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                  <text>AMERIKA DIENST
'VON**

29.

Januar

1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Trauer um Tod der "CHALLENGER"-Astronauten
- Ansprache des amerikanischen Präsidenten nach Explosion
der Raumfähre NATO zur Vorlage eines Abkommens bei der KVAE in
Stockholm bereit
- Pressekonferenz des amerikanischen KVAE-Delegationsleiters Barry - (Auszüge)
USA appellieren an Pretoria: Freilassung Mandelas
- Rede von Unterstaatssekretär Michael Armacost INFORMATION
Reagan fordert ein Ende des Mordens in Afghanistan
- Besuch von verwundeten afghanischen Kindern im Weißem
Haus HINTERGRUNDMATERIAL
PEN-KongreQ: Sowjetische Schriftsteller werden weiterhin
verfolgt
.*

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Planet Uranus - wichtiger Markstein für die Forschung
- Raumsonde VOYAGER 2 auf dem Weg zu neuen Aufgaben in der
Außenregion unseres Sonnensystems * * * * *

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�AMERIKA DIENST
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Ä

Dokumentation

«

29. Januar 1986

TRAUER UM TOD DER "CHALLENGER"-ASTRONAUTEN
Ansprache des amerikanischen Präsidenten nach Explosion
der Raumfähre -

WASHINGTON - (AD) - In einer landesweiten Ansprache, die
von Rundfunk und Fernsehen übertragen wurde, beklagte Präsident Reagan den Tod der sieben amerikanischen Astronauten, die
am 28. Januar 1986 bei der Explosion der Raumfähre CHALLENGER
ums Leben kamen und lobte ihren Mut.
Die Ansprache hatte folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, heute abend wollte ich eigentlich
über die Lage der Nation zu Ihnen sprechen. Aber die Ereignisse des heutigen Tages haben mich dazu bewogen, diese Absicht zu ändern. Heute ist ein Tag der Trauer und der Erinnerung.
Die Tragödie der Raumfähre CHALLENGER erfüllt Nancy und
mich mit tiefem Schmerz. Wir wissen, daß alle Menschen unseres Landes diesen Schmerz teilen. Dies ist wahrhaft ein nationaler Verlust.
Fast auf

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�Fast auf den Tag genau vor 19 Jahren sind drei Astronauten
bei einem schrecklichen Unfall vor dem Start umgekommen. Aber
wir haben noch nie einen Astronauten nach dem Start verloren;
wir haben noch nie solch eine Tragödie erlebt. Und wir haben
vielleicht zu selten an den Mut der Besatzung der Raumfähre
gedacht. Aber diese Menschen in der CHALLENGER Seven waren
sich der Gefahren bewußt; sie haben sie überwunden und ihre
Arbeit großartig gemacht. Wir betrauern sieben Helden:
Michael Smith, Dick Scobee, Judith Resnik, Ronald McNair,
Ellison Onizuka, Gregory Jarvis und Christa McAuliffe. Wir
alle als Nation betrauern ihren Tod.
Zu den Familien dieser sieben möchte ich sagen, daß wir
diese Tragödie nicht in ihrer ganzen Tragweite erfassen können. Aber wir nehmen Anteil an Ihrem Verlust und denken an
Sie. Ihre Familienangehörigen waren wagemutig und unerschrokken und besaßen eine besondere Gnade, nämlich eine Geisteshaltung, die besagt: gebt mir eine Herausforderung und ich werde
mich ihr mit Freude stellen. Sie strebten danach, das Weltall
zu erforschen und seine Wahrheiten zu ergründen. Sie wollten
dienen und das haben sie getan. Sie haben uns allen gedient.
Wir haben uns in diesem Land an Wunder gewöhnt. Es ist
schwierig, uns zu faszinieren. Aber das Raumfahrtprogramm der
Vereinigten Staaten hat genau das getan. Wir haben uns an die
Idee des Weltraums gewöhnt und wir vergessen vielleicht manchmal, daß wir erst am Anfang stehen. Wir sind immer noch Pioniere, wie auch die Mitglieder der Besatzung von CHALLENGER
Pioniere waren.
Und ich möchte auch noch etwas zu den amerikanischen
Schulkindern sagen, die den Start der Raumfähre vor Ort miterlebt haben. Ich weiß, daß es schwer zu verstehen ist, aber
manchmal passieren so schmerzvolle Ereignisse wie dieses. Sie
sind Bestandteil des Prozesses der Erforschung und Entdeckung.
Sie sind Bestandteil des Wagnisses, den Gesichtskreis des Menschen zu erweitern. Die Zukunft gehört nicht den Kleinmütigen, sondern den Wagemutigen. Die Besatzung von CHALLENGER
hat uns der Zukunft nähergebracht; wir werden ihr auch weiterhin folgen.
Ich habe schon immer großes Vertrauen und großen Respekt
gegenüber unserem Raumfahrtprogramm gehabt, und was heute passiert ist, trägt nicht dazu bei, diese Gefühle zu zerstören.
Wir verstecken unser Raumfahrtprogramm nicht. Wir haben keine
Geheimnisse und vertuschen nichts. Wir tun alles im Licht der
Öffentlichkeit. Das ist unsere Vorstellung von Freiheit und
wir würden sie nicht eine Minute lang eintauschen wollen.
Wir werden unsere Suche im All fortsetzen.

Es wird weite-

�wird weitere Flüge von Raumfähren geben, weitere Mannschaften
und auch weitere Freiwillige, Zivilisten und Lehrer im All.
Nichts ist jetzt zu Ende. Unsere Hoffnungen und unsere Reisen
werden bleiben.
Ich möchte noch hinzufügen, daß ich mir wünsche, jedem
Mann und jeder Frau, der oder die für die NASA arbeitet oder
an dieser Mission mitgearbeitet hat, sagen zu können, "Ihre
Hingabe und ihre Perfektion haben uns seit Jahrzehnten beeindruckt und bewegt. Wir sind uns Ihrer Qualen bewußt und fühlen mit Ihnen".
Am heutigen Tag treffen zwei Ereignisse zusammen: heute
vor 390 Jahrenn starb der große Entdecker Sir Francis Drake
auf seinem Schiff vor der Küste Panamas. Zu seiner Zeit
stellten die Weltmeere enorme Grenzen dar und später sagte ein
Historiker dazu: "Er lebte auf See, starb auf ihr und wurde
in ihr begraben".
Wir können heute sagen, daß die Besatzung der CHALLENGER,
wie auch Drake, ihre Bestimmung erfüllt haben. Die Besatzung
der Raumfähre CHALLENGER ehrt uns durch die Art und Weise, wie
sie ihr Leben gelebt hat. Wir werden sie niemals vergessen,
und auch nicht den Augenblick, als wir sie heute morgen zum
letzten Mal sahen, als sie sich für ihre Reise vorbereitete,
zum Abschied winkte und 'die sicheren Gefilde der :rde verließ, um 'das Antlitz Gottes zu berühren'
Vielen Dank.

* *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

29. Januar 1986

NATO ZUR VORLAGE EINES ABKOMMENS BEI DER KVAE
IN STOCKHOLM BEREIT
- Pressekonferenz des amerikanischen
KVAE-Delegationsleiters Barry (Auszüge)

BRÜSSEL - (AD) - Botschafter Robert L. Barry, Leiter der
amerikanischen Delegation bei der Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung (KVAE) in Stockholm, erklärte
im Anschluß an ein Treffen des NATO-Rates in Brüssel am 24.
Januar 1986, die Mitgliedsstaaten des Nordatlantischen Bündnisses seien sich darin einig, daß es "nunmehr an der Zeit
ist, in Stockholm in die Entwurfsphase einzutreten, sobald unsere Delegationen dorthin zurückkehren."
Die Pressekonferenz von Botschafter Barry hat in ihren wesentlichsten Auszügen folgenden Wortlaut:
BARRY: ... Wir hatten heute im Rat ein gutes, sehr konstruktives und vorausplanendes Treffen. Zweck dieses Treffens
war es, den Fortschritt zu analysieren, den wir auf der Stockholmer Konferenz bislang gemacht haben, einen Blick in die
Zukunft zu werfen und auch darüber zu sprechen, wie sich die
Stockholmer Konferenz in das Gesamtbild der
Ost-West-Beziehungen einfügt.
Das wich tigste Ergebnis war meiner Meinung nach die Ankündigung des h eutigen Vorsitzenden, des Leiters der dänischen
Delegation, Botschafter Melben, daß die Leiter der NATO-Delegationen auf ihrem gestrigen Treffen übereingekommen sind, daß
es "nunmehr an der Zeit ist, in Stockholm in die Entwurfsphase
einzutreten, sobald unsere Delegationen dorthin zurückkehren
und daß wir versuchen werden, zu einer Einigung hinsichtlich
der ModalitS ten eines Entwurfs zu gelangen. Wir werden also
tatsächlich ein Abkommen entwerfen.
Es bleiben

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�Es bleiben uns bei der Stockholmer Konferenz nur 24 Wochen
Verhandlungszeit, d.h. die Konferenz endet am 19. September
und bis Beginn der Überprüfungskonferenz in Wien müssen wir
mit unserer Arbeit fertigwerden und deshalb damit anfangen,
die Dinge zu Papier zu bringen.
Wie die Erklärung, die nach meinem Treffen mit dem Präsidenten herausgegeben wurde, zeigt, ist dieser mit dem von uns
dort erzielten Fortschritt recht zufrieden und er ist der Meinung, es könne in diesem Jahr ein Abkommen erzielt werden, das
für die Gesamtheit der Ost-West-Beziehungen erhebliche Bedeutung hat. Meine Anweisungen bestehen darin, nach meiner Rückkehr ein solches Abkommen am Verhandlungstisch in Stockholm zu
verfolgen. Unser Ziel - wie auch das Ziel von uns allen innerhalb der NATO - ist ein Abkommen, das sich erstens im Rahmen
des Mandats bewegt, hinsichtlich dessen in Madrid Übereinstimmung erzielt wurde, das zweitens militärisch bedeutsam ist und
das drittens verifizierbar ist.
Dabei betone ich den Verifizierungsaspekt für die Vereinigten Staaten. Verifizierbarkeit bedeutet Inspektionen vor
Ort. Wir sind der Meinung, daß ein Abkommen dieser Art im Rahmen der Ost-West-Beziehungen eine ganze Reihe wichtiger Ziele
erfüllen kann. Wir arbeiten auf ein risikominderndes Abkommen,
nicht auf ein waffenverringerndes Abkommen hin, d.h. es geht
dabei um die unmittelbaren Ursachen eines Krieges, nicht um
Kriegswaffen an sich. Aber wir sind der Ansicht, daß ein Abkommen mit konkreten vertrauensbildenden Maßnahmen die militärische Lage in Europa vorhersagbarer - und damit stabiler machen kann, daß es den Einsatz militärischer Aktivitäten
zwecks politischer Einschüchterung verhindern kann und daß es
dazu beitragen kann, die Barrieren abzubauen, die Ost und West
trennen - und daß dadurch die Lage in Europa stabiler wird.
Wir betonten in der Erklärung des Präsidenten, ebenso wie
wir es alle im heutigen Ratstreffen betonten, daß die Stockholmer Konferenz Teil des gesamten KSZE-Prozesses ist, wie er
durch die Schlußakte von Helsinki in Gang gesetzt wurde, und
daß dadurch ein Beitrag zur Sicherheit im weiteren Sinn geleistet werden kann, in dem Sinne, der auch politische, wirtschaftliche, kulturelle und humanitäre Fragen, also Menschenrechte genau wie rein militärische Fragen, umfaßt. Es ist ein
grundlegendes Ziel der Vereinigten Staaten bei diesen Verhandlungen, zu einem solch umfassenderen Konzept von Sicherheit zu
gelangen.
Ich möchte abschließend noch betonen, welche Bedeutung die
Solidarität zwischen den NATO-Staaten bei diesen Verhandlungen
- wie auch bei den anderen Ost-West-Verhandlungen des Jahres
1985, die jetzt 1986 in ein konkreteres Stadium übergehen gespielt hat... Wir sind der Meinung, daß diese Art Solidarität einen erheblichen Beitrag zu unserer Verhandlungsposition

�unserer Verhandlungsposition leistet und sich dadurch unsere
Diskussionen wirklich auf das konzentrieren, was unserer Ansicht nach am wichtigsten ist: etwas konkretes zu erreichen,
das das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt unterstützt, das
aber nicht im Übermaß von rhetorischen Erklärungen dominiert
wird und das konkret ist im Hinblick auf seine Anwendbarkeit
und seine politisch bindende Natur.
Hier also stehen wir. Ich beantworte nun gern Ihre Fragen.
FRAGE:
(Zu den verbleibendenden Meinungsverschiedenheiten zwischen
Ost und West in Stockholm)
ANTWORT: Es gibt noch eine Reihe solcher Punkte, aber es
gibt meiner Meinung nach noch etwa drei oder vier entscheidende Bereiche, die es noch zu lösen gilt.
So etwa das Problem der Information bezüglich der Präsenz
und Aufstellung der Truppen in Europa. Unserer Ansicht nach
ist derlei Information von größter Bedeutung, weil sie die Datenbasis darstellt, die ein Urteil darüber erlaubt, was hinsichtlich militärischer Aktivitäten in Europa normal ist und
was nicht. Der Informationsaspekt ist also ein Punkt erheblicher Differenz zwischen Ost und West. Und ich glaube, daß
auch die neutralen und blockfreien Staaten diesen Informationen einen hohen Wert beimessen. Dies ist der eine Bereich.
Dann würde ich den Bereich der Einbeziehung von Luft- und
Seeaktivitäten in die Stockholmer Gespräche nennen. Es ist unsere Position, d.h. die Position des Bündnisses, daß diese
Fragen im Rahmen des Mandats gelöst werden sollten, das in
Madrid ausgehandelt wurde und nicht wieder aufgeworfen werden
sollten. Wir sind der Meinung, daß die militärischen Aktivitäten, um die es in Stockholm geht, allein die bodenbezogenen
Aktivitäten sowie die funktionell hiermit in Verbindung stehenden Luft- und Seeaktivitäten sein sollten. Das geht unserer
Meinung nach aus dem Mandat hervor.
Drittens möchte ich die Verifizierung als Hauptbereich der
Meinungsverschiedenheiten nennen. Wie ich schon sagte, bedeutet für uns Verifizierung Inspektion vor Ort. Der Osten ist
durchaus der Auffassung, die angemessenen Mittel der Verifizierung seien diejenigen, die das Mandat benennt, aber wenn es
zur Inspektion kommt, so gibt es da ganz offenkundig ein Problem.
Als vierten Punkt sollte ich die Frage der Beschränkungen
nennen, insofern als sie Begrenzungen bei militärischen Übungen und Manövern darstellen; auch hier sind die neutralen und
blockfreien Staaten der Meinung, solche Beschränkungen seien
- 3 -

�Beschränkungen seien notwendig. Bislang wurde unsrer Ansicht
nach noch keine einschränkende Maßnahme vorgeschlagen, die für
alle Beteiligten gleiche Wirkung hat. Wir sind gegenüber dem
Gedanken von Beschränkungen offen, bislang wurde aber noch
keiner formuliert, der uns gefallen hätte.
FRAGE: Sie nannten uns Bereiche, wo es erhebliche Meinungsunterschiede gibt. Vielleicht könnten Sie noch etwas auf
den Punkt der Information hinsichtlich der Standorte von
Streitkräften eingehen und was beide Seiten hier vorschlagen.
Zweitens: Wie sehen Sie die jüngsten sowjetischen Erklärungen
hinsichtlich einer offenkundigen neuen Bereitschaft bei Inspektionen vor Ort - zumindest in einigen Bereichen der
Rüstungskontrolle. Und drittens: Bei welchen Punkten gibt es,
wenn überhaupt, Übereinkunft?
ANTWORT: Es gibt einen breiten Konsens, der sich im Lauf
der letzten zweieinhalb Jahre in Stockholm hinsichtlich der
Tagesordnung herausgeschält hat. Wir sprechen jetzt mehr oder
weniger von denselben Themen.
Wir schlugen zum Beispiel gleich als diese Verhandlungen
1984 begannen, vor, daß militärische Aktivitäten ein Jahr im
voraus angekündigt werden sollten. Die neutralen und blockfreien Staaten schlugen dann gleichfalls vor, daß es Vorankündigungen militärischer Aktivitäten geben solle. Als dann Gorbatschow nach Paris kam, gab er eine Erklärung ab, in der er
gleichfalls von Vorankündigung militärischer Aktivitäten
sprach. Alle waren also der Meinung, man solle ein Jahr im
voraus die wichtigsten militärischen Aktivitäten benennen, die
auf der Tagesordnung stehen.
Desgleichen herrschte Übereinstimmung dahingehend, daß die
Ergebnisse von Stockholm einen erheblichen Qualitativen
Schritt nach vorn gegenüber dem in Helsinki Vereinbarten sein
sollten.
Wir sind alle der Meinung, daß die Notifizierungsschwelle
erheblich herabgesetzt werden müsse und daß das Abkommen verifizierbar sein muß, auch wenn es noch Meinungsunterschiede
dahingehend gibt, wie man es verifizieren kann.
Wir sind alle der Meinung, daß es in Fällen von nennenswerten Aktivitäten auch entsprechende Beobachtung geben soll,
d.h. es sollte viel mehr Beobachtung geben als bisher. Wir
sind wie die neutralen Staaten der Meinung, daß die Beobachtung in allen Fällen obligatorisch sein sollte - und die Sowjets haben dem nicht widersprochen.
Wir sind alle der Meinung, daß es einen Zusammenhang gibt
zwischen dem was hier in Stockholm geschieht und dem übrigen
KSZE-Prozeß, und daß die Ergebnisse dieser Konferenz genau wie
die Ergebnisse des gesamten KSZE-Prozesses in Wien einer Prüfung unterzogen werden sollten.
Des weiteren haben Sie einen Bereich erwähnt, in dem es

�dem es Meinungsverschiedenheiten gibt. Wir schlugen vor, daß
die Aufstellung militärischer Einheiten angegeben wird, damit
wir zum Beispiel sagen können, wenn Streitkräfte, die in diesen oder jenen Kasernen stehen, nicht mehr dort sind. Wir waren der Ansicht, daß eine solche Datengrundlage sehr wichtig
für den gesamten Notifizierungs-Verifizierungs-Prozeß ist. Die
neutralen und blockfreien Staaten haben zwar die Notifizierung
nicht wie wir als separate Maßnahme vorgesehen, aber ihre Vorschläge über die Vorankündigung militärischer Aktivitäten enthalten sehr konkrete Informationsaspekte. Die Sowjets hingegen
sagen noch immer, daß Vorkehrungen über diese Art von Information eine Legalisierung der Spionage bedeute.
Was den zweiten Teil Ihrer Frage angeht, so bin ich als
Unterhändler natürlich am Kleingedruckten von Erklärungen interessiert. Da macht die Erklärung Gorbatschows vom 15. Januar
keine Ausnahme. Es ist sehr wichtig, daß wir herausfinden, was
genau sich hierin verbirgt, und das werden wir erst, wenn wir
ihnen am Verhandlungstisch in Stockholm gegenübersitzen. Nun
hat Gorbatschow keine Vor-Ort-Inspektionen im Stockholmer Kontext erwähnt, sondern in einem anderen Zusammenhang. Da aber
die Sowjets nunmehr den Grundsatz von Vor-Ort-Inspektionen öffentlich in einer ganzen Reihe von Bereichen erwähnt haben, so
macht mich dies optimistisch, daß sie dieses Prinzip auch im
Stockholmer Rahmen akzeptieren werden.
Wir sind nun einmal der Meinung, daß dies ein entscheidendes Element eines Abkommens ist, denn wir sehen nicht, wie
sonst ein Abkommen verifiziert werden könnte.
FRAGE: Was ist mit den sowjetischen Vorschlägen bei der
KVAE hinsichtlich des Nichtangriffsteils, den die Sowjets einbezogen wissen möchten?
ANTWORT: Die Sowjets sind der Meinung, daß ein Teil des
Abkommens die Frage der Nichtanwendung von Gewalt abdecken
solle. Präsident Reagan unterstrich im Juli 1984 in Dublin,
daß wir in Stockholm eine angemessene Bekräftigung des Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt im Rahmen einer Reihe von
konkreten Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen in
Erwägung ziehen würden, die diesem Grundsatz der Nichtanwendung von Gewalt Nachdruck verleihen würde. Und in der Tat werden wir uns in Stockholm mit dem Thema der Nichtanwendung von
Gewalt wie mit konkreten Vertrauens- und sicherheitsbildenden
Maßnahmen beschäftigen. Das Dokument, das sich aus der Arbeit
in Stockholm ergeben wird, wird eine Bestimmung über die
Nichtanwendung von Gewalt enthalten.
Wir sind allerdings der Ansicht, daß der Grundsatz der
Nichtanwendung von Gewalt in der Charta der Vereinten Nationen
bereits absolut angemessen definiert ist. Wir sind nicht für
eine Abänderung dieses Grundsatzes, denn eine jegliche Modifizierung dieses Grundsatzes würde ihn wahrscheinlich schwächen

�wahrscheinlich schwächen und seinen universellen Charakter
einschränken. Wir sind jedoch der Überzeugung, daß die Maßna
men, an denen wir arbeiten, bei der Verwirklichung dieses
Grundsatzes der Nichtanwendung von Gewalt behilflich sein we
den und meinen, daß dies im Abkommen selbst zum Ausdruck kom
men sollte.

- 6 -

�AMERIKA DIENST
^7

C&amp;

Dokumentation

29. Januar 1986

USA APPELLIEREN AN PRETORIA: FREILASSUNG MANDELAS
- Rede von Unter Staatssekretär Michael Arraacost -

Northfield, Minnesota - (AD) - Die Reagan-Administration
fordert die Regierung Südafrikas zur Freilassung des schwachen
NatLonalisbenEührers Nelson Mandela und anderer politischer
Gefangener und zur Eröffnung "sinnvoller" Gespräche mit den
"wahren" Führern der Schwarzen auf.
In einer Rede, die er am 24. Januar im Carleton College in
Minnesota hielt, sagte der Unter Staatssekretär für Politische
Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Michael
Armacost, daß es die Vereinigten Staaten "vermieden haben,
Vorschriften ?•! inachen", wie Südafrika seine Zukunft gestalten
solle.
"Die Entwicklung innerhalb Südafrikas miß von den im Lande
lebenden Menschen bestimmt werden," sagte er. "Es müssen jedoch sicherlich Verhandlungen mit den anerkannten Führern der
Schwarzen beqonnen werden, und dies kann nicht geschehen, wenn
diese Führer im Gefängnis sitzen. Deshalb haben wir an die
südafrikanische Reqierunq appelliert, Nelson Mandela und andere seit lanqem qefangengehaltene politische Häftlinge freizulassen und sinnvolle Gespräche mit den wahren Führern der
schwarzen Bevölkerung 4U beginnen."
"Die Herrschenden in Südafrika müssen allen, die dort leben, ein Signal geben, daß sie es ernst mit der Beendigung der
Apartheid meinen. Und die schwarzen Führer müssen zur Teilnahme an einem Dialog darüber bereit sein, welche Art von Zukunft
sie für Südafrika wünschen."
In der laut Außenministerium programmatischen Rede über

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�Rede über die Politik der Administration gegenüber Südafrika
wandte sich Armacost gegen den Abzug von Investitionen als
Mittel zur Bewirkung eines positiven Wandels in Südafrika.
"Ich glaube nicht, daß ein genereller Abzug von Anlagekapital zu einem vorteilhaften Ergebnis führen wird," sagte er.
"Im Gegenteil, statt sich aus Südafrika und der Region zurückzuziehen, sollten die Vereinigten Staaten vielmehr nach zusätzlichen Wegen für eine positivere Entwicklung suchen."
Im Hinblick auf andere Punkte der Regierungsdiplomatie im
südlichen Afrika erwähnte Armacost, daß die Unahängigkeit für
Namibia "ein Hauptziel" sei, welches in Verbindung mit dem
Rückzug kubanischer Truppen aus Angola verwirklicht werden
könne. Zusätzlich deutete er an, daß Vertreter der amerikanischen Regierung Gespräche mit dem Führer der UNITA-Freiheitskämpfer, Jonas Savimbi, während dessen für Ende Januar geplanten Besuches in Washington über den Bürgerkrieg in Angola führen würden. "Während dieses Besuches möchten wir darüber sprechen, wie die Vereinigten Staaten zur Verwirklichung der echten Interessen Angolas beitragen können," betonte er.
Wir bringen den Text der Rede von Unterstaatssekretär Armacost in leicht gekürzter Form:
Ziele der Vereinigten Staaten im südlichen Afrika
Ich spreche nicht nur von der Apartheid und unserem Wunsch
nach einem friedlichen politischen Wandel in Südafrika; ich
spreche auch von unseren Anstrengungen zur Förderung des regionalen Friedens im südlichen Afrika. Unsere Ziele sind klar:
Unabhängigkeit für Namibia; der Abzug der kubanischen Truppen
aus Angola; und ein Ende der grenzüberschreitenden Gewalt, die
die Bedrängnis der Bevölkerung in der ganzen Region noch verschärft hat.
Der Terminus "Interdependenz" könnte geprägt worden sein,
um die Situation im südlichen Afrika zu beschreiben. Die Länder in der Region sind durch Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Verkehrs- und Kommunikationsnetz miteinander verbunden. Geschehnisse in einem Land des südlichen Afrika beeinflussen rasch auch dessen Nachbarn.
Deshalb erlauben Sie mir bitte, unsere Südafrika betreffenden Sorgen dadurch in die rechte Perspektive zu rücken, daß
ich mit dem weitergefaßten regionalen Lagebild beginne.
Förderung der Unabhängigkeit Namibias
Unabhängigkeit für Namibia bildet ein Hauptziel der amerikanischen Diplomatie. Namibia ist Afrikas letzte Kolonie. Es
- 2 -

�verlangt nach Freiheit und die gesamte Staatengemeinschaft ist
sich darin einig. Wir sind bereit, unser Teil dazu beizutragen. Seit einer Reihe von Jahren stehen wir in vorderster
Front der diplomatischen Anstrengungen zur Durchführung der
UNO-Resolution 435. Während der vergangenen fünf Jahre hat
sich unsere Diplomatie deshalb auf die Entwicklung eines regionalen Konsenses zur Versöhnung der verschiedenen beteiligten
Interessen konzentriert.
Entfernung ausländischer Truppen aus Angola
Die Situation im südlichen Afrika - und damit die Verwirklichung der Unabhängigkeit Namibias - wurde vor zehn Jahren
durch die Entsendung einer kubanischen Stellvertreterarmee
nach Angola durch die Sowjetunion enorm kompliziert. Diese Interventionsarmee, deren Stärke heute 30 000 Mann beträgt, bildet eine Bedrohung für die Sicherheit aller Staaten in der Region .
Jahre hindurch var Afrika ein Kontinent, der glücklich vom
militärischen Wettstreit zwischen Ost und West verschont war:
bis diese sowjetische Stellvertreterarmee erschien. Ihre Präsenz hat Angola destabilisiert und das Problem der Beendigung
des Bürgerkrieges in Angola noch verschärft; sie hat die sowjetische Macht in diese Region ausgedehnt und auf diese Weise
unsere eigenen strategischen Interessen verändert, insbesondere durch den von ihr geschaffenen Präzedenzfall. Die sowjetisch-kubanische Intervention bildete den ersten einer Reihe
von sowjetischen Schritten in der Dritten Welt in den späten
siebziger Jahren, die das globale Kräfteverhältnis auf gefährliche Weise in Frage stellten. Auf Angola folgten die sowjetischen Interventionen in Äthiopien, Kampuchea und Afghanistan:
Ereignisse, die zur Unterhöhlung der Ost-West-Beziehungen und
der Rüstungskontrolle während dieses Jahrzehnts beitrugen.
Deshalb möchten wir der kubanischen Militärpräsenz in Angola ein Ende bereiten. Es ist uns gelungen, die Zustimmung
Südafrikas zu erreichen, daß Südafrika im Falle der Lösung des
kubanischen Problems in Angola bereit ist, die internationalen
Abkommen für die Unabhängigkeit Namibias zu erfüllen. Gleichermaßen haben wir die angolanische Regierung dazu bewegen
können, dem Prinzip des kubanischen Rückzuges zuzustimmen. Wir
versuchen gegenwärtig beide Parteien zur Annahme eines Zeitplanes für diese wechselseitigen Schritte zu bewegen. Diese
Annahme würde ein Ende von Kubas destabilisierender Präsenz in
Angola, von Südafrikas Bedrohung der Sicherheit Angolas und
die Unabhängigkeit für Namibia bedeuten, alles Ziele, die jede
Mühe wert sind.
Obwohl vir mit der Regierung Angolas keine formellen diplomatischen Beziehungen unterhalten, haben wir regelmäßig

�wir regelmäßig Treffen mit angolanischen Vertretern abgehalten, um eine Regelung zu erreichen. Das jüngste Treffen fand
diesen Monat in Luanda statt, als der stellvertretende Aussenminister ehester Crocker Gespräche mit führenden angolanischen Regierungsvertretern führte.
Die Probleme Angolas werden jedoch nicht einzig und allein
durch ein Abkommen über Namibia gelöst werden. Der angolanische Bürgerkrieg ist eine Realität. Seit über einem Jahrzehnt
sehen sich die MPLA-Regierung und ihre sowjetischen und kubanischen Verbündeten einer zutiefst entschlossenen einheimischen Opposition gegen die marxistische Herrschaft konfrontiert. Freiheitskämpfer der von Dr. Jonas Savimbi geführten
UNITA haben trotz massiver sowjetischer Waffenlieferungen und
kubanischer Unterstützung ihren Widerstand in ganz Angola verbreitet.
Wir glauben jedoch, daß zu diesem Zeitpunkt eine militärische Lösung für den angolanischen Bürgerkrieg unmöglich ist.
Friede kann nur durch Versöhnung zwischen den konfliktfUhrenden Parteien erreicht werden. Dies ist eine Aufgabe der Angolaner, die jedoch nicht bewältigt werden kann, solange angolanisches Territorium von einer ausländischen Armee besetzt ist.
Wir haben seit langem Dr. Savimbis mutigen Kampf anerkannt, der trotz wachsender Nachteile durchgeführt wird. Wir
haben Kontakte mit der UNITA unterhalten, und wir haben die
Rechtmäßigkeit ihres Kampfes anerkannt. Dr. Savimbi wird in
Bälde die Vereinigten Staaten besuchen. Während dieses Besuches möchten wir besprechen, was die Vereinigten Staaten zur
Verwirklichung der wirklichen Interessen Angolas beitragen
können.
Verminderung der grenzüberschreitenden Gewalt
Die Flammen der Gewalt erstrecken sich über das ganze südliche Afrika. Wir sind entschlossen, alles in unserer Macht
Stehende zu tun, um die Gewalt zwischen den Staaten zu vermindern und zu beenden. Wir betrachten Terrorakte von GuerillaVerbänden über regionale Grenzen hinweg in Südafrika und von
Südafrika in Nachbarstaaten durchgeführte Militäraktionen als
gleichermaßen unannehmbar. Wir haben Südafrika und seine Nachbarn zur Zurückhaltung und zur Ersetzung von Gewalt durch Dialog aufgefordert.
Die Resultate dieser Anstrengungen waren gemischt. Mit der
Unterzeichnung des Nkomati-Abkommens verpflichteten sich Mozambique und Südafrika 1984 dazu, die Unterstützung für regierungsfeindliche Elemente im jeweils anderen Land einzustellen.
Dies war ein positiver Schritt in Richtung auf die Reduzierung
grenzüberschreitender Gewalt und die Lösung ihrer Differenzen
- 4 -

�ihrer Differenzen auf diplomatischem Wege. Wir haben unsere
Aufmerksamkeit außerdem auf die Verringerung der Spannungen
zwischen Zimbabwe, Lesotho und Botswana auf der einen Seite
und Südafrika auf der anderen gerichtet.
Diese Abkommen sind jedoch offensichtlich brüchig. Mit den
wachsenden Spannungen in Südafrika treten täglich neue Herausforderungen für den Frieden auf. Südafrikas Angriff nach Botswana letzten Sommer bedeutete einen Rückschlag für unsere
Friedensbemühungen und zwang uns zur Rückberufung unseres Botschafters aus Pretoria. Die während der letzten Wochen aufgetretene Gewalt an den Grenzen Zimbabwes und Lesothos bedeutet
eine neue Herausforderung für die regionale Stabilität.
Bete iligung Südafr ikas
Sogar während unserer Bemühungen um diplomatische und
friedliche Lösungen für die regionalen Konflikte zwischen den
Staaten im südlichen Afrika haben wir uns für friedlichen Wandel und Versöhnung zwischen den Völkern Südafrikas selbst eingesetzt .
Über die Politik der vereinigten Staaten gegenüber Südafrika ist viel gelästert worden - und sie ist oft mißverstanden
worden. Sie wird ausnahmslos als die Beschreibung der Beziehungen zwischen den Regierungen verstanden.
Aber dies ist falsch. Mit unserer Politik möchten wir einen positiven Dialog mit allen Kräften Südafrikas schaffen mit seiner Regierung und seinen Menschen aller Rassen. Und darüber hinaus ermutigen wir amerikanische Organisationen, sich
mit den entsprechenden Organisationen in Südafrika zu engagieren. Ich glaube, daß wir einander auf einem breiten Feld von
Beziehungen etwas zu bieten haben und daß wir damit fortfahren
sollten.
Wie Sie wissen, ist dies eine höchst problematische Aufgabe. Unser Einfluß, obwohl nicht unbedeutend, ist eben doch begrenzt. Gerade, wenn es darum geht, anderen soziale oder politische Ratschläge zu geben, dann ist Bescheidenheit angebracht. Wir besitzen keine Wunderformel für die Beseitigung
vergangener und heutiger Ungerechtigkeiten in Südafrika. Wir
gehen jedoch von der Annahme aus, daß ein Plan für mehr Gerechtigkeit und Harmonie zwischen den Rassen nur aus politischem Dialog und Verhandlungen zwischen den südafrikanischen
Behörden und den Führern der Schwarzen erwachsen kann. Wir
werden mit unseren Bemühungen für die Herbeiführung solch eines Dialogs fortfahren.
Für uns stellt sich in Südafrika nicht das Problem, ob wir
für das Ende der Apartheid kämpfen sollten. Das ist selbstver-

�ist selbstverständlich. Die Apartheid ist moralisch falsch.
Sie läuft unseren fundamentalsten Prinzipien zuwider. Sie verletzt unser Gerechtigkeitsempfinden. Die Apartheid muß beendet
werden. Das, so glaube ich, ist unvermeidlich. Die praktische
und ethische Frage ist, wie wir ihr Verschwinden beschleunigen
und die Förderung der Evolution zu einer gerechteren Gesellschaft am wirksamsten unterstützen können.
Und es steht auch außer Zweifel, daß wir Schritte zu einem
Ende der Gewalt ermutigen müssen. Ich spreche hier nicht nuc
von der Unterdrückung durch die Behörden, sondern auch von
bösartigen Akten Schwarzer gegen andere Schwarze, ich kann mir
keine amerikanische Administration vorstellen, die einen gewaltsamen Umsturz oder extremistische Lösungen begrüßen würde.
Der einzige Kurs, der mit amerikanischen Werten vereinbar ist,
besteht darin, daß wir uns für politische Lösungen, Verhandlungen und friedlichen Wandel zu einem gerechteren System einsetzen .
Einige bestehen darauf, daß wir Südafrika als Pariah behandeln sollten, so wie andere von uns verlangen, daß wir uns
nicht mit marxistischen Regierunugen in Angola oder Mozambique
einlassen sollten. Die Annahme solcher Ratschläge würde uns
jedoch wenig Raum für Diplomatie lassen. Es würde unsere Gegner in dieser Welt dazu ermutigen, die Instabilität, rassisches Unrecht und Gewalt als Mittel zur Ausdehnung ihres Einflusses in der Region zu benutzen. Es würde sicherlich unsere
Fähigkeiten zur konstruktiven Einflußnahme auf alle Parteien
beschneiden.
Die Nationen des südlichen Afrika haben außerdem kein Verlangen nach unserem Ausstieg. Sie wünschen unsere Beteiligung.
Mehr als jeder andere Staat besitzen wir das Vertrauen aller
Parteien. Dadurch werden wir befähigt, als Vermittler und ehrlicher Makler zu handeln. Wir müssen schwierige Entscheidungen
treffen, wenn wir garantieren wollen, daß die von uns eingesetzten Mittel zu den von uns angestrebten politischen Zielen
führen. Und damit komme ich zur Frage von Wirtschaftssanktionen.
Eine wachsende Wirtschaft als Kraft für den Wandel
Wir werden von vielen Leuten gefragt, warum die Reagan-Administration allgemein Widerstand gegen bestrafende Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika geleistet hat. Lassen Sie
mich ohne Umschweife zu dieser Frage Stellung nehmen.
Erstens ist Südafrika der wirtschaftliche Gigant des südlichen Afrika. Was dort geschieht, ist wichtig für die Nachbarstaaten, die zu einem Großteil ihrer Nahrungsmittel- und
Industrieproduktion von Südafrika abhängen, Tausende von Ar-

�von Arbeitskräften nach Südafrika schicken, um dort in Minen
und Industriebetrieben zu arbeiten, und sich auf Südafrikas
gut entwickeltes Hafen- und Transportsystem für den Export ihrer Produkte verlassen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten innerhalb Südafrikas würden allen schwarzen Staaten der Region noch
größsere Schwierigkeiten auferlegen. Und es ist außerdem für
die vereinigten Staaten und ihre Verbündeten unmöglich, das zu
ersetzen, was durch die südafrikanische Wirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Wir sind außerstande, das Kapital, die
Märkte, die Transportmittel, die Dienstleistungen und die
Technologie zu liefern, welche die Region so dringend benötigt
Da der hauptsächliche Antrieb für den Wandel in Südafrika
internationaler Natur ist - und ich würde argumentieren, daß
dies so ist -, ist zweitens der größte Feind der Apartheid eine sich modernisierende Industrie und ein expandierender Arbeitsmarkt, denn beide benötigen Facharbeiter ohne Ansehen der
Hautfarbe. Es sind diese Realitäten, die die südafrikanischen
Behörden in den letzten Jahren dazu veranlaßt haben, die Investitionen für die Bildung der Schwarzen zu erhöhen, die sie
ermutigt haben, die Bildung schwarzer Gewerkschaften zuzulassen und die sie nach und nach dazu bewegt haben, durch die
Aufhebung von Beschränkungen, die Schwarze von einigen Berufen
ausschlössen, die Apartheid am Arbeitsplatz im wesentlichen zu
beseitigen.
Wirtschaftliches Wachstum führt nicht notwendigerweise zu
politischer Liberalisierung. Aber es kann, wie in Südafrika,
das Tempo des Wandels in eine konstruktive Richtung beschleunigen. Die Schädigung dieser Wirtschaft würde nicht nur das
Wirtschaftswachstum hemmen, sondern auch eine ganze Generation
junger Südafrikaner zu Arbeitslosigkeit und Verzweiflung verurteilen. Viele junge schwarze Südafrikaner sind jetzt schon
gebildet, politisiert und arbeitslos - eine explosive Mischung. Wir fühlen doch, wie drei Jahre wirtschaftlicher Rezession in Südafrika Frustration und Verbitterung unter der
Apartheid verschlimmert haben.
Ich möchte deshalb wiederholen, daß eine pulsierende südafrikanische Wirtschaft eine Kraft für den Wandel darstellen
kann. In einer schnell wachsenden Wirtschaft ist es zunehmend
schwierig, wenn nicht unmöglich, die Rassentrennung unter dem
System der Apartheid aufrechtzuerhalten. Es gibt einfach nicht
genug Weiße, um weiterzukommen. Der Beweis für diese Tatsache
besteht darin, daß es heute in Südafrika einen Mangel von 100
000 Facharbeitern gibt. Wenn es irgendeine Hoffnung auf politischen Wandel gibt, so hängt sie mit großer Sicherheit von
einem Klima dauerhaften wirtschaftlichen Wohlergehens ab.
Deshalb hat sich die Politik der Vereinigten Staaten gegen
bestrafende Sanktionen mit dem Ziel der Destabilisierung der
Wirtschaft gewandt. Andere westliche Verbündete sind zu ähnli-

�zu ähnlichen Schlüssen gelangt und haben den Druck auf die
südafrikanische Regierung aufrechterhalten, ohne Sanktionen zu
verhängen, die nur zusätzliches Leid schaffen würden, ohne zu
einer Lösung beizutragen.
Die Anordnung Präsident Reagans
In diesem Sinne hatte die von Präsident Reagan am 9. September 1985 erlassene Anordnung nicht das Ziel, Südafrikas
Wirtschaft zu schädigen oder einzelnen Südafrikanern zu schaden. Sie beabsichtigte, gezielte Sanktionen als ein klares
Signal der Unzufriedenheit der Vereinigten Staaten über das
Tempo der Reformen an die südafrikanische Regierung einzusetzen. Sie reflektierte die Empfindung innerhalb der Vereinigten
Staaten, daß schärfere Aktionen notwendig wären. Der Präsident
handelte, um zur Entschärfung des Klimas der Polarisierung und
Gewalt in Südafrika beizutragen. Aber er verschloß sich der
Forderung nach bestrafenden Sanktionen, welche die Wirtschaft
destabilisieren und schwarze Südafrikaner sowie die umliegenden schwarzen Staaten schädigen würden.
Die Anordnung spiegelte unsere Verpflichtung wider, eine
starke Präsenz in Südafrika aufrechtzuerhalten und amerikanische Firmen dazu zu ermutigen, dort Kräfte des Wandels zu bilden. Sie erhöhte außerdem die von der amerikanischen Regierung für Stipendien und Menschenrechtsaktivitäten bereitgestellten Mittel. Sie verbot in den meisten Fällen die Gewährung von Bankkrediten an Südafrika, Computerverkäufe an mit
der Aufrechterhaltung der Apartheid verbundene Behörden und
Sicherheitskräfte, Nukleargeschäfte und den Kauf von südafrikanischen Waffen. Sie schlug ein Verbot des Verkaufs des Kruger-Rand in den Vereinigten Staaten vor, das jetzt durchgeführt wird.
Am 19. Dezember 1985 kündigte Außenminister Shultz an, daß
zwölf hervorragende Amerikaner sich an einem Beratungsgremium
über Südafrika beteiligen würden. In den kommenden Monaten
wird dieses Gremium, dessen Vorsitz Bill Coleman und Frank
Cary führen, die Politik Südafrikas und der Vereinigten Staaten unter die Lupe nehmen und Außenminister Shultz seine Vorschläge unterbreiten.
Ich möchte wiederholen: Die meisten unserer westlichen
Verbündeten haben einen ähnlichen, vorsichtigen Ansatz bei der
Behandlung der Probleme dieser Region gewählt.
Argumente gegen den Abzug von Investitionen
Parallel zu dem Argument, daß die amerikanische Regierung
wirtschaftliche Sanktionen gegen Südafrika verhängen solle,

�verhängen solle, gibt es die Auffassung, daß amerikanische Institutionen ihre Investitionen bei in Südafrika tätigen amerikanischen Firmen abziehen sollten. Aus denselben Gründen, aus
denen ich glaube, daß generelle Wirtschaftssanktionen gegen
Südafrika kontraproduktiv sein würden, glaube ich nicht, daß
ein genereller Abzug von Kapital zu einem vorteilhaften Resultat führt.
Anstatt sich aus Südafrika und der Region zu entfernen,
sollten die Vereinigten Staaten vielmehr nach zusätzlichen Wegen suchen, um zu einem positiven Wandel zu kommen. Und hier
müssen wir zwischen Entscheidungen der amerikanischen Regierung und denjenigen unterscheiden, die von privaten Gebilden,
wie etwa den amerikanischen Privatfirmen, getroffen werden.
Im Gegensatz zu dem, was von manchen Kreisen geglaubt
wird, geht von den US-Firmen keine Dominanz der südafrikanischen Wirtschaft aus. Obwohl 300 amerikanische Firmen in Südafrika operieren, liegen die amerikanischen Direktinvestitionen dort noch unter zwei Milliarden Dollar. Neunzig Prozent
der Investitionen in Südafrika stammen von Südafrikas eigenem
Kapital. Die vereinigten Staaten repräsentieren weniger als
ein Fünftel der zehn Prozent, die aus ausländischen Quellen
stammen. Deshalb können die amerikanischen Investitionen kaum
als ein Druckmittel dienen, das allein zu einem Ende der
Apartheid führen könnte.
Zweitens: Selbst wenn die amerikanischen Firmen ihre Mittel abzögen und Südafrika verließen, würde sich wenig verändern, solange britische, deutsche, japanische und, was mehr
als wahrscheinlich ist, südafrikanische Firmen willens und fähig wären, zu produzieren, was zur Zeit von amerikanischen
Firmen produziert wird. Wenn Firmen sich entschließen, sich
zurückzuziehen, schicken sie ihr Personal und ihr Kapital nach
Hause: Fabrik und Ausrüstung bleiben an Ort und Stelle - und
werden oft zu Spottpreisen von jemand anderem erworben. Und
gleichermaßen wird die Verpflichtung zu rassischer Gleichbehandlung verschwunden sein, die von den meisten amerikanischen
Unternehmen Tag für Tag in ihren Handlungen und Beschäftigungspraktiken in Südafrika verwirklicht wird. Verschwunden
sein werden die bedeutenden Investitionen - über 100 Millionen
in den letzten Jahren -, die von amerikanischen Firmen für
Bildung, Ausbildung und Beschäftigung schwarzer Südafrikaner
ausgegeben wurden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß, wenn eine
Firma sich einmal zurückzieht, dieser Entschluß wahrscheinlich
von Dauer ist. Aber die Wirkungen sind nicht unbedingt die beabs Lchtigten.
Ein bemerkenswerter Fall ist auch die seit 21 Jahren in
Südafrika ansässige Firma Motorola. Als das Unternehmen sich
1985 entschloß, seinen Betrieb einzustellen, kaufte eine südafrikanische Firma das Werk und die Anlagen auf und erstellt
_ g _

�und erstellt heute ähnliche Produkte wie ehemals Motorola. Ob
in dieser Firma die Schicksale schwarzer Arbeiter betroffen
sind, wissen wir nicht. Aber ich denke, daß diese Frage es
wert ist, gestellt zu werden.
U.S.-amerikanische Unternehmen spielen in Südafrika eine
konstruktive Rolle. Im Jahre 1977 untersuchte Pfarrer ueon
Sullivan, ein Bürgerrechtsführer aus Philadelphia, die Bedingungen bei der General Motors Corporation in Südafrika. Pfarrer Sullivan war das erste schwarze Aufsichtsratmitglied bei
GM. Als Ergebnis seiner Untersuchung stellte er fest, daß
U.S.-Firmen die Grundlage für Veränderungen bei amerikanischen
Firmen schaffen könnten, indem sie eine Reihe von Maßstäben
anlegten, die inzwischen als die 'Sullivan-Doktrin' bekannt
geworden sind.
Die Rol1e der Su11ivan-Doktr in
Die Sullivan-Doktrin fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit, einen gerechten Mindestlohn und eine Steigerung der Anzahl benachteiligter Südafrikaner in Verwaltungs- and Führungspositionen sowie gerechte Gewerkschaften.
Zusätzliche Regelungen schließen die Aufhebung der Rassentrennung in Kantinen, Aufenthaltsräumen, Umkleidekabinen und
Arbeitsstätten ein; ferner die Verbesserung der Lebensqualität
für Arbeiter außerhalb ihrer Arbeitsstelle durch Zuschüsse zu
Wohn-, Freizeit-, Gesundheits- und Fortbildungsprogrammen, sowie die Verbesserung von Ausbildungsprogrammen, mit deren Hilfe Nicht-Weiße auf ihre Aufgaben als leitende Angestellte,
Verwaltungsfachleute, Bürokräfte und Techniker vorbereitet
werden sollen.
Die Sullivan-Doktrin wurde im Laufe der Jahre immer weiter
entwickelt. Im Jahr 1977 hatten zwölf U.S.-Firmen die Sullivan-Doktr in übernommen. Heute richten sich 192 Firmen danach,
die Mehrheit aller amerikanischen Unternehmen in Südafrika.
Die U.S.-Firmen haben anderen, in diesem Land tätigen Firmen
den Weg vorgezeichnet.
Pfacrac Sullivan sagt selbst: " Wir können davon ausgehen,
daß die Grundsätze selbst einigen Einfluß auf den politischen
Wandel gehabt haben und daß sie den auch in Zukunft haben werden. Wenn man einem Menschen dabei hilft, seine wirtschaftlichen Rechte zu erlangen, wird man gleichzeitig den Zuwachs
seiner politischen Rechte fördern. Die Gleichheit an der Arbeitsstätte und massive Fortbildungsprogramme für schwarze und
nicht-weiße Arbeiter werden letztendlich jeden Bereich ihres
Lebens berühren, den öffentlichen wie den privaten. ... Um es
ganz einfach zu sagen: die Anhaltspunkte zeigen, daß die
Grundsätze einen Leitfaden der Arbeitsstätte darstellen, durch
- 10 -

�darstellen, durch den die Arbeiter lernen, weitreichendere gesellschaftliche Probleme anzugehen, die politischen Rechte
eingeschlossen. . .
Ich stimme dem zu. Ich bin der tiefen Überzeugung, daß unsere Sullivan-Unternehmen die Dinge in Südafrika verändern und
darin bestärkt werden sollten, fortzufahren. Unsere qemeinsame
Fähigkeit, den Wandel zu beeinflussen, wird sich verringern,
wenn sie gezwungen werden, das Land zu verlassen. Wir brauchen
schöpferischere Eingriffe in Südafrika und die Sullivan-Unternehmen sind eines unserer besten Zugpferde bei der Förderung
des Wandels zum Positiven. Ich möchte den Vorstand, die Lehrer
und die Studenten Carletons bitten, diese Überle gungen in Betracht zu ziehen, wenn sie über die weitere Linie bei diesem
wichtigen Problem entscheiden.
Ermutigender Dialog
Überdies fordern heute amerikanische Geschäftsleute zusammen mit südafrikanischen Firmen die Regierung auf, sich mit
den fechtmäßigen schwarzen Führern zu Verhandlungen zusammenzusetzen.
Dieser Dialog ist nicht einfach, zumal die Politik der
südafrikanischen Regierung ihn während der vergangenen 38 Jahre verhindert hat. Allseits herrschen Mißtrauen und mangelndes
Vertrauen. Schwarze und weiße Südafrikaner betrachten ihr Land
und sehen zwei sich widersprechende Bilder.
Die weißen Südafrikaner merken, wie viel sich in den letzten paar Jahren verändert hat. Es gibt keine Rassentrannung
mehr in privaten Schulen, Sportmannschaften spielen zusammen;
die Gesetzgebung gegen Unmoral und gemischtrassige Ehen wurde
abgeschafft; die Reservierung von Arbeitsplätzen, die nur
Weißen zugänglich sein sollten, wurde zunehmend umstritten; in
einigen Theatern, Restaurants und Hotels existiert keine Rassentrennung mehr; zum ersten Mal ist es auch Nicht-Weißen erlaubt, Sitze im Parlament zu erhalten; die Zwangsumsiedlung
schwarzer Bevölkerungsgruppen aus den sogenannten weißen Wohngebieten wurde ausgesetzt; schwarze Gewerkschaften wurden legalisiert; die Finanzierung von Erziehungsprogrammen für
Schwarze wurde ausgeweitet. Diese Veränderungen erscheinen
weißen Südafrikanern rapide, fast revolutionär. Bei manchen
Weißen rufen sie Furcht hervor; bei anderen Widerstand.
Die schwarzen Südafrikaner sehen den selben Vorgang natürlich mit anderen Augen. Die bereits erfolgten Veränderungen
erscheinen ihnen unwesentlich und widerwillig gewährt sowie
ohne die Konsultation Farbiger statisch. Es gab nur eine geringe Verständigung. Welche Konzessionen auch gewährt wurden,
es gibt immer noch keine Bürgerrechte für Schwarze; sie können
- II -

�sie können immer noch nicht wählen. Sie müssen immer noch die
verhaßten Pässe bei sich tragen. Schwarze Lohnarbeiter müssen
immer noch ihre Frauen und ihre Familien in den Homelands zurücklassen, wenn sie in dem Teil Südafrikas arbeiten, der nur
Weißen vorbehalten ist und der 87 % des Landes ausmacht. Dies
ist eine Zeit der steigenden Erwartungen seitens der Schwarzen
in Südafrika. Aber die Fronten haben sich in den fast zwei
Jahren der Gewalt, die mehr als tausend Menschenleben gefordert ha- ben, verhärtet.
Die Radikalisierung macht es den verhandlungsbereLten
Schwarzen immer schwerer, ihre Glaubwürdigkeit aufrechtzuerhalten, das Risiko auf sich zu nehmen und sich auf den Dialog
einzulassen. Dies ist eine Zeit, die Führungsqualitäten nicht
nur von weißen, sondern auch von schwarzen Führern fordert,
wenn der Friedensprozess fortgesetzt und der Kreis der Gewalt
gebrochen werden soll. Die Regierenden Südafrikas müssen es
allen Menschen, die dort leben, mitteilen, daß sie die Apartheid beenden wollen.
Was sich in Südafrika herausbildet, muß von den Menschen,
die dort leben, bestimmt werden. Die Vereinigten Staaten haben
es v/er mieden, hier Vorschriften zu machen. Es müssen jedoch
sicherlich Verhandlungen mit den anerkannten Führern der
Schwarzen begonnen werden, und dies kann nicht geschehen, wenn
diese Führer im Gefängnis sitzen. Deshalb haben wir an die
südafrikanische Regierung appelliert, Nelson Mandela und andere seit langem gefangengehaltene politische Häftlinge frei zu
lassen und sinnvolle Gespräche mit den wahren Führern der
schwarzen Bevölkerung zu beginnen.
Bestrebungen der Vereinigten Staaten ssuc Unterstützung der
Benachteiligten
Es gibt noch andere, konkretere Dinge, die die Vereinigten
Staaten tun und auch weiterhin fortsetzen werden, um einen
Wandel /.um Positiven voranzutreiben. Im folgenden einige Beispiele:
- Sin Fonds für Menschenrechte von mehr als einer Million
Dollar, der von der amerikanischen Botschaft verwaltet wird,
hilft bei der Unterstützung wichtiger Anti-Apartheid-Gruppen
in Südafrika, die an einem wirtschaftlichen, sozialen, rechtlichen und politischen Wandel arbeiten. Der Fonds wird verwendet für Seminare über Menschenrechte, Rechtsbeistand für Untersuchungsgefangene und ihre Familien, sowie die Bezahlung
von Anwälten, die bei den Gerichten als Herausforderer der
Apartheid auftreten.
- Die Vereinigten Staaten stellen im Augenblick jährlich acht
Millionen Dollar für Stipendien an schwarze und^n^chtweiße
- 12 -

�und nichtweiße Südafrikaner zur Verfügung und versetzen sie
damit in die Lage, sowohl amerikanische als auch südafrikanische Universitäten zu besuchen.
- Ein Programm über eine Million Dollar, daß von dem amerikanischen Gewerkschaftsverband AFL/CIO verwaltet wird, bildet
schwarze und nichtweiße Gewerkschaftsführer für Verhandlungen
und OrganisationsauEgaben sowie in anderen Bereichen aus, die
bisher den Schwarzen unter der Apartheidsgesetzgebung verschlossen waren und jetzt geöffnet sind.
- Ein Programm von zwei Millionen Dollar hilft schwarzen
High-School-Studenten bei den Aufnahmeprüfungen für die Univecsitäten.
- Mit Hilfe eines Drei-Millionen-Dollar-Programms werden
schwarze Unternehuiec darin ausgebildet, Kleinbetriebe ins Leben zu rufen und aus den jüngsten Änderungen in den Apartheid-Gesetzen ihren Nutzen zu ziehen, die es nun Nicht-Weißen
erlauben, Betriebe in zentralen Geschäftszentrnen zu eröffnen.
Andere Programme zielen darauf ab, sowohl bei der Entwicklung einer schwarzen Führungsschicht zu helfen als auch zwischen Weißen und Nicht-Weißen Südafrikas Brücken zu schlagen.
Wir bauen diese Programme weiter aus und fügen neue hinzu, mit
dem Ziel, schwarze und andere nicht-weiße Südafrikaner dahingehend umzurüsten, daß sie, politisch wie wirtschaftlich, eine wirkungsvollere Rolle in der Zeit nach der Apartheid spielen können.
Zu diesem Zweck laden wir auch Südafrikaner ein, unsere
eigene, durch viele Rassen geprägte, Gesellschaft zu besuchen.
Jedes Jahr bringen unser internationales Besucher- wie auch
das Fulbrightproqramm viele Südafrikaner zum Besuch oder zum
Studium in die Vereinigten Staaten. Neue Programme werden
schwarze südafrikanische Journalisten ins Land brinqen, um in
amerikanischen Medienorganisafcionen zu arbeiten, sowie schwarze Lehrer, um sich an amerikanischen Institutionen weiterzubtldfin .
In Südafrika selbst ziehen wir in Betracht, in Port Elizabeth das Konsulat wieder zueröffnen, um unsere Fähigkeit zur
Verständigung mit den Bevölkerungsgruppen in diesem immer
wichtiger werdenden industriellen Gebiet wiederherzustellen.
Über diesen Schritt beraten wir im Augenblick mit dem Kongress
und der südafrikanischen Regierung.

tun?

Was können amerikanische Einzelpersonen und Organisationen
'
"
Einige Maßnahmen der U.S.-Regierung haben wir aufgezeigt.
- 13 -

�wir aufgezeigt. Sie werden sich vielleicht fragen, was einzelne Amerikaner und Organisationen tun können, um ein Ende der
Apartheid in Südafrika herbeiführen zu helfen und Anstöße zu
Reformen zu geben. Ein Bereich geht dabei das Carleton-College
an: schwarze Südafrikaner müssen erhebliche Hindernisse überwinden, um die gleiche Ausbildung zu erlangen wie Weiße.
Ausbildung ist dabei eine Art Druckmittel. Indem wir
schwarzen Universitätsstudenten Ausbildungsmöglichkeiten anbieten, helfen wir Südafrika aktiv bei der Ausbildung zukünftiger schwarzer Führer. Sei es bei der Überwindung der Auswirkungen der Apartheid oder bei den Qualifikationen für die zukünftige Führungsrolle: sie brauchen unsere Hilfe.
Für einige Südafrikaner bedeutet das ein Grund- oder
Hauptstudium in den Vereinigten Staaten. Verglichen mit unseren BemUhungen In Nigeria, dessen Bevölkerung dreimal so groß
ist wie die Südafrikas, und von dem derzeit 20.000 Studenten
an amerikanischen Universitäten eingeschrieben sind, beträgt
die bestürzende Anzahl der schwarzen Südafrikaner in amerikanischen Institutionen nur 450. Was auch immer passiert: Südafrika wird ausgebildete schwarze Bürger brauchen, um Führungspositionen zu übernehmen.
Für andere benachteiligte Südafrikaner bedeutet es eine
Unterstützung, um in Südafrika selbst studieren zu können. Es
gibt eine Menge von Möglichkeiten für private Organisationen,
Hilfe zu leisten. Wegen des Wertverlustes des südafrikanischen
Rand gegenüber dem Dollar sind die Gesamtkosten für Unterkunft, Verpflegung und Studiengebühren für ein akademisches
Jahr an einer südafrikanischen Universität auf weniger als 3
500 Dollar gefallen.
Ich möchte noch anfügen, daß es eine bedeutsame Bewegung
gibt, um nichweißen, besonders schwarzen, Südafrikanern die
Gelegenheit zu einer Ausbildung ohne die Zwänge der Rassentrennung in diesem Lande zu verschaffen. Kürzlich haben fast
alle der traditionell weißen Universitäten ihre Absicht verkündet, allen Studenten ohne Ansehen der Rasse eine Ausbildung
zu ermöglichen. Zusätzlich ist eine Reihe von glaubwürdigen
privaten Bildungsinstitutionen entstanden, um angesichts des
ausserordentlich schädlichen Schulboykotts Schüler auszubilden.
Amerikaner sollten sich durch Radikale mit dem Motto "Revolution jetzt, Bildung später" nicht davon abhalten lassen, Studenten zu helfen, deren Bildung selbst ein Instrument für
Fortschritte der Schwarzen ist.
Welch bedeutenderen Beitrag könnten Amerikaner leisten als
die finanziellen Möglichkeiten zu schaffen, damit ein benachteiligte'- südafrikanischer Student eine Ausbildung erhält? Und
was könnte uns als Amerikaner mehr mit Stolz erfüllen, als uns
in einer positiven Weise zu verbinden, um etwas «u tun"? Es
- 14 -

�tun? Es gibt innerhalb Südafrikas eine Reihe von privaten Organisationen, die Studenten auswählen könnten, welche dieser
Stipendien würdig sind.
Amerikanische Institutionen haben eine lanqe und positive
Tradition auf diesem Gebiet. Durch die südafrikanische Niederlassung des Internationalen Bildungsinstituts, die SACHED, ist
nichtweißen Südafrikanern direkt und indirekt dazu verholten
worden, Bildungsdefizite zu überwinden. Das Carle ton College
könnte mit Organisationen wie dieser Kontakte anknüpfen.
Praktische Ausbildung ist ein weiterer Weg, um Hilfe zu
leisten. Während unserer Sommerferien herrscht in Südafrika
Winter. Zwischen Mai und Juli findet in den dortigen Schulen
Unterricht statt. Studenten aus Carleton könnten sich durchaus
als Lehrkräfte zuc Verfügung stellen, besonders in Mathematik
und Natur Wissenschaften, wo es einen Mangel an ausgebildeten
Lehrern gibt. Oder eine amerikanische Institution wie das Carleton College könnte Lehrkräfte für ein innerschulisches AusbLidungsprogramm für Lehrer der Naturwissenschaften in Südafrika zur Verfügung stellen.
Ich glaube, daß die Amerikaner im Hinblick auf Südafrika
etwas Positives tun wollen, statt zu den Rassenspannungen oder
3en v/i c tschaf tlichen Schwierigkeiten beizutragen. Das ist die
auerikanische Art - helfen statt schaden; etwas Besseres ?..\
fördern, anstatt die Lage zu verschlechtern.
Dies ist der Grund, warum unsere Regierung versucht hat,
las von uns -tllen angestrebte positive Ziel im Auge zu behalten und ihre Ablehnung der Apartheid durch eine aktive Rolle
bei der Unterstützung des Wandels zu demonstrieren. Es geht
hier nicht einfach darum, eine tugendhafte Pose einzunehmen.
Wir haben einigen Einfluß; deshalb haben wir die moralische
Pflicht, ihn verantwortungsbewußt einzusetzen.
Dadurch, daß wir die Südafrikaner zur Aufnahme des politischen Dialogs ermutigen, sind wir Erbauer und keine Zerstörer.
Durch die Benutzung unseres wirtschaftlichen Gewichts im
Dienste des Fortschritts der Schwarzen verschaffen wir den
sch-r-ir;v:.;n Südafrikanern Möglichkeiten und Hoffnung.
Ich lade Sie dazu ein, uns bei diesen Bemühungen zu unterstützen .

* * * * *

- 15 -

�^eos&gt;

AMERIKA DIENST
Information

^,DN ^

4

29. Januar 1986

REAGAN FORDERT EIN ENDE DES MORDENS IN AFGHANISTAN
- Besuch von verwundeten afghanischen Kindern im Weißen Haus Washington -(AD)- Präsident Reagan, der von den Verletzungen afghanischer Kinder, die ihn kürzlich im Weißen Haus besuchten, sichtlich betroffen war, forderte ein "Ende des Mordens in Afghanistan".
Reagan traf am 24. Januar mit den afghanischen Kindern zusammen, die zu einer ärztlichen Behandlung von Saudi-Arabien
und der 'Freien afghanischen Allianz', einer privaten amerikanischen Gruppe freiwilliger Helfer, in die Vereinigten Staaten
gebracht worden waren.
Die zu diesem Anlaß vom Weißen Haus herausgegebene Presse-Erklärung hatte folgenden Wortlaut:
Der Präsident traf heute mit fünf afghanischen Kindern,
Opfern des andauernden Krieges der Sowjetunion gegen das Volk
von Afghanistan, zusammen. Die Kinder werden in den Vereinigten Staaten wegen schwerer Verwundungen und Verbrennungen behandelt, die ihnen bei den Kämpfen in ihrer Heimat zugefügt
worden waren. Sie wurden von der 'Freien Afghanischen Allianz'
in die Vereinigten Staaten gebracht, einer privaten Organisation freiwilliger Flelfer mit Sitz in Cambridge, die die Kinder
in einer Zweigstelle des Massachusetts General Hospital behandeln und mit Prothesen versehen lassen will.
Diese Kinder stellen eine schmerzvolle Erinnerung an die
tausende von anderen Kindern dar, die seit der sowjetischen
Besetzung Afghanistans getötet und verletzt worden sind und
(He keine oder nur sehr geringe Aussichten auf angemessene medizinische Behandlung haben. Die Regierung der Vereinigten

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Vereinigten Staaten stellt mit Unterstützung des Kongresses den Freiheitskämpfern und Opfern des sowjetischen Krieges
die finanziellen Mittel für eine humanitäre Hilfe, einschließlich medizinischer Ausbildung, zur Verfügung. Das amerikanische Volk, besonders Gruppen wie die 'Freie Afghanische Allianz' und das 'Kommitee für ein freies Afghanistan' haben Spenden gesammelt, um die Not der Flüchtlinge und all jener, die
in Afghanistan bleiben mußten, zu lindern. Aber die wahre Lösung des Problems muß politischer Natur sein und den vollst-1-' i
digen Rückzug sowjetischer Truppen einschließen, Bedingunger
für eine sichere Rückkehr der Flüchtlinge beinhalten und dem
afghanischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung garantieren.
Nach dem Besuch der Kinder bei Präsident Reagan sagte der
Präsident der 'Freien Afghanischen Allianz', Dr. Scott Kramer,
gegenüber Reportern, daß fast drei Millionen Menschen durch
die Kämpfe in Afghanistan nach Pakistan, in fast einhundert
Flüchtlingslager, vertrieben worden sind. "Wir schätzen, daß
seit der sowjetischen Invasion mehr als 100.000 Kinder getötet
oder verstümmelt worden sind", sagte Kramer.
Kramer zitierte Präsident Reagan mit den Worten: "Wir müssen das Morden in Afghanistan beenden". Er erklärte gegenüber
dem Präsidenten, daß die fünf Kinder für hunderte von anderen
Kindern stehen, die verletzt wurden und sich nun in ärztlicher
Behandlung befinden. Er sagte, daß vierzehn weitere schwerverletzte Kinder auf den Transport in die Vereinigten Staaten
war ten.
Kramer stellte eins der Kinder, ein verbranntes Opfer, als
Gulranga vor, der Name bedeutet 'Kleine Blume Gottes'. Für
Gulranga sind eine Reihe von Operationen zur Wiederherstellung
ihres Gesichts vorgesehen, das von einer sowjetischen Brandbombe zerstört wurde. "Sie konnte ein Auge nicht zumachen und
lief Gefahr, ihr Augenlicht ganz zu verlieren", sagte er, "und
sie wird noch erhebliche plastische Chirurgie benötigen. Sie
können hier sehen, was eine Brandbombe einer kleinen Blume antun kann". Kramer meinte von Gulranga, daß sie "schliesslich
ganz gut aussehen werde".
Charles Brockunier, ein Vertreter der Allianz, beklagte,
daß die sowjetische Strategie in Afghanistan darin bestehe,
"Krieg gegen die Zivilbevölkerung zu führen, was eine Verletzung des Genfer Abkommens über Kriegsführung darstellt. Wir
appellieren an Gorbatschow, den Führer der Sowjetunion, falls
er ein Mann des Friedens ist: er soll es uns 1986 am Beispiel
Afghanistan zeigen ... er soll uns 1986 zeigen, daß er ein
Mann ist, der den Krieg beenden wird".
Laut Kramer kommt der Presse eine "Vermittlerrolle" dabei
zu, die Sowjetunion zu bewegen, keine Waffen in der Form von
Spielzeug mehr zu verwenden, die bereits Hunderte von Kindern

�von Kindern getötet und verstümmelt haben. Die sogenannten
Spielzeugbomben seien "eigens dazu konstruiert, ganze Dörfer
zu terrorisieren und die Menschen zu vertreiben". Er sagte
ferner, daß der Gebrauch des 'gelben Regens', "sei es ein berechtigtes Mittel der Kriegführung oder nicht" wegen der internationalen Presse-Berichterstattung eingestellt worden sei.
Kramer berichtete von Gesprächen mit Mitgliedern der Nationalen Sicherheitsbehörde "in der Hoffnung, daß sie jetzt eine
Kommission für Kriegsverbrechen einrichten würde, um alles
festzuhalten für den Tag der Abrechnung, der sicher kommen
wird".
Dr. Haschmatullah Mojaddidi, der die fünf Kinder, die zur
Behandlung in die Vereinigten Staaten gebracht wurden, ausgesucht hat, berichtete den Reportern, daß er bei Präsident Reagan um Waffen gebeten habe. "Sie sollten uns wirksame Waffen,
speziell Raketen gegen Geschütze und Hubschrauber, schicken,
um der schweren Bombardierung dieser Dörfer und Städte" durch
sowjetische Truppen entgegentreten zu können.
Der Arzt sagte, er habe auch um medizinischen Bedarf und
Nahrungsmittel nachgesucht. Er berichtete, Präsident Reagan
"drücke seine große Besorgnis über die Situation aus" und er
sagte, daß Washington jede mögliche humanitäre Hilfe zur Verfügung stellen will.
Der stellvertretenden Regierungssprecher Larry Speakes
sagte zu dieser Forderung nach Waffen, "wir diskutieren nie
unser System der Hilfe für die afghanischen Freiheitskämpfer
und werden das auch in Zukunft nicht tun".

* * * * *

- 3 -

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
29. Januar

SOWJETISCHE

1986

PEN-KONGRESS:
SCHRIFTSTELLER WERDEN WEITERHIN VERFOLGT

Washington -(AD)- Trotz vorsichtiger Hinweise darauf, daß
in Zukunft im Kleinkrieg gegen nonkonformistische Schriftsteller in der Sowjetunion einige Erleichterungen in Aussicht seien, wird deren Los zur Zeit dennoch weiterhin von Verfolgung
und Inhaftierungen bestimmt. Dieser Tatbestand wurde beim
kürzlich abgehaltenen PEN-Kongress durch gut unterrichtete
Kreise bestätigt.
Der Kongress ging an einem Punkt speziell auf das von der
langen Verfolgung des kommunistischen Systems herrührende,
schwere Schicksal der Schriftsteller in der Sowjetunion ein.
Im Namen von sieben verhafteten sowjetischen Autoren, deren
Gesundheit - vielmehr, deren Überleben - gegenwärtig von den
Bedingungen ihrer Gefangenschaft bedroht ist, wurde ein Telegramm an den sowjetischen Führer Gorbatschow gesandt.
Im Rahmen einer im Verlauf des Kongresses abgehaltenen
Pressekonferenz diskutierten Vertreter von PEN mit emigrierten
russischen Schriftstellern über die Einzelheiten einer Reihe
von Fällen und deckten dabei auf, daß 59 Autoren aufgrund von
Aktivitäten, die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit stehen, in
der Sowjetunion inhaftiert sind. Der PEN-Dokumentation zufolge
starben in der letzten zwei Jahren wenigstens vier Schriftsteller in Arbeitslagern.
Bei einem der bekanntesten dringlichen Fälle handelt es
sich um die 30jährige Dichterin, Physikerin und Dissidentin
Irina Ratuschinskaja, die sich seit zwei Jahren in einem sowjetischen Arbeitslager befindet. Nach Unterlagen von PEN hat

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�PEN hat sich die Gesundheit der Frau in dem Umfang verschlechtert, daß nunmehr ihr Leben in Gefahr ist.
Lew Timofejew, ein in Moskau geborener Dramatiker und
Essayist, dessen Arbeiten sowohl in der Sowjetunion offiziell als auch in russischen Emigrantenzeitschriften inoffiziell erschienen sind, wurde vor einem Jahr verhaftet und wegen "anti-sowjetischer Verleumdung und Propaganda" zu sechs
Jahren Arbeitslager sowie fünf Jahren Verbannung verurteilt.
Der 65jähriger ukrainische Dichter, Romancier und Essayist
Mikola Rudenko verbüßt wegen "anti-sowjetischer Agitation und
Propaganda" gerade 12 Jahre Haft und Verbannung. Rudenko, ein
ehemaliges Ehrenmitglied der Ukrainischen Schiftsteller-Vereinigung, engagierte sich in den frühen siebziger Jahren in der
internationalen Menschenrechtsbewegung und verlor bald darauf
seine Freiheit.
Mikail Maylach aus Riga wurde verhaftet und sowohl wegen
des Besitzes und der Verteilung ausländischer Bücher, speziell
solcher von in der Sowjetunion verbotenen Autoren, als auch
wegen des Zusammentreffens mit ausländischen, speziell englischsprachigen Gästen unter Anklage gestellt.
Obwohl die Anzahl der Fälle weiterhin zunimmt und Informationen zufolge 1984 und 1985 vier Schriftsteller in den Arbeitslagern des Gulag umgekommen sind, gibt es nach Angaben
einiger Autoren doch Anzeichen einer möglichen Verbesserung
der Situation.
Der anerkannte US-Dramatiker und ehemaliger Präsident des
PEN-Clubs, Arthur Miller, beschrieb Reportern gegenüber die
Situation als die des "angehaltenen Atems", um zunächst die
Ergebnisse im Nachgang des Gipfeltreffens zwischen Reagan und
Gorbatschow Ende 1985 abzuwarten.
Er beschrieb seine Erfahrungen in der Sowjetunion zur Zeit
des Gipfeltreffens, als er sich im Rahmen eines bereits seit
Jahrzehnten durchgeführten Austauschprogramms mit sowjetischen
Autoren traf.
Miller berichtete vom Zusammentreffen in Vilnius kurz vor
dem Gipfel, wo die Veranstaltung bald zu einem Affront gegen
die amerikanische Politik und Gesellschaft ausartete und mit
der angeblichen Absicht des Treffens, des "Bekanntwerdens miteinander und der Diskussion von Literatur" nichts mehr zu tun
hatte. Angesichts der Art und Weise der Diskussion legte der
amerikanische Dramatiker den Russen eine Liste von inhaftierten sowjetischen Schriftstellern vor und vor allem auch das
Dossier der internationalen PEN-Vereinigung über den Fall Ratuschinskaja.
Miller erinnerte
- 2 -

�Miller erinnerte sich, daß die Sowjets empört waren und
leugneten, daß es sich bei dem Fall der Frau um etwas anderes
als den einer Physikerin und Chemikerin handele. Aber er blieb
hartnäckig und forderte sie zu Nachforschungen auf.
Eine Woche später, nach dem Treffen zwischen den amerikanischen und sowjetischen Staatsoberhäuptern, ging der amerikanische Dichter Alan Ginsberg, der Miller nach Moskau und noch
weiter begleitet hatte, zur sowjetischen Sehriftsteller-Vereinigung, um die Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung sicherzustellen. Hier begegnete er Herrn Fedorenko, dem Leiter
der sowjetischen Delegation beim Treffen in Vilnius.
Fedorenko berichtete ihm, daß es ihm gelungen sei, sich
die Gedichte von Frau Ratuschinskaja zu beschaffen. "Ich gebe
zu, daß sie Schriftstellerin ist", sagte der sowjetische Beamte, "Ich habe mich geirrt. Sie ist keine besondere Schriftstellerin, aber sie ist eine Schriftstellerin". Er bemerkte,
daß er die Gedichte Vertretern der Sehriftsteller-Vereinigung
zugänglich machen wollte.
"Ich habe mich in gewisser Weise seit 1966 mit den Russen
beschäftigt", sagte Miller, "und dies ist das erste Mal, daß
ich es jemals erlebt habe, oder davon gehört habe, daß jemand
anders es erlebt hat, daß irgendein Offizieller diese Art von
Vorwurf auch nur in Erwägung gezogen hätte. Ich weiß nicht
was, oder ob überhaupt irgendetwas dabei herauskommen wird,
aber es ist schon ein Ereignis".
Miller wies auch darauf hin, daß er in seinen Gesprächen
mit Schriftstellern und ihm bekannten Theaterschauspielern einen Eindruck der Hoffnung gewonnen habe - ohne konkrete Anzeichen allerdings - daß Gorbatschow "die Lage gern etwas erleichtern" würde. Die große Frage dabei war aber, "ob er es
schaffen könnte, daß sich im Apparat irgendetwas bedeutend bewegt" .
Der bekannte russische Schriftsteller und einstige praktische Arzt Wassili Aksionow (52), der 1980 in die vereinigten
Staaten auswanderte, beschrieb einen weiteren hoffnungsvollen
Fall zweier Autoren und Redakteure, Felix Swietow und seiner
Frau Soja Krachmalnikowa, die wegen ähnlicher Aktivitäten in
bezug auf ihre kreative Arbeit einige Jahre lang getrennt voneinander inhaftiert waren. Frau Krachmalnikowa erhielt vor einiger Zeit ein hartes Urteil, während ihrem Mann nach seiner
jüngst erfolgten Verhaftung eine relativ milde Strafe auferlegt wurde.
"Dies ist das einzig positive Anzeichen - andere sehe ich
nicht", berichtete Aksionow gegenüber Reportern. Als Gegenbeispiel führte er den Fall Timofejews an, dessen Urteil er als
"eine völlig gnadenlose, sinnlose Verurteilung - nur für das
- 3 -

�für das Schreiben von Büchern" bezeichnete, "er arbeitete mit
keinem Menschenrechtskomittee zusammen, er hat lediglich umstrittene Bücher geschrieben". Aksionow führte darüber hinaus
den Fall Maylach als Beispiel dafür an, daß sich der gegenwärtige Zustand fortsetzt.
Weitere Hinweise dafür, daß erst die Zukunft eine mögliche
Entspannung bringen wird, liegen in der Tatsache, daß acht
sowjetische Autoren, die als Ehrengäste zum PEN-Kongress nach
New York eingeladen waren, um mit internationalen Meistern wie
Saul Bellow und Susan Sontag aus den Vereinigten Staaten, Mario Vargas Llosa aus Peru, Kobo Abe aus Japan, Nadine Gordiiner
aus Südafrika und Wang Meng aus China zusammenzutreffen, ihre
Teilnahme absagten.
Es gibt Anzeichen dafür, daß die sowjetischen Behörden gegen die Anwesenheit und Teilnahme von so bekannten russischen
Emigranten wie Aksionow, Sergeji Dowlatow und Joseph Brodsky
Einspruch einlegten. Aksionow meinte hingegen, daß die Anwesenheit von Vertretern baltischer Emigrantenverbände bei der
Konferenz auch eine Rolle gespielt haben könnte. Und überhaupt, fragte er, "welche Art von Kulturaustausch wollen sie
mit diesen Maßnahmen fördern"?
Der Präsident der französischen Abteilung des PEN-Clubs,
Rene Tavernier stellte fest, daß sowohl internationale als
auch individuelle Anstrengungen fortgesetzt werden, da diese
offensichtlich ihrem Zweck dienen. Seine Gruppe hat zehn der
am meisten gefährdeten russischen Schriftsteller, die sich im
Gefängnis oder im Exil befinden, adoptiert.
Um den weiterhin notwendigen internationalen Druck zu unterstreichen, berichtete Tavernier von einer Unterhaltung mit
einem aus der Sowjetunion ausgewiesenen Schriftsteller.
"Ich fragte ihn, ob all unsere Bemühungen irgendetwas nützen würden, oder ob es nur Lärm sei, der unser Gewissen beruhigt. Er sagte, daß auch Inhaftierte schließlich von den Bemühungen der Leute erfahren. Es kann eventuell für das Verhältnis zwischen den Gefangenen und der Lagerleitung nützlich
sein. Aber, was nach Aussage des Schriftstellers noch wichtiger ist: es gibt ihnen das Gefühl, in der Welt nicht allein
dazustehen" .
Tavernier sagte weiterhin: "Darum tun wir das, was wir
tun, auch wenn wir manchmal sehen, daß nichts passiert. Wir
müssen es tun. Diese Menschen verdienen unser Gefühl der Solidarität" .

�AMERIKA DIENST
'VON

^

Wissenschaft und Technik

29. Januar 1986

PLANET URANUS - WICHTIGER MARKSTEIN FÜR DIE FORSCHUNG
- Raumsonde VOYAGER 2 auf dem Weg zu neuen Aufgaben in der
Außenregion unseres Sonnensystems -

- (AD) - Die Ergebnisse der Beobachtung von Jupiter und
Saturn durch die amerikanischen PIONEER- und VOYAGER-Sonden
waren gewiß sensationell. Daß es aber möglich ist, mit einer
Raumsonde wie derzeit mit VOYAGER 2 selbst aus drei Milliarden
Kilometern Entfernung der astronomischen Forschung eine so gut
wie unbekannte Planetenwelt fotografisch und durch vielfältige
Meßdaten zu erschließen, zeugt von einer kaum abschätzbaren
Qualität der Technik. Ihr Einsatz ist jedoch nur sinnvoll auf
der Grundlage einer detaillierten Kenntnis der Gesetze der
Himmelstechnik, der Gravitationskräfte der Körper im Raum und
deren Ausnutzung für eine präzise Kursführung.
Nun hat VOYAGER 2 mit seinem Vorbeiflug an Uranus (24/25.
Januar 1986) die Wissenschaftler auch mit diesem Planeten, dem
drittgrößten im Sonnensystem, bekannt gemacht. Zwar kommen
die Funksignale der Raumsonde unvorstellbar schwach hier an,
brauchen derzeit zwei Stunden und 45 Minuten bis zur Erde, und
mit wachsender Entfernung künftig sogar noch länger. Sie
bringen Informationen aus einer Region, die über 20mal weiter
von der Erde entfernt ist als die Sonne. Die Ausgangsleistung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Ausgangsleistung des Bordsenders, der seine Betriebsenergie aus einer Nuklearbatterie bezieht, beträgt nicht mehr als
20 Watt. Allein das Ausfiltern der VOYAGER-Funkzeichen aus
der elektromagnetischen Wellenflut um unseren Planeten und ihre Verstärkung bis zu dem Punkt, wo eine Bewertung und Deutung
durch Fachleute möglich wird, ist eine Meisterleistung für
sich.
Instrumente noch immer intakt
Mehr als acht Jahre sind seit dem Start von VOYAGER 2 (20.
August 1977) vergangen. Den elf Instrumenten an Bord hat jedoch der Flug durch den Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter, das Strahlen- und Materienbombardement am Jupiter (Juli
1979) und am Saturn (August 1981) offenbar nichts anhaben können. Das zeigt die erste Übersicht von Bildern und Meßdaten
vom Uranus, aufgenommen und gesendet aus dem "Nahbereich" in
ca. 82 000 km Abstand vom Planeten. Die eigentliche Datenflut
kommt sowieso erst noch. Mit den Analysen, die Aufschluß über
die tatsächliche Natur des Uranussystems geben sollen, werden
die Forscher monate-, ja jahrelang beschäftigt sein.
Individualist
Auf Fotos, die von der Erde aus gemacht werden, erscheint
Uranus als grünlich-blau leuchtendes Objekt mit etwas unscharfem Rand. Die Oberfläche unauffällig - es sind keine Strömungsvorgänge in der dichten Atmosphäre zu erkennen, die z.B.
Hinweise auf die Rotationsgeschwindigkeit oder Rotationsrichtung geben könnten. So werden von manchen Forschern anhand
spektroskopischer Messungen 12, von anderen zwischen 16 und 24
Stunden als Dauer einer Umdrehung vermutet. Wie kurz vor dem
VOYAGER-Rendezvous mit Uranus Programm-Manager Earl Montaya
auf einer Pressekonferenz in Washington berichtete, werde angenommen, daß der Planet mit seinem Ring- und Satellitensystem
von der Erde aus gesehen entgegen dem Uhrzeigersinn rotiert.
Die Lage der Planetenachse ist ungewöhnlich und nach bisherigen Erkenntnissen einzigartig im Sonnensystem. Im Gegensatz zu den anderen acht Planeten steht die Rotationsachse des
Uranus nicht senkrecht zur Ekliptik, d.h. der Umlaufebene um
die Sonne. Vielmehr rollt der Planet gewissermaßen auf der
Seite durchs All. Die Pole heben sich mit nur acht Grad Winkelabstand (statt der üblichen Winkel von oder nahe 90 Grad)
von der Ober- und Unterseite der Bahnebene ab. So kommt es,
daß zur Zeit - von Erde und Sonne aus gesehen - das Südpolgebiet direkt im Blickfeld liegt. Die Halbkugel jenseits des
'Äquators mit der Nordpolregion bildet die Nachtseite und ist
- 2 -

�und ist nicht zu sehen. Bei der Umlaufzeit von 84 Jahren des
Uranus um die Sonne beginnt für die Nordhälfte erst in etwa
zwei Jahrzehnten wieder "Dämmerung" und "Tag", und dies für
die Zeitspanne von 42 Jahren. Die Südhalbkugel wird sich dann
im Dunkeln befinden.
Fünf Monde waren in der "Vor-VOYAGER-Zeit", d.h. bis zum
Beginn der intensiven Beobachtung der Sonde ab November 1985,
aufgrund von Fernrohraufnahmen bekannt. Oberon, mit 1630 Kilometern Durchmesser der größte dieser Monde, umkreist Uranus
in ca. 670 000 km Abstand vom Planetenzentrum und bilden den
Abschluß des Systems. Dann folgen Titania (Durchmesser ca.
1600 km, A80 000 km Abstand), Umbriel (Durchmesser ca. 1100
km, Abstand 293 000 km), Ariel (Durchmesser ca. 1300 km, Abstand 213 000 km) und schließlich Miranda (Durchmesser ca. 500
km, Abstand etwa 140 000 km). Knapp 30 000 km unterhalb des
Mondes und ca. 82 000 km über der Wolkenobergrenze des Planeten durchflog VOYAGER 2 die Rotationsebene des Trabantensystems auf leicht schrägem Kurs.
Sie steht auf der Ekliptik nahezu senkrecht. Und dies war
der Grund dafür, daß aufgrund der Flugrichtung des VOYAGER für
seinen Durchgang (mit einer Geschwindigkeit von ca. 64 000
km/Stunde) und damit auch für Aufnahmen und Messungen vor Ort
nur wenige Stunden zur Verfügung standen. Angesichts der
schlechten Lichtverhältnisse in der großen Sonnenferne waren
die Aufnahmebedingungen ohnehin noch wesentlich ungünstiger
als beispielsweise am Saturn. Durch längere Belichtungszeit
mit gleichzeitigem Gegendrehen der Instrumentenplattform versuchte man diesen Nachteil so weit wie möglich auszugleichen.
Auch das Ringsystem ist in diese Rotationsebene eingebettet. Es liegt noch näher am Planeten und endet bereits 26 000
km über der Wolkenobergrenze. Zwischen ihm und Miranda folgte
VOYAGER 2 am 24. Januar 1986 seiner Bahn.
Zehn neue Monde, ein weiterer Ring entdeckt
Schon am 8. Januar 1986 hatten während des Anflugs auf
Uranus die Bordkameras einen sechsten Mond im Bild erfaßt. Er
hat 56 km Durchmesser und umkreist den Planeten ca. 60 000 km
über der Wolkenobergrenze, d.h. in ca. 85 800 km Abstand vom
Planetenzentrum. Das Auftauchen eines so relativ kleinen Körpers in diesem Bereich, 32 000 km außerhalb des Ringsystems
mit den bis dahin bekannten neun Ringen, brachte zunächst einige Verwirrung. Man hatte die Existenz weiterer Monde vermutet. Jedoch war analog zu den Erfahrungen aus der Beobachtung
des Saturn und seines Ringsystems angenommen worden, daß
Kleinstmonde auf dieses beschränkt seien. Wie beim Ringsystem
- 3 -

�beim Ringsystem des Saturn weisen nämlich auch die Ringe des
Uranus scharf abgegrenzte Konturen auf. Dies ist ein Hinweis
auf das Vorhandensein sehr kleiner Trabanten, die infolge komplexer mechanischer Wechselwirkungen mit den Ringpartikeln im
Randbereich diese daran hindern, abzudriften und sich aus dem
Verband zu lösen. Die Kleinstmonde in Planetenringen werden
mit Hirtenhunden verglichen, die die Schafherde zusammenhalten
Ul, wie der zuerst entdeckte neue Uranus-Mond vorläufig
bezeichnet wird, gehört offenbar nicht zu dieser Kategorie.
Aber bei den meisten der weiteren neun, die mit Hilfe von
VOYAGER 2 inzwischen gefunden wurden, scheint dies der Fall zu
sein. Auch ein weiterer Ring, der zehnte im System, wurde als
dünner Strich auf den Fotos erkennbar. Von der Erde aus gesehen erscheinen die Uranusringe als dunkle Objekte. VOYAGER 2
konnte zeigen, daß sie zwar von erheblich geringerer Leuchtkraft als die des Saturn sind, sich aber in der Farbe doch
voneinander unterscheiden.
D ie Au fnahmen von Ura nus aus der letzt en Phase währ end des
Anflu gs ma chen de utlich, daß die Atmo sphär e in der Polr egion
sehr wohl "Strukt ur" besi tzt, di e auf Strö mungsvor gänge
schli eßen läßt, Erst die Auswer tung der R adiosign ale k ann zu
Aussa gen d arüber führen. VOYAGE R 2 s andte sie aus , damit
Struk tur, Dichte und Druc kverhäl tniss e in der Atmo sphär e sowie
Masse und Schwere feld des Planet en Ur anus untersuc ht we rden
könne n. M it eine m Ultrav iolett- Spekt romet er hofft e man die
Verte ilung von Ha uptbesta ndteile n der Atmo sphäre z u erm itteln.
Bishe rige Ergebni sse steh en im G egens atz z u den Vo rauss agen,
denen zufol ge vor allem Wa ssersto ff un d Hei ium (let ztere s zu 40
Proze nt) z u erwar ten sein sollte n. D ie ta tsächlic he He liumKonze ntrat ion lie gt bei h ochsten s 15 Proze nt - ein Resu ltat,
das U ranus zu ein em beson ders in teres sante n Objekt im S onnensyste m mac ht. Au ch auf d er Sonn e ist Heli um in di esem Anteil
vorha nden, nicht aber bei m Jupit er, d er ja als "kl einer Bruder" der S onne gi lt, weil er meh r Energie abgibt a ls au fnimmt.
So kö nnte das Stu dium der Uranus -Atmo sphär e gewiss e Hin weise
auf d ie Zu sammens etzung d er Mate riene bei g eben, au s denen sich
Sonne und Planete n konden sierten
Angesichts der Position der Rotationsachse des Planeten
Uranus wird von manchen Wissenschaftlern vermutet, daß es irgendwann zu einer Kollision mit einem großen Objekt gekommen
sein könnte, die Uranus gewissermaßen umgekippt hat. Übrigens
sind auf den Großmonden Oberon und Titania Krater, ähnlich wie
beim Erdmond oder den Planeten Merkur und Mars, zu erkennen.
Auf einer Oberon-Aufnahme wurde außerdem eine ansehnliche Erhebung ausgemacht. Ob bzw. inwieweit Vulkanismus oder andere
Vorgänge eine Rolle dabei spielten, harrt noch der Untersuchung. Auch fällt auf, daß die Oberfläche der anderen Großmonde nahezu strukturlos erscheint. Weshalb, ist bisher unklar.
Magnetfeld - ja

�Magnetfeld - ja oder nein?
Bis zuletzt wurde herumgerätselt, ob Uranus ein Magnetfeld
besitzt oder nicht. Erst als VOYAGER 2 am 23. Januar 1986 die
"Bugwelle" der Magnetosphäre passierte, jene Zone also, wo der
Sonnenwind mit einem Magnetfeld kollidiert, war die Bestätigung für seine Existenz gegeben. Nach den vorläufigen Erkenntnissen ist aber seine Position ganz ungewöhnlich. Denn
die Achse zwischen den magnetischen Polen ist gegen die Achse
der geographischen Pole um 55 Grad geneigt. Dieser Umstand
bringt neue und ganz spezielle Gesichtspunkte für Ionisationsvorgänge in Atmosphäre und Ringsystem auf den Plan. Die Stärke des Magnetfeldes dürfte etwa ein Drittel so groß sein wie
die des Erdmagnetfeldes.
Nächstes Ziel:

Neptun

Noch bis Mitte Februar 1986 wird VOYAGER 2 das Uranussystem im "Gegenlicht" beobachten, da von der Sonde aus gesehen,
die sich jetzt im Außenbereich unseres Sonnensystems entfernt,
die Sonne hinter dem Planeten steht. Am 25. August 1989 ist
die Begegnung mit dem vorletzten Außenplaneten, dem Neptun, zu
erwarten. Und dann beginne, so Projektmanager Montoya, ein
neues großes Abenteuer - die Sondierung der unbekannten Grenzzone unseres Sonnensystems.
"Wir wissen nicht, wo diese Grenzzone liegt", sagte der
Wissenschaftler. "Die Theorie besagt, daß unser Sonnensystem
wandert und wahrscheinlich von einer 'Blase' umgeben ist, einem Regentropfen vergleichbar. Vom Innern dieses Tropfens
drückt der Sonnenwind gegen die Wandung, von außen drücken die
Kräfte anderer Sternsysteme. Es dürfte eine deutliche Grenzzone vorhanden sein, die 'Heliopause'. Wenn wir diese passieren, dann erst verlassen wir das Sonnensystem." Aber noch
keine der beiden PIONEER-Sonden - PIONEER 19 ist inzwischen
sechs Milliarden Kilometer von der Erde entfernt - hat den
Eintritt in diese Zone bisher gemeldet.

- 5 -

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