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                  <text>AMERIKA DIENST
7

-0r, O N ^

15. Januar 1986

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den
Maßnahmen der Vereinigten Staaten gegen Libyen
Weinberger: Sowjets bauen SS-25-Streitmacht aus
- Rede vor der Carnegie-Stiftung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Gadhafi unterstützt radikale Regime und hilft Terroristen
- Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums über
Libyen unter Gadhafi -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neue Generation von Wetterbeobachtungssatelliten
- Bessere Möglichkeiten für kurzfristige Veränderungen und
die aktuelle Warnung Lebenswunder im ewigen Eis
- Primitive Organismen - Modell für gentechnologische
Prozesse -

* * * * * *

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�,^° s ^&lt;

VON

AMERIKA DIENST

#

Dokumentation

15. Januar 1986

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS IN BONN
ZU DEN MASSNAHMEN DER VEREINIGTEN STAATEN GEGEN LIBYEN

BONN - (AD) - Zu Beginn eines Pressegespräches, das am 9
Januar 1986 um 14.00 Uhr in der amerikanischen Botschaft in
Bonn stattfand, gab Botschafter Richard R. Burt die folgende
einleitende Erklärung ab:
Wie Sie wis sen, hat Präsi dent Reag an zus ätzl iche Maßn ahmen
ange kündigt , die da zu di enen, der anda uernde n Be droh ung d urch
den von Lib yen unte rstüt zten Terr orism us Her r zu wer den. Diese
Maßn ahmen b ilde n ei nen k onkre ten Ausdr uck un sere r Üb erzeu gung,
daß es für die zivi lisie rten Nati onen absolu t un entb ehrli ch
ist, gegen die Mord er vo n Fra uen und K indem Ste llun g zu beziehen. Die b ruta len und g edank enlo sen M orde a n un schu ldige n Mensehe n in Rom un d Wien bi lden ledi glich die jüngs ten in ei ner
Seri e von t erro rist ische n Akt en, einsc hließl ich des letzt en
Vorf alles h ier in d er Bu ndesr epub lik D eutsch land , wo bei einem
Bomb enansch lag auf unser Eink aufs zentr um in Fran kfur t ein e groGe A nzahl v on u nsch uldig en Me nsch en ve rletzt wur de. Die Regierung der Ve rein igte n Sta aten hat in an gemess ener Wei se Ma ßnahmen getroff en, um d en un vermi nder t and auernd en 1 ibys chen Aktivitä ten, di e al le a kzept ierte n in terna tional en V erha ltens normen
verl etzen, gere cht zu we rden. We nn wi r uns jedo ch w irksa m mit
Liby en und mit dem weite rgefa ßten Prob lern de s in tern ation alen
Terr orismus bef asse n wol len, müss en di e Anst reng unge n let ztlich
mult ilatera 1 se in - und desha lb s uchen wir w eite rhin die Zusammena rbeit m it u nser en Ve rbünd eten , einschlie ßlic h de r Bun des-

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�der Bundesrepublik Deutschland, und anderen gleichgesinnten Nationen in der Welt.
Ich weiß, daß es Fra gen dazu g ab, wa rum die Vere m i g ten
Staa ten vor i hrer Entsch eidu ng kei ne Kon sult atio nen anbe raumten. In eini gen Fällen könn en Kon sultat ione n au ch a ls A usrede
dien en u m Ent sehe idungen zu vermei den. Sich er h at n iema nd daran g ezwe ifelt , welche Ma ßnah men in der 1 etzt en W oche in
Wash ingt on in Bet rächt g ezog en wur den un d es bes tand jed e Gelegenh eit für a nder e Regie rung en, ih re Ans icht en b ekan ntzu geben,
wie es a uch v iele getan habe n. Ma nchmal abe r sc hlie ßt e ine
Führ ungs posit ion auch ei n, s ich vo t die Mein ung der ande ren zu
stel len und s ie a nzuführ en. Wir s treben dan ach, ein en n euen
Kons ens unter den zivili sier ten Na tionen vor anzu trei ben, um dem
inte rnat ional en T erroris mus verstä rkt en tgeg entr eten zu können,
Präs iden t Reagan hat die not wendig e Entschei düng get roff en, um
den Weg zu we isen . Wir sehen zukün ftigen aus führ lieh en u nd bedeut same n Kon sult ationen mit der B undesr epub lik Deut schl and
entg egen

* * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

15. Januar 1986

WEINBERGER:

SOWJETS BAUEN SS-25-STREITMACHT AUS

- Rede vor der Carnegie-Stiftung -

WASH INGTO N - ( AD) Der amer ikanisc he V e r t e idigu ngsm inister
Casp ar W einbe rger hat am 9 . Januar 19 86 w ähren d ei nes Essens
der Carn egie Stift ung für Inte rnation alen Frie den zu d en Haushalt spro bleme n und der Not wend igkeit der Weite rf ührung von
Präs iden t Rea gans stra tegi sehe m Moder nisi erung spro gram m Stellung gen ommen . Dabei enth üllt e der M inis ter d ie T atsa che, daß
die Sowj etuni on be reit s 45 gef echtsmä Big stati onie rte SS-25Rake ten stati onier t ha t. Die SS-25 i st e ine m obil e In terkontine ntal raket e mit ein er R eich weite v on 1 0 500 km, die mit einem Gefe chtsk opf a usge rüst et i st. In sei ner R ede beze ichnete
Wein berg er di e SS- 25 a ls e ine "klare Verl etzun g" d es 1 979 mit
der Sowj etuni on ab gesc hlos sene n SALT- II-V ertra ges und als eine
"mäc htig e Bed rohun g de r Ab sehr eckung"
Nach seinen Worten bedeutet das strategische Modernisierungsprogramm der Vereinigten Staaten "eine notwendige Bedingung für jedes wirksame Rüstungsbegrenzungsabkommen" mit
Moskau.
Die Rede von

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�Die Rede von Verteidigungsminister Weinberger hat folgenden Wortlaut:
Ich nehme an, daß wir alle mit der Geschichte von Daniel
in der Löwengrube vertraut sind. Nun, als ich mich darauf
vorbereitete, mit Ihnen hier und heute über den Haushalt, Rüstungsabbau und unsere weltweiten Verpflichtungen zu sprechen,
da meinte jemand zu mir, daß dieses Treffen mehr nach einer
Geschichte vom Löwen in der Grube des Daniel aussähe. Und
wenn ich an die diversen in diesem Raum vertretenen politischen Auffassungen denke, so bin ich sicher, daß es für alles, was ich Ihnen heute sagen möchte, immer jemanden geben
wird, der damit nicht übereinstimmt. Auch wenn meine Worte
wahrscheinlich niemanden trösten werden: Ich hoffe, daß wir
durch sie dazu veranlaßt werden, etwas mehr über unsere nationale Sicherheit nachzudenken.
Ich möchte mit einer einfachen Frage beginnen: Warum
spricht Herr Gorbatschow jetzt über bedeutende Verringerungen
von Atomwaffen, obwohl der Kreml dies abrupt abgelehnt hatte,
als die Regierung Carter 1979 solch einen Schritt vorschlug.
Ist das ein Zeichen von gutem Willen? Eines ernsthaften
und neugefaßten Wunsches, Spannungen abzubauen und die Stabilität zu fördern? Einer Sinnesänderung?
Vielleicht können wir diese Fragen beantworten, wenn wir
uns kurz an das Jahr 1977 erinnern. Schon früh in seiner
Amtszeit stoppte Präsident Carter erstens die Produktion des
B-l Bombers; zweitens beschnitt er den beantragten Verteidigungshaushalt um 6 Prozent; und drittens tadelte Präsident
Carter uns wegen "einer übermäßigen Furcht vor dem Kommunismus". Im Zuge dieser tatsächlichen und rhetorischen Gesten
guten Willens schickte er seinen Außenminister mit folgendem
Vorschlag nach Moskau: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten ihre strategischen Arsenale um 25 Prozent
reduzieren. Die Sowjetunion lehnte den Vorschlag von vorneherein ab; Breschnew wartete noch nicht einmal das Ende der
Präsentation durch Außenminister Vance ab. Anstatt hartnäckig
zu bleiben, ließ Präsident Carter sich auf Moskaus Lieblingsansatz ein. Nach einiger Zeit akzeptierte er das SALT-II-Abkommen: ein Abkommen, das sicherlich keine Rüstungsverringerung brachte.
Die Reagan-Administration übernahm die Regierungsgeschäfte
mit einem anderen Ansatz. Zunächst beschlossen wir, die wachsende militärische Unausgewogenheit umzukehren, das Resultat
eines Jahrzehnts, in welchem die amerikanischen Verteidigungsausgaben um 20 Prozent abnahmen, während die sowjetischen Investitionen in diesem Bereich um 50 Prozent anwuchsen. In den
siebziger Jahren führten die Sowjets acht neue strategische
- 2 -

�neue strategische Offensivsysteme ein, während die amerikanischen Ausgaben im Bereich strategischer Offensivwaffen zurückgingen und wir kein einziges neues Waffensystem einführten.
Eines dieser neuen sowjetischen Systeme ist die mobile Interkontinentalrakete SS-25, die eine klare Verletzung der
SALT-II-Ubereinkunft und eine mächtige Bedrohung der Abschrekkung darstellt. Ich kann heute bestätigen, daß die Sowjets zu
diesem Zeitpunkt 45 gefechtsmäßig stationierte SS-25-Raketen
besitzen, eine Anzahl, die für eine beständige Zunahme dieser
Bedrohung steht. Und diese Zahlen sind sogar noch sehr konservativ, da wir in der nahen Zukunft weitere Stationierungen
erwarten.
Einfach ausgedrückt waren wir 1981 gezwungen, der strategischen Modernisierung höchste Priorität einzuräumen. Dieses
Modernisierungsprogramm wurde von vielen Mitgliedern der vorherigen Administration, einer Anzahl von Kongreßmitgliedern
und einer Vielzahl von Hochschullehrern und Verteidigungsexperten abgelehnt. Sie behaupteten, eine wesentliche Steigerung der strategischen Kräfte sei unnötig und kontraproduktiv.
Ja, viele behaupteten im Ernst, daß diese Investitionen eine
gegenteilige Wirkung erzielen würden.
Anstatt der außerordentlichen sowjetischen Aufrüstung mit
strategischen Nuklearwaffen zu begegnen, schlugen sie vor, der
sowjetischen Pührung zu erklären: "Genug ist genug." Wir
sollten den Sowjets sagen, daß wir mehr als genug Atomwaffen
besäßen, um jeden sowjetischen Angriff abzuschrecken oder zu
beantworten. Wenn die Sowjets ihre Rubel zur Jagd nach der
Schimäre der Überlegenheit ausgeben wollten, so solle man sie
doch lassen, sagte diese Gruppe. Wir sollten weder davon beeindruckt sein, noch darauf antworten. Dies war jedoch die
Art von Philosophie und Fortschritt, die der Wähler 1980, genau wie wir, so klar ablehnte.
Unsere Ablehnung bestand weder aus Selbstüberschätzung,
noch aus einer Entschlossenheit, mehr oder größere Raketen als
Moskau zu besitzen. Im Gegenteil. Die Reagan-Administration
machte sich zuerst Sorgen über die Gefahr, die von der potentiellen Vorstellung der Sowjets ausging, daß für sie mit ihren
militärischen Kräften ein ausnutzbarer Vorteil in greifbare
Nähe gerückt sei. Was wäre, wenn unsere Anstrengungen, sie zu
"erziehen", keinen Erfolg haben würden? Was, wenn, aus ihrer
Sicht, ihr Vorsprung bei den strategischen Nuklearkräften ihnen ein zusätzliches politisches Druckmittel geben würde? Ihre Kräfte, ihre Stoßkraft und ihre Wahrnehmung unserer Inaktivität hätten sie zu einer katastrophalen Fehlkalkulation
verleiten können. Es wäre nicht das erste Mal, daß ein Land
die Entschlossenheit einer Demokratie unterschätzt oder unseren Wunsch nach Frieden mit purer Passivität verwechselt hätte.
Um diesem
- 3 -

�Um diesem Risiko gerecht zu werden, unternahm die ReaganAdministration sogleich Schritte, um diesen Trend umzukehren
und ihre Vorstellungen zu verändern. Wir hatten dabei nur ein
Ziel: Nicht die Sicherung von militärischer Überlegenheit,
sondern die schnellstmögliche Wiederherstellung von Bedingungen, bei deren Existenz die sowjetischen Führer keine Illusionen über die Benutzung ihrer Streitkräfte zur Erringung von
bedeutsamen militärischen oder politischen Vorteilen uns gegenüber hegen könnten.
Der Wiede raufb au d es s trat egis chen Atom waf fenpot enti als
der Vere inigt en St aate n ha t zw ei g roße n Zie len g edie nt: Nicht
nur hat er de n Sow Jets all e IIlusi onen auf Vorte ile verw ehrt,
er h at a ußerd em ei ne n otwe ndig e Vo rbed ingun g für Her rn
Gorb atsc hows Berei tsch aft zu G espr äche n übe r wesentl iche Reduzier unge n geschaff en. War um? Die Ant wort kann man in e inem
Wort zus ammen fasse n: Anre ize. Zu samm en mi t unserer Str ategisc hen Verte idigu ngsi niti ativ e ha t di e Mod ernis ieru ng d es Offens ivwa f fenpotent ials der Ver eini gten Staa ten e chte Anr eize
für die Sowje tunio n ge scha ffen , Rüstun gsver minde rung sabk ommen
in B etra cht z u zie hen und die Glei chhe it be i der Anz ahl von
Star tvor rieht ungen und Gef echt sköp fen prinz ipiel 1 zu akz eptieren. Di es wa r wed er d as R esul tat von gutem Will en, noch von
der Hoff nung auf S tabi litä t. Viel mehr könn ten d ie S owje ts dazu b erei t sei n, Ve rrin geru ngen bei ihr en ei genen str ateg ischen
Stre itkr äf ten als Prei s fü r die Be gren zung und R eduz ieru ng der
amer ikan ische n str ateg isch en W äffe n zu betr achte n. Ande rs wären sie besti mmt n icht daz u be reit , solche Reduz ieru ngen auch
nur in B etrac ht zu zie hen. Mo skau s Bereits chaft , ein Ab kommen
zu a kzep tiere n, wi rd p rimä r von de ssen Eins chätz ung der möglieh en S chrit te de r Ve rein igte n St aate n bei Abwe senh eit eines
Abko mmen s bestimmt wer den.
Deshalb bildet unser strategisches Modernisierungsprogramm
eine notwendige Bedingung für jedes wirksame Rüstungsverminderungsabkommen. Nur wenn wir unser Verteidigungsprogramm
fortführen, können wir die Anreize aufrechterhalten, die für
die Erreichung der sowjetischen Zustimmung und Einwilligung
nötig sind.
All dies sollte offensichtlich sein. Daß es das nicht
ist, zeigt, daß es in den Vereinigten Staaten einige grundsätzliche Verwirrung über die Art und Weise sowjetischer Verhandlungsführung gibt. Oft hören wir das Argument, daß wir
mit den Sowjets den Wunsch nach Vermeidung eines Atomkrieges
teilen und daß dies schon eine ausreichende Basis für die
Schaffung eines Rüstungskontrollabkommens darstelle.
Zweifellos wünscht der Kreml keinen Krieg, aber ebensowe-

�pluralistischen Welt zu leben. Moskau möchte die Früchte des
Krieges ohne Krieg ernten, wenn möglich. Die Sowjets erzählen
uns dies jeden Tag: Der Kapitalismus muß und wird zusammenbrechen. So bedauerlich dies ist, und so anstrengend dies in
unseren demokratischen Verfahren sein mag: Erfolg bei der Rüstungsverminderung stellt sich nur ein, wenn wir Moskau davon
überzeugen können, daß es im Unrecht ist. Wir sind bereit und
fähig, den Preis dafür zu bezahlen, um von einer Position der
Stärke zu verhandeln, und die Sowjets müssen dies wissen.
Als Verteidigungsminister habe ich unsere Modernisierungsanstrengungen mit dem Ziel geleitet, Anreize für die soowjetische Verhandlungsführung zu schaffen. Und ich hoffe leidenschaftlich, daß die durch das Verteidigungsprogramm des Präsidenten geschaffenen Anreize dazu führen werden, daß die Sowjetunion zum ersten Mal echten Reduzierungsabkommen zustimmt,
die Präsident Reagans Kriterien erfüllen.
Diese Kriterien sind folgende:
- kein Vertrag, durch den weitere Vermehrungen an Waffen legitimiert werden, sondern ein Abkommen zur wesentlichen
Verringerung der Anzahl offensiver Systeme;
- kein Vertrag, der Ungleichgewichte festschreibt, sondern
ein Abkommen, durch das Parität auf weit niedriger Ebene,
als die von beiden Seiten zur Zeit gehaltenen, erbringt;
- kein Vertrag, den die Sowjets ungestraft umgehen oder verletzen können, sondern ein verifizierbares Abkommen;
- kein Vertrag, der einen Rahmen bildet, innerhalb dessen
die Sowjets destabilisierende Vorteile erreichen können,
sondern ein Abkommen, daß zur einer breitangelegten Politik der Stärkung von Frieden und Stabilität beiträgt;
- und kein Vertrag, der defensive Forschung begrenzt.
Niemand kann bis jetzt sagen, ob Generalsekretär
Gorbatschow schließlich einem Abkommen zustimmen wird, das die
globale Sicherheit verstärkt und gleichgewichtige Reduzierungen verlangt.
Aber es ist sicher, daß nichts diese Suche so effektiv motivieren kann wie amerikanische militärische Stärke. Frieden
durch Stärke ist kein Motto: Es ist eine Tatsache des Lebens.
Es gibt keinen anderen sicheren, dauerhaften Frieden.
Sicherlich besteht unsere Friedensliebe aus mehr als diesen Anstrengungen zur Reduzierung atomarer Waffen.
Wir bilden

�Wir bilden heute das einzige Land, das in der Lage ist,
dem Ansturm einer Schar antidemokratischer Kräfte in der Welt
zu widerstehen. Konsequenterweise haben wir deshalb weltweite
Verpflichtungen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten einschließen.
Diese Verpflichtungen sind Versprechen an Menschen: Menschen, die uns vertrauen, die sich auf unseren Schutz verlassen, Menschen und Regierungen deren Sturz durch eine sowjetische Aggression es uns unendlich viel schwerer machen könnte,
vielleicht sogar unmöglich, unsere Freiheiten zu behalten.
Und u nsere Ver pflieh tunge n si nd e ine Warnung für eine andere Grup pe, u nd z war fü r diejeni gen, die aufgru nd un serer
Macht ihr e Agg ress ion zu rückh alte n. Es s ind die se Ve rpflichtungen un d die se L eute, die v on d rast isch en Eins chnit ten in
unserem V ertei digu ngspot entia 1 betrof fen sind, In de r Hitze
der Debat te um Bud get un d str ateg ie d ürfe n wir n ie ve rgessen,
daß wir V erpf 1icht ungen gegen über Leu ten rund um den Erdball
haben; di e Ver pfli chtung en sc hütz en u ns v iel wir kungs voller
als die d rasti sehe n Erhö hunge n in uns erem Vertei digun gshaushalt, die ohne sol che Fr eunde und Ver bünd eten er forde rlich
würden, Es is t ni cht Se lbstl osig keit all ein, we shalb wir u nsere Stre itkrä fte in so viele n La nder n st ationie rt ha ben.
Wir sollten deshalb immer daran denken, welche politische
Botschaft wir durch unberechenbare Verteidigungshaushalte unseren Gegnern, unseren Freunden und all jenen schicken, die
nach einem Klima streben, in dem Frieden und Freiheit florieren, so daß Wirtschaftswachstum, Entwicklung und Glück für
Millionen erreichbar werden.
Unsere NATO-Verbündeten in Europa haben hart und mit unserer ständigen Ermutigung, um nicht zu sagen, mit unserem Anstacheln für die drei Prozent realen Zuwachses in den Militärausgaben gearbeitet, über deren Notwendigkeit für die zukünftige Sicherheit wir übereingekommen waren. Es ist ihnen auch
zu einem bedeutenden Ausmaß gelungen - wir haben jedoch noch
viele, die für einen gleichzeitigen Einschnitt in unserem Verteidigungshaushalt stimmen und sich beklagen, daß es keine
"Lastenteilung" seitens der Europäer, Japaner oder Koreaner
gebe.
Fast jeden Tag bestätigt sich die Solidarität unserer
westlichen Verbündeten durch ihre eigene Verpflichtung gegenüber der westlichen Verteidigung - von der Beteiligung bei der
Modernisierung von nuklearen Mittelstreckenwaffen bis zur
jüngsten Unterstützung der Strategischen Verteidigungsinitiative.
Ich denke,
- 6 -

�Ich denke, daß niemand wahrhaftig daran glaubt, daß wir
unsere Verpflichtung gegenüber der NATO fallenlassen oder radikal beschränken sollten. Aber wenn die Haushaltsausgaben in
dem Maße gekürzt werden, wie es einige im Kongreß jetzt fordern, werden die Verpflichtungen all unseren Freunden gegenüber unvermeidlich darunter leiden.
In Asien, der Heimat einiger der jüngsten und erfolgreichsten Demokratien - ein Erfolg, der manchmal einige unserer heimischen Industriezweige beunruhigt - sind wir genauso
wie in Europa verpflichtet, Frieden und Freiheit zu erhalten.
Allerdings beruhen diese Pflichten auf Gegenseitigkeit, da die
Stärke der NATO eng mit der Zukunft Asiens verknüpft ist, so
wie die Stärke von sowohl Europa als auch Asien eng mit unserer Fähigkeit verbunden ist, bei uns Frieden und Freiheit aufrechtzuerhalten. Wenn entweder Asien oder Europa politisch
neutralisiert wären und somit den Sowjets freigesetzt würden,
all ihre Bemühungen in eine Richtung zu konzentrieren, könnte
einer der beiden Kontinente einem solchen Druck standhalten?
Ohne Frage haben unsere militärische Macht und ihre beruhigende Präsenz bei der Geschichte des wirtschaftlichen Erfolges Asiens eine große Rolle gespielt. Wo der Frieden gesichert ist und Wahlfreiheit herrscht, wächst die Wirtschaft und
die Gerechtigkeit und die Menschen gedeihen.
Zum Bei spie 1 sind d ie Phil lppi nen - ei n gu ter Fr eund und
Verbünd eter - in ei nem besorgn iser rege nden Zus tand. Da die
Präside ntsc haft swah 1 herannaht , dränge n wi r al Ie pol itis chen
Akteure , ihren Wort en d er Demo krat ie e bens olch e Täte n fo Igen
zu lass en. Die Ver eini gten St aate n fr euen sie h auf die Zusammenarbe it m it jedem , der eine frei e un d fa ire Wahl g ewin nt und
die Bes orgn is a H e r dem okratis chen Fil ipin os ü ber di e wa chsende Bedr ohun g du rch die Neue Vo lksa rmee tei lt - eine Trup pe
brutale r, t otal itär er A ufständ isch er. Mit uns erer B esor gnis
ist jed och ein groß zügi ges Maß an Stol z und Ve rtraue n ve rbunden - S tolz auf die Ber uhigung , die im Lan d vo n unse rer militärisch en P rase nz a usge ht; Ver trau en, daß unse re Bern ühun gen
anerkan nt u nd u nser e We rte get eilt wer den.
Fast überall dort, wo amerikanische Interessen zu finden
sind, gibt es Menschen, die von Frieden und Stabilität abhängen, die das eigentliche Produkt amerikanischer Militärmacht
sind.
Obwohl wir verstehen, daß diese Welt eine Stätte der Vielfalt ist, kennen wir sie auch als eine der Gewalt. Angesichts
der vielen Gefahren und Bedrohungen des Weltfriedens, die von
einigen kriegerischen Nationen ausgehen, können wir uns nicht
einfach von unserer Pflicht als energischen Verfechtern der
Menschenrechte und Gerechtigkeit zurückziehen.
Das Problem

�Das Problem ist, daß, wenn uns nicht ausreichende Mittel
zur Ausführung unserer Verantwortung und Erfüllung unserer
Verpflichtungen gewährt werden, den trügerischsten Kräften der
Welt Tür und Tor geöffnet wird. Es gibt aber immer noch jene,
die argumentieren, daß wir den Verteidigungshaushalt kürzen
können, ohne negative Auswirkungen zu spüren zu bekommen. Daß
dies keinen Verlust unseres Einflusses und kein zusätzliches
Konfliktrisiko mit sich bringt.
Ungl ückl iche rwei se erke nnen die se L eute nicht das komp lizier te V erhä ltni s zw ischen poli tisc her und n ilitä risc her
Mach t. Wenn Ver bünd ete und Geg ner unse ren V ertei digu ngsha ushalt und des sen Verw endung betr acht en, sind sie n icht in e rster Lin ie m it d em " Erbsenz ähle n" u nser er Sy steme bes chäft igt,
obwo hl d eren Zah 1 zweifello s für sie wi chtig ist. Wa s sie am
meis ten besc häft igt oder si e ermuti gt, ist d ie Te nden z unserer
Ausg aben - ob wi r un s gleichmäß igen Seh ritte s fortbew egen, um
die inte rnat iona le S icherhe it z u er halt en un d zu erwe itern
oder ob wir unsc hlüs sig in eine m Kr eis von A usgab en u nd Kü rzung en p ende In, unte r offen sich tlic her Mißac htung uns erer eigene n Si eher heit und der un sere r Ve rbün deten , nieht z u red en
von der Tats ache , daß wir a lies , was wi r bra uchen , teurer als
nöti g ma chen wür den. Aber wede r wir noch un sere Verb ündet en
hege n ir gend welc he Z weifel über die Ten denz der s owje tisch en
Ausg aben . Ihre fort schreit ende , rücksi chtsl ose A ufrü stung demons trie rt i hre unbe irrbare Abs icht , die mil itäri sehe Vorh errscha ft z u er lang en u n d diese zum Zw ecke poli tisch er, wirtscha ftli eher und and erer Ge winn e au szub euten
Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß unsere militärischen Ausgaben über längere Zeit hinweg unberechenbar und
widersprüchlich waren, was von seiten der Verbündeten zur
Nachfrage nach unseren Absichten geführt hat und auch zur Verwirrung unserer eigenen Bürger über unsere letztlichen Absichten beitrug. Und, was vielleicht noch wichtiger ist, es hat
unseren Gegnern Möglichkeiten eingeräumt.
Ein Beispiel sollte bei der Klärung dieses Punktes helfen.
Von 1950 bis 1970 haben die Vereinigten Staaten jedes Jahr ungefähr 50 Prozent mehr in die Streitkräfte investiert als die
Sowjets. 1970 kehrte sich dieser Trend um, und im Verlauf der
70er Jahre überholte der Kreml unsere Ausgaben um 50 Prozent.
Obwohl es einige Hochs und Tiefs bei den sowjetischen Ausgaben
gab, sind sie doch im großen und ganzen stetig und beeindruckend angewachsen.
Sicher investierten wir noch in den frühen sechziger Jahre
ungefähr einen Dollar und vierzig Cents für jeden Dollar-Gegenwert sowjetischer Investitionen. Präsident Kennedy bestimmte, daß dies unzureichend sei und baute unsere Führung
- 8 -

�unsere Füh rung weit er au s. 1981 ha tten sich die Ding e bereits
geände rt u nd wi r ga ben n ur n och fün funds echz ig Ce nts für jeden
Sowjet isch en Do llar aus.
Un ser Hau shalt svor läge für 1986 würde die se L ücke bis auf n eunz ig Cent s für jed en in vest ierten
Sowjet isch en Do llar schl ieGe n. Die vom Kong reß g efor derten
Kürzun gen trübe n ab er un sere Aussic hten auf Besei tigu ng dieses
Unglei chge wicht s. Präsi dent Reagan ist stan dhaft in seiner
Entsch loss enhei t, d as Ha usha ltsdefi zit u nter Kont roll e zu
bringe n, o hne u nser e Ans tren gungen zu ge fähr den, wied er eine
De r Kon greß sehe int jedoch
ausrei chen de St ärke auf z ubau en.
ie
Vert
her
lt
z
eidig ungs ausga ben zu kürviel e
gewil
u sei n, d
aben
Sc
hritt e zu unte rneh men, die
zen, a ls b ei de n In lands ausg
ren
kön
nten.
das De fizi t wir klic h red uzie
Schlußfolgerung
Kein e magi sehe For mel, die unse re we ltwei ten Verp flichtungen und die Gr ünde daf Ur ig nori ert, kann die Kris e de s Defizits lös en und gle ichz e i t i g uns eren zukü n f t i gen F ried en sieher n ; k ein Du rchb ruch in d er T echn ologi e w i r d un sere starke
Mili tärm acht ü berf lüss ig od er p reis günst ig m a chen ; ke ine Verhand lung wird den Char akter des phi losop h i s c h en u nd p olitisehe n Ka mpfes zwis chen Demo krat ie u nd To t a l i t aris mus ändern.
Wir soll ten un s vielme hr au f di ejen igen Dinge kon zent rieren,
die wir zur Ve rbes seru ng de r Ab sehr eckun g, un d Au swei tung der
Gren zen der Fr eihe it t un kö nnen und so d en Fr iede n si ehern,
trot z der unve rein bare n Unt ersc hied e zwi sehen Kornmuni smus und
Frei heit
Die Bemühungen um den Haushalt stellen ein ernsthaftes
Problem dar, weil dieser Haushalt der Welt gegenüber Bände
darüber spricht, was wir für Menschen sind, welche Art von Nation wir sein werden, wie stark wir als Beschützer der Freiheit dastehen und ob wir in der Lage sein werden, erfolgreich
mit der Sowjetunion zu verhandeln.
Wir wären weder die ersten noch die einzigen, die an der
zurückgehenden Stärke und dem zurückgehenden Einfluß Amerikas
leiden - es wären die Millionen Menschen, die auf uns als ihre
letzte Hoffnung in der Menschheit schauen. Am Ende liegt unsere Verantwortung im eigenen Interesse, aber es ist letzten
Endes viel mehr als das: Für die mit uns befreundeten Demokratien und all jene, die danach streben, so frei zu sein wie
wir.

* * * * * *

- 9 -

�AMERIKA DIENST
V,DN

4

Hintergrundmaterial

15. Januar 1986

GADHAFI UNTERSTUTZT RADIKALE REGIME UND HILFT TERRORISTEN
- Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums über
Libyen unter Gadhafi -

WASHINGTON - (AD) - Nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums hat der libysche Führer Muammar Gadhafi "den Terrorismus als eines der wichtigsten Instrumente seiner Außenpolitik benutzt und unterstützt radikale Gruppen, die sich terroristischer Taktiken bedienen".
In einer am 8. Januar 1986 veröffentlichten Studie mit dem
Titel "Libyen unter Gadhafi: Ein Muster der Aggression" kommt
das Ministerium zu dem Schluß, daß Gadhafis Vision seiner
selbst als Führer der Dritten Welt ihm "gleichzeitig ein Motiv
und eine logische Grundlage liefert, um radikalen Regimen militärische und wirtschaftliche Hilfe zu gewähren und um gemäßigte Regierungen durch die Unterstützung oder Bildung von
subversiven Gruppen und durch Hilfe für Terroristen zu untergraben".
Die Dokumentation des amerikanischen Außenministeriums hat
folgenden Wortlaut:
LIBYEN UNTER

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�LIBYEN UNTER GADHAFI:

EIN MUSTER DER AGGRESSION

Der Charakter der libyschen Politik
Muammar Gadhafi kam 1969 durch einen Militä rputsch an die Macht. Seit dem hat er mit gewaltsamen Maßnahme n versucht, die
libysche Ges ellschaft nach seinen revolutionäre n Vorstellungen
Jedoch erstreckt sich Gadhafis E hrgeiz nicht
zu verändern
nur auf Liby en. Er sieht sich gerne als Führer und Instrument
von historis chen Kräften durch die die Politik der Dritten
Welt nach se inem Geschmack neu geordnet werde, Seine Vision
liefert glei chzeitig ein Motiv und eine logisch e Grundlage für
die Gewährun g von militärischer und wirtschaftl icher UnterStützung für radikale Regime und für die Zerset zung von gemäßigten Regim en durch Unterstützung oder Bildung von subversiven Gruppen und durch Hilfe für Terroristen. G adhafis aggressive Politik hat sich in wachsendem Maße auf di e Aushöhlung
von amerikan ischen und allgemeinen westlichen I nteressen in
der Dritten Welt konzentriert, da er diese als das Haupthindernis für s eine radikalen und expansionistisch en Ziele ansieht. Gadh afis Engagement von politischen, ök onomischen und
militärische n Ressourcen zur Unterstützung anti -westlicher
Handlungen i n der ganzen Welt wird vielleicht n ur noch von der
Sowjetunion, deren osteuropäischen Verbündeten und möglicherweise von No rdkorea oder Kuba übertroffen. Sei ne besondere
Feindschaft gilt Israel und den Vereinigten Sta aten. Seine
Taktik beinh altet eine Mischung von Drohungen u nd materieller
Unterstützun g für den Terrorismus, Angeboten zu r Zusammenarbeit, wirtsc haftlichen Anreizen und Einschüchte rung sowie offene militär ische Aggression.
Die libysche Beteiligung am Terrorismus
Gadhafi hat den Terrorismus als eines der wichtigsten Instrumente seiner Außenpolitik benutzt, und er unterstützt radikale Gruppen, die sich terroristischer Taktiken bedienen.
Tripolis betreibt zahlreiche Ausbildungslager für Gruppen ausländischer Dissidenten, in denen der Gebrauch von Bomben,
Flugzeugentführungen, die Ermordung von Gegnern sowie verschiedene Techniken für Kommandounternehmen und den Guerillakampf gelehrt werden. Außerdem mißbraucht Libyen diplomatische Privilegien zur Lagerung von Waffen und Explosivstoffen
in seinen diplomatischen Einrichtungen, wie bei der Schießerei
vor seiner Londoner Botschaft im April 198A deutlich wurde.
Die Hauptziele libyscher terroristischer Aktivitäten waren
im Exil lebende libysche Dissidenten und führende Vertreter
gemäßigter arabischer und afrikanischer Regierungen. In fast
- 2 -

�In fast allen Fällen benutzten die Mörder Handwaffen zur Tötung ihrer Opfer, die in vielen Fällen von libyschen diplomatischen Einrichtungen in den betreffenden Ländern zur Verfügung
gestellt worden waren. Im allgemeinen benutzt Gadhafi Libyer,
um solche Operationen auszuführen; für andere Arten von Angriffen verwendet er gerne Stellvertreter oder Söldner.
1980 begann die libysche Regierung mit ihren koordinierten
Anstrengungen zur Ermordung von Gadhafi-Gegnern im Exil.
1981, am Ende der ersten Phase, waren 11 im Ausland lebende
libysche Dissidenten ermordet worden. 1985 unterstützte Libyen fünf Anschläge auf libysche Dissidenten im Exil. Die Zielpersonen dieser Anschläge lebten in Griechenland, der Bundesrepublik Deutschland, Zypern, Italien und "Österreich.
Mindestens zweimal versuchte Gadhafi libysche Oppositionelle in Ägypten zu ermorden, wobei seine Häscher jedoch jedesmal von den ägyptischen Sicherheitsbehörden abgefangen wurden. Beim jüngsten Versuch wurde letzten November eine Gruppe
von vier Libyern während eines versuchten Anschlages auf ein
Treffen von im Exil lebenden Libyern in der Nähe von Kairo
festgenommen.
Libyen hat auch Anschläge gegen Dissidenten in den Vereinigten Staaten geplant. Ein in Colorado lebender Exil-Libyer
wurde 1981 von einem von Libyen gedungenen Attentäter angeschossen und verwundet. Im Mai 1984 nahm das FBI zwei Libyer
in der Nähe von Philadelphia fest wegen des Versuchs, Handwaffen mit Schalldämpfer zu kaufen - die übliche Waffe für libysche Mordanschläge. Ein Jahr später, im Mai 1985, wurde ein
libyscher Diplomat bei den Vereinten Nationen zur Persona non
grata erklärt, und es wurde ein Ring von nichtoffiziellen Libyern im Zusammenhang mit einem Plan zur Ermordung libyscher
Dissidenten in vier Staaten gesprengt.
Eine weitere Zielscheibe Gadhafis bilden gemäßigte arabische Regierungen wegen ihrer Weigerung, den militärischen
Kampf gegen Israel weiterzuführen und wegen ihrer Verbindungen
zum Westen. Es gibt Beweise für von Libyen unterstützte Pläne
zur Ermordung von führenden arabischen Politikern, wie Präsident Mubarak von Ägypten und den früheren Präsidenten des Sudan, Numeiri. Zum Beispiel gaben die letzten November wegen
des versuchten Anschlages auf das Treffen libyscher Dissidenten bei Kairo Verhafteten an, daß auch Präsident Mubarak auf
Gadhafis Liste von Zielpersonen steht. König Hussein von Jordanien und Saddam Hussein im Irak stehen mit ziemlicher Sicherheit auf dieser Liste, da sie ihre Beziehungen zu Kairo
bzw. Washington wiederhergestellt haben.
Gadhafi war außerdem an Verschwörungen zur Ermordung anderer gemäßigter Staatschefs beteiligt. Im September 1984 ent- 3 -

�1984 enthüllte die Regierung des Tschad einen von Libyen unterstützten Plan, welcher die Detonation einer in einer Aktentasche versteckten Bombe während einer Kabinettssitzung unter
dem Vorsitz von Präsident Habre vorsah. In der jüngsten Vergangenheit vereitelten zairische Beamte eine von Libyen geförderte Verschwörung gegen Präsident Mobutu im September 1985.
Libysche Verbindungen zu radikalen Kräften im Mittleren Osten
Die schon länger existierende libysche Unterstützung für
radikale palästinensische Gruppen wächst weiter an. Gadhafi
hat diesen Gruppen einen sicheren Zufluchtsort, Geld und Waffen zur Verfügung gestellt - einschließlich der Volksfront für
die Befreiung Palästinas - Generalkommando, den Fatah-Dissidenten und der berüchtigten Abu-Nidal-Gruppe. Die Ausbildung
von Palästinensern und anderen Radikalen findet häufig an mehreren Orten Libyens statt. Diese gegen Arafat eingestellten
Palästinenser sind tief in terroristische Handlungen verstrickt und konzentrieren ihre terroristische Aktivität auf
Israel und die besetzten Gebiete. In der jüngeren Vergangenheit hat Libyen jedoch seine Unterstützung um logistische Hilfe für terroristische Operationen erweitert. Libyen hat z. B.
die Pässe für die Mitglieder der Abu-Nidal-Gruppe zur Verfügung gestellt, die in Wien den El AI-Schalter angegriffen haben. Die Abu-Nidal-Gruppe erscheint Gadhafi besonders attraktiv wegen ihres Registers von erfolgreichen terroristischen
Operationen. Abu Nidals Auswahl von gemäßigten Palästinensern
und gemäßigten arabischen Politikern als Zielpersonen stimmt
mit Libyens Antipathie gegenüber den Teilnehmern am Friedensprozeß überein. Nach libyschen Presseberichten haben sich Abu
Nidal und Gadhafi 1985 mindestens zweimal getroffen. Außerdem
gab Abu Nidal letztes Jahr einer deutschen Publikation ein Interview in Tripolis und traf sich mit Gadhafis 'Haupthandlanger
Abd-el Salam Jallud. Zusätzlich hat Libyen der Organisation
von Abu Nidal Zuflucht, Ausbildungshilfe und finanzielle Unterstützung gewährt. Nach verläßlichen Presseberichten und
anderen Quellen hat die Gruppe ihr Hauptquartier nach Libyen
verlegt. Es gibt Beweise, die auf Libyens Verwicklung in die
blutige Entführung des Egypt Air Fluges 648 hindeuten.
Libyen versucht seine Verbindungen zu anderen regionalen
Terrorgruppen zu verbessern. Gadhafi wünscht außerdem engere
Verbindungen zu den terroristischen Machenschaften Teherans.
Im vorigen Sommer verkündete er eine "strategische Allianz"
mit dem Iran, von der er sich ein Fundament für gemeinsam geplante terroristische Anschläge gegen verschiedene regionale
Gegner erhofft. Zusätzlich unterstützt er ägyptische und tunesische Dissidenten.
Libyen hat
- 4 -

�Libyen hat außerdem dem berüchtigten, international tätigen, Terroristen Carlos Zuflucht gewährt, der ein Netz von gedungenen Terroristen anführte. Seine Gruppe zeichnete für
zahllose bösartige Anschläge verantwortlich, darunter die Geiselnahme der OPEC-Ölminister in Wien 1975.
Libyscher Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten
Während der letzten 18 Monate hat Gadhafi mehrmals öffentlich auf die sich ausbreitende terroristische Kampagne gegen
amerikanische Ziele hingewiesen. In einer Rede vom Juni 1984
erklärte er zum Beispiel seinen libyschen Zuhörern, daß "wir
fähig sind, den Terrorismus in das Herz Amerikas zu exportieren". Während einer Rede aus Anlaß des 16. Jahrestages seiner
Machtergreifung letzten September bemerkte Gadhafi, daß "wir
das Recht haben, Amerika zu bekämpfen, und wir haben das
Recht, den Terrorismus dahin zu exportieren..." Auf einer am
2. Januar abgehaltenen Pressekonferenz drohte er kürzlich "die
Bürger der Vereinigten Staaten in ihrem Land und in ihren
Straßen zu verfolgen", falls die Vereinigten Staaten Schritte
unternähmen, um auf Libyens angebliche Verwicklung in die terroristischen Anschläge von Rom und Wien zu reagieren.
Im Laufe der Jahre haben sich mehrere von Libyen unterstützte Angriffe auf amerikanische Interessen zugetragen.
Diese Ereignisse beinhalten die Verwüstung der amerikanischen
Botschaft in Tripolis 1979, sowie die Entdeckung eines libyschen Planes zur Sprengung des amerikanischen Clubs in Khartum
mittels in Lautsprechern versteckten Bomben durch die sudanesischen Behörden. Amerikaner haben außerdem auf Gadhafis
Liste von Zielpersonen gestanden, wie durch den Plan zur Ermordung unseres Botschafters in Kairo 1977 gezeigt wurde.
Radikalismus in der arabischen Welt
Gadhafis ganzer Ehrgeiz gilt der Beherrschung und Einigung
der arabischen Welt. Er vergleicht sich oft mit Garibaldi
oder Bismarck, und er hat seine Benutzung von Gewalt und Terrorismus gegen gemäßigte arabische Regime als Notwendigkeit
zur Erreichung der arabischen Einheit gerechtfertigt.
Wegen seines Friedensvertrages mit Israel bildet Ägypten
ein besonderes Ziel. Seit den siebziger Jahren sind libysche
Agenten in Ägypten aktiv, und Gadhafi hat verschiedenen Gegnern der ägyptischen Regierung seine Unterstützung angeboten.
Unmittelbar nach der Ermordung von Präsident Sadat rief
Gadhafi im Oktober 1981 die Ägypter dazu auf, ihre Regierung
zu stürzen; innerhalb einer Woche explodierten zwei Bomben im
internationalen Flughafen von Kairo, die in Gepäckstücken aus
Tripolis versteckt waren.
In jüngerer
- 5 -

�In jüngerer Zeit hat Gadhafi versucht, die Regierung von
Präsident Mubarak in Verlegenheit zu bringen und die ägyptische Wirtschaft auszuhöhlen. Ein libysches Schiff unter dem
Kommando eines höheren libyschen Marinekommandeurs legte Minen
im Roten Meer und im Golf von Suez, durch die im Juli und August 1984 insgesamt 18 Handelsschiffe beschädigt wurden. Im
Mai 1985 vereitelten die Ägypter eine Verschwörung radikaler,
von Libyen unterstützter Palästinenser, die die amerikanische
Botschaft in Kairo mit einer Lastwagenbombe zerstören wollten. Als Teil eines Versuchs, die angespannte Wirtschaftslage
in Ägypten unter Druck zu setzen, wies Gadhafi im vergangenen
Sommer mehr als 10 000 ägyptische Arbeiter aus Libyen aus nachdem er ihre Ersparnisse und den überwiegenden Teil ihres
Eigentums beschlagnahmt hatte. Außerdem nahm Kairo 1985 mehrere Gruppen durch Libyen unterstützter ägyptischer Dissidenten fest, die angaben, daß ihre Pläne in der Destabilisierung
der Regierung Mubarak durch Sabotage und im Schüren von Unruhen in der Bevölkerung bestanden hätten.
Auch der Sudan ist ein vorrangiges Ziel. Seit langen hat
Gadhafi sudanesischen Dissidenten Ausbildung und Unterstützung
gewährt sowie Sabotageakte gegen die Regierung des früheren
Präsidenten Numeiri gefördert. Er war die Hauptquelle der
Waffen und des Geldes an südsudanesische Rebellen, die vor
zwei Jahren einen Guerilla-Krieg gegen die Zentralregierung
begannen. Im Februar 1983 verhinderten die Sudanesen mit
ägyptischer Hilfe einen von Libyen unterstützten Umsturzversuch, und im März 1984 bombardierte eine libysche T-22 die
Stadt Omdurman im Sudan, um eine Radiostation zu zerstören,
bei der eine Verurteilung der Politik Gadhafis durch libysche
Oppositionelle übertragen worden war.
Seit Numeiris Machtsturz hat Gadhafi die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum Sudan ausgenutzt, um mit Hilfe eines
Netzes der Unterwanderung den sudanesischen Bemühungen um eine
parlamentarische Demokratie entgegenzuwirken. Eine Reihe von
bekannten libyschen Terroristen sind vom Libyschen Volksbüro
(Botschaft) oder dem Büro der libyschen Fluglinie in Khartum
beauftragt. Ferner hat Gadhafi den sudanesischen Revolutionskommitees, einer kleinen Gruppe im Sudan, die sich der Errichtung einer Regierungsform nach libyschem Modell verschrieben
hat, Waffen, Geld, Ausbildung und wahrscheinlich Beratung zur
Verfügung gestellt. Im Mai kam ein ganzes Flugzeug von mit
Sturmgewehren bewaffneten Dissidenten in Karthum an.
Gadhafi arbeitet auch daran, seinen Einfluß im MaghrebRaum auszuweiten. Er weigert sich, mit Algerien zu verhandeln, um den genauen Verlauf der libysch-algerischen Grenze zu
bestimmen. Unter Umständen verärgert über den gemäßigten Präsidenten Benjedid, stellt Gadhafi den algerischen Dissidenten,
wie z.B. Ahmed Ben Bella, Geld zur Verfügung.
In Tunesien
- 6 -

�In Tunesien versucht Gadhafi seit langem, die prowestliche
Regierung Habib Bourguibas zu stürzen. 1980 griffen von Libyen unterstützte Guerrillas die südtunesische Bergbaustadt
Gafsa an. Als Frankreich Tunesien seine Unterstützung anbot,
zündete ein libyscher Mob die französische und die tunesische
Botschaft an, während Sicherheitskräfte untätig zusahen. Nach
Hungeraufständen in Tunesien im Januar 1984 sprengten aus Libyen kommende Saboteure eine Rohrleitung in der Nähe der libysch-tunesischen Grenze.
Bei seinen Bemühungen im vergangenen Jahr, die sozialen
Spannungen zu verstärken, wies Gadhafi über 30 000 tunesische
Arbeiter aus dem Land aus und beschlagnahmte ihr Eigentum.
Als tunesische Zeitungen im September Gadhafi wegen der Ausweisungen angriffen, versuchte ein libyscher Diplomat, Briefbomben an die kritischen Journalisten zu schicken. Einige davon explodierten und verletzten zwei Postarbeiter, was Tunis
veranlasste, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen.
Libyen widersetzt sich standhaft dem Friedensprozess im
Mittleren Osten und Gadhafi tut sein möglichstes, um ihn zu
untergraben. Im Libanon flössen libysche Waffen und Geldmittel an verschiedene, die Regierung Präsident Gemayels bekämpfende Milizen und palästinensische Gruppen. Gadhafi ist besonders darauf bedacht, den Einfluß des PLO-Chefs Jassir
Arafat zu unterminieren, weil er ihn für nur zu bereit hält,
mit Israel eine Übereinkunft auf dem Verhandlungswege in Betracht zu ziehen. Aus diesem Grund gewährt Gadhafi radikalen
palästinensischen Gruppen - den von Abu Nidal geführten Fatah
Revolutionsrat eingeschlossen - Hilfe, die den andauernden
Krieg gegen Israel unterstützen. Seit 1981 hat Gadhafi diesen
Gruppen so gängige Teile wie Uniformen und so mächtige wie
Panzer und Mehrfachraketenwerfer BM-21 geliefert. 1984 nahmen
libysche Truppen an einem von Syrien unterstützten Angriff der
Truppen Arafats in Nordlibanon teil.
Der Persische Golf ist ebenfalls ein Schauplatz libyscher
Einmischung. Gadhafi hat sich mit dem Iran in dessen Krieg
gegen Irak verbündet und Teheran Panzer T-55, Panzerund Flugabwehrgeschütze, Munition und sogar SCUD-Raketen zur Verfügung
gestellt. Darüber hinaus liefert Libyen Waffen und Geld an
kurdische Separatisten im Nordirak und an die, der regierungsfeindlichen "Union irakischer Demokraten". 1984 und 1985 versuchten libysche Agenten, die islamische Pilgerfeier in SaudiArabien zu stören. 1984 wurden Flugzeuge voller libyscher
"Pilger" entdeckt, die Waffen bei sich trugen. Libyen hat der
Nationalen Demokratischen Front Unterstützung gewährt und
pflegt weiterhin gute Beziehungen zu dieser Organisation, die
aus dem marxistischen Südjemen gegen die Regierung Präsident
Salihs in Nordjemen operiert. Obwohl Libyen seine diplomatischen Beziehungen mit Somalia im vergangenen Mai wieder auf- 7 -

�wieder aufgenommen hat, brach Gadhafi seine Beziehungen zu
den, von ihm seit langem unterstützten, somalischen Widerstandsgruppen nicht ab.
Einmischung im Afrika südlich der Sahara
Tripolis betrachtet Schwarzafrika als eine Hauptarena zur
Bildung einer Gruppe radikaler anti-westlicher Staaten, die
Libyens Einfluß in internationalen Foren stärken und Gadhafi
den Status eines Führers der Welt verschaffen. Gadhafis Aggressivität wird noch gestärkt durch die Neigung der internationalen Gemeinschaft, seine oft eklatante Mißachtung der Souveränität kleiner afrikanischer Staaten zu ignorieren.
Der Tschad liefert sicher das ungeheuerlichste Beispiel.
1973 besetzte Gadhafi gewaltsam den nördlichen Teil des
Tschad, der als Aozou-Streifen bekannt ist. In den siebziger
Jahren unterstützte Libyen verschiedene Stammes- und Guerrilla-Gruppen im Tschad bei ihrem Versuch, in N'Djamena ein gefügiges Regime einzusetzen. Da ihm dies auf indirektem Wege
nicht gelungen war, marschierte die libysche Armee 1980 im
Tschad ein und versuchte, eine Union zwischen den beiden Ländern zu erzwingen. Die libysche Besatzungsmacht verließ das
Land im November 1981, kam jedoch 1983 zurück, als der pro-libysche Führer des Tschad, Goukouni Wueddei vom augenblicklichen Präsident Hissen Habre abgelöst wurde. Nur mit Hilfe bewaffneter französischer Truppen wurde die libysche Besetzung
flächenmäßig auf die 40 Prozent im nördlichen Tschad begrenzt.
Die französischen Truppen wurden im Herbst 1984 abgezogen.
Gadhafi mißachtet jedoch sein mit Präsident Mitterand getroffenes Abkommen und hält den nördlichen Tschad weiterhin mit
einer mehrere tausend Mann starken Armee besetzt.
Die von der Dürre heimgesuchten Länder der Sahel-Zone bieten Gadhafi viele Möglichkeiten der Einmischung. Gadhafi
stellt den nomadischen Tuareg-Stämmen auch weiterhin Waffen
und Ausbildung zur Verfügung, um diese in die Lage zu versetzen, die Regierungen von Mali und Niger zu unterwandern.
Gadhafi ist ebenfalls dazu entschlossen, Zaires Präsident
Mobutu zu stürzen. Er wird dazu bewegt von seiner Feindlichkeit gegenüber Kinshasas engen Bindungen zum Westen, der Anerkennung Israels und der Unterstützung von Präsident Habre im
Tschad. Gadhafi ist sich der Rolle Zaires als eines Hauptproduzenten von Kobalt und anderer strategisch verwendbarer Mineralien wohl bewußt. Tripolis stellt verschiedenen GuerrillaGruppen, zu denen auch die Nationale Front zur Befreiung des
Kongo und die Kongelesische Nationale Bewegung gehören, Ausbildung in Sabotage und Handwaffen zur Verfügung. In an Zaire
angrenzenden Ländern sind libysche diplomatische Vertretungen
- 8 -

�diplomatische Vertretungen Zentren der Unterstützung für all
diese Gruppen.
Einmischung in Lateinamerika und der Karibik
Gadhafis Vorsatz, die Interessen der Vereinigten Staaten
zu bekämpfen und seine Philosophie der Revolution zu verbreiten, hat zu einer aggressiveren libyschen Haltung in Lateinamerika geführt. Obwohl viele Regierungen und Gruppierungen
in dieser Region genug von Gadhafi haben, so sind einige doch
bereit, seine finanzielle und militärische Hilfe zu akzeptieren.
Tripolis betrachtet Nicaragua als Stützpunkt in Mittelamerika und versucht daher, die Diktatur der Sandinisten in
Managua zu unterstützen. Zusätzlich zu den mehreren hundert
Millionen Dollar Wirtschaftshilfe besteht Gadhafis Unterstützung der Sandinisten auch aus Flugabwehrgeschützen, SA-7 Boden-Luft-Raketen mit Abschußvorrichtungen und Handwaffen. Es
halten sich wenigstens einige Dutzend Personen libysches Militärpersonal in Nicaragua auf. Libyens Unterstützung hat die
Fähigkeit der Sandinisten erhöht, ihre Nachbarstaaten zu unterminieren. Darüber hinaus hat Libyen Geld und Waffen an die
Aufständischen in Guatemala und El Salvador und auch an die
terroristische Vereinigung M-19 in Kolumbien geliefert. Im
vergangenen Jahr hat Libyen einer stark linksgerichteten Gruppe von Terroristen, denen einen Schlüsselrolle zukommt, Ausbildung, Beratung und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt und sie in die Lage versetzt, ihre bewaffneten Aktionen
gegen die chilenische Regierung auszudehnen.
Libysche Agenten waren, besonders seit dem Sommer 1984,
zunehmend auf den Karibischen Inseln aktiv. Der auf den Zusammenbruch der Bishop-Regierung im Jahr 1983 folgende Verlust
des Volksbüros in Grenada zwang Libyen zu dem Versuch, seine
subversiven Zentren in anderen Orten mit diplomatischen Vertretungen in der Region einzurichten. Gadhafi hat dort auch
die Religion als Deckung für geheimdienstliche Tätigkeit benutzt und islamische Konferenzen unterstützt, bei denen die
libyschen Teilnehmer oft Offiziere des Geheimdienstes oder
Funktionäre des Libyschen Revolutionskommitees sind. Linksgerichtete Führer aus der Dominikanischen Republik, Dominica,
Barbados, Antigua, St. Vincent, St. Lucia, den französischen
Departments und anderen Regionen wurden zu "Seminaren" oder
paramilitärischer Ausbildung nach Libyen eingeladen.
Besonders besorgniserregend sind die libyschen Bemühungen,
linksgerichtete Politiker zu ermutigen, eher gewaltsame Aktionen zu unternehmen als mit rechtmäßigen Mitteln die gemäßigten
Regierungen der Region zu ersetzen.
Süd- und Südostasien
- 9 -

�Süd- und Südostasien
Wie überall regeln die libyschen diplomatischen Vertretungen die Infrastruktur der libyschen Subversion, verteilen finanzielle Mittel und arrangieren die Ausbildung linker und anderer Dissidenten.
In Südasien konzentrieren sich die libyschen Bemühungen
auf islamische Staaten. Wenn man seine Abhängigkeit von sowjetischen Waffen bedenkt, ist Gadhafi zweifellos einer der
wenigen moslemischen Führer, die nicht die sowjetische Besetzung Afghanistans kritisieren. Obwohl Libyen Beziehungen zu
Pakistan unterhält, gab es Verbindungen zur terroristischen
Vereinigung "al-Zulfiqar". Darüber hinaus stellt Gadhafi den
Gegnern Präsident Erschads von Bagladesh Ausbildung und Geldmittel zur Verfügung.
In Südostasien konzentriert sich Gadhafi auf moslemische
Minderheiten. Er stellt seit einiger Zeit paramilitärische
Ausbildung für eine kleine Gruppe moslemischer Aufständischer
im Süden Thailands zur Verfügung. Auf den Philippinen unterstützt Libyen weiterhin die moslemischen Moro-Separatisten auf
Mindanao, obwohl ein Abkommen mit Manila von 1976 die Einstellung dieser Hilfe vorsieht. Obwohl Neukaledonien, im Südpazifik unter französischer Herrschaft, keine nennenswerte moslemische Bevölkerung hat, stellt Libyen dennoch der Sozialistischen Nationalen Befreiungsfront Kanak militärische Ausbildung
und Geldmittel zur Verfügung. Die Gruppe ist verantwortlich
für die meisten Gewaltakte zur Erlangung der Unabhägigkeit der
Insel. Es ist bekannt, daß Funktionäre des libyschen Geheimdienstes auf anderen Inseln Ozeaniens aktiv sind.
Die Zersetzung internationaler Normen
Gadhafis Subversionsbemühungen sind nicht auf diejenigen
Länder beschränkt, die das direkte Ziel seiner Ambitionen
sind. Die gesamte internationale Gemeinschaft leidet unter
Gadhafis Mißachtung internationaler Verhaltensmuster und anerkannter Verfahrensweisen. Gadhafi hat diplomatische Privilegien zu terroristischen Zwecken mißbraucht, internationale Abkommen verletzt und ein zunehmendes Maß an terroristischer Gewalt gegen politische Gegner angewandt. Darüber hinaus hilft
Gadhafis Unterstützung des Terrorismus, ungeachtet seines direkten Einsatzes in einer bestimmten terroristischen Aktion,
den Terrorismus als eine annehmbare politische Aktivität zu
rechtfertigen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST

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4

Wissenschaft und Technik

15. Januar 1986

NEUE GENERATION VON WETTERBEOBACHTUNGSSATELLITEN
Bessere Möglichkeiten für kurzfristige Veränderungen und
die aktuelle Warnung -

- (AD) - Verbesserte Kurzzeit-Vorhersagen und exaktere
Sturmwarnungen für einzelne Gebiete sollen neue Satelliten zur
Wetterbeobachtung ermöglichen, die ab 1989 zur Verfügung stehen. Die amerikanische Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA)
hat inzwischen drei Exemplare des neuen GOES-Satelliten bestellt. GOES bedeutet "Geostationary Operational Environmental Satellites" d.h. Satelliten für Umweltbeobachtung auf stationärer Bahn (in 36 000 km Höhe). Vertragspartner ist die
Ford Aerospace and Communications Corporation), die gemeinsam
mit ITT (International Telephone and Telegraph) die Entwicklungen durchgeführt hat.
Während die gegenwärtigen GOES-Satelliten der NOAA (amerikanische Behörde für Meere und Atmosphäre) die Ermittlung von
Temperaturen, Feuchtigkeitsgrad und Wolkenfeldern über einem
Gebiet zulassen, das bis auf etwa zehn Kilometer eingegrenzt
werden kann, erhöht sich die Positionsgenauigkeit der neuen
Geräte auf zwei Kilometer Durchmesser für Bereiche an der Erd-

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�der Erdoberflache. Dies wird durch eine neuartige Stabilisierung des Satelliten erreicht. Anstelle der bisher üblichen
Drallstabilisierung wird die Stabilisierung über drei Achsen
eingeführt. Die Instrumente werden auf diese Weise ständig
zur Erde orientiert. Daraus ergeben sich genauere Meßprofile
für Temperatur und Feuchtigkeit in verschiedenen atmosphärischen Höhenschichten, was genauere Voraussagen von heftigen
Stürmen oder Springfluten erleichtert.
Im Gegensatz zu den heute gebräuchlichen GOES-Satelliten,
die mit einem Vielzweck-Instrument sowohl zur optischen Beobachtung als auch zur Meßdatenerfassung ausgerüstet sind, wurden bei der neuen Generation Optik und Meßdaten-Sondierung getrennt. Da die Instrumente jedoch, wie Burton Edelson von der
NASA erläuterte, zeitgleich aufnehmen, "bekommen wir die für
lokale Sturmwarnungen so wichtigen Meßdaten, ohne daß, wie
bisher, die Aufnahme von Wolkenfeldern unterbrochen wird.
Dies wiederum ist zur Berechnung von Windgeschwindigkeiten
notwendig".
Die Kamera liefert Aufnahmen von der Erdoberfläche, den
Meeren, der Wolkenbedeckung und der Entwicklung von Sturmfronten im sichtbaren Licht und im infraroten Spektralbereich.
Die Qualität im sichtbaren Licht sei, so Donald Rassier, Präsident von "Ford Aerospace", etwa dem Auflösungsvermögen einer
Kamera vergleichbar, "die die Landung eines Jumbo-Jets in 5000
km Entfernung vom Aufnahmeort beobachtet". Auch die Infrarotoptik sei gegenüber den heute gebräuchlichen Instrumenten erheblich besser, obgleich sie kleiner und billiger als die der
jetzigen Systeme sei. Wie die NOAA in diesem Zusammenhang
mitteilte, ist das Auflösungsvermögen für Infrarotmessungen
zur Wolkenidentifizierung viermal größer als bei den gegenwärtig verwendeten Instrumenten.
Die Sonde mißt atmosphärische Temperaturen, indem sie die
Intensität der von der Luft in verschiedenen Höhen abgegebenen
Infrarotstrahlung erfaßt. Jeder ihrer 19 Kanäle ist auf einen
anderen Bereich von Infrarotstrahlung abgestimmt, der jeweils
dem der Luftschicht entspricht, die bevorzugt diese Strahlung
abgibt. Laut "Ford Aerospace" beobachten und erfassen die
neuen GOES-Satelliten die Wetterentwicklung über den Vereinigten Staaten selbst, dazu über weite Teile des zentralen und
östlichen Pazifik und über dem zentralen und westlichen Teil
des atlantischen Ozeans.
Das amerikanische Wettersatellitenprogramm in seiner heutigen Form sei, wie Edelson erklärte, das Resultat der engen
Partnerschaft von NASA, NOAA (der Behörde, die die amerikanischen Wetterbeobachtungssatelliten betreibt) und der Industrie. Sie begann vor mehr als 35 Jahren. Zusammen mit neuen
Radaranlagen und Computern höchster Leistungsfähigkeit bilde
- 2 -

�Leistungsfähigkeit bilde das neue GOES-Satellitenprogramm das
Grundelement für die Verbesserung des NOAA-Wetterdienstes,
sagte Anthony Calio, Chef der NOAA. Das künftige System trage
dazu bei, öffentliche Sicherheit zu schaffen, Eigentum besser
zu schützen und die wirtschaftliche Entwicklung vernünftig zu
fördern. Zusätzlich zur Wetterbeobachtung erweitern die neuen
Geräte das internationale Such- und Rettungsprogramm SAR für
in Not geratene Flugzeuge und Schiffe, das bisher von den Vereinigten Staaten, Kanada, Frankreich und der Sowjetunion
durchgeführt wird. Eine Anzahl anderer Staaten beabsichtigen,
sich ihm anzuschließen.
Bei den neuen Wettersatelliten handelt es sich um die ersten Geräte dieses Typs, die von einem Raumtransporter aus gestartet werden können. Dadurch würden sich, wie Edelson erklärte, die Startkosten erheblich verbilligen. Auch trage die
Modularbauweise dazu bei, den Aufgabenbereich auszuweiten, ohne daß der ursprüngliche Anwendungszweck beeinträchtigt werde.

- 3 -

�AMERIKA DIENST
VON«''4

Wissenschaft und Technik

15. Januar 1986

LEBENSWUNDER IM EWIGEN EIS
Primitive Organismen - Modell für gentechnologische
Prozesse -

- (AD) - Bei Untersuchungen an Mikroorganismen, die in
winzigen Salzwasserkanälen im Eis der Meere um die Antarktis
leben, isolierten Wissenschaftler von der Universität Südkalifornien (USC) einen bisher unbekannten Typ eines Enzyms.
Es könnte für die Gentechnik sehr wichtig werden, weil es, wie
die Nationale Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) mitteilte,
50 Mal wirksamer ist als die für klonierungsund Gensyntheseprozesse im Laboratorium verwendeten Substanzen.
Enzyme sind Eiweißverbindungen in pflanzlichen und tierischen Organismen sowie in Bakterien, die als eine Art Katalysator bestimmte biochemische Reaktionen auslösen oder beschleunigen. Aber sie bleiben gewöhnlich nur in Temperaturbereichen wirksam und stabil, in denen die Lebensprozesse der
betreffenden Organismen normalerweise ablaufen.
Dr. Cornelius W. Sullivan, Direktor der Forschungsabteilung für Meeresbiologie von USC in Los Angeles, befaßte sich
gemeinsam mit Dr. Hiroaki Shizuya und Dr. Hiromi Kobori mit
den Lebensbedingungen und der Bedeutung von Algen und Bakte-

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�und Bakterien, die im Eis der antarktischen Meere leben. Die
Region mit ihren extrem tiefen Temperaturen verlangt ja eine
spezielle Anpassung der biologischen Prozesse und physiologischen Reaktionen bei den Lebewesen, die dort zu Hause sind.
Sowohl im Gebiet des McMurdo-Sunds am Rande des RossmeerSchelfeises als auch des etwa 3000 km davon entfernten Schelfeises des Weddell-Meeres fanden die Forscher diese Kleinlebewesen in sehr dichten Populationen. Sie bilden für Krill und
andere Kleinkrebse eine wichtige Nahrungsquelle. Ungeachtet
der Dauerkälte vermehren sich bestimmte Gruppen der dort aufgefundenen Bakterien erstaunlich schnell, fanden die Forscher..
Das bedeute, so Sullivan, eine bemerkenswert gute Anpassung an
die Umwelt und einen sehr hohen "Nutzeffekt" der Syntheseprozesse für den Aufbau von Makromolekülen wie DNS (Desoxyribonucleinsäure), RNS (Ribonucleinsäure), Proteinen (Eiweißverbindungen) Kohlehydraten und Lipiden (Fettsubstanzen). Bei
DNS und RNS handelt es sich um jene chemischen Materialien, in
dem die genetischen Informationen für den Aufbau lebender Zellen gespeichert sind (DNS) bzw. mit dem die Protein-Produktion
in den Zellen gesteuert wird (RNS).
Sullivan und Mitarbeiter isolierten einen neuen Typ einer
alkalischen Phosphatase (APase) - eines Enzyms, das gewisse
Phosphatgruppen von DNS- und RNS-Molekülen abspaltet. Für
Klonierungs- und Gensyntheseprozesse im Laboratorium ist dieses Abspalten ein ganz wichtiger Schritt, für den gegenwärtig
eine aus dem Bakterium Escherichia coli gewonnene APase benutzt wird. Diese hat jedoch den Nachteil, sehr hitzebeständig zu sein, so daß sie sich durch einfache Wärmebehandlung
nicht inaktivieren läßt. Dafür ist aus dem genannten Grund
ein äußerst umständliches Verfahren erforderlich. Im Gegensatz dazu ist bei der APase aus antarktischen Meeresbakterien
- das Enzym konnten die Wissenschaftler inzwischen rein darstellen - nicht nur die Inaktivierung durch einfaches Erhitzen
sehr rasch zu bewerkstelligen, sondern es ist auch 50 Mal
wirksamer als die APase aus E .coli-Bakterien.
Die Forscher von der Universität Südkalifornien sind der
Ansicht, daß Bakterien aus Regionen der Antarktis überdies eine Quelle zur Identifizierung und Isolierung neuer Typen nützlicher Enzyme darstellen, die bis in den Temperaturbereich um
Null Grad (Celsius) wirksam sein oder die schon bei relativ
niedrigen Temperaturen inaktiviert werden könnten. Auch sei
es denkbar, daß diese Bakterien eine Quelle für die Entwicklung neuer Antibiotika darstellen. Entsprechende Untersuchungen zu diesem Fragenkomplex wurden bisher noch nicht in Angriff genommen.
Es zeigte sich, daß Bakterien aus der Antarktis sehr häufig ein Plasmid enthalten - ein ringförmiges DNS-Moelkül, das
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�DNS-Molekül, das zusätzlich zum regulären Chromosomensatz aus
DNS in Bakterienzellen vorkommen kann. Diese Beobachtung lasse, wie Dr. Sullivan meint, darauf schließen, daß Plasmide in
den antarktischen Mikrobenpopulationen, die heute in den marinen Ökosystemen aus grauer Vorzeit leben, dort etwas alltägliches seien. Für Meeresökologen, die die Funktionen und die
Entwicklung von Plasmiden in einer von der menschlichen Zivilisation noch nicht berührten oder gar beeinträchtigten Welt
erforschen wollen, sei diese Tatsache von großer Bedeutung.

* *

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