in Nicaragua
- 2 -

�Der in Nicaragua kämpfende demokratische Widerstand bittet
Amerika lediglich um Nachschub und Unterstützung, um sein eigenes Land vor dem Kommunismus zu retten.
Die Frage, die der Kongreß der Vereinigten Staaten nun zu
beantworten hat, ist eine einfache: Werden wir dem nicaraguanischen Widerstand die Mittel geben, um die verratene Revolution wiederzuerringen oder werden wir ihnen den Rücken kehren
und das Verderben in Managua ignorieren, bis es sich weiterverbreitet und eine tödliche Bedrohung für die gesamte Welt
darstellt.
Werden wir es der Sowjetunion gestatten, ein zweites Kuba,
ein zweites Libyen, hier an der Türschwelle der Vereinigten
Staaten zu errichten?
Wie kann ein solch kleines Land eine solch große Bedrohung
darstellen? Es ist nicht Nicaragua allein, das uns bedroht,
sondern diejenigen, die Nicaragua als privilegierten Zufluchtsort für ihren Kampf gegen die Vereinigten Staaten benutzen. Ihr erstes Ziel bilden die Nachbarstaaten Nicaraguas. Mit einer Armee und einer Miliz von insgesamt 120 000
Mann, die von über 3 000 kubanischen Militärberatern unterstützt werden, sind die Streitkräfte Nicaraguas die umfangreichsten, die es jemals in Mittelamerika gegeben hat. Die
nicaraguanische Militärmaschinerie ist mächtiger als die aller
seiner Nachbarn zusammen.
Diese Landk arte hier zeig t eine n gr oßen Tei 1 der we stlieh en Hern isphä re. Nun, lass en Sie mic h Ih nen die Land er Mittela merika s zei gen, in de nen von ni cara guan isch en Kommu nisten
geli eferte Waff en en tdeck t wo rden s ind: Ho ndur as, Cost a Rica,
El S alvado r, Gu atema la. Extr emiste n au s Panama - hier im Suden - wurd en in Nica ragua aus gebild et. Der rev olutionä re Arm
der Sandin isten reic ht je doch noch viel wei ter als bis zu ihren direkt en Na chbar n. I n Sü dameri ka u nd i n de r Karibik haben
die nicara guani sehen Komm unis ten Un ters tütz ung in Form von militä rische r Ausbildu ng, s iche rem Un ters chlu Pf, Kommunik ation,
fals chen P apier en, s icher er D urchre ise und manc hmal Waf fen für
Kolum bien,
Extr emiste n aus den folge nden Lände rn g elei stet
rasil
dor,
B
Ecua
ien, Chile , Argentin ien, Uru guay und der Dominika nische n Rep ublik . Und dies sin d no ch n icht einmal alle,
denn es gi bt ei ne al te ko mmun istisc he L osun 9. d ie von d en Sandini sten i n all er De utlic hkei t behe rzig t wi rd: Die Str aße zum
Sieg ... g eht d urch Mexik o.
Wenn Landkarten, Statistiken und Tatsachen nicht überzeugend genug sind, dann haben wir noch die Erklärungen der Sandinisten und der Sowjets selbst. Einer der höchsten Sandinistenführer wurde von einem amerikanischen Magazin gefragt,
- 3 -

�Magazin gefragt, ob die kommunistische Revolution - ich zitiere - "nach El Salvador, dann nach Guatemala, dann nach Honduras und dann nach Mexiko exportiert" werden wird? Er antwortete: "Endlich einmal eine historische Prophezeiung Ronald
Reagans, die wirklich wahr ist."
Die Sowjets sind in dieser Hinsicht nicht zurückhaltender
gewesen. Vor einigen Jahren erklärte der damalige sowjetische
Außenminister Gromyko, daß Mittelamerika, ich zitiere, "kocht
wie ein Kessel" und reif für die Revolution sei. Bei einem
Treffen in Moskau erklärte der sowjetische Stabschef Marschall
Ogarkow 1983: "Vor über zwei Jahrzehnten gab es in Lateinamerika nur Kuba; heute gibt es Nicaragua, Grenada, und es
gibt eine wichtige Schlacht in El Salvador."
Aber wir benötigen ihre Zitate nicht; die amerikanischen
Truppen, die Grenada befreiten, erbeuteten Tausende von Dokumenten, die die sowjetische Absicht bewiesen, die kommunistische Revolution in die westliche Hemisphäre zu exportieren.
Wir sind also über die Absichten der Sandinisten und deren
Unterstützer bestens im Bilde. Wir sollten uns in gleichem
Maße über die Natur ihres Regimes im klaren sein. Zunächst
haben die Sandinisten die Bürgerrechte des nicaraguanischen
Volkes widerrufen und sie damit ihres Rechts auf Redefreiheit,
Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und freie Religionsausübung beraubt. Unabhängige Zeitungen wurden geschlossen.
Heute gibt es weder eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung
noch ein Streikrecht in Nicaragua. Der Vorsitzende der AFLCIO, Lane Kirkland, hat es folgendermaßen ausgedrückt: "Nicaraguas überstürzter Sprung ins totalitäre Lager kann von niemandem angezweifelt werden, der Augen hat zu sehen."
Ab er wie kommu nisti sehe Regi erun gen überall, haben die
Sandin isten ethnis che u nd re ligi ose Gruppen angegriffen. Die
einzig e Syna goge d er Ha uptst adt wurd e entweiht und ein Opfer
von Br andans chläge n - d ie ge samt e jü dische Gemeinde zur Flucht
aus Ni caragu a gezw ungen . Protes tant ische Bibellesungen wurden
durch Uberfä lle, g ewalt tätig e Mobs u nd Maschinengewehre gespreng t. Di e Kath olisc he Ki rche wur de besonders ausgewählt:
Priest er wur den de s Landes v erwi esen , Katholiken in den Straßen ve rprüge lt, na chdem sie die Mess e besucht hatten. Der
kathol ische Primas von Nicar agua , Kardinal Obando y Bravo, hat
es gan z klar ausge drück t: " Wir möch ten klarstellen," sagte
er, "d aß die se Reg ierun g totalit är i st. .. Wir sind mit...
einem Feind der Ki rche konfr onti ert. ii
Der evangelische Pfarrer Prudencio Baltodano fand heraus,
daß er auf der Abschußliste der Sandinisten stand, als eine
Armeepatrouille ihn nach seinem Namen fragte: "Sie wissen

�"Sie wissen nicht, was wir mit evangelischen Pfarrern machen... Wir glauben nicht an Gott," sagten sie zu ihm.
Pastor Baltodano wurde an einen Baum gefesselt, mit einem Gewehrkolben auf den Kopf geschlagen und sie stachen ihm ein Bajonett in den Hals - am Ende wurden seine Ohren abgeschnitten
und im Glauben, daß er tot sei, wurde er liegengelassen.
"Schau mal, ob dein Gott dich retten wird," spotteten sie.
Nun, Gott hatte andere Pläne mit Pfarrer Baltodano. Er überlebte, um der Welt von seine Erlebnissen zu erzählen - unter
anderem hier im Weißen Haus.
Ich könnte noch weiter von diesem Alptraum erzählen - von
den schwarzen Listen, den geheimen Gefängnissen, der direkten
Gewalt des sandinistischen Mobs. Aber, als ob all diese Brutalität im eigenen Land noch nicht genug wäre, verwandeln die
Sandinisten ihr Land in einen sicheren Ort, eine Kommandozentrale für den internationalen Terror.
Die Sandinisten unterstützen nicht nur den Terror in El
Salvador, Costa Rica, Guatemala und Honduras - Terror, der im
letzten Sommer zur Ermordung von vier amerikanischen Marinesoldaten in einem Cafe in El Salvador führte -, sie bieten dem
Terror außerdem eine Zuflucht. Italien hat Nicaragua beschuldigt, seine schlimmsten Terroristen, die Roten Brigaden, zu
beherbergen.
Die Sandinisten haben sich sogar im internationalen Drogenhandel engagiert. Ich weiß, daß alle amerikanischen Eltern, die sich über das Drogenproblem Sorgen machen, wütend
sein werden, wenn sie erfahren, daß führende Regierungsmitglieder Nicaraguas tief in den internationalen Drogenhandel
verstrickt sind. Dieses Bild hier, das heimlich auf einem
Militärflugplatz außerhalb Managuas gemacht wurde, zeigt
Frederico Vaughn, einen führenden Berater der neun Commandantes, die das Land regieren, bei der Beladung eines Flugzeugs
mit verbotenen Drogen mit dem Ziel Vereinigte Staaten.
Nein, die Sandinisten scheinen vor keinem Verbrechen zurückzuschrecken - dies ist ein Regime der Gesetzlosen.
Wenn wir uns für einen Augenblick wieder unserer Landkarte
zuwenden, dann wird klar, warum die Existenz dieses Regimes in
Mittelamerika unsere vitalen Sicherheitsinteressen gefährdet.
Fast die Hälfte unseres Außenhandels, über die Hälfte unserer
Rohölimporte und ein bedeutender Teil des militärischen Nachschubs, den wir unseren NATO-Verbündeten im Falle einer Krise
zuführen müßten, passieren diesen lebenswichtigen Teil unserer
westlichen Hemisphäre. Dies hier sind die Engpässe, an denen
unsere Seewege abgeschnürt werden könnten.
Mittelamerika ist
- 5

�Mittelamerika ist für unser westliches Bündnis von strategischer Bedeutung, eine Tatsache, die von ausländischen Feinden immer begriffen wurde. Im Zweiten Weltkrieg brachten einige wenige deutsche U-Boote, die von 4 000-Meilen entfernten
Stützpunkten in Deutschland operierten, der amerikanischen
Schiffahrt vor unserer südlichen Küste enorme Verluste bei.
Heute bauen Ingenieure des Warschauer Pakts einen Tiefseehafen an der Karibikküste Nicaraguas, ähnlich dem der Marinebasis in Kuba, die in der Sowjetunion gebauten U-Booten
dient. Außerdem bauen sie außerhalb Managuas den größten Militärflugplatz Mittelamerikas - ähnlich denen in Kuba, von wo
as russische Bomber vom Typ BEAR entlang der amerikanischen
Ostküste von Maine bis Florida Patrouille fliegen.
Wie kam es zum plötzlichen Entstehen dieser Bedrohung des
Friedens und der Sicherheit unserer lateinamerikanischen Nachbarn - und letztendlich unser selbst? Erlauben Sie mir, Ihnen
kurz die Geschichte zu skizzieren.
1979 erhob sich das Volk Nicaraguas und stürzte eine korrupte Diktatur. Zunächst versprachen die revolutionären Führer freie Wahlen und die Beachtung der Menschenrechte. Aber
es befand sich unter ihnen eine Organisation, die sich "die
Sandinisten" nannte. Die Organisation als solche war kommunistisch und ihre Unterstützung revolutionärer Ziele war reine
Täuschung. Schnell und rücksichtslos brachten sie alles unter
ihre Kontrolle.
Zwei Monate nach der Revolution traf sich die sandinistische Führung im Geheimen und beschrieb sich in dem, was später als "72-Stunden-Dokument" bekanntgeworden ist, als "Vorhut" einer Revolution, die Mittelamerika, Lateinamerika und
schließlich die ganze Welt überrollen würde. Zu ihrem wahren
Feind erklärte sie die Vereinigten Staaten.
Anstatt dieses Dokument der Öffentlichkeit zugänglich zu
machen, folgten sie dem Rat Fidel Castros, der ihnen vorschlug, den Schein einer Demokratie zu wahren. Obwohl Castro
die demokratischen Elemente in Nicaragua nicht besonders
schätzte, drängte er seine nicaraguanischen Freunde doch darauf, einige von ihnen auf untergeordneten Posten in ihrer Koalition zu behalten - als Dekoration, um den Westen zu täuschen. Auf diese Weise, so Castro, könnt Ihr Eure Revolution
machen und die Amerikaner werden sie bezahlen.
Und wir haben sie bezahlt. In den ersten 18 Monaten unter
sandinistischer Herrschaft floß mehr Hilfe an Nicaragua aus
den Vereinigten Staaten als aus irgendeinem anderen Land.
Erst als die Maske fiel und der Welt das Gesicht des Totalitarismus enthüllte, wurde die Hilfe eingestellt.
Angesichts dieser

�Ang esich ts d lese r sich e ntwi ekel nden Bedrohung trat ich zu
Beginn meine r Am tsze it v or d en K ongr eß, und mit der Unterstützung be ider Part eien gel ang es m ir, Hilf e für die Nachbarstaaten Nie aragu as z u er halt en. Ein ige von Ihnen werden sich
viellei cht a n da s begeis tern de B ild erin nern, als das Volk von
El Salv ador den Droh unge n un d de m Ge wehr feuer der kommunistischen Gueri llas tro tzte - Gueri llas , die von Nicaragua aus
gelenkt und unte rstü tzt wurd en - und zu den Urnen ging, um
entschi eden für die Demo krat ie z u st imme n. Für die Kommunisten in El Sal vado r wa r dies e ine besc hämende Niederlage.
Aber es gab noch einen anderen Faktor, den die Kommunisten
außer acht ließen, einen Faktor, der jetzt der Freiheit eine
zweite Chance einzuräumen verspricht - die Freiheitskämpfer
Nicaraguas.
Damals, als die Sandinisten die Revolution verrieten, sind
viele, die gegen die alte Somoza-Diktatur gekämpft hatten,
buchstäblich in die Berge gegangen und haben begonnen, wie
ehemals die Mitglieder der französischen Resistance gegen die
Nazis, die Kommunisten des Ostblocks und ihre nicaraguanischen
Kollaborateure zu bekämpfen. Diesen wenigen Menschen haben
sich inzwischen Tausende angeschlossen.
Mit Ihrem Blut und ihrem Mut haben die Freiheitskämpfer
Nicaraguas der sandinistischen Armee zu schaffen gemacht und
dem Volk Mittelamerikas kostbare Zeit gewonnen. Wir Amerikaner schulden Ihnen tiefe Dankbarkeit. Mit ihrer Hilfe bei der
Behinderung der Sandinisten und ihrer sowjetischen Berater hat
die Widerstandsbewegung direkt zur Sicherheit der Vereinigten
Staaten beigetragen.
Seit seinen Anfängen im Jahr 1982 hat der demokratische
Widerstand dramatisch an Stärke zugenommen. Heute sind es
mehr als 20 000 Freiwillige, und es werden täglich mehr. Aber
den Widerstandskämpfern gehen die Vorräte aus und sie sind den
von Moskau nach Managua geschickten Kampfhubschraubern praktisch hilflos ausgeliefert.
Jetzt steht dem Kongreß der Vereinigten Staaten die entscheidende Prüfung bevor. Wird er die Unterstützung genehmigen, die die Freiheitskämpfer brauchen, um mit den russischen
Panzern und Kampfhubschraubern fertig zu werden - oder wird er
die demokratischen Widerstandsbewegung ihren kommunistischen
Feinden preisgeben?
Ich hoffe, daß sich der Kongreß bei der Beantwortung dieser Frage klarmacht, was genau der Widerstand in Nicaragua bekämpft: Stellen Sie sich die Frage selbst: Was in aller Welt
machen Sowjets, Ostdeutsche, Bulgaren, Nordkoreaner, Kubaner,
- 7 -

�Nordkoreaner, Kubaner, Terroristen der PLO und der Roten Brigaden in unserem Teil der Welt, vor unserer eigenen Schwelle?
Tun Sie etwas für den Frieden?
Warum haben die Sowjets 600 Millionen Dollar investiert,
um Nicaragua zu einer bewaffneten Streitmacht auszubauen, die
fast so stark ist, wie die Mexikos, einem Land, das 15 mal so
groß ist und eine 25 mal größere Bevölkerung hat. Für den
Frieden?
Warum hat Nicaraguas Diktator, Daniel Ortega, den Parteitag der kommunistischen Partei in Havanna besucht und Castros
Forderung nach dem weltweiten Triumph des Kommunismus unterstützt? Für den Frieden?
Einige K ongre ßabgeor dnete frag en m ich, war um w ir n icht
verh andeln. Das ist ein e gute Fra ge - las sen Sie mich darauf
dire kt antwo rten. Wir w ollten - und w olle n no ch - ein en auf
dem Verhandl ungsw ege her beigef ührt en F ried en u nd e ine demokratisc he Zukun ft fü r Nicar agua. Wir hab en u ns z ehn mal mit den
Sand inisten getro ffen un d versucht , mit ih nen zu a rgum entieren. Zehn m al si nd wir abgewi esen wor den. Im ver gang enen
Jahr haben w ir Ve rhandlu ngen z wisc hen dem Regi me u nd d er Widers tandsbew egung zugest immt, wöbe i die Ki rche als Ver mittler
auft rat. Di e Sow jets un d die Sand inis ten antw orte ten mit einer rapiden Auf rüstung b ei Gra natw erfe rn, Panz ern, Art illerie
und Kampfhub schra ubern.
Ganz sicher haben die Sowjetunion und der Warschauer Pakt
verstanden, was auf dem Spiel steht, nämlich die strategische
Bedeutung Nicaraguas. Die Sowjets haben ihre Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten. Fidel Castro hat
seine Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten.
Arafat, Gadhafi und der Ajatollah Khomeini haben ihre Entscheidung getroffen - Unterstützung der Kommunisten. Jetzt
müssen wir unsere Entscheidung treffen. Mit der Hilfe des
Kongresses können wir ein Ergebnis verhindern, das der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten großen Schaden zufügen würde.
Wenn wir scheitern, können wir uns der Verantwortung nicht
entziehen; die Geschichte wird uns zur Rechenschaft ziehen.
Dies ist nicht irgendeine kleine Parteiangelegenheit; dies
ist eine Angelegenheit, die unsere nationale Sicherheit betrifft, eine Angelegenheit, bei der wir weder als Republikaner
noch als Demokraten, sondern als Amerikaner handeln müssen.
Vor 40 Jahren standen Republikaner und Demokraten gemeinEs muß unsere Politik sein,

sam hinter der "Truman-Doktrin".

�Politik sein, so erklärte Harry Truman, Völker zu unterstützen, die für die Erhaltung ihrer Freiheit kämpfen. Unter dieser Doktrin sandte der Kongreß Hilfe nach Griechenland, gerade
noch rechtzeitig, um das Land vor dem Zugriff einer kommunistischen Tyrannei zu bewahren. Wir haben zu jener Zeit die
Freiheit in Griechenland gerettet - und mit demselben gemeinsamen Geist können wir heute die Freiheit in Nicaragua retten.
In den nächsten Tagen werde ich den Dialog mit den Kongreßabgeordneten fortführen, mit ihnen sprechen und ihnen zuhören, um ihre Anliegen zu erfahren. Senator Scoop Jackson,
der den Kampf für ein Bewußtsein der Gefahr in Mittelamerika
im Kapitol anführte, hat es am besten ausgedrückt: Was die
Angelegenheiten unserer nationalen Sicherheit betrifft, so ist
die beste Politik keine Politik.
Wie Sie wissen, hat kürzlich eine der hervorragendsten
Amerikanerinnen, Cläre Boothe Luce, dasselbe von den bevorstehenden Wahlen gesagt.
"Wen n wi r diese Krise b etrach ten", so Mrs L uce, " so denke
ich an e inen ähnlic hen Auge nblick unser er Gesch ichte - an die
ersten J ahre , nachdem Kuba an Fid el Cas tro gefa 1 len war. In
jenen Ja hren aß ich einmal im Wei ßen Ha us mit e inem M ann zu
Mittag, den ich ber eits sei t sein en Kin dertagen kannt e, mit
John F. Kenn edy. ' Mr. Pres ident' , sagte ich, 'egal, wie außergewöh nlic h oder großarti g ein Mann a uch sein mag, so wird
die Gesc hich te ihm doch nur einen Satz gewähren
Geo rge
Washingt on - er grü ndete un ser La nd. Ab raham Li ncoln - er befreite d ie S klaven und erhi elt de n Staa tenbund. Wins ton
Churchil 1 - er rett ete Euro pa' . •Und w as meine n Sie, Cläre,
wie mein Sat z lauten wird?' fragt e John F. Kenn edy. 'Ihr
Satz, Mr . President , wird 1auten, daß s ie die K ommuni sten gestoppt h aben - oder auch ni cht'."
Tragischerweise hatte John F. Kennedy nie die Gelegenheit,
zu entscheiden, welcher Satz auf ihn zuträfe. Jetzt müssen
die Führer unseres Zeitalters dafür sorgen. Meine amerikanischen Mitbürger, Sie wissen, wo ich stehe. Wir dürfen es
den Sowjets und den Sandinisten nicht erlauben, die Freiheit
in Mittelamerika zu zerschmettern und unsere eigene Sicherheit
an unserer eigenen Schwelle zu bedrohen.
Jetzt muß der Kongreß entscheiden, wo er steht. Mrs. Luce
hat mit den Worten geschlossen: "Nur eins ist sicher. In alle Ewigkeit wird man sich dieses, des 99. Kongresses der Vereinigten Staaten, als der Vereinigung von Männern und Frauen
erinnern, die den Kommunismus gestoppt haben, bevor es zu spät
war - oder auch nicht".
Heute abend

�Heute abend bitte ich Sie, das zu tun, was Sie in der Vergangenheit so oft getan haben. Setzen Sie sich mit Ihren Abgeordneten und Senatoren in Verbindung und drängen Sie sie dazu, mit "Ja" zu stimmen, bitten Sie sie um Hilfe für die Freiheitskämpfer - helfen Sie uns, die Ausbreitung des Kommunismus
in Mittelamerika zu verhindern.
Mi r bleib en nur noch dr ei J ahre Zeit , um mei nem La nd zu
dienen , drei Jahre, um die Vera ntwo rtung aus zuüb en, di e Sie
mir an vertrau t habe n, drei Jahr e, u m für den Fri eden z u arbeiten. Könnte es ein e größer e Tr agöd ie ge ben, als daß w ir uns
zurück lehnen und di eses Kre bsge schw ür si ch a usbr eiten lassen,
damit sich me in Nac hfolger in d en k ommen den Jahr weita us qualvoller en Ents cheidu ngen aus gese tzt sieht ? Die F reihei tskämpfer fo rdern e ine po litische Lös ung. Sie sin d be reit, ihre
Waffen nieder zulege n und zu ver hand ein, um d ie u rspüng liehen
Ziele der Rev olutio n wieder herz uste llen, ein e Demokrat ie, bei
der da s Volk von Ni caragua sein e ei gene Regi erun g wähl t. Das
ist au ch unse r Ziel , aber es kann n ur ve rwir klic ht wer den,
wenn d ie demo kratis che Wide rsta ndsb ewegu ng i n de r Lage ist,
Druck auf Jen e auszuüben, d ie d ie M acht an s ich geriss en haben.
Es bleibt uns noch Zeit, zu tun, was getan werden muß, so
daß die Geschichte von uns sagen kann, daß wir die Weitsicht,
den Mut und den gesunden Menschenverstand gehabt haben, zusammen zu handeln - Republikaner und Demokraten - als der Preis
nicht hoch und das Risiko nicht groß waren. Wir hinterließen
ein sicheres Amerika, ein geschütztes Amerika, ein freies
Amerika - immer noch ein Hoffnungsschimmer für die Menschheit,
immer noch ein Lichtstrahl auf die Nationen.
Vielen Dank.

Gott segne Sie.

* * * * *

- 10 -

�AMERIKA DIENST
'VON'^

Dokumentation

11

1 9 . März 1986

DIE NICARAGUANISCHE WIDERSTANDSBEWEGUNG BRAUCHT US-HILFE
- Rede des amerikanischen Außenministers Shultz -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 3. März 1986 in Washington
vor der Versammlung der amerikanischen Kriegsveteranen gehaltenen Rede sagte Außenminister George Shultz, ohne die Hilfe
der Vereinigten Staaten liefen "die Hoffnungen auf Demokratie
in diesem Land und auf Fortschritt anderswo in Mittelamerika
Gefahr, zunichte gemacht zu werden". Shultz betonte die Notwendigkeit amerikanischer Hilfe für die Kräfte der Demokratie
"Die Diktatur in Nicaragua wird vielleicht bald imstande sein,
die Widerstandskämpfer zu Tode zu hetzen. Die Vereinigten
Staaten sind jetzt noch imstande, dieses tragische Ende zu
verhindern".
Shultz wies einleitend auf die Stärke der demokratischen
Bewegung auf den Philippinen hin, die zum Sturz von Präsident
Marcos geführt hatte und kam in diesem Zusammenhang auf die
Lage in Nicaragua zu sprechen, wo ein kommunistisches System
dabei ist, seine Macht zu festigen und ein totalitäres Regime
einzurichten. Tausende von Regimgegenern haben inzwischen in
Nicaragua zu den Waffen gegriffen, um Widerstand zu leisten.

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�zu leisten. Shultz sagte, die Administration fordere den
Kongreß auf, den Widerstandskämpfern in Nicaragua 100 Millionen Dollar des Verteidigungshaushaltes zur Verfügung zu stellen: "Im Interesse der Sicherheit des eigenen Landes und auch
im Interesse der jungen demokratischen Nationen, die von uns
Unterstützung erhoffen, sollten wir den Menschen in Nicaragua
das geben, was sie in ihrem Kampf für die ihnen von Somoza
vorenthaltenen und dann von einer bewaffneten kommunistischen
Minderheit weggenommenen Freiheiten brauchen".
Seine Ausführungen zu diesem Thema haben folgenden Wortlaut:
in diesem Land werden Oppos itio nspar teien syst emati seh
schika niert un d ei ngeschü chtert , wobei G ewalt ange wandt oder
angedr oht wird . Unabhäng ige Na chri chten medien wer den n icht
bloß b ehindert , sondern a uch ze nsie rt od er sog ar g eschl ossen.
Die ka tholisch e Ki rche wi rd unt erdr ückt und ge schm äht, weil
sie ei ne Stimm e des demok ratisc hen Gewis sens i st. Die Geheimpolize i hat Sp itze nvertre ter de r Pr ivatw irtsch aft, der Gewerkschaft en und d er K ircheno rganis atio nen f estgen omme n, ve rhört
und be droht. Die massive Äufrü stun g dur ch die Sow jetun ion und
Kuba g efährdet nie ht nur die in nere n Geg ner de s Regimes , sond e m a uch alle Nac hbarlän der. Und das R egime ist, nach den
manipu Herten Wahl en vor mehr a ls e inem Jahr, offe nsich tlich
entsch lossen, sich an der Macht zu halte n und dabe i vor keiner
Anwend ung brut aler Gewalt zurüc kzus chrec ken.
Au f den Phil lppinen konnten sich die Krä fte der Demok ratie
verein igen, orga nisieren , um die Mach t bewer ben und sie
schlie ßlich trot z des Wahlbetru gs mit friedl ichen Mi tteln erringen und zwar deshalb, weil e s sich , im Grunde gen ommen &gt;
doch u m ein plur alistisc hes, de mokrat isches politisc hes S ystem
handel te. In Ni caragua werden, sobal d das k ommunist ische Regime s eine Macht gefesti gt habe n wird , die Kräfte de r Dem okratie ke ine H of fnungen die ser Art mehr hegen d ürfen. Ein 1 eninist ische s Reg ime stre bt nach einem Machtm onopol u nd de r Beseitig ung a H e r unabhäng igen Ei nricht ungen. Der Kir che, den
unabhä ngige n Nac hrichten medien, der G eschäft swelt, d em Mi ttelstand und d en de mokratis chen Pa rteien wird s amt und sonde rs
hart z ugese tzt, und sie müssen um ihr Ueberl eben kam pfen.
Tausen de vo n Reg imegegne rn - sc hätzun gsweise 20 000 - hab en
sich g ezwun gen g esehen, zu den Waffen zu gre ifen, um dem kommunist ische n Reg ime bei der Fes tigung eines totalitä ren S ystems Wider stand zu leis ten.
Aus historischen, moralischen und strategischen Gründen
waren die Vereinigten Staaten am Fortschritt der philippinischen Demokratie unmittelbar interessiert. Ebenso nehmen
wir zutiefst Anteil an den Hoffnungen auf Demokratie in Nica- 2 -

�in Nicaragua. Nach sechseinhalb Jahren ist es aber klar, daß
ohne unsere Hilfe bei der Stärkung der nicaraguanischen demokratischen Opposition die Hoffnungen auf Demokratie in diesem
Land und auf Fortschritt anderswo in Mittelamerika Gefahr laufen, zunichte gemacht zu werden.
Subversive Aktivitäten im Ausland
Trotz unserer Bemühungen, mit der revolutionären Führung,
die im Jahr 1979 den Diktator Somoza zu Fall gebracht hatte,
zu koexistieren, ja ihr sogar unter die Arme zu greifen, hat
die strategische Bedrohung durch die nicaraguanischen Kommunisten immer gefährlichere Ausmaße angenommen. Heute gibt
es in dem Land 200 sowjetische Berater, rund 7 500 Kubaner und
verschiedenes Personal aus der DDR, Bulgarien, Libyen und von
der PLO. Man kann sehen, wer ihre Freunde sind.
In der Gesc hichte Mi ttel amerika s find en w ir m chts , das
sich mi t der nicaraguani sehe n Aufrü stung verg leich en 1 äßt.
Seit 19 81 h at d as Land s owje tische Waffen im Wert von mehr als
einer h albe n Mi lliarde D olla r erhal ten, d arun ter P anze r und
andere schw ere Waffen, d ie, im mitt elamer ikan ische n Ra um besehen, ga nz o ffen sichtlich nie ht defe nsiver Nat ur si nd. Ende
1980 wa ren die nicaragua nisc hen Str eitkrä fte schon dop pelt so
stark w ie s eine rzeit Som ozas Nation algard e au f ihrem H öhepunkt. Bis End e 1982 ha tte sich di e Arme e de r nie arag uanischen Kornmuni sten noch ein mal ver doppel t. Nicar agua verfügt
derzeit übe r 60 000 Sold aten im akt iven D iens t sow ie ü ber weitere 60 000 als Reservis ten. Hinge gen ha t Ho ndura s le diglich
21 000 Sold aten , während Cos ta Rica , die alte ste D emok ratie in
Lateina meri ka, überhaupt kei ne Arme e unte rhäl t. K ein anderes
Land Mi ttel amer ikas verf ügt über so viele Pan zer u nd a ndere
gepanze rte Fahr zeuge wie Nie aragua. Nur Nica ragua bes itzt
hochmod erne sow jetische Angr iffshub schrau ber vom T yp M i-24
Hind.
Was wird mit dieser gewaltigen Aufrüstung bezweckt? Auf
diese Frage gab Tomas Borge bereits 1981 die Antwort: "Diese
Revolution", so sagte er, "geht über unsere Grenzen hinaus."
Was ist der Sinn dieser Worte? Es genügt, wenn wir uns an
die Tatsachen halten. Fast sofort nach der Machtübernahme taten sich die Kommunisten in Nicaragua mit den salvadorianischen Kommunisten zusammen, um demokratische Reformen in jenem Land zu verhindern. Sie bewaffneten salvadorianische
Guerillakämpfer, die Ende des Jahres 1983 ihr zentrales Hauptquartier in Managua hatten. (Von dort zogen sie übrigens bald
nach unserer Befreiung Grenadas aus.) In Nicaragua verfügen
sie jedoch weiterhin über Radiosender, Ausbildungsstätten, Er- 3 -

�Ausbildungsstätten, Erholungslager und größere Einrichtungen
zur logistischen Unterstützung.
Mit ihrer Förderung der Subversion in El Salvador geben
sich aber die nicaraguanischen Kommunisten keineswegs zufrieden. Guerillakämpfer und Agenten waren vor ihrer Einschleusung in Honduras durch Nicaragua ausgerüstet, ausgebildet und
organisiert worden. Bei direkten Angriffen auf Honduras hat
Nicaragua seine regulären Truppen eingesetzt.
Costa Rica stellt ein weiteres Ziel dar. Die nicaraguanischen Kommunisten haben ihre diplomatische Präsenz in diesem
Land für Bombenangriffe und Morde mißbraucht; sie haben Costaricaner für subversive Aktivitäten finanziert, ausgerüstet und
ausgebildet, und sie sind fast nach Belieben über die Grenze
in Costa Rica eingefallen.
Auch in Kolumbien haben sie ihre Hände im Spiel. Ein
Großteil der Waffen, mit denen Terroristen der Gruppe M-19 den
Nationalen Justizpalast angriffen, hatten ihren Weg über Nicaragua genommen. Und wen wollten diese Terroristen bei ihrer
Aktion erledigen? Die Richter, die gerade dabei waren,
Rauschgifthändlern den Prozeß zu machen. Es sollte nicht
überraschen, wenn die nicaraguanischen Kommunisten in kriminelle Umtriebe dieser Art verwickelt sind.
Das Bild, das sich aus all diesen Fakten ergibt, ist durch
Gewalttätigkeit gekennzeichnet. Es werden keine Unterschiede
gemacht; die Gewalt richtet sich gegen demokratische Länder,
ja sogar gegen die Friedensstifter von der CONTADORA-Gruppe.
Und es besteht dabei eine enge Verbindung zur kubanischen und
sowjetischen Militärmacht. Diese auf Subversion und Infiltration ausgerichteten Anstrengungen werden durch die engen Beziehungen des Regimes zu Terroristen aus aller Herren Länder
erleichtert.
Das Regime hat Extremisten und Terroristen aus dem Nahen
Osten, aus Lateinamerika und Europa nicaraguanische Reisepässe
ausgestellt.
Zu den Gruppen, deren Anwesenheit in Nicaragua bekannt
ist, zählen Terroristen von der baskischen ETA ebenso wie von
der deutschen Baader-Meinhof-Bande, den italienischen Roten
Brigaden und den argentinischen Montoneros. Alvaro Baldizon,
ein hochgestellter Sandinist, der sich 1985 von dieser Bewegung lossagte, hat über die persönliche Verwicklung von Innenminister Borge in den Kokainschmuggel aus Kolumbien in die
Vereinigten Staaten berichtet. Von einem Vertrauensmann des
amerikanischen Amtes für Drogenbekämpfung (DEA) auf dem Boden
von Nicaragua gemachte Videobandaufzeichnungen zeigen einen
- 4 -

�zeigen einen weiteren Vertreter des Regimes bei der persönlichen Überwachung der Verladung von Rauschgift für die Vereinigten Staaten.
In Mittelamerika und Panama tätige PLO-Agenten haben in
Nicaragua ihre Operationsbasis. Die Verbindungen zur PLO sind
besonders stark. Etliche nicaraguanische Kommunisten wurden
in den sechziger und siebziger Jahren in PLO-Lagern ausgebildet. Mehrere haben sogar an Flugzeugentführungen durch die
PLO teilgenommen.
Die nicaraguanischen Kommunisten haben noch einen zweiten
Wohltäter im Nahen Osten, nämlich Libyen. Bereits vor ihrer
Machtübernahme in Jahr 1979 hatten sie direkte Beziehungen zu
Gadhafi aufgebaut. Gadhafi ist seither gefällig gewesen und
hat Waffen geschickt. Eine dieser als "Medikamente" getarnten
Lieferungen flog in Brasilien im April 1983 durch Zufall auf,
wobei die brasilianischen Behörden auf 84 Tonnen Waffen,
Sprengstoffe und anderes militärisches Gerät stießen.
Die UnterdrückungsmaSnahmen im eigenen Land
Indem sie ihr Versprechen brachen, für Pluralismus zu sorgen, haben die nicaraguanischen Kommunisten die Bürger ihres
Landes faktisch gezwungen, noch einmal zu den Waffen zu greifen. Ebenso wie Somoza scheinen sie niemandem Gehör zu schenken, der nicht bewaffnet ist. Und ebenso wie Somoza trachten
sie danach, ausländischen Kräften dafür die Schuld zu geben,
daß das eigene Volk Widerstand gegen ihre Politik leistet.
Die nicaraguanischen Kommunisten behaupten gern, daß der
Widerstand gegen sie auf die verdeckte Unterstützung der USA
zurückzuführen sei und daß es sich bei ihren Gegnern ausschließlich um CIA-Agenten und um Erben Somozas handele. Das
ist Unsinn. Es war ihre Unterdrückungspolitik, die in den
Jahren 1979, 1980 und 1981 die Koalition zerschlug, die Somoza
gestürzt hatte. Das war es, was den Widerstand entzündete.
1979, 1980 und 1981 leisteten die Vereinigten Staaten der Regierung von Nicaragua Hilfe, nicht den Widerstandskämpfern.
In der Zeit von Mitte 1984 bis Ende 1985, also mehr als
ein Jahr lang, unterstützten die Vereinigten Staaten die Widerstandskräfte in Nicaragua überhaupt nicht. Dennoch wuchs
die Bewegung in dieser Zeit um 50 Prozent, von ungefähr 10 000
auf rund 15 000. Soviel über die Theorie, daß der Widerstand
eine Kreatur amerikanischer Bargeldzahlungen sei.
Wer sind eigentlich diese Nicaraguaner, die im Kampf gegen
den kommunistischen Sicherheitsapparat ihr Leben zu riskieren

�zu riskieren bereit sind? Bei den Widerstandskämpfern handelt
es sich vor allem um junge Bauern. Die meisten von ihnen sind
zwischen 18 und 22 Jahre alt. Sie verteidigen ihren kleinen
Landbesitz, ihre Kirchen und, in manchen Fällen, ihre bodenständige Kultur. Manche zogen den Beitritt zur Widerstandsbewegung dem Dienst in den Reihen der nicaraguanischen Kommunisten vor, wo sie die eigenen Freunde und Nachbarn hätten bekämpfen müssen. Bei der Verteidigung ihrer Familien und Gemeinden kämpfen diese jungen Nicaraguaner vor allem für ihr
Recht auf Selbstbestimmung.
Ihre Führer kommen hingegen zumeist aus den Städten. Sie
unterscheiden sich mehr als die junge Landbevölkerung im Hinblick auf Berufe und Lebenslauf. Zu ihnen gehören sowohl frühere Angehörige von Somozas Nationalgarde als auch ehemalige
Sandinisten. Die meisten jedoch sind Zivilisten aus den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die die Sandinisten zu vertreten behaupten: Bauern, Kleinbauern, Berufstätige aus den
Städten und Studenten. Einer von ihnen war Grundschullehrer,
ein anderer evangelischer Pfarrer.
Eine im vergangenen November durchgeführte Analyse des
Hintergrunds von 153 führenden Militärs der größten Widerstandsgruppe ergab, daß 53 Prozent von ihnen aus dem Zivilleben kamen, während 27 Prozent in der Nationalgarde gedient
hatten und nicht weniger als 20 Prozent früher Waffenbrüder
der Kommunisten gewesen waren. Daraus folgt unwiderlegbar,
daß es sich bei dem Widerstand in Nicaragua um einen durch das
Volk getragenen, alle Schichten umfassenden, demokratischen
Aufstand handelt.
Eine Welle der Demokratie
Historiker werden in dem Wandel der Tyrannei in Lateinamerika während dieser Jahre eine Ironie der Geschichte sehen.
Während in Nicaragua eine Diktatur eine andere ablöste, fielen
die starken Männer anderswo in der Region schnell und der Reihe nach.
In den letzten zehn Jahren sind gewählte Zivilregierungen an die Stelle der autoritären Regimes in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ecuador, El Salvador, Grenada, Guatemala, Honduras, Peru und Uruguay getreten. Mehr als 90 Prozent der Lateinamerikaner regieren sich jetzt selbst. Vor
zehn Jahren waren es weniger als ein Drittel.
Der Widerspruch zwischen der kommunistischen Herrschaft in
Nicaragua und dem politischen Trend im Rest Lateinamerikas
könnte nicht dramatischer sein. Nach Jahrhunderten des Kampfes hat das System der Selbstregierung Wurzeln gefaßt. Nicaragua ist jetzt nicht nur die Ausnahme von dieser Regel; es
- 6 -

�Regel; es ist auch so, daß seine Politik des Militarismus und
der Subversion die Demokratiehoffnungen der gesamten Region
gefährdete.
Niemand ist sich dieser Gefahr besser bewußt als die führenden Politiker Lateinamerikas. Seit Jahren schon suchen sie
Mittel und Wege, die von Nicaragua ausgehende Gefahr zu entschärfen. Das Hauptanliegen der CONTADORA-Verhandlungen ist
der friedliche und demokratische Abbau der durch das Verhalten
des nicaraguanischen Regimes verursachten militärischen Spannungen, ohne daß es dabei zu der von den nicaraguanischen Kommunisten anscheinend angestrebten Ausweitung des Konflikts
kommt.
Es überrascht nicht, daß die Kommunisten diese Verhandlungen immer wieder torpediert haben. Die Vereinigten Staaten
verhandelten 1984 mit Managua direkt, um den CONTADORA-Ländern
das Aushandeln einer Lösung zu erleichtern. Neun Verhandlungsrunden fanden damals innerhalb von fünf Monaten statt.
Es erwies sich aber, daß die nicaraguanischen Kommunisten in
erster Linie an der Manipulation dieser bilateralen Gespräche
interessiert waren, um auf diese Weise Ergebnisse der
CONTADORA-Arbeit zu verhindern.
Abgelehnt haben sie auch den von den katholischen Bischöfen ihres Landes im Hirtenbrief am Karfreitag 1984 gemachten
Vorschlag, mit allen Nicaraguanern zu verhandeln - egal ob bewaffnet oder unbewaffnet, ob in Nicaragua oder außerhalb des
Landes. Die demokratische Widerstandsbewegung rief zu einem
Waffenstillstand auf und zeigte sich zu Verhandlungen durch
Vermittlung der katholischen Kirche bereit. Das Regime lehnte
ab. Der wichtigste Dialog, nämlich der interne zwischen dem
Regime und seinen Gegnern, wird also durch die Kompromißlosigkeit des Regimes vereitelt. Die Kommunisten wissen genau, was
sie wollen. Sie haben nicht die Absicht, sich zu ändern.
Nicaraguas Nachbarn sind sich über die Pläne des Regimes
im klaren. Auch wir sind es. Und wir machen uns schwere Sorgen wegen der Bedrohung, die Nicaragua für die Sicherheit und
das Wohlergehen anderer lateinamerikanischer Nationen darstellt. Wir haben nach besten Kräften die Demokratie in ganz
Mittel- und Südamerika gefördert, indem wir für freie Wahlen
eingetreten sind und den demokratischen Regierungen und demokratischen Kräften moralische und wirtschaftliche Hilfe geleistet haben. Ebenso wie unsere demokratischen Nachbarn wollen wir es nicht erleben, daß diese Errungenschaften durch nicaraguanische Subversion rückgängig gemacht werden.
Gerade erst vor zwei Wochen traf ich mit Vertretern der an
den CONTADORA-Verhandlungen beteiligten acht Nationen zusam- 7 -

�Nationen zusammen. Sie sind, wie wir, für politische Lösungen. Man darf das aber nicht falsch verstehen: Die Versuche
Nicaraguas, mit sowjetischer und kubanischer Unterstützung die
Stabilität der Region zu untergraben, beunruhigen sie zutiefst
Die Politik der Vereinigten Staaten
Unsere Ziele in Nicaragua, und die unserer Freunde und
Verbündeten, sind einfach: Wir wollen, daß das nicaraguanische Regime die Aufrüstung rückgängig macht, seine ausländischen Berater nach Hause schickt und damit aufhört, seine
Bürger zu unterdrücken und sich subversiv gegen die Nachbarländer zu betätigen. Wir wollen, daß es die Verprechen der
Koalitionsregierung nach Somozas Fall einlöst - demokratischer
Pluralismus im Inland und friedliche Beziehungen zum Ausland.
Die Vereinigten Staaten und ihre Freunde haben sich bemüht, mit den Mitteln der Diplomatie dieses Ziel zu erreichen. Wir glauben nach wie vor, daß in einer durch Verhandlungen erzielten Lösung unsere größte Hoffnung auf einen
friedlichen Wandel in Nicaragua liegt. Es sind jedoch alle
seriösen Verhandlungsversuche durch die nicaraguanischen Kommunisten abgeblockt worden. Sie denken, daß sie ihre Politik
der Unterdrückung im Inland und der Aggression gegen das Ausland ungestraft fortsetzen können, und sie sehen weiterhin in
ihrer militärischen Stärke eine Erfolgsgarantie dabei.
Es liegt in der Macht der Vereinigten Staaten, den nicaraguanischen Freiheitskämpfern dabei zu helfen, die Kommunisten
davon zu überzeugen, daß sie einen katastrophalen Kurs steuern. Wir müssen die Freiheitskämpfer unterstützen, bevor es
zu spät ist. Wenn wir das tun, stärken wir unseren Einfluß
für die Erreichung unserer diplomatischen Ziele.
Unsere Ziele sind begrenzt und vernünftig. Zugleich sind
sie wichtig für unsere Werte und für die Sicherheit von uns
selbst und unserer Nachbarn. Wir müssen viele Optionen in Erwägung ziehen. Einige von ihnen sind so hart, daß wir hoffen,
niemals zu ihnen unsere Zuflucht nehmen zu müssen. Die Vereinigten Staaten wünschen keine direkte Verwicklung der eigenen
Streitkräfte in Nicaragua. Bisher mußten wir uns mit dieser
Option nicht befassen, denn wir wissen, daß es einen anderen
Weg gibt, das Regime von seinem destruktiven Kurs abzubringen.
.Deshalb unterstützen wir den demokratischen Widerstand.
Militärische Hilfe für den demokratischen Widerstand könnte die nicaraguanischen Kommunisten dazu bringen, ernsthaft zu
verhandeln - etwas, das sie bisher noch nicht getan haben.
Sie verhandelten nicht mit der Regierung Carter, als die Ver-

�die Vereinigten Staaten noch der größte Lieferant von Hilfe
für Nicaragua waren, und sie verhandelten nicht seriös - weder
mit uns noch mit ihren Nachbarn - als der Kongreß vor zwei
Jahren jegliche Unterstützung des Widerstands aussetzte. Im
Gegenteil: Im Herbst 1984 importierten sie sowjetische Angriffshubschrauber statt ihre politischen Gegner durch freie
Wahlen wieder ins politische Leben einzuführen.
Für die Widerstandskämpfer ist ein kritischer Augenblick
gekommen. Das außerordentliche Wachstum ihrer Bewegung und
die verzweifelten Maßnahmen, die das Regime bei ihrer Bekämpfung ergriffen hat, beweisen, daß sie sich bewährt haben. Die
Aufrüstung durch die Sowjetunion, Kuba und den Ostblock hat
aber ein großes Ungleichgewicht geschaffen. Wenn wir den
Kräften der Demokratie nicht zu Hilfe kommen, werden sie
schwer leiden, nicht etwa, weil sie keine gute Sache verfechten, sondern weil die Kommunisten mehr Entschlossenheit als
wir selbst gezeigt haben werden.
Ein verstärkter demokratischer Widerstand ist das einzige
Mittel, mit dem man die nicaraguanischen Kommunisten zur Einstellung ihrer subversiven Aktivitäten in dieser Hemisphäre
zwingen kann; es ist das einzige Mittel, mit dem man ihrer erdrückenden Tyrannei im eigenen Land beikommen kann.
Macht und Diplomatie müssen Hand in Hand gehen. Das ist
eine Lehre, die wir aus unseren Erfahrungen schon gezogen haben sollten. Diplomatie ohne Machtmittel ist hilflos. Ob bei
Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion oder bei der Beilegung regionaler Konflikte: Diplomatie funktioniert dann am
besten, wenn unsere Gegner begreifen, daß sie keinen militärischen Sieg und keine einseitigen Vorteile erzielen können.
Manchmal vergaßen wir diese Lehre, und wir mußten dafür einen
hohen Preis bezahlen.
Das ist die Lehre, die wir heute auf Nicaragua anzuwenden
versuchen: Wir wollen das kommunistische Regime davon überzeugen, daß es eine militärische Option nicht gibt. Nur ein
starker innerer Widerstand durch das nicaraguanische Volk kann
das Regime dazu zwingen, daß es auf die nationale Versöhnung
hinarbeitet und das demokratische Versprechen des Jahres 1979
hält.
Die Folgen der Untätigkeit
Falls wir den Widerstand nicht stärken, werden wir bald
eine ganz andere Sorge haben - von noch viel ernsterer Natur.
Ein sowjetischer und kubanischer Stützpunkt auf dem lateinamerikanischen Festland wird uns zu schaffen machen, ein Regi- 9 -

�ein Regime, dessen gefestigte Macht es ihm gestatten wird,
Subversion und Terrorismus auf die gesamte Hemisphäre auszudehnen.
Und das ist nicht einma 1 alles . Wenn es den n lcara guanischen Kommunis ten g elingt , ihre Macht zu fe stige n und die
demokrat ische Wi derst andsbe wegung zu ve rnicht en, w ird i hr Sieg
sofort u nd übera 11 de n radi kalen K räfte n Auft rieb geben den
Kräften, die sie h zur Errei chung i hrer Ziele auf G ewalt Militarismus und Ter ror s tützen , besonders in Lat einam erika
Der
Radikali smus wir d unw iderst ehlich ersch einen; hing egen werden
sich die Kräfte der M äßigun g und d er De mokrat ie en tmuti gt fühlen. AI 1 die Lander Latein amerika s, di e sich schw erwie genden
inneren Wirtscha ftspr obleme n gegen übers ehen, würde n erl eben,
wie die radikale n Ele mente bei der Ausn ützung dies er Pr obleme
zu ihren eigenen dest ruktiv en Zwec ken n euen M ut sc höpfe n.
Auße rdem wur de ein kommu nistische r Sieg in Ni carag ua weltweit Fol gen für die Pol itik der USA n ach si ch zie hen. in den
Augen un sere r Gegner, d ie un s auf die Probe stell en wo llen,
würde er uns ere Glaubwü rdigk eit schwe r erschütter n, un d ebenso
würde es uns bei denjen igen ergehen, die si ch an allen Ecken
und Ende n de r We lt auf unser e Unterst ützung in ih ren K ämpfen
gegen di e Ty rann ei verl assen
Wenn d ie Dem okrati ebest rebungen
in Nicar agua aus gelösch t wer den, wo d ann we rden w ir no ch behaupten könn en, daß wir sie fördern u nd unt erstüt zen? Wenn
ein bewa ffne ter Aggress or vo r unserer eigen en Hau stür seinen
Willen h aben kan n, trot z des gewaltig en Wid erstan ds ge gen ihn
im In- u nd i m Au sland, wie w erden wir dann in wei t ent fernteren Gege nden gla ubwürdi g unseren Ruf wahren könne n, da ß wir
Aggresso ren absc hrecken ?
Die aus beiden Parteien zusammengesetzte Kissinger-Kommission hat in ihrem 198A erschienenen Bericht die möglichen Folgen eines Versagens unsererseits bei der Eindämmung des gegenwärtigen Konflikts in Mittelamerika drastisch geschildert.
Ihres Erachtens würden dies die Konsequenzen sein:
- "Eine Reihe von Entwicklungen, deretwegen wir uns gezwungen sehen könnten, enorme Mittel zur Verteidigung der südlichen Zugänge zu den Vereinigten Staaten einzusetzen, was
unsere Fähigkeit zur Verteidigung unserer Interessen anderswo einschränken würde..."
"Eine starke Vermehrung der Zahl marxistisch-leninistischer Staaten und infolgedessen eine Zunahme der Gewalt,
Vertreibung und politischer Unterdrückung in der Region."
"Die Erosion unserer Fähigkeit, weltweit Entwicklungen beeinflussen zu können, weil der Eindruck entstehen würde,
- 10 -

�entstehen würde, daß wir nicht einmal imstande waren,
wichtige Entwicklungen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft zu beeinflussen."
Wessen Vision?
Damit komme ich zu meinem abschließenden Argument. Auf
lange Sicht ist die Debatte über die militärische Hilfe für
den nicaraguanischen Widerstand keine Angelegenheit der Parteienpolitik. Es ist dies vielmehr eine Debatte darüber, welche moralischen und politischen Grundsätze bei der Gestaltung
der Zukunft dieser Hemisphäre gelten sollen, eine Debatte darüber, wessen Vision es gestattet werden soll, den Sieg davonzutragen. Eine Vision - die Vision der Demokraten in ganz
Nord-, Mittel- und Südamerika - ist die des wirtschaftlichen
Fortschritts, der freien Institutionen, der Rechtsstaatlichkeit. Die andere ist die Vision von zwei, drei, vielen Nicaraguas - eine Hemisphäre der brennenden Kirchen, der eingestellten Zeitungen, der zermalmten Opposition.
Die Diktatur in Nicaragua wird vielleicht bald imstande
sein, die Widerstandskämpfer zu Tode zu hetzen. Die Vereinigten Staaten sind jetzt noch imstande, dieses tragische Ende zu
verhindern. Werden wir zusehen, wie die Hemisphäre von den
Kräften des Totalitarimus als Geisel genommen wird? Das ist
die Frage, die der Kongreß beantworten muß. Im Interesse der
Sicherheit des eigenen Landes und auch im Interesse der jungen
demokratischen Nationen, die von uns Unterstützung erhoffen,
sollten wir den Menschen in Nicaragua das geben, was sie in
ihrem Kampf für die ihnen von Somoza vorenthaltenen und dann
von einer bewaffneten kommunistischen Minderheit weggenommenen
Freiheiten brauchen.

* * * * * *

- 11 -

�AMERIKA DIENST
%

Information

^

19. März 1986

11

DR. JAMES C. FLETCHER ALS NASA-ADMINISTRATOR NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat Dr. James
C. Fletcher gebeten, die Leitung der US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt (NASA) erneut zu übernehmen. Sobald der Senat die
Berufung bestätigt hat, wird Dr. Fletcher (66) das Amt antreten, das er von 1971 bis 1977 schon einmal innehatte. Er löst
Dr. James M. Beggs ab, der vor einigen Monaten auf eigenen
Wunsch von seinen Aufgaben entbunden wurde und im Februar 1986
offiziell zurücktrat. Die kommissarische Leitung hatte Dr.
William Graham.
Dr . Fleteher erk lärt e sich ber eit, das Amt nur zu übernehmen, s ofern kein and erer geeig nete r Kandida t gefun den werde.
Sein Z ögern beru he, wie er in eine m In tervi ew mit der New York
Times (6. Mä rz 1 986) erk lärte, kei nesw egs a uf fina nzie llen Erwägung en. A m me iste n fa lle fü r ih n in s Gew icht, d aß e r dann
seine Berate rtät igke it i m Rahm en d er " Strat egische n Ve rteidigungsi nitiat ive" (SD I) a ufgebe n mü sse. Seh on vor läng erer
Zeit w ar unt er d er L eitu ng Fle tche rs f ür da s Weiße Hau s und
das am erikan isch e Ve rtei digung smin iste rium ein Ber icht über
die te chnisc he D urch führ barkei t ei nes solch en Vert eidi gungssystems ausgea rbei tet word en. G egen wärt ig is t er In habe r des
Whitef ord-Le hrst uhls für Techn ik u nd E nergi eressou rcen an der
Univer sität Penn sylv ania . Als ing enie urtec hnische r Berater
ist er in de r In dust rie sehr g efra gt.
Seine Kollegen und Freunde waren stets sicher, daß die
Probleme, denen sich die NASA infolge des CHALLENGER-Unglücks

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Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�CHALLENGER-Unglücks vom Januar gegenübersieht, Fletcher nicht
davon abhalten werden, die Leitung der NASA wieder zu übernehmen. "Er ist ein Mensch, der es liebt, gefordert zu werden",
sagte ein langjähriger Mitarbeiter. "Er ist ruhelos und dynamisch und will ständig neue Welten erobern."
Das erste Projekt in der bemannten Raumfahrt, das in der
ersten Amtszeit Fletchers durchgeführt wurde, war das SKYLABProgramm. Drei Astronautengruppen verbrachten damals insgesamt 172 Tage in der als Laboratorium eingerichteten Station,
die die Erde umrundete. Weitere Höhepunkte waren das AP0LL0SOJUS-Projekt, als im Jahr 1975 ein amerikanisches und ein sowjetisches Raumschiff in der Erdumlaufbahn zum Rendezvous kamen und aneinanderkoppelten, sowie das Projekt VIKING mit der
Landung von unbemannten Sonden auf dem Mars.
Getreu seiner Überzeugung, daß Raumfahrtprogramme finanziell tragbar und vom wissenschaftlichen wie technischen
Standpunkt aus lohnend sein sollen, kündigte Fletcher Ende
1971 Pläne für einen "wiederverwendbaren Raumtransporter" an,
der wie eine Rakete starten, wie ein Raumschiff in die Umlaufbahn eintreten und wie ein Flugzeug landen werde.
James C. Fletcher wurde am 5. Juni 1919 in Misburn, New
Jersey, geboren. Es entsprach der Familientradition, daß er
Physik studierte - zunächst an der Brigham Young University in
Provo, Utah, dann an der Columbia University in New York.
Nach der Graduierung zum "Bachelor of Arts" im Jahr 1940 war
er für Forschungsprojekte der amerikanischen Marine tätig, anschließend als Dozent an der Princeton University. Im Jahr
1948 wurde er am California Institute of Technology mit einer
Arbeit aus dem Gebiet der Physik promoviert.
Noch im gleichen Jahr ging Fletcher in die Luft- und Raumfahrtindustrie, wo er zunächst für die Hughes Aircraft Company
und dann für die Romo-Wooldridge Corporation tätig war. Zehn
Jahre später gründete er zusammen mit einem Kompagnon ein eigenes Unternehmen, die Space Electronics Corporation. Als
dann 1960 diese Firma mit der Aerojet-General Corporation fusionierte, wurde Fletcher Präsident des neuen Unternehmens,
später (von 1961 - 1964) Vorsitzender des Aufsichtsrates.
Im Jahr 1964 nahm er das Angebot der Universität von Utah
an, deren Präsident zu werden, und löste alle Verpflichtungen
in der Industrie. 1971 holte ihn Präsident Nixon als neuen
NASA-Administrator nach Washington. Dort war er außerdem zunächst Berater, später Mitglied des Präsidialbeirats für Wissenschaft. Mehrere Organisationen aus dem Gebiet von Luftund Raumfahrt beriefen ihn in ihren Vorstand. Fletcher ist
verheiratet und hat drei Töchter.
* * * * * *

- 2 -

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

19. März

11

1986

BESUCHER BEIM KOMETEN HALLEY
- Internationale Satellitenflotte betreibt "Nahaufkläruna" -

- (AD) - "Dieses Mal sind wir zum Kometen gekommen", äußerte begeistert der amerikanische Astrophysiker Carl Sagan
aus New York, als er im Kontrollzentrum für die VEGA-Sonden in
Moskau im Kreis von Kollegen aus aller Welt das Eintreffen der
ersten "Innenaufnahmen" vom Halleyschen Kometen miterlebte.
Die sowjetische Sonde VEGA 1 funkte die Farbbilder. Sie zeigten den Kern im vorderen Teil des Kometenkopfes aus ca. 9 000
km Abstand. Damit hatte die aufregendste Phase der 1981 ins
Leben gerufenen Aktion "International Halley Watch" begonnen.
Unge fähr 1 000 Astro nome n un d Ast roph ysik er l n 50 Ländern,
unte rstü tzt v on fa st 700 Ama teur astro nome n in all en E rdteilen,
hatt en s ich z usamm engeta n, u m de n Korn eten bei sei ner Wiederkehr nac h 76 Jahre n rund um die Uhr z u be obac hten - und dies
so g rund lieh und d etaill iert , wie es ohne die heu te v erfügbaren tech nisch en Hi lfsmit tel bish er ni e mö glic h wa r. Allerding s näherte sich Komet Hai ley beim Durc hgan g 19 86 d er Erde
nur auf 62 Mi llion en Kil omet er, währe nd i m Ja hr 1 910 die gering ste Dista nz 22 ,5 Mil lion en K ilome ter betr ug. Dam it war er
dama ls z war 5 8 Mal weite r en tfer nt al s der Mond. Abe r wie in
den Jahr hunde rten zuvor gab es n och i mmer Men sehe n, b ei denen

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Tel.: 0228-339 2035
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�bei denen das Auftauchen des immer heller werdenden Objektes
am Himmel mit dem riesigen leuchtenden Schweif Unbehagen, ja
Furcht auslöste. Gerüchtemacher hatten Hochkonjunktur - manche prophezeiten z.B. Vergiftungen durch Substanzen im Kometenschweif. Die Erde ging durch einen Teil des Schweifes hindurch. Schaden nahm niemand, aber es regnete Sternschnuppen.
Noch nie ist es gelungen, Staubkörnchen von Kometen einzufangen. Das sind jene Partikel, die beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühen und als "Sternschnuppen" sichtbar werden.
Als ein Projekt für die neunziger Jahre ist vorgesehen, mit
Hilfe einer Instrumentensonde Proben von einem Kometen zu nehmen, zur Erde zu holen und hier zu analysieren.
Für die Hall ey-Studi en wur den Forsch ungss atelli ten d er Sowjetunio n, Europ as, Japa ns und der Verei nigte n Staa ten a ufgeboten. Es ging vor alle m daru m, d ie Exi stenz eines fest en
Kerns in nerhalb der Hüll e aus Gase n und Staub def in itiv nachzuweisen , seinen Aufbau sowie sein e Akti vität unter dem Einfluß der Sonne z u unters uchen, vie lleich t auch sich ere A nhaltspun kte für seine Zu sammen setz ung un d den Mater iever lust
infolge der Aufw ärmung i m Inne rn d es Son nensy stems zu be kommen. Da rüber hi naus wil 1 man auch die W echse lwirku ngen zwisehen St rahlung und Mate rie de r Sonne mi t der Komet enmat erie
besser e rkennen und vers tehen lern en. B eobac htunge n von der
Erde aus , vor allern auf der No rdha lbkuge 1 boten wen ig Sp ektakuläres - nicht zuletzt deshal b, w eil si ch de r Hall eysch e Komet zum Zeitpunk t seiner größt en S onnenn ähe jenseit s der Sonne
befand.
So die nten unbemannte Sonden als vorgeschobene Beobachter
Von ihnen wurden VEGA 1 und 2 am 6. und 9. März 1986, vier Tage später GI0TT0 in die "Höhle des Löwen" geschickt. Die
VEGA-Kamer as überstanden die Passage in 9 000 bzw. 8 200 km
Abstand vo m Kern. Für die Kamera von GIOTTO dagegen war das
Staubbomba rdement, das der Sonde bei Annäherung auf 640 km an
den Kern e ntgegenprasselte, zu viel. Nach der Übermittlung
von 3 500 hervorragenden Aufnahmen, die GIOTTO alle vier Sekünden zur Erde gefunkt hatte, kam plötzlich kein Bild mehr,
Dennoch si nd die Wissenschaftler, die in der Missionszentrale
in Darmsta dt das große Ereignis dieser Nahbegegnung mit dem
Kometen Ha H e y an den Bildschirmen und Anzeigetafeln zwecks
Gewinnung von Meßdaten verfolgten, vollauf zufrieden. Die
Auswertung aller Forschungsprojekte, die unter recht verschicdenen Aspe kten angelegt waren und durchgeführt wurden, geschieht in enger internationaler Zusammenarbeit.

Kometen - Reste

�Kometen - Reste von Urmaterie
Komete n si nd n ach heut iger Auf fass ung der Wis sens chaf tler
idea le Objekte , um Mat erie aus der Frü hzei t unser es S onnen system s zu studi eren . In ih nen dürf ten, von der We ltra umkäl te
"tie fgefro ren" , Elemen te k onse rvie rt s ein, aus de nen sich das
Sonn ensyst em v or c a. 4 ,5 M illi arde n Ja hren entwic kelt hat
mit einem Ster n, d er S onne , im Zen trum , um den di e ne un bi sher
und Ringen kre isen.
beka nnten Plan eten sam t eigene n Mo nden
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aß e be i Komete n so gar "Farnilien" gibt , deren
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Alle diese Kometen gehören auf jeden Fall zum Sonnensystem. Bei anderen, die nach bisherigem Wissen nur einmal auftauchten, ist dies fraglich. Astrologen im "Reich der Mitte"
führten schon im Jahr 613 v. Chr. zuverlässige Aufzeichnungen
über Kometen. Knapp 400 Jahre später, 240 v. Chr., wurde in
China aufgrund der Aufzeichnungen erkannt, daß manche der rätselhaften Objekte periodisch wiederkehren. Unter ihnen befand
sich jener Schweifstern, der 2 000 Jahre später im Abendland
nach Edmond Halley bekannt wurde.
Dies em engl ischen Mat hema tiker und N atur forsche r, Sc hüler
Isaa c Newtons, war es als ers tem g elunge n, d ie Bahn eine s Komete n zu berech nen. Hall ey s tudie rte Au fzei chnunge n übe r alle
seit dem 14. Ja hrhund ert beob achte ten Ko mete n. Dab ei fi el die
Ä'hnlichk eit der Bahne n vo n dr ei Sc hweifs tern en auf, die im AbHand elte es
stan d vo n 76 bz w. 75 Jahr en e rschi enen w aren
sich wom öglich um ein und den selbe n Korne ten, dessen Auft auchen
Hall ey i m Jahr 1682 s elbs t mi terle bte? Er b estimmt e sei ne
Bahn in Form ei ner El lips e, i n der en ein em B rennpun kt di e Sonne 1 iegt und sa gte se ine Wied erkeh r für das Jahr 17 58 vo raus.
Die Prop hezeihu ng Hai leys , der 1742 starb, t raf ein . Nur in
bezu g au f die g roßte Sonn ennä he un d dami t di e Phase der stärksten Hei ligkeit hatte er sich um e in paa r Monate ge irrt.
Zur Zeit wandern schätzungsweise 170 Kometen im Sonnensystem. In der Tiefe des interplanetaren Raumes sind sie nur an
einem schwachen Leuchteffekt infolge der Reflexion von Sonnenlicht am festen Kern auszumachen. In einer Sonnenentfernung,
- 3 -

�einer Sonn enentfernu ng, di e ung efähr der Umla ufba hn de s Planeten J upite r entspricht, be ginnt Kern mater ie z u su blimi eren,
d.h. Teile davon geh en dur ch ei ne ge wisse Erw ärmu ng vo m festen
direk t in den gasför migen Zusta nd üb er. Auch Sta üb wi rd freigeset zt. Die Gasmol eküle um de n Ker n beg inne n un ter L ichtanregun g zu fluoreszie ren. Durch die Wirku ng d er u ltrav ioletten
Sonne nstra hlen bei t iefere m Vor dring en zu m Ze ntru m wir d Wasserda mpf d issoziiert , d.h. in W asser Stoff und Sau ersto ff aufgespa lten. Die nebe lig-fa serig e Gashülle um den feste n Kern
wachs t. Sonnenwind und Ko rpusk ulars trahl ung von der S onne
ionis ieren Gasmolekü le der Hüll e. T eilwe ise werd en si e auch
wegge blase n, so daß sich e in Sc hweif ausb ilde t, d er du rch
Nachs chub aus dem Ko metenk opf 1 angsa m grö Ger wird . Staubteilchen werde n mitgeris sen. Meist ist der S chwe if m ehrst rahlig
ausge bilde t, wobei z wische n ein em ge krümm ten Ante il mi t hoher
Staub konze ntration u nd ein em eh er ge radli nige n PI asma- Anteil
aus i onisi erten Gase n unte rschi eden werde n ka nn. Für beide
Kompo nente n gilt: S ie sin d inf olge des a nstr ömen den S onnenwinde s, de s Licht- und Str ahlun gsdru cks d er S onne von dieser
fortg erich tet.
Ab er w ie entst ehen , woher k omme n Korn eten? D er holl andische Ast ronom Ja n Oo rt f ormul iert e im Jahr 195 0 eine Hypothese, der zufolge sie aus einer "Wo lke" von Über resten des Nebels s tamm en könnt en, aus dem S onne und Planeten konden sierten, u nd d ie unser Son nens ystem wie eine Schale umgibt. Thre
Entfer nung zum Zen trum kön ne 30 000 , vielleicht sogar 1 00 000
AE bet rage n, was e inem hal ben b is e inein halb Lic htjähre n entsprach e. ("AE" is t die as trono misc he Me ßeinheit , die auf der
mittle ren Entfernu ng E rde- Sonne = 149,6 Millione n km - basiert. ) Nach der (Dortsche n Hyp othe se wä re es de nkbar, daß
sich u nter der Gra vita tion seinw irku ng vo rbeizieh ender g rößerer
Objekt e Klumpen au s dieser Wölk e lösen. Manche treiben weiter
ins AI 1 hinaus, an dere gel angen auf eine n Kurs, der ins Innere
des So nnen Systems führ t. Deren wei teres Schicks al häng t dann
von vi elen Faktore n ab , bei denen e rneut Gravita tionsei nflüsse
und ni cht zuletzt die Stru ktur des "schm utzigen Schneeb alls"
eine R olle spielen
S0 bezeichne te de r am erika nische Astro physi ker F red
Whipp le 19 50 als erst er d ie Ko meten, die e r als Zusa mmenballunge n von Wasse reis, gef roren en Gase n und mete oriti schem Materia 1 aus Staub und Gest einsb rocken sieht
Sp ektra luntersuchu ngen haben dies best ätigt
Bei Annäh erung an d ie Sonne
setzt , wie schon erwä hnt, Subl imation ein. Ang esich ts der beobach teten Turbu lenze n in den leuchte nden Masse n und der jüngsten Erfah rungen mit GIOT TO un d den V EGA-S onden sehe int dies
auch explo sionsa rtig zu g esche hen, wo für d ie kr assen Unterschie de de r Stau bkonz entr ation en in d er Ga shüll e des Kometen
Halle y spr echen. Sol che Ausbr üche, d ie de m Gas strah 1 aus ei-

�aus einer Raketendüse vergleichbar sind, können sogar Richtungsänderungen des Kometen zur Folge haben. Dabei wird natürlich Materie vom festen Kometenkern "verbraucht". Gleichzeitig verdichtet sich der Staubmantel um den Kern, der zusammen mit der Gashülle den Kometenkopf bildet.
Intensive Beobachtungen seit Dezember 1985
Die Intensivphase der Beobachtung des Halleyschen Kometen
begann im Dezember 1985 und dauert bis Mitte April 1986. Er
bewegt sich gegenläufig zur Erde und zu den anderen Planeten.
Die Tatsache, daß seine Ellipsenbahn zur Erdumlaufbahn um 18
Grad geneigt ist, kompliziert den Anflug von Sonden. Deshalb
wurde das Rendezvous von VEGA 1 und 2, von GIOTTO ebenso wie
das der japanischen Sonden SUISEI und SAKIGAKE in 154 000 km
bzw. 7 000 000 km Abstand vom Kern auf die Tage im Monat März
1986 gelegt, in denen der Halleysche Komet sich in einer Position befand, wo die Ebene seiner Bahn die Ebene der Planetenbahnen schneidet. So hielt sich der Energieaufwand für die
Kurssteuerung der Halley-Sonden in Grenzen.
Die SUISEI-Messungen sollen helfen, die Sublimationsrate
des Kerns und damit den Masseverlust des Kometen während einer
Sonnenumrundung zu ermitteln. Mit Hilfe von SAKIGAKE will man
vor allem Geschwindigkeiten, Dichte und Temperaturen des Sonnenwindes erforschen, der dem Kometen entgegenströmt. GIOTTO
sollte u.a. mit Massenspektrometern die Zusammensetzung des
aus dem Kern freigesetzten Staubes analysieren helfen. Andere
Instrumente untersuchten Gasmoleküle und Ionen in der "Koma",
der hellscheinenden Hülle um den Kern, sowie das Magnetfeld um
den Kometenkopf.
Für diese speziellen Projekte hatte ICE Pfadfinderdienst
geleistet und deshalb eine unschätzbar wertvolle Hilfe bedeutet. Dieser vor neun Jahren gestartete NASA-Forschungssatellit bestritt am 11. September 1985 das erste Rendezvous mit
einem Kometen, das es in der Geschichte der Raumfahrt gab.
Nach sorgfältig vorbereiteten Kursänderungen, für die auch die
Gravitationskraft des Mondes genutzt wurde, passierte ICE, zur
Kometensonde umfunktioniert, den Kometen Giacobini-Zinner an
der "Nahtstelle" zwischen Kopf und Schweif, ca. 8 000 km vom
Kern entfernt. Die von ICE übermittelten Meßdaten, aber auch
die Erfahrung, daß eine Sonde ein solches Wagnis überleben
kann, erleichterte die endgültige Programmplanung für die
Halley-Sonden bis hin zu deren Navigation in den letzten Stadien des Anfluges.
Ende März wird ICE durch Messungen in 31 Millionen Kilometern Abstand vom Kometen Halley sowohl die Untersuchungen der
- 5 -

�Untersuchungen der internationalen Sonden als auch die der
amerikanischen Forschungssonden SOLAR MAX und PIONIER 12 weiter ergänzen. Infolge der inzwischen wieder größeren Sonnenentfernung ging die Aktivität des Kometen bereits zurück, was
die Sublimationsrate beeinflußt.
Sowohl der Sonnenforschungssatellit SOLAR MAX als auch die
Venussonde PIONIER 12 wurden nur vorübergehend zur Beobachtung
des Halleyschen Kometen umdirigiert. Aus seiner Umlaufbahn um
die Erde untersuchte SOLAR MAX von Anfang Januar bis März 1986
z.B. den Einfluß des Magnetfeldes der Sonne sowie von Sonnenwind und Sonnenfackeln auf den Kometen. Damit wird ein Beitrag zum besseren Verständnis der Reaktionen zwischen der von
der Sonne ausgestoßenen Materie und solarer Strahlung einerseits und der Kometenmaterie andererseits geleistet.
PIONIER 12 umkreist als künstlicher Satellit den Planeten
Venus. Das verschaffte der Sonde einen Logenplatz, um den
Halleyschen Kometen in der Zeit seiner größten Annäherung an
die Sonne (Perihel) als einziges Forschungsgerät direkt zu beobachten. Dieser Punkt wurde am 9. Februar 1986 erreicht, der
Abstand des Kometen zur Sonnenoberfläche betrug 88 Millionen
Kilometer. PIONIER 12 war dabei vom Kometen, der sich im Raum
zwischen den Umlaufbahnen der Planeten Merkur und Venus befand, 43 Millionen Kilometer entfernt. Seit dem 6. März ist
PIONIER 12 wieder frei für seine eigentliche Aufgabe, die Sondierung der Venus und ihrer dichten Wolkenhülle.
Beobachtungen mit PIONIER 12
Erste Auswertungsergebnisse von den Meßdaten des amerikanischen Forschungssatelliten PIONIER 12 bei der Beobachtung
des Halleyschen Kometen liegen inzwischen vor. Sie besagen
u.a.:
- Die Sublimation von Wassereis aus dem Kometenkern schwankt
außerordentlich stark. Zwischen dem 2. und 5. Februar lag
sie bei 35 bis 40 Tonnen pro Sekunde. Unmittelbar nach
dem Durchgang durch das Perihel am 9. Februar wurde sie
auf 70 Tonnen pro Sekunde geschätzt. Am 18. Februar sank
sie plötzlich auf 30 t/sec ab, um aber tags darauf wieder
fast 70 t/sec zu erreichen. Dies lasse, laut Dr. Ian
Stewart (Boulder, Colorado), der für das PIONIER-Projekt
verantwortlich ist, auf einen ganz unregelmäßigen Aufbau
des festen Kerns schließen. (VEGA 1 und 2, vor allem aber
die GIOTTO-Messungen, haben dies inzwischen bestätigt.)
- Der Kometenkern ist von einer riesigen Wolke von atomarem
Wasserstoff umgeben. Sie entsteht durch die Spaltung
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�die Spaltung (Dissoziation) von Wassermolekülen unter der
Einwirkung der ultravioletten Strahlung (UV-Licht) von der
Sonne. Ihr Durchmesser dürfte mehr als 20 Millionen Kilometern, ihre Länge mehr als 30 Millionen Kilometer betragen. Erst mit Hilfe des UV-Spektrometers an Bord von
PIONIER 12 war ihre tatsächliche Ausdehnung zu erfassen.
Sie ist mindestens 20 mal größer als der Kometenkopf auf
Fotos erscheint, die im sichtbaren Licht gemacht wurden.
Die Dichte der eiförmigen Hülle nimmt von innen nach außen
ab. Sie besteht aus konzentrischen Schichten verschiedener Elemente wie Sauerstoff, Kohlenstoff, Schwefel und
Wasserstoff. Dies sind Hinweise auf die Zusammensetzung
des Kometenkerns. Wie Stewart weiter berichtete, scheinen
Kometen mehr Kohlenmonoxyd zu enthalten, als bisher angenommen wurde. In diesem Zusammenhang seien Meßdaten vom
Planeten Uranus, die VOYAGER 2 im Januar 1986 übermittelte, von besonderem Interesse. Sie zeigen erheblich höhere
Kohlenmonoxydwerte an als erwartet.
Die Sublimationsrate vor und nach der Perihelphase ermöglicht laut Dr. Stewart auch genauere Rückschlüsse auf
die Rotation des Kometen. Sie wurde bisher auf eine Umdrehung in zwei Tagen geschätzt. Gute Anhaltspunkte liefere die Freisetzung von Eis aus dem Kern. Durch die
Energieaufnahme von der Sonne verstärkt sich die "Helligkeit" der Wasserstoffatome bei Betrachtung im UV-Licht auf
das 30fache, so daß solche Helligkeitsausbrüche, über einen längeren Zeitraum beobachtet, Hinweise auf die Rotation geben könnten.
Hohe Wasserdampfentwicklung durch Sublimation lassen darauf schließen, daß es sich beim Kometen Halley um einen
verhältnismäßig jungen Kometen handle. Er dürfte mindestens weitere 400 Perioden hinter sich bringen, d.h. noch
in 30 000 Jahren seine Bahn ziehen, bis seine Kernmaterie
weitgehend verbraucht sei. Die Mengen von Wasserdampf,
die nach dem Periheldurchgang erzeugt würden, ließen, so
Stewart, Rückschlüsse auf die Dicke des Staubmantels um
den Kern zu. Dies wiederum sei in Indiz für sein Alter je stärker verkrustet und weniger durchlässig der Mantel,
desto älter ist der Komet.

* * * * *

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