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                  <text>AMERIKA DIENST
VON

^
12. Februar 1986
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan: Freilassung Schtscharanskijs und anderer
ermutigendes Zeichen
- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 Präsident Reagan legt Haushalt 1986/1987 vor
- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums Demokratie und Kultur
- Rede von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten
Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland,
gehalten am 8. Februar 1986 in der Universität Heidelberg
WIRTSCHAFT
Reagan: Wirtschaftliche Stabilität wird Wachstum stützen
- Wirtschaftsbericht des Präsidenten HINTERGRUNDMATERIAL
Die Haushaltsvorlage Präsident Reagans
- Die wichtigsten Fakten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Warnung war nicht mehr möglich
- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit
aufgenommen * * * * * *

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Tel.: 0228-339 2035
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�AMERIKA DIENST
'VON

Dokumentation

e&lt;

12. Februar 1986

REAGAN: FREILASSUNG SCHTSCHARANSKIJS UND ANDERER
ERMUTIGENDES ZEICHEN
- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 WASHINGTON - (AD) - Auf einer Pressekonferenz teilte Präsident Reagan am 11. Februar 1986 Reportern mit, daß er das
Problem der Menschenrechte während des Genfer Gipfels "sehr
ausführlich" mit dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow diskutiert habe. Er verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Freilassung von Anatoli Schtscharanskij und anderen einen Anfang und ein Zeichen der Hoffnung darstelle.
In seiner Pressekonferenz nahm der Präsident zu folgenden
außenpolitischen Themenkreisen Stellung:
Lage auf den Philippinen
Auf die Frage, ob die Berichte amerikanischer Beobachter
über Betrug und Gewalt während und nach den Wahlen in den Philippinen die Glaubwürdigkeit der Wahl unterminierten und die
kommunistischen Rebellen im Lande stärkten, antwortete der
Präsident:
Ich möchte zu diesem Prozeß keinen Kommentar abgeben, so
wie diese (Beobachter) ihren ofiziellen Bericht nicht vor dem

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�vor de m End e der Stirnmenau szählung vorl egen werden . Ich glaube nie ht, d aß es gut wäre, dies zu tun. Ja, sie h aben mi r davon in eini gen k urzen Beme rkungen beric htet und st eilten klar,
daß si e jet zt no ch ke ine o ffiziell en Be rieht vorle gen wür den.
Aber s ie ha ben m ir be rieht et, daß es ei nen A nschei n von B etrug
gab un d gle ichze itig teilt en sie jedoch mit, daß e s zusätzlich
zu die sem a llgem einen Eind ruck kei ne su bstan tielle n Bewei se
dafür gäbe. Wir werd en al so weite r abw arten . Wir sind n eutral. Und wir h offen , daß wir dan n das glei che Ve rhältni s mit
dem ph Hipp inisc hen V olk h aben wer den, das w ir in all den vergangen en Ja hren gehab t hab en.
Auf eine weitere Frage nach möglicher Besorgnis über die
Glaubwürdigkeit der Wahl und möglichen Auswirkungen auf amerikanische Interessen in den Philippinen sagte der Präsident:
Ich meine, daß wir besorgt sind über die offenkundigen Gewaltakte und die Möglichkeit des Betrugs, obwohl all dies sich
auf beiden Seiten abgespielt haben mag. Gleichzeitig fühlen
wir uns jedoch von der Tatsache ermutigt, daß es offensichtlich auf den Philippinen ein Zweiparteiensystem gibt und eine
Art von Pluralismus, der dem Volk dort zugute kommt. Und wir
freuen uns, eine derartige Entwicklung feststellen zu können
und werden abwarten, bis wir das Wahlergebnis erfahren.
Angesprochen auf frühere Bemerkungen seines Stabschefs
Donald Regan, daß im Falle einer Wiederwahl von Präsident
Marcos, selbst durch Wahlbetrug, die Vereinigten Staaten weiterhin normale Beziehungen mit ihm unterhalten müßten, antwortete Reagan:
Wir können nur sagen, daß die Bestimmung der philippinischen Regierung Sache des philippinischen Volkes unbd nicht
der amerikanischen Regierung sein wird. Und, wie ich vorhin
schon sagte, wir werden versuchen, die Beziehungen mit jeder
durch das philippinische Volk eingesetzten Regierung fortzusetzen. Und dies ist alles, was ich dazu sagen kann.
Zu Argumenten, nach denen die Unterstützung eines Diktators den kommunistischen Untergrundkämpfern in die Hände spielen würde, während die Unterstützung demokratischer Kräfte die
Kommunisten schwächen würde bemerkte der Präsident:
Wir unterstützen die Kräfte der Demokratie, und die Menschen dort haben die Möglichkeit zu wählen. Die einzigen, die
die Wahlen boykottiert haben, waren die Kommunisten. Es gibt
große Unterstützung für beide Kandidaten. Mehr kann ich dazu
nicht sagen, bis die Stimmen ausgezählt sind.
Auf die Frage,

�Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten jeden Ausgang
der Wahl akzeptieren würden, selbst bei einem nie dagewesenen
Ausmaß an Wahlbetrug, sagte der Präsident, daß seine Administration sich auf die Entscheidung der philippinischen Volkes
verlassen würde. Es sei dessen Wahl und das Ende der Stimmen
auszählung müsse zuerst abgewartet werden.
Zur Bedeutung der amerikanischen Militärstützpunkte auf
den Philippinen meinte Reagan, daß diese Stützpunkte für die
Vereinigten Staaten, für den Westen und sicherlich für die
Philippinen selbst sehr bedeutend seien und daß es im Pazifischen Becken seiner Meinung nach keine wichtigeren Stützpunkte gäbe als diese.
Haiti
FRAGE: Spielten die Vereinigten Staaten irgendeine Rolle
bei der Entscheidung von Präsident Duvalier, Haiti zu verlassen? Und beabsichtigen Sie, die Wirtschaftshilfe für die
dortige neue Regierung zu erhöhen?
ANTWORT: Ich kann Ihnen nur sagen, daß wir hoffen, diese
Interimsregierung behilflich zu sein, wenn sie sich darum bemüht, in Haiti demokratische Verhältnisse zu schaffen. Unser
Beteiligung am Abgang Duvaliers bestand nur darin, ein Flugzeug zur Verfügung zu stellen, das ihn nach Frankreich bracht
FRAGE: Sie wiesen ihn zu keiner Zeit in aller Deutlichkeit darauf hin, das Land zu verlassen?
ANTWORT:

Nein.

Er fragte auch nie um irgendwelchen Rat.

Libyen
FRAGE: Die Vereinigten Staaten sind dabei, wieder mit
Operationen ihrer Streitkräfte im Mittelmeerraum in der Nähe
Libyens zu beginnen. Dies dient unter anderem dem Zweck, unser Recht zu demonstrieren, uns ungehindert in internationale
Gewässern zu bewegen. Warum haben wir dann nicht auch die Li
nie überschritten, die Ghadafi die Todeslinie nennt?
ANTWORT: Ich weiß nichts im einzelnen über die dort
durchgeführten Operationen, denn sie finden in verschiedenen
Bereichen des Mittelmeers statt. Wir haben schon zu Beginn
meiner Administration dort Operationen durchgeführt, und dabe
informierte man mich darüber, daß er bestimmte Gewässer für
sich reklamierte - etwa so, als forderten wir den Bereich zwi
sehen der Südspitze Floridas und der Grenze Mexikos für uns.
_ 3 _

�für uns. Dabei würden zwar die Manöver beinhalten, daß einige
Flugzeuge und Schiffe diese Linie überschreiten, nicht aber in
die libyschen Gewässer selbst kommen.
Ich gab damals meine Zustimmung. Das würde wieder so
sein. Wenn es diesmal keine Überschreitung gab, so war das im
Rahmen der Manöver wohl nicht notwendig.
FRAGE: Könnten diese erneuten Operationen nicht Ghadafi
in die Hand spielen, indem dadurch genau das Bild von uns projiziert wird, das er haben möchte?
ANTWORT: Nun, dem war nicht so beim erstenmal, und es geschieht auch nicht, um irgendwelchen Eindruck auf ihn zu machen. Es geschieht nur deshalb, weil wir der Meinung sind,
daß unsere Marine diese Manöver durchführen muß, um ihre
Kampfbereitschaft aufrechtzuerhalten.
Verhältnis zur Sowjetunion
Auf die Bemerkung, einige Mitgleider seiner Administration
würden zunehmend ungeduldig in bezug auf die Festsetzung eines
diesjährigen Treffens mit der Sowjetunion, erwiderte der Präsident, daß der seitens der Sowjetunion gewünschte Termin in
den Vereinigten Staaten mit der bevorstehenden Wahl zum Kongreß kollidiere und daher einem früheren Termin der Vorzug zu
geben sei. Seitens der Sowjetunion gäbe es "keine Anzeichen
dafür, daß sie aus der Sache aussteigen wollen, aber sie haben
uns bereits eingeladen - sie haben mich zu einem Treffen 1987
eingeladen". Zu der Frage, ob Generalsekretär Gorbatschow die
Absicht haben könnte, Zugeständnisse bei der Rüstungskontrolle
gegen eine Terminübereinkunft einzutauschen, sagte Reagan:
"Das glaube ich nicht. Diese Art der Verknüpfung würde nicht
funktionieren".
Befragt, ob er in der Freilassung des sowjetischen Dissidenten Anatoli Schtscharanski eine Propagandageste oder eine
wirkliche Änderung im Verhältnis der Sowjetunion zur Frage der
Menschenrechte sehe, antwortete Präsident Reagan, ihm stünden
"keine Möglichkeiten zur Verfügung, ihre Motive herauszufinden. Ich weiß nur, daß seit dem Genfer Treffen nicht nur er
(Schtscharanski), sondern auch andere Personen freigekommen
sind, viel mehr als in vielen Jahren. Ich werde dadurch ermutigt, weil ich die Frage der Menschenrechte in meinem Gespräch mit dem Generalsekretär sehr ausführlich behandelt habe. Alles, was wir tun können, ist zu hoffen, daß dies ein
Anfang ist - ein Anzeichen dafür, was noch folgen wird".
Der Präsident
- 4 -

�Der Präsident antwortete zur Berechtigung der sowjetischen
Meinung, der Dissident Andreij Sacharow sei ein Geheimnisträger und könne aus diesem Grund nicht freigelassen werden, daß
er nicht imstande sei, den Wert dieser Behauptung einzuschätzen. Er glaube aber fest daran, daß die erfolgte Austauschaktion den Anfang weiterer Freilassungen darstelle.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
'VoN

4

6

Dokumentation
12. Februar 1986

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT 1986//1987 VOR
- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums

WASHINGTON - (AD) - Ausgabenkürzungen und Einsparungen bei
der Verwaltung sieht der Budgetvorschlag für das Haushaltsjahr
1987 vor, um zu einer scharfen Reduzierung der Defizite zu gelangen und damit ein "schwerwiegendes Hindernis" zu beseitigen, das dem weiteren Wirtschaftswachstum in den Vereinigten
Staaten entgegensteht. Dies betonte Präsident Reagan in seiner Haushaltsbotschaft am 4. Februar 1986 vor dem Kongreß.
Das Budget des Präsidenten nennt ein Defizit von 143,6
Milliarden Dollar für das am 1. Oktober 1987 zu Ende gehende
Haushaltsjahr; diese Verringerung des Defizits gegenüber dem
Haushaltsjahr 1986 um 59,2 Milliarden Dollar kann, wie der
Präsident betonte, ohne Steuererhöhungen geschafft werden:
"Eine Beseitigung unseres Defizits ist möglich, ohne die Steuern zu erhöhen, ohne unsere Verteidigungsbereitschaft in Gefahr zu bringen, ohne die legitimen Programme der Armen und
Alten zu beschneiden. Eine Steuererhöhung würde unsere wirtschaftliche Expansion gefährden und sich im Sinn ihrer Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv herausstellen. "
Der Haushaltsvoranschlag des Präsidenten stellt sich danach folgendermaßen dar:
Der wirtschaftliche

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�De r wirtsch aftli che Aufs chwun g, de ssen wir uns derzeit erfreuen , ist eine der stärkst en de r let zten 35 Jahre. Das Familien einkommen war noch nie mals so ho ch; Produktion und Produktiv ität stei gen; die Zuna hme a n Arb eitsstellen ist außergewöhn lieh groß und die Infi ation , die bei meiner Amtsübernähme noch mit zweis telligen Rate n wüt ete, wurde dramatisch
verrin gert. Di e Ver teidigun Oi di e wäh rend der siebziger Jahre
auf ge fährliche Weis e geschw acht worde n war, wurde wieder gestärkt und stel lte d amit wie der e in an gemessenes Maß der national en Sicher heit und der Absch recku ng vor einem Krieg her.
Zudem wurde ein em un erträgli chen Ansti eg der Steuerlast und
der st aatlichen Best immungen Einh alt g eboten.
Lassen Sie mich Ihnen ein paar zentrale Punkte nennen:
- Die Arbeitsplätze nahmen in den vergangenen drei Jahren um
9,2 Millionen zu, während die Arbeitslosenrate um 3,8 Prozent fiel; während der letzten drei Jahre vor meinem Amtsantritt stieg die Zahl der Arbeitsplätze nur um 5,5 Millionen, die Arbeitslosenrate stieg um 0,8 Prozent.
- Derzeit hat der höchste Anteil an unserer Erwachsenenbevölkerung (60 Prozent) einen Arbeitsplatz, mehr Schwarze
und Angehörige anderer Minderheiten (1A Millionen) haben
einen Arbeitsplatz als je zuvor.
- Die Inflation, die in den drei Jahren vor meiner Amtsübernahme im Durchschnitt jährlich 11,6 Prozent betrug, ging
in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt auf nur ein
Drittel davon - auf 3,8 Prozent - zurück.
- Das reale Bruttosozialprodukt stieg in den vergangenen
drei Jahren mit einer Jahresrate von 4,5 Prozent - im Vergleich zu einer Jahresrate von nur 2,2 Prozent Jahresrate
in den letzten drei Jahren der vorangegangenen Administration.
- Die Primarate und andere entscheidenden Zinssätze sind um
die Hälfte niedriger als zu meinem Amtsantritt.
- Jede Woche werden rund 11 000 neue Firmen gegründet und
seit Anfang 1983 stiegen die Betriebsinvestitionen real um
A4 Prozent.
- In den letzten drei Jahren stieg die Industrieproduktion
um 25 Prozent.
- Im gleichen Zeitraum stiegen die Firmengewinne um 117 Prozent und die Aktien verdoppelten sich fast im Wert.
Die Steuereinnahmen
- 2 -

�Die Steuereinnahmen des Bundes stiegen wieder auf die
außergewöhnliche Höhe von fast 18,5 Prozent des Bruttosozialproduktes, obgleich die Steuersätze insgesamt beschnitten und aufgrund der Inflation indexiert wurden.
Aufgrund all dessen stieg das Realeinkommen nach Steuern
während der vergangenen drei Jahre um 10,6 Prozent - ein
durchschnittlicher Anstieg von 2500 Dollar für jeden amerikanischen Haushalt.
Diese dramatische Verbesserung unserer Wirtschaftstätigkeit war kein Zufall. Wir haben eine Politik in die Wege geleitet, die unsere Verpflichtung widerspiegelt, das Eindringen
des Staates in den Privatsektor zu beschneiden und wir haben
viele Hindernisse beseitigt, die sich dem Prozeß der Kapitalbildung und des Wachstums in den Weg stellen. Wir halten auch
weiter unerschütterlich an den vier Grundprinzipien des Wirtschaftsprogramms fest, das ich im Februar 1981 vorgelegt habe
- Verringerung des Zuwachses staatlicher Ausgaben;
- Begrenzung der Steuerlasten;
- Befreiung der Wirtschaft von übermäßiger Reglementierung;
und
- Unterstützung einer soliden und stabilen Geldpolitik.
Jetzt sind die Bedingungen einer langen Ära nationaler
Prosperität geschaffen. Doch lauert am Horizont eine große
Drohung: das Haushaltsdefizit. Wenn dieses Defizit nicht
unter Kontrolle gebracht wird, laufen wir Gefahr, alles zu
verlieren, was wir erreicht haben - und mehr als das.
Das aber dürfen wir nicht zulassen. Deshalb hat das von
mir vorgelegte Budget als Hauptziel, das Defizit auf einen Weg
in Richtung auf einen bis zum Jahr 1991 ausgeglichenen Haushalt zu bringen. Dabei erreicht, ja übertrifft mein Haushalt
die Abbauziele, wie sie in dem Gesetz über einen ausgewogenen
Haushalt und Defizitkontrolle - gemeinhin aufgrund seiner
Hauptbefürworter als Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz bekannt festgelegt sind.

- 3 -

�HAUSHALT - ZUSAMMENFASSUNG
(in Milliarden Dollar)
1985

1986

1987

Einnahmen

734,1

777,1

850,4

Ausgaben

946,3

979,9

994,0

Plus bzw. Minus

212,3

-202,8

-143,6

-171,9

•144,0

30,9

-0,4

Gramm-RudmanHollings-Ziele
Differenz

HAUSHALT - ZUSAMMENFASSUNG
(in Milliarden Dollar)

Einnahmen
Ausgaben
Plus bzw. Minus
1.3
Gramm-RudmanHollingsDefizitziele
0.0
Differenz

1988

1989

1990

1991

933,2

996,1

1 058,1

1 124,0

1 026,8

1 063,6

1 093,8

1 122,7

-93,6

-67,5

-35,8

-108,0

-72,0

-36,0

-14,4

-4,5

-0,2

-1,3

(Hinweis: Die Gesamtsummen beinhalten die Sozialversicherung,
die nicht zum Haushalt gehört.)
Gegen Ende der letzten Sitzung des Kongresses formte sich
ein überparteilicher Konsens heraus, daß etwas mit dem Defizit
zu geschehen habe. Das Ergebnis - Gramm-Rudman-Hollings verpflichtet sowohl den Präsidenten als auch den Kongreß zu
einem festgelegten Verfahren. Mit Vorlage dieses Haushalts
- 4-

�dieses Haushalts halte ich mich an das Gesetz und stehe zu
meinem Teil dieses Handels.
Dieses Budget zeigt zudem, daß die Beseitigung des Defizits möglich ist, ohne die Steuern zu erhöhen, ohne unsere
Verteidigungsbereitschaft in Gefahr zu bringen, ohne die legitimen Programme der Armen und Alten zu beschneiden. Eine
Steuererhöhung würde unsere wirtschaftliche Expansion gefährden und sich im Sinn ihrer Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv herausstellen. Wir können auf den
Ausbau unserer Streitkräfte nicht verzichten, ohne Verwirrung
unter Freund und Feind gleichermaßen hinsichtlich unserer Entschlossenheit hervorzurufen, unsere Verpflichtungen aufrechtzuerhalten und ohne unsere Aussichten auf sinnvolle Rüstungskontrollgespräche zu gefährden. Und ganz offen: Wir dürfen
das Vertrauen jener Armen und Alten nicht mißbrauchen, deren
Sicherheit von staatlichen Programmen abhängt.
Defizit und Wirtschaftswachstum
Bis zum Zweiten Weltkrieg war ein Gleichgewicht bzw. ein
Überschuß des Bundeshaushaltes in Friedenszeiten eigentlich
eine Selbstverständlichkeit. Doch in den frühen sechziger
Jahren begann diese Tradition staatlicher Disziplin und politischer Korrektheit zusammenzubrechen. In 24 der letzten 25
Jahre hatten wir Defizite. In den letzten zehn Jahren beliefen sie sich auf durchschnittlich 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts. Im vergangenen Jahr lag das Defizit jedoch
bei über 5 Prozent des BSP. Dieser Trend geht eindeutig in
die falsche Richtung und muß umgekehrt werden.
Das Defizit des vergangenen Jahres belief sich auf fast
1000 Dollar für jeden Mann, für jede Frau und für jedes Kind
in den Vereinigten Staaten. Um das Defizit einzig durch
Steuererhöhungen zu beseitigen, müßte man jedem amerikanischen
Haushalbt eine Steuerlast von weiteren 2400 Dollar aufbürden.
Aber die Steuern sind schon im Verhältnis zum BSP höher als
sie während der sechziger und der frühen siebziger Jahre waren
- bevor die Inflation sie auf ein Niveau hinauftrieb, das sich
als unerträglich erwies. Das amerikanische Volk hat gezeigt,
daß es eine höhere Steuerlast nicht ertragen wird. Die Ausgaben sind das Problem - nicht die Steuern -, und die Ausgaben
müssen beschnitten werden.
Das Programm der Ausgabenkürzungen und anderer, in meinem
Budget enthaltenen Reformen wird innerhalb von fünf Jahren zu
einem ausgeglichenen Haushalt führen und damit ein ernsthaftes
Hindernis aus der Welt schaffen, das einer anhaltenden wirtschaftlichen Expansion entgegensteht. Wie dieser Haushalts- 5 -

�dieser Haushaltsvoranschlag zeigt, können derlei Reformen in
geordneter Weise durchgeführt werden, ohne zu Verzweiflungstaten Zuflucht zu suchen.
Unangemessene und veraltete Programme sowie Aktivitäten,
die keine Kosteneffizienz ermöglichen, müssen eingestellt werden. Dienste, die wichtig sind, die aber nicht unbedingt vom
Staat geleistet werden müssen, können dem Privatsektor übertragen werden; sind sie ihrer Natur nach staatlich, können sie
auf bundesstaatliche oder lokale Ebene umgeschichtet werden.
Wie in dem heute von mir gleichfalls vorgelegten Managementbericht erklärt wird, kann Effizienz durch verbesserte Managementtechniken, durch erhöhte Produktivität und durch Programmkonsolidierung herbeigeführt werden.
Die Notwendigkeit der Vermeidung unnötiger staatlicher
Ausgaben und der verbesserten Behandlung notwendiger Programme
muß zu einem zwingenden Leitfaden unserer Politik werden. Ergebnis wird eine prägnantere, besser integrierte, reibungslosere Regierung sein - befreit von ihren marginalen, unwesentlichen und unangemessenen Funktionen und Aktivitäten, eine Regierung, die ihre Energien und Ressourcen gänzlich auf ihre
eigentlichen Aufgaben und verfassungsmäßigen Verantwortlichkeiten konzentriert. Damit werden die Mittel wirksamer eingesetzt - das, was der Staat am besten kann, wird der Staat tun;
das, was der Privatsektor besser kann, wird durch den Markt
erledigt werden.
Das Gesetz über einen ausgewogenen Haushalt und Defizitkontrolle (Gramm-Rudman-Hollings) erfordert, die Ausgaben im
Einklang mit einer vorgeschriebenen Formel zu verringern, wenn
die projektierten Defizite die Zielvorgaben übersteigen.
Dieser Mechanismus wird auf begrenzte Weise schon im laufenden
Haushaltsjahr funktionieren. Doch sollten wir in Zukunft
solche generellen Kürzungen vermeiden - und sie werden auch
nicht notwendig sein, wenn der Kongreß diesen Haushaltsvorschlag annimmt. Einsparungen werden besser dadurch erzielt,
daß man die relativen Prioritäten zwischen den Programmen in
Rechnung stellt, als daß man zu einer willkürlichen Formel
greift. Letzteres könnte auf gefährliche Weise vitale Programme schwächen - einschließlich der nationalen Sicherheit
oder der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit, während
weniger wichtige Programme im Wesentlichen unangetastet
bleiben.
Wenn die Ausgabenkürzungen und anderen Reformen, wie sie
in diesem Haushalt vorgeschlagen sind, genehmigt werden, wird
das Bundesdefizit im Lauf der nächsten drei Jahre um 166
Milliarden Dollar verringert werden. Dies sind etwa 700
Dollar für jeden amerikanischen Bürger und etwa 1900 Dollar
- 6 -

�1900 Dollar für jeden Haushalt. Ich bin davon überzeugt, daß
dies der richtige Weg ist, um mit dem Defizit fertigzuwerden:
Beschneidung der exzessiven staatlichen Ausgaben - und nicht
Angriff auf das Familienbudget durch Steuererhöhungen, Gefahr
der geschwächten nationalen Sicherheit oder Mißbrauch des Vertrauens der abhängigen Armen und Alten.
Bundesregierung:
stammten Rolle

Umstrukturierung und Rückkehr zur ange-

Die Aufgabe der Verminderung des Defizits muß mit einem
Seitenblick auf die Begrenzung des gegenwärtig weitgesteckten
Rahmens der Regierungsaktivitäten weiterverfolgt werden, und
unter Beteiligung aller Steuerzahler muß die Bereitstellung
sowie der reibungslose Ablauf notwendiger und grundlegender
Dienstleistungen, und nur solcher, gewährleistet werden. Dies
ist die der Konzeption des diesjährigen Haushalts zugrundeliegende Philosophie. Lassen Sie es mich Ihnen verdeutlichen:
Prog ramme, denen eine hohe Priorität zukommt, sollten angernessen finanziert werden. Trotz der sehr angespannten Finanz läge steilt dieser Haushalt Mittel zur Aufrechterhaltung,
und in m anchen Fällen zur Weiterführung, von Programmen mit
hohe r Pr iorität zur Verfügung, die in entscheidenden Bereichen
des nati onalen Interesses liegen. Notwendige Leistungen und
Zusc hüss e zum Einkommen armer und älterer Menschen werden in
dies em B udget finanziell berücksichtigt. Das gleiche gilt
auch für andere Programme von nationalem Interesse, zu denen
die Drog enbekämpfung, die AIDS-Forschung, das Raumfahrtprogram m, n ichtmilitärische Forschung und nationale Sicherheit
gehö ren.
Währe nd P rogram me zu r nationalen S iche rhei t weite rhin eine
meiner hö chst en Pri oritä ten dars teilen , bliebe n sie n icht von
den allge mein en Spa rmaßm ahmen im Haush alt vers chont. Im 1 etzten Somme r st immte ich d em Kongr eß zog ernd zu, das ge plan te
Wachstum der Hausha ltsmi ttel für Verte idig ung 1986 zu ein em
bei Null lieg enden Realw achstum zurück zusc hrau ben und dan ach
jährlich auf ein Re alwac hstum vo n 3 Pr ozen t zu begren zen. Die
Beschlüss e de s Kong resse s zu den Mitte In f ür 1 986 und die darauffolge nden Zwang smaßn ahmen du rch Gr amm- Rudm an-Holl ings für
1986 habe n de n Vert eidig ungshaus halt u nter das Vorjah resn iveau
absinken lass en. D er vo n mir un terbre itet e Ha ushalt würd e die
Finanzier ung der Ve rteid igung in ein a nhal tend es, gut ver waltetes Wac hstu msgefü ge zu rückführ en, da s mi t den Progr ammp unkten, dene n be i der Verab schiedun g des Haus halt s im letzte n
Jahr zuge stim mt wur de, v ereinbar ist u nd a uch vereinb ar m it
den Bedür fnis sen un seres Landes in bez ug a uf u nsere n atio nale
Sicherhei t.
In den letzten

�In den letzten fünf Jahren haben wir den Rückgang der Ver^
teidigungsausgaben umgekehrt und entscheidende Fortschritte
bei der Wiederherstellung unserer militärischen Fähigkeiten
erzielt. Die jetzt geforderten mäßigen Anhebungen sind notwendig, um diesen Fortschritt aufrechtzuerhalten und uns in
die Lage zu versetzen, weiterhin sinnvolle Abrüstungsverhandlungen mit der Sowjetunion zu führen.
Unnötige Programme können wir uns nicht länger leisten.
Einige Regierungsprogramme sind jetzt überholt, haben ihren
ursprünglichen Zweck erfüllt, stellen ein ungeeignetes Feld
für Einmischung seitens der Bundesregierung dar oder sind bei
der momentan angespannten Haushaltslage zu unwesentlich. Es
wäre weder für den Privatsektor noch für die Regierung des
Bundes oder der Einzelstaaten angebracht oder durchführbar,
solche Aufgaben zu übernehmen: Dieser Haushalt schlägt vor,
daß Programme dieser Art sofort abgesetzt werden, planmäßig
auslaufen oder bei Ablauf ihrer gesetzlichen Bewilligung abgeschlossen werden. Beispiele hierfür sind Existenzgründungsprogramme, Zuschüsse zur Eisenbahngesellschaft Amtrak, Stadtentwicklungsdarlehen, die Kommission für die AppalachenRegion, die Wirtschaftsentwicklungsbehörde, das Bundesamt für
den Binnenverkehr, Garantien für Darlehen an die Marineverwaltung, Fortbildungszuschüsse für Angestellte im Gesundheitswesen, das Programm für ein leistungsabhängiges Lohnsystem, Zuschüsse für Flugzeugträger.
Viele andere Programme sollten auf ein angemesseneres Niveau zurückgeführt werden. Einige Bundesprogramme sind zu
sehr ausgeweitet oder mangelhaft durchgeführt worden oder sie
arbeiten angesichts der angespannten Haushaltslage auf einer
zu breit angelegten Basis. Dieser Haushalt schlägt Reformen
vor zur Kostendämpfung und zur künftigen Wachstumsbeschränkung
für Medicare und Medicaid, Wohngeld, Beamtenpensionen und
Krankenkassenleistungen, für Zuschüsse im Fernmeldewesen, für
Bundesautobahnen, das Forstwesen und viele andere Programme.
Die Regierung sollte nicht mit dem Privatsektor in den
Wettbewerb treten. Traditionell stellen Regierungen die Art
von benötigten Dienstleistungen zur Verfügung, die der freie
Markt nicht liefern kann. Mit den Jahren hat die Bundesregierung sich jedoch in stärkerem Maße kommerziellen Aktivitäten gewidmet. In den meisten Fällen wäre es für die Regierung
besser, aus dem Geschäft auszusteigen und den Wettbewerb mit
dem Privatsektor zu beenden. Ich schlage vor, daß wir den
Prozeß mit diesem Haushalt beginnen. Beispiele dieser Initiativen zur "Privatisierung" im Haushalt schließen den Verkauf
der Energie-Marketing-Behörde und der Treibstoffreserve für
die Schiffahrt ein sowie die Durchführung von Programmen für
Wohn- und Ausbildungsdarlehen. Ich schlage weiterhin den Ver- 8 -

�Ich schlage weiterhin den Verkauf nicht benötigter Vermögenswerte vor, wie zum Beispiel der Kreditplafonds und überschüssiger Immobilien, sowie Vergabe von Verträgen an Privatfirmen
zur Ausführung von geeigneten Dienstleistungen des Bundes.
Manche Dienstleistungen können besser von den Regierungen
der Bundesstaaten oder Gemeindeverwaltungen zur Verfügung gestellt werden. Mit den Jahren hat die Bundesregierung viele
Aufgaben übernommen, die normalerweise auf der Ebene der Einzelstaaten oder Gemeinden erledigt werden sollten. Dieser
Haushalt sieht ein Ende der ungerechtfertigten Einmischung der
Bundesregierung in Angelegenheiten der Einzelstaaten oder Gemeinden vor und die Wiederherstellung eines ausgewogeneren und
der Verfassung angemessenen Föderalismus mit klarer vorgezeichneten Rollen für die einzelnen Regierungsebenen. Die
Beispiele schließen die Verschmelzung vergleichsweise kleiner
Zuschussprogramme zu einem Zuschuss-Paket für das Verkehrwesen
und den Umweltschutz ein, zu gedrosselten Bundeskosten. Die
weitere Finanzierung der bereits bestehende Zuschusspakete für
soziale Dienste, das Gesundheitswesen, die Aus- und Fortbildung sowie die Entwicklung der Gemeinden wird aufrechterhalten.
Die Verwaltung der Beratungsdienste für landwirtschaftliche Betriebe sollte den Regierungen der Einzelstaaten und
Gemeinden überantwortet werden. Die Bundesregierung sollte
ferner davon Abstand nehmen, für Abwasser-Aufbereitungsanlagen
der Gemeinden, lokale Flughäfen, lokale Verbrechensbekämpfung,
Unterstützung der Seefahrtschulen in den Bundesstaaten und die
örtliche Küstenverwaltung zu bezahlen.
Die verbleibenden Aufgabenbereiche der Bundesregierung
sollten besser gelenkt werden. Mit dem fortschreitenden Abbau
des Defizits in den nächsten paar Jahren ist es wichtig, daß
alle verbleibenden Aktivitäten des Bundes gut geleitet und koordiniert werden, um doppelte Ausgaben zu vermeiden, Kosten zu
dämpfen und die dem Privatsektor auferlegte Vorschriftenlast
auf ein Minimum zu beschränken. Die Effizienz des Managements
muß den Prozeß der Entwicklung einer enger gefaßten, fester
umrissenen Rolle der Bundesregierung begleiten. Wir können
uns nicht länger einen unnötigen Kostenapparat und Leistungsunfähigkeit leisten, wenn wir die Rolle und die Kosten der
Bundesregierung zurückschrauben wollen.
Mit der Verfügung des Gesetzes zur Defizitverringerung von
1984 wurden erhebliche Einsparungen im Kostenapparat erreicht.
Wie in meinem Management-Bericht erwähnt, sind weitere Einsparungen möglich und die entsprechenden Punkte in diesen Haushalt eingearbeitet. Überholte und wenig leistungsfähige Systeme von Betriebskosten und Kreditwirtschaft der Behörden
werden ausgewechselt; Grundsätze und Verfahrensweisen der Ver- 9 -

�Verfahrensweisen der Verwaltung, deren Umgang mit automatischer Datenverarbeitung und die Struktur ihrer Arbeitsbereiche werden rationalisiert und verbessert; Verschwendung,
Betrug und Mißbrauch hingegen werden weiter eingeschränkt.
All diese Initiativen, die bereits einen Teil unserer Reformpläne für 1988 ausmachen, werden sich Grundsätze modernen Managements, verbesserte Kommunikationstechnik und neue Informationstechnologie zunutze machen. Wir werden die Bundesregierung wie einen Gewerbebetrieb führen, die Ausführung von
Dienstleistungen verbessern und die Last der Steuerzahler abbauen.
Die Verwaltung der Bundesbehörden soll durch die Anwendung
von strafferer Personalpolitik, Automatisierung von manueller
Arbeit, Zusammenlegung einander ähnlicher Prozesse und die Reduzierung der allgemeinen Verwaltungskosten leistungsfähiger
gestaltet werden. Zur Zeit läuft gerade ein Programm, daß für
das Jahr 1992 eine 20 prozentige Produktivitätssteigerung bei
den entsprechenden Regierungsstellen zum Ziel hat. Es wird
eine der Hauptanstrengungen sein, unserer altmodisches Management im Hinblick auf einen Kreditrahmen des Bundes von 250
Milliarden Dollar aufzupolieren. Diese Bemühungen werden die
Einrichtung von Vorauswahlverfahren, den Gebühreneinzug, Verwaltungs- und Strafgebühren, den Gebrauch von Einzugsbehörden,
die Belegung mit entsprechenden Zinssätzen und den Verkauf von
Anleihen einschließen.
Unser Programm zur Verbesserung des Managements wird eine
kompaktere und leistungsfähigere Struktur des Bundes zum Ziel
haben und es wird in meinem, gesondert vorzulegenden Management Bericht genauer beschrieben. Der Verbesserung des Managements der Bundesregierung muß eine entscheidende Rolle beigemessen werden und sie muß den Vorrang genießen, den sie verdient.
Wir müssen ferner unnötige Kosten und Lasten des nicht dem
Bund unterstehenden Sektors einschränken, und wir haben bereits entscheidende Fortschritte dabei erzielt, die den Betrieben, Einzelstaaten und Gemeinden auferlegten Kosten durch
Beschlüsse der Bundesregierung zu senken. Diese Einsparungen
werden über einen Zehnjahres-Zeitraum hinweg auf einen Gesamtbetrag von 150 Milliarden Dollar geschätzt. Wir haben die Anzahl neuer Vorschriften mit jedem Jahr, das ich im Amt bin,
verringert, und wir haben die Erfordernisse zum Ausfüllen von
Formularen um 500 Millionen Stunden gekürzt. Darüber hinaus
werden Vorschriften nun dahingehend entwickelt, daß sie der
Öffentlichkeit den größtmöglichen Schutz zu den niedrigsten
Kosten bieten und, wo immer es möglich ist, Marktstrategien
anwenden anstatt gegen sie zu arbeiten.
Schließlich sollten
- 10 -

�Schließlich sollten die Nutznießer von Dienstleistungen
für diese, wenn möglich, Gebühren entrichten. Diejenigen, die
von der Bundesregierung besondere Zuschüsse und Dienstleistungen erhalten, sollten sie auch bezahlen und nicht der
Steuerzahler schlechthin. Gemäß diesem Vorschlag setzt dieser
Haushalt Gebühren und Prämien für die von der Bundesregierung
übernommenen Garantien für Anleihen fest und erhebt zur Gesundung der Bundesregierung Gebühren für die Fleisch- und Geflügelbeschau, forstwirtschaftliche Einrichtungen und Nationalparks, die Benutzung von Häfen und Binnengewässern, Küstenwache und Zollabfertigung sowie für viele andere Dienstleistungen .
Reform der Durchführung des Haushalts
Mit den Jahren sind die einzelnen Ausgabenbestandteile des
Bundeshaushalts immer vordringlicher geworden. Teilweise wegen ihrer starken Befürwortung war der Kongreß immer weniger
in der Lage, seinen Haushaltsverpflichtungen nachzukommen.
Die Behandlung des Haushalts im Kongreß ist in Gefahr, fehlzuschlagen; im letzten Jahr ist sie wiederholt gescheitert.
Die Verabschiedung des Haushalts und entsprechender Gesetzesvorlagen kam Monate zu spät und somit wurden wenige echte Reduzierungen des Defizits erreicht.
Gramm-Rudman-Hollings bietet bedeutende Möglichkeiten,
diese Probleme in Zukunft zu vermeiden. Dieses Gesetz legt
nicht nur Defizitziele zur Erreichung eines ausgewogenen Haushalt im Jahr 1991 fest, sondern es hält auch einen Mechanismus
für automatische Ausgabenkürzungen bereit und beinhaltet bestimmte Reformen bereits in der Phase der Behandlung des Haushalts. Aber in diesem Punkt geht Gramm-Rudman-Hollings nicht
weit genug. Um der klaren Anforderung einer größtenteils gestärkten Behandlung des Haushalts entgegenzutreten, schlage
ich eine Reihe von zusätzlichen Reformmaßnahmen vor.
Wie schon einmal, so bitte ich jetzt den Kongress, der
Verfassung einen Zusatz für einen ausgewogenen Haushalt hinzuzufügen. Darüber hinaus fordere ich auch weiterhin die Verabschiedung eines selektiven Vetos, eine Vollmacht, die bereits
A3 Gouverneure unserer Nation besitzen. Ich dränge ferner
darauf, für 1988 und darüber hinaus, den Beschluß des Haushalts in einen gemeinsamen Beschluß zu ändern, der der Unterschrift des Präsidenten und der Aufstellung verbindlicher Ausgabenkategorien bei der Verabschiedung der Gesamtsumme des
Haushalts bedarf. Ich dränge darauf, daß Vorschläge für mehrjährige Maßnahmen und die Entwicklung eines positiven Haushalts Gegenstand ernsthafter Untersuchungen werden. Wie ich
bereits wiederholt betont habe, gibt es keinen Staat in unse- 11 -

�in unserem Bund, der nicht eine bessere Art der Durchführung
des Haushalts hätte als die Bundesregierung. Wir können - und
müssen - es besser machen.
Zusammenfassung
Wie ich gestern in meiner Ansprache an den Kongress gesagt
habe, ist die Lage der Nation gut und wird immer besser. Wir
hatten eine Reihe von außergewöhnlich guten Jahren und unserer
Wirtschaft geht es gut, während die Inflation kontrollierbar
wird. Wirtschaftswachstum und Investitionen steigen, während
Zinssätze, Steuern und Arbeitslosigkeit beträchtlich gesunken
sind. Unsere nationale Sicherheit wird wiederhergestellt.
Der Anwendung unnötiger und lästiger Bundesvorschriften wurde
Einhalt geboten. Es wurde ein bedeutsamer Anfang gemacht, um
das ausufernde und nicht aufrechtzuerhaltende Wachstum der Inlandsausgaben einzuschränken. Die Verbesserung der Regierungsverwaltung genießt hohen Vorrang und zeigt erste Ergebnisse. Ich denke, daß die meisten Amerikaner zustimmen würden, wenn ich sage, daß Amerika wirklich dabei ist, in Bewegung zu geraten.
Das große und hartnäckig anhaltende Haushaltsdefizit steht
wie eine dunkle, bedrohliche Wolke am Horizont. Sie bedroht
unseren Fortschritt und unsere Hoffnungen auf ein anhaltend
gesundes Wirtschaftswachstum.
Der Kongreß hat diese Bedrohung erkannt. Er hat für die
nächsten fünf Jahre eine schrittweise, geordnete Bewegung hin
zu einem ausgewogenen Haushalt angeordnet. Die Vorschläge in
diesem Haushalt stellen einen Entwurf zur Erreichung dieses
Ziels dar, während die berechtigten Programme für die Alteren
und Bedürftigen erhalten werden, für unsere nationale Sicherheit gesorgt wird, und all das, ohne unsere Steuern anzuheben.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß es für gewählte Regierungsvertreter schwierig sein wird, die in diesem Haushalt
vorgesehene schwere Wahl zu treffen. Aber wir müssen den politischen Willen entwickeln, unseren Verantwortlichkeiten
nachzukommen und uns den Bitten von einzelnen Interessen widersetzen, deren "Zeitalter der Macht" in Washington ein Ende
haben muß: es kann nicht länger von den Steuerzahlern erwartet
werden, deren Lasten mitzutragen. All dies fordert hohe Führungsqualitäten. Wir müssen uns alle der Tatsache bewußt
sein, daß das Problem des Defizits auch eine Chance darstellt
- die Chance, eine neue, kompaktere, besser ausgerichtete und
gelenkte Struktur des Bundes zu erreichen. Packen wirs an.
Ich freue mich
- 12 -

�Ich freue mich darauf, mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten
und diesen großartigen Herausforderungen zu begegnen. Darin
besteht unsere Arbeit. Lassen sie sie uns gemeinsam fortführen.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
'^QN

Dokumentation

*

12. Februar 1986

DEMOKRATIE UND KULTUR
- Von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten Staaten
von Amerika
in der Bundesrepublik Deutschland -

BONN - (AD) - In einer Rede anläßlich einer Feier zum
Jacob-Gould-Schurman-Tag und zum 600. Jahrestag der Gründung
der Ruprecht-Karl-Universität in Heidelberg sprach der amerikanische Botschafter Richard R. Burt am 8. Februar 1986 über
die engen kulturellen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten. Dabei betonte er,
daß die engen Bindungen zwischen beiden Ländern sich nicht nur
auf Sicherheitsinteressen, sondern auch auf gemeinsame kulturelle Werte und demokratische Überzeugungen gründen. Außerdem
verwies er auf die besondere Bedeutung der Universität Heidelberg für die Amerikaner.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine Ehre, heute im 600. Gründungsjähr dieser
Universität bei dieser Feier zu Ihnen zu sprechen und dabei
der Rolle zu gedenken, die Jacob Gould Schurman in der neueren
Geschichte der ältesten deutschen Universität spielte.
Ich freue mich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ich freue mich darüber, mit den Leitern drei der größten
amerikanischen Universitäten diesen Gedenktag gemeinsam zu begehen: Präsident Rhodes von der Cornell Universität, deren
langjähriger Präsident Botschafter Schurman war und an der ich
selbst mein Examen abgelegt habe, Präsident Silber von der
Universität Boston und Kanzler Massey von der Universität
Maryland.
Wir fühlen uns heute alle geehrt durch die Anwesenheit des
Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich
Genscher. Er leistete im vergangenen Jahrzehnt einen unvergleichlichen Beitrag zur Stärkung der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland.
Gleichzeitig arbeitete er an der Errichtung eines stärkeren,
vereinteren und zuversichtlicheren Europas. Als Ergebnis davon ist heute die transatlantische Partnerschaft gesünder,
kräftiger und reifer als jemals in ihrer bisherigen Geschichte,
Die Universität Heidelberg
Diese Universität hat für Amerikaner eine besondere Bedeutung. Zu ihren Lehrern gehörten so bedeutende Humanisten wie
Weber und Troeltsch und so berühmte Naturwissenschaftler wie
Kirchhoff und Helmholtz. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg
schätzte sie sich glücklich, auch die beiden großen Philosophen Jaspers und Gadamer zu ihren Lehrern zu zählen.
Heidelberg ist schon seit langem einer der intellektuellen
Mittelpunkte Deutschlands und der Welt.
Viele dieser Geistesgrößen - besonders Max Weber, der seine größten intellektuellen Leistungen zu der Zeit erbrachte,
als er dem Heidelberger Lehrkörper angehörte - übten in unseren beiden Ländern einen großen Einfluß aus. Wir verstehen
heute Geschichte, politische Wissenschaften oder Soziologie
nur dann richtig, wenn wir uns Max Webers großer Errungenschaften in all diesen Disziplinen bedwußt sind.
Heidelberg war auch die erste deutsche Universität, die
nach dem Zweiten Weltkrieg wieder geöffnet wurde, und wir Amerikaner können stolz darauf sein, die entsprechenden Bemühungen unterstützt zu haben.
Lassen Sie mich noch ganz herzlich Dank sagen. Diese Universität und diese Stadt hießen Generationen amerikanischer
Besucher willkommen, darunter einige unserer berühmtesten Bürger. Der durchreisende Thomas Jefferson bewunderte das Heidelberger Schloß; Henry Wadsworth Longfellow verbrachte hier einige Zeit und wurde durch diesen Aufenthalt erheblich beeinflußt; Mark Twain kämpfte hier mit der deutschen Sprache. Ich
- 2 -

k

�Sprache. Ich verstehe jetzt, was er durchgemacht haben muß.
Carl Friedrich wurde nach seinem Studium in Harvard ein berühmter Professor für Verfassungsrecht und spielte beim Entwurf des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland eine entscheidende Rolle. Danach lehrte er sowohl hier als auch in
Harvard - ein bemerkenswertes Beispiel des deutsch-amerikanischen Kulturaustausches. Tausende amerikanischer Studenten
wurden bereits in diesen Räumen willkommen geheißen und haben
hier ihre Studienjahre genossen, viele andere amerikanische
Besucher sind bereits dem Charme dieser Stadt verfallen und es
kommen jedes Jahr mehr dazu.
General Otis und ich danken ganz besonders Herrn Oberbürgermeister Zundel und auch Ihnen für Ihre Gastfreundschaft gegenüber den etwa 30 000 amerikanischen Militärangehörigen in
Heidelberg. Ich möchte, daß Sie wissen, wie sehr wir Ihre
Hilfe schätzen.
Schließlich bin ich Ihrer Universität und Ihrer Stadt auch
sehr dankbar für die großzügige Unterstützung durch die Schurman-Gesellschaft und für die gemeinsame Unterstützung des
Deutsch-Amerikanischen Instituts in Heidelberg, das inzwischen
einen wesentlichen Bestandteil des kulturellen Lebens dieser
Universität und der Stadt Heidelberg ausmacht.
Jacob Gould Schurman
Über Jacob Gould Schurman ist hier und heute viel gesprochen worden. Einige Abschnitte seiner Laufbahn scheinen mir
jedoch für uns besonders relevant zu sein. Schurman war ein
Produkt unserer gemeinsamen westlichen Kultur. Er verbrachte
sein Leben in Kanada, den Vereinigten Staaten, Schottland,
England und Deutschland und leistete zu jedem dieser Länder
einen Beitrag. Zweitens war er ein Selfmademan und glaubte
fest an Individualismus, Eigeninitiative und Arbeitsmoral.
Drittens war Schurman ein Philosoph: er war der Gründer einer
philosophischen Schule in Cornell, danach für 28 Jahre deren
Präsident, und erst danach war er Diplomat und Staatsmann. Er
war sowohl ein Mann des Geistes als auch ein Mann der Tat.
Als der große Politiker und Philosoph Thomas Jefferson daran
ging, seine eigene Grabinschrift zu schreiben, wollte er nicht
sein Andenken als Gouverneur von Virginia und Präsident seines
Landes gewahrt wissen, sondern als "Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, der Statuten Virginias für Religionsfreiheit
und Gründungsvater der Universität Virginia". Ich nehme an,
daß Schurman vielleicht ähnlich über den Wert seiner eigenen
Leistung gedacht hat.
Viertens bekundete
- 3 -

�Viertens bekundete Schurman seine Loyalität als ehemaliger
Student der Universität gegenüber, indem er eine halbe Million
Dollar von privaten amerikanischen Spendern für ein neues Universitätsgebäude sammelte. Er zeigte damit, wieviel ein einziger tatkräftiger Ehemaliger für die Ankurbelung einer Spendenaktion für seine Universität tun kann. Schurman blieb nur
ein Studienjahr lang an dieser Universität, aber wir gedenken
heute der großen Taten, die er für seine Alma Mater vollbracht
hat.
Und schließlich erkannte Schurman, wie auch die meisten
Amerikaner, bei zwei Gelegenheiten - einmal nach seinem starken Widerstand gegen die deutsche Regierung während des Ersten
Weltkriegs, und danach gegen Hitler und all dessen Untaten -,
daß es nach einer Zeit der Zwietracht auch wieder eine Zeit
der Versöhnung geben würde. Er war ein großer Amerikaner, ein
guter Botschafter in Deutschland, ein großer Sohn der Heidelberger und der Cornell-Universität.
Ich danke dieser Univers ität un d besonder s auch Pro fessor
Junke r, der he ute mor gen zu Ihnen ü ber B otsch after Schu rmans
Laufb ahn gespr ochen h at, für die Be mühun gen, Heidel berg zu einem Z entrum de s Studiums ame rikanis eher Gesch ichte und Kultur
zu ma chen. Ic h begrü ße beso nders d ie Er rieht ung de r Schurman
Bibli othek zur amerik anische n Gesch ichte und ihre B emüh ungen,
in un seren bei den Län d e m di e Geldm ittel zu i hrem erfo igreich en Betrie b aufzu bringen . Ich bin, siehe r mit Ihne n zusamme n, Herrn Bundesk anzler Dr. Hei mut K ohl, selbst ehe maliger
Stude nt dieser Univer sität, dankbar , daß er d en Ehr envo rsitz
des K omitees z ur Besc haffung finanz ielle r Mit tel fü r die Biblioth ek überno mmen ha t. Ich selbst bin glück lieh d arüb er, Ihnen h eute mitt eilen z u könne n, daß wir m it ei nem fi nanz iellen
Beitr ag und ei nem grö ßeren B ücherge sehen k zum Ausba u de r histori sehen Bes tände d ieser B ücherei beit ragen . Wir möc nten in
Zukun ft noch m ehr Hil fe leis ten.
Kulturprobleme der Gegenwart
Der Kult urausta usch zwisc hen un seren beiden L ändern hat
viel da zu be igetrag en, unsere gemei nsamen Uberzeu gungen zu
stärken . Wir alle kenn en die beruh mten D eutschen , deren Beiträge d en Am erikane rn h alfen, ihre Vorher rschaft auf den Gebieten der W issensc haft , der Bildun g und der Geis teswissenschafte n zu erlange n - Albert Einst ein, d ie Philo sophin Hannah
Arendt, der Dirigen t Br uno Wa lter, die Ba uhaus-Ar chitekten
Walter Gropi us und Mies van d er Roh e. Un d wir so U t e n nicht
John Pe ter Z enger v erge ssen, den Dr ucker und Verl eger, der vor
200 Jah ren d en Aufb au u nserer ameri kanisc he Tradi tion der
Pressef reihe it mitg esta ltete, ohne die es für ech te Kultur
keine A usdru cksmögl ichk eit ge ben ka nn.
Auf der anderen
- 4 -

�Auf der anderen Seite zeigt sich in vielen Fällen die Rolle Deutschlands bei der Bereitung des Nährbodens für herausragende kulturelle Leistungen in Amerika - Namen wie George
Bancroft, Lionel Feininger und W.E.B. du Bois drängen sich uns
auf. Heute leisten viele Amerikaner als Schauspieler und
Künstler, als Studenten und sogar als Manager in der Kunstszene ihren Beitrag - es gibt zum Beispiel bekannte Amerikaner,
die in Städten wie Frankfurt, Hamburg und Stuttgart Orchester
dirigieren sowie Opern und Ballettaufführungen inszenieren.
Nicht zuletzt auch bereisen jedes Jahr Hunderte unserer Studenten, Gelehrten und Künstler unsere beiden Länder und vermitteln und empfangen dabei ein sehr persönliches Verständnis
des Universalismus unserer gemeinsamen Kultur.
Die Bindungen zwischen dieser Universität und meinem Land,
wie auch die Karriere von Jacob Gould Schurman, demonstrieren
die große Offenheit unserer beiden Gesellschaften, die die
Quelle unserer fortdauernden Lebenskraft ist. Der Begriff
Universität selbst weist auf die Universalität des geistigen
Horizontes hin, den ständig zu erweitern Sinn und Zweck von
Institutionen wie der Ihrigen ist. "Ich bin ein Mensch",
schrieb der römische Dichter Terenz, "und nichts Menschliches
ist mir fremd." Und doch ist dieses Prinzip der Universalität
oft in Frage gestellt worden, wurde der Rahmen äußeren Einflusses manchmal beschnitten und hat sich bisweilen eine enger
definierte kulturelle Sicht durchgesetzt.
Der Wettstreit zwischen Weitläufigkeit und Engstirnigkeit,
zwischen internationaler und nationaler Kultur, existiert in
der einen oder anderen Form mindestens seit dem Zusammenbruch
des Römischen Reiches.
Meine eigenen Landsleute, die lange auf die amerikanische
Tradition des "Schmelztiegels" - und dessen Fähigkeit zur Absorption von Angehörigen verschiedener Völker und Kulturen stolz waren, betonen in letzter Zeit erneut die Notwendigkeit,
auch das Erbe der einzelnen Völkergruppen - der Spanier, der
Asiaten, der Schwarzen, der amerikanischen Urbevölkerung wie
auch der Europäer - zu bewahren, die in ihrer Gesamtheit die
Struktur unserer Nation ausmachen. Umgekehrt war Deutschland
lange Zeit ein Land, wo das Konzept von Kultur und Nation oft
synonym schien. Und doch ist die Bundesrepublik Deutschland
heute zu einem Land geworden, dessen Gesellschaft eine der offensten dieser Welt ist.
In unseren beiden Ländern dauert die Debatte zwischen jenen, die das außergewöhnliche Element einer nationalen Kultur
bewahren möchten, und denjenigen an, die neue Elemente aus anderen Quellen miteinbeziehen wollen. Letztlich gibt es jedoch
kein vollkommenes Gleichgewicht zwischen Bewahren und Erneu- 5 -

�und Erneuern, zwischen Stolz auf das eigene Erbe und Offenheit
gegenüber den Ideen anderer. Aus meiner Sicht heraus ist jedoch eine offene Gesellschaft fast immer auch eine optimistische Gesellschaft, eine pluralistische und demokratische Gesellschaft, eine rationale Gesellschaft - und eine Gesellschaft, in der das kulturelle Wachstum fest verwurzelt ist.
Gesellschaften jedoch, die es aus übertriebenem Stolz auf
ihre vermeintliche Einzigartigkeit vorziehen, sich Einflüssen
von außen zu widersetzen, neigen zu Pessimismus, zu autoritären Strukturen und zu Irrationalismus, wobei die bestehende
Fähigkeit zur kulturellen Erneuerung oft nur eine schmale
Grundlage hat und nur begrenzte Wirkung erzielt.
Unter Offenheit verstehe ich eine Bereitschaft, das Beste
anderer Kulturen zu akzeptieren - das heißt, die Anerkennung
der Tatsache, daß die Kultur bei all ihren nationalen Wurzeln
auch das Beste von dem mit einbeziehen sollte, was andere Nationen oder Gesellschaften anzubieten haben.
0 ffenhe it ge genu ber äu ßerem Einflu ß bed eutet nicht , alle
Wertu rteile aufz ugeb en und sich einem völli gen Re lativ ismus
hinzu geben, der davo n ausg eht, alle Ku lture n oder alle Ideen
seien gleic h gut . Vielmeh r beinhaltet eine solch e Offenheit
die B ereits chaft , anzuerke nnen, daß ma nche Mensch en ma nchmal
in di esem o der j enem Berei ch di e besseren I deen h aben. Wenn
man z u dies er Ei nsic ht gel angt ist, da nn so U t e n diese neuen
Betra chtung sweis en a uch au f irg endeine Art Teil d er ei genen
Kultu r werd en. Offe nheit sollt e aber auch nicht zur S chaffung
einer einzi gen h omog enen "Weltk ultur" führe n, der es a n lokalern o der ge schic htli ehern I nhalt gebric ht. Offenh eit k ann
vielm ehr un sere nati onalen Kult uren da durch stärk en, d aß an
ander em Ort Gewa chse nes er folgr eich ge kreuz t wird , wäh rend die
überk ommene n Wur zeln bewah rt we rden.
Wie ich schon sagte, verbindet man oft drei Eigenschaften
mit offenen Kulturen: Rationalismus, Optimismus und Demokratie. Unter Rationalismus verstehe ich, daß der Mensch sich
hauptsächlich durch Vernunft, nicht durch Gefühl leiten lassen
kann und sollte. Genauer gesagt, bedeutet Rationalismus meiner Überzeugung nach, daß die Meinung des Menschen in bezug
auf Politik und sein Urteil hinsichtlich Kultur am besten
durch seinen Verstand gelenkt werden - und nicht durch Emotionen.
Unter Optimismus verstehe ich unsere gemeinsame Überzeugung, daß die Menschen sich - gemeinsam wie individuell - rational verhalten und dadurch große Gesellschaften und kulturelle Leistungen hervorbringen können und ihren eigenen Frieden, ihre Sicherheit und ihren Wohlstand sichern.
Ich bin mir
- 6 -

�Ich bin mir durchaus bewußt, daß viele nur mit Mühe an einen solchen Optimismus glauben können - angesichts der Drohung
nuklearer Zerstörung, des Kriegslärms in der Dritten Welt, angesichts der Schrecken in Uganda, des klerikalen Faschismus in
Iran, der sowjetischen Zwangsarbeitslager und der Gewalt in
Südafrika.
Ich bin mir auch der Tatsache bewußt, daß ich mich dadurch
dem Argument aussetze, daß einige der größten Leistungen in
moderner Kunst, Literatur, Musik, Theater und Ballett unserer
Zeit mehr das Ergebnis von Sinn für Romantik und Entfremdung Sinn des Sichwidersetzens gegen die herrschende Strömung - als
von Vernunft sind. Diese Ansicht wurde erst kürzlich wieder
mit Nachdruck in einer Debatte auf dem Internationalen PEN
Kongreß in New York vertreten, die große Resonanz fand. Das
Thema der Debatte war die Entfremdung. Es ging um die Frage,
ob die Entfremdung die grundlegende Quelle der künstlerischen
Inspiration sei. Mehrere international bekannte Künstler haben dem Argument zugestimmt - wie auch dem Argument, daß die
Hauptaufgabe eines Künstlers darin besteht, das System anzugreifen, unter dem er lebt.
Sicherlich ist Innovation die raison d'etre des Künstlers,
und geistige Unabhängigkeit ist daher eine grundlegende Vorbedingung. Aber der Parthenon, die Kathedrale von Chartres und
die Sixtinische Kapelle sind kaum Monumente der Entfremdung.
Leonardo da Vinci, Michelangelo, Shakespeare und Goethe waren
keine Gegner des Establishments. Sogar die großen Äußerungen
des Protests von Voltaire, Rousseau, Zola und Steinbeck sind
die Werke von Menschen, die an eine bessere Welt glaubten und
die an ihrem Aufbau mitarbeiteten.
Die Diskussion des PEN-Kongresses über Entfremdung und Gegenkultur war zugleich eine Debatte zwischen Optimisten und
Pessimisten, zwischen den einen, deren zuversichtlicher Blick
einer besseren Welt galt, und den anderen, die vor sich ein
Bild der Unterdrückung, der zerstörten Umwelt und schließlich
der nuklearen Katastrophe hatten.
Man ist versucht, diese unterschiedlichen Denkansätze mit
den vertrauten Konzeptionen vom Zynismus der Alten Welt und
der Hoffnung der Neuen Welt in Verbindung zu bringen - mit dem
amerikanischen Selbstvertrauen hier und dem "Europessimismus"
dort. Ich bin aber lang genug in diesem Land gewesen, um zu
wissen, wie falsch diese Karikatur ist. Ich bemerke hier genau wie in Amerika - ein neues Gefühl des Selbstvertrauens
und des Optimismus, was die Zukunft anbelangt.
Erst vor drei Wochen habe ich hier den Heidelberger Technologiepark besucht, der in großem Maß Ergebnis der unermüd- 7 -

�der unermüdlichen Arbeit und Phantasie von Herrn Oberbürgermeister Zundel ist. Dabei hatte ich Gelegenheit, einiges dazuzulernen und die Erregung mitzuerleben, die von einer ganzen
Reihe wichtiger neuer Projekte ausging. Ich war zum Beispiel
höchst beeindruckt von der Arbeit Dr. Christian Birrs, der mir
die erheblichen Fortschritte beschrieb, die im Bereich der
Krebsforschung gemacht werden - Fortschritte, die die Hoffnung
erwecken, daß im kommenden Jahrzehnt die verheerenden Auswirkungen dieser Krankeit dramatisch zurückgedrängt werden.
Dies ist nur ein Beispiel für die Art und Weise, in der
das Zusammenwirken von Universität und Gesellschaft die Möglichkeiten des Menschen erweitert. In der entwickelten Welt
leben die Menschen heute länger, sicherer und in größerem
Wohlstand, in einer saubereren, gesünderen und attraktiveren
Umwelt als ihre Vorfahren. Die Wissenschaften - einschließlich der Sozialwissenschaften wie Wirtschaftswissenschaften,
Politologie und Soziologie - bieten uns die Möglichkeit, auch
das Schicksal unserer Kinder weiter zu verbessern.
Die kürzliche Tragödie der Raumfähre CHALLENGER ist eine
Mahnung dafür, daß die Wissenschaft Möglichkeiten, aber keine
Gewißheiten bietet, daß die Risiken der Forschung reduziert,
nicht aber aus der Welt geschafft werden können. Die Reaktion
meines Präsidenten und meines Landes hierauf besteht darin,
daß unser Trachten und Streben dem gewidmet bleibt, wofür auch
die CHALLENGER an den Start ging. Wir sind, wie Präsident
Reagan sagte, eine Nation der Entdecker. Und wir sind eine
Nation, die von Entdeckern - von europäischen Entdeckern - gegründet wurde und in der sich Entdecker aus allen Erdteilen
ansiedelten. Die Trauer- und Mitleidsbekundungen von Regierungen und Menschen aus allen Ländern zum Verlust der
CHALLENGER sind ein Beweis dafür, wie universell dieser Drang
nach Forschung und Entdeckung ist. Er ist meiner Meinung nach
in der Bundesrepublik Deutschland genau so stark wie in meinem
eigenen Land, und es ist dieses Gefühl von Hoffnung und Zuversicht, das es mir ermöglicht, mich jenen anzuschließen, die
mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
Mit Offenheit und Zuversicht gehen Pluralismus und Demokratie Hand in Hand. Offenheit bedeutet die Möglichkeit der
Wahl, die Demokratie garantiert sie.
Unsere Regierungen sind beide ihrer Natur nach demokratisch und föderalistisch, wobei die höchsten Gerichtshöfe Gesetze für verfassungswidrig erklären können, und daher der
Wille des Volkes durch das Gesetz begrenzt und von einer dezentralisierten Regierungsform verwirklicht wird. Das ist
nicht überraschend, denn unsere beiden politischen Systeme
wurden von Männern entworfen, die die Lektionen der Tyrannei
- 8 -

�der Tyrannei sowie der Schwäche und Entscheidungsunfähigkeit
von Regierungen gelernt hatten - wobei letzteres für Sie in
der Weimarer Republik gilt und für uns für die Zeit zwischen
der Erringung unserer Unabhängigkeit und der Ratifizierung unserer Verfassung. Keiner von uns, glaube ich, behauptet, daß
sein System vollkommen sei. Aber die überwältigende Mehrheit
unserer Bürger ist davon überzeugt, daß die Demokratie einem
autoritären Regierungssystem vorzuziehen ist und daß wir mit
unserer jeweiligen Verfassung ein Mittel gefunden haben, diese
Demokratie zu wahren und zu fördern.
Mein A rgum ent war ebe n, d aß e ine Gese Ilse haft, die äußeren
Einf lüssen geg enüb er abge schl osse n is t, o ft z u Pes simis mus,
Irra tional ismu s und Autor itar ismu s neigt. Si cherl ich h at insbeso ndere die Gesc hichte des 20. Jahr hund erts geze igt, daß
Chau vinism us i n se iner ex trem sten For m zu m Sc hlimm sten, zu Totali tarism us u nd z u Unmen schl ichk eit führ t - zu Un terdr ückung,
Armu t, Düs tern is u nd Mani pula tion im poli tisc hen G emein wesen,
Wirt schaft und Kul tur, wo bei die erst en, die verni chtet werden, jene Inte llek tuellen sin d, d eren uto pisc he Tr äume sie anfang lieh a 11 d ies unterst ütze n li eß. Wir ken nen d ie Fo igen:
Mill ionen gefo Iter t, eing eker kert , hunger nd, unter drück t und
getö tet im Nam en d er Über lege nhei t dieser ode r jen er Na tion
oder Kultu r üb er a ndere. Cha uvin ismu s, j a, jede F orm d es extrem en Nat iona lism us, ist um so g efäh rlic her in di esem Nuklearze italte r, u nd d aher is t die Fö rder ung von mehr Offen heit
nur umso n otwe ndig er.
Die menschliche Natur hat ihre rationalen und irrationalen
Komponenten, aber die Vernunft ist es, die den Menschen über
das Tier hinaushebt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurde
der Irrationalismus vom zivilisierten Menschen zu einem positiven Leitbild für persönliches und politisches Verhalten erhoben. Das Endergebnis - wir wissen es alle - war Unmenschlichkeit in noch nie dagewesenem Ausmaß.
Natürlich kann auch der Rationalismus verzerrt werden, um
als Entschuldigung bestimmter Verhaltensweisen zu dienen - wir
brauchen uns doch nur anzusehen, welche Folgen in menschlicher
Hinsicht die Bemühungen hatten, den wissenschaftlichen Sozialismus zu verbreiten. Sicher ist jedoch meiner Überzeugung
nach, daß eine Gesellschaft nicht gleichzeitig offen und totalitär sein kann, denn Offenheit fördert und ermöglicht rationale Entscheidungen, und eben diese Möglichkeit der freien
Entscheidung ist ja die Quintessenz der Demokratie.
Ich meine damit nicht, daß der Mensch nur ein rationales
Wesen ist oder daß Freud ein Scharlatan war, als er die nicht
rationalen Elemente der Persönlichkeit beschrieb. Freud
selbst sagte, "Zivilisation ist Unterdrückung", was für ihn
- 9 -

�für ihn bedeutete, daß die Zivilisation die Unterdrückung der
irrationalen Instinkte des Menschen nötig hat. Aber wenn das
Verhalten der Menschen nur von ihren Trieben bestimmt wird und
insbesondere, wenn sie infolgedessen nur ihren irrationalen
Impulsen Vorrang geben, dann sind nicht nur der Mensch selbst,
sondern auch Gesellschaft und Kultur die Opfer.
Ich bin dav on üb erzeu gt, d aß di e Nach teile autor itärer Regierung sformen, zumi ndest in d en en twicke lten Indust riestaaten, al le kurzf risti gen V ortei le, d ie sie für einige von Zeit
zu Zeit zu habe n seh einen , bei weit em übe rtref fen, u nd dies
gilt me iner Mei nung nach auch für d ie Ent wickl ungslä nder. Ich
kenne d as Argum ent, daß d ie De mokra tie ni cht g edeihe n kann,
wenn ei n Land zu arm , zu unter entwi ekelt und e thnisc h oder religiös zu sehr gespa lten ist. Eini ge ame rikan ische Theoretiker der Entwick lungs polit ik ha ben - beson ders im Hin blick auf
Afrika - sogar von d en Vo rteil en de r "Entwickl ungsdi ktaturen"
gesproc hen. Ab er wi e vie le Di ktatu ren ha ben s ich wa hrhaft
wirtsch aftlich entwi ekelt ? Besonde rs wen n man sie m it den
Staaten des Paz ifisc hen B ecken s, di e entw eder demokr atisch
sind od er diese s Zie1 ver folge n, od er mit Bras ilien und Argentinien, die sie h ger ade e rst v on Mi litärh errsc haft b efreit haben, od er mit I ndien , der groß ten D emokra tie d er Wel t, vergleicht , dessen tech nolog ische n For tschri tten im Wes ten viel
zu weni g Aufmer ksamk eit g esche nkt w urde.
In der entwick elten Welt schei nt die Sache ebenso klar zugunste n der Demokr atie entsch ieden zu se in. Be trachte n Sie
das Ni veau an Wohl stand , Freiheit und ku lturell en Leis tungen
in den demo kratisc hen I ndustr iesta aten i m Vergl eich zu den
Staate n Ost europas . Natürlic h sin d kult urelle Leistun gen auch
Denk en Sie
in aut oritä ren ode r totalitär en St aaten möglich
nur an Tols toi und Dost ojewsk i ode r, heu te an S olschen izyn und
Sachar ow. In demo krati sehen Staat en sin d die k ulturel len Leistunge n jed och dyn amisc her un d dif ferenz ierter. Hier können
wir un s an der gan zen V ielfal t der Kultu r erfre uen, un d wir
können dies tun, w ann u nd wo es un s gefä 11t. D iese ku lturelle
Wahlfr eihei t bildet einen int egral en Bes tandtei 1 unser er Freiheiten
Es gibt einen speziellen Aspekt der Kulturkritik in demokratischen Industriestaaten, dem heute Aufmerksamkeit geschenkt werden muß: den Angriff auf die Massenkultur und die
Behauptung, daß die Natur und der Ursprung der Massenkultur
spezifisch amerikanisch sind.
Ich brauche dazu nur zweierlei zu sagen. Erstens fördert
eine offene, pluralistische und vielfältige Gesellschaft notwendigerweise das Wachstum von Massenkultur und Hochkultur
gleichermaßen. Ein autoritäres System unterdrückt die erstere
und strebt nach Manipulierung der letzteren.
Autoritäre Systeme
- 10 -

�Autoritäre Systeme stehen unter dem Zwang, Kultur zu manipulieren, um sie als Instrument zur Mobilisierung politischer
Unterstützung ihres Systems zu benutzen und alle Aspekte der
Kultur oder der Politik zu unterdrücken, die ihrer Meinung
nach dieses Ziel beeinträchtigen. Deshalb wird die Öffentlichkeit manipuliert und werden jene, die kulturelle Leistungen hervorbringen, als Instrumente der Manipulation benutzt.
Ein Zwe ites ko mmt h inzu: Ma g man a uch mi t einig en El ementen der Mas senkult ur ni cht über einstim men, s o wäre doch niemand von un s willens, a uch nur einen T eil un serer k ultur ellen
Frei heit an eine A utori tat abzu geben, die da rüber e ntsch eiden
würd e, was in der Masse n- als a uch der Hochk ultur g ut un d
schl echt is t. Ein gewi sses Maß an sog enannt er schl echte r Kultur ist ein kleine r Pre is für k ulturel len PI uralism us, k ultureile n Dynam ismus u nd de n Schutz unsere r wich tigen F reihe it.
Auße rdem be nötigt und e rzeugt jeder Ve rsuch, Kultur zu u nterdrüc ken ode r zu ma nipul ieren, s ei es d ie Kul tur der Mass e oder
die der Eli te, unv ermei dlich di e Art v on Mac ht, die imme r korrump iert un d deren Gebr auch imm er auf Kosten der pe rsönl ichen
Frei heit ge ht.
Hochkultur - das Beste an Literatur, Kunst und Musik kann von der Massenkultur nicht zerstört werden. Im Gegenteil
gedeiht Hochkultur am besten dort, wo sich all das entfalten
kann, was in der Massenkultur zum Ausdruck kommt. Denken Sie
wiederum an die Geschichte. Athen brachte mehr hervor als
Sparta. Die Renaissance begann in der Vielfalt der italienischen Stadtstaaten. Shakespeare schrieb über das Volkstheater. Ein Höhepunkt in Deutschlands weltweiter kultureller Führungsrolle wurde während der Weimarer Republik erreicht. Gewiß steht die Hochkultur in Deutschland und in Amerika heute
in Blüte: In Theater und Musik in Deutschland und in Kunst,
Musik und Ballett in den Vereinigten Staaten.
Natürlich möchte ich Kultur nicht nur auf die Geisteswissenschaften beschränkt sehen. Im Gegenteil, die heute in Mathematik, Naturwissenschaften und Technologie erzielten Fortschritte sind atemberaubend in ihrer Geschwindigkeit und revolutionierend in ihren Auswirkungen. Die Universität Heidelberg und das Land Baden-Württemberg sind in dieser Hinsicht
immer führend gewesen, und dies trifft heute mehr denn je zu.
Sie sind besonders führend in der Mikroelektronik und Biotechnik, zwei Spezialgebieten, die für die Revolution der
Hochtechnologie entscheidend sind. Kann man dasselbe auch von
einer Gesellschaft ohne Pluralismus sagen?
Wie wird also das Schicksal von Kultur, und besonders von
Hochkultur, in unserem Zeitalter des schnellen technologischen
Wandels aussehen? Kulturpessimisten erklären schon, daß ihr

�daß ihr Schicksal fast katastrophal sein wird, weil die Massenkultur von den elektronischen Medien so weit verbreitet
wird, daß die Hochkultur in der Flut von Fernsehprogrammen,
Filmen und Videobändern ertrinken werde.
Eine solche Ansicht ignoriert die Vorzüge des heutigen und
zukünftigen Kommunikationswesens. Die Technologie zum Beispiel, die für das Kabelfernsehen und direkte Satellitenübertragungen verwendet wird, hat zu größeren Möglichkeiten der
Diversifizierung, Stärkung und Erhaltung sowohl der Massenais auch der Hochkultur geführt. Heute sind wir in der Lage,
Programme live von anderen Kontinenten zu sehen. In Nordamerika hat man durch das Kabelfernsehen die Wahl zwischen 50 bis
60 Kanälen; und obwohl es stimmt, daß viele dieser Programme
nicht die höchsten Ansprüche befriedigen, würden viele andere
wiederum jegliche Definition von Hochkultur erfüllen. Niemals
zuvor hatten so viele die Möglichkeit, die Vielfalt kulturellen Lebens zu ermessen. Niemals zuvor wurden Oper, Ballett
und klassische Musik von so vielen Menschen gesehen und gehört. All dies stärkt und bewahrt das Beste an internationaler Kultur. Mehr noch, es führt zu offeneren Gesellschaften;
offen nicht nur für Entwicklungen innerhalb einer Gesellschaft, sondern für solche in anderen Kulturen. Der Endeffekt
dieser Offenheit besteht in der weiteren Demokratisierung unserer Gesellschaften.
Wie die Erfahrung des Fernsehens zeigt, kann dieses ein
Instrument zur Übertragung sowohl von Eliten- als auch von
Massenkultur werden. Technologie und Kommunikationsmittel an
sich sind wertfrei. Ich glaube, daß eine stabile, gesunde demokratische Gesellschaft, die von kulturellem Pluralismus erfüllt ist, voll in der Lage ist, sowohl die kulturellen als
auch die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen unserer sich schnell verändernden Zeiten zu bewältigen. Goethe hat es treffend ausgedrückt: "Nur der verdient
sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß."
Es war diese Aufgabe, der Jacob Gould Schurman einen so
großen Teil seines Lebens widmete. Als amerikanischer Botschafter in Deutschland vertiefte er sich mehr denn je in alle
Aspekte deutschen Lebens, selbstverständlich unter Einschluß
der deutschen Kultur, die während seiner Studienzeit hier einen so tiefgehenden Einfluß auf ihn ausgeübt hatte. Darauf
verwendete er im Lauf der Zeit einen nicht unbeträchtlichen
Teil seines Vermögens. Er nahm aktiv an der Durchführung des
Dawes-Plans teil, mit dem die Führung der amerikanischen Wirtschaft Deutschland half, sich von den verheerenden Wirkungen
des Ersten Weltkrieges zu erholen. Sein enges persönliches
Verhältnis zu Ihrem großen Außenminister Gustav Stresemann
trug zu den Verhandlungen über den Briand-Kellogg-Pakt bei.
- 12 -

�Briand Kellogg-Pakt bei. Er sprach an vielen deutschen Universitäten sowie mit Universitätslehrern seines eigenen Landes
und förderte das Verständnis unserer Länder füreinander.
Ich bin mir sicher: Wäre er noch am Leben und heute hier
unter uns, er wäre überglücklich, daß sein geliebtes Heidelberg wieder seine angestammte Rolle im geistigen, kulturellen
und wissenschaftlichen Leben spielt, daß das Gebäude, das erst
durch ihn ermöglicht wurde, Generationen von Studenten - amerikanische wie deutsche - beherbergte und daß die Universität
alles tut, um ihre Büchersammlung zum Thema amerikanische Geschichte in einer Bibliothek zu erweitern, die seinen Namen
trägt.
Und ich bin sicher: Er wäre mit mir einer Meinung, daß
die engen Bande zwischen unseren beiden Ländern sich nicht nur
auf die gemeinsamen Sicherheitsinteressen gründen - so wichtig
diese auch sind -, sondern auf die gemeinsamen kulturellen
Werte und die gemeinsame demokratische Überzeugung.

- 13 -

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'VOM**

12. Februar 1986

REAGAN: WIRTSCHAFTLICHE STABILITÄT WIRD WACHSTUM STÜTZEN
- Wirtschaftsbericht des Präsidenten -

- WASHINGTON - (AD) - In seinem Wirtschaftsbericht an den
Kongreß vom 6. Februar 1986 verkündete der amerikanische Präsident Ronald Reagan, daß die Ziele seiner Politik sich auf
eine "Verpflichtung zu wirtschaftlicher Stabilität als Schlüss^lbeitrag zu anhaltendem Wirtschaftswachstum", auf stabile
Preise, abnehmende Zinssätze und ein Nachlassen der Arbeitslosigkeit gründen.
"Unsere längerfristigen Planungen basieren auf der Annahme, daß eine solide Wirtschaftspolitik weiteres Wachstum fördern wird und der Wirtschaft die benötigte Flexibilität bietet, um auf äußere Störungen zu reagieren."
Der Präsident brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, daß
das Bruttosozialprodukt sich bis einschließlich 1988 jährlich
um 4 Prozent erhöhen wird. Von 1989 bis 1991 wird dann eine
leichte Abnahme des Wachstums angenommen.
Im Hinblick auf

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Im Hinblick auf die Reduzierung des Haushaltsdefizits
schreibt der Präsident, der Schlüssel zu diesem Problem liege
in der Vermeidung unnötiger öffentlicher Ausgaben, welche die
private Vermögensbildung verringerten und das Wirtschaftswachstum behinderten.
Der Wirtschaftsbericht des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Seit Beginn der Regierungszeit dieser Administration bestanden die Hauptziele unserer Wirtschaftspolitik in der Erzielung eines starken, anhaltenden und nichtinflationären
Wachstums und der Erweiterung der wirtschaftlichen Möglichkeiten für alle Amerikaner. Um diese Ziele zu erreichen, haben
wird eine Politik verfolgt, die auf längere Sicht im besten
Interesse dieser Nation ist.
Der Nutzen dieses Ansatzes ist heute offenkundig. Die
Wirtschaft befindet sich im vierten Jahr eines soliden Aufschwungs, durch den die Möglichkeiten für alle Amerikaner drastisch erweitert wurden. Millionen neuer Arbeitsplätze wurden
geschaffen. Neue Investitionsmöglichkeiten taten sich auf.
Der Lebensstandard ist gestiegen. Überdies wurden diese Erfolge ohne einen erneuten Anstieg der Teuerungsrate erzielt.
Wir sind der Fortführung und Ausweitung einer Politik verpfli chte t, die private Investitionen und Innovationen ermutigt , welche diesem Aufschwung zugrunde liegen. Wir werden
weit erhi n ein unnötiges Anwachsen der Staatsausgaben und ungerech tfer tigte Einmischung in die Privatwirtschaft ablehnen,
Ein fort dauerndes, starkes Wirtschaftswachstum beruht hauptsäch lieh darauf, daß man dem Funktionieren des marktwirtscha ftli chen Systems möglichst freien Lauf läßt. Freie Märkte
biet en g eeignete Anreize zu arbeiten, zu sparen und zu investie ren, und sie stellen sicher, daß den Interessen der Konsument en R echnung getragen wird.
Dies e grundlegenden Prinzipien waren Teil unseres Program ms d er wirtschaftlichen Erholung von 1981 und haben das
Prog ramm für Wachstum und wirtschaftliche Möglichkeiten meiner
zwei ten Amtszeit bestärkt. Diese Programme bieten keine adhoc Lösu ngen. Vielmehr basieren sie auf der dem System der
frei en M arktwirtschaft innewohnenden Fähigkeit, Ressourcen effizi ent zu verteilen und wirtschaftlichen Wohlstand zu förd e m . Die grundsätzliche Verantwortung der Bundesregierung
soll te i n der Bereitung eines stabilen Rahmens bestehen, innerh alb dessen Menschen wirtschaftliche Entscheidungen treffen
- 2 -

�Entscheidungen treffen können und nicht darin, ihnen diese
Entscheidungen abzunehmen. Zu diesem Zweck bestand unser erstes Programm aus den folgenden vier grundlegenden Elementen:
- Verringerung des Wachstums der staatlichen Ausgaben,
- Reduzierung der Besteuerung von Privathaushalten und Unternehmen ,
- Abbau eines Übermaßes an Reglementierung und
- Förderung eines stabilen und moderaten Geldwachstums.
Der gegenwärtige Aufschwung
Der Erfolg unserer Politik ist nun offensichtlich. Obwohl
sich 1985 das Wirtschaftswachstum im Vergleich mit den starken
Jahren 1983 undd 1984 etwas verlangsamt hat, hat sich der Aufschwung trotzdem in ermutigendem Tempo fortgesetzt. Bis jetzt
hat er schon vier Monate länger gedauert, als der durchschnittliche Aufschwung in Friedenszeiten seit dem Zweiten
Weltkrieg. Wenn dieser Aufschwung, wie erwartet, bis Ende
1986 anhält, wird es der drittlängste der Nachkriegszeit sein.
Die ser A uf schwun g wa r du rch u ngewo hnlic h höh e Real investitionen in Fa brik en u nd M asch inen chara kteri siert , die auf unserer e rfolg reic hen Infi atio nsbek ämpfu ng un d uns erer S teuerpolitik beru hen, wel che die Inves titio nstät igkei t stim uliert
haben, Die real en U nter nehm ensin vesti tione n hab en fas t zweimal so viel zum Anwa chse n de s rea len B rutto sozia lprodu kts
(BSP) i n die ser Aufs chwu ngph ase b eiget ragen , wie dies normalerweis e in Aufs chwu ngpe riod en de r Nac hkrie gszei t der Fall gewesen i st; a ls T eil des real en BS P sin d sie groß er als jemals
nach de m Kri eg. Meh r In vest ition en in den Verei nigten Staaten
bedeute n nie ht n ur e ine stär kere Wirts chaft heut e, son d e m
auch hö here Prod ukti vitä t un d die Mögl ichke it fü r sehn eueres
Wachstu m mor gen.
Das starke Anwachsen der Beschäftigung stellt ein weiteres
herausragendes Element dieser wirtschaftlichen Erholung dar.
Seit dem Ende der letzten Rezession im November 1982 hat die
Wirtschaft der Vereinigten Staaten über neun Millionen neue
Arbeitskräfte eingestellt. Außerdem fiel die Teuerungsrate
von 10,6 Prozent im November 1982 auf 6,9 Prozent im Dezember
1985. Trotz dieser dramatischen Verbesserungen werden wir uns
jedoch nicht zufriedengeben, bevor nicht alle amerikanischen
Arbeitskräfte Arbeitsplätze zu Löhnen finden können, die ihren
Qualifikationen angemessen sind.
Als wir unser

�Als wir u nser Progr amm der wirtsc haftl ichen Erho lung starteten , waren wir s icher , daß eine fin dige, flex ible Wirts chaft
ohne die Bela stung durc h übert riebene Regi erung seinm ischu ng
neue Arbeitsp lätze scha ffen wü rde. G leich zeiti g war en wi r davon ü berzeugt , daß ein gezügel tes Gel dwach stum die I nflat ionsrate reduzier en wü rde. Unser Optimis mus w ar be recht igt. Die
Infla tionsrat e bet ragt heute w eniger als e in Dr ittel derjenigen v on 1980. Wäh rend dieses Aufschw ungs hat s ich d ie In flation auf ihre m nie drigs ten Niv eau sei t übe r einem Ja hrzeh nt
beweg t - trot z des unge heuren Beschäf tigun gsans tiegs , den die
Wirts chaft er zeugt hat. Als t eilweis es Er gebni s der verm inderte n Teueru ngsra te si nd die Zinssät ze - beson ders dieje nigen
für 1 angfrist ige K redit e - das ganze Jahr 1985 hindu rch g efallen u nd errei chten Ende des Ja hres ih r nie drigs tes N iveau seit
sechs Jahren.
Unser e Erfolge bei der I nflation sbekäm pfung habe n man che
überrasch t. Als in den sieb ziger Ja hren d ie Te uerun gsrat e anwuchs, ve rschuld eten si ch ei nige Unt ernehm en un d Pri vatle ute,
um Vermög enswert e in der Erwartung z u erwe rben, daß das d urch
diese Ver mögensw erte pr oduzi erte Ein kommen mit der I nflat ion
steigen w ürde, w ährend die w irkliche Last des S chuld endie nstes
abnehmen würde, Mit de r Abnahme der Teuer ungsr ate s tieg jedoch die wirklic he Bela stung durch d en Seh ulden diens t an, während das von den meiste n Ver mögenswe rten p roduz ierte Eink ommen
abnahm, Diese K ombinat ion v on Ereig nissen hat einig e Fin anzinstitute in den Verein igten Staaten belas tet. Gefa llene Einkommen in der La ndwirts chaft haben d ie Fäh igkei t ein iger Bauern zur Z ahlung der Zin sen a uf Darle hen ge schmä lert. Gle ichermaßen hatten viele wenig er entwi ekelte Land er Sc hwier igkeiten be i der R ückzahl ung v on Kredi ten an Fina nzins titut
den Verei nigten Staaten . Die Beiast ung, d ie vo n dem uner e in
wünschten Anwach sen der Infi ationsra te und ihre m erw ünsch ten,
aber uner wartet schnell en Ab sinken f ür das Fina nzsys tem d er
Vereinigt en Staa ten ver ursac ht wurde , beweist d ie Wi chtig keit
der Erzie lung un d Erhal tung langfris tiger Preis stabi lität
Amer ikas Zuvers icht hinsic htlic h grö ßere r wirtschaftlicher
Chancen wird von Un tern ehmen u nd Ei nzelp erso nen auf der ganzen
Welt get eilt. Die Vere inigten Staa ten s ind und blei ben eines
der weni gen g roßen Einw anderer lande r ; au ch h ierin sp iegelt
sich die Fähi gkeit der Wirtsch aft w ider, wir tschaftl iche Chancen zu e röffn en. I m Ve rlauf d er ge genwä rtig en Expan sion haben
gewinnbr ingen de Gel danl agemögl ichke iten in d en Verei nigten
Staaten auch auslän disc hes Kap ital angez ogen , was zu einem
schnelle n Inv estiti onsa nstieg beige trage n ha t. Der ausländische Ka pital zufluß wei st auf eine stark e Wi rtschaft hin. In
dem Maß, in d em sie h au ch ande re St aaten mar ktorient ierten
Strategi en zu wenden und übermä ssige Regi erun gsausgab en, Besteuerun g und starr e St rukture n zu besch rank en suche n, schaf-

�suchen, schaffen sie gleichfalls steigende Anlagemöglichkeiten, die weiteres Wachstum und härtere Währungen mit sich
bringen, da mehr Kapital in ihre Wirtschaft fließt.
Die Aussichten der Wirtschaft
Viele F akto ren weis en a uf ein Anha lten der augenb lick
lieh en Expa nsio n hi n. Die wirtsch aftl ichen Bed ingung en s tellten sich ge gen Ende des Jah res 198 5 positiv er d ar als zu Jahresb eginn u nd w erde n si eh a H e r Wa hrsc heinl ichk eit na ch n och
weit er verb esse rn. Der Gel dmengen zuwa chs i m ve rgange nen Jahr
pass te sich har moni seh dem Wirtsc haft swach stum an. Die
Haup t-Wirts chaf tsin dika tore n sind in e lf de r ve rgange nen zwölf
Mona te gest iege n. Die Lage rbestän de s ind v ergl eichsw eise
nied rig und die Pro dukt ion sollte mit steig ende n Verk äufe n anwach sen, um die lee ren Lage r aufzu füll en. Die Zinssä tze sind
weit er gefa llen ; dadurc h so U t e zu sätz liehe Kau fkraft fre iwerden. Darüb er h inau s sind b islang kein e der War nsigna le, die
ahrnorm alerwei se d as E nde eine r Expan sion sphas e ei nläute
geno mmen wo rden . Wir s ind daher z uver sieht lieh , daß die augenb licklic he E xpan sion noc h bis E nde des J ahre s 1986 and auern
wird
Wir e rwar ten e inen weiteren Anstieg des Bruttosozialprodukt es vo n 4 Proze nt im Jahr 1986, der auch in den Jahren 1987
und 1988 anha lten wird, um zwischen 1989 und 1991 schrittweise
abzu sinke n, w enn d ie Wirtschaft ihren langfristigen realen
Wach stums tren d ere ichen wird. Angesichts der Währungs- und
Wech selku rsen twick lungen des vergangenen Jahres erwarten wir
in d en Ja hren 1986 und 1987 ein leichtes Ansteigen der Inflation . Wenn jedoch die Notenbank ihrem Ziel treu bleibt,
Prei sstab ilit ät zu erzielen, ein Ziel, das ich uneingeschränkt
befü rwort e, s ollte der Abwärtstrend bei der Inflation nach einige n Jah ren wiede r einsetzen.
Veränd erte Ums tänd e, u denen auch ein e fal sehe Währ ungsund Steuer politik zähl en, können jede Expa nsion zu einem frühen und un erwartet en E nde bringen . Unser länge rfri stige n Pläne b eruhen auf der Ann ahme , daß eine s tabi le Wi rtsc hafts politik anhält endes Wi rtsc haft swachst um mi t si ch br inge n und auch
die notwen dige Fle xibi litä t für d ie Wi rtsc haft scha ffen wird,
um a uf Stö rungen v on a ußen zu rea giere n. Das Z iel unser er politi sehen Bemühung en s pieg elt die se Ve rpfl ichtu ng z u wir tscha ftlich er Stabi litä t wi der als dem wich tigst en B eitra g zu
anha ltende m Wachst um, stab ilen Pr eisen , fallend en Z inssä tzen
und zurück gehender Arb eits losigke it. Das ameri kani sehe Volk
hat das Re cht, sol che Erge bnisse zu er wart en un d wi r hof fen
dara uf, mi t Hilfe des Kong resses und d er B undes bank dies e auch
weit erhin zu erzie len.
Die Rolle der

�Die Rolle der Regierung in der Wirtschaft
Be i der Ausf ormul ierung unseres Prog ramms für eine gesunde
und an halte nde w irtsc haftli che Expa nsion wäre n wir uns auch
der be schrä nkten Roll e bewu ßt, die die R egier ung s piele n sollte. D ie Bu ndesr egier ung ka nn keine n Woh lstan d und kein allgemeines Wirt schaf tswac hstum garantie ren; sie k ann 1 edigl ich
privat e Initiati ven, Innova tionen u nd un terne hmeri sehe Aktivitäten forde rn, d ie ne ue wir tschaftl iche Mögli chkei ten s chaffen. Eine überm äßig aktive Regieru ng be hinde rt de n wir tschaft liehe n For tschr itt. Die staa tlich en Au sgabe n abs orbieren je ne Mi ttel, die vom Pr ivatsekt or be sser genut zt we rden
könnte n. E ine ü bermä Oige B esteueru ng ve rzerr t Pre isver hältnis
und Ka pital verzi nsung . Durch die w illkü rlich e Mit telzu Weisung
wird d ie Wa chstu msfäh igkeit der Wir tscha ft be hinde rt. Daher
besteh t der best e Weg für d ie Regie rung, das Wachs tum z u fürd e m , darin , die Grün dlage einer st abile n, vo rhers ehbar en
Wirtsc hafts polit ik zu schaf fen, um sich dann zurüc kzuzi ehen
und de m seh öpfer ische n Pote ntial de s amerikan ische n Vol kes den
Vorran g zu lasse n.
Der Bundesregierung fallen einige klarumrissene Verantwortlichkeiten zu, denen sich meine Administration auch weiterhin stellen wird. Die erste besteht darin, eine angemessene nationale Verteidigung aufrechtzuerhalten. Der Weltfrieden
und die Weltsicherheit verlangen von den Vereinigten Staaten
als dem Führer der freien Welt, ihre Bereitschaft und Fähigkeit zur Verteidigung ihrer eigenen nationalen Sicherheit unter Beweis zu stellen und zur Verteidigung ihrer Verbündeten
beizutragen.
Darüber hinaus werden wir auch die weniger Begünstigten in
dieser Gesellschaft nicht vergessen. Meine Administration
stellt weiterhin ein entsprechendes Sicherheitsnetz für all
jene zur Verfügung, die Hilfe brauchen. Gleichzeitig arbeiten
wir daran, eine starke, kraftvolle, neue Möglichkeiten schaffende Wirtschaft aufzubauen, die der arbeitsfähigen Bevölkerung sinnvolle Arbeitsplätze zur Verfügung stellen kann. Die
wirtschaftliche Expansion hat viel mehr zum Abbau der Armut
getan als irgendein staatliches Hilfsprogramm. Der beträchtliche Rückgang des Prozentsatzes der armen Bevölkerungskreise
im Jahr 1984 zeigt sowohl den Erfolg unseres Programms als
auch die Stärke unserer Wirtschaft. Darüber hinaus wird die
Steuerreform die arme erwerbstätige Bevölkerung begünstigen.
Die von mir vorgeschlagenen Steuerreformen befreien diese Bevölkerungsgruppe von der Last der Einkommensteuer des Bundes.
Schließlich gibt es einige spezielle Fälle, wie zum Beispiel die Verschmutzung der Luft und des Wassers, bei denen
möglicherweise die Marktmechanismen allein unzureichend sind,
- 6 -

�unzureichend sind, obwohl wir glauben, daß der Markt in der
Regel seine Mittel am wirksamsten verteilt. In diesen Fällen
ist das Eingreifen der Regierung notwendig, was aber auf
marktorientierten Prinzipien beruhen sollte. Zum Beispiel hat
die Behörde für den Umweltschutz einem Arrangement zugestimmt,
bei dem Firmen, die ihre Emissionen unter den festgesetzten
Grenzwerten halten, zinsgünstige Darlehen bekommen, die sie
dann an andere Firmen weitergeben können, die sich bei der
Emissionskontrolle höheren Kosten gegenübersehen. Auf diese
Art und Weise wird die Qualität unserer Umwelt erhalten, während die Kosten sinken, die bei der Einhaltung der Vorschriften entstehen.
Kontrolle der Bundesausgaben
Die E rfüll ung diese r begrenzte n Ve rant wort lichk eiten verlangt jed och n icht das Ausmaß bzw. den Zuw achs der Bundes ausgaben, di e das Lan d bis lang e riebt hat . Trotz all unsere r Bemühungen sind die Ausga ben zu hoch und sin d ei ner d er Hau Ptgründe fü r das gro ße Ha ushalt sdef izit. Ni cht Steue rsenku ngen
brachten diese s große D efizit mit sich , im Geg entei 1: die momentanen Steue rein nähme n bild en de nsel ben Ante il de s Bruttosozialpro dukts wie in d en spa* ten s iebz iger Jah ren, auch n ach
der 1981 von u ns e ingel eitete n Sen kung der Ste uersä tze. Der
Schlüssel zur Lösu ng de s Defi zits im B unde shau shalt ist d ie
Einschrän kung der unnöt igen A usgab en. Die Ausg aben, nicht das
Defizit, sind der eigen tliche Indi kato r der Re gieru ngskos ten,
weil sie ja di e Su mme a 11 der Mitt el s ind, die vom Privat sektor abgez weigt wer den. Uberh öhte Ausg aben gre ifen die Wi rtschaft in schä dige nder Art un d Weise a n, u nabh ängig davon , ob
sie durch Steu ern, Schu lden o der I nfla tion fin anzie rt wer den.
Die Bildu ng vo n Pr ivatv ermöge n wir d einges chrä nkt, die Ge ldmittel si nd un rati onell verte ilt u nd d amit wir d das Wirtschaftswa chstu m ge dross elt.
Ich begrüße und unterstütze das neue Gesetz über einen
ausgewogenen Haushalt und Defizitkontrolle von 1985, gemeinhin
als Gramm-Rudman-Hollings bekannt, als einen Weg, in Zusammenarbeit mit dem Kongreß die Bundesausgaben und das Defizit zu
verringern. Ich beabsichtige, in jedem der folgenden Jahre
Haushaltsentwürfe vorzulegen, die den im Gesetz angegebenen
Zielen zur Begrenzung des Defizits gerecht werden, nicht etwa
durch Verzicht auf die Programme, die für die Nation von entscheidender Bedeutung sind, sondern indem die Programme geändert oder abgeschafft werden, die nicht wichtig oder nicht
leistungsfähig genug sind. Ich lehne den Vorschlag höherer
Steuern ab. Höhere Steuern wären nur ein Anreiz zu höheren
Bundesausgaben und würden die Fähigkeit der Nation zum Wachstum einschränken.

�Gramm-Rudman-Hollings genügt nur einem Teil der langfristigen Zielsetzungen bezüglich der Verantwortung der Regierung
für den Haushalt. Bei richtiger Anwendung wird dabei bis 1991
ein ausgewogener Haushalt herauskommen, aber dananch garantiert es keinen fortgesetzten ausgewogenen Haushalt mehr. Wir
müssen unser Augenmerk auf einen Anhang zur Verfassung richten, der ständig für ausgewogenen Haushalt sorgt. Diese beiden Maßnahmen werden zusammen den ordentlichen Übergang zu einem ausgewogenen Haushalt ermöglichen, die Bundesausgaben einschränken und sicherstellen, daß zukünftige Haushaltsentscheidungen im Sinn der nationalen Interessen liegen. Deshalb befürworte ich auch weiterhin die Annahme eines Anhangs zur Verfassung für einen ausgewogenen Haushalt. Außerdem strebe ich
ein Gesetz an, das dem Präsidenten ein selektives Vetorecht
bei den Zuteilungsmaßnahmen erlaubt. Ein solches Recht ist
unerläßlich, um sicherzustellen, daß nur leistungsfähige und
wichtige Regierungsprogramme finanziert werden.
Steuerreformen
über die Jahre hinweg hat die fortgesetzte Änderung des
Bundessteuerrechts zu einem komplexen Steuersystem geführt,
das viele Schlupflöcher enthält und künstlich einige Aktivitäten auf Kosten anderer begünstigt. Darüber hinaus hat die Inflation der siebziger Jahre das gesamte System der Kapitalversteuerung verzerrt, die persönlichen Einkommen in immer höhere
Steuerklassen verschoben und so der Spar- und Investitionstätigkeit entgegengewirkt. Unsere Maßnahmen zur Steuersenkung
haben viele dieser Verzerrungen und Ungleichheiten beseitigt.
Die Einkommenssteuersätze wurden heruntergesetzt und der Inflationsrate angepaßt; die effektiven Steuersätze auf neue Investitionen wurden beträchtlich gesenkt. Es muß jedoch noch
mehr getan werden.
Im Mai 1985 habe ich dem Kongreß eine umfassende Reform
des Steuerrechts vorgelegt, um dieses einfacher, fairer und
dem Wirtschaftswachstum dienlicher zu machen. Ich habe vorgeschlagen, die Grenzsteuersätze für Betriebe und Einzelpersonen zu senken, die Besteuerungsbasis zu erweitern, indem so
viele bestehende Schlupflöcher wie möglich verstopft und die
jeweiligen Aktivitäten einheitlich besteuert werden, damit
Geldmittel entsprechend des wirtschaftlichen Vorteils, nicht
aber aufgrund von Steuerüberlegungen eingesetzt werden; außerdem sollen die bestehenden Auswirkungen der Inflation auf die
Kapitalertragssteuer aufgehoben bzw. Ersatz dafür geschaffen
werden. Kurz vor der Parlamentspause hat das Repräsentantenhaus ein Gesetz zur Steuerreform verabschiedet, das einige dieser Prinzipien enthält. Trotz beträchtlicher Unterschiede
zwischen meinem Vorschlag und diesem Gesetz habe ich seine

�ich seine Durchführung angeregt, um den Gesetzgebungsprozeß
voranzutreiben. Wir werden nun gemeinsam mit dem Senat daran
arbeiten, ein faires und einfaches Steuerrecht hervorzubringen, das für die Familie ist, neue Arbeitsplätze und neues
Wachstum schafft.
Beseitigung kontraproduktiver Reglementierungen
Die Steuerr eform ist nur ein T eil un sere s Ziels , die Märkte in d ie Lage zu ve rsetzen, bei d er Ver teil ung der Mitt el eff izienter zu fu nktio nieren. Wir h aben a uch erhebli che A nstrengu ngen unt ernom men, um die st aatlic hen Regleme ntier ungen
herausz ufinden und z u beseit igen, die da s Ma rktgesc hehen behindern , den Wettbew erb beei nträch tigen oder den Fi rmen unnötige Ko sten bzw . den Verbrau ehern unnöti g ho he Prei se au fzwingen. D ie Regul ierun g der Öl preise im In land stellt ein gutes
Beispie 1 der nachtei ligen ök onomis chen A uswi rkungen dar, die
die Reg ulierung dadu rch hat, daß s ie Pre isre latione n ver zerrt
und die notwend igen Anpassun gsbewe gungen ver hindert . Die Ergebniss e der vo n mir im Janu ar 198 1 betriebe nen Fre igabe der
Olpreis e werden jetz t deutli eh. D ie Öle infu hren gi ngen zurück
und die OPEC is t nieht mehr instan de, ih re b isherig en ho hen
Preise aufrecht zuerh alten. Demgeg enüber lei det der Mark t für
Erdgas noch imm er un ter den durch die Pr eisk ontroll en ve rursachten Verzerr ungen . 1983 drängte n wir den Kongreß erfo iglos,
die Pre ise für Erdga s freizugeben, Wir werd en erne ut ei nen
Anlauf unterneh men, um zu Ge setzen zu ko mmen , die die Pr eise
für Erd gas voll stand ig freig eben. Außer dem schlage n wir eine
weitere Deregul ierun g im Ber eich d es Fer nver kehrs v or.
Uns ere Anstrengungen zum Abbau staatlicher Eingriffe werden sie h auch weiterhin ganz besonders auf zwei Wirtschaftsbereiche konzentrieren. Erstens bestehen im Bankenund Kreditwesen noc h immer Bestimmungen und Darlehensgarantien, die zu
Willkür licher Kreditvergabe führen und die Fähigkeit des Systems b eeinträchtigen, sich den wandelnden wirtschaftlichen
Bedingu ngen anzupassen. Zwar müssen wir auch weiterhin die
Öffentl ichkeit vor schwerwiegenden ökonomischen Störungen
schütze n, doch sollten wir den Finanzinstitutionen auch großere Frei heit dabei lassen, selbst die Zusammensetzung von Soll
und Hab en festzulegen, damit sie beweglicher auf die Veränderungen reagieren können, denen sie sich gegenübersehen.
Zweitens gibt es auch in vielen landwirtschaftlichen Märkten erhebliche staatliche Einmischung. Die als Lösungen gedachten staatlichen Maßnahmen haben die Anreize so verzerrt,
daß sie in Wirklichkeit einige der Probleme verursacht haben,
vor denen die Landwirtschaft jetzt steht. Die Gesetze, die
ich 1985 vorgeschlagen habe, dienten dem Zweck, die amerikan-

�die a merikan ische Land wirts chaft allmä hlich wieder dem freien
Markt zuzufü hren. Das vom Kongre ß End e 1985 verab schie dete
Geset z enthielt e inige der von mi r vorgeschl agenen Refo rmen,
ließ jedoch auch einig e der beste hende n poli tische n Ver fahren
beste hen, di e jet zt di e Lan dwirts chaft hemme n. In sbeso ndere
unter stützte es d ie ko ntrap rodukt ive s taatli che In terve ntion
in de r Milchwirts chaft , bei Expor tsubv ention en und den fortbeste henden kosts pieli gen V erzerr ungen des Z uckerm arkte s. Wir
werde n desha lb au ch kü nftig auf e ine w eitere Agrar refor m hinwirke n, die die s taatl iche Einmis chung in di ese Be reich e abbaut und die Mögl ichke iten für Ba uern verbes sert, erfol greich
auf d en Welt markt en zu konk urrier en.
Dienstleistungstransfer zum Privatsektor
Der Staat hat in imme r stä rker em Maß Diens tleistunge n an
sich gez ogen, die in Wirk lichk eit der Pr ivatse ktor mit g rößerer Effi zienz anb ieten ka nn. Um d ieses Proble m anzugehe n, habe ich e ine Arbei tsgruppe eing eset zt, di e untersucht, we lche
öffentli che Funkt ionen wi rksam in den Pr ivatse ktor zurüc kgeführt we rden könn ten. Da s eben ve röffen tlicht e Budget e nthält
gleichfa 11s einig e Initia tiven zu diesem Berei ch. Diese Strategie ma cht es ni cht unbe dingt not ig, Di enstle istungen z u beseitigen , die derzeit der Staa t bietet. Vielm ehr wird d ie Alternativ e des Privatsekto rs au fgez eigt. Solch eine Strat egie
sichert das Vorha ndensein von Dien stleis tungen , die der Verbraucher fordert - nicht von s olch en, di e die Bürokraten dafür
halten. Außerdem führt s ie zu ein em eff izient eren und k ostengünstige ren Angeb ot diese r Dienstl eistun gen un d schafft oft
Behinder ungen des Wettbew erbs aus der We lt, di e durch den
Staat ge schaffen wurden.
Aufrechterhaltung von freiem und fairem Handel
Uns er St reben nach unbehinde rten M ärkte n be schränkt sich
nicht a uf di e inl ändisc he Wirtsc haft. Unse re H andelspol itik
im inte rnati onale n Bere ich stütz t sich fest auf die Grün dlage
freier und o ffene r Mark te. Die Vortei le ei nes freien Ha ndels
sind wo hlbek annt: Er b ringt meh r Arbe itspl ätze , einen produktiveren Eins atz d er Res sourcen e ines L andes , raschere In novation un d höh eren Lebens Standard sowohl für dies es Land a ls
auch fü r seine Ha ndelsp artner. Währen d ein e einseitige VerPflicht ung z u fre iem Ha ndel unse rem La nd zu gute kommt, g ewinnen wir Amer ikane r noch mehr dan n, wen n auc h di e Handels partner Arne rikas ihre Markt e öffnen. Mein e Adm inis tration w ird
dieses Ziel aktiv verfo Igen. Ei n wich tiger Tel 1 unseres Handelspro gramm s besteht d arin, ein e neue Rund e mu ltilatera ler
Im Rahme n de s GATT streben
Handels verha ndlun gen zu eröffnen
- 10

�GATT streben wir danach, die Handelspartner Amerikas in umfassende Verhandlungen einzubinden, die zu freierem Handel, verstärktem Zugang für amerikanische Exporte und einem stärkeren
internationalen Handelssystem führen sollen. Zur Ergänzung
dieser Initiative werden wir auch weiterhin die Möglichkeit
der Errichtung bilateraler Freihandelszonen mit einigen Handelspartnern der Vereinigten Staaten untersuchen.
Wir verfolgen das Ziel des freien Handels nicht blindlings. Wir sind zugleich auch um gerechten Handel bemüht, indem wir die geltenden Handelsgesetze mit Nachdruck anwenden.
Unfaire Handelspraktiken im Ausland schädigen die amerikanischen Exporteure und verringern weltweit den Lebensstandard;
das ist unannehmbar. In einem bisher noch nicht dagewesenen
Schritt habe ich gemäß Sektion 301 des Handelsgesetzes von
1974 den amerikanischen Handelsrepräsentanten ersucht, mit Untersuchungen von unfairen Handelspraktiken zu beginnen. Ziel
dieser Untersuchungen sind nicht Vergeltungsmaßnahmen seitens
der Vereinigten Staaten, sondern das Ziel sind offenere Märkte
im internationalen Rahmen. Wir hoffen, damit ein Signal zu
setzen, daß im System des Welthandels, der in immer grösserem
Mass von Wechselseitigkeit lebt, freier und fairer Handel eine
Verpflichtung für alle ist.
Das große Handelsdefizit, das mit dem derzeitigen Aufschwung einherging, hat unsere freie und faire Handelspolitik
vieler Kritik ausgesetzt - insbesondere seitens des Kongresses. Im Lauf des letzten Jahres wurden mehr als 300 protektionistische Gesetzesvorschläge eingebracht und erörtert. Obgleich die Bedingungen, die zu diesem Handelsdefizit geführt
haben, durchaus negative Auswirkungen auf einige amerikanische
Industrien hatten, so ist doch verstärkter Protektionismus
nicht die Lösung. Protektionistische Massnahmen haben wenig
Wirkung auf die Handelsbilanz und würden nur den Lebensstandard verringern und Mittel innerhalb der Volkswirtschaft auf
ineffiziente Weise umverteilen.
Unser Abkommen mit vier anderen grossen Industriestaaten
im September 1985 bedeutete die Einsicht, dass gewisse Änderungen im wirtschaftspolitischen Bereich in allen Ländern
(nicht nur in den Vereinigten Staaten) wichtig sind, um die
weltweiten Handelsungleichgewichte zu korrigieren und die Währungen wieder in eine Ordnung zu bringen. Zu diesem Zweck bekräftigten wir erneut unsere Verpflichtung, mit den Anstrengungen fortzufahren, das Haushaltsdefizit dadurch zu verringern, daß wir die Ausgaben als Anteil des BSP senken. Um dieses Ziel zu erreichen, drängten wir den Kongreß darauf, das
Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz zu verabschieden. Ihrerseits
verpflichteten sich die Handelspartner Amerikas, eine Politik
zu verfolgen, die eigeninitiiertes Wirtschaftswachstum und da- 11 -

�und dadurch auch die Nachfrage nach amerikanischen Exporten
fördern. Diese politischen Zielsetzungen haben auch für die
weniger entwickelten Staaten Bedeutung. Ja, ein zentraler
Punkt der jüngsten Initiativen des Finanzministers zur Hilfe
bei der Lösung der Schuldendienstprobleme dieser Länder besteht darin, ihnen eine Politik zu empfehlen, die das Wachstum
fördert, die Inflation senkt und Zahlungsbilanzanpassungen ermöglicht.
Schlußfolgerung
Meine Administration ist sich der Verantwortung der Bundesregierung bewusst, das Wirtschaftswachstum und die Chancen
des einzelnen dadurch zu fördern, daß sie eine Politik betreibt, die zu einem Höchstmass an Arbeitsplätzen, Produktion
und Kaufkraft führt. Wir beabsichtigen, diesen Kurs mittels
einer Politik zu verfolgen, die auch weiterhin ein starkes,
anhaltendes und nichtinflationäres Wachstum fördert und allen
vermehrte Chancen im wirtschaftlichen Leben bietet. Wir werden uns auch weiterhin verstärkten staatlichen Eingriffen als
Mittel zur Lösung kurzfristiger Probleme widersetzen. Derlei
Eingriffe waren in der Vergangenheit erfolglos und würden
letztlich mehr Teil des Problems als der Lösung sein. Mit Zusammenarbeit und Unterstützung des Kongresses und der unabhängigen Behörden werden wir die Politik weiterverfolgen, die
notwendig ist, um den derzeitigen Aufschwung fortzuführen und
die Preise zu stabilisieren.

* * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'%r,oN *

12. Februar 1986

DIE HAUSHALTSVORLAGE PRÄSIDENT REAGANS
- Die wichtigsten Fakten -

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Reagan dem Kongreß
zugeleitete Haushaltsvorlage sieht bedeutende Steigerungen bei
den Rüstungsausgaben und scharfe Reduzierungen bei einer Anzahl von Inlandsprogrammen vor.
Die Ausgabenkürzungen würden das projektierte Defizit um
38,2 Milliarden Dollar auf 143,6 Milliarden für das am 30.
September 1987 endende Haushaltsjahr verringern. Damit würde
das Defizit das laut dem Gramm-Rudman-Gesetz zum Ausgleich des
Haushalts für das Haushaltsjahr 1987 vorgeschriebene Ziel ein
wenig unterschreiten. Dieses Gesetz schreibt vor, daß das Defizit der Vereinigten Staaten etappenweise bis 1991 auf Null
zurückgeschraubt werden muß.
Der Vorschlag des Präsidenten möchte dies ohne Steuererhöhungen erreichen, denn: "Eine Steuererhöhung würde unseren
Wirtschaftsaufschwung gefährden und könnte sich im Hinblick
auf ihre Auswirkungen auf das Defizit durchaus als kontraproduktiv erweisen," wie Präsident Reagan in seiner Haushaltsbotschaft an den Kongreß vom 5. Februar verkündete.
Allgemeine Haushaltsdaten

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�Allgemeine Haushaltsdaten
Vorschlag des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1987
Gesamtausgaben:
Gesamteinnahmen:
Defizit:

994,000 Milliarden Dollar
850,400 Milliarden Dollar
143,600 Milliarden Dollar

Zukünftige Haushaltsansätze
Die folgenden Haushaltstrends werden bis zum Jahr 1991
angenommen:
Gesamthaushalte
(in Milliarden Dollar)

Ausgaben
Einnahmen
Defizite
Überschüsse

1985

1986

1987

1988

1989

946,3
734,1
212,3

979,9
777,1
202,8

994,0
850,4
143,6

1026,8 1063,6 1093,8 1122,7
933,2 996,1 1058,1 1124,0
93,6
67,5
35,8

1990

1991

1,3

Ausgaben in Prozent des BSP
Im Zuge der Verringerung des Haushaltsdefizits gegen Null
wird der prozentuale Anteil der Bundesausgaben am
Bruttosozialprodukt (BSP) von 23,4 Prozent 1986 auf unter 19
Prozent 1991 zurückgehen.
Haushaltsanteil am BSP
(in Prozent)
1986
Einnahmen
Ausgaben
Defizit

18,5
23,4
4,8

1987
18,7
21,9
3,2

1988
19,0
20,9
1,9

1989
18,9
20,2

1,3

1990
18,8
19,5
0,6

1991
18,9
18,9
0,0

Bundesausgaben
Wenn der Kongreß alle Empfehlungen des Präsidenten annimmt, wird der Gesamtbundeshaushalt im Haushaltsjahr 1987 lediglich um 1,4 Prozent steigen, während die Steigerungsraten
1986 noch 3,6 Prozent und 1985 11 Prozent betrugen. Bei Ein-

�Bei Einbeziehung der Inflationsrate würde sich die reale Kaufkraft der Regierungsausgaben 1987 um 2,4 Prozent und von 1987
bis 1989 um 0,8 Prozent jährlich verringern.
Die Militärausgaben sollen sich 1987 um 6,2 Prozent erhöhen (nach kleineren Streichungen 1986 gemäß dem Haushaltsausgleichsgesetz) und um 38 Prozent während des Gesamtzeitraumes
von fünf Jahren bis 1991. Der Haushalt sieht außerdem vor,
der Verteidigung einen noch größeren Zuwachs an Ausgabenermächtigungen zu gewähren, wodurch das Pentagon mit Mitteln für
Ausgaben in zukünftigen Jahren ausgestattet werden soll. Die
Ausgabenermächtigungen würden sich im Haushaltsjahr 1987, nach
Abzug der Inflationsrate um 33,2 Milliarden Dollar oder 8,2
Prozent im Vergleich zum diesjährigen Haushalt erhöhen.
Insgesamt entfallen auf die nationale Verteidigung 28 Prozent aller Bundesausgaben im Haushaltsjahr 1987, weitere 15
Prozent müssen für die Begleichung von Zinsen für die nationale Schuldenlast aufgewendet werden.
Hauptausgabenposten
(in Milliarden Dollar)

Nationale
Verteidigung
davon:
Streitkräfte
Andere Ausgaben
Internationale
Angelegenheiten
Raumfahrt und
Wissenschaft
Landwirtschaft

1986

1987

1988

265,8

282,2

258,4

274,3 290,7

1989

1990

299,1 322,3 344,8
313,3 335,5

1991
366,3
356,6

7,4

8,0

8,4

9,0

9,3

9,7

17,1

18,6

18,3

18,0

17,5

17,7

8,9

9,2

9,3

10,2

11,0

11,7

25,9

19,5

19,7

18,9

15,4

11,4

Bildung und
soziale Dienste

30,7

27,4

26,3

26,4

26,0

26,0

Gesundheit

35,7

35,0

36,7

37,9

39,4

40,7

Soziales

200,1 212,2 226,1 239,9 254,7 263,5

Nettozinsleistungen 142,7 148,0 145,1 136,0 125,6 115,9
Zusammenfassung der
- 3 -

�Zusammenfassung der Defizitreduzierungen
Der vom Prä sidente n vorg elegte Haus halt sieh t Einsp arungen
in Höhe von 38, 2 Milliarden Dollar bei existiere nden Bu ndesProgramm en auf der Bas is der "gege nwärt igen Dien ste" un d von
166 Mill iarden Dollar in den nächs ten d rei Jahre n vor. Für
die meis ten Pro gramme wird d er Beg riff "gegenwär tige Di enste"
definier t als "die erw artete n Kosten de r Fortfüh rung ge genwärtiger Bu ndespro gramme auf re alem 1 986er Niveau, ohne An derungen der Politik ; daß heißt, das si e kei ne der vo rgeschl agenen
neuen Ge setzesi nitiati ven de s Präsident en oder d es Kong resses
enthalte n, die gegenwä rtig n och ni cht i n Kraft s ind." Die
Hauptaus nähme b etrifft Progr amme d es Ve rteidigun gssekto rs, wo
das Nive au der "gegenw artige n Dien ste" definiert wird a ls die
Zahl, di e in der Haushaltsre soluti on de s Kongresses für 1986
enthalte n ist.
Fast die Hälfte aller Einsparungen fallen in die Kategorie
der Gesundheitswesens und der sozialen Leistungen, wie Kinderernährung, Bildung und Wohngeld. Einige der größeren Programmstreichungen betreffen:
- Beseitigung von ineffektiven, doppelt vorhandenen oder unnötigen Programmen:
Dies würde die Auflösung der Existenzgründungsbehörde, die
Beendingung von Entwicklungsprogrammen für bestimmte Sektoren,
wie z.B. die Wirtschaftsentwicklungsbehorde und die Kommission
für die Appalachen-Region, sowie die Abschaffung des Bundesamtes für den Binnenverkehr, das den Transport über Land regelt,
beinhalten.
- Reform sozialer Dienste:
23 Milliarden Dollar sollen über die nächsten drei Jahre
im Medicare-Programm, einem wichtigen Programm für die medizinische Versorgung von Senioren, durch höhere Beiträge und
Selbstbeteiligung an den Krankheitskosten eingespart werden.
Andere vorgeschlagene Kürzungen betreffen die Verminderung
subventionierter Schulspeisungen, die Streichung gewisser Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Reduzierung medizinischer
Leistungen für Veteranen und Einsparungen bei der Berufsausbildung.
- Reduzierung von Bundesprogrammen, die im Wettbewerb mit
dem privaten Sektor stehen:
Die Administration schlägt den Verkauf bestimmter staatlicher Elektrizitätsfirmen vor, den Verkauf der Treibstoffreserve für die Schiffahrt sowie den Verkauf von überflüssigem

�von überflüssigem Land in Staatsbesitz. Außerdem ist geplant,
die Subventionierung von Eisenbahnen und Erdabtastsatelliten
zu beenden und die Ernteversicherung abzubauen.
- Übertragung von Aufgaben an Staats- und Gemeindeverwaltungen:
Bundeshilfen für die Eindämmung der Umweltverschmutzung,
Gemeindeentwicklungsprogramme, landwirtschaftliche Bildungsprogramme und Energiesparmaßnahmen würden in einigen Fällen
gestrichen und in anderen Fällen auf niedrigerem Niveau den
Bundesstaaten übertragen werden.
- Benutzergebühren:
Gebühren und Prämien werden für Bundesgarantien auf Kredite, für die Beschau von Fleisch und Geflügel, die Benutzung
von Binnenwasserstraßen, Zollabfertigung und Benutzung von
Einrichtungen in Nationalparks und Wäldern erhoben werden.
Zusammenfassung der Ausgabenerhöhungen
Eine Reihe von Programmen werden als "vorrangige Initiativen" für den Haushalt 1987 bezeichnet. Diese beinhalten Verteidigungsausgaben, Sicherheitshilfe, Mittel zur Bekämpfung
des Terrorismus und für den Schutz amerikanischer Diplomaten
im Ausland, Bekämpfung des Drogenhandels, Grundlagenforschung,
Weltraumprogramme, Flugsicherheit und die Erforschung der
Krankheit AIDS.
Wirtschaftliche Annahmen
Die Haushaltschätzungen werden stark von Veränderungen der
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflußt. Schwierigkeiten bei der Verwirklichung spezifischer Haushaltsziele resultieren in vielen Fällen aus der Komplexität und Ungenauigkeit,
denen Voraussagen der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung
unterliegen. Im folgenden werden einige der wirtschaftlichen
Annahmen präsentiert, die von der Administration für ihre
Haushaltsansätze benutzt wurden:
1985
BSP (4.Quartal bis
4. Quartal)
Inflationsrate
Arbeitslosigkeit
Zinssatz
(91-Tage T-bills)

1986

1987

1988

2,5
3,3
6,9

4,0
3,7
6,7

4,0
4,1
6,5

4,0
3,5
6,2

7,5

7,3

6,5

5,6

* * * * * *

- 5 -

�.£D

ST-

'^ToN

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

12. Februar 1986

Warnung war nicht mehr möglich
- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit
aufgenommen -

WASH INGTON - (AD) - Die von Präsi dent Reaga n ein gese tzte
unabhäng ige Komm ission , die das CHALL ENGER-Ungl ück v om 2 8. Januar 198 6 untersuchen soll, trat am 6 . Februar zu ih rer ersten
Sitzung zusammen
Zum Leite r der Kornmission wu rde d er N ew
Yorker J urist Wi lliam P. Rog ers, ehem aliger Jus tizmi nist er
(1957 - 1961) un d Auße nminis ter (1969 - 1973) d er Ve rein igten
Staaten berufen. Zwei ter Vo rsitzende r ist der frühe re A stronaut Nei 1 A. Arm strong . Als Kommanda nt von APO LLO 1 1 betrat
er 1969 als erst er Men seh de n Mond, Von 1971 b is 19 80 P rofessor für Luftfahr ttechn ik an der Unive rsität von Cinc inna ti,
übernahm Armstro ng vor mehr als fünf Jahren den Vors itz im
Vorstand der Fa. Compu ting T echnologi es for Avi ation , Inc. , in
Charlott esville (Virgi nia). Er ist s eit 1985 M itgli ed d er Nationalen Raumfah rtkomm ission
Dem 12köpfigen Untersuchungsausschuß gehören außerdem an:
Brigadegeneral a.D. Charles ("Chuck") Yeager, ebenfalls
Mitglied der Nationalen Raumfahrtkommission und Pionier
des Uberschallfluges. Der ehemalige Testpilot durchbrach

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�Testpilot durchbrach 1947 mit einer Bell X-l als erster
Mensch die Schallmauer und flog 1953 mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2600 km/h.
Dr. Sally K. Ride, im Juni 1983 als erste Astronautin der
US-Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) beim zweiten
Einsatz der Raumfähre CHALLENGER dabei, studierte Physik
an der Stanford-Universität. Sie ist Missionsspezialistin
der NASA.
Dr. Albert D. ("Bud") Wheelon, promovierter Physiker vom
Massachusetts Institute of Technology (MIT), von 1961 1974 und erneut seit 1981 Mitglied eines Präsidialbeirats,
ist Präsident von "Space and Communications" der Hughes
Aircraft Company.
Robert W. Rummel, erfahrener Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik, Träger hoher Auszeichnungen und Mitglied der
Nationalen Akademie für Technik, ist Präsident der Fa.
Robert W. Rummel Associates, Inc., in Mesa (Arizona).
Dr. Arthur N.C. Walker, Jr., Professor für angewandte Physik an der Stanford-Universität, ist Berater der Aerospace
Corporation, der Rand Corporation sowie der Fa. "R and D
Associates" in Los Angeles; Prof. Walker gehört einer Anzahl von amerikanischen und internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften an.
Dr. Richard P. Feynman, Professor für theoretische Physik
am California Institute of Technology (CALTECH) in
Pasadena, ist Träger des Physik-Nobelpreises 1965 sowie
weiterer hoher wissenschaftlicher Auszeichnungen.
Eugene E. Covert, Ingenieur und derzeit Professor für
Luftfahrttechnik am MIT, ist u.a. Berater der NASA für Raketentriebwerke. Die amerikanischen Streitkräfte und die
NASA verliehen ihm hohe Auszeichnungen.
Robert B. Hotz, langjähriger Chefredakteur der Fachzeitschrift "Aviation Week &amp; Space Technology" und vielfach
ausgezeichneter Journalist, ist seit 1982 Mitglied der
allgemeinen Beraterkommission des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung.
David C. Acheson, ehemaliger Vizepräsident der Fa.
"Communications Satellite Corporation" und gegenwärtig
Mitinhaber einer Anwaltskanzlei in Washington, wurde bereits 1948 als Jurist in die damalige Amerikanische Atomenergie-Kommission berufen und fungierte von 1961 - 1965
als Generalstaatsanwalt für den "District of Columbia".
Generalmaj'or Donald

�- Generalmajor Donald J. Kutyna (US-Luftstreitkräfte USAF), Direktor der Abteilung "Space Systems Command
Control and Communications" der Luftstreitkräfte, studierte Luft- und Raumfahrttechnik am MIT und ist mit einigen
Tausend Flugstunden ein erfahrener Pilot. Als Leiter des
Raumtransporterprogramms des amerikanischen Verteidigungsministeriums von 1982 - 1984 war er für die Planung und
den Bau der Startanlagen für den Raumtransporter an der
amerikanischen Westküste verantwortlich.
Arbeitsgrundlagen
Die bisherigen Ermittlungen der noch am Unglückstag eingesetzten Stäbe der NASA bilden eine wichtige Arbeitsgrundlage
für den offiziellen Untersuchungsausschuß. Inzwischen wurden
weitere Wrackteile am Meeresgrund geortet, bei denen es sich
möglicherweise um Trümmer der beiden 45 m langen Feststoffraketen (SRB) handelt. Mit Hilfe unbemannter, mit Foto- und
Fernsehkameras ausgerüsteter Unterwasserroboter werden diese
Objekte jetzt erst einmal inspiziert und identifiziert. Sobald feststeht, daß es tatsächlich SRB-Reste sind, will man
versuchen, sie zu heben. Dies dürfte nicht einfach sein, da
es vermutlich viele Tonnen schwere Objekte sind, die aus Wassertiefen bis zu 300 m geholt werden müssen. Die durch Funkbefehl abgesprengten Spitzen der beiden Feststoffraketen,
ebenso größere Teile des Orbiter, befinden sich unter den bereits geborgenen Trümmern.
Aufgrund einer Flammenerscheinung an der rechten Zusatzrakete einige Sekunden vor der Explosion des externen Flüssigtreibstofftanks, die den Orbiter in einen riesigen Feuerball
hüllte, konzentriert sich gegenwärtig der Verdacht auf diese
Raketen als mögliche Quelle für das Geschehen. Die Experten
betonen allerdings, daß dies vorerst nur Vermutungen seien.
Jedenfalls ist auf Filmaufnahmen, die mit einer automatischen
Kamera der NASA gemacht wurden, zu erkennen, daß offenbar unter der Hitzewirkung von Flammen aus dem Innern der Zusatzrakete an der Seite ein Loch in deren Stahlmantel gebrannt worden war. Zeitpunkt für diese Situation: 58 Sekunden nach dem
Start, 16 Sekunden vor der Explosion.
Die seitliche Flamme sei etwas ganz Ungewöhnliches, was
man bei Raumtransporterstarts nie zuvor gesehen habe, sagte
der amtierende NASA-Chef Dr. William Graham. Aus dem Loch im
Stahlmantel strömten Gase und Flammen in Höhe einer der vier
Verbindungsstellen für die Segmente der Festtreibstoffrakete
aus, und zwar etwa elf Meter oberhalb der Brenndüse und unmittelbar über der Stelle, an der die Feststoffrakete an der Seite des Flüssigtreibstofftanks befestigt war.
Jede der beiden
- 3 -

�Jede der beiden Zusatzraketen besteht aus vier aufeinandergestzten Segmenten, die ineinandergefügt und durch Stahlkammern miteinander verbunden sind. Der gummiähnliche feste
Treibstoff brennt mit Temperaturen von mehr als 3200 Grad Celsius. Einmal gezündet, gibt es keine Möglichkeit, das Feuer
zu stoppen, bis die Rakete völlig ausgebrannt ist. Bei allen
24 Raumtransporterflügen, die dem CHALLENGER-Start vom 28. Januar (Mission Nr. 51-L) vorausgegangen waren, brannten die
Feststoffraketen normal und lösten sich in 45 km Höhe automatisch ab.
Die Isolierung an der Innenseite der SRB-Zusatzraketen ist
so konstruiert, daß der 12 mm dicke Mantel aus gehärtetem
Stahl gegen die Hitze geschützt wird und nach der Bergung und
Überholung wieder verwendet werden kann - mindestens 20 mal.
Nach Angaben der Herstellerfirma "Morton Thiokol" war von den
Raketen für den Flug Nr. 51-L keines der Segmente öfter als
dreimal verwendet worden. Dr. Graham zufolge zählten die wiederverwendbaren Zusatzraketen zu den robustesten und zuverlässigsten Komponenten des Shuttle-Systems. "Nicht zufällig,
auch nicht infolge einer Fehleinschätzung unsererseits" habe
es bislang keine Pannen damit gegeben. Sie seien mit großer
Sorgfalt und viel Überlegung konstruiert, "und wir taten alles, um von vornherein Pannen irgendwelcher Art zu vermeiden",
sagte Graham vor Journalisten.
Ein Sprecher der Herstellerfirma "Morton Thiokol" bemerkte, daß die Raketen nicht bei Temperaturen unterhalb von 4,4
Grad Celsius verwendet oder Temperaturen unter Null für längere Zeit ausgesetzt werden dürften. Denn bei Kälte bestünde
die Gefahr, daß sich in der Feststoffmasse Risse bilden.
Durch einen solchen Riß könnten sich Flammen aus dem Innern
bis zum Stahlmantel durchfressen und diesen unter Umständen
aufschmelzen. Jedoch sei die Einwirkung der in Florida am
Starttag plötzlich eingefallenen Kälte zu kurz gewesen, um den
Feststoffraketen zu schaden. In einem 170 Seiten starken
NASA-Bericht vom Dezember 1985 wird u.a. eine Reihe von Verletzungen der Sicherheitsvorschriften für die Montage der
Feststoffraketen im Kennedy-Raumfahrtzentrum kritisiert. Dafür ist die "Lockheed Space Operations Company" zuständig.
Die NASA-Mitarbeiter empfahlen Änderungen der Arbeitspläne und
eine bessere Ausbildung für das Personal.
Durch Presseberichte, die NASA-Quellen zitieren, wurde inzwischen bekannt, daß Computer in der Kontrollzentrale Houston
wenige Sekunden vor der Explosion eine Reihe von Problemen erfaßt hatten. Aber diese traten nicht rasch genug auf den Monitorbildschirmen in Erscheinung, um die Astronauten zu warnen. Die Flugkontrolle hätte die Katastrophe in keinem Fall
verhindern können. Sensoren an den Feststoffraketen hatten,
- 4 -

�Feststoffraketen hatten, wie der Vergleich mit dem Film aus
der automatischen Kamera später zeigte, einen Druckabfall um
fünf Prozent im Innern der rechten Feststoffrakete zu dem
Zeitpunkt registriert, als im Stahlmantel der Riß auftrat.
Dr. Graham hatte aber bereits zuvor erwähnt, daß es bei den
Feststoffraketen im regulären Betrieb zu Druckschwankungen
komme und zunächst stets erst die Meßdaten mit den Nominalwerten verglichen werden müßten, um feststellen zu können, ob es
sich um eine Anomalie handle oder nicht.
Eine t echni sehe Frag
n de r di e In gerne ure gete ilte r
Mein ung si nd, d ürft e jet zt b eson dere Bea chtun g fi nden : Manche
Expe rten, so L. Kin g Isa aeso n, P rofe ssor für Masc hine nbau an
der Univer sität Uta h, ve rtre ten die Theo rie, daß sich bei
Fest stoffr akete n an den Verb indu ngss teil en de r Se gmen te
"Dru ckbarr ieren " au fbaue n kö nnte n, d ie z u Res onan zdru ckwe llen
führ en, we lche die Segme nte zusä tzli eher Bela stun g au sset zen.
Nach der Z ündun g ei ner F ests toff rake te s tröme n di e Ga se d es
bren nenden Trei bsto ffs d urch den all e vi er Se gmen te d urch laufend en Höh lkern hin unter zur Düs e. Und auf d iese m We g er geben
sich Turbu lenze n, d ie ge rade im Bere ich der S egme ntve rbin düngen stehen de Dr uckw eilen inn erha lb d es K erns erze ugen kön nten .
Ein schon vorha nden er Ri ß wü rde verg röße rt - und die seng ende
Hitz e könn te si ch e inen Weg zum Stah lman tel b ahne n. Aus solchen Uberl egung en e rhell t, w ie w icht ig e s ist , die Wr ackt eile
der Festst of f rakete n zu find en. Der en U nters uchu ng k önnt e
wohl am eh esten Hin weise auf die Urs ache des Ungl ücks bri ngen.

* * * * *

- 5 -

�</text>
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    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
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      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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              <text>Amerikadienst 12.02.1986</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Freilassung Schtscharanskijs und anderer ermutigendes Zeichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz vom 11. Februar 1986 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Haushalt 1986/1987 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Haushaltskürzungen zur Förderung des Wirtschaftswachstums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Demokratie und Kultur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Richard R. Burt, Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, gehalten am 8. Februar 1986 in der Universität Heidelberg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Wirtschaftliche Stabilität wird Wachstum stützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wirtschaftsbericht des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Haushaltsvorlage Präsident Reagans&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die wichtigsten Fakten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnung war nicht mehr möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Untersuchungskommission für CHALLENGER-Unglück hat Arbeit aufgenommen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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