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AMERIKA DIENST

5.

Februar

1986

J»

I N H A L T

Dokumentation
Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation
- 4. Februar 1986 -

WIRTSCHAFT
Schuldenstrategie der Vereinigten Staaten auf Strukturreform ausgerichtet
- Aussagen des Stellvertretenden Finanzministers
David C. Mulford -

Wissenschaft und Technik
Forschen nach Ursache der CHALLENGER-Katastrophe

KokainmiSbrauch
- Gesundheitsschäden - auch Babies als Opfer -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

5. Februar 1986

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 4. Februar 1986 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 4. Februar 1986 vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses
seine in der Verfassung vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message - verlesen.
Er verwies darauf, "daß der Zustand unserer Union besser
ist als vor einem Jahr und mit jedem Tag besser wird." Dem
amerikanischen Volk sprach er seinen Dank für 37 Monate ununterbrochenen wirtschaftlichen Wachstums aus. "Die Stärke Amerikas zu erhalten, ist für die nationale Sicherheit ebenso
wichtig, wie die Kontrolle der Bundesausgaben für unsere wirtschaftliche Sicherheit."
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich danke Ihnen, daß Sie es mir ermöglichten, meine Botschaft auf heute abend zu verschieben. Unser gemeinsames Innehalten galt der Trauer um unsere sieben CHALLENGER-Helden
und der Ehrung ihres Heldenmutes. Und ich hoffe, daß wir nun
bereit sind, das zu tun, was sie sicherlich von uns erwartet
hätten - schreite weiter vorwärts, Amerika, greif nach den
Sternen! Wir werden diese tapferen Sieben nie vergessen, aber
wir werden auch weiter vorwärtsschreiten.
Mr. Speaker,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Mr. Speaker, darf ich - bevor ich mit meinem vorbereiteten
Text beginne - darauf hinweisen, daß dies heute nacht die
zehnte und letzte Botschaft über die Lage der Nation ist, bei
der Sie den Vorsitz haben. Und im Namen des amerikanischen
Volkes möchte ich Ihnen für Ihren Dienst an Kongreß und Vaterland danken.
Ich bin gekommen, um mit Ihnen den Fortschritt unserer Nation einer Prüfung zu unterziehen, von noch unvollendeter Arbeit zu sprechen und unseren Blick auf die Zukunft zu richten.
Ich freue mich, berichten zu können, daß der Zustand unserer
Union besser ist als vor einem Jahr und mit jedem Tag besser
wird. Heute abend blicken wir auf ein Amerika im Aufbruch,
einig im Geist, mächtig im Stolz und im Patriotismus - Amerika
hat sich in Bewegung gesetzt.
Aber es ist noch gar nicht so lange her, da blickten wir
auf ein ganz anderes Land - verschlossene Fabriktore und
Schlangen an den Tankstellen, unerträgliche Preise und Zinsen,
die das großartigste Land auf Erden in ein Land der gescheiterten Träume verwandelten. Der Regierungsapparat, ohne unser
Einverständnis immer weiter aufgebläht, war zu einem schwerfälligen Giganten geworden, der die Tore zum Glück versperrte
und damit drohte, sogar die Wurzeln unserer Freiheit zu zermalmen .
Was brachte Amerika auf seinen Weg zurück? Das amerikanische Volk selbst brachte uns darauf zurück - mit stillem Mut
und nüchternem Verstand; mit ungebrochenem Glauben, daß in
dieser Nation unter Gott die Zukunft uns gehören wird, weil
die Zukunft den Freien gehört.
Heute abend gebührt dem amerikanischen Volk unser Dank für 37 aufeinanderfolgende Monate des wirtschaftlichen Wachstums; für neugegründete Firmen und modernisierte Industrien,
durch die innerhalb von drei Jahren neun Millionen Arbeitsplätze geschaffen wurden; für halbierte Zinsen und für eine
Inflation, die von über 12 Prozent im Jahr 1980 auf heute unter vier gefallen ist; und für einen machtvollen Strom guter
Taten, für die Rekordhöhe von 74 Milliarden Dollar, die allein
im vergangenen Jahr an freiwilligen Spenden erbracht wurden.
Trotz des Drucks, den unsere moderne Welt ausübt, bleiben
die Familie und die Gemeinschaft moralischer Mittelpunkt unserer Gesellschaft, Wächter unserer Werte und Hoffnung für die
Zukunft. Familie und Gemeinschaft sind die beiden Sterne dieser Großen Wiederkehr Amerikas. Und ihretwegen sagen wir heute abend: Die Werte des einzelnen müssen im Mittelpunkt der
öffentlichen Politik stehen.
Was für die

�Was für die Familien in Amerika gilt, gilt auch für Amerika in der Familie freier Nationen. Die Geschichte ist nicht
Gefangene irgendwelcher Zwangsläufigkeit. Die Geschichte wird
von Männern und Frauen mit Vision und Mut gestaltet. Heute
abend ist die Freiheit auf dem Vormarsch. Die Vereinigten
Staaten sind das wirtschaftliche Wunder, das Modell, zu dem
sich die Welt erneut hinwendet. Wir stehen für eine Idee, deren Zeit jetzt gekommen ist: Nur wenn die Last von den Schultern aller genommen wird, kann ein Volk wirklich gedeihen und
kann der Frieden zwischen allen Nationen sicher sein.
Teddy Roosevelt sagte: Eine Nation, die Großes vollbringt, lebt für immer. Wir haben schon einiges geleistet,
aber wir können nicht am Fuß des Berges haltmachen, wenn ein
Everest lockt. Es ist an der Zeit, daß Amerika all das ist,
was es sein kann.
Wir sprechen heute abend von einem Fahrplan für die Zukunft, einem Fahrplan für eine Welt in mehr Sicherheit. Wir
sprechen über die notwendigen Maßnahmen, uns für die Herausforderungen zu stählen, die Wachstum, Handel und Sicherheit im
kommenden Jahrzehnt und im Jahr 2000 an uns stellen werden.
Und genau das werden wir tun - und dabei nicht mit unseren
ehernen Grundsätzen brechen, sondern uns losmachen von verfehlter Politik.
Fangen wir dort an, wo die Sturmwolken am düstersten dräuen - nämlich hier in Washington, D.C. In dieser Woche werde
ich Ihnen unsere detaillierten Vorschläge zusenden; heute
abend wollen wir von unserer Verantwortung dafür sprechen, die
Rolle der Regierung neu zu definieren: sie soll uns nicht
kontrollieren, nicht kommandieren, nicht einschränken, sondern
uns in Zeiten der Not helfen; vor allem soll sie eine Leiter
der Möglichkeiten hin zur Vollbeschäftigung erstellen, damit
alle Amerikaner auf ihr selbständig zu Wirtschaftskraft und
Gerechtigkeit gelangen können.
Aber wir können das Rennen um die Zukunft nicht gewinnen,
wenn wir an ein System gekettet sind, das nicht einmal einen
Bundeshaushalt verabschieden kann. Wir können dieses Rennen
nicht gewinnen, wenn wir von Pferdewagen-Programmen zurückgehalten werden, mit denen Steuergelder verschwendet und menschliches Potential verzettelt werden. Wir können dieses Rennen
nicht gewinnen, wenn wir in einem Meer von Vorschriften ertrinken.
Mr. Speaker, Sie, ich, das amerikanische Volk - wir alle
wissen es: das System des Bundeshaushalts ist gebrochen. Es
funktioniert nicht. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten,
es wieder funktionstüchtig zu machen. Dann können wir endlich
dem amerikanischen Volk einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen
Mitglieder des

�Mitglieder des Kongresses, die Verabschiedung des GrammRudman-Hollings-Gesetzes gibt uns eine historische Möglichkeit, das zu schaffen, was unserer nationalen Führung seit
Jahrzehnten nicht gelungen ist - die Bundesregierung zu zwingen, mit ihren Mitteln auszukommen.
Ihre Planung macht es
tion bis zum 15. April zu
an dem die amerikanischen
gets bezahlen müssen, die

erforderlich, die Haushaltsresoluverabschieden - gerade an dem Tag,
Familien die Rechnung für die Budvon Ihnen erstellt werden.

Wie oft lesen wir von einem Mann und seiner Ehefrau - beide arbeiten und mühen sich von einem Gehalt zum nächsten ab,
ihre Familie durchzubringen, eine Hypothek abzuzahlen, ihre
Steuern und ihre Rechnungen zu zahlen. Und doch sagen einige
im Kongreß, die Steuern müßten erhöht werden. Nein, es tut
mir leid, aber sie verlangen von den Falschen, den Gürtel enger zu schnallen. Es wird Zeit, daß wir den Bundeshaushalt
verringern und das Familienbudget unangetastet lassen. Wir
stehen nicht vor großen Defiziten, weil die amerikanischen Familien zu wenig Steuern zahlen; wir stehen vor diesen Defiziten, weil die Bundesregierung zu viel ausgibt.
Der detaillierte Haushalt, den wir vorlegen, wird den Zielen von Gramm-Rudman-Hollings nach Abbau des Defizits gerecht
werden; er wird unserer Verpflichtung entsprechen, eine starke
nationale Verteidigung sicherzustellen; unserer Verpflichtung
zum Schutz der sozialen Sicherheit und der wirklich Bedürftigen; und unserer Verpflichtung, die Steuern nicht zu erhöhen.
Wie können wir das erreichen? Nicht dadurch, daß wir denen etwas wegnehmen, die selbst in Not sind. Während die einen es aus eigener Kraft schaffen, muß die Regierung jenen
Schutz und Nahrung bieten, die dies nicht selbst vermögen.
Aber wir müssen jene Programme überprüfen oder ersetzen - und
die um des Mitleids willen erstellt wurden -, die den moralischen Wert der Arbeit herabmindern, die zur Spaltung von Familien ermutigen und die ganze Bevölkerungsgruppen in eine düstere und herzlose Abhängigkeit bringen.
Gramm-R udman- Holli ngs ka nn ei ne r adikal e Verb esse rung bedeute n. Ab er die Erfa hrung zeigt , daß die einfac he F estsetzung eines angest rebte n Defi zits nich t notw endige rwei se dessen
Erfül lung s ichert . Wir müssen we iter hin mi t den Refo rmen der
Grace -Kommi ssion gegen die V erwen düng vorge hen. U nd h eute
abend bitte ich S ie, m ir das zu g eben , was 43 Gou vern eure bereits haben - gew ähren Sie m ir di eses Jahr ein se lekt ives Veto. Geben Sie mi r die Vollm acht, der Verse hwendu ng E inhalt zu
gebie ten, u nd ich werd e die Veran twor tung d afür ü bern ehmen,
die K ürzung en vol lzieh en und die Situ ation entsch ärfe n.
Di ese Vollmacht

�Diese Vollmacht würde mir keine alleinige Machtstellung
einräumen, sondern ganz einfach verhindern, daß Ausgaben möglich werden, die sonst nicht aufgrund ihrer eigenen Vorzüge
angenommen worden wären; dabei lönnen Sie meinen Einspruch unterstützen oder überstimmen - so sollte das System funktionieren. Haben wir erst einmal die schwierige Entscheidung getroffen, sollten wir diese Errungenschaft in Form eines Gesetzeszusatzes zur Verfassung hinsichtlich eines ausgewogenen
Haushalts festschreiben.
Ich habe bereits erwähnt, daß wir unserer Verpflichtung
zur nationalen Verteidigung nachkommen werden. Wir müssen sie
einhalten. Die Verteidigung ist nicht einfach eine weitere
Haushaltsausgabe. Es liegt einzig und allein im Verantwortungsbereich der Bundesregierung, Amerika stark, frei und sicher zu erhalten; hier liegt die größte Verantwortung der Regierung. Wir haben fünf Jahre aufgewandt, in dem Versuch, eine
durch Illusionen und Vernachlässigung entstandene, gefährliche Lücke zu schließen. Und wir haben wichtige Errungenschaften gemacht. Dennoch besteht weiterhin eine erhebliche
Bedrohung durch die sowjetischen konventionellen und strategischen Streitkräfte, durch das sowjetische Streben nach Vorherrschaft, der Zunahme von Spionage und Staatsterror. Das
ist die Realität. Diese Realität ändert sich nicht dadurch,
daß wir unsere Augen davor verschließen.
Wir haben uns verpflichtet, das reale Wachstum der Verteidigungsausgaben so niedrig wie möglich zu halten. Mein Haushalt wird dieser Verpflichtung gerecht. Ich bitte nun den
Kongreß darum, das Seinige dazu zu tun. Die Sowjets müssen
wissen, daß Amerika seine Verteidigung nur aufgrund einer geringeren Bedrohung drosselt, nicht aber wegen mangelnder Entschlossenheit .
Die Stärke Amerikas zu erhalten, ist für die nationale Sicherheit ebenso wichtig wie die Kontrolle der Bundesausgaben
für unsere wirtschaftliche Sicherheit. Aber wie ich bereits
gesagt habe, ist die mächtigste Waffe, die wir gegen das Bundesdefizit einsetzen können, eine weiterhin frei und ungehindert expandierende amerikanische Wirtschaft.
Der Reiz der uns offenstehenden Möglichkeiten - uneingeschränkt, unerschöpflich, allen offen -: ist das nicht der
Ruf, der uns vereint? Ich glaube, daß unsere Steuersenkungen
mehr für die Menschen getan hat, um der Risikobereitschaft
Auftrieb zu geben und Amerikas Wirtschaft zu befreien als irgendein Programm seit John Kennedys Steuerkürzungen vor fast
einem Viertel Jahrhundert.
Jetzt fordert
- 5 -

�Jetzt fordert uns die Geschichte dazu auf, fortzufahren
mit den Bemühungen um eine historische Steuerreform, die neue
Chancen einräumen und dazu beitragen wird, daß alle ihren gerechten Anteil daran tragen - aber nicht mehr. Wir sind weit
gekommen. Werden Sie jetzt mit mir zusammen auch diese letzte
Etappe gehen?
Sie kennen meinen diesbezüglichen Standpunkt. Wir können
und werden keine Steuerreform akzeptieren, die eine bemäntelte
Steuererhöhung ist. Eine wirkliche Reform muß ein Motor für
Produktivität und Wachstum sein, und das heißt, daß der höchste persönliche Steuersatz nicht über 35 Prozent liegen darf.
Eine wirkliche Reform muß wahrhaft gerecht sein, und das bedeutet eine Anhebung des Steuerfreibetrags auf 2000 Dollar.
Eine wirkliche Reform bedeutet ein Steuersystem, das auf lange
Sicht hin die Familien begünstigt, neue Arbeitsplätze schafft,
Amerika und die Zukunft sichert.
Wenn wir die Wachstumshindernisse einreißen, müssen wir
unsere Bemühungen um einen freieren und gerechteren Handeln
verdoppeln. Wir haben bereits Maßnahmen getroffen, um unlauteren Handelspraktiken entgegenzutreten und nach bisher unzugänglichen Außenhandelsmärkten Ausschau zu halten. Das werden
wir auch weiterhin tun. Wir werden uns auch einer Gesetzgebung widersetzen, die vorgibt, Schutz zu gewähren, während sie
in Wirklichkeit einen amerikanischen Arbeiter auf den anderen
hetzt, einen Industriezweig auf den anderen, eine Kommune gegen die andere - und nur zu höheren Preisen für uns alle
führt. Wenn die Vereinigten Staaten mit anderen Staaten unter
gleichen Bedingungen Handel treiben können, dann können wir es
hinsichtlich Produktion, Wettbewerb und Handel mit jedem in
der Welt aufnehmen.
Die anhaltende Expansion unserer Wirtschaft und unserer
Exporte verlangt im Inland einen stabilen Dollar und verläßliche Wechselkurse auf der ganzen Welt. Wir dürfen nie wieder
wilde Wechselkursschwankungen zulassen, die unsere Bauern und
andere Exporteure lähmen. Besonders die Bauern haben in der
Vergangenheit unter unklugen Regierungsentscheidungen gelitten, und sie dürfen nicht mit Problemen allein gelassen werden, die sie nicht verursacht und auf die sie keinen Einfluß
haben. Wir haben zusammen mit unseren Haupthandelspartnern
mit der Koordination unserer Wirtschafts- und Währungspolitik
begonnen. Aber es gibt noch mehr zu tun, und heute abend weise ich Wirtschaftsminister Jim Baker an, herauszufinden, ob
die Länder der Welt sich nicht zusammensetzen sollten, um die
Rolle und das Verhältnis unserer Wechselkurse zu besprechen.
Im Vertrauen auf die Zukunft und in der Gewißheit unseres
Wertesystems streben wir Amerikaner vorwärts, dieser Zukunft

�dieser Zukunft entgegen. Das zeigt sich nicht nur in unserem
Aufschwung, sondern auch in den drei vollen Jahren einer sinkenden Verbrechensrate, im gemeinsamen Kampf von Familien und
Gemeinden gegen Pornographie, Drogen und Gesetzlosigkeit, um
ihren Kindern die sichere - und unschuldige - Kindheit zurückzugeben, die sie verdienen.
Das zeigt sich auch im neuerstandenen Erziehungswesen mit
seit drei Jahren ansteigenden positiven Ergebnissen bei Universitäts-Eingangsexamen - der Zuwachs im letzten Jahr war der
größte seit 1963. Es waren nicht die Regierung und die Lobby
in Washington, die das Erziehungswesen angekurbelt haben - es
war das amerikanische Volk, das sich bei seinem Streben nach
Qualität wieder auf die Grundwerte besann. Wir müssen den
Fortschritt weiterführen, indem wir die Disziplin in unseren
Schulen unterstützen; den Eltern das Recht auf freie Wahl bei
der Erziehung ihrer Kinder einräumen, und wir müssen unseren
Kindern das verlorene Recht wiedergeben, sich in ihren Klassenzimmern zu Gott zu bekennen.
Wir sind eine Nation von Idealisten; trotzdem gibt es heute einen Stachel in unserem nationalen Bewußtsein: Amerika
wird niemals eine Einheit sein, solange dem Ungeborenen das
von unserem Schöpfer gewährte Recht auf Leben abgesprochen
wird. Ich werde für den Rest meiner Amtszeit alles tun, damit
dieser Stachel eines Tages entfernt wird.
Bei unserem Bestreben, den amerikanischen Traum allen zugänglich zu machen, müssen wir auch den Zustand der amerikanischen Familie im Auge haben. Heutzutage ringen besorgte Eltern darum, wie sie ihren Kindern die Vorteile zugänglich machen können, die ihre Eltern ihnen selbst gewährt haben. Im
Sozialstaat hat der Zusammenbruch der Familie, seiner Keimzelle, krisenhafte Ausmaße angenommen - das zeigt sich in der Armut von Müttern mit Kind, Vernachlässigung von Kindern,
schrecklichen Verbrechen und schlechter werdenden Schulen.
Trotz der Hunderte von Milliarden Dollar für Programme gegen
die Armut nimmt das Elend der Armen immer schlimmere Ausmaße
an. Aber die Verschwendung von Dollars und Cents verblasst
vor dem tragischsten Verlust - der sündhaften Verschwendung
menschlicher Geistesund menschlicher Schaffenskraft.
Wir können diese schreckliche Wahrheit nicht länger ignorieren. Bereits Franklin Roosevelt warnte, als er vor 51 Jahren vor diesem Plenum stand: Wohlfahrt ist "... ein Betäubungsmittel, ein subtiles Zerstörungsinstrument des menschlichen Geistes". Wir müssen nun dem Spinnengewebe der Abhängigkeit entkommen. Heute abend erteile ich dem Innenausschuß
des Weißen Hauses den Auftrag, mir zum 1. Dezember 1986 eine
Bewertung von Programmen und eine Strategie für Sofortmaßnah- 7 -

�für Sofortmaßnahmen vorzulegen, um den finanziellen und sozialen Bedürfnissen sowie den Erziehungs- und Bildungsangelegenheiten armer Familien zu begegnen - ich spreche von einer
wirklichen und anhaltenden Befreiung, weil der Erfolg der Sozialleistungen daran gemesssen werden sollte, wieviele ihrer
Empfänger von ihr unabhängig werden.
Nachdem ich auch gesehen habe, wie sehr eine verheerende
Krankheit die finanzielle Sicherheit einer Familie zerstören
kann, weise ich den Gesundheitsminister Dr. Otis Bowen an, mir
zum Jahresende Empfehlungen darüber vorzulegen, wie Privatsektor und Regierung zusammenarbeiten können, um sich mit den
Problemen einer Versicherung auseinanderzusetzen, die jedermann bezahlen kann, ohne seine lebenslangen Ersparnisse anzugreifen, wenn eine lebensbedrohende Krankheit über ihn hereinbricht.
Heute abend möchte ich direkt zur jungen Generation Amerikas sprechen: ihr haltet das Schicksal unserer Nation in Euren Händen. Bei all den Versuchungen, denen junge Menschen
heute ausgesetzt sind, und die manchmal die Anziehungskraft
der freizügigen Gesellschaft ausmachen, werden ihnen oft übermenschliche Kraftakte der Selbstkontrolle abverlangt.
Aber
der Ruf der Zukunft ist zu stark, die Herausforderung zu groß,
um sich in den dunklen Abgründen von Verfall, Drogen und Verzweiflung zu verlieren.
Es gab niemals ein aufregenderes Zeitalter - eine Zeit der
mitreißenden Wunder und der heldenhaften Errungenschaften. Wie
hieß es in dem Film "Zurück in die Zukunft": "Wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen".
Heute schauen Physiker in die unendlich kleinen
subatomarer Teilchen und finden dabei Bestätigungen
bens an Gott; Astronomen bauen ein Weltraumteleskop
man bis an den Rand des Universums schauen kann und
sogar bis zurück zum Moment der Schöpfung.

Bereiche
des Glaumit dem
vielleicht

Diese Nation fühlt sich also weiterhin dem amerikanischen
Raumfahrtprogramm voll verpflichtet. Wir werden mit den Flügen unserer Raumfähre fortfahren. Wir werden unsere Raumstation bauen. Und wir werden die Forschungsarbeiten an einem
neuen Orient-Express weiterführen, der Ende des nächsten Jahrzehnts nach dem Abheben vom Flughafen Dulles, auf 25fache
Schallgeschwindigkeit beschleunigt, in eine niedrige Umlaufbahn gebracht werden oder in zwei Stunden nach Tokio fliegen
könnte.
Und mit der gleichen Technologie, die unser Leben verändert, kann das größte Problem des 20. Jahrhunderts gelöst wer-

�gelöst werden. Eines Tages kann ein Sicherheitsschild Atomwaffen überflüssig machen und damit die Menschheit aus dem Gefängnis des nuklearen Schreckens befreien. Amerika hat sich
einer historischen Herausforderung gestellt und ist auf dem
Mond gelandet. Jetzt muß Amerika eine neue Herausforderung
bestehen: die Realisierung unserer strategischen Verteidigung
für die Bewohner des Planeten Erde.
Laßt uns von unserer tiefsten Sehnsucht für die Zukunft
sprechen: unseren Kindern ein Land der Freiheit und Gerechtigkeit in einer friedlichen Welt zu hinterlassen. Ich hoffe,
daß unser Gipfeltreffen am Kaminfeuer von Genf und der kommende Besuch von Herrn Gorbatschow in Amerika zu einem stabileren
Verhältnis führen wird. Sicherlich gibt es kein anderes Volk
auf der Welt, das den Krieg mehr verabscheut und den Frieden
mehr liebt als wir Amerikaner.
Aber wir können den Weg in die Zukunft nicht mit kindlichem Vertrauen beschreiten. Unsere Differenzen mit einem
System, das offen ein angebliches Recht auf Herrschaft über
das Leben der Menschen und auf die gewaltsame Verbreitung seiner Ideologie verkündet und praktiziert, sind tiefgreifend und
fortdauernd.
Die Logik und die Geschichte zwingen uns, zu akzeptieren,
daß unser Verhältnis von Realismus bestimm^ sein muß: Stahlhart, klarsichtig, beständig und sicher. (Unsere Genfer Verhandlungsführer haben eine radikale Beschneidung der Offensivwaffen auf jeder Seite vorgeschlagen, ohne Betrug. Sie haben
klargemacht, daß die Erfüllung von Geist und Buchstaben jeden
Abkommens durch die Sowjets eine Grundbedingung darstellt.
Wenn die sowjetische Regierung ein Abkommen wünscht, das die
Zahl der Atomwaffen wirklich reduziert, dann wird es solch ein
Abkommen geben.^)
Rüstungskontrolle bildet jedoch keinen Ersatz für den
Frieden. Wir wissen, daß der Frieden den Spuren der Freiheit
folgt und daß Konflikte aufbrechen, wenn der Wille des Volkes
mißachtet wird. Deshalb müssen wir uns auf den Frieden nicht
nur durch die Verringerung von Waffen, sondern auch durch die
Förderung von Wohlstand, Freiheit und Demokratie wie und wo
auch immer wir können vorbereiten.
Jedes Mal, wenn wir uns für niedrigere Steuern, freiere
Märkte und gesunde Währungen einsetzen, fördern wir die Verwirklichung der versprochenen Möglichkeiten. Jedes Mal, wenn
wir mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten oder belagerten
Freunden helfen, stärken wir die Familie der Freiheit. Und
wir können diese Familie von freien Völkern erweitern, wenn
wir die unveräußerlichen Rechte aller Kinder Gottes auf Verfolgung ihrer Träume verteidigen.
Denen, die von
- 9 -

SM

�Denen, die von unterdrückerischen Regimen eingekerkert
sind, denen, die geschlagen werden, weil sie es wagen, für
Freiheit und Demokratie einzutreten - für ihr Recht auf Religions- und Redefreiheit, die Freiheit, in der Familie freier
Staaten zu leben und zu gedeihen -, denen sagen wir heute
abend: Freiheitskämpfer, ihr seid nicht allein. Mit moralischem und materiellem Beistand wird Amerika nicht nur euer
Recht, für die Freiheit zu kämpfen und zu sterben, unterstützen, sondern auch euer Recht, für die Freiheit zu kämpfen und
zu gewinnen: in Afghanistan, Angola, Kambodscha und Nicaragua.
Dies bedeutet eine große moralische Herausforderung für
die ganze freie Welt. Sicher gibt es kein anderes Problem, das
für den Frieden in unserer Hemisphäre, die Sicherheit unserer
Grenzen und den Schutz unserer vitalen Interessen, wichtiger
ist als die Erlangung der Demokratie in Nicaragua und der
Schutz von Nicaraguas demokratischen Nachbarstaaten.
In diesem Jahr werde ich den Kongreß um die Mittel bitten,
um das zu tun, was für diese große und gute Sache getan werden
muß. Scoop Jackson, der Inspirator unserer Überparteilichen
Kommission für Zentralamerika, hat einmal gesagt: "In Fragen
der nationalen Sicherheit ist die beste Politik keine Politik."
Was wir dieses Jahr im Hinblick auf all die Herausforderungen erreichen, mit denen wir konfrontiert sind, wird unseren Kurs für den Rest dieses Jahrzehnts, ja für den Rest dieses Jahrhunderts, bestimmen. Nach all dem, was wir bis jetzt
getan haben, soll niemand sagen, daß diese Nation nicht das
Ziel unserer Träume erreichen kann. Amerika glaubt daran, Amerika ist bereit dazu und Amerika kann das Rennen in die Zukunft gewinnen - und dies werden wir auch.
Der amerikanische Traum ist ein Lied der Freiheit, das
durch die Winternacht erklingt. Lebhafte, sanfte Musik, die
unsere Herzen erwärmt, wenn die geringsten unter uns nach den
höchsten Dingen streben: ein waghalsiges Unternehmen zu wagen;
neue Schönheit in der Musik, Literatur und Kunst ans Tageslicht zu bringen; ein neues Universum in einem winzigen Silikonchip oder in einer einzigen menschlichen Zelle zu entdecken.
Wir sehen, wie dieser Traum im Entdeckergeist eines
Richard Cavoli verwirklicht wird. Während seines ganzen Lebens hielten ihn die Geheimnisse der Medizin gefangen. Und,
Richard, wir wissen, daß das Experiment, mit dem Sie schon in
Ihrer Schulzeit begonnen haben, letzte Woche gestartet wurde
und fehlgeschlagen ist. Aber Ihr Traum lebt weiter. Uns so
lange er Wirklichkeit ist, wird weiterhin Arbeit von ehrenvollem Ansehen geleistet werden: Arbeit, die eines Tages die
schädlichen Wirkungen von Röntgenstrahlen auf Patienten redu- 10 -

�Patienten reduzieren könnte und die es Astronomen ermöglichen
die goldenen Pforten der fernsten Sterne zu erschauen.
Wir sehen, wie der Traum in der enormen Begabung des
zwölfjährigen Tyrone Ford glüht. Als Wunderkind der GospelMusik hat er persönliches Unglück überwunden und ist ein vollendeter Pianist und Sänger geworden. Außerdem dirigiert er
die Chöre von drei Kirchen und ist im Kennedy Center aufgetreten. Mit Gott als Komponisten, Tyrone, wird Deine Musik die
Musik von Engeln sein.
Wir sehen, wie der Traum durch den Mut des 13jährigen
Shelby Butler gerettet wird. Als ausgezeichnete Schülerin und
Mitglied der Schülerlotsen ihrer Schule riskierte sie ihr Leben als sie sah, wie ein anderes Mädchen vor einem außer Kontrolle geratenen Schulbus vor Angst erstarrte. Sie zog dieses
Mädchen in Sicherheit. Mit einem Mut wie Deinem, Shelby,
braucht Amerika niemals um seine Zukunft zu fürchten.
Und wir sehen die Wiedergeburt dieses Traumes im freudigen
Mitleid eines 13jährigen namens Trevor Ferrell. Vor zwei Jahren, als Trevor elf Jahre alt war, sah er im Fernsehen, wie
Männer und Frauen die Nacht in verlassenen Hauseingängen verbrachten. Er verließ das Haus in einem Vorort von
Philadelphia, um den Hilf- und Heimatlosen Decken und Essen zu
bringen. Und heute helfen ihm 250 Menschen dabei, seine
nächtliche Mission zu erfüllen. Trevor, Du verkörperst den
lebendigen Geist brüderlicher Liebe.
Ich möchte Sie vier bitten, sich für einen Moment zu erheben .
Vielen Dank. Sie sind Helden unserer Herzen. Wir schauen
Sie an und wissen, daß es wahr ist. In diesem Land der erfüllten Träume, wo noch großartigere Träume vorstellbar sind,
ist nichts unmöglich, ist kein Sieg außer Reichweite und wird
kein Ruhm jemals zu groß sein.
Es liegt nun an uns, an uns allen, Amerika auf den Tag
vorzubereiten, an dem unsere Arbeit verblassen wird angesichts
der Größe von Amerikas Helden des 21. Jahrhunderts.
Die Hoffnungen der Welt ruhen auf Amerikas Zukunft. Die
Hoffnungen Amerikas ruhen auf uns. So laßt uns denn voranschreiten, um unsere Welt von morgen zu schaffen - im Glauben,
in Einheit und in Liebe. Gott segne Sie und Gott segne
Amerika.

# * * *

- 11 -

�^° s v

AMERIKA DIENST

'Vo^

Wirtschaft
5. Februar 1 9 8 6

S C H U L D E N S T R A T E G I E DER V E R E I N I G T E N S T A A T E N
AUF S T R U K T U R R E F O R M A U S G E R I C H T E T
- Aussagen des
S t e l l v e r t r e t e n d e n F i n a n z m i n i s t e r s David C. M u l f o r d -

W A S H I NGTON - ( AD) - Na ch de r vom amer ikan isch en Fin a n z m i nist er Ba ke r i n Se oul vorg eschl agenen Seh ulde nstr a t e g i e w e r d e n
betr ä c h 11 iche Summ en n euer Geld er not ig s e i n , um den ve r s c h u l dete n Sta aten beim Übe rgan g zu dauerh afte m Wi rtsc h a f t s w a c h s t u m
zu u nters tütze n. Jedo ch w ird k eine n och so g roße M e n g e G e l d e s
ausr e i c h e n wenn d ie b etro f fenen Land er k eine wir t s c h a f t l i c h e n
Refo rmen besch ließ en, die für d ie Seh affu ng e iner Grund 1 age
für stabi les W achs tum unab dingb ar sin d, w ie e s de r für i n t e r nati onale Anae lege nhei ten zustä n d i g e Stel Iver tret e n d e F i n a n z mini ster der~v erei nigt en S taate n, Dav id C . Mulfor d, aus d r ü c k t e
Nach M u l f o r d s A u s s a g e n vor einem U n t e r a u s s c h u ß des a m e r i k a n i s c h e n K o n g r e s s e s vom 2 3 . Januar 1 9 8 6 m ü s s e n z u s ä t z l i c h zur
B e r e i t s t e l l u n g von c a . 40 M i l l i a r d e n D o l l a r für die S c h u l d n e r länder in den n ä c h s t e n drei Jahren " S c h r i t t e u n t e r n o m m e n w e r d e n , um die S p a r - und I n v e s t i t i o n s t ä t i g k e i t in den e i n z e l n e n
Ländern a n z u r e g e n , um die Last der ö f f e n t l i c h e n A u s g a b e n zu
v e r r i n g e r n , W e t t b e w e r b s f ä h i g k e i t und L e i s t u n g s f ä h i g k e i t zu
s t e i g e r n und die p o t e n t i e l l e n V o r t e i l e a u s l ä n d i s c h e r I n v e s t i tionen und des H a n d e l s mit dem Ausland zu n u t z e n . "
Die D u r c h f ü h r u n g der a m e r i k a n i s c h e n S c h u l d e n s t r a t e g i e w e r de einen von Land zu Land v e r s c h i e d e n e n "lagen und k o m p l e x e n
Prozeß" erfordern.
Die A u s s a g e n

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�Die Aussagen des Stellvertretenden Finanzministers vor dem
Unterausschuß des Wirtschaftsausschusses des amerikanischen
Kongresses haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit zur Besprechung der amerikanischen Vorschläge zur Verbesserung der internationalen Schuldenlage. Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten im
letzten Herbst zwei bedeeutende Initiativen gestartet. Die
erste führte am 22. September zur Ankündigung einer Reihe von
wichtigen makroökonomischen Maßnahmen durch die Fünfergruppe
führender Industriestaaten, um die Aussichten für ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten zu verbessern und damit gleichzeitig auch eine stärkere Grundlage für
eine Erneuerung des Wachstums in den Entwicklungsländern zu
schaffen.
Die zweite Initiative bestand in dem amerikanischen Vorschlag für ein "Programm für dauerhaftes Wachstum" für die
Schuldnerländer, welches von Minister Baker während der Jahrestagung von IWF und Weltbank im Oktober erläutert wurde.
Obwohl die Schuldnerländer seit 1982 erhebliche Fortschritte
bei der Reduzierung ihrer Verbindlichkeiten gemacht haben,
waren wir davon überzeugt, daß noch mehr getan werden müsse
zur Bekämpfung der inneren Unausgewogenheit, zur Umkehrung der
Kapitalflucht und zur Schaffung des nötigen binnenländischen
Unterbaus für stärkeres Wachstum. Außerdem mußte der scharfe
Rückgang bei der Vergabe von neuen Krediten durch die Geschäfts- und Handelsbanken seit 1982 angesprochen werden, und
es mußte eine positive Antwort auf die überzogene Rhetorik und
Politisierung einiger Schuldnerländer in Bezug auf das Schuldenproblem gefunden werden.
Um diesen Problemen gerecht zu werden, schlug Finanzminister Baker ein Drei-Punkte-Programm vor, das auf der gegenwärtigen fallbezogenen Schuldenstrategie aufbaut und verstärkende Aktionen auf Gegenseitigkeit durch die Schuldnerländer,
die internationalen Finanzinstitutionen und die Geschäfts- und
Handelsbanken zur Verbesserung der Aussichten auf wirtschaftliches Wachstum der Schuldnerstaaten vorsieht.
Zunächst ist es besonders wichtig, daß die Schuldnerländer
umfassende makroökonomische und strukturelle Schritte unternehmen, um das Wachstum und den Ausgleich der Zahlungsbilanz
zu fördern und die Inflation zu reduzieren. Solche Programme
sollten beinhalten:
- vermehrtes Vertrauen in den privaten Sektor;
- vermehrte Aktionen auf der Angebotsseite zur Mobilisierung der Spar- und Investitionstätigkeit im Inland; sowie
- größere Betonung von Maßnahmen zur Marktöffnung zur Ermutigung ausländischer Direkt- und Wertpapierinvestitionen, Kapitalzufluß und Handel.
Zweitens anerkennt
- 2-

�Zweitens anerkennt unser Vorschlag die Tatsache, daß der
Internationale Währungsfonds eine zentrale Rolle bei der
Durchführung der internationalen Schuldenstrategie gespielt
hat und betont, daß dies auch in Zukunft so sein solle.
Gleichzeitig ist wichtig, daß die Weltbank und die anderen
multilateralen Entwicklungsbanken eine größere Rolle spielen,
um die Maßnahmen des IWF zu ergänzen.
Insbesondere haben wir vermehrte und effektivere Gewährung von Krediten durch die multilateralen Entwicklungsbanken
zur strukturellen und sektoralen Anpassung gefordert. Wir
stellen uns einen 50prozentigen Anstieg gegenüber den gegenwärtig von der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) an die Hauptschuldnerländer ausgezahlten Geldern auf jährlich 9 Milliarden Dollar von 1986 bis 1988 vor,
was eine Gesamtsumme von 27 Milliarden Dollar für diesen Zeitraum bedeuten würde. Dies würde einen jährlichen Anstieg von
20 Prozent insgesamt ausmachen, nach den festgelegten Rückzahlungen, oder 20 Milliarden Dollar in neuen Nettokrediten während dieser drei Jahre.
Drittens schätzen wir einen Bedarf von 20 Milliarden Dollar in neuen Nettokrediten von den Handels- und Geschäftsbanken zur Unterstützung von wachstumsorientierten Schritten
durch die Schuldnerländer während der nächsten drei Jahre.
Dies ist gleichbedeutend mit einem Anstieg der jetzigen Bankbeteiligung um 2,5 bis 3 Prozent jährlich.
Wir deuteten an, daß wir gleichfalls bereit sein würden,
den Zeitpunkt und das Ausmaß einer generellen Kapitalerhöhung
für die Weltbank ernsthaft zu untersuche, wenn jeder der Beteiligten seinen Teil beiträgt und die Nachfrage nach Qualitativer Darlehensgewährung durch die Weltbank zunimmt.
Durchführung
Die Durc hfüh rung der Schu lden stra tegie wir d ein lan ger und
komp lexe r Pr ozeß sein . Der B egin n de r Ope rati onen wird nicht
durc h ei n ei nzel nes E reig nis qeke nnze ichne t se in. Dies er Prozeß hat soga r schon b egon nen. Un d die ame rika nisch e Sc huldeninit iati ve s teil t auc h ke inen Akt ions plan dar, der voll ständig
auf jede s Schuld nerla nd a ngew ende t we rden kann . Die Du rchführung wir d au f einer f allb ezog enen Gru ndlag e st attfi nden , wobei
die Init iati ve e inen Rahm en f ür k oope rativ e Ak tione n bi lden
wird , um die eig enen Anst reng unge n de r Seh uldn erlän der zur
Verb esse rung ihr er Wa chst umsa ussi chte n zu unte rstüt zen. Dies
wird von der ind ividu eile n Si tuat ion in de n Schuldn erlä ndern
sowi e von de n En tsche idun gen jede s Landes zur Durch führ ung der
z u s ä tzli chen wac hstum sori enti erte n Ma ßnahm en a bhäng en, die zur
Erqä nzun a de r schon b egon nene n An pass ungsm aßna hmen erfo rderlieh sin d.
Deshalb ist

�Deshalb ist es u n a n g e b r a c h t , nach " T e s t f ä l l e n " für die B e folgung des " B a k e r - P l a n e s " als Beispiel für die S c h r i t t e A u s schau zu h a l t e n , die wir von allen S c h u l d n e r l ä n d e r n e r w a r t e n
könnten.
Kein Modell wird als Ganzes auf die u n t e r s c h i e d lichen S i t u a t i o n e n dieser Länder z u t r e f f e n .
Einige sind schon
auf dem richtigen W e g ; andere haben e i n i g e A n p a s s u n g s m a ß n a h m e n
d u r c h g e f ü h r t , haben jedoch insgesamt nur b e g r e n z t e F o r t s c h r i t te erzielt oder haben in letzter Zeit b e d e u t e n d e R ü c k s c h l ä g e
e r l i t t e n ; und a n d e r e Länder beginnen g e g e n w ä r t i g g e r a d e erst
mit den n o t w e n d i g e n R e f o r m e n .
Es is t kl a r , da ß in nerh alb dies er dr ei b reiten Grup pen einige Land er a lle El emen te d i e s e r n euen I niti ative in An spruch
nehm en mü ssen . Ich würd e Ar g e n t i n i e n und Mex i k o dleser Gruppe
Me xiko b efin det sich zur Zeit mit Unter stütz ung des
zuor d n e n .
IWF in Ve rhan d l u n g e n üb er e in neues Prog ramm , während A rgentinien mit sein em exi stie rend en Progr amm w eite rhin e ng ml t dem
IWF zusam mena rbeite t. Wir g l a u b e n , daß es i n beid en Fä llen
wich tig i s t , e I n g rößer es A ugenmerk auf stru kturel le Ma ßnahmen
im Z usamm enha ng mit den IWF -Program men z u ri chten. Im Kontext
sekt orale r Da riehen der Wel tbank we rden dies e Land er au ch
stru kturp olit ische Maßn ahme n entwic k e i n .
Be ide we rden 1986
auße rdem erhe bliche Fin anzi erungspa kete der Handel s- un d Geschä f tsba nken benöt igen . Der Absch luß d iese r komp lexen Verhand lunge n wi rd ein e We ile dauern u nd so U t e nicht über Nacht
erwa rtet werd e n .

Dies trifft besonders auf diejenigen Länder zu, die alle
Elemente dieser Initiative in Anspruch nehmen müssen. Diese
Verhandlungen werden auf fallbezogener Basis auch die Beziehungen zwischen den Programmen des IWF und der Weltbank und
der Finanzierung durch die Handels- und Geschäftsbanken regeln
müssen, um sicherzustellen, daß alle drei Elemente zur Unterstützung wachstumsorientierter Reformen in den Schuldnerländern zusammenwirken. Dies wird eine engere Zusammenarbeit der
internationalen Finanzinstitutionen bei der Bewertung der
Wirtschaftspolitik und des Finanzbedarfs der verschiedenen
Schuldnerländer und unterstützende Finanzierung durch die Handels- und Geschäftsbanken erfordern.
Eine zweite Gruppe von Ländern braucht unter Umständen zu
diesem Zeitpunkt nur einen Teil der Initiative auszuschöpfen.
Ekuador etwa ist ein hervorragendes Beispiel für ein Land,
das bereits eine solide Wirtschaftspolitik betreibt, die von
grundlegender Bedeutung für den von uns vorgeschlagenen Weg
ist. Tatsächlich gibt es dort ein IWF-Programm, das genau innerhalb der Zielvorstellungen liegt. Es wurden erst kürzlich
Vereinbarungen über Finanzierungen durch Geschäftsbanken und
über Umschuldungen getroffen. Beträchtliche Erfolge wurden in
diesem Land auch schon dabei erzielt, eine Politik zu verwirklichen, die verstärkt Anreize für Spar- und Investitionstätig- 4-

�und Investitionstätigkeit bietet, die Märkte öffnet und staatliche Unternehmen privatisiert, um deren wirtschaftliche Effizienz zu vergrößern und das Wachstum zu stimulieren. Das sektorale Anpassungsdarlehen, das Ekuador in der vergangenen
Woche mit der Weltbank unterzeichnete, trägt zu einer weiteren
Intensivierung dieser Bemühungen bei; weitere solcher Darlehen
sollen auch in Zukunft noch ausgehandelt werden. Ekuador bemüht sich ganz offenkundig in einer nächsten Phase darum, zu
einem Status freiwilliger Darlehensnahme zurückzukommen, was
ein deutliches Zeichen des Erfolgs darstellen würde.
Andere Schuldnerländer befinden sich derzeit auf unterschiedlichen Stufen dieses politisch-finanziellen Stützungsplanes. Manche - wie etwa Kolumbien - sind dabei in seiner Umsetzung in die politische Wirklichkeit schon ein gutes Stück
vorangekommen. In anderen Staaten - wie etwa der Elfenbeinküste und Uruguay - gibt es vergleichbare IWF-Programme sowie
Finanzierungs- und Umschuldungspakete und sie sind dabei, mit
der Weltbank zusätzliche strukturelle Anpassungsmaßnahmen auszuhandeln .
Br a s i 1 i en be find et si ch i n ein er ande ren Lage . Das Land
erfre ut sich ein es q roßen Wac hstum s und einer sta rken Außenhande lsposit ion . Ma n wir d do rt je doch en ergi sehe Maß nahmen
ergre ifen mü ssen , um das soli de Wa chstum beiz ubeh alte n und die
Infla tion ab zuba uen. Der zeit hat Brasili en w i ssen la ssen, daß
es ni cht die Not wend igkei t si eht, ein for mell es I WF-P rogramm
auszu handeln . Dies stell t ei n Pro blem fü r eine jegli che Umschul düng de r of fizl eilen Kre dite im Rahm en d es C lubs von Paris d ar, wob ei j a di v Bet eili gung an eine m IW F-Hi lfsp rogramm
gefor dert wi rd. Sol ange dies es Pr oblem n och sein er L ösung
harrt , wird iede wei tere Fina nzier ung dur ch G esch äfts banken
von d eren Ur teil dar über abhä ngen, wie es um die Kred itwürdigkeit Brasili ens best eilt ist, wöbe i dies sich wie deru m zum
Teil auf die Sol idit ät de s br asili anische n Wi rtsc haft sprogramm s stützt.
Peru schließlich hat sich derzeit zu einem ganz anderen
Weg entschlossen und hat einseitig eine Obergrenze seiner Zahlungen für den Schuldendienst - im Sinne eines prozentualen
Anteils seiner Gesamtexporterlöse - festgelegt. Solange Peru
nicht eine konstruktivere Haltung einnimmt, werden seine einseitigen Maßnahmen sich als kontraproduktiv erweisen. Erst
jüngst hat auch Nigeria einen ähnlichen Kurs eingeschlagen.
Das Endergebnis wird in beiden Fällen wahrscheinlich ein in
Zukunft noch beschränkterer Zugang zu den so dringend notwendigen ausländischen Geldern sein, wenn nicht eine konstruktivere Haltung eingenommen wird.
Ich erwähne diese Beispiele, um zu zeigen, wie unterschiedlich Wirtschaftslage und -politik bei den Schuldnerländern sind. Die meisten von ihnen beteiligen sich bereits an

�bereits an den kooperativen Maßnahmen, die wir dargelegt haben
und es geht jetzt um die Frage, wie erfolgreich sie jetzt dabei sein werden, diese neuen Gelegenheiten zu ergreifen und
ihre Volkswirtschaften entsprechend anzupassen. Für diese
Staaten geht es nicht darum, sich den Baker-Plan auch formell
zueigen zu machen, damit dieser verwirklicht werden kann, sondern darum, die notwendigen innenpolitischen Reformen durchzuführen, um alle potentiell vorhandenen Möglichkeiten ihre
Volkswirtschaften in die Tat umzusetzen.
Die Rolle der Finanzinstitutionen
Die Reaktion auf unseren Vorschlag bei den internationalen
Finanzinstitutionen und den Handels- und Geschäftsbanken war
sehr positiv und ermutigend. Wir haben umfangreiche Erklärungen des geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds, des Präsidenten der Weltbank und des Präsidenten
der Interamerikanischen Entwicklungsbank erhalten, in denen
Unterstützung zum Ausdruck gebracht wird.
Die amerikanischen Banken, die 95 Prozent des von amerikanischen Handels- und Geschäftsbanken in den Hauptschuldnerländern angelegten Geldes repräsentieren, haben ihre Unterstützung zugesagt - ebenso wie die nationalen Bankengruppen und
die wichtigsten Banken aller Hauptgläubigerstaaten.
Was geschieht als Nächstes?
Um ihren Beitrag zu dieser kooperativen Strategie zu leisten, ist es für die internationalen Finanzinstitutionen wichtig, bei ihren eigenen Prozeduren Reformen durchzuführen, um
verstärkt strukturelle Anpassungsmaßnahmen zu betonen und die
Auszahlung bei vereinbarten Programmen so abzuwickeln, daß sie
das Verhalten der Schuldnerländer überwachen können, damit
sichergestellt wird, daß die Änderungen auch durchgeführt werden.
Wir hoffen, daß es zu einem wachsenden Fluß struktureller
und sektoraler - und von der jeweiligen Politik abhängigen Anpassungsdarlehen seitens der Weltbank sowie einer verstärkten Betonung der Privatisierung, der offenen Märkte und zunehmender Spar- und Investitionstätigkeit kommt. Die Entwicklung
von Kapitalmärkten in den Entwicklungländern - worüber die
Weltbank, die Internationale Finanzkorporation (IFC) sowie die
Interamerikanische Entwicklungsbank bereits mit der Bankenwelt
gesprochen haben - ist ebenso wichtig wie das Potential für
Schulden/Kapital-Tausch als Teil des Privatisierungsprozesses.
Öffentliche Unternehmen stellten eine erhebliche Belastung
für die staatlichen Mittel dar und trugen in den vergangenen
Jahren erheblich zu den Haushaltsdefiziten bei. Es ist wich-

�ist wichtig, dieser Vergeudung der Mittel eines Landes entgegenzutreten und einem starken und wachsenden Privatsektor als
einem Element der notwendigen Strukturreformen Erleichterungen
zu verschaffen.
Stärkere und offenere inländische Geldmärkte, Steuerreform
sowie eine Verbesserung des investiven Umfeldes können gleichfalls die Spar- und Investitionstätigkeit als Wachstumsstimulanz verbessern. Auch die Liberalisierung des Handels und die
Rationalisierung des Imports würden dem Export und der Wirtschafts als Ganzes zugute kommen.
Es ist doch praktisch so, daß es unrealistisch wäre, Unterstützung in Form freiwilliger Darlehen aus dem Ausland zu
fordern - gleich, ob von staatlicher oder privater Seite -,
wenn die inländischen Mittel selbst in die andere Richtung gehen. Der Kapitalflucht muß begegnet werden, wenn es wirklich
Aussicht auf weitere Mittel geben soll.
Dies sind also die Reformen, die die Weltbank und öer IWF
brauchen, um im Rahmen ihrer Darlehensprogramme Mut zu machen.
Wir werden auch eng mit der Interamerikanischen Entwicklungsbank zusammenarbeiten, um zu den notwendigen verfahrensmäßigen
und politischen Reformen zur Unterstützung der amerikanischen
Initiative zu ermutigen.
Schließlich wird auch die Bankenwelt ihre eigenen Mechanismen erarbeiten müssen, um ihren Verpflichtungen bei einer
Erhöhung der Nettokreditvergabe zur Unterstützung der wachstumsorientierten Wirtschaftsprogramme der Schuldnerländer gerecht zu werden.
Eine ganze Reihe von Ideen wird derzeit diskutiert. Was
uns angeht, so beabsichtigen wir nicht, zu diesem Zweck staatliche Garantien zu geben. Wir sind der festen Überzeugung,
daß diese Haltung dazu beiträgt, die Qualität der Außenstände
der Banken zu verbessern und deshalb im eigenen Interesse der
Banken jener Länder liegt, die eine solide, wachstumsorientierte Anpassung betreiben.
Schlußfolgerung
Sind angesichts der sich in in letzter Zeit verschlechternden Lage Mexikos die Beträge, die wir für die Arbeit der
Multilateralen Entwicklungsbanken und der Geschäftsbanken vorgeschlagen haben, für jene ausreichend, die bereit sind, die
notwendigen innenpolitischen Reformen durchzuführen? Wir
glauben, ja. Die jüngsten weltwirtschaftlichen Entwicklungen
haben die Voraussetzungen nicht wesentlich verändert, auf
denen unsere Schätzung bezüglich der 15 Hauptschuldnerländer
- 7-

�15 Hauptschuldnerländer sich gründete. Dazu gehörten eine
durchschnittliche Wachstumsrate der OECD von annähernd 3 Prozent und eine 5prozentige Wachstumsrate bei den beteiligten
Schuldnerstaaten im gleichen Zeitraum.
In der Tat sind die Zinsen zurückgegangen, wodurch die
jährliche Zinsbelastung dieser Staaten seit Anfang 1985 um
rund 7 Milliarden Dollar zurückgegangen ist. Die fallenden
Ölpreise andererseits haben die Finanzlage mancher Staaten
verbessert, die anderer wiederum verschlechtert. Insgesamt
gesehen hat sich die Lage seit vergangenem Sommer verbessert.
Ein Blick nach vorn zeigt, daß ein deutlicher Rückgang der
ölpreise eindeutig für die Entwicklungländer insgesamt von
Nutzen wäre. Allerdings würde ein radikaler Abfall ganz offensichtlich für jene Länder mit Anpassungsschwierigkeiten
verbunden sein, die von Ö'lexporten abhängig sind. Wir müssen
dies genau im Auge behalten. Das "Programm für dauerhaftes
Wachstum" ist flexibel und anpassungsfähig und ist so entworfen, daß es auch mit Verteilungsproblemen dieser Probleme
fertigwerden sollte. Es ist allerdings offensichtlich, daß
Staaten wie Mexiko und Nicaragua in naher Zukunft vor zunehmenden Geldnöten stehen werden.
Obglei ch u nse r Vo rsch lag e rheb lieh e Su mmen an n euen Geld e m beinh alte t, um d en S chuld ners taat en b ei ih rem Uberg ang zu
anha ltende m Wa chs tum behi lflic h zu sei n, s o wir d do ch ke ine
Fina nzieru ng a nge mess en s ein, sola nge dies e Sta aten nich t die
wirt schaft lieh en Maßn ahme n dur chfü hren , die not wend ig si nd, um
die Grundl age für ein Wac hstum zu scha ffen . Die In flati on,
die die Vo lksw irt scha ften der real en W achs tumsg ewin ne be raubt,
muß unter Kont rol le g ebra cht w erde n. Es m üssen Seh ritte untern ommen werd en, um die Spar- und Inv esti t i o n stäti gkeit in
den einzel nen Län d e m anz urege n, u m di e La st de r öf fentl ichen
Ausg aben z u ve rri nger n, W ettbe werb sfäh igke it un d Le istun gsfähi gkeit zu s tei gern und die pote ntie llen Vort eile ausl ändisch er Inv esti tio nen und des H ande ls m it d em Au slan d zu nutzen. Nur dies ka nn d ie s olide wir tsch aftl iche Grün dlage in
den einzel nen Län d e m seh äffen , die fü r ein bes sere s Wachstum
Vora ussetz ung ist

* # * * *

- 8 -

�;eo s&gt;

V,oN^

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

5. Februar 1986

FORSCHEN NACH URSACHE DER CHALLENGER-KATASTROPHE

- (AD) - Die Trümmersuche dauert an. Fernsehkameras unbemannter Unterwasserfahrzeuge ermöglichten ein erstes Auffinden
von Teilen der Raumfähre CHALLENGER am Meeresboden, die in einem ca. 80 mal 160 km großen Gebiet niedergegangen sind und
mittels Ultraschall geortet wurden. Die Untersuchung der
Bruchstücke, von denen am küstennahen Bereich bereits einige
Tonnen geborgen wurden, sowie Analyse der Filmaufnahmen und
Computeraufzeichnungen bringen vielleicht doch Hinweise auf
die Ursache der Explosion.
Bis zur Einsetzung der offiziellen Untersuchungskommission, der Experten aus dem akademischen, wissenschaftlichen
und industriellen Sektor angehören sollen, leisten Stäbe der
NASA (amerikanisches Amt für Luft- und Raumfahrt) die Vorarbeiten. Dr. William Graham, der amtierende Leiter der NASA,
sagte: "Die Arbeitsgruppe der NASA konzentriert sich darauf,
sehr gründlich zu untersuchen, was geschah und was notwendig
ist, um uns allen die bestmögliche Gewißheit zu geben, daß es
nie wieder geschehen wird."
Der Verlust der CHALLENGER und der Tod der sieben Astronauten kurz nach dem Start am 28. Januar 1986 werde, so
Graham, "uns als Amerikaner nicht davon abhalten, auch künftig

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�auch künftig in der Forschung und im Weltraum an vorderster
Front aktiv zu sein... Wir werden unser Raumfahrtprogramm
fortsetzen, das gegründet ist auf das Zusammenwirken von Menschen und Maschinen, damit sie im Weltraum das bestmögliche
geben. Der Raumtransporter hat sich als ein sehr effektives
und zuverlässiges System erwiesen. Wir hatten in der Aufeinanderfolge von 56 erfolgreichen Starts seit Beginn des bemannten Raumfahrtprogramms keinen Verlust an Menschenleben zu beklagen. Der Raumtransporter... wird auf absehbare Zukunft unser wichtigstes Weltraumtransportsystem bleiben."
Angesichts der CHALLENGER-Tragödie hat die NASA bis zur
Aufklärung der Explosion, die sich 74 Sekunden nach dem Start
in Kap Canaveral in 16 000 km Höhe ereignete, das Flugprogramm
für Raumtransporter gestoppt. Nach Aussage von NASA-Mitarbeitern ist es zu früh, um über mögliche Ursachen zu spekulieren.
Jedoch seien Experten für Luft- und Raumfahrttechnik der Meinung, daß das Unglück irgendwie mit den Haupttriebwerken des
Orbiter, dem riesigen externen Flüssigtreibstoff-Tank oder den
beiden seitlichen Feststoffraketen zusammenhänge.
Die 37 m lange Raumfähre bezieht den flüssigen Treibstoff
für ihre drei Haupttriebwerke am Heck aus dem 47 m langen externen Tank an der Unterseite, der mit Metallstreben an Nase
und Basis des Orbiter befestigt ist. Er stellt das bei weitem
größte Einzelstück der Kombination beim Start dar. Mit der
Schubkraft der drei Haupttriebwerke (636 000 kp) hebt die
Raumfähre von der Erde ab. Der Treibstoff, flüssiger Wasserstoff und flüssiger Sauerstoff, wird durch dicke Leitungen aus
dem Außentank herübergepumpt. Sobald die Orbiter-Hauptriebwerke nach vier Sekunden 90 Prozent ihrer vollen Leistung erreicht haben, zünden die beiden seitlich montierten Zusatzraketen. Sie sind vom Antriebssystem mit Flüssigtreibstoff unabhängig und verstärken den Schub um je 1 170 000 kp. Ihr
Festtreibstoff, bestehend aus Aluminiumpulver und Ammoniumperchlorat, ist nach zwei Minuten Flug ausgebrannt. Sie werden vom Außentank durch kleine Raketentriebwerke abgesprengt.
Jede der beiden großen Zusatzraketen stößt drei Fallschirme
aus, an denen sie für eine Bergung durch Schiffe zur Wasseroberfläche schwebt. Diese Technik hatte 24 Mal gut funktioniert - bis zum 28. Januar 1986, als sich die Zusatzraketen
infolge der Explosion 74 Sekunden nach dem Abheben vorzeitig
lösten und, nach Angaben von Richard Smith, des Direktors des
Kennedy-Raumfahrtzentrums, von Sicherheitsoffizieren der amerikanischen Streitkräfte durch Funkkommandos zerstört wurden,
um nicht bewohnte Gebiete zu gefährden.
Normalerweise arbeiten die drei Orbiter-Haupttriebwerke
acht Minuten lang und haben erst Brennschluß, wenn der Orbiter
die Umlaufbahn erreicht hat. Dann wird auch der externe Tank
— 2 —

�externe Tank abgeworfen. Er besteht aus zwei Behaltern: Der
untere enthält 1,5 Millionen Liter von explosivem Flüssigwasserstoff, der obere ca. 500 000 Liter Flüssigsauerstoff zur
raschen Verbrennung des Wasserstoffs. Beide Treibstoffkomponenten strömen über separate, isolierte Leitungen aus, die aus
Aluminium und rostbeständigem Stahl bestehen. Die Zufuhrleitungen zu den drei Hauptriebwerken haben einen größeren Durchmesser als beispielsweise ein menschlicher Körper. Über den
Hauptmotoren des Orbiter verzweigen sie sich. Pumpen fördern
dort unabhängig voneinander Wasserstoff und Sauerstoff zur
Verbrennungskammer jedes der drei Triebwerke.
Wie die NASA berichtete, ereignete sich die Explosion, die
die CHALLENGER zerstörte, zu einem Zeitpunkt, an dem die
Haupttriebwerke auf volle Kraft geschaltet werden sollten,
nachdem die Flugastronauten die Motoren für 35 Sekunden auf 60
Prozent Leistung zurückgefahren hatten. Dadurch wurde die
Schwerebelastung in der Startphase verringert. Außerdem kam
die Explosion zu einer Zeit, in der für die CHALLENGER die Periode des stärksten aerodynamischen Drucks begann, d.h. wenn
durch Wind und andere atmosphärische Faktoren erhöhte Vibrationsbelastungen auf die Außenwand wirken.
Ingenieure vermuten, daß die Treibstoffleitung vom Außentank zu den Haupttriebwerken an einer Schwachstelle in dem Augenblick gerissen sein könnte, als wieder auf volle Leistung
geschaltet wurde. In diesem Fall könnte Wasserstoff nach außen gelangt und durch die Hitze von den Hauptriebwerken entzündet worden sein. Eine weitere Vermutung geht dahin, daß es
einen Defekt in der Isolierung des Außentanks gab. Dieser muß
während des Starts 2,8 Millionen kp Schubenergie von den Feststoffraketen und den Flüssigtreibstoff-Motoren absorbieren.
Die Tankwandung besteht aus einer Aluminiumlegierung, deren
Dicke zwischen zwei Millimetern und fünf Zentimetern variiert.
Auch gab es Vermutungen, daß von der Raumfähre abgebrochene Eisbrocken, die sich in dem ungewöhnlich kalten Wetter vor
dem Start und während des Starts gebildet hatten, den externen
Tank beschädigt haben könnten. Aber dies alles sind nach Ansicht der technischen Experten Spekulationen, die nicht weiterführen. Erst müßten mehr Fakten bekannt sein, ehe überhaupt etwas gesagt werden könne. Bei der Untersuchung von
Flugzeugunfällen habe man z.B. in manchen Fällen die Erfahrung
gemacht, daß eine zu Beginn vermutete Ursache sich später als
nicht zutreffend erwies und die tatsächliche Ursache ganz anderer Natur war.
Viele der führenden Firmen der amerikanischen Luft- und
Raumfahrtindustrie sind am Raumtransportprogramm beteiligt.
"Martin Marietta" liefert den externen Tank. Er wird im Werk

�im Werk New Orleans (Louisiana) gebaut und per Schiff zum
Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida transportiert, um dort ein
paar Tage vor dem Start mit den Flüssigtreibstoffen gefüllt zu
werden. Die Firma "Morton Thiokol" baut die Feststoffraketen,
die in Wasatch (Utah) mit Treibstoff gefüllt und dann nach
Florida befördert werden. Dort werden sie am Flüssigtreibstoff-Tank anmontiert. "Morton Thiokol" ist auch für die
Überholung und Neufüllung der ausgebrannten, aus dem Meer geborgenen Gehäuse der Feststoffraketen zuständig. Vertragspartner für die Herstellung der Haupttriebwerke für den Orbiter ist die "Rocketdyne Division" der "Rockwell International
Corporation". Bei der Firma Rockwell wurden auch alle vier
Raumtransporter gebaut. Die "Lockheed Corporation" ist für
die Überholung einer Raumfähre von der Landung bis zum nächsten Start verantwortlich. Das Unternehmen hat seinerseits
zwei große Partnerfirmen unter Kontrakt, nämlich "Grumman
Aerospace" und "Morton Thiokol".

* * * * * *

�&gt;

V,oN^

&lt;^

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5. Februar 1986

KOKAINMISSBRAUCH
- Gesundheitsschäden - auch Babies als Opfer -

WASHINGTON - (AD) - Die seit 1984 in den Vereinigten Staaten gesetzlich verankerten Bestimmungen, Guthaben und Vermögenswerte aus Rauschgiftgeschäften zu beschlagnahmen sowie deren Erwerb und Gebrauch als kriminelle Handlungen zu verfolgen, machen Schule. Inzwischen gingen einige Länder zu ähnlichen Maßnahmen über, und Überlegungen zur Schaffung entsprechender juristischer Voraussetzungen werden jetzt u.a. in
der Bundesrepublik Deutschland angestellt.
ie der amerikanische Justizminister
In d en USA hab en si
Edwi n Me ese II I im Deze mber 1985 in Wien vor Mitarbeitern der
UN-K ommi ssion für Sucht stof fe und Rauschgiftkriminalität ausführ te, die be iden Haup tpro gramme der Drogenbekämpfung zum
Hint ergr und: Das eine will die Versorgung der Szene mit
Such tsto ffen u nter binde n, d as zweite gilt einer umfassenden
Eind ämmu ng der Nac hf rag e. "Wenn wir beides gleichzeitig anpack en, müßte es m öglic h se in, die gegenwärtige Situation beträc htli ch zu verb esser n", meinte der Minister. Dennoch komme
es i n er ster L inie auf die jungen Menschen selbst an, für ihr
Verh alte n "die ric htige Wah 1 zu treffen und sich so zu entsehe iden , daß sie droge nfre i bleiben."
Die amerikanische

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�Die amerikanische Regierung nehme ihre Pflicht sehr ernst,
sagte Meese, die Bevölkerung über die Gefahren des Konsums von
illegalen Suchtstoffen sowohl für den einzelnen als auch für
die Gesellschaft aufzuklären. Dies bedeute für viele Menschen
Umerziehung - kein einfacher Prozeß. Er erforderte, 'or allem
im Interesse der Jugend, eine beharrliche und engagierte Mitarbeit von Regierung und vielen Institutionen, von Eltern,
Lehrern und allen jenen Personen, die Leitbilder für die Jugend sein können. Auf das Risiko der Neugier, die Auswirkung
einer Droge wenigstens einmal kennenzulernen, kann gar nicht
eindringlich genug hingewiesen werden. Und das gilt heute in
ganz besonderem Maße für Kokain.
Trotz der straff koordinierten Aktionen der 13 regionalen
Arbeitsstäbe, die die Vereinigten Staaten zur Durchsetzung der
Maßnahmen gegen die Rauschgiftkriminalität im weitesten Sinne
aufgebaut haben, werden pro Jahr zum Beispiel Tausende von
Tonnen Kokain eingeschmuggelt. Die international organiserten
Syndikate bedienen sich dabei rasch wechselnder und äußerst
raffinierter Methoden. Auch Westeuropa wir 'nzwischen ^ner
stärker mit Kokain überschwemmt, wofür allein schon die beschlagnahmten Mengen sprechen.
Vergiftet - geringe Aussicht auf Heilung
Die physischen und psychischen Schäden, die der Dauerkonsument dieses als Freizeitspaß verharmlosten, oft auch als
leistungsfordernd angepriesenen Rauschgiftes davonträgt, sind
verheerend. Schon nach wenigen "Trips" wird der Hunger nach
dem Stoff immer größer. Kokain, das zunächst in einen euphorischen Zustand versetzt, dann zu Hallizunationen, Psychosen
und Depressionen führt, wirkt auf das zentrale Nervensystem
(ZNS) mit zunehmender zentraler Erregung. Es verändert die
ZNS-Funktionen in einer Weise, die unvorhersehbare Komplikationen im Gefolge haben können. Dazu zählen unregelmäßige,
meist überhöhte Herzschlag- und Atmungsfrequenz, Anstieg von
Körpertemperatur und Blutdruck (wobei dieser häufig stark
schwankt), Krampfanfälle, Lähnungen, Herzstillstand. Komplikationen solcher Art treten im Zusammenhang mit den neuesten
Varianten von Kokain, die jetzt in der New Yorker Drogenszene
aufgetaucht sind, sogar noch deutlich verstärkt auf.
Die typischen Vergiftungserscheinungen machen sich gewöhnlich erst nach zwei bis drei Jahren bemerkbar. Dann ist der
Gebrauch der Droge längst zur Sucht geworden. Dem körperlichen und geistigen Verfall der Abhängigen steht die Medizin
ziemlich hilflos gegenüber - und die Zahl derer, die Kokain
regelmäßig nehmen, wird einem Bericht der New York Times zufolge auf etwa fünf Millionen Menschen geschätzt! Bis zu 5000
- 2 -

�Bis zu 5000 Menschen täglich lassen sich neu darauf ein, Kokain zum mindesten zu probieren.
Unterentwickelte und kranke Babies
Besorgniserregende Folgen für die Babies von Müttern, die
während der Schwangerschaft zu Kokain gegriffen haben, beobachten Kinderärzte in zunehmendem MaGe. In Berichten aus einigen amerikanischen Kliniken und Rehabilitationsheimen für
drogengeschädigte Säuglinge und Kleinkinder wird darauf hingewiesen, daß die Auswirkungen des Drogenmißbrauchs der Schwangeren auf die fetale Entwicklung und die Entwicklung nach der
Geburt bei "Kokainbabies" sogar noch schwerwiegender als bei
"Heroinbabies" sein dürften.
Zu einer auffallenden Häufigkeit von Fehlgeburten oder
vorzeitigen Wehentätigkeit kommt es auch bei Frauen, die Kokain nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich genommen haben. Das Geburtsgewicht von Kokainbabies ist niedriger als
normal. In ihrer körperlichen Entwicklung bleiben sie zurück,
die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik, der Fähigkeiten für
Wahrnehmung und Koordination ist gestört. Bei manchen Neugeborenen wurden Lähmungen entsprechend den Folgen von Sauerstoffmangel oder einer Blutung im Gehirn beobachtet - vermutlich zustandegekommen im Zusammenhang mit den starken Blutdruckschwankungen im mütterlichen Organismus unter Kokaineinfluß. Die akuten Entzugserscheinungen unmittelbar nach der
Geburt halten länger an, als man dies von "Heroinbabies" her
kennt. Mit Atmung und Nierenfunktion der Neugeborenen gibt es
häufig Schwierigkeiten.
Prognosen über den Fortgang der Entwicklung von "Kokainkindern" sind noch kaum möglich. Aber die Ärzte, die sich vor
allem in einigen amerikanischen Großstädten mit dem Problem
konfrontiert sehen, befürchten, daß geistige Behinderung, Verhaltensstörungen und erhebliche Lernbehinderung, dazu bleibende Behinderungen der körperlichen Bewegungsfähigkeit, das Leben dieser Kinder prägen werden.

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